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Geschichtenjägerin ohne Serienkiller: Melanie Raabe über »Der Schatten«, die ZDFneo-Serie, Schreibtage um vier Uhr morgens und 200 ungelesene Bücher

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Podcast · Folge 37

Geschichtenjägerin ohne Serienkiller: Melanie Raabe über »Der Schatten«, die ZDFneo-Serie, Schreibtage um vier Uhr morgens und 200 ungelesene Bücher

Nach dem Seriencamp-Festival in Köln: warum Melanie Raabe Thriller schreibt, vor denen man keine Angst haben muss, was ein Buch von einer Serie unterscheidet – und warum es jedes Buch so oft gibt, wie es gelesen wird

11. Juli 2023 · 53 Minuten · Ganze Folge hören ↓

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Diese Folge wurde vom btb Verlag gesponsert, in dem Melanie Raabes Bücher erscheinen. Auf das Gespräch selbst hatte der Verlag keinen Einfluss – und diese Seite gibt wieder, was in der Folge gesagt wurde.

Stand heute

Aufgenommen am 22. Juni 2023, fünf Tage nach dem Seriencamp-Festival in Köln. Die sechsteilige Serie »Der Schatten« lief damals gerade bei ZDFneo und in der Mediathek; ob sie dort noch abrufbar ist, haben wir nicht geprüft. Der neue Roman, von dem Melanie Raabe in der Folge spricht, ist inzwischen erschienen: »Der längste Schlaf« (btb, September 2024). Laut ihrem Verlag folgten außerdem das Sachbuch »Das Jahr der Wunder« und im Spätsommer 2026 der Thriller »Daisy«; »Die Falle« läuft seit 2026 bei Netflix.

Am 17. Juni 2023 hat Helen beim Seriencamp-Festival im Cinenova in Köln den Book Club zu »Der Schatten« moderiert: zwei Folgen der ZDFneo-Serie auf der großen Leinwand, ein Q&A mit der Filmcrew und danach ein Gespräch mit Melanie Raabe und der Drehbuchautorin Stefanie Veith. Weil viele aus dem Buchclub nicht dabei sein konnten, nimmt sich die Autorin ein paar Tage später noch einmal Zeit. Es geht um einen Full-Circle-Moment in der Stadt, in der sie das Buch geschrieben hat, um das Wort „Thriller“ auf dem Cover und die Leser*innen, die es abschreckt, um Schreibtage, die manchmal scheitern, um 200 ungelesene Bücher und eine erfundene Zweitmelanie, die den ganzen Tag liest – und um die Frage, warum ein Buch etwas ist, das Autorin und Leser*innen gemeinsam erschaffen, während eine Serie eher einer Sinfonie gleicht. Dazwischen: Sprachnachrichten aus der Community, die beim Festival dabei war.

Melanie Raabe

Schriftstellerin, Köln

Melanie Raabe wurde 1981 in Jena geboren, ist in Wiehl aufgewachsen und lebt in Köln. Sie hat Medienwissenschaft und Literatur in Bochum studiert und schreibt Thriller, Romane, Hörspielserien und Sachbücher. Ihr Debüt »Die Falle« erschien 2015 und gewann den Stuttgarter Krimipreis für das beste deutschsprachige Krimidebüt; drei weitere Thriller folgten, ihre Bücher sind in mehr als 20 Ländern erschienen. »Der Schatten« wurde für ZDFneo verfilmt. Im Februar 2023 hat der Buchclub ihren Roman »Die Kunst des Verschwindens« gelesen, mit einem Livestream zum Abschluss.

Ein Full-Circle-Moment in Köln

Für Melanie Raabe war der Samstag auf dem Seriencamp „unglaublich aufregend“ – und ein Kreis, der sich schließt: Geschrieben hat sie »Der Schatten« in Köln, erschienen ist das Buch 2018 im Hochsommer, die Buchpremiere in der Buchhandlung war eine Hitzeschlacht, und die Filmrechte wurden direkt 2018 verkauft. Fünf Jahre hat es gedauert, bis die Serie fertig war; jetzt konnte sie sie auf der Leinwand sehen und danach feiern. Obendrein gewann »Der Schatten« den Publikumspreis des Festivals – Helen hatte den QR-Code zum Abstimmen laut Vorgabe nur in der Anmoderation erwähnt und sich hinterher gefragt, ob das gereicht hat. Was Melanie Raabe an der Serie besonders freut: Ein Teaser für Instagram wirkte so unheimlich, dass manche sich nicht trauten zu schauen – dabei sei es eine Mischung aus Psychothriller und Drama, kein Horror. Sie selbst sei „super, super zartbesaitet“ und könne so etwas gar nicht sehen. Helens Freundin, ebenfalls ängstlich bei so etwas, hat die restlichen vier Folgen hinterher bei Tageslicht nachgeholt und war begeistert.

Bei der Serie führte Nina Vukovic Regie, das Drehbuch stammt von Stefanie Veith und Michael Comtesse; Deleila Piasko spielt Norah Richter, Andreas Pietschmann Wolfgang Balder. In der Folge nennt Helen die Crew, die beim Q&A dabei war: Nina Vukovic, der Kameramann Pascal Schmit, Andreas Pietschmann und Deleila Piasko.

Thriller ohne Serienkiller

Immer wieder hört Melanie Raabe, dass Leute sich ihre Bücher nicht trauen, weil „Thriller“ draufsteht. Sie mag das Label, weil sie Spannung mag – aber sie sei nicht die typische Thriller-Autorin, weil sie viele Genre-Konventionen unterwandere: keine Serienkiller, keine Kommissar*innen, die grausige Verbrechen aufklären, keine Gewalt. Ihre Theorie: Man kann fast alles mit den Mitteln der Spannung erzählen, und dafür braucht es nicht unbedingt ein Verbrechen. Buchhändler*innen hätten ihr erzählt, dass sie ihre Bücher gern an Kund*innen verkaufen, denen andere Thriller zu heftig sind. Die Pointe: Sie selbst hat vor ganz vielen Thrillern Angst. Helen erinnert an den Livestream zu »Die Kunst des Verschwindens« im Februar, in dem es schon um Labels ging; damals hieß es, in den Buchhandlungen laufe sie inzwischen als eigenes Genre, als „Melanie-Raabe-Buch“. So eine Marke wie die ganz berühmten Autor*innen sei sie nicht, sagt sie, aber sie versuche, Dinge zu schreiben, die sie selbst gern lesen würde und in dieser Form nicht findet: spannend, aber nicht brutal, mit interessanten Frauenfiguren und einer emotionalen Ebene über den Page-Turner hinaus. Bei »Die Kunst des Verschwindens« hätte „Thriller“ auf dem Cover eine Mogelpackung sein können – und trotzdem schreiben ihr Leute, ein bisschen Thriller sei es ja schon.

Ich habe irgendwie die Theorie, dass man fast alles mit den Mitteln der Spannung erzählen kann, dass man fast alles spannend machen kann und dass es dafür nicht unbedingt ein Verbrechen brauchen muss.Melanie Raabe

Ein Newsletter wie ein kleines Magazin und 200 ungelesene Bücher

Ihren Newsletter verschickt Melanie Raabe einmal im Monat, und er ist mehr als Eigenwerbung: Sie empfiehlt Bücher, Serien und Artikel, die ihr gefallen haben – das docke an ihre erste Karriere bei einem Printmagazin an. Empfehlungen von Menschen, deren Geschmack man einschätzen kann, hätten einen besonderen Wert, deshalb gebe sie sich damit Mühe; Helen ist Fan des Newsletters, weil sie darin ständig Dinge entdeckt, die sie noch nicht kannte. Ungelesen zu Hause: über 200 Bücher, fast alle selbst gekauft, denn unverlangte Rezensionsexemplare bittet sie sich zu ersparen. Selbst mit mehreren Büchern pro Woche bräuchte sie Jahre, und sie kauft wie ein „Bücher-Messie“ ständig nach. Ihr Wunsch: ein Zweitleben nur zum Lesen – eine reiche Zweitmelanie, die den ganzen Tag auf der Chaiselongue liegt, per externer Festplatte mit dem Hirn der schreibenden Erstmelanie verbunden.

Schreibtage, die manchmal scheitern

Der Aufnahmetag sollte eigentlich ein Schreibtag werden – morgens eine Podcastaufnahme, nachmittags der Termin mit Helen, dazwischen Zeit zum Schreiben. Geschrieben hat Melanie Raabe keine Zeile: Nach zwei Wochen Pendeln zwischen Köln und Berlin war zu viel liegen geblieben. Statt sich von der inneren Stimme als „grauenhafte Autorin“ beschimpfen zu lassen, hat sie den Tag zum Interview- und Orgatag erklärt; sie sei eben auch Freiberuflerin, bei der E-Mails auflaufen und die Steuer gemacht werden muss. In echten Schreibphasen sieht es so aus, wie man es sich vorstellt: aufstehen, Kaffee, Schreib-Playlist, ein paar Stunden am Text, jeden Tag. Was sie zwischen Tür und Angel erzwingt, sei meist nicht zu gebrauchen. Für die nächsten Monate stellt sie einen großen Brocken des neuen Romans in Aussicht, und weil ihr Hirn bei 35 Grad in der Wohnung nicht gut arbeitet, überlegt sie, wieder sehr früh aufzustehen und von vier bis zehn zu schreiben.

Angefangen hat sie nämlich genau so: Als sie noch einen Dayjob hatte, schrieb sie nicht nachts, sondern morgens vor der Arbeit, der Wecker klingelte um vier, zwei Stunden Ruhe, dann Sport und Büro. Wer um vier aufgestanden ist, macht nicht erst das Handy auf, sondern schreibt – und egal, was der Tag bringt, es ist schon geschehen. Angehenden Autor*innen, die sie oft um Tipps bitten, sagt sie trotzdem: hundert Autor*innen, hundert Wege. Niemand müsse ihre Routine nachmachen, manche seien Nachteulen, eine junge Mutter schreibe anders, und die allermeisten Bücher der Weltgeschichte seien neben einem Dayjob entstanden – „Kafka hatte einen Dayjob“. Der beste Tipp sei, das Handy auszumachen. Ihr Sachbuch »Kreativität« handelt nicht nur vom Schreiben, sondern von kreativen Prozessen überhaupt, mit persönlichen Beispielen und Routinen.

