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Podcast · Folge 51
#SupportYourLocalLibrary: Büchereileiterin Katharina Bracke über 12 Euro im Jahr, Ehrenamt und Bücherspenden
Warum Ausleihen der Bücherei Geld bringt, was mit alten Büchern passiert, wie ein Kamishibai funktioniert – und ob Autor*innen an Ausleihen verdienen
Stand heute
Das Gespräch ist im Oktober 2023 aufgenommen. Die Jahresmitgliedschaft, die Helen in der Folge spontan verlost, ist im Dezember 2023 vergeben worden. Die Bücherei Weihmichl, die Katharina Bracke damals leitete, nennt auf der Gemeindeseite inzwischen ein anderes Leitungsteam; auf Instagram gibt sie als @lebe_die_buecherei weiter Tipps für Büchereiteams.
Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise: Katharina Bracke holt uns in ihre Bücherei in der Holledau und stößt mit Hopfensekt an. Zum Zeitpunkt der Aufnahme leitet sie zwei Gemeindebüchereien in Niederbayern – als einzige Angestellte, mit einem Team aus Ehrenamtlichen. Was sie erzählt, ist das Innenleben eines Ortes, den die meisten von uns nur von außen kennen: warum 12 Euro im Jahr die Bücherei nicht finanzieren, warum jede Ausleihe den Staatszuschuss erhöht, wann Bücherspenden helfen und wann nicht, wie ein Kamishibai funktioniert und was ihre Vorgängerinnen 15 und fast 25 Jahre lang ehrenamtlich gestemmt haben. Dazu die Frage, die Helen seit Wochen beschäftigt: Bücherei oder Bibliothek?
Katharina Bracke
Büchereileiterin · Niederbayern
Katharina Bracke hat eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht und leitete zum Zeitpunkt der Aufnahme zwei Gemeindebüchereien in einer Verwaltungsgemeinschaft aus drei Gemeinden in der Holledau bei Landshut – darunter die Bücherei Weihmichl. Sie war dort die einzige Angestellte; ihr Team arbeitet ehrenamtlich, ihre beiden Vorgängerinnen hatten die Bücherei über 15 beziehungsweise fast 25 Jahre unentgeltlich mit aufgebaut. Die Büchereien sind Mitglied im Sankt Michaelsbund, der bayernweit rund 1.100 katholische öffentliche Büchereien betreut. Auf Instagram gibt sie als @lebe_die_buecherei Tipps zu Sichtbarkeit und Struktur für den Büchereialltag.
Hopfensekt und 12 Euro im Jahr
Ihre Bücherei liegt mitten im Hopfenland: Im Umkreis von 30, 35 Kilometern stehen Hopfenfelder, die Ernte ist gerade vorbei, und es gibt wieder Hopfenkränze, und wer keinen Sekt mit Hopfen kennt – eine Art Hugo mit Hopfen, sagt sie –, sollte das nachholen. Dann zur Arbeit: Katharina Bracke ist Büchereileiterin in zwei Büchereien ihrer Verwaltungsgemeinschaft, die einzige Angestellte, alle anderen sind ehrenamtlich dabei – neben Job, Kindern oder Enkelkindern, wofür sie großen Respekt hat. Sie organisiert Ausleihe, mehrere Veranstaltungen im Jahr und viel Verwaltung, vor allem die Rücksprache mit der Gemeinde. Denn das Schöne ist zugleich der Nachteil: Eine Bücherei finanziert sich nicht selbst. Kinder und Jugendliche bis 18 zahlen nichts, Erwachsene 12 Euro im Jahr – ein einziges Buch kostet schon so viel. Deshalb ist die Bücherei auf Spenden angewiesen und darauf, dass die Gemeinde Räume und Technik stellt und beim Einkauf hilft.
Helen gesteht, dass sie zwar zahlt, aber selten hingeht – ist sie ein gutes Mitglied? Zur Last fällt sie der Bücherei jedenfalls nicht, sagt Katharina Bracke, aber Ausleihen zählt trotzdem: Ihre Büchereien sind Mitglied im Sankt Michaelsbund, über den sie in Bayern einen Staatszuschuss beantragen können, und der richtet sich nach Ausleih- und Besucherzahlen. Je mehr Menschen kommen und Bücher mitnehmen, desto höher der Zuschuss. Helens Aufruf an alle: entweder in der kleinen Buchhandlung kaufen oder in der Bücherei um die Ecke ausleihen – und wenn die Buchclub-Bücher gerade verliehen sind, gibt es die Onleihe. Bei ihr ist die im Mitgliedsbeitrag drin, mit über 50.000 Medien im Verbund: E-Books, Hörbücher, Zeitschriften. Neue Titel sind schnell weg, weil über den Michaelsbund viele Büchereien an derselben Onleihe hängen und drei Lizenzen auf sehr viele Leser*innen treffen. Ihr Rat: nicht immer das Allerneueste wollen, sondern stöbern.
Drei Wochen, sechzehn Wochen, egal – Hauptsache gelesen
Helens Hemmschwelle ist der Zeitdruck: Muss ich das Buch in zwei Wochen schaffen? Bei Katharina Bracke sind es drei Wochen, aber auf dem Dorf läuft das freundschaftlich. Jeder kennt jeden, Bücher werden per E-Mail angefragt und schon mal in den Briefkasten geworfen, verlängern kann man selbst online mit der Nummer des Leserausweises, und Mahngebühren, die das System automatisch berechnet, erhebt das Team nach eigenem Ermessen. Nur wenn jemand das Buch vorgemerkt hat, muss es zurück.
Das ist ja für uns das Wichtige. Wir wollen ja wirklich das Buch in die Welt hinaustragen.Katharina Bracke
Helen nimmt sich fest vor, es wieder zu probieren – ihr Mitgliedsbeitrag wird ohnehin bald fällig, ein Neujahrsvorsatz also. Und sie schickt ein Bild. Denn eine Bücherei ist mehr als Ausleihe, sagt Katharina Bracke: ein Treffpunkt, gerade in kleineren Orten, wo Mütter und Väter sich unterhalten, während die Kinder in Bilderbüchern stöbern – und ein Ort der Bildung, an dem Kinder anders zum Lesen kommen als in der Schule. Das erinnert Helen an eine Aktion der Autorin Mirna Funk, die eine Jahresmitgliedschaft für eine Berliner Bibliothek verlost hatte. Weil es in Deutschland nicht die eine Mitgliedschaft gibt, entscheidet Helen es kurzerhand in der Folge: Wir verlosen eine Jahresmitgliedschaft für eine Bücherei nach Wahl.
Sichtbar werden – und mitmachen
Dass Büchereien oft nicht auf dem Schirm sind, liegt aus Katharina Brackes Erfahrung auch an den Büchereien selbst: Manche trauen sich nicht, weil es in der Gemeinde immer eine Veranstaltung gibt, die wichtiger scheint, und weil man sich als Kleine zurücknimmt, statt dazwischenzugrätschen. Ist im Dorf ein Fest, macht auch sie keine Büchereiveranstaltung, aber die Bücherei habe das Recht, da zu sein – und die Pflicht, zu zeigen, was sie anbietet, so wie andere Vereine es auch tun. Genau dafür ist ihr Instagram-Kanal da. Der Unterschied zu einer Stadtbibliothek wie der in Bonn ist die Kapazität: Dort sind die meisten angestellt, bei ihr arbeitet nur sie mehr als ehrenamtlich. Kleine bis mittelgroße Büchereien werden nach ihrer Beobachtung oft komplett ehrenamtlich geführt – ihre beiden Vorgängerinnen haben die Bücherei mit aufgebaut und 15 beziehungsweise fast 25 Jahre lang geleitet, unbezahlt, inklusive Jahresstatistik und Gemeindegesprächen. Wer fragt, ob er mitmachen darf, wird also nicht abgewiesen, im Gegenteil: Ein Team von acht heißt, bei jeder Veranstaltung stehen dieselben fünf, sechs Leute; bei fünfzehn verteilt sich das.
Bücherspenden: kommt aufs Buch an
Können wir mit Bücherspenden helfen? Differenziert, sagt Katharina Bracke. Ihre finanziell besser aufgestellte Bücherei nimmt keine an, weil sie sich die neuesten Bücher selbst kauft; die kleinere schon, und dort ist man froh über alles. Kinderbücher in gutem Zustand gehen immer – Kinder freuen sich über jedes Buch zum Thema Bauernhof. Bei Büchern für Erwachsene zählt die Aktualität: Der Markt wird immer schneller, und was gespendet wird, ist meist fünf, sechs, sieben Jahre alt und nicht mehr das, was die Leser*innen wollen. Ihr Weg: Bringt die Bücher trotzdem, sie schaut, was in den Bestand passt, der Rest wandert in den Schrank für den nächsten Bücherflohmarkt auf dem Freitagsmarkt im Ort – ein Euro pro Buch. Wer größere Mengen loswerden will, kann bei der Diözese oder im Hospiz fragen; über eine Kollegin hat sie dort Kontakte, und die freuen sich über Spenden. Helen selbst gibt Ausgelesenes weiter oder in Bücherschränke, die sie liebt – und erzählt von einer Führung in Bonn zu den Plätzen, an denen sich Wohnungslose aufhalten: Die Frau, die sie führte, hatte sich ihre Bücher lange aus dem Bücherschrank geholt, bis die Leute sie kannten und ihr Bücher brachten. Katharina Bracke hat ihre aussortierten Bücher auf mehrere Schränke verteilt und dabei gesehen, wie unterschiedlich gepflegt sie sind: einer ordentlich und voller neuer Bücher, einer voller alter Schinken aus den 50ern.
Aussortieren fällt ihr leichter als Helen – die Buchhändlerausbildung, sagt sie, wo rigoros wegmusste, was sich nicht verkauft. In der Bücherei hat sie im Jahr zuvor alles aussortiert, was vor 2017 angeschafft wurde; die Kolleginnen wollten manches behalten, aber was fünf Jahre nicht ausgeliehen wurde, wird es auch im sechsten nicht. Traurig, aber der Platz für neue Bücher ist endlich.
Vorlesen, Kamishibai und die kleine Hexe
Am 17. November 2023, kurz vor dieser Folge, war bundesweiter Vorlesetag, und Helen fragt, wie so etwas in einer Bücherei abläuft – könnte sie sich einfach melden? Ein Vorlesepat*innen-Programm hat Katharina Bracke noch nicht, spielt aber mit dem Gedanken; viele Büchereien machen das mit Freiwilligen, die ab und zu eine halbe Stunde vorlesen. Ihr Lieblingsformat ist das Kamishibai, ein japanisches Erzähltheater: ein kleiner Holzrahmen mit zwei Klapptüren, in den hinten die Bildkarten eines Bilderbuchs geschoben werden, während vorn vorgelesen wird. Einmal im Jahr gibt es einen Leseabend – die Lesenacht mit Übernachtung überlässt sie inzwischen anderen, ihr Team ist im Schnitt über 60 –, bei dem ein Kanadier aus der Gemeinde mit den dritten und vierten Klassen ein englisches Kinderbuch liest, mit englischen Wörtern zum Nachsprechen. Und im Oktober 2023, zum 100. Geburtstag von Otfried Preußler, einen Lesenachmittag zur kleinen Hexe: Eine Kollegin kommt verkleidet, die Kinder raten, wer sie ist, dann wird gelesen und es werden Spinnennetze gebastelt. Wichtig bei langen Veranstaltungen: der Wechsel zwischen Lesen und Bewegung, sonst ist die Konzentration weg.
