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Eine Frage in der Straßenbahn – und zehn Jahre später ein Debütroman

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Podcast · Folge 142

Eine Frage in der Straßenbahn – und zehn Jahre später ein Debütroman

Ina Bhatter hat die Idee zu »Drei Tage im Schnee« über zehn Jahre mit sich getragen, bis die Form stimmte. Über den Schlüsselmoment, das Schreiben zwischen neun und halb vier und die Frage, wie viel Autorin in einer Figur steckt

14. Januar 2026 · 52 Minuten · Ganze Folge hören ↓

Ein grauer Novembermorgen in Berlin, eine Straßenbahn um zehn. Müde Gesichter, Blicke auf Smartphones. Und ein kleiner Junge, der seine Mutter laut fragt, wo eigentlich all diese Leute hinfahren. Aus dieser Szene ist über zehn Jahre später ein Roman geworden. Wir haben mit Ina Bhatter darüber gesprochen, warum es so lange gedauert hat – und was zwischen erster Idee und fertigem Buch alles passiert.

Ina Bhatter

Ina Bhatter

Autorin

Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin und schreibt dort, während ihre beiden Kinder in der Schule sind – von neun bis halb vier. Schriftstellerin wollte sie schon in der dritten Klasse werden; einen ersten Roman, einen in Frankreich spielenden Thriller, schrieb sie mit achtzehn, neunzehn in den Semesterferien. Ihr Debüt »Drei Tage im Schnee« erschien im Oktober 2025 bei Kiepenheuer & Witsch. Am nächsten Buch schreibt sie bereits – verraten will sie darüber noch nichts. Bei Instagram findet man sie als inabhatter.

Foto: Fiona Körner

Der Junge in der Straßenbahn

Den Auslöser kann Ina Bhatter genau benennen. Vor über zehn Jahren fuhr sie an einem grauen Novembermorgen in Berlin zur Arbeit. Alle um sie herum wirkten müde und uninspiriert, starrten auf ihre Smartphones oder vor sich hin. Niemand sah aus, als hätte er gerade eine Vision.

Neben ihr saß eine Mutter mit einem kleinen Jungen, der sich dieselben Leute anschaute und dann laut fragte: Mama, wo gehen eigentlich die ganzen Leute hin? Zur Arbeit, sagte die Mutter. Warum? Das macht man eben so, wenn man groß ist. Warum? Sie versuchte zu erklären, wollte das Gespräch beenden – alle hörten mit –, und irgendwann gingen ihr die Erklärungen aus. Am Ende sagte sie: Du wirst auch mal arbeiten, wenn du groß bist. Der Junge guckte trotzig und antwortete, er bleibe einfach zu Hause.

Was Ina Bhatter daran nicht mehr losgelassen hat, ist die Frage dahinter: Wie wird aus einem Kind, das noch so viele Träume und so viel Zuversicht hat, ein Erwachsener, der irgendwann nur noch Dinge tut, ohne darüber nachzudenken, was er eigentlich will?

Und dieser Funke, der da so entzündet wurde in dieser Tram, der hat dann so ein großes Feuer entfacht, dass ich das nicht mehr losgelassen habe.Ina Bhatter

Zehn Jahre bis zur richtigen Form

Die Idee war früh da, die passende Form nicht. Eine erste Fassung hatte eine ganz andere Handlung, viel mehr Personen, eine andere Geschichte. Erst nach Jahren wurde ihr klar, in welcher Ecke diese Geschichte funktioniert: reduziert, entschlackt, im Grunde zwei Figuren an einem Ort, an dem sonst nicht viel los ist.

Auch das Genre hat sie nicht vorher gewählt. Sie hatte die Geschichte, und irgendwann merkte sie, dass sie in dem Bereich am besten aufgehoben ist, den man Inspirational nennt. Der Weg dahin war weit, sagt sie selbst.

Dass das Buch dünn ist, war Absicht. Es sollte kein Wälzer werden, sondern auch Menschen erreichen, die wenig Zeit am Stück haben – Leute, die nicht wie viele in der Bookstagram-Blase mehrere Bücher im Monat lesen, sondern vielleicht in einem ganzen Jahr keins schaffen. Entsprechend hat sie die Handlung stark reduziert und versucht, das, was sie sagen will, auf den Punkt zu bringen.

Das Buch der Leserunde

»Drei Tage im Schnee« haben wir im Dezember 2025 und Januar 2026 gemeinsam gelesen – 76 Mädels waren dabei. Die Buchbesprechung lag einen Tag vor dieser Aufnahme.

Buchcover »Drei Tage im Schnee« von Ina Bhatter

Wie viel Ina steckt in Hannah?

Auf die Frage, ob das Buch autobiografisch sei, hätte sie zuerst immer Nein gesagt – die Geschichte ist erfunden, damit sie rund wird und sich gut erzählen lässt. Geändert hat das eine Freundin, die ihr nach der Lektüre schrieb, da sei ja total viel von ihr drin. Da habe sie gedacht: stimmt.

Ihre Einordnung heute: Hannah ist eine eigenständige Person, die Dinge erlebt, die Ina Bhatter nicht erlebt hat. Aber wie sie denkt, ihr ganzes Mindset, ihre Träume und Wünsche – und vor allem ihre Kindheit – sind sehr nah am Eigenen. Auch das Detail, dass Hannah als Kind Bilder malte und die Geschichten dazu auf Kassette sprach, bevor sie schreiben konnte, stammt aus Ina Bhatters eigener Kindheit.

Kein Ratgeber, sondern ein Roman

In der Buchbesprechung gab es zwei Lager: die einen, für die das Buch genau zur richtigen Zeit kam, und die anderen, denen es zu wenig in die Tiefe ging oder die das meiste schon kannten. Manche hätten gern gelesen, wie es Hannah nach den drei Tagen zu Hause ergeht.

Ina Bhatter sieht das offen: Es sage ja niemand, dass nach drei Tagen alles perfekt sei. Das Buch endet damit, dass Hannah zurückfährt – mit der Zuversicht, die ihr abhandengekommen war. Darum ging es ihr. Wie es dann weitergeht, bleibt bewusst offen.

Auch die Rückmeldung, das Buch habe jemandem nicht geholfen, nimmt sie gelassen: Ein Roman ist kein Ratgeber und kein psychologisches Buch, und wer wirklich mitten in einer Krise steckt, braucht eine andere Form von Hilfe – das kann und will ein Roman nicht leisten. Was sie besonders freut, sind die Zuschriften von Menschen, die gar nicht auf Instagram sind und ihre Nachricht über den Verlag weiterleiten ließen: Männer wie Frauen, verschiedene Altersgruppen, denen das Buch geholfen hat, wieder mehr innezuhalten.

Recherchiert hat sie für das Thema bewusst wenig. Psychologische Ratgeber hat sie kaum gelesen – auch, um nicht zu verkopft zu werden. Sie hat sich lieber über die Geschichte genähert.

Rezensionen? Liest sie

Ihr wurde geraten, nach dem Erscheinen keine Rezensionen zu lesen. Sie hält es genau umgekehrt: Sie schreibt für Leser*innen und will wissen, wie es bei ihnen ankommt. Als langjährige Bookstagram-Leserin hat sie so selbst viele Bücher entdeckt – und sagt, die Qualität dessen, was sie liest, habe sich dadurch deutlich verbessert. Dass nicht jedem ihr Buch gefallen kann, ist ihr klar; es ist auch nicht ihr Anspruch.

Bei der eigenen Arbeit ist sie dagegen verschwiegen geworden. Über ihre erste Idee hat sie jahrelang erzählt und dabei gemerkt, dass die Energie verpufft. Nicht aus Angst, jemand könnte ihr etwas klauen, sondern weil eine Idee ein fragiles Pflänzchen ist: Ein komischer Blick, eine Bemerkung – und schon ist etwas kaputt. Heute redet sie erst darüber, wenn eine Idee stabil genug ist.

Schreiben mit Kindern, Deadlines und Kaffee

Ihr Zeitfenster ist der Schultag: neun bis drei, halb vier. Bestimmte Tage hält sie sich komplett frei, weil sie dann besser in die Geschichte eintauchen kann; an anderen erledigt sie Termine und schreibt gar nicht. Am schönsten sind die Tage, an denen nichts ansteht außer Laptop, Milchkaffee und Geschichte.

Vor Deadlines hat sie keine Scheu – im Gegenteil. Beim zweiten Teil des Schreibprozesses gab es eine, und die hat es sogar leichter gemacht: Sie wusste, dass sie auf ein Ziel hinschreibt und dass das Buch erscheinen wird, statt für die Schublade zu schreiben. Nach Jahren ohne diese Gewissheit war das ein Upgrade.

