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Über die Komfortzone hinweglesen – Kristin aus der Schmökerrunde

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Podcast · Folge 97

Über die Komfortzone hinweglesen

Kristin ist seit Januar 2021 dabei. Ein Gespräch über Lesen im Lockdown, Leseflauten, Krimis als Rettungsanker – und darüber, wie man mit einem Kleinkind zum Lesen kommt

6. März 2025 · 51 Minuten · Ganze Folge hören ↓

Manchmal ist die interessanteste Perspektive auf eine Community nicht die von innen, sondern die von jemandem, der einfach dazugekommen ist. Kristin ist seit Januar 2021 Teil der Schmökerrunde – vier Jahre, in denen sich in ihrem Leben ziemlich viel verändert hat. Das Gespräch beginnt wie immer mit einer gedanklichen Reise: Wir sitzen in ihrer Küche, wo sie morgens vor dem Frühstück liest, und trinken Himbeertee aus ihrer Teemaschine. Aufgenommen haben wir digital.

Porträt von Kristin

Kristin

Community-Mitglied seit Januar 2021

Kristin hat Jura studiert und im November 2020 ihr zweites Staatsexamen abgeschlossen – mitten im Lockdown, auf Arbeitssuche, in einer Zeit, in der niemand irgendwo hinkonnte. Im Januar 2021 hat sie uns über Instagram gefunden. Heute arbeitet sie in Teilzeit, hat einen kleinen Sohn und liest trotzdem – oder gerade deshalb – sehr viel. Ihre Lieblingsgattung sind Krimis, ihr Lieblingsfernsehtermin ist Aktenzeichen XY.

Wie Kristin zu uns gefunden hat

Ihre Geschichte fängt nicht schön an, und sie sagt das auch selbst dazu. Januar 2021, mitten im Corona-Lockdown: Das zweite Staatsexamen war im November abgeschlossen, Hotels waren zu, nach 22 Uhr durfte man nicht mehr vor die Tür, und sie stand vor der Frage, was jetzt eigentlich kommt. Bewerbungen schreiben ging – alles andere nicht.

Da war ich echt in so einem Verharrungsmodus und habe erst mal irgendwie so gefühlt gar nichts gemacht.Kristin

Im Januar kam der Punkt, an dem sie sich sagte: So kannst du nicht weitermachen. Also die ganz profane Frage – woran hast du eigentlich Spaß? Ein neues Hobby suchen, obwohl man gerade keine Hobbys haben durfte und niemanden treffen konnte. Sie ist ein Mensch, der gerne unter Menschen ist; sie hat jahrelang Mannschaftssport gemacht. Im Januar 2021 keine Chance.

Gefunden hat sie uns über Instagram, wahrscheinlich bei der Suche nach Buchempfehlungen. Was sie überzeugt hat: Wir hatten »Unorthodox« gelesen – ein Buch, das sie unabhängig von uns schon kannte und großartig fand. Ihr erstes Buch mit uns war dann »Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden« von Lori Gottlieb, was zufällig ziemlich genau zu ihrer Situation passte.

Wenn das Lesen hinten runterfällt

Ein Missverständnis, das Helen im Gespräch auflöst: Man denkt oft, wer im Studium ohnehin so viel lesen muss, liest privat gar nicht mehr. Bei Kristin war es anders. Während der Examensvorbereitung war Lesen zwar das Letzte, woran sie dachte – aber verloren hat sie den Spaß nie.

Ihre Erklärung ist einfach: Es gibt zwei Arten von Lesen. Das Unangenehme und das, was man aus Spaß macht. Und Leseflauten hat sie schon, aber die kommen und gehen von selbst.

Daraus wird der praktischste Tipp der Folge, und er ist Kristins: Wenn du feststeckst, nimm nicht das Buch, das gerade dran wäre, sondern das, auf das du beim Kaufen so richtig gebrannt hast. Dass es beim aktuellen nicht weitergeht, ist manchmal einfach ein Hinweis.

Das Zweite, das ihr verlässlich hilft: Krimis. Angefangen hat sie mit neun oder zehn, lange Zeit skandinavische und vor allem isländische, inzwischen ist sie näher an der Heimat angekommen – zurzeit liest sie die Nordsee-Krimis von Mathijs Deen.

»Über die Komfortzone hinweglesen«

Der Satz, der der Folge ihren Titel gegeben hat, fällt beiläufig. Es geht um die Frage, warum wir eigentlich so viel harten Stoff lesen – und darum, dass es zwischendurch auch mal Unterhaltung sein darf.

Natürlich ist das okay, wenn jeder in seiner Komfortzone liest, aber für mich ist dann der Reiz weg. Also ich möchte schon auch über meine Komfortzone hinweglesen.Kristin

Wichtig ist ihr die andere Hälfte des Gedankens: dass nach zwei, drei Büchern, bei denen man schlucken muss, auch mal wieder eins kommen darf, bei dem man nicht hinter jedem Nachbarn etwas Schlimmes vermutet. Das härteste Buch, das wir je gemeinsam gelesen haben, war für beide »Kukolka«.

Lesen mit einem Kleinkind

Kristin arbeitet 80 Prozent, also knapp 31 Stunden, und hat einen Sohn, der zum Zeitpunkt der Aufnahme 15 Monate alt ist. Ihre Antwort auf die Frage, wie das mit dem Lesen geht, ist ungewohnt klar: Sie hat sich vorgenommen, dass es nicht hinten runterfällt, weil es ihr guttut. Me-Time, wo andere in die Badewanne gehen.

Der praktische Teil: Als ihr Sohn nachts noch häufig wach wurde, hat sie sich eine kleine Klemmlampe fürs Buch gekauft und gelesen, während er getrunken hat. Sie sagt, sie habe selten so viel weggelesen wie in dieser Zeit. Heute liest sie abends, wenn er schläft – ein, zwei Stunden, aber nicht jeden Tag.

Jetzt soll sich davon bitte keiner und vor allem keine Mutter unter Druck gesetzt fühlen. Das ist nicht selbstverständlich, jeden Tag ein, zwei Stunden zu lesen.Kristin

Dazu kommt das Buch in der Tasche, für jede Wartesituation. Rory-Gilmore-mäßig, wie Helen es nennt.

Warum wir alle ein anderes Buch lesen

Der Abschnitt, in dem das Gespräch am meisten über unsere Buchbesprechungen verrät. Kristin hat »Die Welt vor den Fenstern« mit ihrem juristischen Hintergrund gelesen – mit der Jugendamtsbrille, wie sie sagt: Das ist Kindeswohlgefährdung, das Kind muss da raus. Andere haben dasselbe Buch als Fantasiewelt eines Mädchens gelesen, das sich seine Welt ausmalt.

Ihre Schlussfolgerung: Die eigene Vorprägung entscheidet mit, welches Buch man liest. Deshalb ist es auch kein Zeichen von Unaufmerksamkeit, wenn einem etwas entgangen ist, das anderen aufgefallen ist – man nimmt einfach anderes wahr.

Ein Gedanke, auf den Helen im Gespräch selbst noch nicht gekommen war: dass Autorinnen und Autoren in Livestreams vielleicht mit Absicht nicht verraten, was sie sich bei einer Figur gedacht haben – um niemanden vorzuprägen.

Der Helikopter beim kleinen Lord

Die Anekdote, an die sich beide am liebsten erinnern. Bei einem gemeinsamen Filmabend wollten alle dieselbe Verfilmung gucken – und hatten dann doch nicht alle dieselbe. Irgendwann sagte jemand in die Runde, bei ihr sei der gerade mit dem Helikopter gelandet, während alle anderen bei Kutschen und altem England waren. Es gibt tatsächlich eine moderne Fassung von »Der kleine Lord«.

Ähnlich beim Filmabend zu »Anna Karenina«: Kristin mag an der Theaterfassung des Films gerade, dass sie offen zeigt, wie viel sie weglassen muss – Kulissen werden im Hintergrund einfach hochgezogen. Das findet sie erfrischend ehrlich.

Was sie an der Schmökerrunde hält

Vier Jahre – die Frage, was einen so lange dabeihält, beantwortet sie mit dem Gesamtpaket. Nicht jedes Angebot ist für sie: Kochabende zum Beispiel eher nicht, weil zu Hause ihr Mann kocht und sie sich da in ihrer Komfortzone ausruht. Aber die Abstimmungen mitzumachen, eigene Vorschläge einbringen zu können, ab und zu bei einer Buchbesprechung dabei zu sein – das ist es.

Und der Punkt, den sie am stärksten macht: dass man mit seinen Gedanken zu einem Buch nicht allein bleibt. Wenn eine Figur einem furchtbar auf die Nerven geht, kann man in die Gruppe fragen, ob es nur einem selbst so geht.

Kleine Richtigstellung: Im Gespräch ordnet Helen »Babel« Susanna Clarke zu – mit einem Fragezeichen. Der Roman stammt von R. F. Kuang; von Susanna Clarke sind »Piranesi« und »Jonathan Strange & Mr Norrell«.

