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Podcast · Folge 122
Diverser lesen – warum das nicht bei der Buchauswahl anfängt
Die Journalistin Georgina Fakunmoju über Strukturen statt guter Vorsätze, übersetzte und nicht übersetzte Literatur und den Trüffelschweinmodus
Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise: Wo sitzen wir gerade zusammen, und welches Getränk hast du uns mitgebracht? Georgina Fakunmoju setzt uns in die Uckermark, wo sie kurz zuvor mit ihrem Buchclub auf Retreat war – dazu ein frisches Pils.
Georgina Fakunmoju
Journalistin · Readers Gonna Read
Sie hat zehn Jahre für den NDR in Hamburg gearbeitet und lebt heute in Bonn. Unter dem Namen Readers Gonna Read – vorher »My POC Bookshelf« – macht sie einen Podcast und einen Instagram-Account über Literatur, die es selten auf die Bestsellerlisten schafft. Zweimal im Monat gibt sie außerdem Buchtipps bei COSMO.
Foto: Mareike Kolbe
Der Buchclub, der sich selbst trägt
Angefangen hat es mit Instagram Ende 2019, kurz nachdem ihr Kind geboren war. Der Wunsch war da, länger schon: eine Gruppe, mit der sie genau die Bücher liest, die sie interessieren – die, die zu Hause im Regal standen und die sie sonst nirgends fand. Beim ersten Treffen waren sie zu dritt, eine der beiden kannte sie nur von Instagram.
Heute sind es neun, zehn Frauen, viele davon Mütter. Das Entscheidende daran: Sie muss den Club nicht mehr zusammenhalten. Es gibt immer jemanden, die ein Buch vorschlägt, und immer jemanden, die eine Location findet. Im vergangenen Jahr sind sie zum ersten Mal gemeinsam verreist, im November steht das nächste Leseretreat an – mit bewusst wenig Programm.
Man muss sich erst mal freiklopfen und alles abstreifen. Aber dann bist du da, und das ist auch eine Art der Selbstfürsorge, finde ich, diese Treffen.Georgina Fakunmoju
Ist Lesen ein Privileg?
Die Frage begegnet ihr oft, gerade aus migrantischen und marginalisierten Kreisen – und ja, sagt sie, natürlich ist es eins. Aber sie stellt eine Gegenrechnung auf: Netflix bingen tun die meisten, und das kostet dieselbe Zeit. Ihr Vergleich für wahllos konsumierte Serien ist der Wühltisch in der Buchhandlung.
Ihr Lieblingseinwand ist der, dass Menschen beim Lesen einschlafen. Dann sei es doch genau das gewesen, was sie gebraucht hätten.
Was Readers Gonna Read eigentlich füllt
Der Account hieß anfangs »My POC Bookshelf«, weil es genau darum ging: um ihr eigenes Bücherregal und damit um nicht weiße Autor*innen und Autor*innen of Color aus Deutschland und der afrikanischen Diaspora. Bücher aus Indie-Verlagen, aus dem Selbstverlag, aus Regionen, die im deutschen Buchmarkt kaum vorkommen.
Diese Literatur zu Hause zu haben war für sie selbstverständlich. Gewundert hat sie sich darüber, wo sie ihr sonst begegnete: bei anderen Schwarzen Menschen zu Hause, in universitären Kontexten wie der Afrikanistik, in aktivistischen Kreisen – aber nie im Mainstream. Und wenn diese Bücher doch einmal in Literatursendungen vorkommen, dann meist mit einem weißen Blick darauf.
Es ist ganz, ganz selten oder eigentlich nicht existent, dass wir eine Schwarze Literaturkritik haben. Und da springe ich so rein in die Lücke.Georgina Fakunmoju
Sie selbst ordnet sich dabei klar ein: Sie ist Leserin und Journalistin, keine Literaturwissenschaftlerin. Sie hält keinen Vortrag über historische Einordnung, sondern zeigt, was sie gut findet.
Die eigentliche Frage: warum ist die Leserschaft nicht divers?
Helens Ausgangsfrage war, wie unser Buchclub diverser lesen kann. Georgina Fakunmoju dreht sie um. Wenn eine Gruppe selbst divers ist, kommt die Vielfalt der Bücher von allein – sie ist dann kein Vorsatz mehr, sondern eine Folge. Das kennt sie aus Redaktionen genauso.
Ihr Punkt gilt auch für Verlage: Mehr diverse Titel im Programm heißt noch nicht, vielfältig zu sein. Dazu bräuchte es Programme, die Menschen überhaupt erst ins Schreiben bringen, und Lektorate, die zum Beispiel mehrsprachige Autor*innen unterstützen.
Eine Vielfalt im Außen heißt ja nicht, wirklich vielfältig zu sein und das auch zu leben.Georgina Fakunmoju
An dieser Stelle fällt ein Satz, der in der Folge hängen bleibt: dass die Frage »wo gibt es denn den Link zu all diesen Büchern?« am Kern vorbeigeht. Es gibt keinen Link. Es ist eine Erfahrung, eine Recherche über ein ganzes Leben und eine Art, auf den Buchmarkt zu schauen.
Was das konkret für einen Buchclub heißt
Bei uns schlägt die Community die Bücher vor und stimmt darüber ab – in unserer großen Umfrage im Mai hat sich die deutliche Mehrheit genau das gewünscht. Der Vorschlag aus der Folge verändert das nicht, sondern setzt einen Rahmen davor: Themen oder Mottos festlegen, zu denen die Vorschläge dann passen sollen.
Georgina Fakunmoju nennt das Kuration – und beschreibt, dass sie sich lange dagegen gesträubt hat, als »die mit den Tipps« gesehen zu werden. Irgendwann hat sie es akzeptiert: It’s all about the tips. Was ihre Leser*innen aber zusätzlich wollen, ist das Kuratierte – das Horizonterweiternde.
Ihr eigenes Beispiel dafür ist Afrofuturismus. Science-Fiction hat sie vorher nie interessiert, null. Über Interviews zu African Futurism hat sie einen Zugang gefunden, den sie sich selbst nie gesucht hätte.
Der Jahres-Check: was habe ich gelesen, was fehlt?
Ihre Methode gegen die eigene Schlagseite ist unspektakulär: sich quartalsweise oder einmal im Jahr hinsetzen und anschauen, was man gelesen hat. Was nehme ich nicht in den Blick? Was ignoriere ich?
Denn wer sich nur davon leiten lässt, worauf man als Nächstes Lust hat, verliert aus den Augen, was man eigentlich lesen wollte – das Sachbuch, den Reisebericht, die Biografie, die seit Jahren im Regal steht. Ihr Bild dafür: ein Menü zusammenstellen, statt immer nur Nudeln zu essen.
Warum es viel aus Nigeria gibt und wenig aus Mali
Ein Teil der Lücke ist ein Übersetzungsproblem. In Ländern, die unter französischer oder portugiesischer Kolonialherrschaft standen, wird oft in der Kolonialsprache geschrieben – und ins Deutsche übersetzt wird davon wenig. Fragt jemand sie nach einem Buch aus Mali oder von der Elfenbeinküste, muss sie selbst erst nachdenken.
Dazu kommt, wer überhaupt bei einem großen Verlag landet. Deshalb ist vieles, was hier als Schwarze Literatur ankommt, aus den USA und nicht vom afrikanischen Kontinent. Ihr Beispiel für das Gegenteil: »Muhâdharât« von Fatma Aliye, dem ersten Roman einer osmanischen Autorin, der je ins Englische übersetzt wurde – und der gerade zum ersten Mal auch auf Deutsch erschienen ist.
Drei Bücher aus der Folge
Zwei Titel, die im Gespräch vorkamen, und einer, den sie gerade frisch entdeckt hat.
Daily Soap
Nora Osagiobare
Eine Satire über eine Daily Soap, geschrieben von einer Schwarzen Autorin aus der Schweiz. Georgina Fakunmoju beschreibt es als wirr, lustig und scharfsinnig – und erzählt, wie viel es in einem Land angestoßen hat, in dem in politischen Sendungen noch diskutiert wird, ob es Rassismus gibt.
Via Ápia
Geovani Martins, aus dem brasilianischen Portugiesisch von Nicolai von Schweder-Schreiner
Ein Roman aus der Favela von einem jungen brasilianischen Autor. Sie hatte ihn für ihre Brasilienreise dabei und war unentschieden, ob sie ihn vorher oder danach lesen soll – aus Sorge, er könnte ihre Erwartung zu sehr färben.
Utopia Algeria
Yasmina Liassine, aus dem Französischen von Katharina Triebner-Cabald
Ihr aktueller Fund aus einem Verlagsprogramm: 160 Seiten, ein Streifzug durch Algerien mit Familienerinnerungen, in denen sich die politische Lage, die Historie und die französische Kolonialzeit spiegeln. Sie beschreibt es als eindrücklich und nachdenklich machend.
*Mit Sternchen markierte Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.
Trüffelschweinmodus
Der schönste Begriff der Folge kommt aus Helens erstem Studentenjob: Eine Vorgesetzte sagte ihr damals, sie solle den Trüffelschweinmodus anstellen – und sie verstand lange nicht, was gemeint war. Heute denkt sie regelmäßig daran. Georgina Fakunmoju kennt das Wort auch: Ihre Mutter nennt sie so, nicht nur was Bücher angeht.
Genau das passiert in einer Buchhandlung: Erst ist alles zu viel, dann zoomt man vom Weitblick auf die einzelnen Titel. Und in Bücherschränken funktioniert es nur, wenn man nichts Bestimmtes sucht. Was Georgina Fakunmojus Bilanz für nicht weiße Literatur dort angeht, ist sie eindeutig: ganz mau.
Give yourself grace
Zum Schluss wird es persönlich. Sie beschreibt sich als jemand, die immer perfektionistisch war – und erzählt, was es heißt, als Schwarze Frau im Journalismus anzufangen: Die Zugänge sind nicht da, das Wissen ist nicht da, du musst besser sein als die anderen, um überhaupt gesehen zu werden.
