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Podcast · Folge 72
Sechs Monate von der Idee zum eigenen Kinderbuch
Ava Stella Dreessen kam die Idee auf einer Bahnfahrt nach Sylt – und für ihr erstes Kinderbuch gründete sie gleich einen eigenen Verlag
Stand heute
Diese Folge ist vom Juni 2024. Den Verlag gibt es weiterhin – er tritt heute unter dem Namen Willi und Wilma auf, die Reihe ist inzwischen deutlich gewachsen. Die im Gespräch genannten Zahlen sind der Stand von damals.
Diesmal sitzen wir auf Sylt – genauer: in einer Konditorei, mit einer kühlen Johannisbeerschorle. Kennengelernt haben wir uns gut einen Monat vorher auf der Leipziger Buchmesse, wo Ava Stella Dreessen sich einen Stand mit einer befreundeten Verlegerin teilte. Helen war eigentlich wegen der Reiseführer an dem Stand stehen geblieben.
Ava Stella Dreessen
Autorin und Verlegerin · Noah Verlag, Sylt
Ava Stella Dreessen ist auf Sylt geboren und dort auch geblieben. Vor den Büchern hat sie Einrichtungskonzepte verkauft, freiberuflich als Grafikerin gearbeitet, Magazine gestaltet und eine Geschirrserie entworfen. In der Schwangerschaft mit ihrem Sohn kam ihr auf einer Bahnfahrt die Idee zu einer Kinderbuchreihe über die Insel – und weil sie sie genau so umsetzen wollte, wie sie sie im Kopf hatte, gründete sie 2023 dafür einen eigenen Verlag. Benannt ist er nach ihrem Sohn.
Die Idee kam zwischen Hamburg und Sylt
Der Ausgangspunkt war kein Businessplan, sondern eine Bahnfahrt. Sie pendelte in der Zeit vor der Elternzeit viel zu ihrem Vater nach Hamburg, und in der Bahn kann sie nach eigener Aussage besonders gut nachdenken.
Die Namen waren zuerst da: Der Hund der Familie heißt Wilma, und für den Sohn stand kurz Willi im Raum – nach dem Gründer der Konditorei, in der wir aufnehmen. Aus dieser Kombination wurde die Idee: ein kleiner Junge, der mit seinem Hund über die Insel stapft und dort Abenteuer erlebt.
Umgesetzt hat sie das im Team. Ihre Bonusmama – die Frau ihres Vaters, im Urberuf Grafikerin – übernahm die Illustrationen; die ersten Entwürfe lagen nach keinen zwei Wochen vor. Und weil sie selbst vorher nie geschrieben hatte, rief sie eine gute Freundin an, Journalistin. Aus ein paar Meetings wurde eine Co-Autorenschaft. Von der Idee bis zum fertigen Buch vergingen sechs Monate.
Warum in den Kinderbüchern so viel Recherche steckt
Viele Bilderbücher setzen auf große Illustrationen und wenig Text. Sie wollte etwas anderes: Bücher, die auch etwas mitgeben, und die deshalb für ein Kinderbuch vergleichsweise textlastig sind – mit einer bewussten Balance aus Bild und Text auf jeder Seite.
Der Anspruch dahinter kostet Zeit: Wenn ein geschichtliches Ereignis vorkommt, muss es stimmen. Also Archiv, Gegenlesen – und für ein Buch auch mal ein Interview mit dem Kapitän eines Krabbenkutters. Die eigentliche Arbeit liegt darin, das Ganze so zu filtern, dass es für Kinder passt, ohne dabei falsch zu werden.
Dazu kommen Dinge, die über das Buch hinausgehen: ein Einleger mit Bastelvorlage, im damals neuen Band eine Schnitzeljagd, Rezepte für die Eltern – und Kinderlieder, die ihr Vater geschrieben und aufgenommen hat, zu jedem Buch eines, verlinkt über einen QR-Code.
Der Verlag war nicht der Plan
Zuerst gab es nur das Buch und das Team. Die Frage, was damit passiert, kam danach. Über einen gemeinsamen Freund kam der Kontakt zu Harriet vom Ankerwechsel Verlag zustande – jener befreundeten Verlegerin, mit der sie später in Leipzig den Stand teilte.
Deren Einschätzung nach dem ersten Gespräch: Ein fremder Verlag sei vielleicht nicht das Richtige, weil Ava Stella Dreessen eine sehr genaue Vorstellung davon habe, wohin das gehen soll. Aus dem Austausch wurde eine Art kleines Coaching – eine sehr intensive Woche, in der viele Themen einmal durchgesprochen wurden. Nach zwei Stunden waren sich beide unabhängig voneinander einig: Sie muss das selbst machen.
Der Grund war nicht Kontrolle um ihrer selbst willen, sondern das Team und die Reihe. Was passiert, wenn ein Verlag die Idee gut findet, aber die Illustrationen nicht? Was, wenn eine Busfahrt mit Kindern über die Insel nicht zur Corporate Identity passt? Dass sie das selbst entscheiden kann, war ihr die zusätzliche Arbeit wert.
Wie es einer anderen Autorin mit ihren Kinderbüchern ergangen ist, hörst du in der Folge über Kinderbücher zum Mitnehmen.
Was man vorher nicht weiß: die Sache mit den Paletten
Vieles war für sie kein Neuland – Druckprozesse kannte sie aus der Grafikarbeit, den Handel aus früheren Jobs. Ihr Vorteil, sagt sie, sei genau das: Fast jede Etappe hat sie in anderer Form schon einmal erlebt.
Und dann kommt der Moment, in dem die ersten Bücher geliefert werden. Wie viel eine Palette ist, hatte sie vorher geklärt, die Lagerung auch. Was sie nicht auf dem Schirm hatte: das Gewicht. Sie hatte angeboten, die ersten zwei Paletten in Hamburg selbst abzuholen – und der Sprinter sackte sichtbar durch.
Komm, reiß eins von der Palette, ich will blättern! Und im nächsten Moment denkst du nur: Ach du Heilige, ich muss die ja auch alle verkaufen.Ava Stella Dreessen
Dreieinhalb Stunden Fahrt später war alles heil angekommen. Maximale Zuladung steht seitdem auf der Liste für das nächste Mal – oder es wird doch die Spedition.
Wie die Bücher auf die Insel kamen
Auf Sylt ist sie zum Zeitpunkt des Gesprächs schon gut vertreten: in jedem Ort mindestens ein Laden, in Westerland allein fünf. Das hat viel damit zu tun, wie die Insel funktioniert – dass eine Sylterin etwas Eigenes macht und über die Insel schreibt, wird unterstützt, oft mit einem guten Platz im Schaufenster.
Dazu kommen Lokalpresse, Lesungen, Märkte und die Arbeit mit Schulen und Kindergärten, wo auch mal passend zum Buch gebastelt wird. Und ein damals frischer Schritt: die Listung bei Thalia, über die jede Filiale bestellen konnte.
Die Zielgruppe war dabei von Anfang an offener, als sie gedacht hatte. Viele Käufer*innen sind ältere Menschen ohne Kinder im Haus, die die Insel mögen oder einfach etwas lernen wollen. Eine feste Altersklasse hat sie deshalb bewusst nie festgelegt.
Das ehrlichste Feedback kommt trotzdem von den Kindern – und genau davor hat sie am meisten Respekt: Da wird nicht um den heißen Brei geredet, sondern gesagt, was gut ist und was nicht.
Wie klein ein Verlag sein kann und was in einem Buchpreis steckt, erzählt diese Folge über acht Bücher im Jahr.