Was die drei Monate nach dem Erscheinen für sie ausgemacht hat, waren vor allem die Menschen: die Menschen, die das Cover gestaltet haben, die Sprecherinnen des Hörbuchs, die Leute vom Verlag auf der Frankfurter Buchmesse, Vertrieb, Presse, Lektorat. Und die Rückmeldungen von Leser*innen, die sie gar nicht kennt. Vom Verlag schwärmt sie: Das Cover wurde eigens von einem Künstler von Hand gemalt, und sie wurde nach ihren Vorstellungen gefragt, bevor es entstand.

Die ganze Folge hören

Bücher, die im Gespräch vorkamen

Zwei Titel, die Helen im Gespräch als Verwandte des Themas ins Spiel gebracht hat.

Buchcover »Alles Arbeit oder was?!« von Mieke Scheier

Alles Arbeit oder was?!

Mieke Scheier

Ein wimmeliges Sachbilderbuch darüber, was Erwachsene den ganzen Tag tun – im Gespräch erwähnt.

Bei Thalia ansehen *

Buchcover »Spielen« von Karen Köhler

Spielen

Karen Köhler

Über das Spielerische im Erwachsenenleben – ebenfalls im Gespräch genannt.

Bei Thalia ansehen *

*Mit Sternchen markierte Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.

Häufige Fragen

Worum geht es in »Drei Tage im Schnee«?

Um Hannah, die in einem verschneiten Holzhaus zur Ruhe kommt und dort eine Begegnung hat, die sie zurück zu ihren eigenen Fragen führt, die sie an vergessene Träume erinnert. Das Buch erschien im Oktober 2025 bei Kiepenheuer & Witsch und hat 176 Seiten. Der Untertitel des Verlags: eine Geschichte über den Mut, auf die eigene Stimme zu hören.

Ist das Buch autobiografisch?

Nicht in der Handlung – die ist erfunden. Aber Hannahs Denken, ihre Träume und vor allem ihre Kindheit sind nah an Ina Bhatters eigener. Dass Hannah als Kind Bilder malte und die Geschichten dazu auf Kassette sprach, hat die Autorin selbst so gemacht.

Wie kam Ina Bhatter auf die Idee?

Durch eine Szene in einer Berliner Straßenbahn vor über zehn Jahren: Ein kleiner Junge fragte seine Mutter, wo all die Leute hinfahren, und gab sich mit keiner Erklärung zufrieden. Daraus wurde die Frage, wie aus einem Kind voller Träume ein Erwachsener wird, der nicht mehr fragt, was er eigentlich will.

Warum ist das Buch so schmal?

Weil es Menschen erreichen sollte, die wenig Zeit am Stück zum Lesen haben – nicht nur Vielleser*innen. Ina Bhatter hat die Handlung deshalb bewusst reduziert: im Kern zwei Figuren an einem Ort, an dem sonst wenig los ist.

Schreibt sie schon am nächsten Buch?

Ja. Verraten will sie darüber aber nichts. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass eine Idee an Energie verliert, wenn man zu früh darüber spricht – und redet erst darüber, wenn sie stabil genug ist.

Das ganze Gespräch zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, maßgeblich ist die Aufnahme. Intro und Abspann sind herausgenommen.

Helen
Herzlich willkommen Ina. Ich freue mich sehr heute mit Dir über dein Buch, das wir gestern, also Stand der Aufnahme gestern beendet haben. Drei Tage im Schnee zu sprechen und wahrscheinlich über alles mögliche sonst noch. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?

Ina Bhatter
Hallo Helen. Ich freue mich, dass ich dabei bin. Ich sitze in Berlin an meinem Schreibtisch und ich trinke ganz viel Kaffee beim Schreiben und auch sonst. Ich sitze also hier mit einer großen Tasse Milchkaffee.

Helen
Oh, das klingt gut. Ich hatte ein bisschen erwartet, dass du einen heißen weißen Kakao mitbringst. Aber Milchkaffee klingt auch sehr gut. Und ich würde sagen, wir stoßen erstmal an, aber ich habe mich gerade gefragt. Unterbreche ich dich jetzt gerade beim Schreiben? Mit dieser Aufnahme?

Ina Bhatter
Ich habe heute schon ein paar andere Sachen erledigt und werde danach noch schreiben. Genau. Also ich habe gestern tatsächlich den ganzen Tag geschrieben. Heute ist so ein Tag, wo ich ein paar andere Dinge erledige und da passt das super rein, dass wir heute zwischendurch sprechen.

Helen
Machst du so dann irgendwie so Tage, wo du wirklich das Blogs und nur schreibst und dann hast du Tage, wo du auch mal irgendwie Termine wahrnimmst oder so?

Ina Bhatter
Ja, also ich habe ja zwei Kinder, die also so halb um vier aus der Schule kommen und dann ist immer so mein Zeitfenster von neun bis drei oder halb vier, wo ich schreiben kann. Und da versuche ich auch, mir bestimmte Tage komplett freizuhalten, weil ich dann viel besser eintauchen kann in meine Geschichte. Das klappt super. Und dann gibt es Tage, wo ich Termine habe, Sachen erledige und halt vielleicht dann auch mal gar nicht schreibe. Genau.

Helen
Ich glaube also, ich merke das bei mir oft. Ich. Ich brauche das irgendwie mehr und mehr, dass ich nicht zwischendurch unterbrochen werde und dass ich lange Zeiten am Stück führe, gerade für so unangenehme Aufgaben habe. Und ich weiß nicht. Also schreiben wird wahrscheinlich für dich nicht unangenehm sein, aber ich würde das irgendwie bei sowas kreatives ist wahrscheinlich in eine ähnliche Kategorie packen, dass ich so den Kopf irgendwie. Ich brauche diese Zeit, um mich so zu entfalten. Irgendwie um um das Ganze auch vielleicht in Gang zu bringen, oder?

Ina Bhatter
Ja, und das ist auch so schön zu wissen. Ich habe jetzt einfach paar Stunden am Stück und nicht in einer Stunde muss ich los, die Kinder abholen oder so?

Helen
Ja.

Ina Bhatter
Das hemmt dann ja auch. Und das sind für mich so die schönsten Tage, wenn ich weiß, ich habe nichts vor, außer eben, ich sitze an meinem Laptop, habe meinen Milchkaffee neben mir stehen und kann eben in meine Geschichten eintauchen. Das ist so für mich das Schönste. Gerade das ist echt cool.

Helen
Das heißt aber, du schreibst jetzt gerade schon an dem nächsten Buch, den nächsten Büchern? Ja, sehr, sehr spannend. Da können wir gleich bestimmt auch noch mal ein bisschen drüber sprechen. Wir wollten jetzt ja vor allen Dingen über Drei Tage im Schnee sprechen. Und für dich ist das also, dass wir sowas beim Lesen lesen, ist das meistens ja schon nicht mehr ganz aktuell. Aber es war immerhin so aktuell, dass wir im Team. Wir fragen immer Rezensionsexemplare vom Verlag an sogar glaube ich noch so eine halbe Bloggerbox bekommen haben, weil wir haben diesen Kakao mit dazu bekommen.

Ina Bhatter
Weiße Schokolade?

Helen
Ja, genau. Und normalerweise. Also so bekommen wir halt wirklich nur das Buch. Also das soll jetzt nicht wie nur klingen, aber so bekommen normalerweise halt das Buch geschickt und wir waren alle so Oh, wie toll ist das denn? Und da hatte ich das Gefühl, das muss ja doch noch ziemlich aktuell gewesen sein, dass sie das noch da hatten.

Ina Bhatter
Ja, genau, Es ist ja jetzt, also jetzt am neunten Januar, wird Drei Tage im Schnee drei Monate alt. Das ist.

Helen
Krass.

Ina Bhatter
Echt frisch.

Helen
Voll krass. Ja. Wie waren diese drei Monate für dich? Also, wie? Wie war es, das Buch zu veröffentlichen?

Ina Bhatter
Also, es war total schön. Für mich ist ja mein Debüt Roman. Und das war so schön zu sehen, wie das, was ich mir da in Monate langer Zeit alleine am Schreibtisch so ausgedacht habe, wie das jetzt wirklich von den Menschen aufgenommen wird, wie es ankommt, wie es in den Buchhandlungen steht. Das war also es war wirklich so schön, das zu erleben und dass dieser Traum wahr geworden ist und auch Feedback zu bekommen von Menschen, die ich kenne oder auch viele, die ich nicht kenne, die mir jetzt schreiben und mein Buch gelesen haben. Das ist ein ganz schönes Erlebnis, bin ich sehr dankbar, dass ich das so schön erleben kann.

