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Lest Lyrik

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Podcast · Folge 80

Lest Lyrik

Siljarosa Schletterer über Gedichte, die man nicht verstehen muss – und warum »dazu bin ich zu dumm« der häufigste Satz ist, den sie hört

11. September 2024 · 48 Minuten · Ganze Folge hören ↓

Es gibt eine literarische Gattung, vor der viele Leser*innen zurückschrecken – nicht weil sie sie nicht mögen, sondern weil sie glauben, ihr nicht gewachsen zu sein. Siljarosa Schletterer ist Lyrikerin und verbringt einen guten Teil ihrer Arbeit damit, genau dieses Missverständnis auszuräumen. In dieser Folge erklärt sie, woher Lyrik eigentlich kommt, warum man sie nicht verstehen muss, und wo man anfängt, wenn man es doch mal versuchen will. Helen ist bei diesem Thema ausdrücklich die Skeptikerin – und ändert im Lauf des Gesprächs ihre Meinung.

Siljarosa Schletterer

Lyrikerin, Autorin und Lyrikvermittlerin aus Innsbruck

Siljarosa Schletterer wurde 1991 in Innsbruck geboren und lebt dort. Ihr Studium drehte sich um zeitgenössische Lyrik und das Zusammenspiel von Musik und Sprache. Sie ist Mitveranstalterin des internationalen Poesiefestivals w:orte, Mitbegründerin der Lesereihe »wir machen halt lyrik« und arbeitet als Schreibcoach, Moderatorin und Herausgeberin. 2022 erschien ihr Debütband »azur ton nähe. flussdiktate« bei Limbus Lyrik, 2025 folgte »entschämungen. körperkantate«. Für ihre Lyrik erhielt sie 2021/22 das Große Literaturstipendium des Landes Tirol.

Ein Gin Tonic am Wasser

Das Setting passt zum Werk: ein Ort am Wasser, dazu ein Gin Tonic – genauer ein Gin Mare, der auch in ihrem ersten Band vorkommt. Helen gesteht, dass Gin Tonic ihr eigentlich zu bitter ist, probiert es aber noch einmal.

Kennengelernt haben sich die beiden beim Young Excellence Award, bei dem beide nominiert waren. Siljarosa Schletterer hat gewonnen.

Lyrik kommt aus der Musik

Ihr erster Punkt ist eine Etymologie, die vieles erklärt: Lyrik kommt vom griechischen lyrikós und heißt »zur Lyra gesungen«. Die Lyra war ein antikes Saiteninstrument. Gedichte sind also, im Ursprung, Songtexte – und im Englischen heißen Songtexte bis heute lyrics.

Daraus folgt ihr wichtigstes Argument. Bei einem Song käme niemand auf die Idee zu fragen, ob er ihn richtig hört. Man denkt beim Hören an den ersten Kuss oder an etwas, das die Oma gesagt hat, und das ist in Ordnung. Genauso wollen Gedichte berühren.

Helen fällt dabei ein, was sie gerade liest: Anne Sauers Buch über Taylor Swift, in dem es genau darum geht – dass Swift ihre Songtexte im Grunde wie Poesie schreibt.

Es gibt kein falsches Lesen

Der Satz, den sie gleich zu Beginn als eine Art Vorbemerkung setzt, ist der Kern der Folge:

Es gibt kein falsches Lesen von Lyrik. Und es gibt kein falsches Verstehen von Lyrik.Siljarosa Schletterer

Ihre Diagnose, woher das Gegenteil kommt: aus der Schule. Dort entsteht der Eindruck, es gebe die eine richtige Interpretation – die, die im Handbuch der Lehrperson steht. Wer sie nicht findet, hat versagt. Dabei steckt in jedem Gedicht so viel, dass es auf viele Arten erkundet werden will, und jede davon ist richtig.

Was dabei kaputtgeht, ist für sie die eigentliche Kraft der Poesie: die Einladung, genauer hinzuhören und hinzufühlen, auf das zu achten, was zwischen den Zeilen mitschwimmt, statt sofort auf Worte reagieren zu müssen. Das, sagt sie, fördert Empathie – und dass wir es uns durch das Richtig-verstehen-Müssen selbst wegnehmen, tut ihr weh.

Man muss nicht Meeresbiologin sein

Gegen den Elfenbeinturm hat sie ein Bild, das ohne Vorwissen auskommt.

Es geht nicht darum, dass man Lyrik nur lesen kann, wenn man drei Uni-Abschlüsse hat und einer davon muss mindestens Germanistik sein.Siljarosa Schletterer

Wenn man am Meer steht und die Wellen hört, sagt sie, kann das einfach wunderschön sein. Dafür muss man nicht Tiefseetaucherin sein oder Meeresbiologin werden, und man muss die Tiefsee auch nicht verstehen. Man darf beides machen, und beides ist schön. Aber das eine ist keine Voraussetzung fürs andere.

Die Minimalistin

Auf Helens Frage, ob man Lyrik anders lesen muss, kommt der Vergleich, der der Folge ihren Titel gegeben hat: Lyrik ist ein bisschen die Minimalistin – weil ganz viel auf wenig Platz stehen kann. Muss nicht, aber kann. Die Worte sind gefeilt und gesetzt, und der weiße Raum spielt mit.

Ihr Rat: einen Lyrikband nicht wie einen Roman von vorn bis hinten durchlesen. Sie selbst tut es selten. Stattdessen ein Gedicht am Tag – das dauert oft nicht mal eine Minute und gibt Gedankenstoff weit darüber hinaus. Der Vergleich dazu ist wieder die Musik: Man muss auch nicht jeden Song eines Albums mögen, und man darf einen einzelnen zwei Wochen lang als Ohrwurm behalten.

Helen entwickelt daraus im Gespräch die Idee, sich Gedichte gegenseitig vorzulesen – das braucht viel weniger Commitment als ein gemeinsamer Roman. Ihr Fazit: Eigentlich braucht es einen Gedicht-Buchclub.

»Dazu bin ich zu dumm«

Der traurigste Teil der Folge. Wenn sie erzählt, dass sie Lyrikerin ist, bekommt sie in geschätzt achtzig Prozent der Fälle dieselbe Antwort: Lyrik, nee, das ist nichts für mich, ich bin zu dumm dafür.

Irgendwann mache ich, glaube ich, ein T-Shirt, wo draufsteht: Lyrik ist für alle da.Siljarosa Schletterer

Was sie daran trifft, ist nicht die Ablehnung, sondern der Selbstvorwurf: dass Menschen über sich sagen, sie seien zu dumm für etwas. Helen erkennt das Muster bei sich selbst wieder – ihre Schulzeit hat ihr das Gefühl hinterlassen, etwas verstehen zu müssen, um mitreden zu dürfen. Bei englischsprachigen Gedichten fiel es ihr leichter, weil sie mit sich nachsichtiger war: eine Fremdsprache, da muss man ja nicht alles verstehen.

Denselben Satz hört Helen übrigens auch bei uns, wenn jemand neu dazukommt: Da sind bestimmt alle total schlau, ich habe nicht studiert, ich habe jahrelang nicht gelesen. Als gäbe es einen Kriterienkatalog. Gibt es nicht – wer noch nie ein Buch in der Hand hatte, ist genauso willkommen.

