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Podcast · Folge 108
Eine Buchhandlung für den Preis eines Kleinwagens
Coco Meurer über Literaturensohn: vom Instagram-Account zum eigenen Laden in Berlin-Mitte, über das Rezensionssystem mit den drei Söhnen – und darüber, was hinter dem bunten Merch wirklich steckt
Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise – diesmal braucht es keine: Coco Meurer sitzt hinten im Büro ihrer Buchhandlung, vor der Tür werden die Bäume beschnitten. Im Glas eine Erdbeerschorle, daneben eine Trink-App auf dem Handy, weil sie zu wenig trinkt. Helen kontert mit einer Trinkflasche, die das von selbst mitzählt. Aufgenommen haben wir digital.
Coco Meurer
Buchhändlerin und Kreative, Literaturensohn
Studium in Berlin, danach Marketing – zuletzt leitete sie das Kreativteam eines Zahnschienen-Anbieters. 2020 startete sie den Instagram-Account literaturensohn und wurde im selben Jahr für den Buchblog-Award nominiert. Ab 2021 arbeitete sie zwei Jahre als Online-Marketing-Managerin bei Rowohlt und betreute dort unter anderem die Kampagnen für Mareike Fallwickl und Heinz Strunk. Am 4. September 2023 eröffnete sie ihre eigene Buchhandlung in Berlin-Mitte – rund 45 Quadratmeter, ein scharf kuratiertes Programm, dazu ein eigener Kreativraum. Nebenher arbeitet sie als Freelancerin: Cover, Kampagnen, Branding, Texte.
Der Account, den sie ohne ihr Gesicht starten wollte
Am Anfang stand eine sehr praktische Frage: Wie zeigt man ein Buch, ohne selbst darauf zu sein? Sie hasst es, fotografiert und gefilmt zu werden – man sieht es ihren Bildern bis heute an, sie schaut nie direkt in die Kamera. Ihre erste Idee war eine Industrieklammer, die das Buch oben und unten festhält. Was daran nicht funktioniert, sagt sie selbst: Jedes Foto mit ihrem Gesicht performt um ein Vielfaches besser. Den Algorithmus kann sie auch nicht austricksen.
Der Account lief zunächst neben dem Job her, mit zwei- bis dreitausend Follower*innen, als sie sah, dass Rowohlt jemanden sucht. Dort betreute sie zwei Jahre lang die literarischen Veröffentlichungen – und hatte einen Moment, der sich für sie rund anfühlte: Mareike Fallwickls Buch war das erste, das sie je rezensiert hat, und deren Kampagne die erste, die sie für den Verlag betreut hat.
Dass sie danach ging, begründet sie ohne Groll: Es waren gute zwei Jahre, aber das Korsett Verlag war ihr zu eng. Die Entscheidung, nie wieder in einem festen Arbeitsverhältnis zu sein, traf sie aus Portugal heraus.
Das Rezensionssystem mit den drei Söhnen
Der bekannteste Teil von Literaturensohn ist die Art, wie dort bewertet wird – und zwar ausdrücklich nicht nach gut und schlecht. Ihr Ausgangspunkt: Ob Unterhaltung oder Hochliteratur, ist ihr egal. Es muss Spaß machen, und nicht jedes Buch ist zu jedem Zeitpunkt für jede das richtige.
- Ein Sohn: Eskapismus. Etwas, das man konsumieren und dabei Spaß haben will – gerade keine sexualisierte oder häusliche Gewalt, gerade nichts Gesellschaftliches. Das heißt ausdrücklich nicht, dass der Text weniger komplex ist. Zwei Seiten zum Einschlafen funktionieren.
- Zwei Söhne: Mit Interpretationsfläche. Da steckt ein gesellschaftskritisches Thema drin, mit dem man sich befassen kann. Es ist die Kategorie, die sie im Laden anbietet, wenn sie fragt: Was beschäftigt dich gerade, worüber möchtest du etwas über dich oder die Gesellschaft lernen?
- Drei Söhne: Ein Text, für den man sich wirklich hinsetzt. Hoch strukturiert, schwierige Sätze, vielleicht zwei oder drei Themen, die sich kreuzen. Nicht das Buch für den Strand mit Mojito in der Hand.
Dahinter steht ein bewusster Marktgedanke: Sie sucht Leute wie sich – weiblich gelesene Personen, die nicht auftreten müssen wie eine Literaturwissenschaftlerin oder wie Denis Scheck. Ihr Satz dazu: Es ist für alles ein Markt da, aber für uns gab es ihn in der Form noch nicht. Sie selbst hat übrigens einmal versucht, die hundert wichtigsten Klassiker zu lesen – und nach der Blechtrommel und dem Fänger im Roggen aufgehört.
Was eine Buchhandlung kostet
Der praktischste Teil der Folge ist ihre Rechnung von damals. Genau wissen konnte sie es nicht – sie war ins Buchgeschäft hineingestolpert und sagt bis heute, sie habe nie vollständig durchdrungen, was sie an einem Buch verdient. Ihr Maßstab war ein anderer.
Wenn es unter dem Wert eines Kleinwagens ist, ist es okay, denke ich mir. Andere nehmen einen Kredit auf, nur um ein schickes Auto zu fahren.Coco Meurer
Konkret: 20.000 Euro Kredit, davon allein rund 8.000 für die Kaution der Gewerbeimmobilie. Bei ihrem vorherigen Gehalt hieß das 300 bis 400 Euro Tilgung im Monat – viel Geld, aber stemmbar. Nach demselben Muster ist sie später an den eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse gegangen: erst »niemals, das wird endlos teuer«, dann nachgerechnet.
Was sie ebenso deutlich sagt: Vom Laden allein kann sie nicht leben. Sie liebt ihn, sie ist dankbar für alles, was er ihr ermöglicht – aber die Rechnung geht ohne die Freelance-Aufträge und den Merch nicht auf. Und sie würde wirklich gerne einmal die Buchhaltung einer anderen Buchhandlung sehen.
Der Satz, den sie nicht vergisst
Ihr wichtigster Rat an Gründerinnen dreht sich nicht um Zahlen, sondern um Ratschläge.
Guckt euch genau an, wer die Quelle ist. Nicht alle haben den Blick auf die Welt, den du in dem Moment hast.Coco Meurer
Die ersten Monate war sie vor allem damit beschäftigt, fremden Leuten zu erklären, wovon sie hier eigentlich lebt – was, wie sie sagt, nicht ihr Job ist. Eine Begegnung ist ihr geblieben: In der noch komplett leeren Gewerbeimmobilie erklärte sie einer Besucherin ihr Konzept und zeigte auf den hinteren Raum. Die Antwort: Damit würden Sie höchstens an Erfahrung reich. Dass der Satz von einer weiblich gelesenen Person kam, macht ihn für sie schlimmer, nicht besser.
Dabei hätte sie mit einem Scheitern leben können: Hätte sie nach sechs Monaten gemerkt, dass die Kosten über dem liegen, was sie investieren will, hätte sie zugemacht und gesagt, es war ein Traum, es hat nicht funktioniert. Fair enough.
Was hinter dem bunten Merch steckt
Der Titel der Folge fragt nach der bunten Welt – und Coco Meurer beantwortet ihn ungeschminkt. Ihr ist wichtig, gerade jungen Frauen zu sagen, dass das hier nicht nur happy life ist.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Das hier ist Business, und ich trage da auch viel Verantwortung.Coco Meurer
Sie spricht offen darüber, dass es Tage gibt, an denen sie hereinkommt und denkt, sie macht den Laden zu – und benennt dabei auch körperliche Gründe, über die selten geredet wird. Helen hält dagegen, dass sie sich lange gefragt hat, ob mit ihr etwas nicht stimmt, weil sie täglich einen Moment hat, in dem sie ans Aufgeben denkt – bis sie andere Gründerinnen kennenlernte.
Dazu kommt das schlichte Arbeitspensum. Der Account und der Laden sind schneller gewachsen als geplant, sie arbeitet nach eigener Aussage mehr als alle, die sie kennt, hat inzwischen den B2B-Verkauf an andere Buchhandlungen eröffnet und muss anfangen abzugeben. Abgeben fällt ihr schwer – sie nennt es selbst eine ungesunde Arroganz, zu glauben, alles, was sie macht, sei schon optimal.
Warum Helen bei diesem Thema besonders genau hinhört, erzählt sie in Folge 116.
Der Laden als Ort
Eine Sache aus dieser Folge bleibt besonders hängen: wie sie mit Kundschaft umgeht, die gar nicht angesprochen werden will. Wer hereinkommt und nicht hochschaut oder Noise Cancelling trägt, wird von ihr nicht angesprochen – das ist für sie ein Zeichen und völlig in Ordnung.
Dazu gehört der Ort selbst: In den Nullerjahren war in den Räumen ein Bordell, danach eine Galerie. Und es gehört der Kiez dazu – ein kompletter Menschenkreis, den nur sie kennt, weil sie täglich denselben Leuten zuwinkt. Ihre Beschreibung: ein richtig altmodisches Geschäft, stationärer Handel, und genau deshalb schön.
Der Mietvertrag läuft drei Jahre. Danach, sagt sie, würde sie sich im Einzelhandel eher verkleinern – der Laden ist auf Dauer zu teuer. Der Traum vom Leben am Meer ist nicht verblasst, nur unscharf terminiert; bei der letzten Portugal-Reise hat sie sich Immobilien angesehen.
Ich weiß nicht, ob das jeder Frau Traum ist, aber es ist meiner.Coco Meurer
Das Buch aus der Folge
Die Wut, die bleibt
Mareike Fallwickl
Der Titel hinter der Angry-Female-Club-Kampagne, die Coco Meurer bei Rowohlt betreut hat – und ihr Full-Circle-Moment: Mareike Fallwickl war die erste Autorin, die sie je rezensiert hat.
*Mit Sternchen markierte Links sind Affiliate-Links: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.
Vierundsechzig Minuten mit jemandem, die aus einem Instagram-Account einen Laden gemacht hat – und die sehr genau sagt, was das kostet, was es einbringt und was hinter den bunten Bildern steckt.
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Häufige Fragen
Was ist Literaturensohn?
Ursprünglich ein Instagram-Account, den Coco Meurer 2020 gestartet hat, inzwischen eine Buchhandlung in Berlin-Mitte, ein Onlineshop mit Merch, eine Veranstaltungsreihe und ein Kreativbüro für Cover, Kampagnen und Branding.
Wie funktioniert das Rezensionssystem mit den drei Söhnen?
