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Wie bereite ich mich auf die Frankfurter Buchmesse vor? Anne Sauer über Oropax, Puffer im Zeitplan und die Erlaubnis, einfach zu gehen

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Podcast · Folge 47

Wie bereite ich mich auf die Frankfurter Buchmesse vor? Anne Sauer über Oropax, Puffer im Zeitplan und die Erlaubnis, einfach zu gehen

Helens erste Buchmesse steht an – und die Frau, die sich dort selbst zur „Königin des Versteckens“ erklärt hat, packt mit ihr die Tasche: vom Treffpunkt an der Rolltreppe bis zur Haarklammer fürs Ticket

11. Oktober 2023 · 61 Minuten · Ganze Folge hören ↓

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Diese Folge wurde von der Frankfurter Buchmesse gesponsert: In der Folge läuft ein von Helen eingesprochener Werbeblock zur 75. Buchmesse 2023, den der Sponsor vorab freigegeben hat. Auf das Gespräch mit Anne Sauer hatte die Buchmesse keinen Einfluss. Diese Seite gibt wieder, was in der Folge gesagt wurde.

Stand heute

Das Gespräch ist im September 2023 aufgenommen, rund sechs Wochen vor der 75. Frankfurter Buchmesse (18. bis 22. Oktober 2023, Ehrengast Slowenien). Helen war dann tatsächlich zum ersten Mal dort – wie es lief, erzählt sie im Jahresrückblick 2023; laut ihrem Spotify Wrapped war diese Folge die meistgehörte des Jahres. Das Buchclub-Treffen in der Buchhandlung Lüders, das die beiden am Ende ankündigen, hat am 2. Dezember 2023 stattgefunden. Anne Sauer hat seitdem zwei Bücher veröffentlicht, siehe unten.

Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise: Anne Sauer setzt uns im Abendrot auf eine Brücke in Paris, mit Blick auf die Seine, und stößt mit ihrem Lieblingscocktail an, einem Gin Basil Smash – für Helen, die ihr Wasser trinkt, hat es nie besser geschmeckt. Dann geht es um die Frage, die Helen seit Wochen beschäftigt: Sie will 2023 zum ersten Mal zur Frankfurter Buchmesse, und der Gedanke an Hallen voller Menschen und Eindrücke macht ihr Angst. Anne kennt das. Sie ist seit Jahren in der Buchbranche unterwegs, spricht auf Instagram offen über Hochsensibilität und hat sich auf Messen, wie sie sagt, zur Königin des Versteckens entwickelt. Genau deshalb hat Helen sie gefragt – und bekommt eine Stunde lang Tipps, die man so in keinem Messeratgeber findet.

Anne Sauer

Texterin, Literaturvermittlerin und Moderatorin, Hamburg

Anne Sauer, Jahrgang 1989, hat Buchwissenschaft und Philosophie in Mainz studiert, ein Volontariat im Verlag Hermann Schmidt gemacht und von 2015 bis 2020 als Texterin in Hamburger Werbeagenturen gearbeitet; seit 2021 ist sie selbstständig. Seit 2017 empfiehlt sie als @fuxbooks auf Instagram Gegenwartsliteratur, seit 2020 zusammen mit Tina Lurz im Podcast MONATSLESE, seit 2021 als freie Redakteurin des Büchermagazins MOKA. Daneben arbeitet sie seit 2019 in der Hamburger Buchhandlung Lüders. 2022 wurde sie mit dem Young Excellence Award des Börsenblatts ausgezeichnet. 2024 erschien ihr Essay »Look What She Made Us Do« über Taylor Swift, danach ihr Romandebüt »Im Leben nebenan«.

Die Königin des Versteckens

Wer ist Anne Sauer? Auf Instagram findet man sie als fuxbooks – einen Account, den sie vor etwa sieben Jahren gestartet hat, weil sie sah, dass Menschen auf Instagram Bücher besprechen, und dachte: Das will ich auch. Die klassische Buchbloggerin, die im Eiltempo Neuerscheinungen liest, ist sie nach eigener Aussage längst nicht mehr; sie hat mit Tina Lurz den Podcast MONATSLESE gegründet, arbeitet in einer Buchhandlung und schreibt frei für Magazine, etwa das Büchermagazin MOKA, in dem auch Helen schon vorkam, und das Magazin der Büchergilde. Auf der Buchmesse dagegen findet man sie nicht so gut – weshalb sie sich zuerst gefragt hat, ob sie wirklich die richtige Gesprächspartnerin ist. Hingehen will sie trotzdem, und wer Glück hat, findet sie: „Where’s Fuxbooks“, wie ein Wimmelbild.

Helen hat sie bewusst gewählt: Anne spricht in ihren Stories immer wieder über Hochsensibilität, und Helen findet sich darin wieder – Reizüberflutung, die schnell zu viel wird. Bisher hat sie sich auf keiner Buchmesse blicken lassen; dieses Jahr will sie es wagen und sich vorher Tipps holen. Anne erklärt, warum das für Hochsensible mehr ist als ein bisschen Unbehagen: Es kann, wie sie sagt, zu schmerzhaften Reaktionen führen, je nachdem, wie ausgeprägt es ist. Sie hat gelernt, damit umzugehen – und genau diese Strategien gibt sie weiter.

Wie die Messe funktioniert

Erst einmal das Grundgerüst, „Sendung mit der Maus“-Stil: Die Frankfurter Buchmesse besteht aus mehreren Hallen, die Wege dazwischen sind angenehm groß und breit – anders als die schmalen Glastunnel in Leipzig, in denen es stressig wird, wenn man schnell von A nach B muss. Frankfurt unterscheidet zwischen Fachbesucher*innen-Tagen und Publikumstagen; als Bloggerin kann man ein Presseticket bekommen und an den ruhigeren Tagen hin. Anne selbst reist freitagabends ab, bevor das Wochenende beginnt – ein Verzicht, weil dann tolle Lesungen und Veranstaltungen laufen, aber Selbstschutz. Bücher kaufen kann man in Frankfurt nur an den Publikumstagen, anders als in Leipzig. Es stellen unheimlich viele Verlage aus, groß und klein, unabhängig und Konzern, es gibt Lesebühnen mit Lesungen im schnellen Wechsel, und jedes Jahr ein Gastland mit eigenem Pavillon – 2023 Slowenien. Der Gastland-Pavillon ist meist ruhig und damit, Tipp Nummer eins, eine gute Rückzugsmöglichkeit. Tipp Nummer zwei: das Freigelände mit Lesezelt und Essensständen, die allerdings teuer sind; Essen mitnehmen geht auch. Und dort trifft man Leute. Anne stellt sich manchmal einfach in einen Gang, und weil so viele an ihr vorbeilaufen, kennt sie meistens jemanden davon.

Was die Hallen anstrengend macht, ist der Geräuschpegel über Stunden. Deshalb Geheimtipp Nummer drei:

Oropax

Ja, wirklich. Anne trägt in den Hallen Oropax – die elegante Version, schnell rauszunehmen. Man hört trotzdem, wenn sich jemand nähert, aber alles ist angenehm dumpf, und sie kann sich mit den Augen treiben lassen, irgendwo stehen bleiben, einen anderen Fokus haben. Manchmal setzt sie sie nur ein, um von A nach B durch die Menschenmenge zu kommen. Helen, die ohne Oropax nicht mehr schlafen kann, hatte sich gerade gefragt, ob das unhöflich wirkt. Überhaupt nicht, sagt Anne: Im Gespräch nimmt man sie raus, und die Reaktionen sind meistens „ach, das ist ja smart“ – spätestens in der sechsten Stunde ist ohnehin jede an dem Punkt, an dem sie nicht mehr smalltalken kann. Wer zu viel Außengeräusch hat, kann anderen nicht mehr zuhören; mit Oropax lässt sich das zumindest eindämmen, gerade wenn man allein unterwegs ist.

Wie viele Messen es für sie schon waren, kann Anne nicht genau sagen: Ihre erste war als Praktikantin, mit fuxbooks ist sie seit etwa 2018 dabei, dazwischen liegt die Corona-Lücke. Trotzdem verläuft sie sich jedes Mal und kommt an einem anderen Eingang heraus. Also: Geduld mit Ein- und Ausgängen, sich orientieren, wo es zur S- und U-Bahn geht, und nicht einfach der Masse hinterherlaufen, sondern jemanden fragen – denn sich zu verirren, wenn man es eilig hat, ist für sie eine der Situationen, die es besonders schwer machen. Die Anreise selbst ist entspannt, die Messe gut angebunden, nur Züge und S-Bahn sind voll. Deshalb kommt sie nicht zur Türöffnung um 10 Uhr, sondern gegen 11, wenn der erste Ansturm vorbei ist.

Puffer, FOMO und die Frage, was in die Tasche kommt

Zwischen Hallenbesuchen und Terminen bei Verlagen lässt Anne eine halbe bis eine Stunde Luft – ihre Podcast-Kollegin Tina Lurz würde das ganz anders machen, drei Minuten Umsteigezeit reichen ihr auch beim Zug. Aber man muss essen, trinken, zur Toilette, wo Schlangen sind, und trifft unterwegs jemanden. Helen, die sich ohnehin schnell verläuft, will lieber noch mehr Puffer einplanen. Und dann der Tipp, der Helen am meisten hilft: FOMO gar nicht erst zulassen. Wie du deine Messe gestaltest, ist richtig. Wenn du Pausen brauchst, brauchst du Pausen; wenn du eine Halle nur zur Hälfte siehst, ist das okay. Messe kann auch toll sein, wenn man zwei Stunden mit jemandem draußen auf der Bank sitzt.

Wie sehen die Hallen aus? Keine Büchertische, sondern frontal präsentierte Bücher auf Augenhöhe, damit man sie über die Köpfe hinweg sieht. Große Stände – Anne nennt DuMont, Random House, Suhrkamp – sind gute Orientierungspunkte, um sich zu verabreden. Wer als Bloggerin bekannt ist, bekommt an Ständen oder bei Bloggerinnen-Treffen Bücher angeboten. Verlockend, aber Anne lässt die Vernunft walten: Man muss alles nach Hause schleppen. Ihre Standardantwort ist, freundlich um Zusendung per Post zu bitten; niemand ist deshalb böse. Was in die Tasche gehört, hat sie ebenfalls parat: eine Gürteltasche, die man vor den Körper drehen kann, für Handy, Oropax, Taschentücher und eine kleine, nachfüllbare Flasche; ein Riegel oder Traubenzucker; Kaugummi oder Fisherman’s Friend gegen den schalen Messekaffee vor dem Verlagstermin; Nasenspray für alle, die geschlossene Räume schlecht vertragen; Augentropfen für Kontaktlinsenträgerinnen. „Ein bisschen wie ein Festival“, findet Helen, und will eine Checkliste daraus machen. Für alles andere gibt es den Extra-Beutel – Vorschauen nimmt Anne allerdings kaum noch mit.

Und dann der Fehler vom Vorjahr: Tickets und Presseausweise sind ausgedruckte DIN-A4-Blätter, die man gefaltet in eine Hülle am Schlüsselband steckt – wenn man eine hat. Anne hatte ihre entsorgt, die Messe gab keine mehr aus, um Plastik zu vermeiden, und so klemmte sie das Blatt mit einer Haarklammer in die Brusttasche ihrer Hemdbluse. Drinnen braucht man das Ticket nicht mehr offen zu tragen – es fällt Anne nur auf, dass Gesprächspartner*innen verstohlen nach unten schauen, um den Namen zu lesen. Nicht verlieren, dann reicht auch der Geldbeutel.