Denn ab der fünften Klasse, mit der weiterführenden Schule, werden es weniger. Katharina Bracke hat es selbst erlebt: In der Oberstufe mussten alle Lektüren lesen, und viele ihrer Freund*innen haben darüber die Lust verloren – Goethe und Schiller sind nicht das, was man mit 16 lesen will. Helen hört das im Buchclub ständig: Jahre ohne Buch nach Schule oder Studium. Lesen sei die Basis von allem, sagt Katharina Bracke, und weil sie im Sommer 2023 immer wieder gehört hat, dass Kinder schlechter lesen, sieht sie darin einen Auftrag der Büchereien. Es muss nicht viel sein: zehn Minuten am Abend. Ihr Vater hat ihr in der ersten Klasse den ganzen ersten Harry-Potter-Band vorgelesen – und ihr in der zweiten gesagt, den nächsten schaffe sie jetzt selbst.
Wünsche abgeben – und wonach sonst entschieden wird
Ob man sich mit Anschaffungswünschen an die Bücherei wenden darf, fragt Helen, weil jemand aus der Schmökerrunde davon erzählt hat. Unbedingt, sagt Katharina Bracke – sie hat noch keine Bücherei erlebt, in der das nicht geht. Bei ihr stehen Boxen mit Zetteln, sonst hilft eine E-Mail oder ein Anruf, und die Wünsche sind willkommen, weil sie zeigen, was die Leser*innen wieder in die Bücherei zieht. Sonst entscheidet sie nach Bestsellerlisten, regionalen Autor*innen, Tipps von Vereinen wie dem Frauenbund, den Rezensionen und Buchvorstellungen des Michaelsbunds – und nach Reihen: Wer Band eins einer historischen Familiensaga oder Krimireihe hat, braucht auch zwei bis sieben. Der Deutsche Buchpreis steht bei ihr nicht im Regal; auf dem Land sei das nicht die Zielgruppe. Helens Traum: eines Tages in eine Bücherei zu kommen, in der ein Schild sagt, das Mädels, die lesen-Buch sei vorrätig. A girl can dream, sagt Katharina Bracke.
Bücherei, Bibliothek, Australien
Die Frage, mit der Helen ins Gespräch gegangen ist: Bücherei oder Bibliothek? Eine Definition kennt Katharina Bracke nicht; für sie ist die Bibliothek das Große und Wissenschaftliche – Staats- oder Hochschulbibliothek –, die Bücherei der Ort für Romane und Krimis zum Schmökern. Helen googelt parallel: synonym verwendet, Bücherei die ältere Bezeichnung für eine öffentliche Bibliothek, oft schlicht der Eigenname. Die Frage von außen hatte sich Katharina Bracke in ihrer Bubble noch nie gestellt.
Dann ein Hinweis aus Australien: Ein Buchclubmitglied hatte Helen geschrieben, dass Autor*innen dort mitverdienen, wenn ihre Bücher ausgeliehen werden. In Deutschland sei das anders, sagt Katharina Bracke – von der Bücherei geht nichts an Verlag oder Autor*in. Sie kauft jedes Buch einmal, ganz normal im Handel zum gebundenen Ladenpreis, und davon bleibt für die Autor*innen ohnehin nur ein winziger Bruchteil, nachdem Druck, Grafik, Verlag, Marketing und Buchhandel ihren Anteil haben. Eine coole Idee finde sie es trotzdem, gerade weil man mit einem veröffentlichten Buch noch lange nicht seinen Lebensunterhalt verdient – nur wie eine Bücherei das zusätzlich bezahlen sollte, die ohnehin um ihre Finanzierung ringt, kann sie sich nicht vorstellen.
Einordnung: Auch in Deutschland gibt es eine Vergütung für Ausleihen, die Bibliothekstantieme nach § 27 Abs. 2 Urheberrechtsgesetz. Sie wird laut VG Wort von Bund und Ländern getragen, nicht von den einzelnen Büchereien, und über die Verwertungsgesellschaften an die Urheber*innen ausgeschüttet. Katharina Brackes Aussage, dass die Bücherei selbst nichts zusätzlich zahlt, stimmt also – das System dahinter kommt im Gespräch nur nicht vor.
Eine Revolution anzetteln
Ein deutschlandweites Verbundsystem gibt es nicht, stellen beide fest. In Bayern ist der Michaelsbund ein Netz für viele, aber nicht alle Büchereien – die Stadtbibliothek Landshut, die nächstgrößere in ihrer Nähe, ist kein Mitglied und braucht es auch nicht. Für kleine Büchereien ist er Gold wert: kostenlose Workshops, Hilfestellung, Tagungen zum Netzwerken und eine eigene Bücherei nur für Büchereien, aus der sie einmal im Jahr Bücher für den Bestand der kleineren ausleiht. Über ihren Instagram-Account hat sie Kontakte zu Büchereileuten im Rest von Deutschland, die es sonst nicht gäbe – und eine Idee: Partnerbüchereien wie Partnerstädte, eine in Bayern, eine an der Nordsee, einmal im Jahr besucht man sich. Helen denkt an genialokal, das die Buchhandlungen zusammengebracht hat. Für Leser*innen wäre ein Verbund praktisch: Bei ihr gilt eine Karte für beide Büchereien, aber sonst zahlt man in jeder Bücherei neu. „Ich glaube, wir müssen da ran, Katharina“, sagt Helen. „Das muss revolutioniert werden.“ Fragen, die offen geblieben sind, nehmen die beiden gern noch an – per Spotify, unter dem Feed-Post oder bei Instagram.
Wie Hopfensekt schmeckt, warum Helen sich Stammkundschaft in der Bücherei wieder angewöhnen will und was Katharina Bracke mit Büchern macht, die ihr Team nicht hergeben will – das hörst du in der ganzen Folge.
Die ganze Folge hören
Die Bücher aus dieser Folge
Zwei Kinderbücher, die im Gespräch fallen: das Buch, das Katharina Brackes Vater ihr vorgelesen hat, und das Buch zum Lesenachmittag in ihrer Bücherei.
Harry Potter und der Stein der Weisen
J. K. Rowling · Carlsen · 336 Seiten
Den ersten Band hat ihr Vater ihr in der ersten Klasse komplett vorgelesen – den zweiten sollte sie dann selbst versuchen. Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Fritz.
Die kleine Hexe
Otfried Preußler · Thienemann · 128 Seiten
Das Buch zum Lesenachmittag im Oktober 2023, zu Otfried Preußlers 100. Geburtstag – mit verkleideter Kollegin und gebastelten Spinnennetzen.
Die mit Sternchen markierten Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.
Häufige Fragen
Wie kann ich meine Bücherei unterstützen?
Vier Dinge nennt Katharina Bracke in der Folge: Mitglied werden – bei ihr kostet das 12 Euro im Jahr, Kinder und Jugendliche sind frei. Dann auch wirklich ausleihen, denn in Bayern richtet sich der Staatszuschuss über den Sankt Michaelsbund nach Ausleih- und Besucherzahlen. Anschaffungswünsche abgeben, per Zettel in die Box, per E-Mail oder Anruf – so weiß die Bücherei, was sie kaufen soll. Und nachfragen, ob ehrenamtliche Hilfe gebraucht wird: Je größer das Team, desto besser verteilt sich die Arbeit.
Was passiert, wenn ich ein Buch zu lange behalte?
Bei Katharina Bracke sind es drei Wochen Leihfrist, aber auf dem Dorf läuft das freundschaftlich: Verlängern kann man selbst über das Online-Konto mit der Nummer des Leserausweises, und solange niemand das Buch vorgemerkt hat, darf es auch mal länger dauern. Mahngebühren erzeugt das System automatisch, ob sie erhoben werden, entscheidet das Team individuell. Wichtig ist ihr vor allem, dass gelesen wird – auch wenn jemand zwei Monate braucht.
Nimmt die Bücherei Bücherspenden an?
Kommt auf die Bücherei und auf das Buch an. Ihre finanziell besser aufgestellte Bücherei nimmt keine Spenden, weil sie sich die neuesten Bücher selbst kauft; die kleinere schon. Kinderbücher in gutem Zustand gehen fast immer, bei Büchern für Erwachsene zählt die Aktualität – fünf bis sieben Jahre alte Titel wollen die Leser*innen meist nicht mehr. Was nicht in den Bestand passt, wandert in den Bücherflohmarkt für einen Euro pro Buch. Weitere Adressen aus der Folge: die Diözese und das Hospiz.
Was ist der Unterschied zwischen Bücherei und Bibliothek?
Eine feste Definition kennt auch Katharina Bracke nicht. Für sie ist die Bibliothek eher das Große und Wissenschaftliche – Staatsbibliothek, Hochschulbibliothek –, die Bücherei der Ort, an dem man sich Romane und Krimis zum Schmökern ausleiht. Helen googelt parallel: Die Begriffe werden synonym verwendet, wobei Bücherei oft die ältere Bezeichnung für eine öffentliche Bibliothek ist. Oft ist es schlicht der Eigenname des Hauses.
Verdienen Autor*innen an Ausleihen in der Bücherei?
In Australien gibt es dafür ein staatliches Programm, das Public Lending Right, auf das ein Buchclubmitglied Helen hingewiesen hat. Katharina Bracke beschreibt, wie es bei ihr läuft: Die Bücherei kauft jedes Buch einmal zum gebundenen Ladenpreis im Handel, und von der Bücherei geht darüber hinaus nichts an Verlag oder Autor*in. Auch in Deutschland gibt es allerdings eine Bibliothekstantieme nach § 27 Urheberrechtsgesetz – sie wird nicht von den Büchereien, sondern von Bund und Ländern getragen und über die Verwertungsgesellschaften ausgeschüttet.
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Die ganze Folge zum Nachlesen
Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme. Helens An- und Abmoderation und der eingesprochene Hinweis auf die Schmökerrunde stehen nicht hier. Katharina Bracke nennt im Gespräch einen älteren Namen ihres Instagram-Kanals; er heißt heute @lebe_die_buecherei.
