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Mit 23 die eigene Buchhandlung übernehmen

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Podcast · Folge 87

Mit 23 die eigene Buchhandlung übernehmen

Jana Brammer über den Weg in die Selbstständigkeit, das Rechnen mit dem Scheitern – und warum sich das für sie nie mutig angefühlt hat

11. November 2024 · 47 Minuten · Ganze Folge hören ↓

Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise: Wo sitzen wir gerade, und welches Getränk hast du uns mitgebracht? Jana Brammer setzt uns an die kroatische Küste, mit Club Mate in der Hand – die man sich, sagt sie, aus Deutschland mitschleppen muss, weil es sie dort nicht gibt. Danach geht es um etwas, das von außen nach einem großen Sprung aussieht und sich für sie selbst nie so angefühlt hat: Direkt nach ihrer Ausbildung hat sie eine Buchhandlung übernommen. Mit 23.

Jana Brammer

Buchhändlerin, Inhaberin von Calibri Buch & Café in Cadolzburg

Jana Brammer, Jahrgang 1999, hat nach dem Abitur in Nürnberg eine Ausbildung zur Buchhändlerin in Fürth gemacht – ein Großteil davon fiel in die Pandemie. Im Oktober 2022 kam sie zu Calibri Buch & Café in Cadolzburg in Mittelfranken, im April 2023 übernahm sie den Laden: rund 45 Quadratmeter, ein allgemeines Sortiment und ein kleines Ladencafé, wenige Schritte von der Cadolzburg entfernt. 2024 wurde Calibri mit dem Deutschen Buchhandlungspreis in der Kategorie „Hervorragende Buchhandlungen“ ausgezeichnet; im selben Jahr war sie für den Young Excellence Award des Börsenblatts nominiert und stand auf der Longlist der TikTok Book Awards.

Ein Satz im Berufsschulunterricht

Wie es dazu kam, beantworte sie jedes Mal anders, sagt Jana Brammer gleich zu Beginn – es spielten einfach zu viele Faktoren hinein. Der Anfang ist trotzdem klar zu benennen: eine Ausbildung zur Buchhändlerin, von der ein großer Teil in die Corona-Zeit fiel. In den Lockdowns suchte sie sich das Backen als Hobby dazu und merkte, dass Kochen und Backen für andere sie schon immer interessiert hatten.

Den Ausschlag gab dann ein Nebensatz. Ein Lehrer im Berufsschulunterricht habe gesagt: Gehen Sie in die Gastronomie, so ein normaler Handel hält sich nicht mehr. Sie widerspricht dem nicht einmal ganz – „irgendwo hat er leider recht, wahrscheinlich“. Aber in dem Moment sei ihr zum ersten Mal durch den Kopf gegangen, dass ein Buchcafé nicht nur ein Traumgedanke wäre, sondern etwas Sinnvolles: überlebensfähiger als ein reiner Buchladen.

Erst wollte sie selbst gründen. Dass es anders kam, findet sie heute besser. Sie hatte einfach vielen Leuten erzählt, was sie vorhat – und über die Bekannte einer Freundin erfuhr sie, dass in Cadolzburg noch inoffiziell eine Nachfolge gesucht wurde. In dem Laden hatte sie nie gearbeitet; sie wusste bis dahin nicht einmal, dass es dort überhaupt eine Buchhandlung gibt, obwohl der Ort zum Landkreis Fürth gehört und sie als Kind oft da war.

Ein Buchladen mit Ladencafé – nicht andersherum

Eine Präzisierung ist ihr wichtig, und sie bringt sie selbst an, bevor jemand fragt: Sie habe „gar kein richtiges Buchcafé, sondern einen Buchladen mit Ladencafé“. Das Café ist klein und eingeschränkt. Entscheidend sei etwas anderes – dass es Plätze zum Sitzen gibt und man zum Verweilen herkommen kann.

Der Laden lebt hauptsächlich von Stammkundschaft; im Buchhandel seien Stammkunden ohnehin das Wichtigste. Dazu kommt der Tourismus, weil der Weg zur Burg an der Buchhandlung vorbeiführt. Weil es in Cadolzburg keine Touristinformation gab und sich der Standort anbot, liegen bei ihr auch die Flyer aus, und sie gibt Auskunft. Am Anfang sei das „eine ziemliche Katastrophe“ gewesen – inzwischen wohnt sie selbst im Ort und kann die meisten Fragen beantworten.

Warum es sich für sie nicht mutig anfühlt

Helen nennt den Schritt mutig; Jana Brammer nicht. Blauäugig sei sie nicht hineingegangen, sagt sie: Sie habe sich überlegt, ob es ihr das wert wäre – und was passiert, wenn es schiefgeht. Dann müsste sie eben ein paar Jahre arbeiten und die Rückzahlungen leisten. Es sei eine überschaubare Summe gewesen.

Der zweite Grund ist eine Art Gegenbild. Die Vorstellung, sie hätte es nicht gemacht und wäre jetzt irgendwo als Buchhändlerin angestellt, komme ihr ziemlich langweilig vor. So schön der Beruf sei – für sie wäre das einfach nichts. Im Gespräch bekommt das einen Namen: die Antivision, also etwas, das man schlimmer findet als das Risiko selbst.

Das stärkste Bild bringt sie dann aber selbst mit. Eine Selbstständigkeit sei etwas, um das man sich immer kümmern muss, das man nicht auf Pause setzen kann, das einen fordert und manchmal frustriert – und tausendfach etwas zurückgibt, wenn es läuft. Sie ist keine Mutter und sagt das auch dazu; trotzdem stellt sie sich beides ähnlich vor.

Ich finde es immer so krass und mutig, ein Kind zu kriegen, wie sich selbstständig zu machen.Jana Brammer

Helen greift das Bild auf, weil sie damit mehr anfangen kann als mit dem Wort Mut: Auch als Eltern habe man Phasen, in denen man kurz gern eine Auszeit hätte – und kommt trotzdem nicht aus der Nummer raus, weil man sich damit verbunden fühlt.

Was die Ausbildung mitgibt – und was nicht

Auf die Selbstständigkeit vorbereitet habe sie keine Schule, sagt Jana Brammer. In Deutschland werde man eigentlich dazu erzogen, angestellt zu sein; niemand erkläre einem, was zu tun ist, wenn man sich selbstständig macht. Im Nachhinein sei es dann gar kein Riesending gewesen.

Die Ausbildung selbst war trotzdem wichtig – als Basis. Ohne sie hätte sie nicht gewusst, wie man eine Rechnung schreibt und was darauf alles stehen muss, oder was Skonto bedeutet. Beibringen könne man sich das alles, aber hätte sie diese Kleinigkeiten nebenbei auch noch lernen müssen, hätte sie den Blick fürs Wesentliche verloren.

