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Podcast · Folge 78
Ein Nachmittag in Marrakesch
Mona Ameziane über Marokko, ihr Buch »Auf Basidis Dach«, Lesen als Beruf – und warum sie sich eine Altersfreigabe für Bücher wünscht
Mona Ameziane moderiert beim WDR, spricht mit Christine Westermann im Podcast »Zwei Seiten« über Bücher und hat 2021 mit »Auf Basidis Dach« ein Buch über Marokko und ihre halbe Familie geschrieben. In dieser Folge geht es um beides: um das Land, in dem ihr Vater geboren ist, und um einen Beruf, in dem Lesen keine Freizeit mehr ist. Und um etwas, das sie selbst als kleine Petition formuliert.
Mona Ameziane
Moderatorin und Autorin, WDR
Mona Ameziane wurde 1994 in Marl geboren, als Tochter eines Marokkaners und einer Deutschen. Sie studierte Journalistik in Dortmund und Französisch in Bochum und volontierte beim WDR, für den sie seit 2016 arbeitet. Sie moderiert bei WDR 5 und 1LIVE, die Sendung Neuneinhalb, seit 2022 die Aktuelle Stunde und die Kultursendung Westart. Seit Mai 2023 macht sie gemeinsam mit Christine Westermann den Bücherpodcast »Zwei Seiten«. 2021 erschien ihr Buch »Auf Basidis Dach« bei Kiepenheuer & Witsch.
Eine Dachterrasse in der Medina
Der Ort, den sie sich für das Gespräch aussucht, ist eine hohe Dachterrasse mitten in der Medina von Marrakesch: unten die Geräusche der Gassen, nur gedämpft, der Blick über die Dächer, vielleicht ruft gerade der Muezzin. Dazu marokkanischer Minztee, in echt Marokko deutlich süßer als hier.
Helen kennt das Gefühl: Marrakesch stresst sie schnell – und genau deshalb wirkt der Effekt dort so stark, wenn man durch eine Tür tritt und plötzlich in einer Oase steht.
Was Marokko für sie ist
Ihr Vater kommt aus Fès, sie hat dort viel Familie und fährt ihr Leben lang hin – nach eigener Schätzung über fünfzig Mal. Kurz vor der Aufnahme war sie zwei Wochen im Land: von Fès in den Südosten in die Wüste, an der Küste entlang zum Atlantik und hoch ans Mittelmeer, rund 2.500 Kilometer.
Der Auslöser war ein Jahr ohne Marokko – und wie sehr ihr das gefehlt hat. Für das Jahr der Aufnahme hatte sie gleich vier Reisen geplant. Es ist für sie nicht nur das Land ihrer Wurzeln, sondern auch ein Zuhause, in das sie will, wenn hier gerade vieles schwierig ist.
Dass zwei Kulturen eine Bereicherung sind, musste sie allerdings erst lernen. Als Kind war es eher nervig: schon wieder zu Oma und Opa nach Marokko, während alle anderen nach Dänemark an den Strand fuhren. Als Jugendliche wollte sie einfach nur sein wie alle. Heute sieht sie es umgekehrt.
Warum sie das Buch geschrieben hat
Der Anlass war 2020 – und ein Tief. Ein großes Fernsehcasting, bei dem ihr viel Hoffnung gemacht wurde, klappte nicht. Ende 2019 wurde der 1LIVE-Bücherkanal bei Instagram eingestellt, den sie mit viel Herz aufgebaut hatte. In dieser Zeit meldete sich eine Literaturagentin.
Anfragen hatte es schon vorher gegeben, aber immer für ein Buch über Bücher – welche man gelesen haben sollte, wie Mängelexemplare entstehen. Das hat sie jedes Mal abgelehnt: zu meta, und vor allem nicht ihre Haltung. Wer sei sie, Menschen zu sagen, was sie lesen sollen? Die Agentin fragte daraufhin, was sie denn wolle. Die Antwort kam am Telefon, ohne dass sie vorher darüber nachgedacht hätte: Marokko.
Ich habe immer nach einem Buch gesucht, wo mal jemand dieses Gefühl von »ich wachse auf mit zwei Kulturen« beschreibt. Habe ich nicht gefunden – und deswegen bin ich das einfach selbst angegangen.Mona Ameziane
Danach ging es schnell: Exposé in zwei Wochen, Buchvertrag im Frühjahr, acht bis neun Monate Schreiben, dazu Lektorat und Satz – vom Vertrag bis zum fertigen Buch rund zwölf, dreizehn Monate. Dass es so schnell ging, lag am Jahr: 2020 fielen fast alle ihre anderen Jobs weg.
Inhaltlich beschreibt sie das Schreiben als eine Art Selbsttherapie. Für das Kapitel über Religion – zwei Religionen in ihrer Familie, sie irgendwo dazwischen – hat sie zwei Tage lang keine Zeile geschrieben, sondern auf weißen Blättern sortiert. Heute kann sie Menschen viel besser erklären, wie sie dazu steht.
Kein Masterplan
Auf Helens Frage, ob ihr Weg zu Büchern strategisch war, kommt ein klares Nein. Sie wusste nur: Sie mag Geschichten, Sprache, Schreiben. Dann kam ein Radiopraktikum, ein Volontariat, das Studium, der WDR – und irgendwann saß sie beim Chef von 1LIVE, der die Büchersendung neu besetzte und fragte, wie sie zu Büchern stehe. Die entscheidende Frage war: Musik hören oder ein Buch lesen? Sie sagte, ganz klar, ein Buch.
2017 war ihr Bücherregal ein Regalbrett. Heute sitzt sie vor sechs Metern Regal. Ihre Beobachtung aus der Medienbranche: Die allerwenigsten Menschen, die klar für ein Thema stehen, hatten dafür eine Strategie – eine Strategie könne am Anfang sogar hinderlich sein.
Wenn Lesen der Beruf ist
Der Teil, der viele überraschen dürfte. Ihr Rekordmonat war der März mit dreizehn oder vierzehn Büchern – wegen der Leipziger Buchmesse und vorproduzierter Podcastfolgen. Sie nennt das selbst absurd, ordnet es aber ein: Das ist wie eine stressige Projektphase mit Nachtschichten. Wenn das bedeutet, um sechs aufzustehen und erst mal drei Stunden im Bett zu lesen, dann ist das eben Arbeit.
Sie will es ausdrücklich nicht romantisieren. Zum Zeitpunkt der Aufnahme ist Sommerpause bei »Zwei Seiten«, und sie hatte vier Wochen, in denen sie nicht lesen musste. Im Marokko-Urlaub ist sie ohne Buch und nur mit E-Reader losgefahren und hat Fantasy angefangen – ein Genre, das sonst nicht ihres ist. Zwei Wochen lang hat sie kein einziges Buch angeschaut.
Helen erkennt sich darin wieder: Ihr fallen ausgerechnet die Leserunden-Bücher manchmal schwer, weil sich Lust in Verpflichtung verwandelt – und Rezensionsexemplare nimmt sie deshalb gar nicht erst an. Was beide verbindet, ist die Abneigung gegen Lesen als Wettbewerb: gegen die Stapel am Monatsende, neben denen man mit seinem halben Buch dasteht.
Es ist wirklich am allerbesten, wenn man das macht bis zu der Grenze, wo es einem noch Spaß macht.Mona Ameziane
Dahinter steckt eine größere Beobachtung, die nicht nur fürs Lesen gilt: Algorithmen geben einem das Gefühl, dass alles zusammenbricht, wenn man drei Tage nichts postet. In Wirklichkeit vermisst einen niemand. Sie erwische sich selbst dabei, wie Menschen, denen sie folgt, sich nach zwei Wochen entschuldigen – und ihr war es gar nicht aufgefallen.
FSK für Bücher
Der Abschnitt, der am ehesten eine Forderung ist. Über ihren Fantasy-Ausflug kommen die beiden auf Romantasy und darauf, wie explizit die Sexszenen dort teils sind. Ihre Sorge gilt nicht ihr selbst, sondern jungen Leser*innen: Wenn eine Fünfzehnjährige liest, wie das angeblich funktioniert, kann die Realität das nur enttäuschen.
FSK für Bücher ist etwas, das mir unverständlich ist – warum es das bisher noch nicht gibt.Mona Ameziane
Ihr Argument: Für Filme gibt es eine Altersfreigabe, für Serien auch, bei Songs steht ein kleines E für Explicit Content. Nur Bücher sind komplett ausgenommen – obwohl sie im Kopf mindestens genauso viel anstellen können. Die beiden überlegen im Gespräch, wer dafür zuständig wäre, und landen bei der Stiftung Lesen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Falls jemand mithört, der dort Verbindungen hat: Ihr Stift liegt bereit.
