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Vom Sofa an die Ladentür: Angelika Siebrands über genialokal

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Podcast · Folge 56

Vom Sofa an die Ladentür: Angelika Siebrands über genialokal

Warum sich 15 Buchhändler*innen im Jahr 2000 zu einer Genossenschaft zusammenschlossen, was ein Teelicht mit einem Onlineshop zu tun hat – und wofür die Buchpreisbindung wirklich da ist

11. Januar 2024 · 45 Minuten · Ganze Folge hören ↓

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Diese Folge ist eine von drei Folgen, die genialokal im Winter 2023/24 gesponsert hat – mit einem Werbespot in der Folge, Links in den Show Notes und einem Gutschein-Gewinnspiel, das inzwischen abgelaufen ist. Das Gespräch mit Angelika Siebrands ist im Rahmen dieser Kooperation zustande gekommen. Diese Seite gibt wieder, was in der Folge gesagt wurde; die Buchtipps sind ihre eigenen.

Angelika Siebrands hat drei Hüte auf: Sie führt die Buchhandlung Schwarz auf Weiss in Bad Säckingen, direkt an der Schweizer Grenze, sie ist Vorständin der eBuch, der größten Verbundgruppe im unabhängigen Buchhandel – und sie ist Geschäftsführerin von genialokal, dem Onlineshop, den diese Genossenschaft 2015 aus eigener Tasche aufgebaut hat. Mitten im Weihnachtsgeschäft hat sie sich Zeit genommen, um Helen zu erklären, warum kleine Buchhandlungen im Netz wie Teelichter sind, die ein Flugzeug nicht sieht, warum die Händler*innen am Anfang Angst vor dem eigenen Shop hatten, was die Buchpreisbindung mit der Vielfalt in den Regalen zu tun hat – und welche Bücher sie ihrer Kundschaft sozusagen per Rezept verordnet.

Angelika Siebrands

Geschäftsführerin von genialokal, Vorständin der eBuch eG und Buchhändlerin, Bad Säckingen

Angelika Siebrands ist Inhaberin der Buchhandlung Schwarz auf Weiss in Bad Säckingen am Hochrhein, rund 30 Kilometer von Basel. Sie ist Vorständin der eBuch eG, der Genossenschaft des unabhängigen Buchhandels mit Sitz in Heidelberg, und Geschäftsführerin der genialokal.de GmbH – den Onlineshop hat sie mit ihren Kolleg*innen ab 2012 entwickelt und 2015 an den Start gebracht. Zum Zeitpunkt des Gesprächs zählte die eBuch nach ihren Worten knapp 900 Mitgliedsbuchhandlungen; im Mai 2025 feierte die Genossenschaft ihr 25-jähriges Bestehen, weiterhin mit ihr im Vorstand.

Drei Hüte und ein Fettnäpfchen

Die Antwort auf Helens Eröffnungsfrage, wer sie sei, fällt etwas länger aus: Geschäftsführerin von genialokal, Buchhändlerin, Vorständin der eBuch – drei Aufgabenfelder, die nach ihren Worten alle aufeinander einzahlen, aber manchmal auch einfach viel sind. Dass das Gespräch trotzdem vor Weihnachten geklappt hat, freut sie besonders, denn das Weihnachtsgeschäft ist im Buchhandel die Zeit, auf die das ganze Jahr hinarbeitet; alle hoffen, dass jetzt bloß niemand aus dem Team krank wird.

Dann tritt Helen in ein Fettnäpfchen: Bayern, oder? Ganz falsch. Bad Säckingen liegt in Baden-Württemberg, knapp 30 Kilometer von Basel, in einem Dreiländereck – Frankreich ums Eck, die Schweiz ein Katzensprung, über eine alte Holzbrücke ist man in zwei Minuten drüben. Und die Badener, lernt Helen, finden es schlimmer, als Schwaben bezeichnet zu werden als als Bayern. Korrektur an dieser Stelle, sagt sie, und dann haben wir das hinter uns.

Warum es die eBuch gibt

Die Genossenschaft wurde im Jahr 2000 gegründet, als die EU die Buchpreisbindung prüfen und kippen wollte. Mehrere Händler*innen dachten sich: Wenn das passiert, sind wir Kleinen weg vom Fenster. Der Name hat nichts mit E-Books zu tun – die 15 Gründer*innen waren diejenigen, die damals schon elektronische Warenwirtschaften hatten, mit denen sich Daten austauschen ließen. Richtig gewachsen ist die Gruppe ab 2004, weil Einzelkämpfer*innen kaum alles unter einen Hut bekommen; die eBuch lebt vom Austausch untereinander, vom gemeinsamen Einkauf über ein Zentrallager und von Konditionen, die sie für ihre Mitglieder aushandelt, bis hin zum Geschenkpapier. Früher kannte man jeden, sagt Angelika Siebrands, bei fast 900 geht das nicht mehr.

Kritik gab es auch: Als das Zentrallager kam, dachten die Verlage, jetzt sehe jede Buchhandlung gleich aus. Völliger Blödsinn, findet sie – die Buchhandlung Ocelot in Berlin sieht völlig anders aus als ihre an der Schweizer Grenze, die Überschneidungen liegen im niedrigen Prozentbereich.

Teelichter, die kein Flugzeug sieht

2012, 2013, 2014 schaute sich die eBuch an, was im Netz los war: Manche Händler*innen hatten gut funktionierende Shops, andere schlecht funktionierende, weil der Pflegeaufwand immens ist; dazu die White-Label-Shops der Barsortimente, damals ebenfalls viel Arbeit. Das größte Problem aber war die Sichtbarkeit. Ein kleiner Shop kommt nicht über einen kleinen Radius hinaus, egal wie gut er ist. Ihr Bild dafür: ganz viele kleine Teelichter auf der Fläche, die ein Flugzeug nicht sieht. Schiebt man sie zusammen und stülpt eine Glocke darüber, hat man einen Leuchtturm.

Genau das sollte genialokal sein – mit dem Ziel, die Leute aus dem Netz zu fischen und in die Buchhandlungen zu bringen, vom Sofa an die Ladentür. Finanziert hat die Genossenschaft das aus eigener Tasche, ohne Millionen, Schritt für Schritt; deshalb hat es gedauert, und deshalb hat auch Helen erst spät davon gehört. 2015 ging der Shop live, mit anfangs rund 300 Buchhandlungen. Heute ist fast jede eBuch-Buchhandlung dabei. Spätestens in der Corona-Zeit habe sich gezeigt, wie wichtig die gemeinsame Plattform war. Und weil jede Buchhandlung eigene Titelempfehlungen einstellt, das Team vorstellt und unter ihrer alten Domain erreichbar bleibt, ist der Shop nach ihren Worten bunter als ein Shop für alle – und nimmt den Händler*innen zugleich Versand, Zahlarten und Datenschutz ab, damit sie Zeit für ihre Kundschaft haben.

Ich sage immer, unsere Buchhändlerinnen sind echte Trüffelschweine. Die entdecken so tolle Sachen.Angelika Siebrands

Wie genialokal funktioniert

Mitmachen kann eine Buchhandlung, wenn sie eBuch-Mitglied ist oder Kundin des Barsortiments Libri – denn Libri, nach ihren Worten das größte Barsortiment in Deutschland mit Lagern in Hamburg und Bad Hersfeld, wickelt den Versand ab. Genialokal sei kein Versender, sagt Angelika Siebrands, und Leser*innen erwarten zu Recht, dass eine Bestellung zuverlässig und schnell ankommt. Der Kern ist aber ein anderer: Über 80 Prozent der Bestellungen werden in der Buchhandlung abgeholt. Dort entsteht der Kontakt, dort bekommt man den ersten, zweiten, dritten Tipp dazu – im Netz findet man nur, was man sucht, im Laden das, woran man nie gedacht hätte.