Nebenbei klärt das Gespräch eine Frage, die im Buchhandel oft aufkommt: Es gibt nicht nur den einen Weg. Jana Brammer ist in Nürnberg an die örtliche Berufsschule gegangen; daneben existiert der mediacampus frankfurt, an dem der Berufsschulteil in Blöcken stattfindet. Das ist eher wie eine Privatschule, und sie beschreibt es als üblich, dass große Ketten ihren Auszubildenden den Platz dort bezahlen. Ihr Betrieb hätte das vermutlich nicht getan – für sie war es ohnehin keine Diskussion, weil sie in Nürnberg wohnte.

Ein Account über den Weg dorthin

Ihren Instagram-Account hat sie ein halbes Jahr vor der Übernahme angefangen, und der Name ist Absicht: „Janas kleine Buchhandlung“, nicht der Ladenname. Sie wollte keinen reinen Buchladen-Account, sondern etwas wie einen Blog darüber, wie man eine Buchhandlung übernimmt. Sie habe danach gesucht und in Deutschland nichts Vergleichbares gefunden – also hat sie es selbst gemacht. Die Resonanz sei durchweg positiv.

Das hat eine Nebenwirkung, die im Gespräch beiden auffällt: Weil alles an der Person hängt und nicht am Laden, kommt Post mitunter an das „liebe Team von Janas kleiner Buchhandlung“ – bei einer Buchhandlung, die im Wesentlichen aus einer Person besteht. Helen kennt das von uns.

Zwei Auszeichnungen in eineinhalb Jahren

Der Deutsche Buchhandlungspreis kam schon im ersten Jahr – „das war schon ganz schön verrückt“. Sie beschreibt die Bewerbung als aufwendig und ziemlich offenlegend: Man gibt die letzten Jahresumsätze an und listet genau auf, welche Veranstaltungen man gemacht hat, welche Zielgruppen man erreicht hat, wie viele Leute gekommen sind und ob man Geld dafür genommen hat. Ihr kamen dabei die vielen Leseclubs zugute – Veranstaltungen, die Leseförderung sind. Verliehen wurde der Preis in Frankfurt an der Oder, was zum Running Gag des Abends wurde.

Der zweite Fall bleibt in der Folge offen: Zum Zeitpunkt der Aufnahme stand sie auf der Longlist der TikTok Book Awards in der neu eingeführten Kategorie für Buchhandlungen und durfte noch nicht sagen, ob sie weiterkommt.

Inzwischen ist es entschieden. Auf der Longlist standen zwanzig Buchhandlungen, darunter „Janas kleine Buchhandlung“; ausgezeichnet wurde auf der Frankfurter Buchmesse die Buchhandlung Hoffmann.

Ihr Rat fällt anders aus als erwartet

Gefragt, was sie jemandem raten würde, der sich dasselbe wünscht, sagt sie nicht das, was man an dieser Stelle erwartet. „Go for it“ finde sie eigentlich schon ein bisschen blauäugig. Es komme auf die Umstände an, auf den Ort – und vor allem auf die Frage, ob es einem wert ist, sich dafür sehr aufzuopfern. Abraten würde sie niemandem; aber sie würde mitgeben, dass man prüfen sollte, ob man selbst der Typ dafür ist.

Aus ihrem engen Kreis hat ihr genau ein Mensch abgeraten: ihre Großmutter, per Brief. Sie fand das rückblickend vor allem liebevoll – und es wäre auch komisch gewesen, wenn sich niemand Sorgen gemacht hätte. Alle anderen hätten sich vermutlich ebenfalls Sorgen gemacht, aber nicht versucht, sie aufzuhalten. Ihre Erklärung dafür ist zugleich der Satz, mit dem die Folge beginnt: Sie glaube, sie habe dieses Selbstbewusstsein in der Entscheidung sehr ausgestrahlt.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme plante sie außerdem gemeinsam mit der Inhaberin von Artemis Books in Aachen einen Workshop fürs Gründen und Übernehmen: die eine hat gegründet, die andere übernommen, und keine von beiden hat BWL studiert. Genau das sei der Punkt – ein nahbares Format statt eines offiziellen Gründungsseminars.

Wenn du dir manchmal ausmalst, wie es wäre, etwas Eigenes zu machen, hörst du in dieser Folge jemanden, die genau das getan hat – und ganz nüchtern erzählt, was sie vorher durchgerechnet hat und was daran wirklich anstrengend ist.

Häufige Fragen

Wie heißt die Buchhandlung von Jana Brammer und wo ist sie?

Calibri Buch & Café in Cadolzburg in Mittelfranken, wenige Schritte von der Cadolzburg entfernt. Der Laden hat rund 45 Quadratmeter, ein allgemeines Sortiment und ein kleines Ladencafé mit Sitzplätzen.

Kann ich eine Buchhandlung übernehmen, ohne BWL studiert zu haben?

Jana Brammer hat es direkt nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin getan. Sie sagt selbst, dass einen keine Schule auf die Selbstständigkeit vorbereitet – die Ausbildung habe ihr aber die Grundbegriffe mitgegeben, von der Rechnung bis zum Skonto. Was danach kam, hat sie sich beigebracht.

Was sollte ich mir vorher überlegen?

Ihr eigener Rat: nicht einfach „Go for it“. Sie hat vorher durchgerechnet, was passiert, wenn es schiefgeht, und ob ihr das die Sache wert ist. Dazu kommt für sie die Frage nach dem Ort – und ob du der Typ dafür bist, dich so weit einzubringen.

Was ist der Deutsche Buchhandlungspreis?

Eine Auszeichnung der Bundesregierung für inhabergeführte Buchhandlungen, die seit 2015 vergeben wird. Calibri Buch & Café hat ihn 2024 in der Kategorie „Hervorragende Buchhandlungen“ bekommen. Bewerben muss man sich selbst – mit Umsatzzahlen und einer genauen Aufstellung der eigenen Veranstaltungen.

Kann ich die alten Folgen noch hören?

Ja. Alle Folgen bleiben online – du findest sie im Archiv und überall dort, wo es Podcasts gibt.

Muss ich Mitglied sein, um mitzumachen?

Nein. Den Podcast kannst du frei hören, und auch bei den Leserunden musst du nicht Mitglied sein, um mitzulesen.

Transkript der Folge

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.

Helen
Herzlich Willkommen Jana. Ich freue mich sehr heute mit dir über wahrscheinlich am meisten über deine Buchhandlung zu sprechen, wie das alles so gekommen ist, dass du die übernommen hast, wie es heute für dich ist, also über deine Buchhändlerinnen-Leben zu sprechen. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?

Jana
Wir sind gerade an der kroatischen Küste, direkt am Meer, am besten mit einem guten Wetter und mit Club Mate in der Hand. Und danke für das.

Helen
Die haben wir wahrscheinlich mitgebracht, oder?

