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Warum es 2026 immer noch eine feministische Buchwoche braucht

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Podcast · Folge 153

Warum es 2026 immer noch eine feministische Buchwoche braucht

Britta Jürgs organisiert die feministische Buchwoche der BücherFrauen und verlegt seit 29 Jahren Autorinnen, die kaum jemand mehr kennt – ein Gespräch über Sichtbarkeit, Schullektüre und einen Cocktail in Buchfarben

16. April 2026 · 45 Minuten · Ganze Folge hören ↓

Schau dir an, was in der Schule gelesen wird. Oder eine dieser Listen mit den hundert wichtigsten Büchern. Britta Jürgs sagt: Genau da merke man, dass eben noch nicht genug passiert ist. Sie verlegt seit 29 Jahren Bücher von und über Frauen und organisiert die feministische Buchwoche der BücherFrauen – und im Gespräch wird schnell klar, dass es ihr dabei nicht um Vorschriften geht, sondern ums Hinschauen.

Britta Jürgs

Britta Jürgs

Verlegerin des AvivA Verlags, Berlin · Orga-Team der feministischen Buchwoche der BücherFrauen

Sie ist Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin und gründete 1997 den AvivA Verlag, der heute in einem Altbau in Berlin-Moabit sitzt. Verlegt werden Porträts, Biografien und Literatur von Frauen, mit einem Schwerpunkt auf den 1920er und 1930er Jahren – viele davon Wiederentdeckungen und Erstübersetzungen. Bei den BücherFrauen gehört sie zum Team hinter der feministischen Buchwoche, die 2026 zum vierten Mal stattfindet.

Foto: © Klara-Emilia Kajdi

Eine Woche, in der Autorinnen sichtbar werden

Die feministische Buchwoche gibt es seit 2023. Auslöser war eine Erhebung, bei der ausgezählt wurde, wie oft Werke von Autorinnen in den Medien vorkommen – und in welchen. Das Ergebnis war eine deutliche Diskrepanz, vor allem in bestimmten Genres. »Da dachten wir, das wollen wir ändern«, sagt Britta Jürgs: einmal im Jahr besonders sichtbar machen, was es an feministischen Veranstaltungen und an Autorinnen gibt.

Die Auftaktveranstaltung findet jedes Jahr in einer anderen Stadt statt – und bewusst an Orten, die selbst Sichtbarkeit gebrauchen können: 2023 in der feministischen Bibliothek MONAliesA in Leipzig, danach in Köln und in Bremen. 2026 geht es in Kassel los, zusammen mit dem Archiv der deutschen Frauenbewegung.

Alles andere ist offen. Die BücherFrauen geben nur den Rahmen: Wer eine Veranstaltung anmelden möchte, meldet sie an, organisiert sie selbst – und die Woche verbreitet sie unter ihrem Label. Herausgekommen sind dabei Lesungen, ein Bookstore-Crawl durch Frankfurter Buchhandlungen, Schaufenstergestaltungen, Online-Formate. Und eine Veranstaltung in Portugal.

Stand dieser Folge

Das Gespräch wurde im Februar 2026 aufgezeichnet und bezieht sich auf die feministische Buchwoche 2026. Aktuelle Termine, den nächsten Auftakt und die Anmeldung für eigene Veranstaltungen findest du bei den BücherFrauen.

Was die BücherFrauen sonst noch machen

Die BücherFrauen sind ein Netzwerk von Frauen aus der Buchbranche – angestellt oder frei, aus Verlagen, Buchhandlungen, Bibliotheken und allem, was rund ums Buch dazugehört. Sie setzen sich für Sichtbarkeit ein, für bessere Positionen, für gleiche Bezahlung. Es gibt ein Mentoring-Programm, Jahrestagungen mit Workshops, eine eigene Akademie mit Seminaren und Regionalgruppen, die sich regelmäßig treffen.

Und es gibt einen Literaturpreis: die Christine, benannt nach Christine de Pizan – jener Autorin, die um 1400 als eine der ersten vom Schreiben leben konnte. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er kommt aus dem Netzwerk selbst: In den Lesesalöns der Regionalgruppen werden Bücher diskutiert, jede Gruppe schlägt Titel für die Longlist vor, entschieden wird am Ende von einer unabhängigen Jury.

Ausgezeichnet wurden bislang Mely Kiyak und Slata Roschal. 2025 ging die Christine erstmals an eine Übersetzung: an »Was Hortensia nicht mehr erzählen konnte«* von Dulce Chacón, übersetzt von Friederike Hofert. Britta Jürgs hatte es kurz vor der Aufnahme gelesen – und war begeistert.

»Der Begriff ist eigentlich ganz gut angenommen«

Ob Feminismus als Wort noch Vorbehalte auslöst? Sie glaubt, dass sich einiges geändert hat: nicht mehr automatisch negativ besetzt, gerade bei Jüngeren eher positiv, und nicht nur bei Frauen. Gleich danach kommt die Einschränkung, die das Gespräch sympathisch macht: »Aber andererseits bin ich natürlich auch in der Bubble.« Menschen, die die BücherFrauen für vollkommen überflüssig halten, gebe es weiterhin.

Warum es die Woche trotzdem noch braucht, macht sie an drei Stellen fest: am Nachholbedarf, den Nicole Seifert in ihrem Buch beschrieben hat. An der Frage, wie divers die eigene Lektüre eigentlich ist – nicht nur, ob Autorinnen darin vorkommen, sondern auch, ob es über weiße, westeuropäische Perspektiven hinausgeht. Und an der Schullektüre, wo Autorinnen bis heute die Ausnahme sind. Im deutschsprachigen Raum, sagt sie, hinke man da noch hinter dem englischsprachigen her.

Was heißt feministisch lesen?

Eine feste Definition hat sie nicht, und sie will auch keine geben. Für sie heißt es: mehr Bücher von Autorinnen lesen. Und dabei über den eigenen Tellerrand schauen, statt bei den immer gleichen Perspektiven zu bleiben. Von Vorschriften hält sie nichts: »Das Aufmerksammachen ist mir wichtig« – wer was als feministisch ansieht, könne jede und jeder für sich definieren.

29 Jahre AvivA

Ihren Verlag gibt es seit 1997. Verlegt werden Porträts und Biografien interessanter Frauen, dazu Literatur mit historischem Profil: viel aus den 1920er und 1930er Jahren, viele jüdische Autorinnen, die sie wiederentdeckt hat, Erstübersetzungen und Erstausgaben vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Fünf bis sechs Bücher pro Jahr sind es zurzeit; es waren auch schon über zehn.

In den ersten Jahren hat sie viele Bücher selbst angestoßen und als Herausgeberin gemacht. Heute kommt vieles zu ihr – »eher viel mehr, als ich machen kann«. Geblieben ist die Mischung: selbst entdecken, wo sie sich fragt, warum es etwas nicht mehr gibt, und annehmen, was das Netzwerk ihr vorschlägt.