Helens Lieblingsfunktion ist die Buchhandlungssuche: Als »Blutbuch« den Deutschen Buchpreis gewann und überall vergriffen war, ließ sie sich anzeigen, welche Buchhandlung in ihrer Umgebung es noch vorrätig hatte. Angelika Siebrands erzählt von einer Stammkundin, die im Urlaub bei Hamburg über genialokal in eine dortige Buchhandlung bestellte, damit die auch etwas davon hat – eine ganz neue Form von Sightseeing. Wer bis Bestellschluss bestellt, hat das Buch am nächsten Tag im Laden; wer sein eigenes Buch reserviert, kann es dank Sofortreservierung noch am selben Tag abholen und ist damit schneller als jeder Onlinehändler.

Buchhandlungen außerhalb Deutschlands gibt es bei genialokal nicht, obwohl die eBuch ein paar Mitglieder in Luxemburg und Österreich hat: Sie lassen sich nicht über Nacht beliefern. In Deutschland sei man mit der Barsortimentslandschaft privilegiert – in Frankreich wartet man auf ein Buch gern mal eine Woche.

Was die Buchpreisbindung schützt

Von ihrer Buchhandlung aus sieht Angelika Siebrands, wie es ohne Preisbindung aussieht: In der Schweiz sind die Preise nach deren Wegfall stark gestiegen. Kunden kommen zu ihr und berichten von 26,90 Franken für ein Buch, das bei ihr 18,90 oder 19,90 Euro kostet – deshalb kaufen viele Schweizer*innen in Deutschland. Sie steht in Kontakt mit dem Schweizer Buchhändlerverband, der ohnehin andere Herausforderungen hat: ein kleines Land, mehrere Sprachen.

Die Preisbindung sei nicht dazu da, Buchhändler*innen zu schützen – das sei ein Nebeneffekt, und manchmal sei es sogar lästig, nicht vom Preis abweichen zu können. Es gehe um die Vielfalt des Kulturguts Buch und um Flächendeckung. Ohne Buchhandlungen in der Fläche entscheiden irgendwann die großen Onlinehändler, was sichtbar ist; für kleine und mittlere Verlage und für alle Titel jenseits der Bestsellerlisten wäre das ein Problem. Der Buchhandel habe schon viele Bücher groß gemacht, weil Buchhändler*innen sie empfohlen, empfohlen, empfohlen haben. Sie selbst hat Bücher, die sie per Rezept verordnet: Kennt kein Mensch, bitte lesen.

Hartnäckig bleiben, Sorgen ernst nehmen

Wie hält man den Widerstand aus, wenn man etwas Neues wagt? Erstens könne sie sehr hartnäckig sein, wenn sie an eine Idee glaubt. Zweitens habe die eBuch die Händler*innen mitgenommen und ihre Sorgen ernst genommen – etwa die Angst, der Shop nehme dem Laden Umsatz weg. Die Antwort darauf waren Sofortreservierung, eigene Buchtipps, das eigene Team, die eigene Domain. Der Widerstand sei zum Teil berechtigt gewesen, und man habe daraus gelernt. Dass Individualität im Netz weniger zählt als Professionalität, hätten die Händler*innen schnell begriffen; am Ende war egal, ob der Shop grün, rot oder lila leuchtet. Grün ist es geblieben, weil die Leser*innen das ausgewählt haben – ein Prinzip, das Helen von den Abstimmungen im Buchclub kennt.

Bücher verkaufen? Immer.

Was sie an ihrem Beruf hält, sagt sie ohne Zögern: Im Laden stehen, mit Leuten über Bücher sprechen, dazu hat sie immer Lust, weil es immer etwas Neues gibt und keine Branche so am Puls der Zeit ist. Ihr Beispiel reicht von Jules Verne, der das Faxgerät erfand, bevor es das gab, bis zu einem Roman über eine Familie in Schweden, die vor Waldbränden flieht – gelesen in einem heißen Sommer, und kein Buch über das Klima, sondern darüber, wie Menschen mit Extremsituationen umgehen. Sowas könne nur Literatur.

Ihre Buchtipps hat sie mitgebracht, damit Helen wenigstens die Cover sehen kann. Ganz oben: »Das achte Leben (Für Brilka)« von Nino Haratischwili, schlappe 1.273 Seiten, wie sie nachzählt, ihr absolutes Lieblingsbuch, das immer im Laden liegt. Als Murakami-Fan, die schon alles von ihm gelesen und empfohlen hat, hat sie »Gute Nacht, Tokio« von Atsuhiro Yoshida entdeckt. Und weil Helen sie auf die Schweizer Grenze angesprochen hat: »Susanna« von Alex Capus, der in Olten, nicht weit von ihr, eine Bar hat. Vor Weihnachten sollten alle unbedingt Bilderbücher kaufen, findet sie, und zwar im Laden, weil man die Bilder im Netz nicht richtig sieht: »Kleine Elli, große Schwester« über ein Yak-Mädchen, das ein Geschwisterchen bekommt, und »Franks rote Mütze« über einen Pinguin. Nichts bringe Kinder besser zum Lesen als gemeinsam auf der Couch ein Bilderbuch anzuschauen – und das müsse lange vor der Schullektüre anfangen.

Wenn du wissen willst, was hinter dem Onlineshop steckt, den wir bei jeder Buchbekanntgabe verlinken, hörst du es in dieser Folge von der Frau, die ihn mit aufgebaut hat.

Die ganze Folge hören

Die Bücher aus dieser Folge

Die fünf Titel, die Angelika Siebrands mitgebracht hat – drei Romane und zwei Bilderbücher.

Buchcover »Das achte Leben (Für Brilka)« von Nino Haratischwili

Das achte Leben (Für Brilka)

Nino Haratischwili · Ullstein · 1280 Seiten

Ihr absolutes Lieblingsbuch: ein Epochenroman, der um 1900 in Georgien mit der Geburt eines Mädchens beginnt. Jede Seite lohnt sich, sagt sie – und es liegt bei ihr immer im Laden.

Bei Thalia ansehen*

Buchcover »Gute Nacht, Tokio« von Atsuhiro Yoshida

Gute Nacht, Tokio

Atsuhiro Yoshida · hanserblau · 192 Seiten

Tokio nachts um halb eins: Episoden über eine Telefonseelsorgerin, einen Barkeeper, einen Privatdetektiv. Ihre Entdeckung für alle, die Murakami schon durchhaben. Aus dem Japanischen übersetzt von Katja Busson.

Bei Thalia ansehen*

Buchcover »Susanna« von Alex Capus

Susanna

Alex Capus · dtv · 288 Seiten

Der Schweizer Autor hat in Olten, nicht weit von Bad Säckingen, eine Bar – und schreibt wunderbare Bücher, sagt sie.

Bei Thalia ansehen*

Buchcover »Kleine Elli, große Schwester« von Lu Fraser und Kate Hindley

Kleine Elli, große Schwester

Lu Fraser und Kate Hindley · Thienemann · 32 Seiten

Ein kleines Yak-Mädchen bekommt ein Geschwisterchen. Passt in den Winter und ist wunderbar illustriert, findet sie. Aus dem Englischen übersetzt von Ebi Naumann.

Bei Thalia ansehen*

Buchcover »Franks rote Mütze« von Sean E. Avery

Franks rote Mütze

Sean E. Avery · Dragonfly · 32 Seiten

Frank ist ein Pinguin und hat eine rote Mütze – es fängt schon gut an, sagt sie. Aus dem Englischen übersetzt von Susanne Weber.

