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Ein Bücherschrank im Garten – und einer auf Instagram

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Podcast · Folge 68

Ein Bücherschrank im Garten – und einer auf Instagram

Jessica wollte einen offenen Bücherschrank, hatte aber keinen Platz, an dem Leute vorbeikommen. Also baute sie ihn trotzdem – und stellte ihn digital daneben

11. Mai 2024 · 41 Minuten · Ganze Folge hören ↓

Stand heute

Diese Folge ist vom Mai 2024, aufgenommen kurz nach dem Start des Tauschprojekts. Die Zahlen im Gespräch – etwa zehn Tauschaktionen im Monat – sind der Stand von damals.

Das Einstiegsritual führt uns diesmal in einen englischen Rosengarten – genauer: auf eine alte Holzbank neben einem sehr kleinen Bücherschrank, mit grünem Tee mit Jasmin. Zustande gekommen ist die Folge über eine zufällige Begegnung auf der lit.COLOGNE, bei der das Stichwort digitaler Bücherschrank fiel.

Jessica

@neulich.im.reihenhaus

Jessica wohnt mit ihrer Familie in einem Reihenhaus an einem Wendehammer. Weil dort niemand vorbeikommt, an dem ein offener Bücherschrank Sinn ergeben würde, hat sie ihn zusammen mit ihrem Mann gebaut und in den Garten gestellt – und den Tausch auf Instagram verlagert. Auf ihrem Account zeigt sie den Schrank, die aktuellen Bücher und was bei ihr sonst so gelesen wird.

Das Problem: ein Bücherschrank, an dem niemand vorbeikommt

Vorbild waren die Little Free Libraries in den USA – diese kleinen Häuschen am Straßenrand, in denen jede und jeder Bücher hinterlassen und mitnehmen kann. Nur: Jessica wohnt in einem Reihenhaus an einem Wendehammer, vor der Tür ist der Parkplatz. Dort einen Schrank hinzustellen hätte niemanden erreicht.

Sie hat ihn trotzdem gebaut – und in den eigenen Garten gestellt, der nicht öffentlich zugänglich ist. Womit die eigentliche Frage erst anfing: Wie tauscht man Bücher in einem Schrank, zu dem niemand hinkommt?

Was habe ich zu verlieren, was soll schiefgehen? Im schlimmsten Fall habe ich ein Dekoobjekt für meinen Garten.Jessica

Die Lösung: Instagram als Schaufenster

Im Highlight Garden Library auf ihrem Profil stehen alle Bücher, die gerade im Schrank sind – samt abfotografierten Klappentexten, weil man ja nicht jeden Titel kennt und einen manchmal erst die Beschreibung packt. Wer etwas findet, schreibt ihr. Sie schickt das Buch, und im Gegenzug schickt die andere Seite eines zurück.

Welches, gibt sie nicht vor. Bei einem Schrank an der Straße stellt man ja auch hinein, was man möchte. Ein paar fragen trotzdem nach – und manchmal sucht sie dann selbst etwas aus. Der Nebeneffekt: Sie wird überrascht. Es kamen schon Bücher an, die sie sich nie gekauft hätte und dann trotzdem gelesen hat.

Das Highlight hält sie aktuell: Was drinsteht, ist auch wirklich da. Kommt ein Buch dazu oder zieht eins aus, wird nachgepflegt.

Der Bibliotheksausweis

Das Detail, an dem man merkt, wie viel Herz in dem Projekt steckt: Jedes Buch bekommt von ihr einen selbst gemachten Bibliotheksausweis. Darauf steht, wer es geschickt hat – meist der Instagram-Accountname – und wann es gelesen wurde, notfalls nur die Jahreszahl. Ein paar Zeilen bleiben frei, damit die nächste Leserin ihre eigenen Daten ergänzen kann.

So bekommt das Buch dann auch eine Geschichte.Jessica

Gebaut nach einer Anleitung aus den USA

Angefangen hat die Suche auf Pinterest – wie sehen diese amerikanischen Straßenschränke eigentlich aus? Dabei ist sie auf die Bloggerin hinter At Home with Ashley gestoßen, die eine sehr detaillierte Bauanleitung für ihren Bücherschrank veröffentlicht hat. Die Maße sind amerikanisch, aber die Richtung stimmt – und es standen Dinge darin, an die sie als Nicht-Handwerkerin nicht gedacht hätte. Zum Beispiel, dass das Ganze wasserfest sein muss.

Gebaut hat sie den Schrank zusammen mit ihrem Mann. Vorher hatte sie so etwas noch nie gemacht.

Warum das Ganze funktioniert: Vertrauen

Es gibt keine Sicherheit, dass wirklich ein Buch zurückkommt. Die Bücher, die bei ihr im Schrank stehen, hat ihr jemand geschickt – das läuft auf Vertrauensbasis. Bis zum Zeitpunkt der Aufnahme hatte das jedes Mal geklappt: rund zehn Tauschaktionen im Monat, im Februar wie im März.

Zweimal ist daraus mehr geworden. Eine Followerin, mit der sie sich über Instagram angefreundet hatte, stellte durch Zufall fest, dass sie gar nicht weit auseinander wohnen – und kam spontan vorbei, mit Büchern im Gepäck. Und einmal suchte jemand ein Buch, das gar nicht im Schrank stand: Jessica machte eine Story daraus, eine andere Followerin meldete sich, und die beiden tauschten direkt untereinander.