Als sie den eigenen Podcast startete, hat sie eine Entscheidung getroffen: diese Maßstäbe nicht an sich selbst anzulegen. Sie hat sich hingesetzt und allein eine halbe Stunde über Toni Morrison gesprochen, obwohl sie dachte: Wer bin ich denn? Es war nicht komfortabel – aber es war der Anfang.
Give yourself grace. Und dann geht das. Das ist tausendmal besser als dieser dämliche, zerstörende, langweilige Perfektionismus.Georgina Fakunmoju
Und dann noch ein Nebensatz, der sitzt: Was nicht da ist, kann auch nicht perfekt sein. Ein Duschgel lässt sich nach dreißig Jahren mit einer neuen Formel verbessern. Ein Projekt, das es noch nicht gibt, nicht.
Wenn du dir schon mal vorgenommen hast, diverser zu lesen, und nicht wusstest, wo du anfangen sollst – diese Folge verschiebt die Frage an die richtige Stelle.
Die ganze Folge hören
Häufige Fragen
Wie kann ich als Buchclub diverser lesen?
Georgina Fakunmoju dreht die Frage um: Wenn eine Gruppe selbst divers ist, kommt die Vielfalt der Bücher von allein. Solange das nicht so ist, hilft Kuration – also vorher Themen oder Mottos festzulegen, zu denen die Vorschläge passen sollen, statt allein darauf zu warten, was vorgeschlagen wird.
Wer ist Georgina Fakunmoju?
Journalistin, zehn Jahre beim NDR in Hamburg, heute in Bonn. Sie macht den Podcast und Instagram-Account Readers Gonna Read, der vorher »My POC Bookshelf« hieß, und gibt zweimal im Monat Buchtipps bei COSMO.
Warum gibt es so wenig Literatur aus manchen Ländern auf Deutsch?
Zum einen wegen der Übersetzungen: Aus Ländern, die unter französischer oder portugiesischer Kolonialherrschaft standen, wird wenig ins Deutsche übertragen. Zum anderen, weil der Zugang zu großen Verlagen ungleich verteilt ist – deshalb kommt vieles, was hier als Schwarze Literatur ankommt, aus den USA und nicht vom afrikanischen Kontinent.
Wie merke ich, was in meinem Lesejahr fehlt?
Indem du dir quartalsweise oder einmal im Jahr anschaust, was du tatsächlich gelesen hast, und fragst: Was nehme ich nicht in den Blick? Wer sich nur davon leiten lässt, worauf er als Nächstes Lust hat, verliert die Bücher aus den Augen, die er eigentlich lesen wollte.
Was ist der Trüffelschweinmodus?
Ein Begriff aus Helens erstem Studentenjob: nicht gezielt suchen, sondern mit offener Aufmerksamkeit stöbern und dabei Schätze finden. In einer Buchhandlung heißt das, vom Überblick auf die einzelnen Titel zu zoomen – und in Bücherschränken funktioniert es nur, wenn man nichts Bestimmtes erwartet.
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Die ganze Folge zum Nachlesen
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Helen
Herzlich willkommen Georgina. Ich freue mich sehr heute mit dir über wahrscheinlich vor allen Dingen deinem Podcast und deine Buchtipps zu sprechen. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Georgina
Wir sind in der Uckermark und trinken ein schönes frisches Pils.
Helen
Aha, das ist jetzt irgendwie witzig, aber du vorher von Mallorca gesprochen hast, habe ich überhaupt nicht mit der Uckermark gerechnet. Wie kommt der Switch? Bist du gerade tatsächlich in der Uckermark?
Georgina
Nein, aber ich war letztens in der Uckermark mit meinem Buchclub. Wir haben so ein Buchclub Retreat gemacht.
Helen
Nein, wie schön.
Georgina
Ja, und natürlich war es viel zu kurz. Also es waren zu wenig Tage. Hätte locker noch ein oder zwei Tage hätten gefehlt, wo wir einfach nur sitzen und lesen und chillen und so. Da denke ich immer noch dann zurück und da habe ich irgendwie die Energie noch. Die ist noch so da. Das wäre schön, da jetzt zu sein und ein Bier zu trinken. Ich bin halt auch Biertrinkerin.
Helen
Ja, das klingt gut. Ich ganz selten auch mal, deswegen würde ich sagen, ich mache heute auch von der Ausnahme und stoße mit dir an. Ich finde das aber eigentlich voll den guten Einstieg. Ist so ein bisschen jetzt einfach quer. Aber erzähl mal von diesem Retreat. Das klingt richtig cool. Was habt ihr gemacht?
Georgina
Eigentlich sehr wenig, was das Gute ist. Also mein Buchclub, das ist ein privater Buchclub. Den habe ich mittlerweile, ich habe ja mit Instagram 2020, glaube ich, auch angefangen. Ich hätte das doch viel früher. Nee, oder? Nee, Ende 2019. Ja, das geht gar nicht anders, weil mein Kind ist geboren im September 2019. Oder vielleicht habe ich schwanger schon angefangen zu posten. Das kann sein, aber also nach der Geburt meines Kindes war da natürlich nicht viel mit Podcasten oder so. Das ist ja alles ein dunkles schwarzes Loch, in dem die Zeit verschwindet. Und in der Zeit habe ich mir eigentlich, also auch schon früher, als ich in Hamburg gewohnt habe, ich habe zehn Jahre für den NDR in Hamburg gearbeitet. Aber ich habe mir immer einen Buchclub gewünscht eigentlich, so eine Community, mit der ich vor allem die Bücher lese, die so auch meinem ja lese Interesse entsprechen, die Bücher, die mich interessieren, die Bücher, die ich auch oft gar nicht finde. Und die so bei uns zu Hause, als ich groß geworden bin im Regal gestanden haben. Und das habe ich alles durch Instagram erst so nach und nach bekommen. Da sind Leute irgendwie dazugekommen und irgendwie haben wir dann angefangen, einen Buddy Read zu machen oder mal hier und da. Aber wir haben es dann doch irgendwie nicht geschafft, daraus eine richtige Gruppe zu machen. Aber irgendwann, ich weiß auch nicht, ich weiß auch nicht, wie lange es diesen Club schon gibt. Aber irgendwann haben wir es dann hinbekommen, dass dann doch immer irgendwie jemand gesagt hat, komm, was ist denn mit dem Club und wollen wir uns nicht treffen. Und beim ersten Treffen weiß ich noch, waren wir zu dritt und eine Person kannte ich schon, die andere kannte ich tatsächlich nur von Instagram. Und das war dann halt noch ganz… Ja, also auch eine Mischung aus alten Leuten, die ich kenne, aus Leuten, die ich irgendwie durch andere Kontext schon kannte und dann eben auch wirklich durch Instagram. Und dann saßen wir da und haben irgendwie geredet und dann ist das irgendwie größer geworden. Und das ist eine kleine Gruppe. Neun Frauen, zehn Frauen, also es sind auch nicht immer alle da natürlich, nicht alle schaffen es immer da zu sein, aber es ist fest. Und die Leute fragen danach und ich muss es nicht mehr initiieren. Also ich bin nicht mehr… Die sagt, oh Gott, ich muss das zusammenhalten oder ich habe die Verantwortung dafür, sondern es gibt immer jemanden, der ein neues Buch vorschlägt, es gibt immer jemanden, der eine Location vorschlägt und so ist das so ein organisches Gebilde. Und ich schwups da nur so mit und profitiere davon. Ja, und jetzt sind wir zum ersten Mal zusammen halt verreist.
Helen
Das war natürlich die Kirsche auf der Torte, ne?
Georgina
Total schön. Wir haben jetzt schon… Ne, wir haben jetzt einmal im Grunde so ein Leseretreat letztes Jahr gemacht. Im November steht das nächste an und ich finde es so angenehm, weil wir haben auch ehrlich gesagt wenig Programm. Alle wollen einfach sich entspannen, lesen natürlich. Und es irgendwie einfach mega, mega schön. Ich freue mich jetzt auch schon wieder auf das nächste.
Helen
Vor allem weil es wirklich mal so eine Auszeit vom Alltag ist. Und das ist ja auch im Grunde das, was du jetzt beschrieben hast. Bist halt mit Menschen unterwegs, die dich irgendwie auch noch mal auf eine andere Art und Weise verstehen. Ich muss immer an so ein Zitat von… Also ich weiß gar nicht, ob man dann sagt, es ist das Zitat von Lily King, aber aus einem Buch von Lily King. Da sagt sie, die Verbunden… Ne, die Liebe zu einem Buch schafft eine ganz besondere Art von Verbundenheit oder irgendwie sowas. Und ich finde, das merkt man unter Leser*innen immer total. Man kann da ganz anders bonden irgendwie, oder?
Georgina
Ja, total. Und dafür ist ja auch dieses Buchclub so schön, gerade in unseren jüngeren Zeiten, wo alle so isolierte Hause sitzen, wo alles schwarz-weiß gemalt auf Social Media ist, wo es keine Nuancen gibt. Und dann triffst du Menschen und Menschen, die offen sind, sich austauschen wollen, auch empathisch sind, gegenüber Geschichten, die in Büchern stehen, aber auch empathisch gegenüber Meinungen von anderen Leuten, die Bücher vielleicht ganz anders lesen. Und es bereichert am Ende ja so doll. Und wir sind immer erfüllt, wir sind immer so dankbar. Wir sind auch viele Mütter bei uns. Und wir kommen da an und es wird einfach… Man muss sich erst mal freiklopfen und alles abstreifen. Aber dann bist du da und das ist auch eine Art der Selbstfürsorge, finde ich, diese Treffen.
