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Podcast · Folge 91
Acht Bücher im Jahr – und was in ihrem Preis steckt
Julia Eisele über die Gründung ihres eigenen Verlags mit Ende vierzig, die Rechnung hinter einem Buchpreis – und warum das Medium Buch so langsam ist
Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise: Wo sitzen wir gerade, und welches Getränk hast du uns mitgebracht? Julia Eisele sagt, die Frage treffe sie unvorbereitet und sie sei nicht der allerkreativste spontane Mensch – also antwortet sie wahrheitsgemäß: ihr Verlagsbüro in der Au in München, ausnahmsweise mit grünem Tee statt Kaffee. Auf dem Wunschzettel, den die Community vor Weihnachten ausgefüllt hatte, stand sie namentlich als Gast-Wunsch zum Thema Verlagshintergründe.
Julia Eisele
Verlegerin, Eisele Verlag, München
Julia Eisele ist 1998 als Lektoratsassistentin in die Branche eingestiegen, wurde Lektorin bei Goldmann und arbeitete zwischendurch zwei Jahre selbstständig als Übersetzerin und Lektorin. Danach war sie sieben Jahre beim Piper Verlag, zuletzt mit drei Programmleitungen. 2016 hat sie in München ihren eigenen Verlag gegründet – die Julia Eisele Verlags GmbH, mit einem alten Schulfreund aus dem Finanzbereich als Mitgesellschafter und Geschäftsführer. Der Vertrieb läuft über die Ullstein-Verlage, die Pressearbeit über ein Hamburger Büro. Das Programm umfasst acht bis zehn Bücher im Jahr.
Warum sie mit Ende vierzig noch mal von vorn angefangen hat
Der Job beim großen Verlag hätte weiterlaufen können, sagt sie, und er hat ihr auch Spaß gemacht. Zwei Dinge kamen zusammen: das Gefühl, nicht mehr substanziell dazuzulernen, und ein sehr großes Bedürfnis nach Selbstbestimmung. Dazu ein Frust, den sie erstaunlich klar benennt – dass die Flops in großen Häusern systemisch bedingt seien: Es werden zu viele Bücher gemacht, das Marketingbudget konzentriert sich auf wenige Spitzentitel, und den übrigen Autor*innen muss man hinterher erklären, warum für sie nichts übrig war.
Angst hatte sie trotzdem. Sie ist mit einer Pro-und-Kontra-Liste zu einem Coach gegangen, der ein bisschen über die Liste gelacht hat: Gründe dafür und dagegen werde sie immer finden, objektiv entscheiden lasse sich so etwas nicht. Was ihr geholfen hat, war die Frage nach dem schlimmsten Fall – ein paar Schulden, ein neuer Job, und man hat viel gelernt. Die Sicherheit einer Anstellung hält sie ohnehin für eine scheinbare.
Das ganze Leben ist ein Versuch. Wir lernen und üben und dann macht man Fehler und dann versucht man es besser zu machen. Und wenn man dann so halbwegs weiß, wie es funktioniert, muss man abtreten.Julia Eisele
Acht Bücher im Jahr – erst aus der Not, dann aus Überzeugung
Vier Bücher im Frühjahr, vier im Herbst: Das war zu Beginn das Minimum, mit dem ein Verlag überhaupt einen ordentlichen Auftritt hinbekommt – und gleichzeitig das Maximum dessen, was allein zu stemmen war, finanziell wie zeitlich. Aus der Not ist ein Konzept geworden. Heute sind es acht bis zehn Titel im Jahr, und das Motto lautet: wenig machen, das dann aber richtig.
Der Grund ist nicht Bescheidenheit, sondern Arithmetik der Aufmerksamkeit. Ihr Pressebüro kann nicht dreimal bei derselben Redaktion mit einem anderen Titel anrufen; ein, zwei Gespräche sind drin, dann ist Schluss. In großen Häusern erscheinen dagegen einige hundert Bücher im Jahr, verteilt über Imprints. Was dabei verpufft, ist nicht nur Verlagsgeld, sondern die Arbeit von Autor*innen.
Wirtschaftlich trägt das nur, wenn ein bis zwei Titel im Jahr richtig funktionieren. Wie sie auswählt? Ihr eigener Lesegeschmack ist das Werkzeug – berührt es sie, bringt es ihr etwas Neues bei, ist es besonders erzählt. Dazu kommen drei nüchterne Fragen: Passt es ins Profil des Verlags? Ist es etwas, das Buchhändler*innen gefallen kann? Und stimmt die Zielgruppe? Das Frühjahr vor der Aufnahme war schwierig, sagt sie offen: Kein Titel hat sich richtig durchgesetzt.
Was in einem Buchpreis steckt
Der aufschlussreichste Teil des Gesprächs ist eine Aufzählung. Auf die Frage, ab wann sich ein Buch rechnet, listet Julia Eisele auf, was alles bezahlt sein will: der Vorschuss für die Autorin, die Mitarbeitenden, die Büromiete, die Vertriebsarbeit von Ullstein, Papier und Druck, die Grafiker*innen für das Cover, die Bildrechte, die Übersetzung, das Korrektorat, der Satz, die Pressearbeit – und die Vorab-Exemplare, von denen teilweise ein paar tausend Stück verschenkt werden. Dazu der Buchhandelsrabatt: Fast die Hälfte dessen, was hereinkommt, geht an den Handel, danach kommt die Mehrwertsteuer.
Ihre Schlussfolgerung ist deshalb nicht, dass Bücher zu teuer sind, sondern das Gegenteil. Sie erhöhen die Preise langsam – ihr eigenes Bild dazu: wie beim Frosch im kalten Wasser, damit niemand herausspringt. Helen hält dagegen, was ein Buch dafür zurückgibt: Wissen, für das man sonst einen Kurs belegen müsste, und Romane, die sich manchmal wie eine Minitherapie anfühlen.
Bei den Vorschüssen zieht sie eine klare Grenze. Gute Vorschüsse zahlt sie, unvernünftige nicht – bei Auktionen, die schnell bei ein paar hunderttausend Euro landen, ist sie raus. Ihre Beobachtung: Die wenigsten dieser teuren Projekte spielen sich ein.
Warum das Medium so langsam ist
Bücher werden in den Buchhandel »einverkauft«, bevor sie körperlich existieren. Der Verlag stellt sein Programm auf der Verkaufskonferenz vor, die Vorschauen werden gedruckt und verschickt, Vertreter*innen reisen in die Buchhandlungen und sammeln Bestellungen ein – und erst aus diesen Bestellungen ergibt sich, wie hoch die Auflage wird. Das ist keine Formalie: Eine Auflage von 10.000 Stück auf einmal ist deutlich günstiger als zweimal 5.000.
Deshalb bekommt man im Sommer die Vorschau für den Winter, und deshalb ist der Klassiker aus dem Verlagsalltag, dass Debüt-Autor*innen mit dem fertigen Manuskript ankommen und annehmen, das Buch sei in zwei Wochen da. Es dauert ein Jahr, manchmal anderthalb.
Helen erzählt in dieser Folge nebenbei, dass sie ihren Teilzeitjob zum Jahresende gekündigt hat. Wie das Jahr weiterging, das damit begann, steht im Rückblick auf 2024.