Helen
Voll. Ich habe auch, also das haben wir gestern bei der Buchbesprechung auch gesagt gedacht das ist ich finde, das ist so super hochwertig gemacht und so, also ich liebe vor allen Dingen dieses kleine Gimmick, dass wenn du den Umschlag abnimmst, die Figur, die du auf dem Cover siehst, auch noch mal auf diesem Pappeinband ist. Ja, und es ist ja auch schmal. Und irgendwie dachte ich, es ist wahrscheinlich auch perfekt so als Geschenkbuch zu Weihnachten gewesen. Deswegen bekommst du jetzt wahrscheinlich nach und nach auch noch jede Menge Rückmeldungen von den Leuten, die es geschenkt bekommen haben. Also das ist schon schon echt cool. Ich kann mir auch vorstellen, dass das aufregend war und ist, weil irgendwie so ganz abgeebbt ist es ja wahrscheinlich auch einfach noch nicht. Das ist ja immer noch so alles neu.

Ina Bhatter
Genau. Also es läuft weiter. Was auch noch super schön ist, was in den letzten drei Monaten toll war, dass ich so viele Menschen kennengelernt habe durch das Buch, die irgendwas damit zu tun hatten, die eben das Cover gestaltet haben oder die Sprecherinnen, die das Hörbuch eingesprochen haben. Dann war ich ja in Frankfurt zur Buchmesse und habe noch mal viele Leute vom Verlag kennengelernt, Die Vertrieb, Pressearbeit machen die anderen Lektorinnen. Das ist halt einfach so toll, mit Menschen zu sein, die auch dafür brennen, für Bücher brennen und dass die Idee dann irgendwie so groß wird und von so vielen geteilt wird. Das war sehr, sehr spannend und sehr schön.

Helen
Ja, wie kam es denn überhaupt dazu? Also du hast auch bei Instagram ja teilst du das? Du, dass du diesen Traum hattest, Schriftstellerin zu werden, der jetzt wahr ist und so? Also wie kam es überhaupt dazu? War dir das schon immer klar? Wolltest du immer schon? War das dein, dein inneres Kind?

Ina Bhatter
Ja, ich habe tatsächlich. Als ich so in der dritten Klasse war, habe ich. Also ich habe jetzt ein Freundebuch gefunden und da steht auch tatsächlich schon drin Berufswunsch Schriftstellerin.

Helen
Das ist.

Ina Bhatter
Ja cool. Später kam dann noch irgendwie. Dann wollte ich irgendwie Zoologin und Meeresbiologin werden und dann mal so die Konkurrenz dazu. Aber also Schreiben und Geschichten erzählen wollte ich schon immer. Das habe ich auch schon gemacht. Wie auch Hannah in meinem Roman. Also als ich noch gar nicht schreiben konnte, habe ich schon so Bilder gemalt und dann auf Kassette die Geschichte dazu eingesprochen. Und dann habe ich auch mit achtzehn, neunzehn, Als ich angefangen habe zu studieren, habe ich in den Semesterferien einen ein erstes Buch geschrieben. Das war damals ein Thriller, der in Frankreich spielte, und den habe ich dann auch an Verlage geschickt und bin dann weiß noch, wie ich dann immer zum Briefkasten gegangen bin und dachte, da liegt jetzt irgendwie ein Verlagsvertrag drin. Das war dann nicht so, aber dieser Wunsch, Geschichten zu erzählen und ein Buch zu schreiben, war schon immer da. Und natürlich hatte ich nicht immer im Leben gleich viel Zeit, das umzusetzen. Dann gab es halt Phasen, wo ich viel gearbeitet habe. Dann wollte ich schon immer gerne reisen und habe noch mehr gearbeitet, um das Geld zusammen zu sparen und zu reisen. Und dann habe ich die beiden unsere beiden Kinder bekommen. So aber immer, wenn ich irgendwie Luft hatte, oder? Also dieser Wunsch war so stark, dass der immer wieder durchkam und ich mir immer wieder Freiräume geschaffen habe, um auch in diesen verschiedenen Lebensphasen wieder zu schreiben und einen neuen Anlauf zu starten, bis es geklappt hat.

Helen
Also ich finde. Also ich mochte vor allem diesen Teil, dass man sich so ein bisschen daran erinnert. Also ich glaube, bei dir ging es im Buch ja auch viel darum. So was wollte man vielleicht mal werden. Ich habe es aber auch so ein bisschen darauf bezogen und das ist ja auch das, was Hannah reflektiert, auch so ein bisschen zu überlegen Was hat mir denn Spaß gemacht, als ich Kind war, nicht nur so, wo wollte ich hin? Und das irgendwie so eine Vorstellung, die ich total mag, dass man sich einfach damit mal ein bisschen mehr auseinandersetzt. Und ich finde das so cool zu sehen, dass wie so eine Metaebene, dass du das im Grunde. Also du hast es in das Buch geschrieben, aber du hast es ja auch selber gelebt. Dahin zurückzukommen, was du früher werden wolltest, was du machen wolltest, wer du sein wolltest. Ich habe sowieso. Also wenn man so ein bisschen sich zu dir informiert und wenn man das Buch liest und das finde ich etwas, was ich sowieso, wo ich oft Schwierigkeiten habe, wenn ich, wenn ich irgendwie eine Person dahinter kenne, also wenn ich weiß, wer das geschrieben hat, lese ich immer, glaube ich so ein bisschen mit dieser Brille mit, dass das auch diese Person sein könnte. Ich kann mich da nicht so ganz von frei machen. Und es gibt ja durchaus Parallelen zwischen dir und der Protagonistin. Wie viel Ina steckt in Hannah?

Ina Bhatter
Hm, das ist eine gute Frage, die sich auch viele stellen. Also wenn mich zuerst jemand gefragt hat Ist das Buch autobiografisch? Dann hätte ich immer erstmal gesagt Nein, weil ich habe mir die Geschichte halt so ausgedacht, dass sie rund wird und dass sie auch, also dass ich sie gut erzählen kann. Aber am Ende steckt doch sehr viel von mir drin. Das habe ich dann gemerkt, als eine Freundin mir schrieb und meinte So, ich habe dein Buch gelesen, das ist ja, da ist ja total viel drin. Und dann dachte ich so Ja, stimmt. Also von außen betrachtet steckt viel Ina in Hannah, aber Hannah ist trotzdem eine eigenständige Person, die Dinge erlebt und gemacht hat, die ich halt nicht erlebt habe. Aber was sie so denkt und und ihr ganzes Mindset. Das ist, glaube ich sehr ähnlich und auch was ihre Träume und Wünsche waren. Ihre Kindheit. Da bin ich sehr viel ins Eigene auch gegangen, was ihre Kindheit angeht.

Helen
Das ist irgendwie echt cool. Ich konnte mich mit vielem. Irgendwie habe ich mich in vielem wiedergefunden, sage ich mal, also in vielem auch nicht. Aber es war so, dass ich ganz lange auch dachte Oh, es könnte sein, dass Hannah auch eigentlich in so einem Burn out steckt. Also ich habe mir das Lesen aus einem Burn out heraus gegründet. Ich habe damals nicht gesagt, dass ich was gegründet habe, aber ich habe den Account angefangen, weil ich angefangen habe zu lesen, weil mir das gut getan hat und weil ich dann darüber sprechen wollte. Ich hatte durch dieses, was Hannah beschreibt, diese Erschöpfung, dieses uninspiriert sein nicht mehr so richtig zu wissen, wohin man möchte. So habe ich einfach sehr daran erinnert. Obwohl ich dann zwischendurch dachte Ich glaube, bei Hannah ist es weniger. Vielleicht auch diese Erschöpfung und mehr dieses ich weiß nicht mehr so genau, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Ja, aber das war so ein Teil, den ich irgendwie gut konnte. Ich irgendwie gut nachvollziehen. Ich habe mich dann immer gefragt Wie hätte ich das wohl vor sechs Jahren gelesen, wenn ich das Buch in die Hand genommen hätte? Weil jetzt hatte ich das Gefühl, ich kenne auch schon viele. Also das sind alles Gedanken, die ich mir auch schon gemacht habe. Aber wer weiß, wie das vor sechs Jahren gewesen wäre. Hast du da irgendwie Rückmeldungen von jemandem bekommen, der vielleicht in einer ähnlichen Situation gerade steckt und der das genau gerade brauchte?

Ina Bhatter
Also ich habe Rückmeldung von einigen, die das glaube ich, die mir schreiben, sie haben es zur rechten Zeit gelesen, die aber so davor sind noch. Ich glaube, wenn man richtig mittendrin ist, dann braucht man ja wirklich auch Hilfe und das ist halt ein Buch. Und das kann zwar dich in andere Welten eintauchen lassen, aber es ist ja jetzt kein Ratgeber oder kein psychologisches Buch und das. Aber mir haben viele geschrieben, Männer wie Frauen und auch verschiedene Altersgruppen, die auch nicht auf Instagram sind, aber über den Verlag dann gebeten haben, dass mir das weitergeleitet wird. Das fand ich total schön. Die haben mir eben geschrieben, dass ihnen das wirklich geholfen hat, die Augen geöffnet hat, wieder mehr inne zu halten und mehr bei sich zu sein. Und das ist ganz toll. Aber wie gesagt, ich glaube, wenn jemand wirklich in einem Burnout steckt, dann braucht er noch mal eine andere Form von Hilfe, die so ein Buch gar nicht geben kann und auch nicht will. Also das kann das Buch einfach nicht leisten. Das wäre glaube ich jetzt zu sagen, oder was meinst du, wie hätte dir das geholfen vor sechs, sieben Jahren, wenn du das gelesen hättest damals?

