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Podcast · Folge 67
Ein Buch spenden – und es als Erste lesen
Jasmin arbeitet ehrenamtlich in zwei Büchereien, ist in fünf oder sechs Mitglied und liest immer drei Bücher parallel. Was man sich davon abschauen kann
Stand heute
Diese Folge ist vom Mai 2024. Jasmin war damals gerade als Markenbotschafterin für tolino ausgewählt worden, die Fotos aus der Kampagne waren noch nicht veröffentlicht. Alles, was sie über ihre Büchereien erzählt, ist der Stand von damals.
Das Einstiegsritual führt uns diesmal in eine Gartenlounge mit ostfriesischem Tee – mit Sahne und Kluntje, in der klassischen Variante und einer mit Sanddorn. Kennengelernt haben beide die Teezeremonie kurz zuvor auf Borkum, wo sie mit elf anderen Frauen ein Lesewochenende verbracht haben.
Jasmin
@leseline_liest
Jasmin ist seit Januar 2022 bei Mädels, die lesen. dabei und gehört inzwischen zum Team: Sie fragt bei den Verlagen die Rezensionsexemplare für die Leserunden an. Sie wohnt in einem Dorf in Rheinhessen, arbeitet ehrenamtlich in zwei Büchereien und ist in fünf oder sechs Mitglied. Außerdem ist sie Markenbotschafterin für tolino.
Wie man in einer Bücherei landet, ohne Bibliothekarin zu sein
Jasmin hat beruflich nichts mit Büchern zu tun. Immer, wenn sie in der Bücherei war, dachte sie deshalb: Wer dort arbeitet, hat eine Ausbildung dafür. Gleichzeitig war es ihr Traum – einmal selbst da sitzen, beraten, mit Menschen über Bücher sprechen.
Passiert ist es dann beiläufig. In einer kleinen Bücherei kam sie mit der Leitung ins Gespräch, und die sagte: Wir wollten das Team ohnehin erweitern, hast du nicht Lust? Seitdem macht sie dort Ausleihdienst. Ein zweites Mal lief es fast genauso: In einer anderen Bücherei war sie regelmäßig bei der Veranstaltungsreihe Literatur im Garten – vier, fünf Termine im Sommer, Bücher zu einem Thema, Austausch in netter Runde – und wurde irgendwann gefragt, ob sie nicht mitmachen wolle.
Ich nehme die Bücher zurück, ich gebe die Bücher aus, ich empfehle Bücher, ich spreche mit Menschen über Bücher. Ich bin einfach unter Büchern.Jasmin
Ihr Dienst liegt sonntagmorgens von halb elf bis zwölf. Das sei familiär gut machbar, sagt sie: Sonntagfrüh passiert zu Hause ohnehin wenig, und sie ist ein früher Vogel. Bis sie zurückkommt, haben ihr Mann und die Kinder gefrühstückt.
Den zweiten Grund gibt sie selbst zu: Sie sitzt an der Quelle. Jeden Sonntag wandert ein Buch mit nach Hause – und die Kinder geben ihr inzwischen Listen mit.
Welche Buchspenden einer Bücherei wirklich helfen
In einer früheren Folge hatte Katharina erzählt, dass Buchspenden in ihrer Region wenig bringen – dort braucht es eher Geld. Bei Jasmin ist es anders. Helen vermutet, dass es an der Größe liegt: Kleine Gemeindebüchereien können Bücher tatsächlich gebrauchen.
Mit einer Einschränkung, die sie deutlich macht: Es kommt auf die Aktualität an. Bücher aus den Achtzigern oder Neunzigern sind zu alt. In beiden Büchereien, in denen sie tätig ist, landen die im Basar – auch eine nette Veranstaltung, mit der sich das Budget ein bisschen aufbessern lässt. Wer Bücher wirklich für die Ausleihe spenden möchte, sollte von sich selbst ausgehen: Man liest ja auch lieber etwas Aktuelles als etwas, das zehn Jahre alt ist.
Die Buchpatenschaft
Das Konzept, das Helen in der Folge besonders begeistert, funktioniert so: Die Bücherei legt aus, welche Bücher sie gerne hätte – bei Jasmin lag an dem Tag eine Art Wunschzettel mit ausgedruckten Covern aus. Wenn dich eines davon selbst interessiert, kaufst du es, am besten in der örtlichen Buchhandlung, und spendest es. Dafür bist du als erste Leserin vorgemerkt und hast das Vorrecht.
Du bekommst also das Buch, das du ohnehin lesen wolltest – und die Bücherei bekommt es danach dauerhaft in den Bestand.
Überall wird das Budget knapp, und es wäre schade, wenn man nach und nach selbst beim Wichtigsten kürzen müsste.Jasmin
Helen nimmt daraus mit, dass es viele Wege gibt, die eigene Bücherei zu unterstützen – und dass sich ein Blick lohnt, ob die Büchereien im Umkreis so etwas anbieten. Ihr eigener Weg ist bisher ein anderer: Sie gibt Bücher weiter, statt sie zu behalten. An Familie, in Bücherschränke, an Kolleginnen. Ein zweites Mal liest sie die meisten ohnehin nicht, und einen antiquarischen Wert haben sie selten.
Drei Bücher parallel – und jedes hat seinen Platz
Was Helen an Jasmins Leseverhalten auffällt: Sie liest nicht zufällig mehrere Bücher gleichzeitig, sondern nach einem System, das sie sich über die Jahre angewöhnt hat. Drei Bücher, die sich unterscheiden müssen – nicht dasselbe Genre, nicht eine ähnliche Handlung, sonst kommt sie durcheinander.
Das erste gehört zum Einschlafritual: leichtere Kost, ein Wohlfühlbuch. Nichts, wovon man Albträume bekommt oder worüber man noch stundenlang nachdenkt.
Das zweite liegt unten im Wohnzimmer auf dem Tisch, damit sie im Vorbeigehen fünf Minuten lesen kann. Hier landen die anspruchsvolleren Titel mit den bewegenden Themen – auch die aus den Leserunden.
Das dritte liest sie auf dem eReader, wenn sie nachts wach ist oder abends kein Licht mehr anmachen will.
Warum ein eReader – und wo das gedruckte Buch bleibt
Ihren ersten tolino kaufte Jasmin 2013, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war und nachts nicht mehr schlafen konnte. Die integrierte Beleuchtung war das Argument: kein Nachtlicht, niemand im Zimmer wird gestört. Über die Onleihe lieh sie sich nachts Bücher aus. Auf einem der Nachfolgegeräte liest heute die Tochter, mit der sie damals schwanger war.
Helen war lange skeptisch und hat sich die Geräte erst auf der Buchmesse zeigen lassen. Was sie überzeugt hat: die Größe – gefühlt ein Viertel ihres iPads, man kann sich damit auf die Seite legen – und dass ein Gerät, das nur Bücher kann, sie nicht ablenkt. Ihr eigenes Leselicht findet sie nach einer Weile unbequem, und das iPad will sie nicht am Bett haben.
