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Was macht eigentlich eine Buchpreisbloggerin? Eliane von MINT & MALVE über 20 Longlist-Titel, ein zugelostes Buch und das Bloggen aus Wisconsin

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Podcast · Folge 41

Was macht eigentlich eine Buchpreisbloggerin? Eliane von MINT & MALVE über 20 Longlist-Titel, ein zugelostes Buch und das Bloggen aus Wisconsin

Wie das Buchpreisbloggen beim Deutschen Buchpreis funktioniert, warum es keinen Einfluss auf die Jury hat, was ein Buch-Tandem ist – und wie eine Schweizer Kinderbuchbloggerin ihren Stapel ungelesener Bücher in Kisten über den Atlantik bringt

3. August 2023 · 41 Minuten · Ganze Folge hören ↓

Stand heute

Aufgenommen am 28. Juli 2023, kurz bevor die Longlist des Deutschen Buchpreises 2023 bekannt wurde. Gewonnen hat den Preis am 16. Oktober 2023 Tonio Schachinger mit »Echtzeitalter«. Welches Longlist-Buch Eliane zugelost bekam, verrät die Folge noch nicht – sie war zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht gezogen. Auch ihre Angaben zum Leben in den USA sind der Stand vom Sommer 2023: Geplant waren damals gut zwei Jahre.

Sieben Stunden Zeitverschiebung, halb neun morgens in Wisconsin: Eliane, bekannt als @mintundmalve, sitzt in der Nähe von Milwaukee, als Helen sie anruft – ausgerechnet in dem Sommer, in dem sie zur Buchpreisbloggerin des Deutschen Buchpreises angefragt wurde. Anlass für das Gespräch war genau diese Ankündigung: 20 Blogger*innen für 20 Longlist-Titel. Was das bedeutet, wie man dazukommt und ob es Einfluss auf die Auswahl hat, erklärt Eliane von Grund auf. Dazu geht es um Rezensionsexemplare, die per Elternflug über den Atlantik kommen, um den Schweizer Buchpreis, um Buch-Tandems aus Erwachsenen- und Kinderbuch, um einen Instagram-Feed mit strengem Muster – und um die Entscheidung, mit Sack und Pack für zwei Jahre in die USA zu ziehen. Der Einstieg ist wie immer eine gedankliche Reise: Eliane lädt nicht auf ein Milwaukee-Bier ein, das mag sie nicht, sondern auf einen portugiesischen Douro in der Altstadt von Lissabon, mit Blick aufs Meer.

Eliane

Buchbloggerin (MINT & MALVE) und Politikwissenschaftlerin, Buchpreisbloggerin 2023

Eliane ist Politikwissenschaftlerin aus der Schweiz und Mutter. Ihren Instagram-Account hat sie schon 2012 angelegt, richtig losgelegt hat sie Ende 2016, 2017 kam der Blog MINT & MALVE dazu: Buchtipps und Rezensionen für Groß und Klein, von Bilderbüchern bis zu Romanen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme lebte sie seit einigen Monaten mit ihrer Familie in der Nähe von Milwaukee, arbeitete freischaffend für Schweizer Kund*innen und war eine der 20 Buchpreisblogger*innen des Deutschen Buchpreises 2023.

20 Blogger*innen, 20 Bücher, ein Los

Das Prinzip erklärt Eliane in einem Satz: Am Tag der Longlist bekommt jede der 20 Blogger*innen eines der 20 Bücher zugelost. Wer das Los nicht mag, etwa weil das Buch schon gelesen ist und nicht noch einmal besprochen werden soll, kann untereinander tauschen – für sie aus Wisconsin allerdings schwierig. Das Buch kommt per Post und soll bis zur Preisverleihung besprochen werden, in welcher Form auch immer: Die Kolleginnen mit Podcast machen eine Folge daraus, sie selbst bleibt bei Blogbeitrag und Social Media. Drumherum darf man über die Longlist reden, über alles rund um den Preis, vielleicht ein Jurymitglied befragen. Ob das Einfluss auf die Auswahl hat, will Helen wissen, die mit dem Buchclub jedes Jahr mitverfolgt, wer nominiert ist – 2021 lasen die Mädels das Gewinnerbuch »Blaue Frau«, 2022 stand das Gewinnerbuch immerhin in der Auswahl. Nein, sagt Eliane: Die Longlist bestimmt allein die Jury, ein Publikumsvoting gibt es nicht.

Und das ist einfach, um die Bücher ins Gespräch zu bringen, den Preis ins Gespräch zu bringen, Literatur generell, was ist ein guter deutscher Roman oder der beste des Jahres.Eliane

Ihr eigenes Los hat einen Umweg vor sich: Der Verlag schickt das Buch in die Schweiz zu ihren Eltern, die Ende August in die USA fliegen und es mitbringen – als Backup organisiert sie ein E-Book. Dass die Anfrage ausgerechnet kam, als sie gerade ausgewandert war, findet sie selbst ein bisschen ironisch. Wie man Buchpreisbloggerin wird? Man wird angefragt, per Mail, von einer Person, die sich beim Buchpreis darum kümmert; nach welchen Kriterien, weiß sie nicht. Sie hatte ein, zwei Jahre zuvor irgendwo platziert, dass sie gern dabei wäre, falls jemand abspringt – und die Besetzung wechselt jedes Jahr ein Stück. Freudentanz? Ja, schon: unpraktisch, aber sofort zugesagt. Was sie am Deutschen Buchpreis schwierig findet, ist die Zeit: Zwischen Longlist Ende August und Preisverleihung schafft sie mit ihrem Lesetempo nur einen Bruchteil der 20 Titel. Helen versucht das gar nicht erst – sie findet die Buchpreis-Titel eher anstrengend, lässt sich aber gern wieder darauf ein, weil man nichts verpassen will, wenn plötzlich alle darüber sprechen. Parallel läuft der Sachbuchpreis, bei dem Eliane in Teresa Bückers »Alle_Zeit« steckt, und der Schweizer Buchpreis mit direkter Shortlist von fünf Titeln, dessen Gewinner*in gleich nach der Shortlist bekanntgegeben wird – 2022 ging er wie der deutsche an Kim de l’Horizon für »Blutbuch«.