Jana
Ja, weil die gibt es da leider nicht. Das ist immer das Schlimmste, wenn man in den Urlaub fährt und man muss sich die Club Mate aus Deutschland mitnehmen. Das ist mein schwerstes Gepäckstück meistens.

Helen
Richtig gut. Aber tatsächlich, ich mag Club Mate auch sehr, sehr gerne. Dann würde ich sagen, stoßen wir an und stellen uns im Hintergrund des Meeresrauschen irgendwie vor. Wir haben uns offiziell kennengelernt durch diese Young Excellence Award Nominierung. Ich hatte dir, glaube ich, erzählt, dass ich dich schon vorher auf dem Schirm hatte, weil das irgendwie witzigerweise so war, als ich die Sonntagsfrage fürs Börsenblatt beantworten sollte oder bzw. als die online ging, warst du der Artikel davor. Und ich dachte da schon, wie krass ist das? In dem Artikel bei dir wurde sehr hervorgehoben, dass du so jung eine Buchhandlung übernommen hast. Und ich fand das irgendwie so voll interessant. Ich glaube auch, dass ich aus der Community immer wieder noch mal so drauf hingewiesen wurde. Das wäre doch auch mal cool für ein Treffen. Und dann habe ich mich aber irgendwann nicht so richtig getraut zu fragen. Und als wir dann eh in diesem gemeinsamen Speed-Meetings saßen, habe ich das, glaube ich, mal angesprochen oder so. Und dann warst du relativ schnell begeistert von der Idee, dass wir irgendwas zusammen machen. Und wann haben wir das gemacht? Vor zwei Monaten?

Jana
Ich glaube, es ist schon zwei Monate.

Helen
Krass, irgendwie.

Jana
Ja. Vor zwei Monaten haben wir das gemacht.

Helen
Wir haben ein Picknick veranstaltet mit anschließendem Stöbern bei dir in der Buchhandlung. Und es ist einfach, also ich meine, Cadolzburg ist ein bisschen einfach wie ein Märchentraum irgendwie so extrem süß. Also vor allem, wenn man aus dem Norden kommt, ist ja alles nicht so putzig. Und ich finde es nach wie vor krass beeindruckend, dass du diese Buchhandlung übernommen hast, dass du diesen Sprung gewagt hast und so ein bisschen, dass du mir davon erzählt hast. Aber ich glaube, so ganz kenne ich die Story vielleicht noch nicht. Ich finde es auf jeden Fall interessant, wenn du nochmal erzählst, wie es dazu gekommen ist, dass du sie überhaupt übernommen hast und dass du dir gedacht hast, da habe ich jetzt Bock drauf und warum in Cadolzburg. Also wie ist es dazu gekommen, dass du jetzt eine eigene Buchhandlung besitzt?

Jana
Ja, ich habe gerade während der Frage überlegt, wie ich die jetzt beantworte, weil mir aufgefallen ist, dass ich die Frage jedes Mal anders beantworte, weil da ja tausend Faktoren reinspielen. Ich glaube, ich habe eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht, das ist glaube ich ganz wichtig zu sagen. Und während der Ausbildung war ein Großteil einfach Corona belastet und ich habe mir da so bisschen das Hobby Backen dazu gesucht und habe halt auch gemerkt, dass einfach so Backen und Kochen, das hat mich schon immer sehr interessiert und auch für andere Backen und Kochen. Und dann hat ein Lehrer im Berufsschulunterricht gesagt: Gehen Sie in die Gastronomie, so ein normaler Handel hält sich nicht mehr und ja, das war irgendwie ein bisschen, ja, ich meine irgendwo hat er leider recht wahrscheinlich, aber in dem Moment war glaube ich bei mir im Kopf so das erste Mal, dass ich mir dachte, ein Buchcafé wäre ja eigentlich also nicht nur so ein Traumgedanke, sondern tatsächlich was Sinnvolles, also wahrscheinlich überlebensfähiger als ein normaler Buchladen. Man muss aber vorwegnehmen. Ich habe ja gar kein richtiges Buchcafé, sondern ein Buchladen mit Ladencafé, also sehr eingeschränktes Café, aber ich habe Plätze da zum sitzen und ich glaube, das ist das Wichtige, dass man hier auch zum Verweilen herkommen kann. Ja, und dann hat sich das noch während meiner Ausbildung eigentlich so gebildet, dass ich beschlossen habe. Ich mache das, Ich mache mich selbstständig und ja, dann wollte ich eigentlich erst selbst was gründen. Ich bin heute froh, dass es anders gekommen ist. Also ich habe das halt einfach Leuten erzählt, dass ich das vorhab. Und da hat dann die Bekannte von einer Freundin erfahren, dass hier in Cadolzburg noch inoffiziell eine Nachfolge gesucht wird. Und dann bin ich ja mal vorbeigekommen.

Helen
Sehr cool. Also du hast auch gar nicht in dem Laden die Ausbildung gemacht. sondern das war dann einfach irgendwie Zufall, dass du die Buchhandlung in Cadolzburg entdeckt hast.

Jana
Ja, genau. Also ich habe ja davor in Fürth gewohnt beziehungsweise zu dem Zeitpunkt sogar in Nürnberg, aber Cadolzburg war mir schon immer ein Begriff. Ich war da auch als Kind oft, weil das gehört jetzt zum Landkreis Fürth. Aber ich war seit Jahren nicht mehr hier. Ich wusste nicht, dass das hier überhaupt eine Buchhandlung gibt, muss ich ehrlich zugeben. Und deswegen war das echt Glück, dass ich das erfahren habe.

Helen
Es ist ja auch wirklich nicht weit von Nürnberg, ich habe irgendwie so 10 Kilometer am Kopf, aber das war vielleicht doch ein bisschen mehr.

Jana
Eigentlich müsste es schon mehr als 10 Kilometer sein,

Helen
Also auf jeden Fall irgendwie echt nah. Deswegen war es, glaube ich, auch für Nürnberger*innen interessant, zu dem Picknick vorbeizukommen. Und wahrscheinlich, ich hab so ein bisschen das Gefühl, es ist schon so eine Ausflugsstadt und das dann wahrscheinlich viele auch für so einen Tagstrip oder so nach Cadolzburg kommen. Und ich weiß gar nicht, wie man Cadolzburg schreibt, vielleicht ist es auch für jemanden der aus dem Süden kommt irgendwie so Standard, aber für mich war so wie so eine kleine Traumwelt, man kommt da, also irgendwie bin ich durch so ein Stadttor glaube ich durch und dann ist man in diesem Zentrumsbereich wie so ein Marktplatz, sondern eher langgezogen und da ist schon alles ultra süß irgendwie. Ich kann gar nicht beschreiben. Ich glaube, es sind diese roten Schindeln oder so. auf den Dächern, und zum Teil ist es auch Fachwerk. Das sieht wirklich aus wie im Film. Total schön. Und wenn man zur Burg will, was wahrscheinlich das Hauptziel ist, wenn man nach Cadolzburg kommt, kommt man an deiner Buchhandlung vorbei. Also es ist eigentlich total ideal, um dann eben auch zu verweilen. Und da könnte ich mir schon vorstellen, dass du wahrscheinlich, du hast bestimmt einige Stammkundinnen, aber auch Leute, die eher zufällig drüber stolpern. Und das ist wahrscheinlich eine ganz gute Mischung, oder?