Lesezeit: zwei Stunden, wenn es gut läuft

Gelesen wird bei ihr abends, wenn die Tochter im Bett ist. Dann legt sie sich mit dem Buch selbst ins Bett. Zwei Stunden, wenn es gut läuft – und manchmal null. Ihr Lesetempo sei hoch, sagt sie, es fehle nur die Zeit.

Ein Buch, das zwei Wochen herumliegt, ist deshalb kein Problem. Lesen ist ihr Hobby, und ein Hobby, bei dem man sich stresst, ist keins mehr. Auch bei Instagram sehen beide diesen Kippunkt: Erst ist es Inspiration, dann wird daraus die Frage, wie die anderen das eigentlich alle schaffen.

Wenn ich mich bei meinem Hobby stressen würde, wäre es kein Hobby mehr.Jessica

Was der Klappentext nicht kann

Jessica hat früher fast nur Krimis und historische Romane gelesen – das war das ganze Spektrum. Über Instagram ist das deutlich breiter geworden, inzwischen ist auch mehr Literatur dabei. Fantasy bleibt der eine Bereich, mit dem sie noch nicht warm wird; sie probiert es trotzdem immer wieder.

Beim aktuellen Buch fiel ihr auf, was Klappentexte nicht leisten: Die Sprache und die Erzählweise stehen nicht drin. Und bei historischen Romanen über Frauen, die ihrer Zeit voraus waren, ärgert sie das Gegenteil – da wird oft schon verraten, wo die Geschichte hinführt. Auf Instagram bekommt man dafür einen Eindruck davon, wie ein Buch tatsächlich erzählt ist.

Vergessene Frauen – ein Thema, das sich durchzieht

Aus dem Gespräch über Klappentexte wird ein Gespräch über Frauen, deren Leistungen nicht überliefert wurden. Helen erzählt von der Leipziger Buchmesse, auf der sie kurz vor der Aufnahme war: gefühlt jeder Bereich einmal abgedeckt mit vergessenen Frauen – Mittelalter, Philosophie, Kirchengeschichte. Jessicas Beobachtung dazu: Von jedem Bereich kennt man eine. Hildegard von Bingen. Simone de Beauvoir. Und das war es.

Beide wünschen sich, dass zu solchen Büchern auch Dokumentationen entstehen. Bisher, sagt Helen, findet man die höchstens auf einem Spartensender, wenn man aktiv danach sucht.

Wenn du auch schon mal vor einer Idee standest, für die dir eigentlich die Voraussetzungen fehlen – hör rein.

Die ganze Folge hören

Bücher, über die wir gesprochen haben

Fünf Titel aus dem Gespräch – von der Ausnahme in Sachen Fantasy bis zu den vergessenen Frauen.

Buchcover »Das unglaubliche Leben des Wallace Price« von T. J. Klune

Das unglaubliche Leben des Wallace Price

T. J. Klune · aus dem Amerikanischen von Michael Pfingstl · Heyne

Das einzige Fantasy-Buch, das in all den Leserunden bisher gewählt wurde – damals als Motto-Runde. Helen kam erst später dazu, es selbst zu lesen, und fand ein Wohlfühlbuch.

Bei Thalia ansehen

Buchcover »Die Vermesserin der Worte« von Katharina Seck

Die Vermesserin der Worte

Katharina Seck · HarperCollins

Jessicas aktuelle Überraschung: Eine ältere Frau sucht eine Haushaltshilfe und findet Ida, eine Autorin, die ihre Worte verloren hat. Der Klappentext hatte sie nicht gepackt – die Erzählweise schon.

Bei Thalia ansehen

Buchcover »Das Damengambit« von Walter Tevis

Das Damengambit

Walter Tevis · aus dem Amerikanischen von Gerhard Meier · Diogenes

Ihr Beispiel dafür, wie gut Bücher über Welten funktionieren, von denen man keine Ahnung hat: Sie kann kein Schach – und das Buch hat sie trotzdem gepackt.

Bei Thalia ansehen

Buchcover »Die Formel der Hoffnung« von Lynn Cullen

Die Formel der Hoffnung

Lynn Cullen · aus dem Amerikanischen von Maria Poets · FISCHER Taschenbuch

Ein Roman nach der Geschichte von Dorothy Horstmann, die maßgeblich an der Polio-Impfung geforscht hat – und in der Polio Hall of Fame trotzdem nicht auftaucht.

Bei Thalia ansehen

Buchcover »Die Unbeirrbare« von Marie-Luise Wolff

Die Unbeirrbare – Das abenteuerliche Leben der Madame Cliquot

Marie-Luise Wolff · edition w

Helens Fund aus einem Laden für gebrauchte Bücher: die Frau hinter einer Champagnermarke. Geschrieben hat es eine deutsche Unternehmerin, die sonst keine Autorin ist.

Hörbuch bei Thalia ansehen

Die mit »Bei Thalia ansehen« gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber, bekommen wir eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts. »Die Unbeirrbare« gibt es dort nur als Hörbuch und als E-Book, deshalb führt der Link zum Hörbuch. Im Gespräch fällt außerdem »Mr. Parnassus’ Heim für magisch Begabte« als Stichwort, ohne dass es empfohlen wird – deshalb steht es hier ohne Link.

Häufige Fragen

Wie funktioniert ein digitaler Bücherschrank?

Der Schrank selbst steht real im Garten, ist aber nicht öffentlich zugänglich. Alle Bücher, die gerade darin stehen, sind stattdessen in einem Instagram-Highlight zu sehen – mit abfotografiertem Klappentext. Wer eins möchte, schreibt eine Nachricht, bekommt es zugeschickt und schickt im Gegenzug ein Buch eigener Wahl zurück.

