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Podcast · Folge 150
Das Fenster in die Welt
Buchwissenschaftlerin Patricia F. Blume über zehn Jahre Forschung zur Leipziger Buchmesse in der DDR, abgeschriebene Bücher und die Frage, was von der Buchstadt geblieben ist
Wer in der DDR ein bestimmtes Buch lesen wollte, konnte nicht einfach in die Buchhandlung gehen. Es gab Zensur, zu wenig Papier, zu wenig Druckereien – und Westliteratur kam praktisch nicht ins Land. Einmal im Jahr aber öffnete sich in Leipzig eine Tür. Patricia F. Blume hat zehn Jahre lang erforscht, was auf der Buchmesse zwischen 1946 und 1990 wirklich passierte.
Patricia F. Blume
Buch- und Medienwissenschaftlerin
Sie hat in der Buchwissenschaft der Universität Leipzig unterrichtet, zu buchhandelsgeschichtlichen Themen geforscht und über die Geschichte der Leipziger Buchmesse promoviert. Seit rund drei Jahren arbeitet sie an der Universitätsbibliothek Leipzig und leitet dort den Bereich, der die Medien der Bibliothek beschafft, pflegt und mit verlässlichen Metadaten auffindbar macht.
Foto: Sabrina V. Zeckert
Warum die Messe so wichtig war
Für Lesende in der DDR war die Buchmesse mehr als eine Branchenveranstaltung. Wer ein bestimmtes Buch wollte, bekam es nicht ohne Weiteres: Eine Zensur sorgte dafür, dass nicht alles erschien, und selbst von den erschienenen Titeln gab es zu wenige Exemplare, weil Papier und Druckkapazitäten fehlten. Westliteratur kam ohnehin kaum ins Land.
Die Messe war das Schlupfloch – und zwar ein offizielles. Wer wollte, konnte hingehen und lesen. Und die Menschen taten das mit einer Hingabe, die man an den Zahlen ablesen kann: Sie kamen aus der ganzen DDR, nahmen sich dafür Urlaub. Für Literaturbegeisterte war die Messe das Highlight des Jahres – so wichtig wie der Ostseeurlaub.
Es ist dieses Fenster in die Welt, dieses Bild. Das hörte man ganz häufig, wenn man mit den Zeitzeugen gesprochen hat.Patricia F. Blume
Abschreiben, abtippen, weiterreichen
Wie weit die Menschen gingen, um dieses Gefühl über das Jahr zu tragen, gehört zu den erstaunlichsten Funden ihrer Forschung. Manche kamen jeden Tag auf die Messe, um ein Buch Stück für Stück abzuschreiben. Andere tippten es zu Hause ab und reichten die schreibmaschinengeschriebenen Fassungen weiter, tauschten sie untereinander. Verlage wie Suhrkamp, S. Fischer und Rowohlt waren begehrte Anlaufstellen.
Und es wurde gestohlen. Blume konnte das an den Diebstahlszahlen nachvollziehen, die die Staatssicherheit über die Messe erhob – und dort zeigt sich etwas Aufschlussreiches: Es war nicht nur die hohe Literatur. Es waren auch Bücher über Katzen, über Yoga, wissenschaftliche Literatur über Zahnmedizin. Es ging nicht nur um das Feingeistige, sondern um fehlende Fachliteratur.
Ein besonders begehrtes Mitbringsel war außerdem etwas, das man heute achtlos wegwerfen würde: die Verlagsvorschauen. Diese dünnen, kleingedruckten Hefte wurden wie eine Bibel behandelt – weil man daraus erfuhr, was es gab, und dann versuchte, irgendwie heranzukommen. Über Restbestände der Messe, über Sendungen aus dem Westen, über die Oma, die rüberfuhr.
Zehn Jahre Archiv
Angefangen hat es mit einem Maskottchen. Blume ist ostsozialisiert und bekam als Kind ein Messemännchen geschenkt: ein kleiner Kerl im blauen Anzug, mit Aktentasche und Pfeife – und einer Weltkugel als Kopf, die für die Weltoffenheit der Messe stehen sollte. Später, in Leipzig, merkte sie: Über die Messe hat jeder eine Anekdote, aber es gibt nichts Systematisiertes. Sie wunderte sich, warum das noch niemand erforscht hatte – bis sie ins Archiv ging.
Dort lag die Antwort: unglaubliche Aktenberge, und daran beteiligt sehr viele Institutionen, nicht wie heute eine überschaubare Messegesellschaft. Dazu Gespräche mit Zeitzeug*innen, die sie damals noch von Hand transkribieren musste. Über zehn Jahre wurde daraus ihre Doktorarbeit.
Was sie am meisten überrascht hat: dass die Geschichte der Buchmesse in weiten Teilen eine Geschichte der Krise ist. Die Buchmesse war Teil der großen Universalmesse – neben Süßwaren, Bekleidung, Kosmetik, Konsumgütern und Waffen. Die Buchbranche musste sich in diesem Umfeld erst Gehör verschaffen und um Fläche kämpfen. Erst ab den frühen Sechzigern bekam sie ein dauerhaftes Zuhause: das Messehaus am Markt, das dort bis über das Ende der DDR hinaus das Gesicht der Buchmesse war.
Von Wohnzimmerständen zur genormten Koje
Wie sich das anfühlte, lässt sich an alten Fotos ablesen. Vor dem Umzug ins Messehaus waren die Stände urig eingerichtet, mit bequemen Sesseln und Grünpflanzen – eher wie ein Wohnzimmer. Im neuen Haus war dann alles genormt: einheitliche Standelemente, Neonröhren, damals hochmodern. Im Grunde die Koje, die man heute bucht.
Auch »Leipzig liest« ist älter, als viele denken: Die Wurzeln reichen bis in die DDR zurück. Damals waren es rund dreißig Literaturveranstaltungen – heute mehrere tausend. Entsprechend voll ging es zu. Blume erzählt von Besucher*innen, die versuchten, sich ins Gohliser Schlösschen zu drängeln, bis die Saaltüren vor der Menge geschlossen wurden – woraufhin einige es durch die Toilettenfenster versuchten.
35 oder 80 Jahre? Beides ginge
2026 könnte die Leipziger Buchmesse sich aussuchen, welchen Geburtstag sie feiert: 80 Jahre, gerechnet ab der ersten Buchmesse 1946, oder 35 Jahre ab der Neugründung nach 1990. Gefeiert wird, so Blumes Beobachtung, keines von beiden. Ihr fällt auf, dass die Messe auf Geschichtsbewusstsein weniger Wert legt als Frankfurt, wo es eine ausgearbeitete interaktive Darstellung der Messegeschichte gibt. In Leipzig sei das »etwas dürftig«.
Was von der Buchstadt übrig ist
Woher kommt eigentlich der Anspruch, Buchstadt zu sein? Blume nennt das eine gute und hoch umstrittene Frage. In Leipzig wurde der Kommissionsbuchhandel erfunden – jenes System, dem wir bis heute verdanken, dass eine Bestellung von abends am nächsten Tag in der Buchhandlung liegt. Dazu kamen viele Verlage und Druckereien.
Dann der Zweite Weltkrieg, ein tiefer Einschnitt. Schon in der DDR war Leipzig nicht mehr die Stadt, die es gewesen war, und der nächste Knick kam mit der Abwicklung nach 1990. Als Verlagsstadt ist Frankfurt heute die wichtigere; zuletzt stand sogar das Leipziger Literaturhaus auf der Kippe. Was bleibt und weit über die Stadt hinausstrahlt, ist die Messe – die den Bücherfrühling tatsächlich belebt.
Der Arbeitsplatz: die schönste Unibibliothek
Aufgenommen haben wir das Gespräch in der Universitätsbibliothek Leipzig, in der Bibliotheca Albertina – die kurz zuvor in einer Abstimmung von funk zur schönsten Universitätsbibliothek Deutschlands gekürt worden war. Blume leitet dort den Bereich, der die Medien beschafft und erschließt: kaufen oder Open Access stellen, verzeichnen, und vor allem für gute Metadaten sorgen, damit Nutzer*innen finden, was sie suchen.
Bibliotheken hält sie für innovativer, als ihr angestaubtes Image vermuten lässt – etwa wenn sie sich von bestimmten Bezahldiensten emanzipieren und eigene Suchsysteme entwickeln. Wer keine Uni-Angehörige ist, kann sich übrigens trotzdem anmelden; für den neuesten Roman ist aber die Stadtbibliothek zuständig. Und auch hier gilt: Wunschtitel kann man vorschlagen. Im Fachjargon heißt das nutzergesteuerte Erwerbung.
