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Podcast · Folge 149
42 Euro Budget, fünftausend Mitmachende
Verleger Daniel Beskos über den Indiebookday, den er 2013 aus dem Ärmel schüttelte – und darüber, was ein unabhängiger Verlag eigentlich ist
Einmal im Jahr gehen Menschen in eine Buchhandlung, kaufen ein Buch aus einem unabhängigen Verlag und posten es. Das ist der Indiebookday – und er ist aus einer Beobachtung in der Hamburger Innenstadt entstanden, ohne Plan und praktisch ohne Geld. Daniel Beskos hat uns erzählt, wie das lief, und ganz nebenbei erklärt, was Indie-Verlage überhaupt sind.
Daniel Beskos
Verleger, Literaturveranstalter und Übersetzer
Noch als Schüler gründete er gemeinsam mit Peter Reichenbach den mairisch Verlag, den er bis heute mit einem kleinen Team betreibt. Seit 2015 ist er Mitveranstalter des Hamburger Literatur- und Musikfestivals HAM.LIT, seit 2016 arbeitet er außerdem als Übersetzer für verschiedene Verlage. Den Indiebookday hat er 2013 erfunden.
Foto: privat
Die Idee kam von den Plattenläden
Vorbild war der Record Store Day: ein Aktionstag, an dem Menschen in Plattenläden gehen, physische Tonträger kaufen und damit die Läden und kleinen Labels unterstützen. Beskos sah in der Hamburger Innenstadt die Schlangen vor den Geschäften und dachte: So etwas müsste es für Verlage auch geben.
Der Rest ging schnell. Das Logo gestaltete Karen Köhler, die eigentlich als Autorin arbeitet; die Website setzte er selbst auf; angekündigt wurde bei Facebook und Instagram. Im Team rechnete man mit fünf bis zehn Leuten, die mitmachen würden.
Am Aktionstag im März 2013 waren es Hunderte, dann Tausende. Allein im damaligen Facebook-Event meldeten sich rund fünftausend Menschen an. »Es ist mir irgendwie völlig entglitten«, sagt er über das Gefühl damals. Der WDR rief an und die Leipziger Volkszeitung, und wollten wissen, was das für eine Aktion sei und wo denn das Plakat dazu wäre.
Was der Tag gekostet hat
Wie unwahrscheinlich das war, wurde erst später in einem direkten Vergleich sichtbar. Auf der Leipziger Buchmesse bekam der Indiebookday einen Marketing-Award. In der Präsentationsrunde stellten große Häuser ihre Projekte vor: zehn Leute, vier Monate, 88.000 Euro Budget.
Ja, also wir haben das in fünfzig Minuten gemacht, das Budget waren zweiundvierzig Euro für so einen Flyer, den wir hinterher gar nicht gebraucht haben.Daniel Beskos
Der ganze Saal lachte. Für ihn war es aber schlicht die Beschreibung, wie sie arbeiten: Das Gründungskapital von mairisch lag nach seiner Erinnerung bei etwa 150 Euro – und der Verlag ist seit über zwanzig Jahren sein Beruf.
Was ein Indie-Verlag ist – und was nicht
Die Definition ist im Kern einfach: In Deutschland gibt es einige wenige große Konzerne – er schätzt etwa fünf –, zu denen viele der bekannten Verlagsmarken gehören. Indie-Verlage sind nach der eigentlichen Definition alle anderen. Wie viele das sind, weiß niemand genau; er schätzt rund zweitausend. Eine Studie im Auftrag der damaligen Kulturstaatsministerin kam sogar auf dreitausend – wobei da auch Werbeagenturen mitgezählt werden, die einmal ein Buch in den Handel gebracht und sich beim Börsenverein angemeldet haben.
Die Spanne ist entsprechend groß: von einer Person, die ein Buch im Jahr macht, bis zu Häusern wie Hanser oder Suhrkamp mit ein- bis zweihundert Mitarbeitenden, die konzernunabhängig und damit im Wortsinn ebenfalls unabhängig sind.
Worum es ihm bei der Aktion aber eigentlich ging, ist etwas anderes: Es gibt sehr viele engagierte Menschen, die gute Bücher machen – und sehr wenig Platz für sie im Handel, in der Aufmerksamkeitsökonomie der Medien und auf Social Media. Die Buchseiten der Medien schrumpfen, und wo Bücher noch stattfinden, sind es meist die Titel, die ohnehin schon Aufmerksamkeit haben. Für diese Vielfalt – heute oft Bibliodiversität genannt – wollte er einen Tag schaffen.
Wie man den Tag am besten begeht
Seine Idealvorstellung ist kein stiller Einkauf, sondern ein Gespräch: in die Buchhandlung gehen und sagen, dass man beim Indiebookday mitmachen und ein Buch aus einem konzernunabhängigen Verlag möchte. Buchhändler*innen haben dann meist viele Empfehlungen – und irgendetwas von Wagenbach, Schöffling oder Matthes & Seitz steht praktisch immer im Regal. Danach ein Foto vom Buch, gepostet mit dem Hashtag #indiebookday, gern mit ein paar Zeilen dazu, warum es dieses geworden ist.
Wer sich vorher orientieren will: Die Kurt Wolff Stiftung in Leipzig, in deren Vorstand Beskos mitarbeitet, gibt jährlich einen Katalog mit rund 120 unabhängigen Verlagen heraus und führt eine Liste auf ihrer Website. Vollständig ist das nicht – als Einstieg reicht es allemal.
Und der Tag hört nicht am Abend auf: Am Indiebookday startet die Indiebook-Challenge, entstanden nicht im mairisch-Team, sondern auf Initiative von Sarah Käsmayr vom Maro Verlag, die sie bis heute koordiniert. Jeden Monat ein Thema – ein Buch mit rotem Cover, ein aus dem Tschechischen übersetztes Buch, ein von zwei Frauen geschriebenes Buch.
Weniger Bücher, sagt ein Verleger
Bemerkenswert ist, wofür er plädiert: dass weniger Bücher gemacht werden. Es würde allen helfen – Buchhandlungen, die weniger Qual der Wahl hätten; Journalist*innen, die eher wüssten, was sie besprechen; und Leser*innen, die in einem Laden mit 150 Büchern eher eines mitnehmen als in einem mit zwanzigtausend.
Der Trend geht in diese Richtung: Vor rund zehn Jahren waren es nach seiner Erinnerung etwa 90.000 Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt, inzwischen etwa 60.000. Gleichzeitig entstehen laufend neue Verlage, Imprints und Reihen.
Bei mairisch – fünf Leute, zehn Bücher im Jahr – führt das zu einem klaren Kriterium: Es reicht nicht, dass ein Buch machbar wäre. Ein gutes Signal ist, wenn mehr als eine Person im Team begeistert ist. Dann die Fragen: Löst das Buch ein, was es sich vorgenommen hat? Auf eine Weise, die man so noch nicht gelesen hat? Sind nicht ohnehin schon siebenunddreißig Bücher zum selben Thema erschienen?
Manchmal überrascht ihn dabei, wie gut das ganz Enge funktioniert. »Kaiseki – Die Weisheit der japanischen Küche« von Malte Härtig etwa, ein Buch über die japanische Teezeremonie bis ins Detail: Wo wächst der Bambus, wie lädt man die Gäste ein? Er hielt es für zu nischig. Es erlebte mehrere Auflagen.
Die ganze Folge hören
Bücher aus dieser Folge
Zwei Titel, die im Gespräch vorkamen – beide aus unabhängigen Verlagen.
Unerwidert lieben
Miriam Metze
Eine philosophische Tröstung – im Gespräch erwähnt.
Die Frau als Mensch
Ulli Lust
Band 1: Am Anfang der Geschichte – im Gespräch erwähnt.
*Mit Sternchen markierte Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.
Ebenfalls im Gespräch: »Kaiseki – Die Weisheit der japanischen Küche« von Malte Härtig – bei Thalia nicht gelistet, bei Amazon ansehen*.
Häufige Fragen
Was ist der Indiebookday?
Ein Aktionstag Mitte März, an dem man in einer Buchhandlung ein Buch aus einem unabhängigen Verlag kauft und es im Netz mit dem Hashtag #indiebookday zeigt. Daniel Beskos hat ihn 2013 nach dem Vorbild des Record Store Day erfunden.
Was ist ein Indie-Verlag?
Ein Verlag, der zu keinem der wenigen großen Konzerne gehört. Die Spanne reicht von Ein-Personen-Verlagen mit einem Buch im Jahr bis zu Häusern wie Hanser oder Suhrkamp, die ebenfalls konzernunabhängig sind. Wie viele es in Deutschland gibt, weiß niemand genau – Schätzungen liegen bei rund zweitausend.
Wie mache ich beim Indiebookday mit?
In eine Buchhandlung gehen, nach einem Titel aus einem konzernunabhängigen Verlag fragen – die Empfehlungen kommen dann meist von selbst –, das Buch kaufen und mit dem Hashtag #indiebookday posten, gern mit ein paar Zeilen, warum es dieses geworden ist.
Wo finde ich eine Liste unabhängiger Verlage?
Die Kurt Wolff Stiftung in Leipzig gibt jährlich einen Katalog mit rund 120 unabhängigen Verlagen heraus und führt eine Liste auf ihrer Website. Vollständig ist das nicht, als Einstieg aber gut geeignet.
Was ist die Indiebook-Challenge?
Eine Lese-Challenge, die am Indiebookday startet und über das Jahr läuft: jeden Monat ein Thema, etwa ein Buch mit rotem Cover oder eine Übersetzung aus dem Tschechischen. Sie geht auf Sarah Käsmayr vom Maro Verlag zurück, die sie auch koordiniert.
Das ganze Gespräch zum Nachlesen
Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, maßgeblich ist die Aufnahme. Intro und Abspann sind herausgenommen.
Helen
Herzlich willkommen Daniel. Ich freue mich heute sehr mit dir über den Indiebookday und wer weiß was noch zu sprechen. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Daniel
Genau, Ich habe mitgebracht Genmaischer Tee, den ich jetzt irgendwie wiederentdeckt habe. Den habe ich ganz lange nicht mehr getrunken. Das ist eigentlich nur japanischer grüner Tee. Aber der Clou ist, dass da so gerösteter Reis drin ist. Das schmeckt irgendwie total toll. Eine Mischung aus Grüntee und Popcorn irgendwie. Aber ich finde es super. Das habe ich noch nie probiert.
