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Podcast · Folge 75
Ein Abend, in den ein Buch hineinpasst
Tina Lurz denkt sich für Verlage Veranstaltungen zu einzelnen Büchern aus. Wie sie dahin kam – und was der Beruf mit ihrem eigenen Lesen macht
Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise: Wo sitzen wir gerade zusammen, und welches Getränk hast du uns mitgebracht? Tina Lurz setzt uns an einen nicht näher definierten Ort in Skandinavien, wo nichts ist außer Natur und einer Hütte, und bringt Schwarztee mit Hafermilch mit. Passend für eine Folge, in der es viel darum geht, wie man einem Buch einen Ort baut.
Tina Lurz
Buchmarketing, Events und Moderation für Verlage · Podcasterin
Tina Lurz arbeitet selbstständig für Buchverlage: Sie entwickelt Online-Marketing-Konzepte zu einzelnen Titeln, plant Blogger*innen-Aktionen und Veranstaltungen und moderiert – online wie auf der Bühne. Sie hat Germanistik und Anglistik auf Lehramt begonnen, auf den Bachelor gewechselt und als Studentin in einer Buchhandlung gearbeitet. 2013 stieg sie bei LovelyBooks als Praktikantin ein und übernahm dort Marketing, Kommunikation und PR; den Instagram-Kanal hat sie damals selbst angemeldet. 2018 gründete sie mit einer Kollegin die Agentur Ehrlich und Anders, seit dem dritten Jahr arbeitet sie allein. Mit Anne macht sie den Podcast »Monatslese«, außerdem gehört sie zum Team des Berliner Verlags Almost Publishing.
Wie aus einem Roman ein Abend wird
Der Ablauf ist meistens derselbe: Ein Verlag kommt auf sie zu, mal mit einer sehr konkreten Vorstellung, mal mit fast nichts. Bei »Das Echo der Gezeiten« von Rebekka Frank hieß der Auftrag sinngemäß: Wir möchten gern etwas mit der Autorin machen. Daraus wurde eine Veranstaltung, die sie mit Menschen zusammenbrachte, die online über Bücher sprechen.
Ein Schema, das sie über verschiedene Titel stülpt, hat sie nicht. Sie arbeitet am Text: Was passt zu diesem Buch, zu dieser Geschichte, zu dieser Autorin? Bei »Happy Hour« von Marlowe Granados – ein Roman über zwei Frauen in New York, die ein bisschen lost und broke sind und sich trotzdem immer ihre Drinks mixen lassen – wurde daraus ein Abend in einer Bar, mit Cocktailkurs.
Der Punkt, an dem die Arbeit sich lohnt
Sie sagt selbst, dass sie vorher regelmäßig an dem Punkt sitzt, an dem sie denkt: Was ist das für ein Berg Arbeit, und lohnt sich das überhaupt? Der Moment, in dem es kippt, ist der Abend selbst – wenn Menschen im Raum stehen, von denen sich manche kennen und manche nicht, und das aufgeht, was sie sich ausgedacht hat.
So eine Welt zu erschaffen, wo das Buch reinpasst, die Protagonistinnen reinpassen – und die Atmosphäre des Romans irgendwie ins echte Leben zu übertragen.Tina Lurz
Ihr eigener Anspruch geht über den einzelnen Abend hinaus: Sie will, dass Leute aus einer Lesung herausgehen und sagen können, sie hätten eine Stunde lang Spaß gehabt – und nicht nur jemandem beim Vorlesen hinter einem Wasserglas zugehört.
Von der Buchhandlung über LovelyBooks in die Selbstständigkeit
Mit der Buchbranche hat sie sich erst spät im Studium beschäftigt. Angefangen hat sie auf Lehramt, Germanistik und Anglistik, hat das nicht beendet und auf den Bachelor gewechselt. Erst im letzten oder vorletzten Semester kam Online-Marketing als Thema vor – und weil sie ohnehin viel las und nebenbei in einer Buchhandlung arbeitete, lag die Verbindung nahe.
2013 stieg sie bei LovelyBooks als Praktikantin ein, in ein damals sehr kleines Team, in dem sie von Marketing bis Community-Management alles mitmachte. Praktikantin blieb sie nicht lange. Später kam das Moderieren dazu, weil sie für LovelyBooks Livestreams machte – anfangs mit großem Kamera-Equipment quer durch Deutschland –, dazu Blogger*innen-Treffen auf den Messen, 2014 und 2015.
2018 machte sie sich selbstständig, zunächst mit einer gemeinsam gegründeten Agentur, seit dem dritten Jahr allein. Ihr Angebot ist bewusst keine Liste: Sie fragt erst, was ein Verlag erreichen will und wen, und überlegt dann, was zum Buch passt. Auch ihren Instagram-Namen hat sie irgendwann abgelegt – der stammte noch aus 2010 oder 2011; heute läuft der Account unter ihrem Klarnamen.
Wie dieselbe Arbeit von innen aussieht, wenn sie fest angestellt in einem Verlag stattfindet, erzählt diese Folge über das Onlinemarketing eines Buchverlags.
Ein Buch, an dem sie selbst mitgearbeitet hat
Beim Berliner Verlag Almost Publishing gehört sie zum Team – entstanden ist das aus einem Kaffee mit einer der drei Gründerinnen und dem Gedanken, dass sie Lust auf eigene Projekte hätte. Sie hat vor allem Social Media, Kommunikation und Marketing übernommen und beim Projektmanagement mitgeholfen, etwa bei Cover-Fragen.
Wie viel das mit ihr macht, hat sie unterschätzt: Als sie auf der Leipziger Buchmesse die ersten Exemplare von »Dümpeln« * von Pola Schneemelcher in der Hand hielt, war das etwas anderes als ein Buch, an dem sie »nur« die Kampagne gemacht hat. Ihr eigener Nachsatz dazu ist allerdings ehrlich: Herzblut braucht nicht unbedingt das eigene Projekt – auch beim Echo-Event war es da, und sie kann selbst nicht rational festmachen, woran das liegt.
Arbeit oder Vergnügen? Wenn Lesen zum Beruf gehört
Ihr Alltag besteht zu einem großen Teil aus Schreibtischarbeit: Anfragen, Konzepte, Angebote, Rechnungen, Buchhaltung. Und Lesen ist dabei ständig beides. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, ist ihr Tablet voll mit Manuskripten und Druckfahnen, die sie für Konzepte lesen muss.
Der Gewinn daran: Bücher, zu denen sie ohne Anfrage nicht gegriffen hätte. »Check & Mate« von Ali Hazelwood nennt sie als Beispiel – sie las hinein, flog durch und fühlte sich gut unterhalten, aber gelesen hätte sie es in dem Moment sicher nicht. Bei anderen Titeln fällt beides zusammen: Anika Landsteiners »Sorry not sorry« hätte sie ohnehin gelesen – und hat es dann mit dem Hinterkopf gelesen, dass sie zwei Veranstaltungen dazu moderieren durfte.
Helen hält an dieser Stelle dagegen: Sie lehnt Leseexemplare inzwischen fast durchweg ab, weil Lesen unter Termindruck ihr den Spaß nimmt – für sie war Lesen von Anfang an das Mittel, um Stress abzubauen. Tina Lurz wählt heute ebenfalls deutlich mehr aus als am Anfang ihrer Selbstständigkeit, als sie in jedes Buch hineinlas und bei allem dachte: Das kannst du auch noch annehmen.
Zwei Bücher, die geblieben sind
Auf die Frage nach prägenden Büchern nennt sie zuerst »Die Frau des Zeitreisenden« von Audrey Niffenegger. Gelesen hat sie es mit 18 oder 19, auf einer Flusskreuzfahrt durch Russland mit ihrer Oma. Wiederlesen will sie es nicht – erinnern kann sie sich ohnehin eher an das Gefühl als an die Handlung, und lange hat sie das für ein Manko gehalten.
Das zweite sind die Bücher von Carlos Ruiz Zafón, die sie mit ihrem Vater gelesen und getauscht hat; den Übersetzer Peter Schwaar nennt sie im Gespräch von sich aus mit. Bei »Der Schatten des Windes« überlegt sie, ob sie es doch noch einmal lesen würde – und traut sich dann doch nicht so recht.
Aus jüngerer Zeit kommt eine Autorin dazu, die sie im Original liest: Charlotte McConaghy, »Migrations« und »Once There Were Wolves« – auf Deutsch »Zugvögel« * und »Wo die Wölfe sind« *, beide übersetzt von Tanja Handels. Helen hört an dieser Stelle zu und hält dagegen: Sie hat »Wo die Wölfe sind« als Hörbuch gehört, und es hat sie nicht gekriegt. Ihr eigener Gegen-Tipp ist »Leute von früher« * von Kristin Höller.
Dass ein Roman über das Erschaffen von Welten auch Helen gerade beschäftigte, hört man an ihrem Verweis auf »Morgen, morgen und wieder morgen« * von Gabrielle Zevin, aus dem Amerikanischen von Sonia Bonné.
Das Leseprojekt: Frauen, die in die Berge gehen
Nebenher sucht sie seit Jahren nach einer bestimmten Sorte Buch: Literatur über Natur, Outdoor und Berge – mit Frauen darin. Nicht als Frau, die von einem Mann gerettet wird, und nicht als Frau, die wegen einer Trennung loszieht. Romane dieser Art findet sie fast keine.
Was sie findet, sind Erfahrungsberichte – und die oft nicht als Neuerscheinung, sondern über Second-Hand-Plattformen. Gerade las sie »Klub Drushba« von Rebecca Maria Salentin, in dem die Autorin den Weg der Freundschaft von Eisenach nach Budapest läuft. Weitere Namen, die im Gespräch fallen: »Weite Wege Wandern« * von Christine Thürmer, »Wild« von Cheryl Strayed – auf Deutsch »Der große Trip« *, aus dem Amerikanischen von Reiner Pfleiderer – und »Das große Los« * von Meike Winnemuth, die nach einem Gewinn bei »Wer wird Millionär« je einen Monat in zwölf verschiedenen Städten wohnte.
Wo es aufhört, sagt sie, ist die Höhe: Bei Expeditionen und beim Bergsteigen findet sie kaum Frauen, die darüber geschrieben haben – jedenfalls nicht als Roman. Helens Vorschlag, das Buch dann eben selbst zu schreiben, nimmt sie lachend entgegen: Ambitionen habe sie gerade keine, aber wer sie antreiben wolle, dürfe sich melden.
Wenn du selbst überlegst, was du mit deiner Bücherliebe beruflich anfangen könntest, hörst du hier einen Weg, der so in keiner Stellenanzeige steht.
Die ganze Folge hören
Die Bücher aus der Folge
Vier Bücher, mit denen sie beruflich zu tun hatte, und drei, die sie privat geprägt haben oder gerade begleiten.