Helen
Herzlich willkommen Katharina. Ich freue mich sehr, mit dir heute über so das Thema Büchereien, Bibliotheken zu sprechen. Vor allem würde mich gleich mal irgendwie auch interessieren. Was ist eigentlich der Unterschied? Aber vielleicht einmal zu Beginn. Ich habe dich ja vorher gefragt, wo wir uns heute treffen, wenn wir uns im Real Life treffen würden und du dein Wunschszenario dir überlegen könntest. Wo wären wir denn gerade und womit würden wir anstoßen?
Katharina Bracke
Ja, auch erstmal ein herzliches Willkommen von mir und vielen Dank für die Einladung, liebe Helen, ich freue mich sehr, dass ich heute mit dir sprechen darf. Und ich habe mir überlegt, dass wir uns in meiner Bücherei treffen, dass ich dir einfach ein bisschen zeigen kann, was wir alles so machen und was wir so da haben. Und anstoßen möchte ich mit dir gerne mit einem Hopfensekt, weil meine Bücherei ist nämlich im schönen Niederbayern direkt im Hopfenland. Und genau, und da trinkt man dann gerne mal ein Hopfensekt, wenn es kein Bier sein soll.
Helen
Und jetzt muss man mal kurz mal erklären, was ist das denn?
Katharina Bracke
Also Hopfensekt ist eigentlich ein ganz normaler Sekt, nur dass halt Hopfen mit drin ist. Also so eine Art Hugo mit Hopfen kann man sich so vorstellen.
Helen
Das ist ja cool.
Katharina Bracke
Ja und Hopfen ist natürlich bei uns, also egal wo du hier hinfährst, im Umkreis von, sag ich mal, 30, 35 Kilometern. Wir sind hier im Holledauer Land, wo halt eben die Hopfenfelder sind. Und da wird ganz ganz viel mit Hopfen gemacht. Also jetzt gerade gibt es auch wieder Hopfenkränze, weil jetzt die ganze Hopfenernte war, damit eben das Bier gebraut werden kann. Und dann gibt es eben Hopfenbauern, die das dann an die Brauereien verkaufen und dann wird das Bier gebraut.
Helen
Das hört sich irgendwie richtig gut an.
Katharina Bracke
Das ist eine sehr sehr schöne Sache. Das macht hier schon sehr viel Spaß.
Helen
Muss ich auf jeden Fall mal ausprobieren. Klingt vielversprechend, also ich bin schon auch auf jeden Fall Fan von Sekt. Ich bin gespannt, ob es irgendwie anders schmeckt, aber dann würde ich sagen, stoßen wir damit einmal in deiner Bücherei an.
Katharina Bracke
Sehr gern.
Helen
Dann lass uns doch vielleicht mal damit anfangen. Was ist das für eine Bücherei? Was machst du da? Stell dich mal vor. Erzähl uns, was du so treibst.
Katharina Bracke
Also ich bin Büchereileiterin bei mir in der Gemeinde in zwei Büchereien. Also wir haben eine Verwaltungsgemeinschaft mit drei Gemeinden und in zwei davon habe ich eben in den beiden Büchereien die Leitung. Und ja, was mache ich so den lieben langen Tag? Ich mache ganz viel das organisatorische und das kreative dahinter. Wir haben natürlich, also ich habe natürlich ein Team von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Ich bin die Einzige, die in der Gemeinde angestellt ist und alle anderen machen das ehrenamtlich. Und da habe ich einen unglaublich großen Respekt davor, weil die ja auch zum Teil noch arbeiten oder Kinder zu betreuen haben oder Enkelkinder zu betreuen haben und dann nebenbei das ganze stemmen. Und genau, also wir haben natürlich die Ausleihe, die zu besetzen ist, dann haben wir mehr Veranstaltungen im Jahr, wo ich eben dann ganz viel organisiere. Wir haben auch viel Verwaltungstechnisches natürlich zu erledigen, ganz viel Rücksprache mit der Gemeinde, weil, und das ist natürlich das Schöne und gleichzeitig auch der Nachteil, die Bücherei kann sich nicht selber finanzieren, dadurch, dass die Leute kaum Geld bei uns bezahlen müssen, dafür, dass sie Bücher ausleihen können. Also Kinder sind bis 18 Jahre frei und alle drüber zahlen 12 Euro im Jahr. Und wenn man da schon mal überlegt, ein Buch kostet mindestens 12 Euro, hat man da eigentlich schon wieder viel drin, wenn man sich in der Bücherei anmeldet und dann einfach da ganz ganz viel quasi kostenlos ausleihen kann. Und dadurch sind wir aber natürlich auf Spenden angewiesen und eben ganz viel auf die Unterstützung von der Gemeinde, dass sie uns die Technik zur Verfügung stellt, dass sie uns die Räume zur Verfügung stellt und dass sie uns eben auch im Einkaufen für die Bücherei unterstützt. Und da kommt natürlich ganz viel verwaltungsorganisatorisches zusammen, was ich dann erledige.
Helen
Megaspannend, da macht man sich ja oft gar keine Gedanken Ich habe gerade kurz gedacht, ob ich ein gutes Bücherei-Mitglied bin, weil ich nur zahle und irgendwie immer vergesse, auch mal hinzugehen und mir was auszuleihen. Aber ich weiß gar nicht, weil trotzdem werden ja Dinge angeschafft und so. Ich weiß gar nicht, ob das so ein Riesenvorteil ist.
Katharina Bracke
Also ich sag’s mal so, du fällst zumindest der Bücherei schon mal nicht zur Last, wenn du dein Geld zahlst und einfach nicht mitkriegst.
Helen
Sehr gut.
Katharina Bracke
Besser als wenn du kein Mitglied bist. Aber natürlich freut sich die Bücherei auch, wenn du dann was ausleihst, weil sich das natürlich auch in den Zahlen widerschlägt. Und bei uns ist es zum Beispiel so, wir sind Mitglied im Sankt Michaelsbund, der agiert hier in Bayern. Das ist eine kirchliche Einrichtung, die kirchliche Büchereien unterstützt. Und über den Michaelsbund kann man einen Staatszuschuss beantragen. Und der beläuft sich aber nach den Ausleihzahlen und nach den Besucherzahlen. Das heißt, je mehr Mitglieder in die Bücherei kommen und Bücher ausleihen, desto höher fällt der Staatszuschuss für die Bücherei raus.
Helen
Das ist gut zu wissen. Also alle, bei jeder Ausbaurunde oder wenn ein Buch versteht, erwähne ich es ja auch, aber an der Stelle nochmal der Aufruf, alle auf jeden Fall entweder in der lokalen kleinen Buchhandlung kaufen oder in der Bücherei um die Ecke ausleihen. Also auf jeden Fall wäre das jetzt schon mal eine richtig gute Gelegenheit, einfach schon mal ein Mitglied, also irgendwie Mitglied zu werden, aber dann bei der nächsten Gelegenheit ausleihen. Da werden jetzt bestimmt ganz viele kommen und sagen, dass häufig die Mädels, die lesen-Bücher dann eben verliehen sind, aber man kann es ja zumindest probieren. Und man kann doch irgendwie wahrscheinlich zumindest im, weiß ich gar nicht, ist das so, kann man immer auch die E-Book-Variante trotzdem irgendwie bekommen oder wie läuft so was?
Katharina Bracke
Kommt drauf an. Also es gibt eine Onleihe. Soweit ich weiß, gibt es auch in ganz Deutschland eine Onleihe, die von den meisten Büchereien auch genutzt wird. Nicht von allen, weil auch das natürlich wieder extra Geld kostet, aber bei uns zum Beispiel müssen jetzt die Leute kein extra Geld mehr für die Onleihe zahlen. Das machen die Büchereien ganz unterschiedlich. Es gibt Formate, wo man sich nur für Bücherei anmeldet oder wo man sich nur für die Onleihe einmeldet. Bei uns meldet man sich in der Bücherei an und hat Zugriff auf beides. Es gibt, die Onleihe ist halt sehr schön, weil es ein Zusatzangebot ist. Da sind über 50.000 Medien bei uns drauf. Das heißt, man hat eine viel, viel, viel größere Auswahl, was man alles sich ausleihen kann, mit E-Books, E-Learnings, Zeitschriften, Hörbücher. Aber natürlich ist es auch da so, grad die neuen Sachen oder die aktuellen Sachen sind einfach sehr schnell vergriffen. Der Einkauf benützt zwar darum, mehrere Lizenzen zu bekommen, aber die sind natürlich auch nicht ganz billig. Und dann sind es halt mal, dass man von einem Buch vielleicht drei Lizenzen hat. Aber dadurch, dass die Onleihe jetzt zumindest bei uns ist, ist es so eben auch, wenn das ein Michaelsbund läuft, sind da sehr viele Büchereien in der Onleihe angeschlossen. Und somit natürlich noch viel mehr Leser und Leserinnen. Und dadurch hat man eine ganz große Zahl an Besuchern, die dann auf drei Bücher zugreifen wollen. Ja, ganz, ganz krass jetzt mal gesagt. Und von dem her sind natürlich auch viele Bücher weg. Aber da muss man dann vielleicht auch einfach mal sich zurücknehmen und sagen, okay, ich muss jetzt nicht gerade das allerneueste Buch vielleicht lesen, sondern ich stöbe halt einfach mal durch und schaue, was gibt es, was mich interessiert, was ich vielleicht einfach noch nicht gelesen habe. Also ich entdecke immer wieder genug für mich, was ich da gerne mit mir anhöre oder auch eben lese. Ich finde und die Onleihe ist ein echt super Angebot.
Helen
Ja, die habe ich tatsächlich auch schon genutzt. Ich glaube, was ich bei mir jetzt ändern muss, ich hatte mich, also ich wohne ja in Bonn und hier gibt es eine recht große Bibliothek. Das läuft bestimmt dann auch nochmal anders. Ich meine, als wir mal so gesprochen haben, hatten wir ja auch festgestellt, dass es schon so ein bisschen wenig eigentlich miteinander so verknüpft, verschiedene so Reihen und so, aber das ist hier eigentlich ziemlich groß und es gibt verschiedene Außenstellen. Ich hatte mich für die in der Innenstadt angemeldet, weil die ist halt schön und so. Und bretsch bin ich manchmal auch in der Innenstadt. Aber das ist nicht so mein Go-To. In Bad Godesberg, wo ich wohne, gibt’s auch eine. Ich glaub, das würde für mich viel mehr Sinn machen. Dann muss ich mir einfach mal angewöhnen, dass ich diesen Weg so gehe, dass ich da tatsächlich vorbeikomme. Weil eigentlich find ich das voll schön, gerade weil ich gar nicht so gerne mehr Bücher besitzen möchte. Ich glaube, in meiner Vorstellung ist nur, dass ich denke, ich stehe dann unter Druck, weil ich es in einem bestimmten Zeitrahmen lesen muss. Dabei ist ja aber gar nicht mehr so genau, wie lange darf ich die in der Regel ausleihen? Zwei Wochen oder so?
