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Wahlheimat Frankfurt: Nina von Studio Jakob&Tatze über Siebdruck, Bockenheim und die Orte, die man in der Stadt sehen sollte

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Podcast · Folge 48

Wahlheimat Frankfurt: Nina von Studio Jakob&Tatze über Siebdruck, Bockenheim und die Orte, die man in der Stadt sehen sollte

Ein Bär namens Tatze, ein Marktstand auf dem Fahrrad, 86 Quadratmeter in der Leipziger Straße – und ein Stadtspaziergang vom Main bis ins Nordend

22. Oktober 2023 · 44 Minuten · Ganze Folge hören ↓

Stand heute

Das Gespräch ist im September 2023 aufgenommen, die Folge erschien am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse 2023. Die Stofftasche, um die es am Anfang geht, gibt es in unserem Shop nicht mehr. Die Buchhandlung Andere Seiten, die Nina als Neueröffnung in ihrer Nachbarschaft erwähnt, hat im Januar 2024 wieder geschlossen (Börsenblatt). Studio Jakob&Tatze gibt es weiterhin in der Leipziger Straße in Bockenheim.

Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise: Nina setzt uns ans Mainufer auf der Südseite, mit Blick auf die Skyline im Abendrot, und stößt mit Eistee an – Helens Lieblingsgetränk, wie sich herausstellt. Nina ist, wie sie selbst sagt, nicht die typische Bücherfreundin, die sonst im Podcast zu Gast ist: Sie druckt. In ihrem Siebdruckstudio in Frankfurt-Bockenheim sind ein Jahr zuvor die Stofftaschen von Mädels, die lesen. entstanden, und Helen wollte wissen, wie eine Grafikerin aus der Schweiz in Frankfurt landet, wie aus einem Hobby auf dem Wohnzimmertisch ein Studio wird und welche Orte man in der Stadt sehen sollte, wenn man zur Buchmesse anreist. Nina erzählt gern und ausführlich – und entschuldigt sich am Ende sogar dafür.

Nina

Gründerin von Studio Jakob&Tatze, Siebdruckstudio in Frankfurt-Bockenheim

Nina kommt aus der Schweiz und hat dort die Grafikfachklasse abgeschlossen, eine Ausbildung zur Grafikerin, in der sie neben Holzschnitt, Kupferstich und Linoldruck den Siebdruck kennenlernte. 2015 zog sie für eine Trainee-Stelle in einer Werbeagentur nach Frankfurt, wechselte bald in ein kleines Grafikbüro und druckte nebenbei weiter – erst zu Hause, dann in einem Gemeinschaftsatelier, wo sie ihre ersten Workshops gab. Im Sommer 2021 machte sie sich ganz selbstständig, 2022 eröffnete sie ihr Studio in der Leipziger Straße. Heute macht sie dort Auftragsarbeiten, Workshops und einen Onlineshop mit limitierten Editionen. Auf Instagram ist das Studio als @studio.jakobundtatze zu finden.

Die Taschen, die aussehen, als hingen sie im Laden

Woher sich die beiden kennen, ist schnell erzählt: Helen war Nina auf Instagram lange gefolgt, hätte aber nie gedacht, dass sie einmal etwas zusammen machen würden – bis sie sich vor etwa einem Jahr traute zu fragen, ob Nina die Stofftaschen für den Buchclub drucken würde. Die Arbeit lag komplett bei Nina, Helen war, wie sie zugibt, nicht ganz so entspannt wie ihr Gegenüber, aber mit dem Ergebnis rundum glücklich. Nina zählt die Taschen zu ihren Lieblingsprojekten: Sie sehen so perfekt aus, dass man nicht mehr sieht, dass sie von Hand gemacht sind – und genau darin liege die Gefahr, dass niemand ahnt, wie viele Arbeitsschritte hinter einem mehrfarbigen Handdruck stecken. Wer sehen will, wie das abläuft, dem empfehlen beide das Video des DIY-Kanals Fifi Furore, das im Studio gedreht wurde; gedruckt wurde darin allerdings ein Kissen mit Dackel.

Was Siebdruck ist, erklärt Nina gleich zu Beginn: Farbe wird von Hand durch einen Rahmen mit einer vorher erstellten Schablone gedrückt, meist auf Textil. Kennengelernt hat sie das Verfahren in der Grafikfachklasse in der Schweiz – einer Zwischenform aus betrieblicher Ausbildung und Studium, abgeschlossen mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis, „einfach nur ein Lehrabschluss, aber das klingt so schön“. Dort probierte sie viele Druckverfahren aus, und der Siebdruck gefiel ihr, weil das Motiv digital und ganz nach den eigenen Ansprüchen entsteht, bevor gedruckt wird. Beim Holzschnitt oder Linoldruck dagegen ist ein falscher Schnitt nicht mehr zu retten, und das Ergebnis entsprach selten dem, was sie sich vorgestellt hatte.

Von der Schweiz nach Bockenheim

Nach Frankfurt kam Nina vor acht Jahren wegen eines Jobangebots: eine Trainee-Stelle in einer größeren Werbeagentur. Eigentlich wollte sie nach Hamburg, wo sie schon ein Praktikum gemacht hatte, sah sich Frankfurt aber anlässlich des Vorstellungsgesprächs an und mochte die Stadt sofort – was viele überrascht, weil Frankfurt nicht als klassisch hübsche Stadt gilt. Sie wusste nichts über die Stadt, hatte keine Vorurteile und war vom ersten Tag an glücklich. Mit dem Job weniger: Nach einem halben Jahr kündigte sie, zu digital, zu sehr Werbeagentur, zu groß. Sie wechselte in ein kleines Grafikbüro, blieb dort fast fünf Jahre und konnte sich parallel mit ihrem eigenen Projekt entfalten.

Ihr Studio liegt heute in Bockenheim, in der Leipziger Straße – für Nina ein Glücksgriff, denn Gewerbeflächen sind in Frankfurt schwer zu finden und selten bezahlbar. Knapp 86 Quadratmeter, genug für Workshops und zum Drucken. Und in der Parallelstraße hatte sie ihr allererstes WG-Zimmer in Frankfurt; schon bei der Besichtigung damals war sie in einem Café in dieser Straße gesessen und hatte sich wohlgefühlt. Ein paar Jahre später mit dem eigenen Studio dort zu landen, findet sie besonders. Bockenheim beschreibt sie als ein bisschen alternativ, früher der linke Studierendenstadtteil, mit schönen Cafés und Läden – und mit der Buchhandlung Eselsohr, einer Bilderbuchhandlung gleich um die Ecke, die Helen bei ihrem Besuch übersehen hatte. Helen kannte von der Ecke vor allem den Pizzaladen, den Nina ihr empfohlen hatte, als sie im Jahr zuvor das Taschenpaket persönlich abholte.

Vom Wohnzimmertisch zum Studio

Ein Studio oder Atelier wollte Nina schon als Kind, ohne zu wissen, wofür: Wenn sie an einer Ladenfront vorbeiging, sah sie sich darin. Dass man mit einer Selbstständigkeit Geld verdienen und sich so etwas leisten könnte, hielt sie lange für absurd. In Frankfurt ließ sie den Siebdruck erst einmal liegen – neue Stadt, neue Beziehung, neuer Job –, bis es sie nach anderthalb Jahren wieder in den Fingern kitzelte. Schon während der Ausbildung hatte sie ihre schwarz-weißen Illustrationen auf Designmärkten verkauft; in Frankfurt baute sie mit ihrem Freund einen Marktstandwagen, den man mit dem Fahrrad transportieren kann, druckte zu Hause und fuhr damit zu den Märkten. Ein Hobby über mehrere Jahre, dessen Einnahmen sie zur Seite legte oder in Material investierte.

Irgendwann stießen beide Seiten an Grenzen: die Qualität, wenn man auf dem Wohnzimmertisch druckt und in der Badewanne auswäscht, und die Zufriedenheit im Grafikbüro – ein Luxusjob, wie sie sagt, in einem schönen Büro mit Wertschätzung, aber zu viel Computerarbeit für Kund*innen. Um 2018 begann sie aufzuschreiben, was sie mag und kann. Der erste Gedanke war ein Bilderbuchladen, inspiriert vom Buchstäbchen in Stuttgart; beim Weiterdenken merkte sie, dass sie zwar einen Ort aufbauen und die Auswahl treffen wollte, aber nicht den ganzen Tag im Laden stehen. Also zurück zum Siebdruck – und zur Idee, Workshops zu geben, obwohl sie das noch nie gemacht hatte. In einem Gemeinschaftsatelier zu viert richtete sie sich eine Ecke ein, bot die ersten Workshops an, und sie wurden gebucht, ohne dass sie je einen Bedarf analysiert hätte. Das Gehalt aus dem Hauptjob gab ihr die Freiheit, eigene Projekte zu machen, die auf Instagram gut funktionierten.