Wegbingen ist ein Kompliment

Beim Festival kam die Frage aus dem Publikum, ob es für Drehbuchautorin und Autorin ärgerlich sei, wenn jemand Serie oder Buch „in einem durchgesuchtet“ habe – Melanie Raabe hatte im Scherz gesagt, danach komme sofort die Frage nach dem nächsten Buch, und prompt fragte jemand genau das. Für sie ist beides ein Kompliment: Wer das Buch wegbingt, dem hat sie etwas richtig gemacht; wer es sich aufspart und langsam liest, ehrt es genauso. Das Buch gehöre den Menschen, die es gekauft oder ausgeliehen haben. Helen hat »Der Schatten« in einer schlaflosen Nacht in die Hand genommen – ein Fehler, denn danach war an Schlaf nicht mehr zu denken –, obwohl sie lange keine Thriller mehr gelesen hat. Dass ein Buch jemanden so kriegt, macht Melanie Raabe stolz: Ein Buch konkurriere nicht nur mit anderen Büchern, sondern mit Netflix, Kino und Hörspielserien, und Lesen koste mehr Aufmerksamkeit, als sich vor eine Serie zu setzen. Wer sich bei rund 90.000 Neuerscheinungen im Jahr für ihres entscheide und es durchlese, sei „my proudest achievement“. Helen ergänzt: Nach den Lockdowns konkurrieren Bücher auch wieder mit dem Leben selbst – aber sie entspannen nachhaltiger. Melanie Raabe stimmt zu: ein freier Abend mit einem richtig guten Buch sei das Schönste, was sie sich wünschen könne, totale Ruhe bei kreativster Hirnaktivität.

Die Zahl von 90.000 Neuerscheinungen nennt Melanie Raabe im Gespräch als grobe Größenordnung. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zählt für 2022 64.278 Erstauflagen.

Jedes Buch gibt es so oft, wie es gelesen wird

Im Vorgespräch zum Festival hatte Andreas Pietschmann zu Helen gesagt, die Serie sei Teamwork, das Buch dagegen allein entstanden. Melanie Raabe sieht das etwas anders: Ein Buch sei eine Art Halluzination – schwarze Zeichen auf weißem Grund, aus denen Bilder und Gefühle werden. Sie beschreibe das Innenleben ihrer Figuren ausführlich, ihr Aussehen aber nur rudimentär, auch Orte lasse sie bewusst offen, damit die Leser*innen sich selbst Dinge ausmalen: Das meint sie mit Co-Kreation, und deshalb gebe es jedes Buch so oft, wie es gelesen wird. Bei »Die Kunst des Verschwindens« nannte ihr eine Person ihre Lieblingsstelle – genau das Kapitel, das eine andere, ebenso kluge Person für verzichtbar hielt. Feedback sei spannend, zum Schreiben aber selten hilfreich: zehn Leute, elf Meinungen. Eine Serie dagegen sei keine einzelne Stimme, sondern eine Sinfonie aus unzähligen Entscheidungen – Besetzung, Regie, Soundtrack, Kostüm, Drehorte, wie Norahs Wohnung aussieht. Anderthalb bis zwei Jahre hat sie am Buch gearbeitet; die Produzentinnen, die 2018 die Rechte kauften, brauchten fünf Jahre.

Ein guter Thriller lebt für sie davon, Dinge elegant zu verschweigen. Im Buch gibt es neben Norah eine zweite Erzählperspektive, bei der lange unklar bleibt, wer da spricht – Mann oder Frau, bekannt oder fremd. In der Serie hätte das nicht funktioniert, weil man einer Figur nicht in den Kopf schauen kann; das Team hat sie früh und auf andere Weise eingebaut, ohne zu spoilern lässt sich das nicht erklären. Helen schlägt vor, Buch, Hörbuch und Serie als Fallstudie zu vergleichen – im Buch wechselt die Schriftart, im Hörbuch die Stimme. Fürs Hörbuch, erzählt Melanie Raabe, wurde die Stimme dieser Figur im Studio verfremdet, androgyn und alterslos, und der Hörverlag fragte die sprechende Person, ob es in Ordnung sei, nicht in den Credits aufzutauchen – sie ist einverstanden, und so steht nicht einmal auf der Verpackung, ob ein Mann oder eine Frau gesprochen hat. Das Serienprojekt sei zudem in vielerlei Hinsicht von Frauen getragen: die beiden Produzentinnen Tina Hechinger und Christina Christ, eine Regisseurin, mit Stefanie Veith eine Head-Autorin, ein Roman aus der Feder einer Frau – und Deleila Piasko in ihrer ersten Serienhauptrolle, die Helen im Vorfeld erzählt hatte, dass es für sie neu war, 80 bis 90 Prozent der Zeit im Bild zu sein.

Grüße an den Buchclub

Zum Schluss wird es herzlich: Melanie Raabe hat auf ihrer Lesetour viele Mädels, die lesen, am Signiertisch getroffen, folgt dem Buchclub auf Instagram und lobt den wertschätzenden, „untoxischen“ Ton – ein guter Ort, über Bücher zu sprechen, als Leserin wie als Autorin. Helen ist das wichtig: dass man im Buchclub auch Anfänger*in sein darf, ohne alles schon zu wissen. Der Buchclub wünscht viel Erfolg für die Schreibmonate; irgendwann im nächsten Jahr, sagt Melanie Raabe, gebe es wieder etwas von ihr.

Wenn du »Der Schatten« gelesen oder die Serie gesehen hast – oder dich bisher nicht an Thriller herangetraut hast –, lohnt sich die ganze Folge: mit den Sprachnachrichten aus der Community, der Geschichte vom verfremdeten Hörbuchsprecher und einem Werbeblock in der Mitte, den du getrost überspringen kannst.

Die ganze Folge hören

Die Bücher aus der Folge

Das Buch zur Serie, der Roman aus der Leserunde im Februar 2023, das Sachbuch über Kreativität – und Melanie Raabes weitere Thriller.

Buchcover »Der Schatten« von Melanie Raabe

Der Schatten

Melanie Raabe · btb · 416 Seiten

Das Buch, um das es in der Folge geht: 2018 erschienen, 2023 als sechsteilige Serie bei ZDFneo verfilmt. Helen hat es in einer Nacht durchgelesen.

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Buchcover »Die Kunst des Verschwindens« von Melanie Raabe

Die Kunst des Verschwindens

Melanie Raabe · btb · 400 Seiten

Das Monatsbuch 02/23 – mit Livestream mit der Autorin. Steht „Roman“ drauf, hat aber, wie sie sagt, ein bisschen Thriller in sich.

Bei Thalia ansehen*

Leserunde nachholenMonatsbuch 02/23

Buchcover »Kreativität. Wie sie uns mutiger, glücklicher und stärker macht« von Melanie Raabe

Kreativität

Melanie Raabe · btb · 352 Seiten

Ihr Sachbuch über kreative Prozesse, Disziplin, Inspiration und Flow – mit ihren eigenen Routinen als Beispiel. Stand 2023 auf Helens Leseliste.

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Buchcover »Die Falle« von Melanie Raabe

Die Falle

Melanie Raabe · btb · 352 Seiten

Ihr Debüt von 2015, ausgezeichnet mit dem Stuttgarter Krimipreis – in der Folge nur im Werbeblock des Verlags genannt.

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Buchcover »Die Wahrheit« von Melanie Raabe

Die Wahrheit

Melanie Raabe · btb · 464 Seiten

Ihr zweiter Thriller – in der Folge nur im Werbeblock des Verlags genannt.

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Buchcover »Die Wälder« von Melanie Raabe

Die Wälder

Melanie Raabe · btb · 432 Seiten

Ihr vierter Thriller – in der Folge nur im Werbeblock des Verlags genannt.

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Buchcover »Der längste Schlaf« von Melanie Raabe

Der längste Schlaf

Melanie Raabe · btb · 352 Seiten

Der Roman, der nach dieser Aufnahme erschienen ist: September 2024. In der Folge spricht sie vom neuen Roman, den sie im Sommer schreiben will.

Bei Thalia ansehen*

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Häufige Fragen

Worum geht es in dieser Folge?

Um »Der Schatten« – das Buch, die ZDFneo-Serie und das Seriencamp-Festival in Köln, bei dem Helen im Juni 2023 das Screening moderiert hat. Melanie Raabe erzählt, warum sie Thriller ohne Serienkiller schreibt, wie ihr Schreibtag aussieht, warum sie Bücher als Co-Kreation mit den Leser*innen versteht und wie sich das Erzählen in Buch, Hörbuch und Serie unterscheidet. Dazu kommen Sprachnachrichten aus der Community, die beim Festival dabei war.

Ist »Der Schatten« ein Horror-Thriller?

Nein, sagt Melanie Raabe: Die Serie sei eher eine Mischung aus Psychothriller und Drama. Sie selbst könne horrormäßige oder over-the-top gruselige Sachen gar nicht schauen, und in ihren Büchern gebe es weder Serienkiller noch Kommissar*innen, sondern psychologische Spannung. Helen fand das Buch trotzdem so spannend, dass sie es in einer schlaflosen Nacht nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Wie sieht ein Schreibtag bei Melanie Raabe aus?

In intensiven Schreibphasen steht sie morgens auf, kocht Kaffee, setzt die Schreib-Playlist auf und sitzt ein paar Stunden am Text – idealerweise jeden Tag. Als sie noch einen Dayjob hatte, hat sie vor der Arbeit geschrieben, manchmal ab vier Uhr morgens. Ihr wichtigster Tipp: das Handy ausmachen und dafür sorgen, nicht abgelenkt zu werden. Und: Hundert Autor*innen, hundert Wege zu schreiben – niemand müsse ihre Routine blind nachmachen.

Was unterscheidet das Buch von der Serie?

Im Roman gibt es neben Norah eine zweite Erzählperspektive, bei der lange unklar bleibt, wer da spricht – ob Mann oder Frau, ob jemand, den Norah kennt. In einer Serie hätte das nicht funktioniert, weil man einer Figur nicht in den Kopf schauen kann; das Team hat die Figur deshalb früh und auf andere Weise eingebaut. Fürs Hörbuch wurde die Stimme dieser Figur im Studio verfremdet, und die sprechende Person steht auf eigenen Wunsch nicht in den Credits.