Ein Buch pro Woche, ein SuB in Kisten

Wie viel sie liest? Eine Excel-Liste hat sie mal geführt, längst nicht mehr, die Zahlen sind ihr nicht wichtig. Pro Woche bespricht sie meist ein Erwachsenenbuch, dazu Kinder- und Jugendbücher, und liest oder hört noch einiges, das gar nicht auf den Blog kommt. Viel? „Wenn ich mitkriege, was andere lesen, dann habe ich nicht so viel“ – alles relativ. Hängt sie in einem Buch, schiebt sie eine Graphic Novel oder einen Krimi ein. Gelesen wird jeden Abend als Letztes, manchmal schläft sie nach einer Minute ein; ein Buch liegt immer neben dem Bett oder steckt in der Tasche, auch wenn sie in Wisconsin nicht mehr wie in der Schweiz mit dem Buch pendelt. Ihren Stapel ungelesener Bücher hat sie in Kisten mit über den Atlantik genommen, um ihn endlich abzubauen – ein paar werden wohl ungelesen zurückreisen. Manche Verlage schicken Rezensionsexemplare in die USA, das kostet je nach Dicke des Buchs gar nicht so viel; sonst liest sie jetzt gezwungenermaßen mehr digital und fragt Bücher, bei denen sie unsicher ist, lieber als E-Book an – dann fällt es leichter, ein Buch abzubrechen, ohne schlechtes Gewissen. Helen sagt inzwischen alle Rezensionsexemplare ab, außer denen für die Buchclub-Auswahl: Sie braucht beim Lesen maximale Flexibilität und kann mit „müssen“ schlecht umgehen. Eliane kennt den Druck, wenn 20 Rezensionsexemplare warten, und hält ihn zumindest bei den Erwachsenenbüchern klein.

Kinderbücher, Buch-Tandems und Simone de Beauvoir

Für Helen, die selbst keine Kinder hat, aber im Freundeskreis die ist, die Bücher verschenkt, ist Elianes Blog eine praktische Hilfe: Wenn ein Kind ein empfohlenes Buch mag, ist die Quote hoch, dass auch das nächste passt. Eliane liest umgekehrt bei Kolleginnen mit, um Bücher für ihre ältere Tochter zu finden. Bei ihr hatte Helen das Buch-Tandem entdeckt: ein Erwachsenenbuch und ein thematisch passendes Kinderbuch, manchmal vom selben Autor oder derselben Autorin. Die Idee kam von einer Bloggerkollegin; Eliane machte mit ihr eine Instagram-Aktion mit eigenem Hashtag daraus, später zeigten sie ihre Tandems ein Jahr lang auch in einem Magazin. In der Praxis liest die Familie eher zeitversetzt – vorgelesen wird jeden Abend, die Große liest schon selbst –, aber als Tipp funktioniert es: ein Kinderbuch über Simone de Beauvoir und dazu für die Erwachsenen das Sachbuch von Julia Korbik oder die neue Graphic Novel von Julia Korbik und Julia Bernhard. Ihr aktuelles Tandem: Das Kinderbuch »Wolf« von Saša Stanišić gefiel ihr stilistisch so gut, dass sie endlich »Herkunft« vom SuB befreit hat, im ersten Lockdown bei einer lokalen Buchhandlung bestellt – und als Buchpreisgewinner passend zum Einstimmen aufs Buchpreisbloggen. Der Buchclub hat »Herkunft« ebenfalls gelesen und damals einen Instagram-Guide mit den Orten in Heidelberg gebaut; Eliane will ihn einem Freund mitgeben, der immer wieder dorthin zurückkehrt.

Mit Sack und Pack nach Wisconsin

Zweieinhalb Jahre sind geplant, zwei davon fest in der Nähe von Milwaukee, danach wollen sie noch reisen. War die Entscheidung schwer? Ihrem Mann fiel sie leicht, er wollte es unbedingt; sie fand die Erfahrung reizvoll, auch wenn die USA nie ihr Wunschland waren – aber alles ließ sich organisieren, und im Vergleich zu Ländern des globalen Südens funktioniert vieles ähnlich wie in der Schweiz. Schwer waren andere Dinge: für die Kinder die Freunde zurückzulassen, die Organisation, und für sie die berufliche Ungewissheit, weil nur ihr Mann eine Stelle hatte – alles unter Zeitdruck, denn das Visum kommt erst kurzfristig, bis dahin könnte alles scheitern. Helen findet so einen Schritt mutig, gerade mit kleinen Kindern, und erzählt von einer Kollegin, die mit viel Verantwortung nach Paris gezogen ist; sie selbst träumt eher vom langfristigen Reisen. Inzwischen arbeitet Eliane freischaffend für Schweizer Kund*innen, hat sich in den ersten Monaten mehr um die Kinder gekümmert und fährt das Pensum im Herbst wieder hoch – mehr Homeoffice, sonst dasselbe wie zu Hause. Was ihr auffällt: zwölf Wochen Sommerferien, kaum Urlaubsanspruch für Arbeitnehmer*innen – „dann weiß man auch, was man am Schweizer System hat“, sagt Helen, „oder am deutschen“, ergänzt Eliane. Der Sommerurlaub führt nach Virginia, West Virginia und Washington, D.C.

Weiße Kacheln und ein Feed ohne Redaktionsplan

Feste Posting-Tage gibt es bei MINT & MALVE nicht: Um Beruf und Familie herum wäre ihr das zu stressig, sie bespricht Bücher lieber zeitnah, bevor sich die gelesenen stapeln und sie nach vier Wochen nichts mehr weiß. Bei Bilderbüchern greift sie spontan auf, was thematisch passt, dazu kommen Aktionen wie „ein Buch, fünf Hashtags“ am letzten Dienstag im Monat mit einer Gruppe von Kinderbuchbloggerinnen. Nur ein paar feste Termine hält sie sich vor, der Rest bleibt frei. Seit etwa zwei Jahren folgt ihr Feed einem Muster – ein Buch vor weißem Hintergrund, dann ein buntes –, das sie selbst „Gehirnakrobatik“ nennt, weil sie kaum vorausplant; Helen findet den Feed wunderschön und schafft es bei Mädels, die lesen nie, so etwas durchzuhalten. Eliane würde davon abraten und nicht noch einmal damit anfangen, bleibt aber dabei: Der Kontrast lässt ganz unterschiedliche Bücher weniger aneinander beißen. Der weiße Hintergrund ist übrigens ihr Wohnzimmertisch – im Urlaub fällt das Muster aus.

Wenn du jedes Jahr die Longlist verfolgst und wissen willst, was hinter dem Hashtag #buchpreisbloggen steckt, hörst du es in der ganzen Folge – samt Tipps, welches Kinderbuch zu welchem Roman passt.

Die ganze Folge hören

Die Bücher aus der Folge

Elianes Buch-Tandem, ihr Sachbuch-Stapel, die Simone-de-Beauvoir-Tipps und die Buchpreis-Gewinner, über die gesprochen wird.

Buchcover »Wolf« von Saša Stanišić

Wolf

Saša Stanišić · illustriert von Regina Kehn · Carlsen · 192 Seiten

Das Kinderbuch, dessen Stil Eliane so gefiel, dass sie endlich »Herkunft« las – die eine Hälfte ihres Buch-Tandems.

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Buchcover »Herkunft« von Saša Stanišić

Herkunft

Saša Stanišić · btb · 368 Seiten

Buchpreisgewinner 2019 und die andere Hälfte des Tandems – im ersten Lockdown gekauft, jetzt vom SuB befreit. Der Buchclub hat es 08/21 gelesen.