Muss man ein bestimmtes Buch zurückschicken?

Nein. Es gibt keine Vorgabe – wie bei einem Schrank an der Straße stellt man hinein, was man möchte. Wer trotzdem fragt, bekommt manchmal einen Wunsch genannt.

Was ist eine Little Free Library?

Kleine, meist selbst gebaute Bücherhäuschen am Straßenrand, vor allem in den USA verbreitet, aus denen man Bücher mitnehmen und in die man welche hineinstellen kann. Sie waren das Vorbild für den Schrank in dieser Folge.

Wo findet man eine Bauanleitung?

Jessica hat sich an einer sehr detaillierten Anleitung der Bloggerin hinter »At Home with Ashley« orientiert. Die Maße sind amerikanisch, aber die Anleitung erklärt auch Dinge, an die man als Laie nicht denkt – etwa, wie der Schrank wasserfest wird. Sie ist unten verlinkt.

Was ist ein Bibliotheksausweis im Bücherschrank?

Eine selbst gemachte Karte, die Jessica in jedes Buch legt. Darauf steht, wer es geschickt hat und wann es gelesen wurde – und es bleiben Zeilen frei, in die die nächste Leserin ihre eigenen Angaben ergänzen kann. So sammelt das Buch mit der Zeit seine eigene Geschichte.

Passend dazu im Podcast

Die ganze Folge zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.

Helen
Herzlich willkommen, Jessica. Ich freue mich sehr, mit dir heute über Bücherschränke im echten und im digitalen Leben zu sprechen. Bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?

Jessica
Wir sind in meinem Garten, in einem englischen Rosengarten, zumindest ist das der Plan für meinen Garten. Wir sitzen neben dem kleinen Bücherschrank auf einer schönen alten Holzbank, umgeben von duftenden Rosen und Lavendelbüschchen. Und wir stoßen mit meinem Lieblings-Tee an und das ist grüner Tee mit Jasmin.

Helen
Das klingt richtig, richtig gut. Dafür bin ich immer zu haben, vor allem für so einen kleinen Cottagegarten. Das hört sich traumhaft an – lass uns anstoßen.

Jessica
Sehr gerne.

Helen
Ich habe vorgestern mit meinen Schwestern und meiner Mutter meinen Geburtstag nachgefeiert – der ist schon länger her. Meine Schwester war gerade in Vietnam und hat mir grünen Tee mit Jasmin mitgebracht. Ich hätte mich also super vorbereiten können, habe es aber vergessen. Den trinke ich dann später in Erinnerung an unsere Podcastfolge. Ich habe dich mit meiner Anfrage ein bisschen überrascht. Ich war bei einer Veranstaltung in Köln im Rahmen der lit.COLOGNE und habe dort ungeplant zwei Mädels getroffen. Wir sind irgendwie auf Bücherschränke gekommen – ich erzähle ja immer wieder, wie toll ich die finde und dass ich an keinem vorbeigehen kann. Und dann fiel das Stichwort: Es gibt bei Instagram einen digitalen Bücherschrank. Davon hatte ich noch gar nichts mitbekommen. Sie hat mir dein Profil geschickt, und ich habe dich einfach angeschrieben, weil ich das spannend fand – ich habe es mir angeschaut, war mir aber nicht sicher, wie es funktioniert. Erzähl doch mal: Wie sieht das bei dir im digitalen Bücherschrank aus?

Jessica
Also der Bücherschrank existiert ja tatsächlich, aber der steht bei mir im Garten. Es gibt einen echten, den wir, also ich mit meinem Mann zusammen gebaut habe, weil ich das einfach total schön finde. Es gibt ja diese Little Free Libraries in den USA, wo halt wirklich am Straßenrand so jeder seinen kleinen Bücherschrank stehen hat und das geht halt bei uns einfach nicht. Wir wohnen in einem kleinen Reihenhaus, direkt in einem Wendehammer, da läuft einfach keiner dran vorbei und wir haben halt den Parkplatz vor der Tür. Ich kann ihn da nicht hinstellen, wollte aber unbedingt einen haben. Also habe ich gedacht: Gut, dann stellst du ihn dir in den Garten. Nur: Das ist mein Garten, da kommt niemand hin, der ist nicht öffentlich. Es geht ja aber darum, Bücher zu tauschen – wie kommt man also an die Bücher heran? Und da habe ich gedacht: Dann nutze ich eben die Plattform Instagram. Jeder, der möchte, kann mir ein Buch schicken. Ich stelle es in den Schrank – und im Gegenzug bekommt er von mir ein Buch geschickt. Das ist natürlich ein bisschen aufwendiger, als wenn man auf der Straße an einem Bücherschrank vorbeiläuft und sein Notfallbuch in der Tasche hat. Aber man kann immer nachschauen: Ich aktualisiere das jedes Mal, wenn ein neues Buch dazukommt oder ein altes auszieht. So können ganz viele Leute ganz viele Bücher tauschen.

Helen
Das ist ja richtig cool. Ich liebe daran, dass da eine Hürde war – du willst einen Bücherschrank, hast aber ein Grundstück, an dem keine Leute vorbeikommen – und du dir überlegst, wie du es anders lösen kannst. Und er sieht extrem süß aus, der in deinem gepinnten Post bei Instagram. Weil du die Little Free Libraries erwähnt hast: Er sieht auch so aus. Viel süßer als die klassischen Bücherschränke, die vor allem eine Funktion erfüllen. Und wie läuft das dann – dir schickt jemand ein Buch und bekommt ein bestimmtes zurück, oder eins, das du aussuchst?