Bei Thalia ansehen*

Die mit Sternchen markierten Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

Häufige Fragen

Was ist genialokal?

Der Onlineshop des unabhängigen Buchhandels, gestartet 2015 von der Genossenschaft eBuch. Wer dort bestellt, wählt vorher eine Buchhandlung aus – die Bestellung geht über diese Buchhandlung, und über 80 Prozent der Bestellungen werden laut Angelika Siebrands dort auch abgeholt. Wer will, kann sich das Buch auch nach Hause schicken lassen; den Versand übernimmt der Großhändler Libri.

Was ist die eBuch?

Eine Genossenschaft unabhängiger Buchhandlungen mit Sitz in Heidelberg, gegründet im Jahr 2000 von 15 Buchhändler*innen. Der Anlass war laut Angelika Siebrands die Sorge, die EU könnte die Buchpreisbindung kippen. Der Name kommt nicht von E-Books, sondern davon, dass die Gründer*innen schon damals mit elektronischen Warenwirtschaftssystemen arbeiteten. Die eBuch betreibt ein Zentrallager, handelt Konditionen für ihre Mitglieder aus – und hat genialokal aufgebaut.

Kann jede Buchhandlung bei genialokal mitmachen?

Fast. Sie muss entweder Mitglied der eBuch sein oder Kundin des Barsortiments Libri, weil genialokal den Versand über Libri abwickelt. Buchhandlungen außerhalb Deutschlands sind nicht dabei, weil die Bestellungen über Nacht in den Läden sein sollen.

Wozu gibt es die Buchpreisbindung?

Nicht in erster Linie, um Buchhändler*innen zu schützen, sagt Angelika Siebrands – das sei ein Nebeneffekt. Es gehe um die Vielfalt des Kulturguts Buch und darum, dass es flächendeckend Buchhandlungen gibt. Ohne sie würden irgendwann die großen Onlinehändler entscheiden, welche Titel sichtbar sind. Wie es ohne Preisbindung aussieht, sieht sie in der Schweiz: Dort sind die Buchpreise nach deren Wegfall deutlich gestiegen.

Welche Bücher empfiehlt Angelika Siebrands?

»Das achte Leben (Für Brilka)« von Nino Haratischwili, ihr absolutes Lieblingsbuch, »Gute Nacht, Tokio« von Atsuhiro Yoshida, »Susanna« von Alex Capus – und zwei Bilderbücher: »Kleine Elli, große Schwester« von Lu Fraser und Kate Hindley sowie »Franks rote Mütze« von Sean E. Avery. Alle fünf stehen in der Buchgalerie auf dieser Seite.

Die ganze Folge zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme. Helens An- und Abmoderation, der Werbespot für genialokal mit dem inzwischen abgelaufenen Gewinnspiel und der eingesprochene Hinweis auf die Schmökerrunde stehen nicht hier. Das Gespräch wurde am 14. Dezember 2023 aufgezeichnet.

Helen
Herzlich willkommen, Angelika. Ich freu mich wahnsinnig, dass wir heute miteinander sprechen. Und würde vielleicht zu Beginn einmal kurz fragen, wer bist du und was machst du so?

Angelika Siebrands
Okay, aber das ist jetzt gleich eine Frage, die ein bisschen länger antwortet.

Helen
Ja, gar kein Problem.

Angelika Siebrands
Ich bin Angelika Siebrands und ich bin jetzt von dir ja eingeladen worden als Geschäftsführerin von genialokal, dem Online-Shop des unabhängigen Buchhandels und nebenher bin ich auch noch Buchhändlerin und Vorstand der Genossenschaft eBuch. Das ist die größte Verbundgruppe unabhängigen Buchhandel in Deutschland. Wir haben ungefähr knapp 900 Mitglieder und das sind alles unabhängige Händler, also völlig frei in ihrem Handeln und Tun. Und für die stellen wir halt Services bereit und versuchen die so gut wie möglich zu unterstützen. Das sind so meine drei Hauptaufgabenfelder.

Helen
Die wahrscheinlich alle für sich auch schon recht umfangreich sind.

Angelika Siebrands
Ja, ja, aber alle zahlen aufeinander ein. Aber manchmal ist es schon ziemlich viel. Deshalb freut es mich auch, dass es jetzt noch geklappt hat vor Weihnachten. Weil Weihnachtsgeschäft ist natürlich im Buchhandel immer wirklich high time. Da wollen alle irgendwie jetzt möglichst bestmöglich aufgestellt sein. Und alle haben Angst, hoffentlich wird niemand krank von den Kolleginnen. Das ist ja immer so in den Zeiten gar nicht zu gebrauchen. Ja, und es ist halt für den Handel wichtig, das Weihnachtsgeschäft ist im Buchhandel sehr, sehr wichtig. Da arbeitet man eigentlich das ganze Jahr darauf hin. Aber deshalb freue ich mich umso mehr, dass es jetzt doch geklappt hat. Und ich habe auch im Vorfeld mal in deinen Podcast reingehört.

Helen
Oh, sehr schön.

Angelika Siebrands
Na klar. Ja, finde ich auch ganz spannend. Und ja, ich habe mich gefreut auf den Termin heute.

Helen
Ich mich auch sehr. Ich habe es dir gerade im Vorfeld schon gesagt. Du standest auf meiner Wunschliste, als ich gesehen hab, dass du die Geschäftsführerin von genialokal bist. Ich dachte, das ist ja total spannend. Vielleicht können wir irgendwann mal mit Angelika Siebrands sprechen. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass das klappen würde. Ähm, und deswegen, dass das auch so schnell geklappt hat, hab ich mich wahnsinnig gefreut. Ein bisschen wie mein persönliches Weihnachtsgeschenk.

Angelika Siebrands
Oh, das freut mich. Ich hab mich auch sehr auf den Termin gefreut. Nehmen wir die Zeit auch gerne. Manchmal einfach nur eine Organisationsfrage, was man vorne hinschiebt.

Helen
Ja gut, das stimmt. Du bist Buchhändlerin in Bayern, glaub ich, ne? Ich hatte die Buchhandlung mal nachgeschaut.

Angelika Siebrands
Oh, ganz falsch. Nein.

Helen
Ist das nicht Bayern?

Angelika Siebrands
Nein.

Helen
Aber irgendwie so sehr südlich, ich glaube deswegen denke ich, das wäre Bayern.

Angelika Siebrands
Genau, es ist direkt an der Schweizer Grenze, so knapp 30 Kilometer von Basel. Das komme ich her, Bad Säckingen, da ist der Ort, und es ist direkt an der Schweizer Grenze, es ist so ein Dreiländereck, Frankreich ist bei uns ums Eck und die Schweiz ist ein Katzensprung. Wir haben eine ganz alte Holzbrücke, da kann man drüber laufen, da ist man zwei Minuten in der Schweiz.

Helen
Voll gut. Ich habe mir gedacht, naja, vielleicht schaffe ich es mal in die Gegend, dann kann ich auch mal in der Buchhandlung vorbeischauen und dich einfach direkt mal fragen. Aber dann dachte ich, wow, das ist doch ganz schön weit weg von Bonn.

Angelika Siebrands
Ja, das ist weit weg von Bonn. Übrigens, einer meiner Kollegen stammt aus der Nähe von Bonn, mein Lieblingskollege sogar. Ja, und insgesamt ist ja unsere Gruppe total überall in der Republik verbreitet. Also eBuch-Buchhandlungen gibt es Nord bis Süd. Die südlichste ist, glaube ich, Garmisch. Und auch auf den Inseln haben wir Buchhandlungen im Osten und Westen. Traditionell, weil die eBuch eben im Süden auch gegründet wurde, haben wir natürlich auch viele Buchhandlungen im Süden. Und deshalb kommt ein Bayern vielleicht daher.