Marokko-Tipps und Buchtipps
Auf die Frage nach den Top drei sagt sie erst, das sei wie die Frage nach den drei Lieblingsbüchern – nennt dann aber die Highlights ihrer letzten Reise: die Altstadt von Fès, die UNESCO-Weltkulturerbe ist und in der ihr Vater geboren wurde; eine Nacht in der Sahara, die sie grandios fand und die eher nichts für den ersten Marokko-Urlaub ist; die Region um Marrakesch, Agadir und Essaouira; und das Dades-Tal.
Bei den Büchern nennt sie als ihren Lieblingsautor über Marokko Tahar Ben Jelloun, von dem sie nach eigener Aussage schon alles gelesen hat – ohne einen einzelnen Titel herauszugreifen. Dazu Leïla Slimani, mit der sie sich beim Schreiben ihres eigenen Buchs intensiv beschäftigt hat, weil es darin auch um die Rolle von Frauen in Marokko geht. Und als expliziten Tipp »So reich wie der König« von Abigail Assor.
Nebenbei kündigt sie etwas an, das zum Aufnahmezeitpunkt noch nicht veröffentlicht war: Im September dreht sie für die ARD eine 45-minütige Marokko-Doku – zu ihrem Marokko, wie sie sagt. Auch dafür war diese Reise gedacht.
Kommt noch ein Buch?
Die Frage, die sie oft bekommt und meistens ausspart. Die Kurzantwort ist ja: Sie hat durch das erste Buch gemerkt, wie viel ihr das Schreiben gibt – gerade im Vergleich zu ihrem sonst sehr kurzfristigen, schnellen Arbeiten. Mit Marokko ist sie schreibend noch nicht durch. Es gibt ein Dokument auf dem Computer und Pläne von Verlagsseite.
Was sie ausdrücklich nicht will, ist Druck. Das Schöne am ersten Buch war, dass es rausmusste. Genau dieses Gefühl will sie abwarten – und saugt bis dahin die Marokko-Reisen und die Doku-Dreharbeiten auf.
Die Bücher aus dem Gespräch
Vier Titel – ihr eigenes Buch, zwei Marokko-Empfehlungen und das Buch, das wir gemeinsam gelesen haben.
Auf Basidis Dach
Mona Ameziane
Ihr Buch über Herkunft, Marokko und ihre halbe Familie. Entstanden ist es, weil sie selbst nach so einem Buch gesucht und keines gefunden hat. Geschrieben hat sie es 2020 – in dem Jahr, in dem sie zum ersten Mal seit Langem nicht nach Marokko konnte.
Sex und Lügen
Leïla Slimani
Ihre Empfehlung zur Rolle von Frauen in Marokko: Leïla Slimani hat für dieses Sachbuch mit marokkanischen Frauen über Sexualität und Intimität gesprochen – und damit im Land für Aufruhr gesorgt.
So reich wie der König
Abigail Assor
Ihr expliziter Buchtipp aus dem Gespräch: ein Roman einer Marokkanerin, der in den Neunzigern in Casablanca spielt – um Geld, Macht und Hierarchie, und eine Liebesgeschichte, die null romantisch ist.
Das unglaubliche Leben des Wallace Price
T. J. Klune
Das Buch, das die beiden verbindet: Wir haben es gemeinsam gelesen, und Helen hat sich vor allem darauf eingelassen, weil Mona Ameziane es als Wohlfühlbuch beschrieben hatte.
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52 Minuten über Marokko, das Aufwachsen mit zwei Kulturen, Lesen als Beruf – und eine Altersfreigabe für Bücher.
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Häufige Fragen
Worum geht es in »Auf Basidis Dach«?
Um Herkunft, Marokko und Mona Amezianes halbe Familie. Ihr Vater kommt aus Fès, ihre Mutter ist Deutsche. Geschrieben hat sie es, weil sie selbst nach einem Buch gesucht hat, in dem jemand das Gefühl beschreibt, mit zwei Kulturen aufzuwachsen – und keines gefunden hat. Es erschien bei Kiepenheuer & Witsch.
Wie kam sie zum Schreiben?
Anfang 2020, in einer beruflichen Tiefphase, meldete sich eine Literaturagentin. Vorherige Anfragen für ein Buch über Bücher hatte sie abgelehnt. Auf die Frage, was sie denn wolle, kam am Telefon die Antwort: Marokko. Zwei Wochen später stand das Exposé, im Frühjahr der Vertrag.
Wie viel liest sie beruflich?
In Spitzenmonaten dreizehn bis vierzehn Bücher – etwa im März, wenn Leipziger Buchmesse ist und Podcastfolgen vorproduziert werden. Sie beschreibt das als Arbeitsphase mit Nachtschichten, nicht als Hobby, und betont, dass sie es nicht romantisieren will. In der Sommerpause hat sie zwei Wochen kein Buch angeschaut.
Warum wünscht sie sich eine FSK für Bücher?
Weil es für Filme, Serien und sogar Songs eine Kennzeichnung gibt, für Bücher aber nicht – obwohl Bücher im Kopf mindestens genauso viel anstellen können. Ihre Sorge gilt vor allem explizit erzählten Sexszenen in Romantasy, die junge Leserinnen mit falschen Erwartungen zurücklassen können.
Welche Bücher über Marokko empfiehlt sie?
Als Lieblingsautor nennt sie Tahar Ben Jelloun, von dem sie nach eigener Aussage alles gelesen hat. Dazu Leïla Slimani, insbesondere ihr Sachbuch »Sex und Lügen« über Sexualität in Marokko, und als expliziten Tipp »So reich wie der König« von Abigail Assor, das in den Neunzigern in Casablanca spielt.
Was sind ihre Marokko-Tipps?
Die Altstadt von Fès, UNESCO-Weltkulturerbe und Geburtsort ihres Vaters; eine Nacht in der Sahara, die sie grandios fand, aber eher nicht für den ersten Besuch empfiehlt; die Region um Marrakesch, Agadir und Essaouira; und das Dades-Tal.
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Helen
Herzlich willkommen Mona. Ich freue mich sehr mit dir heute über vor allen Dingen Bücher, über Lesen, welche Rolle Bücher bei dir im Leben spielen und vielleicht wie sich das auch verändert hat. Aber vor allen Dingen auch gerne ein bisschen über Marokko zu sprechen. Und bevor wir jetzt damit starten, habe ich aber zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Mona Ameziane
Also erst mal hallo von mir, ich freue mich total über die Einladung, weil ich ein großer Fan bin Mädels, die lesen.. Wir sind jetzt gerade, also wirklich sind wir gerade in meinem Arbeitszimmer vor meinem Bücherregal, aber das war bestimmt nicht eine Frage, weil mein Getränk kann natürlich gar nichts anderes sein als ein marokkanischer Minztee. Das heißt, wir sind in Marrakesch auf einer Dachterrasse mitten in der Medina. Das heißt, unten hört man noch so die Geräusche aus den Gassen, aber es ist eine sehr hohe Dachterrasse. Das heißt, man ist ein bisschen raus von allem, hört das alles nur so dumpf, guckt über die Dächer der Stadt, wie so vielleicht so ein Moschee-Turm, vielleicht ruft auch gerade der Muezzin zum Gebet. Und man saugt diese ganze marokkanische Atmosphäre in sich auf und trinkt natürlich, wenn es den meiner ist ungesüßt in Marokko wäre, sehr viel süßer. Sehr viel süßer, ja.
Helen
Ich finde, also ich bin jetzt wirklich gedanklich schon in Marrakesch, dass das so mega cool beschrieben. Ich habe auch vorher gedacht, Mona bringt bestimmt, Minztee, habe mir auch ein bisschen mit Zitrone und Honig drin gemacht. Also auch ein bisschen anders als wahrscheinlich jetzt in Marrakesch. Aber ich freu mich, mit dir anzustoßen. Mit einem Minztee.
Mona Ameziane
Machen wir.
Helen
Ich bin selber auch voll der Marokko-Fan. Tatsächlich nicht ganz so sehr Marrakesch. Marrakesch stresst mich auch schnell. Aber ich finde, gerade in Marrakesch ist dieser Effekt so besonders. Du bist in diesen wuseligen Gassen, die du beschrieben hast und trittst durch eine Tür und plötzlich wie so Oase, Stille und irgendwie einfach nur erholsam. Ich finde, das hat man dann natürlich noch mal ganz besonders in Marrakesch. Weil der Kontrast so stark ist. Was bedeutet für dich einfach auch Marokko? Weil für mich ist es dann eben mehr das Urlaubs oder zumindest Reiseland. Und für dich hat es ja doch noch mal eine besondere Rolle.