Wurde diese Folge gesponsert?

Ja. Der btb Verlag, in dem Melanie Raabes Bücher erscheinen, hat die Folge gesponsert; in der Mitte der Aufnahme spricht Helen einen Werbeblock für die Bücher der Autorin und den Newsletter des Verlags. Auf das Gespräch selbst hatte der Verlag keinen Einfluss.

Wer ist Melanie Raabe?

Melanie Raabe, geboren 1981 in Jena, aufgewachsen in Wiehl, lebt in Köln. Sie hat Medienwissenschaft und Literatur in Bochum studiert und schreibt Thriller, Romane, Hörspielserien und Sachbücher. Ihr Debüt »Die Falle« erschien 2015, drei weitere Thriller folgten; ihre Bücher sind in mehr als 20 Ländern erschienen. »Der Schatten« wurde für ZDFneo verfilmt. Nach dieser Aufnahme erschienen unter anderem der Roman »Der längste Schlaf« (2024) und im Spätsommer 2026 der Thriller »Daisy«.

Die ganze Folge zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme. Die Sprachnachrichten aus der Community stehen als „Aus der Community“; der Werbeblock des Verlags in der Mitte der Folge ist durch einen Hinweis in eckigen Klammern ersetzt. Helens An- und Abmoderation des Podcasts steht nicht hier.

Helen
Hi Mädels, für diese Folge habe ich mit Melanie Raabe gesprochen, nachdem ich den Seriencamp Book Club zu »Der Schatten« moderiert habe. Viele von euch waren traurig, dass sie bei diesem Event nicht dabei sein konnten und natürlich ist das jetzt keine Kopie des Nachmittags bzw. Abends, aber so bekommt ihr zumindest einen kleinen Einblick. Kurz zum Hintergrund, der Seriencamp Book Club hat im Rahmen des Seriencamp Festivals im Cinenova in Köln stattgefunden. Ich hab das Ganze zunächst anmoderiert und dann ein kurzes Q&A mit der Filmcrew durchgeführt. Das waren zum einen die Regisseurin Nina Vukovic, der Kameramann Pascal Schmit, Andreas Pietschmann, der in der Serie Wolfgang Balder und Deleila Piasko die Norah Richter gespielt hat. Dann haben wir zwei Folgen der insgesamt sechsteiligen ZDF-neo-Serie »Der Schatten« geguckt, die auf dem gleichnamigen Buch von Melanie Raabe basiert. Und im Anschluss habe ich mit Melanie und Stefanie Veith, die das Drehbuch geschrieben hat, über das Buch, die Serie und die Serienadaption gesprochen. Alles in allem war es echt ein richtig tolles Event und ich bin froh, dass Melanie sich jetzt nochmal die Zeit genommen hat, das Ganze nochmal mit uns Revue passieren zu lassen. Viel Spaß bei dem Gespräch. Herzlich willkommen, liebe Melanie. Ich freue mich sehr, dass du dir heute die Zeit genommen hast, um nochmal mit mir über »Der Schatten« zu sprechen.

Melanie Raabe
Immer gerne.

Helen
Wir haben ja am Samstag schon da drüber gesprochen. Aber ja, genau, ich freue mich heute da vielleicht nochmal ein bisschen mehr in die Tiefe gehen zu können.

Melanie Raabe
Ja, richtig cool, freue ich mich auch sehr drauf. Ich spreche eh mal gerne mit dir, du hast irgendwie echt immer gute Fragen, auch einfach. Und habe ich mich drauf gefreut, dass wir halt noch mal so ein bisschen plaudern können.

Helen
Vielen, vielen Dank auf jeden Fall. Also am Samstag war ja auch noch bei unserem Gespräch Stefanie Veith dabei, die das Drehbuch zu »Der Schatten« geschrieben hat. Das war natürlich auch noch mal so irgendwie noch mal eine ganz andere Ebene euch auch zusammen so zu erleben. Und die Filmcrew, nicht zu vergessen, war natürlich auch noch dabei. Ich hab’s ja auch als Rundumpaket benannt und so hab ich’s auch empfunden und ich glaube, so ging es auch den Zuschauer*innen. Übrigens, ich hab bei Instagram dazu aufgerufen, dass diejenigen, die dabei waren, mir Sprachnachrichten mit ihrem Eindruck schicken können. Die hört ihr jetzt.

Aus der Community
Also zusammenfassend würde ich sagen, dass das Seriencamp Festival sehr gut zu unserem Buchclub passte, weil es, ähnlich wie auch Kunst-Events, nochmal eine Stufe weiter die Leserin mitnimmt. Hier in die Serie von ZDFneo und in die Hintergrundgespräche eben mit Drehbuchautorin Stefanie Veith, mit dir als Moderatorin Helen und mit Melanie Raabe, so wie den Schauspielerinnen und das Ganze. Kostenlos an einem wunderschönen Tag mit vielen wunderschön netten Menschen und natürlich einfach einer guten Serie fand ich wirklich sehr schön. Also ich hatte das Buch leider noch nicht gelesen. Was ich allerdings sehr spannend fand war, dass du sie interviewt hast zusammen mit der Drehbuchautorin. Also ich muss sagen, ich hätte noch zehn Fragen gehabt, weil ich diese Adaptationsarbeit sehr spannend finde, wie eine Materie weiter wandert und von jemand anders angenommen und weiterentwickelt wird sozusagen. Ich fand es auch super, dass du dem Publikum so viel das Wort gegeben hast. Und was auch cool war, war der Part davor natürlich mit den Schauspielern und auch deren Motivation für die Rollen. Also insgesamt war es eine sehr coole Veranstaltung.

Helen
Aber wie war Samstag für dich? Wie hat sich das angefühlt?

Melanie Raabe
Ich fand es einfach unglaublich aufregend. Also es war auch wirklich so ein Full Circle Moment, dass es auch in Köln war, wo ich das Buch geschrieben habe. Das Buch ist vor fünf Jahren rausgekommen, 2018 im Hochsommer. Es war genauso heiß wie jetzt. Ich hatte meine Buchpremiere in der Buchhandlung und es war so eine richtige Hitzeschlacht. Alle waren durchgeschwitzt und fix und fertig. Ich habe letztens mal die Fotos gesehen. Da sehe ich wirklich so aus, da hätte ich einfach jemand in einem Eimer Wasser über mich gekippt. Und jetzt so fünf Jahre später, es wurde in anderen Ländern erschienen. Wir haben die Filmrechte direkt 2018 verkauft und es hat fünf Jahre gedauert, diese Serie gemacht zu bekommen und sie fertig zu kriegen für das Team, das sie gemacht hat. Und jetzt war sie fertig und wir konnten es auf der großen Leinwand anschauen und danach feiern. Das war einfach nur wirklich, wirklich schön und aufregend. Und ich bin auch so stolz auf die alle, die das gemacht haben. Und für mich war das einfach so ein richtig, richtig schönes Event. Wir haben noch ganz lange gefeiert und dann haben wir auch noch etwas mitbekommen, als »Der Schatten« den Publikumspreis auch noch gewonnen hat, vom Seriencamp. Oh, ich hab mich immer darüber gefreut. Ja, so nett. Also es war wirklich so richtig rund um einfach nur schön. Mit zu tun natürlich auch massiv beigetragen hast. Muss ich natürlich auch dazu sagen.

Helen
Danke. Aber ich hab vor allen Dingen, also ich hatte relativ fester auch Vorgaben für diese Anmoderation. Und da stand eben auch drin, dass ich den QR-Code zum Abstimmen erwähnen soll. Und ich hab dann im Nachhinein gedacht, ob ich das vielleicht am Ende halt auch noch mal hätte sagen sollen, weil es wurde dann zwar noch mal eingeblendet, aber ich hatte es halt am Anfang gesagt. Dazwischen war ein Q&A mit der Filmcrew. Wir haben zwei Folgen von der Serie geguckt und wir hatten unser Gespräch noch. Ich dachte, oh Gott, haben das nicht alle vergessen, aber scheint geholfen zu haben zumindest, dass am Anfang der Welt.

Melanie Raabe
Ja absolut.

Helen
Nee, aber finde ich auch total verdient. Also ich hatte die Serie ja vorher schon gesehen. Du ja auch. Ich fand sie wirklich richtig toll gemacht. Deswegen hat mich das echt gefreut, dass sie den Preis auch gewonnen haben.

Melanie Raabe
War schön. Freut mich, dass sie dir gefallen hat und dass du, dass du geschaut hast. Das ist cool. Ich habe schon, ich habe natürlich schon mit ein paar Leuten über die Serie gesprochen. Und ich habe ja auf Instagram, ich weiß nicht ob das gesehen hat, doch immer super fleißig diesen kleinen Teaser geteilt, der extra für Insta gemacht wurde. Der aber mega, mega unheimlich ist und so ein bisschen, ich hab von ein paar Leuten gehört, dass sie sich nicht trauen, die Serie zu gucken, weil sie das Gefühl haben, es ist irgendwie Horror, was es ja gar nicht ist. Verstehend. Und deswegen freue ich mich, dass du dich getraut hast, weil ich bin super, super zartbesaitet, so richtig horrormäßige oder over-the-top gruselige Sachen kann ich halt gar nicht schauen. Und das wollte ich einfach nur nochmal sagen, danke für deinen Mut. Und du hast dann ja gemerkt, es ist eher eine Mischung aus Psycho-Thriller und Drama und überhaupt kein Horror-Streifen, so.

Helen
Das stimmt, absolut. Aber das ist witzig, weil eine Freundin von mir war auch dabei und sie ist auch super ängstlich bei sowas. Und als die erste Folge anfing, setzte ich so, ich habe sie gar nicht vorgewarnt und beugte mich so runter. Übrigens, sorry, weil dann saßen wir ja schon im Kino und so. Die Folge lief und sie meinte so, ich habe mich schon komplett eingelesen, Also da kann jetzt nichts passieren. Ich bin vorbereitet. Aber sie hat sogar jetzt im Nachhinein die Folge, also die drei bis sechs quasi noch, die noch ausstanden, geguckt und es hat ihr richtig gut gefallen. Also ich hatte gesagt, sie soll einfach bei Tageslicht gucken, weil es wird ja schon, finde ich, ein bisschen spannender und auch gruseliger so ein bisschen. Aber genau, also kann man sich wirklich, finde ich, auch anschauen, wenn man sonst nicht so gern was Gruseliges guckt.

