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Podcast · Folge 130
Cool Downs und Glitzer-Begegnungen – sechs Jahre an der Spitze der Buchbranche
Karin Schmidt-Friderichs war sechs Jahre lang ehrenamtliche Vorsteherin des Börsenvereins. Zwei Tage vor Ende ihrer Amtszeit erzählt sie, was das Amt wirklich bedeutet – und was sie danach vorhat
Die Aufnahme entsteht kurz vor der Frankfurter Buchmesse, die Folge erscheint zwei Tage bevor ihre Amtszeit endet. Karin Schmidt-Friderichs sitzt im Homeoffice vor der Wand, vor der sie immer sitzt, und hat einen alkoholfreien Cocktail mitgebracht: viel Ingwer, viel Zitrone, ein bisschen Glitzer. Sechs Jahre Börsenverein liegen hinter ihr – und ein Flug nach Island vor ihr, der am Tag des Amtsendes startet.
Karin Schmidt-Friderichs
Verlegerin des Verlags Hermann Schmidt, Mainz · Vorsteherin des Börsenvereins 2019–2025
Sie führt gemeinsam mit ihrem Mann Bertram den Verlag Hermann Schmidt, der sich vor allem an Kreative aus dem Grafikdesign richtet. Im Oktober 2019 wurde sie zur Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gewählt, 2022 für eine zweite Amtszeit bestätigt. Am 25. Oktober 2025 endete ihre Zeit im Amt. Sie ist erst die dritte Frau in dieser Rolle.
Was eine Vorsteherin eigentlich tut
Diese Frage war der Auslöser für die Folge – auch Helen konnte sich das Amt nur ungefähr vorstellen. Die Antwort fällt konkret aus: Vorsteherin heißt Vorstandsvorsitzende. Der Börsenverein ist ein Verband der Unternehmen mit rund 4.000 Mitgliedern – Buchhandlungen, Verlage und Logistiker, analog wie digital. Die Mitglieder wählen einen Vorstand, der Vorstand hat einen Vorsitz, und dieser Vorsitz spricht nach außen für die Branche und moderiert nach innen.
Der Vorstand tagt regulär vier- bis fünfmal im Jahr, halbe, ganze, anderthalbe Tage. In Ausnahmezeiten deutlich öfter: 2020 kam Corona, und niemand wusste, wie es weitergeht. Dazu kommen der Länderrat, weil der Verband föderal aufgebaut ist, und der Aufsichtsrat der Wirtschaftstöchter – der Frankfurter Buchmesse und der MVB, die das Verzeichnis lieferbarer Bücher betreibt. »Eine von uns Datenbank, um die uns die Welt beneidet.«
Dann der Teil, der sich nicht planen lässt: Wenn in der Bücherwelt etwas passiert, wird eine Reaktion erwartet. Auch freitagabends. »Da kann man nicht sagen: ja, nee, Freitagabend, ich bin gerade bei einer Veranstaltung.« Und schließlich die Fixsterne: die Messen in Frankfurt und Leipzig, die Verleihung des Friedenspreises in der Paulskirche, der Deutsche Buchpreis, der Sachbuchpreis. Zur Buchmesse fährt sie mit rund zwölf Grußworten und Reden im Gepäck.
Der Vorstand des Börsenvereins arbeitet ehrenamtlich. Es gibt eine Aufwandsentschädigung und eine BahnCard 50 – mehr nicht. »Das Entgelt in Stunden umzurechnen würde in tiefe Depressionen führen, also mache ich das nicht«, sagt Karin Schmidt-Friderichs. Manche ihrer Vorgänger*innen haben die Entschädigung gar nicht angenommen. Sie nimmt sie an – mit dem kleinen Verlag geht es anders nicht.
Ein Hauptamt und ein Ehrenamt, beide mit Ehrgeiz
Wie das zusammengeht? Nicht ganz so, wie geplant. Ihr Mann hatte im Wahlkampf zugesagt, das Organisatorische zu übernehmen – auch, weil ein Sieg damals unwahrscheinlich schien. »Das ist nicht hundert Prozent aufgegangen«, sagt sie, »um das mal sehr vorsichtig zu sagen.« Seit sechs Jahren beginnt ihr Arbeitstag kurz nach fünf.
Dazu gehört aber auch das Gegenteil: eine Stunde in den Wald, möglichst täglich. »Wenn ich nur noch arbeite, dann kommt dabei nichts mehr raus. Zumindest nichts, was vernünftig ist.« Früher war es Joggen, seit Corona geht das nicht mehr – »ein Preis, den ich für diese Überlastung zahle«. Jetzt walkt sie, sehr flott. Und stellt fest, dass sie meist mit Ideen zurückkommt, was verrät, dass der Kopf eben doch weitergearbeitet hat.
Und das andere, was hilft, überrascht in diesem Podcast niemanden: Lesen. Richtig abtauchen. »Ich komme da manchmal nicht sofort rein, weil dann die Mühle noch dreht. Aber wenn mich das Buch hat, dann ist es eine sehr gute Therapie.«
Reden halten lernt man
Bei den wichtigsten Reden stimmt sie sich im Ping-Pong mit dem hauptamtlichen Team ab – mal schreibt sie durchgehend selbst, mal nur den roten Faden und lässt Zahlen und Fakten ergänzen. Sie beschreibt das als Tanzen: Mal tritt man sich auf die Füße, mal fliegt der Ball einfach hin und her.
Am persönlichsten ist die Rede zum Jahresauftakt bei der Tagung der Interessengemeinschaft Belletristik und Sachbuch in München – für sie der Neujahrsempfang der Branche. Die überlegt sie sich über Weihnachten, unter welches Motto sie das Jahr stellen will. Beim Friedenspreis dagegen, live im Fernsehen, ist sie froh, wenn mehrere Augen drüberlesen. Lampenfieber hat sie da bis heute.
Ihre erste Buchmesse war die digitale von 2020: ein menschenleeres Hotel, ein Interview nach dem anderen. Damals hat sie gelernt, dass sie bei Lampenfieber besser keinen Kaffee trinkt. Auf eine Bemerkung zum 200-jährigen Jubiläum – sie sei sehr im Amt gewachsen – reagiert sie mit großer Gelassenheit: »Ich werde jetzt diesen Herbst 65, war 58, als ich das Amt angetreten habe. Wie cool, wenn man mit 58 noch mal wachsen darf.«
Der Moment, den sie ihren Enkeln erzählen wird
Nach den Momenten gefragt, die bleiben, nennt sie die Verleihung des Friedenspreises an Salman Rushdie – ein Jahr nach dem Messerangriff auf ihn. Sie hatte gar nicht damit gerechnet, ihm nahezukommen: »Der ist nun wirklich weltweit berühmt, was soll der mit mir?«
Dann kam eine Situation, in der er und seine Frau aus Sicherheitsgründen für ein kurzes Stück getrennt fahren mussten – und er wollte sich nicht von ihr trennen. Sinngemäß, erinnert sie sich, sagte er zu ihr: Ich vertraue dir das Wertvollste an, was ich habe. Pass auf sie auf. Es waren wenige Minuten Autofahrt. »Was hätte ich tun können«, sagt sie – und beschreibt trotzdem, wie sie die Frau danach wieder abgeliefert und die Tür geöffnet hat: hier ist sie, wohlbehalten. »Für diese wenigen Sekunden gehörte ich zur Familie.«
Davon gibt es viele, sagt sie, und daher kommt der Folgentitel: »Es sind wie so Fetzen, immer ganz kurze Begegnungen – aber wie so Glitzer. Es sind einfach helle Momente.« Die Protokolle und To-dos stehen in inzwischen dreizehn kleinen Kladden. Die schönen Momente schreibt man nie auf. Genau die will sie in Island memorieren.
Warum man so ein Amt überhaupt macht
Ihre Antwort ist ungewohnt klar: Sie habe Stärken kennengelernt und leben dürfen, die sie in der Struktur eines kleinen inhabergeführten Verlags nie hätte leben können. Vor allem eine – große Interessengegensätze moderierend verhandeln. Gruppen mit von Natur aus auseinanderlaufenden Interessen dazu zu bringen, sich auf etwas zu einigen, das sich nicht nach faulem Kompromiss anfühlt.
Seitdem denkt sie anders über Führung, auch mit Blick auf die Politik: Dass gestritten wird, findet sie richtig. Dass dabei mit Schlamm geworfen wird, nicht. Im Börsenverein habe sie erlebt, dass man Entscheidungen aushandeln kann, hinter denen danach alle stehen – ohne dass jemand hinterher ausschert. »Es ist eine Art Zusatzausbildung. Aber es ist auch eine Art Operation am offenen Herzen, weil man nicht im Hörsaal sitzt und es lernt, sondern es erlebt, während man es lernt.«
Ihr Fazit fasst beides zusammen: »Wer das so sehen kann, dem kann ich es nur dringend empfehlen. Das ist das schönste Ehrenamt der Welt. Wer das so nicht sehen mag, den würde ich auch ein bisschen davor warnen, sich das ans Bein zu binden.«
Frauen an der Spitze – und die Sache mit der Sichtbarkeit
Karin Schmidt-Friderichs ist erst die dritte Frau in diesem Amt. Die erste war Dorothee Hess-Maier, die ihr einmal schrieb: Ich hatte die Wiedervereinigung und Sie haben Corona. Sie wissen ja, die wirklichen Krisen geben sie uns Frauen. »Ich dachte: okay, das stimmt, dann werde ich das jetzt auch noch schaffen.«
Über Sichtbarkeit denkt sie ähnlich pragmatisch. Frauen müssten wohl mehr erreichen, bis sie wahrgenommen werden – und auf die Idee, jemanden anzustupsen, damit man geehrt wird, käme sie selbst nie. Auch beim Börsenverein entscheidet ein Ehrungsausschuss, wer geehrt wird, aber vorgeschlagen werden Menschen eben von anderen. »Vielleicht sind wir Frauen da auch immer noch zu vornehm.« Beim Zukunftsparlament hatte sie sich ausdrücklich noch eine weibliche Kandidatin für ihre Nachfolge gewünscht.
Was sie am Ehren selbst schätzt: Sie erarbeitet sich die Menschen vorher – auf ihren Spaziergängen – wie einen Charakter in einem Buch. Was hat die bewegt, wovor hatte sie Angst? Einmal ehrte sie einen blinden Mann, der sich um Blindenschrift und den Zugang zu Inhalten verdient gemacht hatte, und merkte erst in der Sekunde, dass sie nicht wusste, wie man jemanden nach vorn bittet, der einen nicht sehen kann. Sie hat ihn klar angeschaut, damit er die Stimme orten konnte.
