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Warum »Die Farbe Lila« auf Deutsch keinen Dialekt spricht

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Podcast · Folge 133

Warum »Die Farbe Lila« auf Deutsch keinen Dialekt spricht

Übersetzerin Cornelia Holfelder-von der Tann über Kunstsprache, rassistische Begriffe in Neuübersetzungen und fast fünfzig Jahre im Beruf

12. November 2025 · 57 Minuten · Ganze Folge hören ↓

Celie schreibt, wie sie spricht. Das ist der Grund, warum »Die Farbe Lila« so nah geht – und das größte Problem für jede Übersetzung. Denn wie überträgt man African American English ins Deutsche, ohne dass die Figuren plötzlich klingen, als stünden sie an einem Büdchen in Nordrhein-Westfalen? Cornelia Holfelder-von der Tann hat den Roman von Alice Walker neu übersetzt. Wir haben sie gefragt, wie sie das gelöst hat.

Cornelia Holfelder-von der Tann

Cornelia Holfelder-von der Tann

Literaturübersetzerin

Geboren 1950 in Villingen-Schwenningen, studierte Germanistik, Romanistik und Anglistik in Berlin und übersetzt seit Mitte der Siebzigerjahre aus dem Englischen: Romane, Krimis, Fantasy und Science-Fiction, unter anderem von Tad Williams, Kawai Strong Washburn und Marilyn Yalom. 2021 erschien ihre Neuübersetzung von »Die Farbe Lila« bei Ecco; im selben Jahr bekam sie den Übersetzerpreis Rebekka für ihr langjähriges übersetzerisches Werk. Seit Jahrzehnten gibt sie Werkstätten für jüngere Kolleg*innen.

Zwei Schulen des Übersetzens – und warum sie sich gegen Dialekt entschieden hat

Es gibt zwei Wege, Umgangssprache aus dem Englischen ins Deutsche zu bringen, erzählt Holfelder-von der Tann. Der ältere arbeitet mit echten deutschen Dialekten: Ruhrpottdeutsch, was auch immer zur Figur zu passen scheint. Der andere erfindet eine Sprache, die es so nicht gibt. Sie war von Anfang an bei der zweiten Schule – aus einem sehr praktischen Grund: Ein echter Dialekt transportiert die Leserin im Kopf woandershin.

Wenn du irgendwie in Georgia oder Mississippi eigentlich bist und die unterhalten sich aber wie an so nem Büdchen in Nordrhein-Westfalen, dann gibt das halt Knoten im Kopf.Cornelia Holfelder-von der Tann

Eine Kunstsprache hat diesen Nebeneffekt nicht. Sie signalisiert: Hier spricht jemand anders – ohne zu sagen, woher.

Grammatik statt Apostrophe

Wie baut man so eine Sprache? Nicht über weggelassene Buchstaben, sagt sie – Text, der nur aus Apostrophen besteht, findet sie »extrem mühselig zu lesen«. Sie arbeitet stattdessen über die Grammatik und über den Satzbau: keine verschachtelten Nebensätze, keine Konstruktionen mit dem Verb ganz am Ende, wie das Deutsche sie so liebt. Und bei der Wortwahl greift sie nicht in die oberste Schublade, sondern in die einfachere.

Dazu kommt Handwerk, das sich über Jahrzehnte ansammelt: sich anschauen, wie andere es gelöst haben, sich fortbilden, sich mit Kolleg*innen austauschen. »Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden.« In eigenen Veranstaltungen hat sie mit Gruppen von Übersetzer*innen ganze Repertoires von Dialektwörtern zusammengestellt, bei denen man sich bedienen kann, ohne gleich in Oberbayern zu landen.

Das Buch dazu

»Die Farbe Lila« war unser Buch im September und Oktober 2025, 62 Mädels haben mitgelesen. Auf der Buchseite kannst du die Leserunde nachholen. Dort steht auch, wie die Community das Buch bewertet hat, welche Figur ihr am meisten ans Herz gewachsen ist, wo es das Buch und das Hörbuch gibt – und welche Bücher dazu passen, wenn dir dieses gefallen hat.

Buchcover »Die Farbe Lila« von Alice Walker in der Neuübersetzung von Cornelia Holfelder-von der Tann

Was die Neuübersetzung kann, was 1984 nicht ging

Die erste deutsche Fassung stammt von Helga Pfetsch und erschien 1984 bei Rowohlt. Vor der, sagt Holfelder-von der Tann, habe sie immer den Hut gezogen und tue das bis heute. Was sich seither geändert hat, ist nicht nur die Sprache: Sie hat »das Privileg der Internetrecherche«. Sie kann sich alte Fotos und Filmaufnahmen ansehen und sich hineinversetzen, wie eine Blueskneipe auf dem Land damals ausgesehen hat.

So klärt sich zum Beispiel, dass ein »juke joint« nichts mit einer Jukebox zu tun hat – in der alten Übersetzung stand noch eine. Und dass eine »Box«, die im Roman gespielt wird, keine Musikbox ist, sondern eine Gitarre. Dazu kommt, dass inzwischen sehr viel mehr Anglizismen praktisch deutsche Wörter geworden sind. In Büchern aus den Fünfzigern wurde ein T-Shirt noch als »Baumwollhemd mit abgeschnittenen Ärmeln« übersetzt.

Wie sie mit rassistischer Sprache im Original umgeht

Der heikelste Teil ihrer Arbeit – und ihr Standpunkt steht schwarz auf weiß in der editorischen Notiz am Ende des Buches, die sie selbst geschrieben hat: Bei einer Neuübersetzung könne sie den gegenwärtigen Stand der Diversitätsdiskussion nicht ignorieren. Deshalb markiert sie die Wörter für »white« und »black« auch dort, wo sie das soziale Konstrukt meinen und nicht die Hautfarbe – »weiß« kursiv, »Schwarz« groß. Eine von mehreren gängigen Methoden; ihr schien sie die leserfreundlichste. Abgestimmt hat sie das mit dem Verlag und über den Verlag mit Alice Walker.

Wörter wie das N-Wort hat sie, soweit das ohne große Verluste möglich war, ebenfalls in Absprache mit Verlag und Autorin ersetzt. Bei den Stellen mit »Indianern« hat sie recherchiert, welcher Stamm in der jeweiligen Gegend beheimatet war, und stattdessen »Cherokee« geschrieben. Walker »amerikanische Ureinwohner« unterzujubeln wäre nicht ihre Diktion gewesen.

Ganz aufgeht die Rechnung nie. Wenn Walker das Zeitkolorit des Mississippi der Rassentrennung hält und von »Farbigen« schreibt – damals eine vergleichsweise progressive Bezeichnung –, dann will Holfelder-von der Tann das erhalten. Und weiß, was dann kommt.

Irgendein Shitstorm kriege ich auf jeden Fall. Kann mir nur aussuchen, von welcher Seite.Cornelia Holfelder-von der Tann über Entscheidungen bei Neuübersetzungen

Was sie dabei offen sagt: Sie ist es ein bisschen leid, die Erklärung bei jedem Buch herunterzubeten. Wer einen Roman aus einer längst vergangenen Zeit liest, müsse selbst so schlau sein, sich zu überlegen, dass darin anders gesprochen wird als heute.

Vom Übersetzen leben – und was die KI daran ändert

Bald fünfzig Jahre freiberuflich, mindestens zwei Bücher im Jahr, weil sie davon lebt. Ihr Rat an junge Übersetzerinnen ist trotzdem unverändert: Wenn du das unbedingt machen willst, mach es. Es ist ein toller Beruf – vom Geld abgesehen. »Aber sei gewappnet, dass es hart wird.« Vor allem die ersten zehn Jahre, in denen man sich erst einen Namen machen muss.