Katharina Bracke
Unterschiedlich. Bei uns sind es drei Wochen, aber auch da muss man jetzt sagen, gerade jetzt auf dem Dorf. Also bei uns ist es ja so, jeder kennt jeden, alle sind mit allen befreundet. Wir kriegen E-Mails zugeschickt, hey, habt ihr das Buch da? Eine Kollegin kennt die Person dann wieder und ratelt da schnell rüber und wirft der das Buch in eine Briefkasten oder so. Also das läuft alles sehr freundschaftlich eigentlich. Und deswegen ist das bei uns überhaupt kein Problem. Also man kann das Buch auch mal für zwei Wochen ausnehmen oder auch mal für 16 Wochen, wenn es ist. Also solange wir das Buch am Ende wieder zurückbekommen, ist das kein Problem. Wir schauen dann schon, also es gibt natürlich auch die Fälle, wo wir halt dann Mahngebühren einfach draufsetzen. Das erzeugt auch das System automatisch und wir können dann aber entscheiden, ob wir die halt nehmen oder nicht und das machen wir sehr individuell, ob wir dann Mahngebühren wirklich nehmen oder nicht. Aber grundsätzlich verlängern kann man es auch selber immer, weil es gibt auch über das Internet dann einen Account, wo man sich mit der Benutzernummer von seinem Leserausweis anmelden kann. Und dann kann man da auch selber das einfach verlängern. Das ist kein Problem. Daran soll es jetzt nicht scheitern, dass man die nicht hereinig liest.
Helen
Aber es ist wahrscheinlich so, wenn jetzt jemand anderes Interesse anmeldet, dann muss ich wahrscheinlich schon zurückgeben, oder?
Katharina Bracke
Genau, also das ist tatsächlich, wir können Bücher vormerken lassen und das ist dann der Punkt, wo dann auch der Leser oder die Leserin das Buch dann zurückgeben muss, weil es halt jemand anders dann gern lesen möchte. Aber solange keine Vormerkungen drauf sind, kann das Buch eigentlich benötiglich lang ausgehen werden.
Helen
Ja, ich glaube manchmal ist es auch einfach so, man muss dann einfach so mal diesen Schalter noch mal im Kopf oben legen und sich denken, ja gut, so what? Ich kann es einfach mal probieren für zwei oder drei Wochen, wenn ich fertig werde, dann lege ich es mir nochmal aus.
Katharina Bracke
Da möchte ich auch wirklich dazu sagen, da ist es uns jetzt als Team vor allem wichtig, dass die Leute zu uns kommen, die überhaupt lesen. Und da sind wir schon froh, wenn sie das Buch mitnehmen und auch wenn sie es dann zwei Monate behalten, weil sie sagen, sie lesen nicht so schnell, aber sie haben gelesen. Das ist ja für uns das Wichtige. Wir wollen ja wirklich das Buch in die Welt hinaustragen. Damit geht’s ja wirklich.
Helen
Das finde ich recht schön. Okay, also ich nehme das jetzt ganz fest nochmal vor. Einen Ding. Ich glaube, wenn die Folge rauskommt, ist auch bald wieder mein Mitgliedsbeitrag fällig. Und das ist immer so der Moment, wo ich denke, oh, diesmal wird alles ganz anders. In diesem neuen Mitgliedsbeitragsjahr.
Katharina Bracke
Da hast du gleich einen Neujahrsvorsatz.
Helen
Ja, wirklich. Vor allem, ich finde es halt auch voll schön so in Bibliotheken. Ich neige einfach manchmal so dazu, wenn ich so was Neues ausprobiere, dass ich dann, ich habe dann wie so innere Blockaden und ich habe das Gefühl, das ist mir im Alter eher schlimmer geworden als besser.
Katharina Bracke
Ja, das kenne ich.
Helen
Ja, was soll da passieren? Ich hab früher, da war ich einfach so Stammkundschaft in der Bücherei. So ich weiß, dass ich mich da wohl fühle, auch wenn es eine andere Bücherei war. Ja, ich probier das einfach nochmal. Ich hab da auf jeden Fall Lust drauf und ich schick dir ein Bild.
Katharina Bracke
Sehr schön, ja das möchte ich haben. Wunderbar.
Helen
Richtig cool.
Katharina Bracke
Das ist ja auch ein Punkt von der Bücherei. Sie soll ja auch ein Treffpunkt sein. Dass sich die Leute treffen können. Das kann jetzt natürlich in Stadtbibliotheken wieder ein bisschen anders sein, weil die natürlich größer sind und einfach vom Stadtgefühl automatisch wieder ein bisschen anonymer, aber gerade so in den kleineren Bibliotheken, da trifft man sich halt dann einfach. Da treffen sich dann die Mütter mit den ganzen Kindern und dann stöbern die Kinder in den ganzen Bilderbüchern und die Mütter können sich unterhalten oder auch die Väter. Also wir haben auch Väter, die in die Bücherei kommen. Also von dem her, Bücherei hat für mich eigentlich die zwei größten Punkte, die eine Bücherei mitbringt, ist eigentlich einmal der Treffpunkt und zum anderen die Bildung, gerade für Kinder halt. Das ist eigentlich auch noch mal ein sehr großer Punkt, dass Kinder angeregt werden zum Lesen und auch nochmal anders als in der Schule dazu angeregt werden zu lesen. Das ist ganz wichtig.
Helen
Ja, wo du das gerade sagst, da erinnere ich mich auch, das fand ich nämlich nur so eine coole Aktion, dass ich das sogar gescreenshotet habe, weil ich dachte, hoffentlich können wir das auch mal bei Mädels, die lesen machen. Und zwar hatte Mirna Funk die Autorin. Ich meine, vielleicht war das jetzt ja so im Weihnachten rum, da sieht man mal, wie lange das schon wieder her ist. Ich überlege manchmal zu lange. Aber sie hatte irgendwie dann nämlich gesagt, dass Büchereien so ein toller Treffpunkt oder so eben für Eltern sind. Also ähnlich wie du das jetzt auch gerade beschrieben hast. Also ich weiß nicht mehr so genau in den Wortlaut. Und hatte dann aber auf jeden Fall eine Jahresmitgliedschaft. Ich glaube halt für die Bibliothek dann in Berlin, weil sie in Berlin lebt, verlost. Aber ich dachte halt eigentlich fände ich das voll cool. Da hatte ich dich ja auch mal drauf angesprochen, wie wäre das, wenn ich bei Mädels, die lesen verlose. Weil es gibt ja nicht so die eine Mitgliedschaft für eine Bibliothek in Deutschland, sondern es ist ja bei jedem einzeln. Ich weiß gar nicht mehr so genau, was wir gesagt haben. Wahrscheinlich wäre es dann einfach sinnvoll, ich übernehme die Rechnung oder so von dieser einzelnen Bibliothek. Aber ich fände es eigentlich voll schön, vielleicht machen wir das im Rahmen der Podcast. Ich entscheide das jetzt einfach. Im Rahmen der Podcast-Folge verlosen wir eine Mitgliedschaft für ist immer eine Jahresmitgliedschaft, glaube ich, ne?
Katharina Bracke
Normalerweise würde ich sagen, es ist eine Jahresmitgliedschaft, ja.
Helen
Ja, machen wir. Hierzu geht ein Feed, Post, Online, schaut einfach mal auf dem Profil.
Katharina Bracke
Cool, sehr schön.
Helen
Weil irgendwie finde ich das wirklich eine schöne Sache und ich glaube, oft hat man das vielleicht wirklich nicht so oft im Schirm. Weil, wie du ja auch sagst, es gibt auch Veranstaltungen und so.
Katharina Bracke
Ja.
Helen
Es gab einfach einen Ort, wo man sich viel mehr mal aufhalten sollte.
Katharina Bracke
Weil man auch da dazu sagen kann, jetzt aus meiner Erfahrung, es liegt auch zum Teil mit an den Bibliotheken oder Büchereien, also das soll jetzt auch gar nicht irgendwie negativ sein oder so, aber manche Büchereien trauen sich vielleicht nicht so oder haben das Gefühl, dass sie gar nicht so sichtbar sein dürfen, weil es immer was gibt in der Gemeinde, was dann vielleicht auch wichtiger ist. Also ich merke das jetzt schon bei mir selber und meinen Kolleginnen, wenn wir halt nach Terminen suchen, dann heißt es immer, ja, aber da ist dann die Veranstaltung, da ist die Veranstaltung, das ist auch wichtig. Und wir, wir sind ja so klein und nach dem Motto, wir sind nicht so wichtig und deswegen müssen wir uns da zurücknehmen und können jetzt da an den Veranstaltungen nicht reingrätschen oder da irgendwas wegnehmen. Natürlich, also jetzt gerade in so kleinen Dörfen, wenn da ein Beinfest ist oder sowas, dann machen wir da natürlich keine Büchereiveranstaltungen. Aber trotzdem finde ich, ist auch die Bücherei wichtig. Und auch die Bücherei hat das Recht, da zu sein, hat das Recht, Veranstaltungen zu machen und muss aber auch was dafür tun, sichtbar zu sein. Also sie muss zeigen, dass du da ist und sie muss zeigen, was sie für Veranstaltungen anbietet und was sie für Angebote hat. Und auch einfach dann mal wirklich hingehen und wirklich sich zeigen und sagen, boah, ich bin da und die Bücherei ist cool und kommt alle zu uns, weil wir haben so tolle Sachen. Und das fehlt manchmal noch so ein bisschen, dass auch die Bücherei sich da wirklich dann mal aufgrößtert. So wie das halt andere Vereine auch machen.
Helen
Ja. Falls aber jetzt jemand zuhört von einer Bücherei oder Bibliothek, kann man ja mal bei deinem Profil vorbeischauen, weil du dafür ja Hilfestellung, sag ich mal, anbietest, wie man sichtbarer wird als Bibliothek. Sag doch mal grad, wo man dich da findet, wo man am besten vorbeischaut.
Katharina Bracke
Genau, da könnt ihr am besten auf meinem Instagram-Kanal vorbeischauen und zwar Lebe die Herausforderung mit jeweils Unterstrich, also lebe unterstrich die Unterstrich Herausforderung.
Helen
Haben wir auch nochmal in der Folgenbeschreibung verlinkt. In jedem Fall gerne mal vorbeischauen und Hallo sagen und sagen, wie ihr die Folge fandet.
Katharina Bracke
Ja, würde ich mich sehr freuen.