Es bewertet nicht Qualität, sondern Lesemodus. Ein Sohn steht für Eskapismus – etwas, bei dem man einfach Spaß haben will. Zwei Söhne stehen für ein Buch mit Interpretationsfläche und einem gesellschaftskritischen Thema. Drei Söhne stehen für einen Text, für den man sich wirklich hinsetzen muss.
Wo ist die Buchhandlung?
In Berlin-Mitte in der Brunnenstraße, eröffnet im September 2023. Rund 45 Quadratmeter mit einem bewusst kleinen, ständig wechselnden Programm, dazu ein eigener Kreativraum. Termine für Veranstaltungen stehen auf literaturensohn.de.
Was kostet es, eine Buchhandlung zu eröffnen?
In ihrem Fall waren es 20.000 Euro Kredit, davon rund 8.000 Euro Kaution für die Gewerbeimmobilie. Ihr Maßstab: Wenn es unter dem Wert eines Kleinwagens liegt, ist es machbar – bei ihrem vorherigen Gehalt hieß das 300 bis 400 Euro Tilgung im Monat.
Kann man von einer kleinen Buchhandlung leben?
Sie sagt klar nein – nicht von diesem Laden allein. Möglich ist es, weil sie nebenher als Freelancerin arbeitet und Merch verkauft. Genau deshalb war von Anfang an klar, dass sie beides parallel macht.
Was rät sie Frauen, die gründen wollen?
Genau hinzuschauen, von wem ein Ratschlag kommt. Ungefragte Meinungen haben für sie ohnehin kein Gewicht; wenn man fragt, sollte man sich ansehen, aus welcher Situation heraus geantwortet wird. Wer selbst gerade in finanzieller Not steckt, rät zwangsläufig vorsichtiger.
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Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.
Helen
Herzlich willkommen Coco. Ich freue mich sehr heute mit dir über deine Buchhandlung, dein Instagram Account, dein Kreativbüro, deinen Merch, alles Mögliche zu sprechen. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich. Wo sind wir gerade und welches Getränk hast du uns mitgebracht?
Coco Meurer
Erstmal vielen Dank und hallo, danke, dass ich da sein darf. Ich sitze in der Buchhandlung, hinten in meinem Büro. Ich hoffe, dass es Sound geht, weil wir natürlich heute vor dem Laden die Bäume beschnitten werden. Ah ja, klar. Klassiker. Genau, damit der Sound bloß nicht gut ist am Ende. Und weil ich gerade, mein Mann hat mir eine Trink-App aufs Handy geladen, weil ich zu wenig trink, deswegen ist das, finde ich, eine saugute Frage. Ich habe so einen Riesen-Stanley-Cup – man mag davon halten, was man möchte, mit einer Erdbeerschorle hier stehen. Und die muss ich immer updaten, ob ich das jetzt auch schon getrunken habe oder nicht.
Helen
Trackt die das auch allein, oder musst du das eintragen?
Coco Meurer
Ich muss leider, aber ich schummel nicht versprochen. Also.
Helen
Aber ich finde, meine Schwestern hat mich vor ein paar Tagen erst dafür verurteilt, weil ich eine Trinkflasche habe, die das für mich trackt.
Coco Meurer
Das ist ja genial. Weil ich würde vergessen, das einzutragen.
Helen
Wir verlinken das mal. Ich suche erstmal nach einem Affiliate-Link. Sehr gut.
Coco Meurer
Also ich habe schon überlegt, ohne den Anbieter zu nennen. Also nicht, dass es mich interessiert, aber es gibt ja so Flaschen, die gaukeln dir so vor, dass irgendwas Geschmack hat, weil ich stilles Wasser hasse. Das habe ich auch überlegt, ja. Ja, und ich bin wirklich eine sehr schlechte Trinkerin. Ich komme manchmal echt, da trinke ich morgens die Tasse Tee und dann abends noch mal… Ja, ist ganz schlecht für dich. Ja, davon kriegt man Falten, habe ich gehört. Auch deine Leber und alles. Ja, ich weiß. Oder die Niere, nee, die Niere wahrscheinlich. Ja, auch, wahrscheinlich alles. Aber ich habe jemanden zu Hause sitzen, der mir sehr viel Druck macht, mich saumäßig nervt damit. Also, da muss ich ihn wieder bestärken. Ja, ich weiß. Aber es nervt wirklich, ich trink halt einfach nicht gern, aber ich weiß selbst, dass das krass schlecht ist. Aber ich versuch dann gerade heute, habe ich wieder so einen Start gesetzt, so ich gehe jetzt morgens in den Supermarkt, kaufe einen Saft und mach dann Schorle drauf, den ich mag und das ist heute Erdbeerschorle.
Helen
Ah voll gut, ja richtig gut. Ich würde sagen, mit unseren trackenden und nicht trackenden Flaschen stoßen wir einmal an. Ich bin mit dem schon irgendwie knietief drin. Ich hatte dich angeschrieben, also ich habe dir im Vorfeld schon gesagt, dass ich auch einfach super nervös war, aber ich dachte jetzt, ich hatte letztens so einen Tag, da dachte ich, ich schreibe jetzt mal die Leute an, die ich ein bisschen anhimmele und wo ich mich nicht richtig getraut habe bisher. Ich mache das jetzt einfach mal. Es ist ja auch immer verrückt, ich predige das sehr häufig auch hier im Podcast, dass man ja eigentlich selten eine negative Nachricht bekommt. Ich stehe mir sehr häufig sehr erfolgreich selbst im Weg. Deswegen habe ich sehr gefreut, dass du zu gesagt hast, weil ich Literaturensohn ehrlich gesagt schon lange verfolge. Ich habe das Gefühl, seit du das angefangen hast, obwohl ich ganz nicht ganz sicher bin, ob das vorher ein privater Account war. Nee, ne? Also ich glaube dann ehrlich gesagt wahrscheinlich seit Anfang an und ich fand irgendwie auch dieses Bewertungssystem super witzig. Ich meine, der Name ist auch einfach witzig. Aber ich finde seitdem so krass, was du alles halt gemacht hast und machst und wie erfolgreich das ja auch ist, ist super cool. Ich meine, ich war erst vor wenigen Wochen bei deinem eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse. Hat unglaublich. Ja. Und ich habe im Vorfeld, hatte ich auch in der Enge-Freunde-Story abgefragt, so was soll ich Coco fragen und da war zum Beispiel auch eine Frage, ja wo kriegt man den Merch in NRW? Also so, ich habe auch das Gefühl, gerade so in der Buchbubble Kennt man mindestens mal den Merch.
Coco Meurer
Ich habe gerade auch gedacht, hätte ich doch mal den Pulli angezogen. Das wäre jetzt das perfekte Outfit für die Aufnahme.
Helen
Ich liebe den Pulli auf jeden Fall. Also ich habe einen von den vielen Pullis, die du hast oder die du anbietest. Wie ist es dazu gekommen? Also wie, wie, wie kam Literatur in so einen Zustand? Wie kam es, dass du jetzt da bist, wo du bist? Das ist, das ist eine sehr gute Frage. Also ich finde krass, dass so eine von denen ist, die von Anfang an dabei ist. Ich habe schon so ein paar Namen auf dem Schirm. Also es gibt wirklich Followerinnen, die sind mir so richtig präsent. Das wissen die natürlich nicht. Aber ich habe so ein paar Namen, die sind Teil meines Lebens. Das klingt so strange, weil ich keinen Kontakt zu euch habe. Aber das habe ich auch, ja. Ich sehe diese Namen immer wieder. Ich habe Ladies, die machen die neunte Bestellung bei mir. Das ist so, als ich glaub, und das ist ja mein ewiger Satz, das muss ich auch noch meinem Titowierer sagen, da muss ich nächste Woche, darf ich nächste Woche hin. Ich muss unbedingt meinen, wenn der Lebenssatz überhaupt ist, das Leben ist eine Perspektive. Meiner ist eine andere als deine, deiner ist eine andere als von jedem anderen, die du triffst. Und es spielen so viele kleine, also das sind so kleine Mosaik-Teile in so einem Leben. Und Literatur und Sohn ist aktuell alles, um ehrlich zu sein. Und ich kann das selbst manchmal echt nicht fassen, was das geworden ist. Das war so ein Hirngespinst. Ich will irgendwie ein Instagram machen über Bücher. Ich fühle mich null gesehen. Als Leser hör ich so, wie ich bin und wer ich bin und dass ich nicht so die klassische Erscheinung bin, sagen wir es jetzt mal so, die literarisch liest. Ich fand das immer so doof. Also ich fand, ich hab irgendwie das literarische Quartett geguckt und dachte, ja, ich verstehe schon, was ihr sagt, aber ich fühl's null. Also ich hab mich einfach nicht gesehen gefühlt in dem Ganzen. Und dann habe ich in dem ersten Lockdown, in den wir gegangen sind, während Covid, war ich super hardbroken und musste irgendwas machen, um klarzukommen. Also ich war so hardbroken, dass nicht mal mehr Lesen ging. Ja, es war ganz schlimm, mit Betrügereien. Das hat mir echt so richtig die Substanz genommen. Ich hatte immer einen privaten Instagram-Account mit meinem Klarnamen. Ich habe auch Bücher gezeigt, aber ich habe schon bemerkt, dass keiner meiner Freundin findet. Das ist irgendwie interessant. Wahrscheinlich alle eher so genervt. Dann wurde das mit Covid echt auch obsessiv. Dann habe ich ihn wirklich krankhaft viel gelesen. Ich bin keine Leserin von Tag 1. Ich habe das nicht so in meiner Jugend integriert gehabt. Ich habe echt richtig spät angefangen, doll viel zu lesen über eine meiner unzähligen Schwiegermütter. Hat Bea, hat mir damals Rumo von Walter Mörrers mal gegeben und ich war so gerade verdickt, von da an Bücher zu finden, die den Sog oder die Sogkraft haben. Genau und dann in diesem Heart Broke Moment. Ich muss was für mich machen, saßen wir so zusammen so her, was ich glaube ich mache an Instagram, aber irgendwie muss das ja auch cool sein und also cool Anforderungszeit. Das sind wir wieder bei dem Board. Was wär's und wer ist cool? Aber es musste irgendwie halt auch schon zu mir passen und es sollte natürlich liebe Provokation. Ich bin eine wahnsinnig laute Person. Fand das schon auch irgendwie das durfte nichts Gefälliges sein.