Das Echo der Gezeiten
Rebekka Frank
Der Titel, an dem sie im Gespräch durchspielt, wie so ein Auftrag anfängt: Der Verlag kam mit dem Wunsch, etwas mit der Autorin zu machen.
Happy Hour
Marlowe Granados, aus dem Englischen von Stefanie Ochel
New York, Bars, zwei Frauen zwischen lost und broke – daraus wurde ein Abend in einer Bar mit Cocktailkurs.
Check & Mate – Zug um Zug zur Liebe
Ali Hazelwood, aus dem Englischen von Melike Karamustafa
Ihr Beispiel für ein Buch, das sie ohne Anfrage nicht in die Hand genommen hätte – und durch das sie dann durchgeflogen ist.
Sorry not sorry
Anika Landsteiner
Hätte sie ohnehin gelesen – und hat es dann gelesen im Wissen, dass sie zwei Veranstaltungen dazu moderiert.
Die Frau des Zeitreisenden
Audrey Niffenegger, aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit
Gelesen mit 18 oder 19 auf einer Flusskreuzfahrt mit ihrer Oma. Bleibt im Regal – wiederlesen will sie es nicht.
Der Schatten des Windes
Carlos Ruiz Zafón, aus dem Spanischen von Peter Schwaar
Zafón hat sie mit ihrem Vater gelesen und getauscht. Den Übersetzer nennt sie im Gespräch von sich aus mit.
Klub Drushba
Rebecca Maria Salentin
Ihre aktuelle Lektüre während der Aufnahme: die Autorin läuft den Weg der Freundschaft von Eisenach nach Budapest.
*Mit Sternchen markierte Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts. »Happy Hour« lag zum Zeitpunkt der Aufnahme nur auf Englisch vor; verlinkt ist die inzwischen erschienene deutsche Ausgabe.
Häufige Fragen
Was macht Tina Lurz beruflich?
Sie arbeitet selbstständig für Buchverlage: Online-Marketing zu einzelnen Titeln, Blogger*innen-Aktionen, Veranstaltungen – und Moderation, online wie auf der Bühne. Ein festes Leistungspaket bietet sie bewusst nicht an; sie fragt erst, was ein Verlag mit einem Buch erreichen will, und entwickelt daraus ein Konzept.
Wie entsteht ein Event zu einem Buch?
Meistens kommt der Verlag auf sie zu – manchmal mit einer sehr konkreten Idee, manchmal nur mit einem Wunsch wie »wir möchten etwas mit der Autorin machen«. Sie arbeitet dann am Text entlang: Was passt zur Geschichte, zur Atmosphäre, zur Autorin? Bei einem Roman über New Yorker Nächte wurde daraus ein Cocktailkurs in einer Bar.
Wie komme ich ins Buchmarketing?
Ihr eigener Weg war keiner, der irgendwo ausgeschrieben stand: Lehramtsstudium, das sie nicht beendet hat, Bachelor mit einer ersten Berührung mit Online-Marketing, nebenbei eine Buchhandlung, dann ein Praktikum bei LovelyBooks, aus dem eine Stelle wurde. Das Moderieren kam über Livestreams dazu, die Events über Blogger*innen-Treffen auf den Messen.
Macht Lesen noch Spaß, wenn es zum Beruf gehört?
Bei ihr verschwimmt es. Es gibt Phasen im Frühjahr und im Herbst, in denen ihr Tablet voll mit Manuskripten und Druckfahnen ist und sie unter Termindruck liest – das ist dann Arbeit. Gleichzeitig entdeckt sie durch Anfragen Bücher, zu denen sie sonst nie gegriffen hätte. Helen hält es umgekehrt und lehnt Leseexemplare inzwischen fast durchweg ab.
Welche Bücher haben Tina Lurz geprägt?
»Die Frau des Zeitreisenden« von Audrey Niffenegger, gelesen mit 18 oder 19 auf einer Reise mit ihrer Oma, und die Bücher von Carlos Ruiz Zafón, die sie mit ihrem Vater getauscht hat. Aus jüngerer Zeit nennt sie Charlotte McConaghy, die sie im Original liest.
Wo finde ich Romane über Frauen in den Bergen?
Genau das ist ihr Leseprojekt – und ihre Antwort ist ernüchternd: Romane dieser Art gibt es kaum, jedenfalls keine, in denen die Frau nicht gerettet wird oder wegen einer Trennung loszieht. Was es gibt, sind Erfahrungsberichte, oft nur noch antiquarisch. Sie nennt unter anderem Christine Thürmer, Cheryl Strayed und Rebecca Maria Salentin.
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Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.
Helen
Herzlich willkommen, Tina. Ich freue mich sehr mit dir heute über … Ja, deinen … Deinen Berufsalltag. Wir haben darüber gesprochen, wie schwer das einzugrenzen ist. Darüber zu sprechen, was du mit Büchern so machst und was du da alles auf die Beine stellst. Und bevor wir damit starten, hab ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Tina Lurz
Hallo, schön, dass ich hier sein darf, erst mal. Wir sind in einem nicht an einem nicht näher definierten Ort irgendwo in Skandinavien. Wo nichts ist außer Natur und eine Hütte. Und wir sitzen vor dieser Hütte auf einem Baumstamm und trinken aus unseren Camping-Tassen einen Schwarztee mit Hafermilch.
Helen
Das klingt so richtig gut. Ich wollte auch noch fragen, ob wir mit unseren Vans da sind.
Tina Lurz
Da kommt man gar nicht mit Vans hin. Wir sind hingelaufen.
Helen
Wir sind hingelaufen. Richtig, richtig gut. Dann würde ich sagen, stoßen wir erstmal an. Ich habe tatsächlich eine Vorbereitung auf die Folge, weil das hattest du ja vorher angegeben, dass du mit Schwarztee und Hafermilch kommen wirst. Hatte ich gedacht, okay, weil ich, das kam glaube ich tatsächlich noch kein Mal vor und ich liebe, ich trinke jeden Tag Schwarztee. Und ich hab den wirklich auch als Kleinkind in der Flasche bekommen. Aber ich liebe Schwarztee. Aber ich hab den noch nie mit Hafermilch getrunken. Und ich dachte, okay, das ist heute der Tag, wo ich das mal testen muss. Ich mach jetzt mal die Geschmacksprobe. Was ich vielleicht nicht bedacht habe, ist, dass der das ein bisschen süßer macht, noch, glaube ich, ne? Und ich süße meinen Tee. Also, es ist jetzt gut gesüßt. Aber ich finde es gar nicht so schlecht. Vielleicht wechsle ich jetzt.
Tina Lurz
Trinkst du ihn grundsätzlich mit Milch?
Helen
Ja, immer mit Milch. Ja, mit Kuhmilch, aber immer mit Milch. Aber das wäre ja eigentlich eine Idee. Ich finde es jetzt auch gar nicht mal so anders. Und vor allen Dingen, weil also the struggle is real. Ich mag nicht so gerne haltbare Milch. Und ich mag eigentlich, ich bin da sehr speziell. Ich mag dann nur die 1,5 Prozent Fett. Und ich bin das ganz schnell so voll eklig irgendwie.
Tina Lurz
Ich hab auch lange gebraucht, bis ich zur Hafermilch gekommen bin. Ich hab auch ganz lange mit Kuhmilch getrunken. Und dann, weil ich aber sonst dann immer auf Hafer oder Erbse oder was halt sonst so gibt, umgestiegen bin, hab ich mich durch ganz viel durchgetestet. Und am Anfang weiß ich noch, als ich das angefangen hab, mit dem Pflanzlichen, das ist der Plural von Milchs, immer die Frage von Milch, Milchs, Milche. Na ja, medere Milchsorten. Ich probiert hab, da war mir Hafermilch dann zu sehr wie ich hab mein Müsli in meinem Tee. Und deswegen hab ich, ich weiß gar nicht, was das dann war, Erbsen und noch irgendwas gemischt immer getrunken und irgendwann mich zurückgewechselt zur Hafermilch und dann war es gar nicht mehr so schlimm.
Helen
Man gewöhnt sich an alles. Aber ich finde das gar nicht mal so schwierig. Ich glaub, ich könnte mich dran gewöhnen. Ich werde mal eine Weile testen. Aber ich find's erst mal ganz gut. Ich hatte auch mal eine Zeit lang. Das hab ich irgendwie als Trend irgendwo gesehen. Dafür bin ich ja volles Marketingopfer. Irgendwer meinte, es schmeckt wie Nutella. Wenn man Haselnussmilch in den Kaffee macht, fand ich gar nicht. Aber hier bin ich jetzt erst mal pro. Ich bleibe jetzt erst mal bei. Find ich sehr gut. Danke dir.
Tina Lurz
Ja, immer gerne, wenn's das ist. Das wirklich mein Go-to getränk, was ich immer, immer trinke.
Helen
Aber ungesüßt dann?
Tina Lurz
Ungesüßt, ja. Und ich versuche tatsächlich auch immer, mir Tee aus UK zu importieren, wenn's geht. Also ich hab so diese, kennst du diese Teebeutel, diese ohne…
Helen
Pyramiden? Ja, oder die Flächen. Welchen nimmst du?
Tina Lurz
Also gerade habe ich Tetley. Ich habe immer diese PG Tips, Die habe ich gerade im Camper. Die habe ich gerade im Camper. Ich hatte das aber auch… So comfort-food-mäßig. Genau, für mich auch. Ich schmeiß da diesen Beutel rein, Wasser drüber und alles ein Stück besser. Ich habe gerade im Camper diese Dreiecke PG Tips. Und ich hab gelernt, als ich auf Sri Lanka war vorletztes Jahr, und da ist ja auch riesiges Teeanbaugebiet, dass wirklich exportiert wird die beste Sorte Tee sozusagen, also die beste Qualität. Und die günstigsten werden vor Ort quasi, oder die schlechteste Qualität wird vor Ort getrunken. Und die schlechteste Qualität in Anführungszeichen ist auch die stärkste. Und mir hat tatsächlich die schlechteste, schrägstrich stärkste Qualität am besten geschmeckt. Deswegen habe ich kein Problem damit, die günstigen Tee-Packungen quasi auszukaufen, weil ich das gerne mag, wenn es ein bisschen stärker ist, aber dann auch nur eben mit Milch drin.
Helen
Ich muss ihn immer wieder abschwächen. Oh, nee, kann ich mir gar nicht vorstellen. Da hört die Toleranz an, ehrlich gesagt, auf.
Tina Lurz
Ja, sehe ich genauso.