Ein Verlagstag, von innen
Julia Eisele ist Nachtmensch, stellt sich keinen Wecker auf sieben und macht als Erstes Kaffee. Dann holt sie den Laptop und sieht sich die Verkaufszahlen an – ihr täglicher Krimi, wie sie es nennt, besonders wenn neue Bücher draußen sind. Was danach kommt, nennt sie Horizontal Office: erst mal E-Mails und Manuskripte im Liegen, im Sommer eine Runde laufen an der Isar, gegen elf ins Büro.
Der Rest ist Kommunikation: Mittagessen mit Autor*innen, Lektor*innen, Agent*innen, Filmproduzent*innen, enge Abstimmung im kleinen Team, in dem niemand nur für eine Sache zuständig ist. Als Programmleiterin habe sie sich nur mit Inhalten beschäftigt, sagt sie – jetzt kommt alles andere dazu.
Was dabei auf der Strecke bleibt, ist das private Lesen. Alles, was sie liest, prüft sie zugleich daraufhin, ob es für den Verlag infrage kommt, meist auf Englisch, Französisch oder Italienisch. Bestseller hört sie als Hörbuch beim Bügeln oder Radfahren. Wirklich privat gelesen wird selten – am ehesten im Urlaub.
Wenn du dich schon mal gefragt hast, warum ein Buch kostet, was es kostet – oder ob man mit Ende vierzig noch mal etwas Eigenes anfangen kann –, dann hör dir diese Folge an.
Das Buch dazu
»Die Farbe von Milch« war unser Monatsbuch im März 2023, 189 Mädels haben mitgelesen – und wir haben damals auch mit der Autorin gesprochen. Auf der Buchseite kannst du die Leserunde nachholen. Dort steht auch, wie die Community das Buch bewertet hat, welche Figur ihr am meisten ans Herz gewachsen ist und wo es das Buch und das Hörbuch gibt.
Die Bücher aus dieser Folge
Zwei Titel aus dem Eisele Verlag kommen im Gespräch vor. Wo wir gemeinsam gelesen haben, kommst du über die Buchseite zur ganzen Leserunde und kannst sie in deinem Tempo nachholen.
Die Farbe von Milch
Nell Leyshon
Das Buch aus dem Eisele Verlag, das wir gemeinsam gelesen haben – und das Julia Eisele im Gespräch als Beispiel dafür nennt, was sie an einem Manuskript überzeugt: besonders und originell erzählt. Aus dem Englischen von Wibke Kuhn, im Original »The Colour of Milk«.
Leserunde nachholenMonatsbuch März 2023
Mein letztes Jahr der Unschuld
Daisy Alpert Florin
Der Campus-Roman, den sie als Beispiel für ein Buch nennt, das sie gut findet und das sich trotzdem nicht durchgesetzt hat – vielleicht, sagt sie, weil es nicht ihre Zielgruppe war. Aus dem Englischen von pociao und Roberto de Hollanda.
*Mit Sternchen markierte Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.
Häufige Fragen zu dieser Folge
Wie viele Bücher macht ein kleiner Verlag im Jahr?
Der Eisele Verlag veröffentlicht acht bis zehn Titel im Jahr, aufgeteilt auf Frühjahr und Herbst. Zum Start waren es bewusst acht – weniger wäre als Verlagsauftritt zu wenig gewesen, mehr allein nicht zu stemmen. Große Häuser bringen dagegen einige hundert Titel im Jahr heraus.
Warum kostet ein Buch so viel, wie es kostet?
Weil in einem einzigen Titel Vorschuss, Personal, Miete, Vertrieb, Papier und Druck, Covergestaltung, Bildrechte, Übersetzung, Korrektorat, Satz, Pressearbeit und mehrere tausend verschenkte Vorab-Exemplare stecken. Dazu geht fast die Hälfte des Ladenpreises an den Buchhandel, und die Mehrwertsteuer kommt noch dazu.
Warum erscheinen Vorschauen so lange vor dem Buch?
Weil der Buchhandel Bücher bestellt, bevor sie gedruckt sind. Aus diesen Vorbestellungen ergibt sich die Auflagenhöhe – und die entscheidet mit über den wirtschaftlichen Erfolg, weil eine große Auflage auf einmal deutlich günstiger ist als zwei kleine.
Wie lange dauert es vom Manuskript zum Buch?
In der Regel ein Jahr, manchmal anderthalb. Julia Eisele erzählt, dass gerade Debüt-Autor*innen oft mit einer ganz anderen Vorstellung ankommen.
Wie wählt eine Verlegerin die Bücher aus?
Über den eigenen Lesegeschmack – ob ein Text berührt, etwas Neues zeigt, besonders erzählt ist – und über drei nüchterne Fragen: Passt es ins Verlagsprofil, kann es dem Buchhandel gefallen, stimmt die Zielgruppe?
Haben wir ein Buch aus dem Eisele Verlag gelesen?
Ja: »Die Farbe von Milch« von Nell Leyshon war unser Monatsbuch im März 2023, 189 Mädels haben mitgelesen. Die Leserunde kannst du über die Buchseite nachholen.
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Transkript der Folge
Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.
Helen
Herzlich willkommen Julia. Ich freue mich sehr heute mit dir über dein Verlag zu sprechen, darüber wie es dazu gekommen ist und was Bücher sonst auch noch vielleicht für eine Rolle in deinem Leben spielen. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Julia
Da mich diese Frage etwas unvorbereitet trifft – du hast mir gerade erst gesagt, dass du sie stellen wirst – und ich nicht der allerkreativste spontane Mensch bin, sage ich einfach die Wahrheit, dass ich in meinem Büro sitze und einen Tee trinke, wobei ich normalerweise Kaffee trinke, aber heute habe ich eine Ausnahme gemacht und habe mir einen grünen Tee gemacht.
Helen
Oh, sehr gesund. Weil wir gerade bei der Realität sind: Ich sehe ja, wo du sitzt, das sieht richtig toll aus mit dem Bücherregal im Hintergrund.
Julia
Ich denke, das ist einfach nur ein Bücherregal.
Helen
Aber ich weiß ja nicht, in welchem Kontext man zuhört – wenn man dann Büro denkt: Mein Büro in meinem Teilzeitjob, in dem ich heute Morgen gearbeitet habe, sieht ganz anders aus. Das finde ich allein schon cool. Also du sitzt halt im Verlag, denke ich, und da in deinem Büro jetzt.
Julia
Ja, wobei Verlag immer so nach was großem klingt. Also die Wahrheit ist, dass wir zwei Zimmer haben. Wir sind hier in der Au in München, damit sich die Zuhörerinnen das besser vorstellen können. Und mein Zimmer ist so ein bisschen fast wie ein Wohnzimmer eingerichtet. Wir haben da sogar zwei Sessel und ein Sofa, so ein Stoffsofa und ein Flokati-Teppich darunter
Helen
Voll gemütlich.
Julia
Man könnte es fast mit einem Wohnzimmer verwechseln.
Helen
Ja. Aber also hört sich super gemütlich an perfekt für so ein Podcastaufnahme für so ein Gespräch. Würde ich sagen, wir stoßen einmal mit dem grünen Tee an. Ich hatte es dir gerade im Vorfeld schon mal kurz gesagt. Wir hatten vor Weihnachten letztes Jahr so eine Art Wunschzettel. Wir haben alles Mögliche abgefragt. Also generell, was fehlt euch? Was hättet ihr vielleicht gerne im Online-Shop, den wir damals noch hatten? Wo sollen wir Treffen organisieren? Alles Mögliche und wen hättet ihr gerne im Podcast? Und du bist halt auch namentlich genannt worden zum Thema Verlagshintergründe. Und ich hab dir aber auch gerade gesagt, ich finde alles immer spannend. Also einfach so, wer bist du als Person? Aber vielleicht kannst du uns mal so ein bisschen abholen. Wie ist das überhaupt gekommen, dass du den Eisele Verlag gegründet hast? du warst ja vorher auch schon in der Buchwelt zu Hause, hast aber etwas anderes gemacht.