Helen
Das ist echt eine gute Frage. Also ich habe da also das ist mir erst so letztes Jahr aufgegangen, dass ich irgendwie nicht zu Wohlfühlbüchern gegriffen habe. Also ich habe ich. Ich habe als Kind auch gelesen, aber dann lange Zeit nicht. Das war ja auch was, was Hannah beschrieben hat. Ich mochte gerade auch ich habe diese Seite fotografiert, wo sie Bücher beschreibt und bei welcher Wohlfühlort das für sie ist. Aber ich habe dann halt Ende zwei tausend neunzehn, weil ich so ich hatte so ganz viele so einen rasenden Kopf, sage ich mal, so viele Gedanken, aber gleichzeitig einen erschöpften Körper. Und da habe ich angefangen zu lesen. Aber eben keine Wohlfühlbücher, sondern ich habe Bücher gelesen, die auch was mit mir gemacht haben und wo ich dann überlegt habe, wie hätte ich jetzt zum Beispiel an Stelle der Protagonistin gehandelt, oder? Teilweise bin ich auch total aufgeregt, wenn sie was gemacht hat und habe dann gemerkt okay, das scheint auch was zu sein, was mich an mir selber nervt oder so und ich glaube deswegen, dass mir das schon Denkanstöße gegeben hätte. Aber ich bin halt mit diesen Denkanstößen auch immer in die Therapie gegangen. Also ich habe jetzt nicht einfach nur gelesen und war geheilt so, aber mir hat es geholfen an so Ecken dran zu kommen, die ich irgendwie vor mir selber so verschlossen hatte. Und ich glaube schon, dass mir das gut getan hätte, noch mal zu überlegen. Stehe ich zum Beispiel vielleicht genug in Kontakt mit Menschen, die mir wichtig sind? Achte ich genug darauf, dass ich auch mal Spaß habe im Alltag? Oder mache ich auch nur irgendwie das, was alle von mir erwarten oder so? Weil das waren schon Themen, die mich auch damals beschäftigt haben. Ich finde es manchmal schwer. Ich weiß nicht, ob das ähnlich geht. Mich halt wirklich dran zu erinnern, was wusste ich damals schon und was habe ich erst in den letzten sechs Jahren gelernt. Das finde ich irgendwie nicht ganz so easy zu beantworten, aber ich denke, dass es mir auf jeden Fall Denkanstöße gegeben hat, weil das hat mir jetzt auch. Also ich kannte zum Beispiel das Bild von dem von dem Glas, wo die die großen Steine zuerst rein machst. Aber ich fand es total gut als Erinnerung, so, weil ich so dachte Oh, ich glaube, ich beschäftige mich echt immer noch oft mit dem Sand. Also mit dem Sand zuerst halt deswegen. Also ich bin glaube ich einfach so gepolt, dass ich aber immer aus einem Buch versuche etwas für mich herauszuziehen. Und immer das abgleichen mit dem, was ich weiß, mit dem, was ich fühle und so. Ich weiß nicht, ob dir das ähnlich geht.

Ina Bhatter
Ja, das geht mir auch so, ich lese ja auch total gern und ich finde eigentlich immer irgendwie gute Sachen. Sachen, die mich inspirieren oder auch wenn ich mich vielleicht mal nicht identifizieren kann, die mich irgendwie weiterbringen, zum Nachdenken bringen. Das ist ja echt das Schöne beim Lesen, dass man auch verschiedene Punkte einnehmen kann, wenn man sich drauf einlässt.

Helen
Hm voll. Und ich finde auch. Also es gibt auch immer irgendwie den richtigen Zeitpunkt. Ich habe im Moment wahnsinnig viele angefangene Bücher bei mir auf dem Nachttisch, wo ich irgendwie denke Oh, vielleicht breche ich die ab, weil ich irgendwie gerade nicht fühle, Aber wenn ich drin bin, Ich kann eigentlich immer irgendwie was draus ziehen. Und ich meine, die Mädels lesen. Bücher lese ich sowieso immer, weil ich dann ja auch mitreden will. Also nicht immer, immer. Ich habe auch schon mal welche nicht gelesen, aber in der Regel versuche ich immer die zu lesen und dann Ja, ich weiß nicht, ich tauche dann irgendwie einfach ein. Aber das war auf jeden Fall gestern so wir hatten gestern die Buchbesprechung, dass es so zwei Lager gab. Die einen, die auch wirklich meinten, das war genau das, was ich jetzt brauchte. Das war vor allen Dingen der perfekte Teil. Ich meine, es war natürlich cool, dass es auch geschneit hat, jetzt aber auch. Abgesehen davon einfach so mit dieser hektischen Vorweihnachtszeit. Manche hatten das dann auch vor Weihnachten gelesen. Aber auch selbst wenn du in dieser Ruhephase bist und irgendwie überhaupt mal Zeit hast für so ein Buch. Die gesagt haben, das war genau das, was ich jetzt brauchte. Und andere, die meinten, das kannte ich alles schon, das habe ich alles schon woanders gelesen, dass manche meinten auch, es ging ihnen nicht genug in die Tiefe. Das finde ich irgendwie auch mal spannend, von dir zu hören. Das war ja wahrscheinlich bewusst gewählt auch irgendwie eher vielleicht Denkanstöße und schmales Buch, aber genau das fand ich irgendwie. Ich liebe das sowieso bei der Buchbesprechung, dass wir da so total unterschiedlich rangehen. Jeder bringt seine eigene Lebensgeschichte mit, blickt anders auf das Buch. Aber da waren dann auch manche, die sich gewünscht hätten, eher zu wissen, wie Hannah am Montag quasi nach Hause kommt und damit umgeht. Und da dachte ich so, das ist echt ein anderes Buch und das ist ja auch das, was du jetzt meinst, ist mehr so ein Ratgeber dann. Und ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass es auch echt ein zähes Buch sein könnte. Weil wenn ich so überlege, dass ich heute, sechs Jahre später, immer noch nicht alles so geschissen bekomme in meinem Leben. So, es dauert halt einfach so! Das ist Meiner Meinung nach war das Buch eher so diese diese erste Reflexion und so dann. Ja, Hannah wird bestimmt jetzt auch noch ein bisschen brauchen, um das umzusetzen. Aber ich glaube den Teil zu lesen, weiß ich gar nicht, ob der so Spaß machen würde.

Ina Bhatter
Ja, genau. Also es sagt ja auch keiner, dass nach den drei Tagen dann alles perfekt ist in ihrer Welt. Das Buch endet ja auch damit, dass sie zurückfährt. Sie hat diese Zuversicht zurück, die ihr abhanden gekommen war. Und darum ging es mir eigentlich, dass sie wieder zuversichtlich auf ihr Leben blicken kann und mehr bei sich ist. Und wie das dann weitergeht und ob sie nach drei Tagen jetzt wirklich alles perfekt umsetzen kann, das will ich auch nicht. Das ist dann, das bleibt ja bewusst offen. Andererseits kann ich ja jetzt. Also es ist halt bewusst so gewählt, diese drei Tage, weil man da sehr schön diese Geschichte erzählen kann mit der Begegnung. Und darum ging es mir vor allem voll.

Helen
Das finde ich auch noch mal einen richtig guten Punkt. Wir hatten gestern auch über Erwartungen gesprochen und es gab zum Beispiel eine Person, die meinte, sie hat das Gefühl, vielleicht in einer ähnlichen Situation zu sein. Sie hat eine neue Stelle angenommen und es ist alles sehr, sehr viel. Und dass ihr aber das Buch dann trotzdem irgendwie nicht geholfen hat, weil sie eher so. Sie hat geschrieben Sie war eher so genervt, weil sie meinte so, das hilft mir jetzt gerade nicht, das brauche ich alles gerade nicht. Und dann meinte ich so ich glaube, das ist nicht dieselbe Situation, weil du hast schon noch. Also es besteht die berechtigte Hoffnung, dass es bei dir besser wird, weil du gerade erst quasi angefangen hast und dich eingewöhnen musst. Und Hannah ist aber eher in so einer Situation. Sie ist quasi, also sie hat ihr Leben lang auf etwas hingearbeitet, ist da und fühlt sich ja nicht unbedingt. Also ich würde nicht sagen, dass Hannah sich so sehr überfordert fühlt, sondern wirklich eher dieses Uninspirierte. Sie weiß gar nicht mehr genau, ob sie das so will, was sie sich da aufgebaut hat.

