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Podcast · Folge 114
Wer hat das eigentlich übersetzt?
Übersetzerin Lisa Kögeböhn über Namen, die aufs Cover gehören, 18 Euro pro Normseite, zwei Jahre unter Pseudonym – und warum sie heute bewusst Übersetzungen liest
Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise: Wo sitzen wir gerade zusammen, und welches Getränk hast du uns mitgebracht? Lisa Kögeböhn nimmt uns mit in ihre Küche, in der es nach frisch gebackenen Kardamomknoten duftet – ihrer neuen Leidenschaft. Dazu ein Chai Latte, magenschonend. Aufgenommen haben wir wie immer digital.
Lisa Kögeböhn
Literaturübersetzerin
Aufgewachsen in Norddeutschland, heute lebt sie mit ihrer Familie in Leipzig. Sie hat Literaturübersetzen in Düsseldorf und Straßburg studiert und übersetzt seit 2010 – Romane und Sachbücher, vor allem aus dem Englischen, früher auch aus dem Französischen. Zu den Autor*innen, die sie ins Deutsche gebracht hat, gehören unter anderem Megan Nolan, Coco Mellors, Kevin Kwan, Jenny Mustard und Tyler Wetherall. Sie hat mehrfach Arbeitsstipendien des Deutschen Übersetzerfonds und der VG Wort erhalten, organisiert den Literaturübersetzer*innen-Stammtisch Leipzig und macht auf Instagram sichtbar, was ihr Beruf eigentlich ist.
Von Robbie Williams zur Literatur
Fünfzehn Jahre macht sie das jetzt – 2010 der Abschluss, danach ziemlich schnell die ersten Aufträge. Der erste war eine Robbie-Williams-Biografie, und der Einstieg war so untypisch, dass sie danach sogar vom Frühstücksfernsehen angefragt wurde. Es folgten Depeche Mode, Rod Stewart, Tom Jones – bis sie von schnellen, eiligen Musikbiografien genug hatte.
Ihr Studiengang war ein dezidierter Literaturübersetzen-Studiengang, was gar nicht der typische Weg ist: Der Beruf ist nicht geschützt, viele kommen als Quereinsteiger*innen. Studiert hat sie Englisch und Französisch, dazu das Deutsche – gefühlt drei Studiengänge in einem, und rückblickend erstaunlich wenig praxisbezogen. Ein Auslandssemester in Straßburg gehörte dazu; heute übersetzt sie fast nur noch aus dem Englischen, das Französische ist eingerostet.
Warum ihr Name fast nie auf dem Cover steht
Das ist der Punkt, an dem die Folge ihren Namen hat. Lisa Kögeböhn hat bis heute kein einziges Buch, auf dessen Cover ihr Name steht – bei über fünfzehn Jahren Arbeit. Bewegung gibt es, aber von unten: Es sind vor allem Indie-Verlage, die inzwischen ziemlich flächendeckend die Übersetzer*innen aufs Cover nehmen. Die großen Verlage scheuen sich noch. Immerhin ist sie bei einigen auf den Umschlag gewandert – auf die Rückseite.
Übersetzerinnen sind einfach die Urheberinnen des deutschen Textes, also die gehören da drauf.Lisa Kögeböhn
Das Argument, das sie von Verlagsseite hört: Das Cover sei eine Werbefläche, und Übersetzer*innen hätten keine Werbewirkung. Sie nennt das einen Zirkelschluss – wer unsichtbar gehalten wird, kann sich keinen Namen machen, und wer sich keinen Namen machen kann, entfaltet keine Werbewirkung. Dabei funktioniert es in die andere Richtung genauso: Wer einmal begriffen hat, dass ein zweiter Mensch diesen Text geschrieben hat, achtet beim nächsten Buch auf den Namen.
Sie spricht das nicht nur auf Instagram an, sondern in jeder Verhandlung. Erhört wurde sie bislang nicht – die Antworten reichen von »wir überlegen das« bis »wir nennen euch ja inzwischen im Klappentext«.
Was mit dem Übersetzen zu verdienen ist
Bezahlt wird nicht pro Buchseite, sondern pro Normseite – einer festen Größe, damit die Preise vergleichbar sind. Der VdÜ, der Verband der Literaturübersetzer*innen, macht dazu alle paar Jahre eine Honorarumfrage; Lisa Kögeböhn hat die aktuelle und die vorherige mit ausgezählt.
Das liegt leider immer noch so ungefähr durchschnittlich bei 18, 19 Euro die Seite. Das sind Zahlen, von denen wir absolut nicht leben könnten.Lisa Kögeböhn
Ihrer Einschätzung nach müsste es das Doppelte sein. Dazu kommt eine Beteiligung am Verkauf – grundsätzlich. In der Praxis sind es sehr kleine Prozentsätze, größenordnungsmäßig zehn bis zwanzig Cent pro Buch, und sie greift erst ab einer Schwelle: etwa ab 5.000 verkauften Exemplaren. Das durchschnittliche Buch bleibt gern darunter. Manche Verlage setzen die Schwelle höher oder rechnen erst das Honorar gegen, bevor überhaupt beteiligt wird.
Und die Abgabefrist ist meist kaum verhandelbar, weil die Verlage ihre Programme planen. Bei englischsprachigen Titeln werden die Fristen sogar immer kürzer, damit die Übersetzung möglichst zeitgleich erscheint – sonst kaufen die Leser*innen das Original. Gleicher Text, weniger Zeit.
Auch die Unterschiede zwischen den Genres benennt sie klar: Romance, Fantasy, Kinder- und Jugendbuch werden schlechter bezahlt, weil sich das Gerücht hält, Unterhaltung sei leichter zu übersetzen. Es sind einfach andere Schwierigkeiten – dass es flüssig klingt, dass die Dialoge sitzen. Eine eigene Kunst, die nicht schlechter bezahlt werden dürfte.
Sichtbarkeit als Verhandlungsmasse
Ihren Instagram-Kanal beschreibt sie selbst als Mischung aus Anpreisen und Anprangern. Angemeldet hat sie sich, nach Jahren als Social-Media-Gegnerin, erst in der Corona-Zeit – und schnell gemerkt, dass drei bis vier Übersetzungen im Jahr wenig Stoff für einen Kanal hergeben. Also kam das Backwerk dazu. Eine Kollegin hat den Mechanismus auf den Punkt gebracht: Du servierst ihnen Kuchen und fütterst ihnen dabei heimlich die übersetzungsrelevanten Themen.
Das Ergebnis ist handfest: Sie bekommt mehr Anfragen als früher und steht damit in einer besseren Verhandlungsposition. Und der Kanal passt zu ihr, weil der Beruf introvertierte Menschen anzieht – auf Instagram ist sie sichtbar und kann sich trotzdem hinter dem Handy verstecken.
Netzwerken wäre trotzdem das Erste, was sie Anfänger*innen rät – in der Buchbranche geht nichts ohne Kontakte. Nur ist es teuer: Die Leipziger Buchmesse liegt vor ihrer Haustür, für Frankfurt überlegt sie fünfmal, spart, schläft im Hostel. Dazu Eintritt, Zugfahrt – und der Verdienstausfall für die Tage, an denen sie nicht übersetzt. Einen direkten Auftrag bringt so eine Messe nie mit nach Hause.
Zwei Jahre unter Pseudonym
Eine Zeit lang hat sie Romance übersetzt – unter Pseudonym, und zwar bewusst: Sie wollte nicht darauf abonniert werden. Denn was man einmal gemacht hat, wird einem wieder angeboten. Nach Megan Nolans Verzweiflungstaten kamen plötzlich Anfragen von Lektor*innen, die genau dieses Buch gelesen hatten. Nach Coco Mellors kamen Schwestern- und Trauergeschichten und vergleichbare junge Autorinnen.
Das kann eine Nische sein oder eine Schublade – und bei der Romance war es ihr nach zwei Jahren zu viel, obwohl sich die Reihen gut verkauft haben und sie am Verkauf beteiligt war. Sie hat freiwillig aufgehört.
Inzwischen ist sie bei dem angekommen, was sie auch privat gern liest. Ganz frei ist die Auswahl trotzdem nicht: Dieses Jahr hat sie aus rein strategischen Gründen wieder einen Schnellschuss angenommen – einen Fantasy-Schinken mit tausend Seiten, den vier Übersetzerinnen in vier Wochen gestemmt haben, in der Hoffnung, dass er sich gut verkauft. Mischkalkulation nennt sie das.
Wie so ein Arbeitstag aussieht
Ein fertiges Buch liegt so gut wie nie vor ihr – sie arbeitet mit dem PDF, oft ist der Text nicht einmal final lektoriert. Trotzdem braucht sie das Haptische: Sie druckt sich ihre Manuskripte aus, weil sie den Text auf Papier besser aufnimmt. Die Kinder haben hinterher reichlich Schmierpapier.
