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Podcast · Folge 50
Wie veröffentlicht man ein Buch? Marie-Luise Kissler über 80 Interviews, Exposés und das Warten auf den Verlag
Eine Leitfrage aus der Masterarbeit, zwanzig ausgedruckte Bewerbungen auf dem Küchentisch, eine Ed-Sheeran-Playlist – und der Rat, der alles zusammenhält: einfach fragen
Stand heute
Das Gespräch ist im August 2023 aufgenommen. »80 Menschen – 80 Storys« ist im Dezember 2022 bei Springer erschienen; das Hörbuch, das Marie-Luise Kissler in der Folge plant, haben wir nicht nachverfolgt.
Der Einstieg ist bei uns immer eine gedankliche Reise: Marie-Luise Kissler setzt uns in ein belebtes Café – Geräuschkulisse inklusive, denn so schreibt sie am besten – mit Pfefferminztee für sie und schwarzem Tee für Helen. Dann geht es um die Frage, die ihr seit dem Erscheinen ihres Buches jede Woche gestellt wird: Wie macht man das eigentlich? Sie hat 80 Menschen gefragt, was sie jungen Frauen beruflich raten würden, daraus ein Buch gemacht und bei einem Verlag untergebracht – neben einem Vollzeitjob, ohne Reichweite, mit einem Exposé, das aussah wie eine Bewerbung. Was ins Exposé gehört, wie lange man auf Antwort wartet, warum sie selbst auf dem Cover ist und was ein Buch wirklich kostet: Diese Folge ist ihre Anleitung.
Marie-Luise Kissler
Autorin von »80 Menschen – 80 Storys«, Managerin in einer Unternehmensberatung
Marie-Luise Kissler hat International Management an der Universität Paderborn studiert, nach dem Bachelor dreieinhalb Jahre gearbeitet und dann für den Master ein Jahr am Trinity College Dublin verbracht. Aus den Interviews für ihre Masterarbeit entstand 2020 die Idee zu ihrem ersten Buch: »80 Menschen – 80 Storys: Inspirierende Berufswege mit Denkanstößen und Tipps – nicht nur für junge Frauen«, erschienen im Dezember 2022 bei Springer. Hauptberuflich arbeitet sie als Managerin in einer Unternehmensberatung im Bereich Technologie und Strategie. Auf Instagram ist sie als @marieluise.ki zu finden.
„Was würdest du deiner Tochter raten?“
Marie-Luise Kissler fängt beim Ergebnis an: Ihr Buch versammelt Ratschläge für junge Frauen in der Berufswelt, und die Leitfrage, mit der sie losgezogen ist, lautete: Was würdest du deiner Tochter – oder jungen Frauen – beruflich raten? 80 Menschen aus verschiedenen Berufen, Branchen und Geschlechtern haben geantwortet. Im ersten Teil des Buches stehen ihre Aussagen analysiert und nach Themen geclustert, im zweiten die 80 Interviews mit Foto und Kurzvita, in denen man sich selbst ein Bild machen kann. Die Idee kam 2020, im Pandemiejahr, und passte zu ihrer Lebenssituation: Nach dem Bachelor hatte sie dreieinhalb Jahre gearbeitet, dann den Job gekündigt und für den Master ein Jahr im Ausland studiert – und stand am Ende vor der Frage, die viele kennen: zurück in den alten Job, etwas ganz anderes, ist das wirklich das, was ich mein Leben lang machen will?
Für ihre Masterarbeit hatte sie Vorständinnen aus Deutschland interviewt – dass das klappen würde, hätte sie selbst nicht gedacht – und am Ende jedes Gesprächs die fachlichen Fragen beiseitegelegt und aus eigenem Interesse gefragt: Was würden Sie mir raten? Die Antworten waren so ehrlich, so nett und so vorausschauend, dass sie es schade fand, dass sie niemand sonst hören konnte. Sie wollte dieses Wissen zugänglich machen für Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, mit solchen Leuten zu sprechen, oder sich nicht trauen. Erst die Familie, dann eine Freundin fanden die Idee schön – und dann nahm das Fahrt auf. Für das Buch stellte sie die Fragen anders: Es gab einen Fragenkatalog, aus dem die Befragten auswählen und schriftlich antworten konnten, denn ein geschriebenes Wort ist etwas anderes als ein gesprochenes, zumal bei Vorständinnen mit PR-Abteilung im Rücken. Umso überraschter war sie, wie ehrlich die Antworten trotzdem ausfielen – mit den Geschichten dahinter, nicht nur dem Rat.