Helen
Aber richtig gut, wo wir jetzt einmal das Fass aufgemacht haben, einmal kurz den Tee-Talk abgehakt. Richtig gut. Ich habe dich gefragt, ob du in den Podcast kommen magst, als wir zusammen bei dem Blogger*innen-Event in Leipzig waren, wo du mich im Grunde eingeladen hast im Namen der Fischer Verlage. Und da war es auch mega schön. Da hatte ich ausnahmsweise, glaube ich, keinen Tee, sondern irgendwie so weiße, heiße Schokolade. War auch ganz toll. Alle zusammen in einem Café, haben über Bücher gequatscht, gibt ja im Grunde nichts Besseres. Und ich fand das irgendwie mega cool, wie du das da organisiert hast. Und ich hab einfach generell jetzt schon öfter mitbekommen, dass du ziemlich coole Ideen rund um Bücher hast. Und ich dachte, boah, das ist schon toll, weil man sich da auch so kreativ austoben kann. Ich dachte, darüber müssen wir mal ein bisschen sprechen. Weil du hattest mich auch noch gefragt für Koblenz. Habe ich sehr große Fomo verspürt, das sah ja mega geil aus. Ich glaube, es wurde angeteasert als so, irgendwie du wirst die Buchhandlung sehen, wie du noch nie eine Buchhandlung gesehen hast. Und alle, die nicht das erzählt haben, die meinten ja ohne Bücher oder wie. Keiner ist auf das gekommen, was ist denn am Ende bei uns da so toll aus. Also vielleicht erzähl mal, wie läuft so was? Also du bekommst irgendwie wahrscheinlich erst mal einen relativ offenen Vorschlag oder so von einem Verlag und wie überlegst du dir dann so ein Konzept für ein Buch?
Tina Lurz
Also wir können es ja vielleicht mal wirklich auch an dem Beispiel, in dem Kontext, in dem wir jetzt gesprochen haben oder was du jetzt erzählt hast, das war eben »Das Echo der Gezeiten« von Rebekka Frank. Und da kam der Verlag auf mich zu. Und hat gemeint, sie möchten gerne was machen mit der Autorin. Weil die Autorin eben auch … Du kennst sie, die ist einfach ein Schatz. Also, ganz tolle, warme Ausstrahlung auch. Also, ich möchte immer stundenlang mit ihr sprechen, einfach. Und das war da so ein bisschen die Grundidee quasi. Und das dann eben sie mit Menschen zusammenbringen, die online über Bücher sprechen und da dann das Gespräch sozusagen offline wie online rüberzubringen. Und das war dann so ein bisschen der Anstoß. Und ja, in der Regel sind auch die Anfragen sehr, erst mal, vage, manchmal sehr konkret. Also es ist ganz unterschiedlich. Ich arbeite auch sehr individuell. Also ich mache keine, ich habe kein Schema, was ich dann über unterschiedliche Buchtitel stülpe, weil ich sehr gerne am Text arbeite und an dem, ja so wie es halt zu dem Buch, zu der Geschichte, in dem Fall dann auch noch konkret zur Autorin passt. Und deswegen gibt es da irgendwie jetzt nicht so, dass ich sage, okay, erst das, dann das und dann so ein Ablaufplan, sozusagen. Und ich freue mich immer sehr, wenn die Verlage mir auch den Freiraum geben, erst mal ganz groß zu denken und kreativ zu werden. Und tatsächlich gab es auch jetzt im Fall vom Echo noch verschiedene andere Ideen und oft ist es tatsächlich ein ja, unterschiedliche Möglichkeiten ausloten und dann schauen, was an dem Termin, mit den Menschen und unter den Umständen wirklich machbar ist und manchmal ist es genau die Idee vom Anfang, die dann umgesetzt wird. Manchmal ist es eine ganz andere Idee, die sich so entwickelt hat. Das ist selber, finde ich selber… Das ist manchmal spannend, wie sich das so entwickelt. Das ist aber immer ein wahnsinnig schönes Gefühl, am Ende zu sehen oder dabei zu sein in den allermeisten Fällen, was ich da organisiert habe und was ich gemeinsam mit den Verlagen mir da erdacht habe. Das ist natürlich auch immer ein Punkt, dass nicht ich da alles entscheide und alle Ideen alleine reinbringe. Also es ist auch von Verlag zu Verlag unterschiedlich und von Thema zu Thema, je nachdem wie konkret die Vorstellungen eben schon sind. Aber das passiert natürlich alles immer mit gemeinsam in Absprache, mit den Verlagsmitarbeitenden und das auch immer schöne Zusammenarbeit.
Helen
Ja, also ich finde es mega cool auf jeden Fall anzusehen, also auch zu dem Buch »Happy Hour«, glaube ich, ist das. Auch mit diesen Luftballons und dann habt ihr irgendwie eine wirklich happy hour. Ich finde das halt einfach so cool, weil das ist der Anteil, den ich auch bei Mädels, die lesen. So richtig richtig cool finde, wenn man für ein Buch sich ja verschiedene Formate oder Events irgendwie überlegt, die zum Text irgendwie passen und so. Ich habe da voll viel Spaß dran. Ich hab letztens, ich weiß nicht, ob du das gelesen hast, wie heißt das auf Deutsch? »Morgen, morgen und wieder morgen«? Also »Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow«. Ah ja, ja. Ja. Und ich hab mich da total daran wiedergefunden. Ich spiele überhaupt keine Videospiele. Also früher hab ich ganz viel Sims gespielt, aber davon halte ich mich extra sehr weit fern. RollerCoaster Tycoon hab ich auch schon. Nee, kenn ich nicht. Ich hab genug Stunden mit den Sims verbracht, um jetzt keine Videospiele mehr anzufassen. Weil ich weiß, ich kann dann Stunden da drinnen versinken. Aber ich fand das so faszinierend, weil da wird so ein bisschen … Von dieser Welt der Videospiel … Erfinder oder so erzählt. Und ich hab ein bisschen gedacht, ja, ich glaub, das ist ein bisschen das, was ich mit Mädels, die lesen. Mache. Ich erschaffe irgendwie einfach so eine Fantasiewelt. Ich glaube ein bisschen davon habe ich irgendwie auch einfach in deinen Events gesehen Es ist natürlich immer Arbeit also das ich will das gar nicht klein reden aber sieht halt einfach trotzdem auch nach viel Spaß aus. Und das ist schon toll oder wenn man sowas gefunden hat was das einfach dann auch Spaß bringt.
Tina Lurz
Das bringt mir total viel Spaß. Gerade da, wie du sagst, dieses Individuelle, bei »Happy Hour«, wo es um New York und Bars und Nightlife geht, und zwei Frauen, die ein bisschen lost und broke sind, aber eben immer sich ihre Drinks mixen lassen und so da dann das in der Bar zu machen, mit einem Cocktailkurs. Und da, ja, das alles so, wie du sagst, so eine Welt zu erschaffen, wo das Buch reinpasst, die Protagonistinnen reinpassen und die Atmosphäre des Romans, irgendwie ins echte Leben zu übertragen, aber natürlich in so einem begrenzten Zeitraum, in so einem kleinen Kosmos, sag ich mal. Ich freu mich immer, wenn dann viele Menschen da eben reintauchen für den Abend. Und das dann auch natürlich nach draußen getragen wird. Und offensichtlich ja auch, weil dir dann so … Voll. … Vor dem Handy ankommt. Ja, sehr cool. Und es ist schon sehr schön. Es gibt immer mal Momente natürlich, Ich bin ganz ehrlich, in dem ich im Vornherein mir denke, was ist das für ein Arsch voll Arbeit? Und lohnt sich das überhaupt? Macht es überhaupt Sinn? Und … Und überhaupt? Aber spätestens, wenn ich dann auf diesem Event stehe, Menschen versammelt habe, teilweise, die sich auch noch gar nicht kennen, teilweise Menschen, die sich schon kennen. Und dass dann einfach, wenn es aufgeht, was ich mir da erdacht habe, was wir so zusammen gebastelt haben. Und das ist dann einfach ein wahnsinnig schöner Moment. Und ein schöner, kleiner Reward auch für die Arbeit im Vornherein. Das muss ich schon sagen. Ja, und macht natürlich wahnsinnig Spaß. Auch sagen die Buchmenschen sind wahrscheinlich die nettesten Menschen auf der Welt. Und dann ein paar Stunden oder sogar mal eben das ganze Wochenende in Koblenz mit Menschen verbringen zu können, ist natürlich wahnsinnig schön. Und da sind auch wirklich Freundschaften schon entstanden von mir und auch unter den Menschen. Das kommt dann das Herz wieder mit rein. Aber das ist immer bei dem Punkt, was du auch gerade vorhin schon angesprochen hast. Ist wirklich ein bisschen ein Übergang. Ja, voll.
Helen
Aber ich find's voll cool. Also, ich find das super inspirierend, sich anzuschauen. Weil ich das … So was find ich einfach klasse, wenn man so ein bisschen auch … Sich eine eigene Nische im Grunde schafft. Weil ich weiß gar nicht, ob's das vorher schon so groß gab. Jetzt hab ich so hin und wieder so was mal gesehen, aber du machst das ja auch schon eine Weile. Und ich hab ein bisschen den Eindruck, als hättest du dir da eben einfach eine eigene Nische mit geschaffen.
Tina Lurz
Ja. Ja. Ich glaube, es gibt schon mehr Menschen als nur mich, die im Social Media Marketing aktiv sind für Buchverlage und auch mit Fokus auf Buchverlage, weil das ist der große Punkt. Also ich mache wirklich zu mittlerweile 100 Prozent Online-Marketing, Blogger*innen-Aktionen, Events und so weiter für Buchverlage. Und das ist ein bisschen das, was meiner Meinung nach die Verlage auch brauchen. Zum einen Input schon von außen, aber zum anderen das Wissen, wie die Branche funktioniert, wie Verlage funktionieren und so weiter. Und da würde ich schon sagen, Ich bin jetzt seit 2018 selbstständig – erst mit der Agentur, die ich zusammen mit Irmi gegründet habe, mit Ehrlich und Anders und jetzt seit, bitte jetzt das dritte Jahr, selbstständig. Soloselbstständig sozusagen. Und ja, das hat sich dann irgendwie so ein bisschen rauskristallisiert, auch dadurch, dass ich eben noch nie gesagt habe, ich biete das, das, das und das an, fix, sondern immer gesagt habe, hey, was ist denn euer Ziel? Was wollt ihr erreichen? Wen wollt ihr erreichen? Und dann überlege ich, auf welche Art und Weise, wie es zum Buch passt, wie es zur Geschichte passt und ja, wie es einfach gesamtstimmig ist, auch vielleicht mit anderen Maßnahmen, die noch getroffen werden, um dann eben das Ziel zu erreichen.
Helen
Ja. Und also war dir das irgendwie schon früher klar, dass das, also dass du in die Buchbranche gehst? Oder also wie ist das so gekommen?