Jessica
Nein, also wir machen das schon immer so, wenn jemand ein Buch im Schrank sieht, was er gerne haben möchte, dann schreibt derjenige mich an. Und ich gebe keine Vorgabe, welches Buch im Gegenzug zurückgeschickt wird. Bei einem Bücherschrank an der Straße kann man ja auch einstellen, was man möchte. Ein paar fragen mich schon: Welches Buch soll ich dir denn schicken? Und ja, manchmal suche ich dann halt auch ein Buch aus, was ich auch gerne lese. Und das ist ja auch das Schöne, dass ich halt auch überrascht werde. Also ich habe auch schon Bücher dabei gehabt, wo ich mir denke, das ist cool, würde ich mir so nie gekauft oder nie ausgesucht, aber jetzt habe ich es hier und dann lese ich es auch. Der Ausgangspunkt ist also: Wer ein Buch im Schrank sieht, das er gerne hätte, schreibt mir einfach eine Nachricht.

Helen
Und die aktuellen Bücher, die findet man dann im Highlight, richtig?

Jessica
Genau. Immer wenn ich dazu komme, mache ich ein Bild vom Schrank – und sowieso, wenn ein neues Buch einzieht. Dann fotografiere ich auch die Klappentexte ab, weil man ja nicht alle Titel kennt und einen manchmal ein Buch total anspricht, auch wenn einem der Titel erst mal nichts sagt. Das habe ich alles in den Highlights abgespeichert, damit man da jederzeit immer durchstöbern kann und das halte ich auch immer auf dem Laufenden. Also alle die Bücher, die in den Highlights drin sind, sind auch aktuell da.

Helen
Also im Highlight Garden Library findet man die aktuellen Bücher und in einem angepinnten Post sieht man einmal diesen putzigen Bücherschrank, das sieht richtig toll aus. Eigentlich möchte man dann unbedingt auch mal bei dir vorbeikommen und so mal reinschauen, aber kann auch verstehen, dass es nicht so eine Option ist.

Jessica
Ich hatte auch schon Besuch von jemandem, die ich über Instagram kennengelernt habe. Sie war einmal bei mir und hat natürlich auch Bücher getauscht – welche mitgebracht und welche mitgenommen. Wir hatten durch Zufall festgestellt, dass wir gar nicht so weit auseinander wohnen, und sie ist spontan vorbeigekommen. Das darf man also auch machen. Wenn man mal vorbeikommen möchte, dann einfach Bescheid sagen.

Helen
Dafür habe ich spontan eine richtig gute Idee. Vielleicht kennst du sie noch nicht, weil du Mädels, die lesen. noch nicht so lange kennst: Es gibt eine Karte auf der Website. Da kann man sich eintragen, und es wird ein Pin gesetzt, wo man ungefähr wohnt – nicht stalkermäßig, sondern nach Postleitzahl. Dann könnte jemand aus der Umgebung dich entdecken, oder du schaust, wer bei dir in der Nähe lebt. Gedacht ist sie dafür, dass man sich auch außerhalb von Instagram trifft und andere aus der Community kennenlernt. Dafür ist das jetzt perfekt.

Jessica
Ah ja, okay – das ist ja gar nicht so weit von mir. Das ist eine super Idee, das machen wir.

Helen
Hattest du eigentlich so eine Art Bauanleitung für diesen Bücherschrank? Oder hast du den selbst entworfen? Ich wüsste gar nicht, wie ich anfangen soll.

Jessica
Ich auch nicht, ich auch nicht. Das war auch Zufall. Ich habe erst mal auf Pinterest geschaut, wie so Bücherschränke aussehen – eben die in Amerika, die an der Straße stehen, nicht die umgebauten Telefonzellen. Und da bin ich auf eine Bloggerin gestoßen: At Home with Ashley. Die postet richtig süße Sachen, sie hat so ein ganz buntes Haus – man will alles nachbauen und hat natürlich nie die Zeit dafür. Und sie hat eine sehr detaillierte Anleitung für ihren Bücherschrank auf ihrer Homepage. Das sind alles amerikanische Maße, aber so grob die Richtung. Ein paar Dinge, an die ich als Nicht-Handwerkerin gar nicht gedacht hätte – es soll ja auch wasserfest sein. Und die hat da wirklich ein paar richtig coole Tipps und da habe ich mich so entlang gehangelt.

Helen
Da gucke ich nachher auch mal. Das Profil sieht mega süß aus, ich habe direkt gedacht: Das will ich auch machen. Und dann schaue ich mir gleich diese Bauanleitung an. Das können wir ja alles dann auch in den Show Notes verlinken. Vielleicht sagst du an der Stelle auch mal direkt, wo man dich bei Instagram findet.

Jessica
Mein Account heißt neulich.im.reihenhaus, weil wir eben in einem schönen, kleinen Reihenhaus wohnen. Und was da büchermäßig bei mir alles passiert, ist auf dem Blog beschrieben.

Helen
Voll gut. Neulich.im.reihenhaus. Aber haben wir auch noch mal verlinkt.

Jessica
Ja, perfekt.

Helen
Richtig, richtig gut. Ich finde es voll inspirierend, dass du einfach sagst: Ich probiere das jetzt – und dich nicht hast abschrecken lassen. Da kamen ja mehrere Faktoren zusammen: noch nie so etwas gebaut, mache ich jetzt trotzdem, weil ich Lust darauf habe. Ich habe eigentlich nicht die Location dafür, stelle ihn mir aber trotzdem in den Garten – und mache es dann eben zusätzlich digital. Bei mir ist es nämlich oft so: Ich überlege mir etwas, und dann kommen ganz schnell all die Argumente, warum es nicht funktioniert oder warum ich es nicht machen kann.