Für einen durchschnittlich langen Roman von rund 300 Seiten wären vier Monate gut; sie schafft etwa vier Bücher im Jahr. Bei manchen sind es zehn Seiten am Tag, bei sehr dichten oder rechercheintensiven Texten auch mal zwei – und dann verdient man an denselben Tagen entsprechend weniger.
Was sie am Beruf liebt, sagt sie ohne Umschweife: die Freiheit. Kein Chef, die Zeit selbst eingeteilt, und wenn der Kopf nach ein paar Stunden nicht mehr mitmacht, geht sie aufs Fahrrad. Acht Stunden am Stück Text produzieren funktioniert nicht – Kreativität ist nicht auf Abruf da.
Ich habe wirklich mein liebstes Hobby, einfach das Lesen, zum Beruf gemacht und darf den ganzen Tag mit Texten verbringen. Das ist traumhaft.Lisa Kögeböhn
Original oder Übersetzung?
Die Frage kam aus der Community – und sie beantwortet sie ehrlich. Früher war sie, wie sie selbst sagt, snobistisch: nur im Original. Bis ihr auffiel, wie unsolidarisch das dem eigenen Beruf gegenüber ist und wie wenig sie damit den Kolleg*innen zutraut.
Heute liest sie alles drei: Originale, um ihr Englisch aktiv zu halten. Gute Übersetzungen, gezielt von Kolleg*innen, die sie kennt und schätzt – und um zu sehen, wie andere etwas gelöst haben. Und deutschsprachige Literatur, weil das Deutsche ihr wichtigstes Werkzeug ist. Der Nebeneffekt bleibt: Beim Lesen einer Übersetzung denkt sie automatisch mit, wie der Originalsatz gelautet haben könnte. Déformation professionnelle, sagt sie – und dass sich das schlecht abschalten lässt.
Was wir daraus gemacht haben
Bei uns hat dieses Thema Spuren hinterlassen. Seit einem früheren Gespräch mit Marike Heimburger nennen wir zu jedem Buch die Übersetzerin oder den Übersetzer mit – auf der Website und in unseren Beiträgen. Auf den Cover-Posts unserer Leserunden schreiben wir den Namen sogar dorthin, wo er auf dem echten Cover fehlt. Lisa Kögeböhns Kommentar dazu: Gut, weil es zeigt, dass da noch Platz ist.
Noch mehr übers Übersetzen gibt es in Folge 133 mit Cornelia Holfelder-von der Tann.
Die Bücher aus der Folge
Verzweiflungstaten
Megan Nolan, aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn
Der Titel, der ihre Auftragslage verändert hat: Danach kamen Anfragen von Lektor*innen, die genau dieses Buch gelesen hatten. Bei Thalia gibt es davon aktuell nur die Hörbuchfassung.
Blue Sisters
Coco Mellors, aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn
Der zweite Name, der ihr Türen geöffnet hat – und der ihr seitdem Schwestern- und Trauergeschichten einbringt.
Amphibium
Tyler Wetherall, aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn
Ihre Lieblingsübersetzung bisher: ein Coming-of-Age-Roman in einer britischen Kleinstadt der Neunziger, märchenhaft, mit Anklang von magischem Realismus – und eine toxische Mädchenfreundschaft im Zentrum. Erschienen kurz vor der Aufnahme bei dtv.
Die Namen
Florence Knapp, aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn
Zum Zeitpunkt der Aufnahme lag es noch auf ihrem Schreibtisch, in den letzten Zügen. Inzwischen ist die deutsche Ausgabe da.
*Mit Sternchen markierte Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.
Wenn du wissen willst, was zwischen dem englischen Original und dem Buch in deiner Hand passiert – und was das kostet: In dieser Folge erzählt es jemand, die es seit fünfzehn Jahren macht, ohne etwas zu beschönigen.
Die ganze Folge hören
Häufige Fragen
Warum stehen Übersetzer*innen so selten auf dem Cover?
Verlage argumentieren, das Cover sei eine Werbefläche und Übersetzer*innen hätten keine Werbewirkung. Lisa Kögeböhn nennt das einen Zirkelschluss: Wer unsichtbar gehalten wird, kann sich keinen Namen machen. Indie-Verlage nennen die Übersetzer*innen inzwischen ziemlich flächendeckend auf dem Cover, die großen Verlage meist noch nicht.
Was verdient man mit dem Übersetzen von Büchern?
Bezahlt wird pro Normseite. Die Honorarumfrage des VdÜ lag zum Zeitpunkt der Folge im Schnitt bei rund 18 bis 19 Euro pro Seite – Zahlen, von denen sich nach ihrer Aussage nicht leben lässt; sie hält das Doppelte für angemessen. Genre-Literatur wird zusätzlich schlechter bezahlt als sogenannte hohe Literatur.
Werden Übersetzer*innen am Verkauf beteiligt?
Grundsätzlich ja, praktisch oft nicht. Die Beteiligung liegt größenordnungsmäßig bei zehn bis zwanzig Cent pro Buch und greift erst ab einer Schwelle – etwa 5.000 verkauften Exemplaren, die viele Bücher gar nicht erreichen. Manche Verlage rechnen zuerst das Honorar gegen.
Wie lange dauert die Übersetzung eines Romans?
Für einen durchschnittlich langen Roman von etwa 300 Seiten wären vier Monate gut. Lisa Kögeböhn schafft rund vier Bücher im Jahr; je nach Text sind es zwei bis zehn Seiten am Tag. Bei englischsprachigen Titeln werden die Fristen kürzer, weil die Übersetzung möglichst zeitgleich mit dem Original erscheinen soll.
Muss man Literaturübersetzen studieren?
Nein. Der Beruf ist nicht geschützt, viele kommen als Quereinsteiger*innen. Lisa Kögeböhn hat einen dezidierten Studiengang in Düsseldorf absolviert und hält vor allem die Beschäftigung mit der Kultur des Sprachraums für unabdingbar – ein Auslandssemester empfiehlt sie ausdrücklich.
Kann man als Übersetzerin fest angestellt sein?
Bei Verlagen praktisch nicht. Übersetzer*innen sind selbstständig und werden pro Buch beauftragt. Es kann sich ergeben, dass man die Hausübersetzerin einer Autorin wird oder ein Verlag immer wieder anfragt – eine Anstellung ist das nicht.
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Die ganze Folge zum Nachlesen
Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.
Helen
Herzlich willkommen, Lisa. Ich freue mich sehr, heute mit dir über wahrscheinlich hauptsächlich das Thema Übersetzen zu sprechen, aber ich könnte mir auch vorstellen, weiß ich nicht, vielleicht kommt auch so ein Backtipp oder so mit vor, Ich habe es ja bei dir bei Instagram gesehen. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Lisa Kögeböhn
Wir sitzen gerade bei mir in der Küche und es duftet, macht ganz schön, nach frisch gebackenen Kardamomknoten meine neue Leidenschaft. Und ich würde gerne mit dir mit einem Chai Latte, einem magenschonenden Anstoßen.
Helen
Oh, das klingt sehr gut. Ich bin immer voll skeptisch mit Chai Latte, aber ich hatte letzten, wir haben irgendwie in der letzten Jahr einen Lebkuchen-Kurs mit der Community gemacht und dann gab es auch Lebkuchen, irgendwie Chai-Sirup, halt irgendwie so was. Und der war voll gut und seitdem denke ich so, vielleicht bin ich doch für Chai Latte zu haben. Bisher war mir das oft zu würzig. Aber ich probiere es jetzt einfach nochmal mit dir und würde sagen, wir stoßen an. Ich habe dich ja, also wir sprechen auch häufig, würde ich jetzt vielleicht nicht sagen, weil wir versuchen zumindest immer auf die Übersetzerinnen von den Büchern anzufragen, die wir lesen, das gar nicht immer so leicht. Aber du bist zumindest eine Übersetzerin auf Instagram, die viel zur Arbeit von Übersetzerinnen sind halt, die auch, sag ich mal, Meinung dazu teilen und vielleicht zu Irr glauben oder zu Dingen, die vielleicht nicht so super laufen, deswegen dachte ich, dass es auf jeden Fall eine super Gelegenheit ist, dich mal hierhin einzuladen und, wie ich eben schon im Vorgespräch zu dem habe, ich glaube, dass du auch schon mal vorgeschlagen wurdest, weil es nur gerade nicht mehr von wem. Aber im Grunde gibt es ja irgendwie wahrscheinlich 1000 Dinge, die man hier mal aufklären müsste. Also wir haben schon mal mit Marike Heimburger gesprochen, wie uns auch schon, also die auch ganz viel aufgezählt hat, was wir noch besser machen können. Seitdem versuche ich wirklich quasi immer so weit den Titel oder so nenne auch. Also gut den Original Titel, vielleicht kommt das auch noch ein Punkt. Aber zumindest immer, wenn ich Autorin nenne, dass ich auch die Übersetzerin mit aufliste. Und das machen wir auf der Webseite, das machen wir in unseren Post und so, dass viel auch aus diesem Gespräch entstanden. Aber ich könnte mir vorstellen, es gibt immer noch super viel, was vielleicht immer noch nicht ganz klar ist. Vielleicht fangen wir erst mal so ein bisschen damit an, wie du hier gelandet bist. Also ich meine, du übersetzt ja auch von wirklich großen Namen, die Bücher. Wie lange machst du das schon? Wie war dein Weg dahin? Und ja, Was gefällt dir am All? Ich meine, das sind vielleicht zu viele Fragen. Fangen wir damit an, wie du hier gelandet bist.