Was Siljarosa Schletterer stattdessen empfiehlt, ist keine Technik, sondern eine Haltung:

Mach deine Ohren und Herzen ganz weit auf und lass zu, was in dir für Bilder und Emotionen kommen.Siljarosa Schletterer

Es gibt zu allem ein Gedicht

Das zweite große Vorurteil, gegen das sie angeht: In Lyrik gehe es nur um Liebe, Innerlichkeit und Traurigkeit. Es gibt wunderschöne Liebesgedichte, sagt sie, und sie liebt sie – aber es gibt eben auch Gedichte zum Klimawandel, über das Kochen, über das Tanzen, über Sterben, über die Abgründe von Körpern, über Missbrauch. Es gebe keinen Lebensbereich und kein Thema, zu dem es kein Gedicht gibt.

Ihr Problem ist ein anderes: Man findet diese Gedichte nicht. Wer überhaupt ein Lyrikregal in einer Buchhandlung entdeckt, findet dort meist fünf Bände – und die sind absehbar besetzt.

Es gibt halt weitaus mehr Lyrik als Rilke und Goethe.Siljarosa Schletterer

Es gab auch früher schon Frauen, die geschrieben haben, sagt sie, und es gibt heute sehr viele diverse Stimmen. Dezidierte Lyrikbuchhandlungen existieren, sind ihr aber viel zu selten – auf der Leipziger Buchmesse etwa gibt es eine eigene.

Wo man anfängt

Helen fragt konkret nach: Wenn mich Klimawandel interessiert, wo suche ich? Die Antwort kommt sofort. Sie verortet sich selbst beim Nature Writing und nennt drei Wege:

Mikael Vogel, »Dodos auf der Flucht« (Verlagshaus Berlin) – ein Band, der ausgestorbenen Tierarten jeweils ein Gedicht widmet.

Tim Holland, »wir zaudern, wir brennen« – verbindet Lyrik, Science-Fiction und Klimawandel: wie eine Welt aussehen könnte, in der Pflanzen, Tiere und Menschen doch noch eine gemeinsame Lösung finden.

Dazu nennt sie Esther Kinski als weitere spannende Stimme – und fällt selbst auf, dass sie gerade zwei Männer empfohlen hat.

Und dann, sichtlich unangenehm, ihren eigenen Band: »azur ton nähe«, in dem sie Gewässern eine Stimme gibt. Was ist, wenn Flüsse reden könnten? Helens Reaktion darauf: Sie hat schließlich nach dem Thema gefragt – shout it from the rooftops.

Die Lyrik-Sprechstunde

Das Beste an dieser Folge entsteht mitten im Gespräch. Helen schlägt halb im Scherz vor, sie solle eine Lyrik-Sprechstunde machen: Fragesticker bei Instagram, jemand nennt ein Thema oder eine Lebenslage, sie empfiehlt dazu Gedichte. Siljarosa Schletterer ist sofort dabei – und die beiden überlegen am Ende, das auch mal als Podcastfolge zu machen, mit vorher gesammelten Themen.

Worüber sie selbst schreibt

Zwei große Themen. Das erste ist Wasser: In ihrem Debütband hört sie den Gewässern zu, vom Rinnsal bis zum Fluss, und hat die Orte, an denen sie geschrieben hat, mit Koordinaten zitiert – und sie damit zu Co-Autorinnen gemacht. Ihr Anliegen dahinter ist konkret: Beim allgemeinen Versiegelungstrend nehmen wir dem Wasser immer mehr Lebensraum weg und wundern uns dann, wenn es sich welchen nimmt.

Das zweite Thema ist der Körper – das Buch, an dem sie während der Aufnahme schreibt. Es geht um Epigenetik, Trauma und Sexualität, um die Sprache, die wir für Körper haben, und um die Frage, ob es Zeit wäre, neue Worte für Sexualorgane zu erfinden, weil die vorhandenen – gerade für den weiblichen Körper – oft abwertend sind.

Die Bücher aus dem Gespräch

Fünf Titel – zwei von ihr selbst, zwei Empfehlungen zum Thema Klimawandel und das Buch, das Helen während der Aufnahme gerade liest.

Buchcover »azur ton nähe« von Siljarosa Schletterer

azur ton nähe. flussdiktate

Siljarosa Schletterer

Ihr Debütband und der Grund für den Gin Mare am Anfang der Folge: Sie gibt Gewässern eine Stimme – vom Rinnsal bis zum Fluss. Die Orte, an denen sie geschrieben hat, stehen mit Koordinaten im Buch; sie hat sie damit zu Co-Autorinnen gemacht.

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Buchcover »entschämungen« von Siljarosa Schletterer

entschämungen. körperkantate

Siljarosa Schletterer

Das Buch, an dem sie während der Aufnahme schreibt: Körperlichkeit, Epigenetik, Sexualität – und die Frage, welche Worte wir für Körper finden. Es ist inzwischen erschienen.

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Buchcover »Dodos auf der Flucht« von Mikael Vogel

Dodos auf der Flucht

Mikael Vogel

Ihre erste Empfehlung zum Thema Klimawandel: Der Band widmet ausgestorbenen Tierarten jeweils ein eigenes Gedicht.

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Buchcover »wir zaudern, wir brennen« von Tim Holland

wir zaudern, wir brennen

Tim Holland

Ihre zweite Empfehlung: verbindet Lyrik, Science-Fiction und Klimawandel – eine Welt, in der Pflanzen, Tiere und Menschen doch noch eine gemeinsame Lösung finden.

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Buchcover »Look What She Made Us Do« von Anne Sauer

Look What She Made Us Do

Anne Sauer

Helen liest es während der Aufnahme gerade – und findet darin genau den Gedanken wieder, den Siljarosa Schletterer hier ausführt: dass Songtexte im Grunde Gedichte sind.

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48 Minuten darüber, warum Gedichte Songtexte sind, was der Deutschunterricht angerichtet hat – und wo man anfängt, wenn man es doch mal versuchen will.

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Häufige Fragen

Muss man Lyrik verstehen?

Nein. Siljarosa Schletterer stellt dem Gespräch den Satz voran: Es gibt kein falsches Lesen von Lyrik und kein falsches Verstehen von Lyrik. In jedem Gedicht steckt so viel, dass es auf viele Arten erkundet werden will – und jede davon ist richtig. Der Eindruck, es gebe die eine richtige Interpretation, stammt für sie aus dem Schulunterricht.

Warum vergleicht sie Lyrik mit Musik?

Weil Lyrik daher kommt: Das Wort geht auf das griechische lyrikós zurück und bedeutet »zur Lyra gesungen« – die Lyra war ein antikes Saiteninstrument. Gedichte sind im Ursprung Songtexte, im Englischen heißen Songtexte bis heute lyrics. Und bei einem Song fragt niemand, ob er ihn richtig hört.

Wie liest man einen Gedichtband am besten?

Nicht wie einen Roman von vorn bis hinten. Sie empfiehlt ein Gedicht am Tag – das braucht oft nicht mal eine Minute und gibt Gedankenstoff weit darüber hinaus. Ein Gedicht kann man eine Woche lang lesen und jedes Mal etwas anderes darin finden. Wie bei einem Album muss man auch nicht jeden Text mögen.

Gibt es Lyrik jenseits von Liebesgedichten?

Sehr viel. Sie nennt Gedichte zum Klimawandel, über das Kochen, das Tanzen, das Sterben, über Körper und über Missbrauch. Es gebe keinen Lebensbereich und kein Thema, zu dem es kein Gedicht gibt – man kann jedes Hobby und jeden Beruf mit Lyrik verbinden.

Welche Gedichtbände empfiehlt sie zum Klimawandel?

