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Podcast · Folge 100
Was hinter dem Deutschen Lesepreis steckt
Thomas Kleinebrink von der Stiftung Lesen über Bewerbung, Jury und Preisgeld – und darüber, warum Vorlesen das stärkste Mittel der Leseförderung ist
Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise: Wo sitzen wir gerade, und welches Getränk hast du uns mitgebracht? Thomas Kleinebrink gibt zuerst der Wahrheit die Ehre – Homeoffice, Tisch, Glas Wasser – und schlägt dann etwas anderes vor: Wir beamen uns zurück nach Berlin, in den Abend des 18. Februar, an dem der Deutsche Lesepreis verliehen wurde. Dort haben wir nämlich vergessen, miteinander anzustoßen. Das holen wir in dieser Folge nach, mit einem imaginären Glas Sekt. Aufgenommen haben wir digital.
Thomas Kleinebrink
Senior Manager Politische Kommunikation, Stiftung Lesen
Thomas Kleinebrink arbeitet in der Kommunikation der Stiftung Lesen in Mainz und betreut dort den Deutschen Lesepreis – von der Ausschreibung über die Aufbereitung der Bewerbungen bis zu den Anrufen bei den Nominierten. Bei der Preisverleihung wurde er mehrfach »Mr. Lesepreis« genannt, was der Grund für diese Folge war. Er ist seit vielen Jahren bei der Stiftung und hat drei Töchter – weshalb ihm der Name unserer Community, wie er sagt, gleich vertraut vorkam.
Ein Abend, der ein bisschen wie Hollywood sein soll
Helen beschreibt den 18. Februar aus ihrer Sicht: das Humboldt Carré, die Fotowand, berühmte Leute, ein sehr aufregender Abend. Vorher hatte sie gefragt, was man anzieht. Thomas Kleinebrinks Standardantwort auf diese Frage lautet: so, wie man zum 85. Geburtstag der Lieblingstante gehen würde. Schick, aber keine Abendgarderobe – und auch nicht die ausgebeulte Jeans.
Hinter der Inszenierung steckt eine Absicht. Die Menschen, die Leseförderung machen, stehen sonst selten im Rampenlicht: Kita-Fachkräfte, Lehrkräfte, ehrenamtliche Vorleserinnen und Vorleser. Einmal im Jahr sollen genau sie der Star des Abends sein.
Wir möchten da wirklich buchstäblich Leute auf den roten Teppich stellen, auf die Bühne stellen, ins Rampenlicht stellen, denen das sonst viel zu selten passiert.Thomas Kleinebrink
Warum das Ganze so dringend ist
An einer Stelle unterbricht er sich selbst, weil er fürchtet abzuschweifen – und sagt dann doch die Zahlen, um die es geht. Die IGLU-Studie kommt darauf, dass rund ein Viertel der Kinder die Grundschule verlässt, ohne ausreichend lesen zu können. Bei den 15-Jährigen, die PISA testet, liegt der Wert ähnlich. Gemeint sind damit nicht Kinder, die keine Buchstaben kennen, sondern Kinder, die am Ende eines Satzes nicht mehr wissen, was am Anfang stand.
Er sagt offen, dass ihm davor Angst und Bange wird – nicht nur für diese Kinder selbst, sondern für eine Gesellschaft, in der ein Viertel der Nachwachsenden sich nicht gut genug informieren und keine eigene Meinung bilden kann. Der Widerspruch, der ihm dabei ständig begegnet: In einem Land mit Schulpflicht denken viele, das Problem gebe es gar nicht.
Warum bei uns viel über Kinder gesprochen wird
Helen ist bei der Preisverleihung etwas aufgefallen: Sie war vermutlich die Einzige, die etwas in Richtung Erwachsenen-Leseförderung macht. Er bestätigt das ohne Umschweife. Bei der Stiftung Lesen liegt der Schwerpunkt zu hundert Prozent auf Kindern und Jugendlichen in ihren Familien, und auch beim Lesepreis überwiegen die Angebote für Kinder deutlich.
Der Grund ist keine Geringschätzung, sondern Statistik: Je früher man ansetzt, desto größer die Chance, dass die Lesebiografie gut verläuft. Bei Erwachsenen geht es nicht mehr um Prävention, sondern um aufholende Grundbildung. Bewerbungen für Angebote für Erwachsene sind ausdrücklich willkommen – es kommen nur weniger, und entsprechend seltener werden sie ausgezeichnet.
Das mit Abstand stärkste Argument
Auf die Frage, was Eltern konkret tun können, kommt die Antwort sofort: vorlesen. Helen hatte sie ihm gerade vorweggenommen, was er lachend als Beleg nimmt, dass sie da Hand in Hand gehen. Rund um dieses eine Wort ist ein großer Teil der Stiftungsarbeit gebaut: das Programm Lesestart, das direkt in Familien geht; das Engagementportal auf der Website; der bundesweite Vorlesetag; die App einfachvorlesen.de.
Beim Welttag des Buches am 23. April gibt die Stiftung gemeinsam mit ihren Partnern Jahr für Jahr eine Sonderedition heraus, die an teilnehmende Schulklassen verschenkt wird – über eine Million Exemplare. Der Satz, der bei ihm hängen geblieben ist: Kinder aus vierten und fünften Klassen sagen ihnen, das sei ihr erstes eigenes Buch.
An dieser Stelle sitzen wir beide vor unseren Regalwänden und stellen fest, wie eng die eigene Blase ist. Er hängt eine Beobachtung an, die das noch verschiebt: Es hat nicht unbedingt mit Bildung zu tun. Erst wenn beides zusammenkommt – keine Bücher im Haus und Eltern, die selbst nicht lesen –, entsteht bei den Kindern gar kein Bedürfnis danach.
Wäre es nicht toll, wenn nicht nur eine Million Menschen sich in der freiwilligen Feuerwehr engagieren würden, sondern wenn sich auch eine Million Menschen als freiwillige Vorleserinnen und Vorleser engagieren würden.Thomas Kleinebrink
Wie man selbst Vorleserin oder Vorleser wird
Sein erster Aufruf ist unspektakulär und deshalb umsetzbar: in eine Kita am Ort gehen und das Angebot machen. In aller Regel sagen sie ja. Wer zaudert, weil er sich das nicht zutraut, bekommt von ihm die Erlaubnis, die Latte tief zu hängen. Niemand muss lesen wie Rufus Beck bei den Harry-Potter-Hörbüchern. Kinder freuen sich in allererster Linie darüber, dass sich jemand Zeit für sie nimmt.
Was man vorher wissen sollte: wie alt die Kinder sind. Danach richtet sich die Geschichte. Bilderbuch umdrehen, Bilder zeigen, zwischendurch fragen, wie es wohl weitergeht – das reicht. Wer es systematischer möchte, findet auf der Website der Stiftung Lesen ein Engagementportal mit Buchtipps, Anleitungen und kostenlosen Webinaren.
Und wer erst einmal ausprobieren will, ob es Spaß macht, hat dafür einen festen Termin: den bundesweiten Vorlesetag, immer am dritten Freitag im November, ins Leben gerufen von der Stiftung Lesen gemeinsam mit der Wochenzeitung Die Zeit und der Deutschen Bahn Stiftung. 2023 und 2024 haben jeweils deutlich über eine Million Menschen mitgemacht.
Die Stiftung Lesen, nicht die Stiftung Gutes Buch
Helen bringt eine Debatte mit, die ihr auf der future!publish begegnet ist: BookTok, New Adult, Young Adult – und wie schnell das verteufelt wird. Ihre eigene Haltung ist, dass es egal ist, was gelesen wird, solange es Spaß macht. Seine Antwort ist der Satz, der in dieser Folge am längsten nachklingt.
Wir sind die Stiftung Lesen. Wir sind nicht die Stiftung Gutes Buch.Thomas Kleinebrink
Es gibt im Haus durchaus eine Abteilung für Lese- und Medienempfehlungen. Deren Maßstab ist aber nicht, welches Buch literarisch am wertvollsten ist, sondern welches bei der Zielgruppe ankommt. Ein Buch auf den Sockel zu stellen, sagt er, sortiert von vornherein einen großen Teil aus – besonders, wenn die Empfehlung nicht von Gleichaltrigen kommt, sondern von Eltern oder Lehrkräften. Dann macht man mehr kaputt, als man gut macht. Ob am Ende ein New-Adult-Titel gelesen wird, sei völlig sekundär.
Helen hängt daran etwas an, das sie sonst selten so deutlich sagt: dass das, was wir bei »Mädels, die lesen.« machen, durchaus belächelt wird. Vielleicht wegen der Farbe Rosa, vielleicht wegen des Worts Mädels – vor allem aber, weil es von Anfang an einfach Spaß machen sollte. Seine Einordnung dazu: Genau deshalb ist sie ausgezeichnet worden.
Die sechs Kategorien
Den Preis gibt es seit 2013. Initiatoren sind die Stiftung Lesen und die Commerzbank-Stiftung; dazu kommen Partner, die einzelne Kategorien tragen. Fünf Kategorien stehen für Bewerbungen offen:
- Herausragendes individuelles Engagement in der Leseförderung – für einzelne Personen, die etwas auf die Beine gestellt haben. Das ist die Kategorie, in der Helen ausgezeichnet wurde; getragen wird sie von der PwC-Stiftung.
- Herausragendes kommunales Engagement – wenn mehrere Partner an einem Ort zusammenarbeiten, etwa Stadtbibliothek, Jugendamt und Schulen.
- Herausragende Sprach- und Leseförderung in Kitas – getragen vom Bildungsträger Fröbel.
- Herausragende Leseförderung an Schulen – getragen von der Arnulf Betzold GmbH.
- Herausragende Leseförderung mit digitalen Medien – sehr breit angelegt, entscheidend ist, dass digitale Medien im Konzept eine zentrale Rolle spielen.
Dazu kommt als sechste der Sonderpreis für prominentes Engagement der Commerzbank-Stiftung, seit 2018 und ohne Bewerbung. 2025 ging er an Bernhard Hoëcker.
Zur Digitalkategorie sagt er einen Satz, der für eine Leseinstitution nicht selbstverständlich ist: Die oft gepflegte Abwehr digitaler Medien sei komplett aus der Zeit gefallen. Wenn ein Kind im Wartezimmer sitzt und das Buch zu Hause liegt, liest man eben vom Handy vor.
Vom Bewerbungsschluss bis auf die Bühne
Ausgeschrieben wird in der Regel drei Monate lang, klassischerweise vom 1. April bis zum 30. Juni. Und jedes Jahr passiert dasselbe: Zweieinhalb Monate lang fragt er sich, wo alle bleiben, weil die Zahl unter hundert steht – und in den letzten zwei, drei Wochen schnellt sie hoch. Am Ende liegen meist um die 400 Bewerbungen vor. Einmal waren es knapp 700, was er den Hammer nennt, weil er sie alle liest.