Der Verlag als Dach – nicht nur für Kinderbücher
Was ihr am eigenen Verlag am besten gefällt, ist die Offenheit: Sie kocht gern, bastelt gern, baut für Lesungen auch mal Kulissen – und all das kann unter dieses eine Dach. Manuskripte und Ideen anderer erreichen sie inzwischen ebenfalls; sie nimmt sie bewusst nur an, wenn Zeit und Aufmerksamkeit da sind.
Festgelegt auf Sylt oder auf Kinderbücher ist sie nicht. Entscheidend sei, ob ein Projekt sie bewegt – und ob es menschlich passt. Sie arbeitet fast ausschließlich mit Freundinnen und Freunden zusammen oder mit Menschen, die es durch die Arbeit geworden sind.
Kinder und Lesen: Wie früh ist zu früh?
Helen hatte diese Frage kurz zuvor selbst in einem anderen Podcast gestellt bekommen – und reicht sie weiter, weil sie selbst keine Kinder hat. Die Antwort fällt bei Ava Stella Dreessen unspektakulär und praktisch aus: spielerisch, früh, ohne Anspruch. Überhaupt erst einmal mit dem Gegenstand Buch in Kontakt kommen, ihn anfassen, blättern, Farben angucken.
Ihr eigener Sohn ist für die Geschichten noch viel zu klein, nimmt Bücher aber gern in die Hand. Was sie weitergeben möchte, ist vor allem die Routine: abends vorgelesen zu bekommen war ihre schönste Kindheitserinnerung, und dort hat sie, sagt sie, das Träumen gelernt.
Und noch ein Geständnis: Sie selbst ist keine Leseratte. Sie hört lieber Hörbücher – und liest seit dem Verlag vor allem Kinderbücher, weil ihr diese Art zu schreiben gefällt: frei, wild, fantasievoll.
Wenn man eine Idee hat: dranbleiben, dran glauben, durchbeißen, kämpfen.Ava Stella Dreessen
Wenn du eine Idee mit dir herumträgst und dich fragst, was zwischen dem ersten Gedanken und einem fertigen Buch eigentlich alles passiert – diese Folge erzählt es von Anfang bis Palette.
Die ganze Folge hören
Das Buch aus der Folge
Der erste Band der Reihe – und der Anlass für die Verlagsgründung.
Willi und Wilma – Biikebrennen
Ava Stella Dreessen · Noah Verlag
Der erste Band der Sylt-Reihe, erschienen im Herbst 2023: Willi und seine Freundin Wilma erleben das Biikebrennen am 21. Februar mit – das Inselfeuer, um das sich viele Geschichten ranken. Im Buch steckt neben der Geschichte auch das, was recherchiert wurde, plus Einleger zum Basteln und ein Lied über QR-Code.
Dieser Link führt direkt zum Verlagsshop und ist kein Affiliate-Link – die Bücher ließen sich bei unserem Partner nicht finden. Bestellen kann man sie auch über die Buchhandlung vor Ort.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es von der Idee bis zum fertigen Kinderbuch?
Bei ihr waren es sechs Monate – von der Idee auf der Bahnfahrt bis zum gedruckten Buch. Die ersten Illustrationsentwürfe lagen schon nach keinen zwei Wochen vor; die meiste Zeit ging in Text und Recherche.
Warum einen eigenen Verlag gründen statt zu einem Verlag zu gehen?
Weil sie die Reihe und das Team genau so behalten wollte, wie sie es sich vorgestellt hatte. Die Sorge war nicht, keinen Verlag zu finden, sondern Kompromisse eingehen zu müssen – bei den Illustrationen, bei Extras wie Bastelvorlagen oder bei Aktionen wie einer Busfahrt mit Kindern über die Insel.
Was hat sie beim ersten Buchdruck überrascht?
Weniger der Druck selbst – den kannte sie aus der Grafikarbeit – als das Drumherum: Sie hatte geklärt, wie viele Paletten es werden und wo sie lagern, aber nicht, wie schwer sie sind. Die ersten beiden Paletten hat sie selbst mit einem Sprinter aus Hamburg geholt.
Wie kommen Bücher eines kleinen Verlags in den Buchhandel?
Bei ihr über die Insel: In jedem Ort auf Sylt lag mindestens ein Laden, in Westerland fünf. Dazu kamen Lokalpresse, Lesungen, Schulen und Kindergärten – und die damals frische Listung bei einem großen Buchhändler, über die jede Filiale bestellen konnte.
Für welches Alter sind die Bücher?
Bewusst offen. Sie hat gemerkt, wie unterschiedlich Kinder sind – und dass viele Käufer*innen gar keine Kinder haben, sondern die Insel mögen oder etwas lernen wollen. Eine feste Altersklasse gibt sie deshalb nicht an.
Wie führt man Kinder ans Lesen heran?
Ihre Antwort: spielerisch und früh, ohne Anspruch. Erst einmal überhaupt mit dem Buch in Kontakt kommen, anfassen, blättern. Und vor allem: Routinen schaffen, zum Beispiel abends vorlesen. Das war ihre eigene schönste Kindheitserinnerung.
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Helen
Herzlich willkommen, Ava. Ich freue mich, heute mit dir über Kinderbücher zu sprechen, über deinen eigenen Verlag und über den Weg von der Idee zum Kinderbuch. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich: Wo sind wir gerade, und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Ava Stella Dreessen
Wir sind gerade auf Sylt. Man könnte sagen über einer Konditorei oder in einer Konditorei und stoßen mit einer köstlich kühlen Johannisbeerschorle an.
Helen
Das klingt richtig, richtig gut. Ich muss, also ich finde es irgendwie witzig, weil es mal ein anderes Setting ist, in einer Konditorei – aber why not, denke ich mir. Dann lass uns mal anstoßen.
Ava Stella Dreessen
Ja, gerne.
Helen
Wir haben uns vor gut einem Monat bei der Leipziger Buchmesse kennengelernt. Ich bin irgendwie über euren Stand gestolpert, du hast dir einen Stand geteilt, was ich an sich schon mal cool fand, weil ich so dachte, ah, da hätte ich eigentlich auch mal Lust drauf. Und ich glaube, ich hatte erst links geschaut, wegen der Leipzig-Reiseführer, die ich mir am Ende angeschaut habe. Du standst daneben und hast mir von deinem Verlag erzählt. Ich dachte, das ist supercool. Da hätte ich sonst nicht zugegriffen. Ich hab keine Kinder und deine Bücher richten sich eher, würde ich sagen, an Kinder.
Ava Stella Dreessen
Definitiv.
Helen
Aber ich fand dann die Story total cool, dass du gesagt hast, im Grunde hattest du die Idee in der Elternzeit, glaub ich. Und hast letztes Jahr auch erst deinen eigenen Verlag gegründet, stehst dann jetzt auf der Leipziger Buchmesse. Also mega, mega cool. Jetzt sag mal, wie war das so? Also wann ist dir die Idee gekommen? Und wie lange hat das gedauert, bis es tatsächlich ein Buch im Regal stand?
