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Podcast · Folge 69
Eine Buchhandlung, 34 Eigentümerinnen und Eigentümer
Als das Lesezeichen in Kempten keine Nachfolge fand, kauften es die Kundinnen und Kunden – als erste genossenschaftliche Buchhandlung Bayerns
Stand heute
Diese Folge ist vom Mai 2024, aufgenommen gut ein Jahr nach der Übernahme. Alle Zahlen – Genossenschaftsanteile, Team, Pläne – sind der Stand von damals. Die Buchhandlung gibt es weiterhin.
Diesmal fällt das Einstiegsritual aus: Wir müssen uns nicht ausdenken, wo wir sitzen. Katharina Schrader und Andrea Straub sind wirklich dort – in der Leseecke der Buchhandlung Lesezeichen in Kempten, mitten in den Öffnungszeiten, mit einer Tasse Tee, während im Hintergrund der Laden weiterläuft. Es ist erst die zweite Folge mit zwei Gästinnen gleichzeitig.
Katharina Schrader und Andrea Straub
Lesezeichen eG · Kempten im Allgäu
Andrea Straub ist Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. Sie hat vorher schon als Mitarbeiterin im Laden gearbeitet, steht zwei ganze Tage pro Woche selbst im Geschäft und macht zusammen mit der früheren Inhaberin den Einkauf. Katharina Schrader ist Genossin, langjähriges Mitglied bei Mädels, die lesen. und Teil der Schmökerrunde. Im Laden arbeitet sie nicht mit, betreut aber Büchertische bei Veranstaltungen und schreibt Rezensionen für die Buchhandlung.
Ein Zettel im Fenster, Sommer 2022
Im Sommer 2022 hängt in der Buchhandlung Lesezeichen ein Zettel: Nachfolge gesucht. Katharina Schrader kauft dort seit Jahren ein. Sie überlegt länger – ein eigener Buchladen war immer ein Traum –, kommt aber zu dem Schluss, dass sie das zeitlich und finanziell nicht allein stemmen kann. So ging es offenbar mehreren: Einige machten sich Gedanken, niemand traute sich den Schritt allein zu.
Andrea Straub beschreibt die andere Hälfte der Reaktion. Der größte Teil der Kundschaft dachte gar nicht ans Übernehmen, sondern schaute mit Angst auf diesen Zettel: Ihr werdet doch wohl nicht aufhören. Die Leute fragten immer wieder nach, ob schon jemand gefunden sei – und jedes Nein bestätigte die Sorge.
Dann kommt Andrea Straub gemeinsam mit der damaligen Inhaberin auf Katharina Schrader zu, mit einer anderen Frage: Hättest du Lust, den Laden mit mehreren zu kaufen – als Genossenschaft?
Es hat sich nicht jeder überlegt, selbst eine Buchhandlung zu übernehmen – bei vielen schwelte einfach die Angst: Was kommt danach?Andrea Straub
Von der Idee zur Unterschrift: fünf Monate
Im Juni, Juli entsteht die Idee. Im November 2022 wird die Genossenschaft gegründet und unterschrieben, zum 1. Januar 2023 kauft sie die Buchhandlung. Die Sorge in dieser Zeit war nicht, ob es funktioniert, sondern ob es rechtzeitig fertig wird: Der Weg über den Genossenschaftsverband und die Eintragung ins Register brauchte Zeit, und der Starttermin stand.
Bei der Gründung waren es 32 Genossinnen und Genossen, inzwischen sind es 34 – der Großteil davon Frauen. Der Prozess ist stark reglementiert; mit juristischem Beistand und einer Beratung durch den Genossenschaftsverband hat es geklappt.
Die Umbauarbeiten hielten sich in Grenzen: Es gab eine Inventur zum Jahresende, damit klar war, was der bisherigen Inhaberin gehörte. Das wurde aufgekauft, ans Ladenschild kamen ein e und ein G – und im Januar wurde wieder aufgemacht.
Warum Genossenschaft und nicht Verein
Die naheliegende Frage, weil viele geretteten Kinos, Kneipen und Läden den Vereinsweg gehen. Katharina Schraders Antwort: Bei Vereinen sind die Grenzen beim Erwirtschaften von Gewinn eng – und eine Buchhandlung soll Gewinn machen, um reinvestieren und Mitarbeitende bezahlen zu können. Im Verein läuft vieles ehrenamtlich, und Öffnungszeiten von Montag bis Samstag würden jedes Ehrenamt überreizen.
Zum finanziellen Risiko: Man haftet mit dem Anteil, den man eingezahlt hat – eine private Haftung darüber hinaus gibt es nicht. Und der Anteil lässt sich später wieder verkaufen. Im schlechtesten Fall, sagt Katharina Schrader, sollte man plus minus null herauskommen.