Jana
Ja, ich finde die Mischung ganz gut. Also im Buchhandel sind auf jeden Fall die Stammkunden das Wichtigste. Und ich würde doch sagen, dass das hier schon hauptsächlich von Stammkundschaft lebt. Aber der Tourismus existiert und das ist schön, also vor allem auch für mich persönlich, ständig neue Menschen kennenzulernen, die dann auch teilweise aus anderen Ländern kommen oder halt aus anderen Teilen Deutschlands. Das gibt mir selbst auch total viel, weil das kann man sich schon so wirklich bisschen klischeehaft vorstellen, wie man sich das erträumt, dass man dann da so alleine in seiner Buchhandlung steht und sich mit irgendwelchen Leuten verquatscht über sonst was. Also das passiert wirklich so.

Helen
Richtig cool. Also das kann ich mir auch echt vorstellen, weil ich meine, wir haben das ja auch am Wochenende gemacht. Und da waren schon viele Menschen, wo man das gefühlt hat, die kennen sich jetzt hier nicht so aus. Die waren aber immer zielstrebig in Richtung Burg unterwegs. Du hast doch, glaube ich, auch so ein bisschen den Tourismusauftrag bei dir in der Buchhandlung.

Jana
Genau, also das war anscheinend so, dass es damals gar keine Touristinfo in Cadolzburg gab. Und dann kam heraus, dass hier der Standort ganz gut wäre. Deswegen habe ich hier die Flyer, und ich gebe auch Auskunft. Am Anfang war das noch eine ziemliche Katastrophe. Aber jetzt wohne ich ja mittlerweile auch hier, also mittlerweile kann ich die meisten Fragen beantworten. Manchmal kommen aber auch wirklich merkwürdige Fragen. Da wüsste ich es selbst nicht, selbst wenn ich alles gelernt hätte, was man lernen kann.

Helen
Ja, total interessant. Also ich kann nur empfehlen, Cadolzburg mal einen Besuch abzustatten und dann unbedingt bei Jana vorbeizuschauen. Lohnt sich in vielerlei Hinsicht, vor allen Dingen weil man wirklich schön einkehren kann. Also du hast es da ja auch wirklich gemütlich gemacht. Und man hat bei dir auch echt eine große Bandbreite an Auswahl. Du hast ja auch diese verschiedenen Buchclubs, die ganz unterschiedliche Genres lesen und die du mit deiner Auswahl bedienst. Was ich mich jetzt so gefragt habe, also okay, du hattest dir überlegt, das ist eine coole Idee, eine Buchhandlung mit Café zu übernehmen. Bei mir war das Risiko viel kleiner, weil alles digital war. Du hattest aber gleich einen Laden mit Übernahmekosten und Inventar, also relativ hohe Anfangskosten, hat dir das Sorgen gemacht oder hat dich das gar nicht so beschäftigt?

Jana
Also so blauäugig bin ich da nicht reingegangen und ich habe mir das einfach überlegt, ob es mir das wert wäre, wenn ich scheitere, dass ich dann halt ein paar Jährchen arbeiten und die Rückzahlungen leisten muss. Aber es ist ja immer eine überschaubare Summe gewesen.

Helen
Aber ich finde es trotzdem krass mutig von dir. Also dass du auch sagst, nee, ist okay. Also wenn ich scheitere, dann habe ich einen Plan, wie ich das wieder auffang. Ist echt cool, finde ich voll inspirierend.

Jana
Ich weiß nicht, mir kommt es irgendwie gar nicht so mutig vor, weil also gerade auch jetzt, wo ich halt, wo das alles so passt und läuft und so, bin ich halt einfach extrem glücklich, damit dass ich jetzt so arbeiten darf, wie ich hier arbeite. Und also ist alles eigentlich so jetzt gekommen, wie ich es mir erhofft habe, wenn ich sogar besser, also weil ich nicht gedacht, dass mir so viel in eineinhalb Jahren jetzt passiert schon. Und die Vorstellung, dass ich das nicht gemacht hätte und jetzt irgendwo als Buchhändlerin angestellt wäre — die kommt mir ziemlich langweilig vor. So schön der Beruf ist, für mich wäre das einfach nichts. Ja.

Helen
Aber das ist eigentlich, glaube ich, voll cool. Das wird auch oft so in der Business-Welt so beschrieben, dass du, wenn du so diese Antivision hast, also etwas, das du schlimmer findest als das Risiko, dass dich das total motivieren kann. Wir hatten, glaube ich, als wir da die Young Excellence Party hatten, habe ich auch über das Thema Mut irgendwie so gesprochen. Man sieht die Sachen, die man selbst macht, oft nicht als mutig an. Aber ich glaube, da bist du schon auch eine große Inspiration, Motivation für andere, die sich so etwas auch erträumen. Und vielleicht aber aus Angst den Schritt dann nicht wagen. Deswegen ist es echt richtig, richtig toll.

Jana
Um das mal in einen Vergleich zu bringen, es werden ja so viele Menschen Eltern, also oder gerade Mütter, und ich finde, also ich weiß es nicht, ich bin keine Mutter, deswegen weiß ich es nicht, aber ich stelle mir das ziemlich ähnlich vor, also so einen Laden zu haben, oder generell so eine Selbstständigkeit, um die man sich immer kümmern muss, die man nicht auf Pause setzen kann, die ein irgendwie immer fordert, manchmal auch frustrieren kann, wenn mal was nicht gut läuft, aber ein tausendfach was zurückgibt, wenn dann was gut läuft. Also das stemmen ja auch ganz viele Menschen und ich finde es immer so krass und mutig, ein Kind zu kriegen, wie sich selbstständig zu machen.

Helen
Also, ich liebe das Bild, damit kann ich auch viel mehr anfangen irgendwie, weil ich glaube, ich bin oft eher so, dass ich denke, wow, das ist schon irgendwie auch alles echt irgendwie… Also ich, vielleicht bin ich jetzt gerade auch eher wieder in so einer Phase, wo ich denke, es ist alles auch echt ein bisschen hart und irgendwie weiß ich manchmal nicht, ob ich das noch länger durchhalten kann. Aber du hast halt schon recht, weil auch wenn ich an den Punkt komme, wo ich denke, ich kann nicht mehr, dann weiß ich, es wäre einfacher aufzugeben, und dann denke ich immer so, ja, das finde ich eigentlich nicht so eine coole Alternative und ich glaube mit diesem Bild, dass man da im Grunde ein bisschen nicht mehr rauskommt, weil du dich damit so verbunden fühlst, Das ist halt jetzt einfach dein Weg. Damit kann ich total viel anfangen. Also, weil klar, als Eltern wird man auch, denke ich mal, Phasen haben, wo man sich denkt, ich hätte gern mal kurz eine Auszeit. also kurz nicht mehr Eltern sein. Ah ja, das kenne ich gut — aber ich finde es ein schönes Bild.