Ava Stella Dreessen
Ja, also ich glaube, ich habe gerade noch mal während du mir die Frage gestellt hast, nochmal kurz überlegt und bin in mich gegangen: Wie war das eigentlich? Also ich muss sagen, dass die Idee kam mir eigentlich in der Schwangerschaft. Ich war kurz vor meiner Elternzeit – ich habe ja vorher Einrichtung verkauft und Einrichtungskonzepte gemacht und habe da auch super viel Spaß dran gehabt. Und dann kam so dieses Thema Elternzeit irgendwie näher auf mich zu und bin in der Zeit relativ viel auch nach Hamburg gependelt zu meinem Vater, um einfach mit denen Zeit zu verbringen. Und ich kann in einer Bahn super gut nachdenken. Also ich liebe das. Und hatte einfach auf einmal diese Idee. Ich weiß nicht genau, wo die hergekommen ist. Es hat so ein bisschen was, glaube ich, mit den Namen zu tun. Ich hatte einfach diese Namen im Kopf, weil ich habe einen kleinen Hund. Der heißt Wilma und ist eine französische Bulldogge. Und wir hatten mal ganz, ganz kurz überlegt, unseren Sohn Willi zu nennen. Das hat einfach den Hintergrund, der Gründer der Konditorei, in der ich gerade sitze, hieß Willi – der ist verstorben. Und irgendwie fand ich diese Kombi von Willi und Wilma total cool. Ich habe gesagt: Ey, das könnte ein Buch sein – so, wie man das manchmal sagt. Und irgendwie hat sich dieser Name so in meinem Kopf festgesetzt, dass ich dachte: Das wäre doch total cool, daraus eine Story zu machen von so einem kleinen Jungen, der mit seinem Hund über die Insel stampft und hier Abenteuer erlebt und was man da alles so erzählen könnte. Und das war dann so die Geburtsstunde – irgendwo zwischen Hamburg und Sylt auf den Bahngleisen, wo mir diese Idee gekommen ist. Und ich bin dann so ein Mensch: Ich halte das kurz fest, und wenn es dann bleibt, schreite ich gerne gleich zur Tat und versuche die Sachen umzusetzen oder zu gucken, ob man das umsetzen möchte. Ich habe da so einen Tatendrang. Und dann stand diese Elternzeit bevor – und ich habe das unglaubliche Glück, eine Bonusmama zu haben, die Frau von meinem Papa. Die im Urberuf Grafikerin ist – beziehungsweise war. Die auch immer gerne nebenbei gezeichnet und kleine Illustrationen gemacht hat. Ich habe ihr dann diese Idee gepitcht und gesagt: Guck mal, ich habe hier so eine Idee, wie findest du das? Könntest du dir vorstellen das mit mir zu machen, das zu begleiten, irgendwie die Illustration zu machen. Und sie war dann so: Oh, meinst du, ich kann das? Ja, auf jeden Fall. Und dann hat sie ein bisschen rumgezeichnet und gescribbelt. Ich hatte eine relativ konkrete Vorstellung, beziehungsweise ich hatte die Figuren im Kopf, gerade diesen kleinen Jungen. Meine Gedanken mit ihr zu teilen, ist ja nicht so einfach, weil man das wirklich nur mit Worten bespricht – wir haben dann so eine Art Moodboards gemacht. Und ich glaube, das hat nicht mal zwei Wochen gedauert, dann waren die ersten Entwürfe da, und ich habe gesagt: Das ist richtig cool. Dazu muss man sagen: Ich hatte vorher noch nie geschrieben – und ich gestehe hier offen und ehrlich, dass ich vorher keine Leseratte war.
Helen
Das hätte ich so später noch gefragt.
Ava Stella Dreessen
Meine Mutter ist, glaube ich, buchstäblich vom Stuhl gefallen, als ich ihr gesagt habe: Ich schreibe ein Kinderbuch. So nach dem Motto: Du und Bücher? Nee. Und ich so: Doch. Na ja, dann habe ich gedacht: Okay, wenn die Reaktion meiner Mutter schon so ausfällt, hole ich mir vielleicht noch ein bisschen Hilfe dazu und guck mal, ob das, was ich da so zusammenschreibe, auch irgendwie Sinn macht oder ob andere Leute das verstehen. Ich habe eine sehr gute Freundin, die ist Journalistin. Die habe ich angerufen und gesagt: Ich habe da so eine Idee, so ein Projekt, hast du Lust, dass wir uns mal treffen? Die war sofort Feuer und Flamme und hat gesagt, ja komm, ich guck damit drüber. Dann hatten wir ein paar Meetings, und am Ende ist sie tatsächlich meine Co-Autorin geworden, weil das so eine tolle Zusammenarbeit war. Wir ergänzen uns einfach megamäßig, und die Bücher wären ohne sie nicht das, was sie heute sind. Und jetzt sind wir so ein Dreiergespann an Frauen und entwickeln die Ideen zusammen. Und wir planen natürlich viel weiter als nur die Bücher, die jetzt erschienen sind. Ich freue mich, dass wir schon zwei Bücher veröffentlicht haben und nach so kurzer Zeit zwei weitere folgen. Und ja, ich bin gespannt, wie so die Reaktion auch von den Leuten ist. Aber bis jetzt war es wirklich eine ganz positive Reise. Also ich glaube, von Idee bis zum ersten Buch waren sechs Monate.
Helen
Wow, krass. Richtig gut. Du hattest ja auch auf der Messe erzählt, dass das gar nicht mal nur jetzt Eltern von Kindern kaufen, sondern auch Menschen, die einfach gerne ein bisschen mehr über Sylt lesen. Die Geschichten spielen ja auf Sylt, wenn ich mich nicht irre. Und das ist auch irgendwie voll schön. Und ich hatte das auf der Website oder in den Flyern, die du mir mitgegeben hast, auch gelesen, dass ihr da ja auch viel so recherchiert und dass das dann eben auch nochmal vielleicht eine andere Zielgruppe anspricht. Ist echt cool.
Ava Stella Dreessen
Ja, also mir war das einfach wichtig. Ich meine, ich muss sagen, ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht Mutter, nur werdende Mutter. Mir war einfach wichtig: Okay, was möchte ich eigentlich? Ich habe im Vorfeld unfassbar viel recherchiert und geschaut, was es schon gibt – rechts und links, nach vorne und nach hinten. Und ich habe immer auch gedacht: Okay, wie möchte ich das machen? Ich finde, viele Bücher haben nur sehr anspruchsvolle große Illustrationen mit wenig Text – was bestimmt gut ankommt und seinen Stellenwert hat. Aber ich wollte auch etwas mitgeben. Und meine Idee war einfach: Ich bin auf Sylt geboren, es ist eine wunderschöne Insel, es ist eine ganz besondere Insel. Wir haben das Wattenmeer, das ist einfach eine riesengroße Vielfalt, die wir hier haben – der Naturschutz, die Tiere, die Sachen, die man erleben kann. Und mir ist es so wichtig, den Gästen – Kindern, Eltern, Omas, Opas – oder auch den Kindern hier vor Ort noch mal zu zeigen, wie toll das hier ist und was wir alles haben und wie viel Geschichte wir auch haben. Es gibt so viel Geschichte über diesen kleinen Fleckerde und das wollte ich gerne in den Büchern wiedergeben, natürlich durch die Lupe, durch den Filter eines Kindes, leicht verpackt, nicht zu schwer – und trotzdem kann man das nicht in vier Zeilen zusammenfassen. Ich bin ein großer Fan von Fantasie und von Träumen. Ich wollte aber, dass es eine sehr schöne Balance bleibt und mir war und ist es extrem wichtig, dass die Fakten, die wir wiedergeben – die geschichtlichen Ereignisse, die Abenteuer – prinzipiell stimmen, also dass das wirklich Realität ist und da kommt die Recherche ins Spiel. Wenn wir jetzt ein geschichtliches Ereignis thematisieren, müssen wir wirklich gucken, war das so, passt das so, kann man das so sagen. Wie filtern wir da die Sachen raus, die vielleicht auch manchmal ein bisschen zu brutal oder heftig sind, gerade für Kinder, ohne das zu verfälschen? Und das ist dann im Endeffekt tatsächlich bei den Büchern die meiste Arbeit. Und sie sind für ein Kinderbuch – normal ist so ein blödes Wort – doch auch recht textlastig. Also wir passen wirklich auf, dass auf jeder Seite genug Bild und Text in der Kombi ist, dass man wirklich Lust hat zu verweilen, auch als Kind zum Gucken und Entdecken – dass man aber auch etwas mitgibt. Und da verbringen wir wirklich die meiste Zeit: nochmal absichern, war das wirklich so, ins Archiv gehen, Kapitän vom Krabbenkutter interviewen, nochmal gegenlesen lassen, solche Sachen, die bringen aber natürlich auch mega viel Spaß, weil wir die Abenteuer sozusagen immer schon ein bisschen vorher selbst erleben.