Coco Meurer
Genau, das weiß ich noch. Da habe ich ewig darüber nachgedacht. Auf gar keinen Fall möchte ich mich fotografieren für irgendeine Foto. Das ist bis heute der größte Painpoint. Ich hasse, das gefilmt zu werden, ich hasse, das fotografiert zu werden. Man sieht das ja auch total auf meinen Fotos. Ich gucke nie direkt in die Kamera. Ein Wunder, dass mein Mann und ich uns bei der ganzen Sache nicht regelmäßig in die Haare kriegen. Mein Mann ist Kameramann und der hat mich noch nie gefilmt für diese ganze Sache. Also, das alles ist so. Ich will das eigentlich nicht. Dann habe ich ewig darüber nachgedacht, wie zeige ich dieses Buch? Also ich zeige jetzt dir ein Buch und hab lange überlegt. Okay, mache ich das mit so einer Industrieklammer und klammere das oben und unten fest, damit ich da halt nicht erscheine als Person, blablabla, was natürlich komplett der Bullshit ist, weil jedes Foto, wo mein Gesicht auf zu sehen ist, performt natürlich tausendmal besser, als wenn ein Buch drauf ist, weil es halt Instagram ist. Ich kann den Algorithmus auch nicht tricksen. Genau, und dann hab ich irgendwie damit angefangen, war in einem festen Arbeitsverhältnis, Ich habe immer Marketing gemacht. Zuletzt bei Plus Dental, da habe ich das Kreativteam geleitet. Wir haben durchsichtige Zahnschienen verkauft. Also ich komme ganz klar…
Helen
So einen habe ich. Ja, ich habe auch die Szene damit korrigiert lassen. Ich bin auch ultra… Ach, nee, warte, ich verwechselt. Ich habe so eine weiße Schiene für nachts, weil ich knirsche. Ah, nee, okay. Das ist normal.
Coco Meurer
Es war der Wettbewerber, den die meisten kennen. Und da habe ich ganz klassisch Kreativteam Marketing gearbeitet. Brand gebaut und dann habe ich irgendwann gesehen, dass Rowohlt jemand sucht und da die kannten meinen Instagram schon, da war ich aber auch noch klein, also da hatte ich 2, 3.000 Followerinnen und dann bin ich bei Rowohlt eingestiegen und habe da zwei Jahre die literarischen Veröffentlichungen betreut und nebenher lief das, das war total dienlich, also plötzlich war es so gut gut connected in der Branche. Ich hatte für Mareike Fallwickl die Angry-Female-Club-Kampagne gemacht.
Helen
Ah, die ist so cool gewesen.
Coco Meurer
Ja, das macht auch wirklich gerne. Ich bin ja auch Mareike-Fallwickl-Fan. Ich glaube, in jedem Gespräch gehört man das. Ich verehre, wie sie schreibt, wie sie auf die Welt guckt. Das war schon echt ein… Auch das war ein Full Circle Moment für mich, weil ihr Buch war ihr erstes, das ich je rezensiert und ihre Kampagne war die erste, die ich je für Rowohlt betreut habe. Genau, da hatte ich auch so einen Fan-Girl-Moment. Und das hat dann auch alles gut funktioniert. Es waren auch coole zwei Jahre, aber ich sage immer, das Korsett Verlag ist mir zu eng. Also langsam, zu langweilig. Das ist nicht abwertend gemeint. Ich bin auf jeden Fall im Spektrum von ADHS und Autismus oder Autismus und diagnostiziert, aber ich habe einfach echt krank viel Output. Und ich langweil mich schnell, deswegen war das einfach das war es dann. Da bin ich ja ins Ausland gegangen und immer lief der Instagram-Account nebenher. Also ich bin immer dann gewachsen und ich hatte dann auch schon, da hatte ich keine Ahnung, 300 Follower in. Da habe ich schon so meinen Freundinnen meine Hoodies aufgezwungen und habe irgendwie zehn Stück drucken lassen und so. Und das war schon immer irgendwie so eine Idee. Ganz ursprünglich komme ich aus der Mode. Also ich habe Modejournalismus…
Helen
Stimmt, das habe ich gesehen.
Coco Meurer
Ja, ich habe Modejournalismus studiert hier in Berlin. Mein Lebenslauf ist sehr wellig und…
Helen
Kenn ich, kenne ich.
Coco Meurer
Also ich habe zig Ausbildung hinter mir, ich habe zig Studiengänge hinter mir, deswegen deck ich viel ab. Genau, dann bin ich aber ins Ausland gegangen und habe noch für Rowohlt gearbeitet und habe mich dann aus Portugal raus entschieden, entschieden, dass ich nicht mehr in einem festen Arbeitsverhältnis sein möchte und habe dann, was wäre absolutes Optimum, was mir jetzt passieren könnte? Und dann war klar, eigentlich würde ich irgendwann mal gerne am Meer leben, aber man geht ja nicht ohne Arbeitgeber und ohne Income, also ich nicht mehr mit 40, dann wollte ich das nicht mehr. Dann war so eher der perfekte Verlauf wäre, wenn ich eine Buchhandlung hätte. Genau, und dann war aber auch von Anfang an klar, was nicht heißen soll, dass der Job einer Buchhändlerin leicht ist, das ist super anstrengend und das ist full-time Job. Aber in dieser Buchhandlung hier ist so wenig los, in Anführungszeichen, dass mich das langweilen würde. Deswegen war von Anfang an klar, dass ich nebenher als Freelancerin arbeite. Genau und das nahm auch echt dank des Instagram-Accounts recht schnell Fahrt auf. Also ich habe wirklich gute schöne Aufträge gemacht. Ich habe für Luisa Dellert die CI gebaut. Genau, das war auch einfach nur, weil eine ihrer besten Freundinnen, mein Laden kannte, Luisa hierher gebracht hat, wir kurz geschnackt haben und so, also ich liebe diesen Laden, ich bin dankbar für alles, was der mir möglich macht, aber Leben kann ich davon nicht. Also das ist leider, leider, leider echt, ich weiß nicht wie andere Buchhandlungen das machen, ich werde diesen Talk auch nicht müde. Ich würde so gerne mal die Buchhaltung einer Buchhandlung sehen. Für mich wird es nicht aufgehen und deswegen war total klar, dass ich Freelance und dieses Merch-Ding… Ey, ich sag dir, wie es ist, ich habe keine Ahnung. Also, das ist echt einfach… Ich weiß gar nicht, warum morgens auf und denke, keine Ahnung, wie das je funktionieren konnte. Also klar, man sieht mehr an, dass ich ne Fashion-Mouse bin, so. Ich glaube, da kommt so eins zum anderen. Alles, was ich mache, ist bunt und wild, muss Spaß machen und ich glaube darauf hat haben wir Leserinnen einfach Bock also ich glaube es ist einfach lustig auf dem Cap stehen zu haben dass ein Read More Books oder hat dieses lustige Wort Literaturen sollen und da habe ich irgendwie ein scheinbar gute Nische getroffen wo mainly weiblich gelesene Personen Bock drauf haben also ja und da ein gutes Gespür auch dafür was funktioniert oder was gut ankommt. Ja, das ist auch interessant, dass du das sagst. Ich finde das, also ich habe, weil wir anfänglich vor unserer Aufzeichnung kurz gesprochen haben, dass das von außen ist natürlich Literatur und Sohn und ich, ich bin eine sehr viellachende Person und alles wirkt sehr leicht. Also du siehst mich hier kein einziger finanzielle Investitigen, wo ich nicht stundenlang drüber nachdenke. Ich habe gerade gestern, ich habe zwar gestern endlich eine Aushilfe, weil es war wirklich bis gestern eine One-Woman-Show. Ich mache wirklich alles selbst, jedes Paket. Ich putze den Laden, ich verkaufe jedes Buch, ich mache die Buchhaltung, also ich mache wirklich alles, alles, alles selbst. Jetzt komme ich an den Rande meiner Möglichkeit und auch so, dass der Haussegen nicht anfällt, die Schiene zu längen. Deswegen ist jetzt seit gestern Franzi mit hier am Start, die mir hilft und die sagt So, kauft doch mal ein paar Regale um diesen ganzen Merch überhaupt mal so. Und ich bin, ich hab Angst, dass das morgen vorbei ist. Also das klingt so absurd, weil ich ja mit der Messe. Also ich sage immer, ich habe so einen, ich versuche ein gesundes, eine gesunde Einschätzung und nicht arrogant zu werden bei der Sache. Das kann ich mir auch nicht leisten. Also das ich. Und wenn ich dann, also jetzt ist gerade wieder so, jetzt ist dieser Drop leipziger Buchmesse vorbei. Jetzt mache ich neue Designs. Jetzt wird's zum Spät-Sommer-Was-Neues-Geben, eine neue Colab, eine neue … Alles von mir neu. Und dann ist in meinem Kopf, okay, aber wer zur Hölle soll das kaufen? Und warum sollte ich zur Hölle Regale bestellen? Hier ist ja jetzt gerade nicht viel. Also ich hab genauso Zweifel daran, wie jeder hoffentlich … Also nicht wie mittelgute weiße Zismänner, die zweifeln ja keine Sekunde an sich. Ja. Aber ich glaube schon, dass ich da versuche, mit sehr gesunder Einschätzung ranzugehen. Also ich habe natürlich auch Existenzängste, wenn ich jetzt… Auch die Leipziger Buchmesse, ich bin ja sehr freigibig gerade, weil ich es sehr wichtig finde, dass wir weiblich gelesen Frauen uns auch mal A pushen und B immer sagen, hey, versuch's einfach. Aber nur, wenn es dich nicht in den finanziellen Ruinen treibt. Habe ich so ein Invest wie Leipziger Buchmesse, wo ich ja wirklich faktisch mit Ware stehen muss. Das hat so viel gekostet wie die Unternehmensgründung am Anfang. Und das hätte auch einfach ganz gehörig nach hinten losgehen können. Deswegen so easy, dass alles immer wirkt. Und es ist auch easy, mir geht es so gut wie noch nie in meinem Leben. Das macht alles so viel Spaß wie noch nie in meinem Leben, weil es halt auch alles, was ich mache, wirtschaftet am Ende in meine Tasche. Aber du kommst auch da an Grenzen des Oh mein Gott, was mache ich? Wenn ich jetzt 20.000 Euro Ware hier liegen habe, dass in den Sands jetzt wer hat fucking 20.000, also ich habe keine 20.000 Euro rumliegen. Ja. Und ich will auch nicht den Rest meines Lebens nur meinen eigenen T-Shirts tragen, weil das wäre dann mein Schicksal gewesen, das selbst tragen zu müssen. Und da ist mein Umfeld schon ein bisschen sicherer. Ich will nicht sagen, ich habe angemessen Angst, würde ich sagen, oder angemessenen Respekt, dass das nicht mehr aufgeht. Deswegen, also um zu deiner anfänglich Frage, wie ist das als gekommen? Ey, ich habe keinen Plan, aber ich bin unendlich dankbar. Irgendwie passiert. Genau. Also ich finde es krass. Ich bin echt entdankbar. Ich finde es supergar. Ich bin unendlich stolz, wenn ich Leute auf der Straße mal ins Dach sehe. Das ist wirklich verrückt. In Portugal war dieser Moment, dass ich angesprochen worden bin. Hey, bist du nicht? Dann denk ich mal so. Ha! Schott! Was passiert hier? Das ist schon schön, in so einer Bubble jemand zu sein. Das meiste ist nicht nur, dass die Leute mich ansprechen wegen dem Merch. Das ist natürlich der erste optische Reiz. Aber dass, wenn weiblich gelesene Personen auf mich zukommen und sagen,
Helen
Hey, deine Rezensionen sind so krass.