Helen
Voll. Ja, total. Ja, und das denke ich ganz oft generell beim Lesen, weil das Hauptargument ist ja oft, ich habe dafür keine Zeit. Deswegen denke ich so oft, dass das wirklich Selbstfürsorge ist, wenn man sich allein schon die Zeit nimmt, um zu lesen. Und einfach mal sagt, ich brauche jetzt mal eine Auszeit, oder ich möchte auch einfach nur gerade was lesen.
Georgina
Find ich gerade so auch, wir Frauen machen das, ehrlich gesagt, zu wenig, dann zu sagen, ich habe jetzt einfach mir eine Auszeit verdient oder nicht mal verdient. Ich will die einfach jetzt. Und ich beanspruche die für mich.
Helen
Ja, und genau.
Georgina
Ja, es gibt immer diese Frage nach, ist Lesen ein Privileg? Und die Diskussion sehe ich oft und führe sie auch manchmal mit Leuten. Und also viele, gerade so auch aus migrantischen Kreisen oder marginalisierten Kreisen, sehen das schon so. Und ich denke aber auch, dass das, wie wir schon jetzt gesagt haben, das ist eine Art von Selbstfürsorge ist. Und du kannst ja auch eine ganze Menge Netflix bingen. Und das machen auch die meisten. Und viele kennen alles Mögliche. Und Netflix ist für mich wirklich Büch, also das Äquivalent wäre, sowohl auf dem Wühltisch Bücher, gucken oder so. Es ist so viel Bullshit mal ganz klar gesagt, was wir uns da reinziehen und Lesen, das wissen wir alle. Es gibt auch Studien wie nur 15 Minuten am Tag, wie viel Stress das reduziert, wie das die Aufmerksamkeit schult, wie alle möglichen positiven Effekte dabei rumkommen. Und manche Leute sagen ja auch, ja, ich kann nicht lesen, weil ich schlafe dabei immer ein. Und dann denke ich halt so, ja, das ist doch super. Dann ist es doch genau das, was du gebraucht hast. Ich sag das immer, ja, dann schlafe. Dann schlafe. Nimmst mit in den Schlaf und dann ist es doch genau der richtige Effekt gewesen.
Helen
Ja. Ja, total. Kann ich nur zustimmen. Es ist also auf jeden Fall natürlich ein Privileg. aber ich glaube auch, dass wir oft schon schaffen, für andere Dinge und Zeit zu nehmen. Und also auch selbst wenn es auch nicht Netflix ist, aber irgendwie weiß ich nicht auch so, sich TikTok-Stunden eigentlich findet es ja auch so ein Rabbit Hole, wenn du es einmal öffnest. Siehst du was, am laufenden Bahn reinzuziehen oder auch YouTube-Videos oder sonst was. Also meistens haben wir irgendwo Zeitfenster und wenn man die vielleicht einfach durch was Neues mal auswechselt, ich glaube man spielt relativ schnell, dass das doch auch entspannen kann und auch einfach anders entspannen kann. Am Anfang ist es wahrscheinlich noch so dieser große Berg, aber das ist ja immer, wenn der Körper merkt, dass was gut ist, dann holt er sich das ja auch zurück. Also dann willst automatisch da auch wieder rein und wenn ich auf Social Media zu viel bin oder dann gucke irgendwie, was meine Videos auf Social Media machen, dann ist das für mich der Tag, an dem ich definitiv die App ausmache und lese, weil dann bin ich woanders und dann bin ich nicht mehr in dieser ganz komischen Welt gefangen, die dann irgendwie dieses schnelle Dopamin ausschüttet, sondern dann muss ich auch ganz stark da also konsequent rausgehen und sagen, okay, jetzt mache ich genau das Gegenteil, weil komischerweise ist das ja genau, die ist genau das Gegenteil von dem, was wir nach außen zum Beispiel auf Social Media machen. Deswegen ist dieses ganze Ding Bookstagram ja auch irgendwie ambivalent.
Georgina
Ja, das stimmt natürlich.
Helen
Oh, und ich hadere auch so ein bisschen damit, dass wir bei Instagram sind. Also ich habe immer so, das habe ich irgendwie vor kurzem auch geteilt, dass ich so die Hoffnung habe, dass wir irgendwann umziehen können in eine eigene App. Ist immer noch dann eine App, die man öffnen muss, aber ich finde es halt ehrlich gesagt total fatal zu sagen, so guckt bei uns auf dem Profil vorbei und tauscht euch mit uns aus, weil ich merke dasselbe, ich will nur eine Story hochladen, 10 Minuten in den Story, sondern irgendwann anders. Also ich lasse mich ja auch permanent ablenken und ich würde auch gerne einfach mal sagen, nehmt euch eine Social Media-Auszeit, aber es ist so ein bisschen kontraproduktiv gerade. Deswegen, ja, ich finde es ein sehr zweischneidiges Schwert irgendwie. Was will man machen, ne? Was wir jetzt gar nicht am Anfang gesagt haben, weil ich direkt abgeschwiffen finde, auch gut. Ist, dass du hinter dem Podcast und Instagram-Account Readers Gonna Read steckst, der vorher My POC Bookshelf hieß, den man ja vielleicht, ne, vielleicht kenne ich auch einige davon noch, was machst du bei dem Podcast und bei dem Instagram-Account, was kann man bei dir so finden?
Georgina
Also ich habe angefangen mit dem Projekt als My POC Bookshelf, genau und hab immer dazu gesagt, dass es um mein Bücherregal geht und damit um nicht weiße Autor*innen oder Autor*innen of Color aus Deutschland und der afrikanischen Diaspora. Das heißt, ich habe mich und das tue ich eigentlich auch immer noch fokussiert auf eher nicht weiße Literatur, auf Literaturen, die wir vielleicht nicht unbedingt immer auf den Bestseller-Listen finden, Romane, die vielleicht eher bei Indie-Verlagen oder sogar im Selbstverlag rausgekommen sind. Also einfach so, ja, bei Airbnb würde man das Rare Finds nennen, wir finden es nur nicht so oft und es wird uns auch nicht genug vorgestellt und bei mir war das aber natürlich, also nicht natürlich, aber es war einfach eine Selbstverständlichkeit zum Glück, dass ich diese Arten von Literaturen zu Hause hatte und ich habe mich immer gewundert, warum das alles, wenn ich es gefunden habe, entweder nur bei anderen Schwarzen Menschen zu Hause zum Beispiel gefunden habe oder so in universitären Kontexten, wie in der Afrikanistik oder so oder in aktivistischen Kreisen, aber nie im Mainstream und das ist so die Lücke, die ich versuche zu füllen und auch eine Brücke zu schlagen zwischen zum Beispiel weißen Menschen, die einfach wenig wissen über zum Beispiel afrikanische Literaturen, die nicht so viel wissen über karibische Literatur und den Leuten, die diese Bücher schon lesen oder die vielleicht auch nicht das Privileg haben, so viel zu lesen wie ich, die aber zum Beispiel auch Schwarz sind, die viel mehr wissen wollen über ihr kulturelles Erbe, aber nicht genug repräsentiert sind in zum Beispiel, weiß ich nicht, in Buchclubs oder in Literatur-Sendungen oder so und selbst wenn es in den Literatur-Sendungen vorkommt, dann ist es wieder eher ein weißer Blick auf diese Geschichten, aber es ist ganz, ganz selten oder eigentlich nicht existent, dass wir eine Schwarze Literaturkritik haben oder eine nicht weiße Literaturkritik und da springe ich so rein in die Lücke.
Helen
Ja, finde ich auch mega, mega spannend. Ist das aber auch manchmal irgendwie frustrierend, weil du damit vielleicht auch immer noch alleine bist oder hast du gar nicht das Gefühl, dass du damit alleine bist?
Georgina
Also es ist schon so, dass du Leute, die in diesem Feld unterwegs sind, suchen musst wie eine Nadel im Heuhaufen. Andererseits dadurch, dass ich eine Nische besetze, finde ich andere, die auch in diesen Nischen unterwegs sind und habe jetzt viel, viel mehr Kontakte zu Menschen, die sich dafür auch interessieren. Also für mich hat sich sehr viel sichtbar geworden. Also meine Arbeit macht Dinge sichtbar und für mich sind andere Leute auch sichtbar geworden, die mit ähnlichen Dingen zu tun haben. Aber frustrierend ist es natürlich trotzdem, weil ich natürlich nicht abdecken kann, was es alles gibt, die Vielfalt ist unendlich und ich bin nur Leserin, ich bin nicht Literaturwissenschaftlerin, ich bin Journalistin und ich kann nur, ja so wie du vielleicht auch, bin ich angetreten mit der Motivation zu zeigen, was ich gut finde und was mir gefällt. Und darüber auch so zu sprechen, wie jemand, der einfach nur ein Buch liest und nicht einen literarischen Aufsatz oder so, oder wie heißt das ein Vortrag hält, darüber irgendwie, was in diesem Buch steht oder was es bedeuten soll oder wie es im historischen Kontext zu verstehen ist oder so. Ich versuch das manchmal mitzuliefern und ich versuche mich im Podcast manchmal auch noch auszuprobieren, da ist noch längst nicht alles zu Ende gedacht und für mich ist das eine Spielwiese, auf der ich erst mal sagen kann, hier wird erst mal etwas sichtbar, was vorher gar nicht da war und wie dieses Format am Ende aussieht. Den Spielraum, den lasse ich mir, diese Luft lasse ich mir, da auch nicht fertig zu sein, sondern das einfach weiter zu entwickeln. Aber schön wäre natürlich Träumen natürlich von Strukturen, ich träume natürlich davon, dass es da mehr gäbe, dass es mehr Leute in dem Feld gäbe, mit denen man vielleicht auch kollaborieren kann. Es gibt so ein bisschen was, aber nicht so viel.