Indies, Gespräche und das Recht, zu gehen

Wie man möglichst viele Verlage in einer Stunde schafft, kann Anne nicht sagen – die Falsche dafür. Ihr Tipp ist ein anderer: bei den Indie-Verlagen schauen, wo es viele neue Häuser gibt, in den kunstvollen Bereich und zu den schönsten Büchern, also Dinge sehen, die man in der Buchhandlung nicht sieht. Und ins Gespräch kommen mit Verlagsleuten, wenn man Lust darauf hat. Sie selbst geht nicht an einen Stand und stellt sich vor – „hallo, ich bin die Anne, kennt ihr mich nicht?“ –, sondern schaut, sagt Hallo, und entweder ergibt sich ein Gespräch oder nicht. Ein Mäuschen, teilweise, und damit fährt sie gut; wer sie sieht, darf sie ruhig ansprechen. Die einen machen es so, die anderen so, und man kann herausfinden, was das eigene Ding ist.

Helens konkrete Angst: dass es so viel ist, dass sie sich nicht zurechtfindet, dass sie lost ist. Anne nimmt ihr das nicht ab, sondern bestätigt es: Du wirst dich lost fühlen, das ist ein Fakt. Aber dann – die Mutter in ihr – zwei Schritte zurück, kurz stehen bleiben, schauen, wo man ist, weiter. Alles ist ausgeschildert, es gibt einen Hallenplan und eine App, viele Ausgänge, schnell frische Luft. Für sie, sagt sie, ist Frankfurt die angenehmere Messe als Leipzig, die viele als familiärer und lebendiger beschreiben: Leipzig ist kleiner, und es sind sehr viele Menschen auf wenig Raum; Frankfurt entzerrt sich besser.

In einem Livestream hatte Anne einmal gesagt, ihr mache eigentlich nichts Angst, und Helen, der gefühlt alles Angst macht, fragt nach. Doch, sagt Anne: Sie hat viele Jahre damit verbracht, sich mit Angst in neue Räume zu begeben und schrecklich unsicher zu sein; als Kind versteckte sie sich hinter den Beinen ihrer Mutter, die sich heute freut, dass ihre Tochter auf Bühnen steht. Was sich geändert hat, ist das Wissen, was auf sie zukommt – und eine Entscheidung:

Also, ich hab insofern nicht mehr Angst, weil ich weiß, ich entscheide, wann es mir zu viel wird, und ich das abbrechen kann.Anne Sauer

Das sagt sie dann auch. Bei den Umtrunks an den Verlagsständen, die es fast jeden Abend gibt, mit Grüppchen in den Gängen und noch einmal anderem Geräuschpegel, kann es passieren, dass sie sagt: Sorry, ich würde mich gern mit dir unterhalten, aber es ist mir gerade zu viel, ich gehe – und geht. Dass sie das frei entscheidet, nimmt ihr die Angst. Manchmal ärgert sie sich trotzdem: Im Vorjahr kam sie ohne Verabredung an, hatte sich gefreut und war sofort überfordert, es war die erste Messe nach Corona, auf einmal all diese Menschen. Also setzte sie sich erst einmal eine halbe, dreiviertel Stunde allein nach draußen, war traurig – und dachte dann: Ist doch auch okay. Kaffee trinken, Sonne genießen, warten, bis jemand kommt, den man kennt. Helen erkennt sich darin: Ihre eigenen Grenzen zu wahren, oder sich überhaupt einzugestehen, dass eine erreicht ist, fällt ihr schwer, und im Kopf macht sie Dinge gern groß.

Zwei Ratschläge zum Schluss dieses Teils: ein kleines Mädels, die lesen.-Get-together auf der Messe – draußen, am Lesezelt oder eben an der Rolltreppe, wo Anne im Vorjahr ihr Podcast-Treffen abgehalten hat und jede Bescheid weiß – als Wohlfühlmoment mit Menschen, die man kennt. Und: sich nie zu lange an eine Gruppe hängen. Außer man hat seine Messe-Buddies, mit denen alles passt, ist es entlastend für beide Seiten, sich zwischendurch zu trennen, statt sich mit Absprachen zu stressen – „wir müssen um zwei bei DuMont sein“, „ich um halb drei“ – und sich in zwei Stunden am Crêpe-Stand wiederzutreffen.

Mut, Meinung und eine Rede mit Schiss

Helen ist, wie sie zugibt, ein bisschen Fangirl: Sie findet inspirierend, was Anne sich traut, und wäre gern mutiger, würde auf Instagram gern mehr Meinung vertreten. Anne findet es absurd, dass so etwas aus ihrem Mund kommt – natürlich hat sie vor Dingen Angst, nur anders konnotiert. Als Kind war sie ängstlich, kein Rabaukenkind, kletterte nicht; das Tanzen brachte ihr ein anderes Körpergefühl, und auf Bühnen zu sprechen hat sie bis 25 nicht gemacht. Dann kam die Ausbildung zur Texterin, in der sie vor gestandenen Männern in Werbeagenturen ihre Ideen präsentieren musste – das hat einiges schmerzfreier gemacht. Inzwischen traut sie sich auch Widerworte, neulich auf einem Podium zu einer Publikumsmeldung, was sie vor ein paar Jahren nicht getan hätte.

Warum fällt es auf Instagram schwerer, eine Meinung zu vertreten, als im Freundeskreis? Je mehr Augen zuschauen, sagt Anne, desto schöner sind teils die Reaktionen – aber es gibt immer Leute, die etwas dagegen haben, die es besser wissen, die hinter dem Rücken reden; die gab es schon in der Schule, und im besten Fall trifft es einen heute nicht mehr so. Das Gefühl, da sei eine Instanz, die einen bewertet, passiert vor allem im Kopf. Helen stört, dass sie sich nicht ganz authentisch fühlt, wenn sie etwas zurückhält. Anne beruhigt sie: Was sie zeigt, ist authentisch, alles zeigen kann ohnehin niemand. Und wenn eine Facette fehlt, kann man sie ergänzen – so wie Anne das Thema Hochsensibilität auf Instagram bespielt. Hätte sie immer nur „Hashtag blessed, Summer Vibes“ gepostet, entstünde ein anderes Bild; die Gleichzeitigkeit zu zeigen, macht sie für viele greifbarer. Die Sorge, gejudged zu werden, ist eher eine Tür, die man für andere aufmacht – durch die allerdings auch viel Quatsch hereinkommt, weshalb man sich wappnen muss.

Helen erinnert an Annes Rede bei der Verleihung des Young Excellence Awards des Börsenblatts, die als Reel zu sehen war. Da hatte Anne, wie sie sagt, seit Langem wieder richtig Schiss: Eigentlich sollte sie mit jemand anderem auf die Bühne, das klappte nicht, die Alternative wollte sie nicht, also machte sie es allein, füllte ihre Minuten mit einer selbst geschriebenen Rede, die niemand vorher gelesen hatte – und kritisierte darin Instagram und Social Media, obwohl sie den Award unter anderem für ihre Social-Media-Arbeit bekam. Ob das belächelt würde, wusste sie nicht. Es ist meine Meinung, meine Art, dachte sie: take it or leave it.

Buchhandlung Lüders, Taylor Swift und der 2. Dezember

Seit 2019 arbeitet Anne außerdem in der Buchhandlung Lüders in Hamburg – als Quereinsteigerin, denn ausgebildete Buchhändlerin ist sie nicht, aber mit Buchhandelserfahrung aus ihren Verlagsjahren; der Kontakt kam über Instagram. Man trifft sie dort unregelmäßig, meist freitags oder samstags, und Helen schlägt vor, die Termine wie Tattoo-Artists anzukündigen – die dann sofort ausgebucht sind, schwieriger als Taylor-Swift-Tickets. Womit das Gespräch bei Anne Sauers zweitem großen Thema landet: Sie hat Tickets für Taylor Swifts Tour im nächsten Jahr, kennt jedes Outfit und jede Kameraeinstellung schon, und Helen wünscht sich kurz eine Nähmaschine, um ein nachgeschneidertes Taylor-Swift-Outfit für Karneval zu haben. Das Messeoutfit ist dagegen schnell besprochen: die bequemsten Sneaker, die man hat, und Zwiebel-Look, weil es drinnen warm und draußen frisch ist, am besten so, dass die Schichten in den Beutel passen; es gibt Garderoben, immer die am Ausgang wählen.

Zum Schluss die Ankündigung: Das Buchclub-Treffen in der Buchhandlung Lüders, vor einem Jahr schon einmal geplant, wird am 2. Dezember 2023 nachgeholt – nach Ladenschluss, nur die Mädels, die Bücher und ein paar Snacks, im Advent. Anne erzählt von den Surprise Kits der Buchhandlung, in der Pandemie als Survival Kits entstanden: Man nennt Genre oder Lieblingsautorin, das Team stellt eine Tüte zusammen, „Human Algorithm“ – vielleicht auch etwas für das Treffen. Helen fühlt sich, so ihr Fazit, voll gewappnet. Anne ist jetzt schon stolz auf sie, und sie verabreden sich auf der Messe: Helen mit Oropax im Ohr, Anne tippt ihr auf die Schulter.

Was Anne über Bloggerinnen-Treffen mit Autor*innen erzählt, welche Rolle die Rolltreppe wirklich spielt und wie Helens Strickliesel-Karriere endete – das hörst du in der ganzen Folge.

Die ganze Folge hören

Anne Sauers Bücher – erschienen nach der Folge

In der Folge geht es um keine Bücher, sondern um die Messe. Seit der Aufnahme hat Anne Sauer aber zwei eigene veröffentlicht.

Buchcover »Look What She Made Us Do« von Anne Sauer

Look What She Made Us Do

Anne Sauer · Rowohlt Taschenbuch · 160 Seiten

Ihr Essay über Taylor Swift, erschienen 2024 – im Jahr der Konzerte, auf die sie sich in der Folge freut.

Bei Thalia ansehen*

Buchcover »Im Leben nebenan« von Anne Sauer

Im Leben nebenan

Anne Sauer · dtv · 272 Seiten

Ihr Romandebüt, hier in der Taschenbuchausgabe.

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Häufige Fragen

Wie bereitet man sich als hochsensible Person auf die Frankfurter Buchmesse vor?

Anne Sauers Tipps aus der Folge: Oropax einpacken und in den Hallen tragen – man hört trotzdem, wenn jemand einen anspricht, aber der Geräuschpegel wird dumpf. Nicht zur Türöffnung um 10 Uhr kommen, sondern etwas später, wenn der erste Ansturm vorbei ist. Zwischen Terminen eine halbe bis eine Stunde Puffer lassen, weil Essen, Trinken, Toilettenschlangen und zufällige Begegnungen Zeit kosten. Zwischendurch nach draußen aufs Freigelände gehen, den meist ruhigen Gastland-Pavillon als Rückzugsort nutzen – und sich selbst erlauben, zu gehen, wenn es zu viel wird. Sie selbst reist freitags ab, bevor die vollen Publikumstage beginnen.

Was sollte man zur Buchmesse mitnehmen?