Lisa Kögeböhn
Ich mache das tatsächlich schon seit 15 Jahren, ist mir gerade aufgefallen. Also ich habe 2010 meinen Abschluss gemacht, ich habe Literaturübersetzen tatsächlich studiert. Das ist in Düsseldorf genau, das ist ein dezidierter Literaturübersetzen-Studiengang, was jetzt gar nicht so der typische Werdegang ist. Also im Grunde ist das kein geschützter Beruf, wenn du Talent hast und dich dazu berufen fühlst, dann kannst du das auch einfach so machen. Aber ich habe es studiert, genau, und dann ziemlich schnell nach dem Studium eigentlich angefangen zu übersetzen. Meine erste Übersetzung war eine Robbie Williams Biografie.
Helen
War der gute Einstieg.
Lisa Kögeböhn
Das war sehr, sehr witzig und es war super untypisch, weil ich direkt vom Frühstücksfernsehen angefragt wurde. Weil Robbie Williams konnte man ja nicht haphhaft werden für ein Interview, die dann die nächste Option gefragt, nämlich mit. Das war sehr witzig. Ja, genau, aber inzwischen…
Helen
Oh, wow, läuft!
Lisa Kögeböhn
Inzwischen bin ich von den Musikbiografien abgekommen, die aber echt ein guter Einstieg waren, weil das zwar Sachbuch war, aber ja schon irgendwie ja sehr, sehr… Also klar, populäre Sachbuch. Also inzwischen bin ich dann aber in der Literatur gelandet, wo ich eigentlich immer hinwollte.
Helen
Aber erst koffe ich eine Konvizition, Studieus, so heißt das. Es war dann quasi immer spanisch und war so ausübersetzen, bisschen däumisch und so, man hätte dann aber quasi noch was drauf setzen müssen. Und damals habe ich überlegt, Literaturübersetzen in Düsseldorf zu studieren. Und ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit einer, die an der Uni meins irgendwie, sag ich mal, so forscht oder zumindest irgendwie grad ein Paper schreibt und das für Interviews führt. Und da ging es im Grunde darum, was hätte ich mir im Studium gewünscht jetzt für meine Gründung. Und in der Kreativbranche und in dem Zusammenhang irgendwie ist mir dann auch klar geworden, dass ich glaube ich den Weg nicht eingeschlagen habe, weil eher, sage ich, mein Negativ davon gesprochen wurde. Also ich hätte halt eigentlich nur Literatur übersetzen interessant gefunden, mein Studiengang mehr so in die Richtung Fach übersetzen und es wurde dann aber eher so davon gesprochen, oh das ist eh schwierig, ich glaube damit kam auch schon so DeepL oder wie das heißt, so als Wertebuch und solche Sachen auch. Ja, davon kannst du nicht leben und so. Und ich merke jetzt, wenn wir jetzt halt auch mit Übersetzerinnen und so sprechen, merke ich halt schon, dass das extrem schade finde. Aber natürlich auch dadurch mitbekomme, das war jetzt auch nicht total unberechtigt diese Sorge. Aber ich finde es manchmal so schade, wenn man schon vorab irgendwie vor so was gewarnt wird, würdest du angehende Übersetzer*innen warnen und sagen, Ah, überlegt euch das noch mal oder bist du total froh über die Entscheidung?
Lisa Kögeböhn
Ja, es ist tatsächlich ein zweischneidiges Schwert. Ich glaube, wer mal auf mein Account sieht es auch sehr schnell. Es ist so eine Mischung aus Anpreisen und Anprangern, die ich da praktiziere, weil natürlich ist es für mich der allerschönste Beruf und ich habe nie, nie, nie, nie bereut, den gewählt zu haben und bin damit groß im Idealismus bei der Sache, aber es ist tatsächlich wirklich einfach so, dass man nicht sehr gut davon leben kann. Also es ist kein gut bezahlter Beruf und das muss man leider in aller Deutlichkeit sagen und das würde ich auch immer Interessent*innen sagen, dass sie sich das gut überlegen müssen, ob sie den Beruf wählen, auch wenn es wirklich ein schöner Beruf ist.
Helen
Ja und das finde ich halt so traurig auch da dran, weil ich weiß nicht wie würdest du das sehen, findest du es ist auch eine Kunstform, weil du, du erschaffst ja im Grunde schon auf einen neuen Text, natürlich mit einer Vorlage, aber wie du den interpretierst sag ich mal, ist ja schon auch Übersetzerinnen abhängig und du kannst ja für gewisse Worte, sich für die eine oder andere Variante entscheiden. Würdest du sagen, für Kunst irgendwie so ein Text zu übersetzen?
Lisa Kögeböhn
Ja, auf jeden Fall. Also ich würde definitiv sagen, dass es eine Kunst ist und dass es Literatur ist, die wir da schaffen mit unserer eigenen Sprache. Es ist halt kein Schreiben nach eigenen Ideen. Aber es ist so ein Schreiben mit Sicherheitsnetz. Also jemand anders hatte die Ideen und hat die Geschichte aufgeschrieben in seiner Sprache und ich versuche halt, es mit meinen Mitteln und meiner Sprache nachzubilden oder neu zu schaffen. Und natürlich kommt da irgendwie ein neuer Text dabei raus. Einer, der ja einfach in einer anderen Sprache funktionieren muss, eine andere Sprache, die andere Mittel hat und andere Wege, um eine bestimmte Wirkung beim Leser oder bei der Leserin zu erzielen. Und das ist schon eine Kunstform, auf jeden Fall.
Helen
Und dafür ist es halt wirklich sehr unfair, nicht nur, wie schwierig es ja anfangen, auch es damit über die Runden zu kommen, sondern auch, wie wenig Sichtbarkeit ist. Also seit dem Gespräch mit Marike Heimburger haben wir zum Beispiel, Wo wir haben das jetzt gerade nochmal umgeändert. Ich muss jetzt im neuesten Post noch nachgucken, weil wir den komplett den gesamten Post zum Cover und so nochmal geändert haben. Aber zumindest bisher hatten wir dann immer einfach als freie Erfindung auf dem Cover einfach die Übersetzerin oder den Übersetzer mit drauf geschrieben, was ja häufig noch fühlt.
Lisa Kögeböhn
Ja, sehr super sie, sehr schön einfach einfügen. Aber ich finde es auch gut, also weil man einfach zeigt, hallo, hier ist noch Platz, hier könnte man jemanden einfügen und Übersetzerinnen sind einfach die Urheberinnen des deutschen Textes, also die gehören da drauf, finde ich. Nicht nur weil ich das auch nicht.
Helen
Ja, aber ich check auch gar nicht so, also weil Illustrator stehen ja auch zum Beispiel eigentlich in der Regel immer drauf, wenn es jetzt irgendwas mit Zeichnungen oder sowas ist.
Lisa Kögeböhn
Leider auch glaube ich noch nicht immer und ganz selbstverständlich, aber im Grunde klar. Die stehen zu einem häufiger.
Helen
Ja, genau. Ja, und ich checke es irgendwie nicht. Ist das so was, wo du auch manchmal Diskussionen mitführst, mit Verlagen oder so? Also bekommst du da irgendwie eine Antwort drauf? Oder ist das eher so etwas, was du für dich auch schon ein bisschen abgehakt hast?
Lisa Kögeböhn
Nee, voll. Seit ich irgendwie angefangen habe, mich auf Instagram, ja, weiß ich nicht, zu engagieren oder zu positionieren und Sichtbarkeit zu fordern, habe ich natürlich auch angefangen, dass den Verlagen gegenüber selbst zu äußern. Das wäre ja quatsch, wenn ich das nur irgendwie auf Instagram täte. Ich versuche schon in jeder Verhandlung das anzusprechen und zu sagen, das einfach auch als Verhandlungsmasse irgendwie zu nutzen, dass ich inzwischen sichtbarer geworden bin, aber meine Forderungen nach hier, Leute, überlegt doch mal, schreibt uns doch mal bitte aufs Cover, die sind bis jetzt nicht erhört worden. Außer so, ja, wir überlegen das immer mal und ja, vielleicht machen wir es ja mal oder ja, wir nennen euch ja inzwischen hinten auf dem Klappentext. Also bei einigen Verlagen sind wir schon immerhin auf den Umschlag gewandert, aber auf die Rückseite. Ja, da muss sich noch einiges tun, finde ich.