Jasmins Gegenargument fürs gedruckte Buch: Manche Bücher muss sie in der Hand halten, blättern, hineinschreiben, Post-its einkleben – gerade die aus den Buchclubs. Dass Markierungen und Notizen auch auf dem Gerät gehen, weiß sie; es ist eine Frage des Gefühls. Für Helen ist ausgerechnet das das stärkste Argument dafür: Sie hat Hemmungen, in Bücher zu schreiben, weil sie sie weitergibt.
Vom Fan zur Markenbotschafterin
Auf dem tolino-Account bei Instagram gab es einen Aufruf: Markenbotschafter gesucht. Jasmin ließ sich von ihrer Tochter mit ihrem Gerät im Garten fotografieren, schickte das Bild ein – und bekam nach kurzer Zeit die Zusage. Beim Shooting in Berlin war die ganze Familie dabei: Szenen auf der Couch beim Vorlesen, im Kinderzimmer, im Schlafzimmer, ein Zelt im Garten als Camping-Situation. Und eine in der Badewanne, weil das Gerät wasserdicht ist – ein Detail, das Helen im Gespräch neu war.
Ihr habt die perfekte Markenbotschafterin ausgewählt, ich kenne wirklich niemanden, der so begeistert von tolinos erzählen kann.Helen
Und zwei Bücher, die nachhallen
Auf die Frage, welches Buch sie am meisten beeinflusst hat, nennt Jasmin eines von vor fünfzehn Jahren – gekauft bei einer Veranstaltung namens Buchgenuss nach Ladenschluss, bei der abends die Türen der Buchhandlung verschlossen wurden und man in Ruhe stöbern konnte. Das zweite hat sie sonntagmorgens im Radio gehört und sofort gekauft, weil sie nicht bis Montag warten wollte. Beide stehen unten.
Wenn du deine örtliche Bücherei unterstützen willst und nicht weißt, wie – hör rein.
Die ganze Folge hören
Bücher, über die wir gesprochen haben
Jasmins zwei Buchtipps aus der Folge – eines von vor fünfzehn Jahren, eines spontan im Radio entdeckt.
Eine Billion Dollar
Andreas Eschbach · Ehrenwirth
Das Buch, das Jasmin vor fünfzehn Jahren gelesen hat und bis heute nennt: Eine Person erbt aus heiterem Himmel eine Billion Dollar. Was sie daran fasziniert hat, ist nicht der Reichtum, sondern wie bedrückend er wird. Von der Verfilmung rät sie ab.
Der Würfel
Bijan Moini · Atrium
Eine Dystopie über ein Sozialkredit-System: Wer sich gut verhält, steigt im Ranking – wer einen Fehler macht, verliert von heute auf morgen alles. Jasmin hat sie an einem Sonntag im Radio gehört und sofort gekauft.
Die mit »Bei Thalia ansehen« gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber, bekommen wir eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts. Im Gespräch fällt außerdem »Der Circle« von Dave Eggers als Vergleich, ohne dass es empfohlen wird – deshalb steht es hier ohne Link.
Häufige Fragen
Was ist eine Buchpatenschaft?
Manche Büchereien legen aus, welche Bücher sie gerne anschaffen würden – oft als Wunschzettel mit ausgedruckten Covern. Wer eines davon übernimmt, kauft es, spendet es der Bücherei und ist dafür als erste Leserin oder erster Leser vorgemerkt. Danach bleibt das Buch im Bestand.
Welche Bücher kann man einer Bücherei spenden?
Nur aktuelle. Titel aus den Achtzigern oder Neunzigern sind zu alt für die Ausleihe; sie landen bestenfalls im Basar. Als Faustregel nennt Jasmin: Man liest ja selbst auch lieber etwas Aktuelles als etwas, das zehn Jahre alt ist. Ob eine Bücherei Spenden gebrauchen kann, hängt außerdem von ihrer Größe ab – kleine Gemeindebüchereien eher als große Stadtbibliotheken.
Wie funktioniert das Drei-Bücher-System?
Drei Bücher parallel, die sich deutlich unterscheiden müssen: ein leichtes Wohlfühlbuch für abends, ein anspruchsvolleres fürs Wohnzimmer und den Tag, und eines auf dem eReader für nachts. Gleiches Genre oder ähnliche Handlung funktioniert nicht – dann kommt man durcheinander.
Kann man in einer Bücherei ehrenamtlich arbeiten, ohne Ausbildung?
Bei Jasmin hat es zweimal so funktioniert: Sie war als Nutzerin regelmäßig da und wurde gefragt, ob sie ins Team einsteigen will. Beruflich hat sie nichts mit Büchern zu tun. Ihr Dienst ist ein Ausleihdienst – Bücher zurücknehmen, ausgeben, beraten – und liegt bei ihr sonntags eineinhalb Stunden.
Sind Büchereien untereinander vernetzt?
Nur begrenzt. Es gibt ein übergeordnetes Netz, in dem man suchen kann, aber Jasmin klappert bei der Suche nach einem bestimmten Buch tatsächlich jede Bücherei einzeln ab, in der sie Mitglied ist. Beide finden, dass da noch Luft nach oben ist.
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Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Der eingesprochene Werbeteil der Folge ist nicht enthalten. Maßgeblich ist die Aufnahme.
Helen
Herzlich willkommen. Ich freue mich sehr, heute mit dir über Büchereien, tolinos, also E-Books, und über jede Menge andere Dinge zu sprechen. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich: Wo sind wir gerade, und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Jasmin
Hallo Helen, ich freue mich sehr, heute dabei zu sein. Wir sitzen draußen im Garten in einer gemütlichen Lounge, genießen die ersten Sonnenstrahlen und trinken ostfriesischen Tee. Den habe ich vor Kurzem bei einer friesischen Teezeremonie auf Borkum kennenlernen dürfen.
Helen
Den habe ich auch probiert. Ich hatte die Sanddorn-Variante und du die klassische, oder?
Jasmin
Ja, genau. Mit Sahne und Kluntje.
Helen
Dann nehme ich einfach wieder die Sanddorn-Variante, und wir stoßen einmal an. Ich schwärme seit Tagen davon. Schön fand ich vor allem, dass wir da ein bisschen reinschnuppern konnten und uns gezeigt wurde, wie es geht.
Jasmin
Was in welcher Reihenfolge in die Tasse kommt, in welche Richtung man den Löffel dreht, solche Sachen. Das mochte ich richtig gerne. Und ich muss sagen, die Sanddorn-Variante mochte ich auch. Ich hatte es nicht unbedingt vermutet, aber sie war lecker.
Helen
Und wir haben ja auch den Unterschied rausgeschmeckt.
Jasmin
Richtig, genau.
Helen
Das klingt auf jeden Fall sehr schön. Sonnenstrahlen gehen immer, Tee sowieso.
Jasmin
Sowieso, genau.
Helen
Wir haben uns ja gerade erst live gesehen, wir waren zusammen ein Wochenende auf Borkum, mit elf anderen Frauen, glaube ich. Wie war das so, Jasmin? Erzähl mal.