Julia
Ja, genau. Also ich bin ja in der Branche schon sehr lange und habe, das ist ehrlich gesagt erschreckend: Ende der 90er, also 1998, bin ich ins Berufsleben eingetreten. Das klingt jetzt wirklich krass lange her, ne? Genau. als Lektoratsassistentin in der Verlagsgruppe Bertelsmann, so hieß sie damals noch, da habe ich bei Goldmann bin ich dann Lektorin geworden, da war ich lange und dann habe ich auch zwei Jahre mal selbstständig gearbeitet als Übersetzerin und Lektorin, weil ich da so ein bisschen aus der Mühle raus wollte und vielleicht war das auch schon so der erste Hinweis darauf, dass ich eigentlich doch lieber selbstständig wäre, weil ich dann, also danach bin ich dann nochmal in einen Konzernverlag eingestiegen, nämlich beim Piper Verlag, der jetzt so Bonnier-Gruppe gehört, also auch ein großer Publikumsverlag und da habe ich am Anfang eine Programmleitung und später dann sogar drei Programmleitungen gehabt und habe da nochmal ganz anders gelernt, mit Büchern zu arbeiten und habe da wahnsinnig viel gelernt. Da war ich dann auch nochmal sieben Jahre und dann war ich irgendwann Ende 40 und habe so, ja, da stellt man sich ja manchmal noch so die Frage, ob das dann okay ist, ob man da bleiben will und das so hätte, ja so hat mir Spaß gemacht und ich hätte auch, hätte das auch ohne weiteres einfach so weiter machen können und dann hatte ich aber zum einen so das Gefühl, dass ich nicht mehr so substanziell dazulerne, sondern nur noch ein bisschen – dass es nicht mehr richtig aufregend war, auf der anderen Seite aber immer noch sehr viel Arbeit. Also so, dass man, also so ein Job kannst du ja eigentlich immer nur so super engagiert machen, und bei all diesen Buchjobs ist ja sehr viel Idealismus gefragt und da habe ich mich dann, habe ich mir die Frage gestellt, ob ich nicht nochmal was ganz anderes machen will und ob es nicht mehr, ich hatte so ein sehr großes Bedürfnis nach Selbstbestimmung einfach. Also Ich wollte meine eigene Chefin sein und ich war auch ein bisschen frustriert von, ja, wie soll ich sagen, dass die Flops sozusagen systemisch bedingt waren, dadurch, dass wir einfach zu viele Bücher gemacht haben. In diesen großen Verlagen werden wahnsinnig viele Bücher durchgehauen und der Markt wird ja immer schwieriger und dann konzentriert es sich immer mehr auf so ganz wenige super wichtige Spitzentitel. Die kriegen dann das ganze Marketingbudget und dann haben wir trotzdem ein Riesenprogramm mit vielen Büchern und Autoren, die dann am Ende frustriert sind und denen man dann immer erklären muss, warum sie kein Marketingbudget hatten und warum sie kein Pressebudget hatten und so und das war das eine und dann hatte ich auch manchmal so das Gefühl, dass ich, wenn ich jetzt alleine bestimmen könnte, wie ich das alles machen kann. würde mir das besser gefallen und dann habe ich dann natürlich auch noch darüber nachgedacht, weil man sowas ja nicht so ohne weiteres macht, weil es ja auch mit Investitionen, mit ziemlich großen Investitionen verbunden ist und genau. Und das war dann eine längere Geschichte. Ich hatte eben erst die Idee, dann habe ich sie auch nochmal verworfen, dann habe ich kurz überlegt, ob ich das zusammen mit einem anderen Verleger mache und dann ist es am Ende so gewesen, dass ich einen alten Schulfreund für die Sache gewinnen konnte, der aus dem Finanzbereich kommt und der, das einfach mit mir gemacht hat, der auch der GmbH auch dann Geld leihen konnte. Also ich habe mir privat alles zusammen geliehen, was ging und dann haben wir das eben einfach gemacht und versucht und Und dann sind noch ein paar andere glückliche Umstände dazugekommen, dass das dann funktioniert hat. Wow, das ist mega spannend. Also, hat es… Weil das wurde ich letztens gefragt, also gerade so in dieser ganzen Start-up-Bubble, irgendwie scheint das immer so ein Thema zu sein, dass die viele, die sich da selbstständig machen, das irgendwie immer schon wussten. Und ich meinte so, nee, bei mir war eher so genau das Gegenteil. Ich hatte Kaun-Beispiele und eines, das sehr negativ war. Ich wusste, ich kann mir alles Mögliche vorstellen, nur nicht selbstständig zu werden. Wie war das bei dir? Also ich mein, in der Zeit davor wird ja der Gedanke gereift sein, aber war das was, was du immer irgendwie schon so dir zumindest vorstellen konntest? Oder hattest du eigentlich eher dir dein Leben so vorgestellt, dass du eben angestellt in der Buchbranche bist? Ich glaube, ich habe mir eher vorgestellt, dass ich angestellt in der Buchbranche bin. weil ich eben Lektorin sein wollte und weil man ja nicht als junger Mensch auf die Idee kommt, also ich jedenfalls nicht, zu gründen, sondern dann will man erst mal das Business lernen und das hat, dann ist man froh, wenn man und damals also als ich einen Job gesucht habe, war was nicht so wie heute, wir haben ja jetzt einen Angestellten an, wie sagt man, Arbeitnehmerfreundlichen Mark, sich junge Leute, die Jobs mehr aussuchen können, damals war das wirklich nicht so einfach entfassend im Verlag. Und da war ich damals total dankbar, dass ich das machen durfte. Aber die Perspektive hat sich dann schon ein bisschen geändert. Ich habe es ja gerade angedeutet, dass ich dann nach einer Zeit dort auch raus wollte. Und ich wollte mal wissen, wie das Leben so ist als Selbständige. Und im Nachhinein, als ich das dann alles gemacht habe, und ja auch nach der Verlachsgründung, ist mir dann eigentlich später erst aufgegangen, dass es vielleicht auch was mit meiner Mutter zu tun hat. Also mein Vater war immer Angestellter auch selber. Aber meine Mutter war als junge Frau Unternehmerin. Die hat eine Kneipe in Köln. Und ja, und ich glaube, dass ich das ein bisschen von meiner Mutter irgendwie habe, dieses, wahrscheinlich, also so erkläre ich mir das. Keine Ahnung, das kann ich erklären. Aber ich kann nur sagen, dass ich mich jetzt selbstständig sehr wohl fühle und dass das genau die für mich ist und dass ich mir jetzt eigentlich nicht mehr vorstellen kann, noch mal angestellt zu sein irgendwo. Ich glaube, das ist tatsächlich auch häufig so, wenn man dann einmal so ein bisschen dieses, obwohl wahrscheinlich wird es auch andere Beispiele geben, aber ich habe so das Gefühl, wenn man auch so ein bisschen diese Freiheit und die selbstentscheidend genossen hat, dann ist es auch schwer wahrscheinlich wieder. Also ich kenne auch deutlich mehr Leute, die sagen, dass sie uns das nicht mehr tauschen würden. Aber sicher nicht alle. Ich glaube, es ist eine Charakterfrage. Man muss auch den, weiß nicht, wie das bei dir ist, aber man muss natürlich diese wirtschaftliche Unsicherheit, dafür muss man die Nerven haben, wobei ich ja auch immer denke, diese Sicherheit von Angestellten ist ja auch nur eine scheinbare. Du kannst auch als Angestellter gefeuert werden, deine Firma kann pleite gehen oder meine Mutter hat immer gesagt, das Leben ist lebensgefährlich.