Helen
Ja, ich finde aber eigentlich auch ganz cool, weil das ist ja auch so der Vorteil, wenn man jetzt jemand gefunden hat, gerade so irgendwie weiß ich nicht, bei Bookstagram und Co. und die Person gibt Buchtipps und man merkt, dass irgendwie ein ähnlicher Geschmack wie ich den habe, so, dann kann man sich da ja auch langfristig drauf verlassen. Also wahrscheinlich hast du da auch sehr treue irgendwie Mitleser*innen, die sich denken, wenn Georgina dieses Buch empfiehlt, so die letzten zehn haben mir gut gefallen, das nehme ich jetzt auch in die Hand und das finde ich halt gerade den Vorteil, wenn du es so persönlich machst, aber auch da irgendwie so zweischneidig, weil es natürlich cool wäre, wenn es über die Flächendecken da wäre. Ich frage mich auch ganz oft, jedes Mal zum Beispiel im Februar denke ich so, sollten wir das jetzt irgendwie wieder aufgreifen und extra ein Motto ausrufen zum Black History Month, denn ich so, ist wahrscheinlich auf jeden Fall gut, aber ehrlich gesagt wäre es ja auch cool, wenn wir es nicht nur im Februar machen und also euch hier Sachen, da bin ich manchmal echt unsicher, wie man am besten damit umgeht. Hast du vielleicht Tipps auch für uns jetzt so als Buchclub, wie wir da Diverser lesen könnten? Also gut, wir finden sie bei dir auch jeden Fall die Buchtipps und können die aufgreifen.
Georgina
Also aus deiner Frage schließe ich, dass die Leserschaft auch nicht so divers ist?
Helen
Nee, würde ich nämlich auch nicht sagen.
Georgina
Und dann wäre die Frage, warum ist das so? Oder was denkst du, woran es liegt? Weil wenn sie diverser wäre, dann,
Helen
Entschuldigung, jetzt habe ich dich unterbrochen.
Georgina
Nein, nein, nein, machst du erstmal. Genau. Also die Frage kommt mir, weil wenn du fragst, wie können wir diverser lesen, wenn eine Gruppe divers ist, dann ist das automatisch etwas, was kommt. Das ist oft in Strukturen so, das ist natürlich auch in Redaktion so und das habe ich immer wieder in meinem Arbeitsleben erlebt oder wenn es jetzt ums Schulthema geht, es geht immer um diese Frage, wie können wir diverser sein oder was, wenn wir aber nicht in den Strukturen selber Diversität leben, dann wird das nicht kommen. Also wir können in Verlagen natürlich viel, viel mehr diverse Titel haben. Das heißt aber nicht, dass wir zum Beispiel Autor*innen aus Deutschland, die … Also, auch Diversität, da kann man sich irgendwie drüber ärgern über den Begriff. Mal das ja mit einer Normalität, eine gesellschaftliche Normalität, wo ein Teil, ein großer Teil ausgeschlossen wird. Das heißt, wenn wir Autor*innen, die benachteiligt sind, aus irgendwelchen gründen, sozialen gründen, ethnischen gründen, usw. und so fort, wenn wir die nicht mit rein denken und wenn zum Beispiel auch keine Programme aufgesetzt werden, Leute mehr ins Schreiben bringen, die … … Programme oder wo Lektorate einfach sensibel sind und sagen, irgendwie wir unterstützen, zum Beispiel mehrsprachige Autor*innen, mehr, damit auch diese Geschichten erzählt werden können usw. Dann kann man auch … von nicht von einer Vielfalt im Verlag sprechen. Also, eine Vielfalt im Außen heißt ja nicht wirklich vielfältig zu sein und das wirklich auch zu leben. Klar fängt's mit dem Titeln an. Das ist halt … und das ist das, was ich, glaube ich, sehr viel sehe, auch bei den Leuten, die mir folgen. Dass das anfängt mit einer Neugierde, mit einer Offenheit, wo genau diese Frage, die du gerade gestellt hast, sich anschließt. So, warum ist das nicht was, was wir sowieso sehen? Warum kommen Leute zu mir und sagen, ich hab irgendwie ein Video gemacht, fünf Länder, Geschichten aus Ländern, von denen du selten liest oder so und hab dann irgendwie Oman. Was war da noch dabei? Keine Ahnung. Jetzt hab ich Burundi, Angola, Sudan. Und so viele Leute haben gesagt, das ist so wertvoll, was du uns da zeigst, wieso ist das nicht verfügbar? Also, und für mich ist es eine Art von … Das ist ja Teil meiner Identität, sensibel darauf zu sein, Dinge auch wissen zu wollen, auch zum Beispiel vom afrikanischen Kontinent. Aber wieso ist das nicht etwas, was sowieso mitgedacht wird und so normal ist, dass es einfach accessible ist, dass es auch verfügbar ist und dass wir uns nicht denken, wow, da muss halt jemand irgendwie diese tollen Buchtipps. Und jemand hat mich gefragt, irgendwie, kannst du uns mal den Link schicken, wo diese ganzen Bücher sind? Das ist halt kein Link, das ist eine Erfahrung, das ist eine Recherche über mein ganzes Leben langmöhr, oder wie nicht. Das ist eine Art, wie ich auf Buchwelt schaue. Und ich sehe dann andere Titel, wenn ich irgendwie in die Buchhandlung gehe und kann damit gar nichts anfangen. Aber ich hatte ja auch nichts anderes in vielen Jahrzehnten meines Lebens. Da waren halt nur weiße Autor*innen. Und ich gucke da jetzt einfach anders drauf.
Helen
Das glaube ich auch, dass dann irgendwie … Das ist so ein bisschen wie, wenn man etwas erfährt, also weiß, dann kann man es nicht mehr nicht wissen. Und irgendwie … dann achtet man vielleicht auch anders drauf. Also bei uns ja so, dass die Community die Vorschläge macht und auch abstimmt. Es ist nicht gar nicht divers, aber ich finde irgendwie schon, da wäre deutlich mehr drin. Und ich hab mich jetzt gerade so gefragt, also das ist so ein Gedanke, den ich schon öfter hatte. Zum Beispiel mit dem Podcastcover. Wir haben das so … Wir haben da so ein Fotoshooting gemacht und hatten da auch irgendwie Ewigkeiten drüber nachgedacht. Und im Grunde, in dem Moment, in dem es im Kasten war, dachte ich so, das sieht halt null divers aus. Und ich hab aber vorher nicht drüber nachgedacht. Mhm. Und dann dachte ich so, blöd, ey, da ist jetzt Wochen, sind da reingeflossen, und ich hab's … nicht mitgedacht. Und weil du meinst, ne, so … Also du hast ja im Grunde gesagt, so wie du's rausgibst, kommt's auch zu dir. Und ich frag mich, ob das vielleicht auch der Grund ist, weil es nicht divers aussieht, dass es dann auch nicht eine diverse Leserschaft ist. Wahrscheinlich schon, ne?
Georgina
Ja, könnte ich mir vorstellen. Ich weiß auch nicht, wie sich grad dein Team ist. Also … Wenn jetzt im Team jemand wäre, wenn du jetzt sehr viel sichtbar wärst, es ist ja leider so, dass das so an der Sichtbarkeit auch hängt, ne? Wer redet da über was und so, und das sind dann … Ja, sehr … Ja, teilweise auch einfach so. Da wird einfach politisch, wer spricht über was und über wen. Wer darf … schreiben, wer darf … sprechen, wer wird verlegt, wer wird nicht verlegt. Das spielt da alles rein. Mhm. Und an genau dieser Schnittstelle sitze ich. Und ich glaube, ich adressiere das auch in alle Richtungen. Also auch, wer übersetzt auch, auch ein wichtiges Thema. Und die Leute, die das betrifft, die denken das immer mit, weil wir das immer mitleben. Und für uns ist das nicht … nicht unwichtig. Und klar, wenn die Bücher nicht … nur in bestimmten Ausschnitt an Lebensrealitäten widerspiegeln, die natürlich eine humane Erfahrung ist. Und jeder, ne? Keine Ahnung, blau und gepunktet hat auch eine menschliche Erfahrung. Aber wenn eine ganz realistische Lebensrealität, die einfach da ist für so viele Menschen, nicht unbedingt eine Rolle spielt, so in der Auswahl der Bücher, dann werden sich die Leute natürlich nicht angesprochen fühlen.
Helen
Ja, ja, ja, das kann ich mir gut vorstellen. Also, wahrscheinlich muss man dann damit starten, es schon anders zu zeigen. Um … Oder also quasi erst dieses Rausgeben verändern, um das anzuziehen. Um das zu verändern, was man anzieht, im Grunde, oder?
Georgina
Ja, wenn das möglich ist, Aber wenn ihr jetzt auch sagt, wir sind irgendwie eine sehr weiße Gruppe, dann kann man das ja auch … Also, es muss ja nicht sein, was davon ausgeht, dass man irgendwas weiß, das kann ja mit einer Frage anfangen. Und dann ist diese Frage eben, warum haben wir nicht mehr Literatur aus XY? Können wir mehr reinholen? Können wir mehr lernen? Und wenn dann vielleicht Fragen kommen … Also, ich glaub, sich solchen Fragen zu stellen, heißt ja auch immer wieder zurückgeworfen sein auf seine eigene Identität. Ich kann das nicht beantworten, weil ich keine weiße Person bin. Aber ich glaub, dass da ganz viele Dinge auch angestoßen sind und dass sich ganz viele Leute dann auch angetippt fühlen von Büchern, die vielleicht von einer Erfahrung sprechen, die ihr nicht teilt, an der ihr aber einen Anteil habt, weil natürlich Systeme sind, in denen einige profitieren und andere nicht profitieren. Das heißt, es gibt genug Diskussionen, die da angestoßen werden können. Ich weiß nicht, ob du kürzlich gelesen hast von Nora Osagiobare, Daily Soap. Nee. Das ist eine Schwarze Autorin aus der Schweiz. Mhm. Die hat eine Satire geschrieben über eine Daily Soap. Also, das ist ganz verwirrend und ganz wild und ganz wirr und ganz lustig und ganz scharfsinnig. Und als Schwarzer Mensch kannst du das super lesen, kannst dich total super drin finden. Und andererseits hat das aber in der Schweiz auch ganz, ganz viel angestoßen. In der Schweiz, in der in politischen Sendungen, wie Nora erzählt hat im Podcast, immer noch diskutiert wird, ob es Rassismus gibt oder nicht. Aber das hat unheimlich viel, auch mit der Identität der Schweizer gemacht, weil da jemand mit einem anderen Blick auch auf die Schweiz geguckt hat. Und so können die Menschen, die darüber noch nie nachgedacht haben, einfach mal mit so einem Außenblick auf sich selber auch schauen. Also, es öffnet die Türen ja in alle möglichen Richtungen. Und vielleicht, wenn ihr da jetzt auch noch am Anfang seid oder seht, da ist eine Leerstelle, dann nehmt doch einfach auch mal mehr Titel rein, die sich genau mit dieser Erfahrung beschäftigen, die auch viel mit euch zu tun hat, zum Beispiel.