Helen
Das klingt gut.
Daniel
Genau. Und sitzen tun wir in der. Also in Pankow, in Berlin, wo ich gerade ganz frisch hingezogen bin. Was für mich natürlich auch aufregend ist, weil mein ganzes Leben sich jetzt gerade wieder mal verändert.
Helen
Ach krass. Ja, witzigerweise habe ich gesehen, dass du einen eigenen Wikipedia Wikipediaeintrag hast. Und dann fand ich das noch so voll schräg, weil da steht quasi dein Wohnort da steht, wohnt in St. Pauli in Hamburg und ich dachte Boah, voll krass, dass so was so im Internet steht. Aber es ist schon gar nicht mehr relevant. Ich bin sehr, sehr gespannt auf diesen grünen Tee. Habe ich noch nie probiert, würde ich sagen. Stoßen wir einmal mit an! Du machst super viele verschiedene Sachen. Du bist Übersetzer, Verleger, Moderator, Veranstalter, alles mögliche. Ich habe dich aber angefragt, weil du auch hinter dem Indiebookday steckst und der ist in ein paar Tagen. Also wenn die Folge rauskommt, ist der zwölfte März und am vierzehnte März ist der Indiebookday, also zwanzig sechs und zwanzig und ich habe eigentlich gedacht, ich habe dich angefragt, weil du hinter indiebookday .de stehst, weil das so im Impressum stand und ich dachte so cool, das klingt so am nächsten dran. Aber jetzt habe ich mich ein bisschen eingelesen und ich glaube, das ist nicht ganz korrekt. Ich glaube, du steckst wirklich hinter dem Indiebookday und der ist dann einfach international, sage ich mal, expandiert. Magst du mal so ein bisschen erzählen? Was ist das überhaupt und wie bist du auf die Idee gekommen?
Daniel
Genau. Ja, also, das ging los. Ich glaube, das war zwei tausend dreizehn. Ist also schon ein paar Jahre her, dass wir irgendwie, ich glaube sehr groß war. Damals in der Musikindustrie gibt es einmal im Jahr so ein Tag, der heißt Record Store Day. Da gehen irgendwie lauter Leute in die Plattenläden und kaufen sich physische Tonträger, damals vor allem noch mehr als heute und unterstützen auf diese Weise die Läden und die kleinen Labels und so und irgendwie so ein Aktionstag, den ich ganz schön fand. Ich habe dann in der Hamburger Innenstadt gesehen, diese riesigen Schlangen von Leuten, die vor diesen Plattenläden standen und auf irgendwelche Sondereditionen gewartet haben. Und ich dachte, sowas müsste eigentlich auch für Verlage geben und dann haben wir relativ so aus dem Ärmel heraus, habe ich dann gesagt. Oder haben wir dann also auch als Team gesagt, wir können ja den Indiebookday nennen, wir machen einfach einen Tag und Aktionstag, wo man in den Buchladen geht und kauft sich ein Buch aus einem unabhängigen Verlag. Idealerweise geht man auch in eine unabhängige Buchhandlung. Wahrscheinlich muss man nachher noch ein bisschen klären miteinander, was eigentlich unabhängige Verlage und Buchhandlungen sind.
Helen
Auf jeden Fall müssen wir das.
Daniel
Und. Und dann postet man darüber im Internet. Also das ist eigentlich so die Idee war. Man kann so was shoppen gehen und kann dann damit noch angeben und tut auch noch was Gutes und das Ganze irgendwie als Aktion und ich hatte das dann irgendwie ein bisschen bei uns rumerzählt. Dann hieß es so ja okay, so fünf bis zehn Leute werden da schon mitmachen und so und dann haben wir wirklich so in fünf Minuten das Logo irgendwie von Karen Köhler gestalten lassen. Ich habe dann die Webseite ganz schnell aufgesetzt und dann haben wir das, ich weiß gar nicht mehr, damals noch bei Facebook und ich glaube bei Instagram gepostet und haben irgendwie so auf die Aktion hingewiesen und das war auch total kurzfristig. Und tatsächlich war es dann so, dass an diesem Aktionstag selber hunderte, Tausende von Leuten mitgemacht haben. Es hat sich auch auf Facebook, das gab damals noch diese Facebook Events, die man da erstellen konnte, dann war das so ein Event. Und haben sich so fünf tausend Leute angemeldet, dass sie mitmachen wollen. Und das war es ist mir irgendwie völlig entglitten, hatte ich das Gefühl. War natürlich total toll, weil man dann an dem Tag im März zwei tausend dreizehn lauter Postings von Leuten, die halt ihre Lieblingsbücher, die sie gerade gekauft haben oder Neuentdeckungen oder was auch immer sie in der Buchhandlung entdeckt haben, gekauft haben und das dann ins Netz gestellt haben. Und das war einfach so überwältigend und lustig. Und dann rief der WDR an und die Leipziger Volkszeitung, was das denn für eine Aktion sei. Und wo ist denn da das Plakat dazu gäbe und so Und das. Also man merkte, dass wir da sehr unstrukturiert rangegangen sind, aber total viel Spaß hat es gemacht. Und dann haben wir natürlich gedacht, das müssen wir im nächsten Jahr wieder machen, aber ein bisschen besser vorbereitet, weil die Buchhandlungen wussten ja auch nicht, wovon die Kundinnen geredet haben. Als sie dann hereinkam, und es war irgendwie lustig, weil es ein bisschen anarchisch in die Welt geschmissen war und dann da einfach stattgefunden hat. Und dann haben wir im nächsten Jahr dann angefangen, das zu vorher anzukündigen, haben uns auch so über die Jahre hinweg verschiedene Partnerorganisationen gesucht. Also so keine Ahnung. Die Auslieferung, die dann Plakate in den Buchhandel gebracht haben. Viele Verlage waren involviert. Dann fing auch viele Buchhandlungen an, so Veranstaltungen zu machen, also Lesungen oder Empfehlungstische oder Schaufenster oder auch Podiumsdiskussionen, eben rund um das Thema Publizieren, Bücher verlegen und so und, ähm, ja, das hat sich dann so zu einer kleinen Tradition entwickelt. Und schöner Weise haben das auch Buchhandlungen und Verlage im Ausland aufgegriffen und das wurde dann irgendwann immer größer und hat einfach Spaß gemacht, das zu verfolgen. Und wir setzen jetzt eigentlich nur noch das neue Logo ins Netz und koordinieren den Termin, wann der ist und der Rest passiert von selber. Und ich weiß auch immer nie, was passiert.
Helen
Also das ist echt witzig. Ich finde das irgendwie auch noch mal ein gutes Beispiel für so, dann is better than perfect, weil man könnte das natürlich auch total perfekt durchplanen, aber dann weiß man nicht, ob es nachher, ob sich quasi das, was man reinsteckt, auszahlt. Ihr habt erst mal gemacht und dann nach und nach angepasst und ist mega erfolgreich geworden. Ist ja voll cool. Finde ich voll das coole Beispiel. Du hast jetzt immer von einem Team und wir gesprochen. Das ist dann das Team. Bei Mairisch Verlag, oder?
Daniel
Ja genau. Also die Grafikerin, die das gemacht hat, war Karen Köhler, die eigentlich als Autorin arbeitet, aber auch Grafikerin ist. Und das Team ist eben das von Mairisch Verlag. Genau. Ja.
Helen
Und? Ist der ähnlich spontan entschieden? Bei den hast du ja sehr, sehr früh schon gegründet, den Verlag war das auch so eine? Komm, wir machen einfach mal Aktion oder wie lief das ab?