Helen
Ja, ist wirklich so. Und bei mir hat sich das auch echt total gewandt. Also ich glaube, früher hätte ich halt auf jeden Fall gesagt, es wäre mir zu unsicher. Also auch so Beratungstermine bei der Bank, wenn die so fragen, wollen sie lieber mehr Sicherheit oder mehr Geld, war ich immer: lieber mehr Sicherheit. Ich glaube, ich habe irgendwie generell wahrscheinlich Angst vor dem Leben, aber ich habe durch… Es hat sich ein bisschen gewandelt, aber mir machen ständig Dinge Angst, bei denen ich auch denke, das ergibt gar keinen Sinn. Du hast schon viel krassere Sachen gemacht, aber egal. Durch Corona und durch meinen Burnout in der Zeit hat sich das bei mir total gewandelt, weil ich hatte eigentlich irgendwie einen sicheren Job. Genau genommen war ich freie Mitarbeiterin, also nur halb sicher, weil ich immer wusste, wenn ich jetzt krank werde, dann kriege ich kein Geld. Aber zumindest wusste ich, kann hier bleiben und kann irgendwie immer ein Einkommen haben. Aber dadurch, dass ich das auf ärztlichen Rat verlassen musste und dann kam Corona und super viele haben ihren Job verlassen, hat sich, glaube ich, bei mir dieses Bild echt gewandelt, dass ich dachte, das ist nicht alles immer so sicher, wie es gesagt wird. Und dann habe ich mich mehr mit Selbstständigkeit über die Jahre jetzt beschäftigt und dann gemerkt, naja, also so, weiß ich nicht. Ich glaube, da kann man irgendwie auch anders vielleicht für eine Sicherheit sorgen. Aber ich finde das voll spannend, weil ich glaube, man braucht auch Beispiele und irgendwie, ja, man muss sich zumindest mal damit irgendwie auseinandergesetzt haben. Und ich finde irgendwie voll schön, dass du sagst, du wirst das auch wieder so machen. Also du hast es nicht bereut.
Julia
Etwas unsicher zu leben hat auch seine Vorteile, finde ich. Ich finde es lebendiger. Die Möglichkeit des Scheiterns empfinde ich immer auch als Ansporn. Und als ehrlich gesagt auch so ein bisschen wie Spielen, weil das Verlagsgeschäft ist ja sowieso sehr volatil. Und du bist immer nur so gut wie dein aktuelles Programm. Und mir macht es tatsächlich Spaß, dann immer wieder ein neues Programm sozusagen in die Welt zu bringen und zu sagen, das sind jetzt meine Roulettekugeln, die drehen sich und sausen und dann kommen sie irgendwann zum Stehen und dann weiß man, man weiß ja bis zuletzt nicht, ob man jetzt einen Jackpot gewonnen hat oder einen Totalflop gelandet hat. Und wenn man es negativ formulieren würde, könnte man sagen, oh Gott, wie schrecklich, man kann ja nicht mehr schlafen, wie fürchterlich. Aber ich empfinde es eher als … … als belebend. Mich macht das irgendwie wach und … … ich finde das … … interessant. Und vor der Gründung habe ich natürlich auch Angst gehabt. Es ist nicht so, dass ich keine Angst hatte. Ich hatte auch einen Coach, mit dem ich darüber gesprochen habe, weil ich das herausfinden wollte. Ich bin da hin mit einer Pro-und-Kontra-Liste – und sie hat ein bisschen über mich gelacht. gesagt, ja, das ist ja alles ganz nett da mit Ihrer Liste, aber Sie werden immer Gründe dafür und dagegen finden. So etwas lässt sich objektiv gar nicht entscheiden. Und dann habe ich mir so überlegt, was ist denn das Schlimmste, was passieren kann? Also, wenn es schief geht, hat man halt ein paar Schulden, aber man landet nicht unter der Brücke. Wir leben in der Bundesrepublik Deutschland, das ist ja alles nicht lebensbedrohlich. Dann sucht man sich wieder einen Job und zahlt seine Schulden ab und ist ein bisschen peinlich, aber man hat mit Sicherheit viel gelernt. Und ich finde sowieso, dass wir Deutschen da ein bisschen noch besser werden können mit dem… Wir Deutschen sind ja wenig unternehmerisch.
Helen
Ja, das stimmt. Ich glaube, statistisch, ich weiß die Zahlen nicht, aber es sind wenige Deutsche nur selbstständig, haben irgendwie Angst davor.
Julia
Aber es kann ja so wahnsinnig viel dann auch wiederum nicht passieren.
Helen
Das stimmt total. Ich habe tatsächlich heute Morgen in der Referatsbesprechung, in meinem Teilzeitjob – man merkt immer, dass ich in einem behördlichen Umfeld arbeite – gesagt, dass ich letzte Woche Freitag gekündigt habe und zum 31.12. den Job eben verlassen werde. Für die kam das nicht sehr überraschend, die wissen alle von Mädels, die lesen. Da war dann auch so ein Unterton von: viel Glück. Das finde ich auch total nett und war ja auch nett gemeint, aber ich hab dann halt auch gedacht und auch gesagt, ich glaube ich würde es halt eher bereuen, wenn ich es jetzt nicht mache und ich habe kein Problem damit zu scheitern und dann wieder was anderes zu machen, aber ich glaube ich würde es mir eher nicht verzeihen, wenn ich es halt nicht probiere.
Julia
Ganz klar. Ich finde ich auch genauso ist es. Man bereut ja eher die Dinge, die man nicht versucht hat am Ende seines Lebens. Sagen alte Leute. Ja, das ganze Leben ist ein Versuch. Wir lernen und üben und dann macht man Fehler und dann versucht man es besser zu machen. Und wenn man dann so halbwegs weiß, wie es funktioniert, muss man abtreten.
Helen
Ich finde schon, dass da was dran ist. Was ich eben total spannend fand, war, dass du meintest, was sich so ein bisschen gestört hat in den vorigen Jobs waren, auch so dieses, es sind immer sehr viele Bücher. Ich kenne mich in der Buchbranche ja nicht so wahnsinnig aus. Ich hab so langsam das Gefühl, ich krieg mehr Einblicke durch den Podcast. Aber zumindest so als Konsumentin wahrscheinlich, kriege ich ja zumindest mit. Da erscheint immer sehr, sehr viel. Ich hab überhaupt keine Zahl, ich weiß überhaupt nicht, was so erscheint. Aber wie machst du das jetzt? Wie ist dann vielleicht im Eisele-Verlag die Programmgröße im Vergleich zu einem anderen Verlag? Kann man das irgendwie an einer Zahl festmachen?