Was sich gerade verändert, hat mit KI zu tun. Der klassische Einstieg lief über Aufträge, die niemand sonst wollte: Ratgeber, Kochbücher, egal was – Hauptsache, man baute Verlagskontakte auf. Genau diese Aufträge brechen weg. Bei Prestigeprojekten wie »Die Farbe Lila« kommt dafür Übersetzungsförderung infrage, etwa vom Deutschen Übersetzerfonds oder über das Übersetzerkollegium in Straelen. Dann sei die viele Arbeit »doch etwas besser bezahlt«.

Verändert sich Celies Sprache im Lauf des Romans?

Diese Frage hat sie an uns zurückgegeben. Bewusst darauf angelegt hat sie es nicht. Aber Celie entwickelt sich zu einer relativ selbstbewussten Person, die sich frei machen und selbst ernähren kann – und das schlägt sich in der Sprache nieder. Schwieriger ist etwas anderes: In einem Buch stehen mehrere Figuren nebeneinander, die sich sprachlich unterscheiden müssen, ohne dass jede eine eigene Kunstsprache bekommt.

Die ganze Folge hören

Bücher aus dieser Folge

Was Cornelia Holfelder-von der Tann übersetzt hat und worüber wir im Gespräch gesprochen haben.

Buchcover »Der Club der Unbeugsamen« von Kathryn Stockett

Der Club der Unbeugsamen

Kathryn Stockett

Im Gespräch erwähnt – und von Cornelia Holfelder-von der Tann übersetzt.

Bei Thalia ansehen *

Buchcover »Haie in Zeiten von Erlösern« von Kawai Strong Washburn

Haie in Zeiten von Erlösern

Kawai Strong Washburn

Ebenfalls von ihr übersetzt, erschienen bei Luchterhand.

Bei Thalia ansehen *

Buchcover »Evas Mann« von Gayl Jones

Evas Mann

Gayl Jones

Kam im Gespräch vor. Übersetzt hat ihn Pieke Biermann.

Bei Thalia ansehen *

*Mit Sternchen markierte Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

Häufige Fragen

Wer hat »Die Farbe Lila« ins Deutsche übersetzt?

Die Neuübersetzung von 2021 stammt von Cornelia Holfelder-von der Tann und erschien im Ecco Verlag. Die erste deutsche Übersetzung erschien 1984 bei Rowohlt und stammt von Helga Pfetsch.

Wann ist »Die Farbe Lila« erschienen?

Das Original »The Color Purple« von Alice Walker erschien 1982 in den USA und wurde 1983 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Warum sprechen die Figuren in der deutschen Ausgabe keinen Dialekt?

Weil ein echter deutscher Dialekt die Leserin gedanklich nach Deutschland versetzt, obwohl der Roman im Süden der USA spielt. Holfelder-von der Tann arbeitet deshalb mit einer erfundenen Umgangssprache.

Wie überträgt man African American English überhaupt?

Über Grammatik und Satzbau statt über weggelassene Buchstaben – und mit einer Wortwahl, die bewusst einfach bleibt. Die Lösung sieht bei jedem Buch anders aus.

Kann man vom Literaturübersetzen leben?

Holfelder-von der Tann tut es seit bald fünfzig Jahren, mit mindestens zwei Büchern im Jahr. Sie beschreibt vor allem die ersten zehn Jahre als sehr hart und rät trotzdem dazu, wenn man es unbedingt will.

Das ganze Gespräch zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, maßgeblich ist die Aufnahme. Intro und Abspann sind herausgenommen.

Cornelia
Also, ich bin gerade in meiner Küche und habe einen Kaffee bereitgestellt.

Helen
Sehr gut.

Cornelia
Den brauche ich unbedingt. Ähm, ja. Und im Kopf bin ich teilweise natürlich in dem Buch, was ich jetzt im Moment übersetze. Deswegen ist das gar nicht so ganz leicht, mich jetzt mal eben vier Jahre zurückzuversetzen. Hm. Und dann noch mal einzutauchen, Weil ich bin natürlich immer sehr intensiv in den Figuren, mit denen ich jetzt gerade irgendwie mein Leben teile.

Helen
Das kann ich mir richtig gut vorstellen. Ich würde sagen, wir stoßen einmal mit dem Kaffee an und steigen dann auch schon direkt ein, weil ich mich so frage Wie viele Bücher lagen jetzt schon? Also wie, wie in Büchern gesehen? Wie groß ist der Abstand für dich zwischen die Farbe Lila Und jetzt?

Cornelia
Ich habe es nicht gezählt, aber ich würde denken Hm, das dürften so acht.

Helen
Ja, das ist schon schon einige Sieben.

Cornelia
Aber ich habe sie nicht gezählt. Aber man kann davon ausgehen, dass ich eigentlich im Jahr mindestens zwei Bücher über sein muss, weil ich lebe ja auch davon.

Helen
Ja, das ist schon krass, wenn man sich überlegt, dass ja wahrscheinlich die wenigsten Autorinnen irgendwie zwei Bücher pro Jahr schreiben. Es ist natürlich irgendwie. Du hast eine Vorlage, aber du erschaffst ja trotzdem irgendwie etwas komplett Neues. Und das zweimal im Jahr. Finde ich schon nicht ganz ohne. Ja. Kann. Also, kannst du dich denn noch irgendwie daran erinnern, wieso der die Anfrage, der Auftrag, wie auch immer irgendwie reinkam? Weil du hattest ja auch habe ich vorhin gesehen zwei Förderungen für diese Übersetzung. Also das sind ja wahrscheinlich irgendwie alles Dinge, die du dann in die Wege leitest. Du weißt irgendwie, da kommt dieser Auftrag oder so und weißt, dafür brauche ich vielleicht mehr Zeit oder so, also vielleicht kannst du uns ein bisschen mitnehmen in die Zeit vor vier Jahren. Obwohl, wahrscheinlich.

Cornelia
Also.

Helen
Schon länger her.

Cornelia
Ich versuche es ja. Ich habe mich sehr gefreut, als die Anfrage kam zu mir Ja, vom vom Verlag. Ähm und ich habe mich da sehr gefreut, weil. die ursprüngliche Übersetzung von Die Farbe Lila, die neunzehn hundert vier und achtzig erschienen ist von Helga Fetsch. Die war für mich ganz wichtig, auch in meiner Karriere so, weil vor der ziehe ich habe ich immer den Hut gezogen und tue das eigentlich bis heute. Und natürlich war Alice Walker für mich auch einfach so ein so eine Ikone irgendwie der achtziger Jahre.

Helen
Ja.

Cornelia
Deswegen habe ich mich sehr gefreut. Und ähm, eigentlich mache ich das dann nur mit dem Verlag klar, äh, was ich dafür kriege und so und wenn dann natürlich noch bei so einem etwas bisschen Renommierprojekt, ja, da kann man natürlich auch noch Übersetzer Übersetzungsförderung versuchen zu kriegen. Vom JA, vom Deutschen Übersetzerfonds und so von schönen Einrichtungen wie dem Übersetzerkollegium in Strahlen. Und wenn das dann klappt, ist das natürlich umso schöner, weil dann die viele Arbeit doch etwas besser bezahlt ist. Unterm Strich.

Helen
Das ist wahrscheinlich. Also wir haben das hatte ich dir jetzt kurz noch vor der Aufnahme auch erzählt, Wir haben schon mit anderen Übersetzerinnen gesprochen und es ist ja schon glaube das ist durchgesickert bei allen auch gar nicht immer so leicht, von diesem Beruf zu leben. Würdest du sagen, dass es dann ohne solche Förderungen auch gar nicht geht? Oder gleicht sich das durch irgendwie andere Übersetzungen aus, die vielleicht auch weniger, vielleicht irgendwie rechercheintensiv oder sowas sind. Würdest du jetzt jemandem, der das studiert oder so empfehlend in den Beruf einzusteigen, weil es so viel Spaß macht? Oder wie sind so deine Gefühle zu dem Beruf auch vielleicht über die Jahre? Haben die sich vielleicht ja auch verändert?

Cornelia
Also ich habe oft auch Veranstaltungen für jüngere Übersetzerinnen gemacht und so und ich habe eigentlich immer gesagt, wenn das was ist, was du unbedingt machen willst, dann musst du das machen, weil es ist ein toller Beruf. Es ist einfach ein toller Beruf. Vom Geld abgesehen. Ja.