Die Bücher aus dem Gespräch

Zehn Titel – von Kristins Einstieg bei uns bis zu dem dicken Schinken, um den Helen bisher herumgeschlichen ist. Sieben davon haben wir gemeinsam gelesen: Bei denen kommst du über die Buchseite zur ganzen Leserunde und kannst sie in deinem Tempo nachholen.

Buchcover »Unorthodox« von Deborah Feldman

Unorthodox

Deborah Feldman

Das Buch, das Kristin schon gelesen hatte, bevor sie uns kannte – und das sie bei uns wiederfand. Für sie bis heute ein Beispiel dafür, dass ein schweres Buch hoffnungsvoll enden kann.

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Leserunde nachholenMonatsbuch September 2020

Buchcover »Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden« von Lori Gottlieb

Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden

Lori Gottlieb

Ihr erstes Buch mit uns, im Januar 2021 – eine Psychotherapeutin, die selbst in Therapie geht. Kristin sagt, dass es zufällig ziemlich genau in ihre damalige Situation passte.

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Leserunde nachholenMonatsbuch Januar 2021

Buchcover »Kukolka« von Lana Lux

Kukolka

Lana Lux

Für beide das härteste Buch, das wir je gemeinsam gelesen haben. Kristin hat es zu Ende gelesen – und danach eine Weile gebraucht, um wieder herauszukommen.

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Leserunde nachholenMonatsbuch April 2022

Buchcover »Die Welt vor den Fenstern« von Tatjana von der Beek

Die Welt vor den Fenstern

Tatjana von der Beek

Das Buch, an dem sich zeigte, wie unterschiedlich wir lesen: Kristin las es mit ihrer juristischen Vorprägung als Fall von Kindeswohlgefährdung, andere als Fantasiewelt eines Kindes.

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Leserunde nachholenMonatsbuch Mai 2022

Buchcover »Meine Schwester, die Serienmörderin« von Oyinkan Braithwaite

Meine Schwester, die Serienmörderin

Oyinkan Braithwaite

Ihr Beispiel dafür, wie man ein Buch trotzdem gern liest, wenn die Story nicht das eigene Ding ist: Sie hat es wegen der Szenen in der Krankenhausaufnahme in Lagos weitergelesen.

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Leserunde nachholenMonatsbuch Oktober 2022

Buchcover »Adas Raum« von Sharon Dodua Otoo

Adas Raum

Sharon Dodua Otoo

Anspruchsvoll und trotzdem stellenweise sehr komisch – und der einzige Livestream bisher, in dem Helen die Autorin gesiezt hat.

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Leserunde nachholenMonatsbuch September 2021

Buchcover »Wir von unten« von Natalya Nepomnyashcha

Wir von unten

Natalya Nepomnyashcha

Das Buch, das sie zuletzt nebenher gelesen hat: sozialer Aufstieg aus einer Hartz-IV-Familie – und die Frage, wo Schule und Gesellschaft dabei versagen.

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Buchcover »Was wollt ihr denn noch alles?!« von Alexandra Zykunov

»Was wollt ihr denn noch alles?!«

Alexandra Zykunov

Lag bei ihr schon auf dem Stapel, als Helen im Gespräch warnte: Es macht wütend. Beide finden, dass genau das sein Wert ist.

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Buchcover »Anna Karenina« von Leo N. Tolstoi

Anna Karenina

Leo N. Tolstoi

Der Filmabend, an dem alle dieselbe Verfilmung gucken wollten und niemand dieselbe hatte. Das Buch würden beide nicht noch einmal lesen – den Film schon.

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Leserunde nachholenFerienlager 2021

Buchcover »Babel« von R. F. Kuang

Babel

R. F. Kuang

Der dicke Schinken, um den Helen in der Buchhandlung herumgeschlichen ist – und dem sie am Ende der Folge doch eine Chance geben will.

Bei Thalia ansehen *

Außerdem im Gespräch und ebenfalls gemeinsam gelesen: »Little Women« von Louisa May Alcott (Oktober 2020 – tatsächlich kurz vor Kristins Zeit, wie Helen im Gespräch vermutet), »Die Zeit der Weihnachtsschwestern« von Sarah Morgan (Dezember 2021) und »Die Morde von Mapleton« von Brian Flynn (Dezember 2023). Auch diese drei Leserunden kannst du nachholen.

*Mit Sternchen markierte Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

51 Minuten darüber, was Lesen in einer schwierigen Zeit tragen kann – und wie es sich anfühlt, seit vier Jahren einfach dabei zu sein.

Die ganze Folge hören

Häufige Fragen

Was hilft gegen eine Leseflaute?

Kristins Tipp: nicht das Buch weiterquälen, das gerade dran wäre, sondern das nehmen, auf das man beim Kaufen so richtig gebrannt hat. Und ein Genre bereithalten, das verlässlich zieht – bei ihr sind das Krimis. Helen ergänzt: Wer zu etwas greift, worauf er keine Lust hat, verlängert die Flaute nur.

Wie liest man mit einem kleinen Kind?

Kristin hat nachts mit einer kleinen Klemmlampe am Buch gelesen, während ihr Sohn getrunken hat – und sagt, sie habe selten so viel geschafft. Heute liest sie abends, wenn er schläft, ein bis zwei Stunden. Wichtig ist ihr der Zusatz, dass das nicht jeden Tag klappt und niemand sich davon unter Druck setzen lassen soll.

Was heißt »über die Komfortzone hinweglesen«?

Bewusst auch Bücher lesen, die man sich selbst nicht ausgesucht hätte – andere Genres, schwierige Themen, ungewohnte Erzählweisen. Kristin sagt, sonst sei für sie der Reiz weg. Gleichzeitig darf zwischen zwei schweren Büchern auch mal Unterhaltung stehen.

Warum lesen alle dasselbe Buch anders?

Weil jede*r seine eigene Vorprägung mitbringt. Kristin hat »Die Welt vor den Fenstern« mit juristischem Blick als Fall von Kindeswohlgefährdung gelesen, andere als Fantasiewelt eines Kindes. Wer beim Lesen etwas übersehen hat, war deshalb nicht unaufmerksam – er hat anderes wahrgenommen.

Was ist die Schmökerrunde?

Unsere Community: Wir stimmen gemeinsam über die Bücher ab, besprechen sie in Videocalls, treffen uns zu Livestreams mit Autorinnen und Autoren und zu Events wie Koch-, Mal- und Filmabenden. Man muss nirgends dabei sein – auch das Mitlesen ist freiwillig.

Muss man jedes Buch mitlesen?

Nein. Kristin liest nicht jedes Buch mit, und auch bei den Events sucht sie sich aus, was zu ihr passt. Ihr Ansatz, wenn ein Buch nicht ihr Ding ist: nach einem Aspekt suchen, der sie interessiert – ein Land, ein Milieu, ein Thema – und danach lesen.

Die ganze Folge zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.

Helen
Herzlich willkommen, Kristin. Ich freue mich sehr heute mit dir über deine langjährige Mitgliedschaft bei Mädels, die lesen darüber zu sprechen, wie viel du liest, wann du liest, wie du das mit deinem Alltag zusammenbringst. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht.

Kristin
Ja, hallo Helen. Ich habe mich sehr über deine Einladung gefreut. Ich freue mich sehr, dir heute was erzählen zu dürfen. Und ich sitze jetzt im Moment in der Küche und wo ich übrigens auch morgens, wenn das passt, gerne auch nochmal lese vor dem Frühstück und habe hier einen Himbeer-Tee aus meiner Teemaschine, der mir auch immer beim Lesen hilft.

Helen
Nee, du hast richtig so eine Teemaschine, die man dann einstellt. Kann man da ganz normale Beutel reinmachen?

Kristin
Das ist ein Kapselsystem, aber man kann tatsächlich die Temperaturen verschieden einstellen. Also für Schwarztee und so weiter. Das ist…

Helen
Sorry. Kurz abschweifen direkt am Anfang. Kaufst du dann überhaupt noch anderen Tee, der nicht in die Maschine geht?

Kristin
Doch, doch, das auch. Ja, ich bin schon begeisterte Teetrinkerin und eben gerade beim Lesen finde ich das immer sehr angenehm. Vor allem Winter, mache ich das sehr, sehr gerne.

Helen
Super, okay, da sind wir auf einer Wellenlänge, ich glaube nur nicht unbedingt bei der Teesorte. Also ich trinke Himbeerblättertee, aber ich glaube, das ist halt, also für mein Gefühl ist der eher so ein Kräuter-Tee und ich glaube es ist anders, ne, weil das wahrscheinlich Früchte, was du trinkst.

Kristin
Das ist Früchte, ja genau, ich bin ein großer Früchtetee-Fan. Also ich würde jetzt aber dir zuliebe, weil du ja davon überzeugt bist, meinen Himbeertee natürlich jetzt auch mal trinken und probieren und wer weiß. Vielleicht kommst du auf den Geschmack.