Helen
Ja, ich finde es halt einfach auch wirklich auch eine richtig schöne Idee, dass du das machst und dass du auch andere dazu anregst, sich vielleicht dann ein bisschen mehr hervorzutrauen, weil klar, das ist auch anders ja, als so wie ich das jetzt hier in Bonn erlebe. Ich weiß schon, dass die Stadt Bibliothek hier einiges macht. Also ich glaube, die haben da wahrscheinlich, also ich kenne ja die internen Strukturen, ich glaube aber, dass sie weniger jetzt so die Sorge haben, irgendwo dazwischen zu grätschen, aber das ist vielleicht was ganz anderes eben in kleineren Städten. Und ich glaube, wir brauchen das halt mehr, so dieses, die Leute wirklich ein bisschen darauf stoßen, dass es Bibliotheken gibt, dass es Buchhandlungen gibt und so was, weil es ist vielleicht einfach nicht mehr ganz so präsent immer.
Katharina Bracke
Also es kommt natürlich auch ein bisschen auf die Kapazität an. Stadtbibliotheken oder große Bibliotheken oder Büchereien haben natürlich den Vorteil, dass viele da oder die meisten eher dann angestellt sind bei der Gemeinde, bei der öffentlichen Dienst und dadurch natürlich auch mehr arbeiten. Bei uns ist es jetzt so, die Einzige, die wirklich mehr arbeitet, bin ich. Und die anderen sind ja ehrenamtlich dabei und können natürlich das machen, was halt kapazitätstechnisch bei ihnen eben möglich ist. Und das ist natürlich, dadurch können wir einfach nicht so viel stemmen wie eine große Bücherei, weil es bei uns finanziell und von einer Auslastung einfach nicht möglich ist. Aber wir versuchen das zu machen, was wir machen können.
Helen
Das finde ich auch echt krass. Darüber habe ich auch gar nicht so nachgedacht, dass das dann Ehrenamtliche sind. Weißt du, ist das so der gängige Fall oder kommt es auch wieder drauf an?
Katharina Bracke
Also was ich jetzt mitkriege, die Kleinen bis Mittelgroßenbüchereien sind schon eher ehrenamtlich, auch zum Teil ehrenamtlich geführt. Also bevor ich jetzt die Leitung übernommen habe. Meine beiden Vorgängerinnen haben das sehr, sehr lange gemacht. Die Bücherei wurde mit aufgebaut und die in einer hat es 15 und die andere fast 25 Jahre gemacht.
Helen
Wow.
Katharina Bracke
Und komplett ehrenamtlich. Und da habe ich wirklich Respekt vor, weil ich sehe es ja jetzt selber, wie viel Arbeit das eigentlich macht, auch gerade mit der Leitung. Am Ende des Jahres müssen Statistiken erstellt werden und immer die Gespräche mit der Gemeinde und die komplette Organisation liegt eigentlich alles bei der Leitung. Und das alles zu stemmen ist schon echt ordentlich. Und dann auch noch ehrenamtlich. Also wow, das ist Wahnsinn.
Helen
Hut ab. Ja, krass. Okay, aber da habe ich das Gefühl, da haben wir ja da direkt noch was. Also man kann Bücher rein unterstützen, indem man Mitglied wird, indem man Bücher auch tatsächlich ausleitet. Aber man kann wahrscheinlich dann ja auch einfach mal schauen, ob vor Ort ehrenamtliche Helfer gesucht werden, oder?
Katharina Bracke
Also, wenn wir gefragt werden, hey, darf ich bei euch mitmachen, dann schmettern wir da jetzt eigentlich nur nach dem Absondern ganz im Gegenteil. Je größer das Team ist eigentlich, desto besser, weil sich die Belastung verteilt. Wenn wir Veranstaltungen haben, dann sagen wir mal, wir sind ein Team vielleicht von acht Leuten, dann wir haben eine Veranstaltung, dann sind halt immer dieselben fünf, sechs Leute mit dabei. Und das bei jedem Mal, was wir machen, ganz genau, weil es eben ja ehrenamtlich ist. Und wenn wir jetzt aber ein 15-köpfiges Team haben, dann verteilt sich das halt schon besser. Dann sind halt fünf bei der einen Veranstaltung dabei, fünf bei der anderen Veranstaltung. Und dann ist es auch überhaupt kein Problem, wenn eben mal ein paar Leute auf mal längere Zeit einfach anderweitig beschäftigt sind. Beides sind immer noch genügend da.
Helen
Okay, das finde ich richtig gut. Und was du eben auch gesagt hast, dass ihr auf Spenden angewiesen seid, da habe ich dann gedacht, du meinst wahrscheinlich eher Geldspenden, aber falls das gerade nicht möglich ist, könnt ihr was mit Bücherspenden anfangen? Weil da habe ich das Gefühl, damit könnten wir wahrscheinlich eher dienen.
Katharina Bracke
Ja, Bücherspenden muss man ein bisschen differenziert betrachten. Ich sage mal, es kommt aufs Buch an. Also ich sehe jetzt auch tatsächlich verschiedene Seiten, weil Dadurch, dass ich zwei Büchereien habe und die eine ein bisschen größer ist und finanziell besser aufgestellt ist als die andere, werden dann natürlich auch unterschiedliche Wege überfahren sozusagen. Und in der Bücherei, die finanziell einfach sich mehr leisten kann, nehmen wir tatsächlich keine Bücherspenden an. Weil wir besorgen uns dann selber die neuesten Bücher. In der anderen Bücherei nehmen wir schon Spenden an, weil da können wir uns ja nicht so viel leisten und da sind wir einfach froh, wenn wir überhaupt was haben. Aber es kommt schon auch ein bisschen auf die Bücher an. Kinderbücher, sag ich mal, das ist eigentlich ziemlich egal, dann nehmen wir so lange es in gutem Zustand ist eigentlich alles, weil Kinder freuen sich einfach, wenn sie überhaupt irgendwie was haben zum Thema Bauernhof oder Goldorf oder sowas. Und bei Erwachsenenbüchern ist es aber schon, man muss schon sehr auf die Aktualität achten. Also dadurch, dass jetzt auch der Büchermarkt an sich ja schon auch schneller geworden ist und immer rasanter, es kommen mehr Bücher auf den Markt und dadurch müssen wir schon schauen, dass wir einfach auch die aktuellsten Bücher da haben, aber das, was wir bekommen, sind natürlich die Bücher, die schon gelesen wurden und die dann auch schon wieder fünf, sechs, sieben Jahre alt sind. Und das ist halt dann oft nicht mehr das, was unsere Leser dann aber haben wollen. Es ist tatsächlich ganz so einfach mit den Schränken.
Helen
Ja, ist aber ja auch ein guter Hinweis, so dass man sich damit dann vielleicht zurückhält. Es gibt ja auch Bücherschränke, wo man die sehr gut reinstellen kann.
Katharina Bracke
Richtig.
Helen
Oh, da muss ich auch an der Stelle einmal was sagen, weil ich habe letztens in Bonn hier eine Führung gemacht. Das war von der VHS-Bonn auch irgendwie. Ja, ich habe über die VHS-Bonn gebucht. Es ist aber eigentlich irgendwie auch ein Verein, die das veranstalten. Man ist zu den Plätzen geführt worden, wo sich Wohnungslose aufhalten, und die Führung wurde durchgeführt von einer EMA ins Wohnungslosen. Das fand ich super spannend. Und ich fand, mich hat das irgendwie ein bisschen glücklich gemacht. Ich weiß nicht, ob es falsch klingt, aber es hat mich irgendwie glücklich gemacht, dass sie meinte, dass sie sich immer Bücher auch aus dem Bücherschrank genommen hat. Mittlerweile, weil sie hat so einen Stammplatz und mittlerweile kennen die Leute sie und bringen ihre Bücher und so. Aber ich fand das total schön, weil ich finde Bücherschränke auch so super sinnvoll. Aber das war so ein Aspekt, über den ich noch gar nicht so nachgedacht hatte. Also finde ich, kann man das auch einfach mal mit mitdenken. Dann nicht diese Ollen so, also so ganz Ollen dann vielleicht lassen, weil die werden ja auch schnell zugemüllt. Aber gerne Bücher in Bücherschränke bringen. Was ich mich aber gefragt habe, macht ihr denn dann so einen Bücher-Flohmarkt oder so auch mal? Könnt ihr da Bücherspenden gebraucht?
Katharina Bracke
Zum Beispiel, also da schon. Also wir machen es auch in der Kleineren Bücherei, wo wir eh Bücherspenden annehmen, da sag ich meistens zu den Leuten, bringt uns die Bücher einfach und ich schau dann, was ich halt verwenden kann und der Rest wandert in unseren Schrank für den nächsten Bücherflohmarkt. Weil da in dem Ort gibt’s eh Freitag Nachmittag immer einen Markt, wo halt regionale Leute da sind, die dann zum Beispiel im Honig oder so was verkaufen und ab und zu werden wir angefragt, ob wir auch mal wieder einen Stand besetzen wollen. Und da machen wir dann einen Bücherflohmarkt und verkaufen halt die Bücher für einen Euro. Genau, ja. Und für sowas ist es halt dann schon ganz praktisch auf jeden Fall.
Helen
Ja, man kann ja einfach mal fragen. Ich glaube, es schadet einfach gar nicht mal so rauszufinden, wo ist denn eigentlich meine nächste Bücherei?
Katharina Bracke
Richtig.
Helen
Und sich da mal blicken zu lassen und einfach mal zu schauen, ob die so gebrauchen können.
Katharina Bracke
Genau, genau. Ja. Aber wenn man bücherlos werden will, was wir zum Beispiel auch machen, ist, bei den Diözesen anzufragen. Oder wir haben auch durch eine Kollegin Kontakte ins Hospiz. Und die freuen sich tatsächlich auch immer über Bücher spenden.
Helen
Das finde ich einen richtig guten Hinweis. Okay, das ist cool. Ich meine, die sind ja eigentlich auch in jeder Stadt, wahrscheinlich.
Katharina Bracke
Würde ich jetzt schon mal sagen. Also ich habe mich jetzt noch nicht genau damit befasst, wo es jetzt bei uns genau ein Hospiz gibt, aber in Landshut auf jeden Fall.
Helen
Ja. Und das ist die größte Stadt. Tatsächlich werde ich das schon häufiger mal gefragt, was ich mit meinen Büchern mache. Also ich glaube, viele haben noch so ein bisschen diese Sperre, ich kann meine Bücher nicht weggeben, das kann ich auch absolut nachvollziehen, aber ich habe mittlerweile irgendwie eigentlich entschieden, wenn ich es ausgelesen habe, gebe ich es weg. Meistens habe ich schon jemanden im Sinn, dem ich das geben kann. Manchmal, aber irgendwie wird es immer weniger, dass ich dann vielleicht mal, wenn ich ganz viele zusammen habe, irgendwie das mal bei sowas wie Momox oder so verkaufe. Aber das mache ich eigentlich fast gar nicht. Ich gebe die eigentlich alle dann in den Bücherschrank. Weil ich will es dann auch nicht mehr hier liegen haben. Und ich liebe halt einfach Bücherschränke, weil ich da selber schon so oft tolle Sachen entdeckt habe. Und ich das irgendwie so eine total sinnvolle Idee finde. Aber ich glaube, gerade wenn man vielleicht irgendwie eine größere Menge hat, also wenn man vielleicht bisher noch nicht die Bücher ausgemistet hat und jetzt mal die Gelegenheit nutzt, dann ist sowas vielleicht ganz praktisch zu wissen. Ich könnte mich an die Bücherei wenden oder ich könnte auch mal am Hospiz nachfragen, weil die dann auch eine größere Menge vielleicht gebrauchen können.