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Leserunde nachholenMonatsbuch 08/21

Buchcover »Alle_Zeit« von Teresa Bücker

Alle_Zeit

Teresa Bücker · Ullstein · 400 Seiten

Für den Sachbuchpreis 2023 nominiert; Eliane steckt mittendrin und nennt es ein tolles, spannendes Buch mit wichtigem Thema.

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Buchcover »Simone de Beauvoir. Ich möchte vom Leben alles« von Julia Korbik und Julia Bernhard

Simone de Beauvoir. Ich möchte vom Leben alles

Julia Korbik und Julia Bernhard · Rowohlt · 224 Seiten

Die Graphic Novel für den Erwachsenen-Teil eines Beauvoir-Tandems.

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Buchcover »Oh, Simone!« von Julia Korbik

Oh, Simone!

Julia Korbik · Rowohlt Taschenbuch · 320 Seiten

Das Sachbuch zu Simone de Beauvoir, das Eliane als Tandem-Partner für ein Kinderbuch über die Philosophin nennt.

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Buchcover »Blaue Frau« von Antje Rávik Strubel

Blaue Frau

Antje Rávik Strubel · Fischer Taschenbuch · 432 Seiten

Deutscher Buchpreis 2021 – das Gewinnerbuch, das der Buchclub im November 2021 gelesen hat.

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Leserunde nachholenMonatsbuch 11/21

Buchcover »Blutbuch« von Kim de l’Horizon

Blutbuch

Kim de l’Horizon · DuMont · 336 Seiten

Deutscher und Schweizer Buchpreis 2022 in einem – Elianes Beispiel dafür, wie die beiden Preise zusammenhängen.

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Häufige Fragen

Was macht eine Buchpreisbloggerin beim Deutschen Buchpreis?

Eliane erklärt es in der Folge: 20 Blogger*innen begleiten die 20 Romane der Longlist. Jede bekommt einen Titel zugelost – tauschen ist erlaubt, etwa wenn man das Buch schon gelesen hat –, bekommt ihn zugeschickt und bespricht ihn vor der Preisverleihung in der Form, die sie mag: als Blogbeitrag, auf Instagram oder als Podcastfolge. Drumherum kann man über die Longlist sprechen oder ein Jurymitglied interviewen. Einfluss auf die Auswahl hat das nicht: Die Jury entscheidet allein, ein Publikumsvoting gibt es nicht. Es geht darum, die Bücher, den Preis und Literatur überhaupt ins Gespräch zu bringen.

Wie wird man Buchpreisbloggerin?

Man wird angefragt, sagt Eliane: Eine Person beim Deutschen Buchpreis kümmert sich darum und schreibt Blogger*innen an. Nach welchen Kriterien ausgewählt wird, weiß sie nicht. Sie selbst hatte ein oder zwei Jahre zuvor irgendwo platziert, dass sie gern dabei wäre – die Besetzung wechselt, weil immer wieder jemand abspringt. Die Anfrage kam per Mail, und sie hat sofort zugesagt, obwohl sie gerade in die USA gezogen war.

Was ist ein Buch-Tandem?

Ein Erwachsenenbuch und ein thematisch passendes Kinderbuch – manchmal sogar vom selben Autor oder derselben Autorin. Die Idee hatte eine Bloggerkollegin; Eliane hat mit ihr daraus eine Instagram-Aktion mit eigenem Hashtag gemacht. Ihr Beispiel in der Folge: das Kinderbuch »Wolf« von Saša Stanišić, dessen Stil ihr so gefiel, dass sie endlich »Herkunft« vom Stapel ungelesener Bücher befreite.

Wie viel liest Eliane?

Eine Excel-Liste führt sie längst nicht mehr, die genauen Zahlen sind ihr nicht wichtig. Sie bespricht pro Woche meist ein Erwachsenenbuch, dazu Kinder- und Jugendbücher, und liest oder hört noch das eine oder andere, das sie nicht bespricht. Gelesen wird jeden Abend als Letztes vor dem Einschlafen – manchmal nur eine Minute lang. Hängt sie in einem Buch, schiebt sie eine Graphic Novel oder einen Krimi ein.

Wer ist Eliane von MINT & MALVE?

Eliane ist Politikwissenschaftlerin aus der Schweiz und Mutter. Ihren Instagram-Account hat sie 2012 angelegt, richtig losgelegt hat sie Ende 2016, 2017 kam der Blog MINT & MALVE dazu, auf dem sie Bücher für die Allerkleinsten bis zu Erwachsenen bespricht – „Urgestein der Kinderbuchbloggerinnen“, wie sie selbst sagt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme lebte sie seit einigen Monaten mit ihrer Familie in der Nähe von Milwaukee, Wisconsin, arbeitete freischaffend für Schweizer Kund*innen und war eine der 20 Buchpreisblogger*innen des Deutschen Buchpreises 2023.

Die ganze Folge zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme. Helens An- und Abmoderation des Podcasts steht nicht hier. Namen von Bloggerkolleginnen, die im Gespräch beiläufig fallen, sind durch ihre Rolle ersetzt.

Helen
Herzlich Willkommen, Eliane. Ich freue mich total, dass wir ein gemeinsames Zeitfenster gefunden haben, unter erschwerten Bedingungen. Da kannst du gleich vielleicht noch mal ein bisschen was zu erzählen. Aber erstmal vielleicht einfach damit die Hörer*innen wissen, wer bist du? Auch in diesem Fall auf jeden Fall, wo bist du gerade? Und genau, was machst du so?

Eliane
Ja, vielen Dank für die Einladung, Helen. Ich freue mich hier zu sein. Ich bin Eliane, also man hört es am Akzent, [unverständlich]. Ich bin hauptberuflich Politikwissenschaftlerin und bin auch Mutter von drei Kindern. Wir sprechen hier gerade, also ich sitze in Wisconsin, in der Nähe von Milwaukee, das heißt wir haben sieben Stunden Zeitunterschied, das war die Herausforderung, hier ist halb neun morgens und neben dem Beruf bin ich auch noch Buchbloggerin und gebe Buchtipps für die Allerkleinsten bis hin zu den Erwachsenen.

Helen
Ja, und ich habe mich gerade auch mal zurückgescrollt, also auf dem Account Mint & Malve. Spreche ich das wenigstens richtig aus?

Eliane
Ja.

Helen
Direkt am Anfang so ein schönes Fettnäpfchen.

Eliane
Ne, gar nicht.

Helen
Und habe gesehen, also ich bin eine Weile zurückgegangen, habe gesehen, dass du schon 2012 angefangen hast, also echt krass.

Eliane
Ja, guck, das war irgendwie so in meiner Wahrnehmung so, als Insta noch wirklich neu war und das waren irgendwie zwei, drei Fotos. Also da passierte nicht viel, aber ich wollte es halt nicht löschen. Und so richtig angefangen habe ich dann erst Ende 2016, als ich im Mutterschaftsurlaub war und dann 2017 auch mit dem Blog.

Helen
Krass, also schon richtig lange dabei, voll cool.