Jessica
Ich habe mir einfach gedacht: Was habe ich zu verlieren, was soll schiefgehen? Im schlimmsten Fall habe ich ein Dekoobjekt für meinen Garten. Also warum nicht – einfach mal ausprobieren. Natürlich sind ein paar unbekannte Faktoren dabei, man weiß ja nie, ob wirklich jemand ein Buch zurückschickt. Aber diese ganze Bookstagram-Community besteht aus so netten Menschen. Die Bücher, die bei mir stehen, hat mir jemand geschickt. Das läuft auf Vertrauensbasis, und bis jetzt funktioniert es toll. Es ist mein Hobby, und es macht einfach Spaß.

Helen
Wie viele Bücher verschickst du so im Monat?

Jessica
Ich schreibe sie mir auf, damit ich den Überblick habe. Angefangen habe ich erst im Februar – das ist noch ganz frisch. Und ich habe jetzt so zehn Tauschaktionen im Monat, jeweils für Februar und für März.

Helen
Ich finde es auch schön, wenn so etwas angenommen wird. Was gut funktioniert, ist, wenn es etwas Neues ist – man denkt: Das habe ich noch nicht gesehen, das probiere ich aus. Das bringt einen ein bisschen aus dem Alltagstrott raus. Ich hatte erst gedacht, es funktioniert wie eine Blind-Date-mit-einem-Buch-Aktion, bei der man nicht sieht, welches Buch im Schrank steht. Aber ich mag es auch, dass man sich das aussucht. Ich sage nämlich oft, dass ich Bücherschränke liebe und an keinem vorbeigehen kann – ich schaue immer wenigstens rein und finde auch immer tolle Sachen. Und dann werde ich gefragt: Wie machst du das, bei mir steht da immer nur Kram? Ich glaube, man muss einfach ohne Erwartungen drangehen. Und dann kann man bei dir eben auch ins Highlight reingucken und einfach mal schauen, was spricht mich denn da an? Man kann an Bücherschränke nicht mit der Haltung herangehen: Ich suche Buch XY. Das wird man wahrscheinlich nie finden. Sondern offen dafür sein, was einen erwartet.

Jessica
So mache ich das auch: Wenn ich im Bücherschrank etwas sehe und denke, oh cool, das klingt super, dann nehme ich es mit. Im schlimmsten Fall gefällt es einem nicht – dann stellt man es im nächsten Schrank wieder zurück, das ist kein Weltuntergang. Ich liebe es einfach, durchzuschauen, was die Menschen an Büchern zurückgeben oder hineinstellen. Es gibt so viele Bücher auf der Welt, man kann gar nicht alle kennen.

Helen
In unserer Schmökerrunden-Chatgruppe kam das mal auf – wir haben über Bücher gesprochen, Überraschung. Und da hatte jemand gesagt, sie stellt Bücher immer mit einer persönlichen Notiz in den Schrank und schreibt dazu, was ihr daran gefallen hat. Ich fand das eine schöne Idee, mache es aber nie – ich vergesse es immer und denke danach: Ach ja, das wäre nett gewesen. Machst du so etwas?

Jessica
Das tatsächlich nicht, weil ich ja nicht alle Bücher gelesen habe, die im Schrank stehen. Aber jedes Buch bekommt von mir einen Bibliotheksausweis. Wenn ich ein Buch geschickt bekomme und in den Schrank stelle, steht darauf: Wer hat es mir geschickt – meistens mit dem Instagram-Accountnamen – und wann es gelesen wurde. Manchmal weiß man das nicht genau, aber so ungefähr die Jahreszahl. Und es bleiben Zeilen frei, in die man seine eigenen Daten ergänzen kann. So bekommt das Buch eine Geschichte.

Helen
Das finde ich richtig schön – es wirkt extrem liebevoll gemacht. Was liest du denn so? Lässt du dich von dem beeinflussen, was da hereintrudelt? Oder bleibst du einem bestimmten Genre treu?

Jessica
Ich habe früher sehr viele Krimis gelesen und historische Romane – das war das ganze Spektrum: entweder ein Krimi oder etwas Historisches. Das hat sich sehr erweitert. Ich lese jetzt auch Bücher, an denen ich in der Buchhandlung vorbeigelaufen wäre. Das hat viel mit Instagram zu tun, weil man so inspiriert wird: Wenn jemand einen kleinen Geheimtipp hat, denke ich mir, okay, das passt überhaupt nicht in mein Genre – und lese es trotzdem. Ich blicke viel mehr über den Tellerrand, und mir gefallen viele Dinge, die mir früher vielleicht nicht gefallen hätten. Man wächst als Leserin ja auch: Inzwischen ist auch mehr Literatur dabei. Früher war ein Buch für mich einfach Unterhaltung; heute spricht es mich mehr an, wenn ich darüber nachdenken kann und es etwas mit mir macht. Das Einzige, womit ich noch nicht so viel anfangen kann, ist Fantasy. Ich probiere es trotzdem immer mal wieder – vielleicht springt der Funke irgendwann über, bisher hat es noch nicht geklappt.

Helen
Das kann ich gut sagen, weil es mir ähnlich geht. Wir hatten im Buchclub unzählige Leserunden – ich glaube, weit über 50 Bücher. Und nur ein einziges Mal wurde ein Fantasy-Buch ausgewählt, weil wir explizit eine Fantasy-Leserunde als Motto hatten. Ich war sehr skeptisch. Von T. J. Klune hatte ich schon einiges gehört, wegen diesem Heim für magisch Begabte.