Mona Ameziane
Ja, absolut. Also jetzt gerade ist es für mich auch ganz viel Reiseland, weil ich vor wenigen Tagen erst von einer zwei-wöchigen Marokko Reise wirklich wiedergekommen bin. Es gibt auch viele Marokkoaufenthalte, bei denen ich einfach an Anführungsstrichen bei der Familie zu Besuch war. Früher in meinen Sommerferien. Mein Papa kommt aus Marokko. Das heißt, ich habe da sehr viel Familie und Vater. Liegt da auch schon mein Leben lang hin. Ich weiß nicht, ich war, keine Ahnung, über 50 Mal mittlerweile da. Aber jetzt habe ich so bemerkt, im vergangenen Jahr war, glaube ich, das erste Jahr außer das 2020er Corona-Jahr, in denen ich gar nicht da war, weil irgendwie nur andere Urlaube anstanden und ich habe so richtig gemerkt, es fehlt mir so krass und habe dann für dieses Jahr gleich, ich glaube, vier Marokko-Reisen geplant, unter anderem eben die, von der ich jetzt gerade wieder zurück bin. Und da bin ich einmal von Fès im Norden, wo mein Vater geboren ist, also wo richtig auch so meine Wurzeln sind, runter in Richtung Südosten in die Wüste und dann im Süden entlang bis zur Küste, Atlantik-Küste und dann hoch zum Mittelmeer, also wirklich 2.500 Kilometer einmal durchs Land und habe da nochmal gemerkt, wie viel mir dieses Land gibt, einfach durch seine Schönheit ganz losgelöst jetzt von meinem Wurzeln oder mal im Hintergrund, aber eben auch so wissen, es ist irgendwie auch mein Land und ist auch mein Zuhause. Und wenn hier in Deutschland alle Strecke reißen, was ja leider auch gerade ein Gefühl ist, was manchmal auskommt, bin am Tag der Europa-Wahl wieder nach Hause gekommen, also danach, hab gedacht, ich muss mir da jetzt irgendwas kaufen, irgendwas mit diesen Mustern, ich muss vielleicht Wandteppich. Ist schon ein besonderes Gefühl, da auch so verwurzelt zu sein, ist einfach ein ganz tolles Land.
Helen
Ja, hast du es im Buch glaube ich auch so beschrieben, dass sich das immer eher wie eine Bereicherung angefühlt hat, diese zwei Kulturen zu haben. Auch wenn du es irgendwie dann beschrieben hast als so halb halb, ist es eher wie wahrscheinlich eins macht zwei, so man hat vielleicht mehr sogar als andere dann.
Mona Ameziane
Ja, genau, aber das musste ich auch erst lernen. Ich glaube, das kennen auch ganz viele, die mit zwei Kulturen, also die wirklich weg davon zu sagen, zwischen zwei Kulturen, sondern wirklich die mit zwei Kulturen aufgewachsen sind, dass man vielleicht als Kind das gar nicht so sieht, sondern da war es immer eher wirklich so nervig, schon wieder nach Oma und Opa, nach Marokko und alle anderen, war nach Dänemark an den Strand und wenn ich da heute darauf gucke, denke ich, was für ein Wahnsinns-Gelück, dass auch wir uns das erlauben konnten, das machen konnten und immer so, ja, so diese zweite Kultur, so Mitschwangen in unserem Leben. Aber als Jugendliche willst ja einfach nur so sein wie alle anderen. Und dann, ja, hat mich das manchmal ein bisschen eher genervt. Aber je älter ich werde und ich habe auch das Gefühl, da bin ich noch nicht am Ende, desto mehr weiß ich, das Wert zu schätzen auf so, so vielen Ebenen und bin ganz, ganz glücklich darüber, auch wenn manche Dinge dadurch vielleicht ein bisschen komplizierter werden. Auch damit habe ich mich ja beschäftigt, da auch in diesem Prozess zu schreiben. Aber am Ende ist es einfach wirklich genau das, wie du es gerade gesagt hast, eine Bereicherung.
Helen
Ja, das ist echt schön. Ich habe mir einen Satz markiert. Also ich spreche jetzt von deinem Buch »»Auf Basidis Dach«« für alle, die es noch nicht hennen. Nichts, so als hätte ich schon fünf geschrieben, aber es lang jetzt so. Eines von denen. Genau, eines der vielen. Eine der Fragen, die ich im Vorfeld auch tatsächlich für dich bekommen habe, war ob du noch was planst. Da können wir sonst auch noch drauf eingehen. Aber du hattest hier geschrieben, noch ganz am Anfang von etwas, das für mich im besten Fall wichtig und für euch im schlimmsten Fall uninteressant werden könnte. Also ich denke, die Reaktionen im Nachhinein haben wir ja wahrscheinlich gezeigt, die wenigsten fanden es uninteressant. Aber was hat es für dich auch bedeutet? Vor allen Dingen, also das Schreiben natürlich, das hast du jetzt auch schon ein bisschen beschrieben, aber auch, das ja zu veröffentlichen, die Reaktionen von anderen darauf zu bekommen, was hat das vielleicht auch für dich verändert?
Mona Ameziane
Also das müsste ich glaube ich zweiteilen. Also erst dass das Schreiben an sich inhaltlich jetzt gesehen hat, mir wahnsinnig viel bedeutet und auch als ich diese Einleitung geschrieben habe, ich habe es tatsächlich chronologisch geschrieben und die Einleitung, also es waren wirklich meine Gedanken am Anfang, waren die ersten Seiten, da habe ich echt so gedacht, wo ich weiß überhaupt nicht, was da jetzt auf mich zukommt. Ich weiß nicht mal, ja ich habe jetzt diesen Buchvertrag unterschrieben, weil ich weiß nicht mal, ob ich es wirklich irgendwann veröffentlichen möchte und ich habe auch da keine Ahnung, also ehrlich, Ich war keine Ahnung, ob das irgendwie interessiert. Aber hab einfach diese Chance genutzt. Weil ich glaube, das machen wir einfach viel zu selten. Diese Phase des Schreibens, die dann eben auch noch in dieses Jahr 2020 viel, wo eh alles lahm lag, mich mal hinzusetzen und mir mal über so ein paar Dinge Gedanken zu machen, die immer so … da war, also zum Beispiel das Thema Religion, das war immer irgendwie da in meinem Leben, diese beiden Religionen in meiner Familie und irgendwie ich so dazwischen. Das Kapitel geschrieben hat mich wirklich hingesetzt und gesagt, jetzt sind so zwei Tage, an denen wird keine Zeile geschrieben, sondern du nimmst immer mal ein weißes Blatt Papier und malst mal so ein bisschen und überlegst also versuchst, das wirklich mal für dich zu sortieren. Das war wie so eine Selbsttherapie und jetzt heute kann ich viel besser Menschen erklären, wie ich zu diesem Thema zum Beispiel stehe oder auch zu anderen als vorher, weil dieser Prozess so eine Struktur in meine Gedanken gebracht hat und als ich dann noch gemerkt habe danach, weil das war natürlich auch mein Ziel, dass interessiert Menschen und ich komme in den Diskurs mit Menschen, ich habe Lesungen gemacht, in Bochum zum Beispiel erinnere ich mich an eine, da waren, ich würde sagen, 80, 85 Prozent, nicht nur marokkanische Kinder und Jugendliche und auch Erwachsene, aber ganz viele Menschen mit Migrationsgeschichte und da haben wir so viel uns ausgetauscht und und ich habe mich dann immer nach einem Buch gesucht, wo mal jemand dieses Gefühl von ich wachse auf mit zwei Kulturen zwischen zwei Welten, mit zwei Welten wie auch immer, habe ich nicht gefunden und deswegen bin ich das immer selbst angegangen und könnte auch jetzt zwei, drei Jahre danach nicht glücklicher darüber sein. Und ja, wenn dann die Reaktionen gut sind und so viele Menschen auch immer wieder wenn die Reaktionen gut sind. Und so viele Menschen auch Interesse daran haben, ist natürlich das größte Geschenk von allem. Also ein ganz großes Herz in dieses Projekt.
Helen
Ja, voll toll. Ich hab auch, wenn ich an dich denke, ich weiß gar nicht, ob du das auch so bewusst gemacht hast oder ob sich das entwickelt hat. Aber ich seh dich eigentlich wie so eine Personal Brand, vor allem für Bücher und für Marokko tatsächlich. Und ich glaub, aber du hast es ja auch so ein bisschen beschrieben, Marokko hat natürlich immer eine Rolle für dich gespielt. Aber ich glaube, es ist durch diesen Schreibprozess ja auch irgendwie mehr in den Vordergrund getreten und vielleicht auch für die Öffentlichkeit bewusster geworden. Auch Bücher hat sich ja eher wahrscheinlich so entwickelt, dass das so eine wichtige Rolle mittlerweile bei dir spielt. War das irgendwie, war das weiß ich nicht strategisch, hast du dir das so überlegt oder ist das irgendwie passiert?