Die ganze Folge hören
Das Buch zur Folge
Patricia F. Blumes Forschungsarbeit, aus der sie im Gespräch erzählt.
Die Geschichte der Leipziger Buchmesse in der DDR
Patricia F. Blume
Literaturtransfer, Buchhandel und Kulturpolitik in deutsch-deutscher Dimension – das Ergebnis von über zehn Jahren Forschung.
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Häufige Fragen
Seit wann gibt es die Leipziger Buchmesse?
Die erste Buchmesse nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1946 statt – die sowjetischen Besatzungsmächte knüpften bewusst an Leipzigs alte Messetradition an. 2026 könnte die Messe deshalb ihren 80. Geburtstag feiern, oder den 35. seit der Neugründung nach 1990.
Warum war die Buchmesse in der DDR so bedeutend?
Weil sie der einzige offizielle Zugang zu Literatur war, die es im Land nicht gab. Zensur, Papiermangel und zu wenige Druckereien begrenzten das Angebot, Westliteratur kam kaum ins Land. Menschen reisten aus der ganzen DDR an und nahmen sich dafür Urlaub.
Wurden auf der Buchmesse wirklich Bücher gestohlen?
Ja, und die Staatssicherheit hat Diebstahlszahlen erhoben. Auffällig ist die Bandbreite: Es ging nicht nur um literarische Werke, sondern auch um Sachbücher über Katzen, Yoga oder Zahnmedizin – also um fehlende Fachliteratur.
Wo fand die Buchmesse in der DDR statt?
Zunächst an wechselnden Orten in der Leipziger Innenstadt. Ab den frühen 1960er-Jahren bekam die Buchbranche mit dem Messehaus am Markt ein festes Gebäude, das bis über das Ende der DDR hinaus das Gesicht der Messe blieb.
Warum nennt sich Leipzig Buchstadt?
In Leipzig wurde der Kommissionsbuchhandel erfunden, aus dem das heutige Über-Nacht-Liefersystem hervorging; dazu siedelten sich viele Verlage und Druckereien an. Der Zweite Weltkrieg und die Abwicklung nach 1990 haben davon viel gekostet – als Verlagsstadt ist Frankfurt heute wichtiger.
Das ganze Gespräch zum Nachlesen
Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, maßgeblich ist die Aufnahme. Intro und Abspann sind herausgenommen.
Helen
Herzlich willkommen Patricia. Ich freue mich sehr, heute mit Dir über die Leipziger Buchmesse zu sprechen, die heute, wo die Folge rauskommt, auch wieder beginnt, wieder stattfindet. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Patricia
Also wir sind hier in Leipzig, in der Universitätsbibliothek, im historischen Gebäude, in der Bibliotheca Albertina, aber im Backoffice, Also nicht da, wo es so ganz wunderschön ist, sondern nur schön. Mitgebracht habe ich eine Matheo.
Helen
Sehr gut. Trinke ich auch super gerne, würde ich sagen. Stoßen wir einmal mit an! Was ich dir gar nicht erzählt habe, aber ich war erst vor zwei Jahren vielleicht zu Besuch an der Uni Leipzig und ich fürchte, dass bei der Führung, weil wir wurden auf jeden Fall auch so ein bisschen zu verschiedenen Gebäuden der Uni Leipzig, die sich ja so auf ganz Leipzig erstreckt. Also herumgeführt und wurde uns ein bisschen was erzählt. Und ich glaube, ich habe die Bibliothek verpasst. Und jetzt, wo wir im Vorfeld ja auch so ein bisschen geschrieben haben und du hast gesagt, die wurde gerade erst ausgezeichnet, habe ich das Gefühl, ich habe wirklich was verpasst?
Patricia
Ja, total. Das ist die schönste Unibibliothek Deutschlands und das ist jetzt auch offiziell bestätigt und gekürt. Und ich bin sehr stolz, hier jeden Tag arbeiten gehen zu dürfen.
Helen
Das ist echt cool. Kann man da die besichtigen?
Patricia
Im besten Fall sollst du da auch gleich ein bisschen was lesen, aber das dürfte dir nicht schwer fallen.
Helen
Das fällt mir nicht schwer. Aber ich meine, kann man auch als Nichtstudent in die Uni. Das ist ja echt cool. Na gut, ich bin nächste Woche wieder in Leipzig, Also vielleicht klappt das ja dann. Ich hatte dich irgendwie, glaube ich, im Rahmen der letzten Leipziger Buchmesse entdeckt. Irgendwie ist dein Buch aufgeploppt. Die Leipziger Buchmesse und die DDR, glaube ich. Oder in der DDR. Jetzt bin ich gerade gar nicht ganz sicher und habe mir das so notiert, weil ich dachte Oh, das ist ja total cool. Aber ich bin gar nicht mehr so ganz sicher, wo ich das entdeckt habe. Vielleicht wurde das von der Buchmesse selbst irgendwie vorgestellt. Und dieses Jahr, als klar war. Sie steht wieder an, dachte ich, Ich versuche es einfach mal! Vielleicht lässt du dich darauf ein. Vielleicht hast du Lust, darüber zu sprechen. Weil ich habe bisher auch eigentlich noch gar nicht so darüber nachgedacht, wenn ich ganz ehrlich bin. Aber gefühlt geht mir das täglich so, dass ich irgendwelche Sachen aus der Buchbranche feststelle und über die noch nie nachgedacht habe. Aber natürlich wird auch die Leipziger Buchmesse ja irgendeine Geschichte haben. Und gerade in Sachen irgendwie DDR wird es da irgendwie eine spezielle Geschichte geben. Du hast aber ja super breit gefächert zur Buchmesse geforscht und Artikel, Bücher Usw veröffentlicht. Du hast dazu promoviert. Wie kommt es, dass dich das auch so fasziniert, dass du da so dranbleibst und immer wieder neue neue Sachen erforscht?
Patricia
Das ist eine gute Frage. Also irgendwann war ich da, glaube ich, so tief rein verstrickt, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Und als ich mir überlegt habe, welches Getränk ich mitbringe, habe ich gedacht, die Mate ist doppelt gut, weil die Mate mich auch immer in meinen sehr langen Archivaufenthalten am Leben gehalten hat und dass ich dann nicht bei den Akten einschlafe. Und wenn ich noch ein bisschen weiter zurückgehe, dann denke ich an das kleine Messemännchen, das ich in meiner Kindheit geschenkt bekommen habe. Also ich bin ostsozialisiert und das Messemännchen ist das Maskottchen der Messe. Das kommt so aus den sechziger Jahren. Das ist ein kleiner kleines Männchen in einem blauen Anzug, blauer Hut hat eine kleine Aktentasche und seinerzeit noch eine Pfeife im Mundwinkel. Und das Schöne an dem ist Er hat einen. der der Kopf ist eine Weltkugel. Das sollte natürlich so die diese Weltoffenheit der Messe und die vielen verschiedenen Nationen, die da hinkommen, illustrieren. Und das hat mich als Kind schon sehr fasziniert, dieses seltsame Männchen, das da diese Weltkugel als Kopf hat. Das ist, glaube ich, sogar von dem Erfinder des Sandmännchens, also der hat ein Händchen für solche kleinen Kerlchen. Und als ich dann hier in Leipzig gewesen bin, da also dieses Thema liegt ja einfach auf der Straße, das ist hat ja jeder eigentlich eine Geschichte über die Messe zu erzählen. Es gibt unglaublich viele Anekdoten und es ist eigentlich so ein richtiger Mythos. Die Buchmesse. Und wenn man da mal ein bisschen näher forschte, merkte man aber es gibt nichts Greifbares, nichts, was man irgendwie mal so ein bisschen dingfest machen kann. Das sind alles sehr viele persönliche Erlebnisse, aber nichts Systematisiertes. Und deswegen habe ich mir gedacht, das ist doch die Gelegenheit, da mal anzufangen. Und habe mich auch gewundert, warum das noch keiner gemacht hat. Und bis ich dann ins Archiv gegangen bin und gemerkt habe Aha, deswegen, weil das einfach unglaubliche Aktenberge dazu gibt und da waren sehr viele Institutionen daran beteiligt. Also heutzutage ist es eine Messegesellschaft und es ist relativ überschaubar und damals waren es aber sehr viele Institutionen mehr. Und dieses Konglomerat so zusammenzubringen, das war eine große Herausforderung.