Katharina Bracke
Bücherschränke sind ja häufig schon ziemlich voll. Also ich habe jetzt letztens auch eine größere Menge Bücher aussortiert und ich habe sie dann auf verschiedene Bücherschränke verteilt. Man soll jetzt nicht seine 20 Bücher alle an den Schrank stellen. Und da bin ich an verschiedene gefahren. Und was ich sehr interessant fand, wie unterschiedlich sie aufgestellt waren. Also es gab einen Bücherschrank, der war total ordentlich und da waren hauptsächlich neue Bücher drin und es war richtig schön da reinzuschauen. Und dann gab es einen Bücherschrank, da waren nur so alte Schinken aus den 50ern drinnen und die Seiten waren schon total drin. Und da merkt man halt dann auch, wo ist wirklich jemand dahinter, der sich halt in diesem Bücherschrank kümmert und wo halt auch nicht so sehr oder vielleicht sind da dann auch tatsächlich, war das eine coole Idee, aber die Kapazitäten sind dann gar nicht da, dass sich da jemand wirklich drum kümmert und sich damit auseinandersetzt, dass da dann doch auch mal so alte Bücher und so Taschenbücher, die heute schnell verknicken, dann doch mal einfach abgeschmissen werden, dass halt die neuen Bücher Platz haben. Fand ich auch spannend.
Helen
Und da muss ich immer trotzdem auch sagen, da blutet irgendwie mein Herz. Ich finde es auch richtig schwierig, so etwas wegzulegen. Ich glaube, deswegen habe ich das angefangen mit dem Online-Shop, dass ich dann aus diesen Ollenbüchern noch was bastle, weil ich finde es voll schwer.
Katharina Bracke
Ja, ist auch nicht einfach. Ich glaube, ich bin dann zwischendurch ein bisschen…
Helen
Ja, wahrscheinlich auch durch deinen Job einfach, ne?
Katharina Bracke
Genau, richtig. Also ich habe ja eigentlich eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht und da haben wir auch wirklich rigoros halt dann die Bücher einfach mal aussortieren müssen, damit halt das immer egal bleibt, was halt sich auch dann noch wirklich verkauft. Und das habe ich auch jetzt in der Bücherei gemerkt, wo wir letztes Jahr dann aussortiert haben. Haben wir halt auch gesagt, okay, alles, was vor 2017 angeschafft wurde, das muss raus, weil das ist einfach zu alt. Ich bin da ganz rigoros dran und alles, was vor 2017 war, habe ich einfach raus. Und meine ganzen Kolleginnen haben da die Bücher wieder angeschaut und haben dann gemeint, oh, willst du das wirklich schon wegschmeißen, wir wollen das doch noch behalten. Und da habe ich gesagt, ja klar, aber es wird sich halt, es wurde die letzten fünf Jahre nicht ausgeliehen, also wird es jetzt auch nicht mehr ausgeliehen werden. Selbst dann ist es wieder ein Jahr stehen lassen. Das ist halt leider mal traurig, aber wir brauchen halt auch den Platz für die neuen Bücher. Wir können uns ja raumtechnisch nicht vergrößern, deswegen.
Helen
Ja, das verstehe ich vorher gar nicht mal so leicht. Ich glaube, ich werde wahrscheinlich auch fehler im Platz. Oder man härtet dann halt einfach so ab.
Katharina Bracke
Ja, das verstehe ich, ich bin da ein bisschen abgehärtet.
Helen
Eine Sache, die ich mich eben gefragt habe, weil du ja auch so angesprochen hast, dass, ich weiß nicht, so ein bisschen euer Auftrag vielleicht auch ist, ich weiß nicht, ob man das so bezeichnen würde, aber du hattest von der Bildung von Kindern, ich weiß nicht mehr, wie du es eben vorbeigetatet hast. Bildung für Kinder. Und da habe ich mich gefragt, weil es gibt auch von der Stiftung Lesen kommt das Vorlesetag, oder?
Katharina Bracke
Richtig, der ist jetzt im November wieder.
Helen
Das passt ja richtig gut, aber der ist wahrscheinlich oder schon vor der Ausstrahlung von der Vorlesetag. Weißt du zufällig den Tag?
Katharina Bracke
Der 17. November ist der bundesweite Vorlesetag.
Helen
Dann war der jetzt gerade. Aber gut, aber ich meine, der kommt jedes Jahr wieder. Jedes Mal überlege ich halt auch, also ich glaube, da ist auch ein bisschen meine Blockade, dass ich denke, ich kann halt nicht so gut vorlesen. Ich merke das ja bei jedem Livestream, dass ich total hake. Auf der anderen Seite wäre es wahrscheinlich ein gutes Training. Ich Ich finde es eigentlich jedes Mal verlockend, aber ich weiß oft dann gar nicht so genau, also wie läuft es ab, was muss ich da eigentlich tun? Ich habe manchmal bei der Webseite von der Stiftung Lesen das Gefühl, ich muss mir auch die Location suchen, wo ich lese, aber vielleicht kannst du es mal anhand von eurer Bibliotheke irgendwie beschreiben. Wie würde das bei euch ablaufen? Könnte ich mich jetzt bei euch melden und sagen, ich will vorlesen?
Katharina Bracke
Also wir haben jetzt so ein Programm tatsächlich noch nicht, wobei ich mit den Gedanken spiele, dass wir sowas mal ins Leben riefen mit zum Beispiel Vorlesepaten. Da habe ich mich jetzt aber noch nicht genau damit beschäftigt. Ich weiß aber, dass es viele Büchereien anbieten, dass eben Freiwillige kommen und dann eben ab und zu mal eine Stunde oder eine halbe Stunde einfach da sind und was vorlesen. Und grundsätzlich kann man das mit dem Vorlesen ja ganz unterschiedlich gestalten. Also du kannst einfach was vorlesen oder du kannst ein bisschen was dir zu erzählen oder du hast ein Bilderbuch da, was du zeigen kannst. Was ich da auch sehr toll anbiete, sind die Kamishibais, weiß nicht ob du das kennst, das sind so japanische Kindertheater. Also wir haben das in der einen Bücherei, das ist wirklich so ein kleines Holztheater im Prinzip, so ein Quadrat, wo du halt dann zwei Fenster quasi aufklappen kannst, dass du so eine Art kleines Theater hast. Und dann schiebst du hinten Karten rein aus diesem Bilderbuch und kannst dann in dem Buch vorlesen und kannst gleichzeitig in diesem Theater die Bilder dazu zeigen. Und das ist für die Kinder natürlich ganz toll, wenn dann noch so ein Theater ist, wo dann nur diese Karten reingeschoben werden und dann eben die Geschichte dazu erzählt wird. Also das ist eine sehr schöne Interaktion zum Beispiel. Genau und ansonsten, was wir immer einmal im Jahr machen, sind Leseabende Viele machen auch die Lese nacht, dass dann tatsächlich, ja, kommen in die Bücherei und dann wird vorgelesen und Spiele gespielt und sie können übernachten. Das machen wir jetzt nicht, weiß ich meine Kolleginnen inzwischen ein bisschen zu weit, aber tatsächlich. Also ich habe da auch den Durchschnitt vom Team hier eher um die 60 und drüber. Und von dem her ist es da dann eher, genau, richtig. Also sie haben das früher gemacht und inzwischen ist es jetzt aber der Leseabend und das ist aber auch okay, Weil wir haben dann einen Kontakt in der Gemeinde, der aus Kanada kommt. Und der kommt dann immer mit dem Kinderbuch auf Englisch. Und da kommen dann halt die dritten und vierten Klassen, die lernen ja schon ein bisschen Englisch. Und dann macht er mit denen ein englisches Kinderbuch. Und das macht er so schön. Also er bringt dann auch wirklich Taten mit, wo dann so englische Wörter drauf stehen. Und dann sprechen die Kinder das nach. Und dann erzählt er so eine Geschichte. Also das ist wirklich total süß. Und ja, da kann man alles möglich machen. Also wir haben jetzt zum Beispiel im Oktober den Lesenachmittag, weil der Otfried Preußler am 20. Oktober 100 Jahre alt geworden wäre. Und da gibt es jetzt auch Materialien, wurden da zur Verfügung gestellt mit Ausmalen, Basteln und alles Möglichen. Und da machen wir jetzt den Lesenachmittag zur kleinen Hexe. Machen das halt auch ein bisschen interaktiv. Ja, dass halt wirklich eine Kollegin sich jetzt als Hexe verkleidet und dann halt kommt und dann dürfen die Kinder raten, wer sie ist. Und dann lesen wir ein bisschen und basteln dann Spinnennetze und so was. Also da kann man sich ganz, ganz viel einfallen lassen. Und wenn man so eine längere Veranstaltung macht, dann ist es auf jeden Fall immer gut, dass man halt diese Abwechslung hat zwischen Lesen und dann wieder Bewegung oder irgendwas Interaktives machen, dass halt auch die Konzentration von den Kindern einfach da bleibt, weil zwei Stunden am Stück einfach vorlesen ist sehr viel zu anstrengend. Ja, aber es ist halt einfach wichtig, dass sie überhaupt in die Bücherei kommen und da irgendwie Lust drauf kriegen, weil es hört wie schnell, wie da auch, sag ich mal. Also wir merken das schon ab der fünften Klasse, wenn es halt dann auf die weiterführende Schule geht, wird es schon weniger. Und gerade was ich auch bei mir jetzt gesehen habe, in der Oberstufe am Gymnasium, wir mussten halt in der 11. und 12. Klasse sehr, sehr viele Lektüren und Deutsch lesen. Und dann ganz viele Freunde bei mir, ja, haben die Lust am Lesen verloren. Und dann haben gesagt, sie haben keine Lust mehr zu lesen, weil das halt, ja, in dem Alter, sag ich mal, sind es halt wirklich einfach langweilige Bücher, wenn du dann in die Goethe oder Schiller lesen musst oder so. Das ist jetzt nicht das, was du mit 16 oder 16 gern liest. Und dann, dann halt wieder auf und kriegen nicht mehr diesen Absprung, dass sie vielleicht dann nach dem Studium oder so wieder anfangen zu lesen.
Helen
Ja, ja, boah, das höre ich so oft auch im Buchclub, dass es dann wirklich auch teilweise Jahre ins Land gehen, wo jemand kein Buch mehr anfasst, quasi aus chronischer Unlust nach der Schulzeit. Oder Studium auch oft.