Melanie Raabe
Ja, denke ich auch. Es kommt halt aus dem Hirn einer Frau, die vor allem möglichen Angst hat. Und deswegen, die aller, allermeisten Menschen können das, glaube ich, gut gucken. Schon allein, weil es auch einfach jetzt nicht irgendwie stimmgewalttätig ist oder so. Weil das habe ich selber nicht so gern und deswegen mache ich das auch in meinen Büchern nie. Und die Serie weicht in manchen Dingen elegant ab vom Buch, aber nicht in diesen Belangen. Und das finde ich auch wichtig, irgendwie.

Helen
Ja, aber wie oft begegnet dir das generell, dass Leute sagen, ich traue mich irgendwie nicht, deine Bücher zu lesen, weil da steht ja immer Thriller, dieses Wort wieder, Thriller drauf.

Melanie Raabe
Ja, ja, schlimmes Wort, einfach so lautmalerisch. Das ist schon immer mal wieder passiert. Und da habe ich auch gemerkt, dass dieses, ich mag dieses Label eigentlich, weil ich gerne Spannung mag. Aber ich merke dann auch wieder, dass ich halt, und das klingt irgendwie so komisch, das über sich selber zu sagen, aber ich bin halt nicht die typische Thriller-Autorin, weil ich viele Genre-Konventionen unterwandere. Und weil, glaube ich, die Erwartungshaltung, wenn man einfach nur dieses Label hört, dann denkt man an was anderes, als das, was meine Bücher sind. Und das gilt, glaube ich, für alle meine Bücher, bei denen Thriller vorne draufsteht. Bei mir gehen halt keine Serienkiller um und es gibt auch keine Kommissarin oder Kommissare, die irgendwelche grausigen Verbrechen aufklären oder so. Bei mir geht es halt um psychologische Spannung und ich liebe halt. Ich habe irgendwie die Theorie, dass man fast alles mit den Mitteln der Spannung erzählen kann, dass man fast alles spannend machen kann und dass es dafür nicht unbedingt ein Verbrechen brauchen muss. Und dass die Charaktere genauso interessant und genau gezeichnet sein können, wie in jedem anderen Roman. Und das aber vielleicht am Ende des Kapitels trotzdem irgendwie ein cooler Cliffhanger sein kann, als man so denkt, ich muss wissen, wie es weitergeht. Aber ich habe das tatsächlich, als noch Thriller vorne drauf stand, immer mal gehört und auch oft von Leuten, wo ich dachte, nee, ich glaube, dieses Buch ist genau für dich, weil ich kenne dich und ich glaube, du kannst damit total gut umgehen. Aber ich will dann natürlich auch niemandem überreden, bin dann aber immer so ein bisschen traurig und ich habe mich immer sehr gefreut, wenn mir Buchhändlerinnen oder Buchhändler gesagt haben, auch ich verkaufe ihre Bücher so gerne, weil ich habe so viele Kundinnen und Kunden, die gerne was Spannendes wollen, aber denen viele Dinge einfach zu heftig sind oder zu gewalttätig oder zu brutal. Und denen verkaufe ich total gerne ihre Bücher. Ich bin irgendwie auch so eine Thriller-Autorin für Leute, die normalerweise Angst haben vor Thrillern, dann der Buchhändlerin aber genug vertrauen und ich sage nein, das können sie lesen. Und das finde ich irgendwie immer ganz süß. Und ich werde natürlich aber auch oft ausgelacht von Leuten, die viel hart gesäugener sind, weil ich bin Thriller und ich habe viel Thriller geschrieben, aber habe halt vor ganz vielen Thrillern Angst und das ist natürlich ein bisschen bizarr.

Helen
Ja, irgendwie witzig. Also ich erinnere mich auch, als wir, das war doch im Februar, als wir den Livestream zu »Die Kunst des Verschwindens« gemacht hatten, da haben wir auch über das Thema so Label gesprochen. Also wenn ich mich recht erinnere, du am Anfang auch so ein bisschen Probleme hattest, dass du nicht eingeordnet werden konntest. Von wahrscheinlich zur Verlagswelt und so und dass sich das aber quasi so entwickelt hast, dass du jetzt so dein eigenes Genre im Grunde im Grunde bist. Es ist ein Melanie-Raabe-Buch. Also ich glaube, du hast gesagt, dass das so in den Buchhandlungen auch quasi das Label ist, unter dem du dann verkauft wirst.

Melanie Raabe
Ja, das finde ich auf jeden Fall irgendwie ganz schön, obwohl ich natürlich Ich bin ja jetzt nicht irgendwie so eine Marke wie, weiß ich jetzt nicht, irgendwelchen super, super berühmten Autoren und Autoren, wo einfach schon jeder sofort weiß, was das ist. Aber ich versuche schon irgendwie sehr, mein eigenes Ding zu machen und so meinen eigenen Pfad zu beschreiten und wirklich Dinge zu schreiben, die ich gerne lesen würde und vielleicht so in der Form nicht finde. Und ich könnte mir einfach vorstellen, dass etwas, was ich suche und ich gerne lesen würde, nämlich etwas, was spannend ist, aber nicht brutal und ein bisschen anders, was interessante Frauencharaktere hat und über die Spannungshandlung hinaus noch was anderes erzählt und vielleicht auch irgendwie uns hoffentlich, dass es immer mein Plan, auch irgendwie auf einer emotionalen Ebene berührt und nicht nur so auf der Page-Turner-Ebene. Wenn ich sowas suche als Leserin und ich bin zuallererst Leserin, Ich bin ja einfach auch total bücherverrückt, wie du und und alle so aus deinem Buchclub. Wenn ich das suche, dann müssen das auch andere suchen. Und darauf vertraue ich irgendwie. Und es hat mir auch so ein bisschen den Mut gegeben, sowas zu versuchen, wie »Die Kunst des Verschwindens«, was so ja so ein bisschen anders ist halt einfach. Aber trotzdem auch, da haben wir wahrscheinlich auch letztens mal ein bisschen drüber gesprochen, mir schreiben auch Leute, okay, da steht jetzt nicht Thriller vorne drauf, aber ein bisschen Thriller ist es ja auch schon. Und das ist halt wirklich so eine Definitionsfrage und ich hatte halt das Gefühl, wenn wir bei dem Buch Thriller vorne drauf geschrieben hätten, dann wäre es so ein bisschen eine Mogelpackung gewesen, weil es halt sich wirklich nicht so an Genre-Konventionen hält. Aber klar kann man das auch einfach als, weiß ich nicht, Mystery-Thriller lesen oder als zwischen den Genres und ich glaube aber auch, das sind auch oft so Buchhandelgedanken und vielen Leser*innen dann ist Fakt ein bisschen egal, Hauptsache es funktioniert halt. Aber natürlich mache ich mir auch, wenn so ein Buch fertig ist, dann auch Gedanken darüber, wie kriege ich es in genau die richtigen Hände? Wie kriege ich es in die Hände genau der Leute, denen das gefallen wird? Und das ist natürlich dann auch schon wichtig. Und ja, zum Glück macht mein Verlag deine gute Arbeit, weil ich weiß solche Dinge natürlich nicht, keine Ahnung vom Marketing, weißt du so.

Helen
[An dieser Stelle folgt in der Aufnahme der Werbeblock des btb Verlags, der diese Folge gesponsert hat.] Na ja, obwohl, ich mein, du hast ja auch eine wirklich starke Community auch auf Instagram und du hast deinen Newsletter, also ein bisschen Marketing ist da ja schon im Spiel, ne?

Melanie Raabe
Ja, das stimmt. Wobei das echt so Dinge sind, die mir halt einfach Spaß machen. Mein Newsletter ist so, den verschicke ich halt einmal im Monat und erzähle da halt nicht nur, was bei mir Neues gibt, das natürlich auch, aber es geht halt auch so ein bisschen darum, ich empfehle Bücher oder Serien oder Artikel, hat alles, was mir so im Monat gefallen hat. Und das dockt so ein bisschen an an meine erste Karriere, weil ich war in meiner allerersten Karriere einfach bei einem Magazin, bei einem Printmagazin. Das ist jetzt so wie mein eigenes kleines Online-Magazin, in dem ich einfach Dinge empfehlen kann, die mir was bedeuten oder die ich irgendwie cool finde. Ich mache mir an der Stelle dann gar nicht Gedanken darüber, ob das irgendwie auf meine Marke einzahlt. Man will ja auch nicht über sich selbst als Marke denken, das macht ja keiner, weißt du, wie ich meine? Aber da hast du auf jeden Fall recht, eine wirklich tolle Community. Also ich habe wirklich super treue Leserinnen und Leser, hauptsächlich Leserinnen, glaube ich. Aber ich bin auch immer wieder erstaunt, dass auch viele Männer meine Bücher lesen. Freue ich mich auch, dass so eine Breite funktioniert. So finde ich eigentlich ganz cool. Und viele von denen sind wirklich super, super treu. Das ist total schön. Richtig schön.

Helen
Und ich hatte das auch schon beim letzten Mal gesagt, aber ich bin wirklich großer Fan auch von dem Newsletter. Weil ich liebe halt auch so Empfehlungen. Also ich empfehle auch selber gerne, aber ich finde dadurch entdeckt man auch nochmal so ganz andere Sachen, weil zumindest, also vielleicht bin ich auch einfach schlecht informiert, aber ich kenne immer viele Sachen, die du empfiehlst, vorher nicht. Und sowas liebe ich total.