Zum Programm gehört auch Christine de Pizans »Das Buch von der Stadt der Frauen« – geschrieben vor über 600 Jahren, gegen die Frauenfeindlichkeit ihrer Zeit, für die Bildung von Mädchen, gegen Gewalt an Frauen. »Man ist dann verblüfft, wie wahnsinnig aktuell das ist«, sagt sie.

Die ganze Folge hören

Bücher aus dem Gespräch

Die Titel, die im Gespräch vorkommen – die beiden Frühjahrsneuheiten aus ihrem Verlag, das Buch zur Auftaktveranstaltung und die Bücher, über die wir gesprochen haben.

Buchcover »Ingeborg Bachmann – Die Widerspenstige« von Ingeborg Gleichauf

Ingeborg Bachmann – Die Widerspenstige

Ingeborg Gleichauf

Ein essayistisches Porträt, eine der beiden Frühjahrsneuheiten des AvivA Verlags.

Bei Thalia ansehen *

Buchcover »NOW! Judith Malina und das Living Theatre« von Anna Opel

NOW! Judith Malina und das Living Theatre

Anna Opel

Über die Begründerin des Living Theatre in New York – und über die Recherche selbst, die von Berlin bis Italien führt.

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Buchcover »Sand im patriarchalen Getriebe« von Doris Hermanns

Sand im patriarchalen Getriebe

Doris Hermanns

Zur Geschichte der Frauen-Buch-Bewegung. Wird beim Auftakt der feministischen Buchwoche in Kassel vorgestellt.

Bei Thalia ansehen *

Buchcover »Das Buch von der Stadt der Frauen« von Christine de Pizan

Das Buch von der Stadt der Frauen

Christine de Pizan

Vor über 600 Jahren geschrieben – und laut Britta Jürgs verblüffend aktuell. Nach der Autorin ist der Literaturpreis der BücherFrauen benannt.

Bei Thalia ansehen *

Buchcover »FRAUEN LITERATUR« von Nicole Seifert

FRAUEN LITERATUR

Nicole Seifert

Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt. Das Buch, auf das sich beide im Gespräch beziehen.

Bei Thalia ansehen *

Buchcover »Was Hortensia nicht mehr erzählen konnte« von Dulce Chacón

Was Hortensia nicht mehr erzählen konnte

Dulce Chacón

Übersetzt von Friederike Hofert. 2025 als erste Übersetzung mit der Christine ausgezeichnet.

Bei Thalia ansehen *

*Mit Sternchen markierte Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

Häufige Fragen

Was ist die feministische Buchwoche?

Eine bundesweite Aktionswoche der BücherFrauen, die es seit 2023 gibt. Eine Woche lang finden Veranstaltungen rund um Autorinnen und feministische Themen statt – Lesungen, Buchhandlungs-Touren, Schaufenster, Online-Formate. Die BücherFrauen geben den Rahmen und die Auftaktveranstaltung; die einzelnen Veranstaltungen organisieren die Teilnehmenden selbst.

Kann ich selbst eine Veranstaltung anmelden?

Ja. Das steht allen offen, bei denen es thematisch passt – man muss nicht Mitglied bei den BücherFrauen sein. Anmeldung und Fristen laufen über die Seite zur feministischen Buchwoche.

Wer sind die BücherFrauen?

Ein Netzwerk von Frauen aus der Buchbranche – aus Verlagen, Buchhandlungen, Bibliotheken und angrenzenden Bereichen, angestellt wie freiberuflich. Zum Netzwerk gehören Mentoring, Jahrestagungen, eine Akademie mit Seminaren, Regionalgruppen und der Literaturpreis Christine.

Was heißt feministisch lesen?

Britta Jürgs macht daraus keine Vorschrift. Für sie heißt es vor allem: mehr Bücher von Autorinnen lesen – und dabei auch über weiße, westeuropäische Perspektiven hinausschauen. Wichtiger als eine Definition ist ihr das Aufmerksammachen.

Was ist der AvivA Verlag?

Ein kleiner Berliner Verlag, den Britta Jürgs 1997 gegründet hat. Er veröffentlicht Porträts, Biografien und Literatur von Frauen, mit Schwerpunkt auf den 1920er und 1930er Jahren, vielen Wiederentdeckungen und Erstübersetzungen – fünf bis sechs Bücher pro Jahr.

Das ganze Gespräch zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, maßgeblich ist die Aufnahme. Zwischenrufe wie »Mhm« sind der Lesbarkeit halber nicht abgedruckt; Intro und Abspann fehlen.

Helen
Herzlich willkommen, Britta. Ich freue mich sehr, heute mit dir über die feministische Buchwoche, die BücherFrauen, den AvivA Verlag, alles Mögliche zu sprechen. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?

Britta Jürgs
Wir sind gerade in Berlin in dem Büro meines kleinen Verlages. Das ist ein Altbau in Moabit. Ein schöner großer Raum, aber mit ganz, ganz viel Papier und ganz vielen Büchern um mich herum.

Helen
Boah, das klingt gut. So wie man sich das irgendwie vorstellt. Und welches Getränk hast du uns mitgebracht?

Britta Jürgs
Also ganz untypischerweise für den Verlagsalltag so tagsüber, aber recht typischerweise für so abendliche Aktivitäten, über die wir heute sprechen, habe ich einen schönen bunten Cocktail in den Bücherfarben mitgebracht, also mit Blue Curaçao und Mango-Maracuja-Saft.

Helen
Oh, das klingt gut. Also der BücherFrauen-Cocktail.

Britta Jürgs
Genau, habe ich jetzt hiermit kreiert. Ganz genau.

Helen
Sehr gut, ja, ich meine, warum nicht? Das ist ein nächster Punkt für die nächste Sitzung. Ich bin total gespannt, wie das schmeckt und würde sagen, wir stoßen einmal damit an. Ich finde es eigentlich gar nicht so eine schlechte Idee, den Signature-Drink für die BücherFrauen ins Leben zu rufen. Ich hatte, also wir haben irgendwie letztes Jahr, glaube ich, schon die feministische Buchwoche entdeckt. Da auch, glaube ich, schon bei uns irgendwie so mit in den Content-Kalender aufgenommen, aber wir sind dann manchmal auch irgendwie eher mit allem ein bisschen zu spät dran. Und dieses Jahr hatte ich das Gefühl, endlich mal mein Leben im Griff zu haben und habe ein bisschen früher angefragt. Und da hast du dich zurückgemeldet, weil du… ja, irgendwie eine der Organisatoren hinter diesem, hinter der feministischen Buchwoche bist. Deswegen freue ich mich total, heute mit dir darüber zu sprechen. Die Folge kommt ja am 16. April raus und am 18. geht’s dann los mit der feministischen Buchwoche. Deswegen lass uns doch vielleicht mal damit einsteigen, was ist das überhaupt?