Ihre Empfehlung daraus: wenn es passt, nebenberuflich anfangen, ausprobieren und schauen, wohin es sich entwickelt. Wichtig war ihr, nicht zuerst fragen zu müssen, ob das ein lukratives Geschäftsmodell ist – das hätte sie sofort abgeschreckt. Die üblichen Gründungstipps, Konzept, Businessplan, Investor, passten nicht zu jemandem, der noch gar nicht weiß, was es werden soll. Sie räumt ein, dass das ein Privileg war: Ihre Chefs im Grafikbüro unterstützten das Nebenprojekt, kamen zu jedem Markt und finden es bis heute gut. Helen kennt das von ihrem eigenen Job, wo alle wissen, was sie mit Mädels, die lesen. macht – die frisch gedruckte Tasche zeigte sie den Kolleg*innen als Erstes.

Jakob, Tatze und der Mondbärenkönig

Der Name des Studios stammt aus der Ausbildung. Im Fach Bildsprache entwickelte Nina über ein halbes Jahr eine Art Bilderbuch, märchenhaft, Text auf der einen, Bilder auf der anderen Ebene: ein Junge, der mit einem Bären nach der Krone des Mondbärenkönigs sucht. Die Illustrationen druckte sie als kleine Poster und verkaufte sie auf dem Markt. In Frankfurt kaufte eine Frau den Print, auf dem der Junge – im Kostüm wie aus »Wo die wilden Kerle wohnen« – auf den Schultern des Bären einen Baum hinaufklettert, weil die echte Krone oben in einem Vogelnest liegt. Der Junge erinnere sie an ihren Sohn Jakob, sagte sie. Nina fand das süß, überlegte länger, wie der Bär heißen könnte, und kam auf Tatze. Inzwischen ist auf ihrem Account nichts mehr schwarz-weiß, sondern alles bunt und knallig; den Namen zu ändern hat sie erwogen, aber ihr fiel nichts Besseres ein, und alle sagten: bloß nicht. Das „Studio“ kam erst mit den neuen Räumen dazu – vorher hatte sich das Wort nicht richtig angefühlt.

Bilderbücher, Schnulzromane und die Bücherei um die Ecke

Helens Tipp für die Bilderbuchliebhaberin: das Bilderbuchmuseum in Troisdorf, das nach Helens Worten die größte europäische Sammlung an Bilderbüchern beherbergt – Nina kannte es schon, eine Freundin aus der Schweiz hatte ihr einen Ausflug dorthin zum Geburtstag geschenkt. Und wie ist es mit dem Lesen? Als Kind und Jugendliche viel, dann lange fast gar nicht. Zurück zu Büchern fand sie, indem sie sich zugestand, gern Schnulzromane zu lesen, im besten Fall welche, die jemand am Kiosk gekauft und in den Sommerferien liegen gelassen hat. Anfangs war ihr das peinlich, dann merkte sie, dass ihr etwas Anspruchsloses mit gutem Gefühl guttut, weil sie sich beruflich und in der Gründungszeit ohnehin mit viel Fachlektüre beschäftigt. Seit einem Jahr hat sie einen Büchereiausweis, die Bücherei liegt um die Ecke vom Studio – drei Bücher mitnehmen, und was nicht gefällt, muss nicht zu Ende gelesen werden. Helen findet Büchereien und öffentliche Bücherschränke genau deshalb gut: ein niedrigschwelliger Einstieg ohne Commitment.

Ninas Frankfurt

Zur Buchmesse fährt Nina jeden Tag auf dem Arbeitsweg vorbei; im Jahr zuvor war sie mit ihrer Praktikantin dort, vor allem in der Bilderbuch-Ecke und in der Ecke für Design, Grafik und Architektur. Helen will 2023 zum ersten Mal hin und lässt sich erklären, dass die Messe thematisch nach Hallen sortiert und groß ist – ob es Laufbänder wie am Flughafen gibt, ist Nina dann doch nicht sicher, Rolltreppen auf jeden Fall.

Und wenn Besuch aus der Schweiz kommt? Ninas Startpunkt ist immer der Main, der die Stadt teilt statt an ihr vorbeizufließen, mit Blick auf die abends beleuchtete Skyline. Dann der Römer, Rathaus und Standesamt, wo samstags eine Hochzeit auf die nächste folgt, und daneben die Neue Altstadt, wiederaufgebaut, wo vorher das Technische Rathaus stand – „die neuste Altstadt der Welt“, wie man in Frankfurt gern sagt, mit einer Optik, über die lange gestritten wurde. Von dort in die Fahrgasse mit Galerien und kleinen Läden, etwa dem Kaufhaus im Ort für Geschenke und Deko und dem Büro mit Ladenfront der Agentur esistfreitag, die das Stadtmagazin »Frankfurt, du bist so wunderbar« macht, das Helen schon auf Instagram entdeckt hatte. Weiter durch die Hochhäuser des Bankenviertels und, wer mag, auf den Main Tower. Dann über den Fluss nach Sachsenhausen: Alt-Sachsenhausen als Partyviertel ist nicht Ninas Lieblingsort, aber in eine Apfelweinwirtschaft geht sie mit Besuch immer – Frankfurter Schnitzel mit Grüner Soße und Apfelwein, den sie selbst nicht so mag. Das Eichkatzerl habe als einziges Lokal ein veganes Schnitzel mit veganer Grüner Soße, meint sie, ohne sich ganz sicher zu sein. Und schließlich das Nordend mit Altbauwohnungen, Läden und Cafés zum Frühstücken, was Frankfurter*innen sehr gern und eher ab elf Uhr tun.

Das Eichkatzerl ist eine Apfelweinwirtschaft in Sachsenhausen; ob es dort das einzige vegane Schnitzel Frankfurts gibt, haben wir nicht überprüft – Nina sagt es selbst mit Vorbehalt.

Es ist einfach das, was ich auch am coolsten dran fand von Anfang an, dass ich mit dem Fahrrad durch die ganze Stadt düsen kann.Nina

Denn das Schönste an Frankfurt ist für sie, dass die Stadt klein ist – „das größte Dorf der Welt“. U-Bahn oder Auto braucht sie so gut wie nie, Stadträder kann man sich leihen, und am besten lässt man sich einfach treiben. Helen hat es nicht weit und will wiederkommen, allein schon für die Bilderbuchhandlung. Wer Nina besucht, kann einen Workshop buchen – die Termine stehen auf der Website, kurzfristig freie Plätze auf Instagram, private Workshops für Gruppen sind möglich – oder auf einen kurzen Gruß im Studio vorbeischauen. Helen stellt sich das seit Längerem als Team-Event für Mädels, die lesen. vor.

Wie Nina den Marktstandwagen aufs Fahrrad bekommen hat, was sie über LinkedIn für Kreative denkt und warum sie das Wort Atelier abgelegt hat – das hörst du in der ganzen Folge.

Die ganze Folge hören

Häufige Fragen

Was ist Studio Jakob&Tatze?

Ein Siebdruckstudio in Frankfurt-Bockenheim, Leipziger Straße. Nina druckt dort von Hand Textilien und andere Produkte, gibt Workshops und betreibt einen Onlineshop mit limitierten Editionen, teils zusammen mit anderen Künstler*innen – ihr Geschäftskonzept nennt sie dreiteilig: Auftragsarbeiten, Workshops, Onlineshop. Die Räume mit rund 86 Quadratmetern fand sie nach längerer Suche; zuvor druckte sie in einem Gemeinschaftsatelier und davor auf dem Wohnzimmertisch.

Woher kommt der Name Jakob&Tatze?

Aus Ninas Ausbildungszeit: Im Fach Bildsprache entstand eine Art Bilderbuch über einen Jungen, der mit einem Bären nach der Krone des Mondbärenkönigs sucht. Die Illustrationen verkaufte sie als Poster auf Designmärkten. Eine Kundin in Frankfurt kaufte den Print, auf dem der Junge auf den Schultern des Bären einen Baum hinaufklettert, und sagte, er erinnere sie an ihren Sohn Jakob. Der Bär brauchte dann auch einen Namen: Tatze. Den Namen zu ändern, hat sie zwischendurch überlegt – alle rieten ab.

Wie funktioniert Siebdruck?

Farbe wird von Hand durch einen Siebdruckrahmen mit einer vorher erstellten Schablone gedrückt – so erklärt es Nina in der Folge. Der Unterschied zu Holzschnitt, Kupferstich oder Linoldruck, die sie in der Ausbildung ebenfalls gelernt hat: Beim Siebdruck ist die Motiverstellung vom Druck entkoppelt. Das Motiv entsteht digital, genau nach den eigenen Ansprüchen, und sieht gedruckt aus, als hinge es im Laden. Bei den anderen Verfahren ist ein falscher Schnitt nicht mehr rückgängig zu machen.

Was verbindet Mädels, die lesen. mit Jakob&Tatze?

Die Stofftaschen des Buchclubs: Helen hatte Nina etwa ein Jahr vor der Aufnahme angeschrieben, ob sie die limitierten Mädels, die lesen.-Stofftaschen drucken würde – im Siebdruckverfahren, mehrfarbig, komplett von Hand. Für Nina ist es eines ihrer Lieblingsprojekte, weil man dem Ergebnis nicht mehr ansieht, dass es handgemacht ist. Ihre Arbeitsweise zeigt ein Video des YouTube-Kanals Fifi Furore, das im Studio entstanden ist.

Was sollte man in Frankfurt sehen?