Daniel
Ehrlich gesagt, jetzt gerade, wo du das eben gesagt hast, habe ich gedacht Ja, so ist ja eigentlich ganz oft bei uns, die die Sachen, die wir machen. Also der Verlag ist auf jeden Fall auch so entstanden, da kann ich noch mal ein bisschen ausholen. Also das ist ja echt eine längere Geschichte, weil wir machen jetzt schon sehr, sehr lange, weil wir schon als Schülerinnen damit angefangen haben. Ähm, den Verlag gibt es quasi jetzt schon offiziell seit neunzehn hundert neun und neunzig, also schon sehr, sehr lange und wir haben also ich habe als ich weiß nicht mit fünfzehn sechzehn bin ich immer in so ein Jugendzentrum im Nachbardorf geradelt und habe dann da mit Freunden rumgehangen und haben wir Musik gemacht und gehört, Tischtennis gespielt, was man da so machte. Und irgendwie kamen Peter und ich, also Peter Reichenbach ist mein Kollege, auch im Mairisch Verlag und Peter und ich kam irgendwie auf die Idee, wir könnten da ja mal eine Lesung machen mit Leuten, die selber was vorlesen, weil irgendwie doch ganz viele aus unserem Bekannten und Freundeskreis Gedichte oder Kurzgeschichten geschrieben haben. Und dann haben wir diesen hinteren Raum irgendwie dafür hergerichtet und haben dann so Flyer gemacht und die waren dann da vom Jugendzentrum, die waren so ein bisschen so, also war so ein selbstverwaltetes Zentrum, da gab es jetzt keine offiziellen Pädagoginnen oder so, aber die waren dann die anderen. So echt Literatur seid ihr sicher ein bisschen blöd und? Nee, nee, lass mal probieren. Und dann haben wir das gemacht. Und dann kam auch irgendwie sechzig, siebzig Leute am ersten Abend und alle wollten was vorlesen. Das ging bis drei uhr nachts, und das war irgendwie total toll. Und das haben wir dann einmal im Monat gemacht. Und aus dieser Reihe ist dann schon entstanden, dass man mit diesen Texten auch irgendwas machen will. Dann haben wir so kleine Heftchen veröffentlicht. So do it yourself mäßig im Copyshop und die dann für damals noch Mark zwei Mark verkauft. Irgendwie auf der nächsten Veranstaltung. Und irgendwie ist aus dieser Idee relativ schnell dann die Idee entstanden, einen Verlag zu gründen. Wir sind dann zum Studieren in verschiedene Städte gezogen. Also mein Kollege Peter und meine Kollegin Blanca und ich sind in verschiedene Städte zum Studieren und haben da andere Leute kennengelernt, die auch was mit Literatur zu tun haben. Und ich muss schon auch sagen, das ist jetzt so ganz knapp an dieser Schwelle, bevor das Internet so richtig breit gemacht hat. Also das war schon so, es gab eigentlich noch nicht so wirklich Internet, außer für ein paar Emails und das heißt alles hat man analog gemacht und auch die Veranstaltungen waren analog angekündigt, analog organisiert und auch die ganze Verlagsarbeit, was auch immer man da veröffentlicht hat, hat man analog beworben und verkauft und so und das war schon sehr anders. Und ich finde, das ist ja auch sowieso die Die größte einschneidende Veränderung in unserer Lebenszeit ist ja diese diese Digitalisierung, diese Internetentwicklung Und ich glaube, wir können das ehrlich gesagt noch gar nicht so richtig absehen. Aber meine These ist ja immer, dass das so vergleichbar ist mit der Renaissance oder der Industrialisierung oder so, also das ist einfach die gesamte Menschheit. Ja, so um. Und dann ging das halt so, dass wir während des Studiums immer weiter kleine Lesungsreisen gemacht haben, kleine Veröffentlichungen rausgebracht haben, aber wirklich ganz klein. Und dann, am Ende des Studiums hatten wir so einige Veröffentlichungen, unter anderem auch den ersten Erzählband von Finnole Heinrich von dem Autor. Und der war ganz toll. Der Erzählband Wir haben einfach gesagt, wir müssen den richtig in den Handel bringen. Und dann ging das so los, dass wir auf eine richtige Handelsstruktur aufgebaut haben und richtig so geguckt haben Wo druckt man überhaupt Bücher, wo kriegt man die ISBN eigentlich her, die hinten drauf steht? Und wie kriegt man die in die Hand, in den Handel? Und wie kriegt man die Bücher in die Presse? Und ja, das. Wir haben dann diverse Dinge noch nebenbei gemacht, aber das lief eigentlich immer so mit. Und zum Ende des Studiums war es schon auch die Situation, so dass wir dachten ja, unsere ganzen Freundinnen suchen sich jetzt Jobs oder machen Volontariate oder so Was machen wir eigentlich? Wir haben ja eigentlich einen kleinen Verlag, der so ganz gut läuft und irgendwie wollen wir den auch nicht aufgeben. Und dann haben wir den einfach ausgebaut und haben uns Nebenjobs gesucht und haben die ein paar Jahre gehabt und haben nebenbei eben den Verlag gemacht, haben eine große Lesungsreihe in Hamburg gegründet und Veröffentlichungen jedes Jahr rausgebracht. Und irgendwie ist das dann so weiter gewachsen, aber sehr langsam und sehr organisch. Und wir haben es ist auch immer lustig, weil wenn man mit anderen Verlegerinnen über Geld spricht oder über Gründung oder Finanzierung oder so, dann ist das immer so, also keine Ahnung ich ich kann. Gerade weil wir über den Indiebookday geredet haben, kann ich ja mal ein Beispiel sagen. Da hatten wir, ich glaube zwei tausend fünfzehn oder so haben wir auf der Leipziger Buchmesse so ein Marketing Award bekommen für den Indiebookday und da gab es dann halt so eine Präsentation. Jeder hat kurz sein Projekt vorgestellt und am Ende wurde gesagt, welches Projekt gewonnen hat und die anderen waren halt so große Verlage. Also Suhrkamp, keine Ahnung. Heyne oder so, die hatten dann verschiedene Marketingprojekte, die waren super und haben gesagt Ja, wir haben das hier mit zehn Leuten vier Monate lang umgesetzt, das Budget waren acht und achtzig tausend Euro usw und dann haben die halt immer so ein bisschen erzählt und dann war ich dran und habe gesagt Ja, also wir haben das in fünfzig Minuten gemacht, das Budget waren zwei und vierzig Euro für so einen Flyer, den wir hinterher gar nicht gebraucht haben. Und es haben so und so viel tausend Leute mitgemacht. Keine Ahnung. Und dann hat der ganze Saal gelacht und ich dachte Ja, so ist es aber irgendwie immer. Also, dass wir irgendwie so das Gründungskapital von mairisch waren, glaube ich ein hundert fünfzig Euro oder so und das ist seit über zwanzig Jahren mein Job. Also es ist schon lustig, ja.
Helen
Aber ich glaube wirklich, also vielleicht bin ich jetzt auch gerade noch mal so ein bisschen eingeweiht. Also erstmal, weil ich das ja selber kenne. Ich hatte nicht vor, was zu gründen und ich hatte null Komma null irgendwie Startkapital. Das hat irgendwie hat sich das halt auch irgendwie ergeben. Aber ich lese gerade, profitierst oder vielmehr versucht das umzusetzen. Und da sagt er halt auch wenn du die Ressourcen irgendwie begrenzen musst, einfach um profitabel zu bleiben. Dann wirst du auch viel kreativer. Und ich glaube schon, dass da manchmal was dran ist, weil ich habe auch schon in Ich habe jetzt nicht so in so Wirtschaftsunternehmen gearbeitet, aber zumindest an Arbeitsplätzen, wo immer irgendwie ein Budget da war. Und ich hatte schon oft den Eindruck, dass es auch nicht immer nur total sinnvoll eingesetzt wird. Und ich meine klar, also ich setze vielleicht auch nicht jedes Budget sinnvoll ein, aber ich glaube einfach, du wirst so ein Stückchen kreativer, vielleicht auch ein bisschen einfach mutiger, wenn du, wenn du eben nicht die acht und achtzig tausend zur Verfügung hast. Ich weiß nicht. Steile These, aber ich glaube, es scheint ja zumindest bei dir auch ganz gut zu funktionieren.
Daniel
Es ist auch, glaube ich, diese Flexibilität der unabhängigen, kleineren Verlage, die immer so genannt wird. Also die sind so klein und unabhängig und dadurch sind sie so flexibel. Was heißt das denn eigentlich genau? Das heißt eigentlich, dass wir mit wenig Ressourcen die Dinge umsetzen können und müssen, die wir uns in den Kopf setzen und dann gleichzeitig aber auch schnell anpassen können und halt nicht irgendwie fünf Stellen davon abhängen, dass wir jetzt irgendwie ein Buchprojekt verschieben oder so irgendwie, aber ja, also letztlich, ich weiß auch nicht. Das ist halt dieser Do it yourself Geist, aus dem auch unser Verlag entstanden ist, und das zieht sich ja bis heute durch.
Helen
Ja, ich finde es super inspirierend. Ich frage mich gerade Ist ein Indieverlag ein kleiner und flexibler Verlag oder ist das nicht das Kriterium? Was ist ein Indieverlag?
Daniel
Im Prinzip ist es relativ einfach. Es gibt in Deutschland einige große Konzerne, einige wenige. Ich würde wahrscheinlich sagen so fünf ungefähr. Dazu gehören eben sehr viele von den bekannten Verlagsmarken, die man kennt. Die gehören ja auch oft alle zu einem Konzern oder so. Also wenn man zum Beispiel Random House denkt an Bonnier oder an Holtzbrinck, dazu gehören ja viele Verlage jeweils und im Prinzip sind Indie Verlage nach der eigentlichen Definition alle anderen. Das sind unklar. Wie viele, aber vielleicht so zwei tausend würde ich schätzen in Deutschland. Verlage, die es gibt, die nicht zu diesen großen Konzernen gehören, die wirklich anfangen, von einer Person, die ein Buch macht im Jahr bis hin zu man kann schon auch sagen keine Ahnung. Also auch der Hanser Verlag oder auch der Suhrkamp Verlag sind im Prinzip konzernunabhängig. Also das sind schon. Das sind Unternehmen mit ein hundert zwei hundert Mitarbeitenden. Aber trotzdem sind das eigentlich keine Konzernverlage und dadurch. Die sind natürlich an der Schwelle von allem. Aber die sind halt schon unabhängige Verlage in sich. Und darum ging es mir eigentlich bei dieser Aktion auch damals. Da geht es mir eher darum Es gibt so viele tolle Unternehmen und so viele tolle, engagierte Menschen, die tolle Bücher machen und die aber sehr wenig Platz haben im normalen Handel, in der Aufmerksamkeitsökonomie der Medien und im Social Media auch nur im kleinen Rahmen stattfinden. Und irgendwie wollte ich so einen Aktionstag schaffen für diese ganze kulturelle Vielfalt und Bandbreite, die jetzt inzwischen immer so als Bibliodiversität kommuniziert wird. Also einfach diese Vielfalt des deutschen Buchhandels. Und da für diesen Aktionstag zu schaffen, weil man natürlich schon sehen kann, die Medien schrumpfen zusammen. Die Plätze, an denen Bücher in den Medien stattfinden, werden immer weniger. Und welche Medien, welche Bücher dann da stattfinden, das sind natürlich dann schon auch immer die Bestseller, die großen Titel, die, die viel Aufmerksamkeit sowieso schon bekommen und noch mehr obendrauf dann immer und das ist halt logisch. Ich verstehe das Prinzip, ich verstehe diesen Prozess, aber es ist halt auch ein bisschen schade, weil man vergisst, wie viel links und rechts Tolles eigentlich passiert und was da alles veröffentlicht wird. Und diesen so Projekten wollte ich gerne einfach irgendwie diese Plattform geben und dafür ging es darum und und das ist eigentlich im weitesten Sinne diese Independent Publishing Landschaft so.
Helen
Weil ich weiß noch, wir haben letztes oder vorletztes Jahr einen Post dazu erstellt und waren selber gar nicht so ein hundert Prozent sicher, wie die Definition ist. Und wir haben auf der Webseite, also wir Listen auf der Website alle Bücher, die wir schon mal gelesen haben und haben verschiedene Filter und haben auch da den Indie Verlag Filter eingeführt und waren auch da nicht so ein hundert Prozent sicher, wie der sich eigentlich genau definiert. Deswegen ich finde das macht total Sinn, dass man im Grunde diese großen wie nennt man das so, diese Überverlags, nicht Häuser, sondern irgendwie einfach. Ja, also alle die davon irgendwie unabhängig sind, sind im weitesten Sinne Indie Verlage. Genau. Was genau ist also was sollte man jetzt am vierzehnte März, am Samstag genau machen? In die Buchhandlung gehen und sich vielleicht den Tisch zu Indieverlagen angucken? Im Idealfall, wenn die das da haben oder sich vorab irgendwie schon mal informiert haben. Was gibt es für Titel aus Indie Verlangen? Wie genau geht man da am besten vor, wenn man jetzt total so sich sagt Ich will das richtig gut machen. Ich will den Indiebookday richtig gut feiern.