Man haftet nur mit dem Anteil, den man am Anfang eingezahlt hat – eine private Haftung darüber hinaus gibt es nicht.Katharina Schrader
Wie der Laden im Alltag läuft
Sechs Personen teilen sich die Öffnungszeiten von Montag bis Samstag, viele davon mit einem halben Tag pro Woche. Andrea Straub hat zwei ganze Tage, um den Überblick zu behalten. Die Bereiche sind aufgeteilt: Einkauf machen Andrea Straub und die frühere Inhaberin, eine jüngere Kollegin kümmert sich um Instagram und Facebook, eine weitere um die Buchhaltung – sie ist Steuerberaterin.
Die Genossenschaft ist dabei nicht nur Geldgeberin. Eine Gruppe hat die Schaufensterdekoration übernommen. Genossinnen stellen zweimal im Jahr aktuelle Bücher vor, es gibt einen Newsletter mit Tipps, und wer wie Katharina Schrader gern rezensiert, tut das für den Laden. Das breitere Spektrum ist ein echter Vorteil: Naturwissenschaftlerinnen, Historikerinnen, Krimi-Leserinnen – jede bringt ein anderes Regal mit.
Auch Tipps aus unserer Richtung landen im Sortiment: Wenn bei Mädels, die lesen. ein Titel ausgewählt wird, kann er ins Programm wandern – Andrea Straub nennt als Beispiel »Unerhörte Stimmen« von Elif Shafak.
Ein Frauenbuchladen mit Tradition
Das Lesezeichen wurde einst als Frauenbuchladen gegründet, von Frauen für Frauen – und das ist bis heute sein Aushängeschild, was Frauenliteratur und Empowerment angeht. Katharina Schrader findet es deshalb besonders passend, dass so viele Frauen Anteile gezeichnet haben.
Kempten hat rund 70.000 Einwohnerinnen und Einwohner und nennt sich die Metropole des Allgäus; der Einzugsbereich reicht ins Oberallgäu. Es gibt mehrere Ketten und zwei weitere inhabergeführte Buchhandlungen – aber, sagt Andrea Straub, keine so kuschelig wie das Lesezeichen.
Der Alltag hinter der Romantik
Man sitzt nicht den ganzen Tag lesend im Laden und verkauft hin und wieder ein Buch. Dahinter stecken Bestellungen, Remittenden und die Pflicht, immer zu wissen, was gerade aktuell ist – auch, welcher Lesetipp in der Lokalzeitung stand. Denn die Leute kommen selten mit einem Titel, sondern mit einem Ich habe da was gelesen.
Zum Lesen kommt Andrea Straub im Laden praktisch nie – höchstens in der Mittagspause, bei Tee und Breze, in diesen fünf Minuten. Und beherrschen muss sie sich auch: Ohne mindestens ein Buch geht sie eigentlich nie aus dem Laden.
Wie es nach dem ersten Jahr aussieht
War es die richtige Entscheidung? Auf jeden Fall, sagt Andrea Straub. Mehr Personen heißt mehr Absprache: Eine Information muss nicht an eine Person weitergegeben werden, sondern an vier oder fünf, und die Neuen mussten alles erst lernen. Aber nach einem guten Jahr hat sich das gefügt – und inzwischen wissen alle, wer wobei mitzieht.
Der Januar 2023 war ein guter Start, obwohl der Monat im Buchhandel eher ruhig ist: Es kamen viele Neugierige, und die Genossinnen und Genossen bringen selbst neue Kundschaft mit. Bei Buchvorstellungen wird die Ladenfläche genutzt, dann passen bis zu 25 Leute hinein; in die Leseecke locker zehn bis fünfzehn.
Nach vorn schauen die beiden trotzdem realistisch: Die Umsätze im Einzelhandel sind nicht rasend, Bücher sind teurer geworden, und sich als junge Buchhändlerin selbstständig zu machen, ist eine ganz schöne Aufgabe. Vielleicht aber eben als Genossenschaft, wenn man sich zusammentut.
Wenn Schwierigkeiten auftreten, hat man eine Gruppe, auf die man zählen kann, und steht nicht allein da.Helen
Wenn dich interessiert, wie aus Kundinnen und Kunden Eigentümerinnen und Eigentümer werden – und was das im Alltag wirklich bedeutet –, dann hör rein.
Die ganze Folge hören
Bücher, über die wir gesprochen haben
Zwei Herzensbücher von Katharina Schrader – und zwei Tipps von der Leipziger Buchmesse.
Momo
Michael Ende · Thienemann
Eines der wenigen Bücher, die Katharina Schrader immer wieder liest – sonst ist sie eher jemand, der denkt: Das habe ich ja schon gelesen.
Das Leuchten der Rentiere
Ann-Helén Laestadius · aus dem Schwedischen von Maike Barth u. a. · Hoffmann und Campe
Ihr letztes großes Lesehighlight: ein Roman bei den Sámi im Norden Skandinaviens, mit einem kriminalistischen Faden. Sie hat selbst eine Zeit lang in Finnland gelebt und sich mit den Sámi beschäftigt.
Beklaute Frauen
Leonie Schöler · Penguin
Andrea Straubs Tipp von der Leipziger Buchmesse: Frauen, die viel entdeckt und entwickelt haben – und um ihre Ideen beklaut wurden, weil Männer sie übernommen haben. Im Lesezeichen war das Buch schon zum Weltfrauentag Thema.