Helen
Krass, das kann ich mir echt vorstellen. Und das ist ja wahrscheinlich, noch bevor man irgendwie in irgendeiner Form die KI mit irgendwas füttern konnte. Wo du es wirklich händisch auswerten musstest.
Patricia
Ja, also tatsächlich musste ich alle. Also ich habe auch mit Zeitzeugen gesprochen und musste diese diese Zeitzeugeninterviews natürlich noch mit der Hand transkribieren, was heutzutage alles ganz anders klingen würde und viel schneller.
Helen
Warum war denn die Buchmesse in der DDR so wichtig?
Patricia
Die war aus mehreren Gründen sehr wichtig, vor allem für die Leute im Land, weil man sich vorstellen muss, dass die Lesenden in der DDR nicht wie heute in jede Buchhandlung gehen konnten und das Buch, was sie gerne haben wollten, bekommen konnten. Sondern es gab einerseits im Land eine Zensur, so dass sowieso nicht alle Bücher, die potenziell zur Verfügung gestanden hätten, in den in den Buchhandlungen gelandet wären. Und es gab auch eigentlich immer viel zu wenig Papier und viel zu wenig Druckereien. Und also selbst die, die die Titel, die erschienen sind, waren dann nicht in genügender Anzahl vorhanden. Also die jedenfalls die interessanten Titel nicht. Und Westliteratur kam eigentlich nicht ins Land. Da gibt es das lustige Forschungsfeld des sogenannten heimlichen Lesens, also wie Menschen aus der DDR versucht haben, an Literatur zu kommen aus dem Westen. Und da ist die Buchmesse eigentlich ein so ein Schlupfloch. Aber dieses Schlupfloch ist ein relativ offizielles, weil es ja ein großes Event war und alle dorthin gehen konnten und lesen konnten. Und das haben die auch sehr eifrig gemacht. Also ich konnte, wenn ich mir die Zahlen so angeguckt habe, sehr genau sehen, dass das nicht nur so ein kleines, auf Leipzig beschränktes Phänomen ist, sondern dass die Menschen aus der ganzen DDR nach Leipzig gefahren sind, sich sogar Urlaub genommen haben. Und für die war die Messe eigentlich so das Highlight im Jahr. Also jedenfalls für Literaturbegeisterte so wichtig wie der Ostseeurlaub und war einfach so ein Fenster in die Welt. Es ist dieses Fenster in die Welt, dieses Bild. Das hörte man ganz häufig, wenn man mit den mit den Zeitzeugen gesprochen hat. Und gerade so Verlage wie Suhrkamp oder wie es Fischer und Rowohlt. Also die waren sehr, sehr begehrte Anlaufstellen. Und da gibt es natürlich diese ganz verwegenen Buchklau, Anekdoten, wie sich Menschen diese Bücher angeeignet haben um dieses Gefühl so ein bisschen zu verlängern und ins Jahr hineinzutragen. Und auch da sind so ja Dinge passiert, die man sich heute nur schwer vorstellen kann, dass man eben, dass Menschen jeden Tag auf die Messe gegangen sind, um ein Buch hintereinanderweg abzuschreiben oder dann das auch wieder abgetippt haben und diese diese, diese schreibmaschinengeschriebenen Transkripte weitergereicht haben und getauscht haben. Und also da gab es dann noch einen ziemlich langen Schwanz hinten dran. Das war also ein wichtiges Element der der literarischen Versorgung literarische Nahrung. Und das war nicht nur so dieses das Feingeistige, sondern es ging auch um fehlende Fachliteratur. Also man kann das ziemlich gut nachvollziehen, wenn man sich die Diebstahls zahlen anguckt, die die Staatssicherheit da über die Messe erhoben hat. Und da sieht man, dass da nicht nur die hohe Literatur gestohlen wurde, sondern auch Bücher über Katzen und über Yoga und wissenschaftliche Literatur, über Zahnmedizin. Und so einfach diese ganze die ganzen literarischen Bedürfnisse in alle Richtungen der versucht wurden zu stillen.
Helen
Krass. Ja, das. Das finde ich tatsächlich irgendwie auch so, ich weiß nicht, das klingt selber wie aus einem Roman. Eigentlich so, wenn man sich das so vorstellt, dass man gar nicht an solche Bücher dran kommt. Also das ist für mich halt, die ich das nicht kenne, irgendwie so schwer vorstellbar und irgendwie total verrückt, welche Faszination dann Bücher eben auch ausüben können. Und das kann ich an sich ja schon nachvollziehen, ohne dass mir der Zugang dazu beschränkt ist, weil irgendwie solche Welten eröffnet. Aber wenn man es gar nicht darf Und dann ist es ja noch nicht mal so, dass man in dem Zusammenhang irgendwas Illegales tut, sondern man hat dann einmal im Jahr diesen Raum, wo man ganz legal eben. Bücher sehen und lesen kann. Total verrückt, welche? Welchen anderen Stellenwert das dann auch bekommt. Ich habe mich auch gerade gefragt, weil es wird ja schon irgendwie, sage ich mal abgefragt, erforscht irgendwie, wie viel Menschen lesen und dass das generell tendenziell abnimmt, obwohl es, glaube ich, jetzt noch mal so ein bisschen in bestimmten Altersgruppen zugenommen hat. Und da habe ich mich aber gefragt, ob das eigentlich auch nach Bundesländern zum Beispiel abgefragt wird. Aber das habe ich zumindest bisher nicht gesehen, sondern eher, dass das das das für ganz Deutschland gilt. Aber das wäre ja eigentlich auch interessant zu sehen, ob das in den Ländern der ehemaligen DDR irgendwie vielleicht auch anders ausschlägt.
Patricia
Ich meine mich zu erinnern, dass es so in den frühen neunziger Jahren so Studien gab, die das verglichen haben, dieses Ost West Leseverhalten und die Beziehung zum Buch. Und man konnte das am Anfang noch nachvollziehen. Es gab so einen Unterschied in der Einstellung zum Lesen und auch ein bisschen mehr gelesen und so die Wertigkeit und die Aura war glaube ich eine andere. Aber diese diese Unterschiede haben sich dann ziemlich schnell angeglichen und ziemlich schnell nivelliert. Ja.
Helen
Irgendwie wäre das ja auch dann spannend, mal drauf zu gucken, ob das auch an diesem Verboten sein eben liegt, dass man es eben nicht darf, Dass man deswegen unbedingt wissen will, was steht denn da drin, was ich nicht wissen darf?
Patricia
Ja, also ich glaube, der Hunger nach diesen Inhalten, die aus manchmal nachvollziehbaren, manchmal eben nicht nachvollziehbaren Gründen nicht erreichbar waren, das waren manchmal auch einfach nur einfach nur Geldmangel. Dass man sich bestimmte Lizenzen nicht leisten konnte und die deswegen nicht gedruckt wurden. Manchmal waren es aber auch ideologische Vorbehalte einfach. Und da war die Messe also eine der wichtigen Anlaufstellen, sich mit dem Buchmarkt auf der anderen Seite vertraut zu machen. Und da natürlich auch diese aktuellen Neuerscheinungen Frisch anzueignen. Und man hört von diesen. Westdeutschen Verlagsmenschen, die am Stand waren, auch immer wieder, wie gut die Leserinnen aus der DDR informiert waren. Also die haben natürlich West Radio gehört, haben da die Rezensionen, die Besprechungen gehört und wussten immer ziemlich gut Bescheid. Was erschienen ist und ein wichtiges Mitnahme ein Mitbringsel von der Messe war, war noch immer diese diese Verlagsvorschauen der Verlage. Weil man also auch diese diese kleinen kleingedruckten dünnen Papier Dinger, die einfach dann wie eine Bibel behandelt wurden, weil man dann irgendwie versucht hat, aus diesen Messebeständen noch was zu kaufen oder anderweitig irgendwie ranzukommen, sich das schicken zu lassen aus dem Westen oder wenn die Oma rüberfährt, irgendwas schmuggeln zu lassen. Also das war schon eine, war buchartig von der Wertigkeit her sehr hochwertig.
Helen
Total interessant. Ich weiß gar nicht, ob die jetzt noch so eine große Rolle spielen. Ich habe das Gefühl, dass es hauptsächlich digital mittlerweile diese Verlagsvorschauen.