Entscheiden tut er nicht. Er bereitet auf; entschieden wird von einer Jury aus Vertreterinnen und Vertretern aller Partner, dazu Prominente, der kommunale Partner, eine Vertretung der Bibliotheken und eine des Buchhandels. Das Verfahren läuft in zwei Stufen: zuerst zehn Nominierungen pro Kategorie, also fünfzig insgesamt, danach die Auswahl von erstem, zweitem und drittem Platz. Dann darf er anrufen.
Eine Sache liegt ihm dabei besonders am Herzen: Beim Deutschen Lesepreis darf man sich mit demselben Projekt erneut bewerben. Bei anderen Wettbewerben, sagt er aus eigener Erfahrung, ist ein Projekt nach einer erfolglosen Bewerbung verbrannt – obwohl es ein Jahr später oft besser ist als vorher. Es gibt regelmäßig Preisträgerinnen, die es erst im zweiten, dritten oder vierten Anlauf geschafft haben.
Was es zu gewinnen gibt
Diese Frage kam aus der Community. Preisgeld gibt es pro Kategorie und gestaffelt nach Platzierung: 2.000 Euro für den ersten Platz, 1.500 Euro für den zweiten, 1.000 Euro für den dritten. Nominierte bekommen kein Geld – bei fünfzig Nominierungen wäre das schlicht nicht zu stemmen.
Der zweite Wert ist weniger offensichtlich und in der Praxis oft der größere: Viele Leseförderprojekte hängen an befristeten Förderungen. Wenn beim nächsten Antrag der Deutsche Lesepreis dabeisteht, hat das schon häufig geholfen, Geldgeber zu einer Verlängerung zu überzeugen.
Warum der Platz nicht das Wichtigste ist
Zum Schluss wird es persönlich. Helen erzählt, wie die Nominierungsmail bei ihr ankam: zwei Stunden vor einer anderen Preisverleihung, mitten in einer ohnehin gefühlten Achterbahn. Ein bis zwei Wochen später wusste sie, dass sie gewonnen hat – welchen Platz, erfuhr sie erst vor Ort.
Sie spricht offen darüber, dass es der zweite Platz war und dass sie lange überlegt hat, ob man das so kommunizieren soll. Ihre Antwort auf die eigene Frage ist eindeutig.
Ich bin da total stolz drauf. Für mein Gefühl macht es keinen Unterschied, weil ich weiß: Ich habe gewonnen.Helen
Er hält dagegen – und zwar nicht als Trostpflaster, wie er ausdrücklich sagt. Ob man Erster, Zweiter oder Dritter wird, sei am Ende überhaupt nicht zentral. Zentral sei, dass man eine der wichtigsten Aufgaben in dieser Gesellschaft übernimmt und dafür eine verdiente Anerkennung bekommt. Wir seien in unserer Leistungsgesellschaft nur daran gewöhnt, dass alles nach Platz eins angeblich nur noch der Zweite ist – und das teile er an dieser Stelle überhaupt nicht.
Helen beendet die Folge mit einem Vorsatz, den man mithören kann: Sie werde gleich mal googeln, welche Kitas es hier in der Umgebung gibt und was die für Bedarf haben.
Wie dieses erste Quartal 2025 aus Helens Sicht insgesamt war – Geburtstag, Keynote, Finale, Preisverleihung – erzählt sie in Folge 107.
Eine Stunde darüber, wie ein Preis entsteht, den man selten von innen sieht – und darüber, warum eine Institution fürs Lesen ausdrücklich nicht fürs gute Buch zuständig sein will.
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Häufige Fragen
Was ist der Deutsche Lesepreis?
Ein Preis für Leseförderung, den die Stiftung Lesen und die Commerzbank-Stiftung seit 2013 jährlich verleihen. Ausgezeichnet werden Menschen, Kitas, Schulen und Kommunen, die anderen das Lesen näherbringen. Die Verleihung findet in Berlin statt.
Wer kann sich bewerben und bis wann?
Jede und jeder, der sich lesefördernd engagiert – in den Kita- und Schulkategorien allerdings die Einrichtung, nicht die Einzelperson. Man kann sich selbst bewerben oder vorgeschlagen werden; die deutliche Mehrheit bewirbt sich selbst. Klassischerweise läuft die Ausschreibung vom 1. April bis zum 30. Juni.
Welche Kategorien gibt es?
Fünf Bewerbungskategorien: herausragendes individuelles Engagement, herausragendes kommunales Engagement, herausragende Sprach- und Leseförderung in Kitas, herausragende Leseförderung an Schulen sowie herausragende Leseförderung mit digitalen Medien. Dazu kommt der Sonderpreis für prominentes Engagement der Commerzbank-Stiftung, den es seit 2018 gibt.
Gibt es ein Preisgeld?
Ja, pro Kategorie und gestaffelt: 2.000 Euro für den ersten Platz, 1.500 Euro für den zweiten und 1.000 Euro für den dritten. Nominierte erhalten kein Preisgeld. Hilfreich ist der Preis auch bei Folgeanträgen für befristet geförderte Projekte.
Wie läuft die Auswahl ab?
Zweistufig. Eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern aller Partner nominiert zunächst zehn Bewerbungen pro Kategorie, also fünfzig insgesamt. Aus diesen fünfzig werden anschließend erster, zweiter und dritter Platz ausgewählt. Wer sich einmal erfolglos beworben hat, darf es mit demselben Projekt erneut versuchen.
Wie werde ich freiwillige Vorleserin oder freiwilliger Vorleser?
Am einfachsten, indem man eine Kita am Ort anspricht und das Angebot macht – in aller Regel wird es angenommen. Vorlesetalent ist keine Voraussetzung; wichtiger ist, die Geschichte am Alter der Kinder auszurichten. Anleitungen, Buchtipps und kostenlose Webinare gibt es im Engagementportal der Stiftung Lesen.
Wann ist der bundesweite Vorlesetag?
Immer am dritten Freitag im November. Er wurde von der Stiftung Lesen gemeinsam mit der Wochenzeitung Die Zeit und der Deutschen Bahn Stiftung ins Leben gerufen; 2023 und 2024 haben jeweils deutlich über eine Million Menschen mitgemacht.
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Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.
Helen
Herzlich willkommen Thomas. Ich freue mich sehr heute mit dir über den Lesepreis und wahrscheinlich im Zuge dessen auch über das, was die Stiftung Lesen sonst so macht, zu sprechen. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Thomas Kleinebrink
Hallo Helen, vielen herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich auf unser Gespräch. Und ich gebe mal der Wahrheit zuerst die Ehre. Ich sitze hier ganz profan im Homeoffice am Tisch mit einem Glas Wasser in der Hand. Aber was ich die viel viel schönere Vorstellung finde, ist, dass wir beide uns nochmal zurück nach Berlin beamen, wo wir am 18. Februar die Verleihung des Deutschen Lesepreises erlebt haben mit deiner Auszeichnung in der Kategorie herausragendes individuelles Engagement. Also auch hier an dieser Stelle natürlich nochmal herzlichen Glückwunsch. Danke. Und wir haben uns bei der Preisverleihung ja zwischendurch noch Gott sei Dank unterhalten können, auch wenn ich da an vielen anderen Stellen zwischendurch unterwegs war, was wir aber gar nicht gemacht haben, war miteinander anzustoßen und das können wir doch jetzt nachholen. Also lass uns doch einfach beide ein Glas Sekt, wenn auch nur imaginär, zur Hand nehmen. Und wir sind noch mal in Berlin und stoßen miteinander auf dich an.
Helen
Das klingt richtig gut. Es ist mir auch erst im Nachhinein aufgefallen, dass das irgendwie vergessen haben. Aber ja, dann holen wir das nach.
Thomas Kleinebrink
Das holen wir nach.
Helen
Also ich hatte dich angeschrieben, weil du, also ich fand es witzig, weil du bei der Preisverleihung öfters mal als Mr. Lesepreis bezeichnet wurdest, dachte ich, so bist du der perfekte Ansprechpartner. Also du warst auch mein Ansprechpartner in diesem gesamten Prozess. Und als ich bekannt gegeben habe, dass wir den Preis gewonnen haben, hatten mich verschiedene Leute gefragt, ob ich mal erzählen kann, was ist das überhaupt? Was ist dieser Lesepreis? Was bedeutet das? Und dann habe ich auch noch mal Fragen eingesammelt, um mich auf diese Folge vorzubereiten. Und wir haben im Vorgespräch dann auch schon gemerkt, wahrscheinlich, man kann auf jeden Fall ein bisschen was zum Lesepreis erzählen, aber in dem Zusammenhang wäre ja auch total spannend zu erfahren, was machst du so bei der Stiftung Lesen und was macht die Stiftung Lesen sonst noch so. Und ich überlege gerade, wie wir am besten einsteigen. Also das passt sehr genau. Morgen vor einem Monat waren wir bei dieser Preisverleihung in Berlin. Und ich kann ja mal vielleicht so ein bisschen beschreiben, wie das für mich war. Du hattest mir im Vorfeld, glaube ich, gesagt, ich soll mich so anziehen, wie ich vielleicht zu meiner Schwiegermutter oder irgendwie so was.
Thomas Kleinebrink
Ich habe gesagt: Wenn mich die Preisträgerinnen und Preisträger fragen, sage ich immer, kommt doch in der Garderobe, so wie ihr zum 85. Geburtstag eurer Lieblingstante gehen würdet. Das sage ich immer. Soll heißen Schick, aber keine zu schicke Abendgadarobe, aber auch nicht in der letzten ausgebeulten Jeans.
Helen
Ja, also ich fand es super witzig. Ich konnte mir, also ich hatte ja auch die Fotos gesehen, konnte mir das aber trotzdem nicht so richtig vorstellen. Und ich würde sagen, es war in Echtern doch noch mal deutlich schicker, als ich erwartet hat. Das war total aufregend. Dieses Humboldt Carré ist ja auch super schön. Und es gab diese Fotowand, wo dann auch diese ganzen berühmten Leute fotografiert wurden. Es war ein sehr, sehr aufregender Abend für mich. Und es war total spannend zu sehen, wer da alles ausgezeichnet wurde und was mir vor allen Dingen noch bevor es überhaupt los ging aufgefallen ist, dass ich glaube ich die einzige war, die was eher so Richtung erwachsenen Leseförderung macht. Und auch wenn man bei euch auf der Webseite guckt, geht es ja häufig eher um die Leseförderung bei Kindern, würde ich jetzt mal sagen. Würdest du dem so zustimmen? Ja.