Helen
Sorry dafür.

Angelika Siebrands
Gar kein Problem.

Helen
Ich glaube, ich denke automatisch, ganz im Süden, das kann nur Bayern sein.

Angelika Siebrands
Genau. Also die Badener finden es ja schlimmer, wenn man sie als Schwaben bezeichnet als als Bayern, ja.

Helen
Das habe ich durch meinen Freund schon mitbekommen. Da versuche ich mich immer bedeckt zu halten. Aber okay, Fettnäpfchen lauern überall.

Angelika Siebrands
Überall.

Helen
Korrektur an dieser Stelle. Die Buchhandlung ist in Baden-Württemberg. Ich liebe das auch, dass mir sowas immer gerne auch direkt zu Beginn der Folge passiert. Aber dann haben wir das hinter uns.

Angelika Siebrands
Genau, dann haben wir das hinter uns.

Helen
Ich hatte dich aber ja vor allen Dingen eingeladen, weil du eben genialokal auch gegründet hast. Also nicht nur, weil du jetzt Geschäftsführerin bist und ich finde das total spannend. Ich weiß natürlich nicht, welche Folge du gehört hast, aber ich hatte jetzt vor kurzem eine Podcast-Folge mit einer Leiterin einer Bücherei auch im Süden Deutschlands. Und wir haben so ein bisschen, auch schon im Vorfeld, als wir so über das Thema gesprochen haben, festgestellt, dass Büchereien, Bibliotheken alle auch nicht so wahnsinnig gut miteinander vernetzt sind. Und ich hab mir so vorgestellt, dass das eine ähnliche Problematik bei euch war. Oder was war so der ausschlaggebende Punkt, dass ihr gesagt habt, wir brauchen, genialokal, wir brauchen irgendwie so einen Verbund an Buchhandlungen. Ich komm jetzt immer durcheinander mit den Wörtern. Oder in Buchhandlung?

Angelika Siebrands
Also wir hatten den großen Vorteil, wir waren die eBuch, die ist 2000 gegründet worden. Damals war der Hintergrund, dass die EU das Thema Preisbindung prüfen und kippen wollte. Und dann haben sich mehrere Händlerinnen gedacht, das wird für uns Kleine ein echtes Drama, wenn das passiert, weil dann sind wir wahrscheinlich weg vom Fenster. Und deshalb wurde die eBuch gegründet. Die eBuch heißt eBuch nicht, weil sie irgendwas mit e-books zu tun hat, sondern die Händlerinnen, die von Anfang an dabei waren und auch heute dabei sind, das waren so die, die alle schon sehr elektronisch unterwegs waren. Die hatten alle schon Warenwirtschaften, mit denen Daten hin und her geschickt werden konnten. Und am Anfang waren das 15 Buchhändlerinnen und gewachsen sind wir eigentlich so über die Jahre erst. Also so ab 2004 fing dann starkes Wachstum an, weil für die Einzelkämpfer da draußen ist es so schwer, alles unter einen Hut zu kriegen, sich alle Informationen zu besorgen und die eBuch lebt hauptsächlich vom Austausch auch ihrer Buchhändler*innen. Also die helfen sich untereinander, sie sind füreinander da. Das ist wirklich eine große Gemeinschaft. Jetzt natürlich auf einer anderen Ebene. Früher kannte man noch jeden, heute kennst du einfach auch nicht mehr jeden. Es geht gar nicht mehr bei fast 900. Aber am Anfang war das so eine eingeschworene Gemeinschaft. Es gab auch Kritik an der eBuch. Als wir das Zentrallager gegründet haben, die Verlage haben gedacht, ja dann sieht jede Buchhandlung gleich aus, was völliger Blödsinn ist. Also ein Ocelot in Berlin, das eine eBuch-Buchhandlung ist, sieht völlig anders aus als meine Buchhandlung an der Schweizer Grenze. Völlig. Also ich weiß nicht, wie viel da Überschneidung da ist, aber das sind Prozente im niedrigen Bereich. Und ja, dieses Zusammenspannen der Händler im Einkauf durch unser Zentrallager, aber auch in sonstigen Bereichen. Wir handeln für die natürlich Konditionen aus für Geschenkpapier. Alles, was man braucht, um Buchhandel zu betreiben, das hat halt geholfen, als wir den Gedanken hatten, wir müssen auch auf E-Commerce-Seite was tun. Und wir haben damals 2012, 2013, 2014 geguckt, was ist denn da draußen los. Da waren einige Händler, die hatten einen gut funktionierenden Online-Shop, einige, die hatten einen schlecht funktionierenden Online-Shop, weil der Arbeitsaufwand, den zu pflegen, immer aktuell zu halten, ist natürlich immens. Und dann gibt es ja auch Angebote der Barsortimente mit diesen White Label-Shops, aber auch da war viel Arbeit früher zu tun. Und das größte Problem ist ja, so ein kleiner Shop ist einfach nicht sichtbar im Netz. Da können die sich vor Ort anstrengen, wie sie wollen. Die können so tolle Sachen machen, aber man kommt nicht über einen kleinen Radius hinaus. Und ich habe immer das Bild oder wir haben immer das Bild gehabt, meine Kollegen und ich. Das sind auf der ganzen Fläche ganz viele kleine Teelichter, aber wenn ein Flugzeug drüber fliegt, sieht es diese Teelichter nicht. Wenn wir jetzt aber hingehen und schieben diese Teelichter alle zusammen und stülpen sozusagen eine Glocke drüber, dann haben wir einen richtigen Leuchtturm, weil da draußen sind wir ja viele und wenn wir zusammen spannen, werden wir gemeinsam erfolgreicher sein als jeder für sich. Und es ist am Anfang auch nicht ohne Kritik abgegangen. Die Buchhändlerinnen hatten zum Teil Angst, dass sie ihre Individualität verlieren oder ein Stück weit aufgeben müssen, was auch korrekt ist. Sie müssen sie ein Stück weit aufgeben, weil einfach andere Dinge wichtig sind als im Laden. Da braucht es eine andere Professionalität. Die gleiche braucht es auch im Laden, aber nochmal anders ausgerichtet. Und das war schon schwierig, auch alle einzufangen, aber wir haben unseren Händlerinnen auch sehr, sehr gut zugehört und haben denen ihre Bedenken sehr ernst genommen und geguckt, wie kriegen wir was hin, was möglichst optimal auf den stationären Handel einzahlt, aber denen trotzdem online ein richtig gutes Tool an die Hand gibt, damit sie da auch konkurrenzfähig sind. Und so kamen wir dazu, genialokal zu gründen, weil wir gesagt haben, wir wollen eigentlich die Leute aus dem Netz fischen, aber primär in die Buchhandlungen bringen. Auch sozusagen vom Sofa an die Ladentür. Und das hat auch ganz gut funktioniert. Klar, es hätte noch viel besser funktionieren können. Du hast selber gesagt, du hast davon gehört, aber auch nicht von Anfang an. Weil wir haben das halt sozusagen aus eigener Tasche alles finanziert. Und wir hatten natürlich keine Millionen, die wir da reinstecken konnten. Wir mussten das so langsam Schritt für Schritt aufbauen. Und deshalb hat es halt natürlich auch ein bisschen gedauert. Wir sind ja 2015 live gegangen. Und da waren es am Anfang, glaube ich, so erst 300 Buchhandlungen, die dabei waren. Aber sukzessive sind wir jetzt immer mehr geworden. Und bis auf ganz wenige, die bei der eBuch sind und da nicht dabei sind, hat eigentlich jeder, hat den genialokal-Shop. Und die Umsätze entwickeln sich auch gut, spätestens in Corona-Zeiten haben wir halt gemerkt, wie wichtig es war, dass wir da eine gemeinsame Plattform hatten. Und halt von zwei Seiten können wir die Leute ansprechen. Einerseits im Laden die Buchhändlerinnen mit ihrer Kompetenz, ihrer tollen Titelkenntnis, die ja so vielfältig da draußen unterwegs sind, sind ja nicht nur die Inhaber, sind ja auch die ganzen Angestellten, die Mitarbeiterinnen, die wahnsinnig viel Input geben. Also das auf der einen Seite, aber wir können eben auch ein zentrales Marketing dazu noch machen. Du hast ja da auch Kolleginnen von uns schon kennengelernt. Die können natürlich sozusagen von oben rein kippen und dann kommen von unten das Ganze von den Händlerinnen noch mit dazu. Und dadurch ist es halt A sehr authentisch, sehr nah am Markt, sehr aktuell und sehr, sehr vielseitig. Und jede Buchhandlung kann ihre eigenen Titelempfehlungen einstellen. Das ist einfach viel, viel bunter, als wenn das jetzt ein Shop für alle gleich wäre. Und trotzdem musst du es halt hoch professionell machen. Du musst einen Versand anbieten. Du musst alle Zahlarten haben. Du musst tausend Dinge berücksichtigen wie Datenschutz, Grundverordnung und all diesen Zapel, und den haben wir eigentlich unseren Händlern dadurch erspart, weil wir das übernehmen. Und dadurch haben auch an der Stelle unsere Buchhändlerin da draußen eben Zeit für ihre Kundinnen und müssen sich nicht mit irgendwelchem Technikkram rumschlagen.