Eliane
Ja, so Urgestein der Kinderbuchbloggerinnen zumindest.

Helen
Cool, echt richtig cool. Und vielleicht, weil ich habe es gerade schon angekündigt, ich neige dazu, das sonst zu vergessen. Vielleicht einmal, ich habe dich vorher gefragt, dass du dir quasi so ein bisschen überlegst, obwohl wir uns jetzt sieben Zeitstunden quasi trennen und wahrscheinlich viele viele Kilometer, dass wir irgendwie ein Setting haben, in dem wir gedanklich beide sind und gemeinsam anstoßen. Da habe ich dich gefragt, wo wir sind und womit wir anstoßen. Vielleicht magst du das einmal kurz erzählen. Ich fand es richtig schön.

Eliane
Genau. Eigentlich müsste ich dich auf ein Bier einladen, weil hier in Milwaukee oder Wisconsin allgemein gibt es ganz viele Brauereien, meistens von ehemals deutschen Auswandererinnen, aber ich mag nicht so gerne Bier und wenn ich Alkohol trinke, was relativ selten ist, dann am liebsten Rotwein und deshalb würde ich dich auf einen portugiesischen Douro einladen, in Lissabon, so ein bisschen in der Altstadt, so erhöht, dass wir aufs Meer sehen. Genau, so vielleicht so Studentenviertel-Flair.

Helen
Oh, das klingt traumhaft. Schön an einem lauen Sommerabend, stelle ich mir vor, wo man ganz, ganz lange draußen sitzen kann. Richtig, richtig schön. Ja, klingt sehr, sehr gut. Ich habe mich schon hineingedacht. Hier ist auch gerade eher so ein bisschen, Also es ist jetzt nicht ganz kalt, aber ich finde es wirkt so kühl, wenn man rausschaut, weil es die Tage jetzt die ganze Zeit nur am Regnen ist. Deswegen gefällt mir die Vorstellung, dass wir gerade in Portugal sitzen, aufs Meer gucken, also sehr viel besser. Mag ich sehr. Dann stoßen wir einmal an. Prost! Wo steige ich ein bisschen ein? Also ich hatte dich ja im Vorfeld vor allen Dingen angeschrieben, weil ich das jetzt so spannend fand, mit der Ankündigung der Buchpreisblogger*innen. Wenn ich jetzt richtig gesehen habe, sind das sogar insgesamt 20, also echt viele. Und du bist Teil davon. Und ich habe gar nicht so eine Vorstellung davon, was das eigentlich bedeutet. Ich fand es aber irgendwie voll cool. Vor allem, weil wir im Buchclub schon auch immer mitverfolgen, was ausgewählt wird. Und das auch, nee, letztes Jahr haben wir nicht das Gewinnerbuch gelesen, aber wir hatten das zumindest irgendwie mit in der Auswahl und davor das Jahr hatten wir auf jeden Fall »Blaue Frau« gelesen, was ja auch gewonnen hatte. Also deswegen, wir verfolgen es immer sehr. Aber ich hab gar nicht so eine Vorstellung davon. Was ist so deine Aufgabe als Buchpreisbloggerin und wie läuft das jetzt überhaupt so in den nächsten Wochen?

Eliane
Ja, also wir Buchpreisbloggerinnen – am 22. August wird die Longlist mit den 20 Büchern bekanntgegeben, deshalb auch 20 Buchbloggerinnen. Genau, wir kriegen ein Buch aus dieser Longlist zugelost. Dann können wir noch ein bisschen untereinander tauschen, was jetzt für mich wahrscheinlich schwierig wird. Also wenn man das Gefühl hat, das passt jetzt gar nicht, weil man es vielleicht schon gelesen hat und nicht nochmal besprechen möchte. Genau und sonst kriegt man das dann zugeschickt und kann das lesen und sollte es einfach vor der Preisverleihung, dann besprechen. Das kann man in der Form machen, die man mag. Also zum Beispiel die Kolleginnen von Die Buch, die einen Podcast haben, werden das sicher in Form einer Podcastfolge machen. Ich in meiner üblichen Form mit Blogbeitrag und Social Media. Und drum herum kann man natürlich auch drüber sprechen, was einem gefällt an der Longlist oder was einem sonst so interessiert rund um den Buchpreis. Vielleicht mit einem Jurymitglied sprechen oder so, aber das ist alles den einzelnen Bloggerinnen überlassen, wie sie das machen.

Helen
Voll cool. Und bekommst du es tatsächlich haptisch zugeschickt, weil du ja jetzt ein bisschen weiter weg bist oder?

Eliane
Ja, das hängt dann etwas vom Verlag ab. Ich habe jetzt mit ihnen ausgemacht, dass sie das Buch dann in die Schweiz zu meinen Eltern schicken würden und die fliegen dann Ende August in die USA und bringen es mir mit. Aber ich werde sicher als Backup noch ein E-Book organisieren oder vom Verlag zur Verfügung gestellt kriegen.

Helen
Ja. Ja, ist wahrscheinlich jetzt ein bisschen trickier als vorher für dich?

Eliane
Ja genau, es ist ein bisschen ironisch, dass die Anfrage kam, ob ich da dabei sein möchte, wo ich gerade in den USA bin.

Helen
Ja, aber das wäre jetzt tatsächlich meine nächste Frage gewesen: Wie wird man Buchpreisbloggerin? Du wurdest aber irgendwie angefragt oder?

Eliane
Ja genau, da gibt es eine Person, die sich drum kümmert beim Buchpreis und die Leute anfragt, wie sie genau im Vorfeld die Auswahl treffen, wen sie überhaupt anfragen wollen, weiß ich nicht. Ich erinnere mich aber, dass ich, ich weiß nicht ob es vor einem Jahr oder zwei Jahren oder so war, da habe ich mal irgendwo platziert, dass ich auch gerne mal dabei wäre, falls sie neue suchen, weil es springen auch immer wieder welche ab. Einige sind mindestens das zweite Mal dabei. Ich weiß nicht, ob es solche hat, die schon über mehrere Jahre dabei sind. Genau, aber das wechselt immer so etwas, das Personal. Und da wurde ich einfach angefragt per Mail.

Helen
Und wie war so deine erste Reaktion? Direkt Freudentanz?

Eliane
Ja, das schon. Ich habe gedacht, das wird etwas unpraktisch, aber ich habe das sofort zugesagt.

Helen
Ja cool. Ich bin voll gespannt irgendwie. Ich habe das immer schon mal so ein bisschen mitbekommen, aber ich habe mich dann auch irgendwie gefragt, hat das Einfluss auf das, was ausgewählt wird oder ist das einfach quasi zur Info für mich als Leserin, damit ich ein bisschen noch mal einen anderen Eindruck über die Bücher vielleicht bekommen? Wahrscheinlich so oder?