Bequeme Schuhe, in denen man lange stehen kann, und Zwiebel-Look, weil es in den Hallen warm und draußen frisch ist. Eine kleine Gürtel- oder Bauchtasche, die man vor dem Körper tragen kann, für Handy, Oropax, Taschentücher und eine kleine, nachfüllbare Flasche; dazu ein Riegel oder Traubenzucker, Kaugummi gegen den Messekaffee-Geschmack, bei Bedarf Nasenspray und Augentropfen. Für alles andere einen Extra-Beutel. Und ein Lanyard oder eine Hülle für das ausgedruckte Ticket, denn die Plastikhüllen gibt es vor Ort nicht mehr – Anne Sauer hat ihres im Vorjahr mit einer Haarklammer an der Hemdbluse befestigt.

Kann man auf der Frankfurter Buchmesse Bücher kaufen?

Nur an den Publikumstagen am Wochenende, sagt Anne Sauer – an den Fachbesucher*innen-Tagen davor nicht (in Leipzig dagegen immer). Wer als Bloggerin bekannt ist, bekommt an den Ständen oft Bücher angeboten. Ihr Rat: nicht alles mitnehmen, weil man es tragen muss, sondern freundlich um Zusendung per Post bitten. Auch die Essensstände auf dem Freigelände sind ihrer Erfahrung nach teuer – Essen mitzunehmen geht auch.

Wo trifft man sich auf der Frankfurter Buchmesse?

Nicht mitten in der Halle vor dem Stand, an dem gerade der Topautor die längste Schlange verursacht. Anne Sauer empfiehlt Treffpunkte draußen: das weiße Lesezelt auf dem Freigelände, das Café im Gastland-Pavillon oder den Klassiker, an dem im Vorjahr auch ihr Podcast-Treffen stattfand – unten an der Rolltreppe. Große Stände wie die von DuMont oder Suhrkamp taugen als Orientierungspunkte. Und: sich nicht zu lange an eine Gruppe hängen, sondern zwischendurch auch allein losziehen und sich in zwei Stunden wieder verabreden.

Wer ist Anne Sauer?

Jahrgang 1989, studierte Buchwissenschaft und Philosophie in Mainz, arbeitete nach einem Verlagsvolontariat von 2015 bis 2020 als Texterin in Hamburger Werbeagenturen und ist seit 2021 selbstständig als Texterin und Literaturvermittlerin. Seit 2017 empfiehlt sie als @fuxbooks auf Instagram Bücher, seit 2020 im Podcast MONATSLESE mit Tina Lurz, seit 2021 als freie Redakteurin des Büchermagazins MOKA; daneben arbeitet sie in der Hamburger Buchhandlung Lüders. 2022 erhielt sie den Young Excellence Award des Börsenblatts. Seit der Aufnahme sind zwei Bücher von ihr erschienen: der Essay »Look What She Made Us Do« über Taylor Swift (Rowohlt, 2024) und ihr Romandebüt »Im Leben nebenan« (dtv).

Die ganze Folge zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme. Helens An- und Abmoderation, der eingesprochene Hinweis auf die Schmökerrunde, ihr Hinweis auf die Stofftasche im Shop und der Werbeblock für die Frankfurter Buchmesse stehen nicht hier.

Helen
Herzlich willkommen Anne. Ich freue mich sehr, dass das heute klappt und wir uns heute sprechen. Bevor wir loslegen, frage ich dich gleich einfach direkt, wo wir uns gerade quasi fiktiv treffen, also für unsere Hörer*innen. Würden wir uns befinden, wenn wir das jetzt im Real Life uns treffen würden, was hast du dir da ausgedacht?

Anne Sauer
Ich wäre jetzt am allerliebsten gerade im Abendrot auf einer Brücke in Paris mit Blick auf die Seine.

Helen
Das finde ich richtig schön.

Anne Sauer
Sehnsuchtsort.

Helen
Voll, voll schön. Und womit stoßen wir da an?

Anne Sauer
Mit etwas nicht ganz typisch Französischem, aber mein Lieblingscocktail, den ich irgendwann mal auserkornet habe zum Lieblingscocktail. Ich habe noch gar nicht so viele Cocktails von wem probiert. Aber das ist ein Gin Basil Smash. Das ist mega lecker und es gibt ja auch, für alle, die keinen Alkohol trinken möchten, gibt es ja auch alkoholfreien Gin. Das habe ich jetzt vor kurzem gelernt, das hat mein Leben verändert, ich liebe es.

Helen
Wäre es dann wahrscheinlich ein alkoholfreier Gin Basil Smash? Ich finde auf jeden Fall, es hört sich richtig gut an. Ich trinke sonst leider nicht ganz so viel Gin. Ich wäre aber bereits mit dir nochmal zu probieren. Deswegen würde ich sagen, stoßen wir jetzt einfach einmal an.

Anne Sauer
Mein Wasser hat nie besser geschmeckt.

Helen
Geil! Aber was ich gerade so dachte ist, ob wir das dann nicht sogar auch im Dezember mal ausprobieren könnten. Aber da kommen wir gleich noch mal drauf zu sprechen, was im Dezember ist. Ich freue mich aber auf jeden Fall, dass wir heute auch so ein bisschen, ich habe dich gefragt, ob wir vielleicht so ein bisschen über Buchmesse und sowas sprechen können, weil ich das Gefühl habe, da kennst du dich sehr gut mit aus. Aber vielleicht zu Beginn einmal erzähl uns doch mal, wer bist du und was machst du so und wo findet man dich in diesem Internet?

Anne Sauer
Im Internet findet man mich vorwiegend bei Instagram unter fuxbooks. Ich habe davor, vor, ich glaube mittlerweile sieben Jahren, es ist schon zehn Jahre her, fast sieben Jahre, einen Account ins Leben gerufen sozusagen, weil ich damals dachte, hey, es gibt Menschen, die besprechen Bücher bei Instagram. Cool, das will ich auch. Das ist eine coole Sache. Es gibt gratis Bücher. Geil. Da bin ich dabei. Da bin ich dabei. Ganz vorne. Und das mache ich jetzt eine Weile. Es hat sich aber ein bisschen entwickelt. Ich würde jetzt gar nicht mehr sagen, dass ich so die klassische Buchbloggerin bin, die im Eiltempo Neuerscheinungen liest und bespricht. Also Respekt vor allem, die das schaffen. Ich finde es super gut und inspirierend. Ich habe außerdem nämlich auch noch einen Podcast gegründet, mit Tina Lurz, auch vor ein paar Jahren, die Monatslese. Dann arbeite ich aber auch noch in der Buchhandlung und schreibe auch frei für mehrere Magazine, zum Beispiel das MOKA-Magazin, wo du ja auch schon mal drin warst. Das erscheint ja dreimal jährlich und das ist noch so ein schönes kleines Printmagazin mit tollen Inhalten und ganz viel Buchtipps und dann aber auch fürs Büchergilde-Magazin oder andere Literaturmagazine. Das heißt, ich streue so meine Buchtipps und deswegen ist es bei Instagram nicht mehr ganz so viel. Und nicht so gut findet man mich meistens auf der Buchmesse und das habe ich auch zuerst gefragt.

Helen
Deswegen hast du dich gefragt, warum ich dich gefragt habe.

Anne Sauer
Ja genau, das habe ich mich wirklich zuerst gefragt. Aber ich habe auch gesagt, na, Helen, bist du dir sicher, dass ich da die richtige Gesprächspartnerin bin? Weil ich zumindest auf der letzten Buchmesse, die in Leipzig stattfand, aber auch in Frankfurt teilweise die Königin des Versteckens geworden bin. Und ja, du hast gesagt, darum geht es auch so ein bisschen, also eigentlich mal so um Tipps, ne? Deswegen bin ich sehr gespannt auf deine Fragen heute. Aber ich freue mich auf die Buchmesse in Frankfurt. Also es ist nicht so, dass ich mich nicht verstecke, weil ich es doof finde.

Helen
Also du gehst auf jeden Fall dieses Jahr hin.

Anne Sauer
Ich geh hin. Und wenn Glück hat, findet mich auch.

Helen
Wie so ein Suchbild irgendwie. Wer findet alle?

Anne Sauer
Ja, Where’s Fuxbooks, ja.

Helen
Ja, finde ich sehr gut. Kannst du so ein Wimmelbild oder so was? Was dann machen. Und einen Plan. Ja, ich hab tatsächlich dich, also du bist mir wirklich als Erste in den Sinn gekommen, weil du das Thema so Hochsensibilität ja auch immer wieder mal in den Stories und so erwähnst und ich mich damit irgendwie sehr identifizieren kann. Es ist jetzt nicht so, als wäre das irgendwie bei mir diagnostiziert worden oder so. Ich hab das dir ja auch erzählt, meine Therapeutin mag sowieso gar keine Labels, ich hatte ihr das dann schon mal erzählt. Irgendwie finde ich mich da total oft drin wieder, was du so beschreibt. Und ich dachte so, ich glaube, mir geht das oft ähnlich. Das ist so oft so, also so wie ich das jetzt, ich weiß nicht, ob ich das recht wiedergebe, aber das eben oft einfach so eine krasse Reizüberflutung ist und schnell auch mal zu viel wird. Und ich hatte halt jetzt gedacht, ich wage mich dieses Jahr das erste Mal auf die Buchmesse, weil ich habe mich bisher noch auf gar keiner blicken lassen. Deswegen hast du mir einiges voraus. Und ich dachte, vielleicht könnte ich mir bei dir ein paar Tipps einholen, wie ich mich da am besten darauf vorbereite, wenn mir genau das eben ein bisschen Angst macht, dass es ja doch wahrscheinlich relativ viele Eindrücke sind.

Anne Sauer
Viele Eindrücke, viele Menschen, genau.

Helen
Ja.