Was jetzt kommt: Island und ein Studium
Der Flug nach Island startet am 25. Oktober, dem Tag, an dem die Amtszeit endet – ein Traum, den sie seit über zwanzig Jahren hat und der bis dahin nur in Kalendern und Bildbänden vorkam. Ausgelöst hat die Buchung eine Polarjacke, an der sie bei Affenhitze in Frankfurt vorbeilief. Sie nennt es ganz bewusst ihr Cool Down: ein psychologischer Trick, um das weinende Auge mit guten Bildern zu füllen.
Als sie dann die Jahresübersicht in ihrem Papierkalender anlegte – ohne die Börsenvereinstermine –, war die Seite leer. »Boah, so sieht Freiheit aus«, dachte sie, und gleich darauf kam das Gegengefühl. Am Tag vor der Aufnahme hat sie sich dann eingeschrieben: ab Februar ein achtmonatiges Aufbaustudium Stiftungsmanagement an der EBS. »Ich werde vermutlich die mit Abstand älteste Studierende sein.« Eine Dozentin hatte ihr am Abend zuvor erzählt, es sei verdammt schwer. Abgemeldet hat sie sich trotzdem nicht.
Das Ziel dahinter ist konkret: im Vorstand einer Stiftung mitarbeiten, deren Zweck ihr am Herzen liegt – an der Schnittstelle von Bildung und Stiftungsarbeit. »Weil mir die Demokratiesicherung durch Bildung, durch Wertebildung und auch durch Medienkompetenz nur sicherbar erscheint. Es ist eine Leihgabe und kein Geschenk, dass wir in der Demokratie leben.« Und der Kalender? War kurz darauf wieder voll.
Die ganze Folge hören
Häufige Fragen
Was macht die Vorsteherin des Börsenvereins?
Vorsteherin heißt Vorstandsvorsitzende. Sie führt den Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, spricht nach außen für die Branche und moderiert nach innen. Dazu kommen Gremien wie Länderrat, Aufsichtsrat der Wirtschaftstöchter und Ehrungsausschuss, Pressekonferenzen zu den Buchmessen und Reden bei Friedenspreis, Deutschem Buchpreis und Sachbuchpreis.
Ist das Amt bezahlt?
Nein, es ist ein Ehrenamt. Vorstandsmitglieder erhalten eine Aufwandsentschädigung, dazu kommt eine BahnCard für die Fahrten. Eine Assistenz oder Ähnliches lässt sich davon nicht finanzieren. Manche frühere Amtsträger*innen haben die Entschädigung gar nicht erst angenommen.
Wie lange dauert eine Amtszeit?
Drei Jahre; laut Satzung ist eine einmalige Wiederwahl möglich. Karin Schmidt-Friderichs wurde im Juni 2019 gewählt, trat das Amt im Oktober 2019 an, wurde 2022 bestätigt und schied am 25. Oktober 2025 aus. Ihr Nachfolger als Vorsteher ist Sebastian Guggolz.
Wie viele Frauen hatten das Amt bisher?
Karin Schmidt-Friderichs ist die dritte. Die erste war Dorothee Hess-Maier. In der Folge wünscht sie sich ausdrücklich, dass bald eine weitere Frau folgt.
Was ist der Verlag Hermann Schmidt?
Ein kleiner Verlag in Mainz mit klarer Zielgruppe: Kreative, vor allem aus dem Grafikdesign. Karin Schmidt-Friderichs führt ihn gemeinsam mit ihrem Mann Bertram Schmidt-Friderichs.
Die ganze Folge zum Nachlesen
Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.
Helen
Bist du eigentlich schon Teil der Community von Mädels, die lesen bei Instagram? Nein? Dann sollten wir das schnell ändern. Lies gemeinsam mit uns Bücher, beleuchtet diese während einer Leserunde aus allen möglichen Perspektiven und tauscht dich mit uns darüber aus. Bei uns steht der Spaß am Lesen im Vordergrund. Es soll sich weder nach Schulunterricht noch nach angestautem Literaturzirkel anfühlen. Du findest uns bei Instagram unter dem Account Mädels, die lesen. Alles zusammengeschrieben. Oder über den Link in der Folgenbeschreibung.
Karin Schmidt-Friderichs
Das sind wie so Fetzen, immer ganz, ganz, ganz kurze Begegnungen, weil das jagt sich immer so, dass man nie zu einem ernsthaften, intensiven Gespräch kommt. Aber wie so, ja, wie so Glitzer.
Helen
Hi, ich bin Helen, Tagträumerin, Frohnatur und überzeugt davon, dass ein gutes Buch alles verändern kann. Kurz vor meinem 30. Geburtstag hatte ich ein Burnout und während meiner Gedanken rasten, wollte mein Körper nur noch Ruhe. Geholfen haben mir damals Bücher, denn mit den Geschichten, die ich gelesen habe, konnte ich in andere Welten abtauchen und mich gleichzeitig ausruhen. Ich würde also sagen, Lesen hat mir aus einem Burnout geholfen. Inzwischen sind Bücher aber auch einfach mein Mittel der Wahl, um zu entspannen, meinen Horizont zu erweitern und mich mit angenehmen wie unangenehme Gefühlen auseinanderzusetzen. Hashtag reading is my therapy. Weil ich meine Gedanken aber nicht nur mit mir teilen, sondern auch mit anderen über die gelesenen Bücher sprechen wollte, habe ich die Community Mädels, die lesen gegründet, wo wir uns seit demtäglich über Gelesenes und unsere Gefühle dazu austauschen. Dieser Podcast geht quasi noch einen Schritt weiter. Auch über die Bücher, die wir gemeinsam lesen, hinaus möchte ich herausfinden, welche Rolle Bücher und Lesen im eigenen Leben spielen können. Dazu lade ich Mädels aus der Community und andere spannende Gäste ein oder teile meine eigenen Gedanken zu Themen wie Self-Care und Persönlichkeitsentwicklung. Also herzlich willkommen beim Podcast von Mädels, die lesen. Herzlich willkommen Karin Schmidt-Friderichs. Ich freue mich sehr heute mit Ihnen über Ihre Aufgaben als Vorsteherin des Börsenvereins zu sprechen und vor allen Dingen auch so ein bisschen darüber, was jetzt nach Ihrer Amtszeit so für Sie ansteht. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an Sie. Wo sind wir gerade und welches Getränk haben Sie uns mitgebracht?
Karin Schmidt-Friderichs
Ich sitze ganz unkreativ im Homeoffice, genau vor der Wand, bevor ich immer sitze, wenn ich Videokonferenzen oder Aufnahmen habe. Dafür habe ich einen extravaganten, alkoholfreien Cocktail, so ein bisschen Glitzer mitgebracht, wie viel Ingwer und viel Zitrone ist, also was Frisches zum Feierabend.
Helen
Oh, das klingt sehr, sehr gut. Er hat wahrscheinlich keinen Namen, ist einfach ein glitzender alkoholfreier Cocktail, mit dem wir jetzt anstoßen.
Karin Schmidt-Friderichs
Ein Freundeskreis bringen wir uns gerade in der Wechselseitig irgendwelche alkoholfreien Entdeckungen mit, weil wir der Meinung sind, dass man weniger Alkohol trinken sollte. Und es macht gerade sehr total…
Helen
Ja, total.
Karin Schmidt-Friderichs
Insofern mischt jeder so und jeder versucht den anderen zu übertreffen und das ist jetzt gerade meine Variante mit viel Ingwer.
Helen
Oh, da kann ich Ihnen auch noch ein paar Tipps geben. Ich bin immer auf der Suche auch nach alkoholfreien Getränken, die irgendwie so ein bisschen sich besonders anfühlen. Also finde ich sehr gut, würde ich sagen, schluß mir einmal mit an. Wir haben jetzt im Vorfeld kurz besprochen, wo wir uns gerade zeitlich befinden, wenn die Folge veröffentlicht wird. Und das ist im Grunde wirklich sehr an dieser Übergangsphase für Sie. Also Sie sind jetzt seit 2019 Vorsteherin des Börsenvereins und ich fände es auf jeden Fall auch mal total spannend zu hören, was genau bedeutet das eigentlich. Was machen Sie so den ganzen Tag? Aber wenn die Folge online geht, endet Ihre Amtszeit. Es gab glaube ich jetzt auch nicht nochmal die Möglichkeit, wieder gewählt zu werden, wenn ich das richtig verstanden habe. Also Sie müssen das Amt jetzt niederlegen und das ist bestimmt auch merkwürdig. Oder so nach, was sind das jetzt für sechs Jahre? Ja genau. Wie geht es Ihnen gerade?
Karin Schmidt-Friderichs
Es ist tatsächlich so, dass die Satzung vorsieht, dass man einmal wieder gewählt werden kann und die Amtszeit dauert drei Jahre. Das heißt jetzt habe ich alles erreicht, was man in diesem tollen Börsenverein erreichen kann. Und wenn Sie ausstrahlen, wird es tatsächlich so ein bisschen das Niemandsland sein. Am 25. Oktober endet die Amtszeit. Aber die Fakto liegt dann der letzte große Bang hinter mir, nämlich die Buchmesse. Und ja, ich weiß es noch nicht genau. Ich stelle mir das so vor, dass sich zwischen Himmelhoch, Jauchzen wahnsinnig dankbar auch ein bisschen erleichtert, weil das ist schon ein bisschen anstrengend, ein Hauptamt und ein Ehrenamt, beides mit Ehrgeiz und Ambitionen führen zu wollen. Aber ich werde gereiniert auch, wenn es eine Träne verdrücken und ich werde auch wirklich ein bisschen durch den Wind sein, weil es mir irre viel Spaß macht. Ich mich sehr, sehr, sehr damit identifiziere. Ja und dann kann man ja nicht sagen und Tschüss. Ja, dann weg sein.
Helen
Haben Sie sich schon irgendwie so ein Plan überlegt, wie Sie so ein bisschen auch vielleicht diese Übergangsphase überbrücken? Einfach auch für Sie persönlich? Machen Sie Urlaub? Ist ja sowieso vielleicht nach der Buchmesse gar nicht so vielleicht?