Helen
Ja, Okay.

Cornelia
Also, ich habe es geschafft, davon jetzt bald fünfzig Jahre zu leben. Immer freiberuflich. Und ich kann mich durchaus an Zeiten erinnern. Vor allem die ersten zehn Jahre, wo das wirklich wahnsinnig hart ist, weil man ja erstmal. Man muss ja erstmal sich einen Namen machen und überhaupt an Aufträge bekommen?

Helen
Ja.

Cornelia
Ähm, jetzt sieht natürlich wieder alles anders aus. Äh, durch die KI.

Helen
Mhm.

Cornelia
Ähm. Wo? Meiner Meinung nach. Dinge, die es jungen Übersetzern erleichtert haben, einzusteigen. Nämlich. Da muss man, musste man immer oft so Sachen machen wie Ratgeber übersetzen und im Zweifel auch Kochbücher übersetzen. Egal was. Aber jedenfalls, um erstmal Verlagskontakte aufzubauen und diese Sachen noch zu kriegen. Das wird natürlich durch die KI immer schwerer. Na ja.

Helen
Stimmt, darüber habe ich auch irgendwie noch gar nicht nachgedacht. Dass es wahrscheinlich diese Einstiegsprojekte wegbrechen, muss man irgendwie auf jeden Fall dann wahrscheinlich kreativ werden, wie man da den Fuß in die Tür bekommt. Aber irgendwie mag ich, dass du immer noch sagst, Ach, wenn es dir Spaß macht, dann mach es so, mach es.

Cornelia
Aber sei gewappnet, dass es hart wird.

Helen
Okay. Ja. Noch mal ganz kurz zurück zu. Die Farbe Lila. Das ist ja das Buch, was wir jetzt zuletzt quasi beendet haben. Und ich weiß nicht, inwiefern du irgendwas mitbekommen hast, was wir so gemacht haben. Also, wir nehmen uns immer relativ viel Zeit für ein Buch. Wir sagen mal so zehn Seiten pro Tag. Dadurch lesen wir über einen längeren Zeitraum, beleuchten es aus allen möglichen Perspektiven. Wir haben auch einen Post zu dir geteilt dazu, was du so alles schon übersetzt und gemacht hast, dass du auch diesen Rebecca Übersetzerpreis bekommen hast, all solche Dinge. Und was ja hier besonders ist. Also einerseits haben wir auch viel über die Autorinnen diskutiert, weil das kam irgendwie auf als wir Also. Bei uns entscheidet die Community, welches Buch gelesen wird und als das aber bekannt gegeben wurde, dass wir das jetzt lesen, wurde dann auch irgendwie uns zugespielt. Ja, da gibt es Kritik an der Autorin. Das war einerseits ein Thema, was so ein bisschen besonders war. Jetzt bei dem Buch, was ich mir aber auch vorstellen könnte für die Übersetzung besonders ist ja diese Sprache und dieser Slang. Und da haben wir gelernt durch den Post, dass das aber auch so ein bisschen dein Steckenpferd ist, also dass du dich darauf auch so ein bisschen spezialisiert hast. Was ist so eine Herausforderung an an der Art von Übersetzung? Also liegt es irgendwie daran, dass man das im Original auch erst mal verstehen muss oder muss man? Ich könnte mir vorstellen, dass es auch eine Schwierigkeit, eine Entsprechung im Deutschen dafür zu finden. Wie gehst du da vor?

Cornelia
Na ja, ähm, also erstens mal ist es tatsächlich so eine Art Steckenpferd von mir oder kannst du auch sagen Und wenn man sich jahrelang damit beschäftigt, natürlich auch viel mit anderen Übersetzern darüber im Austausch ist, dann eignet man sich erstmal so ein gewisses Instrumentarium an, um zum Beispiel überhaupt zu sagen Aha, das ist eher eine Art von Umgangssprache, das dafür gibt es sowieso bestimmte, sagen wir mal, Tricks, wie auch immer, die man sich irgendwie aneignet im Laufe der Zeit. Dann kommt halt das Spezielle vom African American English noch dazu und da auch da, man ist ja nicht, Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden. Es gibt viele Leute, die dazu gearbeitet haben. Da kann man sich durchaus auch fortbilden und irgendwie sich angucken, wie haben andere Leute das gemacht. Und im Laufe der Jahrzehnte Kann ich jetzt schon mal sagen. Ändert sich dann natürlich auch manches. Also. Früher gab es noch eine etwas größere Übersetzerschule, die das eher mit, sagen wir mal mit real existierenden deutschen Dialekten versucht hätten einzufangen, also mit Ruhrpottdeutsch oder was auch immer. Da. Das habe ich nie, wollte ich nie. Und die andere Schule, bei der ich sozusagen von Anfang an dabei war, die sagt Nee, da musst du sozusagen eine Kunstsprache erfinden, die den Vorteil hat, dass sie die Leserinnen nicht, äh, äh, nach Varna oder irgendwohin transportiert im Geist, weil das dann im Kopf immer so gibt. Halt so im Kopf, wenn du irgendwie in Georgia oder Mississippi eigentlich bist und die unterhalten sich aber wie an so nem Büdchen in Nordrhein Westfalen, dann ist das ein bisschen, gibt das halt Knoten im Kopf. Deswegen wollte ich das nie so machen.

Helen
Mhm.

Cornelia
Und ich habe halt ja mich viel damit beschäftigt. Welche Möglichkeiten gibt es eigentlich, Eine Kunst, Umgangssprache überhaupt und eine Kunst Möglichkeit dieses African American Englisch zu übersetzen? Und was kann man da machen? Und das ist auch jedes Mal anders. Bei jedem Buch kommt auch bei mir wieder irgendwas anderes raus. Ja.

Helen
Mhm. Spannend. Weil ich habe, glaube ich. Also als Wir hatten dann eine Buchbesprechung auch über Zoom und ich hatte da auch erzählt, dass ich gerade ewas man als eBook gelesen hat. Und da ist mir das irgendwie auch noch mal so aufgefallen ist eigentlich glaube ich bisher wenig, zumindest im Deutschen gelesen habe, wo mir das wirklich auch aufgefallen ist, dass es so eine eigene Sprache ist. Ich weiß nicht, ob du jemanden kennst. Mir fällt auch gerade leider nicht die Autorin ein, aber das ist. Ich fand auch an dem Buch spannend, dass es, ähm, ich glaube in den siebziger original erschienen ist und erst jetzt irgendwie so wiederentdeckt wurde und ins Deutsche übersetzt oder sowas. Und da war das auch eine sehr, sag ich mal, auch sehr brutale Sprache und auch sehr, sehr so ein Slang. Und da wurden zum Beispiel Wörter auch so gekürzt, da fehlten Buchstaben im Wort. Also man hat immer direkt gemerkt, dass es da ist, dass irgendwas anders und das ist mir so noch nie irgendwo aufgefallen und ich frage mich, ob ich entweder zu wenig Bücher in der Richtung gelesen habe oder ob einfach immer ins Hochdeutsche übersetzt wurde, weil dann geht einem ja auch total was verloren. Aber das weiß ich.

Cornelia
Ja, dass überhaupt diese Bücher so viel geschrieben wurden, die sowas nahe legen oder sowas erfordern in der Übersetzung. Das hat schon zugenommen, würde ich sagen. Nee, ähm, weil insgesamt sehe ich das so ein bisschen die Vorstellung von Literatur irgendwie geöffnet hat, dass eben nicht der Elfenbeinturm der Literatur ist, wo alles schön und gepflegt und gediegen ist, sondern wo man halt dann auch sowas mal eingeführt hat wie wir Arbeiterliteratur oder so was. Also muss ich das einfach das Ganze geöffnet hat. Ja, damit hängt das schon zusammen. Aber es gab. Es gab eigentlich immer schon. Ich musste jetzt für ein Buch, was ich jetzt gerade übersetze, musste ich als Hintergrundrecherche mal irgendwas von Faulkner lesen. Auch ein Südstaatenautor. Und da, da ist schon in den alten Übersetzungen, ich weiß gar nicht mehr, wann die war, Aber auch da mussten die sich schon reichlich abmühen mit den Versuchen, diese verschiedenen Register irgendwie rüberzubringen.