Mona Ameziane
Ja, da war der große Masterplan. Ja, genau. Der Leben-Masterplan. Genau. Nee, das hat sich 100 Prozent alles so ergeben. Also, dass jetzt Marokko ein Thema ist, ist natürlich jetzt was das Näherlag für mich als Bücher, aber überhaupt auch, dass ich Social Media auch mache und gerne mache, dass ich den Weg auch journalistisch gegangen bin. Das schreiben ist ja bei Weitem nicht mein Haupt, was ich würde sagen. Also ich muss das letztens mal irgendwie für so eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder so einen erwachsenen Quatsch, muss ich das gewichten. Und da habe ich das schreiben auf auf ein maximal zwei Prozent gewichtet von dem, was ich tue, weil ich ja eigentlich journalistisch arbeite und mittlerweile mich vielmehr auch als Moderatorin identifiziere, wie natürlich journalistisch ein Background hat, aber das ist eben meine Kernarbeit. Und das ist in diesem Bereich, in diesem Medienbereich voll oft so, wenn man mit Menschen spricht, die dann irgendwann ganz klar in einer Position sind oder ganz klar für bestimmte Themen stehen, Die aller, aller Wenigsten, ich kenne niemanden, hatte irgendwie so ein Masterplan oder eine Strategie, weil es auch super schwierig ist. Ich glaube, eine Strategie kann sogar total hinderlich sein am Anfang, weil man sich da erstmal reinschmeißen muss, man muss so ein Grundinteresse haben. Ich wusste, ich mag Geschichten, ich wusste, ich mag Sprache und Schreiben. Das hättest du mich nach dem Abi gefragt, hätte ich gesagt: Ich lande bei irgendeiner Zeitung und schreibt Reportagen. Dann kam das erste Praktikum beim Radio, dann kam das Volontariat, dann kam mein Studium. Auf einmal war ich beim WDR, aber auch so, ja, mach ich jetzt hier und plötzlich sitze ich bei 1LIVE im Büro vom Chef und der sagt, hey, wir besetzen unsere Büchersendung neu. Wie stehst du zu Büchern und ich war so, wow. Ich hab nichts dagegen. Ja, genau. Ich hab nichts dagegen. Ich glaube, er hat mich gesagt, wenn du dich entscheiden müsstest, Musik hören oder ein Buch lesen. Dann hab ich gesagt, ja, ganz klar, ein Buch lesen. Super, dann lass' ich euch mal durch den Kopf gehen, dann machen wir ein Casting und zack auf einmal, moderierst du eine Büchersendung Und dann wird Bücher werden Bücher auf einmal dein Lebensinhalt. Auf einmal eben jetzt sitze ich hier vor so sechs Metern Bücherregal. Das war mal auf 2017, war das ein Regalbrett bei mir zu Hause. So und plötzlich ist ein System da und entwickelt sich immer weiter.
Helen
Das ist mega spannend, finde ich, das so nachzuvollziehen. Welche Entscheidung oder welche Person auch die man trifft, dann zu welcher Entwicklung führt und wo man dann vielleicht auch ganz bewusst sagt nein, dann gibt es wieder Tiefs, in denen man dann Dinge entscheidet. Zum Beispiel habe ich 2020 dann nicht nur entschieden, ich schreibe das Buch, sondern habe dann auch entschieden, zu einem Management zu gehen, zu einer Agentur. Das ist natürlich eine riesige Entscheidung, weil du auf einmal nicht mehr alleine arbeitest, sondern du hast da jemanden, ein Team an der Seite und ja, bist wie gesagt nicht mehr so alleine, aber hast natürlich auch irgendwie dann Menschen, denen du vertrauen musst und dich fragen musst, sind das die Menschen, denen ich das auch so in die Hand gebe, weil die beste Entscheidung, glaube ich, seit seit Jahren, aber es hätte auch noch hinten losgehen können. Also so ein großes Rumtasten und sehr unstrategisch bis zu einem gewissen Punkt. Jetzt ist natürlich schon so die Frage, was ist so ein langfristig und wo will man hin und so. Aber am Anfang war es einfach so, hier bin ich und wo treibt es mich hin? Ja, super spannend und ich meine mittlerweile ist ja wirklich. Also zumindest nach außen hin sehr viel mit Büchern. Man sieht dich ja eigentlich, wenn es eine große Bühne in der Buchbranche, sag ich mal, gibt, sieht man dich ja meistens auch. Du hast den krasserfolgreichen Podcast mit Christine Westermann »Zwei Seiten«, was ja vielleicht auch nicht so absehbar war, dass das auch so krass durch die Decke geht. Überhaupt nicht. Und ja, im Radio bist du ja auch immer noch mit Büchern zu hören. Du teilst auch viel mit Büchern. Ich glaube, du wirst auch häufig gefragt, na, wie machst du das? Wie liest du so viel? Und sagst dann ja auch, es ist ja auch dein Job. Ich glaube, du hattest das mal so beschrieben, du nimmst dir dafür ja auch dann die Zeit deinem Alltag, um Bücher zu lesen. Aber wie genau sieht das bei dir, wie sieht überhaupt so ein Tag bei dir aus?
Mona Ameziane
Ja, das ist auch sehr, sehr unstrukturiert. Ich bin schon strukturiert, aber dieser Alltag, den ich lebe, der Arbeitsalltag ist nicht so strukturiert. Also mein Kalender ist total bunt mit ganz vielen verschiedenen Farben drin, weil ich so ein Mix fahre aus Dingen, die immer wiederkehren im Monat. Also ich weiß genau am Anfang eines Monats, es wird zwei 1LIVE 1LIVE Stories Lesung geben, die ich aufzeichne. Da stehen die Termine immer schon so für die nächsten vier Monate oder so fest für mich. Ich moderiere achtmal ungefähr die aktuelle Stunde beim WDR, die Nachrichtensendung im Monat. Auch da stehen die Dienstpläne schon fest. Das heißt, das ist sicher, das mache ich. Ich moderiere einmal die Westart im WDR, eine Kultursendung, das steht fest. Und ja, dann kam jetzt vor einem Jahr eben »Zwei Seiten« hinzu, ein Projekt, das ich komplett unterschätzt habe, also in jeglicher Ansicht. Ich hatte Bock mit Christine zu machen und also auch ganz persönlich Bock und habe auch da immer nach einem Buch Podcast gesucht, der sich nicht nur mit Neuerscheinungen beschäftigt, sondern auch mal Backlist betrachtet und vielleicht auch eher thematisch angehaucht ist. Ich bin nicht so ein Fan von so viel literaturtheoretischen Gespräch. Also ich kann mich nicht so an so einzelnen Sätzen und Zitaten aufhängen und so, sondern mir geht es immer eher um die Geschichte und was macht ihr mit mir und Christine ist da sehr ähnlich. Ja und das hat jetzt wirklich in dem Jahr jeglichen Rahmen gesprengt, auch was das Lesen angeht. Ich glaube, meine Maximalanzahl an Büchern, die ich gelesen habe, war der Monat März, da war auch die Leipziger Buchmesse und Christine und ich haben viel vorproduziert, ich glaube da habe ich 13 oder 14 Bücher gelesen in einem Monat und das klingt natürlich absurd und es ist auch absurd, aber es ist dann im Prinzip in dem Fall so, wie wenn andere bei der Arbeit gerade eine stressige Phase haben und an einem großen Projekt arbeiten oder so und dann auch mal eine Nachtschicht einlegen, also das Lesen ist dann für mich in dem Fall kein Hobby, sondern es ist mein Beruf und wenn das bedeutet, ich stehe um sechs Uhr auf und lese erst mal drei Stunden und stehe dann auf um neun und beginn den Tag, dann ist das komisch im Bett zu sitzen und zu arbeiten, aber es ist dann halt so, es ist ein ganz anderes Arbeiten, aber in solchen Monaten fühlte sich dann auch an wie arbeiten. Also ich, ich, also und neben den Sachen, die ich fix habe, habe ich dann halt viel so auch so Veranstaltungsmoderation und so und eben ja meine Lesungsmoderation oder die Buchmesse und das versuche ich dann immer alles so zusammen zu puzzle'n im Kalender. Da trage ich mir nicht ein, wann ich lese, weil das lesen ist dann eben in den Lücken meistens eben morgens oder abends in der Bahn, weil ich viele unterwegs bin und so. Also höher Bücher auch oft dann beim Sport oder so. Also die nehmen schon wirklich einen großen Raum ein, aber es ist natürlich auch einfach geil. Einfach ihnen wie ein Geschenk. Aber ja, ich will es auch nicht romantisieren ist auch manchmal schon anstrengend.