Patricia
Ja, das hat sich alles ziemlich verlagert und ich das ist einfach so Zeit gegeben, glaube ich, dass diese, diese Art der Broschüren so das Zeitliche segnen und jetzt nicht mehr so dieser gedruckten Form rezipiert werden und gebraucht werden.
Helen
Ja, irgendwie, ich weiß nicht, da gibt es wahrscheinlich unfassbar viele Bereiche, in die man da auch noch abtauchen könnte. Weil ich mich auch gerade gefragt habe, ob eigentlich der Anteil vielleicht auch an ostdeutscher Autorinnen bei der Buchmesse in Leipzig viel höher ist als in Frankfurt, dass also, das weiß ich alles gar nicht. Aber ich weiß auch nicht, dass es jetzt nicht unbedingt wahrscheinlich das gewesen, worauf du dich fokussiert hast. Bei dem bei dem Buch war das eher die Gegenwart behandelt. Aber ja, wahrscheinlich könnte man in ganz viele Rabbitholes da abtauchen.
Patricia
Ja, man kann da diverse Analysen aufmachen. Genau das steht alles noch zur Untersuchung bereit. Und es werden natürlich auch Literatur Podcasts untersucht. Wissenschaftlich, das ist auch alles. Du wirst auch. Du könntest ein Untersuchungsobjekt sein. Oh je.
Helen
Oh, weiß nicht. Ja, aber irgendwie. Also wirklich sehr, sehr spannend. Lohnt sich, glaube ich, da mal reinzuschauen und zu schauen, was du. Was du alles rausgefunden hast. Wie lange hast du daran gearbeitet?
Patricia
Es waren über zehn Jahre.
Helen
Wow. Vor der Aufnahme gesagt, dass das irgendwie ein sehr dankbares Thema ist, das immer wieder dann zur Messe auch aufgegriffen wird. Aber das finde ich dann auch ehrlich gesagt nur gerechtfertigt, wenn du so lang so viel Arbeit da reingesteckt hast, dann darf das auch jetzt noch ein paar Jahre ein aktuelles Thema bleiben. Ja, Wahnsinn. Und das war dann eben deine Forschungsarbeit für den Doktortitel.
Patricia
Genau. Und zwischendrin habe ich natürlich auch ein paar andere Sachen gemacht. Also das hatte dann immer so mit diversen Ablenkungen und anderen schönen Projekten zu tun. Aber das Interessante oder die große Herausforderung an so einer Promotion ist der, dann tatsächlich an der Stange zu bleiben. Und irgendwann war einfach der der Anlauf schon so groß, dass es zu krass gewesen wäre, das wieder hinzuschmeißen. Und es gab einfach immer schon viel zu erzählen. Und das wollte ich dann gerne auch machen.
Helen
Ja, das nennt man doch irgendwie so Sunk cost Bias oder so, wenn man schon so viel investiert hat, dass man es auf gar keinen Fall aufgeben möchte. Aber Wahnsinn. Was hat dich irgendwie am meisten überrascht? Kann man da irgendwas festmachen in zehn Jahren Forschungsarbeit? Also gab es irgendwas, was dich, was du nicht vermutet hättest?
Patricia
Ich glaube, ich habe ganz vieles nicht vermutet, weil ich so wenig darüber wusste. Weil es eben immer nur so dieses Anekdotische war. Und was ich nicht so mir vorgestellt hätte in dem Ausmaß ist, dass das eigentlich irgendwie so auch die ganze Zeit eine Geschichte der Krise ist, die man da erzählt über die Messe, weil das über die Buchmesse war, dass die Messe in der DDR immer abhängig war von der großen Universalmesse. Also das ist nicht wie heute nur eine einzige Branche, die da ihre Produkte ausstellt, sondern das waren zur gleichen Zeit auch Süßwaren und Bekleidung und Kosmetik und Waffen auch. Und auch große Konsumgüter usw. Und da musste sich diese Branche, also auch dieses Verlagswesen, erst mal Gehör verschaffen und Gesicht verschaffen. Und es gab also sehr viele Wirtschaftliche Zwänge auch. Also das Haus war sehr bald zu eng, in dem die Bücher ausgestellt wurden und da dann so ein Standing zu haben und zu sagen, die Bücher sind wichtig, wir brauchen mehr Fläche und dann langen Atem zu haben. Das war zum Beispiel so eine, eine Einsicht. Ja, und auch zu wissen, dass die Wurzeln von Leipzig liest, eigentlich bis in die DDR zurückreichen, das habe ich so vorher auch noch nicht gewusst und erst mit dieser ganzen Beschäftigung damit rausgefunden und noch so diverse andere Dinge mehr. Ja.
Helen
Das ist echt spannend. Und Leipzig liest ist ja glaube ich auch irgendwie so das größte europäische Literaturfestival in einer Stadt oder irgendwie so was. Da habe ich immer geworben, was ja immer parallel zur Leipziger Buchmesse stattfindet.
Patricia
Genau. Und deswegen, ja, das sind jetzt irgendwie so bei also mehrere tausend Veranstaltungen. Und in der DDR gab es auch schon diese Tradition dieser Literaturveranstaltung, Die war total begehrt waren und das waren nur so um die dreißig Stück. Also viel, viel, viel, viel weniger. Und dementsprechend voll ging es da auch zu. Wer alle diese Literaturbegeisterten irgendwie versucht haben, da reinzukommen und ihre Buch Idole zu erleben und lesen zu hören und da gibt es total tolle Geschichten. Auch wie sich das Publikum versucht hat, in das Gohliser Schlösschen, das ja heute noch ein wichtiger Leseort ist, zu drängeln. Und dann wurden die Saaltüren so wie vor einer riesigen Masse verschlossen und diese Toilettenfenster rein und haben versucht, anderweitig noch irgendwie voll interessant.
Helen
Also ich meine, ich glaube ganz viele, die zuhören, waren noch bei keiner Buchmesse. Ich glaube, viele haben das aber so ein bisschen auch auf der Bucket List. Aber es gibt einige, die schon da waren und dann bestimmt, wie ich jetzt auch halt das jetzige Messegelände vor Augen haben. Das war es dann aber nicht immer. Vermutlich, wenn du sagst, das war eher ein zu kleines Haus und sowas.
Patricia
Ja, also das schöne hier in Leipzig ist, wenn wenn man zur Messe oder auch sonst hierher reist, dass diese Innenstadt sehr davon geprägt ist, was die Messe mit der Stadt gemacht hat. Und da gibt es sehr viele schöne alte Messehöfe und ein paar davon stammen aus der DDR. ZEIT Und, aber viele reisen auch viel länger zurück. Und Leipzig war sehr zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg und schon relativ schnell nach Kriegsende haben die sowjetischen Besatzungsmächte aber entschieden Wir müssen hier anknüpfen an diese alte Tradition. Also in Messe in Leipzig wurde die Mustermesse erfunden, also dass man nicht so mit seinem ganzen Krempel auf die Messe reist und versucht, alles loszuwerden, sondern dass man ein Muster, also ein Stück, das als Beispiel steht für die Produkte, die ich habe, auf die Messe reist. Das wurde hier in Leipzig erfunden und also diese Tradition und auch diese Buchstadt Tradition, dass Leipzig so die Drehscheibe für den ganzen Handel ist. Daran wollten die Sowjets anknüpfen und haben dann ziemlich schnell eine Messe wieder auf die Beine gestellt. Und deswegen wurde auch neunzehn hundert sechs und vierzig, wenn die erste Messe, die erste Buchmesse ausgerichtet und das bewegte sich alles hier in der Innenstadt. Es gab diverse Ortswechsel am Anfang und das Besondere ist aber, dass sich eben so diese die Buchbranche und alles, was mit Literatur zu tun hatte, mit Büchern zu tun hatte, relativ schnell auf einen Standort traf und da auch ab den frühen sechziger Jahren so ein dauerhaftes Gebäude zugewiesen bekommen hat. Das ist das Messehaus am Markt, das steht auch immer noch am Markt. Und das war so bis über das Ende der DDR hinaus das Gesicht der Buchmesse und da gab es mehrere Etagen. Also es ist jetzt im Vergleich zu so einer Messehalle doch sehr klein und überschaubar und familiär. War zur damaligen Zeit aber was total Neues. Da gab es dann Neonröhren, also solche Beleuchtungsmittel, die so ganz modern waren und einheitliche Standelemente. Und wenn man sich diese älteren Messefotos von vor diesem Gebäude vor dem Haus am Markt anguckt, dann sind die Stände da auch total urig gestaltet, mit bequemen Sesseln und mit Grünpflanzen und sehr, sehr aus wie ein Wohnzimmer eigentlich. Und in diesem neuen Pressehaus am Markt war dann alles genormt und einheitlich. Also so wie das heute halt auch, wenn man diesen klassischen Messestand bucht. Auch noch ist das eine bestimmte quadratmetergroße Koje gemietet und das hatte dann schon eine ganz andere Sicht.