Karin Schmidt-Friderichs
Genau. Ja, ich habe tatsächlich eine absolute Traumreise gebucht. Und zwar nämlich das Cool Down wartlich und Liege nach Island, was ich seit mehr als 20 Jahren möchte. Und das hat aber bis jetzt immer Ausdruck in Island Kalendern und Island Bildbänden gefunden. Und letztes Jahr im Sommer lief ich bei Affenhitze irgendwie durch Frankfurt auf der Suche nach irgendeiner schönen Klamotte, die ich mir zum Friedenspreis schenken könnte und lief an einer Polarjacke vorbei. Und mein armer Mann, der vieles aushalten muss mit mir, war völlig entsetzt. Als ich sagte, du Bertram, nächstes Jahr kaufen wir nichts zum Friedenspreis, da kaufen wir eine Polarjacke und dann machen wir Cool Down wartlich. Und dann haben wir tatsächlich Island gebrucht mit viel Vorlauf. Und jetzt steigen wir genau am 25.10., also wenn meine Amtszeit endet, in den Flieger. Und ich denke mir, ich war ja noch nie da. Ich stell mir das sehr dunkel und sehr kalt vor. Und wenn ich Glück habe, sehe ich Nordlichte. Und wenn ich Glück habe, darf ich in irgendeiner Lagune baden und funkelnde Eiskristalle an, am Meer fotografieren und habe viel Zeit, weil es ja viel dunkel ist, ein bisschen zurückzuschauen und auch eben rauszuschälen, wer bin ich denn ohne dieses Ehrenamt?
Helen
Ja, ich glaube, das ist eine gute Strategie, weil ich weiß nicht, irgendwie ist es so ein bisschen dann wie so ein Neustart, irgendwie auch für Sie, wenn Sie zurückkommen, starten Sie in eine neue Phase. Und vor allen Dingen, weil es dann ja eine sehr stressige Phase hinter Ihnen liegt, nehmen wir jetzt vor der Buchmesse auf, aber ich könnte mir vorstellen, bei Ihnen fühlt sich jetzt bis zu diesem Ende der Amtszeit auch der Kalender immer mehr.
Karin Schmidt-Friderichs
Klar, das ist natürlich bei, also wenn das Amt der Vorstärin des Vorstehers eine Verlegerin oder Verleger geht, ist es, was die Buchmesse anbetrifft, immer tatsächlich der Horror, weil das ja auch im Verlagsjahr schon immer quasi wie Weihnachten für eine Familie ist. Also das alles fertig werden muss und dass man, also der Spätsommer war noch nie relaxed und jetzt verdoppelt sich das halt genau in der Zeit. Und jetzt muss man da keine höhere Mathematikstudie haben, um zu kopieren, dass es nicht gehen kann, aber es muss halt irgendwie gehen, also irgendwie hin. Und insofern bin ich immer nach der Buchmesse, wenige Tage später, in Urlaub gefahren. Und jetzt bin ich halt so im Abtauch-Modus, schätze ich mal, oder möchte ich sein.
Helen
Ja, verstehe ich total gut. Also das sollte mir vielleicht einmal kurz aufklären. Sie sind auch Marketing, PR, ich glaube auch Programmleitungen, alles Mögliche im Verlag auch. Und das ist das, was Sie jetzt gerade angesprochen haben, dass sich im Verlagen ja eh rund um die Buchmesse irgendwie der Arbeitsaufwand erhöht. Aber das machen Sie, also haben Sie da irgendwas an Ihren Aufgaben verändert vor 6 Jahren oder ist einfach alles parallel weitergeraufen? Was genau machen Sie im Verlag?
Karin Schmidt-Friderichs
Also ich führe einen kleinen Verlag, der eine sehr klare Zielgruppenorientierung hat und der sich an die Kreativen vor allem im Grafik-Design wendet. Den führe ich gemeinsam mit meinem Mann. Und die Theorie war, dass Bertram sagte, du, kann dir dir da mal ruhig essen. War das ein relativ aussichtsloser Wahlkampf? Also von daher, der konnte gute Sachen versprechen, weil sowieso sehr unwahrscheinlich war, dass ich gewählt würde. Und er sagte dann, gut, dann übernehme ich im Teil vor allem das, was ich, was jetzt Karin organisatorisch macht, könnte dann Bertram machen. So die Theorie. Das ist nicht 100 Prozent aufgegangen, um das mal sehr vorsichtig zu sein. Ich gehöre jetzt völlig widerwählen. Und ohne dass ich darauf stolz bin, tatsächlich seit 6 Jahren, in diesem Pfeife-Klock-Klapp an, dass ich kurz nach 5 im Bett am Los legen mit dem Arbeiten. Jetzt muss ich damit es nicht ganz so strebere klingt dazu sein, dass ich dann versuche, um 8, auch eine Stunde in den Wald zu gehen. Also ich habe die Erfahrung mit mir selbst, wenn ich nur noch arbeite, dann kommt dabei nichts mehr raus. Zumindest nichts, was vernünftig ist. Und insofern gehört dieses Kopflüften und mal was setzen lassen. Dazu aber, ich bin im Urlaub und ich bin am Wochenende erreichbar. Und das ist auch meine Definition von verantwortungsvoll mit Autorinnen und Autoren umgehen, die uns auf der Verlagsebene ihre Kreativität anvertrauen. Und wenn jetzt an einem Freitag Nachmittag Kulturstaatsminister Weimer meint, dass der Kulturpass jetzt doch keine gute Idee ist, dann ist das auch relativ wurscht, ob Freitagabend ist oder ob Wochenende ist. Dann gibt es Interviews und Statements. Denn dann betrifft das uns als Branche und da finde ich, hat die Sprecherin der Branche und das ist ja dieser altmotische Begriff Vorstärin, ist ja nicht anderes als die oberste Repräsentanz. Da hat man dann was zu sagen. Da kann man nicht sagen, ja, ne, Freitagabend, ich bin gerade bei einer Veranstaltung, sondern Wochenende raus und versuch, sich zu konzentrieren.
Helen
Da stelle ich mir wirklich nicht so leicht vor, auch mal abzuschalten. Würden Sie sagen, dass Ihnen das gut gelingt, dass Sie auch irgendwo mal sagen können, jetzt bin ich, jetzt habe ich irgendwie Feierabend, jetzt habe ich Freizeit, jetzt ist mal nichts mit Buchbranche. Ich meine, gerade wenn auch Ihr Job in der Buchbranche ist, finde ich, also Job und Ehrenabend in der Buchbranche sind, stelle ich mir noch mal schwieriger vor.
Karin Schmidt-Friderichs
Also ich bin noch nicht zufrieden mit meiner Fähigkeit abschalten zu können. Ich könnte da noch sehr viel besser werden. Was hilft und das überrascht jetzt die Gründerin von Mädels, die lesen gar nicht, ist Lesen, wirklich Abtauchen.
Helen
Das freut mich irgendwie auch sehr zu hören.
Karin Schmidt-Friderichs
Und das hilft wirklich. Ich komme da manchmal nicht sofort rein, weil dann die Mühle noch dreht, aber das Buch mich hat, hat mich das Buch und dann ist es eine sehr gute Therapie. Was mir auch richtig gut hilft, ist Natur. Also Bewegung in der Natur, das war sehr, sehr, sehr lange, wirklich viele Jahre das Joggen. Das ist ein Preis, den ich für diese Überlastung zahle. Das funktioniert seit Corona nicht mehr in dem Maß. Ich walke jetzt sehr flott, finde das nicht so toll wie Joggen, aber die Wirkung vom Abschalten her und vom Draußen sein und vom, wenn ich ganz großes Glück habe im Wald, mal ein Red treffen, wenn ich nicht so ein großes Glück habe, dann keinen Menschen treffen und einfach ein bisschen für sich sein. Und dieses Gehen in der Natur und sich bewegen, das hilft mir auch wirklich im wahrsten Sinne, das Wort, das was abzuschütteln. Und ich merke aber, dass ich oft mit guten Ideen dann wiederkomme, was ja verrät, dass das hier dann doch weitergearbeitet hat. Ich fühle mich entspannt und setze mich hin und formuliere was. Und dann denke ich mir, naja, jetzt schiebt es dir aber schon ein bisschen, weil anscheinend ist die Idee hier im Laufen gekommen. Also von daher ganz abschalten war es vielleicht doch noch nicht.
Helen
Aber ich kann das super gut nachvollziehen. Also ich habe das vorher schon gemacht, aber jetzt zwingle ich mich auch so ein bisschen dazu. Also jetzt, deswegen ist irgendwie das falsche Wort, weil es macht mir total viel Spaß. Aber ich gucke, dass ich wirklich jeden Tag jetzt mache, dass ich mit so einem Morgenspaziergang auch starte. Also kann auch mal sein, dass ich vorher schon am Laptop gesessen habe. Aber das ist im Grunde, da ramt das so ein bisschen meinen Tag ein. Und ich merke, wenn ich mich vorher vielleicht auch überfordert fühle, sortiert das für mich ganz, ganz viel. Weil ich dann irgendwie eine Stunde lang Zeit habe, über alles im Müllchen nachzudenken. Ich komme auch oft, also das ist ein bisschen das Vortal. Ich komme oft auch mit selbst in die Ideen zurück. Aber es ist auch oft so, dass ich irgendwie vielleicht eine Lösung gefunden habe oder zumindest ein bisschen klarer sehe. Und mich auch ruhiger tatsächlich fühle. Also ich kann das schon nachvollziehen. Und ich glaube, das ist ja auch der Effekt von der Natur, was man so sagt. Wenn Sie vor allem im Wald sind, was so auch Bäume und so auf uns für eine Auswirkung haben. Also ich glaube, das ist schon auch Entspannung. Also ich kann es wirklich nur empfehlen und habe, dass man mir steht, das ist auch ein Terminkalender.
Karin Schmidt-Friderichs
Ja, bei mir auch. Also ich funktioniere halt so, wenn das steht, dann mache ich das auch. Und wenn es da nicht steht, dann denke ich mir, naja, kannst du machen, kannst du auch bleiben lassen? Dann mache ich es eben. Und das muss auch quasi gestrichen werden, wenn ich einen sehr frühen Termin irgendwo habe oder einen sehr frühen Zug. Und dann versuche ich, dass ich das eben in einer Woche auch nicht hintereinander Backdown streiche, sondern dann gucke ich mir tatsächlich die Woche an und sage, okay, wenn du jetzt irgendwie am Freitag nach Berlin willst und möchtest da Mittag sein, dann wird das nichts mit dem Morgens gehen. Aber dann am Sonntag nicht auch noch irgendwelche Termine, sondern dann wird Sonntag ein bisschen ausgeschlafen und dann ab in den Wald.
Helen
Ja, finde ich total auch ein schönes Ritual. Einfach so ein bisschen Me Time im Grunde und irgendwie den Kopf durchlüften. Was ich mich frage, und ich könnte mir vorstellen, dass sich das auch ganz viele Fragen, die so zuhören, es lässt sich wahrscheinlich nicht 100% beantworten, weil sie wahrscheinlich wenig Alltag haben. Aber es wird ja vielleicht schon so wiederkehrende Aufgaben geben, die in ihre Zuständigkeit fallen. Also wie kann man sich das vorstellen, das Amt der Vorsteherin, was fällt da so an in der Regel?