»Dodos auf der Flucht« von Mikael Vogel (Verlagshaus Berlin), das ausgestorbenen Tierarten jeweils ein Gedicht widmet, und »wir zaudern, wir brennen« von Tim Holland, das Lyrik, Science-Fiction und Klimawandel verbindet. Als weitere Stimme nennt sie Esther Kinski. Ihr eigener Band »azur ton nähe« gibt Gewässern eine Stimme.

Was ist das Poesiefestival w:orte?

Ein Festival für zeitgenössische Lyrik, das sie mitveranstaltet. Es findet immer Anfang Juni statt, sein Kern liegt in Innsbruck, inzwischen erstreckt es sich von Wien bis Vorarlberg und bis Südtirol. Aus einem Wochenende sind zehn Tage geworden, mit Lesungen, Gesprächen und Schreibworkshops.

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Die ganze Folge zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.

Helen
Herzlich willkommen, Siljarosa. Ich freue mich sehr, heute mit dir über Lyrik zu sprechen und vielleicht auch einfach, was ihr alles auch so dahinter verbirgt und was das für dich bedeutet. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?

Siljarosa Schletterer
Also zuerst, ich freue mich auch schon mega auf unser Gespräch und wir sitzen gerade an einem Wasserort und stoßen mit einem Gin Tonic an. Oh, okay. Rechten mit einem Gin Mare.

Helen
Ich muss ja gestehen, ne? Also irgendwie habe ich das Gefühl, so als Halbbritin, man fast verpflichtet, Gin Tonic zu mögen. Bei mir ist der immer irgendwie zu bitter, Aber ich probiere es mit dir noch mal. Ich habe jetzt echt lange keinen mehr getrunken. Ich würde sagen, wir stoßen an und ich teste es noch mal. Cheers! Danke dir auf jeden Fall, dass du dir die Zeit nimmst, vor allem weil du gerade eigentlich irgendwie mitten im Schreibprozess steckst, hast du erzählt und da dir jetzt eine Pause genehmigt hast für diese Aufnahme. Wir haben uns im Rahmen des Young Excellence Award kennen gelernt werden, waren beide nominiert. Du hast gewonnen. So. Glückwunsch. Und ich finde es mega, mega spannend, weil du ja wirklich für Lyrik brennst. Also du bist Autorin, Lyrikerin, tausend andere Sachen noch. Aber vor allen Dingen glaube ich, denn Lyrik spielt in deinem Leben einfach eine wichtige Rolle. Und das finde ich total spannend, weil ich immer wieder so Phasen habe, wo ich das gerne lese, aber zum Beispiel, was mir letztens auch noch mal aufgefallen ist, ist, ich glaube, dass ich lieber auch englische Lyrik lese. Ich habe es jetzt schon ein paar mal mit deutschen Bänden probiert und dann fand ich das, glaube ich, immer so ein bisschen schreck. Und was mir zum Beispiel auch schwerfällt, dann denke ich im Kopf immer so, oh, ich lese das jetzt doch stimmt falsch. Also ich mag es dann zum Beispiel auch gerne als Hörbuch eher, weil dann habe ich das Gefühl, dann habe ich die richtige Erfahrung, weil weißt du, wie ich das meine? Weil man muss es ja schon irgendwie anders lesen als einen Roman. Und das kann ich so im Kopf immer nicht. Deswegen, also ich bin ganz immer so hin und hergerissen mit Lyrik, finde es aber super faszinierend. Und ich finde es auch so, es hat ja auch was Romantisches und so. Deswegen, ich wollte dich unbedingt hier mal ein Podcast haben, weil wir bei weil man jetzt die Lesen noch kein Lyrikband dabei hatten. Du, dass aber ja vielleicht ändern kannst, wenn du jetzt ein bisschen Werbung für Lyrik machst. Deswegen erzähl mal so, wie ist das gekommen? Also hast du dich immer schon für Lyrik interessiert und warum ist dir das auch so wichtig, dass mehr Menschen vielleicht darauf aufmerksam werden?

Siljarosa Schletterer
Hui, ganz viele Fragen. Also als erstes unbedingt lest Lyrik und jetzt kommt Y. Ja, sehr gut. Und da zuvor noch ein Intro. Es gibt kein falsches Lesen von Lyrik. Es gibt kein falsches Verstehen von Lyrik. Diese Haltung ist mir sehr, sehr wichtig. Und wird leider auch für mich oft falsch kommuniziert, gerade wie wir Lyrik in der Schule lernen oder mit Lyriklesungen kommen. dass wir da in erster Linie das Gefühl haben, wir müssen Lyrik richtig interpretieren. Und es gibt da so eine Interpretation, die die Lehrperson vorgibt, die vielleicht im Lehrer in einem Handbuch auch drin steht und wenn man nicht diese Interpretation findet, dann hat man versagt. Da stimmt nicht in jedem Text und in besonders in jedem Gedicht steckt so viel drin und will auf so viele Arten und Weisen erkundet werden und bekannt werden, dass jede Art richtig ist, genauso wie es es nicht eine richtige Lesart von Menschen gibt. Wir nehmen etwas wahr und wir lesen einen Text und in uns werden Bilder evoziert und die sind richtig. Genauso wie wir nicht das Gefühl haben, oh, wir können jetzt einen Song falsch hören. Ich drehe das Radio auf, hör ich diesen Song jetzt richtig. Wenn ich jetzt da in meinen ersten Gruß denke, ist das dann falsch. Wenn ich da dann denke, was mir meine Oma gesagt hat, darf ich das dann. Das gehört genauso dazu und ist schön. Und genauso wie Songs wollen Lyrik berühren. Und Lyrik kommt ja auch aus der Musik. Und ich komme auch aus der Musik zur Lyrik. Lyrik schon vom Wort her meint nämlich eigentlich, also ist ein griechisches Wort und heißt lyrikós, also Lyrik kommt von lyrikós und heißt zur Lyra gesungen und Lyra war ein antikes Saiteninstrument. Also im Grunde Song. Es sind Songtexte und genau wie uns Songtexte berühren und manchen auch schräg sein können und einfach Bilder an die Wand projizieren in unserem Hirn, Bilders Lyrik auch. Genau. Ich bin das gerade so faszinierend,

Helen
weil ich habe tatsächlich irgendwie auch noch nicht so drüber nachgedacht. Im Englischen heißt das ja auch Lyrics, also Lyrik. Das ist ja total interessant und vor allen Dingen, ich musste gerade an was denken, ich habe gestern auf jeden Fall diesen Teil gelesen, aber das Buch habe ich vor zwei, drei Tagen angefangen von Anne Sauer, die war vor zwei Jahren die Gewinnerin vom Young Excellence Award, über Taylor Swift. Und ich bin kein Swifty, aber ich bin irgendwie total fasziniert von ihr als Person und auch von Anne Sauer. Und da geht sie ganz gezielt darauf ein, dass Taylor Swift ihre Songtexte eigentlich im Grunde wie Poesie schreibt und ich, also dadurch, dass ich die Musik halt auch nicht so höre, ist mir das natürlich nicht so bewusst gewesen. Aber finde ich gerade irgendwie total faszinierend, dass du das im Grunde genauso erzählst, also jetzt nicht mit Bezug auf Taylor Swift, aber generell total interessant. Ich habe auch noch einfach noch nie so richtig darüber nachgedacht, wo das eigentlich alles so herkommt. Für mich hatte das, glaube ich, ein bisschen vielleicht auch gerade durch den Schulunterricht, was … Mathematisches. Ja, und auch was verkrampft es für mich eher, weil ich das immer so schwierig fand, weil ich hatte immer eher dann, glaube ich, das Gefühl, da meine Deutschlehrerin mit beeindruckend zu müssen, was ich da drin lese oder verstehe. Und vielleicht war es deswegen für mich dann auch leichter im Englischen. Also vor allem, weil ich dann eher von sehr jungen Leuten, Leute, die zum Beispiel eher vielleicht über Instagram mit ihrer Lyrik bekannt geworden sind. Das hatte vielleicht dann für mich einen anderen Zugang. Dann konnte ich mich irgendwie wieder neu darauf einlassen. Das andere ist vielleicht immer noch verknüpft, so mit dem Deutschunterricht. Aber gerade auch, was du sagst, dass wir das alle unterschiedlich lesen und interpretieren dürfen, finde ich total toll, weil das er auch voll zum Ende zu lesen passt. Mir ist immer ganz, ganz wichtig, dass wir das nicht, wir müssen es nicht auf hohem Niveau besprechen. Du musst nicht irgendwie ein Studium mitbringen, um mitreden zu können. Sonst zählt nur, was du fühlst beim Lesen. Das ist interessant und darüber können wir uns austauschen. Ich fühl's gerade sehr. Wie schön. Ja,