Helen
Vielleicht komm ich auf den Geschmack, aber falls nicht, ist ja auch nicht so schlimm, dann trinken wir uns zumindest im Teeglas nichts weg. Aber dann würde ich sagen, stoßen wir einmal an und ja, starten das Gespräch. Ich hab dich eingeladen, hauptsächlich weil du jetzt echt schon lange dabei bist. Wir kennen uns ja eigentlich auch nur über Mädels, die lesen, aber haben uns bei verschiedenen Gelegenheiten ja auch schon mal gesehen. Du warst glaube ich, warst du nicht auch bei dem ersten Treffen oder bei dem in Köln warst du dabei?

Kristin
Ja, ich weiß nicht ob das in Köln das erste war. Ich glaube davor war zumindest noch ein anderes. Das eine war davor. Und da war ich nicht dabei, aber bei dem ersten, sag ich mal größeren Treffen, was in Köln war, war ich auf jeden Fall dabei. Ja.

Helen
Ja, und ich meine, du hast das auch vorhin gesagt, bevor wir aufgenommen haben, seit 21, also Januar 21, bist du dabei? Und ich meine irgendwie, ich weiß es nicht, manchmal, wenn ich so Jahreszahlen höre, gerade wenn die nach 2020 sind, dann denke ich, so ist es nicht so lange her, aber es ist halt auch schon vier Jahre.

Kristin
Ja, also gefühlt liegt da für mich schon eine ganze Welt dazwischen, muss ich sagen.

Helen
Ja, bei dir hat sich halt wirklich auch viel in der Zwischenzeit getan und ich habe dann eben auch so gedacht, das wäre ja eigentlich auch mal total spannend, darüber zu sprechen, wie sich das mit dem Lesen bei dir verändert hat. Aber vielleicht jetzt halt so einmal, wie hast du überhaupt zu Mädels, die lesen gefunden? Warum hast du vielleicht auch noch uns gesucht? Wie ging es dir Januar 2021 so?

Kristin
Okay, ja gut, erzähle ich gerne, wobei das als kleine Warnung jetzt am Anfang vielleicht nicht so schön wird. Genau, also Januar 21 ist ja wirklich mitten im Corona-Lockdown gewesen. Und ich muss sagen, am Anfang hat mich Corona noch nicht so gestört, weil es irgendwie so vorläufig war und man irgendwie dachte, das sind jetzt so zwei, drei Monate irgendwie, wo man mal ein bisschen verzichten muss. Also ich glaube, am Anfang hat das jeder nicht so richtig ernst genommen. Man hat ja schon gesehen, wie ernst es war. Aber man hat so gedacht, ja, ja, in so acht Wochen oder so ist das Ding vorbei. Und da in diesem Winter 2020, genau, also ich habe Jura studiert und habe da das zweite Staatsexamen gemacht. Und ich war da ohnehin irgendwie auf einmal stand ich vor so einem, oh Gott, was machst du jetzt? Also irgendwie war dann dieses zweite Staatsexamen abgeschlossen, dann war November 2020 und es war schon so richtig, alles runtergefahren, Hotels waren zu. Also von wegen, ja, du kannst ja jetzt mal Reisen gehen oder so, da konnte man, glaube ich, nach 22 Uhr nicht mehr aus dem Haus oder so. Ich meine, die Älteren hier erinnern sich noch. Ja. Und irgendwie war es für mich eine sehr unschöne Situation, weil in der Zeit dann auch noch irgendwie auf Arbeitssuche zu sein und so ein bisschen überhaupt sich irgendwie erst mal einen Platz suchen zu müssen. Das war nicht so schön. Und irgendwie im November, Dezember habe ich das nicht so gut hingekriegt. Also da war ich echt in so einem Verharrungsmodus und habe erst mal irgendwie so gefühlt gar nichts gemacht. So außer natürlich Bewerbungen schreiben, aber ansonsten habe ich echt in der Luft gehangen. Also es war nicht so angenehm. Und tatsächlich im Januar habe ich dann irgendwie gedacht, okay, so kannst du nicht weitermachen. Und dann habe ich gedacht, ja okay, wirklich so ganz profan, woran hast du denn Spaß? Wo könntest du dir jetzt ein neues Hobby suchen, obwohl man ja gerade keine Hobbys haben darf? Oder nichts machen darf, wo man irgendwie unter Menschen gehen muss? Und ich sag dazu gerne, dass ich eben sehr gerne unter Menschen bin und sehr gerne irgendwie einfach Leute treffe und habe auch früher jahrelang Mannschaftssport gemacht und so. Aber im Januar 21 keine Chance, ne? Und dann, ich weiß gar nicht, wie ich es genau gesehen habe, ich habe Mädels, die lesen, über Instagram gefunden. Also vielleicht habe ich auch einfach nach Buchempfehlungen oder so gesucht. Oder ein bisschen geguckt, was lesen andere denn gerade so. Und so habe ich es eigentlich entdeckt. Ja. Und hab dann natürlich erst mal so geguckt, was steht gerade so an, was wurde vielleicht schon gelesen. Dann hatte ich gesehen, dass ihr schon »Unorthodox« gelesen hattet. Das hatte mir super gefallen. Das hatte ich unabhängig von der Community gelesen, weil ich es ja damals noch nicht kannte. Ich hatte das hier liegen und habe es gelesen und dachte so: Das scheint ja so grob in meine Richtung zu sein, was es da so gibt. Und hab einfach mal gestartet dann mit dem, im Januar 21 war das das Buch mit der Psychologin. Ich glaube, das hieß »Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden«. Genau, das ist natürlich jetzt Zufall, dass das so ein bisschen in meine Situation passt. Aber naja, wie ging es einem in der Corona-Zeit schon. Ja, das stimmt.

Helen
Ach, okay, krass. Aber das wusste ich ja auch gar nicht so im Detail. Aber was ich gerade irgendwie so dachte, ist irgendwie, also erst mal freut mich das natürlich irgendwie auch, dass es dir geholfen hat. Aber ich mein irgendwie so wie verrückt auch, dass das so ähnlich ist, ne? Weil ich mein im Grunde ist das eine ziemlich ähnliche Story, vielleicht nicht so sehr dieses Sich-allein-Fühlen, aber auch so dieses irgendwie überfordert mit der Situation sein und dann lesen als Rettungsanker. Aber was ich total spannend auch daran finde, weil du warst im zweiten Staatsexamen hast du gesagt, und ich höre das gar nicht so oft von Leuten, dass sie gerade im Studium und gerade auch so bei sowas wie Jura dann Lesen eher hinten runterfällt, weil man schon so viel lesen muss, aber wahrscheinlich weil du explizit ja auch was anderes dann gelesen hast. Aber das hat dann dich in dem Moment gar nicht gestört. Also das war kein Faktor, sag ich mal.

Kristin
Nee, also klar, während man fürs Examen lernt, ist Lesen das Letzte, woran man denkt. Aber ich habe es ja immer gerne gemacht. Also auch wenn ich dazu kam oder man fährt ja auch, auch Juristinnen fahren ab und zu in den Urlaub, habe ich nie den Spaß am Lesen verloren. Es gab einfach zwischendurch mal so Flauten, sag ich mal. Hat man ja öfters mal. Und also ich würde behaupten, dass vor dem ersten Staatsexamen war es vielleicht gar nicht so schlimm. Aber vom zweiten hatte ich dann schon auch eher eine größere Leseflaute, die sich irgendwie von selbst ergeben hat. Aber dass mich das jetzt davon abgehalten hätte, nee. Also bewusst vor allem nicht, auch nicht während der Lernzeit, die davor ja lag, hat mich das jetzt bewusst nie gestört. Also im Gegenteil, man findet es ja auch mal schön. Wenn man so viel liest, dass man das dann macht und es macht einem Spaß. Es gibt ja zwei Arten von Lesen. Es gibt das Unangenehme und das, was man für den Spaß macht. Und insofern konnte ich das eigentlich mal besser, mal schlechter, aber immer gut verbinden.

Helen
Aber vielleicht ist das auch nochmal für alle, die irgendwie gerade im Studium sind oder so, und damit struggeln, auch nochmal ein ganz guter Reminder, dass man halt auch dann bewusst nach Sachen greift, Also nach Büchern greift die, auf die man Lust hat. Ich meine, ich merke das auch jetzt immer, immer wieder. Wenn ich versuche, was zu lesen, auf das ich keine Lust habe, dass mir einfach nicht so richtig Spaß macht, dann habe ich eine Leseflaute. Dann greife ich einfach nicht so viel zu dem Buch, weil ich so denke, oh nee, ich könnte ja auch YouTube anmachen.

Kristin
Ja, oder wirklich auch einfach, wenn man jetzt wirklich eine Auswahl zu Hause hat, einfach mal das nehmen, wo man beim Kauf so richtig dachte, Das möchte ich unbedingt als erstes lesen. Und dann hat es vielleicht nicht geklappt. Und man merkt aber bei dem jetzigen kommst du nicht so weiter. Dann ist es ja vielleicht auch manchmal einfach ein Hinweis. Okay, dann steig jetzt mal um auf das, worauf du so richtig gebrannt hast beim Kaufen. Und vielleicht kommst du so aus dieser Flaute auch einfach wieder raus.