Ninas Route für Besuch: am Main entlang mit Blick auf die Skyline, zum Römer und in die Neue Altstadt, durch die Fahrgasse mit Galerien und kleinen Läden, durch die Hochhäuser im Bankenviertel und auf den Main Tower, über den Fluss nach Sachsenhausen in eine Apfelweinwirtschaft – Schnitzel mit Grüner Soße, das Eichkatzerl hat auch eine vegane Variante – und zum Frühstücken ins Nordend. Am besten mit dem Fahrrad, denn Frankfurt sei klein genug, um überall hinzudüsen.

Die ganze Folge zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme. Helens An- und Abmoderation und ihr eingesprochener Hinweis auf die Stofftasche im Shop stehen nicht hier. Nina tritt in der Folge mit ihrem Vornamen auf; so steht sie auch hier.

Helen
Herzlich willkommen Nina. Ich freue mich sehr heute mit dir über deine Wahlheimat Frankfurt zu sprechen und über unsere Stofftaschen und wahrscheinlich noch so vieles mehr. Aber bevor wir damit starten, habe ich direkt zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?

Nina
Erstmal vielen Dank, dass du mich eingeladen hast, auch wenn ich jetzt nicht die typische Bücherfreundin bin, die du vielleicht sonst zu Gast hast. Genau, wir sitzen gerade am Main in Frankfurt auf der Südseite mit Blick auf die Skyline. Super schön, vielleicht so ein bisschen im Abendrot mit einem Eistee, womit wir anstoßen. Genau.

Helen
Das klingt richtig gut. Hab ich dir wahrscheinlich nie erzählt, aber so viele Gelegenheiten hatten wir nicht, aber ich liebe Eistee. Also selbst wenn der im Restaurant oder so nicht auf der Karte steht, dann denke ich dazu einfach mal zu fragen, ob die es nicht doch haben, weil ich das so gerne trinke.

Nina
Find ich, hört sich richtig gut an. Dann lass uns doch mal anstoßen.

Helen
Also wir sitzen ja jetzt eh schon in Frankfurt. Das ist, wie wir gerade nochmal besprochen haben, deine Wahlheimat. Ich wollte sagen deine Heimat, aber das stimmt gar nicht. Dazu kannst du ja vielleicht gleich nochmal so ein bisschen was erzählen, was dich eigentlich nach Frankfurt verschlagen, doch verschlagen, sag mal verschlagen, verschlagen hat. Genau. Aber vielleicht auch noch ganz kurz zum Hintergrund, woher wir uns kennen. Es war doch genau ungefähr vor einem Jahr, wahrscheinlich, dass wir zusammen die Stofftaschen, also irgendwie hört sich das falsch an, wenn ich sage, wir haben die zusammen produziert, weil die Arbeit war komplett bei dir. Aber wahrscheinlich habe ich dich ungefähr vor einem Jahr so angeschrieben, dass ich das super gerne machen würde. Ich bin dir davor schon sehr viel länger gefolgt und ich kann nicht mehr genau sagen, wie ich dich entdeckt habe. Irgendwie Instagram, denke ich mal. Und ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass wir mal was zusammen machen würden. Ich fand das ganz schön aufregend. Und ich glaube, es hast du zwischendurch auch erlebt, dass ich nicht ganz so entspannt war wie du, aber es war echt eine richtig tolle Erfahrung und hat mich irgendwie sehr aus meiner Komfortzone geholt, aber ich war so, so, so happy mit dem Ergebnis und möchte an der Stelle auf jeden Fall nochmal dafür danken. [Helens eingesprochener Hinweis auf die Mädels, die lesen.-Stofftasche im Shop – hier nicht im Wortlaut.] Aber ja, vielleicht erzählst du mal, was machst du da so in Frankfurt und wie wirst du dahin gekommen?

Nina
Okay, großes Thema. Großes Thema. Vielleicht erst mal einen kurzen Bezug, was ich hier mache, weil das vielleicht auch erklärt, warum ich mit dir Taschen gemacht habe. Das ist vielleicht gar nicht für alle jetzt klar. Genau, also ich mache hier Siebdruck, mal so in erster Linie. Das ist ein Druckverfahren, Textiles Druckverfahren. Ich nutze es für Textil. Man kann damit auch andere Sachen bedrucken. Aber genau, man macht das von Hand. Man drückt Farbe durch ein Siebdruckrahmen, durch eine Schablone, die man vorher erstellt hat und kann mir nämlich sehr, sehr coole Sachen drucken. Und genau so kamen wir zusammen, dass ich eben für dich deine sehr schönen Taschen drucken durfte, die ich auch immer noch sehr gerne mag. Weil das ist tatsächlich so eins, also ich mag viele meiner Projekte und die meisten werden wirklich cool, auch von der Qualität. Aber ich fand deine, die sehen einfach so perfekt aus im Sinne von, die könnten wirklich so im Hugendubel hängen oder so. Also die sehen so, man sieht wirklich nicht mehr, dass es Hand gemacht ist, im positiven Sinne. Und das freut mich so. Ich finde das so cool.

Helen
Ja, die sind wirklich wunderschön geworden. Ihr könnt mal an der Stelle gerne auf der Webseite nachgucken. Da seht ihr das Handwerk von Nina.

Nina
Genau. Und nach Frankfurt gekommen bin ich aber ganz anders. Also ich komme ursprünglich aus der Schweiz. Ich habe da bis vor acht Jahren gelebt, habe eine Ausbildung gemacht zur Grafikerin. Das nennt sich Grafikfachklasse in der Schweiz. Das ist so eine Zwischenform zwischen Ausbildung in einem Betrieb oder im Büro und im Studium. Und genau, ich habe das sehr geliebt, habe ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis als Grafikerin. Ist einfach nur ein Lehrabschluss, aber genau, das klingt so schön. Genau, und wir konnten da sehr viel ausprobieren, sehr viele Druckverfahren, unter anderem den Siebdruck. Und ich fand das damals schon sehr, sehr cool, weil es halt im Vergleich zu anderen Druckverfahren – wir haben ja Holzschnitt gemacht, Kupferstich, Linoldruck. Bei den Druckverfahren muss man quasi das Motiv im Prozess erstellen. Also man sitzt dann da und schnitzt was und entweder wird das halt schön oder nicht so schön. Und bei mir war da irgendwie nicht ganz so, oder nicht meinen Ansprüchen entsprechend. Und da hab ich mich ein bisschen geärgert, weil wenn du halt einmal irgendwo einen Schnitz gemacht hast, den du nicht wolltest, dann ist das Motiv quasi hin. Und im Siebdruck ist das anders, da ist das Motiv oder die Motiverstellung entkoppelt vom Druck nachher. Also ganz digital einen Design erstellen, ganz nach deinen Ansprüchen und das dann nachher drucken. Und das sieht dann halt, wenn es klappt, eben sehr perfekt aus und wie als würde es im Laden hängen. Und das hat mich von Anfang an sehr begeistert. Und genau das habe ich dann immer weiter gemacht, auch zu Hause, erst mal im Keller, im Wohnzimmer, ging so mittelgut. Genau, und bin aber erst mal ganz unabhängig davon dann nach Frankfurt gezogen, weil ich da einfach ein Jobangebot bekommen habe für eine Trainee Stelle in einer größeren Werbeagentur. Und es hatte sich so über Umwege ergeben und ich dachte mir auch, wieso nicht? Warum nicht? Genau. Ich wollte eigentlich nach Hamburg, hatte schon ein Praktikum da gemacht und dachte, die Stadt gefällt mir auch sehr gut. Und habe mir dann aber Frankfurt einfach mal angeschaut, anlässlich dieses Jobangebots und des Vorstellungsgesprächs, was ich dann trotzdem noch hatte. Und mochte die Stadt sehr gerne, was glaube ich viele überrascht, weil Frankfurt jetzt nicht so die klassische hübsche Stadt ist oder irgendwie ja, ich glaube viele mögen es tatsächlich nicht so gerne, die nicht hier wohnen. Genau, aber ich habe es sehr gemocht und wusste auch tatsächlich nichts drüber, also sehr viele Vorurteile oder auch Sachen, die stimmen über Frankfurt, die man so sagt. Ich wusste nichts und bin einfach hingezogen, war vom Tag 1 happy, nicht so sehr mit dem Job tatsächlich. Den habe ich dann nach einem halben Jahr wieder gekündigt, weil das einfach zu digital war, zu sehr Werbeagentur, zu groß, nicht so in meiner Welt. Und war dann aber erst mal da und bin dann in ein kleines Grafikbüro gewechselt, wo ich dann auch fast fünf Jahre war und mich dann so parallel weiter entfalten konnte mit meinem eigenen Projekt.

Helen
Ich war ja dann letztes Jahr auch da, wo dein Studio ist. Ich habe schon wieder vergessen, wie die Ecke heißt. Vielleicht kannst du das nochmal sagen.

Nina
Bockenheim, also der Stadtteil heißt Bockenheim.