Anne Sauer
Weshalb es ja auch für uns Hochsensiblen, das hat irgendjemand mal so betitelt und das finde ich eben ganz süß, ein Problem sein kann, ist ja, es ist ja nicht so, dass es uns einfach ein bisschen viel wird, sondern dass es ja auch zu schmerzhaften Reaktionen führen kann. Also je nachdem, wie ausgeprägt das so ist. Also ich hatte auch schon diverse Panikattacken auf so Buchmesse, in so Buchmesse-Situationen, die aber immer weniger werden. Weil ich jetzt ganz gut weiß, damit umzugehen. Aber wer noch nie auf der Buchmesse war und vielleicht plant, hinzufahren. Grob, können wir ja erst mal erzählen, was das bedeutet. Also die Buchmesse in Frankfurt ist so mit die Sendung mit der Maus. Also es gibt halt mehrere sogenannte Hallen. Ich finde, in Frankfurt ist das sehr gut organisiert und die Wege zwischen den Hallen sind auch im Vergleich zu Leipzig, finde ich angenehm groß und breit. Das ist ja auch noch mal so ein Also in Leipzig hast du zum Beispiel relativ schmale Tunnelgänge. Also mit Glas, du siehst immer, wo du hinläufst, aber wenn dann was blockiert ist oder du musst schnell von A nach B, dann kann das zu Stress führen, wenn du nicht durchkommst durch diese Massen von Menschen. In Frankfurt ist es auch so, dass es unterschieden wird zwischen Fachbesucher*innen-Tage und Publikumstage. Das heißt, du hast noch mal als Bloggerin zum Beispiel die Möglichkeit, ein Presse-Ticket zu bekommen und kannst eben dann bei den Tagen schon hin, wo vielleicht nicht ganz so viel los ist. Publikumstage. Das hilft mir zum Beispiel auch. Also ich reise sowas von Freitagabend ab. Also ich bin da. Ciao, ich bin raus. Ciao, ich reise ab. Bis nächstes Jahr, weil mir das dann einfach zu viel wird. Und das ist zwar schon auch schade, weil am Wochenende sind auch tolle Veranstaltungen, super Lesungen, richtig coole Autor*innen, die was machen oder… So Events und das ist dann, das tut immer ein bisschen auch weh. Also es ist ja auch Verzicht, ne? Aber in dem Fall so ein bisschen Selbstschutz und ich nehme dann einfach vor, die Zeit, die ich da bin, zu genießen. Ja. Und es gibt, du hast es schon erwähnt, also Reizüberflutung auf jeden Fall kann schon, kann schon passieren, weil, und das ist aber auch das Tolle, unheimlich viele verschiedene Verlage da ausstellen. Groß, klein, independent, Konzerne. Es gibt verschiedene Lesebühnen, wo du auch immer fündig wirst und wo auch im relativ schnellen Wechsel Lesungen stattfinden. Dann gibt es auch noch immer ein Gastland. Das ist Slowenien in diesem Jahr. Und es gibt immer einen wunderschönen Gastland-Pavillon, wo dieses Land dann eben ja in die in die Kultur einführt und sich auch ein Motto überlegt oder ein bestimmtes Konzept für diesen Pavillon und das ist immer total schön. Da ist es meistens auch sehr ruhig. Das ist schon der erste Tipp. Das ist schon der erste Tipp, je nachdem was da natürlich stattfindet. Ich weiß jetzt nicht, was Slowenien plant, aber dieser Gastland-Pavillon ist eine ganz gute Rückzugsmöglichkeit. Es gibt draußen nach der Buchmesse eine riesige Fläche, wo auch ein Lesezelt ist, aber auch verschiedene Stände, Essensstände, was übrigens sehr teuer ist. Also man kann schon ein bisschen Geld einplanen oder sich einfach Essen mitnehmen. Geht auch. Geht auch. Und was ich sagen wollte ist, dass da auch noch mal die Möglichkeit besteht, sich auch einfach mal an die frische Luft zu begeben. Und da triffst du immer Leute. Also ich stelle mich manchmal auf der Buchmesse einfach nur in Gang und es laufen so viele mir schon vorbei und ich kenne halt dann meistens welche davon. Und das ist dann sehr praktisch. Die kommen dann zu mir. Ich finde das schön. Voll gut. Also man trifft sich. Es gibt verschiedene Treffpunkte. Das heißt, wenn du dich wirklich verabreden willst, dann gibt es genug Möglichkeiten, sich nicht mittendrin in Halle 4, wo irgendwie gerade der Topautor die größte Schlange der Welt verursacht, dann gibt es auch genug draußen. Zum Beispiel an der Rolltreppe unten, das wird oft passieren.

Helen
Rolltreppe, ja, da wissen alle Bescheid. Okay. Ja.

Anne Sauer
Hab ich, genau, das ist so die Buchmesse. Und halt Halle. Das ist das, was halt anstrengend macht. Du bist halt wirklich teilweise stundenlang in einer Halle und dieser Geräuschpegel ist anders. Und deswegen Deswegen kommt jetzt mein Geheimtipp Nummer zwei, Oropax.

Helen
Ich wollte dich das gerade fragen und dann dachte ich ja, aber wenn du immer angesprochen wirst, aber machst du das? Das kriegst du ja trotzdem mit. Ja.

Anne Sauer
Also Oropax sind ja so die elegante, die elegante Version, du kannst die auch ganz schnell rausnehmen. Du hörst ja trotzdem, wenn sich dir jemand nähert oder so, das ist einfach nur alles ganz angenehm abgestumpft, so dumpf. Und dadurch fällt’s mir viel leichter, mich da durchzubewegen, ohne Panikattacken zu bekommen. Ich kann mich auch mal nur mit meinen Augen so ein bisschen treiben lassen und auch mal irgendwo bleiben. Ich hab einen anderen Fokus. Ich mach mir teilweise die Oropax rein, wenn ich einfach nur weiß, ich muss jetzt von A nach B. Einfach nur, um durchzukommen. Und da sind viele Menschen und … Genau, den Reiz geb ich mir dann nicht. Also unbedingt Oropax einpacken. Das ist wirklich ein ernstgemeinter Tipp. Ja.

Helen
Das ist ein Life-Changer. Ich hab sowieso vor einigen Jahren Oropax für mich entdeckt. Ich kann ja ehrlich gesagt nicht mehr ohne schlafen. Ich würde mir das gerne eigentlich wieder abtrainieren, aber wenn ich die drin hab, mich aufs Kopfkissen lege, ich bin weg halt sofort. Deswegen hab ich, als du das gerade so beschrieben hast, gedacht, ob man wohl auch Oropax hinnehmen kann oder ob das unhöflich wirklich, aber dann okay, mach ich.

Anne Sauer
Überhaupt nicht, weil dann, wenn du ja mit jemandem sprichst, nimmst du sie dann raus.

Helen
Ja, ständig so, wie bitte? Was? Kannst du bitte lauter?

Anne Sauer
Und der Witz ist, also die Reaktionen, die ich auf Oropax bekomme, sind meistens so, ach, das ist ja smart. Ja. Also einfach, weil alle, ne, es ist ja irgendwann auch nach zweieinhalb Tagen oder, der erste Tag ist schon anstrengend und dann ist es halt irgendwann für alle die sechste Stunde, also alle sind halt einfach an einem Punkt, dass du halt denkst, okay, Ich kann jetzt nicht noch mehr Smalltalken. Und ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich kann auch manchmal, wenn zu viel Außengeräusch ist, kann ich auch anderen nicht mehr zuhören. Mhm. Und wenn du das natürlich den ganzen Tag hast, ich glaube, mit Oropax kannst du das, zeitweise, wenn du allein unterwegs bist zum Beispiel, das kommt ja auch vor, ist ja auch schön, dann bist du ungebunden, kannst du das zumindest ein bisschen eindämmen. Wenn du in der Stamme hingegehst und so ein bisschen guckst suchst und Fotos machst und so, dann musst du dich ja nicht… Ja, das ist so der erste Tipp, der glaube ich für uns hochsensible ein bisschen Erleichterung verspricht.

Helen
Ja, ich meine, es waren ja eigentlich schon drei, zwischendurch mal nach draußen gehen, dieser Gastland-Pavillon und Oropax. Voll gut. Die wievielte Messe ist das für dich? Buchmesse generell?

Anne Sauer
Ja, das hätte ich mir natürlich vorher überlegen können. Es war ja klar, dass die Frage kommt. Hätte ich dir auch mal vorgeschrieben können. Also ich bin ja schon eine ganze Weile in der Verlagsbranche. Deswegen, meine erste Buchmesse, da war ich noch klein, da war ich noch ein kleines, ein kleines Praktikanten, also kleine mit Alter bezogen. Ich meine die siebte oder achte. Ja okay,

Helen
Also du hast jetzt auch so, sagst du, ein paar Jahre gesammelt.

Anne Sauer
Vielleicht sogar mehr, weil ich bin das erste Mal mit Fuxbooks 2018 hin, glaube ich. Ach, Schall und Rauch, es ist alles so verworren, diese Zeiten. Und dann ist ja viel ausgefallen wegen Corona und deswegen ist da so eine Lücke im Buchmessen-Lebenslauf. Aber ich habe schon ein paar mitgemacht. Trotzdem, und das ist auch noch so ein Ding, verlaufe ich mich immer wieder, Kommen immer bei einem anderen Eingang rein, erstaunlicherweise. Das ist nämlich das nächste. Du musst dir ein bisschen Geduld geben mit Ein- und Ausgängen und dich zu orientieren, wo geht’s zu S-Bahn, wo geht’s zu U-Bahn. Und es ist nicht immer das Klügste, einfach der Masse hinterher zu laufen.

Helen
Okay.

Anne Sauer
Also, lieber jemanden fragen. So, weil ich bin da auch schon wirklich Irrwege gegangen und das führt auch zu Panikattacken bei mir, wenn ich nicht weiß, wo ich bin oder wenn ich es eilig hab und ich weiß, ich muss zum Zug oder so. Also das ist eine Sache. Aber es ist super gut angebunden, das ist halt nice. Also die Frankfurt Messe ist die entspannteste Messe, was die Anreise angeht, theoretisch. Man muss aber damit rechnen, dass die Züge und die S-Bahn sehr voll sind, je nachdem wann du ankommst. Deswegen ist es zum Beispiel auch so, dass ich eigentlich nicht unbedingt zur Türöffnung schon direkt da bin. Also um 10 geht, glaube ich, die Messe los. Du kannst natürlich sagen, ich bin so früh da, dass ich auf jeden Fall um 10 reingehe, oder du sagst, komm, ich komme um 11. Dann ist der erste Ansturm schon ein bisschen weg und so. Das ist zum Beispiel auch noch so eine Sache, die, die helfen kann. Ja. Immer genug Zeit dazwischen einplanen, zwischen so den Hallenbesuchen oder sowas zum Beispiel, oder wenn du Termine machst – also viele Bloggerinnen machen ja auch Termine bei Verlagen – oder wenn ihr euch verabredet, würde ich auch. Also ich muss ein bisschen schmunzeln bei meiner Podcast-Kollegin und Freundin Tina Lurz, die würde es ganz anders machen, die ist dann, wenn die Zug fährt, auch so. Ja klar, drei Minuten Umsteig zeigt, das reicht mir. Die hat dann so von zwei bis drei Termin, dann von Viertel nach Drei bis zu, also das ist so ganz eng. Bei mir ist es so, naja, ich hab dann so eine halbe Stunde bis Stunde zwischendrin. Weil man muss ja auch was essen, man muss was trinken, man muss auch Toilette, da sind auch oft Schlangen. Dann triffst du noch jemanden, weil du auf dem Gang stehst und es kommen Leute vorbei. Das sind alles so Sachen und man möchte Stress vermeiden auf der Messe, also ich jedenfalls. Und deswegen immer genug Puffer einbauen. Und das kann auch wirklich lange dauern durch die Hallen zu gehen.

Helen
Ja und ich muss auch sagen, ich verlaufe mich auch echt schnell. Deswegen, ja ich würde wahrscheinlich auch lieber ein bisschen noch am Puffer einplanen. Vor allem, wenn es das erste Mal ist und so. Weil es gibt wirklich viel zu gucken und manchmal hat man dann so das Gefühl, wenn man dann bei Instagram ein paar Tage später diese Stories anguckt, von an und am gleichen Tag, da denke ich dann manchmal so, wow, war ich überhaupt auf der Messe? Das hab ich gar nicht gesehen.

Anne Sauer
Ja, und das ist halt dann irgendwie auch schade, aber Messe kann halt auch toll sein, wenn du dich einfach auch zwei Stunden draußen mit jemandem auf die Bank setzt, ne?

Helen
Ja, klar.