Eliane
Ja, es ist wirklich nur so. Also die Juryarbeit, ich weiß nicht ob sie ganz durch ist, aber die Longlist, die bestimmen sie. Die haben sie bestimmt und wird am 22. August bekanntgegeben. Das hat keinen Einfluss auf die Auswahl, weil das bei der Jury ist. Es gibt ja kein Publikumsvoting oder Ähnliches. Und das ist einfach, um die Bücher ins Gespräch zu bringen, den Preis ins Gespräch zu bringen, Literatur generell, was ist ein guter deutscher Roman oder der beste des Jahres. Genau.

Helen
Ja, cool. Es gibt ja auch irgendwie parallel noch den Sachbuchpreis.

Eliane
Ja, ich glaube, der wurde ja schon verliehen. Ich weiß nicht mehr, was das Siegerbuch jetzt war, fällt mir gerade nicht ein, aber Teresa Bücker mit »Alle_Zeit« war beispielsweise auch nominiert. Da stecke ich noch drin. Stecke ich irgendwo fest, mitten beim Lesen, aber es ist auf jeden Fall auch ein tolles, spannendes Buch mit einem wichtigen Thema. Genau, und die anderen habe ich aber nicht mehr so auf dem Radar. Ich glaube, das waren ja dann fünf nominierte. Und eines wird es dann.

Helen
Ja, ja, es ist auf jeden Fall, glaube ich, ganz gut, dass es eben solche Preise gibt, die fallen halt zumindest noch mal ein bisschen mehr auf. Aber es gibt wahrscheinlich auch einen Schweizer Buchpreis, oder?

Eliane
Da gibt es eigentlich direkt eine Shortlist von fünf Büchern, da war auch letztes Jahr dieselbe Person Preisträger*in, Kim de l’Horizon, die mit dem Buch in der Schweiz den Schweizer Buchpreis gewonnen hat. Ich glaube, der wird dann kurz nach dem deutschen Buchpreis auch verliehen. Ja, ist aber eine kleinere Auswahl, weil es weniger Schweizer Autorinnen gibt. Und dann wird dann gleich nach der Shortlist auch der Sieger, die Siegerin bekanntgegeben.

Helen
Also irgendwie total cool. Nochmal so eine ganze eigene Welt. Muss ich mich nochmal mehr auseinandersetzen. Also ich bin ein ganz kleines bisschen abgeschreckt vom Buchpreis, weil irgendwie fand ich die jetzt jedes mal ziemlich anstrengend, aber ich lass mich auf jeden Fall nochmal gerne drauf ein. Irgendwie ist es auch ein bisschen so, man will ja auch nichts verpassen und wenn dann plötzlich alle Welt drüber spricht. Ja, ich schaue es mir auf jeden Fall gerne nochmal an und ich bin total gespannt, welches Buch du zugelost bekommst.

Eliane
Ja, ich auch. Und wie es mir dann gefällt. Was ich am deutschen Buchpreis halt etwas schwierig finde, ist, dass relativ wenig Zeit vergeht. Also wenn Ende August, 22. August, ist es dieses Jahr, die Longlist rauskommt mit 20 Titeln, dann schaffst du halt, oder ich, mit meiner Lesegeschwindigkeit nur ein Minimum der Bücher, wenn ich sie nicht eh schon gelesen habe.

Helen
Ja, aber das versuche ich auch gar nicht erst. Ich habe auch nicht den Anspruch und das interessieren mich auch dann nicht alle.

Eliane
Ja, aber ich würde schon jeweils gerne mehr davon lesen.

Helen
Ja, klar. Ich glaube, das ist wahrscheinlich immer so ein Thema. Ich würde generell gerne so viele Bücher lesen.

Eliane
Ja, auch irgendwie beim Women’s Prize for Fiction, auch mal im Original lesen, aber dann warte ich doch wieder auf die deutsche Übersetzung, dann bin ich schneller im Lesen als auf Englisch.

Helen
Ja, und also kannst du das so benennen, wie viel du so, weiß ich nicht, im Schnitt monatlich oder so liest?

Eliane
Ich habe mal eine Excel-Liste geführt, aber schon lange nicht mehr, irgendwie ist mir zu wenig wichtig, da die genauen Zahlen zu haben. Ich bespreche so in der Woche eigentlich meist ein Erwachsenenbuch und der Rest sind dann Kinderbücher oder Jugendbücher. Dann höre ich oder lese ich noch das eine oder andere, dass ich da nicht bespreche.

Helen
Aber ein Buch pro Woche ist ja schon viel, oder? Also was du ja auch besprichst.

Eliane
Es geht, also wenn ich mitkriege, was andere lesen, dann habe ich nicht so viel.

Helen
Das ist immer relativ, ja.

Eliane
Aber dann bin ich auf jeden Fall zufrieden. Manchmal hänge ich auch in einem Buch dann länger. Dann schiebe ich eine Graphic-Novel oder einen Krimi ein, den ich in ein, zwei Tagen gelesen habe.

Helen
Liest du jeden Tag oder gibt es auch mal lesefreie Tage?

Eliane
Gibt es auch mal, ja, wenn ich zu müde bin, aber ich versuche es eigentlich immer. Ich versuche immer, dass das letzte am Abend ist, dass ich noch in ein Buch schaue. Manchmal schlafe ich da nach einer Minute ein.

Helen
Bestes Einschlafmittel.

Eliane
Ja, aber eigentlich gehört es schon dazu, ja. Ich habe da immer ein Buch neben dem Bett liegen oder in der Tasche auch, wenn ich unterwegs bin. Jetzt bin ich nicht mehr so viel im öffentlichen Verkehr. Also in der Schweiz habe ich gependelt zur Arbeit, da habe ich auch immer ein Buch dabei gehabt.

Helen
Ja, und jetzt machst du alles dann digital, oder?

Eliane
Kommt ganz drauf an, ich habe noch einen großen SuB mitgenommen, in Kisten gepackt und mitgenommen, weil ich den auch unbedingt mal möglichst stark abbauen will. Ich werde ihn bestimmt, also wir sind hier 2,5 Jahre etwa, 2 Jahre fix hier in der Nähe von Milwaukee und dann wollen wir noch ein bisschen rumreisen, wenn wir schon hier sind und werde ich wahrscheinlich ein paar Bücher auch ungelesen wieder zurückschicken. Einige Verlage schicken auch Rezensionsexemplare in die USA, das ist aus Deutschland nicht mal so teuer, kommt immer etwas aufs Gewicht, die Dicke des Buches an. Aber einige Verlage machen das und sonst lese ich jetzt schon etwas mehr digital, ja, gezwungenermaßen. Also frage ich da auch, auch einige Bücher, bei denen ich jetzt nicht so sicher bin, ob ich sie mir selber kaufen würde, frage ich dann lieber als E-Book an. Dann kann ich auch eher dann sagen, wenn es nichts war und ich abgebrochen habe. Sonst habe ich da ein zu schlechtes Gewissen.