Helen
Ich finde, das ist nicht so richtig nachvollziehbar, die Verstander.
Lisa Kögeböhn
Ja, das gerne angeführte Argument ist ja, dass das Cover sei eine Werbefläche und wir hätten mal keine Werbewirkung, wo ich mir auch denke, ja, hallo, das ist irgendwie ein Zirkelschlussargument, denn wenn wir uns keinen Namen machen können, weil wir unsichtbar gehalten werden, dann können wir auch nicht irgendwie eine Werbewirkung bekommen. Also, das hängt ja alles miteinander zusammen. Wenn wir auf dem Cover stehen würden und die Leute sich bewusst machen würden, ah, guck mal, das hat Marike Heimburger übersetzt, die hat doch immer so tolle Sachen gemacht, das kaufe ich mal. Also das kann ja auch ein Verkaufsargument sein, oder?
Helen
Ja voll, also ich weiß zum Beispiel, dass, also ich glaube, wenn ich irgendwie leben würde, dass Isabel Bock dann zum Beispiel das übersetzt hat, würde ich das glaube ich kaufen, weil ich halt mittlerweile irgendwie ein paar von ihr gelesen habe, wo ich dachte, oh das gefällt mir. Also ich glaube, man entwickelt dann ein Gefühl für bestimmte Namen und denkt so, kenne ich irgendwo her schon und also ich glaube schon.
Lisa Kögeböhn
Ja, also klar, in dem Moment, wo man sich einmal bewusst gemacht hat, was die Übersetzerin für den Text ist oder dass es eine zweite Instanz gibt, durch die dieser Text geflossen ist. Also, man muss ja erst mal darauf aufmerksam werden, dass Übersetzerinnen überhaupt da sind und was ihr Anteil am Text ist. Aber klar, wenn man das sich einmal bewusst gemacht hat und dazu gehört natürlich, dass wir sichtbar sind, kann man sich denken, hey ja, die ist toll, nach deren Texten halt ich ausschaue. Also glaube ich auch, dass das irgendwie einträgt, also vielleicht ne so eher langfristig, aber ich glaube schon, dass das eintreten würde.
Helen
Hast du schon ein Buch, also ein von dir übersetztes Buch, wo du auf dem Cover stehst?
Lisa Kögeböhn
Bisher noch nicht.
Helen
Das wird Zeit. Ja, aber schön.
Lisa Kögeböhn
Genau, es sind interessanterweise vor allem Indie-Verlage, die inzwischen ziemlich flächendeckend uns auf dem Cover nennen, aber die größeren Verlage scheuen dann noch etwas vorzubekommen.
Helen
Verrückt. Was ich irgendwie grüße, na? Also ich hab's ehrlich gesagt noch nichts von ihr gelesen, aber ich bewundere sie irgendwie so, weil sie ja auch bei Instagram so aktiv ist. Du übersetzt auch die Bücher von Coco Mellors, spricht man das so aus? Ich weiß gar nicht.
Lisa Kögeböhn
Ja, Coco Mellors, ja.
Helen
Ja. Und da denke ich halt so, sind hier auch schon, also auch andere große Namen bei dir dabei, ist das, also macht das was aus? Für dich auch für deine Reputation, dass du bekannte Namen übersetzt oder ist das nicht ganz so relevant? Und es geht zum Beispiel eher vielleicht um die Zahl der Aufträge oder sowas?
Lisa Kögeböhn
Nee, ich hab das auf jeden Fall gemerkt. Also das erste Mal, dass ich das gemerkt hab, war nachdem ich Megan Nolan übersetzt habe, Verzweiflungstaten. Und das war der Zeitpunkt, und nachdem ich auf einmal Anfragen bekam, wo die Lektor in den geschrieben haben, hey, ich habe Verzweiflungstaten gelesen, das hat mir so gut gefallen, deshalb wollte ich die anfragen. Und das war auf einmal so, whoa, okay cool. Und Coco Mellors ist ganz klar auch ein Name, der mir hilft, ja, auf jeden Fall. Oder das mir eben, also bei Coco Mellors ist es so, dass mir jetzt ähnliche Bücher angeboten werden sei es irgendwie von den Themen bei Blue Sisters sind das Schwestern-Geschichten, Trauer Geschichten, kamen danach irgendwie einige Anfragen oder eben so vom Stil her oder vergleichbare jüngere Autor in die Autorinnen in jedem Fall.
Helen
Ja, voll spannend irgendwie also ich meine da denke ich dann so dann wird es ja wahrscheinlich schon einen Effekt haben wenn du immer auf dem Cover stündest, weil man das dann…
Lisa Kögeböhn
Auf jeden Fall.
Helen
Also ich vermute jetzt mal, dass Lektor*innen ähnlich sind, weil ich lese immer diese bibliografischen Angaben am Anfang. Ich finde das irgendwie immer spannend, was da so drin steht. Vermutlich sind Lektor*innen ähnlich, aber es würde halt mehr irgendwie ins Auge stechen und auch ohne, dass man es gelesen hat, würde man es ja sehen, wenn man vielleicht mehr Buchhandlung steht oder so, würde einfach der Name da hervorblitzen. Aber ich finde das irgendwie spannend. Wahrscheinlich wird es dann vielleicht schon so gesehen, du hast dich ja wahrscheinlich auch ins Thema Schwesterenschaften eingelesen, dass du jetzt Expertin bist und kannst solche Bücher übersetzen. Oder was meinst du, das hat das damit aus sich, dass du jetzt für solche Bücher angefragt wirst?
Lisa Kögeböhn
Ich glaube, das ist wirklich ganz einfaches menschliches Gehirn funktionieren, so dass man eben dann jemanden assoziiert mit so einem Buch oder so einer Art von Literatur. Also das war, glaube ich, es war in allen Phasen meines Übersetzens jetzt so, dass mir ähnliche Projekte angeboten wurden. Und es kann toll sein, wenn man schöne Bücher übersetzt, so wie ich das jetzt tu, aber es kann auch ein Fluch sein Bei den Musikbiografien ganz am Anfang war es okay, da habe ich dann so nach Robbie Williams kam, Depeche Mode und Rod Stewart und Tom Jones, solche Sachen. Da hatte ich dann auch irgendwann genug von, genug von schnellen, eiligen Musikbiografien. Ich habe dann aber eine Zeit lang sexy Romance unter Pseudonym übersetzt. Übersetzt und das habe ich genau aus dem Grund und Pseudonym gemacht, weil ich nicht darauf abonniert werden wollte. Also ich wollte einfach nicht als Romance Übersetzerin quasi abgestempelt werden und nur noch so was Angeboten kriegen, weil ich mir selber da irgendwie den Absprung halten wollte. Und nach zwei Jahren war mir das auch echt zu heftig. Also ich habe dann freiwillig damit auch gehört, obwohl ich noch weiter hätte machen können. Ich da auch einige Buchreihen hatte, die sich gut verkauft haben, wo wir dann ja auch am Verkauf beteiligt werden. Also das hat sich voll benohnt für mich. Aber ich habe dann damit aufgehört, weil ich das einfach, ich konnte das nicht mehr, das war. Und das ist definitiv etwas, was man beobachten kann. Dass man das, wofür man sich bewährt hat, dass man dafür wieder angefragt wird.
Helen
Kann man sich da wahrscheinlich wie so eine Nische schaffen? Oder ist das vielleicht sogar Vorteil, wenn man definitiv so ein Problem ist?
Lisa Kögeböhn
Genau. Das finde ich richtig spannend.
Helen
Auch dass du das mit dem Pseudonym gesagt hast, darüber habe ich noch viel nachgedacht. Das gibt ja auch manchmal bei Outdoor-Innen. Da bin ich auch manchmal schon neugierig und frag mich, was bringt das genau? Aber darüber habe ich noch nie nachgedacht, dass das bei Übersetzer*innen gibt. Ich bin total interessant.
Lisa Kögeböhn
Ja, klar. Also das ist gar kein Problem. Das kann man so machen. Man kann auch mehrere Pseudonyme haben.
Helen
Voll interessant irgendwie. Ja, da oben hatte ich tatsächlich noch den Gag gedacht. Aber ich finde es irgendwie auch ein spannender Gedanken. Ich meine, wahrscheinlich gerade am Anfang nimmt man ja auch so ein bisschen was man kriegen kann. Aber dass man dann durch die Auswahl der Titel vielleicht auch sich so eine gewisse Nische irgendwie erarbeiten kann mit Dingen oder mit Büchern, die man dann auch interessant findet.
Lisa Kögeböhn
Genau, also im positiven Sinne die Nische oder im negativen Sinne die Schublade, in der man womöglich verplandet. Ich glaube, ich bin oft eher so auf der optimistischen Seite, aber das stimmt natürlich.