Helen
Ja, irgendwie. Also ich könnte mir auch vorstellen, dass das so für dich als Übersetzerin auch wie so eine kleine Challenge ist, dass man sich so denkt Ah, okay, wie könnte ich das lösen? Hast du manchmal auch so Wörter, wo du irgendwie, also wo du vielleicht ein bisschen dran knobelt und dann plötzlich keine Ahnung bei irgendwie bei einem Spaziergang denkst du so Oh, das könnte das im Deutschen sein.

Cornelia
Sehr häufig funktioniert das so Na ja, ähm, weil es hat oft keinen Sinn, am Schreibtisch zu versuchen, das irgendwie lösen zu wollen, sondern das geht wirklich sehr oft beim Spazierengehen.

Helen
Mhm.

Cornelia
Ja, das irgendwie. Ja, im Zweifelsfall so vor allem gegen Ende des Buches. Wenn man es dann so langsam wirklich mal lösen muss, kann man sich vielleicht einfach mal so einen Zettel machen und da ab und zu mal drauf gucken, was war. Noch mal diese Dinge, die ich noch nicht gelöst habe.

Helen
Ja.

Cornelia
Und dann einfach wirklich damit spazieren gehen oder natürlich auch Leute fragen Nee, nee, Vernetzung ist natürlich schon auch was Wichtiges unter Übersetzern.

Helen
Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Du hattest ja gesagt, dass du diese erste Übersetzung damals auch schon gelesen hast, also die kanntest. Ist das schwer, diese Übersetzung dann nicht zur Hand zu nehmen? Oder ist das sogar etwas, was man auch extra macht? Also wie gehst du da vor? Versuchst du dich explizit davon zu lösen, von so einer bereits existierenden Übersetzung? Oder dient die auch irgendwie als zur Unterstützung? Speaker 3 Also wenn ich ganz ehrlich bin, gucke ich da natürlich rein. Wenn ich nicht ganz so ehrlich bin, sage ich. Natürlich muss man es nicht ganz davon befreien, ne? Ähm. Äh, ja. Aber es ist. Ich habe hier mal noch so ein altes Papier von mir von einundzwanzig gefunden. Da musste ich dem Verlag erklären. Also für. Für Marketing oder sonstwelche Werbezwecke. Was jetzt an der Neuübersetzung. Was ich damit wollte? Ja.

Helen
Mhm.

Cornelia
Ähm. Und da habe ich das noch mal so ein bisschen systematisiert. Für mich selber auch. Und da habe ich dann auch noch mal geschrieben, dass. Also es ist ja gerade mal ein kleines Stückchen vor. Ich habe heute das Privileg der Internetrecherche. Das ist natürlich ein ganz großer Unterschied zu alten Übersetzungen. Also ich kann mir alte Fotos und Filmaufnahmen angucken, ich kann mich einfühlen in Wie waren denn die, wie war wie war denn so eine Blueskneipe da irgendwie auch auf dem Land, oder? Nee, das konnte Helga natürlich Anfang der achtziger Jahre nicht.

Helen
Ja.

Cornelia
Und dann gibt es, dann klären sich natürlich auch so Dinge wie. Das eben dieses juke Joint wirklich nichts mit Jukebox zu tun hat, wie es noch in der alten Übersetzung ist. Und dass auch die Box, die, äh, die der eine Disco in Dortmund spielt, keine Jukebox ist, sondern eine Gitarre. Also das sind einfach so Sachen, die kann mir das Internet heute erklären. Ja, das ist ein wahnsinns Vorteil. Dadurch werden die Übersetzungen natürlich anders und gerade die Neuübersetzung kriegen dadurch noch mal, also noch mal in einem anderen Punkt eine Berechtigung. Nee, das ist sowieso die Sprache sich ja auch verändert. Also das Internet ist ganz wichtig. Dann haben wir es natürlich auch noch mal, dazu kam bei der Neuübersetzung, ähm, dass das sehr viel mehr Anglizismen inzwischen quasi deutsche Wörter geworden sind. Wo ich ja lange überlegen muss, es gibt Bücher aus den fünfziger Jahren, da wurde Tonnen shirt noch mit Baumwollhemd mit abgeschnittenen Ärmeln übersetzt, aber. so was verändert sich halt.

Helen
Stimmt.

Cornelia
Und dann hab ich halt noch so meine persönlichen. Vorlieben, die ich dann auch noch in der Neuübersetzung einbringe. Dass ich zum Beispiel keine das, was man phonetische Marker nennt, also immer diese Apostrophe andauernd, wenn irgendwie ein Licht oder. Irgendwas so so verkürzt wird, weil ich ich persönlich lese das nicht gerne und die bemühe ich mich wegzulassen oder zu vermeiden auch einfach und einfach nicht so stark über die Phonetik, also über die Lautung, das als umgangssprachlich zu markieren, sondern stärker über die Grammatik und so, dann.

Helen
Hast du da irgendwie ein Beispiel für.

Cornelia
Na ja, ähm. Also wenn ich zum Beispiel. Ich habe ja in der Farbe Lila, was ich nicht immer machen würde mit so verkürzten Formen gearbeitet. Ich denke, ich würde ich hätte ich ja so ähm da hätte man traditionell jedes Mal ein Apostroph gesetzt. Speaker 1 Ja.

Cornelia
Das kann man aber leider. Aber ich finde das dann extrem mühselig zu lesen, wenn das nur aus Apostroph besteht. Und sowas würde ich halt versuchen nicht zu machen und stärker über die, ja über die ich sag das mal über die Grammatik zu arbeiten, weil das Deutsche hat halt bestimmte Eigenarten, bestimmte Merkmale, die eine sehr hochsprachliche, also grammatische Merkmale, die eine sehr hochsprachliche Version erzeugen, zum Beispiel Genitiv Ja. Das Haus meines Vaters oder so ist eine relativ hochsprachliche Angelegenheit. Dann die die Zeitform sind sehr hoch. Also komplizierte Vergangenheitsformen. Ich entschied mich ähhm, ich erwog ja, äh, das sind Marker, die man in so einer, in so einer umgangssprachlichen Version vom Deutschen eigentlich nicht haben möchte.

Helen
Ja, ja.

Cornelia
Sondern irgendwie anders lösen muss. Konjunktive sind zum Beispiel äh, ähm da. Da würde man dann im Umgangssprachlichen sehr viel mehr mit hätte und würde, äh arbeiten als mit korrekten Konjunktiv. Ja.

Helen
Äh, super spannend.

Cornelia
Es war, als ginge ich, äh. Na gut, bei gehen geht es noch, dass es nicht so kompliziert. Aber es war, als entschlösse ich mich. Ja. Da ist es natürlich, als würde ich mich entschließen. Ist irgendwie ein anderer. Der macht ein anderes Gefühl. Nee.

Helen
Aber ich mag daran irgendwie auch, dass das so subtil ist. Ja, ich denke, wahrscheinlich fällt das den wenigsten auf. Bist du es jetzt halt so sagst. Und das finde ich total cool. Also dass du auch vieles weniger so in your face irgendwie jemandem um die Ohren hauen muss, sondern dass es auch viel einfach, einfach subtiler in den Text einfließt.

Cornelia
Ja, das ist natürlich die Kunst daran, ne?

Helen
Ja, total klasse.