Helen
Ja, genau, es war nicht ganz so geplant, aber ich wollte dann das Paket abholen, weil es sich ein bisschen schon verspätet hatte, was aber meine Schuld war. Und irgendwie, ich mag auch, ehrlich gesagt, jede Ausrede, um nochmal irgendwo anders hinzukommen. Und es war ein kleiner Roadtrip dann nach Frankfurt. Und ich muss sagen, dieses Viertel von, oder ist das in Frankfurt dann auch ein Viertel? Aber das fand ich auf jeden Fall richtig cool, weil das ja auch so ein bisschen, hatte so ein bisschen alternative Vibes, irgendwie ganz coole Läden. Du hattest uns ja auch so einen Pizza-Laden um die Ecke empfohlen. Super leckere Pizza. Und also, ich weiß, ich mochte die Ecke auch total. Also kann ich dann schon verstehen, warum du es da magst. Aber ehrlich gesagt kenne ich auch nicht so viel mehr jetzt von Frankfurt. Ich war mal an der, an der Zeil oder wie heißt das?

Nina
Genau, so die große Einkaufsstraße.

Helen
Ja, irgendwie mit der Berufsschule, warum auch immer. Ich glaube vielleicht wurde uns eigentlich eher die Börse oder sowas gezeigt, ich weiß gar nicht mehr, aber wir waren dann irgendwie eher shoppen, keine Ahnung, wie das gekommen ist. Aber das ist glaube ich so mein einziger Berührungspunkt so richtig bisher mit Frankfurt gewesen. Und jetzt steht aber ja bald die, die Buchmesse an und wenn die Folge online geht, ist sie quasi schon fast wieder vorbei. Es ist dann der letzte Tag der Buchmesse und ich möchte dieses Mal auch das erste Mal mich hin wagen. Du warst ja, glaube ich, letztes Jahr auch mit deiner Praktikantin da. Und ich dachte, das ist auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, um mal zu schauen. Wenn man jetzt eh schon nach Frankfurt reist, was sollte man vielleicht dann noch so sehen in der Stadt? Warum magst du die Stadt so? Und ja, deswegen hatte ich dich angeschrieben. Vielleicht ist es für dich auch am einfachsten mal mit dem Viertel anzufangen, wo du dein Studio hast, was dich daran so begeistert. Also wie, das hast du ja vielleicht schon auch bewusst ausgewählt, oder war es so ein bisschen so nach dem was so, wo du auch so eine Fläche bekommst? Ich bin sehr froh, dass du da bist, weil dein Studio ist ja auch jetzt, finde ich, nicht klein, ich weiß nicht, was eine normale Größe ist, aber ist ja schon ein bisschen größer, der Raum.

Nina
Genau, also man muss sagen, dass Frankfurt sehr schwierig ist, um Räumlichkeiten oder auch Wohnungen, aber jetzt gerade auch Gewerbenflächen zu finden. Insofern hatte ich jetzt eigentlich gar nicht so die große Auswahl. Das war wirklich hier ein Glücksgriff von der Größe. Genau, du siehst es im Hintergrund, die Hörerinnen, Hörer, Hörer sehen es nicht, aber genau, es hat knapp 86 Quadratmeter, wo man auch mit Workshop, also Leute einladen kann zu Workshops, wo ich auch drucke. Genau, also ich brauche schon ein bisschen Platz und habe auch länger gesucht danach und habe das dann hier glücklicherweise gefunden. Das ist auch für meine persönlichen Verhältnisse bezahlbar, was eben auch nicht so selbstverständlich ist, in einer Stadt wie Frankfurt. Genau, und es war echt ein absolutes Highlight, dass das hier in Bockenheim ist, auf der Leipziger Straße auch. Das ist so die eine Straße hier in diesem Stadtteil, weil ich in der Parallelstraße meine aller, allererste Wohnung bzw. mein WG-Zimmer hatte, als ich nach Frankfurt gezogen bin. Es war so mein Start. Ich war auch an diesem, genau, ganz am Anfang noch, bevor ich hierher gezogen bin, hatte ich hier die Besichtigung und bin dann hier in der Straße lang spaziert habe, war in einem Café und habe mich schon sehr wohl gefühlt und dass ich dann so ein paar Jahre später hier mit meinem eigenen Studio lande, das ist eigentlich schon sehr besonders.

Helen
Cool, cool, ein bisschen back to the roots.

Nina
Total, total. Und genau, wie du das schon gesagt hast, ist es ein sehr schöner Stadtteil. Er ist ein bisschen alternativer. Ich bin jetzt nicht so super drin, historisch, aber es war auf jeden Fall früher so der linke Studenten-Stadtteil und man spürt das an der einen oder anderen Ecke auch noch. Genau, und hier in der Straße gibt es ein paar schöne Cafés, ein paar schöne Läden, einen sehr sehr schönen Bilderbuchladen tatsächlich.

Helen
Oh, den habe ich übersehen dann.

Nina
Ja, das Eselsohr, das ist um die Ecke. Und ich glaube direkt gegenüber gibt es eine neue Buchhandlung, die heißt Andere Seiten, wenn ich mich nicht irre. Cool. Die kenne ich bisher nur vom Schild, aber das sieht auch sehr sehr cool aus. Ich glaube, die haben so ein bisschen Alternatives Konzept an Büchern.

Helen
Klingt richtig gut. Klingt auch passend für die Gegend. Total. Find ich richtig spannend. Ich finde das vor einigen, also ich glaube, du bist mir wahrscheinlich hauptsächlich erst mal ins Auge gesprungen, weil du sehr knallige Farben hast. Du hast so ein richtig cooles Branding. Das macht richtig Spaß, allein schon so vom Angucken. Aber ich fand’s auch total inspirierend, dass du diesen Schritt gewagt hast, so dein eigenes Studio dazu zu eröffnen. Das ist natürlich, also ich denke, ich vermute mal, dass das dich ja auch aus deiner Komfortzone katapultiert hat und viel, ja viel auch irgendwie von dir erst mal so eingefordert hat. Weil jetzt ist es wahrscheinlich für dich auch irgendwie normal, dieses Studio zu haben, aber es ist wahrscheinlich ein Prozess, irgendwie erst mal da hinzukommen. Und ich habe dann damals irgendwie gedacht, also ich Ich bin öfter dann auch so da drangegangen, aber ich finde, man verlernt es irgendwie selber auch immer wieder. Aber ich dachte so, ich kann dich ja einfach mal fragen, ob du Interesse hättest. Und dann kann ich ja mal schauen, was du so antwortest. Aber ich hätte es irgendwie trotzdem nicht so für möglich gehalten, weil ich fand einfach dein, wie würdest du es sagen, so dein Label irgendwie einfach super cool. Und ich glaube, dann denke ich mal direkt, ich bin nicht so cool. Deswegen habe ich mich voll gefreut, dass wir das zusammen gemacht haben. Und ich finde halt auch, das ist so ein schönes Ergebnis geworden. Und was man vielleicht mal angucken kann, weil das fand ich total cool, dieses, wie heißt der YouTube-Kanal denn nochmal? Fifi Furore war doch bei dir im Studio. Und da sieht man wirklich mal auch, wie du das, sieht man jetzt nicht, wie du die Tasche druckst, aber wie du eben, wie der ganze Prozess so abläuft. Und dann finde ich es einfach noch mal beeindruckender, wenn man das Ergebnis dann sieht.

Nina
Das stimmt, das ist die Gefahr daran, wenn so ein Produkt wie Deins jetzt eben so perfekt aussieht in Anführungszeichen, dass man sich eben vielleicht gar nicht vorstellen kann, dass es wirklich in relativ vielen Arbeitsschritten komplett von Hand, mehrfarbig, aufwendig gedruckt wurde hier in so einem kleinen Studio. Genau, das Video kann ich auch sehr empfehlen, die Johanna von Fifi Furore, genau, die war hier und ich habe nicht eine Tasche gedruckt in dem Video, aber ein Kissen mit einem Dackel drauf, den sie in das Video hatte. Genau, wir haben so eine kleine Auflage gemacht, um einfach zu zeigen, wie das von A bis Z so funktioniert und das war sehr schön.

Helen
Ja, also was man ja auf jeden Fall wahrscheinlich, gut jetzt vielleicht nicht so kurzfristig, aber theoretisch, wenn man einen Trip nach Frankfurt einplant, könnte man ja sehr guten Workshop bei dir buchen. Die bietest du ja relativ regelmäßig, glaube ich, an, ne? Ist wahrscheinlich nur eher schwierig, an einen Termin zu kommen, weil die, glaube ich, auch immer ganz gut ausgebucht sind.

Nina
Ja, jetzt vor allem so vor, also was sage ich, vor Weihnachten ist ein bisschen hin, aber tatsächlich geht es ja doch schnell. Ja, in den nächsten Wochen ist gut was los hier, aber es gibt immer mal wieder Plätze, manchmal wird auch einer abgesagt und es gibt auch die Option, wobei auch das jetzt aktuell mit Vorbehalt, weil wirklich viel los ist, aber es gibt immer die Option auch einen privaten Workshop zu buchen, also wenn man eine Gruppe ist von Freundinnen und Freunden oder Geburtstag oder Junggesellinnenabschied oder sowas, ein Team-Event. Genau, da sind wir auch ein bisschen flexibler, was die Termine angeht und können uns da nach Interessierten richten. Genau. Und man darf auch, also wenn jetzt jemand wirklich nach Frankfurt kommt und unbedingt mal hier vorbeischauen will, dann darf man ja auch mal kurz schreiben. Meistens kann ich das einrichten, dass man einfach kurz Hallo sagen kann.