Thomas Kleinebrink
Bei der Stiftung Lesen stimmt das 150% Prozentig sozusagen beim Deutschen Lesepreis gibt es definitiv auch ein deutliches Übergewicht zugunsten vom Programm Projekten, Angeboten für Kinder und Jugendliche. Das stimmt. Der deutsche Lesepreis reduziert, aber wie man an deiner Auszeichnung jetzt auch sieht, reduziert das Angebotspektrum oder Bewerbungsspektrum, aber nicht auf die Zielgruppe. Da sagen wir durchaus Angebote für Erwachsene sind genauso willkommen. Aber vielleicht, um das jetzt schon vorauszuschicken oder die Frage zumindest schon mal zu beantworten. Wir merken im Bereich der Leseförderung natürlich schon, dass hier ganz viel von präventiven Maßnahmen die Rede ist und dass ganz viele präventive Maßnahmen eine Rolle spielen soll heißen je früher ich ansetze, bei Kindern im Vor- schulalter, im Grundschulalter, desto höher ist natürlich die Chance, dass die anschließende Lesekarriere die Lesebiografie erfolgreich verläuft. Und wenn wenn ich dann eben bei bereits Jugendlichen oder sogar Erwachsenen ansetze, da hat es dann nicht mehr so viel mit Prävention zu tun, sondern eher mit so aufholender Grundbildung oder mit kurativen Maßnahmen. Wie kriege ich jemanden, der es vielleicht vorher nicht gelernt hat im Nachgang dazu? Und das ist beim Deutschen Lesepreis also durchaus möglich, aber auch eher die Ausnahme in der Anzahl der Bewerbungen, die reinkommen und anhand der Anzahl der Bewerbung, die reinkommen, spiegelt sich natürlich hinterher auch wieder, welche Preisträgerinnen und Preisträger dann auch ausgezeichnet werden. Und bei der Stiftung Lesen sind wir aber in der Tat ganz klar bei der Kernzielgruppe Kinder, Jugendliche in ihren Familien. Und man muss auch da sagen, also Vorschul und Grundschulalter mit den entsprechenden Multiplikatoren in Elternhäusern, Kitas und Grundschulen spielen da schon die Kernrolle.
Helen
Ja, ja und beim Lesepreis gab es ja auch extra die Kategorien, irgendwie, also Schulen auf jeden Fall, Kindergärten oder…
Thomas Kleinebrink
Also soll ich ein bisschen zum Lesepreis erzählen, wenn du möchtest. Also zunächst freut mich das natürlich riesig, dass du die Veranstaltung so positiv empfunden hast. Das ist ja auch unser Ziel. Also diese Lesepreisverleihung hat eigentlich, also bevor ich zum Deutschen Lesepreis nachher komme, vielleicht zuerst zu Preisverleihung. Die Veranstaltung hat wirklich so dieses Ziel, den Menschen, die sich im Bereich der Leseförderung engagieren, mal den roten Teppich auszurollen. Wir möchten da wirklich buchstäblich Leute auf den roten Teppich stellen, auf die Bühne stellen, ins Rampenlicht stellen, denen das sonst viel zu selten passiert. Ja, weil die machen eine, das ist unsere ganz feste Überzeugung und meine persönlich natürlich auch, die machen eine der wichtigsten Aufgaben, die man in unserer Gesellschaft leisten kann, also ganz profan, Wer sich nicht für die Bildung unseres Bildungsnachwuchses einsetzt, der riskiert, dass wir die Zustände, die jetzt schon in Deutschland herrschen, dass die noch schlimmer werden. Also die letzten IGLU- und PISA-Studien, das sind ja so die beiden bekanntesten Schulleistungserhebungsstudien, die einmal untersuchen. Weil jetzt schweifle ich gerade schon ein bisschen ab, aber vielleicht ist das gar nicht passend zum Thema. Also vielleicht ganz kurz die IGLU- sagt ja, dass mittlerweile 25% der Kinder die Grundschule verlassen, ohne ausreichend lesen zu können. Und das Gleiche gilt mit knapp 26% für die 15-Jährigen, die bei der PISA-Studie getestet werden. Also das sind Kinder, die kriegen vielleicht und Jugendliche, die kriegen vielleicht noch hin, einen Satz zu entziffern. Die wissen aber am Ende des Satzes schon gar nicht mehr, was sie eigentlich vorne am Anfang des Satzes gelesen haben und was der Satz eigentlich für einen Sinn hat. Das sind also 25 Prozent, also ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in den jeweiligen Alterskohorten. Ich sag's ganz offen, da wird mir schon Angst und Bange mir vorzustellen, wie kommen die später durch ihr Leben und was heißt das aber auch für unsere Gesellschaft, also wenn da ein Viertel der Kinder und Jugendlichen später nicht gut genug lesen kann, um sich vernünftig zu bilden, eine Meinung zu bilden usw. Okay, und der Lesepreis ist eines von vielen Programmen und Projekten, der hier ansetzt Und der sagt eben, wir möchten Menschen in den Mittelpunkt rücken, die eine der wichtigsten Arbeit überhaupt machen. Es geht um Preisverleihung in der Hauptsache. Deswegen schaffen wir diesen festlichen Rahmen. Wir sagen manchmal ein bisschen ein Hauch von Hollywood, dass man das Gefühl hat, ich bin hier heute ein Star. Ich darf mich auch ein bisschen wie ein Star fühlen, auch wenn ich gestern und morgen schon wieder einfach nur ein Anführungszeichen. Meine Arbeit an der Basis mache sei es als Kita-Fachkraft, als Lehrkraft oder als freiwillige ehrenamtliche Vorleserin oder sowas was du machst, je nachdem. Und jetzt komme ich vielleicht von da aus zum Deutschen Lesepreis, den gibt es jetzt seit 2013. Wir haben den ins Leben gerufen auf der Grundlage eines Leseförderpreises, den es vorher gab, der aber ein bisschen provinzieller, sag ich jetzt mal ganz vorsichtig, abgelaufen ist. Soll heißen, der wurde auch nicht von der öffentlichen Wahrnehmung großartig aufgenommen. Und wir wollen mit dem Lesepreis jetzt mit dem Deutschen Lesepreis was anderes schaffen, nämlich diese Wahrnehmung stärken. Und das berührt dann schon die beiden verschiedenen Punkte, die es gibt, weil wir können einmal natürlich bei den Preisträgern und Preisträgern direkt ansetzen. Die möchten wir anerkennen, wertschätzen und fördern, sowohl darüber, dass sie mit dem Preis natürlich eine persönliche Wertschätzung bekommen. Sie bekommen ein Preisgeld, das heißt, sie bekommen auch eine finanzielle Förderung. Und der Deutsche Lesepreis, das haben die letzten Jahre schon vielfach bewiesen, der ist auch ein echt gutes Mittel, ein echt gutes Hilfsmittel, um zum Beispiel Projektfortsetzungen zu beantragen und auch genehmigt zu bekommen. Viele dieser Projekte sind ja tatsächlich von externen Partnern gefördert und die sind dann meistens, so wie wir das bei der Stiftung Lesen auch kennen, nicht auf unbestimmte Zeit gefördert, sondern dann ist das eine einjährige oder von mir ist auch eine dreijährige Förderung, die läuft aber jedenfalls irgendwann aus. Und wenn dann die Leute einen neuen Antrag stellen und sagen, wir haben übrigens den Deutschen Lesepreis für dieses Projekt bekommen, dann hat das offensichtlich schon recht häufig geholfen, die Geldgeber davon zu überzeugen, weiter zu fördern. Also das ist so diese persönliche Seite. Und das andere, was ich eben schon angedeutet habe, ist eher die gesellschaftliche Seite. Weil wir wollen natürlich mit den Preisträgerinnen und Preisträgern, die wir auszeichnen, zeigen, da gibt es großartiges Engagement, großartige Vorbilder und dann können die doch auch Vorbild für andere sein. Also wir wollen an der öffentlichen Bewusstseinsbildung zur öffentlichen Bewusstseinsbildung beitragen, dass da überhaupt eine Awareness, wie man so schön sagt, also eine Sensibilität dafür entsteht, Lesen ist wichtig und diese Förderung ist wichtig und das ist in Deutschland dringend notwendig, weil viele kennen vielleicht diese Zahlen vom PISA und IGLU und all die anderen Bildungsstudien, die ich mir jetzt mal spare an der Stelle. Die kennen die Zahlen vielleicht gar nicht und kriegen auf die Art und Weise erst mal mit, dass es auch in einem Land wie Deutschland recht hoher Bildungsstandard Denkt man es gibt eine Schulpflicht und viele denken immer wieder das begegnet uns dauernd. Da gibt es da überhaupt kein Problem jeder denn die Schule geht kann doch lesen lernen. Also und trotzdem können es dann am Ende ein Viertel der Alterskohorten nicht. Also wir wollen zeigen lesen ist wichtig. Leseförderung ist wichtig. Du selbst kannst dich als Leseförderin oder Leseförderer auch engagieren. Und das ist auch ganz schön, dass wir immer wieder ein gutes Feedback bekommen. Und nicht zuletzt. So sagt es eben, dass da auch wichtige Leute bei der Preisverleihung sind. Das können Prominente aus dem Showgeschäft und der Literatur Szene sein. Das sind aber vielfach auch politische Entscheidungsträger. Und natürlich wollen wir auch gerade bei solchen hoffentlich verbündeten zeigen, dass wir Leseförderung und Sprachförderung brauchen, dass es eben auch wichtig ist zu sagen, ich setze mich an der Stelle, an der ich mich als jetzt zum Beispiel politische Verantwortlicher eben engagiere, dann setze ich mich auch dafür ein, dass das Thema Leseförderung auf die politische Agenda kommt und dass da auch finanzielle Rahmenbedingungen hergestellt werden, damit die Leseförderung in den Schulen dann auch besser werden kann und unterrichtsbegleitend besser werden kann. Denn wie gesagt, wenn ein Viertel der Kinder und Jugendlichen nicht rauskommt, dann ist da offensichtlich nicht alles in Ordnung.
Helen
Ja, ich glaube, was bei so was auch echt ein Problem ist, weil du sagst, das wird so als selbstverständlich angenommen, ist, dass es dann für die, für die es nicht selbstverständlich ist, auch so ein krass, schambehaftetes Thema ist. Also wenn du dann halt vielleicht nicht so gut lesen kannst, wie deine Mitschüler innen, ist es natürlich auch unangenehm, das offen anzusprechen und sich Hilfe zu suchen. Und ich könnte mir vorstellen, dass das auch nicht unbedingt hilft. Dass man das vielleicht auch ab einem gewissen Alter gar nicht mehr so mitbekommt, weil sie dann vielleicht Strategien entwickelt haben, um es irgendwie zu verheimlichen.