Britta Jürgs
Genau, vielleicht auch erst mal, wie kam es dazu? Wie kamen wir darauf, so eine feministische Buchwoche zu machen? Und zwar haben wir, also das ist jetzt das vierte Mal, dass die feministische Buchwoche stattfindet. Wir haben die tatsächlich erstmals im 2023 gegründet, um darauf aufmerksam, um Frauen sichtbarer zu machen. Es gibt ja so eine Studie, Frauen zählen, die tatsächlich dann mal nachgeschaut und nicht nur nachgeschaut, sondern gezählt wurde, wie oft kommen eigentlich Werke von Autorinnen vor in den Medien Und welche Werke kommen da vor? Und da war halt natürlich eine Riesendiskrepanz zwischen männlichen oder als männlich gelesenen Autoren und weiblichen.

Britta Jürgs
Und vor allem in bestimmten Genres waren Frauen also sehr unterrepräsentiert. Und da dachten wir, das wollen wir, also da tun wir ja natürlich als BücherFrauen sowieso immer etwas, dass sich das ändert. Aber wir dachten, da ist die feministische Buchwoche irgendwie eine gute Sache, dass wir, dass wir auch einmal im Jahr ganz besonders sichtbar machen, feministische Veranstaltungen und mit und über Autorinnen. Und ja, das ist dann bundesweit gewesen tatsächlich. Also ich sitze hier in Berlin, das habe ich, ja, weiß ich nicht, habe ich das gesagt vorhin, Aber wir haben die Auftaktveranstaltung unserer ersten feministischen Buchwoche in Leipzig gemacht, in der feministischen Bibliothek MONAliesA.

Britta Jürgs
In den darauffolgenden Jahren hatten wir auch Auftaktveranstaltungen in feministischen Archiven. Das war dann einmal in Köln. Einmal in Bremen und in diesem Jahr wird es im Archiv der Deutschen Frauenbewegung in Kassel sein. Also das ist so ein bisschen so eine feste Größe, dass wir tatsächlich die Auftaktveranstaltung, das wird in diesem Jahr am 18. April sein, immer in einer anderen Stadt machen und damit eben auch Archive, diese Archive sichtbar machen.

Britta Jürgs
Das ist schon mal so ein wichtiger Punkt. Aber alles andere ist dann völlig offen. Also wir geben sozusagen den Rahmen. Wir haben Wir machen Werbung dafür und es können sich, natürlich melden sich BücherFrauen an, also Frauen mit Veranstaltungen, also die im Netzwerk der BücherFrauen sind. Aber es können sich genauso und haben sich auch schon Freundinnen der BücherFrauen angemeldet. Und die Veranstaltungen sind eben bundesweit. Das können Live-Veranstaltungen sein, es können aber auch Online-Veranstaltungen sein. Das können klassische Lesungen sein, aber es ist zum Beispiel auch ein Bookstore-Crawl dabei, also so ein Besuch in Durch verschiedene Buchhandlungen in Frankfurt am Main. Es sind Schaufenstergestaltungen zur feministischen Buchwoche. Also es ist wirklich, ja, der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt, solange es in unserer Zeit ist. Thema passt. Und wir haben sogar auch eine Veranstaltung in Portugal mit dabei. Und ja, mal gucken. Also das ist auf jeden Fall eine sehr bunte Angelegenheit und sehr spannend, dann auch zu sehen, was es da alles gibt.

Helen
Vielen Dank. Das ist ja echt cool. Also super breit gefächert und eben auch in verschiedenen Orten, wie sich das so entwickelt dann auch, dass das jetzt sogar dann international ist. Ich meine, ich habe auch schon mal von dem, also ich habe das sogar ehrlich gesagt hier stehen und leider immer noch nicht gelesen, aber von dem Buch von Nicole Seifert ihr auch gehört, da ging es eben auch darum, auch gerade um diese, ich frage mich gerade,

Britta Jürgs
Das Buch Frauen Literatur durchgestrichen, meinst du?

Helen
Und da geht es ja, glaube ich, eben auch darum, nicht nur, also vor allen Dingen eben wie Bücher von Frauen wahrgenommen und bewertet und all sowas werden. Dadurch war mir das irgendwie schon bewusst, dass das ein Thema ist, dem wir uns widmen müssen. Aber ich finde es irgendwie spannend, so eine ganze Woche dem zu widmen und zu sagen, wir müssen da den Blick drauf richten. Ich habe ebenso gedacht, ich habe einen Veranstaltungsortvorschlag, aber dann hast du Archive gesagt, dann bin ich nicht ganz sicher, aber wir haben hier in Bonn tatsächlich ein Frauenmuseum und das kann für nächstes Jahr sein.

Britta Jürgs
Absolut, ich kenne das auch. Ich habe da auch schon Veranstaltungen gehabt und ich finde das eigentlich auch sehr, das ist sehr, sehr schön. Also ich mag das Frauenmuseum in Bonn. Ja, also das ist sicher auch eine schöne Idee.

Helen
Ja, kommt auf die Ideenliste.

Britta Jürgs
Ja, genau, auf jeden Fall.

Helen
Wenn man jetzt auch so auf das Thema Feminismus zum Beispiel blickt. Ich weiß nicht, ich habe mich damit irgendwie gar nicht so extrem befasst, bevor ich Mädels, die lesen. angefangen habe. Und ich habe das Gefühl, es war die beste Schule. Also einerseits natürlich durch die Bücher, die wir so bisher gelesen haben, aber vor allen Dingen durch das ganze Feedback, was ich auch zu meiner Arbeit und allem bekommen habe,

Helen
habe ich mich da irgendwie unweigerlich mit auseinandergesetzt. Weil ich wäre vorher auch so eine Person gewesen, die gesagt hätte, ich will dieses Wort, ich mag das irgendwie, ich will damit nichts zu tun haben. Ich weiß nicht, ob ich jetzt einfach in so einer Bubble bin, das ist sehr gut möglich, aber ich habe das Gefühl, das Wort hat viel mehr Akzeptanz. Also es ist nicht mehr irgendwas, was man so von sich wegschiebt als Frau. Aber kann gut sein, dass ich in einer Bubble bin. Aber ja, was hast du, also dadurch, dass ihr das ja organisiert, werdet ihr vielleicht auch nochmal andere Rückmeldungen, sag ich mal, zu dem Begriff bekommen. Hast du das Gefühl, dass es da irgendwie immer noch Vorbehalte gibt gegenüber dem Wort Feminismus und irgendwie vielleicht dann in dem Zusammenhang auch einer feministischen Buchwoche, dass dann vielleicht gerade Frauen sagen, oh, warum braucht es das? Oder glaubst du, dass es mittlerweile einfach Weiß ich nicht. Ja, gut angenommen und irgendwie etwas, was alle wollen auch.