Daniel
Also ich finde ja. Also meine Idealvorstellung wäre ja schon, dass es ein Austausch auch gibt mit der Buchhändlerin oder dem Buchhändler. Dass man in den Laden reingeht und sagt Ich möchte beim Indiebookday mitmachen. Vielleicht haben Sie ja schon davon gehört. Und ich suche ein Buch aus einem konzernunabhängigen Verlag, aus einem Indieverlag. Und dann haben die ganz viele Empfehlungen meistens. Und irgendwas haben die auch immer da. Also die müssen auch gar nicht extra bestellen, weil irgendwas von ich sag mal Wagenbach oder Schöffling oder von Matthes und Seitz, Irgendwie haben die immer da und dann kann man sich aus dem, was da ist, was raussuchen und dann hinterher macht man ein Foto von dem Buch oder von sich selber mit dem Buch und postet das, wo auch immer man möchte, was eben der eigene Kanal ist. Ob man jetzt auf Tiktok ist, auf Instagram oder wo auch immer man ist, da postet man das mit dem Hashtag indiebookday, damit die anderen mitkriegen, das ist so ein Aktionstag und das kann natürlich auch zu dem Buch noch was schreiben, warum man das ausgewählt hat oder was man daran interessiert oder ob man schon mal was anderes von der Person gelesen hat oder so und dann. Also so einfach so eine gegenseitige Empfehlungswelle an diesem Tag. Das ist, glaube ich, so das, was man sich wünscht.
Helen
Ja, und wahrscheinlich findet man unter dem Hashtag indiebookday jede Menge Verlage, die man sich mal anschauen und wo man sich das Programm irgendwie auch mal anschauen kann. Aber es gibt nicht so eine Liste, glaube ich, oder?
Daniel
Es gibt eine Wikipedia Liste mit unabhängigen Verlagen, aber das ist tatsächlich schwierig. Also es ist insofern schwierig, als dass es wirklich sehr, sehr viele Verlage in Deutschland gibt.
Helen
Das hätte ich auch nicht gedacht, dass du. Also du meinst eben zwei tausend, oder?
Daniel
Ja, also es gab mal eine Studie von vor fünf Jahren von der damaligen Kulturstaatsministerin Frau Grütters und die hatten mal so eine Studie gemacht, weil es darum ging, wie man diese Verlage öffentlich fördern könnte. Und da hatten die kamen die sogar auf drei tausend. Dazu muss man aber sagen, dass zum Beispiel keine Ahnung, ich sage mal eine Werbeagentur, die mal für einen Kunden ein Buch in den Handel gebracht hat und dafür sich beim Börsenverein des Buchhandels anmeldet. Auch als Verlag zählt, auch wenn die seit fünf Jahren kein Buch mehr gemacht haben. Also es ist so ein bisschen, man muss das so Abstriche machen und ich versuche das auch. Weil wir jetzt ja eben, ich habe ja kurz diese Förderung erwähnt, an dem Thema sind wir immer noch dran, dass es eben öffentliche Förderungen gibt für unabhängige Verlage. Und dazu muss ganz oft auch auf Bundesländerebene so eine Evaluierung gemacht werden. Wie viel Verlage sind das denn eigentlich? Und das habe ich einmal gemacht für Hamburg und einmal für Niedersachsen. Und das kann man dann versuchen irgendwie hochzurechnen. Aber das ist halt schwierig. Und da merkt man auch, dass auch viele Verlage zum Beispiel keine Ahnung, die gehören dann zu einer Uni oder die gehören zur Kirche oder die gehören zu irgendeiner staatlichen Organisation oder so, die fallen dann eh schon raus, weil die ja quasi nicht dann einzeln gefördert werden, weil die keine unabhängigen Unternehmen sind und so, dann gibt es natürlich Verlagsgruppen mit vielen Untermarken. Also das ist echt sehr vielfältig und und kleinteilig. Und auch wir, die wir uns seit Jahren damit befassen, wissen eigentlich nicht, wie viele Verlage es in Deutschland gibt.
Helen
Dass das irgendwie. Wir hatten schon mal eine Podcastfolge zu Büchereien und Bibliotheken und da war das ähnlich, dass man, also das ist nicht so ein richtiges also ich glaube, da gibt es eher schon den Überblick so wie viele gibt es in Deutschland, aber es ist auch nicht so richtig so vernetzt und so, also man man weiß es einfach nicht so ein hundert Prozent. Man kennt dann so vielleicht aus dem eigenen Netzwerk Leute und natürlich in den großen Städten, aber so, dass auch nicht so richtig genau benennbar. Und das finde ich so verrückt irgendwie.
Daniel
Ja, ist auch so, aber ich meine, wenn du dir das in anderen Bereichen vorstellst, also keine Ahnung, wo kann man überall Bücher kaufen? In Buchhandlungen ja, aber halt zum Beispiel auch im Supermarkt zum Teil. Also welche Buchhandlungen würdest du als Buchhandlungen bezeichnen und wie viele gibt es davon so? Ja, der Kiosk an der Ecke, der auch zehn Bücher im Regal stehen hat, ist das auch. Gilt ja als Buchhandlung. Weiß man nicht. Eine gute Empfehlung wäre, glaube ich, wenn man sich so ein bisschen vorher informieren will, auch vor dem Indiebookday jetzt. Es gibt ja die Kurt Wolff Stiftung, die sitzen in Leipzig. Ich bin da jetzt momentan im Vorstand dabei. Die setzt sich quasi für die Förderung der unabhängigen Verlage ein und die haben auch einen jährlichen Katalog, wo ungefähr ein hundert zwanzig Verlage drin sind. Und die haben auch eine Liste auf ihrer Webseite. Und das sind alles sehr Gute. Wie sagte Herr Broster in Hamburg immer die Kulturverlage, die also irgendwie kulturell hochwertige Bücher in Literatur, im Kinderbuch, im Sachbuch machen, die man sich angucken kann und die eben auch, ich sag mal, gut kuratiert sind und irgendwie, wo Verlegerinnenpersönlichkeiten dahinter stehen, die ihr Programm sehr sorgfältig fördern, die sie mit Übersetzerinnen arbeiten und ja, also das ist irgendwie wie so eine Empfehlungsliste, das kann man sich angucken, das ist natürlich überhaupt nicht vollständig, aber das ist als Einstieg vielleicht ganz gut und über hundert Verlage reicht auch erstmal.
Helen
Da hat man erstmal genug Auswahl für den vierzehnte März. Aber ich meine, es hört ja nicht am vierzehnte März auf. Ich glaube, also, wenn ich das richtig verstanden habe, beginnt dann am vierzehnte März die nächste Reading. Wie heißt das? Indiebookday Challenge?
Daniel
Genau, Es gibt diese Indiebookchallenge. Das ist tatsächlich entstanden. Nicht von uns die Idee, sondern von meiner Kollegin Sarah Käsmayr vom Maro Verlag, die ich glaube nach dem zweiten oder dritten vierten Jahr Indiebookday zu uns kam und meinte, sie hätte eine Idee für so eine Reading Challenge und sie würde das auch selber koordinieren. Sie denkt sich immer Themen aus für jeden Monat und sie sucht sich auch Partner. Das sind dann in dem Fall Buchhandlungen, Verlage und andere Institutionen, die in der Buchbranche arbeiten und die dann halt immer ein Thema promoten. Also so was wie Keiner liest diesen Monat ein Buch mit einem roten Cover oder liest ein Buch, was aus dem Tschechischen übersetzt wurde oder liest ein Buch, was von zwei Frauen geschrieben wurde. Es gibt immer so eine Challenge und dann können halt Leute unter diesem jeweiligen Hashtag, die ihre ihre Funde, Funde, Funde, ihre Funde posten. Und das koordiniert sich ziemlich selbstständig. Und das ist halt toll, weil man sich einfach an diese Aktion dranhängen kann und weil das als Startpunkt eben den Indiebookday hat. Und dann geht diese neue jährliche Challenge los.
Helen
Das ist echt voll gut, weil ich könnte mir vorstellen, dass man da wenn Da gibt es ja dann glaube ich auch noch irgendwie so einen eigenen Hashtag, oder? Oder zumindest kann man bei diesen die Personen, die das den Monat promoten, ja noch mal nachschauen. Dann kriegt man spätestens da ja sehr konkrete Empfehlungen, was man sich mal anschauen könnte. Ja, genau. Was ich mich gerade frage, weil du eben meintest, quasi so ein literarisches Programm oder irgendwie so in der Art hast du es gesagt, was würdest. Also würdest du sagen, es gibt einen Unterschied, auch so inhaltlich bei Indiebookverlagen oder kann man auch das nicht so verallgemeinern?
Daniel
Ja, also ich finde das tatsächlich schwierig, weil ich kenne ja auch viele Leute, die als Lektorinnen in großen Häusern arbeiten. Die machen einen ganz tollen Job. Die kriegen ja auch teilweise allein aus finanziellen Gründen die ganz tollen internationalen Titel, die jeder haben will und die in der Regel nicht bei den kleineren Häusern landen. Dementsprechend gibt es natürlich sehr viele tolle literarische Programme. Ich glaube, der Unterschied ist so ein bisschen, dass viele von den Verlagen sich querfinanzieren durch ein Unterhaltungsprogramm und ein Programm, was irgendwie doch sehr in den Mainstream geht und auch ein bisschen weggeht vom literarischen Anspruch oder so und das ist natürlich irgendwie immer arrogant, das so zu sagen. Und trotzdem weiß man ja, dass es einfach Titel gibt, die wirklich eher auf Unterhaltungsbasis und die verkaufen vielleicht auch ganz andere Zahlen als jetzt ein Lyrikband oder so halt. Und irgendwie ist das was, was eher bei den großen Programmverlagen angesiedelt ist, dass man so Querfinanzierungen hat, dass man halt einfach aus anderen Bereichen, die man jetzt im ersten Sinne gar nicht so sehr unter literarischen Veröffentlichungen abspeichern würde, finanzielle Mittel lockermacht, um eben auch ein anspruchsvolles Programm zu bezahlen und so und diese Art von Mischkalkulation ist ja für die meisten kleineren Verlage sehr schwierig, weil da einfach jeder Titel entscheidend ist und weil man eben nicht so breit querfinanzieren kann wie das bei großen Programmen. Also keine Ahnung. Ich hatte mal ein Podiumsgespräch, da war irgendwo von irgendeinem großen Taschenbuchverlag die Programmleiterin da und meinte Na ja, wir machen ja alleine im Taschenbuch Unterhaltung. Dreißig Titel im Monat. Davon finde ich jetzt auch nicht alle gut, aber das Programm halt füllen und so und du denkst, das sind einfach unglaubliche Mengen. Also jetzt mal so zum Vergleich wie bei Mairisch Wir sind ein Team von fünf Leuten und wir machen halt zehn Bücher im Jahr. Ja, also ja und die machen halt nur im Taschenbuch Unterhaltung. Machen die schon dreißig im Monat. Also das sind. Die haben ein tausend Titel, zwei tausend Titel im Jahr. Wir haben zehn, Das sind so die Verhältnisse.