Helen
Ja, ihr haltet so ein bisschen den Rücken frei dann.

Angelika Siebrands
Genau, das ist unsere Aufgabe als eBuch. Wir müssen unseren Händlern den Rücken frei halten und stärken auch, natürlich.

Helen
Richtig gut. Ich glaube, was für mich noch nicht ganz klar ist, also eBuch ist ja nicht, also nicht jede eBuch-Buchhandlung ist genialokal-Buchhandlung.

Angelika Siebrands
Nicht jede, aber fast jede.

Helen
Fast jede.

Angelika Siebrands
Fast jede. Also es gibt so eine kleine Hürde, damit eine Buchhandlung bei genialokal mitmachen kann. Die muss entweder eBuch-Mitglied sein, weil das ja unser Produkt ist oder sie muss Libri-Barsortimentskunde sein. Das liegt daran, dass wir mit Libri zusammen das gemacht haben. Libri ist das größte Barsortiment in Deutschland. Die sitzen in Hamburg und Bad Hersfeld. Da ist das Lager. Und wir nutzen denen ihre Versandkompetenz und Logistikkompetenz, weil wir sind kein Versender. Und das muss ja auch hochprofessionell sein. Du kannst nicht irgendwann mal sagen, ich schick mal, pack mal einen Karton und schick das mal irgendwann zur Post und dann hat es der Kunde drei Tage später, weil der Leser, die Leserin, die sind ja auch verwöhnt da draußen und das ist ja auch zu Recht. Die erwarten ja auch ein bestimmtes Niveau, wenn sie was bestellen, dass es zuverlässig so schnell wie möglich da ist. Deshalb haben wir von Anfang an mit Libri als Partner zusammengearbeitet, die den Versand für uns komplett abwickeln und dadurch funktioniert halt diese Kette lückenlos. Was aber ganz wichtig ist, ist glaube ich, genialokal ist nicht einfach any old bookshop im Netz, sondern unser Ziel ist es, wirklich die Leserin in die Buchhandlung zu bringen, die Tür zu öffnen sozusagen vom Sofa aus, in den Laden zu gehen. Und das haben wir auch geschafft, weil über 80 Prozent unserer Bestellungen werden tatsächlich in den verschiedenen Buchhandlungen abgeholt. Und die Händlerinnen, weil dann haben sie den Kontakt mit den Kunden. Das ist ja wichtig, dass du weißt, wie ticken meine Kunden, was wünschen die, wie kann ich sie glücklich machen. Und das weiß niemand besser als die Buchhändlerin da draußen im Laden. Das kann kein Internetshop so gut machen. Weil dort entdeckst du ja nur, was du suchst. Aber im Laden, da findest du Dinge, an die du niemals gedacht hättest.

Helen
Also wenn wir ein neues Buch bekannt geben, sag ich mal, also wir stimmen darüber ab und wenn dann fest steht, wer gewonnen hat, sag ich mal, dann verweisen wir auf verschiedene Optionen, wo man das herbekommen kann. Und bei genialokal sagen wir eben immer, also das ist glaube ich so mein Lieblingsfeature, weil ich auch gerne so Sachen einfach mal ausprobiere, ist, dass wenn man vielleicht noch keine Lieblingsbuchhandlung hat oder selbst wenn man eine hat, dass man darüber eben auch noch andere in der Umgebung finden kann, vielleicht auch, wenn man umgezogen ist oder sowas. Oder was ich auch toll fand, als wir mal einen, ich glaube, es war nur in der Auswahl, ich weiß gar nicht, wir haben es im Ende nicht gelesen, aber als das Buchpreisbuch dann feststand, war klar, wir nehmen das mit in die Auswahl, das ist dann aber ja natürlich.

Angelika Siebrands
In 22 Bahnen, oder?

Helen
Nein, das war… Nicht das der Unabhängigen, sondern genau, das des Deutschen Buchpreises, und zwar Blutbuch, ja, also das stand dann fest, genau, und dann ist das aber ja immer überall eigentlich schon weg zu dem Zeitpunkt, wo es dann fest steht. Also dann ist es auf jeden Fall schwierig und da hatte ich dann bei genialokal die Funktion genutzt, dass ich mir anzeigen lassen kann, wo ist das in der Buchhandlung in meiner Umgebung jetzt noch da und das fand ich total klasse.

Angelika Siebrands
Ja, das ist wirklich ein richtig gutes Feature.

Helen
Da freut man sich wahrscheinlich selber auch, wenn sowas umgesetzt ist.

Angelika Siebrands
Ich hatte letztens eine Stammkundin, die mir erzählt hat, ich habe übrigens meine letzten Bücher irgendwo bei Hamburg gekauft in der Buchhandlung so und so. Ich will jetzt keine Namen nennen. Und dann sagte ich, oh, schön hatten sie Urlaub. Ja, ich hatte Urlaub, aber ich habe sie mir über genialokal dorthin bestellt, also dass sie auch was davon haben, Weil die weiß natürlich, dass ich sozusagen an beiden Enden mitarbeite und dass mir das ein großes Anliegen ist, dass der unabhängige Buchhandel gestärkt wird. Das war so toll, ich brauchte nichts durch die Gegend schleppen. Ich hab sie mir einfach direkt dorthin bestellt.

Helen
Klasse. Und dann hat man auch so einen Anlass, in diese neue Buchhandlung zu gehen, die man vielleicht noch nicht so kennt.

Angelika Siebrands
Genau. Ganz neue Form von Sightseeing, finde ich richtig gut. Es gibt ja viele Leserinnen, die als erstes an ihrem Urlaubsort gucken, wo ist die nächste Buchhandlung.