Cornelia
Oder was auch noch ganz wichtig ist, das ist halt der Satzbau, dass man eben keine. Man versucht keine Nebensätze zu bauen, die mit der in der Deutschen so im Deutschen so beliebten Inversion also wo vom Verb ganz hinten kommt. Ich hatte zum Ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, es ginge mich nichts an oder es ist so, es kommt dann manchmal so, obwohl, das war jetzt ein schlechtes Beispiel, aber es gibt so manches, wo man ziemlich lange warten muss, bis irgendwie das Verb kommt. Ja, und wenn man Hauptsatzkonstruktionen nimmt, dann hat man das Problem nicht. Also im Hauptsatz ist immer die Stellung Subjekt, Prädikat, Objekt, Subjekt und Prädikat kommt nicht viel.

Helen
Also ja.

Cornelia
Denn ich gehe gern spazieren. Ist was anderes, als weil ich gern spazieren gehe. Und wenn dann noch eine Menge dazwischen kommt, dann ist das Spazierengehen im einen Fall ganz hinten, irgendwo im anderen Fall. Und die mündliche Sprache hat das nicht gerne, dass man sehr lange warten muss, bis man irgendwie kapiert, was einem der andere sagen will.

Helen
Ich finde es aber auch insofern gerade so spannend, weil ich glaube, also zumindest bei mir im Kopf habe ich halt gedacht, wenn es um Slangübersetzung geht, dann geht es vor allen Dingen um einzelne Wörter und die werden wahrscheinlich auch eine Rolle spielen. Aber das ist ja auch, also dass es sowas ist, wie du jetzt gerade beschreibst, der Satzbau wie man, also ob man sehr verschachtelt schreibt, ob man ein Apostroph bei einem verkürzten Wort einfügt und so, dass das alles auch dazu beiträgt, dass es sich umgangssprachlich anhört. Da habe ich noch gar nicht so drüber nachgedacht. Ich finde das total spannend, wie so eine eigene Wissenschaft.

Cornelia
Ja, das ist auch eine Wissenschaft quasi. Aber natürlich spielen die einzelnen Wörter auch eine Rolle, ne? Mhm. Also wenn du die Wahl hast, nimmst du natürlich nicht das aus der obersten Schublade, äh, aus der kompliziertesten und gedrechselten, Sondern irgendwas anderes. Und manchmal. Hm. Also, ich habe. Ich mache da manchmal Veranstaltungen auch zu dem Thema und da habe ich auch schon mit Gruppen von Übersetzern so Repertoires von Dialektwörtern erstellt, bei denen man sich so ein kleines bisschen bedienen kann, ohne dass man gleich denkt, man ist in Oberbayern oder nee, irgendwie.

Helen
Ja.

Cornelia
Und da gibt es schon, gibt es einfach auch Sachen. Das sind auch zum Teil sehr subtile Nuancen. Aber das ist ganz schön, wenn man mal sein eigenes, seinen eigenen dialektalen Hintergrund so ein bisschen abklappert. Oh, gibt's da was? Was vielleicht? So ein bisschen geografisch übergreifend ist, was jetzt nicht typisch schwäbisch oder irgendwas ist, sondern, äh. Ja, es schwer, da ein Beispiel zu finden, aber. Ähm. Also, wenn ich jetzt einen bäuerlichen Roman aus irgendeiner Gegend, einer sehr abgelegenen Gegend, die einen sehr heftigen Dialekt spricht, übersetzen müsste, könnte ich mir überlegen, ob ich das Wort Erdäpfel statt Kartoffeln oder so. Weil, um einfach zu markieren, die haben ihre eigene, die haben ihre ihre eigenen Wörter. So.

Helen
Ich glaube also, ich kenne das selber aus dem Studium, weil mein Studium auch so ein bisschen so ein Übersetzeranteil drin hatte.

Cornelia
Wie hast du denn diese.

Helen
Mehrsprachige Kommunikation an der jetzt eher Köln und das war dann Englisch Spanisch? Dann hatte man auch KulturraumStudien, um das Land kennenzulernen, wo man irgendwie vielleicht übersetzen möchte. Aber ich habe jetzt gerade trotzdem noch mal so neu auf diese Erkenntnis. Könnte mir vorstellen, dass das auch vielen so geht, die zuhören. Ist, dass du ja nicht nur die Sprache, die du übersetzen möchtest, sehr gut kennen musst. Du musst ja auch wirklich gut die deutsche Sprache kennen und wirklich gut wissen. Aber ich finde es so irgendwie noch mal verrückt, weil ich. Ich könnte mir vorstellen, dass es da nicht die einzige mit bin. Vor allen Dingen ja an die Sprache denke. In die, also, die deine Übersetzersprache, sag ich mal ist und weniger an deine Muttersprache. Aber dass die ja genauso entscheidend dabei ist, dass du dich da sehr, sehr gut auskennst und regional irgendwie Unterschiede kennst und jetzt in deinem Fall auch Slang kennst und all solche Sachen. Da habe ich trotz allem, obwohl ich das ja auch im Studium kennengelernt habe, gar nicht darüber nachgedacht, dass das super entscheidend auch für den Erfolg der Übersetzung ist.

Cornelia
Aber das ist halt auch, sagen wir, dass das Grundmissverständnis der breiten lesenden Öffentlichkeit, dass sie immer denken übersetzen. Da übersetzt man halt ein Wort in ein anderes Ja.

Helen
Ja, ja.

Cornelia
Pustekuchen. Nee.

Helen
Das ist schon verrückt. Und da habe ich auch eben drüber nachgedacht, weil du ja auch so meinst. Jetzt hast du das Internet auch als Vorteil. Und weil ich dann dachte, wahrscheinlich tauchst du auch so ein bisschen in diese Welt ein. Du hast ja auch ganz am Anfang gesagt, du steckst jetzt gerade in einer anderen Übersetzung. Du hast das Gefühl, du bist eher mit diesen Personen gerade in Kontakt. Aber ich glaube, auch darüber macht man sich ja gar nicht so sehr Gedanken, wenn man einfach jetzt nur ein Buch konsumiert. Wir hatten das im Studium, so, dass wir dann wirklich wir haben gelernt Was, was Kinder. Also ich hatte mich für Großbritannien zum Beispiel entschieden schon irgendwie für Essenssachen vorgesetzt bekommen und was es da für Wörter gibt oder was das für Weihnachtstraditionen gibt. Also also also Dinge, die dann common Sense vor Ort sind. Und das ist aber ja für dich wahrscheinlich von Projekt zu Projekt auch eben noch mal unterschiedlich.

Cornelia
Ja.

Helen
Du kennst dann vielleicht die USA gut, aber erstmal ist die USA riesig und zweitens ist es ja total unterschiedlich, wo du dich befindest und in welcher Zeit. Und und da gibt es dann noch wahrscheinlich ein tausend Unterstufen, also ist irgendwie wahrscheinlich schon jedes Projekt so eine kleine neue Herausforderung, oder? Selbst wenn du kannst ja.

Cornelia
Ich kann dir das mal illustrieren. Im Moment ja, gerade in Mississippi im Jahr neunzehn hundert drei und dreißig.

Helen
Ach krass.

Cornelia
Als nächstes werde ich auf Hawaii sein. Jetzt ungefähr so Und allein diese beiden Dinge dann in meinem Kopf. Den, Den den den Vorstellungs Schalter irgendwie umzulegen. Ja, das ist natürlich anspruchsvoll, sag ich mal, ja. Ähm, das. Natürlich muss ich mich bei Sachen, die mir nicht von selbst zugänglich sind. Ich muss mich einlesen. Zum Beispiel. Ja, also ich gucke dann, weil ich gerne. Ich lese dann natürlich am liebsten irgendeinen schönen Roman. Dann muss ich mal eine Runde recherchieren. Äh, äh, was könnte ich denn da mal irgendwie lesen, was mir das ein bisschen näher bringt? Die, den ich dann natürlich, aber auf Deutsch, weil ich ich muss ja die sprachliche ähm. Ich muss ja das das was jemand schon mal erschlossen hat, wie man das auf Deutsch wiedergeben kann, das bringt mir ja mehr. Ja, nee, also ich muss überhaupt viel Deutsch lesen und hören und sehen in Form von Filmen. Ich höre sehr viel Hörbücher.