Helen
Voll gut. Ich stelle mir das auch immer noch als Team-Event für Mädels, die lesen vor. Wir hatten eigentlich überlegt, im September irgendwie mal so ein Team-Meeting in Präsenz zu machen. Ich weiß gar nicht mehr genau. Ach so, irgendwie, also es war auf jeden Fall wegen mir. Ich habe dann zwischendurch gedacht, ich glaube, das kriege ich so schnell doch nicht irgendwie eingerichtet, aber ich hoffe, dass wir es nachholen können und dann vielleicht sind wir eher in der Gegend, dann könnte man das verbinden. Weil ich fände es irgendwie auch ganz schön selber noch mal so zu schauen, wie entsteht das wirklich. Ich finde es etwas anderes, sich das anzuschauen, als es auch mal irgendwie auszuprobieren. Cool, dass du im Grunde beides anbietest, dass man es auch mal selber machen kann.

Nina
Genau, das ist auch mit dem Grund, warum ich Workshops mache, dass ich halt irgendwie auch dieses Handwerk weitergeben möchte und auch so ein bisschen die Wertschätzung dafür, weil man sich einfach nicht vorstellen kann, dass es überhaupt funktioniert, geschweige denn wie es funktioniert. Und wenn man das mal selber gemacht hat und zum einen sieht, wie viel Spaß es macht und zum anderen aber auch, dass es doch deutlich mehr Arbeit ist, als man sich vielleicht gedacht hätte, dann kann man einfach auch Produkte, die ich vielleicht im Onlineshop habe oder andere oder die man eben bei dir zum Beispiel dann kaufen kann. Da kann man auch mal anders wertschätzen.

Helen
Ja voll, finde ich richtig toll. Vielleicht ganz kurz, bevor wir auch noch so zu Frankfurt kommen, magst du mal erzählen, wie ist so bei dir? Also dir war ja wahrscheinlich jetzt noch nicht immer klar, dass du mal ein Studio haben willst, weil du ja auch erst durch so Ausbildung und alles irgendwie zum Siebdruck gekommen bist. Aber gab es so diesen einen Moment, wo du du dachtest, ich würde das gerne machen. Und gab es dann auch so einen Moment, wo du dachtest, das könnte ich auch, das traue ich mir zu, das könnte ich machen. Und wie war so der Weg dahin? Also wie lange hat das auch gedauert?

Nina
Also tatsächlich wollte ich schon immer ein Studio oder ein Atelier haben.

Helen
Echt?

Nina
Es war nicht so klar wofür oder was ich da mache oder was das dann heißt. Aber ich weiß, dass ich als Kind schon davon geträumt habe, irgendwo, oder wenn wir irgendwo eine Gasse vorbeigegangen sind und da war so ein Atelier oder so oder so ein schönes Ladenfront, dann habe ich mich da schon sehr gesehen. Genau, das war natürlich lange so in weiter Ferne und ich konnte mir einfach wirklich nicht vorstellen, dass ich irgendwann mal mit einer Selbstständigkeit Geld verdienen kann und dass ich mir das leisten könnte oder so. Es war so ganz absurd. Und ich habe dann, genau, als ich dann in Frankfurt war, oder frisch in Frankfurt war, habe ich das erstmal so ein bisschen liegen gelassen mit dem Siebdruck. Es war dann einfach erst mal neue Stadt, neue Beziehung auch, neue Freunde, ein neuer Job. Das hatte erst mal Vorrang. Aber ich glaube, so nach anderthalb Jahren oder so hat es mich dann wieder in den Fingern gekitzelt und ich musste einfach weitermachen. Und genau, ich muss es mir auch immer ein bisschen komplizierter machen als nötig, weil sonst wird mir langweilig. Und ich muss dazu sagen, dass ich auch schon während meiner Ausbildung meine Sachen gedruckt habe und dann auch damit schon auf Märkten teilgenommen habe. Also es gibt ja so Designmärkte, Das war damals auch in der Schweiz noch relativ neu und hatte dann da so einen kleinen Stand und da hingefahren und hab meine Drucke verkauft. Das war noch so ein ganz anderes Ziel, da hatte ich so Illustration gemacht, schwarz-weiß und so. Genau. Und das hatte ich auf jeden Fall schon mal so ein bisschen angefangen und auch Spaß hat dran gefunden und hab dann eben in Frankfurt auch durch meinen Freund, der mich da sehr unterstützt hat und auch Spaß dran hatte, wieder dran getraut. Wir haben dann so einen Marktstandwagen gebaut, den man dann mit dem Fahrrad transportieren kann.

Helen
Oh wie cool!

Nina
Genau. Und sind zu diesen Märkten gefahren, da hab ich natürlich zuhause dafür gedruckt und so weiter. Und genau, also das war schon so ein bisschen ein längerer Prozess, der über so ein paar Jahre ging und einfach so ein Hobby war. Und ich hab aber eigentlich immer alles, was ich da verdient hab, auch so ein bisschen zur Seite gelegt oder halt wieder investiert in neue Produkte oder Materialien, aber halt so einen kleinen Rahmen. Und dann irgendwann habe ich gemerkt, zum einen, dass mich das nicht mehr so befriedigt, dass die Qualität halt einfach, wenn ich das im Wohnzimmertisch drucke und in der Badewanne auswasche und so weiter, ja, irgendwann kommt man zu an seine Grenzen, was die Qualität angeht. Zum anderen habe ich auch gemerkt, dass mich dieses Ziel nicht mehr so glücklich macht. Das kam dann nicht so weiter mit diesen feinen Illustrationen. Das war eigentlich nicht mehr so mein Ding. Und gleichzeitig habe ich gespürt, dass mich halt der Job Grafikbüro auch nicht mehr so glücklich macht. Also ich habe zwar immer gewusst, dass das schon so ein Luxusjob ist, Grafikdesignerin zu sein und das auch in einem sehr sehr schön Büro war und da wurde ich auch gewertschätzt, das ist echt schön. Aber mir hat es einfach gefehlt, nicht, also genau, es war zu viel Computerarbeit, zu viel für Kunden, irgendwas entwerfen, was ich… Ich bin selber so richtig genau ausdenken durfte und so weiter. Also genau immer natürlich mit einem Chef oder einer Chefin. Und das war so 2018, glaube ich, wo das dann so langsam angefangen hat, wo ich überlegt habe, OK, was mache ich jetzt mit dem, was ich schon bisher gemacht habe und wo kann ich damit hingehen? Und tatsächlich war lustigerweise mein erster Gedanke, nachdem ich angefangen habe, aufzuschreiben, was ich mag, was ich kann und so weiter, einen Bilderbuch laden Weil ich Bilderbücher liebe und Illustrationen und Design und genau durch Recherchen dann auf das Buchstäbchen gekommen bin in Stuttgart, ich weiß nicht ob du das kennst, soll ich dir unbedingt anschauen, ein sehr, sehr, sehr schöner Bilderbuchladen, inzwischen haben wir auch so einen Concept Store daneben mit erwachsenen Produkten. Genau, das war so der erste Gedanke und dann habe ich das aber ein bisschen weiter reflektiert und festgestellt, ja okay, ich möchte zwar so einen Ort vielleicht aufbauen. Ich möchte die Auswahl machen von den Produkten. Ich möchte genau das alles konzipieren und einrichten, aber tatsächlich dann quasi im Buchladen stehen und verkaufen, das glaube ich nicht mein Berufswunsch. Also einfach auch so einen Schritt weiter zu denken, was heißt das denn, wenn diese Ordnung noch da ist. Hab dann nochmal weiter überlegt und bin dann wieder beim Siebdruck hängengeblieben und hab gemerkt, dass ich das zum einen sehr, sehr gerne mache und zum anderen aber auch bei diesen Märkten schon auch dieses Verkaufen, ehrlich gesagt, mag und den Kontakt mit den Menschen und irgendwie so diesen Austausch zu haben und kann dann irgendwie auf die glorreiche Idee, ich könnte doch Workshops machen, geben, obwohl ich das noch nie vorher gemacht habe und obwohl ich da ja auch wirklich noch nicht Profi war im Siebdrucken, also aber dachte, das wäre doch cool, zusammen mit der Idee, dass es schön vielleicht wäre, mal einen Ort zu haben außerhalb der Wohnung, wo ich arbeiten kann, auch zum Wohle unserer Beziehung. Mein Freund ist sehr sehr voller Hand und unterstützen, aber irgendwann haben wir dann auch festgestellt, es wird ein bisschen eng. Und habe dann ein Gemeinschaftsatelier gefunden in Frankfurt erstmals, das war so ein Land zu viert, genau damals hatte es eine Ecke, eine offene Ecke und habe da dann so mein Studio eingerichtet und angefangen, erste Workshops zu geben und die erstaunlicherweise auch einfach gebucht wurden, obwohl ich ja nicht… Beruhigt. Genau, ich habe jetzt nicht irgendwie analysiert oder so, dass es da einen Bedarf gibt oder überhaupt irgendwie so eine Business, Business mäßig da drangegangen. Genau, und hab dann damals schon angefangen, mit Instagram das halt zu teilen und. Hab dann mich da so ein bisschen ausgetobt, hat halt den Luxus, dass ich das parallel zu meinem Hauptjob machen konnte. Es habe ja mein Gehalt verdient, hab die Miete von diesem, von dieser Gemeinschaftsfläche da über die Workshops so ein bisschen reingekommen wieder und hat halt sehr viel Freiheit, da einfach eigene Projekte auch zu machen, die halt auch für Instagram tatsächlich sehr gut funktioniert haben. Und dadurch auch so angefangen, so eine Reichweite da aufzubauen. Genau. Ja, das war so der erste Teil.