Die Entflammten
Simone Meier · Kein & Aber
Wer hat eigentlich Vincent van Gogh berühmt gemacht? Zu Lebzeiten verkaufte er kein einziges Bild; sein fördernder Bruder starb früh. Es war dessen Witwe, van Goghs Schwägerin, die sein Werk durchsetzte.
Die mit »Bei Thalia ansehen« gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber, bekommen wir eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts. Katharina Schrader nennt außerdem Astrid Lindgren als prägende Autorin ihrer Kindheit, ohne einen bestimmten Titel – deshalb steht sie hier ohne Link.
Häufige Fragen
Was ist eine genossenschaftliche Buchhandlung?
Statt einer Inhaberin oder einem Inhaber gehört der Laden vielen Menschen gemeinsam, die Genossenschaftsanteile gezeichnet haben. Beim Lesezeichen in Kempten waren es bei der Gründung 32 Personen, zum Zeitpunkt der Folge 34 – größtenteils Frauen. Die Genossenschaft beschäftigt die Mitarbeitenden, die das Tagesgeschäft machen.
Warum eine Genossenschaft und kein Verein?
Weil ein Verein beim Erwirtschaften von Gewinn eng begrenzt ist. Eine Buchhandlung soll aber Gewinn machen, um reinvestieren und Mitarbeitende bezahlen zu können – Öffnungszeiten von Montag bis Samstag ließen sich nicht ehrenamtlich abdecken.
Wie hoch ist das finanzielle Risiko für die Mitglieder?
Man haftet mit dem eingezahlten Anteil, nicht darüber hinaus privat. Der Anteil lässt sich später auch wieder verkaufen – im schlechtesten Fall, sagt Katharina Schrader, kommt man plus minus null heraus. Rechtsberatung ersetzt diese Folge natürlich nicht.
Wie lange dauerte die Gründung?
Rund fünf Monate: Die Idee entstand im Juni/Juli 2022, im November 2022 wurde gegründet und unterschrieben, zum 1. Januar 2023 wechselte die Buchhandlung den Besitzer. Der Weg über den Genossenschaftsverband und die Eintragung ins Register war der zeitkritische Teil.
Gibt es die Buchhandlung noch?
Ja. Das Lesezeichen in Kempten wird weiterhin von der Genossenschaft getragen. Aktuelle Öffnungszeiten und Termine stehen auf der Seite der Buchhandlung.
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Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.
Helen
Herzlich willkommen Katharina und Andrea. Ich freue mich sehr, dass ihr heute zu zweit seid. Das ist jetzt auch, haben wir länger nicht mehr gehabt, dass mehr als eine Person zu Gast waren. Ich freue mich mit euch so ein bisschen über die Buchhandlung zu sprechen, in der ihr gerade sitzt. Und bevor wir starten, hätte ich aber zwei Fragen an euch. Wo sind wir gerade und welches Getränk habt ihr mitgebracht?
Andrea Straub
Wir sind hier in der Buchhandlung Lesezeichen in Kempten und haben beide eine Tasse Tee – wir sitzen gemütlich in unserer Leseecke. Richtig schön.
Helen
Ist das wirklich eine Leseecke, in der Kundinnen und Kunden in der Buchhandlung stöbern können?
Andrea Straub
Genau. Ja.
Helen
Das klingt perfekt. Dann stoßen wir mit Tee an. Genau. Ich freue mich total, dass das geklappt hat. Wir haben jetzt, also Katharina und ich, Katharina ist jetzt schon wirklich relativ lange Teil von Mädels, die lesen. Ich kann es gar nicht mehr so genau sagen. Und auch Teil der Schmökerrunde. Wir haben schon lange darüber gesprochen, dass wir diese Folge machen wollen – und jetzt klappt es, sogar noch zu den Öffnungszeiten. Genau. Und einfach mit euch so ein bisschen darüber zu sprechen. Mich fasziniert, dass ihr die Buchhandlung im Grunde gerettet habt. Vielleicht könnt ihr mich mit nach Ende 2022 nehmen und beschreiben: Was war da los, und was habt ihr gemacht?
Katharina Schrader
Ich fange mal an. Im Sommer 2022 hing auf einmal ein Zettel hier in der Buchhandlung Lesezeichen, wo ich seit vielen Jahren einkaufe: Es wurde eine Nachfolge gesucht, um den Buchladen zu übernehmen. Ich glaube, einige haben sich Gedanken gemacht – ach ja, der eigene Buchladen –, aber am Ende hat sich niemand getraut, den Schritt allein zu machen. Und dann ist irgendwann Andrea auf mich zugekommen, zusammen mit der damaligen Inhaberin, und hat gefragt: Hättest du Lust, den Laden gemeinsam mit mehreren zu kaufen – als Genossenschaft? So ist die Idee entstanden. Im November 2022 haben wir eine Genossenschaft gegründet und zum 1. Januar 2023 die Buchhandlung gekauft. Das ist jetzt sehr romantisierend von mir – Andrea kann bestimmt mehr zu den Hintergründen erzählen. Bei der Gründung waren es 32, inzwischen sind es 34 Genossinnen und Genossen, und der Großteil sind tatsächlich Frauen. Der Prozess einer Genossenschaftsgründung ist sehr reglementiert – mit juristischem Beistand hat es aber geklappt. Es gab auch eine Beratung vom Genossenschaftsverband. Und so sind wir gestartet.