Jessica
Ja, man kennt es irgendwie.

Helen
Genau. Und ich hatte relativ viel so mitbekommen, dass das eben auch Leute lesen, die vielleicht sonst nicht unbedingt Fantasy lesen. Deswegen dachte ich, okay, es könnte ja vielleicht was sein, worauf man sich mal einlassen kann. Wir hatten dann aber Das unglaubliche Leben des Wallace Price ausgewählt von T. J. Klune. Das war kurz bevor wir das Tempo herausgenommen haben – heute sagen wir, wir lesen im Durchschnitt zehn Seiten pro Tag, also ein bisschen ruhiger. Damals fand ich alles sehr hektisch, und das war glaube ich das erste Buch, das ich selbst nicht mitlesen konnte. Nachgeholt habe ich es dann später. Ich fand es ein richtiges Wohlfühlbuch und dachte: So etwas möchte ich eigentlich häufiger lesen. Ich habe von Fantasy wahrscheinlich manchmal auch eine falsche Vorstellung. Aber das war ein ganz tolles Buch, das kann ich empfehlen.

Jessica
Genau, deswegen denke ich mir: Irgendwann klappt es vielleicht, irgendwann habe ich das richtige Buch. Es ist trotzdem nicht so, dass ich ein Fantasy nach dem anderen versuche – aber zwischendrin traue ich mich schon mal wieder ran.

Helen
Das ist auch die richtige Herangehensweise: ausprobieren, über den eigenen Tellerrand schauen. Nicht jedes Buch muss einem gefallen – aber man wird ja auch oft positiv überrascht.

Jessica
Ich finde, man wird häufiger positiv überrascht, als dass man enttäuscht wird. Mir zumindest geht es so.

Helen
Du hattest im Vorfeld gesagt, dass du auch Familie hast. Wie schaffst du das in deinem Alltag – Beruf, Familie, dieses Instagram-Projekt? Wie baust du das Lesen ein, wann nimmst du dir die Zeit dafür?

Jessica
Eigentlich habe ich nur eine Zeit am Tag, in der ich lesen kann: wenn meine Tochter im Bett ist. Dann lege ich mich mit meinem Buch auch ins Bett. Das sind zwei Stunden, wenn es gut läuft. Wenn es schlecht läuft, schrumpft es bis auf null. Oder ich setze mir Kopfhörer auf und höre ein Hörbuch. Das variiert. Mein Lesetempo an sich ist schon hoch, ich habe nur nicht die Zeit. Wenn ich viel Zeit hätte, würde ich sehr viele Bücher schaffen – die habe ich einfach nicht.

Helen
Es ist ja auch kein Leistungssport. Schön, wenn man sich Zeitfenster freischaufeln kann – es tut ja gut, ein Buch in die Hand zu nehmen. Aber nicht, wenn es am Ende nur Stress ist.

Jessica
Manchmal liegt das Buch hier wirklich zwei Wochen rum – dann ist es halt so. Es ist ja ein Hobby. Wenn ich mich bei meinem Hobby stressen würde, wäre es kein Hobby mehr. Es geht so schnell, wie es geht. Und wenn es nicht geht, dann geht es nicht.

Helen
Kann ich nur unterschreiben. Bei Instagram kann das manchmal umschlagen: Erst ist es Inspiration, man sieht ganz viele tolle Sachen – und dann wird daraus: Wie schaffen die das alle, wie lesen die so viel? Da muss man ein bisschen aufpassen. Gleichzeitig bekommt man viele tolle Sachen geboten und entdeckt Bücher, die man sonst gar nicht mitbekommen hätte oder an denen man in der Buchhandlung vorbeigegangen wäre.

Jessica
Ja, auf jeden Fall. Das ist bei mir auch.

Helen
Was war denn das letzte Buch, das dich richtig umgehauen hat – womit du vielleicht gar nicht gerechnet hattest?

Jessica
Da muss ich kurz überlegen. Ich lese gerade – da sind wir vielleicht wieder beim Thema Fantasy – Die Vermesserin der Worte von Katharina Seck. Das ist relativ aktuell. Katharina Seck hat die Dunkeldornchroniken geschrieben, das sagt den Fantasy-Leserinnen vielleicht etwas; mir vorher nicht. Sie ist Fantasy-Autorin und hat jetzt ein Buch geschrieben, in dem es eben nicht um Fantasy geht: Es geht um eine ältere Frau, die eine Haushaltshilfe sucht, und sie findet Ida – eine Autorin, die ihre Worte verloren hat. Es geht ganz bezaubernd um Wörter, um Bücher, um Geschichten. Das ist etwas, das ich mir nicht ausgesucht hätte. Das Cover ist zwar süß gemacht, mit Büchern und Blumen, aber vom Klappentext her hat es mich auf den ersten Blick nicht gecatcht. Die Erzählweise ist dagegen so schön – und genau das kann ein Klappentext nicht wiedergeben: die Sprache und die Erzählweise. Ich bin noch nicht ganz durch, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass mich das Ende noch maßlos enttäuscht. Es hat mich wirklich überrascht – auch so ein Fall von über den Tellerrand schauen.

Helen
Hast du es auch über Instagram entdeckt?

Jessica
Ich wurde tatsächlich vom Verlag angefragt, ob ich es lesen und rezensieren möchte. Und ich habe gedacht: Warum nicht, ich lasse mich darauf ein, das klingt erst mal gut. Da wurde ich wirklich nicht enttäuscht.