Coco Meurer
Es macht mir so viel Spaß und ich komme nicht hinterher mit guten Büchern. Das Schönste, was man mir sagen kann ist, egal was du empfohlen hast, das war alles toll. Das finde ich total, das macht mich richtig glücklich. Das finde ich schon ganz gut. Jetzt, ich will dir das noch hinzuzahlen, weil das ein Ausläufer gewesen von der anderen Podcastaufnahme, wo ich das erste Mal wirklich sehr privat gesprochen habe, weil man kennt ja so diese Figur, die zeichne auf Instagram. Mir ist es aber wichtig, gerade jungen Frauen zu sagen, dass natürlich das wissen, ich glaube wir vergessen trotzdem immer wieder alle, es ist nicht alles Gold, was glänzt. Und das, ich glaube jetzt bin ja in so einem Punkt, wo ich auch ehrlich reden muss, das hier ist nicht nur happy life, ich gehe hier morgens hin mit meinem Labubu an meiner Handtasche und finde mein Leben geil, sondern das ist wirklich Business und ich trage da auch viel Verantwortung jetzt, dann vielleicht auch irgendwann für mehr Leute und da muss man auch, also deswegen fand es auch ganz gut so ein Podcast auch mal zu sagen, das Privatperson Coco auch issues hat und so, das da gehört mehr zu als nur bunter Merch und so.
Helen
Ich finde das auch gerade einfach für mich persönlich irgendwie so berühmt. Also ich hatte das lange Zeit total krass, dass ich dachte, irgendwas kann ja nicht so ganz mit mir stimmen, wenn ich so im Sekundentakt im Grunde zweifel. Also ich habe vielleicht jetzt Sekundentakt ein bisschen übertrieben, aber ich habe im Grunde jeden Tag irgendwie einen Moment, wo ich denke, muss ich aufgeben? So und irgendwie dachte ich am Anfang, so es kann ja nicht normal sein, bis ich dann andere Gründeren kennengelernt habe und wusste okay, das gehört irgendwie auch einfach dazu. Das ist ja auch krass viel. Ja, wirklich wahrscheinlich Verantwortung. Du stehst halt selber irgendwie dahinter, so als anders als in einem angestellten Verhältnis, wo du im Zweifel, klar kannst du auch Stress bekommen oder so, aber es ist irgendwie anders. Aber ich glaube, weil ich vor der Aufnahme zu dir meinste, so für mich bist du so halt so eine coole Person.
Coco Meurer
Ich glaube, dadurch, dass ich oft teile, dass ich struggle habe ich auch das Gefühl so werde ich nach außen hin wahrgenommen und irgendwie glaube ich ich weiß gar nicht wie ich das sagen war aber im Grunde nehme ich dich dann halt doch eben wahr als jemand der alles im griff hat und ich glaube natürlich macht es auch total sinn dass das ja nicht stimmen kann ich glaube es ist halt immer das problem auch mit instagram und co aber ich finde es gerade so dass ich denke ich weiß gar nicht warum ich mir das manche Ich hab einfach so einredet, dass sich die einzige Person ihr Leben nicht im Griff hat. Aber ich hab das so oft, ich frag so oft, wie machen andere Erwachsene das? Wie kriegen andere Erwachsene ihr Leben auf die Reihe? Und die Standardantwort ist, niemand kriegt eine. Niemand hat irgendwas, die die eine oder andere Katze einfach besser so tun oder nach außen kommunizieren, dass sie was im Griff haben. Also ich sag das ganz ehrlich, wenn ich PMS hab, ich würde sagen, ich geh jetzt in die… Langsamer sicher fange ich an über Menop. Mein Körper verändert sich in Menopouns Mein PMS ändert sich, meine Instruktion ändert sich als 40-jährige Frau. Also mein PMS ist wirklich on-peak, unerträglich schlimm. Also ich kann einmal, monat, ich steppe ich hier rein und denke okay, scheiß drauf, ich mach den Laden zu. Das ist total lächerlich, ich kriege hier gar nichts auf die Kette. Wo hast du vielleicht noch so einen Tag, wo wirklich null Nummer kein einziges Wuru-Bond-Tisch geht? Was natürlich überhaupt nicht abbildet wie mein restlicher Erfolg oder… Ja klar. Aber es ist auch egal, auch wenn die Leute das sagen. Oder an so einem Tag ist das egal. Total. Also, ja, fange ich auf. Das kann dann hoffentlich ein gutes soziales Netz um sich herum, das eine aufhängt, aber also Selbstzweifel, egal wie cool die Leute wirken. Und dann sage ich dir noch was, die die durchgehend cool wirken und Nischwäsche zeigen, sind keine Menschen für mich. Also, das habe ich aber auch schon gedacht, als du gesagt hast, ich habe mich jetzt mal getraut, dich anzuschreiben. Leute, die dir unfreundlich gar nicht oder herablassend antworten, sind die, die du nicht in deinem Podcast haben möchtest. Und das ist so mein… Ja, das stimmt. Also wenn ich freien Herzen so auf jemanden zugehe und keine schlechten Ideen in Ideen hinten dran habe und höflich frage und dann ist jemand ohne mich, dann bin ich pretty sure, wer führen kein schönes Gespräch miteinander. Das kannst du dir total gelern und das glaube ich immer so mein Richtwert. Also wenn ich mit rein einem Herzen reingehe und jemand mit dumm kommt, interessiert mich nicht mehr. Und dann. Ja, das stimmt. Ja, ich arbeite total da drinnen, aber ich merke, oft bin ich halt immer noch so, ich will von anderen gemocht werden und keine Ahnung. Und ich merke, wie sehr mir das im Weg steht. Also, dass das so null freut. Ja, ja. Aber ist irgendwie immer noch so ein bisschen default. Aber deswegen habe ich mich gefreut über deine positive Rückwärter. Das freut mich, das macht mich auf jeden Fall hoffentlich in die Richtung so partig, dass ich kein Asi bin. An Herrn Wieh eh nicht. Du bist kein Azi. Das ist gut.
Helen
Aber ich hatte gerade noch einen Gedanken.
Coco Meurer
Also was ich, ich habe Freunde in diesen People-Pleasers. Ich bin das 100%ige Gegenteil von einem People-Pleasers. Ich bin sehr hart. Geht es zu Kurse? Ja, nee. Ist auch nicht, ist nicht nur empfehlswert. Ich bin super hart in Grenzen ziehen. Ich glaube, das hilft, wenn du als weiblich gelesene Person Unternehmen gründest und auch wenn du im, wenn du so ein einzelt Handel bist, sehr deutlich Grenzen hochziehen, wie sich hier benommen werden darf und so Sachen. Also, das schon auch herausfordernd oder worüber ich mit super vielen auch in der Branche rede, ob das Tina Lutz oder Anne Sauer oder keine Ahnung alle, die so arbeiten, wie ich arbeite. Also ganz klar sagen, hey ich hab den den stundensatz take it or leave it ich glaube nicht immer einfach aber das ist auf jeden fall was was ich sehr gut kann ja ja ich muss auch sagen das finde ich auch mittlerweile viel viel besser ich glaube ich finde das wahrscheinlich sogar innerhalb der community noch mit am schwersten weil es irgendwie auch darauf aufbaut dass also es ist halt eine super wertschätzende community und es baut ja darauf auf dass wir das irgendwie gemeinsam entwickelt haben dafür finde ich es manchmal echt schwer. Ich muss auch sagen, ich kriege wenig Negatives, aber ich mach mir oft einen Kopf, bevor ich irgendwas verändere oder irgendwas ankündige.
Helen
Aber wenn du das gerade angesprochen hattest mit den Rezensionen, dass sie auch so gut ankommen, kannst du uns einmal erklären, wie das Rezensionssystem mit den drei Söhnen funktioniert?