Melanie Raabe
Das freut mich. Ich mag sowas nämlich auch gerne. Ich gucke ja auch, weil du gerade auch bei Büchern, es gibt so viel und ich hab, wenn ich nach links schaue, Ich habe über 200 ungelesene Bücher zu Hause und es erscheint so viel und dann gibt es noch so viele Backlist, die ich lesen möchte. Ich habe aber so wenig Zeit, vor allem, wenn ich gerade selber schreibe und Empfehlungen sind halt super. Auch bei Serien, in allem, was es so gibt. Wenn mir jemand, den ich irgendwie kenne und schätze und weiß, was derjenige macht oder mag und deswegen einschätzen kann, was derjenige für einen Geschmack hat. Wenn der oder die mir was empfiehlt, dann hat das halt irgendwie einen besonderen Wert. Und deswegen gebe ich mir mit meinen Empfehlungen auch immer so viel Mühe, weil ich finde, es ist auch ein ganz kleines Maß an Verantwortung, dann auch coole Dinge zu empfehlen und nicht einfach irgendwas so. Da mache ich mir tatsächlich viele Gedanken drüber. Und ich lasse mir halt auch total gerne Dinge empfehlen. Und statt einfach so verwirrt durch diesen Dickicht aus allem zu stolpern, das so nach unserer Aufmerksamkeit verlangt. Und es gibt viel mehr Gutes, als wir konsumieren können. Das ist halt einfach total krass. Vor allem das Luxusproblem, aber es ist ja krass.

Helen
Ja, aber schon, also manchmal kann es einen ja schon auch so ein bisschen unter Druck setzen. Also wie geht dir das mit den 200 ungelesenen Büchern, denkst du da manchmal?

Melanie Raabe
Mir geht es damit sehr, sehr schlecht, Helen. Die gucken mich so an, auch so ein bisschen vorwurfsvoll. Und das sind auch tatsächlich jetzt gar nicht so viele Bücher, wenn ich mal schaue, die ich geschickt bekommen habe, irgendwie unverlangt. Das passiert relativ selten, weil ich immer darum bitte, das nicht zu machen, mich zu fragen, ob man mir was schicken darf, ob ich das haben möchte. Und das sind eigentlich fast alles Bücher, die ich mir wirklich selber gekauft habe. Aber ich komme nicht hinterher. Und wenn ich jetzt überlege, wenn ich intensiv schreibe, was ich eigentlich immer tue, ich versuche trotzdem ein paar Bücher im Monat zu lesen. Aber selbst wenn ich, wenn ich mehrere pro Woche lesen würde, bräuchte ich mehrere Jahre, um allein das abzuarbeiten, was da so liegt. Und ich kaufe permanent Neues nach, wie ein wahnsinniger Bücher-Messie, weil aber auch die ganze Zeit neue Dinge nachkommen, die auch interessant sind. Bei dir ist es ja genauso, man kennt dann ja auch viele Autor*innen, mit vielen bin ich befreundet, schon allein das will ich natürlich lesen, was hat XY so Neues am Start und dann ist man ja auch Fan von bestimmten Leuten und ich brauche… Ich möchte ein Zweitleben nur zum Lesen. Das wäre total cool. Irgendwie so eine reiche Zweitmelanie, die den ganzen Tag auf der Cheselange liegt und liest. Und erst Melanie läuft ja drum und schreibt und macht ihre ganzen Termine und so. Und Zweitmelanie liest die ganze Zeit. Das wäre gut. Die müsste ich dann irgendwie so mit externer Festplatte fürs Gehirn koppeln, diese beiden.

Helen
Ja, dass man trotzdem diese Witzen und so abrufen kann, ne?

Melanie Raabe
Ja genau, ja das wäre schön, aber naja.

Helen
Aber das ist auch, also ich finde das ein generell spannendes Thema, weil als wir diesen Termin quasi für die Folge hier ausgemacht haben, da hattest du gesagt, dass der heutige Tag eh kein Schreibtag wäre, weil du vorher noch ein Interview hast. Hast. Und das hört sich für mich so an, als würdest du da sehr strukturiert rangehen. Also ist das für dich ganz klar irgendwie, ich fange morgen zum acht an zu schreiben und dann mache ich das, also wie so ein Arbeitstag oder wie sieht das bei dir genau aus?

Melanie Raabe
Ja, also normalerweise schon. Es kommt aber auch vor, dass ich dann einfach scheitere. Also ich hatte das ursprünglich mal als Schreibtag geplant und habe dann gedacht, okay ich habe von zehn bis elf diese Podcast-Aufnahme beim [unverständlich] und um 16.30 bin ich verabredet mit Helen und dazwischen kann ich locker schreiben, habe ich heute geschrieben? Keine einzige Zeile. Ich war bei der Podcast-Aufnahme, danach habe ich irgendwie andere organisatorische Dinge gemacht und habe gemerkt, wie viel liegen geblieben ist, einfach weil ich gerade viel gereist bin und viele Termine hatte so in den letzten zwei Wochen und eigentlich die ganze Zeit zwischen Köln und Berlin gependelt bin, aus den unterschiedlichsten Gründen. Und dann musste noch was besprochen werden. Und dann habe ich noch ein paar Telefonate. Und dann habe ich tatsächlich mir erlaubt, dass wir heute einfach so sein zu lassen, dass heute einfach ein Interview- und Orgattag ist und ich mich nicht selber unter Druck setze und jetzt irgendwie von meiner inneren Stimme fertig machen lasse, dass ich eine grauenhafte Autorin bin, weil ich heute noch keine Zeile geschrieben habe. Sondern manchmal muss ich mir dann auch einfach sagen, ja, du bist eine Autorin und du versuchst, möglichst im Flow zu bleiben und nicht zu viel Zeit vergehen zu lassen zwischen Schreibtagen. Aber ich bin auch eine Freiberuflerin, die manchmal andere Dinge machen muss und bei der E-Mails auflaufen oder die mal ihre Steuer machen muss und all so ein Kram. Und so war das heute. Aber beim Schreiben normalerweise versuche ich dann schon, wenn ich wirklich einen längeren Zeitraum habe, wo das Autorinnenleben so ist, wie die meisten sich vorstellen, wo ich wirklich primär schreibe. Und da geht es jetzt auch langsam wieder rein in diese Phase. Dann bin ich so strukturiert, wie man sich es vorstellt. Dann stehe ich morgens auf, koche mir einen Kaffee, setze mich hin, mache meine Schreib-Playlist auf die Ohren und dann sitze ich da ein paar Stunden. Und das dann idealerweise jeden Tag so. Und dann komme ich auch gut voran und dann habe ich auch das Gefühl, dass die Dinge aus einem Guss sind, auch viel besser als wenn ich mich so zwischen Tür und Angel zwinge, jetzt noch ein Stöhnchen zu schreiben, das habe ich früher häufiger gemacht, mich dann noch zu zwingen. Ich habe dann auch irgendwann festgestellt, dass die Dinge, die ich dann schreibe, meistens gar nicht gut sind und es hier gar nicht verwenden kann. Deswegen versuche ich da jetzt anders mit umzugehen.

Helen
Das finde ich irgendwie total spannend, wie du da so dran gehst. Wahrscheinlich bekommst du auch häufiger mal Fragen von angehenden Autor*innen, oder ob du irgendwie Tipps hast?

Melanie Raabe
Ja, absolut. Das kriege ich ganz viel.

Helen
Aber da kann man sich ja auch glaube ich in deinem Buch »Kreativität« wahrscheinlich auch so ein bisschen was…

Melanie Raabe
Ja, ja das stimmt. Ich habe da ein ganzes Buch drüber geschrieben. Es ist nicht per se über das Schreiben, aber über kreative Prozesse. Und das kann man alles total gut aufs Schreiben anwenden, weil ich halt vom Schreiben komme. Und das auch so an persönlichen Beispielen und Routinen. Ich versuche alles zu erklären, von Disziplin über Inspiration und den Flow und all diese Dinge. Ich versuche aber immer, wenn ich Tipps gebe, meine Insta-Story oder weil mich jemand persönlich fragt oder so, ich erzähle immer gerne, wie ich es mache. Mir ist aber total wichtig, allen zu sagen, 100 Autor*innen, 100 Wege zu schreiben. Und da gibt es nicht so richtig und richtig oder falsch. Also niemand sollte, nur weil ich am besten morgens schreibe mit einem Kaffee und der Schreib-Playlist, das einfach blind nachmachen. Manche Menschen sind Nachtollen, manche Menschen funktionieren da irgendwie ganz anders und brauchen mehr Input oder weniger Input. Manche Leute können vielleicht ihr Handy auf dem Schreibtisch liegen lassen. Ich könnte nie eine Zeile schreiben, weil ich dann sofort abgelenkt wäre. Da ist wirklich jede und jede anders. Und die Dinge ändern sich auch manchmal. Also ich habe, als ich angefangen habe zu schreiben, als ich angefangen habe Romane zu schreiben in meinen Zwanzigern, da habe ich ganz anders geschrieben als jetzt. Und ich versuche da nicht dran zu kleben, sondern ich versuche immer zu gucken, was funktioniert. Wo der Pandemie habe ich anders geschrieben als während der Pandemie, weil die Lebenssituation eine ganz andere war. Und geht glaube ich nicht so sehr darum, wie man es macht, sondern dass es für einen passt. Eine junge Mutter wird anders schreiben als ich, die ich nur mit meinem Partner zusammen lebe und keine Kinder habe. Das ist ja total klar. Man muss dann einfach gucken, wie es funktioniert und sich auch vor allem nicht davon entmutigen lassen, wenn man das Gefühl hat, dass man in einer Lebenssituation ist, die nicht so aussieht, wie man sich eine Schreibsituation vorstellt. Oder man sollte nicht denken, dass man irgendwie unbedingt seinen Dayjob aufgeben muss, um eine valide Autorin oder ein valider Autor zu sein. Die allermeisten Bücher, wahrscheinlich in der Weltgeschichte, sind entstanden unter ganz anderen Bedingungen. Kafka hatte einen Dayjob, die allermeisten Menschen, die wir bewundern, hatten einen Dayjob und sind tagsüber ins Büro gegangen. Und man muss halt einfach, glaube ich, versuchen, so ein bisschen Zeit für sich rauszuschlagen. Ich glaube, der beste Tipp ist tatsächlich wirklich, das Handy auszumachen und irgendwie dafür zu sorgen, dass man wenig gestört wird, nicht so abgelenkt ist, weil so viel nach unserer Aufmerksamkeit schreit jeden Tag. Und dann können interessante Dinge gelingen. So auch mit weniger Zeit.

Helen
Ja, spannend. Also, ich meine, ich hätte das aber auch gelesen, dass das bei dir doch auch zu Beginn so war, dass du quasi nachts geschrieben hast, weil du tagsüber gearbeitet hast.