Anne Sauer
Das ist vielleicht schon direkt noch ein Tipp, FOMO gar nicht erst zulassen. Also so wie du deine Messe gestaltest, ist es schon richtig. Und wenn du Pausen brauchst, brauchst du Pausen. Und wenn du mal eine Halle nur zur Hälfte dir anguckst, ist es dann auch okay vielleicht.

Helen
Wie kann ich mir denn so die Hallen vorstellen? Also ich habe wahrscheinlich jetzt nicht einfach nur irgendwelche… Das sind keine so plain Büchertische, sondern es ist wahrscheinlich auch einfach irgendwie alles cool gestaltet und was erwartet mich da?

Anne Sauer
Also es gibt, wie gesagt, verschiedene große Stände. Es gibt Verlage, die haben, also die siehst du schon von Weitem, das ist dann auch immer ein ganz guter Orientierungspunkt, wenn es dann heißt, Wir treffen uns bei Dumont oder vorne beim … Es ist noch groß. Random House war immer sehr groß, wenn es dann so Gruppenstände sind, wo einfach viel los ist oder … Suhrkamp hat immer einen großen, schönen Stand gehabt, wo man sich gut treffen konnte. Die denken sich schon auch was aus. Also, je nachdem, wie der Stand an sich aufgebaut ist, da gibt es verschiedene Modelle, sag ich jetzt einfach mal so. Und es gibt … also Büchertische in dem Sinne nicht, sondern das ist eher frontal präsentiert. Also, wenn du vorbeiläufst, auf Augenhöhe auf jeden Fall was siehst. Mhm. Weil wenn’s unten wär, würdest du zu wenig wahrnehmen, wenn Leute vor dir rumlaufen. Und teilweise eben ganz, ganz viel Bücher. Und an den Publikumstagen kannst du halt auch Bücher kaufen. Was dann teilweise ganz schön kuschelig ist.

Helen
Ich dachte, das könnte man immer. Ah, okay.

Anne Sauer
Nee, in Leipzig kannst du immer kaufen, aber in Frankfurt, das ist eigentlich, außer sie ändern das, aber ich glaube nicht, das ist nur das Wochenende, genau.

Helen
Ach cool, okay. Also den Teil verpasst du dann, aber du merkst dir dann spannende Bücher.

Anne Sauer
Ja, also ich sag mal, so viel davon könnte ich, also würde ich wahrscheinlich auch dann bekommen als Bloggerin, aber… Und das ist auch so was, das ist sehr, sehr verlockend, Bücher, die dir angeboten werden, mitzunehmen. Und das wird passieren, wenn du als Bloggerin da auftauchst, die auch oder der auch schon, ich sag mal, bekannt ist dem Verlag, oder auch einen coolen Account hat, und dann sagen sie, willst du was mitnehmen? Oder wenn bei Bloggerinnen-Treffen, gibt es auch zum Beispiel, dass da auch mal eine Autorin dabei ist, ein Autor, einfach für alle. Und das muss man auch einkalkulieren, dass dir eventuell Bücher angeboten werden. Und das ist extrem verlockend, aber ich versuche dann auch immer meine Vernunft walten zu lassen und denke, nein, ich nehme das jetzt nicht mit. Ich überlege mir das nochmal, schreibe eine E-Mail oder ich sage, ok, bestelle ich, kannst du mir gerne per Post checken, weil ihr müsst alles schleppen. Ja, alles ihr daheim schleppen. Und das ist also bei so Bloggerinnen-Treffen ja wenn es eh alle bekommen, aber sonst würde ich denken überlegt euch ein bis zweimal ob ihr das jetzt unbedingt sofort mitnehmen müsst oder ob ihr wirklich so viele Bücher auch mitnehmen wollt.

Helen
Ja das ist ein gutes Argument. Ich habe halt im ersten Moment gedacht, boah das schaffe ich ja eh alles nicht zu lesen, aber das kommt ja noch hinzu. Obwohl wo ich da immer das Gefühl hab, das ist bei dir gar nicht das Thema.

Anne Sauer
Was?

Helen
Aber wahrscheinlich hast du auch mehr Bücher, als du schaffst zu lesen. Aber klar, das Gewichtsthema, da hab ich nicht drüber nachgedacht. Guter Tipp. Okay. Vielleicht überlegt man sich da auch schon mal so eine Standardantwort. Ich lass es mir noch mal durch den Kopf gehen oder so.

Anne Sauer
Ja, oder einfach, es ist auch gar nicht schlimm, zu sagen, ich möcht super gerne lesen oder besprechen oder es klingt toll, schickt es mir gerne per Post. Das ist voll okay. Also das ist, die sind da jetzt auch nicht böse. Es passiert nur manchmal, dass die sagen, willst du gleich was mitnehmen? Und dann sage ich halt so, ich glaube nicht. Und dann wissen die auch schon warum, weil es einfach, du musst es tragen.

Helen
Ja voll sinnvoll. Ich kann natürlich auch, ich weiß nicht, hörst du auch den 30 Podcast? Kennst du den? Ja. Da muss ich gerade an diesen Hackenporsche denken. Jaja, das war echt nice. Oder man bringt sowas gleich mit.

Anne Sauer
Oder genau, generell auf jeden Fall überlegen, was für eine Tasche du mitnimmst. Weil, also ich meine, wir haben, ich habe immer noch einen extra Beutel dabei. Ich empfehle aber auch so eine, also wie heißt das, Bauchtasche, die ich aber so um die Schulter trage. Oh ja. So eine Gürteltasche. Weil die kann man ganz schnell so vor und zurück machen. Genau, also nicht die Brusttasche, sondern ja doch auch für Geld und sowas, weil du kannst es dann theoretisch einmal direkt vor dich packen, wenn du durch viele Menschen durch musst, kannst du es einmal festhalten. Also du brauchst ja auch was für Handy, Oropax, Tempos, eine kleine Flasche würde ich empfehlen, die da reinpasst, die du immer auffüllen kannst.

Helen
Wir müssen eine Checkliste machen mit all deinen Tipps.

Anne Sauer
Ja, das ist, ja, also, das ist ein bisschen wie ein Festival halt, ne? Ja. Also, es gibt da ja alles. Also ich hab zum Beispiel auch immer ein Riegel dabei. Oder sowas wie Traubenzucker. Auf jeden Fall habe ich dabei Kaugummis und oder Fisherman’s Friends. Sehr gut. Um den schalen Messecafé Geschmack rauszukriegen, bevor du dich auf ein Verlagstreffen aufmachst. Und generell, manche brauchen auch Nasenspray. Ich empfehle es direkt, wenn ihr da anfällig seid, was geschlossene Räume angeht. Denkt auch an so was. Augentropfen, so klein, so Kruschkram. Wenn ihr Kontaktlinsen habt und du bist den ganzen Tag in der Halle, ich hab dann am Ende wirklich Messer in den Augen … Und das sind so Sachen. Und für alles andere gibt’s dann halt so einen Beutel. Ja. Da kann dann mal eine Vorschau rein. Auch die nehme ich eigentlich fast nicht mehr mit. Da kann dann mal ein Buch rein oder was auch immer noch, ne?

Helen
Ja, gut. [Helens eingesprochener Hinweis auf die Mädels, die lesen.-Stofftasche im Shop – hier nicht im Wortlaut.] Ich fühle mich jetzt auf jeden Fall irgendwie schon mal sehr viel mehr gewappnet.

Anne Sauer
Ich hätte so viele Tipps parat noch, merke ich gerade.

Helen
Ja, dann hau raus.

Anne Sauer
Also ich dachte gerade auch noch, letzten Mal habe ich einen Fehler gemacht. Es gibt ja auch so, also manche haben Besuchertickets, manche haben Presseausweise, das sind aber alles einfach ausgedruckte DIN-A4-Blätter und die werden so gefaltet und dann kannst du die so umhängen. Das kannst du aber nur machen, wenn du schon so ein Teil hast. Ja. So ein Plastik an so einem Schlüsselbändchen. Und letztes Jahr hatte ich das halt nicht mit, weil ich das, ich glaub, ich hab das auch mal irgendwann entsorgt. Keine Ahnung, es war, glaub ich, kaputt oder so. Ich hab mich so darauf verlassen, dass es die wieder gibt. Die haben natürlich das Einzige gesagt, dass sie meinten, wir haben die nicht mehr, weil wir das Plastik nicht herstellen wollten oder nutzen wollten. Ich so, scheiße. Und dann hab ich mir das, ich hatte immer so eine Hemdbluse an, die so eine Tasche vorne hat, wie jetzt. Ich hab hier so ne Tasche. Dann hab ich das so reingemacht und mit so ner Haarklipser einmal festgemacht.

Helen
Ich hab das Gefühl, genau die richtige Person eingeladen zu haben. Das sind ja Megatipps. Das sind halt so … So how to … Life hacks. … get through the day.

Anne Sauer
Ich kann dir aber zum Beispiel nicht sagen, wie du möglichst viele Verlage in einer Stunde besuchst. Das sind halt so Sachen, da bin ich, glaub ich, die Falsche. Was du dann da siehst, kennst du ja wahrscheinlich auch schon. Das heißt, man kann dann vielleicht eher so ein bisschen bei den Indies gucken, bei den Indie-Verlagen, was da so los ist. Weil da gibt’s auch viele neue Verlage. Es gibt auch immer einen Bereich, der eher kunstvoll ist, würde ich sagen. Es gibt auch oft einen Bereich mit den … ja, die schönsten Bücher, so die Richtung, weißt du? Also wirklich Sachen sehen, die du nicht siehst, wenn du durch die Buchhandlung gehst, würde ich jetzt mal denken. Es lohnt sich auch immer, ins Gespräch zu kommen mit Verlagsleuten, wenn man da Bock drauf hat. Das ist mir am Anfang schwergefallen, aber mittlerweile…

Helen
Jetzt kennst du die meisten wahrscheinlich auch schon, ne?

Anne Sauer
Ja, aber ich bin jetzt zum Beispiel auch eigentlich keine, die zum Stand kommt und sagt, hallo, ich bin die Anne. Ja, ich bin das und das und ich mach das und kennt ihr mich nicht, so ungefähr, Also so bin ich halt überhaupt nicht drauf. Ich bin dann eher so ein bisschen am Gucken und sag Hallo. Und entweder man kommt ins Gespräch oder nicht. Also ich bin da auch eher … Mäuschen teilweise. Und damit fahr ich ganz gut. Ja. Wenn man mich sieht, kann man mich auch ruhig ansprechen. Weil ich mach’s selten. Aber das ist gar nicht fies oder böse gemeint, sondern einfach … Weiß nicht, es ist halt … Die einen machen so, die anderen machen so. Du kannst, glaube ich, rausfinden, was so dein Ding ist. Es sind ja auch nicht nur Bloggerinnen auf der Messe, es sind ja auch einfach ganz verschiedene Bereiche da unterwegs. Und das ist ja auch cool, dass man sich dann einfach mal kennenlernt und vielleicht auch mal, ja, einfach ein Gesicht hat zu E-Mails, mit denen man schon so oft…

Helen
Ich glaube, da muss ich mir auch ein bisschen mal so einen Plan machen. Aber irgendwie, kennst du das manchmal, weil ich dachte dann, ich dachte jetzt schon die letzten Male immer so, okay, ich sollte vielleicht auch mal hingehen, und dieses Jahr hatte ich so gedacht, okay, das mache ich jetzt. Aber kennst du das, dass das dann so die erste Hürde dich schon gedanklich so irgendwie hindert? Und ich dachte, oh, keine Ahnung. Irgendwie, wie das so ist.