Katharina Bracke
Ja, und gerade bei Kindern ist es halt wichtig, dass man es fördert. Eben schon mit dem Vorlesen und dann auch mit dem Selberlesen. Weil Lesen ist ja die Basis von allem. Also du brauchst es ja in der Schule, du brauchst es im Beruf. Du brauchst es ja überall, damit du überhaupt weiter kommst. Selbst wenn du nur deine Steuererklärung machst, musst du ja lesen können, was da steht. Ja, und das hat mir jetzt auch dieses Jahr im Sommer immer wieder gehört, dass das Lesen oder auch die Bildung von Kindern immer schlechter wird und dass sie auch immer schlechter lesen können. Da ist es schon auch von den Büchereien, finde ich, ein Auftrag, dass sie da irgendwie versuchen, ein bisschen gegenzusteuern, sage ich mal, und eben wirklich die Kinder wieder mitnehmen und ihnen zeigen, dass Lesen Spaß macht und dass die Kinder dann auch einfach selber sich Bücher ausleihen und lesen.
Helen
Ja. Okay, also falls jemand von euch Kinder hat, dass der nächste Ausflug geht in die Bücherei.
Katharina Bracke
Richtig. Also es muss auch gar nicht lang sein, einfach am Abend mal hinhocken und wirklich zehn Minuten einfach was vorlesen. Mein Vater hat es damals bei mir gemacht, der hat mir, ich glaube in der ersten Klasse, hatte mir Harry Potter vorgelesen, das komplette Buch, den ersten Band. Und dann in der zweiten Klasse kam er dann zu mir und hat gesagt, so jetzt bist du groß genug und kannst dir jetzt im zweiten Fall selber versuchen.
Helen
Ja, das ist echt krass.
Katharina Bracke
Also das ist schon wichtig.
Helen
Ja, was ich gerade auch dachte, wenn man jetzt, weil das hatte, also ich habe es dir eben erzählt, jemand, ich glaube aus der Schmökerrunde auch, direkt gesagt, wenn man bestimmte Wünsche hat, ich weiß nicht, ob das unterschiedlich ist, ob man jetzt eine besonders große Bibliothek Bücherei, das müssen wir gleich unbedingt noch klären. Also ob das davon abhängt oder ob das bei euch mit einer kleineren Bücherei genauso ist, dass man sich ruhig mit Anschaffungswünschen auch an die eigene Bibliothek, Bücherei, wie auch immer wenden soll. Also ist das ja? Ja, ich denke immer, ich habe wahrscheinlich viel zu viele Wünsche, also bekomme viel zu viele Wünsche und kann es gar nicht erfüllen, aber gut zu wissen, wenn das eher andersrum anscheinend ist.
Katharina Bracke
Ja, also ich habe jetzt eigentlich noch keine Bücherei erlebt, wo es nicht möglich ist, dass man die Wünsche abgibt. Also wir haben auch Boxen stehen mit Zetteln, wo man das dann direkt selber ausfüllt und in die Box dann legen kann. Und wir achten da schon sehr drauf, dass halt auch wirklich die Bücher dann da sind, die unsere Leser haben wollen, weil das ist ja auch das, was sie wieder in die Bücherei zieht. Das ist ja quasi der Wunsch unserer Zielgruppe sozusagen. Also von dem her unbedingt eure Wünsche abgeben, weil dann habt ihr ja auch das in der Bücherei, was ihr wirklich da haben wollt.
Helen
Ja.
Katharina Bracke
Also auf jeden Fall.
Helen
Und wenn es keine Box gibt, einfach nachfragen, ob man den so irgendwo hinlegen kann oder eine E-Mail schreiben oder anrufen.
Katharina Bracke
Aber sehr gerne. Also wir freuen uns da mal sehr drüber, weil dann wissen wir auch wirklich, was wir einkaufen sollen.
Helen
Ja. Ja und wonach entscheidet ihr das sonst? Also so Bestsellerlisten und Co. wahrscheinlich, ne?
Katharina Bracke
Genau, Bestsellerliste, regionale Autoren, die was schreiben. Dann auch ein bisschen Tipps von, zum Beispiel, wenn der Frauenbund mal wieder da ist, oder so Vereine, die uns mal besuchen, was die gerne so haben wollen. Gut, Deutscher Buchpreis, muss ich sagen, der ist ja jetzt eigentlich, da haben wir jetzt tatsächlich kein Buch da, aber das ist jetzt bei uns auch nicht so die Zielgruppe bei uns jetzt auf dem Land, die dann die Bücher vom Deutschen Buchpreis liest, aber so in die Richtung auf jeden Fall. Also, ich versuche schon, dass wir da die aktuellen Bücher da haben. Oder viel entscheidet sich auch durch so Reihen. Also, wenn wir eine Reihe haben, da haben wir den Band eins und es wird gelesen, dann wollen die Leute natürlich auch dann zwei und drei und vier haben. Und allein dadurch hat man dann schon wieder eine Menge an Büchern, was man bestellen muss. Also gerade jetzt bei diesen historischen Familien sagen oder bei Krimis zum Beispiel, das haben ja teilweise wirklich fünf, sechs, sieben Bände und da kommt dann schon immer ein bisschen uns zusammen. Natürlich auch der Michaelsbund, der gibt auch noch viele Rezensionen raus und entführt auch immer Bücher, wenn wir da wieder auf Tagung sind. Und auch da bekommen wir viele Anrufe, dass wir alles bestellen können. Also es geht uns nicht aus. Meine Merkliste ist immer sehr lang, aber die Entscheidung macht es ist dann natürlich umso schwerer, was ich dann am Ende wirklich hertue.
Helen
Ja, ja klar. Also ich könnte mir vorstellen, dass es dann hilft, wenn jemand sagt, bei Mädels, die lesen hat das und das Buch gewonnen, schafft es an.
Katharina Bracke
Ja genau, richtig. Genau, so ist es.
Helen
Das wäre auch so eine… Das wäre so cool, wenn man so in die Bücherei reinkommt und dann steht da so Wir haben das Mädels, die lesen-Buch. Vorrätig, wenn wir mal so groß werden.
Katharina Bracke
Stimmt. Ja. A girl can dream.
Helen
Ja, sag doch, auf jeden Fall. Also wenn so ein Buch mal rauskommt, sagen wir Bescheid.
Katharina Bracke
Ja, das wäre cool.
Helen
Aber jetzt die Frage. Weil, also mir ist es auf jeden Fall nicht klar, ich weiß gar nicht, ob du es beantworten kannst, aber wo ist denn der Unterschied zwischen einer Bücherei und einer Bibliothek? Gibt es überhaupt einen oder kann man das einfach? Ist das total austauschbar und man kann beides verwenden?
Katharina Bracke
Also ich muss ganz ehrlich sagen, mir ist jetzt noch nie eine konkrete Definition von dem einen oder anderen Begriff untergekommen, dass es einen Unterschied gäbe. Daher würde ich jetzt grundsätzlich sagen, aber wenn hier jemand zuhört und das besser weiß, dann wird er unbedingt verbessern.
Helen
Immer gerne, ja.
Katharina Bracke
Ich würde jetzt sagen, grundsätzlich gibt es mal keinen Unterschied, weil in der Bücherei gehst du und leihst die Bücher aus, in der Bibliothek gehst du und leihst die Bücher aus. Also für mich ist eine Bibliothek was Größeres. Also zum Beispiel Staatsbibliothek oder Hochschulbibliothek. Also für mich ist eine Bibliothek eher was Wissenschaftliches. Bücherei ist eher das, wo du hingehst, weil du dir ganz normal deine Romane und Krimis und einfach was zum Schmökern oder Lesen eben ausleihen willst. Das wäre jetzt für mich so der Unterschied. Aber ob es diesen Unterschied wirklich gibt, weiß ich leider nicht tatsächlich. Also ich glaube, ganz vom Grundsätzlichen her ist eigentlich beides erstmal gleich.
Helen
Ich habe es tatsächlich mal parallel gegoogelt. Ich finde es auch cool ist, wenn man so Bibliothek und Bü eingibt, dann kommt das direkt als Vorschlag, Bibliothek-Bücherei-Unterschied. Und hier steht, was der Unterschied zwischen einer Bibliothek, einer Bücherei und einer Buchhandlung, obwohl dieser Ausschnitt zur Buchhandlung dann schon gar nicht mehr es mit reingeschafft hat. Aber gut, das ist uns ja bewusst. Die Bezeichnung Bibliothek und Bücherei werden synonym verwendet, wobei Bücherei oft die ältere Bezeichnung für eine öffentliche Bibliothek ist. Und dann steht hier noch Bibliothekenarbeit nicht gewinnorientiert. Aber dann wahrscheinlich wirklich einfach wie man mag verwenden. Aber ich glaube oft ja auch, ich meine hier in Bonn ist es halt die Bibliothek, bei dir ist es die Bücherei. Vielleicht ist es auch was.
Katharina Bracke
Eigenname dann.
Helen
Ja, richtig, richtig. Also eben deswegen, also Staatsbibliothek heißt es ja auch einfach Bibliothek.
Katharina Bracke
Oder bei uns die Hochschulbibliothek, ist auch einfach Bibliothek und nicht Bücherei. Das ist ganz unterschiedlich, ja.
Helen
Ja, irgendwie das habe ich mich jetzt gefragt, weil wir die ganze Zeit einfach beide mit reinwerfen.
Katharina Bracke
Ja, das stimmt. Aber siehst du, die Frage habe ich mir zum Beispiel noch nie gestellt.
Helen
Ja, witzig, manchmal braucht man ja mal so diesen Blick von außen, weil für mich war das irgendwie so mit die erste Frage, dass ich dachte, wo ist da ein oder gibt es einen Unterschied oder nicht.
Katharina Bracke
Aber ich merke das selber auch oft. Dann steckt man so ein bisschen in der eigenen Bubble und denkt sich so, ach ja, klar, die Frage könnte man sich mal stellen.
Helen
Eben. Eine Sache, die ich gerne noch aufgreifen möchte, weil ich dazu schon vor einer Weile, also wir hatten ja diesen Termin auch schon mal geplant und wir sind schon ein bisschen länger in Kontakt, aber das ist jetzt schon ein bisschen her, dass ich diese Nachricht bekommen hab. Ich glaube, es war vielleicht zusammenhangslos. Ich weiß nicht mehr, ob sich das auf irgendein Gespräch bezog, aber wir haben ja auch ein Buchklubmitglied aus Australien. Mit Lotti hatte ich auch schon mal eine Podcastfolge gemacht. Gern mal reinhören. Es ist eine schöne Folge auch geworden und sie hatte mir geschrieben, ob ich eigentlich wüsste, ob das hier in Deutschland auch so ist. Und dann habe ich diese Nachricht, glaube ich, habe ich einfach kopiert an dich geschickt, weil ich dachte, ja, keine Ahnung. Weil in Australien das anscheinend so ist, dass AutorInnen mitverdienen, wenn man sich was ausleitet. Und dann hatten wir uns ja auch darüber schon mal so ein bisschen unterhalten. Und sie hatte mir auch einen Link geschickt. Das ist tatsächlich irgendwie so, man bekommt so eine Art Kommission oder so, was ja total cool ist. Aber ich glaube, du hattest direkt gesagt, nee, wahrscheinlich, das ist anders hier.