Helen
Bisher, das habe ich jetzt gar nicht nachgeguckt, aber bisher ist es deutschlandweit, oder?

Angelika Siebrands
Ja, das ist halt auch ein Logistikproblem. Also wir können natürlich Versand auch in die Schweiz oder nach Österreich, in andere Länder machen, das ja, aber wir haben keine Buchhandlung außerhalb Deutschlands. Es liegt auch daran, dass in der eBuch fast nur deutsche Buchhandlungen sind. Wir haben aber ein paar Exoten haben wir auch. Also Wir haben Luxemburg, wir haben Österreich, aber die können wir halt nicht über Nacht beliefern. Und alle Bestellungen, die in die Läden gehen, die sind halt über Nacht da. Was bis Bestellschluss, 18 Uhr oder so, bestellt wird, ist ja am nächsten Tag dann auch in der Buchhandlung, auch über genialokal. Und das, was weiter weg ist, ist dann halt Versand. Und da ist es natürlich dann nicht möglich. Deshalb konzentrieren wir uns einfach auch auf Deutschland. Das Modell kann man auch durchaus für andere Länder sehen. Wir sind halt in Deutschland auch privilegiert mit unserem Barsortimentslandschaft, weil in anderen Ländern geht nicht so viel über Nacht. In der Schweiz auch, aber Österreich geht auch noch, noch. Aber Frankreich, da wartet man auf ein Buch gerne mal eine Woche. Das ist schon toll, dass ich abends noch was bestellen kann und am nächsten Morgen ist es da.

Helen
Ja, das stimmt. Das ist wirklich toll. Also ich finde irgendwie auf jeden Fall die Vorstellung schön, dass wir jetzt sagen können, nächstes Wochenende geht es nach Berlin. Ich schaue mal bei genialokal, ob ich da eine schöne Buchhandlung finde und bestelle mir direkt ein Buch dahin. Also gerade Berlin ist ja auch, was die Buchhandelslandschaft angeht, so vielfältig und schön, wirklich so tolle Buchhandlungen. Du hattest ja auch gesagt, also du hattest gesagt, der Anlass, wenn ich das richtig verstanden habe, war ja auch so ein bisschen dieses Thema mit der Buchpreisbindung. Und du bist mit deiner Buchhandlung ja auch direkt an der Grenze zu der Schweiz, wo ich meine, dass es die doch nicht gibt. Da bekommst du doch bestimmt auch ganz anders nochmal mit, womit die Buchhändlerinnen da struggeln, ne?

Angelika Siebrands
Absolut. Also wir sind auch in Kontakt mit der Buchhandelslandschaft in der Schweiz, also nicht nur in der Buchhandlung, sondern eben auch mit dem Verband, dem schweizerischen Buchhändlerverband. Und die haben natürlich ganz andere Probleme. Also erstens, es ist ein relativ kleines Land. Dann die Mehrsprachigkeit. Der deutsche Teil, der italienischsprachige, französischsprachige Teil. Rätoromanisch können wir jetzt schon mal fast rauslassen, weil das ist ja wirklich schon sehr exotisch. Aber die haben natürlich auch noch ganz andere Herausforderungen. Und mit dem Fall der Preisbindung in der Schweiz sind auch die Preise extrem hochgegangen. Also ich habe immer wieder Kunden, die zu mir kommen und sagen, das Buch kostet 26,90 Franken und ich gucke, was es bei uns kostet, sind es irgendwie 18,90, 19,90. Selbst wenn der Frankenkurs schlecht ist, ist es für die immer noch viel günstiger und deshalb kaufen viele Schweizer natürlich auch bei uns im Deutschen ein. Und ja, sind ja auch viele gute Schweizer Verlage und viele Schweizer Autoren sind ja auch im Deutschen sehr, sehr beliebt. Ja.

Helen
Ja. Aber das stelle ich mir dann noch schwieriger vor. Ist ja sowieso irgendwie finde ich immer total schade, wenn man in die Innenstädte geht und dann schließen da Läden. Aber das ist halt irgendwie für Buchhandlungen nochmal ein anderer Faktor auch, der hier in Deutschland gut ist, dass es die Buchhandlung gibt. Aber ich hatte eben auch schon mal mit einer Buchhändlerin aus der Schweiz gesprochen, dass das halt einfach wirklich nochmal schwieriger ist. Wenn die da eine große Kette noch mit am Ort haben, die mit den Preisen runtergehen können, ist das halt heftig.

Angelika Siebrands
Die Problematik haben wir nicht. Wir haben natürlich schon die Konkurrenzsituation mit den großen Onlinern hauptsächlich, die ja einfach weil sie viel mehr Marketing Power haben, natürlich ganz anders am Markt agieren können. Aber zumindest der Preis ist überall der gleiche. Aber viele Kunden wissen das auch gar nicht.

Helen
Ne, das habe ich auch schon mitbekommen.

Angelika Siebrands
Also auch das ist so ein bisschen eigentlich die Aufgabe von uns Buchhändlerinnen, das den Leuten auch zu erklären und auch wozu die gut ist. Das ist ja nicht so, um Buchhändler zu schützen. Das ist ja sozusagen ein Nebeneffekt, manchmal ist es auch lästig, dass man nicht vom Preis weg kann oder kann lästig sein. Aber in erster Linie geht es ja darum, um eine möglichst große Vielfalt des Kulturguts Buch aufrecht zu erhalten und dazu gehört natürlich auch die Flächendeckung. Da sind wir dann wieder bei den Buchhandlungen. Warum das für die Buchhandlung so wichtig ist, weil ohne Flächendeckung wird irgendwann werden die großen Onliner entscheiden, was sichtbar ist. Und das ist für die kleinen, mittleren Verlage, aber auch bei den großen Verlagen, für die Titel, die nicht ganz oben stehen und die nicht sowieso sich verkaufen, für die ist das natürlich ein Problem, weil wenn da nicht draußen Leute sind, die für den Titel brennen und trommeln und, also ich sag immer, ich hab immer Bücher, die verordne ich per Rezept sozusagen. Die finde ich so toll. Da gehe ich dann hin und sage, hey, bitte lesen. Kennt kein Mensch bisher, aber so ein tolles Buch. Und der Buchhandel hat schon viele Titel groß gemacht, einfach weil die Buchhändlerinnen so viel Herzblut reingesteckt haben und den Titel empfohlen, empfohlen, empfohlen haben. Und auch das ist eben wichtig, um diese kulturelle Vielfalt weiter zu erhalten. Weil sonst haben wir irgendwann nur noch Bestseller, die ihre Berechtigung haben, keine Frage. Aber es ist halt nur die Spitze des Eisbergs und da sind so viel Perlen noch unten drunter. Ich sage immer, unsere Buchhändlerinnen sind echte Trüffelschweine. Die entdecken so tolle Sachen.

Helen
Manchmal, wenn ich mich mit Kolleginnen austausche, denke ich immer, oh Gott, meine Buchliste wird länger und länger und länger, weil jeder hat irgendwie so einen tollen Tipp und ich denke, oh ja, die hat mir das schon empfohlen, da könnte ich den auch noch.

Angelika Siebrands
Und das zeichnet ja den lebendigen Buchhandel aus, dass es immer wieder neue Entdeckungen gibt, aber auch alte Dinge wieder neu entdeckt werden, ja. Das ist ja so schön. Unsere Branche wird nie langweilig. Nie.

Helen
Das stimmt.

Angelika Siebrands
Ich kann immer im Laden stehen und Bücher verkaufen. Habe ich immer Lust zu.

Helen
Ja, das ist schön.