Helen
Aber weißt du, dann kann man es auch schaffen, dass Mairisch Programm in einem Jahr zu lesen.
Daniel
Das kann jeder schaffen. Das, da bin ich mir sicher.
Helen
Können wir ja einfach mal zur Inspiration in den Show Notes verlinken. Kann man mal schauen. Aber ich ich finde es sowieso oft echt überfordert. Also weil wir bei mir zu lesen bekommen jetzt mittlerweile echt super viele an so Newslettern und co von Verlagen und ich denke mal so krass. Also wann soll man das alles jemals lesen? Das sind so viele Bücher, die jeden Tag, jeden Tag, jedes Jahr neu erscheinen, Wahrscheinlich auch jeden Tag, aber jedes Jahr neu erscheinen. Das ist also keine Ahnung. Ich neige auch, glaube ich, dazu, mich von allem Möglichen überfordert zu fühlen. Aber wenn ich darüber nachdenke, denke ich nur so Das ist viel zu viel. Ja.
Daniel
Das geht mir schon immer so, Ich versuche auch immer überall zu plädieren, dass man weniger Bücher machen soll. Ich glaube, es würde halt allen Beteiligten total viel helfen, weil die die Buchhandlungen hätten dann viel weniger Qual der Wahl und wüssten, was sie sich auslegen. Die Journalistinnen wüssten eher, welche Bücher sie besprechen. Die Kundinnen wissen eher vielleicht, was sie dann kaufen wollen, weil sie nicht so überfordert sind. Und gerade die Buchhandlungen, die sehr wenig Auswahl haben, wo man wirklich reingeht, da liegen ein hundert fünfzig Bücher, und davon nimmt man auf jeden Fall eins mit. So, aber wenn du reingehst, dann sind zwanzig tausend. Du bist einfach überfordert. So und und und. Andererseits kann man natürlich schon einen Trend beobachten, dass es noch vor einigen Jahren ich würde sagen, vor zehn Jahren waren es neunzig tausend Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt. Jetzt sind es noch sechzigste Also es ist wirklich massiv runtergegangen. Das hat natürlich auch finanzielle Gründe. Ich glaube, Corona hat auch eine Rolle gespielt, aber trotzdem ist es, ähm, es hat sich so ein bisschen runtergeschrumpft. Trotzdem sehe ich natürlich gleichzeitig ganz viele neue Verlage und Imprints und Reihen, die aus dem Boden hervorkommen und die neue Bücher machen, sondern wo man immer denkt Ah, okay, noch ein neuer Verlag und noch ein neues imPrint. Und klar, aber ja, es ist schon immer sehr viel. Und ehrlich gesagt, ich weiß auch noch, als ich das allererste Mal auf der Buchmesse war, als Verleger, da war ich auch so es gibt schon so viele Bücher, es gibt so viele Autorinnen, die tolle Sachen machen. Was machen wir hier überhaupt? Warum sind wir jetzt auch noch hier? Und dann? Andererseits hat man natürlich, wenn man dann wieder zu Hause ist und hat mit seinen Autorinnen zu tun, mit seinen Künstlerinnen, den Illustratorinnen, mit den Übersetzerinnen. Und irgendwie arbeitet man an diesen Projekten auch so lange und es macht so Spaß. Und das ist so eine intensive Zusammenarbeit mit Leuten, die man gut findet und deren Arbeit man schätzt und fördern möchte. Und dann denkt man sich ja, diese Projekte haben alle ihre Berechtigung, die müssen in die Welt raus und das ist schon aber auch, weswegen wir auch so wenig Bücher machen, eines unserer Kriterien. Es gibt voll viele Bücher, die uns angeboten werden, wo man denkt, ja, die könnte man machen, aber irgendwie brennen wir dafür nicht so richtig. Das ist so, ja, kann man machen. Aber wenn es jetzt nicht passiert, ist auch nicht schlimm. So, hört sich ein bisschen arrogant an, aber ist ja nur unsere Perspektive. Wir müssen ja unsere Zeit und unser Geld und unser Interesse reinstecken. Und wenn das nicht vorhanden ist, dann denkt man ja, muss ja nicht sein und deswegen am Ende bleiben halt wirklich nur relativ wenige, wo wir sagen, das wollen wir unbedingt machen, das ist so toll und das ist aber schon gut, weil man dann eigentlich nur an Projekten arbeitet, die man wirklich mag, so.
Helen
Dass irgendwie finde ich das richtig cool, weil das also ich glaube, ich finde es halt einfach noch mal schwer, mir vorzustellen, weil das so komplett anders ist, auch noch mal als das, was wir hier so machen. Aber ich frage mich gerade Habt ihr, habt ihr so Kriterien? Also woher wisst ihr, wann ihr für etwas brennt? Ist das wirklich einfach ein Bauchgefühl? Und dann bespricht man es mit den anderen im Team? Oder habt ihr klare Kriterien, was ihr so mit ins Programm aufnimmt?
Daniel
Ich glaube, ein gutes Signal ist schon mal, wenn mehr als eine Person aus dem Team das total toll findet. Also dann ist es irgendwie anscheinend verallgemeinerbar, diese Begeisterung. Und ich glaube, jedes Buch hat ja so ein selbstgesteckten Anspruch. So, dieses Buch möchte das und das erzählen. Tut es das? Tut es das vielleicht auf eine Weise, die ich noch nicht so gelesen habe? Wo ich was wirklich Neues erfahren habe. Ist es jetzt vielleicht auch nicht so, dass es schon sieben und dreißig Bücher zu exakt demselben Thema im letzten Jahr erschienen sind? Und hat es vielleicht gerade bei Kinderbüchern? Hat das irgendwie so einen Witz? Hat es so ein bisschen so eine Anarchie und eine Wildheit drin oder so? Bei Sachbuchthemen ist es oft so, dass ich überrascht bin, wie sehr so Nischensachen eher funktionieren als die breiteren Themen. Wir haben mal ein Buch gemacht, zum Beispiel über, das hieß Kaiseki, Die Weisheit der japanischen Küche. Und es geht wirklich um diese kaiserliche Teezeremonie, wo es halt so es gibt Tee und dann gibt es ein bisschen Essen dazu und dann aber jeder einzelne Schritt aus. Was ist diese Tasse? Wie wird der Tee gemacht? Wie wird das Essen gemacht? Wo wächst der Bambus, der danebenliegt und wie lädt man die Gäste ein? Und ich dachte, das ist so nischig Und das haben aber so viele Leute interessiert. Klar, Japan ist ein großes Thema, aber irgendwie hätte ich nicht gedacht, dass das doch so gut funktioniert, wenn man irgendwie mehrere Auflagen gemacht von dem Buch und wo man sich manchmal auch total verschätzt und und andererseits ja, ich weiß auch nicht. Also es sind schon jetzt wir machen das ja wirklich schon eine Weile und ich habe selten das Gefühl, dass ein Buch, was wir gesagt haben, nö, das interessiert uns nicht dann hinterher so total erfolgreich war und wir ärgern uns oder so, das kommt schon vor. Aber eigentlich denkt man in der Regel ja nee, das fanden die anderen jetzt auch nicht so spannend. Also ja.
Helen
Ich muss irgendwie auch gerade mit diesem japanischen Buch lachen, weil ich mich gerade gefragt habe, ob da deine ob du da den grünen Tee mit Popcorn Geschmack entdeckt hast.
Daniel
Den habe ich. Ich weiß nicht, wo ich den her habe, aber der ist mir letztens wieder in einem vietnamesischen Restaurant übern Weg gelaufen. Und dann ist mir wieder eingefallen und ich.
Helen
Muss das unbedingt mal probieren.
Daniel
Schmeckt auch nicht nach Popcorn. Ist halt gerösteter Reis, Aber.
Helen
Aber klingt irgendwie spannend. Aber ich merke das selber auch total häufig, weil also mit Sachbüchern, die so sehr nischig sind. Ich lese eine ganz andere Richtung, aber wenn ich halt mich für ein Thema interessiere, dann will ich auch genau zu dem Thema, was uns selten, dass ich so einen generellen Überblick irgendwie haben möchte, weil dann bin ich vielleicht einfach schon irgendwie tiefer drin. Deswegen, das kann ich total gut nachvollziehen, aber ich finde es irgendwie witzig, weil bei den Beispielen, die du genannt hast, habe ich auch jetzt nicht unbedingt das Gefühl, dass da so ein krass roter Faden drin ist. Einfach irgendwie etwas, was vielleicht ein bisschen anders ist oder neu und was so noch nicht irgendwo anders gelesen habt, was ja auch total cool ist. Aber das stimmt nicht so, dass ihr sagt, es muss immer Japanbezug haben.
Daniel
Nein, überhaupt nicht. Nein, gar nicht. Also, das stimmt total. Also wir haben eigentlich dafür, dass wir so ein kleines Programm haben, zu viele Genres und zu breit in der Themensetzung. Also wir haben ja, wir haben ja früher nur Literatur veröffentlicht, das waren also Kurzgeschichten, irgendwann auch Romane. Gedichte haben wir zum Beispiel eigentlich fast noch nie gemacht, weil Lyrik irgendwie noch mal eine andere Welt ist, wo es wirklich auch tolle Verlage gibt, die das schwerpunktmäßig machen und und dann haben wir irgendwann gemerkt, wir würden aber gerne auch ein Sachbuch machen. Und dann haben wir gemerkt, da kann man auch eine ganze Reihe gibt so viele tolle Themen. Sachbücher vermitteln sich auch ganz anders, weil einen Roman oder einen Erzählband zusammenzufassen, da muss ich eine Weile reden. Und wenn ich dir sage, wir haben unser erstes Sachbuch, war die Philosophie des Radfahrens, dann muss ich wahrscheinlich gar nicht so viel dazu sagen und kannst ja schon was drunter vorstellen.