Helen
Ja, richtig cool. Wir müssen das ja testen. Ja. Ich finde das irgendwie voll cool. Du hast ja aber nicht nur Bücher herausgebracht, du hast gleichzeitig auch einen Verlag gegründet. War das von Anfang an klar? Also war das die Idee, nicht nur ein Buch herauszubringen, sondern es im Eigenverlag zu machen? Oder hattest du es vorher woanders gepitcht?
Ava Stella Dreessen
Also das war tatsächlich nicht die Idee. Also ich hatte die Idee zu dem Buch, so fing das an, dann hatte ich mein Team Und dann war das natürlich gleich die nächste Frage, okay, was mache ich damit? Gehe ich jetzt zu einem Verlag, stelle ich das vor, wie mache ich das? Und ich habe auch da wieder, also ich bin wirklich sehr, sehr gesegnet mit den Menschen, die ich kenne und die mir so in den letzten Jahren, Jahrzehnten über den Weg gelaufen sind, weil da meine liebe Freundin Harriet vom Ankerwechsel Verlag ins Spiel kommt, mit der ich mir auch den Stand in Leipzig geteilt habe. Zu dem Zeitpunkt kannten wir uns eher flüchtig, aber wir haben auch einen gemeinsamen Freund, mit dem ich sehr eng befreundet bin, und der hat gesagt: Ich connecte euch mal, sprich doch mal mit ihr, die hat Erfahrung und kann dir vielleicht einen Tipp geben, wie man so etwas angeht. Ich war da wirklich komplett unerfahren und dachte: Ich habe da so eine Idee, dann mache ich mal ein Buch.
Helen
Ist ja meistens auch besser, wenn man vorher noch nicht so genau weiß, was alles auf einen zukommt, oder?
Ava Stella Dreessen
Absolut richtig. Aber ich bin dann halt einfach so, ich mache dann halt auch erst mal einfach und dann gucke ich halt mal, wo das so hingeht und dann habe ich sie getroffen und dann haben wir ein bisschen über die Grundidee gequatscht. Ich hatte noch gar nichts zum Zeigen, nur die Idee im Kopf – es waren super schöne Stunden im Café. Und dann hat die Harriet mir damals auch gesagt, Sie sagte: Ich weiß gar nicht so genau, ob ein fremder Verlag für dich das Richtige ist. Weil, sagte sie, du brennst so und hast eine ganz genaue Vorstellung, wo du damit hinwillst, wie sich das weiterentwickeln soll, wie dein Team aussehen soll, was da drinstehen soll. Es könnte sein, sagte sie, dass das bei einem anderen Verlag schwierig wird. Und ich so: Ah, okay. Und dann haben wir uns im Endeffekt darauf verständigt, dass ich mich melde, wenn ich fertig bin, mit dem ersten Buch, und dass wir so eine Art kleines Coaching machen, uns zusammensetzen und abwägen, wo die Reise für mich hingeht und was für mich der richtige Weg sein kann. Sie hat mich da sehr an die Hand genommen, wofür ich unendlich dankbar bin – ich habe sozusagen jahrelange Erfahrung im Schnelldurchlauf mitbekommen. Es war eine sehr intensive Woche. Und wir waren uns, glaube ich, nach den ersten zwei Stunden beide unabhängig voneinander und ohne Absprache total einig, dass ich das selber machen muss. Und dann habe ich gesagt: Na gut, dann gründe ich eben einen Verlag. Let’s go. Warum nicht?
Helen
Was waren so die Dinge, die du einfach gar nicht erwartet hättest jetzt bei Verlagsgründung oder auch bei Buchdruck?
Ava Stella Dreessen
Ich habe über die letzten Jahre schon relativ viele Druckprozesse begleitet – zwar keine Bücher, aber Magazine oder Visitenkarten. Ich habe viel freiberuflich als Grafikerin gearbeitet. Das heißt, dieser ganze Part war nur bedingt Neuland. Natürlich taucht man da noch viel tiefer in Themen ein – Papierqualitäten, Macharten, Farbprofile. Das ist natürlich schon wesentlich anspruchsvoller als jetzt vielleicht mal irgendwie ein klein Flyer zu drucken. Ich überlege gerade, ob da irgendetwas war, wo ich sage: Damit hätte ich nicht gerechnet. Ich habe ja vorher im Handel gearbeitet, das heißt, mir war klar, wie so der Part ist, wenn andere Leute meine Bücher verkaufen. Das hat mich jetzt auch nicht überrascht. Also ich glaube tatsächlich, dass mein großer Vorteil gewesen ist oder auch immer noch ist, dass ich die letzten Jahre in so vielen verschiedenen Branchen gearbeitet habe, dass jede kleine Etappe, die mir jetzt begegnet, nie komplettes Neuland ist, sondern ich da schon mal war – und deshalb viel besser damit umgehen kann, also ich war bis jetzt noch nie so wirklich komplett überrascht oder überfordert. Klar, so auch die ganzen rechtlichen Sachen, Dinge, die man beachten muss. Bürokratie – klar, da schluckt man manchmal kurz. Aber ich bin einfach nicht der Mensch, der den Kopf in den Sand steckt, sondern ich sage dann okay, sondern sage: Liste, zack, was muss gemacht werden, in welcher Reihenfolge, und los. Dann rufe ich irgendwo an oder mache Termine und versuche, die Leute freundlich zu stimmen, wenn eine Deadline mal etwas sportlich ist. Und muss sagen, dass es dann doch irgendwie alles so auch vom Zeitmanagement für mich recht gut aufgegangen ist. Mit dem Entschluss, einen eigenen Verlag zu machen, hatte ich ja niemanden hinter mir, der sagt: Du musst bis dann und dann fertig sein. Aber natürlich habe ich dann selbst entschieden: Wenn wir dieses Jahr noch mitnehmen und ein paar Verkäufe machen wollen, wäre ein bestimmter Zeitpunkt wichtig. Wir mussten die Bücher letzten Herbst haben, weil es Mitte November schwierig geworden wäre. Deswegen habe ich – nach Absprache mit meinem Team – eine Deadline gesetzt, die wirklich realistisch war. Und dann haben wir die ersten Bücher in den Druck gegeben, die ich Anfang Oktober hier auf Sylt in den Händen hatte.
Helen
Und wie hat sich das angefühlt?
Ava Stella Dreessen
Super krass.
Helen
Ich kann mir das gar nicht richtig vorstellen – das ist ja im Grunde ein eigenes Produkt.