Helen
Ich denke gerade vielleicht, das war wahrscheinlich der Sorge auch bei den Romance-Titeln, dass das dann wieder die Schublade ist statt. Verstehe ich total. Ist das also das, was du jetzt so übersetzt, würdest du auch sagen, dass das auch das ist, was du echt gerne liest oder war ich das von dem ab, was du gerne magst?
Lisa Kögeböhn
Ich bin in den letzten Jahren tatsächlich da angekommen, bei dem, was ich auch gerne lese. Das ist sehr, sehr beglückend. Ich bin aber dieses Jahr gerade wieder davon abgewichen, nur das anzunehmen, was ich auch gerne lese, weil ich jetzt wieder so den strategischen Gedanken hatte, einfach aus diesem Berufs-Fatalismus heraus, dass wir einfach schlecht davon leben können, dass ich mal wieder so einen krassen Schnellschuss angenommen habe, Also so ein Fantasy-Schinken mit 1000 Seiten, denen wir dann zu viert innerhalb von vier Wochen runtergerockt haben. Das ist natürlich irgendwie etwas völlig anderes, völlig anderes Arbeiten, aber dann einfach in der Hoffnung, dass sich das gut verkaufen wird. Also ganz opportunistisch. Und das… Ja, also die schönere Variante ist natürlich Bücher anzunehmen, wo du dir denkst, wow wie toll, darin will ich versinken und mich jetzt die nächsten 3, 4 Monate auch versenken, weil genau das müssen wir ja machen. Wir leben ja mit diesem Buch. Genau, aber da ist durchaus, ja, muss man manchmal auch strategisch überlegen, was man für Bücher annimmt und ob man nicht vielleicht doch so eine Art Mischkalkulation dann fährt.
Helen
Ja, voll. Aber also wenn du das Teil merkst, das finde ich ja irgendwie total spannend, weil ich bin gerade ganz, das vielleicht hatten wir das hier schon mal, weil es hatte ich jetzt irgendwie nicht mehr so ganz abgespeichert. Also du verhandelst dann wahrscheinlich irgendwie einerseits irgendwie so einen festen Satz, den du nach Abschluss oder so bekommst, also nach Abschluss der Übersetzung, wahrscheinlich verhandelst du auch den Zeitraum, indem du das übersetzt, indem ich an. Aber ist es standardmäßig so, dass du auch eine Beteiligung am Umsatz irgendwie bekommst? Oder ist das Verhandlungssache?
Lisa Kögeböhn
Ja, genau. Wir werden grundsätzlich pro Seite bezahlt, und zwar nicht pro Buchseite, sondern pro Normseite. Das ist so eine feste Größe, feste Formatierung, damit es vergleichbar ist, dass es unser Seitenpreis, den wir als Grund Honorar bekommen, genau die Frist, ist meist nicht sehr verhandelbar die Abgabefrist, weil die verlagen natürlich ihre Programme planen und uns dann so anfragen, wie kannst du das bis dahin machen. Aber genau, wenn wir das Buch dann abgegeben haben und es erscheint und sich das gut verkauft, dann sind wir grundsätzlich am Verkauf beteiligt, mit sehr geringen Prozentsätzen, also, meinetwegen 10, 20 Cent pro Buch vielleicht, aber auch erst nach gewissen Schwellen. Das ist das, weshalb ich sage eigentlich oder grundsätzlich sind wir an Verkauf beteiligt, denn bei den Verlagen werden diese Schwellen, ab denen wir beteiligt sind, also sagen wir, 5000 Exemplare müssen sich verkauft haben und ab dann greift unsere Beteiligung. 5000 ist leider so eine Zahl von Büchern, die müssen erst mal geschafft werden. Also das durchschnittliche Buch bleibt gerne darunter oder spielt so um die 5000 und es gibt auch Verlage bei denen diese Schwellen höher sind oder die dann sowas haben wie eine Verrechenbarkeit also dass erst unser Honorar wieder mit eingespielt werden muss bevor wir überhaupt beteiligt werden es gibt da unterschiedliche Modelle die ganz klar zeigen dass die Verlage natürlich am längeren Hebel sitzen und wir da zwar verhandeln können, aber in den meisten Fällen nicht so viel erreichen.
Helen
Aber sind es zwei Sätze, die du irgendwie erst mal festliegt für dich oder mit denen du in die Verhandlung reingehst oder ist das so, dass der Verlag sagt, das zahlen wir pro Seite und dann verhandelst du, ob das für dich passt?
Lisa Kögeböhn
Genau, also der Verlag geht in die Verhandlung rein und sagt, wir zahlen so und so viel pro Seite. Also ich kann ja mal Zahlen nennen. Der VdÜ, unser Verband, der macht alle paar Jahre so Honorar-Umfragen. Ich habe die aktuelle mit ausgezählt und die letzte auch und das liegt leider immer noch so ungefähr durchschnittlich bei 18, 19 Euro die Seite. Das sind Zahlen, von denen wir absolut nicht leben könnten. Also das müsste eigentlich das Doppelte sein. Genau. Und wenn die Verlage dann in die Verhandlungen und sagen, wir zahlen 20 Euro die Seite, also schon ein okayer Preis. Und ich sage, nee. Das Doppelte. Das Doppelte sage ich nicht, weil ich natürlich weiß, wie unrealistisch das ist. Aber inzwischen habe ich tatsächlich dank Instagram und meiner Sichtbarkeit, die ich da habe, wirklich mehr Anfragen als ich es früher hatte und deshalb in einer ganz guten Verhandlungsposition. Aber das ist etwas, was sich echt über die Jahre und jetzt eben auch über die Sichtbarkeit erst ergeben hat.
Helen
Nee, ich hab noch was auf die Finde, das ist wirklich echt spannend, weil ich mir auch vorstellen kann, wie frustrierend das manchmal ist, wenn man sowas auswertet. Weil einer ist wahrscheinlich auch angenommen zu wissen, wenn man ist nicht alleine im Boot, aber irgendwie verbessert das ja auch die Lage nicht, wenn bei allen die Preise so niedrig sind. Ich freu mich, gibt es da irgendwie wie so Topübersetzer, die dann kras andere Preise bekommen? Oder ist das wirklich einfach durch die Bank weg bei den meisten ungefähr gleich? Und dann weiß man das mal nicht so genau.
Lisa Kögeböhn
Ich würde sagen, da gibt es natürlich Schwankungen nach oben und nach unten. Und es kommt vor allem natürlich auch darauf an, was man übersetzt. Also es ist schon so, dass Genre Literatur, wenn man es denn so nennen will, Also Romance, Fantasy oder auch Jugendbuch und Kinderbuch schlechter bezahlt werden, weil es vermeintlich einfacher ist. Also es hält sich immer noch das Gerücht, dass Unterhaltung leichter zu übersetzen ist. Es sind aber einfach nur völlig andere Schwierigkeiten, die sich da stellen. Also man schraubt eben nicht an jedem Wort und an jedem weiß ich nicht, stylistischem tollen Bild, sondern einfach daran, dass das flüssig klingt und dass das locker klingt, dass die Dialoge gut sind und das ist eine völlig eigene Kunst, die jetzt nicht schlechter bezahlt werden dürfte. Aber es ist, glaube ich, nicht so, dass es jetzt die berühmten Übersetzerinnen gibt, die jetzt wahnsinnig viel höhere Honorare kriegen als andere. Ich glaube, klar gibt es da einen Spielraum, aber jetzt keinen riesig großen.
Helen
Was ich gerade so dachte, aber da, also ich bin immer für mich wieder absolute Newbie in der Branche, aber ich dachte, was es gibt, auch so Corporate Influencer, gibt es auch Corporate Übersetzer und bringt das ein Vorteil, wenn es das gibt. Ich dachte, dann hat man vielleicht zumindest die Sicherheit über so ein festes Gehalt. Aber ich weiß nicht, was es gibt.
Lisa Kögeböhn
Ja, das, nee, das gibt es leider gar nicht. Also wir sind immer selbstständig. Wir werden immer nur pro Buch von den Verlagen beauftragt. Also klar ist es so, dass man irgendwann die Hausübersetzerin von einer Autorin vielleicht wird oder dass der Verlag viel zufrieden mit deiner Arbeit ist und dich immer wieder anfragt. Das gibt es natürlich. Aber wir sind wirklich eigentlich nie irgendwo angestellt bei Verlagen, das geht es gar nicht.
Helen
Das war doch ganz schlecht, vielleicht für Übersetzer, die auch so ein bisschen Sicherheitsbedürfnisse haben, die es ja aufgeben.
Lisa Kögeböhn
Die soll es geben, ich glaube, da zählen wir uns alle dafür dazu.
Helen
Also, finde ich eigentlich nur wunderlich irgendwie. Also, weil ich irgendwie auch so denke, ob das nicht auch aus Verlagssichtsschau wäre. Irgendwo muss man diese Frage auch mal platzieren können.