Jasmin
Das war ein Traum.
Helen
Ich habe Jasmin nicht dafür bezahlt, das sage ich gleich dazu.
Jasmin
Ein Traum deswegen, weil ich immer gedacht habe: Ich kann doch nicht als Einzige so leseverrückt und büchersüchtig sein. Und dann mit anderen ein Wochenende zu verbringen, gemeinsam zu lesen, sich irgendwo hinzusetzen, eine gemütliche Zeit zu haben und direkt über das Buch sprechen zu können – wann hat man das schon? Auf Borkum war ich noch nie. Ich habe die Nordsee überhaupt erst vor zwei Jahren für mich entdeckt, dieses Klima, das Raue, den Wind. Ich liebe Wind. Und Borkum ist so eine tolle Insel. Und euch alle mal persönlich zu treffen und nicht nur auf Instagram, nicht nur am Bildschirm – wir hatten einfach eine ganz tolle Zeit.
Helen
Das war echt toll. Ich wurde im Nachhinein von ganz vielen danach gefragt, weil ich im Vorfeld schon ein bisschen Respekt vor dem Wochenende hatte: Ich bin als Veranstalterin hingefahren und du als Teilnehmerin. Aber ich hatte vor Ort gar keinen Stress. Ich fand es extrem entschleunigend und habe gedacht: Das ist ein tolles Konzept, darauf habe ich Lust. Das will ich auf jeden Fall noch mal machen.
Jasmin
Unbedingt. Wir haben gut gegessen, wir hatten ein tolles Buch dabei, wir haben viel gelacht. Es war rundum gelungen, und von mir aus hätte es noch drei, vier Tage länger gehen können.
Helen
Langweilig wäre uns wohl nicht geworden.
Jasmin
Nee, ich glaube auch nicht.
Helen
Gut fand ich auch, dass wir von Anfang an gesagt haben: Jede macht es so, wie sie mag. Wir hatten ohnehin kein durchgetaktetes Programm, und dadurch war es super entspannt – manche sind noch mal zum Strand gegangen, während andere im Saunabereich lagen und sich vorlesen ließen.
Jasmin
Das war toll, hat mir auch sehr gut gefallen. Wir hatten uns ja schon vorher gesehen, du warst auch bei dem Treffen in Burscheid.
Helen
Ich fand beide Male klasse. In Burscheid war es ein Airbnb und ein Wochenende, auf Borkum eine ganze Woche – du bist, glaube ich, schon am Wochenanfang gekommen. Ich finde es schön, wenn du die Gelegenheit so nutzt. Du bist ja auch schon echt lange bei Mädels, die lesen. dabei. Ich habe eben gesehen, dass du im Formular Januar 2022 geschrieben hattest – ich hätte sogar gesagt, noch länger. Aber Januar 2022 ist ja auch schon zwei Jahre.
Jasmin
Stimmt, die Zeit vergeht wie im Flug. Damals haben wir auch direkt die Serie zusammengeschaut, und das war das Gesamtpaket, bei dem ich dachte: Nach so etwas habe ich immer gesucht. Das war ein ganz toller Start.
Helen
Ich habe auch immer das Gefühl, am Anfang des Jahres habe ich noch mal einen anderen Schwung. Dieser Serienmarathon hat mir auch sehr gut gefallen. Ich hatte neulich die Beiträge für die Zusammenfassung zusammengesucht – die Leserunden kann man ja meistens nachholen, wenn wir das zusammengestellt haben – und habe dabei einen Post zum Serienmarathon gesehen. Das war richtig witzig: zwölf Termine, glaube ich, es gab ja auch zwölf Folgen.
Jasmin
Voll cool.
Helen
So etwas hatten wir vorher noch nie – sonst war es immer ein Buch, das wir gelesen haben. Und du bist inzwischen sogar schon eine Weile im Team von Mädels, die lesen. Du bist im Grunde die Hauptansprechpartnerin für die Verlage. Alle Verlagsmitarbeiterinnen, die schon mal mit Mädels, die lesen. zu tun hatten, kennen inzwischen wahrscheinlich deinen Namen, weil wir ja immer wieder mit unterschiedlichen Verlagen Kontakt haben. In die Auswahl kommen viele verschiedene Verlage. Ich bin extrem erleichtert, dass dir das Spaß macht, weil es mich immer voll gestresst hat – ich war verlässlich zu spät dran mit den Büchern für die nächste Auswahl. Und jetzt klappt endlich alles wie am Schnürchen, das ist richtig schön. Magst du noch ergänzen, was du bei Mädels, die lesen. genau machst? Ich glaube, viele können sich gar nicht so richtig vorstellen, was wir überhaupt tun.
Jasmin
Das ist im Grunde der Start, die Vorbereitung für die nächste Leserunde. Die Bücher, die vorgeschlagen wurden, frage ich bei den Verlagen an, damit du das Rezensionsexemplar bekommst, das du bei den Vorstellungen immer zeigst. Du hattest irgendwann bei Instagram geschrieben, es wäre toll, wenn du diesen Job aus der Hand geben könntest, und ich habe gedacht: Cool, warum nicht, das kann ich doch machen. Ich bin ja ein kleiner Organisationsnerd. Ich habe mir ein Template geschrieben, da steht genau drin: Name des Buches, Verlag, Ansprechpartner, wann angeschrieben, wann erinnert. Da muss ich nur noch abhaken – und auch, ob der Verlag bereit ist, das Exemplar hinterher zu verlosen, und ob das Buch eingetroffen ist, damit ich sonst nachhaken kann. Ich fange immer direkt an, sobald die Bücher feststehen. Und bisher sind das sehr nette Leute, die Buchwelt ist generell sehr nett. Das macht Spaß, gerade wenn man sieht, dass es funktioniert, dass Rückmeldungen kommen und du die Bücher relativ schnell bekommst. Wenn ich damit einen kleinen Beitrag für Mädels, die lesen. leisten kann, freut mich das.
Helen
Und wirklich nicht nur ein kleiner Beitrag – das hält mir extrem den Rücken frei. Du fragst ja auch die Gewinnexemplare an, also ob wir sie verlosen dürfen. Das sind vielleicht kleinere Arbeitspakete, aber sie machen viel aus: Wenn wir im Livestream kein Exemplar zeigen würden, wäre der Livestream ein anderer. Mir fällt gerade ein, dass wir das auf Borkum am Ende fast als Running Gag hatten – die Ideen sind bei allen nur so gesprudelt, und du hast sie direkt notiert. Man merkt, dass du total strukturiert bist. Im Kontrast dazu merke ich immer erst, wie chaotisch ich bin.
Jasmin
Das ist doch auch schön. Wie meine Chefin heute auf der Arbeit meinte: Man braucht beides.
Helen
Das stimmt. Du musst dich ja nicht zwingen, organisiert zu sein, wenn du dafür Leute in deinem Umfeld hast, die das übernehmen und damit klarkommen.