Helen
Das klingt echt cool. Ich finde das eine schöne Vorstellung: dass man gemeinsam viel schaffen kann. Für eine Person allein ist es vielleicht zeitlich oder finanziell nicht möglich – aber im Kollektiv kann man das viel eher meistern. Das finde ich richtig inspirierend. Das wird ja an der einen oder anderen Stelle Thema sein: dass eine Buchhandlung keine Nachfolge findet. Und dafür ist das eine coole Lösung. Hattet ihr ein Vorbild? Habt ihr euch das von jemandem abgeschaut?
Katharina Schrader
Es gibt oder gab – da bin ich mir nicht mehr sicher – in Tübingen wohl schon einmal so ein Modell. Aber hier in Bayern sind wir die erste Genossenschaft, die einen Buchladen übernommen hat und jetzt trägt. Die Genossenschaft hat den Laden von der damaligen Inhaberin gekauft, und die ist weiterhin Teil der Genossenschaft und gehört zum Ladenteam. Als Genossenschaft beschäftigen wir mehrere Mitarbeiterinnen und einen Mitarbeiter, die hier im Laden arbeiten und das Tagesgeschäft machen – die Genossenschaft ist im Hintergrund aktiv.
Andrea Straub
Dazu wollte ich noch etwas sagen: Es ging wahrscheinlich nicht allen so wie Katharina, die das Schild gelesen und daran gedacht hat, eine Buchhandlung zu übernehmen. Ein ganz großer Teil waren einfach Kundinnen und Kunden, die mit Angst auf dieses Schild geblickt haben: Ihr werdet doch wohl nicht aufhören. Es hat sich nicht jeder überlegt, selbst eine Buchhandlung zu übernehmen – bei vielen schwelte einfach die Angst: Was kommt danach? Sie haben immer nachgefragt: Habt ihr schon jemanden gefunden? Und dieses Nein hat die Angst dann bestätigt, dass wirklich nichts mehr nachkommt.
Helen
Das kann ich total nachvollziehen. Ich war, glaube ich, noch nie in Kempten – wie groß ist Kempten eigentlich?
Andrea Straub
Wir haben rund 70.000 Einwohnerinnen und Einwohner, inzwischen wohl 71.000 – und Kempten nennt sich die Metropole des Allgäus. Der Einzugsbereich geht über Kempten hinaus ins Oberallgäu – hier sind viele weiterführende Schulen und Arbeitsplätze. Es gibt hier mehrere Ketten und inzwischen noch zwei andere inhabergeführte Buchhandlungen – aber keine so kuschelig wie das Lesezeichen.
Katharina Schrader
Das Lesezeichen hier in Kempten hat eine lange Tradition: Gegründet wurde es als Frauenbuchladen – von Frauen für Frauen. Das ist bis heute ein besonderes Aushängeschild, was Frauenliteratur und Empowerment angeht. Deswegen finde ich es besonders schön, dass so viele Frauen Genossenschaftsanteile gekauft haben und aktiv sind.
Helen
Ich habe zum Beispiel mitbekommen, dass eines meiner liebsten Kinos in der Umgebung schließen musste und dann durch einen Verein gerettet wurde – da haben sich Bürgerinnen und Bürger zusammengetan. Wäre das bei euch auch eine Option gewesen? Oder wo ist überhaupt der Unterschied?
Katharina Schrader
Ich weiß auch nicht genau, was der Unterschied ist. Ich glaube, bei Vereinen sind die Grenzen recht eng, was das Erwirtschaften von Gewinn angeht – und wir wollen ja schon Gewinn machen. Damit man reinvestieren und Mitarbeiterinnen beschäftigen kann. In einem Verein läuft vieles auf ehrenamtlicher Basis, und das geht bei einem Betrieb wie einer Buchhandlung nicht. Das waren, glaube ich, die Hauptargumente für die Genossenschaft. Wir haben ja Ladenöffnungszeiten von Montag bis Samstag – das würde jedes Ehrenamt überreizen.
Helen
Und wie viele Personen teilen sich die Ladenöffnungszeiten – wie viele übernehmen Schichten?
Andrea Straub
Die Ladenöffnungszeiten teilen sich bis zu sechs Personen, weil viele nur einen halben Tag in der Woche haben. Ich habe zwei ganze Tage, damit ich den Überblick behalte – als Vorstandsvorsitzende muss ich schon einiges abwickeln. Insgesamt sind es sechs Personen.
Helen
Und entscheidet ihr gemeinsam, welche Bücher neu angeschafft werden? Wie läuft so etwas?