Britta Jürgs
Hmm. Ich habe schon das Gefühl, dass sich da eine ganze Menge geändert hat.

Britta Jürgs
Also dass Feminismus nicht mehr so automatisch so negativ besetzt ist, sondern dass es irgendwie gerade auch bei vielen Jüngeren irgendwie echt auch so was Positives ist und positiv besetzt ist. Und ja, auch nicht nur von Frauen. Also das hat auch zugenommen, würde ich mal sagen. Aber andererseits bin ich natürlich auch in der Bubble.

Helen
Ja, schwer zu sagen, ne?

Britta Jürgs
Deswegen ist es schwer zu sagen. Aber ich habe schon den Eindruck, dass es irgendwie sowas ist. Die Probleme heute sind dann eher, wie definiert man sich denn so genau? Aber ich glaube, der Begriff ist eher so ganz gut angenommen.

Helen
Mhm. Ist gut angenommen, ne?

Britta Jürgs
Und da ist natürlich immer noch Luft nach oben und natürlich gibt es auch, gibt es immer noch Menschen, die überhaupt nichts damit anfangen können, uns für vollkommen überflüssig halten.

Helen
Ja, ist irgendwie auch mein Eindruck.

Britta Jürgs
Aber ja, die wird es schon noch geben.

Helen
Ja gut, die wirst du immer haben.

Britta Jürgs
Aber ich glaube, es ist schon in einer ganz guten Tendenz so.

Helen
Ja, aber das ist vielleicht eine ganz gute Anschlussfrage, warum es das auch 2026 immer noch braucht. Vor allem, ihr habt ja auch erst 2023 damit angefangen. Also warum braucht es das auch jetzt noch? Warum tut sich da gefühlt nicht genug?

Britta Jürgs
Ja, ich glaube, wir haben halt einfach immer noch ganz schön Nachholbedarf. Und das hat ja auch Nicole Seifert in ihrem Buch gezeigt.

Britta Jürgs
Also auch so dieses Bewusstmachen, so wie sieht es aus? Lese ich eigentlich Autorinnen oder sind es doch hauptsächlich Autorinnen? Wie divers ist meine Lektüre? Und das ist ja auch nicht nur auf Autorinnen, sondern genau auch,

Britta Jürgs
Wie divers sind die dann auch? Sind das jetzt nur Weiße oder gucken wir da auch über den Tellerrand? Also da gibt es, glaube ich, tatsächlich immer noch viel Nachholbedarf und man muss es ja auch erst mal ein bisschen darauf gestoßen werden. Dass man auch mal darauf guckt, was gibt es denn noch und was ist alles unbedingt so eine Lektüre, die den Horizont erweitert.

Britta Jürgs
Also dazu gehört es für mich auf jeden Fall zur Horizont-Erweiterung. Und ja, also es ist schon erstaunlich, dass es dann doch, dass wir auch irgendwie heute immer noch denken, ja, es ist gut, so eine feministische Buchwoche zu haben, damit wir irgendwann, ja, mehr aufmerksam machen, damit Autorinnen sichtbarer werden. Ja, da ist schon viel passiert, aber trotzdem geht da noch viel mehr. Und wenn du dir mal anschaust, wie es bei der Schullektüre aussieht, also das finde ich, also da merkt man, es ist noch lange nicht genug passiert.

Helen
Oh ja. Mhm.

Britta Jürgs
Also Klar, vereinzelt tauchen da mal Autorinnen auf oder auch bei sowas wie Kanon der 100 wichtigsten AutorInnen kann man fast gar nicht sagen, weil meistens sind das die 100 wichtigsten Autoren und mal ein paar AutorInnen dabei. Und da sind wir im deutschsprachigen Raum auch noch weit hinterher, hinter dem, wie es so zum Beispiel im Englischsprachigen ist. Also da tauchen auch noch mehr Autorinnen auf diesen Listen auf. Und ja, gerade bei der Schullektüre finde ich halt auch, da merkt man einfach, da ist wirklich noch viel zu tun. Genau.

Helen
Ja, irgendwie denke ich gerade, das wäre ja eigentlich auch eine coole Veranstaltung, wenn ihr so ein alternative Schullektüre-Programm irgendwie vorstellen würdet. Also so was die BücherFrauen vorschlagen, was vielleicht eine diversere Liste für Schullektüre ist, als das, was momentan besteht.

Britta Jürgs
Ja, also da gibt es schon auch immer irgendwie Bestrebungen daran, das zu erweitern und ich bin auch an anderen Stellen damit beschäftigt, also da gibt es auch Gruppen oder Personen, die sich damit beschäftigen, wo wir tatsächlich darüber diskutieren und dann sowas aufgestellt wird. Also das ist jetzt nicht direkt bei den BücherFrauen, aber so ein bisschen assoziiert und andere Netzwerke, die sich dann auch damit beschäftigen und aber auch auch einzelne Personen.

Helen
Ja, aber vielleicht in dem Zusammenhang einmal, was genau machen die BücherFrauen oder was sind die BücherFrauen?

Britta Jürgs
Genau, die BücherFrauen sind ein Netzwerk von Frauen aus der Buchbranche, also so im weitesten Sinne, das können Angestellte sein, das können Freie sein, so die mit dem, ja, aus Verlagen, Buchhandlungen, Bibliotheken, also so aus den ganzen, ja, angrenzenden Bereichen, so rund ums Buch arbeiten.

Britta Jürgs
Was machen die BücherFrauen? Die BücherFrauen setzen sich dafür ein, natürlich für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Buchbranche, natürlich für bessere Positionen, für gleiche Bezahlung, also mehr Frauen in Führungspositionen. Die BücherFrauen haben ein Mentoring-Programm, wo dann die BücherFrauen erfahrene Mentorinnen, ja, Mentees eben bei ihrem Weg oder ihrer Umorientierung oder ihrem Weg einfach ihren Weg begleiten. Es gibt Jahrestagungen, wo dann auch Workshops stattfinden. Natürlich auch man entweder live oder digital zusammenkommt. Es gibt die BücherFrauenakademie, wo auch in jedem Jahr live oder online Seminare angeboten werden.

Helen
Mhm. Mhm. Ach, wow.

Britta Jürgs
Es gibt einen Literaturpreis, die Christine, benannt nach Christine de Pizan, der ersten Schriftstellerin, die die ersten uns bekannten Schriftstellerin, die vom Schreiben leben konnte, Ende des 14., Anfang des 15. Jahrhunderts. Und dieser Literaturpreis, Christine, wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Den gibt es seit drei Jahren. Also es gibt wirklich sehr, sehr viele Aktivitäten der BücherFrauen, sowohl überregional als auch in den Regionalgruppen. Denn so in der Struktur gibt es eben einmal so Regionalgruppen, die die verschiedensten Aktionen haben oder auch treffen und so weiter. Und es gibt eben diese überregionalen Aktivitäten.