Helen
Ja, das ist richtig gut. Deswegen denke ich auch immer so, wir sagen, also das war von Anfang an so. Wir haben von Anfang an gesagt, soll einfach Spaß machen. Man hat genug Verpflichtungen im eigenen Leben. Es muss ja kein Wettbewerb sein. Nein, freut mich auf jeden Fall, dass das so funktioniert hat. Was hat dir denn dann, oder was gefällt dir jetzt an Mädels, die lesen Du bist jetzt vier Jahre dabei geblieben. Also du, klar, vielleicht mal, du hast auch viel erlebt in den vier Jahren. Aber was hat dich dabei gehalten? War es dieser Spaßfaktor, dass du dachtest, irgendwie macht es kein Druck, kein No Pressure da.

Kristin
Ja, schon. Also natürlich ist es immer so ein bisschen das Erholungs- und Spaßprojekt, was man neben dem stressigen Alltag halt auch einfach hat. Also ich kann es ja mal kurz dazu sagen, weil du es jetzt schon zweimal angedeutet hast. Ich habe einen kleinen Sohn zu Hause, der ist jetzt 15 Monate alt und ich arbeite so 80 Prozent, also knapp 31 Stunden und mit einem einjährigen ist das wirklich nicht immer so einfach, um es ehrlich zu sagen. Insofern finde ich das schon schön, wenn ich das schaffe, dann so wie so kleine Erholungsinseln einfach in die Woche einzubauen. Und ja, da ist Mädels, die lesen super. Also man hat ja diesen über Instagram und über die Plattform, sage ich mal, hat man ja immer die Anbindung an die anderen Leserinnen und kann irgendwie im Zweifel mal … Ja, ich will sagen: Man kann sich auch mal beschweren, wenn irgendeine Figur völlig daneben ist, oder irgendwie dringend was loswerden muss und sagt, die Person geht ja gar nicht. Das kommt wirklich oft vor. Aber wenn wirklich mal irgendwas dabei ist, wo man dringend mal irgendwie ein Echo braucht, ob man als Einzige den Eindruck hat, dass die die Person so unangenehm ist oder vielleicht auch besonders oder irgendwie heraussticht, sag ich mal. Ob das jetzt mein singulärer Eindruck ist – oder man hört einfach mal in die Gruppe rein: Wie findet ihr die Person oder den Charakter? Das ist schon schön, dass man irgendwie mit seinen Gedanken nicht so alleine gelassen wird. Das macht für mich schon den Reiz aus.

Helen
Ja, das kann ich voll nachvollziehen Ich finde es vor allen Dingen auch mal spannend, dass man eigentlich bei jedem Buch alle Meinungen dabei hat. Das finde ich zeigt halt auch, dass es so individuell ist. Es kann natürlich der Zeitpunkt und irgendwie das passende Buch sein, aber es kann einfach auch sein, dass du es gut findest und die nächste Person nicht und dass das beides koexistieren darf, finde ich irgendwie super angenehm. Oder auch, dass jemand sagt, es war mir einfach auch egal irgendwie so. Auch das kann sein.

Kristin
Also ich war ja auch das ein oder andere Mal bei den Buchbesprechungen mit dabei und da sind oft so Dinge gefallen, wo ich gedacht habe, boah, das ist mir jetzt irgendwie gar nicht aufgefallen. Da musste ich nochmal an die Stelle zurückblättern, die die Person jetzt gerade erwähnt hat und muss mir das nochmal, nochmal irgendwie die Seite nochmal durchlesen, wo das passiert ist, weil ich das völlig anders wahrgenommen habe, was da gewesen ist. Das finde ich schon spannend. Also genau die Buchbesprechung geben doch nochmal immer so ein bisschen einen oder so kleine Hinweise oder so kleine Auffälligkeiten, die an einem selber so ein bisschen vorbeigegangen sind.

Helen
Ja, ja und da finde ich es halt nochmal krass hat, dass man wirklich auch merkt, jeder liest es mit einer anderen Brille. Weil man, also ich habe schon oft dann auch gehört, dass dann gerade wer vielleicht neu oder so dabei war, dann meinte, Oh je, ich habe es vielleicht gar nicht aufmerksam genug gelesen. Ich glaube, das ist nicht so, sondern du nimmst einfach andere Sachen wahr. Das ist ein anderer Fokus. Das haben wir ja schon mal festgestellt, bei dem, ich glaube, »Die Welt vor den Fenstern« hieß das, glaube ich. Bei dem Mädchen, was in diesem Waldhaus lebt, oder ich weiß gar nicht, das wirklich ein Haus.

Kristin
Doch, das war schon, glaube ich, ein richtiges Haus. Was von den Eltern so ein bisschen zu Hause, ich sag jetzt mal, gefangen gehalten wird, weil die nicht wollen, dass die da an äußere Einflüsse gerät, wie auch immer. Und ich hab das wirklich total mit meinem juristischen Hintergrund und dieser Jugendamtsbrille gelesen, so, ah, das ist Kindeswohlgefährdung, das geht gar nicht. Und andere haben das aus einem ganz anderen Blickwinkel gelesen, irgendwie aus dem, aus der Fantasiewelt oder aus dem Jahr, die musste sich dann in ihre Welt quasi so ausmalen, wie sie es sich vorstellt und haben sich vielmehr so in ihre Sichtweise rein denken können, als ich das jetzt so unter dieser, ja, die muss aus der Familie entfernt werden. Die muss man retten. Ja, genau. Die muss man da rausholen. Die muss in eine Pflegefamilie oder sonst was. Also da fand ich wirklich ganz krass, okay, meine eigene Vorprägung hat mich dieses Buch so lesen lassen, wie ich es auch wollte sozusagen. Ja.

Helen
Und das fände ich, also das finde ich halt auch voll spannend, wenn Autor\*innen zum Beispiel sagen, so ich schreibe das und was dann aber in der Welt da draußen passiert, das habe ich dann nicht mehr unter Kontrolle. Das stimmt natürlich auch, aber ich glaube, das fände ich manchmal gar nicht so leicht, weil irgendwie denke ich so, man hat doch wahrscheinlich schon immer irgendein Hintergedanken dabei, wenn man das schreibt. Ja. Aber so komplett anders aufgenommen. Ich weiß nicht, ob ich das so easy fände als Autorin. Für uns ist es natürlich spannend.

Kristin
Ja, oft wollen die natürlich auch ein Geheimnis draus machen, um so ein bisschen nicht ihre Sichtweise zu verraten, weil dann ist vielleicht auch der ein oder andere Leser enttäuscht. Ja, das stimmt auch nicht. Nee, so habe ich das aber gar nicht gesehen und dann sagen die natürlich, ah ja, das ist ein Geheimnis, das ist ein Geheimnis. Aber mich stört das, dass die das immer sagen. Ich will wissen, was die sich dabei gedacht haben. Boah, das ist ja auch jedes, jedem Livestream so. Warum macht die Figuren dieses und jene? Ja, da kommen wir aber immer nicht sehr weit mit. Genau, da kommen wir nie weit mit, weil man seine Leser nie vorprägen will.

Helen
Ja, wahrscheinlich. Also, finde ich irgendwie auch spannend, weil da habe ich noch nie darüber nachgedacht, dass das vielleicht auch Kalkül ist, warum die dann nicht sagen. Ich bin manchmal, glaube ich, so naiv und ich denke dann so, oh nee, die haben halt wirklich einfach… Die sind halt so… Einfach drauf losgeschrieben. Nein, nein, nein. Also das glaube ich nicht.

Kristin
Weil es ist auch deine Vorprägung, die dich das glauben lässt.

Helen
Ich finde das voll spannend. Aber das liebe ich ja total, weil das merkt man halt auch, wenn wir die Buchbesprechung haben. Und da kommen natürlich auch unterschiedliche Berufe dann zusammen. Also nicht nur Alter, Ort, irgendwie alles Mögliche, was anders ist, eben auch die Berufe und dann kann man ja oft wirklich auch total spannende Insights bekommen, wenn man irgendwie, wir hatten glaube ich auch mal jemanden vom Jugendamt dabei. Das finde ich halt total cool, weil man dann so ein bisschen, ja ich weiß nicht, wenn ich jetzt sage, so aus der Praxis, aber irgendwie ja schon, das hat dann im ersten Moment vielleicht nichts unbedingt mit dem Buch zu tun, aber irgendwie auch doch alles so und deswegen, das liebe ich halt total. Und was ich auch ganz besonders finde ist, wenn es so einen Raum dafür gibt, dass wir wirklich auch sehr intime Gespräche führen und ich finde, das haben wir so oft, weil wir so oft Bücher lesen, die echt was mit einem machen. Das finde ich sehr irgendwie auch einfach schön zu sehen, dass das so geht. Das muss natürlich nicht bei jedem, als ich meine »Die Zeit der Weihnachtsschwestern« oder so muss man sich vielleicht weniger krass öffnen als irgendwie. Oder »Die Morde von Mapleton«.