Helen
Und da bin ich auch total glücklich, tatsächlich, dass du das auch so ganz ehrlich sagst, weil das hast du ja jetzt auch mit der Sommerpause beschrieben, dass du jetzt auch eigentlich bewusst nicht wirklich, glaube ich, liest, auch in deinem Urlaub jetzt nicht, weil ich habe mich manchmal schlecht gefühlt, dass ich … zum Beispiel fällt es mir manchmal richtig schwer, dass mir die Lesenbuch dann anzufangen. Da schieb ich dann ganz lange vor mir her und denk, jetzt, weil besprechen wir das jetzt, soll ich es mal lesen. Obwohl ich Lust auf die Bücher hab, aber weil ich … Ich muss das natürlich überhaupt nicht. Ich könnte auch nicht mitlesen, aber ich … ist ein bisschen mein Anspruch. Ich möchte das auch gerne, aber es fühlt sich nach Verpflichtung an. Dann lese ich ganz viele andere Sachen, tun haben oder so, weil ich ja schon gerne lese. Aber dieses, ich merke, ich kann gar nicht gut, ich nehme zum Beispiel auch schon, also eigentlich habe ich glaube ich noch nie so richtig Rezensionsexemplare oder so angenommen, da kommen ja bei dir auch wahnsinnig viele an, weil ich immer das Gefühl hatte, das baut bei mir eigentlich eher Druck auf. Deswegen war ich total froh, dass du das auch mal ehrlich angesprochen, also bist ja sowieso auch immer sehr, also ich finde dass du eigentlich nie das du irgendwas nur positiv oder nur negativ darstellt. Du sagst ja wirklich einfach ehrlich, wie es dir damit geht. Und das hat mir total gut getan, dass du auch gesagt hast, jetzt mache ich auch mal ganz bewusst eine Pause beim Lesen.
Mona Ameziane
Ja, und das ist wirklich, also das ist mir so extrem wichtig, weil ich genau dieses Gefühl kenne. Ich hatte das auch, dass ich so Buchbloggerin oder so gesehen habe, die mir dann am Ende des Monats ihren Stapel aufgestapelt haben, die Bücher, die wir gelesen haben und das ist so. Ich hab ein halbes Buch irgendwie. Ich habe es geschafft und das nicht mal gerne. Ich bin überhaupt kein Fan davon. Das habe ich auch schon voll aus im Podcast mit Christine gesagt, dass lesen so ein Wettbewerb ist. Das ist ja auch, wenn ich euer Konzept richtig verstehe, überhaupt nicht das, was mir so verfolgt. Und ich, also genauso, wie man, wenn man jetzt Sport macht oder irgendwie ein Musikinstrument spielt, das kann mir keiner erzählen, dass er das immer, das üben, das trainieren, immer gerne macht. Aber wenn im Endeffekt daraus was Positives entsteht, kann man ja trotzdem ein Fan vom Lesen, auch wenn man nicht immer Bock drauf hat. Und jetzt gerade bin ich wirklich, also wir sind gerade in der Sommerpause von »Zwei Seiten«. Ich habe jetzt Freitag erst wieder die nächsten Lesungen für 1LIVE 1LIVE Stories, zwei Bücher, die ich aber auch schon gelesen habe. Das heißt, die musste ich jetzt auch nicht lesen. Also ich hatte jetzt wirklich vier Wochen, in denen ich nicht lesen musste. Ja, ich muss schon strechen. Und dann sind wir da nach Marokko gefahren und ich saß hier vor meinem Regal, hatte natürlich ja tausend Bücher noch, die ich lesen hätte lesen können. und bin dann wirklich nur mit meinem E-Reader ohne Plan und ohne Buch in den Urlaub gefahren und hab dann da so ein Fantasy-Buch angefangen, was eigentlich gar nicht mein Genre ist, aber das ist für mich immer so, weil wir so super lange Autofahrten und so hatten, das ist für mich dann einfach ein, ich lasse mich einfach treiben, eine ganz andere Geschichte, ich hab »Das Reich der sieben Höfe«, ich weiß nicht, ob du irgendwie fantasymäßig unterwegs bist, aber so. Aber ich hab's gehört auf jeden Fall. Ja, genau. Da bin ich jetzt bei Band 2 und es ist für mich total cool, einfach mal jetzt was ganz anderes zu lesen oder einfach auch gar nichts. Ich hab auch so durch zwei Wochen kein einziges Buch angeguckt und genießt das einfach so sehr, gerade das nicht zu machen. Es ist total okay und das ist was, das muss ich auch erst lernen, dass das nicht ist, wo man einem Ziel hinterherjagen sollte. Man kann da sich manchmal ein bisschen pushen, weil am Ende tut es einem vielleicht gut, aber wenn man den Bock nicht hat dann kann man es auch lassen, außer man muss dann halt und das geht jetzt bei mir bald wieder los, aber daraus freue ich mich dann jetzt auch.
Helen
Ja, ich denke dann, so eine Auszeit hilft ja auch einfach, dass man wieder merkt, ach nee, ich habe da ja auch Spaß dran, nur wenn es so dieser Druck aufgebaut hat. Ich verstehe das total und fand das richtig toll, dass du das auch so beschrieben hast. Ich nutze meine Pause und wenn ich nicht möchte, dann lese ich jetzt auch einfach an nichts. Und so war es auch. Ja, voll schön. Du hattest das ja auch schon mal beschrieben, dass du dann extra Genres und so liest, die du sonst vielleicht nicht auch beruflich irgendwie liest und dass das dann auch mal Fantasy sein kann. Und wir hatten letztes Jahr irgendwann auch das erste Mal ein Fantasy-Buch, weil wir, glaube ich, extra auch ein Fantasy-Motto quasi dann hatten. Und dann war das nicht das, was, also ich glaube, das hattest du jetzt noch nicht gelesen. Fühlt man sich so ein bisschen stalkermäßig so, als wüsste ich ganz genau, was du die ganze Zeit machst. Aber so… Ich hau ja alles raus. Du hattest auf jeden Fall mal was von T. J. Klune gelesen, aber das war dieses… Ich hab »»Mr. Parnassus’ Heim für magisch Begabte«’ Heim für magisch Begabte« gelesen, ja. Genau, und wir hatten ein anderes von ihm. Ich will jetzt gerade »Das unglaubliche Leben des Wallace Price« oder so. Ja. Und ich war schon so ein bisschen skeptisch, aber ich hatte bei dir halt gesehen, dass du gesagt hast, es hat sich auch einfach wie so ein Wohlfühlbuch, glaube ich, hattest du es beschrieben. Und dann dachte ich, okay, ich lass mich jetzt einfach mal drauf ein und ich fand das total schön. Also es ist halt vielleicht nicht so sehr ein Buch, wo man auch wahnsinnig viel sich vielleicht austauschen kann, weil es jetzt nicht extrem viel vielleicht irgendwie an Gefühlen war, ruft, obwohl ich mir in dem Buch ging es auch schon um den Tod und sowas. Also potenziell kann das ja Gefühle wecken. Aber ich fand es einfach schön, so dieses Gefühl mal wieder auch so zu haben, einfach nur zu entspannen beim Lesen. Weil ich mag das super gerne, wenn ein Buch was mit mir macht und so schätze ich dich auch ein. Aber manchmal ist es einfach schön nur zu entspannen mit einem Buch.
Mona Ameziane
Ja, total und genau das ist, was mich dann auch immer, also das ist immer jetzt schon zum zweiten oder dritten Mal in diesen Fantasy-Bereich wirbt und auch in diesen Romantic Fantasy-Bereich. Also es wirklich doppelt gar nicht das, was ich sonst lese. Aber das ist für für mich einfach der Schalter, der sich dann umlegt im Kopf, dass ich so merke, ich überlege mir nicht, was kann ich den Autorinnen und Autoren dazu fragen? Ich überlege mir nicht, wie kann ich das jetzt zusammenfassen in unserem Podcast? Überlege mir nicht, wie kann ich dazu jetzt eine Rezension bei Instagram machen, sondern es ist einfach nur eine Geschichte, bei der sich irgendjemand irgendwelche skurrilen Gestalten ausgedacht hat, die alle unfassbar schön sind und natürlich sehr unrealistischen Sex haben. Und das ist für mich wie so ein… einfach wie so ein richtigen Wohlfühl-Filmgucken oder eine Serie, bei der man weiß, ich persönlich werde da jetzt für meine Weiterentwicklung meines Geistes nicht viel mitnehmen. Und ich werde auch, wahrscheinlich, wenn ich das zuklappe, nicht mehr lange drüber nachdenken. Es gibt bestimmt auch andere, bei denen das viel mehr auslöst, bei mir nicht, einfach nur eine Geschichte, mal in andere Genre einzutauchen und das ist dann wieder auch Arbeit ein bisschen für mich Hintergrund, also berufliche Hintergrund, auch nicht so ganz dem Bezug zu verlieren zur anderen Genre, weil ich mich schon auch mal ein bisschen schlecht gefühlt habe, dass ich diesen gesamten Bereich New Adult, Young Adult, Fantasy und so, dass ich das noch ein bisschen bei mir im Kopf gar nicht einsortieren kann und auch das ist dann cool zu sagen, ja, auch da habe ich die großen drei gelesen. Ich weiß, was es bedeutet, wenn man von irgendwelchen Tropes spricht und so. Das finde ich irgendwie cool, kann man also ich kann ich sehe diese Bücher auch bis zu einem gewissen Grad kritisch. Gerade was diesen romantischen Part angeht, vor allem wenn es junge Frauen lesen, aber trotzdem spannend, da mal so reinzutauchen in diese Welt. Voll.