Tina Lurz
Wie ist das gekommen? Also Ich habe sehr spät in meinem Studium mich angefangen mit der Buchbranche zu beschäftigen. Ich habe tatsächlich erst auf Lehramt studiert, Germanistik und Anglistik. Klassiker und habe das dann aber nicht beendet und habe in einem meiner, also habe gewechselt quasi auf das Bachelorstudium dazu und habe da erst im letzten oder vorletzten Semester mit Online-Marketing zu tun gehabt. Da ging es um Online-Marketing und Textbegriffe in Social Media und überhaupt online Web 2.0 damals noch long time ago. Und da war überhaupt erst mal so, aha, online, cool. Ja, stimmt ja, könnte man auch. Und dann ist es so ein bisschen der Bezug direkt gewesen zu Büchern, weil ich einfach schon immer gerne gelesen habe. Und dann habe ich auch in der Buchhandlung gearbeitet als Studentin. Genau. Und irgendwie kam dann so eins zum anderen. Ich habe dann mit Instagram angefangen auch über Bücher zu posten und bin dann 2013 glaube ich bei LovelyBooks als Praktikantin eingestiegen. Okay. Und da habe ich erst mal… Wie das alles zusammenhängt. Ja, irre. Und da habe ich aber erst mal quasi alles so ein bisschen gemacht, weil es halt damals noch ein super kleines Team war. Und als Praktikantin habe ich das ja wirklich von Marketing, Produkt, ja Community Management habe ich irgendwie alles mitgemacht. War aber nicht lange Praktikantin, sondern bin da sehr schnell übernommen worden, weil eine Stelle frei wurde, die gepasst hat. Gepasst hat und da hab ich dann ja all in im Endeffekt das Marketing-Kommunikation PR nach außen übernommen und da in dem Zuge auch Instagram aufgebaut. Also den Instagram-Kanal hab ich damals angemeldet. Ja, krass, ja. So lange ist es her. Und irgendwie kam dann eines zum anderen. Also dann, ich merkte dann eben okay, aus den vielen Bereichen bei LovelyBooks ist dieses Marketing, Aber auch Community, das hat sich dann so entwickelt, dass ich zum Beispiel auch in dem Zeitraum angefangen hab, zu moderieren, weil ich für LovelyBooks Livestreams moderiert habe. Da hab ich dann eben die ja auch schon erste Events organisiert, Blogger*innen-Treffen damals, 2014, 2015 auf den Messen. Und eben ja, mit Blogger*innen damals schon gearbeitet. Und dann kam irgendwie, hat sich das immer weiter rauskristallisiert, dass das das ist, was mir Spaß macht. Glaube ich ganz gut bin und ja irgendwie entwickelt sich Ich sag auch immer, ob ich in fünf Jahren den gleichen Job mache wie jetzt. Ich hab auch jetzt teilweise einen anderen Fokus, als ich 2018 dachte, in meiner Selbstständigkeit haben zu werden. Das mag ich aber auch gerne. Also ich schau, was eben gut fürs Buch ist, gut für die Sichtbarkeit von Büchern und wie wir als Buchmenschen die Leser*innen da draußen erreichen und wie man das vielleicht auch mal auf eine neue kreative, innovative Art tun kann.
Helen
Ja, richtig, richtig cool. Also ja, ich finde das vor allem so verrückt, wenn du dann von Zeiten erzählst, wo ich halt noch nicht mal wusste, dass es überhaupt eine Buchbranche gibt, vielleicht aber so ein Bookstagram habe ich 2020 entdeckt und dachte, ach, okay, wow, hier gibt es eine ganze Welt an Leser*innen. Deswegen total spannend, wie lange das schon zurückreicht. Aber so Livestreams bei LovelyBooks, die du moderiert hast, habe ich auf jeden Fall auch noch gesehen.
Tina Lurz
Also das habe ich lange gemacht. Das habe ich auch lange noch in meiner Selbstständigkeit dann gemacht. Da haben sie mich quasi als Moderatorin angefragt und gebucht, sozusagen und für die auch noch auf Instagram Live Streams gemacht. Ganz am Anfang waren die Live Streams tatsächlich über Website und dann über YouTube und also wirklich mit, da sind wir teilweise mit riesen Kamera-Equipment quer durch Deutschland gereist und haben dann vor Ort irgendwo Live Streams gemacht, die teilweise die Autor*innen auch selber moderiert haben oder selber gemacht haben. Aber so an, ja, ein, zwei Lesungen, die wir auch im Büro in in München hatten bei LovelyBooks, da hab ich mich dann selbst vor die Kamera noch platzieren sollen.
Helen
Ja krass.
Tina Lurz
Das ist jetzt grad ein kleiner Walkdown Memory Lane.
Helen
Ja, aber echt? Also einfach auch super cool zu sehen, wie sich das entwickelt. Ich mein, das war ja dann auch noch, den hattest du wahrscheinlich von Anfang an, den Instagram-Account-Revolution, Baby, Revolution, der sich jetzt einen anderen Namen trägt.
Tina Lurz
Ich hab den mal abgelegt, den Namen, den ich 2010 mir gegeben oder elf mir gegeben habe.
Helen
Voll krass. Jetzt ist der Klarname. Ja, also genau können wir ja an der Stelle einmal kurz sagen. Man findet dich jetzt unter tina_lurz, glaub ich.
Tina Lurz
Zwei Unterstriche sogar.
Helen
Ah ja, das hab ich bei meinem Namen auch leider. Also ich hab noch einen anderen Account, der inaktiv ist. Aber den hatte ich dann auch irgendwann meinen Namen ändern wollen. Würde man ja nicht meinen bei Helen Daughtrey, aber war nicht mehr frei. Braucht ihr auch zwei Unterstriche? Würde man bei Tina Lurz auch nicht meinen. Ja, stimmt eigentlich.
Tina Lurz
Doch gängiger als gedacht.
Helen
Ja. Also wer weiß, was sich da noch so entwickelt, aber ich meine, du machst auch jetzt einfach wahnsinnig viel, du machst diese Events, du machst ja auch noch Moderation sowohl online als auch offline. Du bist bei diesem Buchprojekt irgendwie mitinvolviert gewesen, dieses Buch, was ich irgendwie verpasst habe und was du auf der Messe dabei hattest und deswegen habe ich es mir dann auch bestellt. Ich habe es leider immer noch nicht gelesen, aber ich finde, das sieht super cool irgendwie aus, also »Dümpeln« an der Stelle, von Pola Schneemelcher und ich finde, dass der Klappentext auch super spannend klingt. Wie warst du da involviert? Was war da deine Rolle oder ist deine Rolle?
Tina Lurz
Da bin ich insofern involviert, als dass die Gründerinnen von Almost Publishing, das ist ein Indie-Verlag aus Berlin, die kenne ich über die Buchbranche, über Instagram teilweise und die haben, jetzt muss ich grad mal überlegen, wie war das dann? Ich war mit Karina Kaffee trinken, das ist eine von den drei Gründerinnen, Karina Elm, die hat dann, da haben wir so ein bisschen rumgesponnen sozusagen und ich habe gemeint, ich habe Lust auf auch eigene Projekte und irgendwie, es war gerade in der Zeit, als ich von der Agentur, die ich ja selbst gegründet hatte, wo ich überlegt habe, ob ich das Sinn mache, dass ich da jetzt doch mich wieder raus bewege und da war nämlich dieses Jahr, ich hab auch Lust, eigene Projekte zu machen. Und wenn man halt so viele Mitarbeiter hat, wenn man so an so einem großen etwas mit dran hängt oder das eben mit leitet, dann ist da der Fokus dann einfach noch mal ein anderer, als wenn ich jetzt für mich hier so meine Projekte verfolge. Und da war das dann auch mit unter so einem Punkt so, ja was eigenes und mal gucken und so. Und sie hatte mich dann gefragt, ob ich nicht Lust hätte für oder mit den Dreihen und dann kam haben auch noch eine fünfte Person, Juliane, von Poesie Rausch. Mhm. Kamen dann auch noch mit dazu und wir zwei unterstützen quasi die Gründerinnen, so eigentlich so ein bisschen bei einem was anfällt. Also ich hab natürlich vor allem Social Media Kommunikation, solche Sachen Marketing übernommen, hab auch ein bisschen beim Projektmanagement sage ich jetzt mal so was Cover Sachen angeht.
Helen
Ja, bei so einem kleinen Team springt man rein, wo es irgendwie gebraucht wird.
Tina Lurz
Genau, weil ich unterstütze quasi die drei Gründerinnen, bin da jetzt gar nicht irgendwie, bin quasi Teil des Teams sozusagen.
Helen
Und wie war dieses Gefühl, dann das Buch tatsächlich … Weil da ist ja schon was anderes, als andere Bücher in den Händen zu halten.
Tina Lurz
Total, total. Also, es war, dadurch, dass es ja nicht mein Verlag ist, sondern ich eben da quasi unterstütze, erst gedacht, so ja, schau mal mal, es ist definitiv was anderes, weil ich einfach wahnsinnig viel mehr involviert bin und auch emotionaler noch mehr involviert bin, weil ich einfach, ja, auch weiß gar nicht, wie lange wir an dem Projekt insgesamt gearbeitet haben. Das sind wirklich, ja, lange intensive Arbeitsstunden auch zusammen, viele Zoom-Calls und so weiter. Und deswegen habe ich es ehrlich gesagt unterschätzt. Aber als dann, ich es auf der Leipziger Buchmesse jetzt dieses Jahr. Gab's die ersten Exemplare und Karina hat mir das dann dahin gehalten. Ich hab wirklich gedacht, oh krass, da hab ich einfach von Anfang bis Ende irgendwie mitgearbeitet, auch wenn ich jetzt natürlich nicht zum Beispiel am Text aktiv mitgearbeitet habe. Aber ja, das ist einfach schon. Da steckt ein ganz, ganz fetter Klotz Herzblut mit drin und es ist schon sehr, sehr cool. Aber auch muss man auch dazu sagen, jetzt, um jetzt wieder zum Beispiel auf das Echo Event zu kommen, das habe ich schon auch gemerkt. Es müssen auch nicht immer die eigenen Projekte sein, um da richtig Herzblut entwickeln oder reinstecken zu können dafür. Also es ist schon Ich kann auch gar nicht sagen, woran das dann liegt oder wie das dann kommt. Das kann ich gar nicht rational festmachen. Aber ja, es gibt schon krasse Projekte. Und »Dümpeln« war definitiv eins oder ist definitiv eins. Das ist ja auch immer noch am Laufen. Gerade im April auch erst erschienen. Ja.
Helen
Crazy. Voll cool. Also ich hab mir das jetzt auf den Stab hergelegt. Ich fahr nächste Woche in den Urlaub. Ich hoffe, dass ich da da zukomme.
Tina Lurz
Vielleicht.
Helen
Ich hab immer das Gefühl, ich bin immer nicht so schnell wie … Ich bin deutlich schneller als in meinem Freundeskreis Aber so schnell bin ich jetzt irgendwie auch nicht. Und hier kommen immer so viele neue Bücher an. Aber ich will das eigentlich gerne lesen, um es danach meiner Schwester zu geben. Weil die erst vor ein paar Wochen hab ich das Gefühl. In Vietnam waren und so. Das wäre jetzt perfekt. Ich würde mich auch interessieren, was Sie dann sagt.