Jana
Wir sind jetzt halt einfach ein bisschen Eltern.

Helen
Ja, ja. Schon richtig gut. Was ich gestern gelernt habe, ich habe das erste Schaufenster für Mädels, die lesen. aufgebaut und die Buchhändlerin, die das mit mir zusammen gemacht hat, die in der Buchhandlung da arbeitet, die hatte mir so ein bisschen von ihrer Ausbildung erzählt, weil sie als Quereinsteigerin reingekommen ist. Mir war das überhaupt nicht bewusst und da frage ich mich, ob das vielleicht auch während Corona da nochmal anders war. Aber sie meinte, dass sie in Frankfurt dann bei diesem mediacampus frankfurt, dass das quasi der Berufsschulteil war. Und ich fand es irgendwie voll spannend, weil ich habe ja auch eine Ausbildung gemacht, bevor ich studiert habe. Und da geht man halt an die örtliche Berufsschule. Und sie hat die Ausbildung in München gemacht, hatte aber dann diese Blöcke in Frankfurt. Und dass das beim Ausbildungsberuf Buchhändlerin wohl relativ üblich ist. Also ist das auch?

Jana
Nee, ich war tatsächlich auch in der örtlichen Berufsschule. Ich glaube, das ist ein bisschen wie eine Privatschule der mediacampus frankfurt. Alle Thalia-Azubis gehen da auf jeden Fall hin, weil Thalia es zahlt. Der Betrieb kann das aber auch übernehmen. Ich bin einfach in die Nürnberger Berufsschule, weil es in Bayern eine in Nürnberg und eine in München gibt und da ich in Nürnberg gewohnt habe, war das für mich eigentlich keine Diskussionssache, weil ich glaube mein Betrieb hätte mir das nicht bezahlt, ich weiß auch nicht wie teuer das ist. Ich habe mir das aber schon immer cool vorgestellt, weil man ist da ja wirklich richtig lange am Stück.

Helen
Ja, irgendwie so ein Internat meinte ich.

Jana
Ja, genau, ja.

Helen
Und krass.

Jana
Ja, aber ich war dann halt einfach, bin halt jeden Tag normal zur Schule gegangen, immer mal wieder zwei Wochen am Stück, so blockmäßig, also ganz… Ja. Ja.

Helen
Total spannend irgendwie. Was sind so die Berufsschulanteile, die man dann lernt, wahrscheinlich auch so Sachen wie Buchhaltung oder irgendwie sowas? Ja.

Jana
So ein kaufmännischer Teil ist auf jeden Fall dabei. Das größte Fach heißt Buchhandelsprozesse — wie viele Stunden das in der Woche sind, kann ich gar nicht sagen, aber am meisten auf jeden Fall, wo man also dieses Buchinterne lernt, weil das ja schon nochmal anders ist. Also davon grenzt sich dann ja auch die Ausbildung zur Einzelhändlerin ab. sonst könnte man ja auch einfach Einzelhändlerin lernen. Ja. Genau. Und sonst natürlich das ganze Rechtliche, ja auch Buchhaltung theoretisch. Ich wünschte, man hätte es irgendwie noch mehr gelernt, weil das für mich jetzt ganz spannend wäre, obwohl das ja mein Steuerberater macht, aber ich würde es gern noch besser verstehen.

Helen
Ja, weil das frag ich mich. Hast du dich durch die Ausbildung dann auch vorbereitet, darauf gefühlt, nicht nur Buchhändlerin zu sein, sondern auch einen Buchladen selbst zu führen? Oder reicht das dafür dann nicht unbedingt? Wahrscheinlich ist es darauf nicht unbedingt ausgelegt?

Jana
Also generell lernt man in gar keiner Schule etwas, das auf Selbstständigkeit vorbereitet. Es ist ja eh ganz schlimm, da reden ja auch alle drüber, dass man in Deutschland eigentlich dazu erzogen wird, angestellt zu sein. Und deswegen haben auch alle so Angst davor, weil einem nie erklärt wird, was man machen muss, wenn man selbstständig wird. Und es ist eigentlich kein Riesending, im Nachhinein ging das alles relativ einfach — und trotzdem war ich dankbar um meine Ausbildung. Also gerade einfach um diese ganzen… Grundbegriffe zu kennen. Ich z.B. ohne die Ausbildung hätte ich jetzt nicht gewusst, wie man eine Rechnung schreibt, wie man, also was da alles vorkommen muss. Oder was Skonto bedeutet. Klar kann man sich das alles beibringen. Aber wenn ich mir diese Kleinigkeiten nach hätte zusätzlich beibringen müssen, dann hätte ich den Blick fürs Wesentliche verloren. Also da war die Ausbildung schon ganz gut als Basis.

Helen
Ja, ja irgendwie krass. Und ist das dann… Also hast du tatsächlich auch Zeit im Laden zu lesen? Oder ist das eher die Traumvorstellung, die nicht unbedingt eintritt?

Jana
Das Schwierige ist, am Anfang hatte ich relativ oft Zeit zum Lesen. Und jetzt passt das gar nicht mehr, was ja eigentlich gut ist, weil es bedeutet, dass ich tatsächlich viel zu tun habe, viele Aufträge habe, dem entsprechend auch mehr Umsatz habe. Ich vermisse es trotzdem — aber ich will ja auch nicht, dass die Arbeit weniger wird. Also, ich versuche es ab und an einzubauen. Ich glaube, es gibt auch Phasen, wo es geht. Jetzt gerade ist Schulbuchgeschäft. Das geht wahrscheinlich jetzt gerade nicht mehr so gut.

Helen
Ist es nicht klassischerweise so, dass vor Weihnachten viele Bücher gekauft werden und der Januar dann eher ruhiger ist?. Vielleicht kannst du da ein paar gemütliche Stunden mit einem Buch verbringen.

Jana
Das dachte ich auch immer, aber komischerweise, ich habe jetzt schon zwei Jahreswechsel miterlebt, den einen noch als Angestellte. Aber da war irgendwie beides mal überraschend viel los, weil ich glaube, die Leute nach dem ganzen Weihnachtsstress ein bisschen Ruhe suchen — und so eine Buchhandlung strahlt ja Ruhe aus. Und man will seine Gutscheine einlösen, die man zu Weihnachten geschenkt bekommen hat und so. Und ich glaube, dass zum neuen Jahr immer, dass sich schon einige vornehmen, dieses Jahr lese ich ganz viel und das hält dann auch noch den Januar.