Einfach fragen
Wie bekommt man 80 Menschen dazu, mitzumachen? Helen kennt die Frage von ihren Livestreams mit Autor*innen, und ihre Antwort ist dieselbe wie Marie-Luise Kisslers: Ich frage halt. Man bekommt oft ein Nein, aber erstaunlich häufig ein Ja. Den inneren Schweinehund zu überwinden sei trotzdem schwer, sagt sie.
Ich glaube, das ist wirklich einfach ein Überwinden der eigenen Angst, abgelehnt zu werden, weil was Schlimmeres kann ja eigentlich auch nicht passieren.Marie-Luise Kissler
Manche haben nie geantwortet, manche abgesagt, weil sie keine Zeit hatten oder schon bei einem ähnlichen Projekt dabei waren – man kann nicht auf jeder Hochzeit tanzen –, und selbst die Absagen waren oft freundlich und ermutigend: coole Idee, leider geht es nicht. Wer mitgemacht hat, hat sich gefreut, Teil davon zu sein, und bis heute bekommt sie Nachrichten mit einem Danke dafür. Ohne diese 80 Menschen, sagt sie, wäre das Buch nichts gewesen; Helen nennt es ein Gemeinschaftsprojekt zwischen zwei Buchdeckeln.
Zwei Jahre, eine Bibliothek und Ed Sheeran
Von der Idee bis zur Abgabe des Manuskripts und der Veröffentlichung hat es etwa zwei Jahre gedauert, neben der Vollzeitarbeit – eine Zahl, die sie nicht verallgemeinern will, weil sie vom Konzept, den eigenen Verpflichtungen und dem Charakter abhängt. Sie selbst ist Bibliotheksgängerin, hat schon ihre Hausarbeiten dort geschrieben und braucht Musik auf den Ohren: eine Playlist, bei der sie wusste, wenn dieses Lied läuft, arbeite ich am Buch. Ihre Go-to-Playlist war Ed Sheeran, und wenn sie ihn heute im Radio hört, kommt sofort das Gefühl hoch, noch ein Buch schreiben zu müssen. Helen ist sich sicher, dass sie mit Text im Ohr nicht arbeiten könnte – Melodien, eher Stille –, aber jede muss ihr eigenes Umfeld finden, um konzentriert und kreativ zu sein; das Ins-Schreiben-Kommen werde unterschätzt. Dazu kommt der eigene Anspruch: Ist es egal, ob das Buch zu 80 Prozent passt, weil das Lektorat ohnehin folgt, oder bist du Perfektionistin wie sie, bei der jeder Satz sitzen muss? Gegen den Perfektionismus müsse man manchmal ankämpfen und einfach abgeben. Und mit Verlag gibt es Abgabetermine: Bis Ende Juni muss das Manuskript fertig sein, sonst erscheint das Buch dieses Jahr nicht mehr.
Was sie außerdem gebraucht hat: Menschen, die sie ermutigen. Vertrauenspersonen, auch ohne Ahnung vom Bücherschreiben, die einen Text gegenlesen, ehrlich sagen, was sie nicht verstehen, und einem den kleinen Tritt in den Hintern geben. Ihre Familie hat das übernommen. Denn Phasen, in denen man alles hinschmeißen will, gab es: Warum habe ich 80 Menschen gefragt? 50 hätten es auch getan. Fünf hätten es auch getan. Ohne diesen Rückhalt, vermutet sie, wäre sie hier und da eher geneigt gewesen abzubrechen. Helens Rat dazu: sich von dem Bild lösen, wie eine schreibende Person aussieht – das einsame Haus mit Blick ins Grüne – und herumexperimentieren, was für einen selbst funktioniert.
Wie kommt man an einen Verlag, Marie?