Katharina Bracke
Ja, also das ist hier auf jeden Fall anders.
Helen
Schade.
Katharina Bracke
Also ich wüsste nicht, ich wüsste, also von den Büchereien jetzt direkt zahlen wir keinen, also geht jetzt von uns nichts irgendwie an den Verlag oder an den Autor dafür, dass wir das Buch bekommen. Es ist ja auch normal so, wenn halt das Buch, egal von welcher Stelle gekauft wird, dann bliedert sich dieser Preis ja in ganz, ganz viele Sachen auf und ein winziger, winziger Bruchteil davon geht an den Autor, weil natürlich auch ganz viel für den Druck und für die Grafik und für die ganzen Leute im Verlag und für das Marketing und dann auch ein Teil für die Buchhandlung wieder drauf geht und so. Und wir bestellen unsere Bücher auch eigentlich ganz normal im Handel eigentlich. Also wir kaufen das Buch zu dem Endpreis, also eben mit der Buchpreisbindung ist es ja immer nur der eine Preis, zu dem kaufen wir es einfach ein und das ist halt dann eben dieser normale Preis, wo sich dann nochmal was extra aufbiedert. Und wir haben ja auch jedes Buch nur einmal da. Von dem her, ich mich würde wirklich interessieren, wie genau das in Australien funktioniert, weil ich mir das jetzt, so wie es in Deutschland läuft, überhaupt nicht vorstellen kann, wie das funktionieren soll, auch für die Bücherei nicht, weil wenn wir jetzt sagen, wir machen das zum Beispiel, dass wenn wir ein Buch kaufen, dann noch mal extra was für den Autor drauf geht, dann müssten wir, dann zahlen wir ja noch mehr als wir sowieso schon zahlen und wir müssen ja eh schauen, wie wir uns finanzieren. Von dem her finde ich das so spannend. Grundsätzlich finde ich das eine coole Idee, weil auch, sage ich mal, gut, die Autoren, die ein Bestsellerbuch schreiben, die kriegen ihr Geld dann schon, sage ich mal, zusammen. Aber grundsätzlich, erst mal, wenn du sagst, du bist Autor und du veröffentlicht mal ein Buch, dann hast du jetzt damit nicht gleich deinen Lebensunterhalt verdient.
Helen
Das stimmt. Und deswegen ist… Sind das so 10% oder so von dem?
Katharina Bracke
Höchstens, würde ich sagen. Ja. Also ich glaube, eher noch weniger wahrscheinlich. Ja. Genau. Genau. Also es bleibt wirklich nur ganz wenig übrig für den Autor. Und deswegen ist es grundsätzlich eine richtig coole Idee. Aber von der Umsetzung her kann ich mir nicht so richtig vorstellen, wie das funktionieren soll tatsächlich. Aber ich finde es auch spannend, wie unterschiedlich das halt gehandhabt wird auf der Welt. Und das also finde ich erst mal ein cooles System.
Helen
Ich kann ja mal den Link, den Lotti mit mir geteilt hat, auch in der Folgenbeschreibung verlinken für alle, die das interessiert. Vielleicht können wir da eine Revolution hier anzetteln Und was wir ja im Vorfeld einfach schon gemerkt hatten, als wir so darüber gesprochen haben, ist ja auch, dass es halt generell irgendwie nicht so richtig alles miteinander so verknüpft sind. Also es ist nicht so, als gäbe es so ein. Ein generelles deutschlandweites Verbundsystem oder so, ne?
Katharina Bracke
Richtig. Richtig.
Helen
Und ich denke, das wäre wahrscheinlich der erste Schritt irgendwie, dass man das auch mal verknüpft.
Katharina Bracke
Ja, also es gibt schon, da muss ich jetzt aber auch tatsächlich sagen, da weiß ich nicht genau, wie es im Rest von Deutschland aussieht. Bei uns jetzt in Bayern gibt es eben diesen Michaelsbund, wo viele Büchereien mit drin sind, aber auch nicht alles. Die Stadtbibliothek in Landshut zum Beispiel, das ist hier jetzt bei mir die nächstgrößte Die ist da schon wieder nicht Mitglied, aber die kann sich das halt auch, sag ich mal, leisten, dass sie das jetzt nicht unbedingt braucht. Für so kleinere Büchereien ist das super, weil wir ganz viele kostenlose Workshops bekommen und kostenlose Hilfestellungen und viel, was wir uns da ausleihen können. Also der Michaelsbund hat eine eigene Bücherei, nur für die Büchereien. Also wir fahren da mit der kleineren Bücherei einmal im Jahr hin und leihen uns dann Bücher für unseren Bestand aus, was dann wieder uns für Leser und Leserinnen ausleihen können. Das ist total super für mich, weil es einfach wieder ein Zusatzangebot für unseren Bestand ist. Und da kann man natürlich schon ganz guten Netzwerten auf den Tagungen und so. Also da habe ich jetzt auch eine kennengelernt, die auch noch nicht so lange Büchereileitung ist, die auch ein ehrenamtliches Team hat. Und da treffen wir uns jetzt und tauschen uns einfach mal aus, wie das halt so bei mir läuft, wie es bei ihr läuft, was man vielleicht noch verbessern kann. Und da funktioniert das ganz gut. Ganz gut, aber ich habe jetzt so von der Bücherei her jetzt gut mit meinem Instagram Account jetzt mehr, aber ohne den hätte ich jetzt nicht so viel mit Bücherei Leuten aus dem Rest von Deutschland zu tun. Ja. Das passiert nicht so, wobei ich mir da auch schon mal überlegt habe, zum Beispiel, wenn es jetzt nicht das große Netzwerk gibt, dass man sagt, man sucht sich vielleicht mal im Rest von Deutschland mit Partnerbücherei. Also wie cool wäre das, wenn der Bücherei hier in Bayern sich mit einer irgendwo an der Nordsee einfach mal verknüpft und dann sagt man, man sucht sich einmal im Jahr und einmal kommt die von Norddeutschland runter nach Bayern. Man schaut sich das an, wie es da läuft und anders kommt. Sowas fände ich zum Beispiel auch mal nicht schlecht. So wie die Partnerstädte das halt machen, dass man sagt, man hat eine Partnerbücherei irgendwo in der Hand.
Helen
Ja. Ich glaube, da gäbe es echt noch viel. Also ich hab das Gefühl, da ist echt viel, was man anpacken kann. Total. Und ich hatte dir ja auch dann so, jetzt halt so mit Genialokal, das schien ja auch so das Thema, also so hatte ich es ja verstanden, dass ja eben auch die Buchhandlung ja mehr so jeder für sich irgendwie war und dass das da runter dann gepackt wurde. Vielleicht kann man sowas entwickeln für Büchereien. Ja genau. Wär
Katharina Bracke
Also praktisch wäre das schon, auf jeden Fall.
Helen
Also ich glaube auch für uns als NutzerInnen, wenn das ein bisschen breiter gestreut wäre, kann man vielleicht auch die Kosten irgendwie besser verteilen.
Katharina Bracke
Das müsste man dann auf jeden Fall.
Helen
Wir müssen es ganz neu denken.
Katharina Bracke
Ja, ich glaube schon. Weil so wie es bis jetzt ist, ist ja quasi jede Bücherei für sich selber verantwortlich und schon allein von der Handhabung mit den Beiträgen, ab welchem Alter man überhaupt einen Beitrag zahlt. Viele verlangen ja selbst für Erwachsene nichts. Man ist es selbst da, müsste man dann anfangen, irgendwas zu drehen, wie man das dann macht. Weil, wenn du jetzt sagst, hier jetzt in den beiden, gut in unseren beiden Büchereien, wo ich jetzt seit einem bin, da funktioniert es relativ gut. Man zahlt einmal den Beitrag in einer Bücherei, hat da die Karte kann, aber mit der auch in der anderen Bücherei ausleihen. Also die sind für mich sehr vernetzt. Genau, aber ansonsten ist es wirklich so, wenn ich jetzt in eine andere Bücherei gehe und mich da anmelde, dann muss ich halt da auch wieder den Beitrag zahlen, wenn ich jetzt da einen Blick mehr ausleihen will und nicht bei mir in der Bücherei zum Beispiel. Und das ist dann natürlich blöd, weil das macht mir dann keiner. Also da ist in der Stimmung stoppig, dass dreifach viele weitere Beiträge bezahlt werden.
Helen
Ja. Ich glaube, wir müssen da ran, Katharina.
Katharina Bracke
Ja, ja. Das muss revolutioniert werden.
Helen
Ja, wirklich. Lass uns eine Revolution anzetteln. Aber ich fand’s auf jeden Fall mega, mega spannend, einfach mal so ein bisschen mehr dazu zu erfahren und auch mal mehr so einen Einblick zu bekommen. Deswegen auf jeden Fall vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und uns auch mal ja so einen Einblick gegeben hast.
Katharina Bracke
Ja, ich freue mich, dass ich euch den Einblick geben durfte, weil das macht uns ja auch wieder sichtbarer für unsere Arbeit.
Helen
Ja, voll. Und ich würde auch sagen, also wenn es irgendwie Fragen gibt, die wir jetzt hier vielleicht nicht geklärt haben, vielleicht einfach schicken, weil wir hatten jetzt schon mal überlegt, dass wir uns dann vielleicht noch mal was einfallen, dass wir über die Fragen beantworten können, weil ich habe so das Gefühl, es ist doch vielleicht oft immer noch zu unbekannt. Ich glaube, im Buchklub sind ganz, ganz viele, die eine Mitgliedschaft haben. Ganz, ganz toll. Aber ich habe auch das Gefühl, dass da auf jeden Fall auch noch Luft nach oben ist. Deswegen schreibt eure Fragen gerne bei Spotify zum Beispiel, kann man die auch direkt mit irgendwie abschicken, aber sonst unter dem Feedpost oder Katharina bei Instagram oder mir bei Instagram, dann schauen wir, dass wir die beantwortet bekommen. Ich würde auf jeden Fall sagen, dass wir unseren Hopfensekt jetzt in Ruhe in deiner Bücherei zu Ende trinken und uns an an der Stelle von den Mädels verabschieden. Ja, danke dir auf jeden Fall, dass du uns Rede und Antwort gestanden hast.
Katharina Bracke
Ja, vielen Dank, dass ich heute da sein durfte.
Helen
Immer wieder gerne.