Helen
Voll spannend auch. Aber ich meine, irgendwie klar, wenn man sich einmal darüber Gedanken macht, irgendwo muss ja auch alles einmal starten. Aber also ich kenne halt nur diese große, auch sehr volle Messe, wo viele Menschen hinkommen, wohl irgendwie in der ganzen Stadt Programm noch dazu passiert. Also wo es einfach riesig ist. Irgendwie habe ich nie darüber nachgedacht, dass sowas eben vielleicht auch im Kleinen irgendwo gestartet ist. Du hattest im Vorfeld geschrieben, dass die Messe sich dieses Jahr aussucht, also die Leipziger Buchmesse sich dieses Jahr aussuchen kann, ob sie fünf und dreißig oder achtzig wird. Ich habe weder noch in der Vorabkommunikation gesehen, also ist vielleicht beides irgendwie nicht das Datum, was gefeiert wird. Aber was hat es damit auf sich?
Patricia
Ja, das habe ich mir auch angeschaut, wie das, Wie und ob diese Messe Jubiläen bei der Kommunikation der Messe angeben, also wie wie die verwendet werden. Dass die achtzig Jahre werden können würde. Das bezieht sich auf dieses Gründungsdatum neunzehn hundert sechs und vierzig und dreißig. Fünf und dreißig jähriges Jubiläum könnte sie immerhin feiern, wenn sie sich auf die Neugründung nach neunzehn hundert, also nach Neunzehn hundert neunzig bis neunzehn hundert ein und neunzig berufen würde. Und mir fällt auf, dass die Messe doch auf Geschichtsbewusstsein aus welchen Gründen auch immer weniger Wert legt als zum Beispiel die Frankfurter Messe, die ja immer, immer, immer, immer gut als Folie dafür heranziehen kann und die auch in dieser ganzen langen Geschichte als mindestens Pendant, wenn nicht sogar Konkurrentin, der immer so mit betrachtet wurde. Und in Frankfurt gibt es für die Messe so eine schöne interaktive Darstellung der Messe Geschichte mit tollen Fotos und mit so einer Historystrecke. Und hier in Leipzig etwas dürftig.
Helen
Voll schade eigentlich, weil das ja total spannend auch zu sehen, wie anders sie sich vielleicht auch entwickelt hat und was so auch eben ja angesprochen hat, dass dadurch auch dieser Buchstandort oder die Buchstadt mitgewachsen ist. Das ist ja zum Beispiel also so nach meinem Gefühl jetzt in Frankfurt nicht vergleichbar. Also in meinem Empfinden. Ist Frankfurt nicht so eine krasse Buchstadt oder zumindest auch nicht, dass das jetzt so über die Grenzen hinaus irgendwie bekannt wäre, über die Stadtgrenzen hinaus. Wie also glaubst du, dass es hauptsächlich durch Leipzig liest, entstanden oder wodurch? Woher kommt das, dass Leipzig die Buchstadt ist?
Patricia
Das ist eine gute und hoch umstrittene Frage. Dieses Buch Stadt Konzept, das kommt eigentlich aus einer Zeit, die wir längst hinter uns haben, Als Leipzig eben. In Leipzig wurde der Kommissionsbuchhandel erfunden, das, was uns heute noch dieses leistungsfähige Über Nacht System beschert. Das uns auf das und um das uns die ganze Welt beneidet. Also dass ich das relativ spät in die Buchhandlung gehen kann und was bestellen kann. Und am nächsten Tag da. Und das wurde in Leipzig erfunden. Und gleichzeitig haben sich hier sehr viele Verlage angesiedelt und sehr viele Druckereien Und mit dem Zweiten Weltkrieg hat es einen ziemlichen Einschnitt erfahren. Und schon in der DDR Zeit war Leipzig nicht mehr diese wichtige Stadt, die einstmals war. Und der nächste große Knick ist dann eben mit der mit dem Mauerfall und mit der Abwicklung der DDR passiert, so dass wir hauptsächlich, wenn wir von Buchstadt reden, gar nicht mehr so viel übrig ist. Und gerade wenn wir die Verlage angucken, ist Frankfurt dann doch die wichtigere Verlagsstadt als Leipzig. Das ist. Und es gab jetzt auch so ein paar traurige Neuigkeiten, dass sogar das Literaturhaus in Leipzig auf der Kippe steht und das dann eben mit diesem Buch Stadt Konzept doch seine Schranken hat und man sehr viel dafür tun muss, dass es am Leben bleibt. Und gerade die Messe ist aber dann das Aushängeschild. Auf jeden Fall die Buchmesse, die hier weit über die Tore Leipzigs hinausstrahlt und die den Bücherfrühling tatsächlich belebt. Das, finde ich, empfinde ich schon so, das ist also hier in der Stadt so ein besonderes Gefühl, das dann über einen schwappt. Wenn man so ein bisschen ein Sensorium fürs Lesen hat, kann man hier total viel erleben, dann in diesen drei, vier Tagen. Und ja, das ist denke ich, gibt der ganzen Branche ziemlich viel Schwung und gibt ziemlich viel Kommunikation über die Inhalte. Und das sind ja so ganz interessante Themen, literarische Themen, aber auch wichtige Sachbuchthemen, die da aufgebracht werden.
Helen
Wie ist das für Menschen, die in Leipzig leben? Kriegt man das unweigerlich mit? Also selbst wenn man gar kein Buchfan ist, man kriegt wahrscheinlich mit, es ist wieder Buchmesse, oder?
Patricia
Ja, also das frage ich mich auch immer, weil ich ja hier so in dieser Bubble unterwegs bin, merke ich natürlich, wenn Buchmesse ist und nicht aber spätestens, wenn man in die Straßenbahn steigt, die einen irgendwie in Richtung Hauptbahnhof bringt oder vom Hauptbahnhof Richtung Messegelände und man da nicht mehr treten oder atmen kann. Dann ist Buchmesse. Und man merkt das aber schon, dass abends sehr viel in der Stadt los ist, viel mehr als sonst. Und es gibt natürlich auch eine große Werbekampagne. Und doch, das kriegt man, denke ich, schon mit. Dann muss man sich schon sehr einigeln, dass gar nicht irgendwie wahrzunehmen, dass jetzt ganz viel steht.
Helen
Ja, ich finde auch irgendwie. Also ich finde generell Leipzig einfach ist so eine schöne Stadt, wo man sich irgendwie einfach gerne aufhält. Aber ich mag generell auch die Atmosphäre während der Buchmesse gar nicht so sehr. Ehrlicherweise immer auf der Buchmesse. Das ist mir oft zu voll. Aber halt, in der Stadt mag ich das total gerne. Ich weiß nicht, das ist jetzt nicht die beste Werbung für die Buchmesse, muss ich gestehen, aber manchmal überfordert es mich, dass da doch viel los ist. Vor allen Dingen halt so, keine Ahnung. Wenn man dann noch mal am Samstag oder so kommt. Aber ich finde, dass so die Atmosphäre in der Stadt total schön ist.
Patricia
Ja, ich finde, die Stadt ist auch die nette Alternative für alle, die das genau den das zu laut ist und zu trubelig und zu warm und wenn man da durch diese Röhren geschoben wird, also da gibt es doch so höre ich den einen oder anderen Besuchen dann Ermüdungserscheinungen. Sagen wir mal, und man kann hier nicht ausreichend gut unterhalten lassen, wenn man sich einfach nur im Schatten bewegt, ohne den fiesen. Naja, es ist dann doch schon ein sehr frischer Eindruck, diese frischen, verlagsfrischen Bücher in den Ständen. Wenn man das, wenn man das wegdrücken kann und nicht so dringend braucht, dann ist man hier gut aufgehoben.