Die Frage, die ihr seit dem Buch jede Woche gestellt wird. Ab jetzt, sagt Helen, kann sie den Link zu dieser Folge schicken. Erster Tipp: recherchieren. Welche Verlage gibt es, wie funktioniert die Verlagswelt, es gibt Verzeichnisse, und neben den großen Häusern viele kleine mit anderen Strategien und Schwerpunkten, die ebenso gut sind. Erst überlegen, welches Buch man im Kopf hat und welcher Verlag dafür infrage kommt. Und wenn nichts passt, kann man selbst veröffentlichen, etwa über Amazon – mit mehr Freiheiten bei der Gestaltung, aber einem Lektorat, das man selbst beauftragen und bezahlen muss, während es beim Verlag inklusive ist. Ihre Botschaft: Keine Zusage von einem Verlag heißt nicht, dass das Buch nicht erscheinen kann.
Wer einen Verlag will, bewirbt sich – und das ist, sagt sie, fast wörtlich zu nehmen. Bei den großen Häusern, bei denen sie es versucht hat, schreibt man ein Exposé wie eine Bewerbung: Warum möchte ich zu diesem Verlag, was ist mein Buchkonzept, wer bin ich, welche Reichweite habe ich. Eine Million Follower auf Social Media sind für einen Verlag interessant, der Bücher verkaufen will, aber kein Ausschlusskriterium – sie selbst hatte keine Reichweite. Dazu USP, Wettbewerb, was es in dem Format schon gibt, Stärken und Schwächen; das kannte sie aus dem Studium, und es half ihr, das eigene Buch schärfer zu fassen. Etwa sechs Seiten, plus eine Leseprobe von rund zehn Seiten – was genau, steht auf der Website des jeweiligen Verlags, und bei einem Kinderbuch sieht es anders aus als bei ihrem Sachbuch. Dann heißt es abwarten. Wer nichts hört, hat nichts verloren: Fragen kostet nichts.
Wie lange? Geduld. Sie erinnert sich genau: im Wohnzimmer ihrer Eltern, weil die einen Drucker haben – sie bis heute nicht –, zwanzigmal dasselbe ausgedruckt, weil die Verlage es nicht digital wollten, in Umschläge gepackt, Foto mit Daumen hoch, zur Post gebracht. Und dann die Hoffnung, in einer Woche etwas zu hören. Bis zu drei Monate seien üblich, und langsam ebbt die Freude ab. Ihr pragmatischer Blick: Es ist wie eine Bewerbung bei einem Unternehmen. Vielleicht hat gerade die falsche Person das Konzept gelesen, jemand, der mit jungen Frauen und Beruf nichts anfangen kann. Also nicht entmutigen lassen, weiter bewerben, kleinere Verlage ansehen, die immer wieder neu gegründet werden und Inhalte suchen, im Zweifel Self-Publishing. Zwanzig Absagen sind zwanzig Absagen – aber vielleicht denkt der 21. Verlag anders. Sie kennt Menschen mit fertigem Manuskript, die keinen Verlag finden, und vermutet, dass oft der Mut oder die Zeit fehlt, die Verlage kontinuierlich zu befeuern. Ein Buch, egal zu welchem Thema, sei ein Kulturgut; es wäre schade, wenn es daran scheitert. Helen findet diese Projektsicht ermutigend – sie neigt dazu, so etwas zu sehr mit sich selbst zu verknüpfen – und bekommt Lust, es selbst zu probieren. Nur die Idee fehlt noch.