Helen
Ja, also vielleicht dann doch wirklich mehr auch mit so … Weil, wie gesagt, die Vorschläge kommen halt von der Community, dass man halt vorher festlegt, wir machen mehr Motos im Grunde. Und dann, also, oder Themen. Und dann sollen die Vorschläge zu den Themen passen. Ich glaube, wahrscheinlich können wir es am besten so machen. Weil wir haben jetzt in der Umfrage, wir haben eine große Umfrage Mai gemacht und nochmal abgefragt, ist das wichtig, dass die Community entscheidet oder sollte das zum Beispiel vom Team kommen? Und da war die sehr große Mehrheit, die sich das so wünscht, dass die Community entscheidet. Aber dann kam das zumindest so ein bisschen auch … ähm … ja, ein bisschen irgendwie lenken oder zumindest sagen …
Georgina
Ja, was rein geben, ne? Also was kuratieren vielleicht auch. Die Situation, glaube ich, ich hab mich vorher oder am Anfang gar nicht so gesehen, als jemand der Tipps gibt. Ich hab mich immer dann fast so ein bisschen geärgert, dass die Leute immer gesagt haben, so, danke für die Tipps, das geht gar nicht um die Tipps. Ja. Aber das ist natürlich so das Praktische, was du mitnehmen kannst, aus dem, was ich zeige. Und irgendwann hab ich gemerkt, okay, it's all about the tips. Und das ist auch völlig in Ordnung. Alle wollen Tipps. Alle wollen Tipps. Und das ist ja auch … ja, ist in Ordnung. Ich gebe Tipps. Ähm … Aber ich glaube bei mir, die Leute, die mir folgen, die wollen auch dieses Kuratierte, weil was gelernt werden soll auch. Also es gibt ja 1.000 Gründe, warum du ein Buch lesen möchtest. Aber dieses Horizont-Erweiternde, dieses irgendwie, okay, wir haben hier ein Genre, wo ich auch selber mitwachse, wo ich Interviews geführt habe zu Afrofuturism oder African Futurism, was ich vorher nie gelesen hätte, weil mich einfach Science-Fiction nicht interessiert hat, gar nicht, 0,0 nix. Und ich plötzlich Zugänge gefunden habe, weil das an der Schnittstelle saß, die mich dann doch interessiert hatten, dann habe ich angefangen, so, OK. Und jetzt lesen wir im Buchclub ein afrofuturistisches Buch. Und manche meckern dann, blöder Future, Mist so. Aber. Das ist so Mind Expanding, also Dinge einfach auch zu lesen, die du sonst jetzt nicht so unbedingt in die Hand nehmen wolltest. Und das ein bisschen, ja, vielleicht tatsächlich ein bisschen oder vielleicht irgendwie könnte ja so ein bisschen kuratieren, so manchmal.
Helen
Ja, ja, nee, ich fand das irgendwie jetzt echt nochmal dann auch irgendwie wichtig, weil ich bisher dann so dachte, ist das vielleicht genau. Blöd, aber ehrlich gesagt, dafür gibt es wahrscheinlich auch den Black History Month, dass man extra sagt, es gibt so einen Zeitraum, da wird viel auch darauf aufmerksam gemacht. Wahrscheinlich ist es super sinnvoll, Themen festzulegen und zu sagen, in dem Zeitraum schlagen wir nur solche Bücher vor oder nur von weiß ich nicht. afrikanischen Autor*innen oder Schwarzen Autor*innen aus Deutschland oder so, dass man irgendwie so Themen vorher vielleicht festlegt.
Georgina
Ja, und ist ja auch einfach irgendwie auch, wenn ich dann merke, irgendwie ja, ich habe irgendwie einfach gar kein queeres Buch mal gelesen, irgendwie oder wir haben nie irgendwie ein Buch aus Palästina gelesen oder auch also, OK, so also das war jetzt nicht so Thema bei mir im Projekt oder im Podcast, aber so Autor*innen aus der Ukraine oder so. Also einfach Dinge, wo ich denke, irgendwie, das hat, das hat eine Relevanz, das hat eine große gesellschaftliche Relevanz. Und ich möchte diese Perspektiven, also ich möchte davon lernen und ich möchte das lesen und wissen. Dann kann ich natürlich nicht einfach sagen, ich lese nur, keine Ahnung, dies und das, keine Ahnung. Also ich versuche auch so ein bisschen mich so entweder so quartalsweise oder einmal im Jahr hinzusetzen und zu gucken, was ich so lese, damit ich, ich lieb das schon dieser Moment, weiß ich, wenn der, wenn das Buch zugeht und das, OK, jetzt kannst du wieder zu deinem Bücherregal gehen und gucken, irgendwie so, was ist denn jetzt als nächstes dran? Das ist ja auch ein schöner Prozess, weil das alte Buch noch so nachklingen, wenn dann fängt sowas neu an. Aber wenn du dich nur davon leiten lässt, was jetzt so als nächstes, worauf du Bock hast, dann verlierst du ja auch aus den Augen, was du wirklich auch lesen willst. Es gibt auch Sachbücher, die ich lesen möchte. Es gibt Reiseberichte, es gibt Biografien, die stehen hier und die will ich einfach dann irgendwann mal gelesen haben und nicht denken in fünf Jahren, auch bis jetzt habe ich immer noch nicht die Whitney-Houston-Biografie gelesen. Sie mir ist auch so wichtig, aber wenn sie mir so wichtig ist, warum habe ich sie denn nicht gelesen? Also mich selber da auch ein bisschen zu kontrollieren, sie mich selber ein bisschen zu kuratieren, damit ich einfach ein möglichst weites Blickfenster auch habe.
Helen
Das ist schön. Das finde ich eine richtig gute Idee, auch so ein bisschen so eine Analyse irgendwie auch zum. Und im Grunde, ich hatte im Vorfeld auch zu dir gesagt, dass ich diesen Spruch bei dir auf dem Profil mag, zeigt mir deinen Bücherregal und ich sage dir wer du bist. Im Grunde machst du das ein bisschen auch mit deinem eigenen nicht unbedingt Bücherregal, aber mit dem quasi deinem gelesenen Stapel. Guckst du ja an, was habe ich da gelesen und was fehlt da vielleicht noch?
Georgina
Genau, was fehlt da einfach? Ja, was nehme ich nicht in den Blick? So was ignoriere ich so ein bisschen?
Helen
Mhm. Finde ich super spannend und ich glaube, da kann man also da sind bei uns auf jeden Fall genügend Leerstellen noch, die man die man besetzen könnte.
Georgina
Sonst ist es natürlich schön, es ist dann halt so ja, ja. Und dann kommt das und kommt das und das ist alles schön. Aber du hast halt nicht so ein.
Helen
Ja, das ist ein bisschen wie ein Menü zusammenstellen oder so.
Georgina
Total.
Helen
Dass du halt nicht immer nur Nudeln isst. Ja, Pasta. Aber das finde ich irgendwie cool. Also ich bin manchmal auch so, ich mag es so an Analyse und so Auswertung auch einfach total gerne. Und als wir diese Filter eingeführt haben auf der, was wir lesen, Seite, macht ich halt auch total gerne einfach zu schauen, so welche Länder haben wir überhaupt schon dabei gehabt? Und wir hatten das, glaube ich, auch mal fürs Mediakit ausgewertet, so bekommen die Autor in meistens her, ich glaube nach Geburtsland oder so. Wir lesen uns halt meistens Deutschland und ich glaube dann noch USA. Und dann merkt man auch schon, OK, jetzt nicht so wahnsinnig viel Varianz irgendwie drin. Deswegen, ja, irgendwie habe ich da jetzt gerade
Georgina
Hab ich dich jetzt inspiriert?
Helen
Ja, voll gut. Voll gut. Du gibst ja auch Buchtipps bei COSMO. Wie, wo kann man dich da hören? Oder was kann man da hören? Wie oft? Wo findet man das?
Georgina
Die Tipps mache ich zweimal im Monat, immer am Samstag, immer so gegen halb zwei. Ich habe eine sehr, sehr nette Person. Shout out to Celine an dieser Stelle, die sich tatsächlich einen wegherstellt, einen Alarm. Sagt die, saugt irgendwie um die Zeit meistens die Wohnung und dann macht sie das aus, um dann meinen Buchtipp zu hören. Ich finde das so süß. Ich höre es mir normalerweise nicht an, weil, weiß nicht, vielleicht geht es dir auch so, dass du das nicht so nicht so unbedingt immer gerne nachhören willst, Aber genau, also zweimal im Monat. Und das ist immer jeweils ein Buchtipp. Neuerdings ist es auch so ein bisschen mehr Themen rund ums Buch, also irgendwelche TikTok-Trends oder andere Dinge, die mit dem Lesen zu tun haben. Die bespreche ich dann auch. Aber ich mache schon auch immer gerne nochmal einfach Tipps und versuche das so ein bisschen. Ja, auch das ist ja auch eine Art von Kuration. Zu sagen, was stelle ich Leuten vor? Was könnte denen gefallen? Was passt vielleicht auch zu COSMO und zu den Leuten, die das hören?