Andrea Straub
Nein, da sind Bereiche eingeteilt. Den Einkauf mache ich mit der früheren Inhaberin, weil ich von ihr noch viel übernehmen kann. Den Einkauf machen praktisch nur wir beide. Wir bekommen auch Tipps von den anderen – dafür sind wir offen –, aber den Grundeinkauf machen wir zwei. Dann gibt es eine junge Kollegin, die Social Media macht, also Facebook und Instagram. Eine macht die Buchhaltung – sie ist Steuerberaterin, das bietet sich an. So haben wir die Bereiche aufgeteilt.
Helen
Das ist total sinnvoll. Unter welchem Account findet man die Buchhandlung noch mal?
Katharina Schrader
Lesezeichen Punkt Kempten. Das verlinken wir auch noch mal. Ja.
Andrea Straub
Wenn Katharina zum Beispiel sagt, bei Mädels, die lesen. wurde Unerhörte Stimmen von Elif Shafak ausgewählt, dann wird das eventuell mit ins Programm aufgenommen. Genau, da sind wir offen.
Helen
Hattet ihr Sorgen vor dieser Übernahme? Oder war für euch klar: Gemeinsam schaffen wir das?
Katharina Schrader
Die Sorge, ob es funktioniert, hatten wir nicht. Es war eher die Sorge, ob wir es rechtzeitig schaffen. Im Juni, Juli kam die Idee. Und bis das alles über den Genossenschaftsverband lief und die Eintragung ins Register durch war, wurde es immer enger. Im November hatten wir dann unterschrieben, und wir wollten im Januar starten. Das war schon eine Sorge: Kriegen wir es bis dahin hin? Gott sei Dank hat es geklappt. Ja.
Helen
Einiges an Zittern also. Aber die Buchhandlung stand ja – ihr musstet nichts neu einrichten, sondern konntet wieder aufmachen, wie sie war?
Andrea Straub
Genau. Es musste eine Inventur gemacht werden – die ist ja ohnehin zum Jahresende –, damit klar ist, was der vorherigen Inhaberin gehört hat. Das wurde aufgekauft, dann kamen ein e und ein G ans Ladenschild – und im Januar konnten wir aufmachen.
Helen
Und wie war die Resonanz, gerade von den Kundinnen, die sich vorher Sorgen gemacht hatten?
Andrea Straub
Der Januar ist eher ein ruhiger Monat im Buchhandel, weil die Weihnachtseinkäufe vorbei sind und die Leute mit Büchern ausgestattet sind. Der Januar startete trotzdem ganz gut, weil viele Neugierige da waren. Und die Genossinnen und Genossen bringen ja auch neue Kundschaft mit.
Helen
Macht ihr auch Veranstaltungen in der Buchhandlung – bietet ihr etwas jenseits des reinen Buchgeschäfts an?
Andrea Straub
Das gab es früher schon, und die Tradition haben wir weitergeführt: Zweimal im Jahr werden aktuelle Bücher vorgestellt. Das machen inzwischen Genossinnen aus dem Laden. Das nächste Mal ist im April. Lesungen und Vorträge fangen wir jetzt auch wieder an. Und jetzt war im März auch ein Angebot zusammen mit einer Druckerei, dass man sein eigenes Lesezeichen drucken konnte. Die Räumlichkeiten sind ein bisschen klein, aber es sind gemütliche Büchervorstellungen mit Kaffee und Kuchen in der Pause.
Helen
Ich kenne das aus einer anderen Buchhandlung – da gab es auch etwas zu essen, und die Buchhändlerinnen haben ihre Lieblingsbücher aus dem letzten Quartal vorgestellt. Das ist eine schöne Idee, weil man dabei ganz andere Tipps bekommt.
Katharina Schrader
Beim letzten Mal hatten wir eine wirklich bunte Mischung, von Sachbuch über Belletristik bis Lyrik. Danach gibt es eine Liste mit den Büchern und Kurzbeschreibungen. Und es gibt einen regelmäßigen Newsletter, in dem aktuelle Bücher vorgestellt werden oder Tipps von Genossinnen stehen.
Helen
Das Wort Genossinnen hatte ich bisher gar nicht mit einer Buchhandlung zusammengebracht – aber es klingt auf jeden Fall nach Gemeinschaft.
Katharina Schrader
Es gibt zum Beispiel auch eine Gruppe, die die Verantwortung für die Schaufensterdekoration übernommen hat – das muss ja regelmäßig neu gestaltet werden. Das ist schon eine tolle Gemeinschaft.
Helen
Beim Thema Social Media: Du bist auf uns, glaube ich, über eine Beraterin aufmerksam geworden, die Social Media für Buchhandlungen anbietet. Hast du dir da Tipps geholt? Sie sagt ja immer: Je mehr du bei Social Media zeigst, desto eher kommen die Leute rein und holen sich genau dieses eine Buch.
Katharina Schrader
Da sind wir noch ein bisschen in den Kinderschuhen. Das war eigentlich mein Wunsch – ich wollte das für die Buchhandlung mitmachen, aber zeitlich hat das bei mir vorne und hinten nicht funktioniert. Ich habe mich zwei, drei Mal mit ihr ausgetauscht. Inzwischen macht das eine junge Kollegin im Team, die hat damit angefangen, und wir entwickeln das weiter – aber sie wird sicher noch mal eine Anlaufstelle sein. Genau.