Helen
Voll spannend, weil so, wenn man halt, ja, auch als Später da zustößt auf deinem Instagram-Account, ist das ja oft was, was man gar nicht mehr so ganz nachvollziehen kann, wie du dich da so hinentwickelt hast. Deswegen finde ich es voll spannend, dass du das erzählst. Und auch, was ich richtig cool finde, ist, dass du so auch mal ein bisschen freier überlegt hast, so was würde ich gern machen, und dann auch überlegt hast, was hätte das für Konsequenzen, ist das immer noch das, was ich mir dann vorstelle und so. Weil ich glaube, oft gehen wir da gar nicht so dran, so was würde ich mir denn wünschen für mein Leben, sondern irgendwie kann passieren, die Dinge dann eher, oder man hat irgendwie vielleicht eher so klassischere Vorstellungen. Deswegen finde ich das total inspirierend. Danke dir fürs Teilen, voll schön.

Nina
Sehr gerne. Ich glaube auch, für mich war total wichtig damals, dass ich nicht mir überlegen musste, ist das jetzt ein lukratives Geschäftsmodell? Also, weil dann hätte ich, das hätte mich sofort abgeturnt sozusagen. Das ist für mich, ja einfach so, das macht überhaupt keinen Spaß. Oder ich fand es auch schwierig, wenn man dann so anfängt zu recherchieren zum Thema Selbstständigkeit, das meiste, so die ersten Tipps sind ja, dann überleg dir ein Konzept, dann schreibst du ein Businessplan, dann suchst du dir einen Investor oder einen Kredit und gründe das dann. Ich weiß auch gar nicht, was ich machen will und ob ich das machen will und also wie soll ich denn jetzt ein Businessplan schreiben? Ich hab gar nicht da behauptet, also was das denn wird. Deswegen kann ich es tatsächlich nur empfehlen, wenn es irgendwie passt zu einem, dass man das erstmal so nebenberuflich startet und einfach mal ausprobiert und guckt, wohin sich das entwickelt. Weil ich ehrlicherweise auch sagen muss, dass ich schon den Luxus hatte von dem sehr coolen Büro, wo ich halt gearbeitet habe mit Chefs, die das auch unterstützt haben und mich auch zu jedem Markt, zu jeder Veranstaltung begleitet und besucht haben und bis heute das cool finden. Also das muss natürlich auch möglich sein. Ich denke, wenn man jetzt einen Beruf hat oder einen Job, wo das nicht so gern gesehen ist, dann fällt einem das auch ein bisschen schwieriger.

Helen
Ja, gut, das stimmt natürlich. Das finde ich zum Beispiel jetzt bei, also ich arbeite auch teils halt auch sehr angenehm, dass ich da auch offen drüber sprechen kann. Also das wissen alle, dass ich Mädels, die lesen betreibe und so. Und was ich da so mache. Und dann kann ich eben auch mal teilen, wenn da irgendwie was total Verrücktes passiert ist. Tatsächlich hab ich, glaub ich, als Erstes auch, weil wir dann kurz danach zusammen so auf dem Weihnachtsmarkt waren oder so, meinen Arbeitskollegen in die Tasche gezeigt und meinte so, guck mal hier, voll krass. Und alle haben sich halt mitgefreut, das ist halt auch voll schön. Aber wie du sagst, auch nicht unbedingt jetzt vielleicht eine Selbstverständlichkeit. Dann? Total. Was ich noch fragen wollte, weil also bei Instagram findet man dich unter studio.jakob und tatze zusammengeschrieben. Wie bist du auf diesen Namen gekommen? Wie ist der entstanden?

Nina
Ja, tatsächlich auch in dieser Anfangszeit noch, als ich angefangen habe mit diesen Märkten und damals eben diese Illustration gedruckt und verkauft habe. Also man muss sich vorstellen, Ich habe damals ein Schulfach sozusagen gehabt in meiner Ausbildung, das hieß Bildsprache. Und wir hatten die Möglichkeit über ein halbes Jahr mit Sprache und Bild und Illustration irgendwie so einen Stil zu entwickeln und den Projekt zu machen. Und bei mir ist so ein Buch herausgekommen, so eine Art Bilderbuch, ein bisschen, ja, im entferntesten. Genau, also nicht so eine klassische zusammenhängende Geschichte, aber genau, es waren so Text auf einer Ebene, Bilder auf der anderen Ebene und die Illustrationen sind so ein bisschen märchenhaft. Es geht im Großen und Ganzen um einen Jungen, der zusammen mit einem Bären auf der Suche ist, nach der Krone des Mondbärenkönigs. Die hatte ich als kleine Poster gedruckt, auch nicht jetzt alle im Siebdruck und auf dem Markt verkauft. Und da war einmal, das war schon in Frankfurt tatsächlich dann, eine Frau, die hat den einen Print gekauft, da ist ein Baum zu sehen und der Junge steht auf den Schultern des Bären und versucht, diesen Baum hoch zu klettern, weil sich oben in der Krone, die echte Krone befindet, Genau, in der Baumkrone, in einem Vogelnest. Und auf jeden Fall hat dieser Junge so ein, wie er so ein Art Kostüm an. Er sieht aus wie aus »Wo die wilden Kerle wohnen«. So ein Schlafanzug. Und diese Frau meinte damals auch dieser Junge, das erinnert sich auch total an ihren kleinen Jakob, an ihren Sohn. Und das fand ich super süß und hab dann irgendwie so länger überlegt, ach, irgendwie dieser Bär, der braucht ja dann auch einen Namen und der hieß dann halt Tatze. Und genau, so waren es Jakob und Tatze. Und das hat halt irgendwie sehr gut gepasst zu dieser Welt, zu diesem kindlichen, märchenhaften. Genau, und dann hat sich ja aber in der Zwischenzeit alles total gewandelt. Also wenn man jetzt auf mein Instagram-Account geht, sieht man ganz sicher nichts mehr, was schwarz-weiß ist, sondern alles sehr bunt, knallig, fröhlich und ja, hab zwischendurch auch schon mal überlegt, den Namen zu ändern. Aber mir ist zum einen nichts anderes eingefallen, zum anderen haben alle gesagt, nein, bloß nicht. Ja, der ist echt toll. Und das Studio kam tatsächlich erst eigentlich dazu, seit ich hier halt in meinen neuen Räumlichkeiten bin. Weil das davor hat sich lustig, weil es immer als Atelier bezeichnet. Und jetzt, ich war dabei immer im Studio und das war damals irgendwie, hat sich das nicht richtig angefühlt. Und jetzt ist es halt so mein Studio, genau. Deswegen heißt es Studio Jakob und Tatze.

Helen
Richtig cool, war eine gute Geschichte.

Nina
Muss man manchmal ein bisschen weit ausholen, aber genau, ist vielleicht auch schön.

Helen
Ja, naja gut, wir mögen ja Geschichten hier im Podcast, deswegen, da bist du bei uns auf jeden Fall an der richtigen Stelle. Was ich auf jeden Fall dir noch sagen wollte, weil ich nicht weiß, ob du das kennst, weil ich finde es irgendwie immer unberechtigterweise nicht ganz so bekannt. Aber wenn du Bilderbücher magst, wahrscheinlich jetzt im Podcast alle schon so, oh Gott, jetzt hängt sie wieder damit an. Aber ich liebe das so sehr. Es gibt hier in der Ecke, also Troisdorf heißt der Ort, aber den kennt man wahrscheinlich außerhalb der Region jetzt nicht unbedingt so, aber da gibt es ein Bilderbuchmuseum und es ist irgendwie die größte europäische Sammlung an Bilderbüchern. Du kennst es schon.

Nina
Ich war da mal, weil eine sehr gute Freundin aus der Schweiz mir das zum Geburtstag geschenkt hat. Die hat das recherchiert und gefunden und ich kannte den Ort und das Museum natürlich nicht. Und hat mir dann quasi einen Ausflug dahin geschenkt. Wir sind dann zusammen dahin gefahren.

Helen
Voll schön, dass ihr auch so schön in so einer Burg und so, ne? Das lohnt sich dann irgendwie für dich nochmal doppelt. Aber ich finde, die machen das immer süß.

Nina
Nicht zusammengebracht, dass es in deiner Ecke ist. Cool.