Coco Meurer
Also ich glaube, das muss ich auch irgendwann nochmal aufrollen, weil der Account jetzt so viel größer ist, als am Anfang. Ich habe viele wissen das gar nicht mehr. Also ich habe immer empfunden, und ich fand das so unansprechend zu sagen, dass es Unterhaltung, dass es Hochliteratur, dass es mir am Ende ist mir das völlig egal, was das für ein Genre ist. Das muss mir fucking Spaß machen. Es kommt halt auf die Stimmung an, was ich gerade brauche. Nicht jedes Buch ist zu jedem Zeitpunkt was für jede. Da hab ich immer gedacht, manchmal hab ich auch Bücher in die Hand genommen. Das ging gar nicht von mir viel zu verknotet und das war mir so komplex. Und hab ich grad keinen Törn drauf. Ich will jetzt Rumo von Walter Moers lesen, was der nun mal Fantasy ist. Und dann dachte ich so, irgendwie will ich das kategorisieren, dass Leute schnell checken. Ich will es gar nicht an Komplexität festmachen, Und es ist so ein, bist du so ein Eins, ist das so, ich brauch was Eskapismusmäßiges, ich will das gerne konsumieren und Spaß haben. Ich brauch jetzt nicht sexualisierte Gewalt, häusliche Gewalt, ich brauch jetzt gerade nichts gesellschaftlich. Ich will einfach Spaß haben, was nicht den Text weniger komplex machen muss, gell? Ich kann auch easy Text schreiben, der hochkomplex vom Background ist und gute Unterhaltung sein. Du weißt, wo ich hin möchte. Also so eins eher so ein, Hey, ich lese mal zum Einschlafen zwei Seiten. Ich muss ja jetzt nicht 30 Seitenabstück lesen, um der Geschichte zu… Um es auch zu verstehen, im Grunde, ne? Genau. Und so ein zwei ist… Da hast du schon so eine Interpretationsfläche mit drin. Da könntest du schon reingehen und da ist wahrscheinlich ein gesellschaftskritisches Thema drinne, womit du dich beschäftigen könntest. Das ist so dieses, wenn ich hier Kundinnen frage, hey, was ist denn so gerade dein Thema, was dich beschäftigt? Hast du was worüber du was über dich lernen möchtest? Die Gesellschaft lernen möchtest, dann war es natürlich bei mir sehr feministisch gefärbt, also ob das jetzt eine Frau ist, die unter häuslicher Gewalt lebt und über einen Roman einen Zugang finden möchte. Und dann habe ich noch so ein Drei und das sind die, wo du dich wirklich hinsetzt mit einem Text beschäftigen möchtest, hoch-festrukturierte, keine Ahnung, was schwierige Sätze, super schwierige Themen drin, vielleicht auch zwei, drei Themen, die sich kreuzen, keine Ahnung, also das ist, ja, also dann, ja, ich finde dieses Wort komplex, da so doof, weil ich will das, das andere nicht unter komplex nennen, aber so ein Drei würdest du jetzt nicht ab Strand mit nem Mojito in der Hand, weil du dich da konzentrieren musst. Und die Hauptkrimisse, das ist ein Grund, dass du eine Sokwirkung auf dich hast oder du hast eben gesagt, es musst dir Spaß machen. Also das ist grundsätzlich mein Lesen. Ich lese nichts, um es gelesen zu haben. Ich habe kein Classic gelesen in diesem Universum, so mir ist das völlig egal. Ich habe mal versucht, die hundert wichtigsten Klassiker zu lesen. Das hat mich zu Tode gelangweilt, weil ich spätestens nach der Blechtrommel und dem Fänger im Roggen aufgehört habe. Ich dachte, hey, brauche ich… Was ist nicht mehr? Für irgendwer wird es cool sein.
Helen
Ja, ja, ja, aber für mich…
Coco Meurer
Genau. Und ich glaube, das was mit Literaturensohn und diesen drei Söhne-Prinzip ist, dass ich halt Leute wie mich suche, die so sind oder ähnlich sind, im Marketing, sagt man, der Alias zu, also Menschen ähneln einfach. Und ich glaube, das gab es noch nicht viel. Ich glaube, weiblich gelesene Personen, die jetzt nicht immer alles so darstellen müssen als Literaturwissenschaftlerin oder Denis Scheck. Alles no offense, es ist für alles ein Markt da und ich glaube für uns gab es den Markt noch nicht so in der Form und das habe ich einfach vermisst und habe es versucht. Hat nicht Toni Morrison gesagt, ich habe das Buch geschrieben, das ich gerne lesen wollte, doch das hat doch sie gesagt, oder? Also auf jeden Fall hat jemand gesagt, ich bin gerade nicht mehr sicher, Ja, aber ich finde es immer so, wenn man das, ich finde, es kriegt man ziemlich oft um die Ohren gehauen auch. Wenn ihr ein Buch fehlt, schreibt es selbst und denkt, ich weiß aber nicht, wie. Genau, wenn ich das könnte, würde ich es machen. Aber ich glaube, so einen Übertragen ist, dass mir fehlte einfach irgendwie jemand mit Spaß an Literatur. Oder vielleicht hatte ich auch einfach nicht gesehen, weißt du, wie ich meine, vielleicht. Ja, ja, voll. Weil Mona Ameziane macht das ja auch wirklich wahnsinnig schön und mit viel Leidenschaft. Aber ich habe mich einfach damit auch vorher gar nicht so doll oder hatte sie vielleicht… Ich glaube, da waren sie vielleicht auch mal nicht ganz so krass. Also da hatte sie halt noch Stories, den Account. Aber ich weiß nicht, ob sie da überhaupt selber schon so krass in die Vorderfände sind. Das hat sich erst angefangen, als der Account von Funk gesponsert wurde. Ja, und dann habe ich einfach so mit Literaturensohn schönes Gesandkonzept aufgesetzt. Also ich gebe mir das wirklich geschuldet, dass ich halt Bock auf viel habe. Also ich muss Klamotten machen, ich muss lesen, ich will eine Buchhandlung. Und also gestalte Cover für Verlage. Ich mache Marketingkampagnen, ich mache alles was so kreatives. Ich baue die CI für Luisa Dellerts Firma und solche Sachen. Ich will das machen. Genau, das ist für mich echt so ein… Ich habe für mich, ich weiß gar nicht, wie ich das ane sage, ich habe mir meine Nische selbst geschaffen und gehe halt voll drin auf. Also das macht wirklich echt alles mega viel Spaß.
Helen
Mega, ich finde es auch super inspirieren. Ich bin immer so, ich liebe vor einigen weibliche Vorbilder und ich gucke superfähre auch so Dokus und lese Bücher von Frauen über Frauen. Also ich meine, das kommt ja auch bekannt vor. Aber ich finde halt gerade so was super inspirierend. Also einfach, wenn man sagt, so, ich habe das irgendwie einfach gemacht. Ich hab mich dann einfach getraut und wie du sagst, was ihr was eigenes so erschafft, was du in der Form vorher nicht gab, mega cool einfach. Ich hab das Gefühl, das ist mein Wort jetzt heute für dich. Was ich eben dachte, weil du das ja mit dem Merch erzählt hast und der ist ja wirklich auch super schön und super gefragt, hab ich ausgefühlt, also da ist ja super viel Nachfrage auch nah. Wir hatten das, wir hatten mal zwischendurch zumindest eine Tasche. Ich weiß nicht, kennst du Nina von dem Siebdruckstudio in Frankfurt, Jakob und Tatze? Nein, das ist auch bei… Also, ich konnte mir vorstellen, dass der Instagramer Kalm könnte dir auch gefallen. Also, sie ist auch super cool. Und über sie hatten wir das machen lassen und es waren irgendwie 100 Taschen. Und ich glaube, mein Problem ist auch, ich finde, verkaufen auch schwer. Und das hat irgendwie ewig lange gedauert, dass ich die abverkauft hatte. Ich hab's nämlich auch nicht so gemacht mit Vorbestellungen. Das hatte sie auch empfohlen damals. Das machst du ja auch so. Scheint mir schlau zu sein. Und seitdem bin ich so ein bisschen einfach gehemmt, es wird immer wieder auch danach befragt, ob ich das nicht nochmal machen soll. Und ich sehe immer nur so diese über 1000 Euro, wo ich weiß, die müsste ich da bezahlen, sondern du hast es ja eben auch gesagt, das ist so eine krasse Investition. Es ist ja auch was anderes als Literaturensohn. Und am Anfang, wo du was online hast, nur wo im Grunde ja halt du deine Kosten, so aber jetzt ein Laden mit Kosten, Merch der Kosten verursacht. Das finde ich halt auch richtig, richtig krass. Und ich glaube, wenn man damit noch nie so zu tun hat, ich glaube nicht, dass sich das super viele bewusst machen, was das auch für eine Verantwortung ist, die du da übernimmst. Vielleicht hast du selber auch gar nicht so vorher so krass danach gedacht. Aber das finde ich so bewundernswert und denke, das lohnt sich das nochmal zu betonen. Weil wenn du mit 20.000 Euro da auf die Buchmesse, also an Wert einfach fährst, ist ja heftig.