Ava Stella Dreessen
Ja, das war schon echt cool. Ich glaube, es ist auch die Masse, die man dann plötzlich hat. Ich hatte vorher schon mal ein Magazin für andere Leute gestaltet, das war auch schon cool, oder eine Geschirrserie entworfen. Dieses Gefühl, dass etwas, das ich gestaltet habe, irgendwo als Produkt steht – das hatte ich schon mal. Aber wenn es wirklich so ein Herzensprojekt ist, bei dem man an so viele Kleinigkeiten denken musste und hofft: Hoffentlich habe ich nichts vergessen und dann kommen da wirklich Paletten an – Paletten! – mit deinen Büchern drauf. Das ist schon ein crazy Gefühl. Es ist Freude, und du denkst: Komm, reiß eins von der Palette, ich will blättern, ich will blättern! Und im nächsten Moment denkst du nur: Ach du Heilige, ich muss die ja auch alle verkaufen. Aber ich bin ja der Verlag.
Helen
Aber immerhin hast du nicht als Erstes gedacht: Ich muss die auch irgendwo lagern. Das wäre wahrscheinlich eher ich, die darüber vorher gar nicht nachgedacht hätte.
Ava Stella Dreessen
Das habe ich vorher abgeklärt.
Helen
Ja, okay – ich wäre die, die dann denkt: Oh, wir haben ja gar keinen Platz.
Ava Stella Dreessen
Nee, das habe ich tatsächlich vorher geklärt. Ich habe recht schnell gefragt, wie das verpackt wird und wie viele Paletten das sind. Paletten war dann eine Einheit, unter der ich mir relativ viel vorstellen konnte. Was mir nicht so bewusst war, war das Gewicht, weil ich da natürlich eifrig, wie ich bin, gesagt habe, ich hole die ersten zwei Paletten in Hamburg selber ab, die muss ja keine Spedition bringen – ich war ja sowieso in der Ecke. Ich kam dann mit einem Sprinter an, sie stellen die erste Palette rein, und das Auto sackt einfach einen halben Meter tiefer.
Helen
Ach so, ja, ja – sportlich.
Ava Stella Dreessen
Ja, wir haben tatsächlich beide reinbekommen – der Wagen war extrem hoch gelegt. Aber ich muss dir sagen: Bei den dreieinhalb Stunden Autofahrt habe ich nur gedacht: Bitte, hoffentlich komme ich an, hoffentlich sitzt das Auto nicht gleich auf den Reifen auf. Es ist alles gut gegangen, aber ein komisches Gefühl war es schon. Gewicht, maximale Last, was darf in so ein Auto – das steht fürs nächste Mal auf meiner To-do-Liste. Oder ich nehme dann doch die Spedition.
Helen
Ja, krass. Es sind einfach manche Dinge, bei denen man vorher gar nicht weiß, welche Fragen man überhaupt stellen müsste. Was könnte noch kommen, das ich nicht bedacht habe?
Ava Stella Dreessen
Total. Da kann ich auch nur sagen, hätte ich Harriet nicht an meiner Seite gehabt, die mich schon auf ganz viel vorbereitet hat. Natürlich kann sie mich nicht auf alles vorbereiten. Das ist wie in einer anderen Lebenssituation. Aber wir haben sehr viele Themen zumindest im Ansatz einmal abgegrast und kurz besprochen, sodass ich wirklich einen ganz guten Überblick hatte, was alles auf mich zukommen wird oder zukommen kann, wenn ich mich für diese Verlagsgründung entscheide. Und mir war das alles das wert, um meine eigene Herrin zu bleiben und um selber wirklich von vorne bis hinten jedes kleinste Detail an diesen Büchern selbst entscheiden zu können, weil ich von Anfang an wusste, dass ich das als Serie sehe und nicht als einmaliges Buch. Und ich hatte ja schon dieses Team und dachte: Was mache ich denn, wenn die mir sagen, wir finden das cool, aber die Illustrationen gefallen uns nicht? Das war für mich einfach nicht möglich. Vielleicht hätte ich auch einen Verlag gefunden, der gesagt hätte: Ich nehme euch als ganzes Team, das ist ja mega. Und ich finde auch: Es gibt ja gute Kritik, die einen immer nach vorne bringt. Es ist auch nicht so, als würden wir in unseren Reihen nicht teilweise wirklich heiß diskutieren. Aber jede Diskussion, jede Anmerkung bringt einen weiter nach vorne und macht das Produkt so viel besser. Dieser Austausch hätte natürlich auch mit einem anderen Verlag bestimmt ein tolles Produkt ergeben. Aber ich wollte das Risiko nicht eingehen, vielleicht zu viele Kompromisse machen zu müssen. Ich habe gesagt: Nee, ich mache das so. Und am Ende war das für mich alles realisierbar. Und so ein Verlag bietet einem natürlich auch ein ganz tolles Dach für viele verschiedene Projekte – nicht nur für Kinderbücher und nicht nur für diese Serie. Und das ist auch ein Gedanke, der mir unfassbar gut gefällt, weil ich sehr viele kreative Menschen kenne und auch selber gerne zeichne oder auch andere Geschichten und Themen im Kopf habe. Und jetzt habe ich eine Plattform, über die ich solche Sachen realisieren kann – und das finde ich super cool. Wohl wissend, dass es hinter den Kulissen – neben dem Bücher-Kreieren – noch einen ganz anderen Job gibt, der mindestens genauso wichtig ist: Vertrieb, Netzwerken und so weiter Und als dann Messen im Raum standen, war die Frage: Was gibt es denn für Messen, was macht für mich Sinn? Ich habe mich dann kurzgeschlossen mit Harriet und gesagt: Hättest du nicht Lust, dass wir uns mal einen Stand teilen und abchecken, ob das für uns Sinn macht? Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Helen
Und hattest du das Gefühl, das hat was gebracht?
Ava Stella Dreessen
Also ich finde allein diese Symbiose war mega. Wir sprechen natürlich beide ganz unterschiedliche Leute an. Ich habe aber festgestellt, dass die Leute, die bei ihr waren, auch super viel Interesse am anderen Verlag hatten – und umgekehrt. Und das zeigt nur, dass die Leute sehr offen sind, was gut gemachte Produkte angeht. Das muss nicht unbedingt etwas mit der Kategorie zu tun haben – ob Kochbuch, Stadtführer oder Kinderbuch –, sondern es geht erst mal darum: Was ist das für ein Produkt, wer steckt dahinter, wie und wo wird es gemacht, wie viele Personen machen das? Das habe ich für mich mitgenommen: Es gibt viele Leute, die sich für mein Produkt interessieren, obwohl sie vielleicht gar keine Kinder haben. Und genau da sehe ich mich auch. Ich bin bei sehr vielen Märkten und Veranstaltungen, habe schon drei oder vier Lesungen gemacht. Ich bin sehr viel im Austausch auch mit Menschen, natürlich mit Kindern, aber auch mit Eltern, weil die Kinder sind dann meistens ein bisschen schüchtern und trauen sich nicht so. Auch bei der Altersklasse habe ich sehr offen gelassen, wo ich das sehe, weil ich gemerkt habe, wie unterschiedlich Kinder sind. Es gibt ganz kleine Kinder, die schon reden wie ein Wasserfall und super aufnahmefähig sind oder auch Bock drauf haben und andere Kinder, die einfach ein bisschen brauchen und oder ältere Kinder, die die Bücher selber lesen Und wie du es am Anfang schon angesprochen hast: Ich habe sehr viele ältere Leute, die sich die Bücher kaufen, weil sie Kinderbücher cool finden oder weil sie den Inhalt cool finden Und es ist für mich ein sehr schönes Feedback, wenn Leute sagen: Ich möchte etwas lernen, und ich lerne damit etwas, und es ist witzig und süß verpackt und keine schwere Kost. Und das ist für mich das größte Kompliment: dass ich eine größere Bandbreite an Leuten anspreche, als ich am Anfang gedacht habe.