Helen
Stimmt, das kann auch sein. Ja, witzig. Okay, also im Grunde wünschen wir dir keine ruhigen Lesestunden in der Buchhandlung. Aber es ist natürlich eine schöne Vorstellung, umgeben von Büchern einfach ein bisschen Zeit zu lesen. Ich meine, du kannst auch jetzt glaube ich die Aufnahme nur machen, weil ihr ja erst später dann öffnet. Sonst wäre wahrscheinlich überhaupt keine Ruhe dafür, so lange am Stück in die Kamera zu sprechen. Eine Sache ist mir eben noch durch den Kopf gegangen: Du teilst ja ziemlich viel bei Instagram, was echt cool ist, dass man dadurch einen Einblick bekommt — was vielleicht auch dazu beiträgt, dass dann mehr Leute darauf aufmerksam werden, und mehr Leute in den Laden kommen. Da sehe ich dann ja auch, wenn du teilst, dass du den und den Verlag entdeckt, da eine größere Bestellung aufgegeben und dann zeigst du die Bücher, was glaube ich dazu führt, dass Leute vorbeikommen sagen, ich will dieses eine Buch haben, was du gezeigt hast. Aber ich frage mich, wie das so läuft. Also hast du pro Monat irgendwie ein gewisses Budget, um Bücher einzukaufen? Und wie entscheidest du, was in den Laden kommt? Weil du musst wahrscheinlich immer in Vorleistung gehen und darauf hoffen, dass die dann weggehen oder wie genau funktioniert sowas?

Jana
Also ich bestelle ja das meiste schon über den Großhändler. Aus dem Grund, dass ich beim Großhändler so einen gewissen Jahresumsatz erbringen muss, um in meiner Konditionsstufe zu bleiben. Also ich versuche immer mal, auch was bei Verlagen zu bestellen, weil man da deutlich mehr Rabatt bekommt und für die Verlage ist es ja auch schön, wenn man die bestellt.

Helen
Aber du musst es vorab bezahlen wahrscheinlich, ne?

Jana
Also beim Großhändler habe ich ein Monat, also nach einem Monat wird es abgebucht, das heißt, ich habe einen Monat Zeit, das zu verkaufen. Das ist egal, ob ich genau die Bücher verkaufe, die ich gekauft habe, oder andere in dem Wert. Das haut bis jetzt ganz gut hin. Man kennt sich mit der Zeit aus, sonst ist es eine Bauchgefühlssache, wie viel muss ich jetzt noch bestellen. Ich gucke dann meistens, welche Abteilung gerade besonders leer ist, und dann bestelle ich das auch immer so schubweise. Aber ich finde es gerade auch für Instagram immer ganz schön, wenn ich merke, oh, meine Krimi-Abteilung ist leer. Dann bestelle ich zehn Krimis auf einmal und dann kann ich die in einem Rutsch vorstellen. Und das finde ich eigentlich schöner, als wenn ich von jedem Genre ein Buch nachbestelle zehn verschiedene Genres in die Kamera zu halten finde ich schwieriger. Deswegen ist eigentlich eine doppelt gute Lösung für mich. Ja.

Helen
War dir von Anfang an klar, dass du das auch so ein bisschen auf Instagram teilen möchtest, deinen Weg?

Jana
Ja, ich habe schon ein halbes Jahr vor der Übernahme angefangen. Ich habe damals sogar überlegt, YouTube dazu zu machen, aber schnell verworfen. Ja, ja. Es war einfach zu viel, und ich bin sehr froh, dass ich das nicht gemacht habe. Aber es heißt ja auch Janas kleine Buchhandlung auf Instagram, weil ich es eben nicht als Buchladen-Account laufen lassen wollte, sondern als Blog darüber, wie ich einen Buchladen übernehme. Ich habe danach gesucht und nicht gefunden, dass es so einen Account in Deutschland schon gibt. Und dann dachte ich mir: Dann wird es Zeit. Und dann habe ich halt die Nische in Anführungszeichen entdeckt und es fühlt sich auch gut an. Ich bekomme eigentlich durchweg positive Resonanz. Sehr schön. Ich freue mich da immer, wenn Leute mir schreiben, dass sie das voll spannend finden. Ja.

Helen
Ja und ich glaube das macht halt auch viel greifbarer. Ich habe noch nie so darauf geachtet, aber stimmt. Also die meisten sind ja einfach Buchhandlungsaccount oder halt Buchhändler, Buchblogger so. Mir ist zumindest noch nicht aufgefallen, dass jemand den Weg dahin und auch den Alltag teilt. Es macht für dich natürlich auch etwas aus, weil man es mit dir als Person verknüpft und wenn du doch mal irgendwie was anderes machen wollen würdest, hätten die Leute wahrscheinlich trotzdem Interesse daran mitzubekommen, was du machst — ob in der Buchhandlung oder woanders. Das ist echt schlau, Jana. Richtig gut.

Jana
Das Lustige daran ist, um das Mal am Rande zu erzählen. Ich bin ja jetzt auch bei diesem TikTok Award nominiert. Nein, echt die geile Stoffe denn? Ich habe noch nicht mal seit zwei Monaten TikTok, deswegen war das ganz überraschend, dass die mich angeschrieben haben. Und sie haben mich mit „liebes Team von Janas kleiner Buchhandlung" angeschrieben. Also weiß ich nicht, die haben vielleicht nicht so viele Recherche dahinter gesteckt oder so. Denen war nicht bewusst, dass der Laden eigentlich Calibri heißt. Aber es stört mich eigentlich nicht.

Helen
Stimmt. Aber das. Also ich kriege auch immer noch „liebes Team von Mädels, die lesen.". Dafür muss man halt ein bisschen, glaube ich, schon auch hingeschaut haben, um zu verstehen, dass es hauptsächlich eine Person ist mit dem Team. Aber das ist ja richtig cool. Glückwunsch!

Jana
Danke. Cool.

Helen
Das ist dann BookTok auch, oder was ist das?

Jana
Ja, seit letztem Jahr werden die TikTok Book Awards vergeben, ich weiß nicht genau, wie die offizielle Bezeichnung ist und dieses Jahr ist die neue Kategorie Buchhandlungen eingeführt worden.

Helen
Das ist ja toll.

Jana
Genau. Und da waren jetzt 20 Buchhandlungen in der Longlist und vier kommen jetzt in die Shortlist. Das wird aber erst am 23. bekannt gegeben. Eventuell weiß ich auch schon, ob ich dabei bin oder nicht, aber ich darf es noch nicht sagen.

Helen
Also am 23. September, ne? Weil die Folge kommt im November raus. Bis dahin ist wahrscheinlich alles klar, oder?

Jana
Ja, acht Wochen später im November. Wahrscheinlich schon. Bis dahin war dann auch schon die Buchmesse. Auf der Buchmesse wird es überreicht.