Das Cover: ein gewonnenes Fotoshooting
Auf dem Cover ist Marie-Luise Kissler selbst zu sehen, und die Geschichte dahinter ist ein Zufall: Im Einkaufszentrum ihrer Heimatstadt gewann sie bei einer Aktion eines Fotostudios ein Fotoshooting. Sie war schon mitten im Schreiben, sagte der Fotografin, sie schreibe ein Buch und hätte gern etwas, das aufs Cover passen könnte – und so kam es. Dass ein Gesicht darauf ist, war ihr wichtig: Das Buch macht Lebenswege sichtbar, und etwas Gesichtsloses hätte sie unpassend gefunden. Alle 80 Menschen aufs Cover ging nicht, also sie selbst – schließlich steckt ihre ganze Arbeit darin, keine falsche Bescheidenheit. Der Springer Verlag habe erst geschluckt, weil das für Sachbücher nicht gang und gäbe sei, ließ sich dann aber überzeugen; sie hat sich viele andere Optionen zeigen lassen und am Ende alle von ihrer überzeugt. Helen liest den Klappentext vor – den findest du auf der Verlagsseite – und fragt nach dem Hörbuch, das sie bei Sachbüchern am liebsten nutzt: Marie-Luise Kissler darf es auf eigene Faust aufnehmen, veröffentlicht wird es dann über Springer, weil die Rechte dort liegen. Sie hat es vor, ihr fehlt nur die Zeit. Helen wird jeden Monat nachfragen.
Was ein Buch kostet – und was zurückkommt
Geld kostet ein Buch nicht, sagt sie: Alles, was man braucht, hat man auf dem Laptop, im Handy oder mit Zettel und Stift. Es kostet Kraft, Zeit, Konzentration und Kreativität. Die Frage, was am Ende finanziell herausspringt, hält sie für den falschen Einstieg – wer Autor*in werden und davon leben will, muss sich mit den Verlagshäusern anders auseinandersetzen, weil es dann um Rechnungen und eine planbare Einkommensquelle geht. Ihre Agenda war eine andere: ein relevantes Thema bearbeiten, Mehrwert für die Gesellschaft schaffen, selbst dazulernen, neben dem Vollzeitjob. Das Finanzielle stand nie im Vordergrund, und sie glaubt, dass das für die wenigsten, die ein Buch schreiben, der Grund ist. Feedback liest sie alles, auch Bewertungen, und findet es erst einmal schön, weil es zeigt, dass jemand das Buch gelesen hat. Kritik nimmt sie an; aus heutiger Sicht würde sie zwei, drei Dinge anders schreiben, ohne dass sie deshalb weniger dahinterstünde. Am meisten freut sie, wenn jemand sagt, diese Stelle, dieser Mensch von den 80 hat mich inspiriert – dann weiß sie, dass sie erreicht hat, was sie wollte. Der Abschied ist ein Vierzeiler: loslegen, einfach machen, einfach fragen.
Warum Marie-Luise Kissler drei Jahre nach dem Ausdrucken immer noch keinen Drucker hat, was in ihrem Fragenkatalog stand und wie das Foto mit dem Daumen hoch entstand – das hörst du in der ganzen Folge.
Die ganze Folge hören
Das Buch aus dieser Folge
80 Interviews, eine Leitfrage – das Buch, um das es die ganze Folge geht.
80 Menschen – 80 Storys
Marie-Luise Kissler · Springer · 418 Seiten
Inspirierende Berufswege mit Denkanstößen und Tipps – nicht nur für junge Frauen: 80 Menschen antworten auf die Frage, was sie jungen Frauen beruflich raten würden, mit Foto und Kurzvita.
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Häufige Fragen
Wie kommt man an einen Verlag?
Marie-Luise Kisslers erster Tipp: recherchieren. Welche Verlage gibt es, wie funktioniert die Verlagswelt, welches Haus passt zu welchem Buch – es gibt Verzeichnisse, und neben den großen Häusern viele kleine Verlage mit eigenen Schwerpunkten, die auf der Suche nach guten Geschichten sind. Dann bewirbt man sich, fast wie um eine Stelle: mit einem Exposé und einer Leseprobe, so wie der jeweilige Verlag es auf seiner Website vorgibt. Wer keine Zusage bekommt, kann selbst veröffentlichen – ein Buch, sagt sie, lässt sich immer publizieren.
Was gehört in ein Exposé für einen Verlag?
Bei ihr waren es rund sechs Seiten, geschrieben wie eine Bewerbung: Warum dieser Verlag, was ist das Buchkonzept, wer bin ich, welche Reichweite bringe ich mit, was ist mein Alleinstellungsmerkmal, welche vergleichbaren Bücher gibt es schon. Dazu eine Leseprobe von etwa zehn Seiten. Wie viel vom Buch fertig sein muss und was genau erwartet wird, steht auf den Seiten der Verlage – und es unterscheidet sich, bei einem Kinderbuch sieht es anders aus als bei einem Sachbuch.