Siljarosa Schletterer
das ist mir auch bei allen Sachen, die ich mache, auch total wichtig, das zu betonen, dass es eben um das Fühlen geht. Und ich finde, steckt eigentlich für mich auch so die Revolutionskraft der Lyrik drin, dass er sagt, hör mal genauer hin, schau mal genauer hin, was du jetzt gerade fühlst in diese zwischen den Zeilen und nicht in diese Sofortverständlichkeit, sondern in dieses Gefühl, das vielleicht auch zwischen den Zeilen mitschwimmt. Wenn wir uns damals auf einlassen, würde das auch uns alle einladen, vielleicht mehr im Leben hinzuhören und hinzufühlen und nicht erst so im ersten Reflex auf Worte, auf Aussagen reagieren zu müssen und dann vielleicht auch die Empathie bisschen mehr fördern und das ist für mich auch so eine ganz große Kraft der Poesie und in diesem wir müssen es richtig verstehen und wir müssen es richtig interpretieren machen wir eigentlich genau eine dieser Kräfte die in der Poesie wohnt total kaputt und das tut mir sehr weh Ja. Ja, ich sehe das immer auch so, wie du gesagt hast, das ist ja ganz schlimm, wenn man Literatur oder in diesem Fall Lyrik in so einen Elfenbeinturm steckt und sich dann wundert, wieso niemand Lust hat, den einzubrechen. Weil es geht nicht darum, dass man Lyrik nur lesen kann. Es gibt drei Uniabschlüsse und einer davon muss mindestens Germanistik sein. Das will es nicht. Ich vergleiche das gerne mit einem Bild. Wenn man am Meer steht und die Wellen hört und sie branden auf einen Zug, dann kann das einfach wunderschön sein und man fühlt sich glücklich. Und deswegen muss man nicht Tiefseetaucherin sein oder Meeresbiologin werden Und man muss auch nicht die Tiefsee verstehen. Man darf beides machen und es ist beides wunderschön. Und man, Meeresbiologin kann total spannend sein. Aber es ist nicht wichtig, um jetzt ans Meer fahren zu wollen und das Meer zu lieben und sagen, you are my love. So. Ja, aber das bin ich vor der schöne Welt.

Helen
Ich überlege gerade, Es ist aber doch wahrscheinlich schon so, dass man vielleicht es anders liest, oder? Mit so vielleicht mehr Ruhe auch. Also gerade auch, ich finde bei Instagram, wenn du einmal in dieser Bookstagram-Ecke rutscht, dann siehst du auch viele Menschen, die einfach sehr schnell und viel lesen, was ich auch irgendwie bewundere, aber wo habe ich immer denke, hau. Aber da weiß ich jetzt auch gar nicht, ob es immer um das tiefere Verständnis des Textes geht, sondern wahrscheinlich eher, ja, also ich will das auch in keiner Weise schlecht drehen, aber es geht wahrscheinlich eher auch darum, viele Sachen zu lesen. Und ich könnte mir vorstellen, dass man bei Lyrik vielleicht automatisch ein bisschen mehr Ruhe mitbringen, auch Muss um es wirken zu lassen, also dass man das nicht einfach wie ein Fließtext weggeließt, sondern weil ja auch wahrscheinlich jedes Gedicht dann einzeln für sich steht und eine andere Bedeutung hat oder würdest du sagen es ist eigentlich egal. Ja ich finde, Lyrik ist auch so bisschen

Siljarosa Schletterer
die Minimalistin unter den Literatur-Lebensweisen, weil halt ganz viel auf wenig Platz stehen kann. Muss nicht, aber kann sein. Und natürlich sind die Worte sehr, sehr gefeilt und sehr gesetzt. Also der weiße Raum spielt ja auch mit eine Rolle. Ich glaube schon, dass man ein Gedicht, das sehr viel Proviant hat. Also man kann ein Gedicht lesen, eine Woche lang und man wird jedes Mal was anderes denn lesen. Und von dem ist es vielleicht schon auch entschleunigend, wenn man so will. Aber man kann genauso einen Lyrikband durchlesen. Ich empfehle es nicht. Also viele sagen, es funktioniert irgendwie nicht gleich, wie ein Roman zu lesen. Es funktioniert aber auch noch gleich. Also irgendwie so ein … ich lese selten einen Lyrikband von ab bis Zeit durch. als jedes Gedicht auch irgendwie beschenkt uns auch mit viel Infos, was auch länger dauern kann. Also ich empfehle ja gerne, ja, lesen mal ein Gedicht am Tag, versuchts mal. Und das braucht so wenig Zeit, das braucht oft nicht mal eine Minute und du hast Gedankenstoff weiter rüber hinaus. Ja. Und versuche nie mal am Anfang Lyrikband durchzulesen, weil es ist auch irgendwie genauso, wie es nicht sein muss, dass man ein ganzes Album durchhört. Man kann da auch einen Song haben, der irgendwie so Dauerohrwurm, ist zu zwei Wochen lang. Und man muss auch gar nicht alle Songs auf einem Album mögen.

Helen
Ja, ja, das ist auch ein guter Punkt. Hast Du bist so Lieblingsgedichte, zu denen du dann immer wieder in bestimmten Lebenslagen zurückkehrst?

Siljarosa Schletterer
Ja, es gibt ja schon Texte, die irgendwie immer wieder kommen, aber ich tu mir immer schwer mit Liebling, weil ich finde, es gibt ja sehr viele und es gibt dann irgendwie auch so Wellenformen und irgendwie die man gerade liest und die dann irgendwie wiederkommen, ja, gibt es schon.

Helen
Also auch keine Ahnung, Gedichte, die dich dann zum Beispiel aufmuntern oder, weiß ich, der Kratzer. Weil manchmal habe ich das auch, wenn ich dann zum Beispiel traurig bin, dann höre ich auch bewusst traurige Musik, dann suhle ich mich so ein bisschen da drin. Das klingt ein bisschen kontraproduktiv, aber gibt es sowas dann auch bei Gedichten, dass du denkst, ich bin jetzt gerade traurig, will ich jetzt auch was Trauriges lesen und manchmal willst du dann aus der traurigen Phase rauskommen und willst was Aufmunterndes, das lesen, also hast du das so?