Lisa Kögeböhn
Ja, na ja, ich mein, wir sind natürlich sehr vielseitig in dem, was wir können oder in welche Sprachen und Stile wir reinschlüpfen können. Aber es ist ja schon so, dass man, oder dass sich auch die Verlage bei jedem Buch neu überlegen, wen fragen Sie dafür an? Für wen, also, ne? Für wen könnte das in Frage kommen? Wer kennt sich mit dem Thema gut aus? Wer kann diese Sprache irgendwie besonders gut rüberbringen? Wer hat vielleicht was Ähnliches übersetzt und könnte sich dafür ereignen? Also da spielen ja viele Faktoren rein. Netzwerken ist auf jeden Fall das Erste, was ich Anfänger*innen raten würde. Das ist etwas, was mir total schwer fiel. Anfangs völlig wirklich. Also der Beruf bringt es einfach mit sich, dass man eher ein introvertierter Mensch ist und lieber im stillen Kämmerlein sitzt mit seinem Text und nicht auf irgendwelche Branchen treffen geht oder irgendwie auf der Messe groß hausieren geht. Aber genau das ist es halt, was etwas bringt. Also man muss Kontakte knüpfen, in der Buchbranche geht einfach nichts ohne Kontakte.
Helen
Ja, ich merke das irgendwie auch immer wieder. Aber ich finde auch, das ist etwas, für mein Geld und Zeit und mit Zeit ja auch immer Geld braucht irgendwie. Also es wird total oft einfach ausgeklammert, so ist ja schön und gut, sich auf irgendwelchen Events zu tummeln, aber du hast dadurch ja auch Arbeitszeitausfall und du musst meistens zu diesen Events kommen.
Lisa Kögeböhn
Total, also nimm mal die Frankfurter Buchmesse. Die Leipziger Buchmesse ist für mich total praktisch, weil ich in Leipzig wohne und noch dazu sind halt die Kosten da gar nicht so hoch, aber wenn ich nach Frankfurt fahre, ist das, also das überlege ich mir, weiß ich nicht, fünfmal oder spare dafür und wohne dann im Hostel, im Rotlichtviertel, weil das einfach der Wahnsinn ist, was man da alleine für Hotelkosten zahlen muss, die Eintrittspreise, die Zugfahrt hin und dann sind wir ja noch nicht mal bei so was wie Verdienstausfall, also die drei Tage, die ich dann eben nicht arbeiten kann. Das ist bei Selbstständigen ja immer das Ding. Aber klar, das bringt dann vielleicht…
Helen
Potential danach auch noch fällt so aus. Also wie oft sieht man das in allen Stories, dass Leute krank geworden sind bei der Messe.
Lisa Kögeböhn
Der Messeschnupfen. Genau.
Helen
Ach, das ist schon krank.
Lisa Kögeböhn
Ja, ja klar und es ist halt kein direkter Benefit, den du hast. Also es ist halt nicht, du gehst nach Hause und hast sofort einen Auftrag in der Tasche, Sondern du hast halt Klinken geputzt, du hast kolleginnen getroffen, du hast dich vielleicht mit Lektor*innen getroffen, mit denen du schon mal gearbeitet hast oder mit denen du jetzt gerade ein Projekt hast. Aber die geben dir ja nicht sofort was Neues oder wenn man am Anfang steht, dauert es halt wirklich wirklich lang, bis man sich da was auch gebaut hat, wo auch irgendwann mal ein konkreter Auftrag herauskommt.
Helen
Also irgendwie habe ich das Gefühl, dann ist es so zeitlich um so vielleicht sogar echt schlauer direkt in die eigene Social Media Online Präsenz irgendwie zu investieren, weil da kann man sich vielleicht vielleicht schnell einen Namen machen und ist auf dem Radar von Leuten.
Lisa Kögeböhn
Ja, also ich habe da nur gute Erfahrungen mitgemacht. Vor allem finde ich das angenehme bei Social Media ist, dass ich zwar sichtbar und präsent bin, aber ich kann mich immer noch hinter meinem Handy verstecken. Also das…
Helen
Oh, das fühle ich so auf.
Lisa Kögeböhn
Kommt meiner introvertierten Seele dann irgendwie doch zu passen.
Helen
Das fühle ich auch sehr, das merke ich ganz oft. Also ich muss auch sagen, ich vergesse manchmal, was ich so an damit halt hab und dann wenn ich irgendwie so nennst wie doch gar nicht. Aber so, die meiste Zeit blende ich das irgendwie aus, weil ich bin halt hier alleine, wenn ich das einspreche oder so. Genau. Also ich fühle das sehr, sehr gut nachvollziehen.
Lisa Kögeböhn
Ich hab dann manchmal diesen Moment, wo ich mir dann die Anzahl von Leuten, die das jetzt gesehen haben, so als Menge vorstelle. Das ist auch der Versuch, zu kommen. Dann kommt der Moment, wo ich denke, oh, okay. Das versuche ich ganz doll zu vermeiden.
Helen
Zumal halt Messe finde ich auch so krasse Reizüberflutung ist. Deswegen steht es immer so, dass ich bei der Messe denke, ah, ich glaub das war vielleicht meine letzte und dann bin ich kurz vorher so froh und denke, vielleicht doch einmal vielleicht doch noch jetzt.
Lisa Kögeböhn
Genau, verdrängt man es wieder, wie das war.
Helen
Ja, total. Ich hatte im Vorfeld eine Frage bekommen, ob du lieber jetzt, ich glaube für dich privat wahrscheinlich, im Original liest, wenn es möglich ist oder eine Übersetzung und da steht hinter klassiker Frage, ich weiß nicht was du aus andauernd gefragt hast?
Lisa Kögeböhn
Nö, das ist aber eine gute Frage. Also ich werde das jetzt nicht so häufig gefragt, aber es ist etwas, über das ich auch schon oft nachgedacht habe. Ich war früher total snobistisch, kann man es vielleicht nennen, und habe immer gedacht, oh nee, ich lese auf jeden Fall im Original, bis mir dann aufgefallen ist, wie unsolidarisch bin ich eigentlich mal im eigenen Beruf gegenüber oder wie wenig traue ich meinen kollegInnen zu, dass ich denke, ich müsste das im Original lesen.
Helen
Ah, voll spannender Gedanke.
Lisa Kögeböhn
Ja und habe mir dann irgendwann bewusst vorgenommen, Übersetzungen zu lesen, weil ich daraus auch total viel ziehen kann. Also ich lerne auch total viel beim lesen von Übersetzungen, wie Kolleginnen irgendwas lösen oder wie sie einfach mit der deutschen Sprache umgehen. Also es hat alles vor und nachteile. Also ich lese gerne Originalbücher im Englischen halt, um mein Englisch zu trainieren und irgendwie aktiv zu halten und auf dem Laufen hin zu sein. Ich lese aber auch gerne gute Übersetzungen, gerne gezielt übrigens von Kollegen, die ich kenne und schätze. Da werden wir wieder bei der Sichtbarkeit. Und ich lese natürlich auch gerne deutsche Literatur, um mein Deutsch zu schulen, weil das ist ja mein wichtigstes Werkzeug.
Helen
Ich bin spannend zu sehen, weil ich merke, dass selbst bei mir dann manchmal, dass ich irgendwie was lese im Deutschen, was übersetzt wurde und dann so denke, ah, ich glaube der Original-Satz war wahrscheinlich so und so. Und das ist bei dir wahrscheinlich so am laufenden Band während du…
Lisa Kögeböhn
Ja, das ist die Déformation professionnelle. Das ist sehr… Das ist total störend. Also…
Helen
Kannst du dich dann verankern, oder auf allen Orts? Oder…
Lisa Kögeböhn
Ja, genau. Ja, das bleibt an. Das ist so verankert irgendwie, dass ich das schlecht ausschalten kann.
Helen
Ich habe das schon ein paar Mal hier erzählt, aber ich habe meinen Studium total geniebt, ohne dass irgendwie so wirklich klar war, was man dann damit macht. Deswegen habe ich mich aus meinem Studiengang etwas sehr kritisiert, aber ich bin eher so live in the moment. Ich fand es total toll. Aber wir hatten dann so Kulturraumstudien. Ich glaube, das war mein Favorit. Also ich hatte die Sprachenkombi Englisch-Spanisch und ich habe Englisch halt in beide und spanisch nur weißeinig ins deutsche und dann hatte man pro spracher kulturraum studieren konnte sich da dann nochmal eben für den kulturraum entscheiden und dann hatte ich bei Englisch Großbritannien und bei spanisch glaube ich südamerika oder irgendwie so und für mich war das persönlich einfach total toll weil mein vater war ein paar jahre vorher gestorben ich bin nichts weiß brav aufgewachsen und ich hatte so das gefühl das so ein bisschen wie so nachholen zu können weil im grunde auch entscheidende Lebensphase war, wo ich vielleicht dann zu dem Zeitpunkt lang … Also ich weiß, oder ich hab's, vielleicht hatte man's auch früher gemacht, aber ich hab's auch jedenfalls früher nicht gemacht, so ein paar Fragen einfach mal zu stellen. Und in dem Studium, in diesem Kurs ging's dann auch so darum, dass Kinder, dass ich nicht im Herbst für Spiele spielen werden, die Kastanien fallen oder also solche Sachen oder was für Sachen man vielleicht als Kind vorgesetzt bekommt an Essen oder so. Und ich fand das super genial. Es ist aber halt, Also ich habe an einer Fachhochschule, jetzt technische Hochschule studiert, dadurch natürlich irgendwann mal so ein bisschen mehr verschult auch, eine Praxis nahe manchmal. Hattest du so was bei dir im Studium dann auch? Weil an sich finde ich es nicht verkehrt, dass man ein bisschen wie so einen allgemeinen Wissenschatz kennenlernt von dem Land.