Wie lange wartet man auf die Antwort eines Verlags?
Geduld, sagt Marie-Luise Kissler: Bis zu drei Monate seien üblich. Sie hat ihr Exposé zwanzigmal ausgedruckt, in Umschläge gepackt und zur Post gebracht, weil die Verlage es nicht digital wollten – und dann gehofft, in einer Woche etwas zu hören. Wer nichts zurückbekommt, sollte es nicht persönlich nehmen: Vielleicht hat gerade die falsche Person das Konzept in der Hand gehabt. Weiter bewerben, kleinere Verlage ansehen, im Zweifel Self-Publishing.
Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?
Bei »80 Menschen – 80 Storys« hat der Weg von der Idee bis zur Veröffentlichung rund zwei Jahre gedauert – neben einem Vollzeitjob, mit 80 Interviews, die geführt, analysiert und nach Themen geclustert werden mussten. Das sei aber individuell: Es hängt vom Konzept ab, von den eigenen Verpflichtungen, vom Perfektionismus – und davon, ob ein Verlag mit Abgabeterminen im Spiel ist. Ein Buch koste kein Geld, sagt sie, aber Kraft, Zeit und Konzentration.
Worum geht es in »80 Menschen – 80 Storys«?
Um eine Leitfrage: Was würdest du deiner Tochter – oder jungen Frauen – beruflich raten? Marie-Luise Kissler hat sie 80 Menschen aus verschiedenen Berufen, Branchen und Geschlechtern gestellt. Im ersten Teil des Buches stehen die Antworten nach Themen zusammengefasst, im zweiten die 80 Interviews mit Foto und Kurzvita. Die Idee entstand 2020 aus ihrer Masterarbeit, für die sie Vorständinnen interviewt und am Ende jedes Gesprächs privat gefragt hatte, was sie ihr raten würden.
Mehr zu Marie-Luise Kissler
Die ganze Folge zum Nachlesen
Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme. Helens An- und Abmoderation und der eingesprochene Hinweis auf die Schmökerrunde stehen nicht hier; der Klappentext, den Helen vorliest, ist an der Stelle vermerkt und nicht im Wortlaut wiedergegeben.
Helen
Herzlich willkommen Marie-Luise, Marie-Luise Kissler. Vielleicht wollt ihr den Namen später nochmal googeln, deswegen wiederhole ich es nochmal. Ich freue mich total, dass du dir die Zeit heute genommen hast an einem Montagnachmittag. Ich habe das Gefühl, ich spüre das sehr, dass es ein Montagnachmittag ist, aber ich habe mich voll auf dieses Gespräch gefreut, vor allem weil wir es schon ein paar Mal verschoben haben. Wir sprechen heute über dein Buch, was ich mega aufregend finde. Darauf gehen wir gleich noch mal ein bisschen genauer ein, aber vielleicht magst du einmal kurz erzählen, wer bist du und was machst du so?
Marie-Luise Kissler
Ja, hallo zusammen oder hallo Helen. Ja, schön, dass ich da sein darf. Vielen lieben Dank für die Einladung. Genau, wer bin ich? Also ich bin Marie. Ich bin die Autorin des Buches »80 Menschen – 80 Storys: Inspirierende Berufswege mit Denkanstößen und Tipps – nicht nur für junge Frauen«. Und ja ansonsten also neben dem Autorendasein bin ich hauptberuflich Managerin bei einer Unternehmensberatung im Bereich Technologie und Strategie und habe davor nach der Schule International Management studiert, habe da an der Universität Paderborn studiert und an der Universität also am Trinity College Dublin in Irland und genau war vorher noch bei einer anderen Unternehmensberatungen. Also genau, bin da jetzt eigentlich als Managerin hauptberuflich tätig.