Karin Schmidt-Friderichs
Also zum einen, ich fange jetzt mal mit den wirklich regelmäßigen Dingen an. Das Wort Vorsteherin meint ja eigentlich so etwas wie Vorstandsvorsitzende. Also die Mitglieder des Börsenvereins, das ist ein Verein mit ca. 4.000 Mitgliedern. Das sind Buchhandlungen, Verlage und Logistiker, Digital und Analog, die den Verkehr der Inhalte ermöglichen. Und das ist ein Verband der Unternehmen. Also da bin ich nicht als Personmitglied, sondern Verlagmitglied. Und die Mitglieder wählen einen Vorstand. Und dieser Vorstand hat eine Vorsitzende in meinem Fall. Und die spricht eben für die Branche nach außen und moderiert und führt zu nach innen. Und der Vorstand tagt, regulär glaube ich, 4-5 Mal im Jahr. Natürlich hat er viel öfter getagt als ich bin ja Ende 2019 angetreten. Und dann kam 2020 erst mal Corona. Und das haben alle nicht gewusst. Und wir wussten auch nicht, wie das geht. Dann haben wir unendlich oft getagt. Und wenn es was ganz Wichtiges gibt, wie jetzt in diesem Jahr das 200-Jubiläum des Börsenvereins, dann tagt der Vorstand auch öfter. Und das sind halbtägige, ganztägige, anderthalbtägige Sitzungen, mal im Präsenz, mal digital. Und die finden statt wie alle ganz normalen Gremiensitzungen, da wird über Themen nach einer Tagesordnung diskutiert. Dann ist der Börsenverein federal aufgebaut. Das heißt, es gibt Landesverbände. Und deshalb gibt es auch noch den Länderrat. Das ist so eine Art erweiterte Vorstandssitzung, wo man eben abklärt, dass man das Ganze auch mit den Ländern gut verzahnt. Dann gibt es so ein Aufsichtsrat für die Wirtschaftstöchter. Das ist die Frankfurter Buchmesse, die alle kennen. Und das ist eine Digitaltochter, die als Unternehmen fast niemand kennt, aber dafür kennen alle das Verzeichnis lieferbarer Bücher, einer von ins Datenbank, um die uns die Welt beneidet. Und die betreibt eben diese digitale Wirtschaftstochter, die heißt MVB. Und diese Wirtschaftstöchter sollen erfolgreich sein und die Branchen unterstützen und Geld verdienen. Und damit sie das auch gut tun, haben sie ein Gremium, was Aufsicht führt und Rat gibt, nämlich den Aufsichtsrat. Und der tagt auch wieder so, 4, 5 Mal, der tagt fast immer im Präsenz. Und das sind regelmäßige Termine, die stehen, oder standen jetzt die letzten Jahre bei mir, spätestens im Oktober des aktuellen Jahres fürs nächste Jahr im Kalender. Und da gibt es dann auch keine Ferienplanung, die das tuschiert, sondern erst diese Termine und dann darf man sich überlegen, wann man wegfährt und in der Richtung gibt es noch ein paar Routinetermine. Es gibt ein Ehrungsausschuss, der sich überlegt, welche Menschen sich besonders bemühen und der tagt, ich glaube, 2 Mal im Jahr und so weiter und so weiter. Da gibt es ganz, ganz viele Gremien, die erspeich ich ihnen jetzt und unseren Hörerinnen auch. Und dann gibt es natürlich ganz, ganz, ganz viel, das passiert einfach in der Bücherwelt. Und da erwarten wir vom Börsenverein von uns selbst oder die Presse erwartet oder wer auch immer erwartet, jetzt sag mal was dazu. Das ist der reagierende Teil. Das sind viele Interviews, das sind zum Teil natürlich auch spontane Gespräche mit Mitgliedern, Stakeholdern, manierern, modern. Das lässt sich nicht planen, weil man nicht weiß, wann was passiert. Und dann gibt es die, als wirklichen Fixstern, die messen in Frankfurt und Leipzig, durch die großen Bücherbühnen sind. Das sind die großen Lesefeste, da haben wir das unglaubliche Glück, dass sich die Presse jetzt ca. eine Woche rund ums Buch dreht, was schon passiert. Und natürlich wird die Vorstärin und wird der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins zu diesen Anlässen alles Mögliche gefragt. Wie geht es der Branche und was denken sie so und was wollen sie von der Politik. Und das ist die Zeit, in der wir natürlich unsere Botschaften am besten auch los werden können. Also ich beginne die Frankfurter Buchmesse an dem Dienstag Morgen mit einer großen Pressekonferenz. Und da sitzen dann Journalistinnen und Bloggerinnen aus dem Innen- und Ausland und hören zu. Und ich wäre ja dumm, wenn ich da nicht in den 8 bis 10 Minuten, die ich kriege, auch los werden würde, was die Branche bewegt und was die Branche möchte. In Leipzig ist das ein ganz kleines bisschen anders, aber im Prinzip das Gleiche. Und dann gibt es so als weitere Rituale und Höhepunkte des Jahres, die Verleihung des Friedenspreises. Paulskirche mit wirklich ja Leifübertragung und einem unglaublichen Gänsehaut-Feeling und die Verleihung des deutschen Buchpreises und des Sachbuchpreises. Das sind auch so wiederkehrende Höhepunkte. Ja, wo einerseits der schöne Moment ist, dass nominierte Autorinnen im Saal sitzen bei den beiden Buchpreisen und ich eine oder einen nach vorne bitten darf und die Urkunde verleihen. Aber andererseits natürlich auch erwartet wird, dass ich zu diesem Anlass ein kleines Grußwort mit Appell für die Branche halte. Und diese Punkte, also es hat viel Ritualisiertes und es steht auch, sich organisieren wir im Verlag mit so einer Magnetwand und da haben die ganzen Börsenvereins-Termine eine andere Farbe, als die Verlagstermine, das ich ein bisschen sehe. Und dann hängt es da und zwischendurch versuche ich irgendwie auch mal einen Wochenende mit Erholung oder sowas mit nem kleinen grünen Sprich zu versehen, wie man das alles noch funktioniert. So kann man sich das ungefähr vorstellen. Und dann ist es natürlich eine Frage, wie bei allem was wir tun, wie intensiv möchte ich das tun. Also wie viel bringe ich mich ein, wie viel Leidenschaft packe ich da rein, so wie Sie sich überlegen, wie oft bieten Sie ein neues Buch an oder was macht, sonst noch um die Mädels, die lesen. Da zwingt sich ja niemand dazu, aber wenn man erst mal so drin ist und wenn man das ernst nimmt, dann kommt, sei es beim Morgenspaziergang, sei es beim, was weiß ich, abschalten auch nochmal eine Idee und dann denkt sich auch, guck mal, jetzt habe ich diese Plattform und jetzt habe ich diese Community und das ist bei uns ja ein bisschen ähnlich. Wir sprechen mit und zu Communikationen. Dann finde ich das Vertrauen, dass die Mitglieder mir ausgesprochen haben mit der Wahl und der Wiederwahl, verpflichtet mich auch, das ernst zu nehmen und möglichst aktiv auszufüllen.
Helen
Ja, ich finde das super spannend, weil ich habe sie bisher ja bei verschiedenen Gelegenheiten getroffen, also zuletzt beim Zukunftsparlament für den Branchennachwuchs, was ich zum Beispiel auch vorher nicht kannte, das war Teil des Gewinns vom Young Excellence Award und dann habe ich das erst mal ge-Googled und bei solchen Gelegenheiten, oder ich sehe sie irgendwo auf einer Bühne bei einem Livestream, irgendwie bei all den großen Anlässen, also konnte ich mir zumindest grob erschließen, was zu ihren Aufgaben gehört, aber ich fand das ja nicht so ganz, für mich war das nicht so ganz klar und ich finde es irgendwie total spannend, weil es für mich schon so klingt, als wären da relativ viele Fixen im Kalender. Ich habe eben auch so gedacht, ob Sie mal den Aprilscherz gemacht haben, dass Sie dann irgendwie sagen, übrigens, ich kann gar nicht zur Buchmeister beim nächsten Mal, was andere überlegen, das kennt wahrscheinlich nichts ganz so gut an.
Karin Schmidt-Friderichs
Den Aprilscherz, das war nur leider kein Scherz, ich habe eine ganz tolle Stellvertreterin, Annerose Beurich, und mir ist einmal auf dem Weg zu einer Strategiesitzung, also wirklich wichtig, ich saß sich im Auto und ich habe die Infantile angewohnt, dass ich im Auto gerne singe, weil ich da ja niemanden störe und plötzlich merke ich, die Stimme geht weg. Oh nein. Ich habe schon immer irgendwelche Islam-Mos und Revoise und sonst was in der Handtasche, aber wenn die Stimmen, wenn da beschließen, jetzt ist es nicht, dann ist es nicht. Jetzt sollen die das sich nicht vorstellen, dass sie es da nicht haben. Und dann habe ich mit rechtziger Stimme, Annerose Beurich, angerufen, die im Zug aus Hamburg war und gesagt, ich befürchte, dass du diese Sitzung leiten musst und ich dachte, ich sage das mal lieber jetzt, dann kannst du dich darauf einstellen. Noch so fünf Minuten vorhalten. Die hat das hervorragend gemacht und ich bin dann auch gegangen, weil ich gemerkt habe, das ist eine ganz, ganz dofe Situation, wenn ich da rum sitze und rumkrechtze und eigentlich nur störe, weil wenn jemand anders es übernimmt und macht das supergut, dann muss ich da auch nicht rumkrechten. Am Anfang dachte ich noch, ich kann mitschreiben oder mich irgendwie nützlich machen und dann dachte ich, nee, jetzt gehe heim und korreere dich.
Helen
Also den Aprilscherz habe ich schon gebracht, das mit der Buchmesse gefällt mir gerade ganz gut. Vielleicht mache ich das mal als Scherz oder ich komme einfach zur nächsten Vorstandssitzung im November nochmal, gucke, was sie dann machen.
Karin Schmidt-Friderichs
So, ihr meinte das ernst, dass ich nicht mehr… Ich wusste nicht, dass ich nicht mehr im Vorstand bin.
Helen
Erinnerst du dich noch an die Podcast-Folge mit Svenja Hirsch? Dann habe ich mit ihr über ihre Arbeit als Businessbuch-Mentorin gesprochen. Wenn du dich fragst, was das genau bedeutet, dann hör doch gerne mal rein. Die Folge haben wir dir in den Show notes verlinkt. Und weil ich weiß, dass einige hier in der Community nicht nur gern lesen, sondern auch schreiben und weil es so gut zusammenpasst, möchte ich dir ihr Businessbook-Camp vorstellen. Und wenn du nämlich auch endlich dein Sachbuch schreiben möchtest, dann erfährst du in Svenjas Kostenosen Businessbook-Camp, das vom 27. bis 29. Oktober stattfindet, wie du dein Wissen zu einem gut lesbaren Sachbuch machst. Außerdem lernst du, wie du dein Leser-Innen das Vertrauen gibst, bei dir buchen zu wollen und wie du Kooperationen sowie Anfragen von Medien mit wenig Aufwand bekommst. Hört sich gut an? Dann melde ich gleich an über den Link in den Show notes.