Ina Bhatter
Genau das ist ein ganz guter Punkt, dass sie halt ihr Leben lang auf etwas hingearbeitet hat, weil ihr das so gesagt wurde, dass du irgendwie immer weiterkommen musst und und dass sie ja auch gut war in dem, was sie getan hat und dann eben aber eigentlich immer weiter davon weggekommen ist. Das passiert ja nicht, dass wir irgendwas gut machen und gern machen und dann aber immer weiter aufsteigen und mit Aufgaben irgendwie beschäftigt sind, die gar nicht mehr dem entsprechen, was wir mal wollten. Und das halt ein Riesenunterschied genau zu dem, was du gerade beschreibst, dass sie ja da ist und dann merkt jetzt bin ich zwar am Ziel irgendwie der großen Träume der anderen, aber es waren eigentlich gar nicht meine Träume und deswegen ist sie ja auch nicht glücklich. Und das geht halt also doch vielen Menschen so?

Helen
Ja, ja. Vielleicht ist das also sowieso eine andere Situation als die, die da gestern beschrieben wurde. Aber ich denke jetzt gerade so auch vielleicht wirklich noch mal was anderes als ein Burnout. Eher so ein wie so eine Midlife Crisis. Eigentlich eher so Du stellst alles in Frage, was du bisher eigentlich ja einfach nicht in Frage gestellt hast, weil irgendwie Du hast gar nicht unterwegs angehalten. So, so, du. Du hast einfach gemacht und plötzlich denkst du wofür eigentlich? So wollte ich das eigentlich. Und ich glaube, das ist auch was, was super viele nachvollziehen können. Gerade so, weil wir irgendwie oft finde ich, so gesellschaftlichen Anforderungen oder was auch immer hinterherhecheln und dann gar nicht überlegen Hey, will ich das überhaupt? Also so will ich ein Haus im Grünen kaufen, nur weil alle anderen das machen. Und ich finde von der Warte aus, das finde ich total spannend und das finde ich auch echt einen guten Punkt, sich darüber noch mehr Gedanken zu machen. Und jetzt gerade als ich ich denke einfach laut. Aber jetzt gerade denke ich so ich glaube es ist weniger dieses Burnout Thema und mehr dieses ich habe gar nicht innegehalten auf dem Weg hierher.

Ina Bhatter
Und dieses bei sich sein und gucken was, was will ich eigentlich? Was macht mir Spaß, was sind auch meine Werte? Also ist es wirklich dieses immer höher, weiter, schneller, immer mehr Besitz anhäufen und dann irgendwie handeln müssen und dann wieder loswerden? Oder? Oder ist es gar nicht das, was eigentlich mir Sinn gibt im Leben? Das ist ja schon drin und aber es nähert sich dem Thema eben auf eine literarische Weise und nicht auf eine ratgeberische. Würde ich jetzt mal sagen. Deswegen, wenn jetzt jemand gesagt hat, es hat Ihnen nicht geholfen, das kommt, glaube ich, immer darauf an, in welcher Situation man gerade ist. Wenn man das liest, ob man sich da reindenken kann oder nicht. Also man muss sich halt auch drauf einlassen können. Das passt halt vielleicht auch nicht immer. Es ist glaube ich, nicht immer ist jedes Buch für jeden richtig.

Helen
Und auch nicht zu jeder Zeit einfach.

Ina Bhatter
Zu jeder Zeit. Natürlich ist vieles schon gesagt worden und da gewesen, aber halt, wir vergessen es ja trotzdem immer wieder. Und mal drauf gestoßen zu werden ist eigentlich das, was was zählt oder was wichtig ist, was uns trotzdem im Alltag helfen kann.

Helen
Total. Und ich weiß nicht. Eine Sache, über die ich schon öfter jetzt nachgedacht habe, finde ich auch spannend, weil du ja auch viel liest, wie du das siehst. Aber ich liebe deswegen halt auch Romane, weil du vielleicht erahnst irgendwas vom Klappentext und denkst dir so Ah ja, okay, das kann ich jetzt gut gebrauchen. Aber ich finde, es ist auch oft so, weil es vielleicht manchmal auch eher so ein Nebenthema irgendwo mal gestreift wird. Ich finde es total oft so, dass ich in ein Buch einsteige und dann erst merke, dass ich irgendwas daraus vielleicht brauchte. Oder dass ich irgendwas daraus gelernt habe, was ich einfach nicht habe kommen sehen. Was ein Sachbuch natürlich kann, aber ein Sachbuch zu dem Thema hätte ich vielleicht dann nicht in die Hand genommen. Erstens, weil ich gedacht hätte, das Thema interessiert mich nicht oder weil ich vielleicht dachte Oh nee, die Schublade mach ich lieber nicht auf und so und ich liebe das bei Romanen, dass du das ganz oft auch so ein bisschen nebenher mitbekommst.

Ina Bhatter
Ja, ich auch. Ich auch total. Dass du plötzlich in der Richtung, dass es in eine Richtung geht, die du eben nicht erwartet hättest. Das finde ich auch das Schöne. Also dieser Überraschungseffekt bei Literatur ist ist wirklich besonders.

Helen
Ja, und ich glaube halt auch das Thema, dass du dich in die Gefühlswelt einfach hineinversetzen kannst, ist natürlich auch was ganz anderes bei einem Sachbuch. Aber zu dem zu der Frage, mit dem das ja Denkanstöße eher sind. Das war wahrscheinlich eine bewusste Entscheidung, dass du eher ein schmaleres. Ich weiß gar nicht, wie sowas abläuft, also entscheidet man das vorher wahrscheinlich schon. Na also, Du bist ja. Du schreibst ja ein Dokument und hast irgendwie eine gewisse Länge. Du wolltest wahrscheinlich schon auch eher, dass es so ich hätte das jetzt so als auch ein bisschen snackable ja irgendwie eingeordnet, dass. Wie bist du da rangegangen? Also war dir das von Anfang an klar oder entsteht sowas im Prozess?

Ina Bhatter
Also es sollte jetzt kein dicker Wälzer werden, sondern eher, dass Leute auch eben lesen, die wenig Zeit haben. Vielleicht auch. Also weiß ich selber auch als meine Kinder klein waren, habe ich zB. Also die sind noch klein, aber als sie ganz klein waren, habe ich super wenig Zeit gehabt am Stück mal zu lesen. Und das Buch spricht ja auch Leute an, die eben. Oder auch Leute an die, die total beschäftigt sind und eben wenig Zeit haben und nicht wie viele auf Auf Instagram in meiner Bubble ebenso viele Bücher im Monat lesen. Das lesen manche halt in einem Jahr nicht mehr. Und die wollte ich ja auch erreichen. Deswegen ist es dünn. Und ähm. Auch habe ich versucht, das, was ich sagen will, auf den Punkt zu bringen. Und ich habe die Handlung auch sehr reduziert. Das ist aber ein langer Prozess gewesen. Ich hatte dieses Thema schon ganz lange im Kopf. Dieses Thema Wie wird aus einem Kind, was noch so so offen ist, so viele Träume hat, so viel Zuversicht hat? Wie wird daraus ein Erwachsener, der dann oder eine Erwachsene, die dann irgendwie nur noch Sachen macht, ohne drüber nachzudenken, was sie eigentlich will, was ja schon so oft passiert? Da gab es auch mal so einen Schlüsselmoment vor über zehn Jahren. Und seit das kann ich auch gleich gerne noch erzählen. Aber seitdem habe ich diese Idee im Kopf und habe ganz lange gebraucht, um eine Form zu finden, die passt. Ich habe erst eine andere Handlung gehabt, mit viel mehr Personen und einer ganz anderen Geschichte und bin dann drauf gekommen. Und so bin ich auch überhaupt in dieses Genre gerutscht. Das war jetzt nicht, dass ich dachte, ich will ein Inspirational nennt man das ja schreiben, sondern ich hatte die Geschichte und habe dann irgendwann nach nach paar Jahren gemerkt, das ist die Ecke, wo die Geschichte gut funktioniert, wo ich die das was, wofür ich so brenne, am besten erzählen kann. Und so bin ich bei diesem sehr reduzierten, entschlackten Setting gelandet. Von nur eigentlich zwei Figuren und einem sehr reduzierten Ort, wo wo sonst nicht viel los ist. Das war nicht mein ursprünglicher, also meine ursprüngliche Idee, aber dieses Gefühl, was ich transportieren wollte, hat sich so gut transportieren lassen. Und so bin ich bei diesem dünnen, schmalen Büchlein gelandet. Am Ende. Aber der Weg war sehr weit, das kann ich sagen.