Helen
Aber wie gehst du vor, wenn du jetzt weißt, du übersetzt als nächstes ein Buch, das auf Hawaii spielt in der heutigen Zeit. Ich finde es nämlich oft herausfordernd, gerade wenn du sagst ich lese gerne Romane, um. Danach zu suchen. Also ich, ich habe. Ich habe so diese persönliche Vorliebe. Wenn ich irgendwohin reise, dann würde ich gerne einen Roman von da lesen. Wenn ich aber jetzt zum Beispiel irgendwie im Internet nach. Also ich gebe das Land ein und Buch, dann finde ich ja meistens eher Reiseführer. Und bei dir ist es ja auch noch, dass du eine bestimmte Zeit vielleicht abdecken willst. Also wie gehst du vor und suchst nach den passenden Büchern?

Cornelia
Du versuchst erst mal ganz platt, indem ich erstmal irgendwie. Roman Also in Google irgendwie romanae Hawaii. Gegenwart oder irgendwas eingebe. Wenn ich Wenn ich Glück habe, kommt was.

Helen
Ja.

Cornelia
Natürlich auch irgend eine KI im Internet fragen und hoffen, dass sie mal gerade nicht halluziniert und mir irgendwas.

Helen
Ich finde das gerade bei Büchern, die denken sich auch oft einfach irgendwelche Bücher aus, die gar nicht existieren. Da denkst du so Oh, Volltreffer, und dann suchst du den Titel und es gibt ihn überhaupt nicht. Ja.

Cornelia
Ja, das ist es ist nicht leicht, ne? Also kann natürlich auch alle Leute, die man kennt, mal fragen. Ey, du kennst nicht zufällig. Mhm. Mhm.

Helen
Voll spannend.

Cornelia
Ich brauche jetzt zum Beispiel. Ich brauche jetzt. Dringend Brauchte ich ein Lexikon der Prostitution in den dreißiger Jahren? Und ich muss immer noch ein bisschen suchen. Aber ein Lexikon der Prostitution habe ich jetzt endlich gefunden. Im Internet ja, also käuflich erwerben konnte. Hm.

Helen
Also es ist tatsächlich ein Buch auch.

Cornelia
Na ja, weil das Internet, also das Internet wird immer Brüder. Also wenn ich jetzt in einem Buch zum Beispiel leider das mit einem, also mit einem Bordell zu tun habe, wo mehrere Noten miteinander sehr anschaulich reden, ja, äh, dann konnte ich früher noch sehr viel besser Google fragen, äh, irgendwie versuchen, das einzukreisen. Kann ich mal bitte irgendeinen, äh, Glossar der Prostitution irgendwas haben? Wenn ich das jetzt versuche, dann erzählt mir die Kiä, dass man das alles so nicht mehr sagt und überhaupt sich nicht damit. Also das ist also die KI vergattert mich, dass ich die Finger davon lassen soll, weil man das tut? Ja. Und dann muss ich. Es ist sehr viel schwieriger geworden, manche Dinge zu recherchieren, weil auch spannend.

Helen
So einerseits öffnet Türen und andererseits ist es irgendwie versperrt. Dir dann auch welche genau. Ich stelle mir aber auch gerade so vor, dass dein Bücherregal vielleicht auch so ein bisschen so ein paar Kuriositäten irgendwie hervorbringen würde, so dass man dann vielleicht sieht hier dieses Regalbrett, da hat sie sich mit die Farbe Lila beschäftigt und hier dieses Regalbrett mit dem Buch zu Hawaii.

Cornelia
Wobei ich keine Büchersammlerin bin. Also ich bin die Sachen dann auch meistens relativ schnell wieder los.

Helen
Ja.

Cornelia
Ich habe nicht gerne so viele Sachen, aber natürlich gibt es immer auch Kuriositäten wie hier zum Beispiel, falls du das siehst. Das ist der berühmte Bornemann, der obszöne Wortschatz der deutschen Sprache. Sex. Im Volksmund ein sehr beliebtes Werk unter Übersetzern. Was braucht man ständig?

Helen
Ja.

Cornelia
Das ist ungefähr so beliebt wie ein anderes Standardwerk, nämlich Burbulli und Bananenflanke, was einem die ganzen exotischen Sportarten erklärt.

Helen
Das ist ja irgendwie total cool. Also eigentlich wäre es doch auch schlau, wenn du ein Wörterbuch der ganzen Slangwörter rausbringst, dass du, wenn das vielleicht auch was ist, was nicht so leicht ist, zu recherchieren, dann könntest du es irgendwie nach Orten sortieren und nach Zeiten oder sowas. Ein Kompendium.

Cornelia
Ein Kompendium? Ja, gut. Also klar. Ich, äh, ich bin nicht so, ich habe verschiedene Papiere so dazu gemacht und die kann auch jeder, der sie gerne möchte, von mir haben und so, weil man muss das Rad nicht immer von vorne erfinden. Aber. Ja, zum Buch schreiben würde ich auch gar nicht kommen, weil ich ja immer übersetzen muss.

Helen
Hier, weil die Farbe lila. Fand ich irgendwie auch noch mal spannend, dass es ja hinten auch eine editorische Notiz gibt. Ich weiß gar nicht, ob sowas dann vom Verlag initiiert wird oder von dir. Aber es ging. Also es gab eine Anmerkung zur Neuübersetzung, zu bestimmten Begriffen, also wo du dich für was entschieden, also ob es eine Selbstbezeichnung war oder eine Bezeichnung und solche Sachen. Das ist ja wahrscheinlich schon etwas, was von Also muss ja irgendwie in irgendeiner Form auch von dir kommen, weil du dich für bestimmte Dinge entschieden hast. Aber muss man sowas auch dann mit dem Verlag absprechen? Muss man sich in irgendeiner Form irgendwie ein okay einholen? Also wie genau geht man da vor?

Cornelia
Na ja, also erstmal muss ich auf dem Laufenden sein, was? Was sollte ich denn heutzutage korrekterweise bitte sagen? So. Mhm. Ähm. Und dann muss ich natürlich, wenn ich, äh. Ich. Ich lese den Satz vor, den ich dazu geschrieben habe. Ja. Ja. Hm. Mein Standpunkt ist, dass ich bei einer Neuübersetzung den gegenwärtigen Stand der Diversität in der Übersetzung Diskussion nicht ignorieren kann. Ich habe mich daher entschlossen, die Wörter für white und black, selbst wenn sie das soziale Konstrukt und nicht die Hautfarbe bezeichnen, in die Farbe Lila zu markieren, indem ich weiß mit kursiviertem und schwarz mit großem ß schreibe. Mhm. So, äh. Also wenn Sie das soziale Konstrukt und nicht die Haut und nicht die Hautfarbe, sondern ne so ja, ähm, das ist eine der gegenwärtig praktizierten Methoden. Es schien mir die leserfreundlichste. Es gibt noch andere. Die Markierung erfolgte in Absprache mit dem Verlag und über den Verlag mit Alice Walker. Ähm, Triggerwörter wie Nigger und Indiens habe ich. Ebenfalls in Absprache mit dem Verlag und der Autorin, soweit das ohne große Verluste möglich war, ersetzt. Indem ich etwa bei den Indiens. Das kam dauernd irgendwelche Indianerreservate vor. Da musste ich irgendwie gucken, wo sind die denn ungefähr und welcher Stamm könnte da bitteschön ungefähr beheimatet gewesen zu sein. Und dann habe ich mir halt erlaubt, einfach Cherokee zu schreiben oder so, anstatt Nee, weil ich kann. Ich konnte alles. Walker jetzt auch nicht amerikanische Ureinwohner oder Indigene oder irgendwas unterjubeln, das wäre nicht ihre Diktion gewesen damals. Ja, also das. Das ist auch noch immer so ein kleines äh. Na ja, wo man durch muss.

Helen
Das könnte ich mir auch vorstellen, dass das gerade bei deinem Steckenpferd eher noch mal auch eine Rolle spielt. Oder wenn du eher Slang übersetzt und äh, wie heißt es irgendwie African American English, glaube ich, war das. Oder dass es da vielleicht auch noch mal mehr Fingerspitzengefühl braucht. Oder würdest du das nicht sagen?