Helen
Was sind das für Leute, die das hören? Ich stell mir das eher so eine junge Zielgruppe vor. Ist das richtig?
Georgina
Nicht. Also früher waren die jungen, jetzt sind die alt. So wie ich. Ich glaube, das ist schon so ab 30 aufwärts. Bis Mitte 40. Dann werde ich nichts falsches sagen. Aber ja, also eher so die Garde. Und wahrscheinlich auch nicht so viele Leute, die unheimlich viel lesen. Also das sind jetzt keine Deep Cuts, sondern es ist wirklich irgendwie so ein bisschen. Für mich ist es immer, deswegen bin ich von diesen Tipps auch immer. Also wundere ich mich, dass die Leute mal Tipps wollen. Für mich ist es so ein einfach so ein Anstoßen von Ideen. Einfach irgendwie, hey, da gibt es Autor*in XY und schreibt über das und das und voll krass so. Und einfach das mal so im Mix zu haben, in deinem Gehirn-Mix, das reicht mir meistens schon.
Helen
Ja voll. Wenn du jetzt für dich nach Büchern schaust, weil du ja auch eben das Reel angesprochen hast, wo du die quasi die selten Länder, also irgendwie Bücher aus Ländern, die du wahrscheinlich selten liest, angesprochen hast, ist es dann auch so, wenn du bei deiner Analyse dadurch gehst, dass du merkst, ich hatte irgendwie noch nichts aus Algerien dabei, dass du dann sagst, ich mache mich aktiv auf die Suche oder geht es dir nicht so sehr um Orte und mehr vielleicht um Themen oder so.
Georgina
Ich finde, das ist so toll, dass du Algerien sagst, weil gerade eben habe ich was über Algerien gepostet.
Helen
Oh, yes. Verlinken wir also jetzt bei Instagram dann wahrscheinlich.
Georgina
Ja, genau. Also Verlage, ich gucke ja selber durch die Verlagsprogramme auch und gucke, was kommt auf uns zu, was könnte mich interessieren. Und dadurch bin ich auf einen Buch aufmerksam geworden. Utopia Algeria heißt das. Ist ein ganz tolles Buch, 160 Seiten, aber wirklich ein Streifzug durch Algerien mit Erinnerung an die Familie und alles so. Ja, das kleine, das familiäre reflektiert das große Ganze und die aktuelle politische Situation, die Historie, die Kolonialzeit mit den Franzosen. Also ganz toll, ganz eindrücklich hat mich total nachdenklich hinterlassen auch da also gerade bei den Kolonial, also bei den Ländern, die zum Beispiel französisch oder portugiesisch unter französischer oder portugiesischer Kolonialherrschaft standen, gibt es eben auch Übersetzungsprobleme. Also das ist ja nicht immer so, dass wir alles bekommen. So die vielleicht haben wir deswegen auch zum Beispiel viel mehr aus Nigeria. Aber wenn mich Leute fragen, hast du was aus Mali oder hast du was aus Côte d'Ivoire, also Elfenbeinküste oder so, dann muss ich selber erst mal nachdenken, weil nicht immer alles dann aus dem französischen auch übersetzt ist. Also das ist auch ein Problem. Ein anderes Problem ist, dass zum Beispiel auch Autor*innen in Afrika gar nicht in ihren eigentlichen Sprachen schreiben, sondern in ihren Kolonialsprachen. Oft auch, wenn sie die Möglichkeit haben ins Ausland zu gehen, Also die Marginalisierung, die schreibt sich sofort und fort und fort und wehr schafft überhaupt irgendwie an einen Verlag zu kommen, an einfach größer verliegt zu werden und deswegen auch viele Schwarze Literatur. Da bist du dann auch schnell in den USA und nicht so häufig in Afrika. Aber ja, ich glaube, da habe ich einfach so über die Jahre schon den Blick geschafft, dass ich sehe, da ist ein Buch aus dem Land irgendwie, das muss ich unbedingt lesen. Also das auch aus dem Osmanischen Reich ist total interessant. Das ist eine osmanische Autorin, die, ich weiß gar nicht, wann das Buch rausgekommen ist, aber das ist das erste Buch einer osmanischen Autorin, das jemals auf Englisch übersetzt worden ist. Und dieses Buch ist jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erschienen, jetzt gerade ganz frisch. Und dann sowas finde ich dann natürlich so. Also ich sehe das, weil ich das weiß und übersetze es in: schaut mal, wie wichtig das ist, schaut mal, wie cool das ist. Am Anfang ist es natürlich, erst mal stehst du da und es ist einfach, es ist ein Meer von Möglichkeiten und ich hätte mich dumm und dämlich kaufen können. Und das Buch und hier und da und auch alte Ausgaben und weiß ich nicht was. Ich gucke das schon, aber ich gucke auch einfach nach dem, was mich interessiert. Also ich mache jetzt keine literarische Weltreise, wie viele Leute dann so gleich denken, dass sie so denken, so ja, ich würde gerne mal alle Länder der Welt bereisen oder so. Ich finde, es ist auch so eine Sicht, die sehr viel mit Privilegien zu tun hat. Ich komme aus einer anderen Sicht. Also ich sehe das eher politisch, gesellschaftlich und gucke von dort und mache dann meine Picks. Allerdings sehe ich dann auch, dass ich halt, weil ich einen nigerianischen Hintergrund habe, hinterfordern, was für ein Grund auch immer, dass ich dann total viele Bücher aus Nigeria habe und irgendwie keine Ahnung, aus Benin nicht so viele.
Helen
Ja, total. Und was ich daran auch echt schwierig finde, selbst wenn du jetzt sagst, du willst Benin mehr, nur da irgendwie mehr lesen, wenn du das jetzt irgendwie bei einer Buchhandlungswebseite eingibst, kriegst du halt vielleicht Reiseführer bei Benin, Also und das finde ich ein echt schwierig da überhaupt auch an Buchtipps zu kommen. Und ich glaube deswegen ist das auch so wertvoll, was du teilst, weil man das gar nicht so oft findet, selbst wenn man danach sucht.
Georgina
Genau. Und das ist wirklich ein Strukturproblem vor allem.
Helen
Ja. Was ich mich frage, ist das dann aber auch so, also du hast jetzt eben geteilt, dass es für dich bald nach Brasilien geht, machst du das dann manchmal auch so, also erstens guckst du, hast du vor vor Ort auch nach Büchern zu schauen oder also ich mein, da müsste man wahrscheinlich irgendwie eine englischsprachige Buchhandlung oder sowas finden. Oder ist das auch so, dass du gezielt dann, ich weiß jetzt nicht, wie sehr dich da Brasilien und die brasilianischer Literatur interessiert, aber würdest du dann auch gezielt dir Bücher zum Beispiel mitnehmen von brasilianischen Autor*innen, also entweder mit dahin oder von daher?
Georgina
Also das sieht man ja jetzt nicht. Aber ich habe hier, wenn du es nicht auf den kennst, es ist ein zeitgenössisch, also ein junger Autor aus Brasilien, Geovani Martins und das ist ein Buch aus der Favela und das habe ich noch nicht gelesen. Ich wollte vorherlesen, jetzt denke ich irgendwie, ah, ich weiß nicht, soll ich es wirklich vorherlesen? Wie trübt es irgendwie mein, das oder beeinflusst es meine Erwartung zu sehr? Ich glaube, ich lese es dann danach. Wenn ich dort irgendwo bin und ich sehe eine Buchhandlung, dann bin ich dann natürlich gleich eine halbe Stunde weg. Können die Leute mich dann später abholen? Also das ist schon interessant. Ja klar, manchmal muss man wirklich, das sind Deep Cuts, also ich kann natürlich kein Portugiesisch, ich müsste nach englischen Sachen gucken, aber auch wenn ich zum Beispiel in New York bin oder in Los Angeles, dann gucke ich, mein Partner kommt von dort und dann gucke ich so. Dann finde ich natürlich völlig andere Sachen, die mich dann auch nerven, weil die alte Ausgaben sind oder weil ich dann wieder auf Englisch lese muss, was mich total stresst, weil ich lese halt viel lieber auf Deutsch. Aber ja, das würde ich auf jeden Fall machen, auch weil Brasilien ja eine große afro-brasilianische Bevölkerung hat. Und das ist die größte Yoruba-Ansammlung, also die Ethnie, zu der auch mein Vater gehört, außerhalb von Nigeria.
Helen
Ach krass.
Georgina
Und hat sich da logischerweise dann anders entwickelt, aber das ist also, das ist die gleiche Sprache, auch die mein Vater spricht. Und da muss ich natürlich schnüffeln und gucken und erleben und da gibt es bestimmt Bücher, die ich hier niemals finden würde, so wenn ich jetzt einfach irgendwie bei Google reingehe und gucke.
Helen
Und irgendwie ehrlich gesagt, das finde ich egal, wo man ist, eigentlich immer so das coolste. Ehrlich gesagt, selbst wenn ich hier in Bonn eine neue Buchhandlung entdecke, ich finde jede Buchhandlung hat ja auch eine total unterschiedliche Auslage und einfach so ein bisschen zu stöbern, wo haben die hier den Fokus drauf gelegt und irgendwie was empfehlen die mir. Aber das finde ich natürlich im Ausland nochmal spannender, ehrlich gesagt. Und zu gucken, so was habe ich vielleicht bisher noch gar nicht auf dem Schirm gehabt. Ja, auch die südamerikanische Literatur kolumbianische Autor*innen. Ist halt einfach irgendwie was anderes. Und irgendwie weiß ich, ich habe da glaube ich, wie so ein, das stelle ich mir auch gerade so ein bisschen bei dir vor, wie so ein Trüffelschweinmodus und du versuchst, die Schätze zu entdecken irgendwie, um sie dann empfehlen zu können.