Julia
Ja, absolut. Also wir machen, also den Verlag gibt es jetzt acht Jahre, 2016 gegründet – schon lange, denke ich manchmal, wir müssen jetzt schon langsam überlegen, was wir zum zehnjährigen sagen. Ja, macht das auf jeden Fall. Da haben wir gesagt, wir machen nur acht Bücher im Jahr, also vier im Frühjahr und im Herbst, weil wir gedacht haben, Das ist so das Minimum dessen, was man braucht, um als Verlag überhaupt einen ordentlichen Auftritt hinzukriegen. Weniger wäre dann schon ein bisschen mickrig und viel mehr hätte ich alleine nicht stemmen können und hätten wir auch finanziell nicht stemmen können. Da war es fast so ein bisschen aus der Not geboren, dass wir gesagt haben, wir fangen damit an. Und dann hat sich rausgestellt, dass diese kleine Anzahl an Titeln genau richtig war. unser Motto ist ja, dass wir wenig machen – und das, was wir machen, dann richtig. Also mit der notwendigen Sorgfalt und mit dem notwendigen Hirnschmalz und der Liebe und so und der richtigen Pressearbeit und was man eben alles für Bücher tun kann und muss. Und deswegen ist das bis heute so, dass wir im Jahr acht bis zehn Bücher machen und damit sehr gut fahren. Es müssen halt die richtigen sein, sodass also man muss schon ein, zwei Bücher im Jahr haben, die richtig gut funktionieren, damit das ganze wirtschaftlich auch fliegt. Und ich lebe ja auch davon, ich betreibe das nicht als Hobby – und ich habe Mitarbeitende, die bezahlt werden müssen. Genau und in den großen Verlagen ist es ja wirklich so, dass da einige hundert Bücher im Jahr erscheinen, verteilt über verschiedene Imprints. Da gibt es aber auch, ja dann gibt es Imprints, was jetzt, ich hab jetzt aktuell nicht mehr nachgezählt, aber so kleinere Verlagsimprints, auch größere Häuser, keine Ahnung, der Blessing Verlag zum Beispiel bei Random House, der macht vielleicht, weiß ich gar nicht, was der, wie viel der macht, der macht vielleicht sechs oder acht oder so, aber auch jetzt nicht so unfassbar viel mehr. Die Taschenbuchprogramme sind halt auch riesig und in der Menge ist es eben einfach so, dass viel zu viele Bücher erscheinen und man ja auch nur, selbst wenn man mehr machen wollte, man hat ja nur eine begrenzte Möglichkeit, diese Titel wirklich nach vorne zu stellen. Also auch mein Pressebüro, ich habe ein ganz tolles Pressebüro, Politycki & Partner in Hamburg, die uns auch schon von Anfang an begleiten. Also selbst da können die ja auch nicht dreimal bei der Brigitte Redaktion anrufen und sagen, jetzt habe ich hier aber das ganz tolle Buch aus dem Eiselöfer lagen und dann rufen sie noch wieder noch mal damit an. Du kannst diese Gespräche für einen Buch führen oder für zwei, aber es ist begrenzt und das ist eben sehr begrenzt. Und deswegen habe ich gedacht, wir machen lieber nur so viel, wie wir dann auch wirklich gut machen können. Also mit dem notwendigen Drumrum, das eben dazugehört und die nicht einfach so raushauen. Das mag auch vor 20 Jahren noch teilweise funktioniert haben, aber die Dinge haben sich ja geändert und wissen wir ja alle, Thema Aufmerksamkeitsökonomie, dass weniger Bücher gelesen werden, dass es weniger Buchkaul vergeben wird. Und das unabhängige Buchhändler verschwinden und so weiter und so weiter. Und deswegen wird es immer schwieriger, diese einzelnen Bücher durchzusetzen und genau, dann finde ich es besser. Man macht weniger und das dann richtig.
Helen
Damit ist ja niemandem geholfen. Das ist ja auch für die Autoren schrecklich. Wenn es so verpufft.
Julia
Wenn es so verpufft, ist ja irgendwie die Verschwendung, genau.
Helen
Ja, das finde ich total spannend. Also das ist ja, ich mein, es fühlt sich, finde ich, oft so an, weil wir ja auch eher langsam lesen. Also wir machen so alle sechs Wochen vielleicht ein, fangen wir ein neues Buch an, weil wir sagen, wir lesen zehn Seiten pro Tag und daran richten wir die Länge der Leserunde aus. Und ich bekomme aber halt irgendwie täglich irgendwelche E-Mails, dass mir ein Buch vorgeschlagen wird, dann sag ich immer die Community entscheidet und so. Aber allein schon daran merke ich, das sind auch so viele verschiedene Personen, denen ich sagen muss, bei uns entscheidet die Community, weil es einfach so viel gibt. Und natürlich möchten alle ihr Buch unterbekommen. Das kann ich auch verstehen. Ich bin fast froh, dass wir es so machen werden. Dann kann ich allen selber sagen, da muss ich mich nicht schlecht fühlen, wenn wir irgendwelche Bücher auswählen und andere nicht.
Julia
Aber stimmt man ab oder wie macht ihr das?
Helen
Man kann immer, wenn ein Buch ausgewählt wurde, ein Buch für die nächste Runde in den Lostopf werfen. Daraus losen wir drei aus und dann kann abgestimmt werden.
Julia
Ausgelost also. Wenn man die Mehrheit entscheiden lässt, dann führt das ja oft dazu, dass so der kleinste gemeinsame Nenner dann ausgewählt wird. Auch was mich dann im großen Verlag manchmal gestört hat, dass das ein bisschen mutige Entscheidungen verhindert. Aber wenn ausgelost wird, kommen vielleicht auch mal besondere Bücher zum Zug – die man nicht ausgesucht hätte und die sich dann als Entdeckung erweisen, einfach weil man sich darauf eingelassen hat.
Helen
Ja, dafür bin ich auch ganz große Verfechterin, weil es erstaunlicherweise selten das Buch ist, das ich selbst ausgewählt hätte. Oder ganz häufig sind die Bücher, die in die Auswahl kommen, kenne ich überhaupt nicht. Und ich mag das voll. Ich wurde fast noch nie nicht positiv überrascht. Ich finde es total schön, sich einfach darauf einzulassen und das ist auch das, was ich immer zurückgespiegelt bekomme. Aber wir haben tatsächlich auch einmal ein Buch aus dem Eisele Verlag gelesen. Ich weiß gar nicht, ob dir das bewusst ist. Und zwar »Die Farbe von Milch«. Das hat mich total begeistert und beeindruckt. Das war auch so ein besonderes Buch. Da haben wir sogar noch mit der Autorin gesprochen.
Julia
Ja, wie toll.
Helen
Ich habe das noch mal rekonstruiert: Nell Leyshon hat damals die Übersetzerin Wibke Kuhn sehr gelobt. Und als wir ein anderes Buch gelesen haben, das auch Wibke Kuhn übersetzt hat, haben wir ihr Fragen per E-Mail geschickt. Und im letzten Absatz hatte sie noch etwas zu dir geschrieben. Nämlich, dass du die Einzige bist, die sich ihre Cover nicht vom Vertrieb diktieren lassen muss. So. Das schließt sich irgendwie der Kreis.
Julia
Ja, wobei das … das stimmt. Aber auch da muss man immer im Leben auch ein bisschen Kompromisse machen. Wir haben ja eine Vertriebskooperation mit Ullstein, mit den Ullstein-Ballagen. Was für uns super ist, weil wir natürlich da eine ganz große Vertriebspower haben, die wir niemals hätten, wenn wir das jetzt alles alleine versuchen würden. Aber da gibt es ja auch ein Verkaufsteam und auch Vertreter und so. Und denen muss ich mein Programm natürlich auch schmackhaft machen. Und wenn die dann sagen würden, angenommen, die sagen, Boah, das Buch ist toll, Julia, aber das Cover geht überhaupt nicht. Dann ist es nicht sehr schlau zu sagen, ja, ist mir doch auch egal, was ihr denkt. Ich mach das jetzt trotzdem. Da muss man dann schon auch mal, die wissen ja auch, wovon sie reden. Da muss man dann schon auch mal drauf hören. Aber es stimmt schon: vorschreiben lassen muss ich mir nichts. Na gut – fast nichts.