Helen
Und ja. Mhm.

Britta Jürgs
Und auch zu dieser Christine, will ich gerne noch hinzufügen, diesem Literaturpreis, der ist schon auch deshalb besonders nicht, weil er sozusagen wirklich aus dem Netzwerk kommt. Es gibt, wir haben in Berlin zum Beispiel einen, und auch nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten gibt es so Lesesalons, wo sich dann BücherFrauen treffen. Also bei uns ist das alle zwei Monate und da diskutieren wir jeweils zwei Bücher, die vorher vorgeschlagen wurden, weil sie zudem potenziell Kandidatin für diesen Literaturpreis sind und sprechen darüber.

Britta Jürgs
Das ist auch wirklich toll. Und dann irgendwann kommt dann von jeder Regionalgruppe einen Vorschlag für die Nominierungsliste, für die Longlist der Christine. Und nachher wird es dann von einer unabhängigen Jury, die aus drei Personen besteht, wird es dann ausgewählt. Aber das sind viele spannende Aktivitäten, sowohl in den Regionalgruppen als auch überregional.

Helen
Ja, ich weiß, dass den Preis, oder meine ich mich zu erinnern, ja auch schon Mareike Fallwickl gewonnen hat, von der wir, sie hatte das nicht gewonnen?

Britta Jürgs
Da muss ich dich leider enttäuschen.

Britta Jürgs
Also Mely Kiyak war die erste Preisträgerin.

Britta Jürgs
Jetzt muss ich mal gerade, jetzt bin ich auch gerade.

Helen
Warum habe ich das denn so abgespeichert?

Britta Jürgs
Danach ist es doch

Helen
Dann war sie wahrscheinlich auf der Liste oder so, ne?

Britta Jürgs
Ich weiß genau, wer sie ist, aber okay. In diesem Jahr ging es zum ersten Mal tatsächlich an eine Übersetzung, auch an ein ganz großartiges Buch, aber eine Autorin, die bereits verstorben ist, Dulce Chacón, was Hortensia nicht mehr erzählen konnte, übersetzt von Friederike Hofert, Verlag w_orten & meer. Ich habe es gerade gelesen, mein Leseeindruck ist noch ganz frisch und ich bin sehr begeistert davon. Mareike Fallwickl hat durchaus, also stand auch schon auf der Shortlist, meine ich, aber es ging dann doch an eine andere, an ein anderes Buch.

Helen
Wahrscheinlich habe ich das festgelegt. Ja, okay, nee, dann habe ich das falsch abgespeichert.

Helen
Aber ich habe so gedacht, auf jeden Fall so ein ähnlicher Lesegeschmack wie bei uns.

Helen
Ja, okay, nee, dann weiß ich nicht. Irgendwie habe ich es dann… Ach, vielleicht werfe ich da auch Sachen durcheinander, würde ich mir auch irgendwie zutrauen. Aber wahrscheinlich auch da eine super Inspirationsquelle, wenn man nach neuen Buchtipps sucht, einfach mal auf der Liste, auf der Nominierungsliste nachschauen.

Britta Jürgs
Absolut. Und ich würde gerne noch hinzufügen, die zweite Preisträgerin war Slata Roschal.

Helen
Ja, cool.

Britta Jürgs
Also auch eine sehr, sehr tolle Autorin. Genau.

Helen
Genau, und du bist eben in der Organisationsgruppe oder halt in dieser Gruppe zur feministischen Buchwoche. Wahrscheinlich auch machst du noch andere Sachen innerhalb der BücherFrauen, aber… Wie viel Zeit, sag ich mal, des Jahres nimmt das dann auch in Anspruch, das vorzubereiten? Weil ihr macht es ja jedes Jahr und es ist eine ganze Woche, wo Veranstaltungen irgendwie vorbereitet und organisiert werden. Also wie viel, ja, was machst du da so? Weil wie viel geht da rein?

Britta Jürgs
Also ich muss dazu sagen, ich bin zwar von Anfang an mit dabei gewesen, aber in den vergangenen drei Jahren gibt es andere Frauen, die das hauptsächlich organisiert haben, die das jetzt nicht mehr machen, die nicht mehr dabei sind.

Britta Jürgs
Genau, Charlotte Fondraz vor allem, Autorin auch, die da wirklich sehr, sehr, sehr viel Zeit reingesteckt hat. Und natürlich wird einem das dann auch erst so richtig bewusst, wenn man dann irgendwie selbst… dann doch diejenige ist, die dann auf einmal mehr macht.

Britta Jürgs
Also denn auch so was wie die Mailadresse, also die Mails beantworten, was ja dann auch bei dir erst mal die erste, genau, der erste Kontakt war. Das hat alles Charlotte gemacht bisher. Also das mache ich halt jetzt. Diese Organisation muss man sagen, also wir in den ersten Jahren haben wir eine Auftakt- und eine Abschlussveranstaltung organisiert. Jetzt haben wir uns, waren wir erstmals kleiner geworden im Orga-Team und haben uns dann gesagt, so okay, wir machen auf jeden Fall die Auftaktveranstaltung, aber es muss nicht unbedingt eine Abschlussveranstaltung sein. Und sehr dabei geholfen hat das jetzt, dass das Archiv der Deutschen Frauenbewegung in Kassel, dass ich die schon im letzten Jahr angesprochen hatte und dass die dann tatsächlich auf uns auch zugekommen sind und meinten, ja, okay, da hatten wir dann schon ein anderes Archiv, eben belladonna in Bremen, die waren irgendwie schneller geworden.

Britta Jürgs
Aber, und dann hatten die gleich schon gesagt, ja, aber dann möchten wir, dann wäre das doch toll, wenn wir das jetzt dann 2026 machen. Und das erleichtert dann natürlich die Sache. Dann wussten wir gleich schon, okay, die wollen, die wollen was mit uns machen und so. Aber, ähm. Ja, das ist das Einzige, was ich dann sozusagen irgendwie auch mitorganisiert habe. Ich habe jetzt auch noch eine Postkarte gemacht, die wir auf der Leipziger Buchmesse auch verteilen wollen.

Britta Jürgs
Social Media und so, das machen andere bei den BücherFrauen, die das dann verbreiten. Aber die Veranstaltungen, die in der feministischen Buchwoche laufen, das ist alles, das organisieren wir nicht. Also ich gebe dann einfach die Anmeldungen weiter an diejenigen, die das dann auf die Website packen. Oder ich kontaktiere, also übernehme die Kommunikation zu denen, die Fragen haben. So, wie geht das denn eigentlich? Oder dann auch irgendwann kam eben die Frage aus Portugal, ja, wie ist das? Kann ich eigentlich auch als Autorin in Portugal an der feministischen Buchwoche teilnehmen?