Angelika Siebrands
Zu vielen Dingen denke ich mir, oh nee. Aber Bücher verkaufen habe ich immer Lust zu. Mit Leuten über Bücher sprechen, habe ich immer Lust zu. Weil es gibt immer was Neues. Und welche Branche ist so lebendig und auch immer so am Puls der Zeit. Das ist irre, was es da für Bücher gibt, wo du denkst, hey, also das fing ja eigentlich mit Jules Verne an, der damals schon Dinge erfunden hat, die es noch nicht gab, die für uns selbstverständlich sind oder waren Faxgerät oder solche Dinge. Und ich habe vor zwei Sommern habe ich ein Buch gelesen über eine Familie in Schweden, die vor Waldbränden durch die große Hitze flüchtet. So eine bisschen Dystopie, aber so real in diesem heißen Sommer. Und da habe ich auch gedacht, Wahnsinn, wie diese Autoren auch ein Gespür für Entwicklungen haben. Irre. Und was man alles daraus lernen kann. Das war jetzt kein Buch über Klima und die Klimakatastrophe, sondern es war ein Buch, wie Menschen unterschiedlicher, unterschiedliche Charaktere mit so Extremsituationen umgehen. Wie verändert sich ein Mensch, wenn er in so eine Extremsituation kommt? Das war so faszinierend und sowas kann nur Literatur. Musik ist auch toll. Ich wollte auf keinen Fall auf Musik verzichten. Das öffnet ja auch so Welten. Aber so das Beschäftigen mit dem unmittelbaren Umfeld und was da passiert, das kann nicht so großartig wie Literatur und Film auch natürlich noch. Nicht umsonst sind viele der tollen Filme einfach verfilmte Bücher.

Helen
Ja, das stimmt. Du hattest eben von Büchern gesprochen, die du immer gerne empfiehlst. Da hab ich natürlich quasi die Verpflichtung, dich jetzt zu fragen, welche das sind. Was würdest du uns vielleicht auch einfach empfehlen?

Angelika Siebrands
Also es ist immer ganz, ich frag eine Buchhändlerin nach einer Buchempfehlung und du kriegst einen ganzen Stapel. Und ich wusste natürlich, dass du wahrscheinlich fragen würdest. Und deshalb habe ich gedacht, kann ich nicht nur einfach Titel nennen, sondern ich muss sie mal auch dabei haben, damit du auch mal einen Blick aufs Cover werfen kannst, den jetzt leider die Hörerinnen nicht. Aber das ist eines meiner absoluten, absoluten Lieblingsbücher. Es hat schlappe, warte, 1.273 Seiten.

Helen
Das ist auch, glaube ich, der Grund, warum ich das bisher noch nicht, ich habe das schon öfter gesehen, aber du sagst, ich sollte es lesen.

Angelika Siebrands
Es ist großartig. Und am Ende wirst du sagen, jede Seite hat sich gelohnt. Das ist von Nino Haratischwili, es ist eine georgische Autorin und es heißt »Das achte Leben (Für Brilka)«. Und eigentlich ist es ein Epochenroman über eine ganze Epoche, fängt an, Anfang 1900 in Georgien in einem Ort wird ein junges Mädchen geboren. Und dann entwickelt sich diese ganze Geschichte. Es ist ein so tolles Buch. Ich kann es nur immer wieder empfehlen. Ich liebe es und es ist schon ein bisschen älter, aber es ist bei mir immer im Laden. Ich kann aber auch ein Neues noch empfehlen, das fand ich auch ganz toll. Ich bin ein großer Murakami-Fan, habe ich aber schon alle gelesen und alle meiner Kundschaft auch schon so empfohlen. Und ich habe jetzt entdeckt von Atsuhiro Yoshida, kleines Bändchen, »Gute Nacht, Tokio«, ist bei Hanser Blau erschienen. Oh sorry, das muss ich noch nachreichen. Nino Haratischwili ist bei Ullstein erschienen und »Gute Nacht, Tokio« ist bei Hanser erschienen, Hanser Blau. Und das sind verschiedene Episoden, es sind Romanepisoden und es ist Tokio nachts um halb eins und verschiedene Leute, die um diese Zeit noch noch wach sind. Zum Beispiel eine Telefonseelsorgerin, ein Barkeeper, aber auch ein Privatdetektiv. Und diese Geschichten erzählt er. Ganz großartig. Das ist ein neues Buch bei Hanser. Schmales Bändchen wäre er vielleicht was für dich. Aber auch sehr, sehr schön. Und ich könnte stundenlang jetzt weiter machen und dir Bücher empfehlen. Also einer meiner Lieblingsautoren. Ich habe viele gute Autorinnen, noch viel mehr. Aber weil du mich auf die Schweizer Grenze angesprochen hast, »Susanna« von Alex Capus. Ein Autor, der hat in Olten in der Schweiz nicht weit von mir eine Bar und schreibt wunderbare Bücher. Kann ich auch sehr empfehlen. Ja, Und es gibt für jeden das richtige Buch. Es ist so unfassbar. Es gibt so unfassbar schöne Bücher. Und jetzt vor Weihnachten sollten alle unbedingt Kinderbücher kaufen und schöne Bilderbücher, weil es gibt nichts Schöneres wie tolle Bilderbücher. Und ich kann nur jeden aufrufen, gehen sie in ihre Buchhandlung und gucken sie sich diese schönen Bilderbücher an, weil es ist im Netz nicht so schön und man kann die Bilder nicht so angucken. Und das gibt immer nur einen kleinen Eindruck. Aber es gibt so wunderbare. Zum Beispiel habe ich gefunden dieses Jahr »Kleine Elli, große Schwester«. Das ist die Geschichte eines kleinen Yak-Mädchens, was ein Geschwisterchen bekommt. Passt toll in den Winter, ist wunderbar illustriert. Von Lu Fraser und Kate Hindley im Thienemann-Verlag erschienen. So ein süßes Buch. Oder alternativ: »Franks rote Mütze«. Auch süß. Frank ist ein Pinguin und er hat eine rote Mütze. Es fängt schon gut an. Es ist so süß und es ist wunderbar illustriert.

Helen
Oh ja, sowas mag ich auch richtig gerne.

Angelika Siebrands
Ganz ganz toll. Deshalb ich kann nur jedem raten, lassen sie sich von ihrer Buchhändlerin inspirieren. Es gibt so wunderbare Bilderbücher. Und nichts bringt Kinder besser zum Lesen. Ich meine, wir verfolgen ja seit Wochen diese Diskussion um die Bildungsmisere. Und dafür brauchen wir unbedingt, müssen wir die Kinder wieder an die Bücher ranführen und zwar auf spaßige Art und Weise. Und nicht nur mit einer Reclam-Schullektüre, sondern das muss viel früher anfangen. Und nichts ist schöner, wie gemeinsam auf der Couch zu sitzen, zu kuscheln und ein schönes Bilderbuch anzugucken und zu lesen.

Helen
Ja, also ich dachte jetzt gerade, also man kann ja auf jeden Fall in die lokale Buchhandlung gehen und sich beraten lassen, aber ich vielleicht an der Stelle noch, weil ich glaube wir haben es am Anfang nur ganz kurz erwähnt, sonst kann man nach Bad Säckingen fahren, in die Buchhandlung Schwarz auf Weiss gehen.