Kristin
Genau, das ist jetzt schon eher Unterhaltung. Wobei, das muss ich sagen, das macht auch für mich total den Reiz aus, dass nach, ich sag mal, zwei, drei Büchern, wo man echt schlucken muss und sich erholen muss, nachdem man die gelesen hat, doch immer mal wieder so eins kommt, wo man sagt, ich brauche jetzt mal was anderes und ich brauche jetzt mal was, wo ich nicht hinter jedem Nachbarsmenschen oder so jemanden vermuten, der seine Kinder schlägt. Oder irgendwas Schlimmes passiert. Wir hatten ja Bücher, die teilweise, also »Kukolka« oder so, wo es um schlimmste Kindesmisshandlungen ging.

Helen
Ich würde sagen, ich weiß nicht, ob du das genau so siehst, aber ich finde irgendwie, dass »Kukolka«, glaube ich, das schlimmste Buch war.

Kristin
Ja, also von dem, die… Ich habe es zwar zu Ende gelesen, aber danach habe ich wirklich gedacht: Wie komme ich da wieder raus? Danach hat man wirklich nur noch Leuten irgendwie misstraut und schlimme Dinge gesehen, wo keine waren. Das hat mich schon wirklich mitgenommen, muss ich wirklich sagen.

Helen
Gibt es ein Buch, das dich so total hoffnungsvoll zurückgelassen hat?

Kristin
Ich muss gerade selber überlegen. Ich gehe gerade mal gedanklich so alles möglich durch. Also wo wir jetzt ganz am Anfang schon mal drüber gesprochen haben, war ja »Unorthodox«. Das ist, finde ich, so ein Buch, das trotz allem hoffnungsvoll ist. Weil es eigentlich mit etwas Gutem endet.

Helen
Ja, genau, weil sie ja irgendwie doch schafft sich von ihrem Mann zu trennen und, oh, sorry, jetzt habe ich das gespoilert für die Leute, die das noch lesen wollen.

Kristin
Ja, ja, jedenfalls entwickelt sie sich in eine sehr positive Richtung. Aber hier muss man wahrscheinlich einfach leider immer mit Spoilern rechnen. Ja, ich glaube auch, oder? Wie so ein … Wir gehen einfach kollektiv davon aus, dass alle unsere Bücher kennen. Ja, und wer es noch nicht gelesen hat: »Unorthodox« ist super. Ja, ich fand es auch sehr gut.

Helen
Ja, ich fand es auch spannend. Was ich immer dann irgendwie so merke, ich kann so ein Buch auch einfach irgendwie gar nicht mehr neutral bewerten, wenn wir es mit der Autorin oder dem Autor besprochen haben und da war das ja so. Aber was ich gerade auch so überlege, also das Buch, ich werde sagen, kam ja auch im Podcast jetzt schon öfter mal, ich will das Buch gar nicht schönreden. Das Buch hatte diesen Effekt bei mir nicht, aber der Film, bei dem ich dachte: Wir können alles schaffen, war »Little Women«. Das müsste ja dann vielleicht sogar noch gewesen sein, bevor du dabei warst.

Kristin
Das kann gut sein. Also ich habe, seitdem ich drin bin, nicht jedes Buch mitgelesen. Aber ich erinnere mich jedenfalls noch an die, die sozusagen in der Auswahl waren oder die, die es dann auch in die Leserunde geschafft haben. Und da ist es, glaube ich, als ich drin war, nicht dabei gewesen, wenn ich mich richtig erinnere. Ich glaube, das war vielleicht sogar das Buch nach »Unorthodox«, aber ich finde nicht mehr 100 Prozent sicher.

Helen
Ja, in der Tendenz lesen wir echt viel harten Stoff. Auf der anderen Seite denke ich auch dann immer darüber kann man halt auch gut dann sprechen. Wenn nichts passiert, gibt es auch wenig zu besprechen.

Kristin
Genau. Also wenn man das schon so, ich sag mal, als Bookclub macht, wo man vielleicht auch ein bisschen, also ich will jetzt nicht oberlehrerhaft klingen, aber wo man irgendwie ein bisschen was lernen möchte, wo man über sich ein bisschen hinaus oder ein bisschen über den Tellerrand gucken möchte, da muss man halt mal die Komfortzone verlassen. Also so jedenfalls sehe ich das. Natürlich ist das okay, wenn jeder in seiner Komfortzone liest, aber für mich ist dann der Reiz weg. Also ich möchte schon auch über meine Komfortzone hinweglesen. Ja.

Helen
Oh, ich liebe das. Vielleicht nehmen wir das als Titel. Ich finde es richtig gut über die Komfortzone hinweglesen. Richtig gut. Also du hast eben gesagt, ich meine, du hast jetzt nicht unbedingt ein easy Job, du hast ein kleines Kind zu Hause. Wie machst du das überhaupt mit dem Lesen? Und wie hat sich das vielleicht auch verändert, seit du Mutter bist?

Kristin
Ja, also wie schon gesagt, ich habe es wirklich immer gerne gemacht und mir wirklich auch vorgenommen, okay, das darf nicht hinten runterfallen. Das ist auch gut für dich. Also ich sehe es auch ein Stück weit als Me-Time oder wo andere sich in die Badewanne setzen.

Helen
Ich meine, man kann auch in der Badewanne lesen.

Kristin
Kann man wunderbar lesen, das mache ich ganz häufig. Genau, man muss nur aufpassen, dass man die Hände nicht nass macht. Aber ich habe das wirklich so gesehen: Das musst du irgendwie in deinen Alltag einbauen, damit es dir gut geht. Damit du auch mal zwischendurch kurz mal abschalten kannst. Und ja, damit du irgendwie Spaß hast auch im Alltag. Und am Anfang klang es tatsächlich schon an, dass ich nachts gelesen habe. Wenn mein Sohn wach war und irgendwie was trinken wollte, habe ich mir so eine kleine Mini-Lampe, die man aufs Buch stecken kann, gekauft. Und das hat tatsächlich geklappt. Also der Kleine hat es nicht mitgekriegt. Ich konnte während er getrunken hat lesen. Und da habe ich nachts relativ viel weggelesen, muss ich sagen. Also ich habe selten so viel auf einmal lesen können, wie als mein Sohn noch nachts häufig aufgewacht ist. Gott sei Dank tut das jetzt aber nicht mehr. Und jetzt ist es schon so, dass ich dann überwiegend am Abend lese, also wenn mein Sohn schläft und der geht so um halb acht, acht ins Bett und dann hat man ja noch so, also das ist natürlich bei jedem unterschiedlich, aber ich habe dann noch so ein, zwei Stunden, wo ich wach bin und noch was machen kann und da kann man ja schon eigentlich eine Menge schaffen, so, das sage ich mal, an Lesestoff und na ja, gut, natürlich muss man schauen, dass das irgendwie passt und ich mache das jetzt auch nicht jeden Tag. Also jetzt soll sich davon bitte keiner und vor allem keine Mutter unter Druck gesetzt fühlen. Das ist nicht selbstverständlich, jeden Tag ein, zwei Stunden zu lesen. Da weiß ich, dass das bei jedem anders und auch nicht bei jedem möglich ist. Aber so für mich funktioniert das tatsächlich ganz gut. Und ich habe auch teilweise, also ich pendle nicht so viel, weil ich relativ nah an meiner Arbeit wohne. Aber wenn ich so freizeitmäßig unterwegs bin oder auch mal so am Wochenende irgendwo hin muss, dann habe ich schon meistens irgendwie auch immer ein Buch dabei. So Rory-Gilmore-mäßig. Ja, genau. Also jede Gelegenheit, ich muss irgendwo warten, Buch auch. Also ich bin da teilweise schon ein bisschen süchtig. Ja.

Helen
Richtig gut auch. Also ich finde auch richtig schön, dass du sagst, Nee, ich nehme die Zeit, weil mir geht's dann besser. Das merk ich auch. Also bei mir, ich hab, glaub ich, gerade irgendwie, generell so eine Phase, wo ich ein bisschen … Irgendwie … Ich lese halt immer abends, so das letzte, was ich vor dem Schlafen gehen mache, aber ich glaub, bei mir fließt grad viel zu viel so ineinander über, so dass ich irgendwie … Okay, verstehe. Dann arbeite ich irgendwie doch noch abends, wo ich das eigentlich sonst nicht so sehr gemacht hab. Keine Ahnung. Ich versuche gerade, in einem neuen Rhythmus zu finden. Aber wenn ich merke, dass ich gestresst bin, dann ist Lesen auch tatsächlich das, was mir am besten hilft. Ich glaube, es ist so dieses Thema, ich bin abgelenkt von meinen Sorgen. Es hilft mir irgendwie. Und weil man eben beim Lesen meistens sitzt oder liegt, ist auch noch ein Plus.

Kristin
Ja, auf jeden Fall. Aber im Liegen lesen ist natürlich immer gefährlich, das weiß jeder.