Helen
Mhm. Mhm. Mhm.

Britta Jürgs
Und solche Sachen. Aber organisieren müssen das eben alle selbst. Und wir verbreiten es nur und kommunizieren es unter dem Label und eben auf der Website. Also das ist, ja, ich habe schon in den vergangenen Jahren dann auch immer mal noch einzelne Veranstaltungen gemacht. zusätzlich organisiert. Aber jetzt ist es bei mir eigentlich so mehr dieser Überbau und natürlich die Auftaktveranstaltung. Aber da bin ich auch sozusagen zweifach beteiligt. Also einmal als Frau aus dem Orga-Team der Feministischen Buchwoche der BücherFrauen. Und dann aber auch als Verlegerin, weil meine Autorin Doris Hermanns dort ihr Buch vorstellen wird, Sand im patriarchalen Getriebe. Zur Geschichte der Frauen-Buch-Bewegung.

Britta Jürgs
Das war tatsächlich eine Idee des Archivs in Kassel, ob wir das nicht machen könnten und dann eben auch zusammen mit dem Bezug zu Kassel herstellen, in dem dann auch Frauen, die im ehemaligen Radio-Frauenbuchladen in Kassel, den es nicht mehr gibt, gearbeitet haben, dann eben mit der Autorin diskutieren, weil es ja auch nicht nur um die allgemeine, sondern auch wieder besonders um die Geschichte in Kassel geht. Und das Archiv steuert auch noch Materialien bei, die man sich dann anschauen kann dazu.

Britta Jürgs
Also das war jetzt auch besonders schön, dass das jetzt sogar auch so eins der meiner in Anführungszeichen, meiner Bücher dann auch beim Auftakt dann den Auftakt gestalten kann. Aber ja, es ist, ich kann es nicht so sagen, es ist schon, es kommt natürlich auch immer auf die Zeiten drauf an,

Britta Jürgs
Jetzt ist es nicht mehr so lange davor. Ein, zwei Monate vorher ist natürlich noch mal die heiße Phase. Es war auch die heiße Phase, als wir uns diese Auftaktveranstaltung überlegt und geplant haben. Aber danach wird es auch erst mal wieder ruhiger.

Helen
Das heißt also, wenn man jetzt selber als Zuhörerin irgendwie eine Idee hat für eine Veranstaltung, kann man sich bei euch melden und die anmelden. Also jetzt vielleicht nicht mehr für dieses Jahr, die kommt zu kurzfristig, aber dann für nächstes Jahr.

Britta Jürgs
Absolut. Also für dieses Jahr wird es dann doch ein bisschen knapp, befürchte ich. Aber genau, das steht allen offen, bei denen das thematisch reinpasst.

Helen
Ja, cool.

Helen
Du hast es gerade ja angesprochen, dass du auch Verlegerin bist. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dein Verlag passt auch mega gut zu den BücherFrauen und zur feministischen Buchwoche. Erzähl uns doch mal ein bisschen was darüber, was du verlegst, seit wann es den Verlag gibt. Genau. Wow.

Britta Jürgs
Ja, den AvivA Verlag gibt es jetzt seit 29 Jahren.

Britta Jürgs
Genau, unglaublich. Ja, ich verlege, ja, das passt wirklich, da hast du recht, das passt wirklich ziemlich gut dazu, weil es mir schon um die Sichtbarkeit von Autorinnen geht. Also ich verlege Porträts und Biografien interessanter Frauen, Aber auch viele Literatur. Ich habe einen Schwerpunkt so auf den 20er und 30er Jahren. Das ist einfach so mein persönliches Faible. Da sehe ich auch so sehr viel Nachholbedarf. Und auch gerade viele jüdische Autorinnen aus der Zeit habe ich wiederentdeckt oder wieder sichtbar gemacht. Aber… Auch darüber hinaus oft Erstübersetzungen oder auch Erstausgaben inzwischen tatsächlich vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart, wobei ich schon eher ein historisches Profil habe. Also es ist jetzt nicht so… nicht so viel zeitgenössische Literatur. Es sei denn, die hat wieder einen Bezug zur Frauengeschichte, würde ich mal sagen.

Helen
Mhm. Mhm. Mhm. Full circle.

Britta Jürgs
Also dann, sowas gibt es schon auch. Aber das Mittelalter ist jetzt sozusagen dazugekommen, weil tatsächlich bei mir im Verlag auch das Buch von der Stadt der Frauen von Christine de Pizan erschienen ist, über die ich vorhin im Zusammenhang mit dem Literaturpreis schon gesprochen habe. Also Aber ansonsten sehr viel, sehr viel. Genau. Und die ist auch so was von aktuell. Es ist unglaublich. Die hat sich gegen die Frauenfeindlichkeit ihrer Epoche angeschrieben, hat sich für Bildung von Mädchen und Frauen eingesetzt, gegen Gewalt gegen Frauen ausgesprochen und so weiter. Also es ist wirklich, man ist dann verblüfft, wie wahnsinnig aktuell ist. auch diese Autorin ist mit dem, was sie vor über 600 Jahren geschrieben hat.

Helen
Wahnsinn, echt. Und wie, also ich meine, sie wird jetzt ja wahrscheinlich irgendwie auch so ein bisschen, also ich kannte sie jetzt nicht, aber sie wird ja wahrscheinlich ein bisschen bekannter sein, aber wie entdeckst du die Person oder also gibst du dann auch Biografien in Auftrag von jemandem, also wo du denkst, da sollte man mal was zuschreiben oder kommen Biografiemanuskripte zu dir? Wie genau funktioniert das?

Britta Jürgs
Also in den ersten Jahren habe ich sehr viel in Auftrag gegeben. Trifft es vielleicht so nicht, aber schon auch Bücher, entweder auch anfangs viel selbst auch als Herausgeberin gemacht.

Britta Jürgs
Also ich bin halt Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin und habe dann auch viel so Porträtbände über Künstlerinnen und Schriftstellerinnen verschiedener Epochen gemacht. herausgegeben und mir da dann Autorinnen, Autorinnen eigentlich dazu gesucht, die was dazu geschrieben haben. Und ich selbst habe mich auch beteiligt, habe dann aber auch dann Leute oder Frauen darauf angesprochen, so ja, wie ist es denn? Du hast jetzt Du bist in diesem Thema drin. Wär es, könntest du dir nicht vorstellen, zu dem und dem auch ein Buch zu machen? Also das habe ich durchaus auch gemacht.

Britta Jürgs
Aber ja, zunehmend, ich meine, der Verlag ist halt jetzt auch schon, also recht natürlich auch nicht inhaltlich. Überall bekannt, da ist auch immer noch Luft nach oben. Es ist halt ein kleiner Verlag. Aber trotzdem, ich habe schon Namen für mein Programm und deswegen kommen auch viele auf mich zu und bieten mir was an. Also eher natürlich viel mehr, als ich machen kann.