Coco Meurer
Also ich würde immer behaupten, also mein anfänglicher Gedanke bei dieser Gründung war, okay, was kostet das? Dann machst du so eine, ganz genau wissen kannst du das nicht, weil ich bin ja auch in das Buchgeschäft reingestolpert und wusste nicht, also mir war schon klar, dass ich natürlich Ware kaufen muss, weil wer was verkaufen will muss, auch Ware kaufen. Ich habe bis heute nicht verstanden, wie viel ich wirklich von einem Buch verdiene und was mich das Buch kostet. Das muss, also ich bin sehr zahlenunaffin, aber ich habe so ein, ich weiß genau, wo Grenzen erreicht sind und das, das ist glaube ich wichtig. Aber du musst vorher, nee, du musst gar nichts, also meine Empfehlung, so grob überschlagen, wenn es unter einem Wert von einem Kleinwagen ist, ist es okay, denke ich mir. Das war immer so mein Richtwert, weil, guck mal, andere nehmen Kredit auf, nur um irgendwie ein schickes Auto zu fahren. Und dann war mein Gedanke, okay, ich nehme jetzt 20.000 Euro Kredit auf. Da gehen ja alleine schon, keine Ahnung, 8.000 Euro Flöten von für die Kaution für diese Gewerbeimmobilie. Dann dachte ich, okay, das kann ja irgendwie alles nicht so viel Geld, also das ist ja völlig im Verhältnis. Verstehst du mein Gedanke? Und wenn mir das ermöglicht, was andere für ein nur um schickes Auto zu fahren investieren, dann muss es cool sein, wenn ich das irgendwie, dann ist natürlich auch so eine kleine Rechnung, ich wusste ja von vorher meinen Gehalt, ich habe vorher gut verdient, sagen wir, ich müsste 20.000 Euro Kredit abstottern, das sind im Monat 300, 400 Euro. Also ja, das ist vieles aus dem Geld, keine Frage, aber das Das hört sich für mich stemmbar an. Und so war irgendwie meine Rechnung. Und so ist es auch heute noch. Also, ich kann mich nicht mal mehr erinnern, wie ich mich entschieden habe, zur Leipziger Buchmesse zu gehen. Das war, ach doch, ich hatte mit Rafi gesprochen, der bei der Buchmesse die Presse der Zeit lang gemacht hat. Und der hatte mir so diesen Impuls gegeben, checkt es doch mal, ob das nicht was für dich wäre. Paar Wochen ist es gar kein Fall. Das wird doch endlos teuer sein. Niemals. Wie, was kann ich nicht stemmen, keine Ahnung. Und dann halt, ich glaube man darf sich, dass es alles so imaginiert groß, weil alle da hingehen, haben ja keinen Plan. Weißt du, das ist so die Frage auch an, hey was kostet so stand wie viel invest ist das was ich zum Beispiel nie mache ist also ich kalkuliere nicht durch bis okay das kostet der messe stand das kostet die unterkunft das kostet der midwagen das kostet die wahre sag ich dir ganz ehrlich hätte ich das vorher gemacht hätte ich es niemals gemacht also das ist ja ich fühle das vor also man hat ja so nicht man ich habe so ein gefühl dafür wo eine grenze ist und wenn ich so an so eine klein wagen grenze komme Das ist so blöd, aber das ist so mein Richtwert. Dann ist für mich, okay, nee, das will ich nicht mehr stemmen. Dieses Risiko will ich nicht mehr eingehen. Genau, ansonsten ist mein, weil du das eben sagtest, dass das so gerade wenn weiblich gelesene Personen ist, mein großer Advice immer machen. Verletzt du dann jemanden mit, reißt du dich nicht in Ruinen und siehst du da … Oder irgendwie Unbeschadet rauszukommen, … … Machen. Jeder Mann würde das machen. Keiner würde sagen, okay, ich bestelle da jetzt … … Mal nur 100 Beutel und … … 1000 Euro, die würden sagen, hey, scheiß drauf, … … Ich stelle jetzt ein Design online in den Shop. On demand, gibt die drei Wochen Wartezeit drauf einfach … … An die Kundenschaft weiter. Das ist ja dann Koliteralschaden. Beschweren sich von 100 im Schnitt 10%. Das ist mir bei aller Liebe völlig egal, also … … Männliches denkt. Wir sind dann so, ah, dann warten die drei Wochen und dann haben wir halt und ich habe das Geld schon. Aber ich glaube, da muss ein bisschen abgebrühter werden. Das ist liquides Kapital, mit dem ich arbeite, das, was ihr mir in Vorkasse gibt. Ich habe noch nie irgendwie nichts geschickt, also ich bin ein hundertprozentiger Erkannt, dass es funktioniert. Und so dieses, irgendwann kriegst du natürlich auch so ein, hey, ich bin trustworthy, ich mach das. Ich mach das und das wird schon alles richtig sein und die Leute finden es gut. Auch wenn ich jetzt so on demand, zum Beispiel nach der leipziger Buchmesse, kommt meine Druckerei gerade mit einem Motiv nicht hinterher. Das sind, kannst du dir nach hinten gucken, hier stehen 10, 15 Kartons. Die warten seit fucking sechs Wochen. Das ist mir totes unangenehm. Ich schreibe da jede Woche eine E-Mail. Ey, es tut mir krass leid. Das Zeug kommt nicht. Ich kann gerade nichts ändern. Die Produktion kommt nicht hinterher mit dem T-Shirt. Und solange nicht jedes T-Shirt-Modell ist, fangen die gar nicht an jedes Motiv zu drucken. Ich reibe diesen, das sind hauptsächlich weiblich gelesene Namen, die ich da anschreibe. Ich kenne hier natürlich alle persönlich nicht, aber die kriegen alle von mir persönlich eine E-Mail und da kam noch nie einmal zurück. Coco, ich hasse dich, überweist mir mein Geld. Ich will das den Scheiß nicht. Da kommen ausließlich, ey, gar kein Problem, kein Stress. Das ist ein T-Shirt. Ich bin super dankbar. Ich freu mich mega. Vorfreude ist die schönste Freude. Also, ich glaube, man muss… Und selbst wenn, weißt du, das werden ja einzelne Beträge, die du dann auch irgendwie stemmen könntest. Also, ich bin 100 Prozent davon überzeugt, dass ich sehr gut einfach auch in meinem… Das kann kein Kopfdrama erzeugen, das überhaupt nicht existiert. Aber jede macht das.
Helen
Ja, und was ich aber auch total mittlerweile einfach empowern finde, weil das meintest du ja gerade, in deinem Kopf ist dann, also in meinem auf jeden Fall auch, ist so eine Zahl dann super groß. Du denkst, bleibst du geruchmeisternd stand, kann ich mich leisten. Hast aber noch nie nachgekommen, wie viel es wirklich kostet. Und ich finde das mittlerweile so cool, wenn du erstens überhaupt mal überlegst, so was würde das dann kosten und wie könnte ich das machen? Also ich finde auch so diese Frage, wie ginge das irgendwie mega empowandt? Weil häufig stellt sich auch raus, geht schon. Oder wir fallen zumindest ein paar Dinge ein, die ich ausprobieren könnte. Kennst du das, wenn man.
Coco Meurer
Ich weiß nicht, also zum Beispiel ich hasse mal, ich liebe mein Auto, aber ich hasse mein Auto. Und manchmal ist es ja so, du gehst dann heute hat die Warn blinke irgendwas gezeigt. Und ich dachte, boah, ich habe wirklich 0,0 Lust Zeit, mich damit zu beschäftigen. Warum, dann rufe ich meinen Partner ansatz, hey kannst du mal da drauf gucken, also hey guck doch kurz, dann bin ich halt nur auf den knopf des Tempomat gekommen. Dieses, dieses, das hat jetzt Tage mich beschäftigt, wie komplex das jetzt wird. Er darf ich dieses Auto noch fahren, muss ich da jetzt schon wieder in die Werkstatt mit, null Bock das zu bezahlen. Ich habe keinen Bock diese Anleitung zu lesen, der sagt halt einmal, zeigt mir das Ding, erkennt sofort den Tempom, Also dieses Selbstdigmatisieren von Sachen, das muss man lassen. Also wenn du Bock hast auf irgendwas, guck dir kurz an. Wenn es wirklich zu komplex ist, dann hol dir jemand dazu, der hilft. Dann machst du halt einfach mal. Also alle anderen machen das so. Meist du, das ist so ein…
Helen
Ja, ich hatte erst gestern gesprochen, wo es so ein bisschen… Also die Coach mich so ein bisschen jetzt gerade und ich habe ihr erzählt, was ich so vorhab. Und es war total nett und wertsätzend, aber sie meinte im Grunde so, ich glaube, Helen, eigentlich bei den meisten Dingen, wo es bei Mädels, die lesen vielleicht vorwärts ging, steht es eigentlich nur du im Weg. Und ich habe es so voll gefühlt, weil das war eigentlich von Anfang an so. Ich musste auch immer nur erstmal so mitkommen mit diesem Levelanwachstum. Und es hat halt einfach gedauert. Und ich glaube, jetzt habe ich vielleicht auch die mentalen Kapazitäten dafür und so. Und ich bin bereit für einen neuen Schritt, aber keine Ahnung. Ich finde, das fordert halt auch viel. Also mich fordert das einfach. Völlig.
Coco Meurer
Also das ist auch egal, wie cool du wirkst und auf dich schanke ich ja auch von außen sehr cool. Aber also ich will nicht sagen, ich bin nicht, hab wenig innen und aus, ich bin schon die, die ich bin. Deshalb hab ich auch noch so gesagt, jetzt red ich sehr viel über einen Partner, aber der hat gerade gestern erst diesen anderen Podcast von mir gehört. Und der sagte zu mir, ja gut, da ist nichts, was ich nicht schon gehört hab. Und dann dachte ich, ja natürlich, weil das ist ja innen wie außen. Also ich besuche schon immer sehr nah an der Version von mir zu sein, die ich am liebsten mag. Und das, ja. Also dann sagt er, das sind genau die Wortlaute, die du auch zu mir sagst. Und das ist mir aber auch wichtig. Und ich glaube, wenn du da so bei dir bleibst, ist cool. Ich habe keinen Bock auf irgendwen zu spielen, plus minus, gell? Also wenn wir wild fremdauf gehtreffen, dann habe ich natürlich auch mehr Distanz und so. Aber dieses, wie Literatur und Gewachsen ist in den letzten zweieinhalb Jahren, um ehrlich zu sagen, ehrlich, seit dem Laden ich auf habe, also anderthalb Jahre, das ist kaum möglich mitzukommen. Also das, ich komme gedanklich nicht mehr mit, ich arbeite viel zu viel, ich kenne niemanden, der so viel arbeitet wie ich, was auch selbst gewählt ist, also ich wollte ja gerne so viel arbeiten und macht das dann liebes auch total. Aber so schnell wie das jetzt ging, war nicht geplant. Ich bin völlig, ich kann es nicht mehr mitdenken. Also ich muss jetzt anfangen, auch Dinge aufzuschreiben, damit ich überhaupt nicht vergesst, zu zelebrieren und so Sachen. Ich bin brutal dankbar. Also das ist wirklich. Aber am Ende bleibst du ja auch in dir selbst alleine und bist halt am Hasseln die ganze Zeit. Also es ist so. Okay, ich muss jetzt noch dies und jetzt muss ich, meine Steuerberaterin wartet jetzt seit Wochen auf die letzten Quittungen. Ich will aber das, dann sage ich noch den Job zu und das, und dann hast du eigentlich gar nicht mitgekriegt, dass noch das passiert ist. Und ich werde ja auf die Frankfurter Buchmesse, werde ich auch gehen, das ist auch schon wieder, genau, das ist auch so ein, und ich habe jetzt B2B aufgemacht, das heißt andere Buchhandlungen nehmen. Stimmt, ja. Also wirklich, ich hätte gestern, dass Franzi, die jetzt hier hilft, … Wie man alles funktioniert. Das ist wirklich viel nur in meinem Kopf. Ich muss jetzt anfangen abzugeben, sonst explodiert mir der Schädel. Fühl ich sehr.
Helen
Ich meine, auch eine große Entscheidung, aber lohnt sich total. Ich habe mittlerweile ein Team, und es ist einfach toll, … … Nicht alleine zu sein und auch mal Dinge durchsprechen zu können. Wenn ich dir Mut machen kann, lohnt sich.
Coco Meurer
Ich bin leider zu allem Elend und auch krankhafte Perfektionistin und bin leider … Ich ja gar nicht. Ja, das ist ja schön für dich. Ich bin leider krankhaft, ich kann ganz schwer abgeben. Ich habe so eine ganz … Da habe ich eine wirklich eine ungesunde Arroganz zu denken, das alles, was ich mache, prozessoptimiert ist, was natürlich nicht so ist. Aber das sind Learnings, die man machen muss. Das größte Learning, das wollte ich schon mal kurz sagen. Also wenn mich weiblich gelese Personen anfragen, was mein größter Advice ist, die gründen wollen oder die selbstständig arbeiten oder die irgendeinen Schritt gehen wollen, guckt euch genau an, wer die Quelle ist. Und ich werde das auch nicht müde zu sagen. Also du kannst dir Meinung reinholen und du kannst auch Leute fragen, ob sie davon was halten, ob das jetzt ist der Invest zu hoch, blabbelbar, guck immer wer damit hier spricht, weil es ist nicht jede und jeder ist wohlgesonnen und nicht jeder hat deine Perspektive auf das, was du machen möchtest, weil wenn ich Leuten gesagt habe, hey, ich mach eine Buchhandlung auf, war der erste, wie lebt man davon so? Die ersten Monate war ich hauptsächlich damit beschäftigt, irgendwelchen fremden Leuten zu erklären, warum, wie man hier von lebt, was überhaupt nicht mein Job ist, ich habe niemandem zu erklären, wie mein Kontostand ist. Also, aber dieses, wenn ich so zurückgucke, also ich habe schon oft gehört, ne, las mal und das klappt nicht und worauf weiß ich jetzt nicht und nur von so einem Instagram Account und ich dachte, hey, who are you to judge? Also, wenn es ungefragt kommt, da hat sowieso gar keine Bedeutung, das ist schon mal erster Punkt. Und wenn du fragst, guck genau an, aus welcher Situation da gesprochen wird. Weil wenn du jetzt einen finanziellen Nachfrag hast und hast da jemanden, der gerade finanzielle Nöte hat, of course wird die Person nicht sagen, ja ja investier mal 20.000 Euro, sondern vorsichtiger sein. Was ja auch richtig so ist. Aber also das ist echt so ein Learning. Nicht alle haben den Blick auf die Welt, den du in dem Moment hast.