Helen
Ich hatte mal einen Abo-Buch irgendwann, das ist sehr, sehr lange her, haben wir auch, glaube ich, ein Jahr, ne, ne, ne, ich weiß nicht mehr so genau, auch irgendwas in der Auswahl und ich dachte so, dass auf jeden Fall ein Boot, so hätte ich nicht gegriffen, ziemlich, also die Cover sind ja auch irgendwie relativ ähnlich und ich dachte, aber das probiere ich jetzt mal aus Und ich glaube, wenn man das sonst gar nicht liest, mir ist direkt aufgefallen, wie krass explizit die Sex-Szene waren. Und ich dachte, okay, wow. Ich finde es eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man sich manchmal auch selber so was vorstellt oder so. Und das war so in your face irgendwie.
Mona Ameziane
Das ist auch wirklich der Punkt, womit ich am größten, also am meisten, Struggle, also ich kann mir diese ganzen Drachen vorstellen. Ich find das cool, wenn die dann irgendwelche Verbindungen, weil das ja, wenn man eher wirklich, weil er tristik liest, selten passiert irgendwas über Natürliches, außer jemand drückt so ein bisschen was magisch realistisches ab oder so, aber das ist ja sehr dezent. Deswegen, ich finde das voll geil, wenn irgendwer auf dem Drachen fliegt und so, aber wenn die dann anfangen, miteinander zu schlafen, für mich ist das immer so, also ich muss mich da ganz deutlich dran gewöhnen und das ist also, jetzt werden wir vielleicht driftet das Gespräch ein bisschen ab, aber ich finde das wirklich wichtig, weil ich immer so denke, wenn ich das gelesen hätte, mit fünf stehen oder so, ich bin jetzt dreißig, so man weiß gewisse Dinge und man hat gewisse Dinge erlebt und ist irgendwie umerfahrungreicher, aber wenn du mit fünf denn das liest und da kommt irgendwie die Hauptfigur innerhalb von drei Seiten, fünfmal, weil der sexy Drachenlord sie zweimal… Das ist kann unterhaltsam sein, aber es kann auch gefährlich sein, wenn man sich als junge Person vorstellt, dass das so funktioniert und so etwas kann eigentlich der Leben ja nur enttäuschen. Deswegen würde ich, wenn es dann eine Petition gäbe, auch schon überlegt, mein Anliegen, ich fände es schon gut, wenn Bücher auch eine Altersbeschränkung Also FSK für Bücher ist was, was mir unverständlich ist, warum es das bisher noch nicht gibt, warum es das für Filme gibt, warum es das für Serien gibt, warum es bei Songs explicit Content gibt, der da markiert ist mit einem kleinen E oder so. Aber Bücher sind irgendwie komplett da rausgelassen, obwohl die ja viel mehr meiner Meinung nach noch anstellen können im Kopf als Film oder oder mindestens genau so viel. Also, ja, wenn da irgendwie mal einen Weg gäbe, dass man so, ich weiß gar nicht, wo man das andocken müsste, aber ich fände es nur logisch, das vielleicht mal einzuführen.
Helen
Ja, ich überlege das auch gerade. Wäre das nicht so was für Stiftung Lesen oder so?
Mona Ameziane
Ja, ich hätte auch gerade an den Börsenverein des Deutschen Buchhandels oder so. Falls irgendwer zuhört, er da Connections hat. Ich würde unterschreiben.
Helen
Mein Stift liegt bereit. Vielleicht noch mal ganz kurz zu deinem Buch zurückzukommen, weil die Frage war, wie lange du geschrieben hast, ich meine mich aus dem Buch zu erinnern, dass du glaube ich so ungefähr ein Jahr gesagt hast, aber auch wie die Idee kam, weil du beschreibst am Anfang, du rufst deinen Papa an, sagst dich, schreib ein Buch. Aber wie, also wie kam so dieser Impuls, auch deinen Vater anzurufen und zu sagen, ich mach das jetzt.
Mona Ameziane
Das war Anfang 2020, wirklich im Januar und ich hab's ja grad schon so ein bisschen angedeutet, das war so ein Zeitpunkt, an dem sich nicht nur gesellschaftlich so viel verändert hat, sondern auch beruflich für mich war das, glaube ich, bisher so der wichtigste Schritt, weil ich war da gerade Ich hatte einen ziemlich tief, hab einen ganz viel gezweifelt, hab einen großen Fernsehcasting mitgemacht, wo mir sehr viel Hoffnung gemacht wurde. Und obwohl ich da sonst eher immer so bin, ja, gucken wir mal, hab ich da schon ziemlich mitgerechnet, dass das klappt, hat nicht geklappt. Dann wurde Ende 2019 der 1LIVE-1LIVE 1LIVE Stories-Kanal bei Instagram eingestellt, den ich mit wahnsinnig viel Arbeit und Herz geführt hab, zusammen mit einem Team und mit meiner Redakteurin damals von 1LIVE mit ihr zusammen habe ich das gestartet für Funk, einen Buchkanal bei Instagram, der dann eingestellt wurde und ich stand da so und dachte, was mache ich denn jetzt und wo will ich eigentlich hin und ist alles richtig und dann in dieser Zeit habe ich nicht nur entschieden, dann eben zur Agentur zu gehen, aber relativ mit Management zu arbeiten, sondern es kam auch ein Anruf von einer Literaturagentur, die Agentin hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch zu schreiben und das ist schon vorher ein paar Mal passiert, aber das waren immer so Anfragen, die dann auf den 1LIVE 1LIVE Stories-Kanal sich so ein bisschen bezogen haben und ging immer darum, möchtest du nicht ein Buch schreiben über Bücher, also wie sortiert man sein Bücher, egal welche Bücher sollte man gelesen haben, wie entstehen, Mängelexemplare, also einfach die Buchwelte und ihre Hintergründe. Und das habe ich jedes Mal ohne drüber nachzudenken kategorisch abgelehnt, weil ich dachte, das bin ich einfach nicht. Das ist mir zu viel, das ist da wieder mit diesem Literatur theoretisch. Also A, das ist ein Buch, also eine Referenz über Referenzen, das ist mir irgendwie zu meta und so sehr beschäftige ich mich da mit in meinem Alltag auch gar nicht, sondern informiere da halt journalistisch drüber, wie entstehen meine, ist dann klar auf diesem Kanal. Aber wer bin ich, Menschen zu sagen, was sie lesen sollen? Generell ist das gar nicht meine Philosophie zu sagen, dass und jenes soll schon mal gelesen haben. Und dieser Agentin hat das auch erst gefragt und hat dann aber, als ich gesagt hab, nein, hat sie gesagt, dann sag mal, was du willst, ich mach alles mit dir. Und ich war okay. Und dann hab ich wirklich am Telefon, hab ich ihr gesagt. Und ich hab da vorher nie drüber nachgehalten gesagt, also wenn, dann, finde ich, am interessantesten Marokko. Ja, super, was man da so zu erzählen. Und hab ich da einfach am Telefon ein bisschen erzählt, von meiner Familie und so. Und es war Januar, glaub ich, oder Anfang Februar, und die sagt, pass auf, denk drüber nach. Wenn du sagst, du willst das machen, dann lass es das jetzt machen, weil ich merke, das sprudelt so aus dir raus und so. Dann nehm ich das mit zur Leipziger Buchmesse, die ist im März eigentlich, wird dann da abgesagt, aber das ist eben so der Turnus, da werden dann die neuen Exposés vorgestellt, den Verlagen und die können dann entscheiden. Und dann habe ich wirklich innerhalb von zwei Wochen, glaube ich, ein Exposé geschrieben für das Buch. Sie hat das an die Verlage verteilt und ich glaube, ich habe Ende März oder Anfang April den Buchvertrag dann unterschrieben. Es geht dann in so eine Auktion und dann wird entscheiden, welcher Verlag. Und ja, dann habe ich mich eben für Kiepenheuer & Witsch entschieden und dann habe ich von April geschrieben. ziemlich genau acht oder neun Monate. Dann hatten wir noch mal so zwei, drei Monate Lektorat und dann kommt der Satz, dann liest man das noch zwölf Mal und bis dann wirklich alles passt, dann welche Schriftart und so weiter. Kiepenheuer & Witsch, Riesending. Und dann hat der ganze Prozess wirklich von ich unterschreibe bis zu, das Buch ist fertig, nicht da, aber fertig. War es so zwölf, 13 Monate. Das war super schnell, weil eben aber auch 2020 ein special Jahr war und eigentlich alle meine anderen Jobs abgesagt wurden. Und dann konnte ich hier einfach genau hier in diesem Platz so viel ganz weit und noch Marokko reisen. Das ist mir, glaube ich, auch total durch diese Corona-Zeit geholfen. Also ich war in dem Jahr, wie gesagt, nicht in Marokko und gleichzeitig so viele Marokko wie noch nie in meinem Leben gedanklich. Das war total, total schön.