Tina Lurz
Ja, ja. Dann müssen Sie mich dann mal updaten. Ja, schiege ich dir ein Update. Allerdings bis sie das gelesen hat. Du wirst es auch noch machen. Kein Problem. Ich melde mich dann. Genau. Egal wann.
Helen
Du machst aber ja auch noch, also wahrscheinlich auch noch wahnsinnig viele andere Dinge, die ich irgendwie nicht auf dem Schirm habe, Du machst ja auch noch den Podcast mit Anne zusammen und das ja auch schon eine Weile. Ich glaube, ich hatte jetzt gesehen, es ist jetzt die 50. Folge. Krass, ne? So eine Jubiläumsfolge. Ja. Und ja, ich meine irgendwie auch das wirkte ja eigentlich eher wie so eine spontane Idee. Keine Ahnung, wie lange ihr das überlegt habt, bevor ihr angefangen habt. Aber es ist ja jetzt auch wahnsinnig gewachsen und ihr bringt einmal ein Monat eine Folge raus. Monatslese-Podcast übrigens. Ja, wie hat sich das auch entwickelt? Also ich mein irgendwie so, du steckst ja jetzt eigentlich mit allen Fühlern in der Buchwelt, wenn ich behaupte. Ja. Also dein Alltag ist ja wahrscheinlich auch ganz, ganz viel Bücher. Aber wie war das so? Wie hat sich das vielleicht auch verändert zu dem, was ihr am Anfang dachtet, was der Podcast war?
Tina Lurz
Ja, also der hat sich definitiv auch krass entwickelt. Inhaltlich wie auch einem drum herum so. Es hat sich tatsächlich aus einem Livestream entwickelt damals, weil Anne und ich mal angefangen hatten. Jetzt jedes Mal vergesse ich es, wie lange wir uns schon kennen. Aber wir haben uns auch, ich glaube auf irgendeiner Frankfurter Buchmesse mal kennengelernt. Dann haben wir dort ein Livestream zu einem Buddy-Read gemacht. Und irgendwie war da gleich ein Vibe. Dieses wir wollen mehr miteinander sprechen, wir wollen mehr über Bücher sprechen. Überhaupt haben wir sehr viel, ja, one-to-one über Bücher. Und auch Feelings, der Podcast über Bücher und Feelings gesprochen. Und das war dann so okay. In welchem Format könnte man das dann tun? Und dann war so ein bisschen diese Podcast-Idee. Damals war so ein bisschen gerade der Hype rund um Podcasts. Und da war so gefühlt jede zweite Person hat ein Podcast gemacht. Und haben gedacht, was machen wir das jetzt auch? Aber wir haben dann gesagt, doch, jetzt wir probieren es einfach. Und haben dann Anfang 2020, Januar 2020 haben wir angefangen, mit der ersten Folge. Und hatten damals auch noch ein bisschen ein anderes Konzept. Anderes Konzept. Also mittlerweile machen wir immer zu Beginn eine Eisbrecherfrage, die Anne oder ich stellen, der jeweils anderen Person, die in der Regel über irgendwelche Feelings geht, die wir eben im vergangenen Monat so hatten und oft dann auch ganz organisch entweder zu einem Buch überleitet, was wir gelesen haben oder die oft auch eine Frage ist, die die andere Person auch beschäftigt hat oder ein Thema anreisten. Das verstehe ich bis heute manchmal nicht, wie das sein kann, dass wir in den Monaten, in denen wir wenig kommuniziert haben, dass es dann aber trotzdem sehr viele Schnittmengen gibt oder sehr große Schnittmengen gibt zwischen dem Themen, die uns beschäftigt haben oder ähnliche Gedanken oder … Und auch total süß, weil wir sehr oft auch Nachrichten bekommen von Menschen, die sagen, krass, dass ihr genau darüber gesprochen habt. Das hat mich voll abgeholt, weil mir geht's gerade ähnlich. Das beschäftigt mich auch gerade. Ich find' ich so schön, dass ein Podcast das so macht und so kann. Und das ist auch so ein bisschen die Bestätigung von der Grundidee, das einfach an und ich gesagt hab, wir sprechen so viel, wir sprechen, wir haben Gespräche, die für uns ganz persönlich sehr bereichernd sind. Warum das nicht auch teilen.
Helen
Ja, voll. Und genau das bestätigen viele von den Monis und immer mal wieder in Nachrichten und das ist total schön zu sehen.
Tina Lurz
Genau. Und ja, erst haben wir auch gesagt, wir machen es jetzt mal ein Jahr und dann schauen wir mal. Und dann haben wir wirklich die ersten, ich glaube, zwei Jahre immer gesagt, machen wir es weiter. Ja, machen wir weiter. Und mittlerweile, ich glaube jetzt das zweite oder dritte Jahr, das zweite Jahr, was wir jetzt, wo wir gar nicht mehr darüber gesprochen haben, ob wir weiter machen, wo es klar war, nie. Jetzt ziehen wir es durch sozusagen.
Helen
Ich weiß gar nicht, ob ich das jetzt richtig wiedergebe, aber es gibt irgendwie so eine krasse Zahl, dass ich weiß, ich ein Drittel oder vielleicht sogar mehr aller Podcasts nicht über diese zehn Folgenmarke hin so hinweg kommen. Weil eben viele denken, ach ich mach das jetzt auch mal, aber es ist halt ja doch ziemlich viel Arbeit.
Tina Lurz
Wahnsinnig viel Arbeit.
Helen
Und das wird völlig unterschätzt. Und deswegen ist ja einfach schon eine krasse Leistung 50 Folgen rauszubringen und vor allen Dingen auch zu sehen, wie gut das jedes Mal wieder ankommt. Und ich finde noch ganz gut mega cool einfach auch, weil Livestreams sind auch mega. Dann du hast so den direkt, also du versprichst dich mal und so, also das ist noch mal vielleicht nahebarer, aber den Podcast kannst du halt jederzeit noch mal anhören. Die Livestreams sind dann irgendwann einfach nicht mehr auffindbar oder funktionieren auch nicht mehr Deswegen ist das schon cool.
Tina Lurz
Ja, voll. Das merk ich auch selber bei mir. Also mittlerweile muss ich sagen, ich persönlich schaue viel, viel weniger Livestreams. Das war mal so ab 2020, zwei, drei Jahre lang war ich da voll im Game. Und mittlerweile merk ich, dass ich viel öfter mir ein Podcastengespräch auf die Ohren mache und dabei irgendwie durch die Wohnung laufe, oder keine Ahnung, ne, unterwegs bin. Und das funktioniert mit Livestreams nicht so gut. Dass wir das für den Podcast entschieden haben und das durch dieses Format dann auch so durchziehen und über die zehn Folgen rausgekommen sind, immer noch dran sind. Obwohl ja, wie du sagst, es ist einfach wahnsinnig viel Arbeit, was dahintersteckt, weil es ist halt nicht nur wir setzen uns hin und nehmen hier jetzt, weiß ich nicht, eine Stunde Gespräch auf, sondern was da noch an drum herum und Vorbereitung und Instagram und schneiden. Und dann, wir haben auch noch Newsletter, wir sind auf Steady, wir haben zwischendrin auch mal Merch gemacht, Taschen, so was. Genau. Und jetzt tatsächlich gerade sind wir auch dran, kann ich aber, glaube ich, noch nicht, das hätte ich vielleicht mit Anne abklären sollen, aber kann ich ich da noch nicht verraten. So eine kleine Änderung ab Juli mit drin, wo wir den Podcast auch noch mal auf die nächste Stufe heben wollen, weil das noch mal quasi ein bisschen, ja, wir uns auch weiter entwickeln einfach. Und das ist sehr schön, dass das mit Anne zusammen auch so gut funktioniert und so, dass ich da so eine Podcastpartnerin an der Seite habe, die auch Bock hat, da was zu machen und vor allem was cool ist, wenn bei mir gerade mal viel anderes ist, ist sie da und fängt es so ein bisschen auf und andersrum genauso. Also das ist schon auch dadurch, dass wir zu zweit sind, sehr cool, dass wir uns gegenseitig antreiben, motivieren, unterstützen und das ist sehr ja eine große Wertschätzung.
Helen
Ja, voll schön. Also richtig schön auch, wie ihr euch so gefunden hat. Aber genau das wollte ich noch sagen, weil es ist viel Arbeit und die Arbeit kann man auf jeden Fall bei Steady unterstützen. Können wir ja mal verlinken in den Show Notes.
Tina Lurz
Sehr gerne.
Helen
Weil wenn man dann unterstützt, bekommt man den Newsletter, glaube ich, ne?
Tina Lurz
Der Newsletter, der ist tatsächlich auch kostenlos. Also da kann sich alle Menschen kostenlos für anmelden und wir haben bei Steady so ein, ich glaube, 4, 3, 4 Euro Modell, man einfach uns quasi einen Kaffee ausgeben kann im Monat als kleines Dankeschön für unsere Arbeit und das wiederum stecken wir dann in Dinge wie das Tool, mit dem wir aufzeichnen oder auch wenn wir dann mal eben jetzt wieder Merch machen oder sowas. Also das ja fließt direkt wieder in den Podcast tatsächlich alles, was dabei rauskommt. Weder Anne noch ich haben uns da jemals etwas ausgezahlt. Ja, aber … Wer weiß, was da noch so kommt. Ja, stay tuned.
Helen
Ja, wirklich. Ab Juli hast du gesagt. Ja. Da müssen wir die Augen aufhalten. Ich glaube, der diese Folge kommt, darum Juli also direkt einfach mal rüberhüpfen. Perfekt. Also ich habe es jetzt eben gesagt, Bücherspiele eine große Rolle in deinem Leben.
Tina Lurz
Ja, sehr große Rolle. Ich sage immer Handy in der einen Hand und Buch in der anderen Hand. Das ist so mein Life.
Helen
Richtig krass. Aber bei Instagram zeigst du ja auch so deine Reisen, deinen Van, deinen Hund, deine Wanderung, alles Mögliche.
Tina Lurz
Mein Ausgleich.
Helen
Ja und ich mag das immer voll gerne, wenn man bei Accounts auch so ein bisschen noch so dass drumherum sieht. Also ich finde, das bildet irgendwie einfach mehr so den Mensch vielleicht auch ab, weil egal wie viel du liest, wird es in den seltensten Fällen ja alles sein, was sich ausmacht. Also deswegen, ich gucke mir das super gerne an. Ich hatte ja auch mal, glaub ich, die irgendeine geschrieben, oh mein Gott, da bin ich auch mit den Kindern, das waren, glaub ich, die so botanischen Gärten irgendwo. Ein Großbritannien vielleicht. Merkt dann, wie gut ich mir das gemerkt habe. Übrigens, an der Stelle kann ich dir sehr die Botanischen… Heißen die Botanische? Die Königlichen Gewächshäuser, in Brüssel, hast du dir die schon mal angeguckt?