Angelika Siebrands
Oder in jede andere eBuch-Buchhandlung, oder jeden anderen guten Buchhandel. Es gibt ganz, ganz viele wunderbare Buchhändler*innen da draußen, egal wie sie organisiert sind. Aber der unabhängige Buchhandel ist so toll, vielfältig. Die Kolleginnen da draußen leisten wirklich einen megaguten Job. Und deshalb ist es einfach wichtig, dass das so weitergeht, weil wir haben eine gesellschaftliche Aufgabe mit der Verbreitung einfach auch von guten Büchern. Und es wäre schade, wenn es irgendwann nur noch die großen Ketten gibt, wo auch toll engagierte Buchhändlerinnen sind. Ganz klar, keine Frage. Aber die Vielfalt kann nur durch eine lebendige, vielfältige Buchhandelslandschaft gewährleistet werden. Und dafür braucht es einfach den unabhängigen Buchhandel. Und genialokal ist da nur ein Baustein, der darauf einzahlt. Aber es ist halt auch schön, wenn ich gemütlich abends zu Hause schmökern kann und dann schon meine Reservierungen an die Buchhandlung schicken kann. Es ist ja auch so, wir haben ja auch, die Buchhändler haben ja auch ihre Bestände oft angezeigt. Das heißt, ich kann den Titel abends auf der Couch reservieren und gleich morgen um neun oder wann die Buchhandlung aufmacht schon abholen durch die Sofortreservierung. Also ich kann sehen, hat es meine Buchhandlung vielleicht gerade da und kann das Buch oder am selben Tag noch abholen und bin damit schneller als jeder klassische Onliner.

Helen
Ja, das ist richtig gut. Das wäre jetzt eigentlich schon das perfekte Schlusswort. Ich hatte aber noch eine Frage. Deswegen, also einmal danke auf jeden Fall für die Buchtipps, weil ich finde auch, also zumindest für mich sind das jetzt auch noch mal ganz neue Sachen und das finde ich dann immer spannend, wenn man noch dass ich mir ganz neue Bücher empfohlen bekomme. Deswegen danke dafür.

Angelika Siebrands
Gerne.

Helen
Eine Sache, die ich mich am Anfang gefragt habe, als du erzählt hast, dass es so Widerstand auch gab. Weil ich denke, das ist ja total häufig, wenn man was Neues wagt.

Angelika Siebrands
Genau.

Helen
Dass Ängste hochkommen, dass irgendwie jemand sagt, was hast du dir nur dabei gedacht und so. Wie hast du das … Also einerseits vielleicht auch, wie hast du das ausgehalten, hast du, wie bist du da auch vorgegangen, eben von deiner Idee zu überzeugen?

Angelika Siebrands
Also, also erstmal kann ich sehr, sehr hartnäckig sein, wenn ich an eine Idee glaube. Und dann kann ich auch sehr hartnäckig sein. Aber wir haben halt auch versucht, unsere Händlerinnen wirklich gut mitzunehmen und denen ihre Ängste und Sorgen ernst zu nehmen. Und Sorge war, ja das ist dann halt, das nimmt uns Umsatz im Laden weg und dafür haben wir eben die Sofortreservierung, dass du dir den Titel gleich im Laden abholen kannst, die eigenen Buchtipps, das Team vorstellen. Also wir haben die eigenen Domains auch eingebunden. Also meine Buchhandlung findest du unter der alten Domain, die ich früher auch hatte und jetzt können die Kunden eben entweder mit genialokal einsteigen und landen auf einer Buchhandelsseite, wenn Sie das wünschen, oder Sie können einfach mit… Der Buchhandlung selber suchen. Also jeder Kunde ist mit seiner Buchhandlung im Regelfall verknüpft. Also wir haben einfach versucht, das für die Buchhandlung, also ohne die Leserinnen aus dem Blick zu verlieren, weil ohne die ist alles nichts und für die machen wir das ja auch. Für die Leser*innen muss es passen, die oben hinzustellen, aber niemals die Händlerinnen aus dem Blick zu verlieren. Möglichst viel zu tun. Und der Widerstand war zum Teil auch berechtigt, ja. Und wir haben viel daraus auch gelernt und haben das eingebunden, um es besser zu machen. Und nicht wirklich einen anderen Onlineshop zu machen, sondern wirklich die Buchhandlungen in den Mittelpunkt zu stellen. Und das gelingt uns auch, weil wirklich fast alles, also 80 Prozent, werden in der Buchhandlung abgeholt. Und das ist ja genau das, was wir alle wollen und was dem Leser und der Leserin auch den Mehrwert bietet. Weil wenn die Buchhändlerin mit ihm spricht und ihm neue Tipps geben kann oder weiß, was er bestellt hat und warum er es bestellt hat, dann hat die bestimmt noch einen ersten, zweiten, dritten, vierten Tipp dazu. Und das ist… Und klar, am Anfang diese Individualität. Ja, aber mein Bild ist rot. Also erstens Veränderung ist immer ein bisschen ruckelnd. Das ist ganz normal. Auch die Nutzer mussten sich ein bisschen umstellen. Aber dass im Netz die Individualität einfach gar nicht so wichtig ist, sondern die Professionalität. Also immer was Aktuelles. Das haben die Händler auch sehr schnell begriffen. Und die Umsatzzahlen haben auch gezeigt, dass es gerne angenommen wird und gut funktioniert. Und dann war es am Ende, egal ob der Shop im Hintergrund grün leuchtet oder rot oder lila, und jetzt ist es halt bei diesem grün geblieben, wobei das unsere Leserinnen eigentlich ausgewählt haben.

Helen
Oh, das finde ich ja irgendwie auch schön, weil bei Mädels, die lesen entscheiden wir auch mal vieles gemeinsam.

Angelika Siebrands
Ja, toll. Ja, also ich finde, es funktioniert was immer dann am besten, wenn jeder möglichst gut bei der Entscheidung beteiligt war und aber auch sich da drin wiederfindet und da drin glücklich ist und ernst genommen wird. Und darum muss es gehen. Und für uns alle Händler steht einfach die Leserin, der Leser ganz oben. Und nach dem muss man sich richten und dann muss man gucken, was kann ich anbieten, was mache ich, um meine Kundschaft glücklich zu machen. Das ist unser Job. Und wenn uns das gelingt, ist es für alle schön. Dann ist es für uns Händler schön, für die Verlage ist es toll. Die freuen sich über die Erfolge und die Leserinnen kommen wieder.

Helen
Ja, sehr schön. Die Folge kommt ja im Januar raus und ich denke gerade so, weil das ist ja auch eine Zeit, wo für viele, also ich meine, ich gucke aus dem Fenster, das ist auch jetzt einfach super dunkel und wir haben Vormittag.

Angelika Siebrands
Und Regen.

Helen
Ja, wo viele in so einen Winterblues verfallen und da denke ich, können Bücher ja auch total gut raushelfen und man kann in andere Welten irgendwie abtauchen. Lohnt sich direkt nach dieser Folge ein Besuch in der Buchhandlung. Danke, Angelika.

Angelika Siebrands
Sehr gerne. Vielen Dank für die Gelegenheit, mit dir zu sprechen. Hat total Spaß gemacht und ich bin sicher, jetzt gehen noch mehr nach dieser Folge in die Buchhandlung und schmökern in dem tollen, vielfältigen Angebot und die Autor*innen freuen sich über Unterstützung auch jenseits der Bestsellerlisten. Ich glaube, wenn wir so weitermachen, dann wird die Buchhandelslandschaft weiter bunt und vielfältig bleiben.

Helen
Ja, wir bemühen uns auf jeden Fall.

Angelika Siebrands
Absolut.

Helen
Danke für dieses super spannende Gespräch. Ich fand es mega einfach, auch mal den Einblick zu bekommen. Deswegen danke, dass du dir in der Vorweihnachtszeit im Weihnachtsgeschäft die Zeit genommen hast.

Angelika Siebrands
Sehr, sehr gerne.

Helen
Tschüss.

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