Helen
Voll spannend. Und ich finde irgendwie, also weil wir hatten ja schon mal über dein Buch ein bisschen gesprochen und ich finde es passt irgendwie auch so, weil du, glaube ich, so ist so mein Eindruck, relativ auch strategisch irgendwie an dieses Buch herangegangen bist und das dann vielleicht auch zu dir irgendwie ganz gut passt. Du hast gerade schon erwähnt, es heißt »80 Menschen – 80 Storys« und ich habe selber noch nicht gelesen, noch nicht, aber mich hat das direkt angesprochen, weil ich einige solcher Bücher tatsächlich hier habe, wo ja Menschen ihre Geschichten erzählen und ich gucke zum Beispiel auch super gerne Dokumentationen und sowas über Persönlichkeiten und so. Ich finde sowas total interessant und ich fand halt hier cool, ich weiß ja jetzt nicht nur bekannte Persönlichkeiten, sondern wirklich ziemlich bunten Mix und auch super unterschiedliche Geschichten. Ja, was finde ich total cool erst mal klingt. Aber vielleicht magst du mal erzählen? Ach, ich hab’s wieder vergessen. Vielleicht fangen wir mit was anderem an. Und zwar, ich hab dich im Vorfeld gefragt, wenn wir uns jetzt live treffen könnten. Du wohnst ja ein bisschen weiter weg. Aber wir vielleicht einfach frei wählen könnten, wo wir uns treffen würden. Wo würdest du dich gerne mit mir treffen und womit würden wir dann anstoßen? Vielleicht setzt du so einmal so ein bisschen den Ton für die Folge.
Marie-Luise Kissler
Gute Frage, muss ich selber kurz überlegen. Ich fände ja solche Cafés, also wenn da jetzt nicht so eine laute Kulisse im Hintergrund wäre und man da Podcasts aufnehmen könnte, fände ich so belebte Cafés total schön, weil ich das auch selber so beim Schreiben auch vom Buch, aber auch schon bei Hausarbeiten oder so. Ich brauche immer so eine kleine Geräuschkulisse um mich herum. Ich finde, dass irgendwie so zu der Atmosphäre tritt. Also das ist so schön für die Atmosphäre. Das ist so eine Lernatmosphäre, das ist so eine Unterhaltungsatmosphäre und da hätte ich dich gerne getroffen. Da hätte ich gerne mit dir, weiß nicht mit so einem Wasser oder Kaffee oder was auch immer mit einem schönen Tee angestoßen.
Helen
Ich kann mir das voll gut vorstellen, weil ursprünglich war das mal meine Idee für den Podcast, dass ich wirklich vor Ort euch treffe und ich kannte auch die Vorstellungen, dass wir es in Cafés machen, total cool, aber dann habe ich auch recht schnell gedacht, das passt wahrscheinlich an der Geräuschkulisse gar nicht.
Marie-Luise Kissler
Das ist einfach zu laut, ja, aber wenn man sich so trifft, das ist immer total schön, weil das ist so, man ist nicht allein auf der Welt und davon lebt das ja auch von so Begegnungen. Und wo kann man sich besser begegnen als in so einem Café?
Helen
Ja, dann eine kurze Teefrage. Trinkst du schwarzen Tee?
Marie-Luise Kissler
Schwarzen Tee tatsächlich nicht. Also ich trinke meistens Pfefferminz-Tee.
Helen
Okay, dann hast du in deiner Tasse Pfefferminz-Tee und ich schwarzen Tee und damit stoßen wir jetzt an.
Marie-Luise Kissler
Genau, machen wir so.
Helen
Okay, dann jetzt zurück zu deinem Buch. Ich fände es irgendwie mal spannend, nochmal zu hören. Wir hatten uns ein bisschen darüber schon unterhalten, wie ist so die Idee dazu entstanden. Also ich finde das so schwer mir vorzustellen, ja wie so ein Buch tatsächlich entsteht, weil meistens hat man ja eigentlich nur das Ergebnis in der Hand, aber die Vorstellung sowas selber zu schreiben und bei dir waren es halt ja auch noch wahnsinnig viele Interviews, die du geführt hast. Also wie fing die Idee an und wie bist du vorgegangen?