Helen
Vor allem, wenn man sich einfach so ein bisschen treiben lassen kann, schon. Ist schon toll. Jetzt überlege ich gerade Vielleicht erzählst du einmal auch weil wir das glaube ich, am Anfang nicht so sehr mit drin hatten, was du jetzt eigentlich genau machst, weil das jetzt nicht deine Hauptaufgabe zur Leipziger Buchmesse zu forschen, nehme ich an? Was also? Warum sind wir überhaupt in der Unibib von der Uni Leipzig? Was genau machst du da?
Patricia
Ja, diesen Bogen haben wir noch gar nicht geschlagen. Also im weitesten Sinne. Also wir sind hier in der Unibibliothek, weil das einerseits auch mit der Buchstadt Leipzig zu tun hat und die Bibliothek der Universität Leipzig ein entscheidender Teil ist. Aber auch, weil ich hier seit ungefähr drei Jahren arbeite und in letzter Zeit auch die Leitung des Bereichs übernommen hat, der dafür zuständig ist, die Medien, die wir anbieten, für die Lesenden bereitzustellen, entweder zu kaufen oder Open Access zu stellen. Und das Spannende am Bibliotheksdasein ist das, was man sich immer so einfach vorstellt. Die eben auch zu verzeichnen, so dass sie findbar sind, nutzbar sind und dass die sogenannten Metadaten, also die Daten über die Bücher, eine gute Qualität haben. Und das macht es dann eben auch aus, dass man sie gut im Katalog oder über andere Suchinstrumente finden kann. Und das ist sehr spannend für mich. Das ist noch relativ neu und es gibt aber also hier so viele Herausforderungen. Und warum ich auch gerne das angenommen habe, ist, dass sich die Bibliothek von jeher so als doch sehr innovativ wahrgenommen habe, was eigentlich so in ihrem etwas angestaubten Image widerspricht. Oder? Gerade wenn man auch in so einem historischen Gebäude unterwegs ist, hat man doch so das ein oder andere Klischee im Kopf. Aber in der Tat machen Bibliotheken so ganz tolle, innovative Sachen, die man als Otto Normalverbraucher gar nicht so mitkriegt. Dass sich zum Beispiel so digital emanzipieren von bestimmten Bezahldiensten und selber bestimmte Suchsysteme entwickeln. Und solche Sachen sind das. Und ja, und dann haben wir natürlich eine Reihe höchst interessanter Bestände, also neuere, aber auch ältere. Und sich damit auseinanderzusetzen und zu gucken, dass die so gut aufbereitet sind, dass die dann auf eine Breite für ein breites Publikum nutzbar sind. Das war eine schöne Aufgabe, finde ich.
Helen
Ich stelle mir das auch super spannend vor, vor allem, weil das ja eine ganz andere Größenordnung ist als wir jetzt. Also wir hatten schon zweimal, glaube ich, Gespräche zu Bibliotheken, Büchereien im Podcast, aber das waren halt eher kleinere und auch nicht mit Unibezug. Also ich nehme an, dass das ja auch schon noch mal einen Unterschied macht, dass ihr irgendwie Fachliteratur da haben werdet. Aber ich habe mich gerade auch gefragt Ist das generell die Bibliothek auch für die Stadt. Also. So kommt er quasi ganz Leipzig hin. Oder ist das wirklich nur für Studierende? Also wir haben eben schon geklärt, dass man auch so dahin darf, aber so vom Bestand her ist das eher eben das, was für Studierende interessant ist. Oder kann ich da eben auch den neuesten Roman ausleihen?
Patricia
Dafür würde man in die Stadtbibliothek gehen. Also es gibt zusätzlich noch eine Stadtbibliothek und die Uni Bibliothek ist primär dafür zuständig, dass die Forschenden und Lehrenden der Uni Leipzig damit versorgt sind, was sie für ihre Tätigkeiten brauchen. Aber man kann als Gast sich hier genauso gut anmelden. Und die aktuellen Romane hätten wir natürlich schon vor, weil die Studierenden der Germanistik natürlich zum Beispiel sich damit auseinandersetzen müssen. Oder die Studierenden des Literaturinstituts, das hier in Leipzig auch sitzt und die wir auch mit betreuen. Und so kann man da doch schon Diverses finden. Aber es geht schon um eine relativ Fortgeschritten. Es ist ein relativ hohes Niveau an Inhalten und das wissenschaftliche Bücher und Fachdatenbanken, also nicht nur Bücher Bücher sind in Kodexform, sondern auch die neueren Formate, die sich einfach zum Beispiel in Datenbanken widerspiegeln und aggregierten Inhalten.
Helen
Spannend irgendwie. Also ist das läuft das dann auch über? Wie heißen die denn so? Formulare. Also ich kenne das hier von der Stadtbibliothek in Bonn, dass man da halt so Wunschtitel einreichen kann. Läuft das bei euch auch so oder ist das eher, dass dann die Dozenten sagen Hey, da steht nichts nächstes Semester auf dem Lehrplan oder. Also inwiefern unterscheidet sich auch euer Arbeit oder gerade auch dein Arbeitsablauf von eben der Stadtbibliothek?
Patricia
Wahrscheinlich machen wir nicht so was. Wir machen nicht so was schönes, wie als ich letztens in der Stadtbibliothek war, gab es ein Ein Oster Regal und ein Regal mit den prämierten Büchern. Solche tolle Bestandsarbeit oder solche, sagen wir mal so präsentiert Arbeit können wir nicht leisten, aber wir versuchen, die aktuellen Bücher, die für bestimmte Fachbereiche wichtig sind, vorrätig zu haben. Und. Aber zu dem Service gehört das genauso gut, dass man seine Wunschbücher anmelden kann und dann werden die beschafft. Wenn das in unserer Macht steht und das heißt nutzergesteuerte Erwerbung. Und das hat ja alles etwas stark stige Fachbegriffe oder diese. Es gibt auch einen wahnsinnigen Abkürzungsdschungel, aber dass man selber aktiv sagen kann hier, das brauche ich, das fehlt bei euch das total wichtig. Und da geht es eigentlich sehr häufig auch um Schnelligkeit, weil so eine Hausarbeit ja dann gerne mal also da eilt es eigentlich immer und und lieber gestern als heute und da Müssen wir uns beeilen, dass wir das Ding schnell besorgen können.
Helen
Weil sich das hat. So genau wie bei Buchhändlerinnen oder so, man stellt sich das ja einfach, also so permanent sehr magisch vor, so dass du halt die ganze Zeit von Büchern umgeben bist und dich nur mit Büchern beschäftigst und so und da wird bestimmt auch was Wahres dran sein. Aber es wird wahrscheinlich auch viel. Irgendwie halt. Ich weiß nicht so administratives irgendwie sein, was auch nicht nur magisch ist.
Patricia
Sehr viel total. Also das ist ja, wir müssen für mehr Magie in unserem Arbeitsalltag sorgen, finde ich. Ja, das ist ganz wichtig. Also es gibt einige Kollegen, die den ganzen Tag keine Bücher in die Hand nehmen und einfach am Rechner arbeiten. Und das gehört aber auch dazu. Wenn man in der IT arbeitet, muss man auch gar keine Bücher in die Hand nehmen. Aber eigentlich werden die Kolleginnen, die noch Bücher aus dem Magazin holen, zum Beispiel und die mit den alten Beständen arbeiten können. Die empfinde ich schon als sehr privilegiert und. Das ist aber wahrscheinlich so ein Blick. Mein Blick ist noch relativ frisch jetzt auf das Ganze und wahrscheinlich treten auch da gewisse Ermüdungserscheinungen auf, wenn man immer wieder räumt.
Helen
Staub ist halt auch ein schöner Arbeitsort. Du hattest ja auch gesagt, Funk hat das gerade erst frisch zur schönsten Unibib Deutschlands gekürt. Warum? Weil man da also so was. Was sind. Ich weiß gar nicht. Was soll ich mir darunter vorstellen? Kann ich dann wirklich halt. Wieso? Keine Ahnung. So Hogwarts mäßig an Tischen sitzen und bin von Büchern umgeben, oder was macht das aus? Die Schönheit der Unibib.