Anne Sauer
Aber sag mal, was genau deine erste Hürde ist. Also, was ist deine konkrete Angst?

Helen
Ich glaub wirklich, dass es so viel einfach ist und ich mich da irgendwie nicht zurechtfinde, dass ich einfach irgendwie ein bisschen lost bin. Aber irgendwie, mir hilft das schon total, so konkrete Tipps einfach von dir zu bekommen. Ich glaub, alles andere, ja, bekomm ich dann auch. Sowieso, ne? Kommt ja alles hin. Ja, aber das ist schon… Das soll ja auch ein bisschen Spaß machen, ne?

Anne Sauer
Ja, also du wirst dich lost fühlen.

Helen
Ja, okay.

Anne Sauer
Das ist auf jeden Fall ein Fakt. Aber dann ist jetzt halt die Mutter in mir, also meine Mutter, die das zu sagen würde. Ah ja, dann gehst du halt mal zwei Schritte zurück, bleibst kurz stehen, guckst wo du bist und dann geht’s weiter. Ja, voll. Da ist ja auch meistens alles auch geschildert. Du kannst ja auch zum Beispiel so einen Hallenplan mitnehmen, es gibt eine App. Die Stände sind immer meistens gut ausgeschildert. Es gibt viele Ausgänge. Man kommt relativ schnell in die frische Luft, wenn man das will. Das heißt, es ist eigentlich… Also, ich finde Frankfurt für mich oder für uns, glaube ich, die angenehmere Messe als zum Beispiel Leipzig. Weil viele immer sagen, Leipzig ist schöner, die ist familiärer, die ist lebendiger. Das stimmt irgendwie auch alles, aber mit dem Aspekt hochsensibel und einfach krass überfordert von Menschenmassen und Enge, die ist halt einfach wirklich kleiner und das sind sehr viele Menschen auf verhältnismäßig wenig Raum. Und das macht dann einfach anstrengend. Und in Frankfurt hab ich das Gefühl, es entzerrt sich immer so ein bisschen besser. [Werbeblock für den Sponsor der Folge, die Frankfurter Buchmesse – hier nicht im Wortlaut.]

Helen
Weißt du, was mir gerade auch einfällt? Weil darüber hatten wir glaube ich in unserem Livestream. Genau, in dem Livestream. Ich hatte jetzt so eine LimeSurvey-Schulung, deswegen war ich glaube ich gerade. Livestream. Ja. Den MOKA-Klönschnack. Oh, ne, ja, wo das war? Ich weiß gar nicht mehr. Ein bisschen wieder her. Ich glaube in dem Zusammenhang hatten wir irgendwie darüber gesprochen, dass du meintest, dass dir eigentlich nichts wirklich Angst macht und ich meinte, mir macht irgendwie so gefühlt alles immer Angst. Und ich glaube, deswegen bin ich halt so, wenn ich was Neues mache, wenn ich das Neues ausprobiere, bin ich immer erst mal so, oh mein Gott, Hilfe, was erwartet mich da? Und es ist ja eigentlich nie so schlimm, wie man sich das ausmeint, aber vielleicht ist das dann auch der Punkt, vielleicht kannst du das dann auch gar nicht so und nachempfinden, wenn ich sage, mir macht das Angstweil.

Anne Sauer
Doch, natürlich. Ich hab sehr viele Jahre damit verbracht, mich mit Angst in neue Räume zu begeben und ganz schrecklich unsicher zu sein. Und meine Mutter hat auch immer gesagt, dass ich, dass sie sich so freut, dass ich jetzt so was mache, also auch auf Bühnen stehe und alles. Weil ich war als Kind, hat sie gesagt, hat mich immer hinter ihren Beinen versteckt. Ich bin nie zuerst in Raum. Das hast du nicht erlebt. Nicht so wie bei Kindern, die reinrennen und so. Hallo! Ich war immer eher so hinten dran. Und … Also, von daher … Ja, ich hab bestimmt gesagt, mir macht eigentlich nichts Angst. Ich glaube, ich weiß einfach mittlerweile ganz gut, was da auf mich zukommen könnte, zumindest was es mit mir macht. Weil bestimmte Situationen sind ein bisschen vertrauter. Dass es okay ist, da zu gehen. Also, ich hab insofern nicht mehr Angst, weil ich weiß, ich entscheide, wann es mir zu viel wird, und ich das abbrechen kann. So. Ja. Dass ich mich nicht da durchquälen muss. Und ich sag das dann auch. Also, in … Es gibt dann zum Beispiel auch bei der Messe eigentlich an jedem Abend so Umtrunks. Mhm. Also, an den Verlagsständen mit Sekt und teilweise auch ohne Alkohol zum Glück, aber einfach so get togethers. Dann hast du so Knubbel in den in den Gängen. Und das ist dann auch nochmal ein Geräuschpiegel. Und es gibt Situationen, da sage ich dann so sorry, ich würde mich gerne mit dir unterhalten, aber ist mir gar zu viel, ich gehe. Und dann gehe ich einfach. So und ich glaube, dieses Wissen, dass ich das frei entscheide, das nimmt mir so ein bisschen die Angst.

Helen
Ja, das kann man auch verstehen.

Anne Sauer
Und dass es auch okay ist. Also ich ärgere mich dann trotzdem manchmal so, dass ich dann irgendwie, also letztes Jahr in Frankfurt war es zum Beispiel so, dass ich angekommen bin und nicht sofort eine Verabredung hatte, sondern alleine hingegangen bin und ich hatte mich eigentlich voll gefreut, aber ich war sofort total überfordert, weil es natürlich, es war die erste Messe in Anführungszeichen nach Corona. Und es war über krass, also diese, diese Menschen einfach auf einmal zu haben. Und dass du gar nicht mehr weißt, okay, wo gehe ich jetzt und was passiert. Und da habe ich mich erstmal, ich bin angekommen bei der Besse, das kann man eigentlich keinem erzählen, und habe mich erstmal bestimmt eine halbe, dreiviertel Stunde draußen alleine hingesetzt. Also ich bin nicht sofort in die Halle, ich bin einfach da geblieben, war erst super sad und dann dachte ich so, ist doch auch okay. Ist auch okay, dass es jetzt so ist. Trinkst einen Kaffee, genießt die Sonne und wartest bis jemand kommt, den du kennst. Wir kamen dann auch zum Glück, aber ja. Spürt man sich seinen Kurs wieder wie ein kleines Kind, das gerne hinter die Beine von Mama will. Wo ist sie?

Helen
Ne, das kann ich total nachvollziehen. Ich glaube, das ist auch etwas, was mir dann manchmal einfach noch schwerfällt. Also so ein bisschen meine eigenen Grenzen auch zu wahren oder mir das auch wahrscheinlich im ersten Schritt erst mal selber zu gestehen, dass da vielleicht eine Grenze erreicht ist, die ich wahren müsste. Ja, aber also grundsätzlich trinke ich alles hin, aber irgendwie in meinem Kopf mache ich Dinge auch gerne groß. Deswegen mich freut das voll, dass einfach mal so ein bisschen von dir beschrieben zu kommen, was passiert da, was erwartet mich. Und ich freu mich eigentlich auch voll drauf. Ich glaub, das ist eine coole Gelegenheit. Ich hab aber auch noch gar nicht so genau geplant, wann ich da bin, da mach ich mir jetzt … mach ich mir dann jetzt mal Gedanken drum.

Anne Sauer
Es wär doch auch zum Beispiel voll schön, wenn du so ein kleines Mädels-die-lesen-get-together …

Helen
Ja, will ich eigentlich auch, aber dann weiß ich nicht, wo.

Anne Sauer
An der Rolltreppe, da hast du’s. Also, das ist, du kannst dich auf jeden Fall auch draußen, also auf dieser großen Fläche, da gibt’s so ein weißes Lesezelt, da kann man sich auch gut treffen. Wir haben zum Beispiel letztes Jahr unser Podcast treffen, unten an der Rolltreppe gemacht, und dann weiß jeder Bescheid.

Helen
Okay.

Anne Sauer
Es gibt auch Cafés, auch in diesem Gastland-Pavillon gibt’s auch ein Café, was auch meistens nicht so überlaufen ist. Aber ja, wenn’s darum geht, dass man so zusammenkommt so ein bisschen sich unterhält, dann würde ich das draußen machen.

Helen
Ja, okay.

Anne Sauer
Aber das zum Beispiel wäre dann vielleicht so ein Wohlfühlding für dich. Ja. Wo du weißt, okay, da kommen irgendwie Menschen und ich hab schon so ein…

Helen
Die kenn ich. Die kenn ich. Ja.

Anne Sauer
Genau. Und auch ein Tipp, also ist jetzt nicht unbedingt hochsensibel, aber generell ein Messe-Tipp, sich nie zu lange an eine Gruppe hängen. Mhm. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen komisch, aber außer du hast das, dass es sich natürlich ergibt, dass du so deine Messe-Buddies hast, wo immer klar ist, okay, wir machen jetzt alles zusammen und es klappt wunderbar und ihr wollt die genau die gleichen Sachen sehen. Aber es ist auch okay, zwischendurch sich wieder … Und vielleicht woanders anzudocken oder alleine zu sein. Weil ich glaube, dass das für beide Seiten auch erleichternd sein kann. So. Weil diese Absprachen sind doch anstrengend. Geht ihr jetzt dahin? Ja, wir müssen um zwei bei Dumont sein. Okay, ich muss um halb drei. Du stressst dich selbst, weil du versuchst sozusagen … Deinen Weg mit anderen zu … … mit einem Hut zu bekommen. Genau, du kannst den Hut bekommen. Dann kann man einfach sagen, okay, Abbruch, Storno. Wir treffen uns einfach in zwei Stunden wieder beim Kreppstand.

Helen
Ja, na ja, das ist gut. Also, ich glaub, ich werd mir einfach dann noch mal die Folge anhören, alles runterschreiben, und dann [unverständlich], weil das find ich super hilfreich. Was ich jetzt grad nur dachte, weil du das angesprochen hast, mit dem, dass du dich auf Bühnen traust und so. Weil ich find das halt mega inspirierend. Ich bin auch ein bisschen Fangirl einfach, weil ich find’s voll cool, was du alles machst. Ich hab mir auch das, das hast du jetzt eben nicht erwähnt, aber das … Wie heißt das? Almost Magazine da bestellt. Ja. Weil du dann, das ist ja jetzt auch schon wieder gefühlt, weiß ich nicht, drei Jahre her. Ja. Also schon eine Weile, ne? Weil du Texte drin veröffentlicht hast. Ich find’s auch super cool, dass du seit zwei Jahren ein Teil vom MOKA-Magazin bist. Ich hab irgendwie so auch durch Corona gefühlt, das Zeitgefühl verloren. Aber es können ja nicht drei Jahre sein, solange gibt es im Buchclub wahrscheinlich eher so zwei Jahre vielleicht.

Anne Sauer
Also bei MOKA bin ich jetzt das dritte Jahr. Das stimmt schon. Weil ich bin jetzt im dritten Jahr selbstständig und genau, hab da angefangen, als das anfing.