Jasmin
Manchmal denke ich aber schon: Mein Gott, das ist doch nicht so schwer, mach doch mal.
Helen
Ich finde es auch bewundernswert, weil du generell, habe ich das Gefühl, super viel auf die Reihe bekommst. Bei unserer Team-Weihnachtsfeier haben wir ein paar Highlights des Jahres geteilt – jede hat zwei Bilder gezeigt und wir haben uns darüber unterhalten. Das haben wir letztes Jahr schon gemacht, und es ist mega, gerade weil wir komplett digital zusammenarbeiten und uns teilweise gar nicht so gut kennen. Da lernt man sich noch mal ein bisschen kennen. Du hast erzählt, dass du wieder mit Ballett angefangen hast, und dass du im vergangenen Jahr in gleich zwei Büchereien ehrenamtlich angefangen hast. Das finde ich bewundernswert – du hattest ja vorher schon ein ausgefülltes Leben und packst immer mehr rein. Wie sieht das genau aus? Wie oft bist du da, wann bist du wo, und was machst du da?
Jasmin
Auch das war für mich immer ein Traum. Immer, wenn ich in die Bücherei kam, habe ich gedacht: Ich würde auch so gerne mal da sitzen, die Leute beraten, mit Menschen über Bücher sprechen. Und dann dachte ich: Na ja, die haben eine andere Ausbildung, und ich habe beruflich nichts mit Büchern zu tun. Irgendwann kam ich in dieser relativ kleinen Bücherei mit der Leitung ins Gespräch, und sie sagte: Wir möchten das Team ohnehin ein bisschen erweitern, hast du nicht Lust einzusteigen? Klar, nichts lieber als das. Seitdem mache ich dort Ausleihdienst – genau das, was ich mir immer gewünscht habe. Ich nehme Bücher zurück, ich gebe Bücher aus, ich empfehle Bücher, ich spreche mit Menschen über Bücher. Ich bin einfach unter Büchern. Und wie es der Zufall will: Ich bin in ganz vielen Büchereien Mitglied.
Helen
Das ist total cool, dass du das so machst.
Jasmin
Fünf oder sechs sind es mittlerweile, glaube ich, und die besuche ich auch alle regelmäßig. In einer anderen Bücherei gibt es immer eine Veranstaltung, die nennt sich Literatur im Garten – vier, fünf Termine im Sommer. Da wurden zu bestimmten Themen verschiedene Bücher vorgestellt und man hat sich darüber ausgetauscht, in netter Runde in einem schönen Garten. Das war eine tolle Atmosphäre. Ich war auch da öfter, und dann wurde ich angesprochen: Hätten Sie nicht Lust, auch ins Team einzusteigen? Ich dachte: Okay, ja klar. Ich bin zwar schon in einer Bücherei tätig, aber warum nicht? Das mache ich jetzt, auch dort im Ausleihdienst, überwiegend sonntagmorgens von halb elf bis zwölf. Das sind durchaus familienverträgliche Zeiten, weil sonntagmorgens zu Hause nicht so viel passiert und ich eher ein früher Vogel bin. Bis ich wieder zu Hause bin, sind die Kinder meistens schon angezogen, mein Mann hat mit ihnen gefrühstückt, und dann sind alle startklar. Und den zweiten Aspekt muss ich auch ehrlich zugeben: Ich sitze genau an der Quelle. Als kleine Büchersüchtige wandert eigentlich jeden Sonntag ein Buch mit nach Hause. Selbst wenn ich mal ein paar Wochen nicht da war und dann wieder hinkomme und die vielen neuen Bücher sehe – ich kann einfach nicht ohne Buch nach Hause gehen. Und meine Kinder geben mir auch schon Listen mit. Es sind immer sehr viele Büchereibücher bei uns zu Hause.
Helen
Das ist richtig schön, so soll es ja auch sein. Und ich finde schön, dass sie direkt mit Büchern aufwachsen und das für sie normal ist.
Jasmin
Genau. Wir lesen viel vor, und sie lesen ja mittlerweile auch selbst – dann lese ich ein Kapitel, und meine Tochter liest das nächste weiter. Das ist sehr entspannt und macht Spaß.
Helen
Das finde ich richtig schön, wenn beide so eigenständig und mitlesend an Bücher herangeführt werden. Dieses Jahr kriegen wir hoffentlich auch mal etwas zum Vorlesetag organisiert – der kommt immer so überraschend, aber diesmal habe ich ihn fest auf dem Schirm. Ich finde, das müssten wir viel mehr nutzen: jungen Menschen Bücher zu zeigen und dass es so viele verschiedene, ganz tolle gibt und nicht nur Schullektüre. Eine Sache muss ich aber fragen, weil ich nicht mehr genau weiß, wo du wohnst – ich hatte in Erinnerung, dass es eher ein kleinerer Ort ist. Wo sind denn diese ganzen Büchereien bei dir in der Umgebung? Hier gibt es Stadtteilbibliotheken, die gehören alle zur Stadt Bonn. Wie machst du das? Fährst du dann weitere Strecken, um in die Büchereien zu kommen?
Jasmin
Ja, ich fahre schon. Ich wohne in einem ganz kleinen Dorf in Rheinhessen, zwischen Mainz und Alzey, wir sind etwa 1800 Einwohner. Hier gibt es viele kleine Gemeindebüchereien und katholische öffentliche Büchereien, wo also die Kirche der Träger ist. Ich muss dann schon jedes Mal mit dem Auto fahren, aber das macht nichts. Manchmal, wenn ich ein Buch unbedingt möchte, fahre ich auch in die nächstgrößere Stadt: Ich schaue im Online-Katalog nach, ob es das Buch gibt, fahre hin, verbinde das mit einem Stadtbummel und leihe das Buch aus.
Helen
Dann ist dir vielleicht auch schon aufgefallen, dass Büchereien eher nicht so vernetzt sind, oder? Du musst wahrscheinlich einzeln in verschiedenen Katalogen nachschauen.
Jasmin
Genau. Das ist auch noch so ein Thema.
Helen
Dann müssen wir ran. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es richtig schwierig wäre, alle miteinander zu verbinden, wenn sich jemand diese Aufgabe vornehmen wollte.
Jasmin
Sinnvoll wäre es. Es gibt schon ein übergeordnetes Netz, wo man nachschauen kann, aber ich weiß nicht, ob das gut funktioniert. Wenn ich Bücher suche, klappere ich wirklich jede Bücherei ab, in der wir Mitglied sind, und schaue auf jeder Website nach.
Helen
Wir hatten uns mal über die Folge unterhalten, die ich mit Katharina zum Thema Büchereien gemacht hatte. Katharina meinte, mit Buchspenden können die Büchereien in ihrer Region nicht unbedingt viel anfangen, die sind eher auf Geldspenden angewiesen – das schadet ja nie. Aber weil du mich schon mal darauf angesprochen hattest, habe ich den Eindruck, dass das bei euch anders ist. Vielleicht liegt es daran, dass ihr die kleineren Büchereien seid: Könnt ihr Bücherspenden wirklich gebrauchen?