Thomas Kleinebrink
Das stimmt, wobei man da vielleicht noch ein bisschen unterscheiden muss. Wenn wir jetzt von den Kindern und Jugendlichen sprechen, also ich fange jetzt vor allen Dingen mal in den frühen Jahren an, da ist so eine Befürchtung, also ich will nicht ausschließen, dass es die gibt, natürlich nicht. Aber ich habe selber drei Töchter, davon sind zwei in der Schule und eine ist noch in der Kita. Also insofern, ich glaube die Gefahr, dass sich da jemand stigmatisiert fühlt, ist eigentlich noch gar nicht so groß. Also ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit und ich höre das andere, was meine Töchter mir erzählen. Natürlich gibt es solche Momente auch in der Schule. Aber ich glaube, das Wichtige ist, dass man das Lesen gar nicht zu einem Thema macht, das scham behaftet werden kann, ja, sondern das ganz einfach zeigt. Lesen hat unglaublich viele Vorteile und ich rede jetzt gar nicht davon, dass man dann hinter, das ist zwar wahr, aber ich rede gar nicht davon, dass man es den Kindern so verkauft, dann kriegst du bessere Noten und du kriegst später die besseren Jobs, weil das sind ja keine Argumente, die in dem Alter richtig dienen, ne, sondern da muss man eher sagen, hey, hör mal, es gibt eben schon Bücher, die total Spaß machen und von mir aus, wenn man in dem Alter gerade keine Lust auf Bücher hat, das preist ja gerade im Jugendalter dann zwischendurch auch mal sehr ab. Da wählt man ja vom berühmten Leseknick auch mal Fußnote, das ist jetzt aber voraus, dass man vorher wenigstens mal gelesen hat. Das haben wir ja auch heute vielfach auch schon nicht mehr. Aber wenn man dann zeigt, lesen macht Spaß und du musst übrigens auch lesen, um deine sozialen Medien zu bedienen. Also alleine dafür ist es wichtig lesen schreiben zu können, dann gibt es da sicherlich ein paar Drehs, wie man die Kinder dazu bekommen kann. Die Stigmatisierung wird dann, glaube ich, die Eltern, diejenigen sind, immer schwieriger. Da muss man natürlich total aufpassen, dass man dann die richtigen Formen der Ansprache wählt. Deswegen finden wir eben auch es so wichtig, dass man eben rechtzeitig anfängt, was ich eben am Anfang gesagt hat, mit präventiven Maßnahmen eigentlich sofort loslegen, damit gar nicht erst das Problem entsteht.
Helen
Und präventiv wäre dann zum Beispiel auch zu Hause vorzulesen. Wenn man jetzt selber Kinder hat, dann hilft Vorlesen oder was muss ich tun?
Thomas Kleinebrink
Also tatsächlich ist Vorlesen, das mit Abstand stärkste Argument an der Stelle. Ja, das hast du mir jetzt schon vorweg genommen.
Helen
Genau. Sorry.
Thomas Kleinebrink
Nee, überhaupt nicht. Aber das ist ja super, wenn wir uns da, wenn wir da sozusagen Hand in Hand gehen. Nein, Vorlesen ist eigentlich das A und O. Wenn du sagst, du willst das Lesen fördern, dann musst du mit dem Vorlesen anfangen und deswegen hat die Stiftung Lesen diverse Angebote, die das Thema Vorlesen in den Mittelpunkt rücken. Also sei es, dass wir einen bundesweiten Vorlesetag veranstalten und mit dem können wir vielleicht später auch noch mal reden. Sei es, dass wir ein Engagementportal haben auf unserer Webseite, wo man sich informieren kann. Die kann ich als freiwillige Vorleserin oder Vorleser selber Vorlese-Angebot zu schaffen. Sei es, dass wir mit einem großen aus Bundesmitteln geforderten Programm Lesestart heißt es, dass man mit Lesestart-Angeboten in die Familien direkt reingeht und dort dafür sensibilisiert seinen Kindern vorzulesen. Klar, viele Familien machen das wie selbstverständlich, aber auch hier gibt es wieder auch eine Riesenzahl, die das nicht macht, weil sie dann eben entweder andere Aktivität mit ihren Kindern praktizieren oder eben glauben, hat nichts mit mir zu tun. Das kann dann später mal in der Schule gemacht werden und in der Kita wird doch vorgelesen oder sowas. Aber in den Familien direkt selber zu zeigen, welche riesige Rolle Eltern als Vorbilder auch haben und als ja als Helfer's Helfer der Leseförderung, das versuchen wir dann an den Stellen zu kommunizieren.
Helen
Ja, ich könnte mir halt auch vorstellen, wenn man es eben nicht weiß, wie wichtig das ist, dass man dann sich eben auch im Alltag denkt, ach herkommen so, ne? Also was du auch sagst, sie lesen ja dann in der Schule oder in der Kita oder so. Was macht das für einen Unterschied, ob ich jetzt heute Abend vorlese oder nicht? Und ich glaube, da ist es wahrscheinlich einfach wichtig, das auch mal gehört zu haben. Aber wahrscheinlich ist es auch nicht, also könnte ich mir wahrscheinlich nicht nur vorlesen wichtig, sondern meint so, es spielt auch eine Rolle, dass man als Elternteil selbst liest und dass das gesehen wird.
Thomas Kleinebrink
Ja, ich habe ja gerade gesagt, Vorbilder. Also wir machen beim Welttag des Buches, das ist ein anderes Programm, eine Stiftung Lesen. Wir machen beim Welttag des Buches, der ist jedes Jahr am 23. April. Eine Aktion, die heißt genau, ich schenk dir eine Geschichte. Und seit vielen Jahren inzwischen geben wir Jahr für Jahr zusammen mit unseren Welttagspartnern. Das sind unter anderem der Börsenverein, die Deutsche Post, der cbj Verlag, auch die Kultusministerien der Länder machen damit. Wir geben Jahr für Jahr. Es geht um eine Sonderedition eines Welttagsbuches heraus. Diese Bücher werden dann den Teilnehmenden Schulklassen geschenkt. Diese Welttagsbuch hat tatsächlich Jahr für Jahr eine Auflage, die ist höher als Harry Potter oder höher als die Bibel. Also da werden über eine Million Bücher produziert. Und das ist schon eine wirklich tolle Zahl und eine wirklich tolle Reichweite, die wir damit erzielen. Und jetzt zählt das deswegen gerade, weil wir von vielen Kindern hören, aus den vierten und fünften Klassen, die wir mit diesem Buch ansprechen, dass das das erste eigene Buch ist, dass diese Kinder haben. Das bedeutet also, die leben in Elternhäusern, in Haushalten, in denen es keine Bücher gibt. Früher, ich bin schon ein bisschen länger bei der Stiftung Lesen, da habe ich oft den Spruch gemacht, das einzige Buch im Haushalt ist das Telefonbuch. Das braucht man heute auch nicht mehr. Also sprich, da steht im Zweifel zwei kein einziges Buch.
Helen
Ja, wir beide sitzen jetzt hier gerade am Computer. Ich sehe hinter dir eine ganze Regalwand mit Büchern. Du siehst bei mir das Gleiche. Ähm, das ist tatsächlich, man ist da ja in seiner eigenen Bubble auch auf die. Ja, ja. Wenn man denkt, das muss doch normal sein, das ist doch garantiert bei allen so. Aber das ist es halt nicht.
Thomas Kleinebrink
Ja, und das ist halt auch gar nicht unbedingt mit dem Bildungshintergrund zu tun. Also ich habe gute Freunde bei denen, steht kaum ein Buch zu Hause. Aber die können lesen und wenn ihr jetzt aber beides zusammennimmst, Es gibt keine Bücher zu Hause, die Eltern lesen selber nicht. Und deswegen kriegen die Kinder, das war ja eben deine Frage, die kriegen eigentlich nie ein Buch in die Hand, die sehen ihre Eltern nicht lesen. Und dann entsteht ja auch gar nicht das Bedürfnis, das zu machen. Je jünger ein Kind ist, desto mehr macht es ja auch, weil es eben Vorbilder hat. Es macht was nach, es macht was genauso wie diejenigen, die mit denen ist Tag für Tag die ganze Zeit zusammen ist. Und wenn da Lesen überhaupt keine Rolle spielt, dann findet das auch keinen natürlichen Zugang in die eigene Lebenswelt, in den eigenen Alltag. Und dann ist es ja so gefährlich, wenn dann in den Kitas und in den Schulen auch wenig gelesen wird oder es dann eben von Anfang an immer nur mit dem Leistungsgedanken verknüpft ist und vielleicht klappt es dann nicht sofort, dann kannst du unglaublich schnell den Anschluss verlieren, weil du dann eben eher vermeidest, statt mitzumachen.
Helen
Ja, dann macht es auch keinen Spaß.
Thomas Kleinebrink
Genau. Und deswegen ist es natürlich großartig, weil das Thema Spaß ist tatsächlich hier mit einem riesengroßen Ausrufezeichen zu versehen. Wenn man Kindern eben von klein auf vorliest, dann lieben die Geschichten. Und die lernen, Geschichten gibt es im Büchern. Und dann wollen die, dass man ihnen vorliest. Und tu mir mal so, es passiert zu Hause nicht. Dann wird aber in der Kita regelmäßig vorgelesen. Übrigens ein Argument dafür, warum es so wichtig ist, dass Kinder in Kitas gehen, weil sie dann eben auch externen Input bekommen, neben weiteren Angeboten zur Sprachförderung und und und. Aber es wird ihnen dort im besten Fall auch vorgelesen und dann kommen die Kinder auch nach Hause und sagen, dann Mama, Papa, mir ist da heute vorgelesen worden, liehst du mir doch auch mal vor. Und die Mama und der Papa, die das bisher überhaupt nicht gemacht haben, fangen dann aufgrund dieses Anschubs, den sie von ihren Kindern kriegen, fangen dann damit an. Deswegen ist es so wichtig, dass in den Kitas, man kann aber auch genauso gut die Grundschulen nennen, man kann auch Bibliotheken nennen, da gehen aber wahrscheinlich diese Kinder weniger hin, also dann sind noch andere soziale Einrichtungen genauso wichtig. Deswegen ist es einfach so wichtig, dass es dort Vorleserangebote gibt und deswegen ist die Stiftung Lesen auch im großer Verfechter davon zu sagen, wir möchten freiwillige Vorleserinnen und Vorleser finden. Eine Zahl, mit der wir da ganz gerne auch spielen ist, es gibt in Deutschland über den Daumen eine Million Menschen, die sich in der freiwilligen Feuerwehr engagieren. Eine Million. Diejenigen, von denen wir wissen, dass die sich als freiwillige Vorleserin und Vorleser engagieren, die sind so schon durchaus im Bereich von hunderttausend, aber auf jeden Fall noch ein Riesenstück von der von der Million weg. Und dann sagen wir oft, wäre es nicht toll, wenn nicht nur eine Million Menschen sich in der freiwilligen Feuerwehr engagieren würden, sondern wenn sich auch eine Million Menschen als freiwillige Vorleserinnen und Vorleser engagieren würden. Ja, und dann würde vielleicht auch der, ich nenn es jetzt einfach mal, um im Bild zu bleiben, dann würde auch der Bildungsbrand, den es hier in Deutschland gibt, im Augenblick gelöscht werden können. Das wäre eine schöne Vision.