Helen
Ja und ich finde das einfach super inspirierend und mega cool. Was du dich halt auch traust. Und ich glaube, deswegen dachte ich auch so, dass du dann so meinst, ja ich hab vor nichts Angst. Ich sag so, ich wär auch so ein bisschen gern mehr so wie Anne. Ich würd mir auch gern mehr zutrauen.

Anne Sauer
Das ist so absurd, dass so was aus meinem Mund kommt. Natürlich hab ich vor Sachen Angst. Die sind aber eher anders konnotiert, glaub ich.

Helen
Ja, vielleicht.

Anne Sauer
Ich war zum Beispiel früher auch eine, die … Es war eher so ein körperliches Ding. Ich hab nicht alles gemacht, ich hab nicht geklettert. Ich war nicht so ein Rabaukenkind. Also ich war schon sehr ängstlich. Und es hat eine Weile gedauert, bis ich da rausgegangen bin. Es hat aber auch ganz viel mit Körpergefühl zu tun. Ich hab dann ja irgendwann angefangen zu tanzen und war dann mit was auf der Bühne, was ich gerne mochte. So, und dadurch hab ich meinen Körper anders kennengelernt. Und das auf Bühnen sprechen ist zum Beispiel was, was ich bis zu meinem 25. Lebensjahr auch nicht gemacht hab. Ja. Also, ich hab dann eine Ausbildung zur Texterin gemacht musste auf einmal vor anderen, also vor gestandenen Männern in irgendwelchen Werbeagenturen meine Ideen präsentieren. Und das hat einiges, ich würde sagen schmerzfreier gemacht.

Helen
Okay, ja, das kann ich sagen.

Anne Sauer
Dass ich nicht mehr alles so hinterfrage und irgendwie, genau. Ich denke schon nach, bevor ich spreche meistens, aber ich glaube, das ist die Kombi. Also einfach gemacht und ich Ich trau mich jetzt tatsächlich mehr, auch Widerworte zu geben. Das ist auch eine neue Entwicklung, die ich sehr begrüße. Ich war neulich auf einem Podium und hab mich da auf eine Publikumsmeldung geäußert, was ich wahrscheinlich vor ein paar Jahren nicht gemacht hätte. Da hätte ich einfach nichts gesagt. Das ist, glaub ich, so ein Ding. Aber darum soll es ja jetzt gar nicht gehen.

Helen
Ja, wo ich das voll spannend finde, weil daran arbeite ich auch noch. Auch ein bisschen einfach generell mutiger sein, aber auch ein bisschen mehr meine Meinung vertreten, finde ich halt. Ich finde es manchmal voll gruselig, weil so ist was anderes, als wenn ich das in meinem Freundeskreis eine Meinung vertrete, als wenn ich sie bei Instagram vertrete. Ja, aber arbeite ich dran, finde ich total cool.

Anne Sauer
Ich frag mich, warum.

Helen
Ich weiß nicht. Ich weiß nicht.

Anne Sauer
Weil es ist ja nicht so, dass da auf jeden Fall mehr Augen und Ohren und es gibt immer, also je mehr du ja auch machst und je mehr Augen dir zugucken, das habe ich auch schmerzlich erfahren in den letzten anderthalb Jahren, je mehr Aufmerksamkeit da ist, desto schöner ist teilweise die Reaktion, ne? Also, dass da wohlwolltest, aber da gibt es auch immer Leute, die was dagegen haben, was du machst. Und es gibt immer jemanden, der es besser weiß. Und es gibt immer welche, die hinter deinem Rücken über dich reden und kommentieren, was du machst. Und die wird es immer geben, die gab’s auch schon in der Schule. Wir sind doch so groß geworden. Aber wir sind jetzt an einem Punkt, dass es uns vielleicht nicht mehr ganz so trifft, im besten Fall. Und dieses bei Instagram sich nicht ganz so trauen oder die Meinung nicht so sagen, ich mein, ich versteh das und es fühlt sich halt aber so ein bisschen an wie, man macht es nicht, weil man denkt, da ist so eine Instanz, die einen bewertet. Da ist irgendwie ein klumpiges Etwas, was beurteilt, was du tust. Und ich glaube aber, dass das vor allem im Kopf passiert.

Helen
Auf jeden Fall.

Anne Sauer
Also wissen wir ja alle so.

Helen
Ja, auf jeden Fall. Deswegen. Aber ich… Hast du geflucht in deinem Podcast?

Anne Sauer
Du hast es gar nicht gehört. Schade. [unverständlich], habe ich gesagt.

Helen
Ah, danke, dass das nochmal wieder hochkommt. Das ist mir wichtig. Das musst du halt leider explizit angehen, wenn du es hochlässt. Nicht kindersicher. Nicht für Kinder geeignet. Ich glaube, ich weiß nicht warum ich das schwierig finde. Ich glaube, das finde ich tatsächlich nicht nur bei Instagram schwierig, aber da einfach nochmal so ein bisschen mehr. Aber es fühlt sich dann auch irgendwie nicht so an, als wäre man jetzt so ganz authentisch. Weil man immer ein bisschen was von sich zurückhält. Das möchte ich irgendwie nicht mehr. Deswegen ja, daran arbeite ich.

Anne Sauer
Ja, das kann ich auch verstehen. Aber … Also, da kann ich dich vielleicht ein bisschen beruhigen. Weil das, was du ja zeigst, ist ja authentisch. Du zeigst ja auch einfach nicht alles. Das könnte man ja sowieso nie machen, ne?

Helen
Nee, genau.

Anne Sauer
Und deswegen ist das auch okay. Aber ja, ich glaube, wenn du irgendwann merkst, okay, da fehlt vielleicht eine Facette, die mir wichtig ist, um mich besser greifbar zu machen für viele. Also, du hast ja auch angesprochen oder hast mich gefragt wegen Hochsensibel, weil ich das halt bei Instagram spiele, das Thema. Das ist halt da. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich immer nur gesagt, oh, Happy Life, Hashtag blessed. Alles cool, Summer-Vibes, Weekend-Vibes, ne? Also, das ist alles berechtigt, aber wenn es halt nur das gibt, erzeugst du natürlich ein anderes Bild, als wenn du sagst, ey, da ist eine Gleichzeitigkeit, und das ist auch berechtigt. Ich glaube, dass dich dadurch viele auch anders gesehen fühlen. Ich glaube, das, was dir vielleicht Sorge macht, dass du gejudged wirst, ist eher noch eine Tür, die du aufmachst für andere. Um sich dir, ne, also so … In dem Zusammenhang … Die Tür aufmachen, weil da kommt auch viel Quatsch rein. Ja, man muss sich auf jeden Fall … ein bisschen wappnen.

Helen
Aber ich fand in dem Zusammenhang auch tatsächlich deine … Das war doch letztes Jahr Buchmesse, wo du die Rede gehalten hast zum … Da hast du, glaub ich, den Young Excellence Award bekommen, oder, war das dein Zusammenhang? Und das hast du doch, mein ich, auch als Reel noch mal …

Anne Sauer
Genau.

Helen
Dass man sich das angucken kann, weil, finde ich gut, auch nochmal, wie du es da beschrieben hast.

Anne Sauer
Ja, da hatte ich zum Beispiel seit langem mal wieder vorher Schiss.

Helen
Das glaube ich, du hast dich ja auch verletzlich gemacht in dem Moment.

Anne Sauer
Genau, genau. Ich habe mich verletzlich gemacht, ich habe fast ein bisschen geweint. Da ist halt die Frage, das denke ich mir dann so aus in meinem Kämmerchen. Ich schreibe dann so eine Rede, finde die auch total gut oder relevant. Und niemand hat die ja vorher gelesen. Ich hab die da ja mitgebracht und also Kontext war, vielleicht zum Verständnis, ich sollte eigentlich mit wem anders auf die Bühne, das hat aber nicht geklappt und dann gab es noch eine Person zur Auswahl, das wollte ich nicht, da hab ich mich nicht so wohl damit gefühlt und dann hab ich gesagt, komm ich mach das einfach alleine. So. Und dann hieß es ja, füll halt die Minuten. Also ich sollte wirklich und ich hab mir wirklich auch einen Zeit-Slot für ihn. Und dann hab ich da halt, ich weiß gar nicht, wie lang es ist, zehn Minuten oder so. Und dann hat er diese Rede vorbereitet und das vorgetragen und wusste überhaupt nicht, wie’s ankommt. Weil’s hätte auch komplett so belächert werden können und dass es gar nicht so ankommt, wie ich mir das vorgestellt habe. Und gerade weil ich hab ja den Award gewonnen für das, was ich unter anderem auch bei Social Media gemacht hab. Und ich kritisiere in diesem Video Instagram und Social Media extrem. Und da wusste ich dann auch nicht so richtig, wie das ankommt. Aber dann dachte ich so, nee, es ist meine Meinung, es ist meine Art, das zu machen. Take it or leave it. Und das war’s dann. Und es war halt auch in dem Moment ja auch einfach aktuell so, ne?

Helen
Und ja, also ich fand das super, kann man sich auf jeden Fall noch mal anschauen.

Anne Sauer
Kann man reinziehen.

Helen
Ja, und ja, einfach mal schauen, was ihr davon so haltet. Aber ich fand das richtig gut. Ich fand’s auch super, dass du den gewonnen hast. Eine Sache, bevor wir das komplett aus den Augen verlieren, weil…

Anne Sauer
Oh ja!

Helen
Du hast es, glaube ich, eben angeschnitten, aber du arbeitest ja auch in der Buchhandlung Lüders in Hamburg. Was du ja auch erst irgendwie, weiß nicht, wie lange machst du das jetzt, dann vielleicht drei, vier Jahre oder so, das glaube ich schon ein bisschen länger jetzt. Aber das hast du ja auch nicht immer.

Anne Sauer
2019.

Helen
Ja, vier dann, ne. Also da bist du ja als Quereinsteigerin irgendwie, ne, dazugekommen. Ähm, so, also zumindest …

Anne Sauer
Ja, genau. Also, ich bin ja nicht ausgebildete Buchhändlerin. Und ich glaube, in dem Moment bist du auf jeden Fall Quereinsteigerin, wenn du das nicht hast. Aber ich hatte halt zum Glück schon Erfahrung mit Buchhandel durch meine Arbeit in den Verlagen, die ich da vorher gemacht hab. Ja, aber es kam tatsächlich über Instagram.

Helen
Ja, voll cool. Und wie häufig bist du da anzutreffen?

Anne Sauer
Sehr unregelmäßig. Also ich bin da meistens freitags und oder samstags. Also unter der Woche ganz selten, aber ich bin jetzt auch nicht jedes Wochenende da. Deswegen, das ist immer ein bisschen schwierig zu sagen.

Helen
Aber man sieht ja eigentlich immer bei dir bei Instagram, da kann man dann nachgucken.

Anne Sauer
Also ja, stay tuned, heute wieder.

Helen
Könnte das so machen wie bei so Tattoo-Artists, wenn die dann so schreiben, dann und dann so Termine.

Anne Sauer
Ja und ist sofort, sofort aufgebucht.

Helen
Das hatte ich mal probiert, bei einem in Berlin. Irgendwie war das Monate-in-vor schon angekündigt, ab wann man buchen kann. Und da war natürlich direkt die Seite überlastet. Und dann innerhalb von sechs, alles wegs richtig krass.