Helen
Aber also du hast gesagt, es kommt natürlich jetzt darauf an, dass die vier Bücher pro Saison irgendwie dann gut sind und das ist ja wirklich total schwer, weil es ja auch sehr subjektiv ist. Wie wählst du das aus? Also hast du da ein, hörst du auf dein Bauchgefühl oder wonach entscheidest du?
Julia
Ja, das mit dem Gut ist immer so eine Sache. Was ist denn gut? Darüber kann man sich natürlich lange streiten. Also ich würde jetzt mal behaupten, dass unsere, die Bücher, die wir machen, alle gut sind, aber sie verkaufen sich nicht alle gleich gut. Und das wird manchmal vergessen, dass Verlage ja Wirtschaftsunternehmen sind und dass wir, ich habe auch den Ehrgeiz, erfolgreiche Bücher zu machen. Und dann ist eben das eine immer, das der persönliche Lesengeschmack, den ich natürlich habe und das ist das Werkzeug, mit dem ich arbeite. Es ist mein subjektives Leseempfinden, wie ich etwas lese, ob es mir gefällt, ob es mich anregt, ob es mir was Neues beibringt, ob es mich ja, ob es mich berührt. Das finde ich immer ganz wichtig, so der Emotionalität und ich möchte aber auch eine gute Geschichte erzählt bekommen und mir gefallen. Und da ist die Nell Leyshon jetzt diese Farbe von Milch, Das Buch, das du gerade erwähnt hast, ein gutes Beispiel, weil das eben sehr besonders geschrieben ist. Mir gefällt es, wenn etwas besonders und originell erzählt ist. Und eben das eine ist eben das der persönliche Geschmack und das andere ist eben die Frage, passt das ins Profil des Verlags? Also würde man das bei uns suchen? Ist das ein Buch, das den Buchhändlern gefallen kann? Denn letztlich sind ja auch die Buchhändler, die die Bücher verkaufen, nicht nur, also wir machen die Bücher ja erst mal für den Buchhandel, auch indirekt für die Leser, aber wir müssen auch die Hürde Buchhandel überwinden. Man auch immer bedenken und ist die Zielgruppe die richtige. Also ich muss zugeben, dass wir jetzt dieses Frühjahr echt eine schwierige Zeit hatten. Also der Verlag hat von Anfang an sehr gut funktioniert, aber dieses Jahr war echt ein bisschen schwierig. Und das Frühjahr war besonders schwierig, weil wir da keinen Titel richtig durchgesetzt haben. Es hat alles nicht so ganz gut funktioniert. Und ich habe mich dann natürlich auch gefragt, warum so. Und ich kann jetzt vielleicht so ein Beispiel nennen für einen Roman, den ich gut finde. Daisy Alpert Florin heißt die Autorin. »Mein letztes Jahr der Unschuld«. Das ist so ein Coming-of-Age Campus Roman, der in den USA spielt, wo es ums Erwachsen werden geht. um Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern, um diese Fragen und das ist ein ganz tolles Buch, aber ich glaube, wir haben das unter anderem auch deswegen nicht so gut verkauft, weil das vielleicht nicht so unsere Zielgruppe ist. Und das sind, und manchmal ist es auch sehr schwierig dann rauszufinden, warum etwas funktioniert oder nicht funktioniert hat. Das ist eine diffizile Sache. Ja genau, also das eine ist der Geschmack, das andere ist aber auch dann die Frage, wo man diese Bücher dann bekommt. Und wie und die Konkurrenz schläft ja nicht und wir haben ja auch begrenzte finanzielle Mittel. Ich kann schon Vorschüsse zahlen, auch ganz gute – aber ich würde niemals unvernünftige Vorschüsse zahlen, so wie das große Verlage machen. Wenn es dann Auktionen gibt und dann ist man ganz schnell bei ein paar 100.000 Euro Vorschuss für ein Buch, da bin ich raus natürlich.
Helen
Das ist ja krass.
Julia
Ja, das ist total krass immer. Ich frage mich auch, wie lange sich die großen Verlage das noch leisten wollen, weil die natürlich jedes Jahr unglaubliche Abschreibungen haben dann auf diese Vorschüsse, die spielen sie ja auch nicht ein. Es ist ja in den allerseltensten Fällen mal so, dass so überzahlte Projekte dann sich rechnen. Und das ist für die großen Verlage auch, glaube ich finanziell nicht so easy. Aber da ist viel Verkaufspsychologie dabei und so dieses, ja, das Prinzip Hoffnung, dass man immer denkt, ja genau dieses Buch ist zwar jetzt sehr teuer, aber dafür wird das jetzt auch unser Nummer eins Bestseller. Und wenn man das mal verfolgt, die großen Auktionen und was da viel Geld über den Tisch gegangen ist und sich danach später die Media Control zahlen, also die Verkaufsstatistiken anguckt, dann weiß man, dass das wenigste davon aufgeht. Das ist krass, ja.
Helen
Gibt es bei dir pro Buch einen bestimmten Schwellenwert an verkauften Exemplaren, ab dem du sagst, das hat funktioniert?
Julia
So ungefähr, ja – es kommt natürlich darauf an, wie viel Geld man für die Rechte bezahlt hat.
Helen
Also du musst das quasi reinholen, ne?
Julia
Ich muss das reinholen, aber es ist ja nicht nur also der Autor kriegt Geld, aber es kommt ja noch viel mehr dazu. Also ich muss meine Mitarbeiter bezahlen, ich muss die Miete im Büro bezahlen. Ich muss Ullstein für die Vertriebsarbeit bezahlen. Ich muss die Bücher produzieren, also ich muss das Papier bezahlen und den Druckvorgang bezahlen. Krass, was da alles reinmuss. Die Cover muss die Grafiker bezahlen, die sich die Cover. Ich muss die Bildrechte einholen, die benutzt werden. Die muss ich auch bezahlen. Ich muss die Übersetzung bezahlen. Lektorieren tun wir hier im Haus selbst, aber auch das könnte man theoretisch rausgeben und bezahlen. Wir geben oft auch was zum Korrekturlesen dann noch mal raus. Das muss man auch bezahlen. Es muss gesetzt werden und so weiter. die Pressearbeit muss bezahlt werden und unsere Vorab-Exemplare, wir drucken ja sehr viel vorab und verschenken das in den Handeln. Das sind teilweise ein paar tausend Bücher, die wir verschenken. Das muss alles wieder hereinkommen. Und dieser ganze Aufwand ist dann für ein einziges Produkt. So fängt es ja immer wieder von vorne an und eigentlich ist es ein Wahnsinn.
Helen
Da macht man sich ja keine Gedanken – vielleicht alle Zuhörerinnen außer mir. Aber so ich habe mir da bisher auch nicht so wahnsinnig viele Gedanken drüber gemacht, was in dem Buch steckt, was ich gerade in der Hand halte.