Lisa Kögeböhn
Definitiv ist das super sinnvoll und auch zum Übersetzen. Es ist ja unabdingbar, dass man sich mit der Kultur beschäftigt des Sprachraums, aus dem man übersetzt. Klar. Also ich habe Literaturübersetzen noch auf Diplom studiert. Das war, bestand quasi aus den Literatur- und Sprachwissenschaften von drei Sprachen. Also wir haben zwei Sprachen studiert. Ich habe Englisch und Französisch gemacht und dann eben das Deutsche. Das waren quasi drei Studiengänge einem und dann hat man Germanistik ja auch noch gemacht. Und damals, also zumindest damals war es erstaunlich wenig Praxisbezogen, fand ich. Ich hoffe, dass das inzwischen, weil es ja seitdem umgestellt wurde auf Master, dass das ein bisschen anders ist und dass das praktischer ist, aber ob ist solche Kurse inzwischen gibt, weiß ich nicht, was natürlich hilft, in dem Fall ist, in Auslandssemester zu machen. Ja, ich habe eins gemacht. Ich war in Straßburg. Also ich übersetze zwei jetzt aus dem Englischen nur noch, das Französisch ist mir leider eingerostet, aber genau damals war ich in Frankreich und das ist natürlich irgendwie die beste Art und Weise, sich mit der Kultur vertraut zu machen.
Helen
Ich weiß, ich habe das in Kolumbien dann gemacht. Und mein Spanisch ist auch leider sehr, sehr eingerostet. Also, es ist eigentlich so ein bisschen schade. Aber ich glaube, ich dachte halt, nach Großbritannien komme ich auch so irgendwie immer wieder mal. Und Amerika hat mich nicht so gereizt. Aber ja, also ich würde es auf gar keinen Fall missen wollen. Ich empfehle, das jedem mal so ein Auslandssemester zu machen. Machen. Ich habe auch zuletzt für eine Behörde, würde ich irgendwie sagen, gearbeitet, die sich genau dafür eingesetzt hat, weil mir das auch so im Herzen liegt. Aber ja, vielleicht kann man da zumindest auch mal drüber nachsetzen, wie man das in Zukunft nutzen möchte, diese Erfahrung. Aber irgendwie schon spannend auch ein bisschen so einen Einblick in das Studium zu bekommen, weil ich eigentlich auch verrückt finde, darüber habe ich zum Beispiel früher auch nie nachgedacht, ich habe immer, wie gesagt, oder mache das glaube ich auch jetzt noch, dass ich eher so in dem Moment lebe und wenn mir das jetzt Spaß macht, dann macht es mir halt jetzt Spaß, aber häufig ist ja eigentlich auch so ein Studium auch irgendwie damit gleich gesagt, dass man später auch ganz gut verdient und das finde ich total verrückt hier, weil die sich das ja auch Zeit und Geld gekostet hat, in deine Ausbildung zu investieren. Und also, wie unfair ist das irgendwie? Ich finde, wir müssten eigentlich irgendwie alle auf die Straße gehen dafür und sagen, hey, das geht so nicht.
Lisa Kögeböhn
Ja, das ist halt das Ding, genau. Wir könnten auch streiken vielleicht, aber können wir damit eine Wirkung erzielen, ist natürlich die Frage. Wir sind zwar organisiert im Verband, aber natürlich sind nicht alle Übersetzenden in dem Verband organisiert, gerade weil es auch ein freier Beruf ist und einer, der nicht an irgendwelche, gerade nicht an einen Studium gekoppelt ist, sondern auch viel aus Quereinsteigern besteht. Ja, das wäre schön, wenn man irgendwie mal einen Hebel fände, der wirklich die Bedingungen verbessern kann.
Helen
Ist es so ein bestimmtes Alltag beim Übersetzen? Und was magst du daran am meisten? Oder ist es vielleicht, dass du nie gleich auf mich schaffst?
Lisa Kögeböhn
Ich liebe es total, dass ich in meinem Alltag eigentlich total frei bin, auch wenn er natürlich in der Realität dann allein dadurch, dass ich Kinder habe, sehr strukturiert ist, so von den Zeiten her. Aber im Grunde kann ich arbeiten, wann ich möchte und wo ich möchte und wie ich möchte. Ich kann mir meine Zeit einteilen. Ich kann, wenn der Kopf nicht mehr funktioniert, was einfach nach ein paar Stunden definitiv der Fall ist. Also ich kann nicht acht Stunden lang am Schreibtisch sitzen und Text produzieren. Das funktioniert nicht. Kreativität ist ja nicht so auf Abruf immer da und dann kann ich mich auf mein Fahrrad setzen und mir den Kopf frei pusten lassen. Ja und ich arbeite auch tatsächlich gerne ganz allein für mich, ohne mich immer mit Kolleginnen irgendwie abstimmen zu müssen und Da ist auch kein Chef, sondern ich bestimme selbst über mich. Natürlich habe ich Auftraggeber*innen. Aber ja, das ist schon was anderes einfach. Es hat definitiv auch viele Vorteile. Also wenn die Bezahlung schlecht ist und der Zeitdruck hoch ist und die Zukunftsangst durchaus da ist, hat es einfach auch total viele schöne Seiten, das muss man definitiv auch betonen. Also diese Freiheit und einfach, ja, mich mit dem beschäftigen zu können, was ich möchte. Also ich habe wirklich mein liebstes Hobby, einfach das Lesen zum Beruf gemacht und ich darf den ganzen Tag irgendwie mit Texten verbringen. Das ist traumhaft.
Helen
Kann ich mir auch richtig gut vorstellen, ich meine, du hast ja immer auch die Optionen, was anderes zu machen und dadurch, dass du das jetzt seit 15 Jahren hast du, glaube ich, gesagt, nicht gemacht, zeigt ja auch, dass für dich das positive überwiegt. Also, falls man jetzt während des Gestreys das Gefühl bekommen hätte, dass das vielleicht, ja, weiß ich nicht, nur negative Seiten hat, glaube ich, allein der Fakt zeigt ja, dass es auch viel Positives hat. Und irgendwie dachte ich gerade auch so, dass wäre ja eigentlich der perfekte Job auch für digitale Nomad-Innen, weil das von überall
Lisa Kögeböhn
Ja, es macht fast total gut. Ist auch ein negativer Faktor, wenn man sich gerne Arbeit mit in den Urlaub nimmt. Aber wie gesagt, es hat immer positive und negative Seiten.
Helen
Voll. Wie kann ich mir das denn so bei dir vorstellen? Ist das so, hast du nicht das aufgeschlagene Buch vor dir? Das gibt es ja dann in der Regel noch, wahrscheinlich hast du eine PDF-Version oder so und schreibst auch am Computer. Also es ist wahrscheinlich wenig Handschriftliches, oder?
Lisa Kögeböhn
Genau, ja. Es ist tatsächlich so, dass gerade aus dem Englischen sind die Zeiträume, in denen wir übersetzen immer knapper. Also die Verlage bringen ja gerne möglichst zeitgleich raus. Das heißt, ich hab wirklich so gut wie nie das fertig gedruckte Buch bei mir liegen, sondern genau immer die PDF manchmal oder leider immer öfter ist sie auch noch nicht mal final lektoriert. Also wir übersetzend wirklich den heißen Scheiß, der direkt gerade ja fertig geworden ist. Und genau, ich muss aber so ein bisschen das Haptische haben. Also ich kann nicht meine Word-Datei neben der PDF-Datei auf meinem Computer offen haben. Ich kann den Text besser wahrnehmen, wenn ich ihn auf Papier sehe. Das heißt, ich drucke mir meine Manuskripte immer aus. Und meine Kinder haben dann hinterher viel Schmierpapier zum Wahnsinn. Also ich kann einfach besser den Text aufnehmen oder in mir wirken lassen, wenn ich ihn auf Papier sehe. Deshalb mache ich immer diesen Umweg, auch wenn es eigentlich noch gar kein gedrucktes Exemplar gibt.