Georgina
Genau. Meine Mutter nennt mich immer Trüffelschwein, nicht nur was Bücher angeht, sondern generell im Leben. Also das trifft es sehr gut.
Helen
In meinem ersten so, zwar wie so ein Studentenjob, glaube ich, zu der Zeit noch, da wurde mir das immer gesagt, ich soll den Trüffelschweinmodus anstellen. Ich fand es richtig schwierig, auch zu verstehen, was meine Vorgesetzte damit meint. Aber jetzt muss ich ganz oft noch daran denken, dann denk ich so, okay, Trüffelschweinmodus an und die Schätze entdecken und so finde ich das irgendwie auch gerade mit Buchhandlungen. Weil es ist im ersten Moment, wenn du in eine Buchhandlung reinkommst, ja auch total überfordernd. Du hast ja wahnsinnig viel und dann musst du wieso von dem, wie würde man das sagen, also von diesem Weitblick reinzoomen eher und dann guckst du dir die einzelnen Titel an und im Grunde finde ich, ist das ja Trüffelschweinmodus.
Georgina
Bin ich total gut, dass du das sagst? Da werde ich mich auch gut daran erinnern können an den Trüffelschweinmodus, weil das geht ja nicht nur für Bücher, sondern es ist ja auch eine Art von Attitude, die du hast. Also zu sagen, ich erwarte, also ich mache zum Beispiel morgens die Augen auf und ich erwarte einfach das, was Gutes passiert. Also ich gehe schon in Receiver Mode, ja, dass ich schon weiß, irgendwie heute werde ich was Tolles bekommen und komischerweise, ja, macht es ja dann auch einfach die Chancen auf, dass es wirklich passiert.
Helen
Toll und das erinnert mich gerade, ist auch jetzt eigentlich nochmal so ein bisschen so eine Grätsche, aber ich krieg ganz oft zurück gemeint, weil ich liebe Bücherschränke total, ich kann auch an keinem Bücherschrank vorbei gehen und dann wird mir ganz oft gesagt, ja, aber ich finde da nie was Gutes und dann denke ich so, also ich gehe da auch nie hin und suche irgendwas, sondern ich gucke einfach und dadurch finde ich immer, ich weiß nicht, ob das einfach, ne, ob man da vielleicht zu sehr irgendwelche Erwartungen hat, weil man sieht, ich entdecke da irgendwie was, aber ich habe einfach nie die Erwartung, dass ich was finde, sondern ich lasse mich einfach berieseln, aber wenn wir da schon dabei sind, dann ist wahrscheinlich, wenn in Buchhandlung vielleicht schon zu wenig an POC-Autor in dabei ein Bücherschrank wahrscheinlich so gut wie nichts, oder?
Georgina
Nein, also ich gehe auch an jeder Kiste vorbei, die auf der Straße steht zu verschenken und gucke, was da drin steht, aber ja, also da wird es wirklich ganz mau.
Helen
Ja, kann ich mir vorstellen, dass man eigentlich wie so eine Kampagne starten und in den Bücherschränken ganz viel verteilen. Ja, aber so wird es auch mehr verteilt werden, ne?
Georgina
Ja, aber die Bücherschränke sind auch alt. Ja, alte Ausgaben, ganz alte Sachen und es ist auch gar nicht so, also es ist ein relativ neues Phänomen, dass wir überhaupt mal auch mehr sehen, das muss man auch sagen. Also ich bin da ganz froh, dass ich in dieses Projekt eingestiegen bin, weil ich einfach Leserin bin und ich hätte alles verpasst, also ich hätte wahrscheinlich gar nicht mehr mich erinnert, wie gern ich lese. Also ich habe mich jetzt als Leseperson gar nicht so begriffen so in den letzten Jahren, ich habe das eigentlich irgendwie vergessen und wenn ich hier saß mit meinem Kind und gestillt habe, dann habe ich auf meinen Bücherregal geguckt, zwar Corona und ich dachte irgendwie so, hm. Ich habe hier Bücher und ich kannte auch Bookstagram nicht. Ich kannte diesen nix.
Helen
Nee, ich auch nicht.
Georgina
Ja. Und dann habe ich geguckt und dachte irgendwie so, ah irgendwie, also eigentlich müsste man mal dieses Lesen wieder aktivieren und so habe ich eigentlich den Zeit, also so bin ich in den Zeitgeist eigentlich wieder reingestoßen und da bin ich ganz happy, sonst hätte ich das wirklich einfach, hätte ich auch verpasst diese Entwicklung auch.
Helen
Ja. Voll cool eigentlich auch, wie das manchmal so, also wie einfach auch Zufälle zu so großen Veränderungen auch führen. Mhm. Weil es wird ja auch dein Leben verändert haben, dass du diesen Podcast und diesen Instagram Account und was weiß ich alles hast, ne und dass das auch da einfach aus einer spontanen Idee entstanden ist. Weil es nicht, manchal kann ich mich in sowas auch total verlieren, weil ich so denke, ich stelle mir auch vor, du hättest das irgendwie anders entschieden oder keine, oder du hättest stattdessen das Töpfern für dich entdeckt. Wäre vielleicht auch cool gewesen, aber es wäre einfach eine ganz andere Welt. Mhm.
Georgina
Aber da stellst du ja auch die What-If Frage und die What-If Frage ist ja auch die Frage von der eigentlich jedes gute Buch anfängt. Also vielleicht schreibst du ja auch selber mal eins. Wer weiß.
Helen
Oh, das ist ne gute Frage für dich. Hast du das bei dir auf dem Schirm?
Georgina
Ja, ja. Was du dir vorstellen kannst? Ja, ja. Ja, ja.
Helen
Also noch nicht so konkret?
Georgina
Doch, doch, ist total konkret. Ja? Also wirklich ist eigentlich sehr konkret. Also das Produkt ist konkret, der Weg ist ganz unkonkret. Es gibt überhaupt keine, nicht einen Step oder einen Plan oder eine Vision davon, wie dieses Produkt in die Welt kommt. Aber wenn ich es schreiben sollte, dann weiß ich genau, was ich da schreibe. Ich weiß sogar schon, wie es heißt. Also alles schon fertig.
Helen
Aber glaubst du nicht, dass sich der Weg dann entwickelt, sobald du einfach auch anfängst?
Georgina
Ja, total. Aber ich bin so ein bisschen zerfasert in all den Ideen und Vorstellungen, die dieser Weg jetzt gehen könnte.
Helen
Oh, kenne ich.
Georgina
Also ich sehe auch, ich habe jetzt eine letzte Folge gehört. Ich habe einen Eindruck davon bekommen, wie viel Arbeit diese Buch-Community machen muss. Und ja, es gibt so viele Wege. Und ich bin halt auch durch und durch Medienmensch. Das weiß ich schon immer. Und das Buch ist die eine Schnittstelle und Medien ist die andere Schnittstelle. Und ich bin ja Journalistin. Und für mich ist da, wo ich bin, bin ich schon total richtig. Und dadurch, dass dieses Buch jetzt in dieses andere Reingelegt hat, ist es so eine Superkongruenz. Also ich bin da so total happy drin und habe gar nicht diese große, also ich werde oft gefragt wegen Buch. Das ist nichts, was so raus muss irgendwie. Also es wäre total schön, wenn es so wäre. Und wahrscheinlich ist das auch wieder eine so eine Lücke, weil ich eine Geschichte erzähle, die wenig erzählt ist in Deutschland. Aber es drängt nicht so, Also ich bin ganz happy damit noch zu überlegen, wo dieses Mediending an sich irgendwie mich hinbringen kann, wie ich das weiterentwickeln kann, wie ich das größer machen kann. Und da bin ich jetzt gerade irgendwie noch so doll mit beschäftigt und auch mit Kind ist es einfach so, dass ich so wenig Zeit habe. Das ist auch so das Frustrierende daran. Wäre irgendwie schön gewesen, wenn ich die Idee schon vor zehn Jahren gehabt hätte und schon vorher gemerkt hätte, dass ich nicht mehr in Hamburg leben möchte und nicht mehr TV-Journalismus machen will. Aber gut, ist halt jetzt so gekommen. Aber ich kann mich damit auch noch irgendwie ein paar Runden beschäftigen. Ich bin da sehr happy mit und ich liebe das auch. Also ich bin auch so jemand, der dann durchzieht und ich liebe das und ich gehe da drin auch auf. Also ich arbeite einfach auch sehr, sehr gerne und vor allem arbeite ich gerne an Dingen, die mir, an die ich glaube und wo ich denke, dass die nützlich sind und dass ich da richtig bin. Und ich bin genau da, wo ich sein sollte. Und cool ist, das sagen zu können.
Helen
Ja. Das ist wirklich so.
Georgina
Voll schön.
Helen
Ja und ich meine, es läuft hier ja nicht weg.
Georgina
Genau.
Helen
Also hat man ja auch das Gefühl, man hat Druck und man hat keine Zeit und man muss alles auf einmal und so. Aber es ist ein Marathon. Ist es kein Sprint?
Georgina
Oh ja, total.
Helen
Also und gerade wenn du sowas so ein eigenes Projekt auch hast, also wie den Podcast dann. Also natürlich kannst du den jederzeit aufhören. Aber es wäre ja total schade, wenn man sich direkt am Anfang verausgabt und nicht so eine für the long run dabei ist.
Georgina
Bei mir auch denken, dass es alles so einen Effekt haben muss. Also es muss halt irgendwie alles dies, das, dies und alles muss dann und dann da sein. Aber es ist ja gar nicht so. Und du hast ja auch eine Vision von etwas gehabt und bist da irgendwie rein und du wächst ja auch damit. Und jetzt veränderst du dich und machst neue Sachen. Was nicht da ist, kann auch nicht perfekt sein. Also du kannst Sachen perfektionieren, die vielleicht irgendwie seit 30 Jahren irgendwie so und so laufen und sagen, jetzt bringt das Duschgel die neue, das neue Formula raus und das riecht besser. Aber das geht mit solchen Projekten nicht. Wo nichts ist, kann es nicht perfekt sein. Und das ist auch voll okay so.