Julia
Ja, aber damit bist du nicht allein, dass glaube die meisten Leute machen sich keine Gedanken oder oft. Ich habe kürzlich wieder gelesen, wie sich jemand über den Preis eines Buches beschwert hat – 34 Euro für so ein Buch. Das ist ja unmöglich und so. Und dann denke ich: Ich erkläre dir mal die Welt. Wenn man weiß, was alles darin steckt, stellt sich eher die umgekehrte Frage: Wieso macht ihr das für so wenig Geld? Was bei uns pro Buch hängen bleibt, ist ja sehr gering. Ja. Und die Buchhandelsrabatte: Fast 50 Prozent dessen, was hereinkommt, geht an den Buchhandel. Und die Mehrwertsteuer muss man auch noch abziehen. Das ist Wahnsinn.
Helen
Ich hatte auf der Buchmesse so ein, ich glaube aber letztes Jahr, so ein Plakat gesehen, wo das alles aufgeschlüsselt war. Es wäre vielleicht ein guter Zeitpunkt, so etwas noch mal zu teilen. Weil da, finde ich, das war ja so in Prozenten dann, da konnte man das ganz gut sehen, wie sich so ein Preis für ein Buch zusammensetzt.
Julia
Aber also ich will nicht, also eigentlich müssten Bücher teurer sein und wir versuchen, wir werden hier auch langsam teurer, man versucht das so teurer zu machen, wie wenn man den Frosch in kaltes Wasser setzt und dann den Herd anstellt – dann springt er nicht raus. So hoffen wir, dass die Leute das langsame Erhöhen der Preise nicht so merken.
Helen
Wir kriegen dazu manchmal Kommentare, weil bei uns zuletzt häufig aktuelle Bücher ausgewählt wurden. Die gibt es dann selten als Taschenbuch und vielleicht auch nicht direkt in jeder Bibliothek. Aber versuchen wir dann eben auch immer, also erstens die Community entscheidet, was sie lesen, aber zweitens eben auch wie das entsteht. Dass ein Buch eben ein bisschen mehr kostet. Und ich muss auch immer sagen, ich komme damit, weil ich glaube, auch mit einer anderen Brille gucke ich drauf, weil ich finde, was ein Buch einem bieten kann. Gerade wenn man Sachbücher liest. Wenn man sich das sonst über ein Studium oder einen Kurs erarbeiten müsste – es ist ja Wahnsinn, was da drinsteckt. Und bei so Romanen, die wir lesen, manchmal ist das wie eine Minitherapie, wenn man damit irgendwelchen Ängsten konfrontiert wird und so. Ich finde, das ist eigentlich noch viel mehr wert. Und dafür ist es ein guter Preis.
Julia
Ja, finde ich auch.
Helen
Was ich krass finde, und das hast du jetzt auch noch mal gesagt, also weil du teilst das Jahr im Grunde in diese zwei Hälften ein, du sagst irgendwie vier Bücher im Frühjahr, vier Bücher im Herbst, und da scheint ja auch irgendwie so der Standard zu sein, wahrscheinlich wegen der Buchmessen, das hat mich ein bisschen an die Modeschauen erinnert, also ich finde es jetzt halt auch manchmal krass, dann bin ich irgendwie grad so im Sommer angekommen und bekommen so die Wintervorschau irgendwie. Bei Mode ist es ja ähnlich, dass die Schauen schon in der Zukunft leben. Und ich frage mich, braucht es das unbedingt? Wahrscheinlich schwer, da auszusteigen, aber ist das so notwendig?
Julia
Ich glaube, was den Leuten nicht so klar ist: wie langsam dieses Medium ist und wie viel Vorlauf es braucht. Also es ist ja so, dass wir diese Bücher in den Handel bringen. Die werden in den Buchhandel einverkauft, wie wir das nennen. Also sozusagen vorbestellt vom Handel, bevor sie körperlich existieren, also meistens jedenfalls. Also und da kauft der Buchhandel meistens die Katze im Sack so ein bisschen. Aber es braucht ja alles einen gewissen Vorlauf. und Aufgrund der Bestellungen aus dem Handel beschließt der Verlag dann, wie viele Bücher er druckt.
Helen
Ah, okay, ja. Gut, das verstehe ich.
Julia
Also das, genau, beim Verlegen ist es ja auch so, dass es sehr entscheidend ist, auch für den wirtschaftlichen Erfolg, dass man die richtige Anzahl Bücher druckt. Und zwar idealerweise auf einmal. Also eine Auflage von 10.000 Büchern ist für mich sehr viel günstiger, als wenn ich 2 mal 5.000 drucke. Das ist sonst viel teurer. Da muss man immer wieder überlegen. Man schätzt, man überlegt sich, wie viele Bücher wir davon verkaufen können. Das ist natürlich die totale Glaskugel. Das weiß kein Mensch. Das heißt, ich werde entweder zu viel oder zu wenig drucken. Was ein bisschen hilft bei der Einschätzung dieser Auflage ist eben die Reaktion, die aus dem Handel kommt. Also ich stelle jetzt erstmal bei der Verkaufskonferenz bei Ullstein jetzt das Programm vor und dann drucken wir die Vorschauen und schicken sie raus und dann können die Buchhändler noch ein paar Wochen bis Monate überlegen, wie viel sie davon bestellen wollen und die Vertreter reisen in die Buchhandlungen und stellen die Bücher vor und sammeln diese Bestellungen. So, dann haben wir eben die Bestellung und aufgrund dieser Bestellungen können wir dann sagen, wir drucken jetzt 3000, 5000, 10.000 oder so. Insofern braucht man diesen Vorlauf schon. So ist das Geschäft. Aber ich habe allerdings auch noch nie darüber nachgedacht, ob man es anders machen könnte, weil es immer schon so war. Challenge das jetzt mal.
Helen
Ja, aber es ist wahrscheinlich auch schwer, dann als einziger Verlag ist es anders zu machen?
Julia
Ja, natürlich. Also für mich jetzt sowieso, weil wir ja auch in den Strukturen von Ullstein quasi mit drin hängen. Also da gibt es einen bestimmten Termin, an dem alle Vorschauen und da sind wir dabei in diesem Vorschauen. Da müssen die Sachen fertig sein. Ich kann nicht sagen, ich schicke meine einen Monat später.
Helen
Ja, irgendwie total interessant.
Julia
Ja, aber es ist ein echt langsames, echt langsames Medium. Und was ich auch kenne, ist der Klassiker. Wenn du ein Autor, ein Buch machst und die, das ist das erste Buch. Und dann denken die, die geben mir mal das Skript ab und zwei Wochen später ist das Buch da. Und dann sagst du ihnen: Nein, das dauert noch ein Jahr oder anderthalb. Die fallen fast in Ohnmacht: So lange kann ich aber nicht warten. Als Autorin beschäftigt man sich natürlich intensiv mit dem Buch, aber manchmal denke ich dann auch, wenn die zu den Lesungen fahren, dann ist das ja für die eigentlich auch schon ziemlich lange her, dass sie es geschrieben haben.
Helen
Aber bis wir das lesen und einen Livestream mit der Autorin oder dem Autor machen, da ist ja meistens noch mal sehr viel länger, weil wir oft eher Backlist lesen. Das entmystifiziert das Ganze ein bisschen. Ich mag einen Blick hinter die Kulissen. Deswegen danke, dass du das teilst. Kannst du vielleicht, also ich weiß gar nicht, gibt es einen Alltag bei dir als Verlegerin? Wie sieht der aus, wenn es ihn gibt?