Jasmin
Das ist wirklich so. Ich muss aber dazusagen, es kommt ein bisschen auf die Aktualität an. Bücher aus den 80ern oder 90ern sind definitiv zu alt. In beiden Büchereien, in denen ich tätig bin, nehmen wir die für den Basar – auch eine nette Veranstaltung, um das Budget ein bisschen aufzubessern. Aber wenn man Bücher wirklich für die Ausleihe spenden möchte, müssen sie schon aktuell sein. Da muss man einfach von sich selbst ausgehen: Man liest ja auch lieber aktuelle Bücher als welche, die schon zehn Jahre alt sind. Und es gibt auch Büchereien, die Buchpatenschaften anbieten: Man nimmt sich ein Buch aus der Bestsellerliste, besorgt es vorrangig in der örtlichen Buchhandlung, kauft und spendet es – und ist dann als erste Leserin vorgemerkt und hat ein bisschen das Vorrecht. Das gibt es auch, wenn man etwas Gutes tun möchte. Überall wird das Budget knapp, und es wäre schade, wenn man nach und nach selbst beim Wichtigsten kürzen müsste.
Helen
Diese Idee mit der Buchpatenschaft finde ich total cool. Da muss ich mal nachschauen, ob die Büchereien im Umkreis das anbieten. Ich finde das ein geniales Konzept.
Jasmin
Ich war gerade heute in einer Bücherei, und da liegt so etwas wie ein Wunschzettel aus, mit dem ausgedruckten Cover. So kann man sehen: Wenn mich das selbst auch interessiert, sage ich, das würde ich euch gerne zur Verfügung stellen. Dann kaufst du es und stellst es der Bücherei zur Ausleihe zur Verfügung.
Helen
Das ist richtig klasse, da werde ich noch mal nachschauen. Ich finde das eine gute Ergänzung zur Bücherei-Folge, weil es einfach viele Wege gibt, die örtliche Bücherei zu unterstützen.
Jasmin
Auch mit den eigenen Büchern. Ich habe ja Unmengen hier, und irgendwann ist die Kapazität erschöpft. Wenn ich ein Buch einmal gelesen habe und der Zustand noch gut ist, wäre es zu schade, es einfach stehen zu lassen.
Helen
Du gibst Bücher, glaube ich, auch lieber weg, als sie zu behalten.
Jasmin
Und wenn sie relativ aktuell sind, freuen sich Büchereien meistens darüber.
Helen
Ich hatte euch ja auch ein Paket geschickt. Meinen Schwestern und meiner Mutter habe ich zu Weihnachten eine riesige Tüte mitgebracht, und ich gebe auch ganz viel in Bücherschränke. Ich lese Bücher meistens kein zweites Mal, und die allermeisten, die ich lese, haben keinen antiquarischen Wert – im Zweifel käme ich noch mal an sie heran, wenn ich sie wiederhaben wollte. Da gebe ich sie lieber jemand anderem zum Lesen. Wenn das eine Option für dich ist und du ein bisschen ausmistest, dann frag auch mal in deiner örtlichen Bücherei, ob sie etwas damit anfangen kann – oder eben in deinem örtlichen Bücherschrank. Ich glaube, da gibt es total viel, was man sich einfallen lassen kann, und es erleichtert vielen wieder den Zugang zu Büchern. Die Buchpatenschaft finde ich richtig cool, danach werde ich jetzt die Augen offen halten. Auf der Buchmesse habe ich wieder super aktuelle Sachen gekauft, die könnte ich ja auch abgeben. Ein Buch habe ich zum Beispiel spontan in der Buchhandlung gekauft, und heute habe ich mit meiner Arbeitskollegin darüber gesprochen und im Gespräch direkt gemerkt: Das wäre etwas für sie. Dann ist es schon vorgemerkt – wenn ich es durch habe, bekommt sie es. Bei mir bleiben selten Bücher liegen, meistens weiß ich schon: Das könnte etwas für die und die Person sein. Du hast ja eben schon gesagt, dass du wahnsinnig viel liest. Was ich witzig finde: Für mich hört sich das an, als würdest du ganz strategisch drei Bücher parallel lesen – du hast für jedes Buch einen genauen Zweck. Ich lese wahrscheinlich auch oft mehrere parallel, aber eher aus Versehen oder weil ich abgelenkt war.
Jasmin
Das stimmt. Ich habe mir das im Laufe der Jahre so angewöhnt, tatsächlich immer drei Bücher parallel zu lesen. Die müssen aber unterschiedlich sein – nicht ähnliches Genre, nicht ähnliche Handlung, weil mich das sonst verwirrt. Das erste Buch ist das Einschlafritual am Abend: etwas leichtere Kost, nichts, wovon man nachts Albträume bekommt oder worüber man noch stundenlang nachdenkt. Etwas Angenehmes, ein Wohlfühlbuch. Das zweite liegt unten im Wohnzimmer auf dem Tisch, damit ich immer, wenn ich vorbeigehe und die Kinder gerade beschäftigt sind, schnell fünf Minuten lesen kann. Das sind meistens die anspruchsvolleren Bücher mit bewegenden Themen – bei Mädels, die lesen. lesen wir ja oft Bücher mit etwas schwereren Themen, die würde ich mir abends nicht zu Gemüte führen wollen. Die lese ich am Tag. Und das dritte lese ich auf meinem eReader, auf dem tolino, und zwar überwiegend nachts. Wenn ich nachts wach bin oder abends keine Lust mehr habe, das Licht anzumachen, lese ich auf dem tolino, weil die integrierte Beleuchtung das sehr angenehm macht. Man muss kein Nachtlicht anmachen und stört den Partner nicht, der nebendran schlafen will, oder die Kinder. So kam ich auch dazu: Meinen ersten tolino habe ich 2013 gekauft, da war ich mit unserem ersten Kind schwanger und konnte nachts irgendwann nicht mehr schlafen. Also habe ich mir den ersten tolino gekauft, mir nachts über die Onleihe Bücher ausgeliehen oder auch welche gekauft – das geht ja ganz schnell – und nächtelang gelesen. Und siehe da: Auf einem der Nachfolger liest heute meine Tochter, mit der ich damals schwanger war.
Helen
Ja, oh, cool. Ich habe so ein Leselicht, das hatte ich mal geschenkt bekommen, und ich finde es eigentlich ganz gut. Aber ich liege damit anders, weil ich Christian nicht blenden will – ich mache es schon auf der kleinsten Stufe. Und nach einer Weile finde ich es doch unbequem, vor allem, weil ich das Buch ja auch irgendwie halten muss. Ist nicht ideal. Trotzdem hatte ich ehrlich gesagt noch nie über einen eReader nachgedacht. Ich habe eher gedacht, für Reisen könnte das praktisch sein. Aber weil du so begeistert bist, habe ich gedacht: Okay, ich schaue mir das auf der Messe mal an. Ich hatte sie alle mal in der Hand und habe mir das ein bisschen zeigen lassen. Ich finde das ganz schön cool – auf der Messe war es natürlich hell, aber so wie ich das verstanden habe, beleuchtet der sich selbst und blendet einen trotzdem nicht.