Helen
Bei diesen Reden, das sind wahrscheinlich ja irgendwie schon abgestimmte Inhalte oder so. Es gibt wahrscheinlich irgendwie was auf, was sie sich vorher auch mit dem Team geeinigt haben, was so generell irgendwie wofür gerade der Börsenverein steht. Aber die Reden bereiten sie die selber vor. Ich finde das irgendwie auch voll. Ich mein, sie haben mich erlebt, bei der Verleihung für den Young Excellence Award. Ich weiß nicht, ob Reden jetzt im Moment so krass bei den Steckenpferden sind.
Karin Schmidt-Friderichs
Man lernt das.
Helen
Ja, ich glaube, man lernt es. Und ich hatte auch nicht so viel, ich hatte vorher ein bisschen gefragt, was genau soll ich machen. Und da waren nicht so sehr die Rahmenbedingungen klar. Aber also ich bin halt einfach auch dann immer sehr, sehr aufgeregt. Auch das legt sich ja vielleicht mit der Zeit. Aber ich finde das schon auch eine sehr große Verantwortung, diese Rede zu halten, die dann vielleicht live gestreamt wird oder die irgendwie zitiert wird. Also da sind ja alle Augen auch auf sie. Setzt sie das noch unter Druck und wie gehen sie überhaupt an sowas ran, so eine Rehmede vorzubereiten?
Karin Schmidt-Friderichs
Also ich habe, der Börsenverein ist ein ganz, ganz tolles Team. Und ich fand, wenn ich das wollen würde, die gesamten Reden schreiben lassen. Und ich gehe da von Rede zu Rede völlig unterschiedlich mit um. Bei den, aus meiner Sicht, wichtigsten, stimmen wir im Ping-Pong mit den Haupt, also stimme ich mit den hauptamtlichen Thema ab und so einen guten Faden. Und je nachdem, wie intensiv ich das Gefühl habe, das ist jetzt quasi auch meine Erklärung, formuliere ich das durchgehend selbst, oder ich formuliere den roten Faden, oder ich formuliere Texte an und schreibe dann, könnten Sie mir hier noch ein bisschen was einbauen zu Lese, Kompetenz, zu der Herausforderung, Bildung und so weiter. Und dann bekomme ich da Zahlen, Daten, Fakten nochmal eingearbeitet. Und das ist, ich fand es eine ganz, oder finde auch noch, das ist eine ganz, ganz spannende Erfahrung mit unterschiedlichen Menschen, diese Reden mehr oder weniger abzustimmen, weil es fast ist wie Tanzen. Zum Teil ist es ganz schwierig und man tapft sich doch relativ auf den Füßen rum und zum Teil, ich nenne jetzt natürlich keinen Namen, eine Mitarbeiterin, die hat das, also nachher die Regen weitergeschrieben, da wusste von uns beiden keiner mehr, wer hat denn jetzt, wer hat den Aufschlag gemacht und wer hat das Spiel weiter, also der Ball flog einfach gut hin und her. Leider hat die dann Zwischenzeugnis gewollt und das habe ich sehr begeistert geschrieben und zack war sie weg. Sie schreibt jetzt Reden für die Politik und macht das gut. Und bei anderen lasse ich mir lieber ein paar Fakten zusammenstellen und mache das selbst. Ich habe eben eine Sache vergessen, es gibt zum Jahresauftakt eine Tagung in München von der Interessengemeinschaft Belletristik und Sachbuch. Das nenne ich für mich privat Neujahrsempfang der Branche und da denke ich mir wirklich immer persönlich, was ist denn für mich für dieses Jahr, das ist das erste Treffen der Branche, da kommen das in München, da kommen zumindest alle, die aus München sind, kommen aus den Skifähen und das sind immer alle ganz gut erholt und gut gelaunt und zum Jahresauftakt, das ist ja einfach so, da hat man immer das Gefühl, das Jahr ist noch ein unbeschriebenes Platz, stimmt gar nicht, aber man hat das Gefühl. Und da habe ich jetzt eigentlich jedes Mal über Weihnachten mir überlegt, was beschäftigt mich, was möchte ich unter welches Motto, unter welchen Gedanken möchte ich dieses Jahr stellen. Und das ist vielleicht das persönlichste und das, was ich am wenigsten abstimme, legt natürlich auch daran, dass alle anderen davor ja auch im Urlaub fahren. Wir haben keine Lust haben, mit mir über meine Rede zu reden. Und beim Friedenspreis, das ist das ja eben lange, im Fernsehen übertragen und durch den Ort und die Würde des Preises, das, wo ich lügen würde, wenn ich sage, dass ich da kein Lampenfieber mehr, also dass ich da schon soweit wäre, kein Lampenfieber zu haben, da bin ich heilfroh, wenn das auch mit mehreren, also wenn da mehrere Augen drüber lesen, aber da ist, also doch, da bin ich schon auch sehr, sehr aktiv beteiligt, weil es mir einfach auch Spaß macht und weil es mich glücklich macht und weil ich das Gefühl habe, dass ich daran wachse und diesen Wachstumsimpuls gerne mitnehme. Und mir hat neulich, weil der 200-Jahr-Feier hat mir jemand gesagt und dann unterbracht er sich, weil er plötzlich merke, ich könnte es ja auch kritisch hören. Ich sei so gewachsen im Amt und ich habe es durchaus, auch so gehört, also wenn jemand sagt, sie sind so gewachsen, dann heißt es ja auch, dass es am Anfang nicht so gut war, wie es jetzt ist, aber ich habe das voll auf dem Glücksohr quasi gehört, weil ich dachte, wie schön ist das? Ich werde jetzt diesen Herbst 65, also 58, als ich das Amt angetreten habe. Wie cool, wenn man mit 58 noch mal wachsen darf. Also, wie ja schlimm.
Helen
Ich finde auch eigentlich immer eher, also ich meine, das ist auch nie böse und natürlich gemeint, aber ich finde es eher schwierig, wenn Leute sagen, bleib so wie du bist, weil ich eigentlich irgendwie denke, will man das wirklich, also will man sich wirklich nicht weiterentwickeln. Ich glaube, es ist so ein natürlicher Prozess auch, also sie haben ja auch total viele Dinge wahrscheinlich zum ersten Mal auch in dieser Rolle gemacht. Also wie sollte man daran auch nicht wachsen?
Karin Schmidt-Friderichs
Ja, und es ist ja auch so, ich weiß noch die erste Buchmesse. Ich war nun auch so völlig seltsam, weil das jetzt 2020 war in der Pandemie, also die haben wir digitale Buchmesse genannt, aber eigentlich war so gut wie nichts da und ich bin von Mainz nach Frankfurt und bin in Rheinland-Pfalz, war im Inzidenz 50 und in Hessen auch, also von daher kein großer Unterschied, aber trotzdem musste man dann erst mal zum Testen, weil da könnte ja eine andere Pandemie in Rheinland-Pfalz als in Hessen sein und dann war ich da irgendwie im menschenleeren Hotel und habe dauernd Interviews gegeben. Und dann habe ich gedacht, bis du im schicken Hotel jetzt gehst du mal schön frühstücken und vor lauter Lampenfieber merkte ich, dass wir überhaupt nicht bekommen und habe uns gelernt, wenn ich wirklich Lampenfieber habe, dann sollte ich kein Kaffee trinken vorher und nichts essen, weil es irgendwie im Magen kumpelt. Und das ist jetzt überhaupt nicht mehr so. Also ich würde jetzt, wenn ich am Mittag ein Interview gebe, wahrscheinlich kein Schweinebraten essen, aber den esse ich sowieso nicht. Also natürlich esse ich Mittag, wenn ich am Nachmittag noch ein Interview habe, das trage ich mir jetzt nicht auch noch ein, aber damals merkte ich, komm, lass uns mal lieber, das ist nicht gut. Und das sind so Kleinigkeiten, Atemtechnik. Wie oft liest man das vorher noch? Wann ist auch mal genug? Das sind Dinge, da bin ich wirklich dankbar, das lernen zu dürfen. Und klar, wenn sie dann irgendwie sich fahr zur Buchmesse mit ca. 12 Grußworten, kleinen Reden, ganz kleinen Reden, Ehrungen und so weiter. Und wenn man das zum sechsten Mal gemacht hat, muss es ja ein bisschen rotinierter sein. Also das wäre ja andersherum auch schlimmer.
Helen
Ja, total. Und ich fand, also das habe ich ja jetzt einfach dann auch am eigenen Leib gespürt, total. Also weil das diese Preisverleihung für den Young Excellence Award letztes Jahr, wird ja wahrscheinlich eher so eine kleinere Angelegenheit gewesen sein.
Karin Schmidt-Friderichs
Das ist die Kür.
Helen
Und wie viel sie da auch im Vorfeld irgendwie über mich recherchiert haben, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, ehrlich gesagt. Ich habe mich dann erst recht schlecht gefühlt, dass meine Rede irgendwie so… Keine Ahnung, dass ich einfach… Jemand im Team hatte mich vorher gefragt, hast du eigentlich was vorbereitet? Ich weiß überhaupt nicht so genau, was ich sagen soll. Aber ich denke, so lange ich es schaffe, Danke zu sagen, wird es schon okay sein. Und das habe ich zumindest hinbekommen. Aber es hat mich unglaublich gerührt zu sehen, wie viel Mühe sie sich dafür gemacht haben. Also ich habe da wirklich nicht mit gerechnet. Und das finde ich total besonders, weil das wird wahrscheinlich einfach einer von sehr, sehr vielen Terminen in dieser Woche dann auch sein. Und das finde ich nicht selbstverständlich. Also auch an der Stelle einfach nochmal ein Dankeschön. Und gerade wenn wir über Reden sprechen, würde ich das da einfach nochmal einwerfen. Weil ich finde daran merkt man, wie viel Zeit auch in so eine Rede fließen kann. Und wie viel Detail-Liebe auch. Weil ich jetzt vielleicht auch eine Person bin, wo man auch nicht wahnsinnig viel im Internet zu findet. Also so, gut, ich teile jetzt schon recht viel. Aber so es wird einfach auch Menschen geben, die Wikipedia-Entträge haben. Und so, oh, das wollte ich übrigens eigentlich auch noch am Anfang gesagt haben. Ich glaube, sie sind die erste Person im Podcast. Die einen Wikipedia-Entrag hat. Und ich weiß gar nicht, ob ihnen das so bewusst ist. Ich habe dazu das Hörbuch, was wollt ihr denn noch alles von Alexandra Zykunov angehört. Und sie spricht über Wikipedia-Eltenträge, über Frauen, dass die immer noch total blockiert werden in ganz vielen Fällen. Und ich dachte, so wie schön zu sehen, dass es auch einen sehr umfangreichen Wikipedia-Altikel über sie gibt. Ich weiß nicht, wie sich das für sie angefühlt hat, aber ich fand das total toll.