Helen
Ja krass. Was ist denn jetzt, wenn man jetzt zuhört und sich denkt, okay, ich sehe, wie wichtig das ist. Vielleicht habe ich selber Kinder und fangen jetzt an, den vorzulesen. Ich habe das vielleicht aber auch schon immer gemacht. Aber wenn ich jetzt noch mehr tun will und ich möchte so lese, förderen, werden. Was tue ich dann? Also was, wie gehe ich am besten vor?
Thomas Kleinebrink
Naja, also bleiben wir jetzt gerade vielleicht auch bei den Menschen, die uns hier am meisten zuhören. Das sind ja vermutlich Leserinnen und Leser, die sowieso für das Thema total aufgeschlossen und affin sind. Wie das Thema offensichtlich auch in einer Community gerne miteinander teilen und warum dann nicht auch mit den Menschen teilen, die noch nicht so weit sind, ja, also sprich mit den Kindern und dann wäre mein erster Aufruf tatsächlich zu sagen, geht in die Kitas bei euch am Ort, vielleicht habt ihr eigene Kinder, dann ist es ganz leicht, dann weiß man sofort in welche Kita man geht, da wo es eigene Kind ist oder da wo man vielleicht selber mal früher als Kind in der Kita war und wenn es beides nicht ist, dann mache ich mich halt ein bisschen schlau und guck mal, welche Kitas gibt es denn hier in meinem Stadtteil und mach einfach das Angebot. Ich würde mich gerne als freiwillige Vorleserin oder als freiwilliger Vorleser anbieten und engagieren, habt ihr Bedarf. In aller, aller Regel werden die Kitas ja sagen. Und wenn man sagt, ich bin da vielleicht noch ein bisschen schüchtern, ich liest zwar total gerne zu Hause, aber ich weiß ja gar nicht, wie das geht, habe ich noch nicht so oft gemacht. Dann würde als allererstes sagen bitte Barrieren senken. Also man muss nicht in die Kita gehen und so lesen, wie um nur ein Beispiel zu nennen weiß ich nicht, Rufus Beck bei den Hörbüchern die Harry Potter Romane vorgelesen hat, wo jede Figur eine eigene Stimme bekommt und wo man merkt, da hat jemand jahrzehnte lange Schauspielerfahrung, davon reden wir ja gar nicht. Also die Kinder werden sich in alleraller erster Linie darüber freuen, dass sich da überhaupt jemand Zeit für sie nimmt, dass sich da jemand ihnen widmet und dass sie ihnen dann auch noch spannende Geschichten erzählen. Spannende Geschichten sollten es natürlich sein, soll heißen, womit fange ich an, wenn ich mich auf so eine Tätigkeit vorbereite, ich muss wissen, wie alt sind denn die Kinder, denen ich vorlese. Und dann passe ich zunächst mal die Geschichte auf die Kinder an. Also ich kann natürlich nicht vierjährigen was vorlesen, was vielleicht eher für zwölfjährige gedacht ist und andersrum funktioniert nicht. Aber der deutsche Buchmarkt ist so unglaublich vielfältig, dass man für jedes Alter tolle Angebote schafft. Man kann ja auch ganz am Anfang in den Kitas wirklich mit Bilderbüchern anfangen. Dann dreht man das Buch um, zeigt die Bilder, redet mit den Kindern drüber, erzählt grob, was da passiert. Man liest, wie gesagt, dann hinterher aus den weiteren Büchern vor. Wenn man sich sicherer fühlt, kann man natürlich auch ein bisschen hörspielerisches, nenn ich es jetzt mal, Talent hineinlegen, Aber man kann genauso gut, wie gesagt, jetzt erstmal relativ simpel einfach nur lesen, was da steht. Immer wieder meine Pause machen, mit den Kindern sprechen, die Fragen gefällt es euch. Was glaubt ihr? Wie geht die Geschichte weiter? Und je nachdem, wie die Geschichte weitergeht, zeigen ja genau, das stimmt. Oder passt mal auf, eure Idee finde ich super. Der Autor, die Autorin hat sich hier was anderes ausgedacht. Also das geht alles und wenn das das was ich jetzt gerade so erzähle, weil das vielleicht noch ein bisschen systematischer haben möchte, der kann sehr gerne auf der Webseite der Stiftung Lesen, also www.stiftunglesen.de mal gucken, da kann man verschiedene Portale anklicken, eines davon ist das sogenannte Engagement Portal und da kann man viel darüber lesen, was nötig ist, um als freiwillige Vorleserin oder Vorleser aktiv zu werden, wo man das macht, wie man das macht Wie gesagt vom Buchtipp bis zur Anregung, wie man so eine Vorlesestunde oder ein Vorleseangebot auch gestaltet. Also da gibt es jede Menge Angebote zur Information. Da kann man auch an so kleinen Webinaren teilnehmen, die auch kostenlos und je nachdem, ein bisschen Zeit schonender oder auch ein bisschen Zeit intensiver sind, je nachdem, wie tief man einsteigen möchte. Also einfach das Engagement-Portal der Stiftung Lesen über unsere Webseite besuchen und dann einsteigen. Vielleicht der Vollständigkeit halber noch, wir sind zwar jetzt noch ganz schön weit davon weg, aber wer sagt, ich will das vielleicht mal ausprobieren, ob man das überhaupt spart macht. Der hat dafür immer den perfekten Termin am bundesweiten Vorlesetag, den die Stiftung Lesen zusammen mit der Zeit, also der Wochenzeitung, die Zeit und der Deutschen Bahn Stiftung ins Leben gerufen hat. Denn das ist immer der dritte Freitag im November, das müsste dieses Jahr, glaube ich, der 21. Sein. Wenn man am bundesweiten Vorlesetag einfach mal ausprobieren möchte, macht mir das Spaß oder nicht, ist das der perfekte Termin. Denn an dem Tag wollen wir so viele Menschen wie es gibt in Deutschland dazu aktivieren, so vielen Menschen wie möglich vorzulesen. Und wenn wir dann am Ende so eine Zahl hinbekommen wie in den letzten beiden Jahren, als wir jeweils mit deutlich über einer Million Teilnehmenden wirklich dann auch diese Millionenmarke mal gerissen hatten, die ja damals jahrelang drauf hingearbeitet und jetzt hat es 2024 und 2023 dann endlich geklappt. Das möchte man natürlich auch gerne fortsetzen. Dann ist das für uns auch ganz einfach eine Zahl, mit der wir in der öffentlichen Wahrnehmung, genau wie um Deutschen Lesepreis, als ich das eben erzählt habe, mit der dieser Zahl können wir dann also gegenüber der Öffentlichkeit zeigen, lesen ist wichtig, lesen Förderung ist wichtig, Das fängt mit Vorlesen an und du selbst kannst mitmachen. Dann sind wir wieder an derselben Stelle.
Helen
Ja, weil ich habe immer nicht so ganz verstanden, glaube ich, auch für der Vorlesetag da ist. Aber dann geht es wahrscheinlich wirklich hauptsächlich darum, diese Aufmerksamkeit zu schaffen.
Thomas Kleinebrink
Ja, es ist ein Aktionstag. Ein Aktionstag, der wirklich dazu dient, zu trommeln. Zu trommeln, wie laut es geht, damit endlich auch die letzte und der letzte Verstandenheit, Förderung ist wichtig in Deutschland und gleichzeitig ist es, wenn es richtig gut läuft, eine Initialzündung für diejenigen, die als Vorleserinnen und Vorleser mitmachen. Weil wir dann einfach sehen, da hat jemand vielleicht mal einen Tag es ausprobiert, sich engagiert, wollte auch ein Zeichen setzen, genauso wie wir mit diesem Tag und hat dann gemerkt, wie toll ist das eigentlich, ja, weil wenn man übers Vorlesen spricht, gerade wenn man Stiftung Lesen, mit Arbeitender ist, dann ist man natürlich ganz schnell bei diesen ganzen Sachargumenten. Aber was man ja wirklich nicht vergessen darf ist, also Vorlesen macht auch so unendlich viel Spaß, ja, wenn du vorliest und du kriegst diese direkte Resonanz von den Kindern, die in der Regel das einfach nur genial finden, ne? Also wie gesagt, da ist jemand, der kümmert sich um mich, der hat eine spannende Geschichte im Gepäck und der kommt im besten Fall dann auch irgendwie einmal pro Woche oder alle 14 Tage, wenn es halt in der Kita oder so ist, zu Hause hoffentlich jeden Abend spätestens vorm Einschlafen, dann ist das so genial. Also die Kinder freuen sich, sie weinen manchmal auch, und es gibt Fälle, wo es dann auch sozusagen okay ist, da weint man ein bisschen zusammen und trauert einer Figur nach, die es jetzt aus welchem Grund auch immer gerade vielleicht nicht mehr gibt oder weil gerade was Trauriges passiert, aber umso besser danach geht es in der Geschichte gerade für Kinder dann ja ruckzuck auch wieder gut weiter. Also Vorlesen macht so viel Freude. Also ich kann mich jetzt wirklich persönlich auch glücklich schätzen, dass bei unseren drei Mädchen, die wir haben, insofern finde ich übrigens sehr lustig Mädels, die lesen. Ich habe erst gedacht, darf ich da überhaupt dabei sein? Dann dachte ich, eigentlich ist es genau wie zu Hause. Thomas mit seinen Mädels, die lesen. Genau. Also insofern, Das macht tatsächlich eine Menge Spaß und bei uns zu Hause hat es auch super funktioniert und nicht weil ich bei der Stiftung Lesen mit arbeite, sondern weil meine Frau und ich halt vorlesen und unsere drei Töchter das toll finden. Also meine beiden Großen sind inzwischen natürlich längst Selbstleserinnen und haben auch keine Scheu, Bücher von mehreren hundert Seiten zu nehmen. Ja, die sind inzwischen voll auf diesem New-Adult-Titel-Trend und da haben die ja gerne mal Rückzug 3, 4, 500 Seiten, wenn nicht sogar noch mehr. Also da, ja, da kann man sehen, wie erfolgreich das ist oder wozu das dann eben auch führt. Die sind fit beim Lesen auf definitiv. Das macht Spaß.