Helen
Was ich mich gefragt habe: Ihr wart ja vorher, glaube ich, alle keine Buchhändlerinnen, oder?
Katharina Schrader
Der Großteil nicht. Andrea hat vorher schon als Mitarbeiterin im Laden gearbeitet, und die frühere Inhaberin ist weiterhin im Team – da ist also eine gewisse Kontinuität drin. Und die anderen werden herangeführt.
Helen
Und wie ist das, jetzt in der Buchhandlung zu arbeiten? Hattest du dir so etwas gewünscht, oder war das komplett Neuland?
Katharina Schrader
Ich arbeite im Laden selbst nicht mit, habe aber schon Büchertische bei Veranstaltungen betreut. Als der Zettel im Fenster hing, habe ich länger überlegt – ein eigener Buchladen war immer ein Traum. Aber zeitlich und finanziell hätte ich das nicht gestemmt. Der Traum ist immer noch da – vielleicht, wenn ich etwas älter bin. Man verbringt ja viel Zeit im Buchladen, und das hätte ich so nicht stemmen können.
Helen
Ich glaube, man romantisiert so etwas auch. Da hängt ja so viel dran, was man hinter den Kulissen gar nicht mitbekommt.
Andrea Straub
Genau – man sitzt nicht den ganzen Tag lesend im Laden und verkauft hin und wieder ein Buch. Dahinter steckt viel Arbeit: Bestellungen, Remittenden, Rückläufer. Man muss sich auch immer informieren, was gerade aktuell ist und welcher Lesetipp in der Lokalzeitung stand. Die Leute kommen ja nicht unbedingt und sagen: Ich hätte gerne das Buch XY. Sondern: Ich habe da was gelesen. Und dann muss man wissen, was das gewesen sein könnte.
Helen
Passiert es dir häufiger, dass du dann doch drei, vier, fünf Bücher mitnimmst fürs Wochenende? Oder kannst du dich beherrschen?
Andrea Straub
Das ist schwierig. Ich gehe eigentlich nie ohne mindestens ein Buch aus diesem Laden. Aber ich bin zum Glück auch eine Schnellleserin. Man muss sich schon beherrschen, damit man nicht selbst die beste Kundin ist.
Helen
Ich finde das trotzdem krass – ich habe ja überhaupt keine Ahnung, in welcher Größenordnung sich das bewegt. Wenn man eine Buchhandlung kauft, ist das ja nicht nur der Laden, sondern auch alles, was an Büchern drinsteht – und Bücher sind nicht günstig. Dazu das Mobiliar und alles Mögliche. Klar, 34 Personen sind nicht wenig. Aber es ist wahrscheinlich trotzdem keine Summe, die man einfach so übrig hat. Hattest du Sorge, ein finanzielles Risiko einzugehen? Du kanntest den Laden ja vorher und wusstest, dass er läuft und Stammkundschaft hat.
Katharina Schrader
Ich habe schon überlegt, ob ich die Summe aufbringen kann. Aber wir hoffen ja, dass wir am Ende auch Gewinn erzielen – und es ist so geregelt, dass man seinen Genossenschaftsanteil später auch wieder verkaufen kann. Im schlechtesten Fall sollte man also plus minus null herauskommen.
Helen
Ich kenne mich mit den Rechtsformen ehrlich gesagt nicht gut aus. Aber es gibt ja Formen, bei denen man das Risiko wirklich selbst trägt – wenn die Buchhandlung nicht liefe, wäre das Geld weg. Ist das bei einer Genossenschaft ähnlich, oder ist man da abgesichert?
Katharina Schrader
Das könnte am Ende passieren, aber das wäre wirklich das Worst-Case-Szenario. Man haftet nur mit dem Anteil, den man am Anfang eingezahlt hat – eine private Haftung darüber hinaus gibt es nicht.
Helen
Ich finde das eine richtig schöne Idee – und die muss sich ja nicht auf eine Buchhandlung beschränken. Wenn man etwas erhalten und retten möchte, aber nicht das Gefühl hat, es allein stemmen zu können, schafft man das eben in der Gruppe. Ich finde es total inspirierend, dass ihr das gemacht und vorgemacht habt – und dass ihr jetzt davon erzählt. Ihr seid jetzt über ein Jahr dabei – im Januar 2023 habt ihr gestartet. Wie war das erste Jahr? Habt ihr die richtige Entscheidung getroffen?
Andrea Straub
Auf jeden Fall, es war die richtige Entscheidung. Im ersten Jahr erwartet man sich ja erst mal nicht so viel – mal schauen, dass es funktioniert. Wir sind mehr Personen, das heißt, man muss sich mehr absprechen. Es ist ein Unterschied, ob man zu zweit im Laden ist und die Information nur an eine Person weitergeben muss – oder an vier, fünf weitere. Die Neuen mussten das ja auch erst lernen, und da läuft auch mal das eine oder andere schief. Aber nach einem guten Jahr muss ich sagen: Das hat sich alles gut gefügt. Wir wissen inzwischen auch, auf wen wir zählen können: Katharina hilft zum Beispiel bei den Buchvorstellungen und schreibt Rezensionen für uns. Das sind Dinge, die man verteilen kann – und das ist wirklich ein Gewinn.