Helen
Ja.
Daniel
Und dann haben wir natürlich auch so zusammenarbeiten mit Musikerinnen, mit mit Illustratorin. Wir machen ja auch dieses Springmagazin, was einmal im Jahr in Hamburg erscheint und. Das sind so Sachen, die da sind wir einfach begeistert für und und und machen die dann und hinterher als ich sag mal als Außenstehender denkt man Hey, was macht ihr denn alles, ihr macht doch nur so wenig Bücher, Warum habt ihr denn ein Kinderbuch, einen Roman, ein Sachbuch, ein Illustrationsmagazin und eine Schallplatte gemacht dieses Jahr? Das ist doch komisch. Aber wir sagen Ja, aber alle diese fünf einzelnen Sachen sind halt total toll.
Helen
Und ja, musst du dir unbedingt anschauen.
Daniel
Ich weiß nicht. Es war nur es ist jetzt genau. Also es ist ja irgendwie man verallgemeinert ja seinen eigenen Geschmack bei sowas. Nee, also behauptet, das was uns als Team gefällt, muss auch anderen Leuten gefallen. Das weiß man halt immer hinterher nicht. Aber deswegen ist man ja auch super aufgeregt, wenn es die ersten Besprechungen oder Rückmeldungen aus dem aus dem aus der Welt da draußen gibt.
Helen
Ich stelle mir das auch irgendwie super aufregend vor. Und sind das immer so bestimmte? Nee, das ist wahrscheinlich übers Jahr verteilt. Die Stichtage für die einzelnen Bücher ist nicht so, dass ihr sagt, es gibt einen Stichtag noch für das Programm, für die Vorschau aber die die einzelnen Titel erscheinen dann zu unterschiedlichen Terminen und dann gibt es einfach mehrfach im Jahr. Diesen Moment. Oh mein Gott. Jetzt kommen die ersten Rückmeldungen, oder?
Daniel
Ja, genau so ist es. Also, wir haben natürlich schon einen Schwerpunkt. Früher und einen im Herbst. Also es gibt schon diese zwei Programme, die die beiden vorschauen. Werden ja auch daraufhin rausgegeben. Aber klar, unsere Herbsttitel erscheinen von Anfang September bis Ende Oktober und unsere Frühjahrstitel erscheinen im Februar März. So, also verteilt. Wir machen das auch mit Absicht, damit wir für jeden Titel so ein bisschen Zeit haben, uns dem Einzelnen zu widmen und ich sag mal auch Postings auf Insta zu machen. Irgendwie so ein bisschen so eine Herleitung mit Interviews und Blogartikel und dass man das Projekt so ein bisschen vorstellt, auch mit Fotos vom Buch. Und wenn du dann jetzt alle Bücher gleichzeitig machst, dann verpufft das irgendwie, so meine Wahrnehmung.
Helen
Und ja.
Daniel
Dann verteilen wir das so.
Helen
Aber ich habe schon das Gefühl, dass das ja im Grunde ein sehr klassischer Ansatz ist mit diesen Frühjahr und Herbst vorschauen, weil das war etwas, was ich vor dem Eintritt, sage ich mal, in die Buchbranche überhaupt nicht kannte und mir auch nicht so bewusst war. Aber es ist ja schon alles sehr darauf ausgerichtet, dass es ein Frühjahrs und Herbstprogramm gibt. Und so out of the box kann man wahrscheinlich nicht in der Buchbranche denken, dass man sagt Ist mir egal, dass die anderen das alle so machen.
Daniel
Ja, es gibt Verlage, die das so machen und auch so antreten und sagen Wir machen das anders. Es gab ja auch mal zum Beispiel von Random House eine dritte Vorschau. Ich glaube, für den Sommer oder für den Winter also. Aber ganz ehrlich die Struktur ist so darauf eingefahren, dass es sehr schwer ist, irgendwas außerhalb dieser Struktur zu machen, weil die dich trotzdem wieder einsortieren. Also wenn du ein Buch im Januar oder August rausbringst, dann sagen die Ja gut, das ist ja offensichtlich ein Herbsttitel oder ein Frühjahrstitel oder so, Das liegt hauptsächlich daran, dass wir ja Buchhandlungsvertreterinnen haben, die den Buchhandel bereisen und die reisen zweimal im Jahr. Du hast also zwei Reisen, wo du neue Bücher vorstellst, und deswegen kannst du gar nicht anders als die Reisen ja nicht extra für dich. Dann noch ein drittes Mal los oder so die reisen zweimal, einmal im Januar bis März und einmal im Juni bis August. Und du kannst genau diese zwei reisen. Hast du, um den Buchhandel neue Bücher vorzustellen. Deswegen bündelt sich das immer alles auf zwei Programme. Das ist einfach traditionell so.
Helen
Ja.
Daniel
Und dann.
Helen
Kommt auch.
Daniel
Nicht raus. Es geht nicht, wenn man. Sobald man in den Buchhandel will, muss man diese diese zwei Runden machen.
Helen
Also du kannst auch nicht selber da hingehen und sagen Hallo, ich habe hier ein Programm.
Daniel
Kannst du schon machen, aber erstens finden die das anstrengend, weil die ja eigentlich die gebündelt die Vertreter treffen wollen und der eh schon wenig Zeit haben im Buchhandel. Und dann Unsere Vertreter vertreten ja auch nicht nur ein oder zwei Verlage, sondern einige Dutzend. So, und dann haben die halt auch gleich was, worüber sie reden können in der einen Stunde. Und andererseits ist es natürlich auch super aufwendig. Also wenn du dir anguckst, wie viele Buchhandlungen es gibt in Deutschland und wir haben nur drei Vertreter für Deutschland plus einmal für die Ketten. Wir haben eigentlich vier für Deutschland und das ist voll wenig. Also. Andere große Verlage haben für jedes Bundesland jemanden. Das heißt, da reist jemand nur durch Baden Württemberg drei Monate lang und klappert die Buchhandlungen ab. Und das ist natürlich schon so Wie willst du das selber leisten? Das geht nicht.
Helen
Also ja, voll krass, was da alles dahinter steckt. Ich denke, wir müssen vielleicht auch mal einen Buchhandlungsvertreter einladen, weil ich mich gerade frage Was machen die eigentlich den Rest des Jahres? Lesen?
Daniel
Ganz echt. Ganz viel lesen. Die lesen die neuen Bücher müssen sie lesen, weil sie müssen ja auch vorbereiten müssen von all ihren Verlagen, die Bücher gelesen haben, damit sie was darüber sagen können.
Helen
Ach Gott, krass, krass, krass, krass. Eine Sache, die jetzt nichts damit zu tun hat, aber die ich unbedingt gerne noch aufgreifen würde, ist Du steckst auch hinter dem Hamlet Literaturfestival. Ist das eine ähnliche Entstehungsgeschichte? Du hast gedacht, warum gibt es das nicht? Lass uns das selber machen oder wie ist das entstanden?
Daniel
Den Kredit muss ich weitergeben an die Autorin Lucy Fricke. Die hat ungefähr. Wann war das? Zwei tausend zehn war das erste Hamletfestival. Die haben sich das Sie damals noch mit einem Musikveranstalter, die haben gesagt, wir wollen gerne ein Festival in Hamburg etablieren, was eben ein Abend auf mehreren Bühnen ein literarisches Festival ist. Und ich war damals als Moderator dabei von einer dieser drei Bühnen und war dann eben die ersten paar Jahre immer Moderator. Und dann, irgendwann hat sie mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ihr das mit ihr zusammen zu organisieren. Dann haben wir das einige Jahre zusammen gemacht und ich glaube, seit zwei tausend achtzehn oder so neunzehn mache ich das jetzt alleine. Also das heißt alleine stimmt auch nicht so ganz. Ich versuche oder wir versuchen gerade ein Team wieder aufzubauen außenrum. Es gibt einen Verein. Also diese ganze Festivals Sache läuft auf einem Verein Hamlet e.V. und da sind mehrere Leute Mitglieder und einige davon sind jetzt auch mit dem Orgateam und das ist unter anderem eben meine Kollegin Felicia Buras, die auch bei mir im Verlag gearbeitet und auch als Autorin jetzt gerade ihr erstes Buch herausgebracht hat und außerdem zum Beispiel noch die Harry Domeier. Die ist in Hamburg im Ankerverlag, ihr macht ihren Verlag da und die beiden haben mir sehr viel geholfen, dieses Jahr das Programm zu kuratieren und auch den Abend zu zu managen. Und ja, es gibt noch einen für den Abend, auch ein größeres Team. Aber ich habe die letzten Jahre sehr viel alleine gemacht und fand das aber auch ein bisschen schade, weil ich dachte, so ein Team so auszuwählen. Wen möchte man einladen aus der doch sehr vielfältigen deutschen Literaturlandschaft? Das macht schon Spaß und das will ich wieder ein bisschen breiter aufbauen.
Helen
Ja, ich finde, das hört sich auch alles jetzt nicht unbedingt nach Kleinigkeiten an und denkt so krass wie bringst du alles unter einen Hut auch. Also so okay, der Indiebookday, da hast du gesagt, da legt ihr hauptsächlich einen Termin fest und dann läuft es auch so ein bisschen für sich. Im Verlag wirst du wahrscheinlich ja nicht alle zehn Bücher irgendwie betreuen. Keine Ahnung wie viele. Aber auch so ein Festival wird jetzt vielleicht auch nicht das ganze Jahr in Anspruch nehmen, aber irgendwie klingt es schon alles eher nach so größeren Sachen wie Und dann bist du im Vorstand der Kurt Wolff Stiftung. Bei sowas kann ich auch immer nicht einschätzen, wie umfangreich da deine Aufgaben sind. Aber wie organisierst du das alles? Also wie bekommst du alles unter einen Hut?
Daniel
Ehrlich gesagt, jede Menge Listen ist.
Helen
Also lauter Post its. Ich merke immer, wenn ich viele Zettel um mich habe, verliere ich die Kontrolle. Dann muss ich doch alles wieder irgendwie an einen Ort zusammenbringen.