Jasmin
Genau. Und du kannst die Intensität des Lichts regeln, je nachdem, ob du mehr oder weniger möchtest. Tagsüber kannst du das auch deaktivieren, da brauchst du es ja nicht.
Helen
Es gab auch unterschiedliche Größen, und manche sind wirklich klein – im Grunde wie eine Buchseite, die du festhältst. Du hast kein Riesenbuch, das dir aufs Gesicht fällt, sondern kannst dich damit auch auf die Seite legen. So habe ich es mir jedenfalls vorgestellt. Ich war schon ein bisschen hooked, auch durch deine Begeisterung, und dachte: Es könnte ja doch etwas für mich sein. Was mich noch ein bisschen hemmt, ist die Vorstellung: Dann habe ich kein richtiges Buch. Aber ich habe den Verdacht, dass du genau deswegen diese Drei-Bücher-Strategie hast.
Jasmin
Genau. Es gibt auch Bücher, die muss ich als physisches Buch lesen. Die muss ich in der Hand haben, blättern, da muss ich reinschreiben. Gerade die Bücher, die wir lesen – ich bin ja noch in zwei anderen Buchclubs. Wenn ich weiß, ich muss oder möchte da reinschreiben oder mir Post-its reinkleben, dann nehme ich das physische Buch. Obwohl du das auch im tolino machen kannst: Markierungen setzen, Notizen machen, das ist alles möglich. Aber das ist einfach nach Gusto.
Helen
Das finde ich spannend, weil für mich genau das das Verkaufsargument wäre: Ich habe echt Hemmungen, in Bücher zu schreiben. Vielleicht auch, weil ich weiß, dass ich sie weggebe, und dann denke ich: Da sieht ja jemand meine Notizen. Aber im tolino etwas zu markieren, das fände ich ziemlich gut. Spannend, wie unterschiedlich das ist. Hast du eine Schutzhülle um deinen tolino? Ich hatte die Dinger in der Hand und dachte: Oh Gott, das lasse ich auf jeden Fall fallen. Ich bin bei solchen Geräten immer vorsichtig.
Jasmin
Aber der ist echt stabil. Meine Tochter hat ja auch einen, und der lebt immer noch. Wir haben trotzdem eine Schutzhülle drum, allein weil wir ihn mit auf Reisen nehmen – da hast du ja Platz für mehrere tausend Bücher. Wir sind viel auf dem Campingplatz und im Wohnmobil unterwegs, und dann fliegt er schon mal hin und her. Allein deswegen ist eine Schutzhülle drum, damit nichts passiert.
Helen
Schon irgendwie ganz schön verlockend.
Jasmin
Man kann ja auch auf dem Tablet lesen, aber ich habe lieber so ein kleines Gerät wie den tolino, das keine Funktionen hat, die mich ablenken könnten. Auf einem Tablet komme ich auf andere Gedanken, dann würde ich noch mal etwas nachschauen und googeln. Mein kleiner tolino beschäftigt sich nur mit dem Lesen.
Helen
Das ist echt ein Argument. Ich hatte in einer der vorherigen Folgen mal erzählt, dass ich mir ein, zwei, drei E-Books auf meinem iPad gekauft hatte. Ich hielt mich für extrem genial – aber ich vergesse einfach, dass ich die da drauf habe. Und ehrlich gesagt hätte ich das iPad ungern am Bett; mein Handy darf schon seit einiger Zeit nicht mehr ins Schlafzimmer. Das iPad ist mir auch zu groß. Diese tolinos, die ich gesehen habe, gibt es in verschiedenen Größen, aber wenn du das kleinste nimmst, ist das gefühlt ein Viertel davon. Ich neige zur Übertreibung, aber es ist auf jeden Fall sehr viel kleiner. Und ich hätte die Hoffnung, dass ich es dadurch, dass es ein extra Gerät nur für Bücher ist, nicht mehr so vergesse.
Jasmin
Du könntest damit natürlich auch surfen, der hat ja WLAN. Aber ich mache es nicht. Der tolino ist zum Lesen da und höchstens noch, um über die Onleihe ein Buch auszuleihen oder eines im Shop zu kaufen – mehr mache ich damit nicht. Das ist bei mir im Kopf einfach so abgelegt: Das Tablet ist zum Surfen und Serienschauen da.
Helen
Das finde ich auf jeden Fall spannend. Spätestens für Reisen wird das bei mir sowieso ein Thema, und ich könnte es mir gut vorstellen, das mal auszuprobieren. Eine Frage noch: Ich habe heute mit einer Arbeitskollegin gesprochen, das fand ich total spannend, weil mir das nicht bewusst war. Sie meinte, bei ihrem eReader werde immer am Anfang angezeigt, wie lange es ungefähr dauert, ein Buch zu lesen – eine ungefähre Lesedauer. Und sie findet das ultra frustrierend, weil das Gerät ja erkennt, wie langsam sie im Vergleich liest. Da habe ich mich gefragt: Ist das immer so, oder kann man das ausstellen?
Jasmin
Ich glaube schon, aber ehrlich gesagt achte ich gar nicht darauf. Ich weiß, dass es auf anderen Geräten ermittelt wird, beim tolino habe ich noch nicht darauf geachtet. Was du siehst, ist der Fortschritt: Wenn du den Homebildschirm hast, siehst du das Buch und wie weit du bist. Das finde ich gut, das ist okay.
Helen
Ich hatte heute ein bisschen das Gefühl, dass es kontraproduktiv sein könnte, wenn da steht, wie langsam man im Vergleich zum Durchschnitt ist.
Jasmin
Ich weiß ja nicht, wie der eReader diesen Wert ermittelt. Das ist deine Durchschnittslesegeschwindigkeit: wie viel du in einer gewissen Zeit geblättert hast. So lange hast du für die ersten hundert Seiten gebraucht, also wirst du so lange für den Rest brauchen.
Helen
Ich glaube, gerade für Menschen, die sich schnell vergleichen, ist das nichts.
Jasmin
Nein, das sollte man nicht tun.
Helen
Ach so, was ich noch fragen wollte: Das Thema tolino habe ich auf dem Schirm, damit will ich mich beschäftigen. Aber ich fand total interessant, was du angegeben hast – ich vergesse meistens völlig, darauf einzugehen. Auf die Frage, welches Buch dich am meisten beeinflusst hat, hast du ein Buch von vor etwa fünfzehn Jahren geschrieben. Gerade wenn man so viel liest, gerät so ein Buch ja leicht in Vergessenheit. Es muss dich also wirklich beeindruckt haben, wenn du es immer noch nennst. Was war das für ein Buch, und was hat es damit auf sich?