Helen
Okay, aber da darfst du jetzt wahrscheinlich nichts zu erzählen.

Jana
Das ist jetzt blöd, weil man ja weiß, dass die Folge davor aufgenommen wurde. Ja, ja, ja. Könnte ich mich disqualifizieren, wenn ich es sage?

Helen
Okay, dann gehen wir nicht weiter darauf ein. Wir drücken dir auf jeden Fall die Daumen und verfolgen das.

Jana
Ich auch, das ist ja sehr aufregend. Es gibt dann auch ein Publikums-Voting, aber da kann man leider nur mitmachen, wenn man TikTok hat.

Helen
Ah, okay. Was teilst du dann so bei TikTok ähnlich wie bei Instagram? Einfach so ein bisschen Hintergrund?

Jana
Ja, ich mache da deutlich mehr Videos, das lebt ja nur von Videos. Und dann mache ich auch oft nur so ganz kleine Sachen. Die Mimi ist meistens zu sehen, also die Ladenkatze kommt da sehr gut an.

Helen
Ja, aber ich glaube, die kommt auch bei Instagram gut an. Ich glaube, das ist auch richtig gut, weil du sie in dein Storytelling einbaust. Also voll cool. Okay, du kannst mir das ja sonst einfach nochmal schicken, dann kann ich das bei Instagram teilen. Ich glaube, es sind schon einige auf TikTok, die dann abstimmen können. Dann machen wir das einfach vor der Folge. Dann haben wir vielleicht sogar dazu beigetragen, dass da was bei rumkommt. Ich bin ganz aufgeregt jetzt. Du hast aber ja auch noch einen anderen Preis bekommen, du hast auch den Buchhandlungspreis bekommen.

Jana
Ja. Das ist jetzt schon spruchreif. Das darf man ja jetzt schon sagen.

Helen
Das ist eigentlich eh der tollste Preis. den man als kleine Buchhandlung bekommen kann.

Jana
Herzlichen Dankeschön. Das war schon ganz schön verrückt, dass das gleich geklappt hat, so im ersten Jahr mehr oder weniger.

Helen
Darauf muss man sich irgendwie bewerben, habe ich so mitbekommen. Ist man da frei in der Art, wie man sich bewirbt, oder gibt es Rahmenbedingungen?.

Jana
Es ist tatsächlich relativ streng — also, man muss ziemlich viel ausfüllen. Man muss sich eigentlich komplett ausziehen. Man muss die drei letzten Jahresumsätze angeben, was bei mir spannend war, weil das in den letzten Jahren ja nicht nur mein eigener Umsatz war. Und da muss man genauestens auflisten, welche Veranstaltungen man gemacht hat, welche Zielgruppen man da angesprochen hat, wie viele Leute dazu gekommen sind, und ob man Geld dafür genommen hat. Und bei mir war es gut, weil ich die ganzen Leseclubs angegeben habe — das sind ja Veranstaltungen, die Leseförderung sind.

Helen
Ja klar, auf jeden Fall.

Jana
Ich glaube, das kam dann auf ziemlich viele Veranstaltungen durch die Leseclubs, aber auch sonst mache ich ja relativ viele Veranstaltungen.

Helen
Glückwunsch. Herzlichen Glückwunsch. Bist du da hingefahren? Ich hatte bei einer anderen Buchhandlung gesehen, dass sie bei der Preisverleihung waren.

Jana
Ja, genau. Deswegen war ich in Berlin. Also es war in Frankfurt an der Oder.

Helen
Ah ja, genau.

Jana
Das war auch der Running Gag der Veranstaltung, dass es Frankfurt an der Oder ist. Ja.

Helen
Das ist eigentlich nicht der beste Ort, wenn man ganz Deutschland treffen will.

Jana
Ganz Deutschland, ich treffe aber halt Buchhandlungen aus ganz Deutschland. War auch mal interessant. Wir haben nicht viel von der Stadt gesehen, wir sind danach eigentlich wieder nach Berlin geflohen und haben da, also ich war mit drei Freunden da und haben dann in Berlin geschlafen und waren dann am nächsten Tag noch in den ganz tollen Buchhandlungen in Berlin unterwegs.

Helen
Voll schön. Das ist echt toll. Das ist ja auch mit einem Preisgeld verbunden, was wahrscheinlich ein bisschen Entlastung schafft. Ist das bei dem TikTok Award auch so, dass das eher um Aufmerksamkeit oder Sichtbarkeit geht?

Jana
Also, wenn man da gewinnt, gibt es auch ein Preisgeld. Das hat mich selbst überrascht.

Helen
Oh ja. Ich dachte, es geht nur um die Ehre.

Jana
Ich glaube, dass TikTok da immer mehr reinwill. Es gibt jetzt auch diese Booktok-Aufkleber oder so, oder Booktok. Ich weiß gar nicht. BookTok, also irgendwas, das bei BookTok trennt oder so was, gibt es doch jetzt auch. Es gibt diese BookTok-Bestsellerlisten. Ich finde es ehrlich gesagt inspirierend, dass die das Ganze nochmal umstülpen, was am Anfang einfach wahrscheinlich niemand wirklich ernst genommen hat. Wogegen sich bestimmt auch viele gewehrt haben und die aber jetzt einfach nicht mehr zu ignorieren sind, finde ich ziemlich cool.

Helen
Ja, das ist sehr verrückt. Obwohl sich, glaube ich, selbst die BookTok-User über diese Sticker eher aufregen. Aber bei den Stickern ist das eh immer so eine spannende Frage für mich, weil man hört eigentlich immer nur negative Stimmen, aber gleichzeitig existieren sie ja trotzdem weiter, weil es, glaube ich, doch einen Einfluss hat. Leider.

Jana
Ich habe auch viele hier im Laden, die sehen „Spiegel-Bestseller" und für die ist das ein Argument, es nicht zu kaufen. Was irgendwie blöd ist. Ich verstehe den Gedanken, aber manche Bücher sind ja auch tatsächlich zu recht Spiegel-Bestseller.

Helen
Und ich glaube, es leuchtet halt: Selbst wenn du nur grob über so ein Regal blickst, siehst du das halt direkt und wenn du sonst nicht unbedingt weißt, wonach dir gerade ist, also wenn du vielleicht auch nicht so regelmäßig liest oder so, dann funktioniert das schon ziemlich gut. Man kann sie ja sonst auch abmachen, Dass es nur in der Buchbranche so viel Diskussion um die Sticker gibt, finde ich sehr faszinierend, aber ich fand auf jeden Fall schon sehr inspirierend, dass in so einem Bereich, wo man das Gefühl hatte, da ist kein Platz mehr neben dem Spiegel-Bestseller-Sticker, dass die jetzt einfach da auch auftauchen und sich diesen Platz einfach erobert haben. Das fand ich ziemlich cool, und es hat mich dazu gebracht zu denken: Okay, ich treibe meinen Sticker jetzt einfach voran. Ich will auch ein Sticker. Wenn da noch Platz für einen Sticker war, obwohl ich dachte, es geht nicht. Wer weiß, ob es nicht noch mehr Platz gibt. Ich glaube sowieso, man lässt sich — ich zumindest — schnell von Meinungen abhalten. Und ich weiß nicht, ich habe das Gefühl, du bist vielleicht nicht so, weil dir bestimmt auch Leute im Umfeld gesagt haben: Hilfe, das kannst du doch nicht machen, voll riskant, so eine kleine Buchhandlung. Und ich habe das Gefühl, du machst die Dinge einfach, wenn dir danach ist, oder?