Helen
Das ist schön: Wenn Schwierigkeiten auftreten, hat man eine Gruppe, auf die man zählen kann, und steht nicht allein da.
Katharina Schrader
Dadurch, dass wir so viele sind und ein Teil davon bei Buchvorstellungen und Rezensionen mitmacht, decken wir ein viel breiteres Spektrum ab: Die eine ist Naturwissenschaftlerin und kann dazu etwas vorstellen, die andere liest keine Krimis, die nächste etwas ganz anderes. Historikerinnen sind auch dabei – wir sind wirklich gut vertreten.
Helen
Was lest ihr beide vorrangig? Oder lest ihr querbeet – auch das, was in der Lokalzeitung erwähnt wurde und was ihr deshalb kennen müsst?
Katharina Schrader
Ich bin die mit den Krimis – ich lese total gerne Krimis, aber auch viel querbeet. Das Einzige, was ich gar nicht mag, ist völlig abgedriftete Fantasy. Sonst gerne auch mal ein Sachbuch oder historische Romane. Und gerne ein Kinder- oder Jugendbuch, um meine Jungs auf den Geschmack zu bringen. Und über die Bücher bei Mädels, die lesen. kommt man immer wieder auf neue Ideen und Inspiration.
Andrea Straub
Da kann ich mich Katharina fast anschließen. Ich gehöre auch zu den wenigen bei uns, die gerne Krimis lesen, und lese ebenfalls querbeet – viel Sachbuch, Belletristik, schöne poetische Bücher. Wo mir der Zugang fehlt, ist Science-Fiction und Fantasy – da tue ich mir schwer. Mit einer neuen, jüngeren Kollegin haben wir da dazugewonnen, weil sie sich in dem Bereich besser auskennt und auch beim Einkauf dabei ist. Ich wüsste da gar nicht, was gerade angesagt ist.
Helen
Was ich immer öfter sehe, ist dieser Sticker: BookTok made me buy it. Merkt ihr das auch, dass BookTok-Titel gefragt sind?
Andrea Straub
Bei uns noch nicht so sehr. Aber mit der jungen Mitarbeiterin haben wir ein paar Regalfächer dafür bereitgestellt, und inzwischen kommen doch die eine oder andere – eher jüngere – Kundin und kauft Titel davon.
Helen
Das ist ein faszinierender Bereich, mit dem ich mich mal mehr beschäftigen müsste.
Andrea Straub
Es muss auch zu einem passen. Wir sind ja eher etwas älter, und es ist nicht authentisch, wenn ich Titel empfehle, die ich selbst nicht gelesen habe und hinter denen ich nicht stehe. Das machen wir grundsätzlich nicht. Ich stehe ganz offen zu dem, was ich lese – und zu dem, was ich nicht mag. Und dafür kann man sich bei der Veranstaltung anmelden und sich die Empfehlungen der anderen anhören. Das machen wir regelmäßig.
Helen
Wir hatten vorhin darüber gesprochen, dass der Alltag einer Buchhändlerin anders aussieht, als man sich das vorstellt. Ich glaube, es wird viel romantisiert. Aber kommt es manchmal vor, dass Zeit bleibt, um im Laden zu lesen? Oder geht das nie?
Andrea Straub
Eigentlich nie. Aber ich habe es mir angewöhnt, weil ich ja den ganzen Tag da bin und auch mal etwas essen muss. Wenn es die Zeit erlaubt, versuche ich in der Mittagspause zu lesen – wenn ich mir einen Tee mache und meine Breze esse, in diesen fünf Minuten. Sonst geht das im Laden gar nicht.
Helen
Es ist einfach zu viel zu tun. Und man sieht ja die vielen Bücher, die man lesen möchte, und schafft nicht alles. Das fühlt sich wahrscheinlich zu sehr nach Vergnügen an, und dafür gibt es immer eine lange To-do-Liste, die Vorrang hat.
Andrea Straub
Im Laden, ja. Zu Hause lese ich natürlich viel – im Urlaub oder nachts. Aber im Laden wenig.
Helen
Katharina, du hattest das irgendwo vorgeschlagen: Ich überlege ja, in der zweiten Jahreshälfte noch mal ein Treffen zu machen – vielleicht in eurer Leseecke. Aber ich weiß gar nicht, wie groß sie ist, ich sehe nur einen kleinen Ausschnitt.
Andrea Straub
Da passen schon ein paar Leute rein. Wie bei den Buchvorstellungen – da nehmen wir praktisch die Ladenfläche, da kommen bis zu 25. In der Leseecke bringen wir locker 10, 15 unter.