Helen
Echt cool. Du hast ja jetzt im Grunde das Dach, unter das auch noch andere Sachen fallen können. Hast du das Gefühl, es bleibt beim Sylt-Bezug – oder ist das komplett offen?
Ava Stella Dreessen
Also ich bin da prinzipiell wirklich sehr offen. Es haben mich tatsächlich schon einige angeschrieben und ihre Manuskripte oder Ideen gepitcht. Für dieses Jahr war ich einfach schon voll, weil ich wusste: Es stehen noch zwei neue große Bücher an und ich finde auch, dass jedes Projekt so seinen Platz und Raum braucht, um auch zu sein und auch richtig wirken zu können. Und ich möchte der Sache gewachsen sein, mich darauf konzentrieren können und jedem Projekt seine Aufmerksamkeit geben. Aber ich bin überhaupt nicht festgelegt, ob es Kinderbücher bleiben sollen oder ob es immer um Sylt gehen muss. In erster Linie muss mich das Projekt – nicht nur Buch oder Geschichte – irgendwie catchen und abholen. Ich könnte gar nicht festmachen, dass ich sage: Das muss unbedingt dieses Thema sein. Sondern es muss mich einfach bewegen, es muss bei mir etwas auslösen. Oder weil der Vibe zwischenmenschlich einfach mega ist. Ich habe bis jetzt das Glück, wirklich fast ausschließlich mit Freundinnen und Freunden zu arbeiten – oder mit Menschen, die durch das Projekt meine Freunde geworden sind. Und das ist eine ganz tolle Atmosphäre. Ich glaube, das muss vom Vibe her passen, dass man sagt: Mit diesen Menschen verbringe ich auch gerne Zeit. Weil so ein Projekt ist einfach sehr zeitintensiv und man hat viel miteinander zu tun. Das ist wirklich sehr spannend, und ich finde es super cool, dass man gar nicht weiß, was da auf einen zukommt. Vielleicht wird es auch irgendwann mal ein Roman aus Süddeutschland. Ja, keine Ahnung.
Helen
Und mal etwas Konträreres zu Sylt – wir haben ja, bevor wir auf Aufnehmen gedrückt haben, über Rehe und Fachwerkhäuser gesprochen.
Ava Stella Dreessen
Genau. Wer weiß? Wer weiß? Sag niemals nie, ne?
Helen
Ja und ich meine, das gibt dir ja auch total viele Möglichkeiten. Ich finde es auch cool, dass du das als Plattform betrachtest – im Grunde ist es das ja. Dadurch, dass du das auf eigene Faust gemacht hast, bist du ja auch Risiken eingegangen, aber du hast dadurch jetzt eben auch Möglichkeiten, die du vielleicht sonst in der Form nicht unbedingt hättest. Deswegen, ja, ich find's richtig cool. Das Gute ist ja: Wenn es eine ISBN gibt, kann man die Bücher überall bestellen. Aber ist es so, dass man auf Sylt quasi überall darüber stolpert und den Büchern gar nicht mehr aus dem Weg gehen kann?
Ava Stella Dreessen
Ob ich das ganz genau so sagen würde, weiß ich nicht. Noch nicht – ich hoffe es. Wobei: Ich habe neulich mal eine Liste für Instagram erstellt. Weil jemand mir geschrieben hat, wo kann ich denn die Bücher kaufen? Und habe festgestellt, dass die Story von der Länge fast nicht ausgereicht hat, um die Läden aufzuschreiben. Also ich bin tatsächlich ja auf Sylt sehr, sehr gut vertreten, muss man einfach sagen. In jedem Ort gibt es mindestens ein Laden, der die Bücher hat. In einem Ort wie Westerland – dem Hauptankunftsort der Insel, wo man auch ohne Auto ankommt, als Tagestourist oder wie ich oft einfach mit dem Zug. Da habe ich jetzt fünf Läden, die die Bücher haben und das ist wirklich eine ganz tolle Sache auch auf der Insel Und wir hatten ja vor der Aufnahme darüber gesprochen, dass es hier einen sehr dörflichen Charakter hat: Die Insulaner halten wirklich super gut zusammen. Die meisten freuen sich und sagen: Eine Sylterin, die etwas Eigenes macht, sich selbstständig gemacht hat und über die Insel schreibt – für Gäste, für die eigenen Kinder. Die supporten das total und unterstützen mich sehr. Das heißt, ich bin nicht nur in einem Laden vertreten, sondern habe auch eine ziemliche Poleposition – ein super cooles Schaufenster, oder es liegt gleich vorne. Also ich bekomme da auch immer ein sehr besonderes Plätzchen. Demnach würde ich sagen, dass schon sehr viele Leute über die Bücher stolpern. Ich habe gute Unterstützung von der Lokalpresse, was ganz toll ist. Und klar, ich mache ja auch die Events – ein schönes Medium. Ich versuche auch, immer enger mit Schulen und Kindergärten zu arbeiten. Da machen wir dann auch mal so Lesungen oder Basteln zusammen, was dann halt thematisch zu den Büchern passt, um näher an den Kindern zu sein und eine gewisse Nähe zu zeigen. Weil es natürlich auch mir super wichtig ist, was die sagen. Weil es geht ja nicht darum, was die Eltern nur sagen, sondern was die Kinder halt sagen und was die cool finden und was die vielleicht nicht so cool finden. Das sind tatsächlich auch die Momente, in denen ich am meisten ins Schwitzen komme, weil Kinder ja so brutal ehrlich sind. Da wird nichts gefiltert und nicht um den heißen Brei geredet, sondern da kommt: Das finde ich gut, das finde ich blöd. Und du denkst: Okay, daran habe ich jetzt aber Wochen und Monate gesessen – interessiert die nicht. Ich muss aber sagen, Bis jetzt ist das Feedback auch von den Kindern sehr positiv. Also ich wurde bis jetzt verschont.
Helen
Oh, das ist richtig schön. Ich finde es gerade richtig witzig – ich habe das Gefühl, das sind voll die Parallelen. Ich bin irgendwann auch mal über so eine Weiterbildung oder so was gestolpert. Die hieß Literatur, Pädagogik. Und als ich das durchgelesen habe, dachte ich: Das ist eigentlich auch das, was wir mit Mädels, die lesen. machen – nur für Erwachsene, während es sich meist eher an Kinder richtet. Ein Buch erleben ist im Grunde das, was wir auch machen, nur ein bisschen anders. Bisher haben wir noch nicht gebastelt, aber ich bin auch offen dafür. Aber wir malen die Cover, wir brauen etwas, das im Buch eine Rolle spielt. Wir analysieren es ja sowieso, aber ich liebe das einfach. Und irgendwie denke ich grad so, das finde ich total toll. Weil du dir zu den Büchern, zu den Themen noch mal eine andere Welt aufbauen kannst. Also einfach die Events überlegen kannst und so. Ich finde es ziemlich gut, dass du einen eigenen Verlag gegründet hast. Ich denke, es gibt dir einfach total viele Möglichkeiten.