Helen
Ja, klar, das kann ich verstehen. Ich sage tatsächlich immer alle Rezensionsexemplare ab. Also ich frage nur die für die Auswahl an und alles andere sage ich möchte ich nicht. Ich [unverständlich] irgendwie nicht, das setzt mich total unter Druck. Ich weiß auch nicht generell, ich versuche möglichst wenig so irgendwas zu müssen beim Lesen, weil ich merke damit kann ich gar nicht so gut umgehen. Ich brauche da maximale Flexibilität anscheinend. Hätte ich vorher auch nicht so gedacht.

Eliane
Ja, es baut schon schon einen Druck auf, wenn da irgendwie 20 Rezensionsexemplare warten. Also gerade im Erwachsenenbereich halte ich das auch auf einem Minimum, um nicht unter Druck zu geraten.

Helen
Aber du besprichst ja auch, das hast du gerade gesagt, viele Kinderbücher, finde ich auch immer cool, weil da, also ich habe jetzt selber keine Kinder, aber in meinem Umfeld haben viele so meine Freundinnen Kinder bekommen und ich bin immer die, die Bücher verschenkt. Aber ich finde es halt voll schwer, wirklich, also klar, ich gehe auch in die Buchhandlung und frage dann einfach mal, was sie so empfehlen können, oder ich gehe nach der Optik oder was ich, wo ich denke, das klingt irgendwie gut, Aber das finde ich richtig schwer, rauszufinden, so was ist denn ein gutes Kinderbuch, wenn man sich damit gar nicht auskennt. Und dafür finde ich dann halt deinen Blog total praktisch, dass man so ein bisschen mal einen Eindruck von so einem Buch bekommt. Und vor allem der Vorteil wäre ja auch, wenn jetzt das Kind das eine Buch total toll findet und du hast so deinen gewissen Geschmack und Stil und so, dann kann ich auch einfach immer bei dir gucken und sagen, okay, ziemlich hohe Quote, dass wenn das eine Buch gut ankommt, dass das nächste auch gut ankommt. Also sowas finde ich super hilfreich auch einfach für mich. Das ist ja immer der Vorteil bei so, ja, Empfehlungen oder so.

Eliane
Ja, das stimmt. Wir folgen uns ja auch alle gerne gegenseitig auf Insta und so. Und man liest mal bei anderen Blogs vorbei, ja, jetzt für die ältere Tochter lese ich da gerne bei Kolleginnen, wo ich weiß, die empfehlen Dinge, die dir gefallen könnten und dann kann ich die ihr auch kaufen oder empfehlen.

Helen
Ja und was ich bei dir gesehen habe, ist da auch so ein Wie hieß das, Buch-Tandem, also wo quasi ein Erwachsenenbuch oder irgendwie wahrscheinlich eher das Thema gepaart ist, auch mit einem Kinderbuch, gebe ich das richtig wieder?

Eliane
Ja, genau. Das ist eine Bloggerkollegin, die hat mal ein Buchtandem gezeigt. Eben ein erwachsenen Buch und ein irgendwie thematisch passendes oder je nachdem vielleicht sogar von selben Autor oder selben Autorin ein Kinderbuch. Und dann habe ich sie gefragt, ob wir daraus nicht eine Aktion machen wollen. Dann haben wir eben aus dem Buch-Tandem einen Hashtag gemacht, den gleichlauten Hashtag und eine Aktion gestartet. Dann selber Buch-Tandems gezeigt und andere aufgerufen, ihre Tandems zu zeigen. Dann kam eine andere Bloggerin mal auf mich zu, die auch für ein Magazin arbeitet, und dann haben wir da auch, ich glaube, ein Jahr lang haben wir auch da unsere Buch-Tandems dann gezeigt.

Helen
Ja, das war super. Das war voll die süße Idee. Also, ist das dann auch tatsächlich so, dass du irgendwie dein Buch liest und deine Kinder irgendwie das Tandem dazu? Oder ist das eher so ein bisschen in der Theorie, sag ich mal?

Eliane
Ich würde sagen, meistens ist es in der Theorie, weil ich steuere da nicht irgendwie, was meine Kinder jetzt wann lesen oder anschauen wollen. Wir lesen jeden Abend vor und die Große, die ist in der dritten Klasse, die liest auch selber, von daher ist das dann meistens zeitversetzt. Das ist eine schöne Idee, wenn man sich mit Simone de Beauvoir beschäftigen will, dann kann man dieses Kinderbuch kaufen und für sich das Sachbuch von Julia Korbik oder die neue Graphic Novel von Julia Korbik und Julia Bernhard. Einfach so, gibt schöne Tipps oder… Jetzt war es zum Beispiel gerade so, dass ich zuerst das Kinderbuch »Wolf« von Saša Stanišić gelesen habe. Und da hat mir der Stil so gut gefallen, dass ich gesagt habe, jetzt muss ich endlich »Herkunft« von meinem SuB befreien. Das habe ich mir damals im ersten Lockdown bestellt, bei einer lokalen Buchhandlung. Und ja, war immer noch ungelesen und jetzt habe ich gedacht, jetzt passt es super zu diesem Kinderbuch und auch, weil es den Buchpreis gewonnen hat, kann ich mich da ein bisschen auf den Buchpreis und das Buchpreisbloggen einstimmen.

Helen
Ja, voll gut. Das haben wir auch im Buchclub gelesen. Ich überlege gerade, ich glaube, es ist jetzt schon zwei Jahre, oder vielleicht sogar her. Weiß ich gar nicht mehr so ganz genau, und da hatten wir aber auf jeden Fall auch einen Guide auf Instagram mit den Orten in Heidelberg. Ich fand gerade Heidelburg, sag ich mal. Aber es hat eine Burg und die kommt vor, oder? Also falls du, wenn du wieder zurück bist in Deutschland, einen Trip, also du kommst auch gar nicht zurück nach Deutschland, also wenn du wieder in der Gegend bist und einen Trip nach Heidelberg einplanen willst, ich glaube, der müsste noch online sein.

Eliane
Das ist cool, ja, muss ich einem Freund empfehlen, der hat eine Weile in Heidelberg gelebt und geht immer wieder zurück mit seiner Familie auch, sie da, ich glaube, Patentante oder Patenonkel haben und so, dann kann er das für mich mal abchecken. Die Orte alle mal ausprobieren. Ja, 2026 oder so mal nach Deutschland reisen wieder.

Helen
Voll krass, oder? So die Vorstellung, dass du so lange dann auch einfach weg bist. War das eine schwere Entscheidung, wirklich auch für einen längeren Zeitraum so ganz woanders zu leben oder fiel euch das leicht?

Eliane
Also ich würde sagen, mein Mann fiel es leicht, weil er es unbedingt machen wollte und ich fand es auch toll, die Erfahrung mal zu machen und die USA wäre jetzt nicht mein Wunschland gewesen oder so, aber weil wir alles organisieren konnten und ja, Weil die USA toll sind, einfach wegen dem Englisch, weil hier doch im Vergleich zu Ländern im globalen Süden alles ziemlich ähnlich funktioniert. Wie in der Schweiz war es nicht eine wahnsinnig schwierige Entscheidung, was schwierig war, war halt so. Vor allem für die Kinder, die die Freunde zurückzulassen, dann die ganze Organisation und bei mir so die Ungewissheit im beruflichen. Weil mein Mann hat hier eine Stelle und was ich dann machen würde, war zu Beginn noch sehr unklar.