Helen
Total vor allem ehrlich gesagt, ich versuche mich wirklich auch von dem Perfekt. Also weil ich habe manchmal so perfektionistische Tendenzen. Ich habe mich da eigentlich sehr weit von gelöst, aber das passiert mir doch noch manchmal. Und ich merke so, dass mich das so blockiert und ich versuche immer wirklich eigentlich bei allem eher zu sagen, lass uns irgendwo starten. Und dann gucken, was wir für Feedback bekommen oder was alles nicht funktioniert. Also es funktioniert meistens ganz viel nicht. Und dann kann man daran irgendwie anknüpfen. Manchmal habe ich das Gefühl, dadurch bin ich auch total so unemployable, weil das ja total viele Leute stressen würde. Aber für mich und so für das, was ich hier aufgebracht habe, funktioniert es irgendwie total gut. Und mich stresst es eher mehr, wenn ich das Gefühl habe, ich muss das von Anfang an perfekt machen. Ja. Ich weiß nicht, wie es dir da geht.
Georgina
Ich war total perfektionistisch immer. Ich habe immer alles super duper gemacht. Es ist auch einfach so, dass du also da will ich gar nicht mit anfangen. Ja, also im Journalismus, schwarze Menschen im Journalismus. Das ist einfach irgendwie die Zugänge sind nicht da. Wissen ist nicht da. Du kommst da gar nicht rein. Du musst dich so dermaßen um die eigene Achse drehen, rein bohren mit dem Kopf durch die Wand und immer wieder rein immer wieder versuchen. Und ich bin einfach jemand, der sehr viel Idealismus hat und auch einfach gerne gechallenged, glaube ich schon von solchen Sachen. Also ich wollte unbedingt, ich wollte auch schon immer Journalistin sein. Und ich wollte das oft einem wirklich professionellen Niveau machen. Und als ich dann bei verschiedensten Medien angefangen habe, ich war auch bei Radio Bremen ein bisschen Praktikum gemacht. Ich war bei der BILD-Zeitung. Ich war beim Spiegel. Ich war auf Mallorca bei der Mallorca Zeitung. Also ich habe so alle möglichen komischen Sachen ausprobiert. Und als ich beim NDR war, da wusste ich irgendwie, ich will dahin. Ich will das auch machen und ich will das auch so lernen. Dummerweise macht jetzt KI alles. Und nicht alles, aber trotzdem ist es irgendwie ein komischer Beruf, heute Journalistin zu sein. Aber. Ja, ich wollte das unbedingt. Ich musste einfach auch und ich meine die Geschichten kennst du wahrscheinlich, du musst besser sein, auch als die anderen, um gesehen zu werden, um reinzukommen. Und das ist was, was ich. Ach, das ist wirklich, das, das, das springt wirklich den Rahmen. Aber ich bin auch gut durch die Schule gekommen, weil ich immer gut war und so. Und ich bin halt jemand irgendwie der die Sachen, die ich liebe, die mache ich auf so einem ganz leidenschaftlichen tollen Niveau. Und da bin ich auch, da fallen mir die Sachen leicht. Und die Sachen, wo ich richtig, richtig schlecht bin, die vernachlässige ich auch komplett und sag, ich habe überhaupt keinen Bock da drauf. Und da gibt mir doch eine Fünf, das ist mir wurscht. Und ich mache Sachen so mit, mit dieser, mit dieser Leidenschaft. Ich habe aber, als ich den Podcast hier angefangen habe, auch wirklich gesagt, ich kann nicht die gleichen Maßstäbe, die da immer draußen an mich gestellt werden, an mich selber stellen, weil die machen uns kaputt, die zermürben uns, die das sind Narrative, die wir vielleicht auch gelernt haben, auch irgendwie über Eltern oder über Erfahrungen, die wir im Berufsleben machen, auch als Frauen. Dieses Spiel spiele ich an dieser Stelle jetzt einfach mal nicht mit. So. Und ich glaube, das war auch die Chance oder das war vielleicht auch der Mut, den andere gesehen haben, dass, dass ich mich dahingestellt habe und gesagt habe, ich probiere das jetzt aus. Und ich rede jetzt über Toni Morrison, wo ich dachte, ich kann noch nicht mich hinsetzen und alleine 30 Minuten über Toni Morrison reden, über ein Buch von Toni Morrison. Wer bin ich denn? Aber ich habe es trotzdem irgendwie gemacht. Und das war nicht komfortabel. Aber ich musste mir so auf Englisch sagst du, to give yourself grace. Ja, also das denke ich jeden Tag. Give yourself grace wirklich. Und dann geht das, das ist tausendmal besser als dieser dämliche Zerstörende. langweilige Perfektionismus auch.
Helen
Ja, ich finde wirklich, ich sehe das mittlerweile eher als was Schädigendes. Irgendwie, weil es meistens ja nicht wirklich gut tut. Also wir machen es ja dann nicht mit Entspannung und Freude. Also in meinem Kopf ist das eher auch verknüpft, mit so was verbissen. Aber vielleicht, weil ich das für mich jetzt auch schon so weiß ich nicht, verklärt habe. Aber ich glaube, mir hat es ein bisschen geholfen, mich davon zu lösen, weil ich gemerkt habe, das ist für mich nicht mit Spaß verbunden, wenn ich versuche, etwas perfekt zu machen.
Georgina
Ja, und ich glaube, das ist auch total schwierig, auch dieses Loslassen dann auch manchmal und zu sagen irgendwie, OK, ich mache jetzt den Freiflug. Ich weiß nicht genau, wo ich da lande. Ich halte mich jetzt nicht nur an Skript oder ich moderiere jetzt mal ohne meine Karte mal kurz, weil ich habe jetzt gerade irgendwie die und die Ideen und verlasse jetzt mal irgendwie den Weg. Und dann merkst du, dass du, obwohl du ja, weiß ich nicht, dieses Dreirad, diese Räder, diese komischen, diese Stützräder nicht mehr hast, dass es trotzdem irgendwie vorwärts geht. Und das ist ja die tollste Freiheit und das tollste Gefühl, was du haben kannst. Weil da, this is where the magic happens. Aber da trauen wir uns halt meistens nicht hin. Und Deutschland ist jetzt ehrlich gesagt auch nicht das Land, in dem ihr ständig jemand sagt, wie toll du bist oder irgendwie was du heute und es gemacht hast. Aber traut ihr super in Mexiko, ich weiß so was. Oder auch in den USA immer. Die Leute sind viel zu great. Oder irgendwie, weiß ich nicht, ich kam in Mexiko, in die Klasse, irgendwie alle klatschen, freuen sich. Egal, was du vorhast, super, richtig toll, mach mal. Und so finde ich voll spannend, go for it. Das hast du ja hier nicht. Hier wird ja immer erst mal, hey und wieso. Bist du sicher? Ja, hast du das mal irgendwie richtig durchdacht und hast du es durchgerechnet vor allem?
Helen
Hast du es durchgerechnet?
Georgina
Genau. Und gerade Frauen, Frauen, die auch Unternehmen gründen, die sich Sachen trauen, wir haben dieses Wissen nicht, wir haben es nicht vermittelt bekommen groß. Wir werden nicht, wir werden dazu nicht ermutigt. Und wir sind also von Familie gar nicht zu reden, einfach in diesen Rädern, in diesen Produktivitätsrädern verfangen, wo sollen wir denn da anfangen, und solche Sachen auch zu trauen. Also, wir sollen das schaffen. Also ist doch ganz klar.
Helen
Ja. Da bist du da ganz weit vorne.
Georgina
Ja, ja, ach Gott,
Helen
also ich hab das Gefühl, da könnten wir noch mal eine ganz eigene Podcast-Folge zu machen.
Georgina
Zu auf, nee.
Helen
Zu Perfektionismus, zu irgendwie Projekte angehen, sich was trauen und keine Ahnung. Aber ich hatte dir im Vorfeld gesagt, dass ich diese Uhr hab laufen lassen, die ist natürlich abgelaufen.
Georgina
Abgelaufen.
Helen
Aber ich fand es einfach zu spannend. Und ja, ich hoffe einfach, dass erstens Podigee das zulässt, und dass die Zuhörer*innen genauso viel Spaß dran hatten. Vielleicht sagst du noch mal zum Abschluss, wo man dich überall findet, wo kann man mehr Georgina bekommen und mehr Tipps von Georgina?
Georgina
COSMO, da bin ich alle zwei Wochen und mache einen kleinen Buchtipp immer so um halb zwei. Ansonsten findet man den Podcast auf allen Podcast-Plattformen, wo ihr Podcasts hört, also Apple-Podcasts, Spotify, etc. Und natürlich auf Instagram, weil da teile ich massiv, massiv Buchtipps aus allmöglichen Regionen, aus meinen ja tausend alten Büchern, aus meinem Bücherregal. Ja, ich glaub, da findet man was.
Helen
Readers Gonna Read und wir teilen, also wir verlinken auch noch mal alles in den Show-Notes. Ja, ich würde sagen, wir trinken unser Pils in der Uckermark zu Ende und verabschieden uns an der Stelle von den Zuhörerinnen. Ich danke dir auf jeden Fall sehr für den total ehrlichen Einblick. Ich hab so das Gefühl, wir haben jetzt ein neues Projekt vor der Brust. Wir müssen erst mal analysieren und dann Leerstellen besetzen.
Georgina
Ja, ich danke dir für das Gespräch und würde sagen, wir hören uns ganz bald noch mal.
Helen
Ja, das hoffe ich auch.
Georgina
Vielen, vielen Dank für die Einladung, hat mich sehr gefreut.
Helen
Immer gerne.