Patricia
Ich glaube, das war einfach relativ plakativ gemeint und man konnte dafür abstimmen. Also das hat nicht einfach so bestimmt, sondern es war so eine Art demokratischer Prozess dahinter. Und die Mehrheit der Leute, die abgestimmt haben, haben sich dann für Leipzig entschieden. Aber genau das kannst du hier. Also man kann sich hier schön ruhige Ecken suchen und sich zwischen die Bücher verkrümeln und man kann auch sehr putzige Lesemöbel nutzen. Und man kann aber auch so die große Bühne suchen und sehen und gesehen werden. In der Bibliothek ist auch immer noch wichtig, in bestimmten Fachbereichen mehr als in anderen. Und das sage ich jetzt. Aber natürlich nenne ich keine Namen und es ist aber ja das also so, dass die Hülle ist das eine, Das sieht alles ganz, sehr, sehr, sehr schön und ästhetisch aus, aber so, dass es gut funktioniert, dass es schnell funktioniert, dass die Geräte nicht kaputt sind usw das ist so das andere, dass der Service stimmt und dass man zum Beispiel möglichst gute Öffnungszeiten anbieten kann. Oder gerade hat man jetzt die Prüfungsphase, da ist es immer furchtbar voll und da noch Ausweichmöglichkeiten anzubieten und wir gehen auch etwas unkonventionellere Wege und öffnen also versuchen zu kooperieren mit ganz anderen Institutionen, die dann Plätze bereitstellen und sich von Studierenden da auch fluten lassen, damit wir das ein bisschen auffangen können, wenn die Scharen einen Ort zum Lernen und Schreiben brauchen und so.
Helen
Also könnte man vielleicht einfach sagen die beste Unibibliothek. Das Gesamtpaket stimmt bei euch.
Patricia
Stimmt ja. Aber es gibt natürlich auch ganz viele andere bezaubernde UnibiBliotheken und auch nicht minder schöne und nicht minder engagierte. Aber wir sind natürlich sehr stolz auf dieses Label.
Helen
Ja, voll cool. Ich habe gerade überlegt, ein witziger Übergang zu dem anderen Thema, worüber wir noch sprechen wollten, wäre vielleicht auch die Frage. Aber ich weiß gar nicht, ob man sowas eigentlich nachhält, obwohl ich glaube, dass wir das in dem letzten Bibliotheksgespräch hatten, das man ja irgendwie auch ersehen kann, welche Titel nicht ausgeliehen werden. So was in der Form wird es ja wahrscheinlich geben. Und du hast zu ungelesenen Büchern geforscht. Deswegen dachte ich gerade, wahrscheinlich gibt es auch in der Unibib doch relativ viele ungelesene Bücher oder zumindest über einen längeren Zeitraum nicht mehr gelesene Bücher. Wie kamst du da drauf, dazu zu forschen? Und wie sah das überhaupt aus? Also was hast du da erforscht?
Patricia
Ja, dieses Thema trifft mich jetzt hier von der ganz anderen Seite wieder. Jetzt heißt es hier Aussonderung und man muss sich damit auseinandersetzen, was aus welchen Gründen gehen kann und den Bestand unnötig aufbläht und das Magazin vollstellt. Aber so ähnlich in kleinerer Form ist das ja dann auch bei jeder zu Hause. Eigentlich habe ich damit angefangen als Betroffene.
Helen
Und da werden sehr viele hier mit fühlen können, die zuhören.
Patricia
Ja, also das hat mich einfach in dieser Lebensphase. Damals, als ich mein Studium beendet habe, hat mich das Thema ziemlich umgetrieben mit den ungelesenen Büchern. Und auch da habe ich gedacht, das müsste man doch irgendwie so ein bisschen wissenschaftlich erfassen können und habe dann erst so eine kleine Analyse gemacht, dass der Buchmarkt selber ja bestimmte Prädispositionen oder bestimmte Eigenschaften hat, die das Nichtlesen fördern. Zum Beispiel sind Geschenkbücher so ein Genre, dass häufig das Pech hat, nicht besonders tiefgehend oder überhaupt gelesen zu werden. Und für den Buchhandel zählt natürlich, dass jedes verkaufte Buch und ob das rezipiert wird und angeguckt wird, ist vollkommen sekundär. Und dann habe ich die Lesenden selber auch besucht zu Hause und habe die interviewt und habe so bestimmte Typen gebildet, weil letztlich stellte sich heraus, dass viele Leute auch für die Anführungszeichen Hygiene in ihrem Regal gut sorgen und dass es Leute gibt, die gut wegwerfen können. Und jetzt, im Nachhinein betrachtet, glaube ich, dass das auch eine eine Altersentwicklung ist, dass man am Anfang oder so als junge Person gerne noch dabei ist, seine Bibliothek wachsen zu sehen und nach bestimmten Kriterien zu pflegen und zu erweitern. Und irgendwann kommt man dabei einfach an räumliche Grenzen. Und aus mehr oder weniger pragmatischen Gründen muss man sich von dem einen oder anderen trennen. Und man gibt Leute, die erben dann irgendwie furchtbar viel und auch das kann man nicht alles übernehmen. Wir kriegen als Bibliothek viele Schenkungen, die können wir auch nicht alle übernehmen. Und so gibt es da dann doch einige Parallelen. Und das war einfach ein total schönes Thema, weil ich die Leute zu Hause besuchen konnte, mit denen über ihren Buchbesitz plaudern konnte und in manchen Seelenverwandte gefunden habe und an manchen sehr brutale Banausen, die knallhart ihre Bücher aussortieren und aber zu vollkommen zu Recht.
Helen
Ich glaube, da werden wir vielleicht auch keine Freunde, weil ich sortiere auch immer aus. Also ich sortiere alles aus, was ich gelesen habe. Da fällt es mir irgendwie relativ leicht, aber ich muss mittlerweile, also habe ich das Gefühl, dass ich muss. Ich muss natürlich nichts, aber ich sortiere mittlerweile auch sehr regelmäßig die Sachen aus, die ich nicht gelesen habe, weil ich so viel zugeschickt bekomme und mich das tatsächlich stresst. Also so natürlich. So, du siehst mich jetzt hier ja auch mit meinem Bücherregal im Hintergrund. Ich finde das auch irgendwie schön, aber irgendwie sind da auch diese räumlichen Grenzen und ich finde es oft auch eher so ein Gefühl von Druck. So von wegen ich habe da so viel nicht gelesen. Ich sollte mal irgendwie wieder schneller lesen, mehr lesen, was auch immer. Deswegen ich finde es nicht immer nur die reinste Freude und dann sortiere ich wieder aus. Einfach damit sich es lichtet und ich nicht ganz so ein schlechtes Gewissen habe.
Patricia
Ja, dann ist der Ballast weg. Das ist vollkommen legitim. Ja, das ist total in Ordnung.
Helen
Voll in Ordnung. Okay. Aber das finde ich irgendwie ein lustiges Thema. Und irgendwie finde ich das auch. Das fand ich bei dem, was du auch so auf deiner Webseite teils halb so cool, wie man sich im Grunde von einer anderen Perspektive dem ganzen Thema nähern kann. Weil ich jetzt auch noch nie so darüber nachgedacht habe, dass man zu den Themen so forschen könnte oder so. Für dich ist das wahrscheinlich irgendwie halt normal, weil du das machst, aber keine Ahnung. Also ich finde es irgendwie total spannend, immer wieder zu erfahren, was man rund um das Buch alles machen, erleben, tun kann. Worüber ich halt einfach noch nie nachgedacht habe. Und das kann man ja sogar auch alles im Grunde, über das wir gesprochen haben, kann man ja auch nachlesen. Also du hast dazu ja auch Texte und Bücher veröffentlicht. Für alle, die sich da näher für interessieren. Hast du jetzt gerade ein neues Thema am Horizont, wo du denkst, da kribbelt es mir in den Fingern oder bist du vielleicht sogar schon dran?