Helen
Ja, hier musst du mal erzählen, was das für ein Schlüsselmoment war.

Ina Bhatter
Genau. Also da bin ich also an einem sehr grauen Novembermorgen in Berlin in der Straßenbahn um zehn zur Arbeit gefahren und habe so geguckt und alle um mich rum hatten so noch längere Gesichter als normalerweise, waren müde und total uninspiriert und haben entweder auf ihre Smartphones gestarrt oder einfach irgendwie vor sich hingeguckt. Und keiner sah aus, als hätte er irgendwie Spaß oder eine Vision oder irgendwas, was ihn gerade antreibt. Und dann saß da eine Mutter mit einem kleinen Jungen. Der war so im vielleicht so erste Klasse oder auch Kitakurses Kitakind. Und der Junge hat auch, genau wie ich so sich die Leute angeschaut, die da saßen und standen und hat dann ganz laut seine Mama gefragt Mama, wo gehen eigentlich die ganzen Leute hin? Und die Mama hat so gesagt Na, die gehen arbeiten. Und dann hat er gesagt warum? Und dann hat sie gesagt Naja, das macht man eben so, wenn man groß ist. Und dann hat er wieder so gesagt Warum? Und dann hat sie versucht, ihm das zu erklären, wollte das Gespräch dann auch beenden. Das war ja auch irgendwie unangenehm, dass der so laut geredet hat und alle haben mitgehört und und er ging aber halt die Erklärungen aus und sie hat gesagt, man braucht halt Geld und der immer so aber warum? Und dann hat sie am Ende so gesagt Na, du wirst auch mal arbeiten, wenn du groß bist. Und dann hat er noch so trotzig geguckt und hat gesagt Nö, ich bleibe einfach zu Hause und fand ich so spannend zu sehen, Wie wird denn aus so einem Jungen, der noch so Sachen hinterfragt und. Und ähm, also klar müssen wir arbeiten, um Geld zu verdienen, aber der hat sich überhaupt nicht zufrieden gegeben mit diesen Erklärungen und nicht verstanden als Kind, wo man doch immer den Große können alles machen was sie wollen und warum die dann halt so am Ende in der Straßenbahn sitzen, als wären sie irgendwie gezwungen, jetzt irgendwohin zu fahren. Das hat er einfach verstanden. Und dann habe ich mich quasi so verbunden gefühlt mit diesem Kind und mich erinnert, wie ich als Kind mal war, dass ich dachte, das muss ich irgendwie literarisch verarbeiten. Und da habe ich dann ein paar Jahre gebraucht, eben diese Form zu finden, wie ich diese Geschichte erzählen kann.

Helen
Das ist ja irgendwie spannend. Ja, das stelle ich mir auch ehrlich gesagt wirklich nicht leicht vor, irgendwie so eine eher abstrakte Idee im Kopf zu haben und die in etwas Konkretes umzusetzen. Aber ich glaube, das ist sowieso diese Schwierigkeit habe ich oft in meinem Kopf. Macht alles dann total Sinn. So also ich kann auch weiß ich nicht, wenn ich irgendeine Idee habe ich kann, ich kann den Ort begehen, ich weiß genau wo alles steht und so, aber das jemandem zu erklären keine Chance da raus.

Ina Bhatter
Das Schöne ist auch wenn diese Idee so stark ist für dich, also für mich hat es halt total Sinn gemacht. Und dieser Funke, der da so entzündet wurde in dieser Tram, der hat dann so ein großes Feuer entfacht, dass ich das nicht mehr losgelassen habe. Und auch wenn es eben nicht gleich geklappt hat und ich auch wenig Zeit hatte damals und Vollzeit gearbeitet habe und die und meine Kinder habe ich trotzdem immer wieder auf dieser Idee rumgedacht und hatte das Gefühl, ich muss diese Geschichte erzählen. Irgendwie. Und das finde ich am Schreiben. Ähm, ja, was so so eine kleine Situation am Ende auslösen kann und dass daraus jetzt am Ende wirklich dieses Buch geworden ist, das ist einfach wunderschön.

Helen
Das ist echt irgendwie cool. Und ich finde, es macht ja auch mal Mut, so dass wenn man selber irgendwie so eine Idee im Kopf hat, dass man das weiter verfolgt, dass man das schaffen kann. Mich hat das. Ich habe das Buch auf meiner Wunschliste, weil ich immer dachte, ich könnte es mal verschenken oder so, Ich weiß nicht, ob du das kennst, aber es erinnert mich gerade sehr dran. Alles Arbeit oder was, was die Erwachsenen den ganzen Tag so tun. Ein wimmeliges Sachbilderbuch im Großformat. Ich weiß nicht, ob du das kennst.

Ina Bhatter
Das kenne ich nicht.

Helen
Aber das klingt so ein bisschen, als wäre das vielleicht das Buch gewesen, was der Junge damals gebraucht hätte. Und ein Buch, an das ich öfter denken musste. Was ich auch leider nicht selber kenne. Aber vielleicht hast du dich damit schon beschäftigt, weil ich finde, es würde irgendwie dazu passen. Es gibt von Karen Köhler. Ich glaube, dass das insgesamt irgendwie so eine Themenreihe oder sowas ist, aber das Buch heißt dann einfach nur spielen und sie beschäftigt sich irgendwie eben damit, wie wir das und ich glaube auch ein bisschen mehr dieses Kindliche erhalten oder wie wir irgendwie spielerisch an Dinge herangehen. Aber es kommt mir nicht bekannt vor.

Ina Bhatter
Also ich muss auch zugeben, ich habe recht wenig. Ich habe wenig selber psychologische Ratgeber gelesen. Ich habe nicht mal das jetzt. Wahrscheinlich voll peinlich. Ich habe nicht mal das Kind in dir muss Heimat finden gelesen.

Helen
Das kenne ich auch nicht. Keine Ahnung.

Ina Bhatter
Also, das ist voll schön, wenn halt viele irgendwie schreiben. Das erinnert sie daran in Romanform. Und dann denke ich immer Oh, das muss ich jetzt echt unbedingt mal lesen. Also ich habe da wirklich wenig Ratgeber selber gelesen, um das Buch zu schreiben und eher mich von dieser Geschichte her angenähert. Ich glaube.

Helen
Es ist auch gut, oder?

Ina Bhatter
Also ja, wahrscheinlich.

Helen
Also wenn man sonst so doch dann vielleicht relativ sich davon auch so lenken lässt.

Ina Bhatter
Sehr verkopft oder so, aber da wäre die Gefahr gewesen, dass es verkopft wird. Also ich habe da wenig genau wenig gelesen und mehr dieses erzählerische Mittel genutzt.

Helen
Ja, ich weiß auch ich, ich glaube sogar, also das von Karen Köhler. Wie gesagt, ich kenne es nicht, aber ich glaube, es ist irgendwie sogar so eine Art Mitmachbuch, weil ich hatte mich da so ein bisschen vor ein paar Wochen eingelesen. Fände ich auf jeden Fall irgendwie spannend.

Ina Bhatter
Ja.

Helen
Ich frage mich gerade, ob das vielleicht der Teil ist in vielen der vielen fehlt so dieses Ja okay, was mache ich jetzt mit diesen Erkenntnissen, die ich habe? Sondern wie kann ich denn überhaupt mir mein inneres Kind hervorlocken? Wie kann ich irgendwie das, was mir früher Spaß. Ich meine, vielleicht hast du sogar auch Ideen dazu, aber wie kann ich, wenn ich jetzt gemerkt habe, mir geht es so wie Hannah? Wie kann ich da, wie, wie komme ich da dran?

Ina Bhatter
Mhm. Also ich glaube, das Besondere ist, dass es da eben auch kein Rezept gibt. Das liegt in uns selbst und das muss jeder für sich selber finden, indem er eben nachdenkt, nachschaut und und nachforscht, was er eigentlich mal wollte und so, es gibt da keine allgemeingültige Antwort und das macht es einerseits schwierig, aber andererseits ja auch so spannend.

Helen
Und ich meine, so wie Hannah uns durchs Buch leitet, hat man ja Anknüpfungspunkte, also so man man kann darüber nachdenken, was habe ich gerne gemacht? Wer wollte ich sein? Welche Menschen waren mir wichtig? Also es gibt ja schon irgendwie Anknüpfungspunkte, die man auf sich selber übertragen kann. Also es ist schon, es ist vielleicht schon eine Anleitung. Aber ich finde es irgendwie spannend. Ich habe mich da vor ein paar Jahren ein bisschen mehr mit beschäftigt. Was habe ich eigentlich gerne gemacht und was davon? Was davon würde ich auch gerne vielleicht nochmal machen, weil auch nicht alles irgendwie. Entspricht mir jetzt vielleicht mehr so, aber ich habe auch eine Zeit lang dann wirklich noch mal versucht zu überlegen. Gar nicht mehr so unbedingt was wollte ich als Kind machen, sondern mehr so was sind so Dinge, die ich schon ewig eigentlich mal machen will, aber mir nicht so zugestehe, oder ich werde es auch nicht irgendwie, wo ich irgendwelche verkopften Vorstellungen habe, warum das jetzt vielleicht nicht geht oder warum ich das nicht machen kann. Und ich finde auch sowas kann ja helfen. Also man muss vielleicht auch gar nicht immer so ganz weit zurückgehen, sondern einfach überlegen Was erlaube ich mir selber vielleicht auch nicht, Was würde ich eigentlich gerne mal ausprobieren oder so.