Helen
Oh, aber das bringt mich gerade zu einer Folgefrage, weil ich kriege immer mit, dass darüber viel diskutiert wird. Und ich war im Ende Januar bei dieser FUTURE!Publish. Die Messe kannte ich vorher auch nicht. Aber da wurde viel auch darüber diskutiert, so über TikTok und auch New-Adult-Titel, Young Adult und was es alles gibt und was also so ein bisschen verteufelt, muss man leider sagen, obwohl ich irgendwie denke, so mittlerweile sollte wahrscheinlich jeder erkannt haben, welche Macht dahinter steckt. Aber wie steht so die Stiftung Lesen dazu, weil ich eigentlich denke, es ist doch ein super Einstieg. Es ist doch erst mal für mein Gefühl, egal was gelesen wird, solange man Spaß hat am Lesen, aber ich weiß nicht, vielleicht habt ihr da eine Meinung zu.
Thomas Kleinebrink
Also die haben wir und ich kann auch jetzt wieder sagen, Helen, du nimmst mir die Wörter aus dem Mundo. Ich fange mal mal anders herum an. Wir sind die Stiftung Lesen. Wir sind nicht die Stiftung Gutes Buch. Ja, und ganz, ganz oft passiert ist, dass wir bei der Stiftung Lesen, gefragt werden, was ist denn das beste Buch der Saison oder so? Und dann haben wir dazu vielleicht sogar eine Meinung, weil es bei uns im Haus durchaus eine Abteilung gibt, die Lese- und Medienempfehlungen gibt, die sich viel Zeit dafür nimmt zu gucken, welche Bücher sind denn besonders gut geeignet zum Vorlesen. Aber gerade hier sind die Ansprüche nicht, die zu sagen, das muss am Ende zwingend das literarisch wertvollste Buch sein, sondern es muss ein Buch sein, das bei der Zielgruppe gut ankommt. Und deswegen würde ich dir 100 Prozent recht geben, ja, man darf das Buch eben nicht auf einen Sockel stellen und sagen, es ist gut, wenn man das gelesen hat, so, wie bei den, weiß ich nicht, bei den Buddenbrooks oder was auch immer, welchen Namen man jetzt sagen könnte, welchen Titeln man jetzt nennen könnte. Weil dann sind 50 Prozent, das ist jetzt keine valide Zahl, einfach nur mal so dahingesagt, dann sind schon mal 50 Prozent weg. Aha, ich soll ein gutes Buch lesen. Man kann sich vielleicht, also du und ich sind vielleicht Gernleser, aber auch ich kann mich noch an Jahre erinnern, wo es hieß: Das musst du lesen, das ist ein gutes Buch. Man hat es in der Hand, liest den Klappentext, denkt sich, das interessiert mich grad mal gar nicht. Und jetzt kommt die Empfehlung vielleicht noch nicht mal von Gleichaltrigen, sondern sie kommt von Erziehungsberechtigten oder Lehrkräften, die vielleicht, sagen wir, eine Autorität haben, deren Autorität sich anders begründet als ausschließlich durch Glaubwürdigkeit oder durch geteilte Erfahrung. Und dann mache ich damit halt eigentlich mehr kaputt, als ich gut mache. Deswegen sind wir bei der Stiftung genauso, wie du gesagt hast, zunächst mal der Auffassung, es geht nicht um Geschmacksbildung, es geht nicht um Literaturförderung, Es geht nicht darum, die künftigen Literaturwissenschaftler an die Unis zu bringen. Es geht darum, dass Kinder und Jugendliche, die sonst gar nicht lesen würden und schlimmsten falls deswegen auch gar nicht lesen können, Lust kriegen, eine Geschichte selber zu lesen und dafür vielleicht dann sogar die Anstrengung auf sich nehmen, besser zu lesen und lesen zu lernen, als sie es bisher können. Und ob das dann am Ende ein New-Adult-Titel ist oder nicht, das ist total sekundär. Das ist wirklich so ein bisschen Elfenbeinturm-Diskussion und ich bin persönlich jemand, der gerne, also sehr, sehr gerne auch mal Bücher liest, die weiß ich nicht auf der Short- oder Longlist für den deutschen Buchpreis standen oder was ja, also in so oder andere Auszeichnungen kriegen und gute Literatur sind. Also das ist alles gut. Es wird auch dadurch nicht in Abrede gestellt, dass man eben erst mal überlegt, Wie kann ich denn diejenigen erreichen und denen einen Zugang zum Lesen verschaffen, die auf einem ganz ganz anderen Level unterwegs sind?
Helen
Das spricht mir total aus der Seele. Weil das ist oft was, was ich so ein bisschen… Also ich bin halt irgendwie so Quereinsteigerin in der Buchbranche und lerne immer noch sehr viel dazu. Aber ganz oft habe ich das Gefühl, gerade auch das, was wir bei Mädels, die lesen, machen, wird halt irgendwie so ein bisschen vielleicht jetzt nicht mehr so sehr. Das hat jetzt, glaube ich, so auch ein bisschen abgenommen. Aber es wird schon so ein bisschen belächelt. Vielleicht wegen dem Rosa, vielleicht wegen dem Wort Mädels. Aber auch, denke ich, weil wir von Anfang an gesagt haben, es soll einfach Spaß machen. Also das war von Anfang an so der Hintergrund. Und ich hab das Gefühl, viel auch so mit Bookstagram und so, da geht es auch viel darum. Und das ist ja auch lobenswert und alles schön, dass es um sehr hohes Niveau geht. Und ich merke ganz oft, dass mir das aber selber auch jetzt nicht so viel Spaß macht, auf einem ganz hohen Niveau über Bücher zu sprechen. Und irgendwie, ach, das finde ich gerade total, also kann ich mich sehr mit identifizieren. Ich finde das sehr, sehr sympathisch von der Stiftung Lesen.
Thomas Kleinebrink
Ja, wie gesagt, wir sind die Stiftung Lesen, nicht die Stiftung Gutes Buch, und wir machen Leseförderung, die Literaturförderung. Und was du gerade über dich und Mädels, die lesen, eure Community sagst, führt ja dann auch nochmal zurück zum Deutschen Lesepreis. Also nicht umsonst bist du ausgezeichnet worden. Nicht umsonst passiert dir das auch mit einem Angebot, dass sich nicht originär an Kinder im Vorschul- oder Grundschulalter richtet. Auch wenn das sonst, wie gesagt, eher die Ausnahme ist. Denn der Ansatz ist eben genau der zu sagen, wie kriege ich denn in der heutigen Zeit mein Thema platziert, indem ich es eben nicht zu hoch hänge, indem ich von mir ist auch gerne die jetzt hier in eurem Fall das Ganze über Social Media und Online-Community entsprechend aufhänge, ganz andere Möglichkeiten, Erfahrungen miteinander zu teilen und auf die Art und Weise dann auch zu einem Netzwerk zu werden, wo ja die eine, die andere dann auch bestärkt und das sind alles Argumente gewesen, zu sagen, ja, das ist auf jeden Fall für den Deutschen Lesepreis auch relevant und kann auch Vorbild sein und wir haben eben schon fast so ein bisschen gesagt und eure Mitglieder, sind ja dann eben nicht nur ein Anführzeichen als Selbstleserinnen gefragt, sondern können ja wie gesagt auch dann anderen Menschen vorlesen. Also wenn sie sich tatsächlich dann auch noch als Leseförderer zum Einsatz bringen, umso besser.
Helen
Ja, ich hoffe, das machen jetzt danach ganz, ganz viele. Weil wir ja ein paar Fragen zum Lesepreis bekommen haben, dachte ich, gehe nochmal kurz darauf ein.
Thomas Kleinebrink
Ja, gerne.
Helen
Weil du hast jetzt quasi erwähnt, warum wir den Preis bekommen haben. Das ist aber ja tatsächlich so, dass das gar nicht, glaube ich, du entscheidest.
Thomas Kleinebrink
Ich mach das nicht, das richtig.
Helen
So wie ich das mitbekommen hab, gibt's eine ganze Jury, aber vielleicht kannst du dazu nochmal was erzählen. Vielleicht gibt's da auch bestimmte Kriterien oder irgendwas, wie geht. Wie geht das vor sich, sobald die ganzen Bewerbungen eingegangen sind?