Patricia
Da gibt es einige. Also Zwei nenne ich mal so als kleinen kleinen Ausschnitt. Also was mich hier in der Unibibliothek sehr umtreibt gerade ist eine Schenkung, die wir bekommen haben, die ganz toll ist. Das hat auch eigentlich mit der mit dem Erbe der Buchstadt Leipzig zu tun. Es gab hier einen Verleger, der hieß Bernhard Tauchnitz, und der hat von Leipzig aus englischsprachige Bücher für Kontinentaleuropa verlegt, also die Autorinnen in Originalversion. Und das war total das Erfolgsmodell. Er hat das in Taschenbuchform gemacht, also erschwinglich und günstig, und gilt auch als einer der Wegbereiter des Taschenbuchs und hat natürlich auch gleichzeitig so viel für die deutsch englischen Beziehungen getan. Und es gibt in Großbritannien einen verrückten Sammler. Also eigentlich sind ja alle Bibliophilen mehr oder weniger von allen guten Geistern verlassen, aber der hat wirklich wahnsinnig viele. Er hat mehrere tausend Bände von dieser Bibliothek zusammengetragen. Die Edition, das ist die Collection of British American Authors. Und die hatte der Unibibliothek Leipzig geschenkt und die fleißigen Kollegen erschließen das gerade. Und wir wollen das zugänglich machen. Und das finde ich ein spannendes Projekt, das wir gerade am Wachsen ist. Und das andere, Das hat weniger mit Büchern zu tun, aber indirekt schon ist, dass wir ja schon eine Nationalbibliothek haben, in der man alles druckt und Musikalien findet. Aber wir haben das nicht für Rundfunksendungen. Und wir haben ein tolles Pilotprojekt gestartet, in dem das ZDF seine Archivdaten zur Verfügung gestellt hat. Und die Uni Leipzig. Die Bibliothek der Uni Leipzig hat eine Rechercheplattform aufgesetzt, wo das von außen für Forschende durchsuchbar ist dieses Archiv. Und das finde ich eine sehr wichtige Entwicklung. Dass im Moment also noch für den Forschungskontext und wir wollen das gerne erweitern und größer machen. Und. Nicht nur für spezielle, für spezielle Forschende aus der Kommunikations und Medienwissenschaft bereitstellen, sondern die Größe auch. Und das wäre also, finde ich, politisch ein wichtiges Ziel den öffentlich rechtlichen Rundfunk und seine Sendungen. Beziehungsweise noch nicht mal die Sendung. Es geht da nur um die Metadaten, also nur diese Verzeichnung der Sendungen in Anführungszeichen. Nur. Was aber für ganz viele Forschung wichtig ist. Da könnte ich zum Beispiel auch nachgucken, welche Themen Literatursendungen bespielt haben und könnte da auch zum Beispiel nachverfolgen, wie sich bestimmte Trends entwickeln. Also jetzt mal mit unserer Buchbrille draufgeschaut und so können das ganz viele andere Fächer auch und das finde ich ein sehr wichtiges Engagement und das kostet ein bisschen Geduld und Nerven noch. Aber ich möchte gerne noch viel Geduld und Nerven reinstecken.
Helen
Richtig cool. Irgendwie. Ja. Einfach immer spannend, was man wann es dann doch auch noch für Lücken gibt. Man hat das Gefühl, es gibt schon so viel an Wissen und Wissenszugang, aber wo es dann doch eben auch noch auch gravierende Lücken gibt. Es ist verrückt, aber das ist echt cool. Also ich finde es irgendwie auch so inspirierend, was man alles erforschen könnte. Wir haben in der. Jetzt überlege ich gerade, wenn die Folge rauskommt, ist es vielleicht die letzte Folge gewesen. Haben wir oder ich habe da mit Anke Vogel von der Uni Mainz gesprochen. Mit Buchwissenschaft. Und sie hatte mit ihren Studierenden zu Bücherschränken und welche Bücher da liegen bleiben und so geforscht. Und ich denke so, das ist irgendwie total cool. Ich habe auch richtig Lust auf sowas. Ich weiß nur gar nicht, wo ich anfangen würde. Aber irgendwie ist es echt einfach richtig spannend zu erfahren und ich finde es total toll, dass ihr das gemacht habt und dass ihr da andere auch dran teilhaben lasst. Was ich mich jetzt eben noch gefragt habe ist Einerseits wirst du selber bei der Buchmesse jetzt dabei sein, Also von der. Vom Aufnahmetermin aus ist es nächste Woche, wenn die Folge online geht, ist es jetzt.
Patricia
Ja, ich werde auf jeden Fall dabei sein. Also das lasse ich mir nicht entgehen. Die Settings sind noch nicht so bis ins Detail geklärt, an welchen Veranstaltungen ich teilnehme und was ich mitnehme, Aber auf jeden Fall. Also ob ich auf die Messe gehe, weiß ich auch noch nicht genau, also ob ich selber aufs Messegelände fahre. Aber das ein oder andere werde ich an Veranstaltungen auf jeden Fall mitnehmen. Und meine alten Buchwissenschaft mit Kommilitoninnen, die kommen dann auch immer zu dieser Gelegenheit in die Stadt. Und das ist immer auch ein guter Anlass, sich wieder voll.
Helen
Aber die Unibib hat dann nicht irgendwie einen Stand oder sowas bei der Buchmesse.
Patricia
Wir sind aber Austragungsort. Also einer der Veranstaltungsorte von Leipzig liest und letztes Jahr hatten wir, glaube ich nur eine Nobelpreisträgerin bei uns. Ich komme gerade nicht mehr drauf, aber wir haben auch dieses Jahr wieder tolle Gäste. Also hier ist einfach viel Platz in den Lesesälen und deswegen werden hochkarätige Veranstaltungen gerne hier in die Albertina eingebracht. Und wir sind also einer dieser vielfältigen bunten Leseorte, die die Stadt so anzubieten hat.
Helen
Das ist ja cool. Okay, also dann können wir ja auf jeden Fall mal das Leipzig Leseprogramm teilen. Vielleicht kann man da schon irgendwie filtern danach. Ich weiß nicht, ob sich das verlinken lässt, aber sonst einfach selber filtern und nach dem Veranstaltungsort suchen. Und hast du das Gefühl, dass du jetzt soweit abgeschlossen hast mit dem Thema Leipziger Buchmesse oder glaubst du, da wird es auch noch mal irgendwie mehr geben für dich?
Patricia
Ich habe das noch nicht in dem Sinne abgeschlossen, als ich immer noch meine Beobachtungs Fühler ausstrecken. Und wenn ich so die Pressekonferenzen verfolge oder die Zahlen die vermeldet werden oder die Entwicklungen, die die Buchmesse Direktorin oder der Direktor in Frankfurt verkündet, da habe ich, da bringe ich das, glaube ich, in einen längeren Kontext und sehe das so a la longue, finde da vielleicht den einen oder anderen Aha Effekt, so dass ich da immer noch in Beobachtungsmission unterwegs bin. Und an sich ist dieses Buchmesse Thema so für dieses Buch, das ich geschrieben habe, abgeschlossen. Aber es gibt ganz viele lose Enden noch wo man weitermachen könnte. Aber ob ich das denn nun sein muss oder ob das bestimmte einzelne Fächer seien, also Forschende aus anderen Disziplinen. Zum Beispiel gibt es Leute, die sich mit der Geschichte von Polen und der DDR beschäftigen. Und wenn die sich die Messepräsenz oder sagen wir mal, die kulturellen Beziehungen beider Länder angucken. Und dann ist so eine Messepräsenz auch immer sehr interessant, sich anzugucken, ob und bis wann das Land da war, was sie ausgestellt haben, was da für Projekte daraus entstanden sind. Ja, das überlasse ich dann gerne anderen, sich damit noch weiter auseinanderzusetzen.
Helen
Ja, wenn man jetzt mehr über Dich, deine Bücher und alles, was wir so gesprochen haben, erfahren möchte, wo schaut man da am besten vorbei? Wo findet man dich auch online?
Patricia
Ich habe eine kleine Webseite, mein Vorname ist mein Nachname und da versuche ich die neuesten Projekte immer abzubilden.
Helen
Perfekt. Dann verlinken wir das auf jeden Fall nochmal. Also Patricia Blume Weil ich glaube, den Namen haben wir auch noch nicht in ganzer Länge gesagt. Ja, genau. Aber ich. Also ich fand es ein super spannendes Rundum Paket. Ganz viele Themen, von denen ich auch vorher gar nicht wusste, dass wir sie ansprechen werden, bevor ich dich angefragt habe. Ich fand irgendwie dieses dieser Buchtitel klang total interessant und etwas, worüber wir noch. Wir haben noch gar nicht so sehr über die Leipziger Buchmesse hier gesprochen, nur einmal über Leipzig im Rahmen der Buchmesse. Deswegen vielen, vielen Dank für diesen Überblick, für die Einblicke in Deine Arbeit und alles, was du so herausgefunden hast. Ich würde sagen, wir trinken die Club Mate zu Ende und schauen uns vielleicht die Unibib bei der Gelegenheit noch mal ein bisschen an.
Patricia
Super, gerne.
Helen
Danke dir.
Patricia
Danke schön.