Daniel
Wir haben so ein digitales To Do Listen Tool, mit dem wir auch unsere Sachen koordinieren. Und da schreibe ich auch meine ganzen eigenen Sachen rein bis hin zu Ich muss Brot kaufen. Also da kommt alles rein und was da nicht drin steht, vergesse ich auch einfach. Ja, aber. Also ja, es ist viel, aber man kann es glaube ich immer sehr viel parallel machen. Also zum Beispiel jetzt, weil du das eben sagtest, also Hamlet Festival ist im Februar und ich fange ungefähr im Mai damit an mit der Planung, weil im Mai muss ich den ersten Förderantrag schreiben und dann im Sommer schreibt man die anderen Förderanträge und so ab August, September guckt man, welche Bücher will man vielleicht einladen und dann muss das irgendwie. Im November Dezember muss das Programm komplett fertig sein, weil dann der Ticketverkauf online geht und so, das ist schon das ganze Jahr, also zehn Monate oder so krass. Das läuft aber immer ein bisschen. Weißt du, am Anfang mache ich halt für Hamlet eine Stunde die Woche oder so, dann wird es halt mehr im Laufe des Jahres. Und so ist es halt mit den anderen Dingen auch. Mal hat man viel, mal hat man wenig. Und zum Beispiel diese Arbeit in der Stiftung. Das war natürlich lustig, weil mein Vorgänger Life Greiners vom Verlag Voland und Quist. Der rief mich damals an. Ja, er geht jetzt aus dem Vorstand raus. Und Sie brauchen einen Nachfolger. Und ob ich mir das vorstellen könnte. Und ich habe gesagt Ist das denn viel Arbeit? Nee, das ist gar nicht viel Arbeit. Das war natürlich wahnsinnig viel Arbeit die ersten Jahre. Und, ähm, also es war ja noch Zeit und wir haben dann versucht, diese Verlagsförderung zu etablieren. Und es gibt einen Katalog, Es gibt zwei große Bühnen auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt, die wir da mitkoordinieren. Ein bisschen und ja, ein tausend andere Lobby Gespräche mit Politik und so, das war schon sehr intensiv. Und dann kann man es aber auch wieder runterfahren, manchmal. Also zeitweise. Und ich mache auch ja, ich übersetze ja auch ab und zu Bücher. Das mache ich aber auch nur, wenn es zeitlich passt. Also das mache ich halt, weil ich so toll finde als Arbeit an, weil es einfach so eine befriedigende Arbeit ist, an einem Text zu sitzen und den du ja selber auch zu schaffen eigentlich. Also da und gleichzeitig schreibt man ja jedes Wort selber und und das ist toll. Aber das kann ich natürlich nicht immer machen. Aber das ist wirklich so auch wieder so! Erinnert ein bisschen an den Kern, warum man mit Literatur überhaupt arbeitet. Also man hat so eine intensive Beschäftigung mit Sprache, mit mit Geschichten, mit Persönlichkeiten dahinter. Und das, das ist für meine Motivation ganz gut, ab und zu oder so was zu machen und nicht nur Orga Kram zu machen, weil ich mache wirklich. Ansonsten ich glaube meine Arbeit besteht zu achtzig neunzig Prozent aus organisieren.
Helen
Das unterschätzt man oft oder wenn man irgendwo auch so ein Projekt startet, wie viel halt im Hintergrund stattfindet und nicht unbedingt der sexy Teil ist. So. Moderierst du zusätzlich auch noch oder hast du das ganz runtergefahren?
Daniel
Nee, mache ich schon auch noch, aber momentan nicht so oft. Aber das mache ich schon auch. Ja, ja, ich hatte auch tolle Moderationsgelegenheiten, wo ich eingeladen war. Ja, zuletzt mit Sasa Stanisic haben wir die Buchpremiere von seinem neuen Buch im Thalia Theater in Hamburg gemacht. Und das ist schon auch einfach besonders und aufregend und schweißtreibend, vor ein tausend Leuten auf die Bühne zu gehen und dann da ein vernünftiges, kluges Gespräch mit noch einem tollen, klugen Autor zu führen. Also das ist ja muss man sich schon ein bisschen vorbereiten, aber es macht auch Spaß.
Helen
Ja, ich glaube, also was ich so ein bisschen auch daraus mitnehme, ist, dass das halt auch viele verschiedene Herausforderungen sind. Und ich habe den Eindruck, dass das dich auch so antreibt, dass halt kein Tag wie der andere ist und dass es oft auch was Neues irgendwie gibt. Vielleicht ist das so dein Ding, So was was Neues?
Daniel
Ja, vielleicht. Also ich Auf jeden Fall haben wir, glaube ich, auch als Team Lust, uns immer neue Sachen auszudenken, weil natürlich man auch über diese Sachen und die damit verbundenen Erfahrungen und Erinnerungen irgendwie mehr. Da bleibt irgendwie mehr hängen, als wenn wir jetzt zehn relativ in sich ähnliche Bücher machen würden die ganze Zeit und das unser Programm ist oder so, das kann man auch machen, aber ich weiß nicht, wir haben ja auch vor ein paar Jahren zum Beispiel angefangen, diese diese Auslandsreisen zu machen, wo wir mit dem ganzen Verlagsteam ins Buchmesse Gastland fahren. Das haben wir schon zwei tausend sechzehn angefangen, weil da war damals die Niederlande und Flandern waren Gastland und es war noch ein bisschen größenwahnsinnig. Damals haben wir quasi unseren unseren, unser Büro oder unseren Verlagssitz für einen ganzen Monat nach Amsterdam verlegt und haben dann einfach von dort aus gearbeitet. Dann haben wir aber irgendwie halt da einfach Leute getroffen, die ganzen Protagonistinnen aus der Buchwelt dort, also wirklich von Grafikern über Buchhändler, über Agenten, über Autorinnen, Verlegerinnen, Vertreterinnen. Keine Ahnung, alles. Aber versucht festzustellen wie machen es eigentlich die Niederländer, Was machen die anders, Was machen die? Genau wie bei uns? Manche Sachen sind riesig. Also die Unterschiede sind riesig. Ich finde zum Beispiel die, die gehen eigentlich nicht auf Lesungen. Also diese ganze Lesungskultur, die hier so so groß ist, dass man sich eine Stunde was vorlesen lässt von der Autorin oder so, das gibt es da nicht, sondern die wollen vielleicht zwei Minuten mal was hören und danach muss über das Buch geredet werden. Aber bitte nicht vorlesen, das kann ich doch selber zu Hause machen, sagen die dann immer. Und das fand ich so lustig. Und deswegen ist aber zum Beispiel der Der daran hängende Konsequenz ist, dass es in den Niederlanden lange Zeit überhaupt kein Hörbuchmarkt gab, also gar nicht. Die Leute wollen die Bücher selber lesen und ich fand das so lustig, weil ich dachte, es sind unsere direkten Nachbarn und trotzdem haben die so eine andere Buchwelt. Das ist und das haben wir dann versucht in jedem Jahr wieder zu machen, um was aus anderen Ländern zu lernen. Aus manchen konnte man viel mitnehmen, aus anderen eher weniger. Aber wir waren auch nicht jedes Jahr. Das hat auch nicht immer geklappt. Manchmal ist das Land zu weit weg oder wir hatten keine Zeit oder so und aber wir waren in Frankreich, also in Paris waren wir und wir waren in Spanien und in Slowenien waren wir und in Italien. Jetzt letztes Jahr. Ja, mal gucken. Dieses Jahr ist es Tschechien. Ich bin noch nicht sicher, ob wir es nach Tschechien schaffen, aber wäre ja, na.
Helen
Ja, das wäre. Na und? Es ist auch sehr, sehr schön. Das ist ja total cool. Ich könnte mir vorstellen, dass jetzt einige die Folge hören und sich denken, ich wäre auf jeden Fall bei Mairisch Verlag anfangen. Also echt cool. Ja, ich, ich. Ich liebe halt immer so ein bisschen auch diesen Einblick hinter die Kulissen. Weil für mich ist die Buchwelt irgendwie mittlerweile vertrauter, aber doch immer noch. Es gibt so vieles, wo ich denke Krass, dass das wusste ich überhaupt nicht, das kannte ich überhaupt nicht. Also eben von den Messeständen von der Kurt Wolff Stiftung gesprochen hast, ist mir auch noch eingefallen, dass doch meine ich von euch dieses coole Plakat war, was ich mitgenommen hatte, wo irgendwie erklärt wird, wie viel von einem Buch wohin geht oder das war, das war die Kurt Wolff Stiftung.
Daniel
Genau. Ja, ja, genau das Plakat. Also wir hatten das mal bei uns bei Mairisch als Blogeintrag gemacht. So, wer kriegt eigentlich wie viel Geld von dem Buch ab? Weil das halt auch sehr viele Geheimnisse oder Mythen darum kreisen, wie es eigentlich ist und wer wie viel kriegt. Und als Verlag muss man sich dann auch immer anhören, dass man die ganze Kohle abscheffelt. Und als Autorin kriegt man so wenig und so beides stimmt nicht. Aber beides stimmt auch auf eine gewisse Art und Weise. Und das haben wir gedacht. Wir müssen das mal kleinteilig vorrechnen und aufzeigen, wie es eigentlich ist. Und unter anderem auch deswegen, weil wir oft die Erfahrung gemacht haben, dass die Leute sich fragen, warum die Bücher eigentlich so viel kosten, wie sie kosten. Und dass die Konsequenz, die da rauskommt, ist eigentlich, dass Bücher total günstig sind. Also wenn man sich überlegt, wer wie viel abbekommt und das zum Beispiel, wenn jetzt ein Buch zwanzig Euro kostet, dann bekommt die Autorin netto ein Euro achtzig davon oder so, dann ist das halt schon ganz schön wenig so von einem Buch, was man selber geschrieben hat. Und Bücher müssten eigentlich viel teurer sein. Das lässt sich momentan aber gar nicht durchsetzen, Also aus traditionellen Gründen, weil Bücher halt so viel kosten und nur leicht. Die Preise steigen immer. Aber ich hatte mal, ich habe mal irgendwann einen tollen Spruch gehört, den zitiere ich auch gerne, weil ich den so beeindruckend finde. Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß es Ein gutes Buch kostet so viel wie ein gutes Paar Schuhe. Ich finde ein gutes Paar Schuhe. Ich weiß nicht, in welcher Größenordnung du das ansiedeln würdest, aber ich bin da eher so bei zwei hundert Euro oder so und. Und denke mir irgendwie so ja, also so, also vernünftiges, solides Paar Schuhe, keine Ahnung.