Karin Schmidt-Friderichs
Ich finde das spannend, weil ich mich natürlich selber überhaupt nicht buehle. Und ich sehe es aber auch so, dass bis Frauen wirklich Sichtbarkeit bekommen, sie, glaube ich, mehr machen müssen und mehr erreichen.
Helen
Ja, vielleicht auch, weil Männer selbstverständlich ja irgendwie ihren Best Buddies sagen, guckt doch mal, dass ich das jetzt in den Dienstkreuz bekomme. Und auf so eine Idee würde ich überhaupt nicht kümmern. Und ich wüsste auch überhaupt nicht, wie ich damit ansprechen sollte.
Karin Schmidt-Friderichs
Also von daher weiß ich ja aus dem Börsenverein, da gibt es ja auch einen Ehrungsausschuss und der Ehrungsausschuss beschließt, wer geehrt wird. Bei mir Young Excellence Award ist es eine Abstimmung unter den, in der Community, aber bei dem anderen ist es eben der Ehrungsausschuss. Und da weiß ich jetzt auch, da werden Leute vorgeschlagen. Aber natürlich werden auch die wieder von irgendjemandem den die mal so irgendwie angestupst haben. Und vielleicht sind wir Frauen da auch immer noch zu vornehmen oder zu dezent oder ich weiß es nicht was. Und was sie davor gesagt haben, rührt mich insofern, als ich, wenn Ehren zu den Aufgaben gehört, dann finde ich, dann muss mir das auch die Mühe wert sein, mich zu fragen, wen und warum er ich denn da? Und dann ist es wie, für mich ist es tatsächlich ein bisschen wie ein Charakter in einem Buch auch kennenlernen. Also ich erarbeite mir das dann so und dann stelle ich mir vor, wie ist sie denn dann dazu gekommen und dann baue ich mir da auch jetzt wieder quasi auf meinen Spaziergängen oder so. Fahne ich mich so, was hat die bewegt und das ist ja toll und wovor hat die vielleicht Angst gehabt und wie weit braucht es oft auch Krise, um sich zu entwickeln. Und dann interessiert mich tatsächlich dieser Mensch und das, ja, das kostet Kraft und vielleicht ist es auch Energieverschwendung für andere, aber für mich eben nicht, sondern ich habe das Gefühl damit erarbeite ich mir auch, dass diese Veranstaltung toll wird. Weil dann freue ich mich ja dann auch drauf, sie kennen zu lernen und freue mich, wenn ich nicht ganz so lange im Stau von der Messe stehe und wenn ich irgendwie halbwegs pünktlich komme und freue mich, dass da so eine gute Atmosphäre ist und dann denke ich schon, dass es für sie die erste große Ehrung vielleicht die Insel von Bundesjugend spielen und Klassensprecher oder was auch immer man sonst so mitgebracht hat. Und dann, ja, ist es total schön, ich habe einmal einen blinden Menschen, der sich sehr um die blinden Schrift und das Erschließen von Inhalten für Blinde gekümmert hat, ehren dürfen. Und dann ist mir ganz am Schluss passiert, dass ich gar nicht wusste, wie bittet man denn einen blinden Menschen nach vorne und weiß der, wo ich bin und darf ich den fassen, wenn er das nicht weiß, weil ich kann ja nicht einfach jemanden, den ich gar nicht kenne, anfassen. Und vielleicht, weil er eben nichts sieht, hat er alles andere doppelt so intensiv wahrgenommen und erbart mich dann, dass ich sehr klar ihn anschaue, wenn ich ihn nach vorne bitte und dann kann er quasi die Stimme orten. Und es war total intim fast, ein Mensch, der sich bis zu der Sekunde nicht kannte und wo ich den Fehler gemacht habe, nicht darüber nachzudenken, wie kriege ich den jetzt nach vorne und wie kann ich den überhaupt die Urkunde in die Hand drücken und wie kriegen wir das hin. Und ja, mit dem für diese kurze Zeit quasi in eine Beziehung zu treten und sich zu irgendeinem was heißt es, wenn man nichts sieht, eine DDR-Vergangheit sich dafür einzusetzen, dass man einen Westcom-Pputer mit einer Breitastatur bekommt, den es halt nicht gibt in der DDR und das durchzusetzen, weil man diesen Ehrgeiz hat und dann sein Leben lang daran zu bleiben, das beeindruckt mich auch jetzt über die Ehrung hinaus und das finde ich toll. Und so Leute, das ist ja lauter, wie lauter so Lebensgeschichten.
Helen
Das wäre tatsächlich auch so ein bisschen eine Frage gewesen, weil sie in ihrer Rolle ja auch super viele spannende Menschen treffen, Menschen ehren, aber auch irgendwie Gespräche führen und wahrscheinlich einfach automatisch eben durch das Amt, denke ich mir, viele, viele Menschen kennenlernen. Also haben sie irgendwie so neben der Situation, die sie jetzt beschrieben haben, irgendwie so Momente, die ihnen noch total nahegehen, wo sie sagen, die werde ich wahrscheinlich mein Leben lang nicht vergessen, aus diesen sechs Jahren?
Karin Schmidt-Friderichs
Ja, total, also total, total viele und ganz, ganz unterschiedliche. Und vielleicht wirklich das, was sich meinen Enkeln noch erzählen werde, wir haben hier Salman Rushdie mit dem Friedenspreis ausgezeichnet und zwar eben ein Jahr nach dem Messerangriff und ich kannte Salman Rushdie, also ich kannte ihn als Autor, ich kannte ihn natürlich überhaupt nicht persönlich und also gerade bei diesem riesigen Preis, Friedenspreis, sind die Menschen auch unterschiedlich interessiert daran, jetzt mich kennenzulernen und das ist auch völlig deren Recht und Salman war sehr, sehr offen und hat sehr vertraut und da war irgendwie eine Nähe, von der ich überhaupt mich zu hoffen gewagt habe, dass sie entsteht, weil ich eher dachte, na der ist nun wirklich weltweit, weltweit berühmt, was soll der mit mir und gleichzeitig gab es natürlich Sicherheitsüberlegungen im Hintergrund, der jetzt nicht alle Details und dann gab es die Situation, dass er mit einem anderen Auto ein Stück fahren musste, als seine Frau und dass die Protokoll der Sicherheit aus irgendwelchen Gründen sagte, das wäre jetzt auch so und er wollte sich von der aber nicht trennen, weil er bei den Messerattentat war ja alleine und sie hat dann Totenteufel in Bewegung gesetzt, um überhaupt zu ihm zu kommen und ich habe es so verstanden, als wollte er quasi nie mehr ohne sie sein und dann sagte er irgendwie so sinngemäß, ich habe es nicht mehr wörtlich und nahm mich so zu sich und sagte, ich vertraue dir das wertvollste an, was ich habe, pass auf sie auf. Und es waren wenige Minuten Autofahrt und was hätte ich tun können, aber dieses I trust you und diese kurze, wir haben uns dann, wie das vielleicht wieder nur Frauen können, angelaichelt und irgendwie uns damit vielleicht auch Mut gemacht, weil das Thema war ja ein Sicherheitsthema und ein Sicherheitsthema bringt im Kopf von fantasievollen Menschen eben auch zum Klingen, was auch passieren könnte und das lag für mich über der Gutmesse von Anfang an natürlich, als Sorge, die jemand verdrängt und sie dann irgendwie kurz danach wieder ausscheiden zu lassen, ihr aus dem Wagen nicht zu helfen, aber die Geste des Türöffnungs und sie wieder abzuliefern und zu sagen, so quasi hier ist sie wohlbehalten und habt eine schöne Zeit. Das war so, ich war für diese wenigen Sekunden, gehörte ich zur Familie und hatte das volle Vertrauen und das war ein ganz, ganz schöner, fast intimer Moment und tatsächlich, wir schreiben uns auch noch so zwischendurch mal kurze Sachen und in der Richtung gibt es etliche, es sind wie so Fetzen, immer ganz, ganz, ganz kurze Begegnungen, weil das jagt sich immer so, dass man nie zu einem ernsthaften intensiven Gespräch kommt, aber wie so Glitzer, also es sind einfach helle Momente, die total schön sind und von denen ich auch hoffe, dass ich sie in Dankbarkeit weiter erinnere. Also das, so ich habe inzwischen 13 kleine Kladden oder bin an der 13. kleinen Kladde, die ich mit all den Protokollen und Mitschrieben und was ich noch tun und was darf ich nicht vergessen, voll schreibe und diese schönen Momente schreibt man ja nie auf, aber die müssen anders quasi stehen und sie werde ich dann auch in Island ein bisschen memorieren.
Helen
Ich habe gerade bei der Geschichte richtig Gänsehaut bekommen. Man kann sich ja eigentlich auch gar nicht richtig vorstellen, wie sich das für Salman Rushdie und seine Frau anfühlen muss in dem Moment total verrückt. Ehrlich gesagt finde ich es richtig schwer danach, jetzt ein anderes Pastea.
Karin Schmidt-Friderichs
Nein, aber das ist mein Highlight erzählt.
Helen
Ja, aber das war irgendwie also sehr, sehr besonders und ich glaube, das ist ja auch so was… Also natürlich kriegt man vielleicht so ein bisschen die Schlaglicht damit, aber was das auch für sie persönlich bedeutet, also total besonders finde ich richtig schön.
Karin Schmidt-Friderichs
Es ist glaube ich auch das, was Kraft gibt für so eine Engagement. Also ich weiß nicht, wie das jetzt bei Ihnen ist und ich habe ja ein Leseclub gründen, dann gibt es sicher auch so Zuschriften, Reaktionen, kurze Momente, wo man irgendwie denkt, hey ja, ich bin vielleicht auch mal fix und fertig und vielleicht sein mit meinen Freundinnen auch, sagen wir, wo muss das alles sein? Und dann kommt sowas und dann denke ich, ja, das ist nicht auf ein Bankkonto, aber das ist auf einem emotionalen Konto und das ist so wertvoll und so tief und so. Und das gibt dann ja auch wieder total Kraft und diese Verbindung mit Menschen, also meinen da mögen die Menschen auch unterschiedlich sein, aber für mich ist das extrem wertvoll und ich empfinde das auch total tief und das gibt mir dann auch viel Heiterkeit und Kraft und Gelassenheit und werde ich natürlich auch vermissen. Also das hat ja alles immer auch die Kehrseite.