Thomas Kleinebrink
Ja, ich sage mal, was zum Ablauf. Genau. Also der Ablauf ist folgender. Wir schreiben den Deutschen Lesepreis jedes Jahr aus. In der Regel für drei Monate. In der Zeit nehmen wir die Bewerbungen entgegen. Aus dem Nähkästchen geplaudert, kann ich sagen, es ist immer sehr, sehr spannend zu sehen, dass ich mich ungefähr zweieinhalb Monate lang frage, was los dieses Jahr? Also mittlerweile frage ich mich nicht, dass es ein Erfahrungswert ist. Aber da ich tatsächlich denke, na hoppla, was ist denn los? Wir haben immer noch unter 100 Bewerbungen und dann ist, glaube ich, das menschliche in uns allen wieder am Ende entscheidend. Nämlich der Mensch macht ja doch viele Dinge gerne auf den letzten Drücker. Also ich lese dann auch immer schon ganz brav die Bewerbungen so kontinuierlich. Das fällt, wie gesagt, auch nicht so schwer, weil es nicht so viele sind. Sind und in der letzten Woche, also in den grob, in den letzten zwei, drei Wochen aber wirklich brutal auch nochmal am letzten Wochenende so ungefähr vorher, schnellt das dann Jahr für Jahr in die Höhe und wir haben in der Regel immer so um die 400 Bewerbungen. Es gab mal einen Ausreißer, ja da waren wir bei knapp 700, das war wirklich der Hammer, die musste man dann noch erst mal alle lesen, aber wenn man so einen Durchschnittswert benennen möchte, dann sind das so um die 400 Bewerbungen jedes Jahr verteilt auf die Kategorien. Vielleicht sage ich sie alle mal, weil sie eben noch nicht gesagt haben. Es gibt die Kategorie herausragendes individuelles Engagement in der Leseförderung, in der bist du ausgezeichnet worden und die Kategorie der Kategoriename sagt vielleicht schon so ein bisschen, da werden einzelne Personen ausgezeichnet, die mit einer tollen Ideen, einem tollen Angebot, einem tollen Konzept etwas auf die Beine gestellt haben und ein Projekt verwirklichen. Muss gar nicht heißen, dass sie es alleine machen. Aber sie sind auf jeden Fall der maßgebliche Initiator dabei. Dann gibt es die zweite Kategorie herausragendes kommunales Engagement in der Leseförderung. Der Begriff Kommunal assoziiert oft ein bisschen was anderes. Was wir aber meinen, ist, hier tun sich verschiedene Partner zusammen, um gemeinsam eine möglichst große große Wirkung in der Leseförderung zu erreichen. Also wenn zum Beispiel eine Stadtbibliothek, ein Jugendamt und. Weiß ich nicht, vielleicht sogar noch die städtischen Schulen oder so was miteinander arbeiten. Also, dass man sieht, hier könnte einer schon tolles Angebot machen, aber wenn die sich zusammen tun, dann klappt da noch viel, viel mehr. Also, tun sie sich zusammen. Dann gibt es die zwei Kategorien herausragende Sprach- und Leseförderung an Kitas sowie herausragende Leseförderung an Schulen. Da ist der Name Programm, hier werden Kitas und Schulen ausgezeichnet, die eigene Sprach- und Leseförderprofile haben, bei denen also nicht etwa nur Lesen, zum Beispiel jetzt im Deutschunterricht an den Schulen unterrichtet wird, sondern wo man sagt, wir möchten, dass das wirklich zu einem ganzheitlichen Angebot wird, dass es auch noch AGs gibt, dass es Lese-Orte gibt, dass dass, sagen wir, die Schulbibliothek super ausgebaut ist. Also solche Geschichten oder dass man in den Kitas dann auch entsprechende Sprachförderprogramme macht, viele Leseförder an Gebote hat. Also vor allen Dingen das Vorlesen auch wieder, weil wir wollen natürlich nicht, dass in den Kitas schon Lesen gelernt wird, aber man kann halt das Interesse schon herstellen, dass die Kinder wissen, es gibt Bücher, es gibt Geschichten und eigentlich darauf brennen, das dann in der Schule hinterher selber lernen zu wollen. Und dann gibt es die fünfte Kategorie, herausragende Leseförderung mit digitalen Medien, die ist sehr breit aufgestellt. Da ist wirklich letztlich jeder in der Lage, sich zu bewerben. Entscheidend ist, dass digitale Medien in seinem Konzept eine zentrale Rolle spielen, weil wir als Stiftung eben auch sagen, als Stiftung Lesen, die oft verteufelte Abwehr von digitalen Medien ist komplett aus der Zeit gefallen. Wer glaubt, damit noch einen Blumentopf zu gewinnen, der ist eigentlich auf dem falschen Dampfer unterwegs. Man muss für den richtigen Medienmix sorgen. Man muss natürlich nach wie vor Bücher oder Printprodukte in der Leseförderung sehr, sehr wertschätzen und auch einsetzen. Aber es spricht doch überhaupt nichts dagegen, das Interesse der Kinder und Jugendlichen zu nutzen, wenn die jetzt vor allen Dingen mit Social Media beschäftigt sind, wenn die elektronische Endgeräte toll finden, lese ich halt nicht aus einem Buch vor, sondern lese ich halt zum Beispiel vom Handy oder vom Tablet vor. Und damit bin ich vielleicht dann sogar auch in der Lage jederzeit, ich habe mein Buchgrad nicht dabei, sitzt aber mal ein Kind beim Arzt im Wartezimmer und es dauert und dauert und dann zück ich halt mein Handy und so nutze eine von den vielen Apps, die es gibt, auch die Stiftung Lesen hat eine, die heißt einfachvorlesen.de und kann dann zum Beispiel aus dieser App dem Kind was vorlesen oder auch ein gerne gesehenes Klischee, das aber ja deswegen ein Klischee ist, weil was dran ist, gerade Männer oder auch Väter, oft vielleicht nicht so einen großen Drang haben Bücher zu lesen. Die haben jede Menge Spaß in elektronischen Geräten. Und dann sollen sie halt ihr Tablet nehmen, ja und das Tablet dazu benutzen mit ihrem Kind, vielleicht dann auch noch explizit mit dem Sohn, bei dem das auch schon so ähnlich angelegt ist, dann können die halt über ihre technische Affinität da irgendwo einen Zugang finden, ja. Also insofern, das sind die Leseförderung mit digitalen Medien. Diese fünf Kategorien sind Kategorien, in denen wir Bewerbungen annehmen, wie gesagt, so pro Jahr kommen da ungefähr 400 zusammen. Und dann der Vollständigkeit teilweise noch, es gibt noch die sechste Kategorie, das ist der sogenannte Sonderpreis für prominentes Engagement der Commerzbank-Stiftung. Die Commerzbank-Stiftung ist der Mitinitiator des Deutschen Lesepreises zusammen mit der Stiftung Lesen. Und diese Sonderpreis zeichnet seit dem Jahr 2018, Jahr für Jahr, eine prominente Persönlichkeit aus. Dieses Jahr war das der Bernhard Hoëcker, der sich mit seiner Popularität für das Thema Lesen einsetzt, der einfach an unterschiedlichsten Stellen darüber berichtet, dass Lesen wichtig ist, der sich auch zur Verfügung stellt für Angebote der Stiftung Lesen. Also zum Beispiel am bundesweiten Vorlesetag mitmacht, als prominenter Vorleser, was natürlich nochmal eine andere Strahlkraft hat, als wenn das jemand macht, der keinen berühmten Namen hat. Also insofern sind das die sechs Kategorien. So, und dann haben wir den Ablauf. Also die Bewerbungen sind komplett eingegangen. Das ist immer Ende Juni der Fall, am 30.6. Ist Schluss. Ich habe wie gesagt das Vergnügen, das alles zu lesen, aber nicht deswegen, weil ich am Ende über den Preis entscheide, sondern weil ich die Bewerbungen aufbereite, da gibt es natürlich auch schon mal welche, die nicht sind die vollständig oder so, die werden dann entsprechend rausgenommen, aber ansonsten bereite ich das Ganze auf für die Jury. Die Jury setzt sich zusammen aus Mitgliedern aller Partner. Es ist also einerseits die Stiftung Lesen und die Commerzbank-Stiftung. Das sind aber außerdem die Arnulf Betzold GmbH, die unterstützen nämlich die Schulkategorie, Das sind der Deutsche Städte- und Gemeindebund und die Deutsche Fernsehlotterie. Die unterstützen nämlich die Kommunalkategorie. Das sind die PwC-Stiftung, die unterstützen nämlich die individuelle Kategorie. Das ist Fröbel, der Bildungsträger Fröbel, der eigene Kitas unterhält, die unterstützen, die man sich schon denken kann, die Kita-Kategorie. Und da die Digitalkategorie im Augenblick ein anderem Partner hat, Partner hat, macht das im Augenblick auch die Stiftung Lesen. Und dann haben wir aber auch noch Prominente dabei, das sind die Christina Ringer, die ist eine Moderatorin oder der Thomas Donnenburg, das ist ein Sozialpädagoge, hat ja auch früher ein eigenes Format auf RTL. Und wir haben außerdem noch den Deutschen Städte- und Gemeindebund dabei, wir haben eine Vertreterin der Bibliotheken dabei und eine Vertreterin des Buchhandels und der Fortbildung und Ausbildung von Buchhändlerinnen und Buchhändlern, die sich dann auch auf das Thema Leseförderung an der Stelle spezialisiert hat. Und diese Jury entscheidet in einem zweistufigen Verfahren zunächst darüber, welche Bewerbungen nominiert werden. Das sind pro Kategorie zehn Stück, also gibt es am Ende 50 Nominierungen. Und aus diesen 50 Nominierungen gibt es dann einen zweiten Schritt, die finale Auswahl der tatsächlichen Preisträgerinnen und Preisträger und das sind dann halt ein dritter Platz, ein zweiter Platz, ein erster Platz. Und ich habe dann am Ende das Vergnügen, dass ich die zunächst die Nominierten informieren darf. Da freuen sich noch 50 und am Ende freuen sich halt 15 besonders. Und die anderen machen neben im Zweifelsfall einen neuen Anlauf und probieren es noch mal, denn das ist auch eine spannende Beobachtung über all die Jahre. Beim Deutschen Lesepreis gibt es immer wieder Preisträgerinnen und Preisträger, die es halt nicht beim ersten, sondern vielleicht erst beim zweiten, dritten, manchmal sogar auch als vierten Anlauf geschafft haben. Was wir aber eigentlich sogar eine ganz tolle Beobachtung finden, denn ich kenne als Kollege der Stiftung Lesen jetzt selber Wettbewerbe, bei denen die Stiftung Lesen auch schon man selber Bewerbungen abschickt. Wenn man da einmal sich mit einem Projekt beworben hat, ist dieses Projekt danach verbrannt. Wenn man es nicht geschafft hat, darf man sich nicht nochmal mit demselben Projekt bewerben. Und das finden wir unglaublich schade, weil das Projekt ist ja nicht schlechter geworden. Ein Jahr später, vielleicht ist es sogar besser geworden, weil man irgendwas skaliert, verfeinert, korrigiert hat, wie auch immer. Und beim Lesepreis sehen wir das auch. Manchmal ist so ein Projekt dann wirklich mit den Jahren nochmal gewachsen und hat den Preis dann mindestens so sehr verdient und kriegt ihn dann eben auch erst im weiteren Anlauf.
Helen
Ja, die Frage war ja auch ein bisschen, hast du das eigentlich schon angedeutet? Es kann sich jeder bewerben. Man muss nicht vorgeschlagen werden, sondern man kann sich oder geht es überhaupt, dass man niemand anderes vorschlägt? Man muss ja schon ziemlich viele Infos eigentlich auch über das Projekt dann schon haben. Aber wenn man die hätte, könnte man wahrscheinlich auch jemanden vorschlagen.
Thomas Kleinebrink
Genau. Das erleben wir auch regelmäßig, dass Menschen vorgeschlagen werden. Das passiert vor allen Dingen in deiner Kategorie, also dass da jemand individuelles eine tolle Arbeit leistet und dann vorgeschlagen wird von anderen. Das kommt vor. Die Mehrheit, die deutliche Mehrheit bewirbt sich aber selber. Und ich meine, klar, wenn in der Kita oder in der Schulkategorie sollte sich natürlich eine Kita oder eine Schule bewerben, also als einzelne Lehrkraft, geschweige denn als, weiß ich, nicht ehrenamtliche Person, habe ich in den beiden Kategorien keine Chance. Aber sonst ist die einzige Voraussetzung, dass man halt tatsächlich sich lesefördernd engagiert und dass man auch unterscheidet, dass das tatsächlich das Thema Lesen im Mittelpunkt steht und weniger das Thema Literatur. Also jemand, der wirklich vor allen Dingen sagt, ich möchte bei den Kindern ja ein Verständnis für schöngeistige Literatur schaffen, das finden wir super. Das ist auch berechtigt. Also das möchte ich hier auf keinen Fall in Misskredit bringen. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Jury Jahr für Jahr sagt, das ist eigentlich schon ein, zwei, drei Schritte weiter als das, was wir eigentlich fördern wollen. Wir wollen eigentlich mehr, ja, also Basisarbeit leisten, Communities stärken oder ja, also was ich eben mit Prävention meinte, früher ansetzen mit dem auszeichnenden Engagement.