Helen
Ja cool. Also es ist ja irgendwie auch manchmal verrückt, wie sich so Dinge dann ergeben, dass das dann irgendwie doch einfach der richtige Zeitpunkt war. Was ich besonders toll fand, was ich so zumindest, glaube ich, in der Art auch noch nicht so gesehen hatte oder ich hab auch seitdem nicht unbedingt, ist wie sehr du uns als Zuschauer in auch mitgenommen hast bei diesem Schreibprozess. Das fand ich total besonders, dass man überhaupt und auch da hast du ja sehr ehrlich über Dinge gesprochen, dass man überhaupt mal wirklich ein Gefühl dafür bekommt, wie es zumindest bei dir ablief. Das ist ja dann jetzt auch nicht unbedingt Blueprint, so ist es immer, aber dass man wirklich mal das Gefühl hatte, man ist dabei, wenn sowas passiert und Und nicht erst, Juhi, ich hab einen Buch geschrieben, sondern das ist auch cool. Aber dass man auch schon davor, auch bei vielleicht allen Zweifeln oder allen Herausforderungen oder so ein bisschen mit dabei war, das fand ich total besonders einfach.
Mona Ameziane
Das war bei mir auch besonders, weil mein Kanals, über Instagram, auch schon Bücher als Fokus hatte. Und weil ich selber gemerkt hab, ich beschäftige mich, also es war ja dann 2020, Ich habe mich schon drei, vier Jahre sehr intensiv mit Büchern und der Buchwelt beschäftigt und habe jede Woche mit Autoren zusammengesessen für 1LIVE. Und mit denen geredet nicht nur dann vor Mikro, sondern natürlich, ich finde, auch noch ein Kaffee vorher und redet und viel auch so über Verlage und so weiter. Aber trotzdem war ich so überrascht, wie viel. Ich einfach nicht wusste von so einem Prozess, wie entsteht ein Buch. Allein diesen Buchvertrag da liegen zu haben, Dann aufzugucken, ist ein krass, was da alles drinsteht, das wird da festgesetzt. Das sind dann die Prozente, die dann von eBook und vom gedruckten Buch, also es ist nur so, ganz viele Glühbirnen angingen im Kopf. Und dann auch so ein Prozess wie entsteht ein Cover. Das war natürlich was, das hat sich dann total angeboten, auch auf meinem Kanal das dann umzusetzen. Da war ich bei der Grafikkdesignerin, die das Cover erstellt hat, und hat ein Interview mit der gemacht und hat die verschiedenen Cover-Entwürfe gezeigt, was es hätte werden können. Das waren einfach alles die Dinge, die ich so wahnsinnig interessant fand. Und von der ich dachte, wenn mir das jemand so zeigen würde, hat noch niemand anscheinend, sonst wüsste ich sie auch. Dann würde es mich interessieren. Und das ist, glaub ich, für mich der beste Weg zumindest, auch so zu überlegen, was für einen Content mache ich, was für ein Buch schreibe ich, was für Moderation mache ich, immer das, was mich selber interessieren würde, das, was ich gerne selber lesen würde, sehen würde. Weil das ist dann zumindest das ehrlichste von meiner Seite oder das authentischste. Und nicht so selbst überlegen, was funktioniert jetzt am besten. Weil das leist man natürlich auch irgendwann. Wenn ich nur das machen würde, was gut funktioniert, würde ich ganz andere Sachen machen. Im Bikini irgendwo in Marokko an Strand legen, dann würde ich meinen Mann vor die Kamera ziehen, dann würde ich viel mehr von der Wohnung zeigen, viel mehr Privates zeigen. Und das ist aber einfach, dass es total okay ist, wenn es jemand macht. Aber das ist einfach irgendwie nicht mein Weg. Und damit freie ich emotional irgendwie. Ganz gut, das klingt dann immer so aufgeräumt, aber es ist natürlich auch alles ein Prozess. Daher kommt man auch mal Zeit, wo man denkt, ah, das ist weit nicht so schl- Oder da hätte ich jetzt mal anders machen sollen. Aber am Ende ist es ja auch alles, was man so macht, nicht wo dann irgendwer zu Schaden kommt. Also mein Bruder ist Arzt, da denke ich immer, der kann in seinem Arbeitsalltag so, so viel mehr Menschen schaden, als ich mit meinem, ich sitze vor Mikro oder vor Kameras und erzähle irgendwas. Also irgendwie dann auch am Ende, muss man das glaube ich alles nicht immer so wichtig nehmen. nehmen, aber wenn man Spaß hat, ist das schon mal die halbe Miete. Aber ich finde gerade so eine stressigen Phase muss ich mir das manchmal richtig so vorbeten, wenn ich denke so, es ist, also es passiert jetzt im Grunde nichts, wenn ich das jetzt doch nicht mehr mehr schaffe, wenn ich doch mal eine Pause mache oder sowas. Ja voll, also sehr auch jetzt bei der Podcast-Pause, wie sehr Christine mit uns gerungen haben, ob wir jetzt mal drei Wochen keine Podcastfolgen machen, bis wir irgendwann da Sachen gesagt haben. Uns tut es sehr gut, vielleicht auch den Menschen gut, die den Podcast hören, weil ja, ist der Wiener Beziehung, wenn man sich mal kurz nichts nied, dann ist das wiedersehender, nach schöner. Und jetzt sind wir in dieser Pause und es ist wirklich so egal, weil nächste Woche geht es weiter und dann ist auch wieder da. Ja, und auch in diesem Podcast Feed, das wird ja eigentlich auch gar nicht Da müsste man schon das Datum verfolgen, für jemanden, der später kommt, dass man sieht, so eine Pause nicht mal im Nachhinein. Nein. Und auch das Gleiche ist mit Instagram-1LIVE 1LIVE Stories. Aber so funktioniert dieser Algorithmus, dass der einem immer das Gefühl gibt, wenn ich einen Tag nichts poste oder drei oder mein Gott stemme, vor ich mache sogar zwei Wochen Pause, dann bricht hier alles zusammen. Und am Ende ist es wirklich keiner vermisst einen, niemand. Also, ne, so die Menschen, die sehen einen, Wie oft, Leute, denen ich wirklich doll folge, die auf einmal eine Story machen und sagen, ich weiß, ich war jetzt zwei Wochen nicht da. Ich dachte, krass, hab ich mir wirklich null aufgefallen. Das hat nicht zu dir zu tun, sondern einfach, weil hier immer was passiert. Ich weiß, ob ich das jetzt nicht gesehen habe. Und das mal sich vor Augen zu führen, dass es wirklich am allerbesten ist, wenn man das macht, bis zu der Grenze, wo es einem noch Spaß macht. und sobald es einem irgendwie keinen Spaß mehr macht oder Druck oder ungesund wird, man dann auch einfach mal denkt, lasst doch einfach mal, es ist auch einfach vollkommen okay, nicht immer zu performen, dann wird es irgendwie entspannter. Und dann kriegt man meist auch wieder mehr Bock, mehr zu machen.
Helen
Voll, voll. Ja, gut, es wäre jetzt eigentlich ein gutes Abschlusswort, aber ich wollte dich noch zumindest eigentlich drei Sachen fragen. Ich hab so gedacht, ob man das in diesen 60 Sekunden schafft, die du manchmal als real hochgeladen hast. Aber ich glaub, das krieg ich von meiner Seite aus gar nicht hin und ich möchte auch nicht bei dir jetzt Druck auslösen. Aber ich wurde gefragt, ob du Top 3 Empfehlung, Orte oder Aktivitäten für ein Marokko-Aufenthalt hast. Mhm.