Siljarosa Schletterer
Ja, ich finde auch, dass das allgemein, also man sagt ja auch oft, Lyrik irgendwie im Leben nicht so spielt keine große Rolle oder in unserer mittel-europäischen Gesellschaft, es gibt ja andere Gesellschaften, wo das viele größere Rolle spielt im Alltag. Aber ich finde, wenn wir es genau anschauen, stimmt es nicht, weil eben wir hochen uns liebe Songs an, wenn wir verliebt sind und das ist die im Grunde Lyrik, bei total vielen Traueranzeigen kommt ein Rilke-Zitat. Also wenn es quasi ungreifbar wird, wenn es sehr emotional wird, wenn wir nach Worten greifen, wenn das ist, würde schon ein Teil von unserer alltäglichen Leben von uns all…

Helen
Ja, ich finde auch gerade den Vergleich, den du so ziehst, wenn es vielleicht, wenn wir es nicht so gut, wenn es uns schwer fällt, in Worte zu fassen, dass wir dann zur Gedichte Das finde ich verspannend.

Siljarosa Schletterer
Oder auch bei Geburt, dann kommt in jeden Fall rund ein Zauber inne. Also ich meine, das…

Helen
Es gibt ja schon auch so Lyrikzeilen, die wir, die wir, die glaube ich viele auch ansprechen oder was, was mit ihnen macht. Genau. was du eben meintest mit dem jeden tag ein gedicht den dann musste ich auch eben als wird es also so darüber gesprochen hast dann denken weil ich das sehe ich öfter mal dass man dann irgendwie poems for everyday oder so dann kannst du jeden tag ein gedicht lesen und irgendwie denke ich grad dass ich das eigentlich glaube ich auch eine gute idee finde weil dann kannst du wirklich hast du zeit auch darüber nachzudenken eigentlich finde ich würde sich das auch total eignen wenn man das mit ihm zusammenmacht, also sich sogar vorlesen. Weil das finde ich bei Roman gar nicht mal immer so leicht, keine Ahnung, weil also man muss auf jeden Fall mehr Commitment mitbringen, da muss man irgendwie längere Zeit auch für freischaufeln irgendwie. Aber so ein Gedicht, sich gegenseitig vorlesen, das geht ja wirklich relativ leicht und dann kann man sich ja auch direkt darüber austauschen. Eigentlich braucht es ein Gedicht-Buchclub, denke ich.

Siljarosa Schletterer
Ja, das wäre doch mal… Das wäre doch was für dich.

Helen
Da stimmt es. Also, dass man einfach dann direkt sich darüber halt austauscht. Und dann vor allen Dingen wirklich alles ist willkommen. Also so, egal was du gefühlt hast. Selbst wenn du es einfach… Ich könnte mir vorstellen, dass es zumindest bei mir die Sorge. Wenn ich etwas fühle, dann ist mir das direkt klar. Ich weiß dann, ob ich mich das glücklich gemacht habe, traurig gemacht habe, vielleicht auch gelangweiter. Ich glaube, meine größte Sorge ist einfach, dass ich es gar nicht verstehe. Und das finde ich, wenn das auch willkommen ist, dann ist es doch total cool, wenn man sich darüber einfach offen austauschen kann, dass man sagen kann, ich weiß gar nicht so genau, was eigentlich gemeint ist. Ich habe das zwar jetzt gelesen oder gehört, aber so richtig sicher bin ich gar nicht, was da steht, was da, was ich da gelesen habe.

Siljarosa Schletterer
Ich find das spannend. dass eben das Verstehen so stark da ist, weil wenn du jetzt ein Radio auftrest, nochmal zu diesem Bild zu kommen, kommt dann die Frage auf, habe ich jetzt den Song verstanden? Nee, tatsächlich nicht. Immer um das, weil viele Songlyrics sind ja auch total deep so und da habe ich auch nicht viel, wenn ich jetzt die nicht auf Anhieb verstehe oder wenn ich die Musik nicht verstehe in der Also ich habe ja auch Musikwissenschaften studiert und da könnte man ja genauso sagen, hey, ich habe jetzt die harmonische Fortschreitung da nicht verstanden und ich bin mir nicht sicher, ob ich jetzt diesen Septnonakkord dazu gehört habe. So ist die auch nicht da im Sinne von, muss verstehen und da ist er auch da, er gefällt mir, er gefällt mir nicht. Und natürlich kann man das auch machen und sagen, achja, ich finde, das ist jetzt einfach eine total langweilige harmonische Fortschreitung, die es halt überall gibt in jedem Song und ich drehe ab, natürlich kann man den Zugang auch haben, aber ich finde nicht, dass man den haben muss, um eben damit das etwas mit mir macht. Ich glaube, sehr oft ist es doch so, wir schalten ein und dann haben wir eine Erinnerung, weil wir den Song gehört haben, als irgendetwas passiert ist im Leben. Und das hat gar nichts mit dem Song zu tun oder wir singen jahrelang den Song falsch und das ist uns total egal, also wie viele Songverhörer gibt es denn?

Helen
Ja, das tut mir gut.

Siljarosa Schletterer
Und da auch nochmal die Brücke zur Klanglichkeit, weil du gemeintest eben ist eine andere Klanglichkeit, Dadurch, dass ja Lyrik wirklich von der Musik kommt, ist auch die Klanglichkeit sehr wichtig. Aber meine Lesart allgemein von Literatur oder mein Zugang dazu, ich sehe eigentlich jede Art von Text als Partitur und auch jede Art von Literatur als eine Verschriftlichung von Klang. Es gibt Texte, da kommt das mehr zu tragen und manche, da kommt es weniger zu tragen, aber eigentlich, weil jeder Text interpretiert werden und wenn es nur im Stillen, also im eigenen Kopf die Verklanglichung ist. Wir lesen das ja und wir lesen die verschiedenen Rhythmen und die verschiedenen Lautstärken auch in dem Roman oder in dem Sachtext. Da kommen ja auch verschiedene Nuancen von Klang vor. Ja, natürlich in der Lyrik, die sehr auf Rhythmus und Klang und so auch wert legt oder sehr viele Lyrik, aber auch nicht alle Lyrik, kommt es vielleicht offensichtlicher zu sagen, aber eigentlich ist das eine Eigenschaft, die einfach in Sprache inne wohnt. Und das ist auch eine Art und Weise, wie wir gewohnt sind zu lesen, dass wir halt gewohnt sind Buchstaben zu lesen, aber nicht gewohnt sind Noten zu lesen. Aber eigentlich sind beides schwarze Zeichen auf weißem Hintergrund meistens. Und den wohnt eigentlich etwas, das wir wollen, dass es klingt. Und wenn wir anders erzogen worden wären oder halt aufgewachsen sind, wo es selbstverständlich ist, Musik zu lesen, kann man genauso musikalische Notationen einfach lesen und man hört und man muss es nicht von außen gehört bekommen. Aber ich finde bei der Lyrik ist es schon mal spezieller und Lyrik braucht auch die Verklanglichung und lebt auch davon laut verkostet zu werden nochmal mehr. Das merke ich auch beim Festival. Also ich habe einen wirklichen gespannt. Jan,

Helen
das hast du ja auch gerade erst beendet. Also hinter dir liegt ja jetzt auch eine wirklich aufregende Zeit. Wie kann man sich denn das Festival vorstellen? Was passiert da so?

Siljarosa Schletterer
Man hört ganz unterschiedliche Arten von zeitgenössischer Lyrik an mehreren Abenden und Tagen hintereinander. Es hat mit einem Wochenende gestartet und mittlerweile sind wir bei 10 Tage. Es gibt auch zwei kleine Tournee innerhalb des Festivals, wo wir von Ort zu Ort fahren. Ja und immer einen sehr bunten Blumenstrauß anzeigen. Es ist schon Lyrik und man kann mit den Autoren reden und ins Gespräch kommen und Lyrik auf vielen Ebenen verkosten. Es gibt Schreibworkshops und Gespräche und einfach die Zeit miteinander. Wir feiern Lyrik.