Tina Lurz
Nee, in Brüssel war ich erst, da war ich mit der Schule damals. Und da war ich noch nicht so schlau, dass ich mir so tolle Dinge wie Botanische Gärten oder Gewächshäuser angeguckt habe.
Helen
Das Problem mit diesen Gewächshäusern ist auch, die haben so zwei Wochen im Jahr nur offen und man muss echt sehr dahinter her sein. Also die Tickets kosten dann nur so fünf Euro ist voll toll. Man kriegt viel dann dafür geboten, ist auch nicht so voll. Aber du musst wirklich wie so ein Fuchs dahinter her sein und schauen, ob die die Tickets irgendwie online stellen. Aber kann ich dir auf jeden Fall sehr empfehlen.
Tina Lurz
Sehr, sehr schön. Aber auf jeden Fall, ich lasse mich da gerne. Also ich liebe auch Reise-Content und lass mich da gerne inspirieren. Und ich finde es ja lohnt sich auf jeden Fall, mal vorbeizuschauen und zu schauen, was du gerade wieder so erlebst.
Helen
Aber ja, ich weiß nicht, wie sieht so dein Alltag dann auch mit Büchern aus? Also hast du vielleicht auch fixe Zeit, wo du irgendwie für die Arbeit sag ich mal liest oder scheidet sich das gar nicht, was du arbeitstechnisch liest und was du einfach nur zum Vergnügen liest. Wie machst du das?
Tina Lurz
Also grundsätzlich besteht mein Alltag sehr viel aus banaler Schreibtischarbeit. Also die zeigst du ja auch, aber das ist das, was man wahrscheinlich am wenigsten sieht. Genau, das ist halt auch einfach, was heißt langweilig, aber da kann ich dann Zeitraffer machen, wie ich in die Tasten haue und das war es dann. Aber es ist schon viel … Genau. Es ist schon viel einfach Orga nicht nur drum herum, sondern auch wenn ich jetzt einen Event plane, zum Beispiel, dann muss ich natürlich hier viel telefonieren, viel irgendwie Mail schreiben. Grundsätzlich dieses ganze, jede selbstständige Person wird das kennen, dieses ganze Drumherum von Anfragen über Konzepte, über Angebote, über Rechnungen, über Buchhaltung und all der Kram drum herum. Und ja, also viel ist tatsächlich einfach Schreibtischarbeit. Und es gibt Tage, da sitze ich ganz klassisch von 9 bis 18 Uhr am Schreibtisch und werkel ich so vor mich hin. Und Lesen ist für mich immer wieder die Frage, ist es jetzt Arbeit oder ist es Vergnügen? Ich versuche oder gelingt zum Glück sehr oft, dass Bücher, die ich selbst habe, gerne lesen möchte oder die meinem eigenen Lesegeschmack, entsprechend, dass Verlage mich dafür konkret anfragen, weil sie selber auch wissen, was ich gerne lese und was passt. Was ich aber auch wahnsinnig schätze an meiner Arbeit und an der Vielfalt, an Titeln mit denen ich arbeite, ist, dass ich dadurch Bücher entdecke und lesen darf, die ich wahrscheinlich nicht in die Hand genommen hätte, wenn keine Anfrage dafür gekommen wäre. Und da habe ich schon so tolle Schätze entdeckt, die sonst in meiner Prioliste vielleicht auch einfach viel weiter unten gewesen wären oder so. Ich denke jetzt zum Beispiel direkt an Ali Hazelwood, »Check & Mate«. Das ist der Young-Adult-Roman von ihr, der erste.
Helen
Ja, ich glaube das hatte ich bei dir gesehen und gedacht, oh weiß nicht.
Tina Lurz
Ja und ich, Ich hab da, da kam die Anfrage, ich hab reingelesen und ich hab das, also das war einfach ein herzerwärmender Roman, ich bin da durchgeflogen, wahnsinnig gut unterhalten worden und ich bin mir sehr sicher, dass ich vielleicht irgendwann mal zu Ali Hazelwood und vielleicht auch zu »Check & Mate« gegriffen hätte, weil das schon auch, was ist, was ich zwischen rein mal lese, aber ich hätte sicherlich nicht in dem Moment quasi gelesen. Und da bin ich sehr, sehr dankbar dafür, dass mir da auch so neue Perspektiven, neue Bücher, neue Genres auch aufgemacht werden. Also das ist schon sehr cool. Aber dadurch verschwimmt auch so ein bisschen dieses, ist das jetzt Arbeit oder ist es vergnügen, wenn ich lese? Also bei manchen Büchern, jetzt zum Beispiel Anika Landsteiners »Sorry not sorry«, im Mai erschienen, das hätte ich sicherlich auch so gelesen. Jetzt habe ich es auch mit dem Hinterkopf gelesen, dass ich da zwei Veranstaltungen moderieren darf. Genau, das ist dann natürlich Luxus, wenn das wirklich so funktioniert. Es ist aber schon auch dann ein gewisser, ich sage mal, Druck in einem gewissen Zeitraum, den gelesen zu müssen. Es gibt immer wieder mindestens zwei Phasen, einmal fürs Frühjahr und einmal für den Herbst, in dem ich meinen Tablet voll mit Manuskripten und Druckfahnen habe und weiß, ich muss jetzt für Konzepte und für Angebote und so weiter richtig viel lesen und weiß nicht, wann ich es tun soll. Und dann ist es in dem Moment natürlich schon Arbeit, wenn ich weiß, ich muss mich jetzt hinsetzen und muss das jetzt tun. Genau. Aber es gibt jetzt keinen fixen Tag, wo ich … Das wäre eigentlich, wenn man eine Idee ist, wäre schön, wenn es funktioniert, dass ich einen Tag die Woche nur lesen kann, was ich lesen muss. Aber nee, da gibt es tatsächlich nichts, was, wie, wie ich das irgendwie reinbringe ganz regelmäßig. Ich weiß halt manchmal, okay, jetzt. Also es gibt auch Tage, da bin ich um sieben, sitze ich im Bett und lege, hab mir in drei, vier Stunden Buch reingezogen, weil ich weiß, ich muss das jetzt schnell machen. Und da lese ich auch anders tatsächlich dann, als wenn ich jetzt für reines Vergnügen lese oder nur für ein Podcast oder so, weil ich dann schon tausend Ideen irgendwie im Hinterkopf, und da könnte man ja das und das, und das würde gut passen und vielleicht macht man das und so. Wobei ich das auch nie ganz abschalten kann, muss man dazu sagen. Das ist immer das bisschen im Hinterkopf.
Helen
Ja, ich habe das dann auch manchmal bei Büchern, die wir nicht bei Mädels, die lesen., dass ich dann denke, oh, da hätte man jetzt das und das machen können, wenn wir das ausgewertet haben. Also das kann ich gut nachvollziehen. Aber ich habe vielleicht ein bisschen weniger diesen Schalter an, als wenn es ein Mädels, die lesen.-Buch ist. Aber ja, krass. Also ich merke das halt schon sehr stark mit dem Druck dann manchmal. Also deswegen lehne ich eigentlich auch alles ab. Ehrlicherweise, weil mich das eher stresst. Also ich verliere dann so ein bisschen den Spaß am lesen, wenn ich weiß, ich muss das lesen. Ich weiß gar nicht, keine Ahnung, ich glaube, ich kann einfach nicht gut mit Druck lesen. Da hab ich irgendwie, weiß ich nicht. Für mich ist das halt einfach…
Tina Lurz
Kann ich auch gut nachverziehen.
Helen
Ja, es kommt auch Phasenweise bei mir. Ja, also manchmal kann ich auch einfach irgendwie so wahnsinnig schnell dann lesen und so, aber ich merke das voll schnell, dass es dann nicht mehr so viel Spaß macht. Und ich glaube, bei mir ist das ja einfach anders entstanden auch. Das war für mich eben das Mittel der Wahl, um Stress abzubauen. Wenn jetzt Bücher anfangen, mir Stress zu machen, Ja, irgendwie, denn es funktioniert für mich einfach nicht so gut. Deswegen, ich glaube, dass wäre dann vielleicht der Anteil an deinem Job, der mir nicht so Spaß machen würde, vielleicht.
Tina Lurz
Ob ich dabei auch besser werde, also im Sinne von jetzt gerade zu Beginn der Selbstständigkeit habe ich gefühlt wirklich in jedes Buch reingelesen und bei allem gedacht, das kannst du doch und dann machst du doch und das nimmst du an als Projekt so und mittlerweile wähle ich da schon auch definitiv aus. Also wenn ich sage, was ich schon immer gemacht habe, ist, wenn ich das Buch nicht auf Instagram sehe, oder wenn sich der Verlag dazu ein Event wünscht, und ich sehe nicht, dass das Sinn macht, dann das habe ich schon immer gesagt so. Aber mittlerweile wähle ich schon auch mehr aus, worauf ich wirklich Lust habe. Und was ich glaube, das auch zu mir passt sehr. Also es hat sich tatsächlich recht schnell entwickelt. Aber es gibt ein paar Sachen, da sage ich von Anfang an, passt, glaub ich, nicht so. Und dann gibt es aber auch einige, wo ich mir denke, eben, wie gesagt, ist jetzt eigentlich nicht so normalerweise das, was ich lese. Aber ich glaube, da gibt es den und den coolen Dreh, oder? Da fällt mir direkt das und das dazu ein. Und dann ist es halt ein wahnsinnig cooles Projekt. Und dann, ja, bin ich da auch schon wieder … Ich glaube, ich kann mich für sehr viel auch sehr begeistern. Ja. Und mit den richtigen Hebeln, mit den richtigen Ideen, was draus machen, was die Begeisterung dann auch überbringt oder auch gerade in Moderationen zum Beispiel, das rauszukitzeln, was dann vielleicht dahintersteckt, die Fragen zu stellen, die dann vielleicht ein weitergehen als jetzt die Interpretation von dem Roman oder so. Und das ist auch das, was mir wahnsinnig Spaß macht, eben an moderieren, aber auch an den Konzepten und am Kreativarbeiten mit Büchern.