Ava Stella Dreessen
Ich hätte vor sechs Monaten nicht gedacht, dass ich da bin, wo ich jetzt bin, und dass sich all diese Events so ergeben. Das sind ja auch Dinge, die sich ergeben. Mir war einfach wichtig zu überlegen: Was möchte ich, dass jemand mit meinem Buch macht? Und wenn ich mich so auch an meine Kindheit erinnere, so gerade meine Lieblingsbücher, ich habe die immer wieder in der Hand gehabt. Und es waren immer Bücher, in denen man etwas machen konnte, etwas entdecken, etwas zählen, gucken – wo eine Rätselfrage drin war oder Dinge nicht ganz offensichtlich erklärt waren, sodass man dachte: Es könnte so sein, es könnte aber auch anders sein. Wo man halt auch so interaktive Elemente hatte. Deswegen gibt es in jedem Buch einen Einleger mit einer Bastelvorlage – und im neuen Buch haben wir jetzt eine Schnitzeljagd. Da freue ich mich riesig drauf. Es macht so einen Spaß, diese Schnitzeljagd vorzubereiten. Und für die Eltern sind Rezepte zum Nachkochen drin, die dann auch auf der Internetseite stehen Und mein Vater macht leidenschaftlich gern Musik und hat von mir den Auftrag bekommen, Kinderlieder zu schreiben – er hat für jedes Buch einen passenden Song geschrieben und aufgenommen, der über einen QR-Code mit dem Buch verlinkt ist und wenn ich dann so Kinder sehe, die das irgendwie hören und dazu tanzen oder selbst mein kleiner Sohn, der das dann voll feiert oder Leute das immer wieder in die Hand nehmen oder eine Schule das Biikefeuer nachbastelt, weil sie es total cool findet und als Unterrichtsmedium benutzt. Das sind Momente, die kann ich wirklich nicht beschreiben, weil sie mich so doll rühren – weil sie zeigen, dass das, was ich mir in meinem stillen Kämmerlein überlegt habe, aufgeht und funktioniert und ich möchte einfach auch nicht, dass es langweilig wird, sondern dass es halt irgendwie spannend bleibt und das versuche ich dann halt zusätzlich noch über diese Events zu machen, dass man da wirklich, ja wie du sagt, sich noch so eine andere Welt aufbaut. Und das sind halt auch Dinge. Und das war, wusste ich schon von Anfang an, dass ich so was halt möchte. Und das war noch mal ein Push zu sagen: Nee, ich muss das selber machen. Was ist, wenn mir das jemand, blöd gesagt, verbietet und sagt: Das wollen wir nicht, das gehört nicht zu unserer CI, wir sehen das ganz anders? Da habe ich gedacht: Oh Gott, dann muss ich über jede Kleinigkeit diskutieren. Das möchte ich nicht. Ich möchte einfach sagen können: Ich habe jetzt total Bock, eine Busfahrt über die Insel zu machen. Wir packen da Kinder ein und suchen irgendwas. Dann kann ich das einfach entscheiden. Jetzt kann ich das.
Helen
Richtig cool. Ich habe das Gefühl, es wäre auch voll mein Ding. Ich liebe es auch, sich zu einem Buch Sachen zu überlegen. Das macht echt Spaß. Und man merkt bei dir, dass du dich da kreativ austoben kannst. Das ist echt etwas Besonderes.
Ava Stella Dreessen
Ja und vor allen Dingen, für mich war das so, ich habe Spaß an so vielen verschiedenen Sachen. Ich koche furchtbar gerne, ich bastele mega gerne. Wenn mich jemand aus dem Stand fragen würde: Welchen Beruf hättest du am liebsten gelernt, oder hättest du dich nochmal umentschieden? Da könnte ich dir eine halbe Liste aufschreiben von Sachen, die ich cool finde. Und ich wünschte mir, ich hätte noch fünfmal die Möglichkeit, mich neu zu entscheiden. Ich meine, man kann sich eigentlich immer neu entscheiden. Aber das habe ich jetzt ein bisschen durch den Verlag: dass ich meine verschiedenen Leidenschaften unter dieses eine Dach packen kann. Ich kann kochen und mir Rezepte überlegen, die in die Bücher kommen, und die dann nachbacken und nachkochen. Ich kann basteln, ich kann handwerklich tätig sein, wenn ich für eine Lesung irgendwelche Kulissen und Bühnenbilder baue, weil ich das nice finde. Und ich kann wirklich alles machen – es gibt eigentlich gar keine Grenzen. Und das ist, Stand jetzt, das größte Geschenk, das ich mir selbst gemacht habe. Klar ist es viel Arbeit, und es ist wirklich Verantwortung. Ich habe auch Verantwortung für andere Menschen, auch wenn sie freiberuflich mein Team ergänzen. Aber natürlich habe ich trotzdem da eine Verantwortung und natürlich auch für mich selber. Und trotzdem habe ich uns da, glaube ich, etwas geschaffen, wo wir wirklich unfassbar frei sein können. Dafür hast du eben einen anderen Rucksack, den du tragen musst, und die Steine darin sind vielleicht auch mal schwerer als woanders. Aber das ist mir die Freiheit wirklich wert.
Helen
Aber das kann ich so gut nachvollziehen. Ich wollte dir eine Frage stellen, die mir letztens selbst gestellt wurde – ich war im Podcast Gedankenzirkus zu Gast. Wenn man mich fragt, gebe ich immer meinen Senf dazu – aber ehrlich gesagt kann ich das schlecht beurteilen, weil ich selbst keine Kinder habe. Aber die Frage war, wie empfiehlt du mit Kindern beim Thema Lesen umzugehen, sollten Kinder bereits früh an das Thema Lesen herangeführt werden? Und ich dachte: Ich kann mir ja viel denken, aber ich habe keine Erfahrung. Deswegen, vielleicht hast du da eine bessere Antwort als ich.
Ava Stella Dreessen
Das ist eine gute Frage, auf jeden Fall. Ich kann im Endeffekt nur wiedergeben, wie ich als Erstlingsmama eines noch sehr kleinen Kindes da herangehe. Und natürlich finde ich es gut, spielerisch schon recht früh herangeführt zu werden – überhaupt erst mal mit dem Produkt in Kontakt zu kommen und es zu berühren. Also ich merke das immer wieder. Mein Sohn zum Beispiel ist noch viel zu klein, auch für die Geschichten, um es alles so zu verstehen. Aber er nimmt Bücher supergern in die Hand und blättert durch, und du merkst: Die bekommen schon ganz früh ein Gefühl für die Seiten und dafür, wie das funktioniert. Er erfreut sich schon mega an tollen Bildern und guckt natürlich mehr auf Farben als auf Gestaltung. Aber mir ist es ganz, ganz wichtig für mein Kind, einfach früh Kontakt mit Büchern zu haben und das spielerische herangeführt zu werden und einfach, ja, ihn natürlich auch vorzulesen. Das ist wirklich auch die schönste Erinnerung aus meiner Kindheit: abends im Bett zu liegen und vorgelesen oder Geschichten erzählt zu bekommen. Es waren teilweise auch einfach wild erfundene Stories. Aber das hat mir sehr viel gegeben, und ich habe dadurch wirklich das Träumen gelernt. Und das würde ich meinem Kind weitergeben: dass man sich selbst diese schönen Routinen schafft, ob abends oder tagsüber, auch so ein bisschen zu entschleunigen runterzukommen, sich ein schönes Buch zur Hand zu nehmen und da halt daraus erzählt zu bekommen. Ich bin tatsächlich eher ein Mensch, der lieber Hörbücher hört – da kann ich schön abschalten und mehr in meinen Gedanken verschwinden, als wenn ich selber lese. Wie ich eben schon zugegeben habe: Ich bin keine wirkliche Leseratte. Auch durch die Verlagsgründung nicht.