Helen
Das machen wir. Nach Süddeutschland wird ja immer wieder gefragt, dass wir dort mehr machen. Darüber sprechen wir noch mal. Das ist eine schöne Vorstellung. Vor allem würde ich dann auch mal Kempten sehen und ein Gefühl dafür bekommen, wie groß das ist. Haben wir etwas vergessen, worüber ihr gerne sprechen wolltet? Hürden vielleicht, mit denen ihr nicht gerechnet hattet? Oder etwas, das euch wichtig wäre – gerade wenn jemand so ein Projekt selbst wagen möchte.
Andrea Straub
Grundsätzlich ist es für den Buchhandel gerade nicht so einfach. Man sieht ja allgemein im Einzelhandel, dass die Umsätze nicht rasend sind. Auch das Buch wird immer mehr zum Luxusartikel, Bücher sind teurer geworden. Das macht den Blick nach vorn schwierig – für junge Buchhändlerinnen und Buchhändler ist es eine ganz schöne Aufgabe, sich im Buchhandel selbstständig zu machen.
Helen
Aber vielleicht als Genossenschaft, wenn man sich zusammentut. Warte mal, ich gucke gerade noch einmal – du hattest Astrid Lindgren angegeben, als Bücher, die dich am meisten beeinflusst haben.
Katharina Schrader
Ja, schon. Das sind die Bücher meiner Kindheit und Jugend – unsere zwei Kinder heißen sogar nach Figuren von Astrid Lindgren. Das hat mich immer inspiriert. Ich habe auch eine Postkarte: Sei Pippi, nicht Annika. Einfach diese starken Mädchenfiguren – oder Ronja Räubertochter. Das sind die wenigen Bücher, die ich immer mal wieder lese – sonst bin ich eher jemand, der denkt: Das habe ich ja schon gelesen. Aber das sind Bücher, die mich echt begleiten. Und Momo von Michael Ende. Aktuell hat mich zuletzt Das Leuchten der Rentiere sehr beeindruckt.
Helen
Das habe ich noch nie gehört – was ist das für ein Buch?
Katharina Schrader
Das spielt in Skandinavien, bei den Sámi, der indigenen Bevölkerung dort. Ich habe eine Zeit lang in Finnland gelebt und mich mit den Sámi beschäftigt. Es hat auch etwas Kriminalistisches, aber es ist ein ganz tolles Buch. Die anderen Bücher sind je nach Lebensphase unterschiedlich – aber Astrid Lindgren begleitet mich von klein auf.
Helen
Ich habe gar nicht das Gefühl, das bewusst gelesen zu haben – aber es schwingt immer mit. Vielleicht habe ich es vorgelesen bekommen, oder man kennt die Geschichten einfach. Ich kann es auf jeden Fall nachvollziehen – es sind einfach schöne Geschichten. Zum Abschluss – ihr seid ja zwischen Tür und Angel – vielleicht noch Buchtipps? Ihr habt ja ein besonderes Sortiment mit dem Fokus auf Frauen. Aber ihr habt wahrscheinlich nicht ausschließlich Autorinnen im Laden. Habt ihr besondere Tipps – etwas, das in letzter Zeit besonders gut ankam?
Andrea Straub
Ich war in Leipzig auf der Buchmesse und dort bei einer Lesung von Leonie Schöler – das hatten wir bei uns auch schon am Weltfrauentag vorgestellt: Beklaute Frauen. Da geht es wirklich um Frauen, die wahnsinnig viel entdeckt und entwickelt haben und einfach um ihre Ideen beklaut wurden, die einfach dann Männer übernommen haben. Und mich hat die junge Autorin begeistert, die Historikerin – das war richtig erfrischend, ich kann das sehr empfehlen. Ebenso war Simone Meier auf der Buchmesse, mit ihrem Buch Die Entflammten. Da geht es um die Frage: Wer hat eigentlich Vincent van Gogh berühmt gemacht? Van Gogh hat zu Lebzeiten kein einziges Bild verkauft, und sein Bruder, der ihn gefördert hat, starb relativ früh. Aber dessen Witwe – also van Goghs Schwägerin – hat ihn berühmt gemacht. Sie wusste das zu vermarkten – eine Frau zu der Zeit, die ganz schön etwas geleistet hat und trotzdem um ihren Platz gebracht wurde.
Helen
Man wird dabei immer ein bisschen wütend. Aber ich finde es einen schönen Trend, dass so etwas mehr und mehr in Buchform auf den Markt kommt und man das nachlesen kann. Vielen Dank – das sind Tipps, die ich noch nicht kannte, aber die sehr gut klingen.
Katharina Schrader
Die Entflammten liegen bei mir daheim, die habe ich zum Geburtstag geschenkt bekommen. Bei Beklaute Frauen muss ich mal schauen.
Helen
Weil bei euch ja noch Ladenbetrieb im Hintergrund läuft, würde ich sagen: Wir trinken unseren Tee in dieser gemütlichen Leseecke aus und verabschieden uns. Schaut auf jeden Fall mal bei der Buchhandlung in Kempten vorbei – alles ist in den Show Notes verlinkt. Und vielleicht sehen wir uns im Herbst persönlich in Kempten und machen dort ein Treffen. Das wäre super. Danke euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt – bei Trubel im Hintergrund. Sehr gerne.