Helen
Ja, voll. Aber dann denk ich auch immer so, aber dann braucht der Körper das auch, wenn man einschläft.

Kristin
Ja, und es soll ja auch Menschen geben, die müssen sozusagen vorher in ein Buch gucken, damit sie einschlafen können.

Helen
Ja, also ich mag… Keine Ahnung, ich bilde mir das auch immer ein. Ich mach das immer so, als allerletzte so Amtshandlung lese ich, weil ich davon irgendwie anders müde werde. Ich hab irgendwie also generell nicht so Probleme einzuschlafen, bei mir ist eher das Durchschlafen so ein Thema. Aber auch da, es gibt, also bei mir ist mittlerweile das Handy aus dem Schlafzimmer so verbannt, weil ich das oft hatte, dass wenn ich nachts auch nur kurz aufgewacht bin und dann nur kurz aufs Handy geschaut hab, dann war ich halt wach so, ne? Und es kann trotzdem sein, dass ich zwei Stunden wach liege, aber wenn ich in den zwei Stunden lese, habe ich eine höhere Chance wieder einzuschlafen, als wenn ich die Zeit mit dem Handy verbringe.

Kristin
Ja, das ist natürlich, ja, auf jeden Fall.

Helen
Aber es ist echt irgendwie, finde ich das also auch super inspirierend. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das einigen noch mal hilft, wenn sie das so von dir auch hören. Was liest du denn dann so? Liest du Wohlfühllektüre? Liest du Sachbücher? Was wandert so in deine Tasche oder auf deinen Nachttisch?

Kristin
Schon relativ vieles. Also ich bin kein Genre-Leser. Ich lese nicht nur Romane oder nur Krimis. Ich lese schon auch tatsächlich gern. Also Sachbücher ist jetzt vielleicht nicht das richtige Wort. Aber ja, einfach. Gesellschaftskritik. Ja, also eher so Richtung. Weiß ich nicht. Beispielsweise das letzte, was ich jetzt so nebenher gelesen habe, war »Wir von unten« von Natalya Nepomnyashcha. Da geht es um sozialen Aufstieg. Also einfach so Dinge wie ich komme aus einer Hartz-IV-Familie und war beruflich erfolgreich. Wie habe ich das gemacht? Wo wurden mir Steine in den Weg gelegt? Also, es ist schon auch ein bisschen biografisch, muss ich jetzt auch dazu sagen. Das ist mir noch gar nicht so aufgefallen. Aber das Buch geht halt eher so in die Richtung Gesellschaftskritik. Also, wo haben die Schulen versagt? Wo haben meine Lehrer versagt? Wo haben oder also sie bezieht es eigentlich gar nicht so sehr auf andere, aber schon so ein bisschen rückblickend. Okay, das hätte auch schief gehen können und warum ist es bei mir nicht schief gegangen. Ansonsten bin ich schon auch in der, sage ich mal, feministischen Ecke. Also viel in dem Bereich. Ich habe da jetzt auch noch ein Beispiel, aber jetzt fällt mir leider der Titel nicht ein. Doch: »Was wollt ihr denn noch alles?!«, glaube ich, heißt das.

Helen
Oh, das habe ich jetzt als Hörbuch angefangen. Ich finde, es macht so wütend.

Kristin
Okay, das ist schon mal eine Warnung, weil ich habe es hier liegen. Das war eigentlich als nächstes dran, mal gucken.

Helen
Ja, doch. Also ich find's super interessant. Ich bin jetzt auch noch nicht ganz so weit, aber ich hab die ganze Zeit so gedacht, boah, das ist ja voll frustrierend. Ja, ich weiß, was du meinst, aber… Nein, aber… Es ist auf jeden Fall spannend, weil man echt viel, auch noch mal… Also vieles davon wusste ich auch noch nicht. Oder zum… Am Anfang ging es auch um Wikipedia-Artikel, dass es davon weniger von Frauen gibt. Wir hatten das Thema auch bei uns, weil wir versucht haben, über Mädels, die lesen, einen Wikipedia-Artikel zu schreiben. Es scheiterte am Markenschutz – ich müsste mich mal um eine Markenanmeldung kümmern, aber das ist halt auch teuer. Vielleicht geht's so. Dann hat das nicht geklappt. Dann dachte mir, wenn wir einen über mich schreiben und dann Medizin sind, aber es war so … Wenn man da anfängt, die Kommentare, man kann das nachlesen, warum das abgelehnt wird und so, das ist so krass fies. Da will man gar nicht eintauchen.

Kristin
Ich glaub, ich möchte das gar nicht wissen.

Helen
Aber sie geht noch genauer darauf ein. Und im Grunde ist es eins zu eins, auch das, was wir erlebt haben, nur wie im Kleinen und sie beschreibt im Großen. Dass ich jetzt keinen Wikipedia-Artikel bekomme, ist ja noch völlig legitim. Aber da sind Leute dabei, die sollten wirklich einen Wikipedia-Artikel bekommen. Und es liegt wirklich zum Teil einfach nur daran, dass die Frauen sind. Da hab ich so gedacht, da will ich mich für einsetzen und so. Ich finde es auch eine positive Wut. Also das kann einen ja auch total antreiben. Das lenkt den Blick auf die Felder, die man noch bearbeiten muss einfach. Das ist natürlich auch so.

Kristin
Aber um noch was Erfreuliches dazu zu sagen, also ich komme eigentlich so angefangen in Anführungszeichen mit dem richtigen Lesen – also außerhalb von Kinderbüchern – habe ich tatsächlich mit Krimis angefangen. Also ich bin glaube ich seitdem ich neun oder zehn bin totaler Krimi-Fan. Wir teilen ja auch unsere Leidenschaft für Aktenzeichen XY. Ich glaube, es gibt kaum jemanden, der da so ein großer Fan ist wie du und ich. Also ich schreibe mir wirklich die Termine im Vorhinein auf und ich schreibe sie in den Kalender, damit ich mir den Mittwochabend freihalte. Ja, ich würde das auch vergessen. Ich würde das vergessen. Ist ja auch nicht so regelmäßig. Ja, genau. Und insofern, ich habe so früher supergerne skandinavische, vor allem isländische Krimis habe ich supergerne gelesen. Irgendwann habe ich mich dann wieder etwas näher an die Heimat herangetastet. Im Moment lese ich auch gerne diese Krimireihe von Mathijs Deen.

Helen
Oh, das sagt mir was so. Ja, der hat auch schon mal jemand aus der Community empfohlen. Genau.

Kristin
Und insofern bin ich jetzt auch so ein bisschen bei Nordsee und Deutschland oder so ein bisschen, sag ich mal, zu Hause angekommen. Und ja, also Krimis machen mir immer Spaß und das ist auch immer das, was mir sicher aus jeder Leseflaute raushilft.

Helen
Ja, fühle ich. Ich habe das auch schon, weil irgendwie habe ich dann manchmal so gemerkt, es gibt mir nicht mehr so viel. Ich habe das für mich früher auch sehr, sehr viel gelesen. Ja. Aber wenn ich eine ganz schlimme Phase von Leseflaute habe, dann gucke ich auch so im Regal, was habe ich hier? Ich habe irgendwie nicht mehr so viel in der Richtung da, müsste ich vielleicht auch mehr aufstocken. Aber zumindest gucke ich, was ist hier ziemlich sicher spannend. Weil das ist irgendwie so natürlich, dass du willst, also die schaffen das ja irgendwie zu schreiben, dass du weiterlesen willst. So, ich weiß zum Beispiel nicht so sehr, ob ich das jetzt bei, vielleicht müsste ich es mehr ausprobieren, aber so bei so keine Ahnung, das, was gerade so beliebt ist, so New Adult und diese Sachen. Weiß ich gar nicht, ob mich das genug catcht, dass ich jedes Mal denke, Ich muss wissen, wie es weitergeht. Das habe ich eher auch bei so Krimis.

Kristin
Gut, dass du das ansprichst, weil ich habe mir jetzt mal einen New-Adult-Roman besorgt und wollte da auf jeden Fall zumindest mal reingucken, ob das vielleicht auch was für mich ist, um eben wie schon angerissen mal so ein bisschen aus meiner eigenen Lesekomfortzone rauszukommen. Man will ja auch nicht immer das Gleiche lesen. Ich kann dir dann gerne eine Rückmeldung geben.

Helen
Weil total viele sagen ja, dass sie das auch so haben mit diesem »Fourth Wing« und so. Ich weiß halt nicht, wie sehr die Spannungselemente da drin sind. Vielleicht ist das einfach auch spannend. Aber das scheint ja zumindest für sehr viele sehr gut zu funktionieren, dass sie da auch so einen krassen Lesesog hatten, dass ich immer denke, ja vielleicht probiere ich es einfach auch mal. Aber es spricht mich irgendwie so im ersten Moment nicht so richtig.

Kristin
Genau so geht es mir aber auch. Aber ich habe mich jetzt so einmal irgendwie innerlich überwunden. Ich habe mir einen Roman ausgesucht, der mich irgendwie zumindest ein bisschen inhaltlich so angesprochen hat. Ja. Und insofern kann ich dir da vielleicht mal Rückmeldung geben.