Mona Ameziane
Ja, ja. Also Top 3 ist total so, wie als würde man mich jetzt sagen, wenn du Top 3 Bücher hast. In Marokko kommt es wirklich total darauf an, worauf man Bock hat. Aber ich kann ja jetzt noch die drei Highlights von unserer Reise, die wir jetzt gemacht haben, kurz aufzählen. Also ich glaube, wenn man noch nie in Marokko war, dann ist Fès, also die Stadt, in der mein Papa geboren ist, der ich mich auch ganz doll auch am Anfang des Buches wird, mir ist total interessant, die alte Medina, der Stadt sich angucken, die ist UNESCO-Weltkulturerbe, die ist toll. Dann war ich total begeistert von der Nacht, die wir in der Lüste geschlafen haben in der Sahara. Das war grandios, wenn man da die Chance so hat, unbedingt machen. Das ist jetzt vielleicht nicht was für den ersten Marokko-Urlaub, aber auf jeden Fall eine Reise wert. Und ich bin schon auch Fan von der Region Marrakesch, Agadir, der Süden, Essaouira. So die Orte. Ich habe jetzt aber auch auf dieser Reise noch mal viel mehr Natur gesehen. Zum Beispiel im Dades-Tal, das war granios. Und habe das große Glück und das vielleicht auch als kleine Ankündigung hier für alle, die Marokko interessiert. Im September darf ich für die ARD eine Doku drehen in Marokko. Das war auch mit ein Grund jetzt für diese Reise. Das heißt, ich weiß nicht genau, wann sie erscheint. Oktober, November auf jeden Fall noch in diesem Jahr gibt es eine 45-minütige Marokko-Doku mit mir zu meinem Marokko sozusagen. Also das werde ich bestimmt dann auch viel teilen und es ist dann vielleicht auch interessant für alle, die mal Bock haben auf Marokko und dann einen Blick wollen.
Helen
Ja oder freue ich mich auch ehrlich gesagt schon darauf. Da habe ich unzählige Themenvorschläge in deinen Fragesticker geschrieben, also da abgefragt.
Mona Ameziane
Habe ich gesehen.
Helen
Weil ich so dachte, oh, das würde mich auch noch interessieren.
Mona Ameziane
Ja, man muss nicht da wirklich, also auch nicht so cool, ich habe es aber noch nie gemacht, das ist ja etwas ganz anderes nochmal, davor so eine Land zu sitzen, zu wissen, man hat so und so viele Drehtage, also werden neun Drehtage haben im Land und dann steht ihr aber so ein ganz Land offen und dann wird so gesagt, ja, was machen wir denn da jetzt so? Und jetzt haben wir gestern Abend den Reiseplan komplett finalisiert und im Sintimer wird dann da gedreht.
Helen
Ja, da bin ich sehr gespannt drauf.
Mona Ameziane
Ich auch.
Helen
Es ist auch voll schön, nochmal so eine neue Herausforderung zu bekommen. Also freue ich mich auch voll für dich. Aber ich freue mich vor allem auch auf das Ergebnis. Ich hatte, meine ich unter anderem auch, glaube ich, gesagt, dass mich marokkanische Autor in, ich glaube auch marokkanische Frauen Frauen, einfach aber Marokkan Schautor interessieren würden. Gibt es zufällig auch Buchtipps vielleicht aus oder über Marokko, die du irgendwie uns geben kannst? Weil ich finde oft ist gar nicht so leicht, zum Beispiel auch Bücher übereinland zu finden, weil wenn man dann Marokko in der Suchleist eingepackt hat man halt eher Reiseführer als Bücher.
Mona Ameziane
Ja, total. Also mein absoluter Lieblingsautor der über Marokko schreibt, ist jetzt auch kein Geheimtipp, wenn man sich ein bisschen damit beschäftigt, aber ist Tahar Ben Jelloun, von dem habe ich glaube ich wirklich schon alles gelesen. Also da lohnt es sich auf jeden Fall mal in die Bücher zu schauen, die er geschrieben hat und so ein bisschen zu gucken, was er da am meisten interessiert. Dann auch kein Geheimtipp, aber auch total spannend, aus sich mit der Person zu beschäftigen, Leïla Slimani, die sich ganz, ganz viel einsetzt. Da bin ich auch sehr mit ihr als Autorin, als Mensch beschäftigt. Im Prozess meines Buches, weil es da auch in einem Teil um die Rolle von Frauen in Marokko geht. Und sie, da wirklich eine Vorreiterin ist und so ein Zug fährt, was die Frauenbewegung in Marokko angeht. Und sich dafür ganz viel einsetzt. und sehr politische Bücher auch schreibt über das Land. Das gibt zum Beispiel einen Zitat, »»Sex und Lügen««. Und da schreibt sie das Sachbuch und hat damit ganz vielen, glaube ich, 13, 14 Frauen in Marokko gesprochen über ihr Liebesleben und über Sexualität, über Intimität. Und hat damit natürlich einen Riesenaufruhr, für einen Riesenaufruhr gesorgt, als das auch in Marokko rauskam. Es hat so viele Frauen empowert, verschiedene Geschichten zu hören, die vielleicht auch immer noch tabuisiert sind im Land. Also das ist, man darf nicht abgesehen, dass sie wirklich auch eine tolle Romanautorin ist, auch eine sehr beeindruckende Frau. Und vielleicht ein ganz expliziter Buchtipp. Darüber haben wir auch gesprochen. Im Podcast habe ich Christine empfohlen, das Buch heißt »So reich wie der König«. Und es von Abigail Assor, einer Marokkanerin. Das Spiel in Casablanca. Statt die jetzt nicht zu meinen Lieblingsstätten gehört, aber die auch sehr spannend ist, spielt in den 90ern, geht um eine etwas schwierige Liebesgeschichte, aber ist null romantisch, sondern eher wirklich fast politisch in Marokko. Es ist inzwischen zwar sehr unterschiedlichen Personen, es geht ganz viel um Geld und Macht, um Stellung, um Hierarchie. Also es ist jetzt nicht das politischste Buch über Marokko, aber auf jeden Fall auch ein ganz interessanter Aspekt, da mal so gesellschaftlich auch einen Blick zu bekommen.
Helen
Ja, cool. Das sind ja dann wirklich auch mal andere Buchtipps. Danke dafür. Vielleicht passt das gut zum Abschluss, weil wir sind jetzt doch nicht mehr darauf eingegangen. Können wir noch was Literarisches, sag ich mal von dir erwarten. Hast du irgendwas geplant?
Mona Ameziane
Ja, also ich werde die Frage total oft gefragt, auch wenn ich mal so Fragen sticker und so wenn ich sie mache und dann spare ich sie immer aus, weil ich gerade nicht so richtig weiß, was ich darauf antworten soll. Aber Fakt ist, ich habe einfach durch dieses Buch gemerkt, wie viel Spaß mir das schreiben macht und wie viel mir das auch gibt, auch vielleicht parallel oder im Vergleich zu dem, was ich sonst mache, weil vieles, was ich mache, ist dann immer so, ich bereiche was vor und dann geht das raus und dann gehe ich auf eine Bühne und dann bereite ich was vor für eine Sendung übermorgen und dann ist es so kurzfristiges, sehr schnelles, kreatives Arbeiten. Und ich hätte total Bock auf was längeres und ich habe auch das Gefühl, ich bin mit Marokko, was das Schreiben angeht, noch nicht durch. Ich habe aber auch gemerkt, dass mir das nicht so gut tut, mir da so einen Druck zu machen und zu denken, nur weil ich jetzt Bock habe und andere Bock haben muss, jetzt schnell kommen, sondern, weil sich bei dem ersten Buch so toll fand, war, dass das wirklich so rauskamen, so raus musste. Und ich habe mir geschworen, ich möchte schreiben, wenn sich das wieder so anfühlt und deswegen sauge ich jetzt in… In diesem Jahr, all diese Marokko-Reisen auf und sammeln ganz viel in meinem Kopf und auch durch diese Doku, glaube ich, das wird noch mal ganz viel machen, wenn ich auch mehr mit Menschen noch mal ins Gespräch komme. Aber sagen wir so, es gibt ein Dokument auf diesen Computer und es gibt auch Pläne von Verlagseiten. Die Frage ist halt nur, wie fülle ich die jetzt und wann. Aber würde mich freuen, wenn ich das ohne Druck hinbekommen, weil nur dann, glaube ich, wird es auch gut. Also mal gucken. Aber die Kurzantwort ist ja.
Helen
Cool. Wir schauen mal wann. Ja, ja. No pressure von unserer Seite, aber wir freuen uns. Ich würde sagen, wir trinken unseren Minztee jetzt aus und beobachten noch so ein bisschen das Treiben. Vielen, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Es war super spannend. Ich finde auch immer toll einfach so … Ja, mal ein bisschen hinter … Ich sag das immer, aber ein bisschen hinter die Kulissen gucken zu können. Viel hab ich das Gefühl, kann man bei dir in den 1LIVE 1LIVE Stories schon hinter die Kulissen gucken, aber trotzdem total wohl auch mal mit dir direkt zu sprechen. Deswegen danke für deine Zeit und danke, dass du das überhaupt gemacht hast, dass du dich darauf eingassen hast.
Mona Ameziane
Danke für die Einladung und danke dir, dass du alle das hier gemacht hast und dass du so viele Menschen zum Lesen bringst und vereinst in eurer Community. Das ist super, super cool. Ich hab mir gerade vorher vor der Aufnahme schon kurz geredet, da ich schon recht bin. Wirklich großer Fan und Grüße alle Mädels, die Lesen. Danke dir.