Helen
Ja, wo und wann findet das statt?

Siljarosa Schletterer
Immer Anfang Juni und so ein bisschen der Kern ist Innsbruck in Tirol in Österreich, aber mittlerweile steckt sich das Festival von Wien bis Vorarlberg und geht bis Südtirol. Schauen wir noch wohin es geht. Irgendwann holen wir die ganze Welt.

Helen
Ja, aber ich mag auch immer diesen Spruch, w:orte. Aber was ich auch richtig schön finde, ist, dass du die ganze Zeit von Verkostung sprichst, also Lyrik verkosten, irgendwie total cool. Ich mochte aber auch wirklich sehr das Bild mit dem Radio und ob mir da auch wichtig ist, das zu verstehen, was ich höre. Ich habe beim ersten Moment dann auch wieder englische Texte gedacht und gedacht klar, wenn ich die Sprache ja auch nicht kann, dann lasse ich mich sowieso einfach nur auf die Musik ein. Aber du hast schon recht, auch bei deutschen Songs achte ich ja nicht immer hundertprozentig auf das, was die mir davor singen, sondern im ersten Moment achte ich ja vor allen Dingen erst mal darauf gefällt mir jetzt so der der Stil, sage ich mal, also die Art von Musik oder also einfach generell, was ich da gerade höre gefällt mir das oder nicht. Und ich weiß gar nicht, also ich kann ja auch sagen, dass ich da die einzige bin, aber weiß ich jetzt auch nicht so, aber ich glaube, ich bin da gefühlt verkrampft und ich musste gerade irgendwie darüber nachdenken. Für mich war jetzt die Schulzeit auch nicht so richtig cool und ich habe lange auch damit noch zu kämpfen gehabt, dass ich mich so dumm gefühlt habe. Also weil das mir gefühlt so eingetrichtert wurde. Ich war halt auf dem Gymnasium, habe aber glaube ich so spät gemerkt, dass ich da vielleicht nicht richtig war, weil das einfach ein bisschen so friss oder stirbt. Ich habe da so gestruggelt und ich hatte am Ende solche Panikattacken auch vor Prüfungen und alles so. Und es hat sich so bei mir eingebrannt, dass ich zu dumm einfach bin, für alles so gefühlt, weil die Schule spielt ja auch so eine wichtige Rolle gefühlt fürs Leben. Und ich habe gerade so gedacht, ob das einfach der Teil ist, der in mir immer noch sagt, du musst das verstehen können, um mitreden zu können. Also kann ja auch sein, dass das einfach eine Ich-Sache ist und anderen geht das gar nicht so. Aber Ich glaube, deswegen habe ich immer das Bedürfnis, das zu verstehen. Und vielleicht konnte ich deswegen dann eben englische Texte besser akzeptieren, weil ich so dachte, das ist ja auch für mich eine fremde Sprache, also Englisch ist nicht meine Muttersprache. Also, dass ich deswegen vielleicht da auch mit mir nachsichtiger war oder so. Aber ich glaube, also in Sachen Lyrik ist es schon sehr präsent.

Siljarosa Schletterer
Ich bin eben auch selber Lyrikerin und bei Lyriklesungen ist es ja irgendwie, geht man davon aus, dass die Leute wissen, was sie erwartet. Aber wenn es gemischte Lesungen sind, aber auch immer ein Gefühl, ein Teil davon ist immer mal vorbereiten auf Lyrik. Ja, genau, Primen. Genau, also da ist man auch irgendwie Lyrikvermittlerin. Moment, wo wollte ich gerade hin? Verstehen, genau. Und da bekomme ich so oft die Fragen danach davor. Aber Lyrik, das ist nichts für mich, weil ich verstehe das nicht. Also das ist quasi in 80% der Fälle höre ich diese Frage oder diese Aussage. Oder wenn ich sage, was arbeitest du? Ich sage, ich bin Autorin, ich bin Lyrikerin. Oh, Lyrik, ja nee, das ist nichts für mich, ich bin zu dumm dafür. Also die Aussage ist so häufig und es ist voll traurig und es ist echt so schade und irgendwann sage ich glaube ich, ein T-Shirt, wo drauf steht. Lyrik ist für alle da. Und das ist echt schade, wenn ich merke, was da Schulerfahrungen so einschreiben in die Wahrnehmung. Und wenn man das sicher auch selber sagt, also auch wenn… Wenn es nur in Berührung mit Lyrik kommt, dann sagt man sich immer selber, man ist zu dumm. Ich finde es so furchtbar und so abgrundtief traurig, dass es da so ein Credo dann gibt. Bei irgendeinem, ich bin zu dumm für irgendwas. Ich finde, ich kenne so viele Menschen und dann auch die Steigerung, ich bin zu dumm für Lyrik. Das tut mir wirklich weh, weil es das einfach noch gibt. Also jedes Wort bringt ja Bilder hervor. Und das darf sein und ist wichtig so. Und das, was man sieht, was man für Bilder hat, das darf sein, auch wenn man es gerade nicht versteht. Man versteht ja einen Traum auch nicht immer. Es ist ja nicht drauf, dass das dann auch eine Logik hat. Manchmal schon sehr oft auch, also ich will jetzt noch kleinreden, dass man das verstehen will oder analysieren will und da mehr herausfinden will, weil in jedem Gedicht ist mehr herauszufinden, als man auf Anhieb liest. Auch ich les, beim Wiederlesen, immer noch mehr Dinge heraus, als ich beim ersten Mal lesen. Das ist total spannend und das macht Spaß, aber um das geht es nicht. Es geht darum, etwas zu hören und berührt zu werden und meinem Gefühl zu vertrauen. Und eigentlich möchte Lyrik das erreichen, wie ich Lyrik fürmittel möchte und wahrnehme. Also Schritt 1, gibt es auch ganz viele…

Helen
Erwartungen loslassen wahrscheinlich.

Siljarosa Schletterer
Und nicht das Gefühl zu haben, es ist nur richtig, wenn ich eine Kausalität für mich eine Verständlichkeit erreicht habe.

Helen
Das finde ich echt auch wichtig, dass du das so betonen. irgendwie merk ich auf jeden Fall, dass das … Also, ich hab so durch das Gespräch das Gefühl, das ist das, was bei mir da vielleicht hintersteckt. Und vielleicht dann eben auch bei anderen, wenn du sagst, das ist so gänglich. Dieses Gefühl, da kann ich nicht mehr reden, da bin ich zu dumm für. Ich glaube aber auch, dass das schon manchmal auch noch vorkommt, wenn jemand zu Mädels, die lesen. neu dazu kommt. Und sich denkt, das sind bestimmt alles total die schlauen Leute. Und ich hab aber irgendwie keine Ahnung, nicht studiert. mich nicht so. Ich habe vielleicht jetzt jahrelang nicht gelesen, als wäre das so ein Kriterienkatalog, den wir irgendwie hätten. Und es ist gar nicht so leicht, diese Sorge auch jemandem zu nehmen, das Gefühl zu vermitteln, völlig okay. Und wenn du noch nie einen Buchen in die Hand genommen hast, herzlich willkommen. Du kannst mitreden. Also, kann ich mir auf jeden Fall auch vorstellen, dass das schon eine Schwierigkeit auch für dich dann ist, zu sagen, also so, alles ist okay, du musst, du musst das nicht verstehen. Ich habe auch gerade irgendwie gar nicht so eine Lösung dafür, aber ich meine, vielleicht, wenn das hier einige hören, öffnen sich ja da vielleicht erst mal wieder irgendwie Möglichkeiten, dass man, ich denke, das Wichtigste ist wirklich, erst mal das loszuwassen, zu sagen, das ist nicht der Sinn von Lyrik, du darfst einfach erst mal dich drauf einlassen. wenn ich irgendwie ganz spannende und super wichtig, dass du das noch mal betont hast.