Helen
Ja, es ist nicht weit von hier. Und die machen auch regelmäßig Ausstellungen. Also kannst du auf jeden Fall dich nochmal auf der Webseite umschauen. Aber gut, dann könnt ihr das schon. Vielleicht war es aber für den einen oder anderen doch noch neu. Ich habe es schon oft empfohlen, aber ich finde es wirklich, die machen da ganz tolle Arbeit. Das ist irgendwie so, weiß ich nicht, nicht so bekannt dafür, dass sie da wirklich eine riesige Sammlung an Bilderbüchern haben. Ja, aber irgendwie finde ich das richtig cool. Wusste ich nicht, dass das so ein bisschen, ja, das ist, wo du gedanklich dann auch hergekommen bist. Dass du erst überlegt hast, vielleicht in die Richtung zu gehen, aber dann ja umso schöner, wenn du jetzt in der Straße ein Bilderbuch laden hast.

Nina
Ja, und die…

Helen
Dann tut sich da ja auch mal eine Option auf.

Nina
Immer auch, genau, die haben eine sehr nette Mitarbeiterin, mit der ich auch schon Kontakt hatte. Die war jetzt auch schon zweimal bei mir im Workshop und wer weiß, ob sich da mal irgendwas tut, was gemeinschaftlich ist.

Helen
Richtig gut. Ich glaube, dass die da von dem Bilderbuchmuseum, die haben, glaube ich, auch so ein… immer einmal irgendwie einen Wettbewerb für Bilderbücher. Also vielleicht ist das ja doch nochmal eine Option für dich, wenn das zu deins einreicht.

Nina
Mal sehen.

Helen
War richtig cool. Also ich meine irgendwie so ein bisschen Buchbezug hast du, aber ich weiß gar nicht so genau. Liest du regelmäßig? Wie ist deine Beziehung zu Büchern?

Nina
Also ich habe lange nicht, also früher schon, so als jugendliche Kind, dann lange nicht so wirklich viel gelesen und habe lustigerweise den Bezug zu Büchern wieder gefunden, in dem ich mir zugestanden habe, dass ich gerne einfach so Schnulzromane lese, die im besten Fall irgendjemand in einem Kiosk gekauft hat und irgendwo hat liegen lassen oder mir irgendwie in die Hand drückt in den Sommerferien oder so. Und das war mir am Anfang ein bisschen peinlich. Ich dachte, boah, das ist ja, das muss jetzt schon irgendwie was Anspruchsvolles sein. Buch finde ich. Genau und habe ich aber gemerkt, tatsächlich, weil ich mich ja sonst mit sehr viel Sachen beschäftige und auch eine lange Zeit bei der Gründung halt sehr viel gelesen habe, auch so Fachsachen online auch, dass mir das total gut tut, einfach so was Anspruchsloses, Schönes mit einem guten Gefühl zu leben. Ja. Und habe mir dann jetzt vor einem Jahr tatsächlich ein Bücherei-Abo geholt, ja auch um die Ecke vom Studio. Was super gut ist, weil ich muss immer Sachen haben, wo ich so sehr nah hin kann, also auch zum Fitness oder so zum Beispiel, wenn ich da länger hinfahren muss, dann klappt das nicht. Genau, und genieße das total, dass ich da auch einfach halt mir drei Bücher mitnehmen kann und wenn mir eins nicht gefällt, dann muss ich es auch nicht zu Ende lesen und hab dadurch jetzt so ein bisschen den Einstieg wieder gefunden und lese jetzt auch ab und zu schon mal ein so ein bisschen anspruchsvolleres Buch. Aber genau. Aber am liebsten nicht. Genau, am liebsten eigentlich nicht. Richtig

Helen
Ja, irgendwie finde ich das, also ich bin noch, ich habe auch ein Abo oder so eine Karte für die Bücherei und ich nutze es eigentlich noch viel zu wenig. Aber ich finde es genauso eine tolle Option wie so Bücher, ich bin total der Bücherschrank-Fan, weißt du, diese öffentlichen. Und genauso bei Bibliotheken, Büchereien finde ich halt, das ist so ein niedrigschwelliger Einstieg einfach in die Welt und man geht vielleicht nicht direkt so ein Commitment ein. Commitment ein. Man weiß ja nie, ob einem das Buch dann wirklich so gefällt und dann kann man erst mal ausleihen und so. Das ist schon eine tolle, tolle Option. Schön auch, wenn das bei dir so ein bisschen, ja, das wieder entfacht hat. Was ich gerade noch so dachte und dann komme ich zu deinen Frankfurt-Tipps. Aber weil du ja letztes Jahr auf der Buchmesse warst, wer ist gerne? Gehst du dieses Jahr auch hin?

Nina
Ich habe es noch nicht fest geplant, aber wenn ich da bin, also man muss dazu sagen, ich fahre jeden Tag an der Messe vorbei. Das ist mein Arbeitsweg sozusagen. Deswegen sehe ich da auch immer, was da für Konzerte sind und so. Und es ist dann manchmal schon einfach so, ach komm, es gibt so viele Leute, die extra anreisen zur Frankfurter Buchmesse und ich fahre da eh vorbei, dann kann ich auch reingehen. Da kann ich mich auch mal blicken. Genau, und das ist natürlich schon schön. Und dann ja, genau. Also vielleicht ja.

Helen
Ja, ich meine, als ich bei dir dann letztes Jahr irgendwie gesehen hatte, dass du auch dann eher so in diesem grafik-künstlerischen Bereich da warst. Vielleicht hast du da ja irgendwie Empfehlungen. Also ist das, weil ich war ja noch nicht da, ist das irgendwie ein gesonderter Bereich? Also wenn ich mich jetzt für mehr so visuelles interessiere, muss ich da einfach nur in eine bestimmte Richtung gehen oder sind da die Stände überall verteilt?

Nina
Also ich bin da jetzt auch kein Profi, aber wenn ich mich richtig erinnere, ist das Ganze ja sehr, sehr groß und es gibt dann so einzelne Hallen, die dann auch oder Unterbereich, je nachdem, wie groß das Thema ist, aber das ist schon thematisch sortiert, wenn ich es richtig im Kopf habe. Ich war auf jeden Fall in der Bilderbuch-Ecke länger und es gibt eben so eine Design-Buch-Grafik-Architekturecke. Also da kriegt man dann so einen Hallenplan und dann muss man sich da ein bisschen durchwühlen, weil die Messe in Frankfurt ist auch schon echt groß. Auch so wie am Flughafen, so Laufbänder und so, wo man dann so richtig…

Helen
Ach krass. Also wirklich groß, okay. Ich bin nicht gespannt.

Nina
Obwohl vielleicht hab ich jetzt noch Quatsch erzählt. Vielleicht gibt’s keine Laufbänder. Es gibt auf jeden Fall einige Rolltreppen.

Helen
Ja, von der Rolltreppe hab ich schon gehört. Ja, okay. Also ich bin auf jeden Fall gespannt, wenn ich irgendwie Bilderbücher oder Designbücher sehe, werde ich an dich denken. Was ich aber jetzt noch fragen wollte, weil du jetzt gefühlt mein Frankfurt-Profi bist. Bibs ist jetzt schon ein bisschen da. No pressure. Aber wenn dich jetzt jemand aus der Schweiz besuchen kommt, Familie, Freundinnen oder so. Also erstmal, ich wüsste jetzt schon gar nicht so genau, was sind so die Touri-Hotspots. Aber vielleicht hast du ja auch, weiß ich nicht, so deine ganz eigenen, vielleicht auch eher Geheimtipps wo du mit jemandem hingehst, der dich in der Stadt besuchen kommt.

Nina
Ja, so ein paar Tourisachen gehören natürlich schon dazu. Ist auch echt schön. Also der erste Startpunkt ist für mich immer der Main, also der Fluss, das ist auch für Frankfurt schon wichtig und ist auch relativ speziell, glaube ich, für eine Stadt, dass der Fluss die Stadt teilt und nicht einfach an der Stadt vorbei führt, sondern die auf der anderen Seite fast genauso groß ist wie der eine. Genau, das heißt man spaziert erst mal am Main entlang und hat dann schon einen ganz schönen Blick auf die Skyline, die ja auch recht besonders ist, vor allem halt auch abends, wenn die dann beleuchtet ist. Genau, und dann geht man erst mal so auf den Römer, das ist so das Rathaus und Standesamt und so weiter, da ist dann am Samstag immer Highlife mit einer Hochzeit nach der nächsten. Ganz lustig, einfach mal zuzugucken. Und direkt neben dem Römer, also das ist so ein größerer Platz, mit Bauten, die alle alt aussehen, aber ich glaube die meisten sind Rekonstruktion oder neu wieder aufgebaut, weil Frankfurt halt im Krieg schon sehr platt gemacht wurde und interessant ist, dass direkt neben dem Römer ist die neuste Altstadt der Welt, sagt man immer gerne, weil die Altstadt von Frankfurt wurde eben auch komplett zerbombt und die wurde die letzten, ich weiß nicht, zehn, 15 Jahre wieder aufgebaut. Da stand vorher das Technische Rathaus, so ein riesen brutalistischer Klotz, der wurde abgerissen und zwar also das war ja noch vor meiner Frankfurtszeit, ich habe es da in Riesendiskussion, ob das jetzt so wie früher aufgebaut werden soll oder halt neu, also von der Optik. Geeinigt wurde sich auf so ein bisschen Disneyland-Optik, da kriege ich jetzt wahrscheinlich böse Blicke von Frankfurterinnen, aber nein, es ist schon schön geworden, aber es ist so ein ganz, ganz kleiner Mini-Stadtteil eben in der Innenstadt, der halt quasi aus neuen Altbauten besteht. Das kann man sich schon auf auf jeden Fall mal angucken. Und dann kommen wir eigentlich ganz gut, wenn man da durchgeht, zur Fahrgasse, die finde ich mag ich sehr gerne. Das ist so eine Straße in der Innenstadt, wo es einige Galerien gibt und schöne Lädchen, zum Beispiel das Kaufhaus im Ort kann ich empfehlen, das ist ein Geschenke-Deko-Laden. Und da gibt es auch sehr gute Pizza, da gibt es ein schönes Café, da gibt es auch eine, esistfreitag, das ist eine Werbeagentur, wenn ich das jetzt richtig sage. Die haben auch so einen Stadtmagazin machen. Genau, das heißt, »Frankfurt, du bist so wunderbar«. Genau, die, also, die waren jedenfalls schon bekannt, weil in diesem Magazin machen, da sind immer Tipps drin für Frankfurt auch. Also, wenn man da mal reingucken mag, da finden wir auch immer gute Sachen.