Helen
Ja, das Thema Begeisterung möchte ich auch kurz nochmal aufgreifen, weil ich selten jemanden getroffen habe, der auch so viel Begeisterung ausstrahlt. Ich habe gerade so gedacht, Das wäre eigentlich auch cool, wenn wir ein Videopodcast hätten, weil ich habe dich eigentlich immer nur so erlebt, dass du so strahlst. Ich meine, du wirst bestimmt auch andere Momente haben. Aber ich glaube, wenn du halt so, wahrscheinlich kannst du das einfach auch ganz gut abrufen, in dem Moment, wo du halt auch dann eben den Job … Wenn du was hast, dann bist du voll drin. Ich find's so cool, weil ich liebe Menschen, die eine Begeisterung ausstrahlen. Das macht auch dann voll viel Spaß, mit dir irgendwas zusammen zu machen. Deswegen, vielleicht müssen wir doch einen Video-Podcast machen, dass man das so ein bisschen mehr fühlt. Ich weiß nicht, ob man's immer nur aus der Audio-Version hört. Aber dafür kann man ja mal bei deinem Instagram-Account vorbeischauen.
Tina Lurz
Ja, danke für die schönen Worte. Ich glaube aber tatsächlich, dass das gar nicht mal ist, dass ich die Begeisterung anschalten kann, sondern ich glaube, es ist, dass ich anderes ausschalte. Also, dass ich quasi das wegschiebe, was vielleicht in dem Moment mich dann traurig machen würde oder vielleicht hemmen würde in meiner Begeisterung, sage ich jetzt mal. Und ich glaube, das kann ich sehr gut in Momenten oder in Situationen sehr gut wegschieben. Und dann bleibt eben das, was da im Kern quasi vorhanden ist, das bleibt dann quasi über, die gute Laune und die Begeisterung und so. Aber ich glaube nicht, dass ich das so, wenn es nicht da wäre, dass ich das so anknipsen könnte. Aber ich glaube, ich kann sehr gut Dinge eben so verdrängen.
Helen
Naja, aber ich meine, in dem Moment einfach, ne? Ja, ich glaub, genau, genau, mal sein lassen. Also, andersrum jetzt nicht was anschalten, sondern eher andere Sachen ausschalten sozusagen. Ja, voll gut. Ich glaub, manchmal kann ich das auch, aber das kommt wahrscheinlich immer so ein bisschen drauf an. Aber ich find's cool, weil du steckst da mit anderen an und davon kann die Welt durchaus ein bisschen mehr gebrauchen.
Tina Lurz
Ich freue mich auch sehr, wenn das so rüberkommt. Gerade auch bei Events und bei Live-Moderationen usw. Ich find Bücher und gerade diese Lesen, Literatur, mir gibt es wahnsinnig viel. Mir gibt es gute Geschichten, neue Erlebnisse, neue Perspektiven. Und ich werde auch wahnsinnig gerne und gut für Bücher unterhalten. Also alles immer, je nachdem, was von einem Buch kommt, ganz unterschiedlich. Aber irgendwas kriege ich immer. Und das dann wiederum weiterzugeben an die Menschen, mit denen ich da dann quasi auf die eine oder andere Art und Weise kommuniziere, sei es jetzt ein Publikum oder sei es eben die Zielgruppe von der Kampagne oder was auch immer, das weiterzugeben, diese Feelings immer wieder bei den Punkten, diese Emotionen und diese Erlebnisse, die man mit einem Buch haben kann. Und das überhaupt ein Buch und das Lesen, so ein positives Erlebnis auch sein kann. Dass man aus einer Lesung rausgehen kann und sagen kann, ich hatte eine Stunde einfach Spaß, cool. Und ich hab mir jetzt nicht nur da wasserglasmäßig irgendwas angehört, sondern ich hab was erfahren, ich hab was gefühlt, ich hab was erlebt. Das ist so ein bisschen immer mein Ziel, mein Antrieb, so das Literatur so zu einem Erlebnis irgendwie zu machen. Dass alle Gefühle, die man dabei hat, gut sind und valide sind. Und wenn das dann rüber kommt, bei dem was ich tue, bin ich sehr, sehr glücklich.
Helen
Also ich würde behaupten, es kommt sehr rüber.
Tina Lurz
Cool.
Helen
Jetzt hast du ja eben extra noch Bücher rausgesucht, weil du befürchtet hast, dass ich dich doch noch frage. Was ist da bei rumgekommen? Du hast gesagt, du suchst zwei Bücher, die dich geprägt haben.
Tina Lurz
Ja, ich habe… Ich lasse diese Frage nach den Lieblingsbüchern oder nach den… Ja, ja. Ist okay. Deswegen habe ich jetzt gerade mich noch mal vors Bücherregal gestellt und die rausgesucht, die mir einfach sofort in den Kopf kommen, wenn ich eben daran denke Bücher, die irgendwie was vielleicht auch über mich aussagen oder die mich nachhaltig auch beschäftigen. Und da muss ich früh anfangen tatsächlich mit einem Buch. Ich weiß nicht, wie das bei dir ist, Aber ich möchte manche Bücher nicht noch mal lesen, für die ich früher sehr viel Begeisterung hatte. So. Und das ist eines davon. Und zwar ist es »Die Frau des Zeitreisenden« von Audrey Niffenegger.
Helen
Ich glaub, ich kenn nur den Film.
Tina Lurz
Ja. Siehst du? Klassiker. Ich hab's leider auch nicht … Jetzt im Regal auf die Schnelle gefunden. Aber das hab ich mit, ich glaube, so 18 oder so … Gelesen, doch 18 oder 19 muss ich gewesen sein. Da war ich mit meiner Oma auf einer Flusskreuzfahrt durch Russland. Okay, ja. Warum auch nicht? Da hab ich dieses Buch gelesen. Und das erinnert mich heute noch an diese Reise. Das hat mich wirklich … Hab ich lange als eines meiner Lieblingsbücher bezeichnet damals. Und das ist, glaub ich, vom Leseerlebnis her und von den Emotionen, die das bei mir bewirkt hat. Es bleibt es einfach auf ewig in meinem Bücherregal, auch wenn ich nicht weiß, wo, aber irgendwo da drin ist. Genau. Und ja, das ist so eins von denen, die mir da immer einfallen. Und die Bücher von Carlos Ruiz Zafón fallen mir auch noch ein. Übersetzt von Peter Schwaar. Die hab ich mit meinem Papa zusammen gelesen. Erst hab ich's gelesen oder er hat's gelesen, und dann haben wir die ausgetauscht. Geht es ja viel auch um Buchliebe und die Bücherwelt, bisschen Fantasie mit drin und so. Das mochte ich damals auch wahnsinnig gerne. Und das würde ich mich vielleicht auch mal, also »Den Schatten des Windes«, würde ich vielleicht sogar auch nochmal wiederlesen. Weiß ich gar nicht, zumindest vielleicht.
Helen
Hättest du Angst, dass das vorige Gefühl zerstört, oder?
Tina Lurz
Ja, genau. Bei mir ist es ganz oft, wenn ich ein Buch gelesen habe und es schon dann ein paar Wochen vergehen oder ein paar Monate vergehen, bleibt ganz oft ein Gefühl übrig. Dann könnte ich dir nicht mehr sagen, was genau in dem Roman passiert ist, aber ich kann dir noch sagen, was das mit mir gemacht hat. So. Und das habe ich lange Zeit gedacht, bist du jetzt so blöd, um dir so ein Plot zu merken oder um dir irgendwie so Also paar Grundinfos zur Handlung im Kopf zu behalten. Aber mittlerweile denke ich mir, ist total cool. Ich könnte jetzt auch gar nicht mehr sagen, was in Audrey Niffeneggers »Die Frau des Zeitreisenden« zu 100 Prozent passiert. Aber ich weiß eben noch, was die Emotionen waren und was das mit mir gemacht hat. Das ist auch wieder in das Erlebnis geknüpft mit meiner Oma damals. Ja, deswegen hat das einen besonderen Platz im Herzen und das ist auch gut so. Und das ist, boah, will ich mich nicht für schämen, um dieses Wort jetzt hier wieder zu nehmen.
Helen
Ich musste da wirklich gerade dran denken, weil ich dachte, das ist wieder so bezeichnend, wie du dich dann fertig machst, dafür, dass du irgendwie den Plot dich nicht mehr dran erinnern kannst. Ja, kann wahrscheinlich viele auch nachvollziehen, weil das geht mir echt oft so, dass ich dann nur weiß, Ich fand es ganz toll, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, warum.
Tina Lurz
Ja, ja, ganz genau, ganz genau. Und aus jüngerer Zeit kann ich noch schnell eine Autorin mit draufnehmen, die ich sehr gerne lese. Zwei Bücher sind erschienen mittlerweile. Und jetzt gerade wurde frisch das Neue angekündigt, was nächstes Jahr leider erst kommt, im März, glaube ich. Und zwar Charlotte McConaghy, heißt, das spricht man sich, glaube ich aus. »Migrations« ist das erste Buch gewesen. »Once There Were Wolves« ist das Zweite. Ich habe es im Original gelesen.
Helen
Ach, die sehen ja auch cool aus. Ganz anders auch als die deutschen Cover.
Tina Lurz
Ganz, ganz anders als die deutschen Cover. Aber da die Romane von ihr haben für mich eine wahnsinnig gute Mischung aus dieser, ich sag jetzt mal Wildheit, Naturverbundenheit und einem Unterhaltung und gleichzeitig aber auch einem literarischen Anspruch, so, dass die ja beides sehr Herzensbücher von mir sind. Und ich freue mich wirklich wahnsinnig auf den nächsten Roman. So.
Helen
Das finde ich irgendwie spannend, weil das mit den Wölfen, hat ich glaube ich als Hörbuch gehört. Mhm. Und so richtig hat es mich irgendwie nicht gekriegt. Aber könnte ich auch nicht mehr sagen, warum eigentlich. Aber ich weiß noch, dass ich das so gerne mögen. Ich würde vielleicht auch »Zugvögel« noch mal eine Chance geben, weil ich davon auch so viel Gutes gehört habe. Ich weiß nicht, war dann so, ja, ist auf jeden Fall okay.
Tina Lurz
Ja. Aber es gibt es ja immer, ne? Ja, das stimmt. Auch Buchtipps, Bücher, die Anne total gefeiert hat im Podcast, und ich lese die und sag so, gutes Buch, passt, ne? Gibt es auch oft genug?
Helen
Oder auch jetzt zum Beispiel das neue Buch von Kristin Höller. Ja, »Leute von früher«. Ich hab's hart gefeiert und es gibt Leute, die sagen, ja, gut, aber so ganz überzeugt hat es mich nicht, aber mich hat es halt voll reingesogen auch mit der Atmosphäre und so alles. Hat für mich einfach wahnsinnig gut gepasst, aber so sind halt Bücher, sehr individuell.
Tina Lurz
Ja, bei unterschiedlichen Menschen kommen sie dann unter anderem auch unterschiedlich an. Aber auch irgendwie das Schöne dran, wenn man dann drüber spricht und sich austauscht und vielleicht dadurch auch nochmal ganz andere Aspekte ans Licht kommen.
Helen
Ja, voll. Ich finde das eigentlich das Coolste auch im Austausch über Bücher, dass wir die alle ja auch unterschiedlich lesen. Und es kommt ja auch so viel auf an zu welchem Zeitpunkt das in dein Leben kommt.