Siljarosa Schletterer
Tut mir auch gerade gut, das zu hören. Ja, also ich glaube schon eine Anleitung zum richtigen Lyriklesen. Ja. Bei mir glaube ich eher so in die Richtung, ja macht eine Ohren und Herzen ganz weit auf und das sitzt auf ein, was Indie für Bilder und Emotionen kommen.

Helen
Ja, was ich auch total angenehm fand, das habe ich generell so auch, das ist auch immer so ein bisschen mein Credo mit Büchern generell, schau einfach, worauf hast du jetzt gerade los, also was spricht dich jetzt gerade an? Und ich könnte mir vorstellen, dass bei Lyrik dann eben auch vielleicht, weiß nicht an, die ganz großen Dichter und die Klassiker und so gedacht wird. Und was ich total spannend finde, was ich halt dann eher so im Englischsprachring-Raum bisher gesehen habe, hab ich glaub, dass es nicht beschränkt auf den Englischsprachring-Raum. Das ist dann auch keine Ahnung, Gedichte, es müssen auch nicht nur Liebesgedichte zum Beispiel sein, dass es dann zum Beispiel auch so was gibt wie Themen über mentale Gesundheit oder das Thema Frau sein, Mutter sein, irgendwie nicht Mutter sein, solche Sachen oder eben auch, wir hatten ja wie gesagt auch mal mit Fabian Leonhard gesprochen, der dann Lyrik Band rausgebracht hatte in Zeiten von Corona wurden Leute, diese, ich weiß gar nicht mehr ob es dann auch Corona-Gedichte hieß, aber irgendwie wie Corona-Lyrik, irgendwie sowas. Lockdown-Lyrik hieß es, genau. Und da kamen natürlich auch super unterschiedliche Gefühle und Themen hoch und ich glaube, wenn man auch erst mal überhaupt mitbekommt, Da ist so eine Bandbreite an, also es ist ja nicht eine Sparte an Lyrik, sondern da ist ganz, ganz, ganz viel, da kannst du ja wahrscheinlich auch noch mal viel mehr zu sagen. Aber das finde ich auch total spannend, einfach zu wissen. Es gibt da auch für jede Lebenslage und für die jedes Interesse auch im Grunde den passenden Band wahrscheinlich.

Siljarosa Schletterer
Ja, total. Also es ist auch ein Vorteil, die viele der Lürg gegenüber haben, ja da geht es ja nur um Liebe und Innerlichkeit und Emotionen. Alles ist traurig. Es gibt wunderschöne Liebesgedicht und ich liebe auch Liebeslürig, aber es gibt so tolle Gedichte zum Klimawandel. Klimawandel. Es gibt ich über das Kochen, über das Tanzen, über Sterben, über die Abgründe von Körpern, über Missbrauch. Es gibt keinen Lebensbereich und kein Thema, wo es kein Gedicht dazu gibt. Man kann, glaube ich, jedes Hobby und jeden Beruf mitglürig verbinden. Und wenn jetzt jemand denkt, ich hätte Lust, mich drauf einzulassen und mich interessiert zum Beispiel gerade eher Klimawandel, also vielleicht würde ich Klimawandelgedichte ausprobieren.

Helen
Was hast du denn das Gefühl, wo man dann auch am besten schaut, weil ich finde, dass auch gar nicht so leicht ein bisschen mal andere Gedichte werden zu finden? Ja, alle an Siljarosa und in dem Jahr. Ich bin mir ein Thema und ich zeige euch den Lyrikwandel. Richtig gut, ja. Du kannst so eine Lyrik-Sprechstunde machen. Hast du das schon?

Siljarosa Schletterer
Nee, das ist eine schöne Idee. Also ich habe mir gerade auch als Format für Instagram, denke ich. Eine Lyrik-Sprechstunde und ein Thema, das stimmt, das…

Helen
Dann machst du so einen Fragesticker. Und dann kann man dir sagen, zu welchem Thema man was tut. Oh, das finde ich richtig gut. Ja, das ist echt eine coole Idee. Ich muss das… Oh, das ist cool. Ja? Ja. Okay, also es gibt demnächst, weil sie ja rosa die Lyrik-Sprechstunde, da kann einfach sagen, ich interessiere mich für dieses Thema. Schlage mir bitte Gedichte vor. Ich habe so dieses Problem.

Siljarosa Schletterer
Aber jetzt zu deiner Frage. Also da kommen mir gerade spontan zwei Bände und so ganz bisschen auch mein eigener eigener Band, weil ich verorte mich auch beim Thema Nature Writing. Es gibt den Nature Writing Preis. Da ist mal spannend, glaube ich, allgemein, wenn man sich für Klimawandel interessiert. Dann gibt es zum Beispiel den Band von Mikael Vogel, Dodos auf der Flucht, Verlagshaus Berlin, der hat einen ganzen Band ausgestorben, Tierarten gewidmet und hat für die verschiedenen Tiere, die ausgestorben sind, jeweils ein Gedicht gewidmet. Dann Tim Holland, wir zaudern, wir brennen, der verbindet Lyrik, Science Fiction und Klimawandel, also wie ich es jetzt ausschauen könnte eine welt in der pflanzen und jeder und menschen irgendwie doch eine gemeinsame lösung finden und ich liebe deren beiden Lyriksprachen sehr genau zum beispiel fällt mir zu sein

Helen
Ich finde das mega also ich finde es braucht diese sprechstunde weil wirklich also ich finde es nicht leicht das passende zu finden, weil auch, hatten wir nicht auch am Wochenende darüber gesprochen, ne in irgendeinem Zusammenhang hatten wir doch darüber gesprochen, vielleicht bei einem der Speed-Meekings von dem Young Excellence Award, dass man ja quasi schon Glück hat, wenn man in der Buchhandlung überhaupt nürig Regal findet. Und da sind dann wahrscheinlich schon eher, sag ich mal, die Klassik, oder so, da findet man wahrscheinlich schon eher ähnliches. Und ich glaube, dadurch ist vielen einfach gar nicht bewusst. Da gibt es eine krasse Bahnbreite. Was ich gerade denke, gibt es denn Lyrik Buchhandlung? Ja, was gibt es denn?