Helen
Aber ich meine, selbst wenn man nur fünfzig Euro ansetzt oder ein hundert.
Daniel
Genau. Also du bist halt ganz woanders als die zwei und zwanzig Euro. Na und? Und das hat sie aber offensichtlich nicht mitentwickelt, diese Preisgestaltung, oder? Ich habe auch mal geguckt. Ich habe noch ein paar Bücher im Schrank stehen, die sind noch so aus DM Zeiten, so späte neunziger und die kosten halt neun und dreißig Mark, also neun und dreißig Mark für ein Hardcover sind zwanzig Euro. Das ist ja kaum eine Entwicklung drin. Und wenn du dann überlegst ich weiß nicht, wie es bei dir in der Kindheit war, was haben denn zum Beispiel. Was hat denn eine Kugel Eis gekostet?
Helen
Keine Ahnung. Ich habe gar keinen. Also, ich habe ein Siebgedächtnis. Du kannst mich. So was.
Daniel
Zum Beispiel? Eis ist so ein Ding, wo ich denke, als ich klein war, kostete das halt fünfzig Pfennig. Und jetzt kostet das halt so zwei Euro siebzig. Zum Teil in Hamburg oder Berlin. Und dann denkst du Ja, das ist einfach mal das Zehnfache. Welches andere Lebensmittel ist zehnmal so teuer geworden? Bücher jedenfalls nicht.
Helen
Ja, welches andere Lebensmittel? Bücher nicht?
Daniel
Na ja, und deswegen ist es so, dass wir dieses Plakat gemacht haben und wir hatten es bei der Kurt Wolff Stiftung mal vorgeschlagen, oder? Ich weiß gar nicht. Die Idee kam wahrscheinlich von Sarah Käsmayr, das aufzugreifen. Und dann haben wir das als Plakat gestalten lassen, von einem Illustrationsbüro in Berlin, Golden Cosmos. Und die haben das ganz toll gestaltet. Und das hat wirklich ganz reißende Nachfrage, weil es halt so viele Leute erstens so plastisch finden, wie da die verschiedenen Werte sind, also wer, welcher Player kriegt was, wie viel kriegt die Druckerei, wie viel kriegt der Buchhandel, wie viel kriegt die Agentur oder die Grafik oder das Lektorat oder so? Und genau und das als Plakat Ist es irgendwie auch schön, so in einem Blick ja.
Helen
Ja, voll. Also ich finde, dass das macht. Also ich finde, das sieht schön aus. Ich bin ein sehr visueller Typ irgendwie und deswegen bin ich überhaupt darauf zugegangen. Aber es erklärt halt total gut. Also ich fand es super hilfreich. Müssen wir wahrscheinlich auch noch mal was eigenes auch zu aufnehmen. Ich denke gerade so jetzt wo wir ein Indie Buch Experten hier haben, hast du. Ich habe dich nicht darauf vorbereitet, aber hast du zufällig irgendwie Buchempfehlungen für uns, wo du in letzter Zeit oder generell denkst Boah, das könnte man wirklich mal gut gelesen haben. Das hat mir zumindest gut gefallen. Das würde ich gerne empfehlen. Sorry für den Überfall.
Daniel
Kein Problem. Also uneigennützig fange ich jetzt erstmal an mit einem Buch aus unserem eigenen Programm. Und das ist, das ist jetzt gerade letzte Woche erschienen, Das ist von der österreichischen Philosophin, die heißt Miriam Metzel und das Buch heißt unerwidert lieben eine philosophische Tröstung. Das ist ganz toll, klug und berührend und lustig gleichzeitig. Es geht wirklich darum. Also es gibt so viele Bücher über die Liebe, aber irgendwie schreibt niemand über die unerwiderte Liebe. Also dass eigentlich eine Person, die jemand anderen liebt und die wird, aber nicht zurückgeliebt. So, und was das mit einem macht, das ist ja super frustrierend und traurig und Liebeskummer und Herzschmerz Aber es gibt eigentlich nur so Klischees darüber und sehr wenig so ernsthafte Betrachtungen. Ist das überhaupt Liebe? Ist zum Beispiel eine Ihrer Fragen. Wenn das Gegenüber einen überhaupt nicht zurückliebt, hat man sich das dann nur eingebildet, weil man doof verliebt? Oder ist das echte Liebe? Was? Was sagen denn da eigentlich die ganzen Philosophinnen aus der Menschheitsgeschichte? Und dann fängt sie wirklich in der Antike an und hat aber von, ich sage mal von Sokrates bis Rilke und von, ähm, von Platon bis Hannah Arendt hat sie lauter Stimmen, die halt irgendwie was zu dem Thema gesagt haben, und das verknüpft sie auf eine sehr kluge Weise und dann aber auch lustig mit so Alltagssachen. Also sie hat dann immer so keine Ahnung, warum mein Sohn den Teller mit Spaghetti hat anbrennen lassen oder irgendwie sowas. Weil halt auch irgendwelche Ablenkungen gerade waren oder so, es gibt immer so eine Anbindung an unser normales Leben und das finde ich echt so einen klugen Text, wo man so gerne durchgeht und sich denkt Ach so gut Zusammengefasst habe ich das aber selten gesehen und es macht einfach Spaß. Das finde ich toll.
Helen
Voll cool war das jetzt. Pünktlich zum Valentinstag.
Daniel
Erschien tatsächlich am Valentinstag? Ja, ja, genau.
Helen
Das Gegenprogramm zu allem, was man sonst am Valentinstag findet. Total.
Daniel
Ja, total. Und vielleicht als zweite Empfehlung. Und zwar? Das werde ich auch, glaube ich, zum Indiebookday empfehlen. Es gibt ja in Berlin den Reprodukt Verlag. Das ist so einer der renommierten Graphic Novel Verlage, und die haben letztes Jahr ein Buch herausgebracht von Ulli Lust. Das heißt, die Frau als Mensch. Das hat auch in Leipzig den Leipziger Buchmessenpreis gewonnen, als bestes Sachbuch. Und das ist wirklich ganz toll. Das ist wirklich ein Sachbuch Comic über das Bild der Frau in der Menschheitsgeschichte. Und die fangen ganz früh in der Steinzeit an und sie hat da, glaube ich, zehn Jahre dran gearbeitet und recherchiert. Und das ist super aufwendig und toll gezeichnet und man lernt aber halt wahnsinnig viel. Und die Form, in einem Comic ein Sachbuch zu haben und dem Comic was zu lernen, ist neu und bemerkenswert und vielleicht ein bisschen bekannt, so von Liv Strömquist oder so, aber im Prinzip ist das schon noch neu und macht einfach Spaß. Es ist ein wirklich bemerkenswert gut recherchiertes Buch und man hat irgendwie das Gefühl, da leidet jemand an, durch die sich da wirklich auskennt und die sich lange damit befasst hat. Und jetzt kommt eben genau jetzt gerade irgendwie in den Wochen kommt der zweite Teil auch bei Reprodukt raus. Den werde ich mir jetzt zum Indiebookday kaufen.
Helen
Cool. Ja, und ich hatte das Gefühl, das Buch hat durch die durch den Preis auch echt viel Aufmerksamkeit bekommen. Das war das ein Bestseller dann sogar. Ich weiß, es war ein Bestseller.
Daniel
Ja, die haben richtig viel verkauft. Auch vorher schon. Aber ich glaube, der Preis hat es dann so richtig angeschoben.
Helen
Das ist echt cool. Und dann denke ich so, wenn man da wirklich zehn Jahre dran arbeitet, dass sich das so auszahlt, ist ja total toll. Also natürlich auch für den Verlag, aber auch eben für Autor und Autorin total die Wertschätzung, wenn wenn die Arbeit, die da drin steckt, sich so auszahlt. Also das ist cool. Dann haben wir schon mal im Grunde drei Buchtipps mit Band eins und zwei. Genau. Sehr gut. Danke dir. Also zum Verlag verlinken wir auf jeden Fall auch noch mal zur Kurt Wolff Stiftung zu Hamlet. Was haben wir noch zum Indiebookday? Findet ihr alles in den ShowNotes? Haben wir irgendwas vergessen, wo du denkst, wenn man jetzt mehr über dich oder Indiebookday oder über irgendwas, was wir heute besprochen haben, erfahren will? Wohin? Wo findet man das? Wo findet man dich?
Daniel
Ich finde, wir haben schon eh schon so viel geredet. Also es ist eigentlich schon ganz. Es ist schon ziemlich viel gewesen. Vielleicht ein lustiger Tipp. Wir hatten ja letztes Jahr fünf und zwanzig jähriges Jubiläum. Also quasi jetzt vorletztes Jahr schon. Zwei tausend vier und zwanzig. Und da haben wir in unserem Blog einen riesenlangen, sechsteiligen Rückblick gemacht, mit lauter lustigen Fotos aus unserer Anfangszeit bis heute. Und da kann man alles sehen, was wir machen. Da sind auch alle die erwähnten Projekte, die wir heute angesprochen haben, auch noch mal drin und eben mit Bildmaterial. Und das ist, glaube ich, sehr unterhaltsam. Wenn man da Lust hat, kann man sich da mal durchklicken.
Helen
Also ich finde es total cool, dass ihr, also dass man das so nachverfolgen kann, aber auch vor allem, dass ihr so eine lange Geschichte habt, auf die zurückblicken könnt und dass ihr über all die Jahre nie die Lust und den Spaß daran verloren habt. Voll schön zu sehen und voll inspirierend. Ich danke dir sehr für die Zeit, die du dir genommen hast und vor allem für die ganzen vielen Einblicke in diese super vielen Projekte, die du betreust. Ich würde sagen, ich habe leider den Namen von dem grünen Tee vergessen, aber sagst du noch mal vielleicht.
Daniel
Er heißt Genmaischer, aber du kannst einfach Tee mit geröstetem Reis, dann kriegst du das auch.
Helen
Ich würde sagen, wir trinken unseren Genmaischer zu Ende und verabschieden uns an der Stelle von den Mädels. Aber ja, ich danke dir sehr für deine Zeit.
Daniel
Vielen Dank für die Einladung. Es war schön, dass ich hier sein konnte.