Jana
Ja, ich denke auch schon. Ich hatte das Glück, dass mir eigentlich niemand abgeraten hat — nur meine eine Oma, die hat mir einen Brief geschrieben, dass ich das nicht machen soll.

Helen
Oh wow, ein Brief?

Jana
Aber ich fand das eigentlich total lieb, weil es wäre schon auch komisch gewesen, wenn sie sich keine Sorgen gemacht hätten. Aber ich finde, man kann sich selbst eigentlich gut vertrauen und ich weiß auch, dass ich ein sehr reflektierter Mensch bin und dass ich mir selber nichts vormachen kann. Ich glaube schon, dass viele sich bei Selbstständigkeit etwas Falsches vorstellen. Das merke ich auch jetzt. Ich habe mir das eigentlich ziemlich genauso vorgestellt. Auch dass ich jetzt irgendwie Sehnsucht nach Urlaub habe. Das ist jetzt keine Überraschung für mich. Natürlich kommt irgendwann der Punkt, wo ich Urlaub bräuchte. Ich weiß aber auch, dass das normal ist, dass ich da mal durch muss, weil es sind immer noch die ersten zwei Jahre. Und ich glaube, ich habe dieses Selbstbewusstsein in der Entscheidung sehr ausgestrahlt. Ich kann mich wirklich nur an meine Oma erinnern, die mir aus meinem engen Kreis gesagt hat, dass ich es nicht machen soll. Alle anderen, ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sich Sorgen gemacht haben, aber auch absolut zu Recht. Sie haben aber nicht versucht, mich aufzuhalten, weil ich glaube, man hat gespürt, dass ich es tatsächlich mache, egal, was man mir sagt. Ich glaube, das habe ich einfach ausgestrahlt.

Helen
Das finde ich richtig cool und wirklich inspirierend. Danke dir auch fürs Teilhaben-Lassen. Was würdest du denn jemandem raten, wenn jetzt jemand zuhört und denkt, ich würde auch gern eine Buchhandlung mit Ladencafé führen? Würdest du sagen Go for it oder was wäre da dein Tipp?

Jana
„Go for it" finde ich eigentlich schon ein bisschen blauäugig. Aber ich denke, wenn die Umstände passen, Die Frage ist, ob einem das wert ist, sich dafür sehr aufzuopfern. Und wenn das passt, dann denke ich, kann man das auf jeden Fall machen und auch schaffen. Und dann kommt es natürlich immer noch mal auf den Ort an. Also obwohl ich es in Cadolzburg geschafft habe, wahrscheinlich ist es in einer bisschen größeren Stadt noch einfacher. Da hat man halt mehr Konkurrenz, das ist die große Frage. Ja, wirklich wahrscheinlich. Aber prinzipiell würde ich niemanden davon abraten. aber ich würde mitgeben, dass man gucken muss, ob man selbst der Typ dafür ist.

Helen
Das muss man wahrscheinlich wirklich von vielen Faktoren abhängig machen. Aber ich finde es, ich glaube, gerade hier in der Community können sich viele gut in so einen Traum reindenken, haben ihn vielleicht sogar selbst. Und ich denke schon, dass es schön ist, wenn man sich nicht direkt von den ersten Ängsten abbringen lässt, sondern zumindest sich damit mal auseinandersetzt, wie könnte das funktionieren? Wie könnte ich das auch machen? Und vielleicht hilft diese Antivision von dir: Wäre es nicht viel schlimmer, jetzt einfach irgendwo angestellt zu sein?.

Jana
Die Antivision. So schlimm ist es wahrscheinlich eigentlich auch nicht.

Helen
Aber wenn dich das antreibt, ist das sehr gut.

Jana
Voll cool. Zu dem Zeitpunkt, wo die Folge ausgestrahlt wird. Ich plane nämlich gerade mit der Inhaberin von Artemis Books, diesem coolen Buchladen in Aachen, einen Gründerinnen-Workshop.

Helen
Ich habe eben noch überlegt, ob ich nach der Aufnahme dich darauf anspreche, dass das doch was für dich wäre. Das finde ich richtig gut.

Jana
Ja, es ist schon in Planung. Sie hat schon etwas gegründet, ich habe etwas übernommen, deswegen ergänzen wir uns da gut. Und wir strahlen, glaube ich, dieses Nahbare aus: Wir haben nicht BWL studiert oder sonst was — ich habe die Ausbildung gemacht. Wenn man mich verfolgt, merkt man, dass ich an das Meiste relativ unprofessionell rangehe — und dass es trotzdem klappt. Und dass das vielleicht schöner ist als ein offizielles Gründungsseminar für 600 Euro. Vielleicht sind unsere Vorbereitungen im November schon fertig, versprechen kann ich es nicht. Aber dann kann man ja mal vorbei schauen. Vielleicht haben wir in der Zwischenzeit dazu was gepostet.

Helen
Wenn es einen Link gibt, kannst du mir den ja mal schicken. Und sonst würde ich einfach sagen, wahrscheinlich bei Janas kleine Buchhandlung vorbeischauen beim Instagram-Account. Ja, richtig cool. Sag doch noch ganz kurz, wo man dich bei TikTok findet.

Jana
Ich glaub, ich heiße da auch Janas kleine Buchhandlung. Ich habe mich letztens noch umbenannt in Janas kleines Buchcafé, aber der Name ist eigentlich Janas kleine Buchhandlung.

Helen
Okay. Ja, und sonst einfach mal nach Cadolzburg fahren und einen Besuch abstatten.

Jana
Genau.

Helen
Ich fand das richtig schön, richtig inspirierend und vielleicht hast du ja einige inspiriert, die dann in euren Gründerinnen-Workshop kommen — voll die gute Idee, weil man da gleich Fragen klären kann und ihr erzählen könnt, wie ihr es angegangen seid. Sehr gut. Richtig cool.

Jana
Danke. Danke.

Helen
Ich würde sagen, wir trinken unsere Club Mate am Meer zu Ende und kühlen uns kurz ab. Und genau, wir verabschieden uns an der Stelle von den Zuhörerinnen. Danke dir.

Jana
Ja, danke auch für die Einladung.

Helen
Super gerne.

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