Helen
Total. Nee, also das kann ich auf jeden Fall nachvollziehen, ich habe das schon öfter beschrieben, dass ich sehr viele so… Also ich glaube auch gerade in den Zeiten, wo es einfach sehr viel war, auch viel gezweifelt und mich oft gefragt bin, ich bin auf dem richtigen Weg, verrenne ich mich in irgendwas und es gab aber einfach immer dann die Momente, wo irgendwas passiert ist, wo ich dachte, ah ja, oh nee, okay, ich kann ja noch einen Tag weiter machen sollen. Ich kann ja immer noch aufgeben.
Karin Schmidt-Friderichs
Ja, und vielleicht ermutigt das jetzt sogar jemand, der uns zuhört, weil also wir sind dann eben auch immer wieder so Sachen passiert, dass plötzlich von jemandem eine Mail kommt und jemand mir einfach sagt, das war toll. Ja. Und das muss ja überhaupt niemand und ich weiß, wie viel wir alle um die Ohren haben, aber das ist einfach irre, wenn plötzlich man nach nochmal wieder einer Abendveranstaltung und zwar noch ein kurzes Grußwort und eigentlich hat man sich gefragt, ob man nicht auch irgendwie mal einen Sommerabend ohne Grußwort verbringen kann und dann fällt man morgens dein Computer hoch und dann schreibt einem, wie man den man nicht kennt, der eben im Raum gesessen hat, dass er sich oder sie sich so gefreut hat über irgendeine Bemerkung, die man gemacht hat und die man ja auch meint, sonst hätte man es nicht gesagt und dann fängt der Tag irgendwie anders an.
Helen
Total. Das kann ich richtig, richtig gut nachvollziehen. Was ich eben noch überlegt hatte, weil wir darüber ja auch beim Zukunftsparlament gesprochen hatten und was irgendwie auch so ein bisschen der Auslöser war, warum ich dachte, darüber könnte man gut sprechen. Das wäre wahrscheinlich irgendwie am Anfang auch sinnvoll gewesen, um das ein bisschen einzuordnen, aber Sie haben das jetzt ein paar Mal angestimmt, dass das, also die Vorsteherin des Börsenvereins, dass das im Grunde Ihr Ehrenamt ist, neben Ihrem Beruf im Verlag. Also das gebe ich richtig wieder, oder? Ja. Das finde ich schon auch ganz schön krass, weil wahrscheinlich nimmt das in den letzten sechs Jahren viel, viel mehr Raum ein. Aber wie, also wie kann man sich das vorstellen, so, wie wird es in irgendeiner Form, sag ich mal honoriert, dass Sie da sechs Jahre Ihres Lebens für investiert haben, für diese Rolle? Oder ist das halt, also weil man vielleicht auch tolle Kontakte irgendwie kennenlernt und solche Momente, wie mit Salman Rushdie und seiner Frau erlebt, dass sich das irgendwie so auszahlt. Also ich finde schon auch beachtlich, dass es ein Ehrenamt ist. Das war mir, glaube ich, bis Sie das gesagt haben, auch gar nicht so bewusst. Ich finde, dass Sie beim Zukunftsparlament übers Ehrenamt gesprochen haben, weil alle vorigen Sachen, die Sie gemacht haben, im Ehrenamt waren. Aber okay, also eine sehr bedeutende große Rolle und die ist ein Ehrenamt. Das finde ich schon krass. Was genau hat es damit auf sich?
Karin Schmidt-Friderichs
Ja, also das ist schon, zum einen, muss man das nicht ganz so, also sowohl emotional als auch zeitlich nicht ganz so tief und weit fassen. Aber wahrscheinlich gehört das zu mir. Ich habe immer alles, was ich getan habe, auch intensiv getan und ich kann es auch irgendwie nicht anders. Es gibt, es ist ein Ehrenamt, für das wir im Vorstandsmitglied eine Aufwandsentschädigung bekommen.
Helen
Also jetzt nicht wie so ein Vorstand von einem Lachsunternehmen?
Karin Schmidt-Friderichs
Nein, nein, nein, nein, überhaupt nicht. Das ist, dafür können Sie überhaupt nicht, nicht in meinen Fährendesten, sich irgendwie eine Assistenz oder sonst irgendwas leisten, sondern das ist wirklich eine Aufwandsentschädigung. Und das ist es, ist auch überhaupt nicht das, was einen dabei treibt. Und ich trecke eine BahnCard 50, mit der ich für den Wörsenveranstalten fahre, aber die ich natürlich auch dann privat nutzen kann. Das ist aber alles wirklich sehr auf der Ebene Aufwandsentschädigung. Das heißt, die Motivation muss woanders sein und ist auch woanders. Und es gibt unter meinen Vorgängern und meiner einen Vorgängerin im Börsenverein sogar Leute, die diese Aufwandsentschädigung nicht angenommen haben, weil sie gesagt haben, mir geht es von meinen sonstigen Verhältnissen her so gut, dass ich das nicht brauche. Das ist bei mir mit dem kleinen Verlag nicht so. Also ich nehme die an. Aber also das Entschuldigenum zu rechnen würde in tiefe Depressionen führen, mache ich das nicht. Und das Will letztlich, also Deutschland hat hier ganz viele Vereine und die Vereine, das war mir auch gar nicht so bewusst, bevor ich mich mit dem Börsenverein so intensiv beschäftigt habe, die werden ja immer alle von Vorständen geführt, also von Mitgliedern. Und es ist tatsächlich sogar so, dass das Vereinsrecht diese Vorstandsmitglieder in eine gewisse Haftung nimmt. Also das ist alles gar nicht so nur locker, sondern deshalb auch nicht so halt ein bisschen Ehre. Warum macht man das dann, obwohl es sich finanziell überhaupt nicht lohnt und viel Arbeit, Aufwand und ja, das eine oder andere mal ja sogar Ärger mit sich bringt? Oder zumindest ist es nicht ausgeschlossen, dass es auch mehr Ärger mit sich bringt. Bei mir kann ich jetzt im Rückblick oder im fast schon Rückblick sagen, ich habe Stärken von mir kennengelernt und leben dürfen, die ich in der Struktur eines kleinen Inhabegeführten Verlages nie hätte leben können. Es ist vor allem große Interessengegensätze moderierend verhandeln. Gruppen führen die per se divergente Interessen haben. Und die trotzdem dazu zu bringen, sich aufeinander auf etwas zu einigen, was sich nicht nach einem vollen Kompromiss anfühlt. Und ich denke seitdem sehr, sehr anders über das führen, egal welche Koalition in Berlin nach, weil ich finde, dass man sich natürlich unter Regierenden oder wie auch immer über unterschiedliche Dinge auch debattieren und streiten darf. Ich finde es aber ganz fürchterlich, was ja im Rahmen einer Bundesrichtlerdiskussion oder sowas da nicht nur durchsickert, sondern mit Schlamm geworfen wird. Und im jetzt viel kleineren der Börsenverein ist nicht mit der Regierung vergleichbar, dazu beizutragen und zu erleben, dass man sowas aber verhandeln kann und dass man dann eine Lösung oder eine Entscheidung aushandelt und sagt, okay, das ist jetzt aber was, worauf wir gemeinsam bauen können. Und da schät dann auch danach niemand aus und sagt, ich habe aber eigentlich und ich wollte aber doch schon immer und ja ruft irgendwie im Börsenverein an und sagt, hey, hey, hey, aber das und das. Das ist in einem Verlag, wenn sie dazu noch mit ihrem eigenen Mann zusammenarbeiten, braucht man andere Talente, aber dieses Talent des Aushandelns halten natürlich viel weniger. Und auch zu verstehen, dass es andere Interessen gibt, die wirklich, die ich bedacht habe und sich schlau zu machen und zu kapieren, stopp, dann kann das auch so und so nicht gehen, dann war das einfach keine gute Idee mit der du in das Gespräch reingegangen bist. Das ist wie eine Art, nochmal Zusatzausbildung, aber es ist natürlich so eine Art Operation am offenen Herzen, weil man ja nicht im Hörsaal sitzt und es lernt, sondern man erlebt das während man es lernt. Und jetzt habe ich das Privileg, dass ich gesund und leistungsfähig bin, dass ich früh Kinder bekommen habe und die aus dem Haus sind. Also das ist von daher in mein Leben Setting passt und toll, toll, toll die robuste Gesundheit, dass diese Belastung außer, dass ich nicht mehr jobben kann, sondern nur walke noch keine weiteren Folgen gezeigt hat. Und dann ist es ja eigentlich die tollste Entwicklungsschancen, die man bekommen kann. Wenn jemand das so sehen kann, dann kann ich nur dringend empfehlen. Das ist das schönste Ehrenamt der Welt. Wenn man das so nicht sehen mag, dann würde ich auch ein bisschen da vorwarnen, sich das ans Bein zu binden.
Helen
Ja, Sie hatten beim Zukunftsparlament auch gesagt, Sie hätten sich auch noch eine weibliche Kandidatin gewünscht. Das hätte in 200 Jahren Börsenverein auch nicht so schlecht getan, wenn es irgendwie auch noch eine dritte Vorsteherin hätte.
Karin Schmidt-Friderichs
Das kriegen wir noch hin.
Helen
Das kriegen wir noch hin für alle, die sich jetzt angesprochen fühlen. Vielleicht dann in drei Jahren.
Karin Schmidt-Friderichs
Also es tatsächlich Dorothee Hess-Maier war die erste und vor mir einstige Vorsteherin des Börsenvereins. Und das ist eine faszinierende, da muss man Dame sagen, dass da ist Frau gar nicht das richtige Wort. Und die ich sehr bewunder, ist eine sehr, sehr feine Person. Und die schrieb mir irgendwann, ich hatte die Wiedervereinigung und sie haben Corona. Sie wissen, die wirklichen Krisen geben sie uns Frauen. Ich dachte, okay, das stimmt, dann werde ich das jetzt auch noch schaffen.
Helen
Ja, das waren bestimmt hin und wieder so Momente, wo sie dachten, wie soll das weitergehen. Und wo dann so ein emotionales Konto das gefüllt wird, sehr wichtig war.