Anne Sauer
Teilweise schwieriger, als Taylor Swift-Tickets zu bekommen. Ich sag’s dir.

Helen
Warst du jetzt eigentlich auf irgendeinem …

Anne Sauer
Das kommt ja noch, nächstes Jahr.

Helen
Also nächstes Jahr. Ich seh ständig Leute auf Konzerten, aber wahrscheinlich in anderen Ländern.

Anne Sauer
War ich schon auf dem Konzert, weil ich jede Winkeleinstellung schon gesehen hab und jedes Outfit und alles, aber genau, es war jetzt erst America. First Wing. Und jetzt gerade ist Pause, sie war jetzt in Mexiko und dann kommt noch Buenos Aires. Und nächstes Jahr, also sie macht auch so Tokio und sowas. Also International beginnt dann.

Helen
Ah, okay. Ja, cool. Und du hast Tickets bekommen.

Anne Sauer
Yes, das wird mein Jahr nächstes Jahr. Ich habe ein gutes Gefühl, wenn nicht was dazwischenkommt, aber ich habe Tickets bekommen, ja.

Helen
Sehr cool. Ich habe mir eigentlich bei der Buchhandlung gerade, ich finde es schön, dass wir abschweifen. Ja, ich möchte ganz kurz abschweifen, ich bin die Königin der Abschweifungen. Ich hatte das mal abgefragt, wie sehr nervt das und zwar so in der Mitte, deswegen dachte ich, ich erlaube mir das jetzt mal kurz, aber ich habe…

Anne Sauer
Es ist dein Podcast, du kannst machen, was

Helen
In meine Regeln. Ich hab letztens so ein Video gesehen und mir kurz gewünscht, dass ich nähen könnte oder wenigstens eine Nähmaschine hätte.

Anne Sauer
Ach, das denke ich ganz oft.

Helen
Weil da wurde ein Taylor Swift Outfit nachgenäht und ich dachte so wie geil wäre das für Karneval.

Anne Sauer
Vielleicht schicke ich dir das Tutorial. Kannst du nachnähen?

Helen
Ja, nee, aber meine beste Freundin kann sehr gut nähen und ich hab auch schon überlegt, Sarah, wenn du das jetzt hörst, ich komme auf dich zu, weil die kann gut nähen. Und ich glaube, wenn ich mir das wünschen würde, so zum Geburtstag oder so, das würde die bestimmt machen. Ich würd’s ja auch bezahlen. Also, Sarah, du kannst auch was dafür verlangen.

Anne Sauer
Aber das find ich auch nice, weil das jemand so … Ich liebe das auch, mir anzugucken, und ich denk jedes Mal so, wow. Ich hab mir die Strickliesel damals gehandwerkt mit der Schule und sonst so kleine Teppiche gewebt. Ich hab so 15 diese kleinen Teppichen, was machen wir damit? Nix. Naja. Als Topflappen oder irgendwie so, oder so Untersetzer.

Helen
Ja, jedenfalls. Also, Craft ist nicht vorhanden, muss mir nicht schicken. Ich hatte irgendwie mal eine Maschine, aber da ist immer immer der Faden raus und irgendwie hat mir das echt die Lust dran verdorben, weil ich hab’s nicht hinbekommen, den wieder einzufädeln. Es war dann immer so ein Pain und ja. Also ich werd das wahrscheinlich nicht. Vielleicht kann man sich irgendwo ein Taylor Swift Outfit einfach kaufen. Ich schaff dann eher was. Aber okay, zurück zur Buchhandlung.

Anne Sauer
Messeoutfit wäre übrigens auch nochmal so ein Thema. Ob es da Tipps, also weil es ist…

Helen
Ja, da wollte ich noch fragen. Wahrscheinlich bequeme Schuhe, oder?

Anne Sauer
Sehr, sehr bequeme Schuhe. Also die bequemsten Sneaker wahrscheinlich, die du hast, in denen du wirklich auch lange stehen kannst, dann ist es ja natürlich wetterabhängig. Wir hatten Jetzt letztes Jahr war es ein sehr warmer Oktober. Ich plädiere immer sehr stark für Zwiebel-Look. Also etwas, was du schnell an- und ausziehen kannst, weil es wird drin sehr warm. Wenn du aber mal rausgehst, kann es sein, dass es frisch ist. Also brauchst du was, was du anziehen kannst. Am besten etwas, was in deinen Beutel passt.

Helen
Ich wollte gerade sagen, es kann alles in den Zusatzbeutel.

Anne Sauer
Genau, genau. Es gibt ja auch immer eine Garderobe. Auch da zum Beispiel. Es gibt 5000 verschiedene Garderoben. Immer die auswählen, die da ist, wo du am Ende rausgehst. Genau. Hauptsache das, was du als letzte Schicht drunter hast, hat diese Tasche für dein Ticket. Das war in meinem Fall die Hemdbluse, die ich drüber hatte. Da habe ich das so reingeklemmt. Aber vielleicht gibt es ja auch andere Lösungen für dieses Ticket. Also Man kann das ja auch … Das kannst du auch in deinen Geldbeutel packen. Also, drin ist das nicht so wichtig. Das ist halt manchmal, wenn du das so offen trägst, im Gespräch bist, dann merkst du manchmal, wie verstohlene Blicke nach unten gehen, weil sie dann gucken wollen, wie du heißt. Wenn du’s nicht hast, ist auch cool. Dann kannst du dich einfach vorstellen. Du brauchst es drin nicht mehr. Du solltest es aber nicht verlieren.

Helen
Ja, okay. So, das haben wir jetzt auch noch abgefrischt. Ganz kurz zurück zur Buchhandlung, weil das will ich zumindest erwähnen, dass wir einen neuen Termin gefunden haben, aber wahrscheinlich wissen die meisten gar nicht, dass wir einen vorigen Termin hatten für letztes Jahr, für ein Treffen in der Buchhandlung Lüders.

Anne Sauer
Yes!

Helen
Und das holen wir jetzt dieses Jahr nach im Dezember, am 2. Dezember.

Anne Sauer
Am 2. Dezember.

Helen
Und ich freue mich mega drauf. Also vor allen Dingen, ja, ich weiß auch nicht Wahrheit einmal in der Buchhandlung weil ich auch gehofft hatte, dich zu treffen, du warst aber nicht da.

Anne Sauer
Klassik.

Helen
Ich hätte ja auch einfach vorher mal schreiben können.

Anne Sauer
Terminbuchen.

Helen
Genau. Aber ich finde die halt irgendwie einfach super schnucklig. Und wir hatten ja jetzt auch schon Treffen in Buchhandlung. Das macht halt auch einfach immer mega Spaß. Und in Hamburg sind dann ja vielleicht auch nochmal andere Leute. Und ich freue mich auch, dich und Jasmin da.

Anne Sauer
Ich glaube, es wird richtig schön. Es ist ja auch von ganz vielen Menschen so ein Traum, mal so in der Buchhandlung eingesperrt zu werden. Ja, ein bisschen so ist es ja dann, weil wir uns nach Ladenschluss wirklich treffen. Wir machen die Tür zu, es gibt dann nur uns und die Bücher und ein paar Snacks, und dann wird Das ist ganz schön und muckelig und es werden ganz bestimmt tolle Fotos gemacht, die Buchhandlung ist auch sehr Instagrammable, da haben wir noch mal gearbeitet und ich freu mich auch. Es wird Christmassy, weil es ja schon Advent ist.

Helen
Stimmt, ja vielleicht sind die Snacks dann so Plätzchen oder so. Ja. Müssen wir nochmal besprechen. Ja, aber das finde ich richtig schön. Letztes Jahr meinst du ja auch, man kann dann auch ein bisschen bei euch so platzieren, was man vielleicht zu Weihnachten verschenken will. Und ihr habt dann vielleicht auch Tipps parat. Also auch eine super Gelegenheit.

Anne Sauer
Genau. Da können wir auch nochmal ein bisschen planen. Also wir dachten ja auch, dass es vielleicht auch eine Sache ist, die man im Vorfeld machen könnte. Also wir haben zum Beispiel in der Buchhandlung, das hat sich mit Corona entwickelt, dass wir so eine Surprise Kits machen. Die hießen damals noch anders, die hießen damals Survival Kits, was einerseits für uns, also für uns als Buchhandlung galt, dass ihr damit uns unterstützen könnt. Andererseits nach dem Gedanken, okay, ihr hockt jetzt zu Hause im Lockdown, wir versorgen euch mit Literatur, also ist das entstanden. Und das gibt es immer noch, nur eben als Surprise Kits. Und da machen wir das immer so, dass ja, Buchwünsche geäußert werden, aber mehr so Richtung Genre oder ich habe mal, ich lese gern den, den Autor, die Autorin, was gibt es da Neues oder in die Richtung. Also Also, eigentlich so Human Algorithm, würd ich mal sagen. Ja. Genau, und so was könnte man natürlich auch überlegen, ob man im Vorfeld so was sammelt. Dann haben wir das schon so vorbereitet in Tütchen. Und ihr könnt das einfach auspacken und überlegen, oder gucken, was wir euch da ausgesucht haben.

Helen
Voll gut.

Anne Sauer
In der Theorie genial, müssen wir mal gucken, wie wir’s umsetzen, aber da denken wir uns auf jeden Fall was Schönes aus.

Helen
Also, kommt, meldet euch an. Die Plätze sind begrenzt. Ist halt auch eine kleine, schnuckelige Buchhandlung, wie gesagt. Deswegen sind die Plätze ein bisschen mehr grenzt, aber genau, dazu teile ich auch nochmal Infos, aber ich freue mich auf jeden Fall drauf und freue mich dann auch, euch kennenzulernen im Real Life. Ja und auch einfach vielen Dank, dass das möglich ist. Ich weiß, dass vor allen Dingen auch von deiner Seite da viel Arbeit drin steckte bisher schon. Und da kommt ja auch noch ein bisschen. Deswegen vielen, vielen Dank für’s Möglichmachen. Anne, das war richtig, richtig cool. Ich fühle mich voll gewappnet jetzt.

Anne Sauer
Jetzt wollt‘ grad fragen. Fühlst du dich jetzt vorbereitet?

Helen
Ja, ich hab das Gefühl, das kann jetzt nur noch gut werden. So. So nämlich. So. Vielen Dank für all die Geheimnisse.

Anne Sauer
Ich habe viele Insider-Tipps dabei. Vielleicht, ich hoffe. Man ist nie so richtig bewusst, bis man es jemandem erzählt. Ich denke immer, ich bin eine schlechte Messengängerin. Aber ich glaube, so ein paar Hacks sind schon sinnvoll. Ich freue mich, wenn du das machst. Ich bin jetzt schon stolz auf dich. Auf dich.

Helen
Ja danke. Ich treff dich dann auf der Messe mit Oropax im Ohr.

Anne Sauer
Ja. Muss mir vielleicht einmal so auf die Schulter tippen, weil ich es sonst gar nicht mitbekomme.

Helen
Ist dann so ein heimliches Zeichen. Ja. Und? Alles klar. Sehr cool. Vielen Dank für das Teilen.

Anne Sauer
Gerne. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und dann wünsche ich dir jetzt noch einen schönen Abend und freue mich, wenn wir uns bei der Messe sehen.

Helen
Ich freue mich auch. Bis dahin und euch alle draußen auch ganz viel Spaß.

Anne Sauer
Danke.

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