Britta Jürgs
Aber es ist auch immer noch so eine Mischung aus selbst Bücher oder Autorinnen zu entdecken, wo ich denke, warum gibt es das nicht mehr oder so und das, was von außen an mich herangetragen wird. Da ist natürlich auch das Netzwerk groß und immer größer, dass ich da auch wirklich tolle Vorschläge bekomme.

Helen
Ich bin tatsächlich in so Biografien lesen, vor allen Dingen über Frauen, gar nicht so aktiv. Ich überlege gerade, ob mir überhaupt spontan… Ja gut, also so, keine Ahnung, Michelle Obama oder so würde mir jetzt höchstens einfallen.

Britta Jürgs
Ja, ja.

Helen
Aber so, das mache ich gar nicht so sehr. Aber was ich immer super viel und super gerne mache, ist Dokumentationen über Frauen angucken. Und ich könnte mir vorstellen, dass das so einen ähnlichen Effekt hat, weil man… Also was mir das vor allen Dingen auch immer gibt, ist so dieses Gefühl… die hatten auch meistens irgendwelche Startbedingungen, also schwierigen Startbedingungen oder vielleicht zwischendurch Herausforderungen und haben die ja in der Regel irgendwie gemeistert. Und mir gibt es dann immer wieder so einen neuen Anschub irgendwie, auch wieder an mich und meine Ideen und sowas zu glauben. Und ich könnte mir vorstellen, dass einem das vielleicht auch ähnlich geht in einem Buch, obwohl ich mich gerade frage, ob das nicht sogar vielleicht nochmal anders berührend ist, weil man in einem Buch, finde ich ja oft, viel näher dran noch an der Gefühlswelt irgendwie auch von so einer Person ist. Also ich finde, oft ist man durch die eigenen Bilder nochmal krasser drin. Also vielleicht fange ich jetzt einfach an, vielleicht wird es ein neues Hobby für mich, extra Biografien über Frauen zu lesen, finde ich es irgendwie sehr gut. Ja.

Britta Jürgs
Ja, das ist es.

Helen
Und dann, wir hatten auch schon mal eine Podcast-Folge mit einer, die, ich glaube auch gezielt, tatsächlich so einen Lesestoff sucht. Also Grüße gehen an Barbara. Aber ihr habe ich schon oft dann auch Namen genannt und gesagt, ich fände es richtig toll, wenn es darüber mal eine Verfilmung gäbe, weil sie eben Buchverfilmungen, ja, sag ich mal, produziert. Aber ja, irgendwie ein super spannendes Feld. Wir haben jetzt öfter schon mal mit Personen auch gesprochen, die eigene Verlage haben und da ist ja die Bandbreite super groß, wie viel da auch gemacht wird.

Helen
Du wirst wahrscheinlich auch in diesem Frühjahr-Herbst-Rhythmus drin sein, wie viele Bücher veröffentlicht oder also wie viele Bücher verlegst du pro Jahr?

Britta Jürgs
Das ist jetzt in letzter Zeit wieder ein bisschen, weil es schon zunehmend schwierig ist, ist es ein bisschen weniger geworden. Also ich bin jetzt so bei 5, 6 meistens.

Britta Jürgs
Das war auch schon mal bei über 10. Aber ja, also ich mache immer was zum Frühjahr und zum Herbst. Ich bin auch sowohl auf der Leipziger Buchmesse als auch auf der Frankfurter Buchmesse mit einem Stand. Es kommt aber auch ein bisschen drauf an. Also ich bin da meistens so zwei, drei pro Halbjahr, aber es können auch mal drei, vier sein oder so. Oder fünf, sechs. Ja, okay.

Helen
Voll spannend. Welche Biografie würdest du den HörerInnen am liebsten ans Herz legen?

Helen
Das ist gefies, als würde man Eltern nach dem Lieblingskind fragen.

Britta Jürgs
Ja, genau. Habe ich natürlich nur Herzensbücher und gerade so eines kleinen Verlages. Und ich habe natürlich, ja, also ich kann mich jetzt überhaupt nicht nur für eins entscheiden, aber ich habe ja jetzt gerade den Vorteil, dass gerade meine neuen Frühjahrs-Novitäten erschienen. Also sind, genau, wenn wir sprechen, sind sie schon erschienen. Nein, genau.

Britta Jürgs
Ja. Ja, natürlich sind alles meine Herzensbücher, deswegen kann ich überhaupt nicht nur ein Buch empfehlen, aber ja, im Moment natürlich sind gerade, habe ich zwei Bücher, die jetzt neu herausgekommen sind und es sind auch zufälligerweise, sind es zwei Porträts oder Porträts, Biografien und zwar Eine ist über eine bekannte Autorin, über Ingeborg Bachmann – Die Widerspenstige.

Britta Jürgs
Das ist ein Essay, so eine Art Portrait, haben wir gesagt, von Ingeborg Gleichauf, eine Autorin, die bei mir und nicht nur in meinem Verlag schon… einige Bücher veröffentlicht hat. Also nicht nur über Max Frisch und Ingeborg Bachmann, auch Gudrun Ensslin, Gertrud Kolmar, über Theaterautorinnen. Also wirklich sehr, sehr spannend. Und die andere Biografie ist über eine Frau, die irgendwie ganz wenige kennen, aber Judith Malina, das ist die Begründerin des Living Theatre. Das ist so ein sehr rebellisches, subversives Theater in New York gewesen.

Britta Jürgs
Und dieses Buch von Anna Opel über Judith Malina, was einfach so eine tolle Frau ist, auch wenn man sie nicht kennt. Man freut sich dann auf jeden Fall in der Lektüre, sie besser kennenzulernen, weil das Now heißt das Buch. Und das ist einfach so ein, ja, irgendwie auch so ein Role Model, würde ich sagen, auf eine bestimmte Art und Weise. So immer dran zu bleiben und das die eigene Idee, die eigene Vision tatsächlich umzusetzen, auch wenn es oft schwer ist. Also das ist irgendwie faszinierend und das, was dann auch an solchen, was dann Spaß macht, auch an solchen Büchern und bei diesem Buch noch. bekommen wir auch mit, wie Anna Opel dann tatsächlich auch den Spuren, also wie sie selbst recherchiert hat. Sie war in New York, sie war in Italien und hat in Berlin, wo sie lebt, eben auch recherchiert. Und das ist einfach super spannend, mit ihr auf die Suche und auf die Reise zu gehen.

Helen
Cool, das klingt nach einem Buch für mich. Ein Thema, was ich denke, was wir vielleicht gerade nochmal anschneiden können, weil ich so… Ich weiß gar nicht so 100 Prozent, was das eigentlich bedeutet, aber bei der feministischen Buchwoche geht es ja irgendwie auch darum, dass man vielleicht feministisch liest. Und ich frage mich so, bedeutet das, dass man Frauen liest oder was genau bedeutet eigentlich feministisch lesen? Also ich weiß nicht, ob es überhaupt eine generelle Definition gibt, aber was bedeutet es aus deiner Sicht?