Helen
Ja, da fallen mir auch zwei Sachen noch zu einen. Einerseits wird oft auch gesagt, im Grunde lohnt sich, sag ich mal, ein Radfacke eigentlich auch nur von einer Person, die vielleicht was Ähnliches gemacht hat, wie das, was du vorhast. Also, eigentlich macht es dann vielleicht auch Sinn, eher Buchhändlerinnen zu fragen, was die von deiner Idee halten, wenn du eine Buchhandlung aufmachen willst. Das geht natürlich auch nicht bei einem, gerade weil du ja auch dir was ganz Eigenes erschaffen hast. Aber was ich auch irgendwie total spannend fand, das meint man meine Therapeuten zu mir, dass man sich manchmal auch schon die Personen danach auswählt. Also man kann ja manchmal vielleicht erahnen, was die sagen wird und je nachdem, wen du da fragst, hast du das vielleicht innerlich schon gespielt? Also wenn die dir davon abreht, war das vielleicht auch schon so, dass du selber unsicher bist und ob das immer so hilfreich ist, ist ja auch die Frage. Vielleicht wolltest du diesen Advice, ja? Ja, genau.
Coco Meurer
Ja, verstehe den Gedankengang. Ja, kann ich mir auch gut vorstellen. Also, du hattest gerade noch irgendwas gesagt, worauf ich nochmal einklinken wollte?
Helen
Mit Ratschlag von jemandem, der das schon gemacht hat.
Coco Meurer
Schon gemacht hat, vielen Dank. Also, wenn du eine Buchhandlung eröffnest, und das wird in jeder Branche so sein, wenn du anfängst, ein bisschen was zu drehen an der Norm, …wirst du immer erstmal Leute haben, die sagen, … …das wird nicht funktionieren. Und dass die … …Buchbranche jetzt positiv ist, das glaube ich, … …muss ich niemandem erklären. Und ich werde nie vergessen … …und das verzeihe ich auch nicht, muss ich ehrlich sagen. Also eigentlich bin ich schon immer so, hey, … …jeder kann mal daneben greifen und auch gut so. Aber die eine Sache werde ich nie vergessen, … …dann habe ich hier eröffnet, ich versuche mal … …ganz namenlos und firmenlos zu gehen. Es war eine Person, die in meinem … Ich habe komplett leere Gewerbemobilier kam, ich erklärte, wie das Konzept sein wird. Ich dann so in meiner labidaren Art sagte, da hinten werde ich reich und meinte hier mein Büro, was Kosten verursacht, das war überhaupt nicht absehbar, ob ich hier mit Geld verdiene oder nicht. Aber es war eine weiblich gelesene Person und dann sagte die zu mir, also das, was sie mir eben erklärt haben, da würden Sie höchstens an Erfahrung reich. Und entließ mich genau, genauso stand ich auch, so Mundwinkel nach unten war so alles klar, wow, vielen Dank. Da stehe ich heute noch auf die…
Helen
Wie demotivierend. … Und das unter Ladies verachter ich oft mehr, als wenn das mir jetzt irgendein weißer Cis-Mann hätte, das so abgetan hätte, du nimmst mich nicht ernst, weil ich tätowiert bin, Fake Lashes und lange Nägel habe, so fair enough. Das ist dein Problem, der arbeitet nicht in meinem Feld. Aber das…
Coco Meurer
Das von einer weiblich gelesenen Person, die nichts von mir musste, die kein Instagram gehabt hat und nichts verstanden hat von dem, was ich da sage, mir so einen Dämpfer zu setzen, das verzeihe ich nicht. Und das finde ich auch nicht cool. Und so funktioniert die Welt auch nicht. Weil ich habe sie ja in dem Moment auch hier reingelassen. Sie standen zu einer der ersten in diese Immobilie und drückt mir so den Spruch und ich denke so, nee.
Helen
Ich frage mich halt auch, was bringt das irgendwie zu dem Teil von Katte zu auch die Immobilie schon? Ja, ja.
Coco Meurer
Also ich glaube, ich glaube die Leute reagieren sehr nach Schablonen. Das war so ein Satz, der halt in ihrer Schablonen da lag. Und ich bin auch Veranda von so sagen, die Leute meinen ich immer alles böse und sie wird es auch nicht gesagt, aber irgendwie das. Aber also eine Jungunternehmerin, nicht auf mein alter Bezogen, sondern als Erstgründerin, mir so einzudrücken, als ich hoff wirklich inständig, dass ich das noch nie für irgendwen war, weil das war wirklich demotivierend. Da stand ich echt, ich hab auch dann kurz, okay, wann war die, ist die seit gefühlt tausend Jahren in dieser Buchbranche. Vielleicht ist, stimmt das, vielleicht ist das wirklich kein guter Plan. Und das war auch wiederum, ich würde immer sagen, und ich wär auch cool damit gewesen, wenn ich gemerkt hatte, nach sechs Monaten, hey die Kosten übersteigen mich so doll oder übersteigen, dass man sich gewillt bin zu investieren weiterhin oder müsste ein Folgekredit aufnehmen oder whatever, dann hätte ich gar kein Problem auch einfach zuzumachen und zu sagen, okay, das war ein Traum, aber es hat halt nicht funktioniert. Fair enough, dann ist das so. Voll. Hello. Musst du jetzt los oder? Ein Buch verkaufen, eventuell gleich. Aber die Leute gehen immer, also das ist das. Okay. Die Leute kommen rein. Immer so mit Blick nach unten auf die Tür und dann lasse ich die immer erst mal ruhe. Habe ich gerade auch gestern eine schöne Unterhaltung dazu. Es gibt ja auch sehr viele, die sind gehemmter in den Lernladen zu gehen und wollen ja auch der Situation aus dem Weg gehen, weil es ist ja unumgänglich, dass wir gleich miteinander reden und das ist ja nicht jeder Frau's Sache, gell? Das ist immer erst einmal oder wenn Leute kommen, nicht hier hoch gucken und und Noise Cancelling auf haben, spreche ich die nie an. Also, ängstliche Leute sind hier sehr willkommen, ich finde es natürlich schwierig zu sagen, aber mir so ein Zeichen geben, hey, ich gucke nur, oder ich trage Noise Cancelling, das ist voll cool für mich, da muss niemand mit mir reden.
Helen
Das finde ich, das habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört, auch noch nie so drüber mir Gedanken gemacht, aber das finde ich irgendwie, das hört sich wirklich so auch nach Safe Space an, finde ich richtig cool.
Coco Meurer
Also, das muss es aber auch sein, dieses… Ich glaube, es ist auch immer was anderes, wenn du jetzt zu einem großen Filialisten gehst. Und das kannst du nicht bringen. So, das ist einfach… Und dieses Konzept Literaturensohn, die meisten, die reinkommen, wenn die was von mir wollen oder was abholen wollen, dann kennen die mich ja, dann bauen die schon Blickkontakt auf und wissen dann damit umzugehen, Leute, die gar nicht… Die lass ich sowieso immer… Also am Ende, was soll passieren, wer klaut denn Bücher zu Hause? Also… Das letzte Mal in die Letzt. Der hat volles Gut. Ja, das kann ich sagen, das lohnt nicht. Das kannst du lassen. Also, inhaltlich natürlich schon, aber da würde ich lieber Lebensmittel klauen gehen als Bücher. Ich wollte noch fragen, weil du das, glaube ich, am Anfang meintest.
Helen
Und wie ist es mit deinem Traum, am Meer zu leben? Ist das der nächste Step? Oder ist das jetzt vielleicht, weil die Buchhandlung so geil ist, irgendwie auch schon wieder verblasst. Äh,
Coco Meurer
Nee, also ich hab hier ein drei Jahres Mietvertrag unterschrieben vor anderthalb Jahren. Also so, wie es ist, wirds das bis September 27 geben oder so. Gerade ändert sich familiär so ein bisschen was. Aber aktuell sag ich immer, nach drei Jahren würde ich aufhören mit Einzelhandel, So wie in der Form und mich vielleicht verkleinern, um ehrlich zu sein. Was ich ja schon kleines Programm da hab, aber das ist zu teuer hier, um auf Dauer zu halten. Ich bin schon nah an dem Wunsch dran, aber vielleicht nicht fulltime am Meer. Also dass ich vielleicht so… Also ich hab mir jetzt immobilien angeguckt bei der letzten Portugal-Reise, aber ich hab jetzt auch gerade keine halbe Million irgendwo rumliegen um mir in Haus in Portugal. Keine Beschwerden von meiner Seite, aber so gut läuft es jetzt nicht. Doch, also ist der Plan, aber ich plan auch nicht super weit nach vorne in meinem Leben. You never know. Morgen ist irgendwas, was es mir ganz verbietet zu gehen. Übermorgen bin ich hier pleite und will ganz gehen. Funn aus. Also das ist so der Plan. Ja. Ich halte… Ich finde das cool. Ja, ist aber auch totales Privileg. Also…
Helen
Klar, aber ich finde es irgendwie schön, auch wenn man vielleicht auch Träume hat, die so ein bisschen von der Norm abweichen und die auch ernst nimmt. Also das finde ich schon auch inspirierend, weil das machen wir ehrlich gesagt, finde ich auch so wenig. Und es dann auch einzubestehen und auch dazustehen. Ja. Sag mal nochmal, wo findet man dich online und offline? Also wo findet man dich bei Instagram? Wo findet man dich in Berlin? Also meine Accounts meinst du. Und deine Buchhandlung.