Melanie Raabe
Ja, absolut. Ich habe allerdings nicht nicht spät abends, also nachts nach der Arbeit geschrieben, sondern früh morgens vor der Arbeit, weil ich halt eher so ein eher ein Morgenmensch bin und ich bin da immer sehr, sehr also nicht immer, aber in den Zeiten, wo ich dann intensiv geschrieben habe, bin ich sehr früh aufgestanden. Und es war tatsächlich eine sehr, sehr schöne Zeit, weil ich dann keine Ahnung, hat um vier oder so der Wecker geklingelt und ich habe meinen Kaffee gekocht, mich hingesetzt und ich wusste ich habe jetzt irgendwie zwei Stunden bevor ich dann mich umziehe, zum Sport gehe und dann nach zur Arbeit und es war für mich eine interessante Erfahrung, weil da halt wirklich Ruhe herrscht und weil das auch so eine, Druck ist das falsche Wort, aber es ist so ein Commitment ans Schreiben. Wenn du schon um vier aufgestanden bist, dann wirst du jetzt auch nicht irgendwie, Also Instagram gab es dann noch gar nicht, aber dann wirst du jetzt auch nicht irgendwie erst mal dein Handy aufmachen und irgendwas Belangloses tun, sondern dann setzt du dich auch wirklich hin und machst das, was du machen wolltest. [unverständlich] für mich als Morgenmensch. Und das hat ganz gut funktioniert. Und es hat für mich tatsächlich auch viel besser funktioniert, als spät abends zu schreiben, weil der Tag hat dann diese Schreibzeit immer irgendwie aufgefressen, irgendwas war dann immer. Oder ich bin dann lieber ausgegangen, weil ich bin vielleicht diszipliniert, aber so diszipliniert auch nicht. [unverständlich], aber wenn ich es als allererstes gemacht habe, egal was der Tag gebracht hat, ein Chaos oder Überraschung, es war schon geschehen. Und so kam ich tatsächlich ganz gut voran, obwohl ich extrem wenig Zeit hatte. Das war echt eine interessante Zeit. Und ich überlege tatsächlich auch, ich gestern auch mit einer Kollegin darüber gesprochen, ob ich dieses Vorgehen noch mal wieder aufnehme. Weil ich will den neuen Roman, große Teile davon jetzt, einen großen Brocken jetzt im Juli, August, September schreiben, die Wahrscheinlichkeit dazu heißt bleibt, bis jetzt ist es hoch. Und mein Hirn arbeitet natürlich nicht ganz so gut, wenn irgendwie bei mir in der Wohnung 35 Grad sind. Und ich habe dann kurz überlegt, ob es vielleicht schlau wäre, ganz, ganz früh aufzustehen und von, weiß ich nicht, von vier bis um zehn zu schreiben. Und dann, dann hätte ich echt schon Tagewerk geschafft und macht dann Sommerfrische oder so. Weiß ich noch nicht, ob ich es mache, aber der Gedanke kam mir, so bevor E-Mails eintrudeln, bevor irgendwer einen anruft, einfach schon fertig sein. Mal gucken.

Helen
Ich bin richtig gespannt. Aber das ist vielleicht eine Überleitung nochmal, weil ich hatte ja am Anfang angekündigt, dass wir auch über »Der Schatten« sprechen würden und das erinnert mich gerade an eine Frage aus dem Publikum, die am Samstag kam. Ich glaube, die Ursprungsfrage war, ob es für, also die Drehbuchautorin Stefanie Veith und dich als Autorin blöd ist, wenn jemand sagt, ich habe das so in einem durchgesuchtet, also entweder die Serie oder das Buch. Und Stefanie hatte, glaube ich, gesagt, das ist schon auch ein Lob, und du bist aber auch übergegangen dazu, dass es zwar schon natürlich ein Lob ist, aber dass für dich häufig auch direkt danach die Frage kommt, wann kommt denn das nächste Buch? Und das hat mich gerade daran erinnert, weil du gesagt hast, tag das niemals. Also ich hab das halt im Scherz gesagt natürlich. Und es war auch total süß, dass das Publikum das auch total verstanden hat, dass ich das halt im Scherz sage, weil ja da direkt jemand gefragt hat, wann kommt das nächste Buch? Das fand ich eine super Reaktion.

Melanie Raabe
Ja, und bei mir ist es tatsächlich, bei mir sind es beide, das ist natürlich mega mega Ich finde es sehr gut, wenn Leute mein Buch so wegbingen, weil dann habe ich auch was richtig gemacht. Gleichzeitig freue ich mich auch, wenn Leute es langsam lesen und sagen, ich spare mir das so ein bisschen auf und lese das langsam. Beides ist schön. Und ich würde es natürlich auch nie vorgeben wollen. Das Buch gehört den Menschen, die es nicht gekauft oder ausgeliehen haben und sie sollen damit machen, was sie wollen. Und es genießen, wie sie es richtig finden. Ich wollte nur sagen, beides ist ein Kompliment. Also wenn man es schnell liest, ist es ein Kompliment, und wenn man es langsam liest und es trotzdem zu Ende bringt, ist es auch ein Kompliment, weil das ist super cool für mich.

Helen
Ja, und ich meine, du bist gefühlt so die Meisterin der Spannung. Ich fand es bei dem Buch, also »Der Schatten«, ich gucke gerade drauf, wirklich auch nicht leicht aufzuhören. So am Anfang ist man dann vielleicht noch so, dass man sich denkt, vor allen Dingen weil ich mich auch vorbereiten wollte auf Samstag. Auf Samstag ein, ich lese das langsam und so. Aber es war dann irgendwie auch eine Nacht, wo ich nicht gut schlafen konnte. Und dann war es, glaube ich, ein Fehler, ehrlich gesagt, das Buch in die Hand zu nehmen, weil dann habe ich die ganze Nacht nicht mehr geschlafen, weil ich dann unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Ja, weil ich mein, bestes Buch eigentlich. Ich habe richtig lange keine Thriller mehr gelesen. Also früher habe ich das total geliebt, aber jetzt wirklich lange nicht mehr. Und jetzt dachte ich so, ich muss auf jeden Fall mir auch die anderen Bücher von Melanie holen, das ist ja richtig gut.

Melanie Raabe
Schön, es freut mich. Ich schicke natürlich gerne meine anderen Bücher und freue mich darüber. Also gerade wenn du sagst, du liest das nicht mehr so oft, das ist natürlich auch ein Kompliment, wenn ich das dann doch noch mal gekriegt habe. Und ich bin auch immer, es hört sich vielleicht blöd an, aber ich bin immer ganz stolz darauf, wenn ein Buch die Leute so kriegt, weil du und ich und dein Publikum, wir sind ja klar, wir sind Leserinnen, aber wenn man ein Buch schreibt, dann konkurriert man ja nicht nur mit anderen Büchern, also auf dem Markt, wir konkurrieren nicht künstlerisch, aber auf dem Markt, um Aufmerksamkeit, wie wir es ja vorhin schon hatten, sondern wir konkurrieren ja auch mit den ganzen Netflix oder MTV-Serien und mit Kino und allem was so, und Hörspielserien und allem was so an narrativen Formaten da ist und wie wie gut sind diese ganzen tollen Produktionen, die es so gibt, wie toll es zum Beispiel auch, finde ich, jetzt ist ja kein Eigenlob, weil ich es nicht gemacht habe, wie toll ist zum Beispiel auch »Der Schatten« geworden. Und dann finde ich es halt immer krass und bin wirklich, wirklich stolz, wenn jemand sich sagt, von allem, was ich jetzt machen könnte, lese ich jetzt ein Buch von der Mell. So. Und lese das zu Ende. Weil das ja auch Zeit kostet und Aufmerksamkeit und mehr Anstrengung, als einfach, sich vor Netflix zu setzen und sich was anzuschauen. Und es ist halt so schön, dass Leute das machen. Und wenn die dann von all den Büchern, die es gibt, genau zu meinem greifen, bei, weiß ich nicht, 90.000 Neuerscheinungen in Deutschland pro Jahr, das ist ja total krass. Das ist ja jedes Einzelmal eine total krasse Entscheidung. Und wenn es dir dann noch gefallen hat und die irgendwie so eine Nacht durchliest, wie krass ist das eigentlich? Also da bin ich wirklich, das so, my proudest achievement, das ist einfach total krass und schön.

Helen
Ja, das stimmt. Also wenn man es so betrachtet, ich habe gerade gedacht, klar mit Netflix und Co konkurriere ich ja im Grunde dann auch und versuche allen zu erzählen, dass das aber die viel bessere Form der Entspannung ist. Aber gerade dachte ich auch so im Jetzt-Gefühlt, nachdem wir so durch diverse Lockdowns und so gegangen sind, habe ich auch das Gefühl, gerade konkurrieren wir einfach auch generell mit dem Leben, weil jetzt ist das so schön, wieder was unternehmen zu können, Freundinnen treffen zu können und so. Aber ja, ich bin sowieso sicher, dass Bücher dadurch jetzt nicht irgendwie verschütt’ gehen in der Erinnerung. Und es ist einfach finde ich eine andere Form der Entspannung, weil du gerade meinst, es ist vielleicht schwieriger, aber ich glaube, es entspannt nachhaltiger.

Melanie Raabe
Auf jeden Fall, das ist so, absolut. Es kostet erstmal weniger Anstrengungen, aber die macht sich total bezahlt, weil es halt irgendwie, es ist aufregend und schenkt gleichzeitig Ruhe und es macht halt sehr interessante Dinge mit Gehirn und ich kann mich, also wenn ich einen wirklich anstrengenden Tag habe oder irgendwas ist, für mich ist so der ideale Abend, das schönste was ich mir dann wünschen könnte, ist ein freier Abend mit einem Buch, das ich richtig gut finde. Also ich kann mir wirklich nichts Besseres und Schöneres vorstellen. Was da mit dem Gehirn passiert, es ist halt so, es ist halt totale Ruhe bei schönster, entspannter, kreativster Hirnaktivität irgendwie. Ich sage immer, jedes Buch gibt es so oft, wie es gelesen wird. Die Serie von meinem Buch ist co-kreiert worden von ganz, ganz vielen unterschiedlichen kreativen Leuten, die ganz, ganz unterschiedliche Talente mitbringen und zusammen was kreieren. »Der Schatten«, das Buch, habe ich co-kreiert mit jeder einzelnen Person, die es gelesen hat, weil die Leserin der Leser die Bilder ausmalt und alle eigenen Erinnerungen, Sehnsüchte, Wünsche, Gedanken, Wissen damit so reinparkt. Und jeder versteht und liest ein Buch ja wirklich unterschiedlich und stellt sich die Charaktere ein bisschen anders vor und all das. Und das finde ich so schön, diese Mischung aus. Es ist So eine ruhige Tätigkeit, die einen wirklich runterfährt. Und gleichzeitig, glaube ich, wenn man jemanden in so einen Hirnscanner schieben würde, der gerade ein gutes Buch liest, der passiert halt gleichzeitig wahnsinnig viel. Und das ist total faszinierend für mich.