Jasmin
Das war „Eine Billion Dollar“ von Andreas Eschbach. Ich weiß auch noch genau, wann und wo ich es gekauft habe – bei einer ganz coolen Veranstaltung, die hieß Buchgenuss nach Ladenschluss. Eine Gruppe von Mädels, abends nach Ladenschluss wurden die Türen der Buchhandlung verschlossen, es gab ein bisschen Snacks und etwas zu trinken, und man konnte einfach stöbern, stöbern, stöbern, lesen und kaufen. Das ist gute fünfzehn Jahre her. In dem Buch geht es darum, dass eine Person aus heiterem Himmel diese Summe erbt – eine Billion Dollar – und erst mal dasteht. Das klingt zunächst total verlockend: Dann kaufe ich mir ein neues Auto, zahle mein Haus ab, kaufe ein Boot oder ein Wohnmobil, was auch immer. Aber wenn du dir auf einmal alles gekauft hast, überlegst du: Gut, ich höre auf zu arbeiten, oder ich suche mir den Job, den ich schon immer machen wollte und der mir zu wenig Geld einbringen würde. Und selbst wenn du das erledigt hast – das Geld vermehrt sich ja, wenn es angelegt ist. Es wird immer mehr und mehr. Du hast also so viel Geld, dass du es niemals unter die Leute kriegst. Das war der Gedanke, bei dem ich dachte: Okay, dann hast du alles Materielle, was du dir jemals wünschen kannst. Und dann kommen natürlich auch Menschen in dein Leben, die du lieber nicht hättest, und du wirst zum Opfer. Später setzt er sich ein bisschen für den Umweltschutz ein, es geht auch um die Überfischung der Weltmeere – es nimmt echt noch eine gute Wendung. Aber allein diese Vorstellung, so viel Geld zu haben, wie man es sich gar nicht vorstellen kann, hat mich fasziniert. Eins muss ich dazusagen: Es gab auch eine Verfilmung, und die sollte man nicht schauen. Die Serie hat nicht annähernd etwas mit dem Buch zu tun, das ist schade.
Helen
Ich habe jetzt einen Masterplan für deine Billion Dollar, falls du sie erbst: Du könntest bei allen Büchereien in Deutschland mindestens das ausgleichen, was ihnen an Haushaltsmitteln gestrichen wird. Ich bin nicht so gut in Mathe, aber mit so viel Geld kann man wahrscheinlich schon ganz schön viel machen – sodass am Ende alle ähnlich viele Mittel haben. Plötzlich hättest du diese Möglichkeiten.
Jasmin
Das wäre mega.
Helen
Und der Rest geht an Stiftung Lesen und so.
Jasmin
Genau. Und dann stellen wir noch überall Bücherschränke auf. Wir kriegen das Geld schon unter.
Helen
Hast du das Gefühl, dass dich das Buch heute genauso beeindrucken würde wie vor fünfzehn Jahren, oder eher nicht?
Jasmin
Nicht, dass ich besonders materiell eingestellt wäre, aber dieses Gefühl. Ich fand das sehr bedrückend – die ersten Seiten dachte ich noch: Wow, cool. Aber dann war es sehr bedrückend. Da war auch ein Umdenken bei mir: Ich will gar nicht so reich sein, weil du dann auch nicht glücklich bist. Dann hast du ganz andere Probleme, die du als normale Bürgerin niemals hättest. Damals bin ich sehr viel Zug gefahren, und ich habe mir sogar noch die Audiofassung dazu gekauft und das im Zug über das Handy noch einmal gehört. Das will schon etwas heißen: Ein Buch fasziniert mich so, dass ich es im Zug noch einmal als Hörbuch hören will.
Helen
Ich habe noch nie von dem Buch gehört. Aber ich finde es generell cool, dass so viele Bücher zum Nachdenken anregen – selbst wenn du es gar nicht erwartet hast, begegnet dir irgendein Aspekt, der etwas mit dir macht. Und wie krass, wenn das fünfzehn Jahre später noch nachhallt. Das hattest du als physisches Buch?
Jasmin
Genau, den gab es damals ja noch nicht.
Helen
Hattest du so einen Moment auch schon mal mit dem tolino, wo du dachtest: Oh Gott, was habe ich mir denn da ausgeliehen oder gekauft?
Jasmin
Ja, da gab es auch schon mal ein Buch. Es heißt „Der Würfel“.
Helen
Kenne ich auch nicht.
Jasmin
Das war wieder so ein Moment. Ich hatte es im Radio gehört – sonntagmorgens gibt es eine Buchbesprechung, und ich war im Auto unterwegs. Kennst du das Gefühl, wenn du ein Buch unbedingt sofort haben willst? Du kannst nicht bis Montag oder Dienstag warten, du musst es jetzt haben – und es war ein Sonntag. Also habe ich es mir direkt im Shop auf den tolino geladen und angefangen zu lesen.
Helen
The struggle is real. Ich glaube, in dieser Community kennen das alle.
Jasmin
Genau, und dieses Buch hat mich auch sehr betroffen gemacht. Es geht darum, in welche Welt wir gerade steuern, wenn wir so weitermachen wie jetzt, mit den sozialen Medien. Es greift das Thema Sozialkredit auf: Je besser du dich in deinem Umfeld und in der Gesellschaft verhältst, desto höher ist dein Rang. Gehst du gut mit deinen Eltern um, bekommst du Punkte und steigst im Ranking. Und im Buch geht es darum, was passiert, wenn du abrutschst, wenn du aus irgendeinem Grund einen Fehler machst: Dann verlierst du von heute auf morgen deine Arbeit und stehst da. Es geht sogar so weit, dass die Leute morgens aufstehen und sich Kontaktlinsen einsetzen, die ihnen die Welt so zeigen, wie sie sie sich wünschen – alle Menschen sind hübsch, alle Häuser sind hübsch, alles ist toll. Und sie hören auch nur das, was sie hören wollen. So laufen sie durch die Welt und gehen zur Arbeit. Wenn du einen Fehler machst, wird dir das direkt auf den Kontaktlinsen angezeigt: Sozialkredit, Ranking nach unten, gerade den Job verloren – möchten Sie vielleicht diesen Job haben? Eine total spooky Welt, aber sie hat sehr viel mit Social Media zu tun, also mit dem, was wir gerade tun. Und dann gibt es noch die andere Gruppe, die sich dem entziehen will und zu Hause sitzt, mit schwarzer Folie an den Fenstern, damit sie nicht ausgespäht werden kann. Diese beiden Gruppen geraten aneinander. Das hat mich sehr berührt.
Helen
Das erinnert mich ein bisschen an „Der Circle“ von Dave Eggers, das geht in die Richtung. Das fand ich super gruselig.
Jasmin
Dystopien mag ich total.
Helen
Das höre ich auch ein bisschen raus. Aber das ist ja wirklich cool: Wenn du sonntags sagst, ich brauche das jetzt, ist so ein eReader natürlich ideal. Was ich total faszinierend finde – es war so witzig, als du mir das erzählt hast: Wir haben jetzt eine Berühmtheit im Team von Mädels, die lesen. Du bist nämlich Markenbotschafterin für tolino geworden. Ihr seid alle zusammen nach Berlin gefahren und habt Fotos gemacht, die bald zu sehen sein werden, denke ich.