Ina Bhatter
Und auch gucken, was kommt vielleicht von außen, was kommt von der Gesellschaft und gar nicht aus mir? Also muss ich wirklich alles kaufen und alles machen, was andere machen oder was die Werbung mir empfiehlt? Oder vielleicht eben auch einfach mal nicht? Vielleicht auch einfach mal vieles weglassen?

Helen
Ich denke, gerade so bei mir, also bei dir ist der Hintergrund so verwischt, aber bei mir sieht man ja immer ein Regal im Hintergrund und denkt Oh mein Gott. Also so eine Minimalistin bin ich leider echt gar nicht.

Ina Bhatter
Ja, vor allem Bücher. Und ich finde, Bücher kann man einfach nie genug haben. Das ist so das, was ich an Wohnungen, an Wohnungen immer am allertollsten und am spannendsten finde die Bücherregale.

Helen
Das stimmt, obwohl ich das eigentlich auch spannend fände, wie das jemand bewertet. Weil bei mir stehen halt eigentlich in der Regel keine gelesenen Bücher. Die gebe ich weg, sondern das sind alles Ungelesene. Was das? Ob das auch was über mich aussagt?

Ina Bhatter
Ja, stimmt auch weitergibst, das mache ich zum Beispiel nicht, weil wenn ich das gelesen habe, dann hänge ich irgendwie so dran. Dann will ich es auch stehen haben und mich dran erinnern. Und manchmal passiert es ja auch, dass Leute zu Besuch kommen und mich dann fragen. Und dann bin ich total froh, drüber reden zu können über die Bücher, die ich gelesen. Und das ist total schön zu sagen, Ich habe es gelesen und jetzt gebe ich es einfach weiter. Also soweit bin ist mein Minimalismus noch nicht.

Helen
Ich finde, es hat etwas Befreiendes. Irgendwie. Vor allem, weil ich einfach einmal entschieden habe, ich mache es bei allen Büchern. Aber ich habe. Ich habe auch drei hinter mir, die wo ich denke ach, vielleicht lese ich die nochmal, die habe ich auch behalten. Also ich bin auch nicht ganz so konsequent, aber ich finde es angenehm irgendwie dann, weil mir auch beim Lesen eigentlich immer eine Person einfällt, an die ich es weitergeben kann. Das hat sich jetzt auch bei deinem Buch, dass ich dachte Oh, ich glaube, es könnte für die eine Freundin jetzt gerade vielleicht genau das Richtige sein. Und dann weiß ich nicht, ob ich das irgendwie, dass das noch jemand so als nächstes nutzen kann. Du hast ja jetzt ganz am Anfang, als wir angefangen haben, gesagt, dass du jetzt auch gerade schreibst. Mhm, Was? Woran? Also ich meine, für dich ist ja der Schreibprozess für Drei Tage im Schnee auch schon wahrscheinlich echt eine ganze Weile abgeschlossen. Da liegt ja dann doch ziemlich viel Zeit dazwischen.

Ina Bhatter
Ja, ja, ja.

Helen
Aber es ist quasi das Projekt, das nach drei Tagen im Schnee kam. Woran du jetzt schreibst?

Ina Bhatter
Genau. Da bin ich auch sehr froh, dass ich, weil ich jetzt so viele Jahre diese Idee mit mir herumgetragen habe. Wie bringe ich das rüber, Wie diese kindliche Zuversicht uns verloren geht. Und das war mir irgendwie so ein Anliegen. Und jetzt, wo das da ist, bin ich super froh, dass direkt eine neue Idee, die mir genau so am Herzen liegt, hinterher gekommen ist. Weil ich fand immer, es gibt zwei Leute, die schreiben, es gibt Leute, die einfach mal ein Buch schreiben wollten und das so auf ihrer Bucketlist hatten oder was Besonderes zu erzählen haben und dann ist es auch durch. Und dann gibt es die Leute, die einfach schreiben um des Schreibens willen. Und ich würde mich jetzt eher zur zweiten Gruppe zählen. Also ich will einfach schreiben und wenn ich lange nicht schreiben kann oder nicht geschrieben habe, dann fehlt mir das total. Und wenn ich eben mit meiner Kaffeetasse da sitze und schreibe, bin ich richtig im Flow. Und deswegen bin ich so so froh, dass ich jetzt diese neue Idee habe und dass die mich genauso antreibt wie die letzte. Ich werde aber. Also ich habe am Anfang, also vor ein paar Jahren, immer von meiner ersten Idee erzählt und habe das dann irgendwann aufgehört, weil ich gemerkt habe, dass mir das so viel, dass irgendwie die Energie dann verpufft, wenn ich so drüber rede. Also nicht, dass ich jetzt Angst hätte, dass mir jemand eine Idee klaut oder so, aber wenn du es einfach immer wieder erzählst, und findest du es vielleicht selber nicht mehr spannend, oder? Ist ja auch so ein super fragiles Pflänzchen. Und wenn dann jemand irgendwie komisch guckt oder irgendeine Bemerkung macht, dann kann das ganz viel anrichten. Und deswegen habe ich entschieden, gar nicht mehr über meine Ideen zu reden, bis sie in einer Phase sind, wo es dann schon so stabil ist, dass dass sie quasi unverwüstlich sind. Genau deswegen, falls deine Frage wäre, worum es geht.

Helen
Kannst du nicht sagen.

Ina Bhatter
Kann ich nicht sagen.

Helen
Ja und? Hast du da irgendwie eine Deadline oder kannst du ganz frei dich entfalten?

Ina Bhatter
Also erstmal habe ich keine. Genau, Erstmal entfalten.

Helen
Ist auch angenehm, oder? Also das stelle ich mir oft. Ich glaube, ich bin. Ich weiß gar nicht warum, aber ich habe das Gefühl, seit dem Burnout bin ich super anti. Irgendeine Deadline, Also soll ich mich jetzt super schnell was Unter Druck. Was? Wo Alle anderen sagen. So, Hä? So? Wo ist das Problem? Also zum Beispiel ich. Ich habe auch schon öfter im Podcast erzählt, dass ich super ungern Rezensionsexemplare. Ich lehne die eigentlich immer ab, weil es mich ab dem Zeitpunkt, wo es hier ist, weil ich weiß, da hängt eine Erwartungshaltung dran. Selbst wenn dann alle sagen Ach, ist doch egal. So. Wir erwarten gar nichts von dir. Ich weiß ja im Grunde, so schickt mir keiner einfach so ein Buch. So ab dem Zeitpunkt, wo das dann hier ist, setzt mich das so unter Druck und dann möchte ich es nicht mehr lesen. Selbst wenn es ein Buch war, was ich vorher unbedingt lesen wollte. Und ich, ich glaube, in der Deadline schreiben wäre wahrscheinlich für mich ähnlich. Also vielleicht muss man da einfach klar kommen mit.

Ina Bhatter
Also ich glaube, es funktioniert. Also beim letzten hatte ich ja dann auch. Als ich dann den zweiten Teil geschrieben habe, hatte ich eine Deadline und das war aber eigentlich super, weil ich einfach wusste, ich schreibe jetzt auf ein Ziel hin. Ich schreibe nicht mehr irgendwie für die Schublade, sondern ich weiß jetzt, dass es erscheinen wird. Es hat dann sogar mit dieser Deadline noch mehr Spaß gemacht als vorher. Weil ich aber einfach gewohnt war, vor mich hin zu schreiben, ohne zu wissen, ob es je irgendjemand lesen wird. Deswegen war das ein großes Upgrade. Und andererseits ist Kreativität ja auch was, was viel Raum braucht. Und das wissen glaube ich auch alle, die in der Buchbranche arbeiten, dass man niemanden irgendwie jetzt da unter Druck setzt. Wenn es aber irgendwann mal eine Deadline gibt, hätte ich damit jetzt, glaube ich, auch kein Problem. Also, aber das ist auch eine lustige Sache. Mich fragen oft Leute so musst du dann jetzt gleich das nächste Buch schreiben? Und dann denke ich immer also es ist eigentlich voll der Luxus, wenn man das überhaupt kann, weil so viele Leute schreiben so tolle Bücher und Geschichten und arbeiten an Projekten, die vielleicht nie erscheinen. Und wenn man einmal in der Lage ist, verlegt worden zu sein. Das ist ein super großes Privileg.