Siljarosa Schletterer
Es gibt dezidierte Lyrik Buchhandlungen, jetzt für mich viel zu selten. Und irgendwann nur nach wie lang, mal sesshafter werde und jetzt nicht immer sehr auf und ich liebe, sehr lesungen zu haben und Workshops zu haben und herumzufahren. Würden mich das schon gitzeln. Es gibt zum Beispiel auch in Leipzig immer eine Lyrik Buchhandlung, also gibt es einen eigenen Location, wer Leipziger Buchmesse zum Beispiel. Ja, und was ich gerade auch noch sagen wollte, als erstens liegt gerade unser Gespräch. Aber was ich sagen wollte, eben dieses Mini-Lyrikregal, das halt meistens auch so fünf Gedichtbänden besteht, sind halt alles alte weiße Männer und es gibt halt weit aus mehr Lyrik als Rilke und Goethe. Ja, die Leute. Es gibt auch ganz tolle Frauen, die das von geschraubt haben. Ja, in der Vergangenheit. Es gab sie auch damals und es gibt sie heute. Es gibt sehr viele Diverse und bunte Stimmen. Es sind nicht alte weiße Männer nur. Da ich jetzt auch zwei Männer empfohlen habe, zum Thema Klimawandel. wäre Esther Kinski auch noch spannend. Genau, das fällt mir zwar schwer, aber ich tu's jetzt trotzdem. Ich hab' ein Band geschrieben, wo es darum geht, um Gewässer eine Stimme zu geben. Also hängt auch mit Klimawandel zusammen und was ist, wenn Flüsse reden könnten? Genau. Aber jetzt musst du mir verraten. Ein stiller Life.

Helen
Aber musst du mir jetzt verraten, ist dir das unangenehm, weil du Werbung für dich selber machst?

Siljarosa Schletterer
Das ist mir echt unangenehm.

Helen
Ja, das stimmt. Das ist doch total cool. Also ich mein, hallo, ich habe dich ja nach dem Thema gefragt. Und wenn dein Buch perfekt so passt, why not? Shout it from the rooftops.

Siljarosa Schletterer
Ja, das ist schon ein Ding, was noch so leicht irgendwie ist. Das Ding. Genau. Ich kann es nicht. Ich habe da hier sie jahrelang dran gearbeitet. Ja, das ist auch.

Helen
Ich bin auf jeden Fall sehr angetan, gerade von der Idee einer Sprechstunde bei dir im Fragesticker, weil das kannst du ja auch relativ gut managen. Dann kannst du es immer wieder mal abfragen und danach irgendwie einfach mal bedienen, sag ich mal, bei deinem eigenen Tempo, weil ich verstehe das auch. Jetzt war ich das Wochenende ja auch unterwegs. Ich finde es nicht so leicht, noch irgendwas anderes unter einen Hut zu bekommen. Deswegen, ja, das wäre doch total cool. Dann kann man bei dir vorbeischauen und du stellst, ich meine, das machst du ja generell schon, aber dann stellst du einfach so ein bisschen nochmal die Welt der Lyrik vor. Du bist halt dann jetzt wirklich die Lyrikvermittlerin. Sag mir grad, wo man dich generell einfach auch findet.

Siljarosa Schletterer
Dadurch, dass ich einen sehr ungewöhnlichen Vornamen habe, findet man mich mit dem Vornamen ziemlich gut, ziemlich überall. Ich bin ziemlich auf Instagram auch aktiv. Ich glaube, da bin ich am schnellsten. Ich habe eine Webseite, da kann man mir E-Mail schicken und mich kontaktieren. Genau, sonst gibt es auch die verschiedenen Plattformen, wo ich anzutreffen bin und man kann mit schreiben und da bin ich dann genau.

Helen
Verlinken wir auf jeden Fall nochmal in den Show-Notes. Gerne mal vorbeischauen, gerne mal auch Hallo sagen und Siljarosa sagen, dass ihr euch jetzt an Lyrik ran traut und was es mit euch gemacht hat. Also, was ich eben total spannend fand, weil ich habe zum Beispiel noch nie von, glaube ich, zumindest nicht bewusst von Nature Writing überhaupt gehört. Also war mir auch da gar nicht klar, was da so alles gibt. Aber ich finde, es wäre jetzt ein guter Zeitpunkt auch einfach mal zu sagen, worüber schreibst du so? Was gibt es von dir schon? Was können wir von dir lesen. Ich zwinge dich jetzt ein bisschen zu eigen Werbung.

Siljarosa Schletterer
Ja, es gibt mich in verschiedenen Anthologien und zu verschiedenen Themen. Es gibt so zwei Hauptthemen bei mir. Das erste Hauptthema war mein Debütband. Das ist das Wasser. Es zieht sich durch vom Gin Mare in meinen Band. Ja, voll gut. Ja, also mir war es wichtig, irgendwie den verschiedenen Gewässern vom Rinnsal bis zum Fluss irgendwie mal hinzuhören und habe ihnen, habe auch die Orte, an denen ich geschrieben habe oder die mich inspiriert haben, also die Gewässerorte mit Koordinaten angegeben, also sie zitiert und sie somit eigentlich zu Co-Autorinnen gemacht. Mein erstes Buch hat sich den Gewässern und den Flüssen verschrieben und da gibt es jetzt auch noch ein paar weitere kleine Projekte zum Thema Fluss und Schreiben. Das ist mir sehr wichtig beim allgemeinen Versiegelungstrend, dass wir dem Wasser immer mehr Lebensraum wegnehmen und uns dann wundern, wieso plötzlich Wasser fließen will. Genau und mein aktuelles Buch, Ich mache gerade Schreiben, das Thema Körperlichkeit und was sich in unseren Körper einschreibt. Zum Thema auch Epigenetik und Trauma und Sexualität. Welche Sprachen wir für Körper finden oder welche Unworte wir finden. Ob es vielleicht an der Zeit wäre, auch neue Worte zu erfinden für Sexualorgane, die wir leider hier oft sehr abwertend beschreiben. gerade die Körper der Frau. Ja, das hört sich super spannend an. Und der Plan ist, dass es im Frühjahr 25 erscheint. Aber schauen wir mal, wie…

Helen
Gib mir gerne ein Update, wenn es so weit ist, dann teile ich das nochmal. Ah, das hat richtig viel Spaß gemacht. Ich finde es hier jetzt mal einfach irgendwie auch unglaublich, was sich dann noch mal so für Welten eröffnen. Und es ist so viel, was man dann doch noch nicht kennt. Und okay, also ich bin total begeistert. Ich will jetzt auf jeden Fall auch wieder noch mal was ausprobieren in Sachen Lyrik. Ich habe so das Gefühl, ich muss vielleicht, also weil ich habe ja auf jeden Fall auch schon Sachen gefunden, die mir gut gefallen haben. Aber vielleicht mich einfach wirklich noch mal mehr umschauen.

Siljarosa Schletterer
Ich bin die erste, die was in Deine Fragesticker schreibt.

Helen
Ja, ich wollte auch schon sagen, also wenn ihr Fragen habt, immer gerne, ja, also, oder mit was ihr anfangen könnt, wollt oder wie oder so, gerne.

Siljarosa Schletterer
Also wenn es darum geht, für Lyrik zu begeistern, bin ich überall gerne dabei.

Helen
Vielen, vielen Dank, Siljarosa, ich fand es wirklich unglaublich spannend. Also ich glaube, wir hätten auch wahrscheinlich auch nochmal doppelt so viel Zeit füllen können. Vielleicht machen wir auch mal eine Lyrik, sprecht und ich hier einfach im Podcast. Dann sammeln wir vorher die Themen ein. Sehr gut. Okay, also das merken wir uns auf jeden Fall schon mal vor. Ich würde sagen, wir tauchen jetzt mal die Füße ins Wasser, trinken den Gin Mare zu Ende. Also Gin Tonic mit Gin Mare zu Ende und tauschen wir uns so noch ein bisschen aus. Verabschieden uns an der Stelle von den Mädels. Ich danke dir sehr für deine Zeit. Ich bedanke mir,

Siljarosa Schletterer
es war ein Fest und lest Lyrik.

Helen
Ja wirklich, direkt hier nach einfach mal schauen, was es da so gibt.

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