Helen
Ja, okay.

Eliane
Und das muss man dann unter relativem Zeitdruck und einer gewissen Ungewissheit alles aufgleisen. Weil das Visum, das kriegt man erst relativ kurzfristig dann und bis dahin könnte theoretisch alles scheitern. Da ist man immer so etwas zwischen Stuhl und Bank.

Helen
Ja, ach krass. Aber irgendwie finde ich das immer total mutig, wenn man… Also, tatsächlich hat gerade bei mir auf der Arbeit eine, die so, ich weiß gar nicht, irgendwie so drei, vier Stufen so über mir, also auch wirklich viele Menschen so verantwortet und auch Familie hat. Ich glaube sogar irgendwie auch Angehörige, die sie pflegen muss, also auch irgendwie so super viel ja angehen musste, sag ich mal, und ist aber nach Paris umgezogen und da habe ich auch schon gedacht, ich finde es super cool und mutig, weil es ist ja nicht der einfachere Weg. Klar, also wenn du dann einmal da bist, sagen dir wahrscheinlich viele Leute, wie cool und da bin ganz neidisch oder so, aber wie viel da auch an Entscheidungen und so hinein. Ich finde das mega mutig den Schritt zu gehen und ja, weiß ich nicht. Ich weiß gar nicht, ob ich mich das so, also ich will auch, ich will gerne so langfristig reisen, aber ob ich mich das so trauen würde, mit Sack und Pack wirklich umzuziehen, das weiß ich gar nicht so. Aber es ist vielleicht ähnlich, keine Ahnung, dafür muss ich auch wahrscheinlich einiges aufgeben, wenn ich längerfristig reisen möchte, aber ich stelle mir das immer so ganz anders vor und viel mutiger, vor allen Dingen wenn man auch kleine Kinder dabei hat, richtig cool, finde ich voll cool, dass du dich getraut hast und das einfach gemacht hast.

Eliane
Ja, also bis jetzt, ich bin zufrieden damit, ja, hat es sich gelohnt oder lohnt sich, mal was anderes zu erleben einfach und sich in einem neuen Setting zurechtzufinden, um Neues zu entdecken.

Helen
Ja, [unverständlich] wünsche ich euch noch viel Spaß. Ich bin gespannt, ob man ein bisschen Reisebilder auch sieht, wenn ihr nach zwei Jahren dann sagt, jetzt erkunden wir noch so ein bisschen das Land. Weil hin und wieder da teilst du ja schon auch Nicht-Buchbilder zumindest, so ein bisschen. Ja, genau, ja. So einen Blick noch in dein Leben, das finde ich, das mag ich auch immer so, wenn das so ein bisschen aufgebrochen ist. Weiß ich nicht, da hat man das Gefühl, dich noch ein bisschen besser kennenzulernen.

Eliane
Ja, das mache ich gerne so, kleine Einblicke zeigen, ohne jetzt da zu viel zu verraten, ist ja immer etwas eine Gratwanderung, gerade wenn man Kinder hat. Da bin ich sehr zurückhaltend irgendwie mit Bildern der Kinder oder überhaupt Infos über die Kinder oder ja. Aber wenn man so schöne Landschaften sieht und so Natur, die es jetzt in Europa auch gar nicht gibt, finde ich das toll, wenn man das ein bisschen teilen kann.

Helen
Ja, ach richtig cool. Nein, und ich meine, in dem Fall wär’s vielleicht auch schwer gewesen, es komplett zu verheimlichen, [unverständlich].

Eliane
Ja, hätte ich mal ausprobieren können. Wie lang das unentdeckt ist, wäre schon möglich.

Helen
Ja, denke ich auch. Mit nur Büchern halt, oder?

Eliane
Ja. Die Postingzeiten sind vielleicht etwas merkwürdig.

Helen
Obwohl, das kann man ja auch irgendwie noch umgehen.

Eliane
Hätte ich sogar steuern können, ja. Mit gewissen Tools, die ich zwar nicht nutze, aber wäre ja möglich.

Helen
Ja, alles wäre möglich. Ach so, weil du meinst, du hast 2017 auch mit dem Blog… Du hast angefangen, Ende 2016, ja schon, mit Instagram und du machst das wirklich auch so, also regelmäßig, du hast gesagt, einmal in der Woche besprichst du ein Buch und ist das so was, also wo du dich wirklich fest dran hältst oder eher ein bisschen lockerer siehst und so grob für dich als Richtlinie, so einmal die Woche, oder ist das wirklich so, an dem Tag geht immer was online?

Eliane
Nein, ich mache das ganz flexibel, weil so um das Berufs- und Familienleben herum wäre mir das zu stressig. Ich komme schon in Stress, wenn ich irgendwie irgendwas posten soll, weil ja, am Veröffentlichungsdatum oder dann noch eine Verlosung habe mit XY und das soll irgendwie vor Ende August sein und sowas. Deshalb halte ich das einfach so, wie es kommt. Ich versuche einfach, dass sich nicht zu viele gelesene Bücher ansammeln und dann will ich eine Rezension schreiben, irgendwie vier Wochen später und weiß schon gar nicht mehr. Das hat mir an Instagram so gefallen. Ich mache das gerne zeitnah und ja, meine Kinderbücher sind teilweise so kurz, gerade Bilderbücher, dass ich da auch dann spontan was thematisch passt da reinbringe, aufgreife. Da gibt es ja auch im Kinderbuchbereich gibt es ganz viele Aktionen und sowas, Themenwochen. Wir machen zum Beispiel auch immer einmal im im Monat, immer am letzten Dienstag des Monats, so mit einer Gruppe von Kinderbuchbloggerinnen ein Buch, fünf Hashtags, wo wir also ganz wenig Text dazuschreiben und einfach uns ein Thema überlegen und dann ein Kinder- oder Jugendbuch dazu zeigen, mit fünf Hashtags, es beschreiben. Und das gibt immer eine coole Auswahl. Und da habe ich so dann immer halt ein paar Fixe, da weiß ich: Ja bei der Aktion will ich irgendwie mitmachen oder die und die Buchpremiere gibt es oder sowas. Und da halte ich mir den Rest frei. Ich habe auch Ich habe auch mal angefangen, ich glaube vor zwei Jahren, in meinem Insta-Feed Kacheln zu haben, also so ein Muster. Es ist immer ein Buch vor weißem Hintergrund und dann bunt und das schränkt mich schon genug ein. Das ist immer Gehirnakrobatik, weil ich auch wenig in einem Kalender vorausplane, wann kommt jetzt genau was. Was und dann muss ich immer überlegen, ja passt das dann? Das Buch wollte ich jetzt aber nicht vor Weiß, das sollte eigentlich farbig sein, man muss noch ein weißes einschieben. Man kann sich das auch unnötig schwer machen.