Helen
Das stimmt ja.

Ina Bhatter
Echt dankbar bin Und genau weil ich eben weiß, wie viele Leute tolle Sachen schreiben.

Helen
Ja, Ja. Ich meine, da darf man ja mal erst gar nicht anfangen, darüber nachzudenken, wie viel auch so erscheint und so, aber ich finde irgendwie auch. Also ich. Ich mag auch an dem Buch, das habe ich gestern so oft hervorgehoben, da denke ich immer so irgendwie ist das wahrscheinlich sehr oberflächlich, aber ich bin ein sehr visueller Mensch und ich meine, ich finde schon, dass das sehr hochwertig gemacht ist mit diesem zusätzlichen. Ja, weiß ich nicht, wie so ein Extra, dass das auch so eingeprägt ist, dass es ein Bändchen hat. Es ist irgendwie. Ja, ich habe gestern gedacht wirklich wahrscheinlich wie so ein Geschenkbuch. Vielleicht war das auch die Intention irgendwie vom Verlag oder so, ne.

Ina Bhatter
Also es ist auf jeden Fall mit ganz viel Liebe und wunderschön gemacht und da haben sich ganz viele Leute, auch Profis, wirklich gute Gedanken gemacht und auch einfach ein ganz toller Verlag. Also die haben das Cover ja auch extra malen lassen von einem Künstler von Hand. Das ist wirklich besonders. Das ist einfach wunderschön. Als ich das Cover gesehen habe, war ich sofort total begeistert und. Also ich hätte es mir nicht schöner ausdenken können und wir hatten auch vorher drüber gesprochen. Auch das ist total schön vom Verlag, mich da so einzubeziehen, ob ich Vorstellungen habe und so Und ja, es ist einfach alles richtig gut gelaufen und ich bin und ich finde, das Visuelle ist ja auch wichtig, um einfach so viele Bücher Und wenn man da im Buchladen steht und das sieht, sollte man ja auch eine Vorstellung davon bekommen, worum es geht Und es sollte die Stimmung transportieren und ich finde, das macht es ganz perfekt.

Helen
Ja, und ich glaube, da kann sich doch eigentlich keiner wirklich von freimachen.

Ina Bhatter
Also es ist ja.

Helen
Doch automatisch zu irgendwas, was uns irgendwie anspricht. Also ich finde es auch super, super schön. Und das kam glaube ich auch gut. Wir hatten ja die Malvorlage dafür auch gesehen. hatten einige. Benutzt hast du das. Vielleicht Noch eine ganz gute Frage, auch für den Abschluss, weil du warst in der Freundesliste und hast gesehen, weiß ich nicht, wie viel du das verfolgt hast. Aber du konntest dadurch dann alles sehen, was wir geteilt haben, was wir besprochen haben. Wie war das so für dich? Ich weiß gar nicht, ob ich das könnte, so nah dran zu sein und irgendwie alles mitzubekommen, was irgendwie geschrieben wird. Und gut. Jetzt hatten wir nicht so, wir hatten einen Leseabschnitt, das sonst vielleicht auch noch mal intensiver, wenn man wirklich von Abschnitt zu Abschnitt so Spekulationen oder was auch immer mitliest. Aber ähm, ja, wie war das für dich? Hast du das ausgeblendet, weil eh Weihnachten war oder hast du es mitverfolgt?

Ina Bhatter
Also ich finde das total wertvoll, mitzuverfolgen, was Leserinnen über mein Buch schreiben. Das hat mir vorher hat mir jemand geraten. Am besten, du liest die Rezensionen selber gar nicht, wenn dein Buch erschienen ist. Und dann dachte ich so Nein, also das ist doch so, so toll, dass es die Möglichkeit gibt. Und für die Leserinnen schreibe ich es ja auch. Und ich will natürlich wissen, wie die das finden. Also ich könnte gar nicht das nicht lesen oder ich fände es einfach schade, das auszublenden. Außerdem bin ich ja selber schon ein paar Jahre auf Instagram in der Bubble unterwegs und das ist so ein schöner Austausch. Ich habe selber so viele tolle Bücher überhaupt erst kennengelernt durch die Rezensionen und die Tipps und Empfehlungen anderer. Oder manchmal auch wenn jemand ein Buch nicht so toll fand, dann weiß ich vielleicht anhand der Rezi dann auch schon, ob es für mich dann vielleicht auch nichts wäre. Also meine, die Qualität der Bücher, die ich lese, hat sich so verbessert seit ich auf Insta aktiv bin in also bei Bookstagram. Genau. Also deswegen würde ich das nie nicht lesen wollen. Und natürlich weiß ich das auch nicht jedem mein Buch gefallen kann. Das ist auch nicht mein Anspruch. Aber es ist total spannend zu sehen, warum es Leuten nicht gefällt und eben auch diese ganz vielen wertschätzenden Rezensionen, wo Leute schreiben, das ist genau zur richtigen Zeit bei ihnen ankam oder was es mit ihnen gemacht hat. Das ist sehr schönes Feedback für mich.

Helen
Ja, ja, ich finde halt auch wenn man so darüber nachdenkt, dass man, also dass das auch so ein Impact einerseits hat und dass du damit ja auch was hinterlässt. Also das ist wie so ein so ein Erbe. Ich meine, es klingt irgendwie krass, aber so ist es ja im Grunde und es ist schon schon irgendwie was besonderes.

Ina Bhatter
Also ja, also es ist halt toll. Das stimmt. Besonders für. Also ich weiß, viele haben so das Ziel, ein Buch zu schreiben, damit was bleibt, aber hauptsächlich ist es ja für die für unsere Zeit jetzt relevant. Und genau deswegen. Ja, klingt jetzt glaube ich sehr, sehr groß. Ich weiß nicht, in wie viele Gegenwartsautorinnen irgendwie in fünfzig Jahren noch gelesen werden oder so, aber.

Helen
Zumindest für deine Kinder.

Ina Bhatter
Genau. Für meine Kinder und für die Gegenwart ist es halt superschön, da ein Aspekt beitragen zu können. Das ist wirklich.

Helen
Toll. Echt richtig cool. Vielleicht verrät es uns aber noch wo. Also, wie heißt dein Buch? Wo findet man das? Wo findet man dich? Wo kann man. Wo kann man alles über dich erfahren?

Ina Bhatter
Genau. Also, das Buch heißt Drei Tage im Schnee. Das gibt es in den meisten Buchhandlungen auch tatsächlich vorrätig. Ich poste gern auf Instagram unter meinem Klarnamen. Also Ina Bhatter. Also wenn ihr einfach mehr erfahren möchtet über das läuft dann auch unter dem Hashtag Autorinnenleben. Obwohl ich den ein bisschen lustig finde. Aber wenn ihr einfach mehr darüber erfahren möchtet, wie so ein Buch entsteht oder was mich so beschäftigt, aber auch ganz viel über andere tolle Bücher, die ich lese, über andere Autorinnen, die ich treffe dann. Dann folgt mir gerne. Und genau das ist auch der Ort, wo man mich am besten erreicht. Wenn ihr Fragen habt zum Buch oder irgendwas, was wir vielleicht heute noch nicht beantwortet habt, schreibt gerne eine Nachricht auf Insta an Ina Bhatter. Ich bin auch auf LinkedIn und genau das ist glaube ich, es sind die Orte, wo man mich am besten sieht findet.

Helen
Kann man dich denn eigentlich auch noch irgendwo live jetzt treffen?

Ina Bhatter
Jetzt erstmal ist nichts geplant.

Helen
Aber sonst? Wahrscheinlich dann auch. Also auch bei Instagram, wahrscheinlich sonst und auch auf der Verlagswebseite, oder?

Ina Bhatter
Ja, genau, bei Kiwi. Also Kiepenheuer und Witsch. Genau da auch ja nicht bei Insta ist. Ja.

Helen
Cool, ich danke dir sehr für deine offenen Antworten, dass wir einfach auch nur alles fragen konnten, dass du uns ein bisschen Einblick gewährt hast. Danke für dieses Buch. Was glaube ich echt perfekt. Also ich habe das gestern auch gesagt. Es ist perfekt, dass wir das so als letztes zwanzig, fünf und zwanzig und als erstes zwanzig sechs und zwanzig Buch hatten. Das passte jetzt irgendwie einfach richtig gut. Genau. Danke für die Denkanstöße Und ich würde sagen, wir trinken den Milchkaffee zu Ende, lassen dich auch nachher noch mal ein bisschen weiterschreiben und verabschieden uns an der Stelle von den Mädels.

Ina Bhatter
Genau. Danke dir und danke euch fürs Lesen Und danke, dass ich hier sein konnte.

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