Cornelia
Doch, natürlich. Allein schon, weil man jetzt mache ich eine Autorin. Wie gesagt, müsste sich die. Neunzehn hundert drei und dreißig. Die Autorin schreibt unverdrossen von Callot Piper Ähm und ja, genau, da gibt es im deutschen Übersetzerkosmos eine Riesendiskussion, warum man überhaupt nicht Farbige sagen darf. Weil das ganz was anderes ist. Weil das nämlich immer man denkt an Südafrika usw usw und das ist völlig anders hier als im und. Aber sie macht das nun mal die ganze Zeit. Ja, ja, ja, stehe ich da davor und denke was mache ich denn jetzt? Und ich werde mir vermutlich erlauben farbiger zu schreiben, denke ich jetzt mal, weil ich zum Beispiel habe das schon noch mitgekriegt, dass in den sechziger Jahren war Farbige eine relativ progressive Bezeichnung gegenüber den Negern von vorher so ähm. Und wenn die Autorin um das Zeitkolorit von da, wo ihr Buch spielt, zu halten, von Farbigen schreibt, also in Mississippi, wo das brutal war damals die Rassentrennung, dann muss ich das irgendwie. Erhalten, oder ich will es in dem Fall einfach erhalten. Irgendein Shitstorm kriege ich auf jeden Fall. Kann mir nur aussuchen, von welcher Seite. Aber in jedem Fall. Würdest du erhalten?

Helen
Würdest du das dann auch über so eine Notiz irgendwie einordnen, dass du zu Beginn oder zum Ende des Buches sagst, Das entspricht irgendwie zum Beispiel einerseits dem Original eher und passt irgendwie eher in die Zeit aber ist etwas, was man heute nicht mehr sagen würde, oder wie würdest du das lösen?

Cornelia
Weiß ich nicht. Also eigentlich, ehrlich gesagt, habe ich, bin ich auch ein bisschen leid, das immer runterzubeten. Bei jedem Buch. Ich denke, wenn irgendjemand einen Roman liest aus dem Jahr neunzehn hundert drei und dreißig, dann muss er selber so schlau sein. Also, äh, sich das vielleicht zu überlegen, dass das irgendwie anders ist als heute. Andererseits ja. Ja, vielleicht. Kommt drauf an, muss ich mit dem Verlag irgendwie klar kriegen? Ja, weiß ich nicht.

Helen
Auf jeden Fall. Ich finde irgendwie aber auch auf jeden Fall spannend, wie sich das so entwickelt. Also ich muss sagen, ich mag das immer, wenn das irgendwo da drin steht. Wir hatten zum Beispiel auch mal ein Buch gelesen von einer australischen Autorin. Da wurde auch davor gewarnt. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie das war. Es war wie so eine Art Triggerwarnung, sag ich jetzt mal, weil es da viel um die australischen Ureinwohner ging und wie sie behandelt wurden und so, aber es war halt irgendwie so eingeordnet, dass ich entscheiden kann, ob ich das lese, bevor ich den Text anfange. Weil manchmal ist sowas ja auch. Könnte ja auch spoilern oder so, aber ich finde es irgendwie ganz gut, dass es das es vielleicht mehr ernst genommen, also irgendwie wahrgenommen, ernst genommen wird und nicht einfach drüber hinweggegangen wird. Aber ich verstehe auch, dass es für dich sich wahrscheinlich so anfühlt, als würdest du das andauernd wiederholen. Ich glaube einfach, wenn man sich die breite Masse an Büchern anguckt, dann.

Cornelia
Hast du recht. Wahrscheinlich werde ich es auch nicht überreden.

Helen
Ich sage dir nur, wie ich das wahrnehme, weil ich lese ja nicht jeden Tag sowas und dann finde ich es irgendwie schon gut. Aber für dich ist es natürlich nicht. Du übersetzt tendenziell solche Bücher und muss das dann immer wieder wiederholen. Es ist für dich wahrscheinlich einfach eine andere Wahrnehmung.

Cornelia
Ich habe jetzt endlich eine Patentlösung gefunden für eins dieser Wörter, nämlich Negro. Ja, das war auch die längste Zeit Negro. Was mache ich denn jetzt damit? Weil der Autor oder die Autorin hat nun mal nicht Black geschrieben, sondern Negro geschrieben. Ja, dann kommt aber der Ja, aber das war im Deutschen ganz was anderes als Nigger und und und und. Ja so, da habe ich jetzt gedacht fein, das lasse ich jetzt einfach immer stehen. Kursiviert lasse ich das jetzt einfach stehen. Äh, das. Das geht prima. Das geht vorbei. Los geht's. Natürlich wird es komplizierter, weil das ist ein langes Wort ist und so.

Helen
Hm?

Cornelia
Ja.

Helen
Ist wirklich. Also ich stelle mir das wirklich auch echt wie eine Herausforderung vor. Ich habe eben noch über eine ganz andere Sache nachgedacht, aber ich weiß gar nicht, was du jetzt gesagt hast. Du bist ja jetzt auch noch zu schreiben wäre gar nicht drin, weil du so viele Bücher übersetzt. Aber ich habe mich gefragt, ob du manchmal auch irgendwas liest und dir denkst. Ja, ich wünschte, davon gäbe es entweder überhaupt eine deutsche Übersetzung oder vielleicht eben eine Neuübersetzung. Und gehst du dann auch mal selber mit einem Projektvorschlag auf einen Verlag zu oder kommt sowas auch nicht zustande, sondern du wirst angefragt?

Cornelia
Also das ist, das ist in meiner Ausgangssprache Englisch kaum üblich, dass man das tut, weil da wird eh so viel rübergeholt über Agenturen. Das machen hauptsächlich Übersetzerinnen aus sogenannten kleinen Sprachen, die irgendwas aus dem Skandinavischen oder es geht bis zum Französischen oder so, wo die dann halt öfter mal selber Projekte vorschlagen und äh halt irgendwie Pitchen beim Verlag. Ja und Probeübersetzung und was weiß ich was machen aus dem Englischen? Äh. Ich würde es tun, wenn ich mal so das Gefühl hätte Oh, jetzt habe ich gerade mal lange gar nichts zu tun. Ja.

Helen
Ich habe halt auch gedacht Ja, gut, das verstehe ich. Aber ich habe halt vor allen Dingen gedacht, weil du ja auch eine gewisse Nische bedienst. Also klar, du übersetzt aus dem Englischen, aber eben vielleicht. Also ich habe das Gefühl, dass da vielleicht gerade auch mehr noch mal so wiederentdeckt wird. Und ich dachte, dass das vielleicht eine Nische ist, wo sich das auch noch mal anbieten würde. Aber es hat genug zu tun. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es zumindest so ein Teil der englischen Literatur ist, wo es vielleicht noch möglich wäre, Dinge zu entdecken und vorzuschlagen.

Cornelia
Ja, wäre möglich. Also wäre möglich. Ich glaube nicht, dass ich das. Im Zuge meines noch vor mir liegenden Berufslebens, das jetzt wahrscheinlich nicht mehr so wahnsinnig lang ist, ob ich das noch tun werde? Aber eigentlich ist das was Tolles. Na ja, dieses Entdecken und auch dann mit Herzblut dahinter stehen und sagen Boah, Leute, das müsst ihr hier veröffentlichen, das ist toll.

Helen
Ja.

Cornelia
Das ist.

Helen
Vielleicht, vielleicht kommt das noch, wenn so ein bisschen dann irgendwie bei dir Ruhe einkehrt und du deine speziellen Bücher irgendwie noch mal hervorkramst und dir denkst, das sollten wir alle kennen. Ja, ich gucke mir gerade, weil ich hatte ja vorher auch Fragen abgefragt. Also ich habe das Gefühl, die zwei haben wir im Grunde über übersetzt angesprochen. Einerseits ist es schwierig, wenn das Buch auch schon so erfolgreich war, also vielleicht diesen erfolgreich Teil hat mir nicht, weil ich denke, das spielt so ein bisschen darauf ab, ob dich das irgendwie vielleicht in irgendeiner Form unter Druck gesetzt hat. Das wäre vielleicht was, worauf ich noch eingehen könnten, weil es eben auch ein Klassiker ist. Also verspürst du bei sowas eine andere Art von Druck?