Coco Meurer
Ja, also online passiert das Meister auf Literaturensohn. Wenn man mich persönlich kennt, habe ich auch einen privaten. Da sieht man natürlich sehr viel mehr von meinem Privatleben. Was ich übrigens auch total interessant finde, dass ich bei Literaturensohn recht wenig Privates teile. Aber zumindest den Urlaub hat man mitbekommen. Genau, das sagen immer alle. Urlaub und meine Schwester sieht man natürlich, aber du wüsst es jetzt nicht, wie meine Wohnung aussieht oder wenn ich jetzt nicht so offensiv über ihn sprechen würde oder dass ich halt heteronormativ lebe, wüsste man, er ist ja nicht gesichtsbekannt und gar nichts, wüsste man das ja auch nicht. Aber also auf meinem Privaten herkanns sieht man auf jeden Fall andere Sachen als auf Literaturen Und die Buchhandlung ist in Berlin Mitte in der Brunnenstraße und ansonsten im echten Leben findet man mich kaum, weil ich gerne zu Hause bin und lese. Genau, aber ich bin schon 95 Prozent meines Tages hier im Laden.
Helen
Ja, ich bin irgendwie in drei Wochen in Berlin und ich habe mir fest vorgenommen, vorbei zu kommen. Ich bin richtig gespannt.
Coco Meurer
Ja gerne, ist ein wirklich hübscher, hübscher Ort. Ich bin auch echt immer noch gerne hier. Jetzt ändere ich so ein paar Sachen nicht mal. Weißt du, nach so anderthalb Jahren sieht man ja, ich will, ich sage, ich werde betriebsblind, aber mich stört nicht mehr so viel wie an Tag 1. Die Heizkörper, die brauche ich natürlich im Winter, die heizen diesen Raum, of course, aber eben jetzt im Sommer habe ich da so Kästen drüber gebaut und die will ich jetzt noch kacheln und mal einen neuen Teppich und so Sachen. Genau, das ist ja sowieso die ganze Zeit so in Bewegung das Ganze. Also vorne, ich bin wahnsinnig empfindlich, was Ordnung vorne im Laden angeht. Der ist immer sauber, der ist immer sortiert. Da steht niemals eine Kiste unterm Tisch oder so irgendwas. Da stehen immer frische Blumen, da bin ich wirklich ultra picky. Und hier hinten ist echt das absolute Überchaos. Aber auch da fange ich jetzt an, mich zu bewegen, weil es muss jetzt also die Logistik bleibt. Erstmal bei mir und ich mache es mit einer Aushilfe von hier. Das heißt, aber hier geht sehr viel Ware rein und raus. Das heißt, mein Büro verändert sich non-stop. Ich muss mich dändig anpassen, aber habe ja auch super viele Veranstaltungen. Das heißt, das Ganze muss ja irgendwie so beweglich bleiben, dass ich hier einen Logistikzentrum habe, aber auch ein Freund hat ein Kochbuch rausgebracht. Wir machen hier eine große Open-Door-Sommerparty und er hat, genau, aber das muss natürlich dann beweglich bleiben. Also ich kann nicht die Leute hier durchschleusen und hier ein Logistikzentrum haben, was auf einmal nicht mehr zu bewegen ist. Genau, also es ist einfach so ein sehr beweglicher, sehr schöner Ort. Ich mag das wirklich, ich bin sauer gerne hier. Und da hat ja auch diese schöne Geschichte, das war ja mal ein Bordell in den Nullerjahren. Und davor danach war es so eine Galerie, wo es auch leicht anrüchige Bilder gab. Also ich mag den Vibe supergarn. Ich habe jetzt hier mit so einer Buchhandlung, aber du siehst ja, ich winke die ganze Zeit irgendwelchen Leuten. Also ich bin auch voll in der Nachbarschaft integriert. Also alle kennen sie. Das ist echt cool. Ja, und da hätte ich vorher auch nicht drüber nachgedacht. Also so wie es das da auf einmal ein komplett neuer Menschenkreis, den auch nur ich kenne. Also mein Freund kennt die nicht, die Leute, die hier daily vorbei laufen nicht, den ich jeden Tag so am Winken bin. Und da hatte ich vorher auch nicht drüber nachgedacht. Also wenn man so einen stationären Handel macht, was ja voll Oldschool ist, also ich mache eigentlich im Prinzip ein richtig Oldschool Geschäft. Da gehört ein Kiez dazu, die hier vorbeilaufen und auch ihre Sorgen und Nöte und mir täglich winken und so abladen. Ist schon voll schön. Ja, ich kann sich anders sagen, ich lebe den Traum. Ich weiß nicht, ob das jeder Frau Traum ist, aber es ist mein fucking Traum. Ja, das ist echt geil. Ja, es ist wirklich, ich bin super dankbar, ich bin super glücklich. Jetzt muss ich nur gucken, dass nicht so viel wird. Also…
Helen
Ein bisschen abgeben. Vielleicht die Sachen, die dir auch einfach keinen Spaß machen. Vielleicht wäre das ein Anfang. Ja, wo jemand anders auch nicht so viel falsch machen kann, dass du Sorge hast, das Obzene.
Coco Meurer
Ja, aber tatsächlich, ich habe früher schon echt als kleines Mädchen gesagt, ich will am Fließband arbeiten. Manchmal ist dieses Paketepacken befriedigend, wenn man 30 Pakete zur Post bringen kann. Ich bin schon seit letzter Woche angeschlagen und habe gestern mit Franzi 50 Pakete gepackt. Die müssen zum Kiosk. Wir Berlinerinnen können rund um die Uhr beim Kiosk Pakete abgeben. Super verwöhnt. Das ist geil. Aber mach das mal nach zehn Stunden Arbeit. Es ist halt wirklich … Es ist nie Feierabend. Es ist ja nicht so, dass ich um 19 Uhr hier rausgehe, fahre nach Hause mit einer kleinen Handtasche und einen Buch und mach was zu essen, sondern leg mich ins Bett und lese oder kümmer mich mit einem Privatleben, sondern ist immer okay, ich gehe hier raus. Ich muss dann noch kurz beim Kiosk anhalten, dann habe ich aber noch eigentlich eine privare Sendung, die muss ich in den Briefkasten, die kann ich zum Kiosk, dann halte ich nochmal am Briefkasten, dann müssen eigentlich die Bareinnahmen noch weg, weil du willst kein Bargeld mit dir rumschleppen, dann hältst du noch schnell am Geldautomat, bist du vor 20 Uhr nicht zu Hause. Und das, da habe ich vorher einfach nicht drüber nachgedacht. Das ist auch alles cool. Aber langsam oder sicher sollte jemand anderes die Pakete zerpasst bringen. Vielleicht.
Helen
Ja, ich wollte sagen, dass das vielleicht so eine Aufgabe hat, die sich abgeben lässt.
Coco Meurer
Ja, aber auch das ist immer eine Entscheidung. Also Verantwortung für Angestellte zu übernehmen ist halt auch nicht ohne. Voll. Nee, absolut. Aber ich komme aus dem Burnout. Ich habe Mädels, die lesen, ja nur wegen des Burnouts gegründet. Deswegen bin ich immer so aufpassen. Weil das dauert halt einfach super lange, da wieder rauszukommen.
Helen
Ja, also tatsächlich fällt dieses Wort letztens halt sehr häufig in meinem privaten Umfeld, weil ich halt wirklich krank viel arbeite. Weil auch einfach sehr viel passiert, was man nicht über Instagram und so mitkriegt. Ja klar.
Coco Meurer
Also dieses ganze Freelancen. Ich habe jetzt gerade für eine ganz tolle, eine Pizzeria ist das. In Innsbruck, da habe ich alles gebaut. Super geil, super schön alles. Das ist so scheiße viel Arbeit, das wäre ein Fulltime-Job. Das mache ich Fulltime nebenher und ich erlaub mir gar nicht dann zu sagen, hey, das ist krass viel Arbeit. Also ich will ja diese Jobs machen, das ist eigentlich das, warum ich es mache, aber man muss gar nichts. Ich muss lernen, auch mal zu sagen, die Deadline rutscht jetzt nach hinten. It is what it is, ich geb das Cover ein Tag später ab, lebt damit. Muss halt auch funktionieren.
Helen
Ja, würde ich dir auf jeden Fall wünschen, dass du das auch ein bisschen wieder besser mehr vielleicht auch genießen kannst. Ja, auch mal Zeit zum Lesen, also das mag mir nicht.
Coco Meurer
Weil ich gehe abends nach Hause, jetzt bin ich wie gesagt ein bisschen angeschlagen. Ich habe gestern das neue, also keine Ahnung, kein und arbeiten neues Buch von Elif Shafak rausgebracht und ich bin riesiger Elif-Shafak-Fan und hab zwei Seiten gelesen und schlafen dann halt ein und dann denke ich so okay dann schlafe ich jetzt um halb zehn oder was really um für nach zwei Seiten gelesen ein das ist ja kein Zustand auf Dauer.
Helen
Ja voll und auch glaube ich die Klarzeichen vom Körper. Ja ich komme mir vor wie die Mutti der Nation ich sage so Leute pass auf aber es war ist auch eine hart erarbeitete Lektion. Und schwer ist das auch, wenn du durch den Burnout durch bist, ja? Also,
Coco Meurer
Ja, ja, das stimmt schon. Ich hab's so grob auf dem Schirm, dass ich mal wieder mehr lesen sollte. Dass du mehr Ruhe brauchst, ja. Du hast jetzt auch schon ein bisschen aus der Flasche getrunken. Ich denke, dass der jetzt vielleicht auch mal ein guter Zeitpunkt.
Helen
Ich hab irgendwie das Gefühl, wir könnten wahrscheinlich noch 30.000 Themen anschneiden, aber ich find's mega cool, dass du auch so offen über alles gesprochen hast. Eine Sache, die ich mir noch eingefallen habe, werden wir auch nochmal in den Show Notes verlinken, weil du hast ja auch Veranstaltungen in der Buchhandlung, du hast das gerade mit dieser Sommerparty auch angeteasert. Die findet man ja auf literaturensohn.de, deswegen verlinken wir einfach alles. Aber ja, ich würde sagen, wir stoßen nochmal mit unseren Flaschen an, verabschieden uns von den Mädels und ja, ich Ich danke dir sehr. Das war richtig toll.
Coco Meurer
Das kann ich nur zurückgeben. Vielen Dank. Immer wieder gern.