Britta Jürgs
Also ich glaube, das lässt sich gar nicht jetzt so genau sagen. Das und das ist genau feministisch. Also für mich bedeutet das… Bücher von Autorinnen zu lesen. Also auf jeden Fall auch mehr Bücher von Autorinnen zu lesen.

Helen
Mhm. Schadet schon mal nicht.

Britta Jürgs
Und die Autorinnen oder Autorinnen, also die können auch irgendwie noch das Sternchen haben. Aber Autorinnen auf jeden Fall. Und dann eben auch zu gucken, ja, von… Person of Color, also dass wir irgendwie diverser, nicht nur in unserem kleinen, also dass es nicht nur alles von, ich sag mal, weißen Mittelstandsautorinnen ist, sondern dass wir da auch ein bisschen mal jenseits unserer, ja, unseres Tellerrandes schauen, denn es gibt

Britta Jürgs
da so viele tolle Autorinnen, die jetzt nicht unbedingt aus Westeuropa stammen, sage ich mal, oder die daher stammen, aber dass wir da unseren Horizont auf jeden Fall erweitern. Das heißt für mich auf jeden Fall feministisch lesen. ja, ich meine, ich bin keine Freundin jetzt von dogmatischen Vorgaben. Also ich denke immer, das Aufmerksam machen ist mir wichtig und wer was wie als feministisch ansieht, also definieren kann das eigentlich jede und jeder für sich.

Helen
Du liest nicht feministisch genug. Ja.

Britta Jürgs
Also das ist gar nicht so mein Ding zu sagen, so hey, aber lies mal bitte so und so. Also Ja, genau.

Helen
Aber ich fände es irgendwie auch mal spannend als Frage in die Runde. Weil irgendwie würde ich schon sagen, dass wir feministisch lesen bei Mädels, die lesen.. Ob das nicht nur meine Meinung ist, finde ich irgendwie interessant.

Britta Jürgs
Ja, also natürlich ist es so, dass dann Bücher, also jetzt zum Beispiel, wenn es um den Literaturpreis geht, da möchten wir ja schon dann Bücher auszeichnen, die, sagen wir mal, Mädchen und Frauen auszeichnen. stärken. Also das ist so eine Sache, die ja ohne jetzt Ratgeberliteratur zu, also Literatur ist kein Rat, also ist was anderes als Ratgeberliteratur, aber wo man schon so ein Empowerment dabei hat.

Helen
Mhm. Ja.

Britta Jürgs
Also das wäre vielleicht auch noch wichtig. Also so, ja, genau.

Helen
Und mir fällt noch eine gute Frage ein. Ich weiß nicht, ob du das so aus dem FF so beantworten kannst, aber weil wir ja eben über die Schulbuchlektüre gesprochen haben, was fändst du denn gut, was vielleicht als Schulbuchlektüre gelesen werden sollte?

Britta Jürgs
Das ist ja auch wieder sowas, wo ich dann halt so einen riesen Stapel habe, dass ich mich da jetzt wirklich nicht auf eine konzentrieren kann.

Helen
Hier ist die 100-Bücher-Liste. Mhm.

Britta Jürgs
Aber auf jeden Fall ist es so, dass es halt nicht nur in der Gegenwartsliteratur total interessante Autorinnen gibt, Da ist nicht alles vielleicht auch so einfach als Schullektüre, weil gerade je historischer, umso mehr muss das halt auch irgendwie begleitet werden. Also wie auch bei männlichen Autoren ja genauso.

Britta Jürgs
Aber ich habe natürlich ein totales Faible für Autorinnen der 20er Jahre und finde, dass da viele ganz großartige Autorinnen sind, die für mich auch sehr, auch heute noch, sehr, sehr aktuell sind. Und natürlich fände ich es toll, wenn meine, in Anführungszeichen, meine Autorinnen da auch gelesen werden würden. Also Lili Grün oder Ruth Landshoff-Yorck, Lessie Sachs, das sind so wirklich ganz großartige Autorinnen, die auch jungen Menschen auch heute einiges zu sagen haben, denke ich.

Helen
Ja, ich meine, hier hören auf jeden Fall auch einige zu, die Lehrerinnen sind oder in irgendeiner Form oder auch irgendwie viele, die vielleicht auch vorlesen. Dafür eignen sich die Bücher vielleicht nicht, aber wo man das irgendwie, glaube ich, einer jüngeren Generation nahe bringen kann. Deswegen… Schadet das auf jeden Fall nicht, das hier zu platzieren. Wir verlinken natürlich alles auch nochmal in den Shownotes. Aber wenn man jetzt mehr zu der feministischen Buchwoche, zu den BücherFrauen, zu dir als Person, zu deinem Verlag erfahren möchte, wo findet man das alles? Wo findet man dich im Internet?

Britta Jürgs
Achso, ich wollte jetzt erst mal mit den BücherFrauen anfangen. Aber ja, okay.

Helen
Ja, fang gerne an, wo du magst.

Britta Jürgs
Also erst mal, bücherfrauen.de ist die Website der BücherFrauen, aber BücherFrauen sind auch auf Instagram und Facebook. Und zur feministischen Buchwoche geht es Findet man dann auch unter Branchenthemen auf der Website, ist dann die Unterseite zur feministischen Buchwoche. Ja, mich und meinen Verlag findet man bei, also als aviva-verlag.de ist die Website, aber auch auf Instagram, AvivA Verlag und Facebook und alles Mögliche.

Helen
Perfekt. Verlinken wir natürlich auch nochmal. Ich danke dir sehr für diese Einblicke. Ich bin irgendwie gespannt, ob sich jetzt jemand vielleicht spontan entschließt, irgendwie eine Veranstaltung bei der feministischen Buchwoche zu besuchen. Man hat ja auch eine ganze Woche Zeit. Oder vielleicht auch auf die Idee kommt, für nächstes Jahr was selber zu organisieren. Da gibt es auf jeden Fall viel Auswahl. Wenn man auf dieser Seite, wir verlinken die nochmal, zur feministischen Woche nach unten scrollt, sind jede Menge Veranstaltungen und wie du ja gesagt hast, die sind ja auch wirklich gut verteilt in ganz Deutschland und sogar in Portugal.

Britta Jürgs
Ja, es war sehr schön, hier zu sein.

Helen
Deswegen einfach mal da vorbeischauen und Ja, ich würde sagen, wir trinken den BücherFrauen-Drink zu Ende und verabschieden uns an der Stelle von den Mädels. Ich danke dir sehr.

Britta Jürgs
Ich danke dir für die Einladung.

Helen
Sehr, sehr gerne.

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