Julia
Ja klar, gibt es einen Alltag. Einer der Gründe, warum ich mit diesem Leben so glücklich bin, ist, dass ich weniger Termine habe und selbstbestimmt arbeite und ich bin tendenziell eher Nachtmensch. Ich stelle mir nicht um sieben den Wecker, sondern ich wache dann ein bisschen später auf und dann mache ich mir erst mal einen Kaffee. Und das Erste, was ich mache, ist: Laptop holen und die Verkaufszahlen angucken.
Helen
Echt so täglich.
Julia
Ja klar, das ist für mich irgendwie mein täglicher Krimi. Da guckst du dann rein und dann bin ich immer wahnsinnig gespannt. Erst recht, wenn neue Bücher draußen sind – wie die Nachbestellungen laufen, wie die funktionieren. Und dann arbeite ich meistens, ich nenne das immer Horizontal Office, dann arbeite ich erst mal gemütlich mit meinem Kaffee und schreibe die ersten E-Mails oder lese manchmal auch in den Manuskript rein oder so. Und dann, ja, und dann im Sommer gehe ich oft laufen erst mal an der Isar und im Winter nicht so viel. Ich gehe ins Büro, irgendwann um elf schlage ich hier auf und dann arbeite ich weiter. Und dann, ja, verlegen ist auch sehr viel Networking natürlich. Also ich treffe häufig Leute zum Mittagessen. Autorinnen und Autoren, Lektorinnen, Agenten, Filmproduzenten – wen auch immer. Und dann spreche ich viel mit meinen Mitarbeitern natürlich, weil wir hier sehr eng zusammenarbeiten und weil es nicht so ganz fixe Aufgabenverteilungen gibt. Das heißt, jeder ist ein bisschen für alles zuständig. Also ich habe eine Junior-Lekturin, meine Junior-Lektorin und zwei Werkstudierende und dann eben noch den Peter Biendarra, das ist mein Partner und Geschäftsführer, der lebt in Berlin, der den ganzen kaufmännischen Teil, Verwaltungsteil so macht. Und dann ist es wahnsinnig viel E-Mails schreiben und lesen und sehr viel, das vergisst man immer. Also früher als Programmleiterin habe ich mich halt nur mit den Inhalten beschäftigt und jetzt muss ich mich um alles andere auch kümmern. Das sind wahnsinnig viele kleinteilige Sachen. Und es ist halt sehr, sehr viel Kommunikation. Viel Kommunikation mit Autorinnen und Autoren, je nachdem, wenn man gerade mit jemandem an einem Manuskript arbeitet, dann ist man natürlich damit die ganze Zeit auch beschäftigt. Es kommt immer auf die Phasen an, was gerade ansteht oder Vorschau-Texte schreiben oder ja eben lektorieren oder einen Übersetzer suchen oder. Es ist sehr vielseitig und sehr kleinteilig.
Helen
Ja. Und dann wahrscheinlich schon, also auch wenn es dann irgendwie vielleicht so von dem Format ähnlich ist, dass du irgendwie das über E-Mails und Termine und so, aber ja wahrscheinlich trotzdem abwechslungsreich, weil die Personen und die Themen ständig wechseln, ne?
Julia
Ja, es ist total abwechslungsreich, genau, genau.
Helen
Ja, cool.
Julia
Und ich finde es nach wie vor interessant, Manuskripte zu prüfen. Was mir manchmal fehlt, ist das private Lesen. Ich würde mich ehrlich gesagt lieber auch mit dem neuesten Bestseller irgendwie aufs Sofa legen und den lesen, aber ich prüfe ja nur. Also alles, was ich lese, ist immer in Bezug darauf, ob das was sein kann, was für uns in Frage kommt und das ist dann meistens anstrengend, weil es meist nicht Deutsch ist, sondern Englisch oder Französisch oder Italienisch sind so die Sprachen, die ich selber lesen kann. Und es ist einfach uferlos viel. Man kämpft die ganze Zeit mit diesen Fluten von Informationen und Manuskripten, vor Messen erst recht. Dann kommt wahnsinnig viel von Agenturen. Dann muss man sich diese Rights Lists durchgucken und überlegen, was man überhaupt lesen will. Und von dem, was man kriegt, muss man dann priorisieren und überlegen, welches denn jetzt das ist, was man sich so erst anguckt. Das ist natürlich auch manchmal Glückssache. Aber es ist natürlich immer viel mehr Arbeit da, als man es schaffen kann. Insofern hechelt man immer ein bisschen hinterher. Heute zum Beispiel hatten wir unseren Pressetermin, haben wir über die Leipziger Buchmesse gesprochen, dass wir da das erste mal übrigens einen Stand, einen eigenen Stand haben. Bisher waren wir bei Ullstein mit angehängt, die haben netterweise unsere Bücher mitpräsentiert und jetzt wollen wir das erste Mal uns selbst da präsentieren mit einem eigenen Stand und jetzt überlegen wir, wie wir das machen – wir wollen zum Beispiel ein Bloggertreffen veranstalten. Und dann geht das halt sehr kleinteilig. Man überlegt: Mit welchen Bloggerinnen wollen wir das machen, wer sucht sie aus. Und Social-Media-Betreuung ist auch viel. meine Junior-Lektorin Es fällt mir schwer, das genau zu erklären. Das ist, ja, es macht jedenfalls Spaß. Und ja, es ist sehr viel, für mein Gefühl, es ist sehr viel Kommunikation. Also das wäre wahrscheinlich was, was man mitbringen sollte, wenn man überlegt, in die Richtung zu gehen.
Helen
Aber krass ist natürlich schon, dass du auch sagst, du liest gar nicht mehr so privat. Also gar nicht mehr oder gibt es einfach nur bestimmte Phasen, wo das besser reinpasst?
Julia
Ja, ist dann aber die Frage, was privat ist. Wenn ich ein deutsches Buch lese, mache ich das natürlich, weil es mich interessiert – aber es ist nicht nur privat. Was ich oft mache, ist Hörbücher hören: beim Bügeln, beim Fahrradfahren oder beim Spülen höre ich in die neuen Bestseller rein. Da gibt es ja meistens Hörbücher. Es ist einfach eine Zeitfrage – im Urlaub lese ich dann manchmal doch privat. Mit privat meine ich etwas, das ich wirklich nur aus eigenem Interesse lese, dass für meinen Verlag in gar keiner Weise infrage kommt und damit nichts zu tun hat. Das kommt eher selten vor. Das kommt eher selten vor, ja. Und ab und zu will man auch mal eine Fernsehserie gucken, Freunde treffen, auf ein Konzert gehen. Genau und das sind ja auch Dinge, die für mich wichtig und interessant sind. Genau, es ist uferlos. Ja. Es ist einfach uferlos.
Helen
Krass. Also ich finde es auf jeden Fall super, super spannend. Ich glaube, wir hätten wahrscheinlich noch weitere Stunden füllen können. Aber danke auf jeden Fall, dass du uns mal so einen Einblick gegeben hast.
Julia
Danke für die Einladung. Ich hatte gerade erst angefangen.
Helen
Mir fällt dann auch immer so viel ein. Wenn du was erzählst, dann denke ich so, Da muss ich auch noch nachfragen. Aber ich find's total interessant. Ich würde sagen, an dieser Stelle trinken wir unseren grünen Tee zu Ende. Wir verabschieden uns von den Mädels. Aber ich find's richtig cool und danke dir sehr, dass du dir die Zeit genommen hast.
Julia
Ja, ich danke dir, Helen. Ich wünsche euch alles Gute und dir viel Erfolg in der Selbstständigkeit.