Helen
Ich glaube, die hatte ich auch schon mal bei Instagram entdeckt und fand das irgendwie so alles, das Konzept total cool und dachte so, aber ich habe eigentlich gar keinen Zug zu Frankfurt, aber irgendwie, ich bin total begeistert. Also, ich glaube, das sind die, die hatte ich auch schon mal entdeckt.

Nina
Stimmt. Und die haben jetzt auch schon länger ein Büro halt auch mit Schaufenster front, wo sie auch glaube ich samstags mindestens das auch öffnen und so einen Ladenbereich jetzt haben. Also das ist genau das ist eine sehr schöne Gasse, die Fahrgasse. Da kann man sich schon mal tummeln. Da muss ich überlegen. Dann lohnt sich auf jeden Fall schon einmal da durch die Hochhäuser durchzugehen im Bankenviertel. Das ist schon eindrücklich, wenn man das jetzt nicht irgendwie aus dem Ausland kennt. Auf den Main Tower kann man auch hoch. Das ist natürlich schon ein ein bisschen touristisch, das kostet auch Eintritt, aber es ist schon ganz cool da. Ich weiß gerade nicht, wie hoch der ist, aber schon ordentlich hoch. Da einmal hoch zu fahren und den Ausblick zu genießen über Frankfurt, da sieht man auch bei gutem Wetter bis zum Flughafen. Dann würde ich auf jeden Fall einmal auf die andere Seite nach Sachsenhausen. Da gibt es Altsachs, das ist vielleicht im einen oder anderen ein Begriff, das ist eigentlich so das Partyviertel. Da kann man mal durchgehen, ist jetzt nicht so mein favorite spot. Aber ich würde schon, also wenn Freunde zu Besuch sind oder Familie, würde ich auf jeden Fall in der Apfelweinwirtschaft gehen. Die befinden sich auch da hauptsächlich in Sachsenhausen. Und Frankfurter Schnitzelessen mit Frankfurter grüner Soße und Apfelwein, wobei ich den jetzt nicht so mag, aber genau, würde ich schon einmal probieren.

Helen
Muss man dann schon machen.

Nina
Genau, da kann man schon sehr schön sitzen und gut essen. Gibt übrigens auch das Eichkatzerl, heißt, glaube ich, dass ich mich richtig erinnere, ist das, was das einzige vegane Schnitzel hat in Frankfurt, meine ich. Mit veganer, grüner Soße, für die die kein Fleisch essen möchten.

Helen
Das ist ja auch spannend. Okay, sehr gut.

Nina
Aber ich bin nicht 100 % sicher. Genau, das müsste ich nochmal kurz recherchieren, ob das der richtige Name war. Und dann kann ich nur empfehlen, einfach mal durch die anderen Stadtteile auch zu spazieren. Also man muss dazu sagen, dass eigentlich das Schönste an Frankfurt ist. Es ist eine ziemlich kleine Stadt, ist glaube ich auch viele überrascht wahrscheinlich. Also man sagt immer so das größte Dorf der Welt. Es ist einfach das, was ich auch am coolsten dran fand von Anfang an, dass ich mit dem Fahrrad durch die ganze Stadt düsen kann. Ich fahre so gut wie nie U-Bahn oder Straßenbahn oder sowas oder Auto sowieso nicht. Man kann sich auch hier Stadträder leihen oder so und kommt einfach sehr schnell rum. Dann kann man eben auch noch ins Nordend fahren, wo dann so die ganzen schönen Altbauwohnungen sind und hübsche Läden und Cafés und Frühstücken gehen. Die Frankfurterinnen gehen sehr gerne Frühstücken.

Helen
Sehr sympathisch.

Nina
Ja, total. Und die stehen auch nicht so wahnsinnig früh auf, habe ich den Eindruck. Frühstücken dann schon eher so ab elf oder so.

Helen
Gut, das wäre dann vielleicht eher mein zweites Frühstück, aber gut. Ahja, okay.

Nina
Genau, also am besten einfach sich ein Fahrrad nehmen und durch die Stadt tingeln und einfach so sich ein bisschen leiten lassen vom Gefühl und der Lust. Das mag ich sehr gerne.

Helen
Voll gut. Das macht doch Lust auf Frankfurt. Kann man auch nachvollziehen, warum es sich dahin verschlagen hat. Ich bin mal gespannt, auch wie viel ich dann noch von der Stadt sehen werde, wenn ich jetzt da bin, aber ich habe es ja zum Glück nicht ganz so weit nach Frankfurt, also ich könnte auch einfach so nochmal einen Trip hinplanen und ich habe jetzt irgendwie auf jeden Fall auch Lust auf diesen Bilderbuchladen und allein dafür würde ich dann einfach nochmal vorbeikommen und dann alles abklappern, was du jetzt vorgeschlagen hast. Deswegen vielen, vielen Dank auf jeden Fall, dass du uns ein bisschen mitnimmst nach Frankfurt in deine Wahlheimat und ich fand es aber vor allen Dingen jetzt spannend ein bisschen zu erfahren, wie der Weg zum eigenen Studio war und wie das so gekommen ist. Also ich kann auf jeden Fall wirklich empfehlen, mal dieses Video anzuschauen, da kriegt man einen guten Einblick in Ninas Arbeit. Aber wo findet man dich noch so im Internet? Wo sollte man vielleicht als erstes vorbeischauen, um dich zu finden?

Nina
Also ich würde schon empfehlen, auf jeden Fall bei Instagram, weil das ist so der Kanal, der auf jeden Fall am besten gepflegt wird. Und dann, ehrlicherweise eigentlich nur noch auf meiner Website. Da steht auch ganz, ganz viel auch zum Siebdruckverfahren, wenn einen interessiert, wie das funktioniert. Auch mein Weg, den ich jetzt auch so ein bisschen erzählt habe, der steht da auch auf der Seite.

Helen
Ach, cool. Hab ich das überlesen.

Nina
Jaja, es ist ziemlich viel Info auf der Website, wenn man sich da mal so durchwühlt. Genau. Und sonst eigentlich, also ich hab einen Facebook-Account, ja, aber der wird nicht gepflegt. Ich hab mich neu bei LinkedIn angemeldet, weil das irgendwie der neue heiße Scheiß sein soll, auch für Kreative. Da versuche ich nur ein bisschen meinen Weg zu finden, aber ich bin inzwischen ein bisschen überzeugter als früher ehrlich gesagt. Genau, aber eigentlich also nur Website und Instagram. Und auf der Website findet man dann auf jeden Fall auch die Workshop-Termine und bei Instagram sieht man dann, wenn kurzfristig was frei wird, wo man vielleicht noch einspringen kann. Genau. Und auch den Online-Shop, also genau mein Geschäftskonzept ist da so ein bisschen dreiteilig, machen eben Auftragsarbeiten, Workshops und aber auch mein Online-Shop, der dann immer wieder befüllt wird mit so limitierten Editionen, Kollektionen, mit verschiedenen Künstler*innen zusammen auch. Genau. Das ist so eine bunte Wundertüte, sage ich immer.

Helen
Richtig cool. Ich fand das super spannend. Danke dir für auch so ein bisschen den Einblick und vor allem auch mal in ja doch ein bisschen anderer Welt auch. Ich liebe einfach auch so Gespräche und vor allem wenn man vorher noch gar nicht so genau weiß wo es so hinführt und ich liebe das und deswegen danke dafür. Ich würde sagen, dass wir unseren Eistee jetzt in Ruhe am Mainufer zu Ende trinken und uns vielleicht an der Stelle von euch Mädels beabschieden. Aber danke dir, Nina, dass du hier warst.

Nina
Super, super gerne. Es hat sehr viel Spaß gemacht und es war auch schön mal über ein paar andere Themen zu sprechen, die jetzt gar nicht so Siebdruck oder Studio bezogen sind, sondern eben auch Bücher zum Beispiel. Das ist irgendwie total schön und ja, vielen, vielen Dank. Hat mich sehr gefreut.

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