Helen
Ja, das stimmt. Aber ich finde das gerade total spannend, dass du sagst, das ist so eine Co-Kreation mit allen, die es gelesen haben. Weil ich weiß leider nicht mehr so genau den Zusammenhang, aber ich hatte im Vorfeld zu Samstag mit allen Gästen auch mal kurz entweder telefoniert oder über Zoom gesprochen und dann eben auch mit Andreas Pietschmann, der in der Serie Wolfgang Balder spielt. Und er hatte gesagt, dass die Serie eben im Teamwork entstanden ist, während du das Buch ja alleine geschrieben hast. Und jetzt bin ich gerade gespannt, dass du das selber so ein bisschen anders auch nochmal bewährst.

Melanie Raabe
Ja, also ich habe es natürlich alleine geschrieben, aber ein Buch ist ja irgendwie Ich kreier ja so was wie eine Halluzination. Man guckt auf diese schwarzen Zeichen auf weißem Grund und hat dann Bilder im Korb und fühlt was und ist angespannt oder verliebt sich in eine Figur oder will, dass eine Figur unbedingt davonkommt oder will wissen, was die Auflösung ist. Und es sind ja aber nur Zeichen. Das ist ja eigentlich total Meta. Und schon allein, wie man sich jetzt in »Der Schatten« Norah Richter vorstellt oder Wolfgang Balder. Beide beschreibe ich wirklich nur ganz rudimentär und das meine ich mit Co-Kreieren. Andreas hat natürlich vollkommen recht, die Serie ist Teamwork und das Buch schreibe ich ganz allein und alles ist genau so wie ich es haben wollte. Aber trotzdem lasse ich da ja Lücken. Ja, auch gerade ich bin eine Autorin, die nie Figuren, ich beschreibe massiv das Innenleben und die Psyche und all das. Aber beim Aussehen, das ist mir zum Beispiel gar nicht so wichtig, dass jeder weiß, diese Figur hat blonde Haare, blaue Augen, einen Page-Schnitt und trägt die und die Kette, das interessiert mich gar nicht so sehr. Und da lasse ich halt Luft. Und genauso ist es auch manchmal bei Orten oder bei Dingen, die ich nicht so genau beschreibe. Ah, weil ich manchmal, manchmal finde ich es toll, manchmal langweilt es mich aber auch, wenn irgendwie Dinge zu genau beschrieben sind, kommt immer so ein bisschen drauf an. Und ich mag es halt, dass ein paar Stellen Luft ist, wo die Leser*innen sich selber Dinge ausmalen können. Das ist mir tatsächlich wichtig. Das meine ich halt mit, wir co-kreieren. Und ich glaube tatsächlich, dass das stimmt. Jedes Buch gibt es so oft, wie es gelesen wurde. Das wisst ihr ja wahrscheinlich auch im Buchclub am besten. Und ich merke das halt auch immer wieder, wenn ich zum Beispiel Feedback bekomme. Feedback ist total interessant, aber tatsächlich, um ein Buch zu schreiben, überhaupt nicht hilfreich oft, weil, wenn ich, es ist dann total spannend, wenn das Buch fertig ist zu hören, was die Leute sagen, das ist total spannend, aber während ich noch kreiere, wenn ich zehn Leuten ein unfertiges Manuskript geben würde, das weiß ich, weil ich das schon gemacht habe, um rauszufinden, was sind so die Lieblingsstellen, gibt es dann gemeinsam Nenner, zehn Leute, elf Meinungen. Das ist wirklich so. Und man muss dann einfach selber rausfinden, wie man es am besten findet. Aber man merkt daran. Ich habe jetzt auch wieder jetzt gemerkt, bei »Die Kunst des Verschwindens« mit zwei Leuten, die ich sehr schätze. Eine Person hat mir ihre Lieblingsstelle genannt. Mich habe ich gefreut, weil ich die Stelle auch mag. Deswegen ist sie drin geblieben. Und eine andere Person, die ich genauso schätze, die genauso belese, genau so klug ist, hat mir das Feedback gegeben, dass das Buch toll war. Aber das eine Kapitel, das hätte es nicht gebraucht. Das war diese Stelle, die bei der anderen Person die Lieblingsstelle war. Und diese Dinge weiß ich halt einfach aus Erfahrung und weiß deswegen, wie unterschiedlich Menschen Bücher lesen, was total schön ist. Ja, so.

Helen
Das ist auch das, was ich immer bei den Buchclub-Treffen im Grunde auch immer noch mal wiederhole, aber vor allen Dingen auch sehr stark merke, klar das Buch entsteht oder die Geschichte entsteht so im eigenen Kopf, das ist ja irgendwie finde ich das Coole am Lesen, aber wir gucken halt ja auch alle mit einer ganz anderen Brille da drauf. Wir haben alle Wir haben ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht, sind irgendwie unterschiedlich aufgewachsen und so und das bringt man ja alles mit. Also man hat ja schon einen Rucksack auf, wenn man das Buch aufklappt und wenn man sich dann darüber austauscht.

Melanie Raabe
Ja, ja, es ist einfach eine interessante Form. Und Serien machen ist halt fast das Gegenteil. Also je mehr ich mich damit beschäftigt habe, wie diese Dinge funktionieren, je mehr ich das begleitet habe jetzt bei »Der Schatten«, desto mehr sind mir die Unterschiede aufgefallen. Klar, es sind beides narrative Formen, beide Formen erzählen was, aber es funktioniert wirklich ganz, ganz anders. Man muss ganz, ganz viel vorgeben. Und was ja auch total schön ist, es ist nicht mehr wie ein einzelnes Instrument, es ist halt wie eine Sinfonie. Und wie viele Handwerke da auch dahinterstecken, wie viele Entscheidungen da drin stecken. Nicht nur, welcher Schauspieler, welche Schauspielerin spielt das und wie machen die das und die Entscheidungen, die da getroffen werden, die ein bisschen offensichtlicher sind, oder Regieentscheidungen oder Entscheidungen zu einem bestimmten Song im Soundtrack, oder wer ist der Komponist, die Komponistin, die die Filmmusik macht, was haben die Figuren an, wo wird gedreht, wer scoutet das und wie sieht Norahs Wohnung aus. Das sind ja alles Entscheidungen, die Menschen getroffen haben. Und da könnte ich jetzt irgendwie noch tausend Dinge mehr aufzählen. Und das alles sind einzelne Entscheidungen von unterschiedlichen kreativen Köpfen, die dann zu einem großen Ganzen führen, das mit etwas Glück funktioniert oder mit viel Glück vielleicht sogar. Und das wird echt so spannend zu sehen. Ich habe auch viel, noch viel mehr, hatte ich schon immer, aber noch viel mehr Hochachtung von Menschen, die Filme oder Serien machen. Wie viel Zeit und Geld und Herzblut die investieren für etwas, das wir dann so wegschauen. Das sollen wir auch, die freuen sich ja, genau wie Stefanie eben auch im Gespräch gesagt hat. Die freuen sich, wenn das gelingt und wir das dann wegbingen. Aber ich habe irgendwie anderthalb, zwei Jährchen alles in allem an dem Buch gearbeitet. Aber die Produzentin, die diese Rechte 2018 bei mir gekauft haben, fünf Jahre, fünf Jahre in the making. Und das ist halt einfach krass. Und das ist ja nicht nur bei dieser Serie, sondern bei ganz vielen. Und das sind einfach im besten Sinne auch ein bisschen verrückte Leute, die einfach das lieben, was sie machen und das dann auch nicht nehmen. Total krass eigentlich.

Helen
Ja, total. Also mir ist auch erst eigentlich durch. Ja, vielleicht auch schon durch die Gespräche mit der Filmcrew, aber auch vor allen Dingen durch das Gespräch mit Stefanie Veith aufgefallen. Also vor allen Dingen, weil man dann ja in der Serie auch irgendwie drauf achtet, was für eine Challenge das im Grunde ist, so diese, ja diese Buchstabenwelt, sag ich mal, in was Visuelles zu übertragen, wo man gewisse Dinge ja vielleicht nicht erzählen kann, weil sie sonst irgendwie die Spannung wegnehmen würden und dafür muss man andere Dinge hinzufügen. Finde ich total interessant, wenn man einmal drauf achtet.