Helen
Hast du das öfter – du hast ja gerade gesagt, der Klappentext kann die Sprache nicht wiedergeben? Ich mache Livestreams, in denen ich die Bücher für die nächste Runde vorstelle, und lese dabei den Klappentext vor. Und oft kann ich überhaupt nicht greifen, worum es eigentlich gehen soll. Das kommt natürlich aufs Buch an. Aber ich habe das schon so oft bemerkt: Ich sitze danach da und denke, ich weiß gar nicht genau, was mir das sagen soll.

Jessica
Und manchmal führt er einen in eine ganz andere Richtung: Man stellt sich etwas völlig anderes vor, als dann dahintersteckt. Ich hatte ja gesagt, dass ich früher viel historische Romane gelesen habe und das heute noch sehr gerne tue – besonders, wenn es um Frauenfiguren geht, die ihrer Zeit voraus waren, die nicht gehört wurden und versucht haben, sich durchzusetzen. Und da wird im Klappentext oft schon so viel verraten. Dann ist man auf Seite 400 und denkt: Jetzt kommt das, was im Klappentext steht. Darüber ärgere ich mich total, weil dadurch ein bisschen Spannung rausgeht. Deswegen finde ich Instagram gut: Es vermittelt einen viel besseren Eindruck von den Büchern. Mit dem, was man dort liest und wie die Bücher vorgestellt werden, kann man viel besser entscheiden, ob ein Buch zu einem passt.

Helen
Vor allem, wenn man Accounts gefunden hat, von denen man schon in der Vergangenheit überzeugt wurde oder bei denen man das Gefühl hat, einen ähnlichen Geschmack zu haben. Dann kann man sich auf eine Empfehlung verlassen und sagen: Das probiere ich jetzt einfach mal. Mir fällt gerade ein Buch ein, weil du sagst, dass du Bücher über Frauen magst, die ihrer Zeit voraus waren. Ich gehe gerne in einen Laden für gebrauchte Bücher, so eine Art Sozialkaufhaus – die haben eine extrem gute Auswahl. Da hatte ich eins gesehen, aber nicht mitgenommen, weil es relativ dick aussah und ich dachte, ich höre das lieber als Hörbuch. Es ging um Madame Cliquot – eine Champagnermarke, die anscheinend von einer Frau gegründet wurde. Ich hatte nie darüber nachgedacht, dass das auch in der Champagnerwelt ein Thema ist. Ich wusste gar nicht, dass eine Frau dahintersteckt und dass es auch in dieser Welt etwas Besonderes ist, wenn eine Frau ihr Ding durchzieht. Seitdem habe ich sogar gesehen, dass es noch ein zweites Buch über sie gibt. Ich möchte das unbedingt bald als Hörbuch hören. Ich dachte, das wäre vielleicht auch etwas für dich.

Jessica
Doch, das klingt interessant. Ich mag es total, wenn ein Buch in einer Welt spielt, von der man überhaupt keine Ahnung hat – und über die man nicht einmal daran gedacht hätte, etwas zu lesen. Ganz klassisch: Ich liebe Das Damengambit. Das kennt man vielleicht, es wurde ja von Netflix als Serie verfilmt. Da geht es um Schach. Elizabeth ist ein Waisenkind, wächst in einem Waisenhaus auf und wird vom Hausmeister im Schach unterrichtet. Sie geht dann von Schachturnier zu Schachturnier und wird eine hervorragende Schachspielerin bis hin zur Meisterin. Ich habe wirklich keine Ahnung von Schach – man könnte mir alles erzählen, wohin sie ihre Figuren schiebt. Im Buch werden diese Partien tatsächlich beschrieben. Aber es ist überhaupt nicht langweilig, und ich habe auch keine Ambitionen, jetzt Schach anzufangen – es hat mich trotzdem gecatcht. Von Champagner oder Winzerei habe ich genauso wenig Ahnung. Aber es ist doch toll, in so eine Welt einzutauchen und etwas zu lernen. Also warum nicht? Muss ich mir merken: Madame Cliquot.

Helen
Ich habe das parallel noch mal gegoogelt. Es gibt ein Buch Madame Cliquot und das Glück der Champagne – aber das ist nicht das, was ich entdeckt hatte. Und ich habe noch ein weiteres über sie gefunden, das war es auch nicht. Es scheint also ein Thema zu sein, das in Büchern schon viel abgedeckt wurde, was mir gar nicht bewusst war. Ich muss noch mal nachschauen, wie das hieß, das ich gesehen hatte – ich hatte damals die Autorin gegoogelt, weil im Klappentext etwas über sie stand, und dachte: Das klingt, als wäre sie Unternehmerin. Und so war es auch: eine deutsche Unternehmerin, die sonst keine Autorin ist, die es aber offenbar so spannend fand, über diese Frau zu recherchieren, dass sie darüber geschrieben hat. Ich verlinke es in der Folgenbeschreibung – es gibt auf jeden Fall einige Bücher über diese Frau.

Jessica
Das klingt sehr gut. Wir kennen diese Frau ja nicht, wir wissen nicht, was sie geleistet hat. Es gibt gerade auch ein aktuelles Buch über solche vergessenen Frauen.

Helen
Ja, das stimmt. Ich glaube, das ist von Penguin. Dass es einfach so viele Frauen in der Weltgeschichte gibt, die wir nicht kennen und die so viele tolle Sachen gemacht haben.