Karin Schmidt-Friderichs
Ja, ich habe dreimal Leipzig abgesagt. Sie treten an und wollen ein Buch messen und eröffnen. Und stattdessen sagen Sie die ab. Ich habe mir irgendwie vor, was, was ist hier falsch. Also bin ich, ich wusste das nicht an mir, aber trotzdem, das ist schon was, da mag ich nicht gerne, dass man zurückdenkt. Aber auch daran wächst man und auch da zeigt man, fährt man trotzdem. Also ich bin trotzdem immer in Leipzig gewesen, weil ich finde, als Repräsentant in dieser Branche hör ich dann in diese Stadt, der was fehlt, die trauert um ein jahres Höhepunkt. Und die Buchmenschen für die ist es der jahres Höhepunkt. Und natürlich hilft es überhaupt nichts wirklich zur Sache, dass ich da bin, aber als Signal eben schon. Ja. Und das sind Sachen, die muss man nicht, da hätte auch jeder verstanden, dass ja dann noch mal Ansteckungsgefahr dabei. Und dann habe ich meinen Corona auch aus Leipzig mitgebracht, weil ich dann eben natürlich bei allen Interviews die Maske ausgezogen habe und irgendwo hat einer geschlossen, dass es jetzt mein Moment ist. Aber gut, wenn er sonst hätte, ich seh'n Mainz bei was, was ich was bekomme. Ja, das stimmt.
Helen
Was, also jetzt sind es quasi noch zwei Tage, bevor es für sie nach Island geht und diese sechsjährige Amtszeit endet. Also natürlich bei der Veröffentlichung noch nicht bei der Aufnahme. Aber worauf freuen Sie sich am meisten und was, also worauf freuen Sie sich am wenigsten, jetzt bei der bevorstehenden Zeit?
Karin Schmidt-Friderichs
Also zum einen, ich gönne mir wirklich den Traum und steige, wenn wir es, also jetzt Veröffentlichungstag in zwei Tagen in einem Flieger und Fliege mit meinem Mann nach Island. Ich werde furchtbar frieren, weil ich sehr gefroren bin, aber ich werde tolle Sachen erleben, bin ich ganz, ganz, ganz sicher. Und das nenne, das mache ich auch ganz bewusst als Cool-Down-Phase. Es ist ein kleiner psychologischer Trick, um das deutlich weinende Auge mit guten Bildern zu füllen, weil ich mir vorstelle, dass es dann vielleicht nicht so viel zum weinen kommt. Wo ich mich tatsächlich riesig gefreut habe, und es liegt schon ein Weile zurück war, in den Terminkalender, ich fange aber mit so, ich fühle tatsächlich neben Outlook noch so ein Papierkalender, weil das für mich begreifbarer ist dann. Ich fange mal mit so einer Jahresübersicht an, weil irgendwie wo sind Inseln, wo ist dies und wo ist das. Und dann nicht mehr die ganzen Fixtermine für den Wörseverein geschrieben zu haben und das war so total leer. Und das fand ich irgendwie eine Weile. Das fand ich so richtig, ich habe mir das nicht so ausgeklappt, als Lepeurelle und hingegucken hingeguckt und gedacht, boah, so sieht Freiheit aus. Ja, das war die gute Wahrstellung. Das war, dann direkt danach kommt dann so ein, ja, aber irgendwie will ich dann da unter nicht doch hin und also das ist, das ist noch völlig, während ich das eine sage, kommt im Gefühl schon wieder das andere, da bin ich noch überhaupt nicht abgeklärt. Und als dann der Plan dann so leer lag, habe ich mich gefragt, naja, wenn eine Tür zugeht, dann ist auch immer die Zeit, wo eine andere vielleicht wieder aufgehen darf und ich werde hier jetzt dann ganz bald 65 und da könnte man sagen, okay, das war früher mal die Zeit, wo man in Rente gegangen ist. Jetzt fühle ich mich danach überhaupt nicht und dann habe ich und jetzt spring ich wieder auf Zeitpunkt Aufnahme gestern mich zu einem Aufbaustudiengang angemeldet.
Helen
Ach, toll.
Karin Schmidt-Friderichs
Ja, die Stiftungsmanagement und da werde ich vermutlich die mit Abstand älteste Studierende sein und fang in Februar an an der EBS Universität Stiftungsmanagement zu studieren in einem achtmonatigen Aufbaustudium, von dem mir gestern Abend eine Dozentin erzählt hat, dass das verdammt schwer wäre, aber ich habe mich heute nicht abgemeldet daraufhin und das, das tue ich, weil ich das, weil ich mir so gedacht habe, dass Tolstin nach so viel Verantwortung und so viel Outstanding Rolle, wäre doch eigentlich mal andere mir was beibringen zu lassen. Also mal zurücktreten, wo ganz anders hin. Und jetzt bin ich total gespannt, weil mein eigenes Studium liegt natürlich ewig, ewig, ewig zurück und ich habe Fortbildungen gemacht und so, aber die sind auch lange her. Und jetzt wirklich noch mal so auf eine Hochschule zu gehen und so Blockseminare von drei Tagen zu machen und eine Prüfung zu schreiben und eine Klausur und Hausarbeit und eine Abgabefrist zu haben und so was. Und da habe ich das alles eingetragen in dieses leere Jahr und zack war das voll. Oder zumindest relativ gefüllt und alle Urlaubswünsche waren wieder dahin. Also es hat sich gar nicht so viel geändert. Und jetzt bin ich sehr gespannt.
Helen
Ja, total aufregend. Also wieder eine ganz neue Phase, die wahrscheinlich sehr viel Wachstum bereitet.
Karin Schmidt-Friderichs
Ja, so ist zumindest der Plan. Also ich meine absoluter Traum. Jetzt dürfen alle irgendwie mal gucken, wie kennen Sie einen entscheider Innen. Ich habe in der Praxis schon eine Stiftung geführt, aber ich habe natürlich nie theoretisch Stiftungsrecht und Steuerimplikationen bei Stiftung. So habe ich ja so weit Ahnung, wie das halt vorkam. Und ich habe mir gedacht, nach dem Börsenverein gibt es eigentlich kaum noch was, was man machen kann, was annähernd so toll ist. Aber im Vorstand einer Stiftung mitzuarbeiten, deren Stiftungszweck mir wirklich am Herzen liegt und die mit so viel Kapital ausgestattet ist, dass man mit dem Zweck auch was machen kann. Und das gibt in Deutschland ganz, ganz, ganz viel. Das wäre doch mega cool. Und dann dachte ich mir jetzt nicht gleich wieder in die volle Verantwortung, sondern erst mal so ein bisschen auch was zu lernen und mal ein bisschen mehr wiedernehmen und nicht immer nur geben oder nicht vor allem was geben. Das würde sich gut anfühlen. Aber ob das sich dann wirklich gut anfühlt, kann ich erst im nächsten Jahr sein.
Helen
Ja, aber total spannend. Hier in Bonn gibt es sehr viele Stiftungen. Ich kann mich mal umhören.
Karin Schmidt-Friderichs
Ja, also ich suche was Richtung, weil mein Traum wäre dazu beizutragen, an der Schnittstelle zwischen Bildung und Stiftung. Ich glaube, dass das massiv zusammenhängt. Und das steht auch bei vielen Stiftungen nicht ganz so in der Formulierung oder so, aber im Stiftungszweck. Und dafür Programme zu entwickeln, weil ich hier jetzt oft genug mitbekomme. Wir fordern immer alle vom Staat und der Stiftung ist immer noch ein bisschen mehr. Und das ist ja auch ein bisschen mehr. Das ist ja auch ein bisschen mehr. Wir fordern immer alle vom Staat und der Staat antwortet dann mit Schwabprogrammen. Und vielleicht gibt es aber auch Programme, die man lostreten kann mit Geldern, die ja an die Stiftungen gehen, ohne das oder mit gesparten Steuern. Und dann dürfen die ja auch wieder der Allgemeinheit auf die Art wieder was geben. Und da mitzuwirken und mitzugestalten, in dem Bereich, das wäre so mein wirkliches Anlegen, weil mir die Demokratiesicherung durch Bildung und durch Wertebildung und aber auch durch Medienkompetenz nur sicherbar erscheint. Es ist eine Leihgabe und kein Geschenk, das wir in der Demokratie leben.
Helen
Ja, das ist doch eigentlich ein ganz gutes Schlusswort, denke ich gerade so. Ich finde das total schön auch zu sehen, was jetzt für Sie auch als nächstes ansteht. Und bin irgendwie total gespannt, was da so bei herumkommt. Ich wünsche Ihnen aber vor allen Dingen auch erstmal eine schöne… Also ich meine, jetzt stand der Aufnahme, wünsche Ihnen eine gute Messezeit, und da alles glatt geht. Und dann vor allen Dingen eine tolle Zeit in Island und einfach so ein bisschen reflektieren. Wie waren die letzten sechs Jahre und dann eine gute Neustart. Aber ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Wahrscheinlich kurz bevor jetzt so total die heiße Phase beginnt. Bin froh, dass wir das noch hinbekommen haben. Und uns so ein bisschen so einen Einblick in die Aufgaben, aber auch in das, was Sie so ausmacht, gegeben haben. Wahrscheinlich hätten wir auch noch Stunden füllen können. Und ich würde sagen, das ist eine Stille von den Hörerinnen verabschieden und unser alkoholfreies Glitzergetränk zu enden.
Karin Schmidt-Friderichs
Ich möchte Ihnen aber auch ganz, ganz herzlich danken. Es ist ganz toll, dass uns der Young Excellence Award zusammengebracht. Und dass Sie dann beim Zukunftsparlament mich nochmal angestupst haben, weil ich irgendwie zwei Jahre gesagt habe, aber irgendwie vergessen hatte, mich zu melden. Das sind die Nebenwirkungen von den Rehrenamt. Und ich möchte auch noch mal gerne sein, dass ich das so toll finde, dass Sie diese Community rund ums Lesen ins Leben gerufen haben und auch mit Leben erfüllen. Weil ich ganz massiv glaube, dass das eine Form der Leseförderung ist, die man eben zum Beispiel überhaupt nicht an Staat und irgendwie andere delegieren kann, sondern das muss mit der ansteckenden Wirkung von Buchbegeisterung kommen. Und das kann man nicht irgendjemandem beauftragen, sondern das muss von Ihnen kommen und spread the users, spread the feeling. Und das ist cool, dass Sie das machen mögen, dass möglichst viele ansteckend.
Helen
Danke schön. Ja, das hoffe ich auch. Dann vielen, vielen Dank. Und ich sage vielleicht bis zur Buchmesse.
Karin Schmidt-Friderichs
Genau.
Helen
Das war's für heute. Ich hab mich unglaublich gefreut, dass du eingeschaltet hast und vor allem bis du am Ende dran geblieben bist. Falls dir die Folge gefallen hat, dann abonnier den Podcast am besten, damit du auch in Zukunft keine Folge verpasst. Bis zum nächsten Mal.