Melanie Raabe
Total, ja, ein guter Thriller, ist zumindest so meine Sicht auf die Dinge, lebt ja auch ein Stück weit davon, dass er bestimmte Dinge erst mal elegant verschweigt. Und das ist ein Mittel, das ich gerne nutze in »Der Schatten«, dem Buch. Gibt es ja zum Beispiel auch eine ganz wichtige Figur, eine zweite Erzählperspektive neben der von Norah, unserer Hauptfigur, bei der wir erst mal gar nicht wissen. Und das fand ich irgendwie das originelle daran, wer diese Figur ist. Es ist jemand, der dann offensichtlich Norah so ein bisschen beobachtet. Wir wissen aber erst mal gar nicht, ob freundlich oder unfreundlicher Art und Weise und was da so los ist. Und wir wissen erst mal noch gar nicht, ist das ein Mann, ist das eine Frau, ist das jemand, den Norah kennt, ist das jemand, den wir schon im Figurenpersonal kennengelernt haben oder nicht? Wer ist denn das? Und das könntest du in einer Serie gar nicht machen. Die Perspektive hätte gar nicht funktioniert, weil das wäre dann einfach, müsste man irgendwie so drehen, jemand, der die ganze Zeit Norah zuschaut, was irgendwie überhaupt keinen Sinn ergibt und man auch einfach nichts über diese Figur erfährt, weil man ihr eben nicht in den Kopf schauen kann wie in einem Roman. Und das ist nun so ein Beispiel, wo man diesen Unterschied zwischen literarischen Mitteln und filmischen Mitteln auch total gut sieht. Und die haben dann eine gute Lösung für gefunden, die ich jetzt nicht erzählen kann, weil es total spoilern würde. Die haben diese Figur dann ganz anders schon früh in die Serie integriert, ganz anders als ich es gemacht habe. Aber wir mussten da richtig kreativ werden. Ich glaube, es hat echt so richtig viele Nachdenken erfordert. Wie übersetzen wir das? Und wie [unverständlich] wir den Kern von Melanies Geschichte? Ich hatte ja auch das Glück, dass es ein sehr respektvolles Team war, das unbedingt wollte, dass ich dann auch zufrieden bin. Und ich denke, oh Gott, warum habe ich die jetzt machen lassen? Das war denen auch super wichtig, was ja total nett ist. Und die sind da wirklich sehr, sehr kreativ geworden und haben so, aber auch zum Betten sind ihr eigenes Ding gemacht, was ich total gut finde.

Helen
Ja, also irgendwie finde ich es auch mega spannend. Man könnte es glaube ich als Case Study oder so nutzen und einfach wirklich vergleichen zwischen Buch. Ich finde aber auch zwischen Buch, Hörbuch und Serie, weil also im Buch ist es so, dass dann quasi eine andere Schriftart ja auch auftaucht und im Hörbuch hoch, aber anscheinend sogar ein Sprecherwechsel, was ja auch schon mal irgendwie mehr vielleicht Preis gibt als im Buch. Und dann kommt so die Serie, die damit im Grunde ganz anders umgeht. Also ich glaube, das könnte man sehr gut mal analysieren.

Melanie Raabe
Ja, stimmt, das wäre glaube ich tatsächlich interessant. Im Hörbuch haben wir uns tatsächlich noch richtig Gedanken gemacht, weil wir nicht weggeben wollten, wer diese Figur ist, haben wir eine Stimme genommen, die verfremdet, so ein bisschen im Studio, dass sie so ein ein bisschen androgyn auch ist und auch so ein bisschen alterslos nicht so richtig einzuordnen ist und auch einfach dadurch so ein bisschen seltsam klingt. Das war so die Lösung, die wir versucht haben fürs Hörbuch und der Hörverlag ist tatsächlich so weit gegangen, den Sprecher oder die Sprecherin, der uns diese Stimme zur Verfügung gestellt hat, zu fragen, ob das okay ist, nicht in den Credits aufzutauchen. Und die Person hat gesagt, ist okay für mich. Also die Person steht da noch nicht mal drin, man sieht noch nicht mal, wenn man das Hörbuch-Package anschaut, sieht man noch nicht mal, ob das ein Mann oder eine Frau gesprochen hat, was ich total cute finde. Sie sind da wirklich, die wollten das wirklich, haben sich so viel Mühe gegeben, das zu erhalten, was ich da geschrieben habe in seiner Funktion, dass sie auch richtig kreativ geworden sind.

Helen
Cool. Also ich könnte mir vorstellen, so Projekte machen dann auch Spaß, oder? Weil irgendwie deine Arbeit auch respektiert wird und man geht drauf ein und so. Richtig cool. Ja, richtig cool. Vielleicht kann ich dann noch mal ins Hörbuch rein.

Melanie Raabe
Ja, da habe ich wirklich einfach richtig Glück. Ich arbeite wirklich nur mit so coolen Leuten zusammen. Knock on wood, dass es so bleibt. Aber ja, also diese Serienerfahrung war wirklich von hinten bis vorne toll. Übrigens auch in vielerlei Hinsichten sehr von Frauen getragenes Projekt. Also die ersten Gespräche hatte ich mit den zwei Produzenten, die es realisiert haben. Tina Hechinger und Christina Christ. Wir haben eine Regisseurin, was langsam Gott sei Dank häufiger wird, aber jetzt auch nicht der Standard ist. Viele Dinge werden schon nach wie vor von Männern gedreht. Wir haben eine Head-Autorin, die Stefanie Veith, die du ja auch getroffen hast. Und es ist ein Roman aus der Feder von der Frau. Und an vielen wichtigen Stellen saßen halt einfach Frauen. Das ist irgendwie auch ganz cool. Und dann haben wir natürlich diese unglaublich starke Hauptdarstellerin, die Deleila Piasko, die so unglaublich gut ist. Einfach so eine richtige tolle gestandene Schauspielerin in ihrer ersten Serienhauptrolle. Was für ein Glück für uns. Und Andreas Pietschmann. Über Andreas Pietschmann müssen wir nicht reden. Er ist so großartig. Ja, was für ein Glück rundherum.

Helen
Ja, absolut. Also ich finde Deleila in der Hauptrolle mega cool und ich freue mich auf jeden Fall auch noch mehr von ihr zu sehen. Ich hatte im Vorfeld ja auch mit ihr gesprochen und sie meinte dadurch, dass das jetzt das erste Mal war als Haupt-, also in der Hauptrolle und sie dadurch ja, sie ist ja im Grunde, weiß ich nicht, 80, 90 Prozent der Zeit zu sehen, meinte sie, war für sie auch irgendwie halt mal einfach was Neues, was anderes, aber ich finde sie hat das richtig cool gemacht. Also sie trägt auch, finde ich, die Serie sehr.

Melanie Raabe
Absolut, sie ist absolut fantastisch. Also eine bessere Leading Lady hätten wir uns nicht wünschen können. Sie ist wirklich unglaublich, ja.

Helen
Also wenn das nicht mal jetzt der Anstupse ist, um erst vielleicht das Buch zu lesen und dann die Serie mal zu schauen. Kann ich an der Stelle auch noch mal sagen, gibt es dauerhaft wahrscheinlich in der ZDFneo-Mediathek oder?

Melanie Raabe
Ja, die kann man auf jeden Fall nicht lang schauen. Nee, die verschwindet jetzt nicht ein paar Wochen raus. Die gibt es in der Mediathek und die läuft dann natürlich auch noch auf ZDFneo und ja, total cool. Große Freude im Haus Raabe.

Helen
Ja, sehr cool. Ja, vielen, vielen Dank, liebe Melanie. Ich fand das wieder richtig spannend. Ich habe die meisten meiner Fragen gar nicht gestellt. Es tut mir leid. Ich glaube, ich habe zu viel geredet.

Melanie Raabe
Nein, überhaupt nicht.

Helen
Und ich finde es auch einfach total cool, mal so die Person hinter einem Buch kennenzulernen. Ich finde, das gibt dem Buchclub auch so eine Metaebene. Also mir macht das einfach total Spaß und gibt so den Blick hinter die Kulissen. Deswegen danke auf jeden Fall, dass du dir die Zeit genommen hast. Wir wissen es sehr, sehr [unverständlich]. Du hast mir deinen Schreibtag oder einen Schreibtag geopfert.

Melanie Raabe
Du, super gerne. Mir hat schon der Livestream so viel Spaß gemacht und ich habe tatsächlich auch viele Mädels, die lesen, auf meiner Lesetour getroffen. Am Signiertisch oder so. Die haben dann auch immer Bescheid gesagt, wie sie auf mich gestoßen sind oder warum sie vorbeikommen. Das war eine so schöne Erfahrung. Deswegen war das überhaupt keine Frage, dass ich mir die Zeit super gerne nehme. Ich spreche eh so gern mit dir und deswegen schöne Grüße an alle, die das hören. Toller Buchclub. Weil ihr seid auch so, ich finde das so, ich lese jetzt nicht die ganze Zeit mit, aber ich folge, ich folge Mädels, die lesen ja auch auf Insta und gucke immer mal und der Ton ist so wertschätten und der Austausch ist so, so schön. Ja, man kann über alles unterschiedlicher Meinung sein, aber ihr seid so, es ist so ein guter Ort, es ist so ein guter Ort, wo einfach über Bücher gesprochen wird und ein so untoxischer, freundlicher, kluger Ort, wie man sich das wünscht als Leserin, aber auch als Autorin natürlich und deswegen Kompliment dafür, das finde ich ganz, ganz wertvoll.

Helen
Ja, das ist mir auch super wichtig, weil ich finde, es gibt ja schon auch Themen oder irgendwie Bereiche, wo man vielleicht das Gefühl hat, alle anderen kennen sich da schon voll aus und ich habe aber gar keine Ahnung und mir ist das super wichtig, dass man da auch einfach mal Anfänger*innen sein darf und vielleicht nicht alles schon an Wissen mitbringt und da bin ich echt froh auch, dass das so wertschätzend ist. Es ist eine tolle Community, bin ich auch sehr froh darüber.

Melanie Raabe
Ja, ist es. Und das liegt natürlich auch an dir. Du gibst da den Tun vor, du bist selber so wertschätzend und so so gedankenvoll und dann kommen natürlich auch leute zu dir die ähnlich sind und es ist schön zu sehen also kompliment dafür

Helen
Danke. Gut, dass wir keine Videoaufnahme mit dabei haben, ich werde ganz rot und ich bin vollgeschwitzt wie nur was, deswegen wäre echt ein Problem, wenn es eine Videoaufnahme hätte. Völlig fertig, so warm hier drin. Wenn wir zum Ende kommen, Ich wollte eigentlich nur quasi von uns allen sagen, viel Erfolg jetzt für die nächsten Wochen und vor allem gutes Durchhalten.

Melanie Raabe
Dankeschön.

Helen
Und wir machen keinen Druck, aber wir freuen uns natürlich auf das Ergebnis.

Melanie Raabe
Ja, ich werde sehr fleißig sein und genau, irgendwann im nächsten Jahr habt ihr dann wieder was von mir, wenn ihr möchtet.

Helen
Super.

Melanie Raabe
[unverständlich]. Ich glaube, erneut auf Holz, aber ich glaube, es wird gut.

Helen
Cool, da freuen wir uns.

Melanie Raabe
Danke, liebe Helen. Danke schön.

Helen
Nichts zu danken. Dann habt eine gute Zeit und viel Spaß beim Lesen. Danke.

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