Helen
Wo mir das gerade einfällt, ne? Weil, ich mein, Klappentext und so kann da ja auch wirklich viel bringen. Ich stand, ich glaube, als ich die Taschen für die Goodie-Bags bei Thalia abgeholt habe, stand ich, muss ich so ein bisschen warten und ich mein, gibt es Schöneres, als in einer Buchhandlung warten zu müssen. Das geht immer schnell vorbei. Dann habe ich mich so ein bisschen da verloren. Und ich war wirklich kurz davor, aber es war so ein dicker Schinken, dass ich mich nicht getraut habe. »Babel«, von Susanna Clarke vielleicht? Ja, der Name sagt mir auf jeden Fall, ich glaube, das war es. Da habe ich echt gedacht, okay, das klingt ja voll spannend und ich hatte es irgendwie schon häufiger mal gehört. Mich hat einfach abgeschreckt, dass es so ein dickes Buch ist, aber auf der anderen Seite. Ich meine, ich habe früher ja auch Harry Potter gelesen. Also erstens denke ich da immer so, okay, also ich habe ja anscheinend schon auch eine Affinität für Fantasy. Keine Ahnung. Aber die Bücher waren auch so dick, das hat mich ja sonst auch nie abgeschreckt. Und mittlerweile ist das so, wenn ich ein dickes Buch sehe, denke ich: Das schaffe ich nicht.

Kristin
Ja, also wenn das Buch richtig dick ist, dann muss das entweder ein sehr gutes Cover oder einen sehr guten Klappentext haben. Das ist dann immer der Haken oder die Klippe über dieses Buch für mich noch springen muss, damit es in den Einkaufskorb wandert.

Helen
Jetzt denke ich grad so, vielleicht gebe ich »Babel« doch mal eine Chance, weil das hatte mich irgendwie angesprochen und das wär mal was anderes, weil ich glaube, es ist auch eher so Fantasy. Ich hoffe, ich kriege dafür keinen Hate, also ich glaube…

Kristin
Ich kenne es jetzt tatsächlich nicht, deswegen kann ich dir das nicht beantworten, Aber dann kriegst du sicher Feedback aus der Community, jemand, der's kennt. Hundert Prozent Feedback. Ja, ja. Aber nee, finde ich gut. Wir einigen uns auf: außerhalb der Komfortzone lesen.

Helen
Ja, finde ich gut. Eben hatte ich noch eine Frage. Ach so genau, weil du ja auch, ich weiß aber nicht so ganz genau, seit wann aber auch schon einige Jahre ja auch in der Schmökerrunde bist. Gibt's da irgendwas, wo du so denkst, boah, das macht mir voll viel Spaß, Ich bin gar nicht so sicher, ob du schon… Du hattest mal mitgekocht, glaube ich, oder? Hast du mitgekocht, ich weiß es nicht.

Kristin
Nee, beim Kochen war ich tatsächlich nicht dabei. Aber ich glaube, ich war mal bei irgendeinem Cocktail oder irgendwie so was Getränkemäßiges oder so. Daran erinnere ich mich. Wir haben da irgendwas nachgemixt. Aber das ist schon zu lange her. Ich kann dir das gar nicht mehr so richtig sagen. Ich muss sagen, ich bin ein schlechter Koch oder eine schlechte Köchin. Weil ich zu Hause verwöhnt bin, mein Mann kocht. Da ruhe ich mich innerhalb meiner Komfortzone aus, was das angeht. Aber trotzdem hole ich mir natürlich Inspiration, wenn ihr anschließend auch eure Ergebnisse, sag ich mal, teilt und irgendwie so ein Post kommt von dem Kochabend, dann schaue ich natürlich schon immer, oh, das sieht gut aus. Und: Das gibt mir Inspiration, das leite ich weiter.

Helen
Richtig gut. Ja, also ich muss auch sagen, ich bin jetzt auch nicht so die begabteste Köchin. Bei dem letzten Mal habe ich auch wieder irgendwie gefühlt doppelt, so lange gebraucht wie alle anderen. Und ich bin immer die, die so 1000 Fragen stellt, die bei allem auch ein bisschen lost ist und so. Also für alle, die sich da einen Gedanken machen. Wir haben ja jemanden, der das anleitet. Also wir werden da nicht alleine gelassen. Ist übrigens beim Malen genauso. Ich male eigentlich… Also irgendwie, wenn ich dann anfange, mal ich schon gerne, aber ich würde mich jetzt nie einfach so hinsetzen und malen, weil irgendwie weiß ich auch nicht. Ich denke immer so, ich kann nicht malen. Und ich finde das aber so entspannend, weil das so entspannte Abende sind irgendwie deswegen, ich mag das sehr, aber wahrscheinlich jetzt, ich probiere es jetzt auch noch mal, warst du vielleicht schon mal bei einem Filmabend?

Kristin
Ja, genau. Also ich erinnere mich auf jeden Fall noch an den Filmabend zu »Anna Karenina«. Den fand ich richtig super. Gerade weil so viele verschiedene Versionen von diesen Filmen im Umlauf sind. Und dann irgendjemand von einer Szene in einem Helikopter gesprochen hat.

Helen
Nein, das war, glaube ich, »Der kleine Lord«.

Kristin
Ah, so, Entschuldigung, ja, das ist »Der kleine Lord« gewesen. Das werde ich nie vergessen. Aber auch bei »Anna Karenina« gab es so einen Klopper, wo was völlig anderes ist. Also in Minute, sag ich mal, 27 oder also die genaue Minute erinnere ich mich gar nicht. Auf jeden Fall haben wir den Film ja zeitgleich geguckt. Und da hat irgendjemand was gesagt und das ist in unserer Version aber nicht drin. Und genau das mit dem Helikopter, du hattest recht, das war beim kleinen Lord. Davon gibt es ja auch verschiedene Versionen. Das ist mein Favorit, ja, aber ich wusste nicht mal, dass es eine moderne Version gibt. Und das fand ich einfach so, so eine Situationskomik, weil wir haben ja schon richtig weit geguckt. Und irgendwann sagt jemand, bei mir ist der gerade mit dem Helikopter gelandet und Ich meine, alle die … Wir kennen diese Kutschen, wo die Leute in dem Dreck leben. Das ist noch das alte England. Die werden unsere Verwirrung verstehen können. Dass wir da alle saßen und dachten: Wie, wo ist der Helikopter? Das war meine Lieblingssituation. Aber den Filmabend mag ich persönlich immer sehr gerne. Nur lesen wir irgendwie oft so aktuelle Sachen, wo es noch keine Verfilmungen gibt. Ich weiß gar nicht wann.

Helen
Ach so zuletzt haben wir die Doku geguckt. Das war ein bisschen komplizierter, aber da war nicht alles auf Deutsch.

Kristin
Aber bei Filmen, also richtig so Spielfilmen, finde ich das immer total klasse. Ich finde, das macht voll Spaß irgendwie. Auch zu vergleichen, wie war das im Buch? Und wie ist es im Film? Das hat natürlich bei »Anna Karenina« auch eine riesige Rolle gespielt, weil die ja auch total viel weglassen mussten. Ja, genau. Also das ist tatsächlich ein bisschen wie der Harry Potter. Also das kann man in so vielen verschiedenen Dimensionen ja gar nicht abbilden. Also »Anna Karenina« lebt ja auch von den verschiedenen Perspektiven der Leute, also dass das eben auch aus anderen Perspektiven geschrieben ist. Und dann in dieser Theaterversion des Films, sieht man das ja tatsächlich dann auch, wie sie dann sozusagen einfach schnell in die andere Szenerie springen und im Hintergrund schnell irgendwas hochziehen, sag ich jetzt mal. Sie lassen vieles weg, aber sie stehen auch offen dazu. Das ist ein bisschen, finde ich, ganz sympathisch an dieser Theater-Version, dass man einfach sehen kann, okay, wir müssen jetzt springen, es geht nicht anders. Wir bauen jetzt hier ganz schnell eine andere Szenerie auf. Und das ist wenigstens ehrlich. Also das ist natürlich auch Geschmacksfrage, wie man das findet. Natürlich kann man sich da auch verarscht vorkommen. Aber ich finde, das hat so eine erfrischende Ehrlichkeit, dass man jetzt sagt, okay, Szenenwechsel, jetzt sind wir hier bei der Schwester zu Hause mit den Kindern oder so. Das hat für mich also eine erfrischende Ehrlichkeit einfach.

Helen
Voll. Ja, ich mag das irgendwie auch einfach so ein bisschen zu sehen, wie wurde das, wie hat sich das jemand gedacht und umgesetzt? Weil es ist ja ziemlich wahrscheinlich, dass es abweicht von dem, was du beim Lesen im Kopf hattest. Also manchmal mehr und manchmal weniger. Und irgendwie hatte ich das auch nicht, tatsächlich nicht mehr im Kopf. Also beim Ende wurde ich wirklich überrascht, also von der Filmversion. Ich hatte das nicht mehr richtig im Kopf, dass der Mann von ihr, also Entschuldigung, Spoiler-Alarm – haben wir alle gelesen. Genau, haben wir alle gelesen, dass der Mann von ihr am Ende quasi sein Stiefkind, also das Kind, was Anna mit dem anderen Mann hat irgendwie adoptiert und großzieht. Also das habe ich im Buch irgendwie verpasst. Das habe ich auch schon wieder komplett vergessen.