Helen
Lese-Ratte geworden.
Ava Stella Dreessen
Genau – tatsächlich einfach mehr Kinderbücher. Aber ich glaube, ich bin einfach so ein Mensch, ich liebe auch so diese Fantasie der Kinderbücher. Das ist ja einfach eine andere Art des Schreibens. Sie ist einfach super frei, wild, durcheinander, sehr fantasievoll. Und ja, das finde ich halt mega. Und ich habe das auch als Kind geliebt und ich bin gespannt, wie es mit meinem Sohn wird. Ich habe es geliebt, wenn man dabei etwas gelernt hat. Und das muss gar nichts sein wie in der Schule, sondern einfach, wie man zwischenmenschlich miteinander umgeht oder wie gewisse Dinge funktionieren. Ich wollte immer wissen, wie Dinge funktionieren. Und das versuche ich mit den Büchern: spielerische, fantasievolle Lernbücher zu machen. Und ich hoffe, dass das natürlich auch meinem Sohn ein Einstieg ins Lesen ist. Und ich finde es gerade in der heutigen Zeit, wo alles digital ist, alles am Screen, alles am iPad, Filme, Fernsehen gucken, finde ich es super wichtig, gerade diese Routine zu haben und an Bücher herangeführt zu werden, damit man ein Gefühl dafür bekommt. Darauf kann man, finde ich, nicht verzichten. Bei den Kindern, die mir in meinem Alltag begegnen, merke ich, wie viel Ruhe ihnen das gibt, wie sehr es sie erdet und wie die selber aufgehen und wie viel kreativer und fantasievoller sie in diesen Momenten sein können, in denen sie wirklich bei Büchern, bei Abenteuern und Geschichten sind, als wenn sie vor dem Fernseher sitzen. Ja. Und ja, deswegen hoffe ich auch, dass auch in Zukunft Kinder natürlich noch Interesse an Büchern haben. Man merkt auch: Kinder mit älteren Geschwistern sind ganz schnell bei Jugendromanen oder gucken eher Soaps und lesen Manga. Ich dachte, das wäre noch meine Zielgruppe. Aber genau das zeigt mir wieder: Ich habe im Endeffekt gar keine feste Zielgruppe. Es muss einem gefallen oder eben nicht – schlicht und einfach.
Helen
Ja, also kann ich auf jeden Fall alles total gut nachvollziehen. Wahrscheinlich hilft es auch, wenn man sieht, dass die anderen selbst lesen – dass man als Kind denkt: Das kann ich ja auch machen. Das wäre wahrscheinlich noch das Beste. Aber ich denke auch: zumindest, wenn Bücher überhaupt eine Rolle im Haushalt spielen.
Ava Stella Dreessen
Ja, genau. Also das ist ja schon mal der Einstieg, dass man überhaupt sagt, okay, es findet überhaupt statt. Ich glaube, es gibt bestimmt auch Haushalte, in denen manche sagen: Dazu habe ich keine Lust, das interessiert uns nicht. Ist ja auch in Ordnung.
Helen
Ja. Aber das ist so.
Ava Stella Dreessen
Ich habe für meine Kreativität super viel mitgenommen – die sich ja jetzt erst in Büchern widerspiegelt.
Helen
Aber das kann ja sozusagen der Einstieg für alles Mögliche sein.
Ava Stella Dreessen
Ja, ich sehe das ein bisschen als Kreativitätsförderung, egal um welches Thema es dann geht. Dafür finde ich Bücher einfach super wichtig – auch um zu sehen, welche Möglichkeiten man eigentlich hat: durch den Inhalt des Abenteuers oder überhaupt durch die Möglichkeit, sich selbst solche Geschichten auszudenken und sie weiterzugeben. Ja.
Helen
Richtig, richtig cool, ich fand das voll spannend. Erzähl vielleicht nochmal, wo man dich findet, wo man den Verlag findet und wo man die Bücher findet – wir verlinken das natürlich auch alles.
Ava Stella Dreessen
Ja, ich habe natürlich einen eigenen Online-Shop über meine Verlagsseite, den Noah Verlag. Da sind alle Bücher zu sehen, da steht auch ein bisschen etwas über mich und mein Team – und selbstverständlich der Buchhandel: Viele Buchhändler können mich auch bestellen. Und was für mich ein sehr großer Schritt ist: Ich bin seit Kurzem bei Thalia gelistet. Sie haben mich ins Programm aufgenommen, das heißt, jeder Thalia-Laden deutschlandweit kann mich bestellen, mit relativ kurzer Lieferzeit. Ansonsten bin ich im Buchhandel aktuell noch recht lokal vertreten, strecke die Fühler aber schon nach Hamburg aus. Und so ergibt sich das step by step – gerade dreht sich ja alles um Sylt. Klar, ich sage auch immer: Man muss nicht auf der Insel gewesen sein, um die Bücher zu verstehen. Es kann auch einfach sein, dass jemand Kutterfahren cool findet oder darüber schon immer etwas wissen wollte. Oder ich habe viele Fans in Süddeutschland, die am Osterfeuer sagen: Oh, Biikefeuer, cool – und wie machen die das, warum machen die das eigentlich? Man kann das gar nicht kategorisieren. Trotzdem gucke ich im Handel gerade, dass die Bücher Sinn machen und einen Platz finden, wo Leute das verstehen oder diese Nordsee-Sehnsucht fühlen und sagen: Oh, cool, schön. Deswegen beschränkt sich das erst mal auf Norddeutschland – wobei ich über den Online-Shop ja immer sehen kann, aus welcher Region die Kundinnen und Kunden kommen und freue mich wirklich zu sehen, dass es ja komplett über Deutschland verteilt ist, wo so die Bestellung eintrudeln Und ich freue mich natürlich über jede Buchhändlerin und jeden Buchhändler, die auf mich zukommen und sagen: Das wäre doch eine schöne Ergänzung für unser Sortiment. Falls jemand zuhört: sehr gerne.
Helen
Also: Noah Verlag – da gerne mal nachschauen. Dann sieht man auch diese Zeichnungen und bekommt ein Gefühl für die Bücher. Das ist echt sehr süß.
Ava Stella Dreessen
Danke.
Helen
Du hast mich vor allem auf der Leipziger Buchmesse begeistert – da hatte ich die Bücher ja auch schon gesehen. Ich fand das einfach so cool und inspirierend. Danke, dass du das heute mit uns geteilt hast. Ich finde es immer schön, Mutmacher-Geschichten zu hören – dass jemand denkt: Na gut, dann mache ich das halt auch, so eine Verlagsgründung oder ein Kinderbuch. Oder ich fange an, mir zu Büchern Konzepte zu überlegen.
Ava Stella Dreessen
Als Abschluss kann ich wirklich nur jedem empfehlen: Wenn man eine Idee hat – dranbleiben, dran glauben, durchbeißen, kämpfen, weil die größte Belohnung ist, wenn man es wirklich durchgezogen hat. Egal was es ist – es muss ja kein fertiges Produkt sein, sondern das Ziel, das man im Kopf hatte. Darauf kann man echt stolz sein und das ist Das ist ein irre tolles Gefühl. Das kann ich wirklich nur jedem empfehlen.
Helen
Ja, das ist ein richtig schönes Schlusswort. Ich würde sagen, wir trinken unsere Johannisbeerschorle in der Konditorei zu Ende – die macht ja bestimmt auch bald zu. Und ich sage vielen, vielen Dank für die Einblicke.
Ava Stella Dreessen
Sehr gerne. Ich danke dir für das schöne Gespräch.