Helen
Ja, okay. Also du hattest glaube ich im Vorfeld gesagt, dass es am 15. April jetzt wieder losgeht, oder? Dass man sich bewerben kann.
Thomas Kleinebrink
Ja, genau. Also klassischerweise läuft es zum 1. April bis 30. Juni. Dieses Jahr feilen wir noch ein bisschen an der Webseite vom Deutschen Lesepreis deutscher-lesepreis.de. Verlinken wir auch noch mal. Genau. Die Änderungen laufen jetzt gerade noch und es sieht so aus, dass wir vielleicht nicht zum 1. April fertig werden, aber dann kann man ab Mitte April, das ist unser fester Zielmarke, sich bewerben. Wenn es dann plötzlich doch noch mal ein Tag länger dauert, muss sich niemand ärgern. Man kann sich bis zum 30.6. Bewerben. Wie ich eben gesagt habe, die Allermeisten machen sowieso auf den letzten Drücker. Ja. Lieber aber vielleicht schon mal reinschauen, dass man zumindest weiß, welche Fragen da abgefragt werden.
Helen
Aber genau, also ich weiß auch, dass hier in der Community einige sind, die sich da engagieren. Also probiert es einfach mal. Das lohnt sich auf jeden Fall. Es gibt auch, das war auch eine Frage, ein Preisgeld. Also es war die Frage, gibt es ein Preisgeld oder irgendwelche Förderung und das gibt's glaube ich für jede Kategorie unterschiedlich, je nachdem welchen Platz man belegt, ob man den dritten, zweiten oder ersten belegt, aber sobald man quasi nicht nur nominiert sondern gewonnen hat, gibt es ein Preisgeld. Richtig?
Thomas Kleinebrink
Genau. Die nominierten nicht. Das könnten wir uns schlicht nicht leisten. Es reicht bei den 50 Nominierungen, die wir aussprechen. Aber bei den Preisgeldern ist es genau, wie du gesagt hast, es ist je Kategorie gleich angesetzt und unterscheidet sich zwischen den jeweiligen Platzierungen. Also wir haben pro Kategorie immer einen ersten Platz, der bekommt 2.000 Euro, zweiten Platz, der bekommt 1500 Euro und einen dritten Platz, der bekommt 1000 Euro. Wer das nochmal genau nachlesen möchte, kann das auch alles auf der Webseite vom Deutschen Lesepreis finden. Und was wir aber trotzdem, du warst ja in Berlin dabei, da habe ich das ja auch erzählt, was wir trotzdem für, also was uns unglaublich wichtig ist und ich glaube, das darf man auch so sehen und ist nicht etwa nur Trost, zum Trostspenden gemeint, ob man erster, zweiter oder dritter wird, ist am Ende dann tatsächlich überhaupt nicht zentral. Also zentral ist wirklich, man ist ein Leseförderer, man ist eine Leseförderin, man macht einen wahnsinnig wichtigen Job und man kriegt mit dem Deutschen Lesepreis eine absolut verdiente Anerkennung und klar ist man dann vielleicht ein paar Euro weniger und wir sind in unserer Leistungsgesellschaft gewöhnt, dass alles nach dem ersten Preis vielleicht schon nur noch angeblich der zweite ist, aber das teile ich überhaupt nicht an der Stelle. Also da muss ich wirklich sagen, es geht darum, dass man eine tolle Arbeit macht, dass man teilt dann eben beim Deutschen Lesepreis und seiner Preisverleihung, worüber wir anfangs gesprochen haben, auch Teil dieses Festes ist, dass wir da miteinander feiern. Du erinnerst dich, vielleicht dieses Jahr gab es eine erstplatzierte Preisträgerin auf der Bühne, die erzählt hat. Also da ging es um Kitas und gerade in Kitas, ich habe eben erzählt, ich habe noch selber aber noch eine Tochter in der Kita. Es gibt dauernd unerwartete Schließtage, weil das Team vielleicht von zu vielen Krankheitsmeldungen gebeutelt ist oder die Betreuungszeiten kurz werden gekürzt, weil einfach nicht genug Personal da ist. Und darauf angesprochen, ob das Problem bei denen auch bekannt sei, sagte die Preisträgerin, nein, wir ziehen alle an einem Strang. Wir feiern uns auch Tag für Tag selbst, wie sie sich ausdrückte. Bekam einen Riesen-Applaus, fand ich total schön. Und so würde ich genau sagen, machen wir das beim Lesepreis auch. Wir feiern uns, und Leute meine ich jetzt nicht uns Stiftung Lesen, sondern uns Leseförderer und allen voran euch Preisträgerinnen, euch feiern wir an dem Tag und ja, jeder mehr, feiert mit.
Helen
Toll, toll, toll. Ja, also kann ich auch nur noch mal bekräftigen. Also ich fand einfach allein schon nominiert zu werden, war total verrückt, weil für mich kam die E-Mail ja auch, ich weiß nicht, ob ich das überhaupt gesagt habe, zwei Stunden bevor ich die andere Preisverleihung hatte, wo ich eh irgendwie in so einer gefühlten Achterbahn war und dann war das ja auch gar nicht so lange, ich glaube, ein oder zwei Wochen, bis ich dann erfahren habe, dass ich auch gewonnen habe, was ich nicht wusste, welchen Platz, das war ja wirklich dann erst vor Ort und das hat super spannend gemacht. Das hat super spannend gemacht. Aber mir war ja dann also in die Preisverleihung reingehend klar, ich kann am Ende sagen, dass ich gewonnen habe und das fand ich halt total krass. Und mir war auch klar, dass das eine besondere Außenwirkung hat, weil ich habe ja auch im Grunde nur den zweiten Platz bekommen. Aber ich weiß gar nicht, ob es was bringen würde, das so zu kommunizieren, weil es, glaube ich, auch ein bisschen kompliziert werden würde, wenn man erklärt, es gibt eh schon diese ganzen Kategorien, dann gibt es noch verschiedene Platzierungen und so. Und ich bin da total stolz drauf und ich finde ehrlich gesagt, also klar, macht es vielleicht einen Unterschied, also gerade auch das Finanzielle. Aber für mich, für meinen Gefühl macht es keinen Unterschied, weil ich weiß, ich habe gewonnen und das finde ich halt weiß ich nicht. Also du hattest ja auch erzählt, dass man dir das vielleicht ein bisschen anders sind, finde ich auf jeden Fall auch ein bisschen schade. Aber ich glaube, wenn man das selber feiern kann, ist doch total wertvoll. Weil in jedem Fall wird gesehen, was man da auf die Beine stellt. Und ich finde es schön, dass du dazu sagst, das ist das, was wir uns auch wünschen. Toll, dass es auch so gut geklappt hat.
Thomas Kleinebrink
Ja, hat auf jeden Fall geklappt und ich hoffe, dass das auch, weil allen, die sich jetzt vielleicht bewerben, so ankommt.
Helen
Ich finde es auf jeden Fall total spannend. Ich glaube, wahrscheinlich würde uns noch wahnsinnig viel einfallen. Vielleicht müssen wir irgendwann Teil 2 machen, je nachdem, was jetzt noch für Fragen kommt. Ich finde es richtig spannend, weil mir so, also wirklich vieles auch nicht richtig klar war. Ich habe es, glaube ich, auch einfach nicht so richtig verstanden. Vielleicht habe ich mich auch nicht genug damit beschäftigt. Aber wir werden auf jeden Fall die Webseiten nochmal verlinken. Da kann man sich nochmal so ein bisschen einlesen. Man kann wahrscheinlich auch nochmal Infos auf eurem Social Media Account finden. Man kann euch bestimmt auch fragen, wenn irgendwas unklar ist. Ihr habt vielleicht auch die FAQ-Seite aktuell. Aber ich finde es auf jeden Fall total cool, dass du dich dafür zur Verfügung gestellt hast und würde sagen, wir trinken den Sekt oder das Glaswasser. Jetzt am Ende, und genießen noch so ein bisschen hier die Feier im Humboldt Carré. Das war auf jeden Fall richtig, richtig toll. Danke dir dafür.
Thomas Kleinebrink
Ich danke dir für die Einladung. Ich freue mich sehr. Ja, ich, wie gesagt, wenn Interesse besteht, sag Bescheid, dann machen wir eine Fortsetzung und vielleicht wäre der bundesweite Vorlesetag oder so was. Das wäre auf jeden Fall da. Das ist eine gute Zeit bis dahin und ansonsten hoffe ich, dass wir uns bei anderer Gelegenheit wieder begegnen. Denn wie du gerade gesagt hast, ist es sehr lustig. Also nachdem mir dein Name, ich gebe es ganz offen zu, bei der Bewerbung das erste Mal begegnet ist, aber dann gilt ja das mit der selektiven Wahrnehmung. Seitdem lese ich dich permanent irgendwo, also ich habe jetzt durch die anderen Auszeichnungen oder die Keynote, die du gesprochen hast und also plötzlich merkt man, der alte Spruch, man begegnet sich immer mehrmals im Leben, der stimmt.
Helen
Ja, ja, das stimmt. Ich würde mich auf jeden Fall auch sehr freuen und ich habe Lust, mehr mich auch in der Richtung zu engagieren. Ich denke, ich werde jetzt gleich erst mal googlen, was gibt es hier für Kitas in der Umgebung? Was haben die für Bedarf noch? Danke dir für deine Offenheit und für diesen Einblick in diese Welt, was ich vorhin auch gesagt hatte, es war schon mal aufgekommen, dass ihr als Podcast-Gäste gewünscht wart. Ich weiß nicht, ob es explizit für den Vorlesetag war, aber das hatte ich damit verknüpft. Das war auf jeden Fall der Wunsch, dass wir mal mit euch im Podcast sprechen. Deswegen ist auf jeden Fall jetzt schon mal der Auftakt dafür. Okay. Dann vielen Dank dir und ich sage Tschüss an die Zuhörerinnen.
Thomas Kleinebrink
Danke auch, Tschüss.