Kristin
Ja, man sieht ja im Film am Ende in der Szene, wie er mit seinem Adoptivkind im Feld spielt und so weiter. Und im Buch ist diese Version oder diese Szene an mir total vorbeigegangen. Also ich habe ja echt ein Siebgedächtnis, das ist irgendwie weg. Ja, aber ich meine, also beim Lesen war es ja auch bei mir weg. Vielleicht ist das im Buch so nicht drin und Sie haben es am Ende dazu gedichtet. Oder?

Helen
Das wäre ja eigentlich witzig, wenn die bei so einem dicken Schinken noch anfangen, was dazu zu dichten, oder oder?

Kristin
Ja, genau. Aber vielleicht war es doch einfach echt die künstlerische Freiheit, die man sich am Ende rausgenommen hat. Ja, ich kann das überhaupt nicht mehr sagen. Ich müsste den Film vielleicht auch noch mal gucken. Das Buch werde ich ziemlich safe nie wiederlesen. Ja, das Buch hatte Längen. Es waren auch überraschend gute Passagen. Aber zwischendurch, naja. Ja, also würde man heute, glaube ich, einkürzen. Ja, glaube ich auch. Da würde ein Verlag heute sagen: Die Hälfte muss weg. Hälfte muss weg.

Helen
Ich fand es richtig schön, was ich jetzt gerade so dachte, vielleicht hört man das und fragt sich so, was ist denn dann, wenn du bei den Events nicht dabei bist für dich der Mehrwert an der Schmökerrunde? Hast du da irgendwie was, was du noch sagen kannst? Ist es das Abstimmen? Ist es die Gruppe? Ist es? Was ist es für dich?

Kristin
Ja, natürlich ein Mix aus allem. Also ich versuche natürlich auch schon mal hier und da eben bei den Events dabei zu sein oder natürlich auch mal bei der Buchbesprechung. Aber ich muss sagen, ich finde es natürlich auch schön, sage ich mal, in diesen Abstimmungsprozessen mit eingebunden zu werden und eben auch selbst eine Möglichkeit haben, da was vorzuschlagen. Ich meine, bis jetzt sind meine Vorschläge noch nicht zum Zug gekommen, aber das kann auch werden. Ah, wir drücken den Daumen. Ja, genau. Und, ja, das… Also für mich ist wirklich einfach so ein bisschen das Gesamtpaket entscheidend. Also, so wie immer, also jetzt auch gestern waren Bundestagswahlen, da entscheidet man sich auch nach dem Gesamtpaket. Und es ist nie alles immer super. Und zum Beispiel die Kochabende oder so, das ist für mich jetzt einfach… Wie soll ich sagen – da bin ich raus. Also, ich weiß, man muss ja keine Küche abbrennen oder sonst irgendwas. Aber so Kochabend, das ist bei mir immer ein bisschen schwierig. Die mache ich wirklich nur in der Gruppe und da kann man irgendwie sagen, ich schneide das Gemüse oder so. Aber wenn man alles machen muss, dann stehe ich blank da. Aber nee, einfach das Gesamtpaket. Tatsächlich, ja.

Helen
Ja, alles freut mich voll. Und du hast es ja auch gesagt, du liest auch nicht immer alles mit, weil die Frage kommt auch manchmal so, was mache ich, wenn halt nicht mein Favorit gewinnt. Ehrlicherweise gewinnt fast nie mein Favorit. Aber ich bin dann halt vielleicht auch so, irgendwie könnte man dann sagen, naja, du musst irgendwie mitlesen. Aber du liest dann auch einfach. Oder probierst du es zumindest immer?

Kristin
Ja, ich probier es tatsächlich schon. Also ich habe ein bisschen mehr Glück als du. Bei mir gewinnt oft der Favorit. Ach, voll gut. Ja, also das heißt Glück, das ist ja auch wieder Geschmack. Aber ich sag mal so, wenn das Buch trotzdem irgendeinen Aspekt hat, wo ich sage, okay, das Thema, da würde ich mich jetzt gerne noch ein bisschen einlesen oder der Hintergrund interessiert mich oder das Spiel in einem spannenden Land. Also sobald das noch irgendwie so einen Fakt hat, den ich überraschend finde oder der mich irgendwie catcht, dann sage ich halt okay, die Story ist jetzt nicht so mein Ding, aber das spielt in einem total spannenden Land. Ich möchte irgendwas über das Land erfahren. Also dann kann man ja auch so ein bisschen, sage ich mal, den Lesefilter verschieben auf die Aspekte, die man da rauslesen möchte. Also beispielsweise da war ein Buch, das in Ghana gespielt hat – nein, mit der Schwester. Ah, nee, Nigeria. Nigeria, Entschuldigung. Ja, genau. »Meine Schwester, die Serienmörderin«. Ja, »Meine Schwester, die Serienmörderin«. Ja, da fand ich tatsächlich auch, obwohl es ja auch ein Krimi ist, fand ich die Story jetzt eher so zweitrangig. Aber wie sie das Leben in Nigeria, in den Krankenhäusern, da in der Aufnahme und so, da fand ich diese Szenen so lustig. Die Vorstellung, wie es in Nigeria in der Notaufnahme zugeht, also das hat mich dieses Buch weiterlesen lassen.

Helen
Voll. Und jetzt würde ich das auch eventuell fast sagen, dass es bisher so das einzige, wo es mal wirklich so witzig war, oder? Tue ich jetzt anderen Büchern unrecht. Aber zumindest, das ist finde ich, also weil das ist so ein bisschen sehr schwarzer Humor, aber…

Kristin
Ja, »Adas Raum« hatte teilweise auch sehr witzige Stellen. Ja, okay. Also, da war sie ja zwischendurch – Entschuldigung, Spoiler-Alarm, war sie zwischendurch immer mal wieder tot. Und das eine Mal, wo Gott zu ihr gesagt hat, ja, du wirst in deinem nächsten Leben wieder nach Deutschland, nachdem sie ja zuvor im Holocaust war, hat sie dann gesagt, das fände sie jetzt nicht so schön, da hätte sie schlechte Erfahrungen gemacht. Also so was, ne? Das ist natürlich auch irgendwie böser Humor, klar. Aber »Adas Raum« hatte schon einige witzige Züge. Das stimmt. Aber das fand ich schon auch eher so ein… Es war schon auf einem hohen Niveau geschrieben. Also das fand ich… Ja, das war nicht mal eben weggelesen.

Helen
Genau, »Adas Raum« war anspruchsvoll. Aber…

Kristin
Und es hatte auch wieder diese schwere Kost oder auch ein bisschen diesen… Dass ihr eigentlich permanent in jedem ihrer Leben nur Steine in den Weg gelegt werden. Aber trotzdem ist sie da irgendwie immer oder fast immer super durchgekommen und hat sich da extrem behauptet so. Und trotzdem hatte das so ein paar lustige Facts, so links und rechts, sag ich jetzt mal.

Helen
Das stimmt. Ja, das war irgendwie krass. Und da fand ich es ja ausspannend, da haben wir auch mit der Autorin gesprochen. Ich glaube, es war auch so der erste und einzige Livestream bisher, wo ich gesiezt habe. Und ich war im Nachhinein gar nicht so sicher, ob das überhaupt in ihrem Sinne war. Aber ich glaube, wir haben da auch so ein bisschen aneinander vorbeigesprochen. Und ich will natürlich niemanden einfach duzen, wenn das nicht abgemacht ist. Aber es ist irgendwie, ich mir deswegen auch so eine Erinnerung geblieben, weil ich finde, dass das auf natürliche Weise immer auch eine andere Distanz erzeugt, wenn man sich siezt. Aber ja, auf jeden Fall.

Kristin
Das war, finde ich, wirklich mal was anderes, dieses Buch. Herausfordernd, würde ich sagen.

Helen
Ja, außerhalb deiner Komfortzone.

Kristin
Außerhalb der Komfortzone, ja.

Helen
Ich fand das mega, mega spannend. Ich würde sagen, dass wir jetzt noch so ein bisschen weiterquatschen unseren Himbeertee bei dir in der Küche trinken.

Kristin
Den trinken wir noch aus, ja.

Helen
Aber genau, ich danke dir sehr für deine Zeit. Die hättest du ja auch zum Lesen nutzen können, deswegen weiß ich das zu schätzen. Und würde sagen, wir verabschieden uns an der Stelle von den Mädels, die lesen.

Kristin
Ja, ich danke dir für die Einladung. Und ja, hoffe, dass alle beim Hören der Folge viel Spaß haben. Tschüss.

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