Helen
Im Studium, wo ich dann auch ständig von jemandem gefragt habe, ob ich über die Bachelorarbeit oder so was drüber gucken kann. Und ich fand das ultra schwer, nur an Grasnahr zu machen. Ich weiß gar nicht so warum. Und was mir erst jetzt im Nachhinein hier durch den Buchjob aufgefallen ist, ist so ein bisschen der Unterschied zwischen Lektorat und Korrektorat. Da habe ich früher nicht so drüber nachgedacht. Aber meistens wurde ich, glaube ich, eher gefragt, so kannst du dir den Text mal so allgemein angucken, macht der Sinn. Und ich bin immer so direkt in die Rechtsreibziele, irgendwie so. Also so, für mich, ich lerne hier immer viel Neues dazu. Aber ich finde es irgendwie auch spannend, dass anscheinend die Tendenz dazu hingeht, dass man so gleichzeitig das rausbringt, das Buch. Weil das habe ich noch gar nicht so krass wahrgenommen, eher ein Einzelfein, aber ich habe auch nicht so drauf geachtet. Aber ist das wirklich so, dass dann im Englischen das Buch rauskommt und häufig auch parallel im Deutschen oder in anderen Sprachen?
Lisa Kögeböhn
Ja, also es ist gerade, also hauptsächlich bei englischsprachigen Büchern so, dass darauf geachtet wird, dass sie möglichst schnell erscheinen, gerade weil Englisch natürlich eine verbreitete Sprache ist und die Verlage dann Angst haben, dass das Buch im Original gekauft und gelesen wird und einem dadurch quasi Leserinnen und Geld.
Helen
Durch die Lappen geht.
Lisa Kögeböhn
Und deshalb werden unsere Fristen immer kürzer. Das ist auch leider eine Entwicklung, die für uns eher negativ ist, weil wir in immer kürzerer Zeit die gleich langen Texte übersetzen.
Helen
Also wie viel Zeit hast du so tendenziell für ein Buch?
Lisa Kögeböhn
Das kann man zu standardmäßig nicht sagen. Also ich brauche drei bis vier Monate für ein Buch. Also für so durchschnittlich langes Buch von 300 Seiten. Wären schon 4 Monate gut. Und dann sind dann natürlich viele Faktoren, die da rein spielen. Also entweder der Verlag gibt mir aber nicht so viel Zeit. Oder ich bekomme so wenig Geld, dass ich mir keine vier Monate nehmen kann. Das sind dann unterschiedliche Faktoren. Aber genau, also ich schaffe durchschnittlich so vier Bücher im Jahr, denke ich. Also sind natürlich immer kürzere oder längere dabei oder schwierigere. Also es lässt sich einfach gar nicht pauschal sagen, weil es gibt ja Bücher, bei denen schaffe ich zehn Seiten am Tag und es gibt Bücher oder gab schon Bücher, da habe ich zwei Seiten am Tag geschafft, weil es einfach so dichte, schwierige Texte waren, also entweder vom Stil her, von der Sprache her oder auch wahnsinnig rechercheintensive Texte, die natürlich wieder sehr viel Zeit kosten. Und wo man dadurch einfach weniger Seiten am Tag schafft und dann natürlich auch weniger verdient oder sie müssten überdurchschnittlich gut bezahlt werden. Also das sind ja immer viele Überlegungen, die da rein spielen.
Helen
So oft dann wahrscheinlich pro Projekt irgendwie abwägen.
Lisa Kögeböhn
Genau, abwägen und verhandeln.
Helen
Aber ich meine wie krass, wenn du dir das mal überlegst, Das gibt ja selbst ein Autor in die vier Bücher im Jahr veröffentlichen?
Lisa Kögeböhn
Nee, genau. Also das ist tatsächlich der Unterschied. Also, dass wir eben doch nicht uns das Buch… Also, wir arbeiten ja mit dem fertigen Produkt. Ja. Wir müssen nicht die Geschichte erfinden.
Helen
Ja, ich finde das irgendwie mega spannend. Also, du teilst ja auch bei dir, bei Instagram viele Insta, Total zusätzlich, das habe ich jetzt nur am Anfang an den T-Satz. Da sind dann doch die Materie ausmahngestimmt. Aber das heißt ja auch so, was du so backst und so. Das ist wahrscheinlich einfach so deine Leidenschaft und vielleicht auch der nötige Ausgleich irgendwie. Ja, absolut. Ist ja ja vielleicht mal, wo man dich online findet und was man da so findet.
Lisa Kögeböhn
Ja, genau. Also ich habe seit ein paar Jahren, nachdem ich sehr lange Social Media Gegnerin war und gar keine Accounts habe. Habe ich mich in der Corona-Zeit dann doch mal bei Instagram angemeldet und wollte da einfach zeigen, was ich so übersetzt habe und dann ist mir aber sehr schnell klar geworden, dass diese drei bis vier Bücher pro Jahr, die ich übersetze, irgendwie sehr wenig Stoff für einen Social Media-Kanal doch liefern. Wenn ich da vier mal im Jahr was poste, dann bringt das nicht so viel. Also habe ich da sehr schnell angefangen, auch meine Backwerke zu posten. Und meine Kollegin hat das mal so schön gesagt, servierst Ihnen Kuchen und dann fütterst du Ihnen heimlich die übersetzungsrelevanten Themen. Und dann geht's zur Sache. Unter koegeboehnsche.
Helen
Verlinken wir es auf jeden Fall auch nochmal, aber mit OE natürlich immer.
Lisa Kögeböhn
Ja, mein Name ist sehr, sehr kompliziert und vor allem wenn man die Umlaute auch noch umbaut, dann wird es doch komplizierter. Aber genau.
Helen
Genau, aber wir verlinken uns auf jeden Fall auch nochmal. Vielleicht, was ist so jetzt das Aktuelle, so woran du gerade arbeitest oder woran du gerade gearbeitet hast, was vielleicht jetzt im nächsten rauskommt, wo man sich selber überzeugt von der Kunst?
Lisa Kögeböhn
Ich habe gerade auf meinem Schreibtisch oder gerade in den letzten Zügen ist The Names von Florence Knapp, was ein wunderbares Buch ist, was ihr leider erst 2026 auf Deutsch lesen könnt. Aber jetzt in zwei Wochen Anfang Juni erscheint Amphibium von Tyler Wetherall bei dtv. Das kann ich euch sehr, sehr ans Herz legen. Das ist eine meiner Lieblingsübersetzungen bisher, würde ich sagen. Also das ist ein Coming of Age Roman, spielt so in den 90ern in der kleinen, britischen Kleinstadt. Und, ähm, ja, hat so Märchenhafte, bisschen magischer Realismus, Anklänge. Also, es ist super, super dicht und schön geschrieben. Und ja, einfach so eine Geschichte über eine toxische Mädchenfreundschaft und ein, ja, Großwerden, ein Teeniewerden in den 90ern. Und das hat bei mir irgendwie ganz viel, weiß ich nicht. Ich konnte mich da sehr mit identifizieren, aber es war einfach auch sprachlich, ganz, ganz wunderbar. Würde ich euch mal einen empfehlen. Er scheint sehr bald.
Helen
Ich glaube, das ist sogar vielleicht schon erschienen, dass wenn die Folge rauskommt, dann schau mal dann mal her.
Lisa Kögeböhn
Ja, siehst du, dann kann man es schon kaufen.
Helen
Perfekt, perfekt. Ja voll gut, das ist auch mal irgendwie noch mal so ein anderer Buchtipp, darüber freue ich mich immer total. Ich danke dir sehr, dass du dir wahrscheinlich durchgetakteten Arbeitstag Zeit für diese Aufnahme genommen hast und so ein bisschen wie immer irgendwie hast hinter die Nikolissen Spengs nass nicht. Ich glaube da ist doch immer noch wahrscheinlich vieles dabei was viel nicht bewusst ist, deswegen total cool, dass du uns auch so ein ganz ehrlichen authentischer Einblick gegeben hast. Ich danke dir sehr. Ich würde sagen, dass wir unseren Chai Latte zu Ende. Vielleicht jetzt ja auch noch die Kardamomknoten hast du sie, glaube ich, genannt.
Lisa Kögeböhn
Genau. Ich bin gespannt drauf und anscheinend bei den Beisets verabschieden.
Helen
Ja, ich danke dir auf jeden Fall für die Sichtbarkeit und habe mich gefreut, da zu sein. Ich bin gespannt. Jedes Feedback auch super gerne direkt an Lisa schicken. Ich bin richtig gespannt, ob hier nach vielleicht nochmal ein Aufschrei kommt. Alle müssen irgendwie auf dem Cover, ja doch auf dem Cover der Bücher genannt werden. Das kann doch eigentlich nicht so schwer sein.
Lisa Kögeböhn
Bin ich auch.
Helen
Danke und bis bald.
Lisa Kögeböhn
Tschüss.