Cornelia
Also der Druck, den ich je beim Übersetzen verspüre, ist Zeitdruck.

Helen
Ja.

Cornelia
Den verspüre ich sehr häufig. Aber jetzt mal so ein, äh, irgendwie so eine Art inneren Druck, Leistungsdruck, wie auch immer. Ähm, also eigentlich jetzt bestimmt nicht mehr, weil Ich merke einfach Übersetzen ist schon so ein Gebiet, wo einem die Erfahrung, je länger man das macht, schon irgendwie zugute kommt. Ne, wo ich dann manchmal so das Gefühl habe nee, also. Kriege ich schon hin. Also meistens, äh das unterwegs ist, stellen sich dann manchmal Tüten raus. Weil so ein Buch, wo ich denke Ach du liebe Güte, wie soll ich das denn irgendwie aber also. Äh, also. Es gibt schon so Sachen. Ich habe. Ich habe auch mal irgendwas von Martin Luther King übersetzt oder so und wo ich dann auch dachte Oh ja, schön. Freut mich, dass ich das machen darf. Aber kriege ich das hin? Ja, aber ja. Wenn alle, die das sonst machen, kochen alle irgendwie mit Wasser. Und ich mache es halt so, wie ich es mache. Und. Eigentlich nicht. Eigentlich fühle ich mich da ziemlich sicher. Also durchaus offen für Kritik und auch für den Austausch mit anderen und so, aber ähm und und auch veränderungswillig. Aber so ein grundlegendes Selbstbewusstsein habe ich da eigentlich schon.

Helen
Ja, total schön. Also finde ich eine schöne Antwort auch. Ähm, du. Also die Frage wie schwierig ist es, Slang zu übersetzen? An welchem deutschen Slang hast du dich orientiert? Da sind wir, glaube ich, ganz gut darauf eingegangen, dass es eigentlich nicht an einem deutschen Slang so unbedingt orientiert ist. Aber eine Frage, die wir noch nicht hatten, die vorab gestellt wurde aus der Community ist War es Absicht, die Sprache von Silly im Laufe des Buches zu ändern? Da war mein Gefühl, dass das wahrscheinlich im Original so ist. Aber da kannst du ja gerne noch mal drauf eingehen.

Cornelia
Also das ist eine hochinteressante Frage, weil da würde ich eigentlich gern zurückfragen. Ja, wie denn? Weil ich habe mir das jetzt nochmal angeguckt. Ich habe es nicht bewusst darauf angelegt, dass sie die Sprache sich im Laufe des Buches verändert. Dass sie sich verändert, ist ja irgendwie ein bisschen verändert, ist logisch, weil sie verändert sich ja sehr stark. Also sie wird ja.

Helen
Ist ja auch ein langer Zeitraum.

Cornelia
Ja, und sie, äh, sie entwickelt sich zu einer relativ selbstbewussten Person und sie kann es. Sie kann sich frei machen von allen möglichen Dingen und sie kann sich selbst ernähren. Und sie sieht was von. Also jedenfalls von einem gewissen Teil der Welt. Und, ähm. Ja, natürlich macht sie eine Entwicklung durch Und ich vermute mal. Aber ich glaube, nachdem ich mich einmal so grundsätzlich entschieden habe, welches ist für mich Schilys sprachliches Register? Dann bin ich eigentlich da drin geblieben und der Figur gefolgt. So natürlich, wie sich verändert hat im Lauf der Zeit, da wäre es mir wahrscheinlich manchmal, das muss auch im Original so gewesen sein. Ich habe es mir jetzt nicht noch einmal im Detail angeguckt. Ähm, aber natürlich, am Anfang hat sie kaum mit jemandem gesprochen, sondern irgendwie ihre Briefe an Gott geschrieben. Aber sonst? Ähm. Und sie wird ja jemand, die auch spricht mit Leuten und sich Gedanken macht und die auch äußert und durchaus philosophische Gespräche führt. Ähm. Also insofern schön, wenn es sich irgendwie verändert hat, aber eigentlich würde es mich tierisch interessieren, so zu fragen Wo denn? Wie denn? Weil mich das selber interessieren würde.

Helen
Ja, können wir vielleicht vermitteln, dass die Person sich noch mal meldet? Ja, aber da muss ich noch mal ganz kurz darauf eingehen, weil du gerade meinst, du hast schon so ein großes sprachliches Register, glaube ich, genannt. Ist das was, was du dir aufschreibst und quasi drüber schreibst, so dass es so übersetze ich sie oder ist das eher was, was in deinem Kopf ist?

Cornelia
Also normalerweise habe ich ja nicht nur eine Figur und auch in diesem Buch, ich habe ja mehrere, die zum Teil auch kontrastieren muss. Also ich kann schon nicht genau das gleiche Sprache geben, wie ich kann. Äh, was weiß ich. Chili und Harpo und so, die kann ich nur kleine Nuancen, weil so weiß ich einfach unterschiedliche Persönlichkeiten sind. Aber. Ich muss schon oft bei solchen Büchern mir tatsächlich zumindest am Anfang aufschreiben Was habe ich denn jetzt gegeben? Ja. Ähm. Äh. Im Laufe der Zeit automatisiert sich das dann in meinem Kopf. Dann. Ich höre die ja auch im Kopf. Nee, beim Übersetzen hört man ja auch ganz viel. Ähm, da hört man einfach die Leute im Kopf wirklich die Dialoge, sonst geht das gar nicht. Gerade bei dem, äh, African American English, weil das habe ich vorhin noch gar nicht gesagt, das ist auch sehr stark eine Sache des Rhythmus. Also man, es fällt einem da selber total auf, wenn irgendwas wirklich total klappernd klingt und nicht nicht ordentlich fließt. Das möchte man da einfach nicht haben. Und. Ja, also man muss sich da manchmal manches aufschreiben.

Helen
Ja, ich meine, das machen ja auch teilweise Autorinnen, dass sie sich eine Übersicht machen und irgendwie so was passiert, wo oder. Oder auch vielleicht bestimmte Charakteristika von Figuren oder so was. Aber ich finde. Also ich weiß nicht. Am liebsten würde ich dir mal so einen Tag über die Schulter schauen. Wahrscheinlich reicht ein Tag auch gar nicht, weil das wahrscheinlich auch jedes Mal anders ist. Aber ich finde das total spannend, diesen Einblick zu bekommen. Und hier ist es natürlich auch cool, dass wir es an einem Buch auch beispielhaft machen können, dass wir gemeinsam gelesen haben, wo vielleicht viele auch irgendwie ein Gefühl dafür bekommen, was du meinst. Aber ich finde auch generell total spannend, dass du uns mal so einen Einblick gegeben hast, was jetzt bei der Nische, sag ich mal die du übersetzt hauptsächlich da vielleicht auch noch mal besonders, ist deswegen total cool. Danke dir. Also vor allen Dingen weiß ich, was ich hier jetzt auch noch mal öffentlich sagen möchte. Ich finde es total toll, auch einfach. Du nimmst dir ja gerade an einem Feiertag Zeit, diese Aufgabe mit mir zu machen in deinem wahrscheinlich eh nicht leeren Kalender deswegen. Ein tausend Dank, dass du uns hast teilhaben lassen, dass wir Fragen stellen durften. Ähm, ja. Und ich würde sagen, wir trinken den Kaffee in deiner Küche zu Ende und verabschieden uns an der Stelle von den Mädels. Außer du wolltest noch gerne irgendwas loswerden.

Cornelia
Ich Danke. Es war mir ein Vergnügen.

Helen
Danke dir.

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