Tina Lurz
Ja, wahnsinnig stark.
Helen
Deswegen echt cool. Das sind aber auch richtig coole Tipps nochmal. Gut, ich weiß jetzt nicht, ob ich »Die Frau des Zeitreisenden« jetzt noch mal unbedingt in Angriff nehmen würde. Aber ich fand das schon eine sehr schöne Geschichte. Das, was ich noch aus dem Film in Erinnerung hab. Und von Carlos Ruiz Zafón hab ich auf jeden Fall auch mal ein Buch gelesen. Ich meine, dass ich das da auch ziemlich toll fand, diese ganze … Irgendwie hab ich das so als schummrige Atmosphäre.
Tina Lurz
Ja, genau. Düstere Barcelona.
Helen
Ja, genau. Das könnte ich mir zu der kalten Jahreszeit vielleicht schon noch mal vorstellen. Das wäre auch schön, wenn man das im Original lesen könnte.
Tina Lurz
Ja, das wäre ein Traum. Aber das ist schon auch spannend, wie dir geht es bestimmt genauso. Ich tu mir wahnsinnig schwer, damit Bücher zu lesen, die schon älter sind.
Helen
Also ich gar nicht, habe ich gar kein Problem mit. Warum ist das so?
Tina Lurz
Ich finde keine Zeit dafür einfach. Also das hat nichts emotionales, keine emotionalen Gründe. Aber einfach dieses … Jetzt kommen schon wieder die Herbstvorschauen raus. Dann kommen da die ersten Leserexemplare. Ich hab auch schon, ich weiß nicht, wie viele Manuskripte gelesen und angelesen jetzt für ein Herbst. Dann hab ich schon manchmal das Gefühl, ich komm nicht hinterher in Anführungszeichen. Wenn ich dann auch noch das lesen möchte, was ich eben … Was dann schon länger im Regal irgendwie liegt. Und was ich teilweise seit, ich weiß nicht, fünf Jahren gerne noch so lesen möchte. Wobei ganz so ist es auch nicht. Ich habe so ein bisschen ein, kann man Nebenprojekt sagen, ich weiß es nicht. Ich habe ein sehr großes Interesse, ja, ein Leseprojekt. Ich habe sehr großes Interesse an Büchern, die mit Natur zu tun haben, mit, ich sag mal, outdoor, Bergen und so weiter. Und ich suche da wirklich vehement die Frauen. Und da gibt es so wahnsinnig wenig Literatur, die mit eben Natur, Bergen, all diesen rauen Sachen zu tun haben. Romane vor allem, gibt es ganz, ganz, ganz, ganz wenige, wo dann nicht die Frau von einem Mann gerettet wird, oder sich trennt und deswegen irgendwas ganz Schlimmes oder ganz Außergewöhnliches tut oder Irgendwo ist immer dann diese Liebesgeschichte irgendwie mit drin. Und so dieses … Es gibt doch so viele Geschichten sicherlich von Frauen, die auf Berge steigen. Und nicht durch Liebeskummer oder eine Trennung dazu gebracht wurden. Ja. Und die das auch in einer Romanform verarbeiten. Und da such ich immer wieder nach Büchern in dem Bereich. Und lese da tatsächlich auch ganz viele Erfahrungsberichte Berichte und Literatur über das Wandern, über das Bergsteigen und so weiter. Und die sind oft nicht die allerneuesten Sachen, sondern da stoße ich immer mal wieder auf etwas und recherchiere und wühle mich da auch durch Second Hand Plattformen teilweise, um da die vergriffenen Exemplaren mal rauszuholen und so. Und ja, da fällt es mir dann doch relativ leicht, immer wieder was reinzuschieben.
Helen
Ja, das ist cool. Also auf jeden Fall Buchtipps an Tina über Frauen, die bergsteigen oder outdoor unterwegs sind. Ja. Aber wenn ich dich jetzt hier schon gerade, da hab ich immer das Gefühl, da finde ich auch nicht so viele Leute, die so was lesen. Ich lese nämlich extrem gerne, ich nenne das immer so Reiseliteratur, weil ich nicht weiß, ob es einen anderen Begriff gibt. Aber so was finde ich halt total klasse. Und das sehe ich irgendwie so selten bei Instagram jetzt zum Beispiel. Aber da gibt es ja schon ziemlich coole Sachen, aber auch da würde ich jetzt grad, wo du das halt meinst, sagen, wahrscheinlich auch gar nicht so häufig dann Frauen. Bin ich gerade unsicher.
Tina Lurz
Es gibt schon viel so gerade, ich sag mal, also jetzt gerade lese ich zum Beispiel, Das muss ich kurz gucken. »Klub Drushba« von Rebecca Maria Salentin. Aus dem Verlag Voland & Quist. Ist auch schon ein paar Jahre alt, Da läuft sie den Weg der Freundschaft von Eisenach nach Budapest. Also solche Weitwander-Sachen gibt es schon einiges. Auch … Christine Thürmer heißt sie, die weite Wege wandert. Ich gehe immer zu ihren Events in Köln.
Helen
Ja, cool.
Tina Lurz
Also, da gibt's schon so einige Frauen, die irgendwie … Ja, so Touren gemacht haben und Alpenüberquerungen oder sonst was. Und die mag ich auch wahnsinnig, wahnsinnig gerne. Mhm. Da auch so Solo-Trips und so weiter. Und ja, gibt schon was. Aber wo es dann eben aufhört, ist, wenn's in die Höhe geht. Mhm. Wenn's dann eben dieses Expedition-Abenteuer, sag ich mal, gibt, da gibt's wahrscheinlich zehn Frauen, die darüber geschrieben haben. Man muss sehr, sehr intensiv wühlen und eben wie gesagt in Romanform, wenn ich jetzt an Männer denke, die über so hier, Thomas Glavinic, »Das größere Wunder«, allein schon, ja, ist auch eher irgendwie am Berg und der krasseste Typ und keine Ahnung und so. Also so was gibt es einfach nicht, zumindest nicht, dass ich entdeckt hätte. Und das ist auch cool. Ich mag das wahnsinnig gerne und eben auch das »Klub Drushba«. Find ich sehr cool jetzt. Ich hab zum Beispiel auch, das hätte ich auch bei Bücher, die mich prägen mit reinnehmen können, hier dieses Cheryl Strayed, »Wild« zum Beispiel. Fand ich auch so toll. Meike Winnemuth hat auch ein Buch geschrieben, da komme ich nicht drauf, wie das hieß. Dass sie einen Monat lang in unterschiedlichen … Also, je einen Monat in unterschiedlichen Städten gewohnt hat. Weil sie bei, ich glaube, Wer wird Millionär hat sie gewonnen. Dann hat sie gesagt, sie macht das jetzt, und wohnen einen Monat in New York und einen Monat da. Also, sowas hab ich auch wahnsinnig gern schon immer gelesen. Aber ich merk eben, dass dieses … Männer müssen Gipfel besteigen und Bezwingen, Berge bezwingen. Obwohl es Frauen tun, finden sie aber in der Literatur so selten statt.
Helen
Ja, voll spannend. Also, werd ich auch noch mal darauf achten. Aber mir fällt zumindest grad auch wirklich … Cheryl Strayed war das einzige, was mir eingefallen ist. Dann dachte ich, okay, aber das ist halt so ein Bestseller. Ja, und … Der muss dann für alles herhalten.
Tina Lurz
Ja, und da ist sie dann halt auch wieder ein Leben vorbeigefühlt. Und dann stabst sie los und findet sich selber, was total cool ist, weil sie das eben so, also es ist ja krass, was sie da geleistet hat auf diesem Pacific Crest Trail mit, ja, aus eigener Kraft. Super, super cool. Aber es ist halt keine so eine, ich sag mal, heroische Geschichte, wie sie oft von Männern geschrieben wird. Ich habe das dann bezwungen und so weiter. Es ist sicherlich auch meine Vermutung, dass es einfach in der Natur der Frau liegt und in der Scham, die wir da, vielleicht uns nicht so darzustellen. Aber noch mehr Frauen, die im Outdoor-Bereich ein bisschen draufhauen, hätte ich gerne.
Helen
Tina, es gibt irgendwie diesen Spruch, wenn du das Buch irgendwie nicht findest, dass du gerne lesen würdest. Schreib es selbst.
Tina Lurz
Ja gut. Einfach ist das das nächste Projekt. Schauen wir mal. Hab ich jetzt gerade keine Ambition tatsächlich. Aber wenn jemand von euch da draußen meldet euch, oder wenn jemand von euch mich mal antreiben will, dass ich das doch bitte jetzt unbedingt umsetzen soll, dann meldet euch.
Helen
Also ich würde es lesen auf jeden Fall. Ich kann dich nur unterstützen in dem Projekt.
Tina Lurz
Okay. Ich pack’s auf die Liste.
Helen
Ja. Aber ich fand es also mega spannend, auch so ein bisschen, ja, ein bisschen vielleicht nochmal zu verstehen, so was sich auch in Sachen Büchern so antreibt. Ich finde es voll cool zu sehen, was du dir da auch irgendwie erschaffen hast. Und welche Rolle, also weil das ist ja auch mal ein bisschen das, was vielleicht hier untergeht im Podcast, aber worum es mir eigentlich geht, welche Rolle Bücher und Lesen eben auch in deinem Leben spielen. Und ja, ich finde das super spannend und super inspirierend. Also deswegen danke, dass du uns so ein bisschen hast Teil haben lassen.
Tina Lurz
Und danke dir für die Einladung, die du dir genommen hast. Ja, ja. Wir sind erst mal wieder versorgt. Ja, genau. Mehr dann im Monatslese-Podcast.
Helen
Vielleicht erzählt ihr am Ende noch mal ganz kurz, wo man dich überall im Internet findet. Damit alle noch mal für mehr Büchertipps vorbeischauen können.
Tina Lurz
Genau, man findet mich auf jeden Fall bei Instagram unter tina__lurz und im Podcast Monatslese. monatslese.podcast ist das auf Instagram. Ich hab auch einen TikTok-Account, der sehr unregelmäßig bespielt wird. Und wo findet man mich noch? Nee, ich glaub, das sind so die Hauptkanäle. Ich habe auch eine Website, aber das ist eine berufliche Portfolio-Website, tina-lurz.de. Man kann ja auch mal vorbeischauen. Genau.
Helen
Die nächste Moderation oder das nächste Projekt.
Tina Lurz
Genau.
Helen
Aber ich würde sagen, wir trinken unseren Tee jetzt aus, genießen noch die Aussicht, bevor wir wahrscheinlich vor Sonnenuntergang zurückstapfen müssen. Genau, haben wir noch was vor.
Tina Lurz
Danke dir.
Helen
Danke dir!