Jasmin
Ja, richtig.
Helen
Was hat es damit auf sich? Wie ist das zustande gekommen, und was macht man als Markenbotschafterin?
Jasmin
Letztes Jahr gab es auf dem tolino-Account bei Instagram einen Aufruf: Markenbotschafter gesucht. Da dachte ich: Perfekt, ich bin so überzeugt, das bin ich. Ich habe meine Tochter gebeten, ein Foto zu machen, habe meinen tolino genommen, im Garten eine schöne Stelle ausgesucht, das Foto gemacht und zu tolino geschickt. Nach kurzer Zeit kam die E-Mail, dass ich ausgewählt worden sei. Das hat mich super gefreut.
Helen
Ja, voll cool.
Jasmin
Dann gab es die ersten Gespräche, und ich habe erzählt, dass wir zwei Kinder haben und das ältere schon selbst mit dem tolino liest, den ich in der ersten Schwangerschaft gekauft hatte. Da kam die Frage: Habt ihr nicht alle Lust, euch fotografieren zu lassen? Und klar – so sind wir alle vier für ein Wochenende nach Berlin gefahren und waren dort in einem wunderschönen Haus, das ich selbst gerne hätte. Für das Shooting waren verschiedene Szenarien aufgebaut. Einmal, dass ich mit meinen Kindern auf der Couch sitze und ihnen vorlese. Oder meine Tochter sitzt im Kinderzimmer zwischen Spielsachen, liegt auf dem Boden und liest mit dem tolino. Eine Situation war auch sehr witzig, in der Badewanne – der ist ja wasserdicht.
Helen
Nein, ernsthaft? Darüber haben wir ja noch gar nicht gesprochen. Jetzt habe ich das Gefühl, ich brauche das Teil.
Jasmin
Weil er wasserdicht ist, lag ich mit Unmengen Schaum und Kerzen, also in schöner Atmosphäre, in der Badewanne und habe gelesen. Und eine Situation im Schlafzimmer, mit der Beleuchtung, um noch mal zu zeigen, dass der Partner nicht gestört wird. Ganz witzig war auch: Im Garten hatten sie ein Zelt aufgebaut und diese Camping-Situation nachgestellt, und die Kinder sitzen mit Kopfhörern da, weil man über den tolino auch Hörbücher hören kann. Sehr vielseitig – und das sind alles Situationen, die uns total ansprechen: Kinderhörbücher, Camping, Badewanne und überhaupt.
Helen
Das ist ja richtig genial. Mir fällt gerade ein: Jemand hatte mal geteilt, dass ihr das Buch in die Badewanne gefallen war, und sie hat jede Menge Tipps bekommen, wie sie es retten kann. Ich weiß gar nicht, ob es gerettet werden konnte. Aber seitdem bin ich da etwas ängstlich, weil ich schon auch ein bisschen schusselig bin.
Jasmin
Da würde einfach nichts passieren.
Helen
Das ist total krass, das kann ich mir gar nicht vorstellen – es ist doch ein elektrisches Gerät.
Jasmin
Genau. Aber seitdem geht eher der tolino mit in die Wanne als das gedruckte Buch. Da bin ich auch ein bisschen vorsichtig.
Helen
Ja, genau.
Jasmin
Und die Bilder wird man demnächst auf den Displays sehen, an den Orten, die tolino führen, auf Flyern und im Web.
Helen
Ich bin gespannt, voll aufregend. Ich stelle mir vor, man sieht dich an der Litfaßsäule.
Jasmin
Oh Gott. Ja, es ist noch ein bisschen komisch, das Gefühl.
Helen
Wir müssen auf jeden Fall alle Ausschau halten – schaut mal, ob ihr Jasmin irgendwo entdeckt, online oder offline. Ich war ja dann am tolino-Stand und habe gesagt: Ihr habt die perfekte Markenbotschafterin ausgewählt, ich kenne wirklich niemanden, der so begeistert von tolinos erzählen kann. Eigentlich müsstest du eine Provision bekommen, weil ich jetzt denke: Vielleicht hole ich mir doch einen. Ich kann dich ja irgendwo als Empfehlerin angeben: Ich wurde von Jasmin überzeugt. Vielleicht kriegst du dann ein bisschen Guthaben und kannst dir, wenn es wieder mal dringend ist, ein Buch kaufen.
Jasmin
Oh, das wäre gut.
Helen
Ich finde es voll interessant. Ein eReader ist ja kein komplett neues Konzept, aber ich war immer ein bisschen skeptisch. Inzwischen finde ich, es spricht so viel dafür.
Jasmin
Die sind doch gar nicht so teuer. Man macht keinen Fehler.
Helen
Man kann es also unverfänglich testen.
Jasmin
Ja, finde ich schon. Das ganz kleine Gerät ist ein Einsteigergerät. Es kann ja sein, dass du sagst: Das ist gar nichts für mich, ich brauche das Blättern. Dann ist das auch okay. Es gibt übrigens auch ein Blättergeräusch.
Helen
Stimmt, das Blättergeräusch. Ich finde es auf jeden Fall mega spannend, und ich glaube, wir hätten auch fünf Folgen füllen können mit allem, was du so machst. Ich finde es richtig cool, dass wir es endlich geschafft haben, im Podcast auch mal mit dir über dich zu sprechen. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Und ich bin so gespannt auf diese Bilder – sag auf jeden Fall Bescheid, wenn du sie entdeckst, du bekommst ja vielleicht vorab Info. Auf jeden Fall in den Teamchat. Und dann müssen wir irgendwie ein Foto von Mädels, die lesen. davor machen. Ich fände es so gut, wenn es eine Litfaßsäule wäre – aber wer macht noch Litfaßsäulenwerbung? Ist das nur online, oder auch irgendwo offline? Die Displays, die in den Läden stehen: Ich muss einfach in eine Buchhandlung gehen, wo sie tolinos verkaufen, und dann steht es daneben. Vielleicht wird das dein neues Teambild auf der Website. Mir hat das auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, danke, Jasmin. Wir verlinken auch diese Buchtipps, die finde ich total spannend – von beiden hatte ich noch nie gehört. Und alles andere, was wir erwähnt haben, vor allem auch die tolino-Markenbotschafterin Jasmin, verlinken wir in den Show Notes, damit ihr seht, mit wem wir es hier zu tun haben. Und ansonsten: Wenn ihr in einem Verlag arbeitet, habt ihr sowieso mit Jasmin zu tun, wenn sie die Rezensionsexemplare anfragt. Ihr findet sie auch im Schmökerrunde-Chat und auf der Website. Ich fand das total cool, danke für diese etwas anderen Einblicke. Und jetzt würde ich sagen: Wir beenden unsere ostfriesische Teezeremonie, genießen noch ein bisschen die Sonnenstrahlen und verabschieden uns an dieser Stelle.
Jasmin
Sehr gerne. Vielen, vielen Dank.