Helen
Obwohl ich echt sagen muss, ich finde dein Feed super schön. Also es lohnt sich auch, aber ja.

Eliane
Ja ich finde eben auch deshalb komme ich nicht davon los. Andererseits haben mir auch schon viele gesagt, dass sie es doch nie bemerkt haben, Weil sie scrollen halt durch ihren Homefeed und sind selten auf Profilen unterwegs und sehen das Gesamtbild, oder? Das hat vielleicht einen Effekt, wenn jemand zum ersten Mal bei mir vorbeischaut.

Helen
Ja, und ich glaube, das ist oft auch eher so ein bisschen so unterbewusst. Aber das, was du beschreibst, das so abwechselnd zu machen, das ist etwas, was ich mir bei Mädels, die lesen schon so lange vornehme. Und ich kriege das einfach immer irgendwie gar nicht auf die Reihe. Dabei wäre es, glaube ich, nicht so kompliziert. Abwechselnd irgendwie eine Grafik und ein Foto oder so. Aber es klappt einfach nie.

Eliane
Ja, es kommt immer was Dringendes dazwischen, eigentlich. Und ich glaube, das ist dann auch super [unverständlich].

Helen
Sieht schön aus, aber ich würde es dir jetzt auch nicht erzählen.

Eliane
Ich würde davon abraten. Ich würde auch nicht noch mal damit anfangen, glaube ich, aber es hat vielleicht auch einen gewissen Vorteil, weil vorher habe ich auch geschaut, dass die Bilder irgendwie zueinander passen, sodass es dann insgesamt gut aussieht. Und jetzt beißen sich so ganz unterschiedliche Bücher weniger, weil einfach dieser Kontrast da ist zwischen dem weißen Hintergrund und dem bunten. Vielleicht ist es gar nicht so schlimm. Ich bleibe jetzt doch ein bisschen dabei und vielleicht, ich glaube im letzten Sommer habe ich auch mal eine Pause eingelegt, weil im Urlaub habe ich meinen, ich nehme da so meinen Salontisch, den kleinen Tisch im Wohnzimmer, der ist weiß, nehme ich als Hintergrund und den habe ich ja dann nicht dabei im Urlaub. Da gibt es einfach [unverständlich].

Helen
Ach so, du fährst jetzt auch in den Urlaub, hast du gesagt?

Eliane
Ja, genau. Also hier sind echt lange Sommerferien. Die Kinder hatten seit Anfang Juni Ferien und die gehen noch bis Anfang September. Also 5. September ist glaube ich Schulstart dann wieder.

Helen
Krass, sind das drei Monate?

Eliane
Ja, das sind gut 12 Wochen. Ganz schlimm. Also die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nicht ideal.

Helen
Ja, das glaube ich sofort.

Eliane
Genau, aber jetzt im August machen wir auch richtig Ferien oder so halb zum Ende. Ich meine Ferien sind auch nicht gerade großzügig in den USA. Mein Mann hat offiziell im Arbeitsvertrag null Wochen Ferien. Man muss einfach mit seinem Chef ausmachen, was man an Ferien kriegt und da wird er einen Teil der Ferien noch arbeiten müssen. Arbeitnehmerin in den USA würde ich nicht sein wollen. Oder auch nicht Arbeitnehmerinnen und gleichzeitig noch Kinder versorgen. [unverständlich]

Helen
Also ist schön so einen Einblick zu haben, dann weiß man auch, was man am Schweizer System hat.

Eliane
Oder am Deutschen.

Helen
Das glaube ich. Und wo geht es für euch hin? Bleibt ihr dann in den USA?

Eliane
Ja, ja. Ich bin auch zum ersten Mal in den USA und es gibt sehr viel zu sehen. Wir gehen nach Virginia und West Virginia und dann auf dem Heimweg wollen wir noch in Washington DC einen Stopp machen. Dann das Sightseeing, dass wir da die Hauptstadt mal abgeklappert haben.

Helen
Ja, richtig gut. Ich bin richtig gespannt irgendwie, was man da vielleicht noch so ein bisschen mitbekommt. Und ich weiß nicht, trotzdem schlechte ich immer so ein bisschen Gefühl auch ein von wegen, das klingt so, das klingt so viel aufregender als mein Leben, ich bin ein bisschen neidisch. Im Endeffekt, das ist jetzt natürlich Urlaub, aber du hast ja sonst auch einfach Alltag in den USA, nur woanders.

Eliane
Ja, genau. Das ist auch irgendwie ziemlich ähnlich jetzt. Etwas verschoben, weil ich mich jetzt zumindest die ersten Monate mehr um die Kinder gekümmert habe als zu Hause und weniger gearbeitet habe. Und mein Mann dafür mehr. Ja, aber da lebt man sich auch immer mehr ein. Ich arbeite weiterhin für Schweizer Kundinnen, bin jetzt einfach freischaffend und von daher nimmt das auch das Arbeitspensum etwas zu jetzt im Herbst, wenn die Kleine noch mit Kinderbetreuung versorgt ist. Bis jetzt hatten wir keinen Platz, aber im September kann sie dann starten. Dann ist es eigentlich dasselbe einfach in den USA. Mehr Homeoffice.

Helen
Ah, irgendwie total cool. Also auch voll witzig eigentlich, dass wir ausgerechnet jetzt so sprechen, aber ich finde das, also ich hatte bei dir gesehen und ich war das halt alles zusammen auch so mega spannend. Wollte ich mal reinspinksen, ein bisschen nosy.

Eliane
Ja, ist ja auch speziell und das sind jetzt die zwei, zweieinhalb Jahre. Jetzt zurück und ist wieder alles normal, ja.

Helen
Ja, aber deswegen vielen vielen Dank, Danke, dass du uns mal so ein bisschen hast spinksen lassen.

Eliane
Ja, sehr gerne.

Helen
Ich würde sagen, dass wir unseren Wein jetzt noch ausdrinken, die Aussicht genießen. Vielleicht haben wir Glück und sehen Sonnenuntergang über dem Meer. Ja. Danach wünsche ich dir einen schönen Urlaub.

Eliane
Vielen Dank. Danke für die Einladung und gutes Lesen hier in der Sommerzeit oder mit besserem Wetter hoffentlich bald wieder.

Helen
Dir auch. Ich bin richtig gespannt, welches Buch du zugelost bekommst und wie es dir dann auch gefällt.

Eliane
Ja, ich auch. Das zeige ich dann, muss ich dann noch schauen, wie ich das mache, weil ich es dann wahrscheinlich sehr knapp erst im Print auch haben werde, aber ich werde es euch wissen lassen, zumindest in den Stories.

Helen
Ja, drücken wir die Daumen und wünschen dir viel Spaß mit dem Buch.

Eliane
Vielen Dank! Bis dahin! Tschüss!

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