Jessica
Das letzte Buch darüber, das ich gelesen habe, war das über Dorothy Horstmann, die maßgeblich an der Polio-Impfung geforscht hat und einfach vergessen wurde – in der Polio Hall of Fame taucht sie zum Beispiel überhaupt nicht auf.

Helen
Da wird man ja wütend.

Jessica
Ja, das regt einen auf. Aber deswegen finde ich es so schön, dass wir jetzt wenigstens etwas über diese Frauen erfahren können.

Helen
Ja, das stimmt.

Jessica
Und deswegen mache ich das auch total gerne.

Helen
Ich war zum Zeitpunkt der Aufnahme gerade auf der Leipziger Buchmesse – bis das hier veröffentlicht wird, ist das wahrscheinlich ein bisschen her. Ich fand faszinierend, wie viele Bücher es gab, generell zu feministischen Themen. Ich habe mich gefragt, ob ich einfach einen sehr selektiven Blick habe, aber ich hatte das Gefühl: Das ist überall. Es gab ganz viele Bände, in denen es um Frauen ging, die in bestimmten Bereichen vergessen wurden – genau das, was du beschreibst. Die Geschichte des Mittelalters aus Sicht der Frauen, auch so etwas in der Philosophie. Gefühlt wurde jeder Bereich einmal mit vergessenen Frauen abgedeckt. Da hast du erst mal ein paar Jahre Lesestoff.

Jessica
Vor allem: Du sagst gerade Mittelalter und Philosophie – da kennt man von jedem vielleicht ein Beispiel. Mittelalter: Hildegard von Bingen. Philosophie: Simone de Beauvoir. Und das war es. Dabei gibt es so viel mehr. Das ist einfach dem geschuldet, dass es niemand aufgeschrieben hat. Jetzt kommt das Bewusstsein dazu – und vielleicht auch die Möglichkeiten, mehr zu recherchieren, die man früher nicht hatte. Das kann doch nicht sein, dass es so wenige Frauen gab. Nein, es gab viel mehr, aber die Männer hat es halt nicht so interessiert.

Helen
Das habe ich nämlich gestern gesehen: auch ein Buch über Frauen in der Kirchengeschichte, die vergessen wurden. Die Autorin ist Journalistin und sollte, glaube ich, über eine Heilige recherchieren. Und hat dann gedacht: Von der habe ich ja noch nie gehört. So stelle ich mir das vor: Sie ist in so einem Rabbit Hole gelandet, hat gemerkt, davon gibt es ganz viele – und hat daraus ein Buch gemacht.

Jessica
Ja, total spannend. Das find ich super, super faszinierend.

Helen
Mir geht es dann oft so: Ich lese etwas über so eine Frau und wünsche mir einen Film dazu – am liebsten eine Doku. Und die gibt es dann einfach nicht. Aber das kommt vielleicht im nächsten Schritt. Warten wir noch ein paar Jahre.

Jessica
Ich muss mal schauen, ob man etwas zu Madame Cliquot findet – vielleicht gibt es da ja eine Doku.

Helen
Auf irgendeinem Spartensender, wo man wirklich aktiv danach suchen muss. Solche Bücher findet man dann wahrscheinlich auch bei dir – über Frauen, die ihrer Zeit voraus waren.

Jessica
Ja, habe ich schon ein paar.

Helen
Machen wir eine Drei-, Vier-Schritte-Anleitung: Erst mal Jessica bei neulich.im.reihenhaus folgen. Dann den Bücherschrank im gepinnten Post anschauen. Dann ins Highlight Garden Library gehen, schauen, was gerade da ist und was einen interessiert – und dir dann eine Nachricht schreiben.

Jessica
Ganz genau. Und ich freue mich wirklich über jede Nachricht. Es haben mir auch schon Followerinnen geschrieben, die ein bestimmtes Buch suchen, das bei mir nicht im Schrank steht. Dann habe ich mal eine Story dazu gemacht – daran erinnere ich mich gerade, das könnte ich mal wieder machen. So konnte ich schon ein Buch zwischen zwei Followerinnen vermitteln: Eine hat gesagt, Mensch, ich habe das aber. Und die beiden haben dann auch ein Tauschbuch unter sich gefunden. Das ging überhaupt nicht über meinen Schrank – aber wir konnten vermitteln. Das fand ich total schön.

Helen
Das ist richtig schön. Bei uns kann man auch etwas Ähnliches probieren, nur weniger gezielt: Wir haben ein paarmal im Jahr eine Buchtauschbörse. Da schreibst du in die Kommentare, welche Bücher du selbst hast, und schaust bei den anderen Kommentaren, ob etwas dabei ist, das passt. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass da überhaupt Matches zusammenkommen – aber es scheint zu funktionieren. Der Streuverlust ist natürlich höher. Wenn man bei dir einfach gezielt fragen kann, ist das richtig super. Schaut auf jeden Fall mal auf dem Profil vorbei, ich finde das den süßesten Bücherschrank ever. Und ich verlinke auch diese Bauanleitung in den Show Notes – vielleicht können wir noch mehr Leute dazu animieren, einen eigenen Bücherschrank zu bauen.

Jessica
Ja, das wäre doch schön.

Helen
Ich habe mich gefreut, dass wir das hier mal besprechen konnten – vor allem diese Entdeckung, einen digitalen Bücherschrank bei Instagram. Danke an der Stelle auch noch mal an die Mädels, die das Ganze ins Rollen gebracht haben. Und ich würde sagen, wir trinken unseren Jasmintee aus, riechen noch ein bisschen an den Jasmin- und Lavendelsträuchern und lassen den Abend ausklingen. Danke dir, das war richtig toll.

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