Marie-Luise Kissler
Vielleicht kann ich ja mit dem Ergebnis ein bisschen anfangen. Vielleicht hilft das ein bisschen bei der Vorstellung, Also was man sich darunter vorstellen kann. Und zwar geht das Buch ja um Ratschläge für junge Frauen in der Berufswelt. Also Ratschläge für die Karriere. Ich bin quasi mit dem Satz losgezogen, was würdest du deiner Tochter, also was würdest du deiner Tochter oder jungen Frauen beruflich raten? Das war meine Leitfrage für das ganze Buch. Und in dem Buch jetzt, wie es ist, sind 80 Interviews drin. Das heißt, ich habe 80 Leute aus verschiedenen berufen, verschiedenen Branchen, verschiedene Gender habe ich auch drin gefragt, was sie den jungen Leuten raten würden. Und zeitgleich habe ich das dann alles durch analysiert und geclustert nach Themenkomplexen. Und die findet man im ersten Teil des Buches. Das heißt, wenn man sich das Buch holt, hat man eigentlich eine Zusammenfassung, was man so die wesentlichen Aussagen von diesen 80 Menschen zum beruflichen Werdegang, was da für Hindernisse oder für schöne Erlebnisse auch sein können. Und auf der anderen Seite kann man sich selber diese 80 Interviews durchlesen mit Fotos, mit Kurzvita, ist da eigentlich alles drin und kann sich selber noch mal ein Bild machen. Und genau, mit dieser Leitfrage, das war eigentlich so meine Idee. Was würde ich meiner Tochter raten oder was würde ich jungen Frauen beruflich raten? Denn das passte damals auch zu meiner Lebenssituation. Die Idee kam mir 2020, das war ja das berühmte Pandemie-Jahr. Dazu muss man wissen, ich habe nach der Schule erstmal meinen Bachelor gemacht, dann habe ich dreieinhalb Jahre gearbeitet und dann habe ich mich nochmal für den Master im Ausland entschieden und bin dann tatsächlich ein Jahr komplett ins Ausland gezogen, habe meinen Job gekündigt und habe dann nochmal studiert. Und dann war für mich so die Situation, dann war ich fertig mit dem Studium oder es ging so gerade in Richtung Ende Studium, Masterarbeit geschrieben und dann kam so die Sache, okay was machst du jetzt? Also gehst du noch mal zurück in den alten Job, machst du etwas völlig anderes? Also das ist ja so ein Step, wo vielleicht auch viele sind, die schon ein paar Jahre Arbeitserfahrung gemacht haben oder auch gerade dann nach dem Studium oder nach der Ausbildung sind und sich denken, was mache ich denn jetzt? Ist das wirklich das, was ich machen möchte, mein Leben lang.
Helen
Ja, das ist ja auch eine muselige Vorstellung.
Marie-Luise Kissler
Genau, genau. Man ist ja irgendwie noch jung und denkt sich so, boah, also ist das jetzt? Ja, und also geht ja nicht jedem so, aber mir ging es zumindest so in der Zeit, dass ich wirklich vor der Entscheidung auch stand, ja wofür bewerbe ich mich denn jetzt nochmal, dann wieder, das ist ja auch immer so eine Hürde. Und ich habe damals für meine Masterarbeit Leute interviewt und dafür habe ich Vorständinnen aus Deutschland interviewt, die auch mega spannend. Hätte ich damals auch nicht gedacht, dass das so stattfinden wird, aber doch tatsächlich konnte ich Leute ergattern, mit mir Interviews zu führen. Und diese Leute habe ich dann tatsächlich auch einfach gefragt, aus eigenem Interesse, am Ende des Interviews immer gut jetzt mal die fachlichen Sachen zur Seite. Für mich selber würde ich gerne wissen, was würden sie mir denn raten. Und diese Ratschläge, die ich da bekommen habe, die waren so ehrlich, so nett, so vorausschauend, auch von Leuten, die vielleicht, zumindest, also ich bin ja selber auch in der Wirtschaft tätig, in der freien Wirtschaft, die auch aus dem Bereich sind, da mal so ein paar Sachen zu hören, das fand ich super interessant. Und ich fand in dem Moment es so schade, dass das niemand anderem zugänglich ist. Ich wollte etwas schaffen für Leute, die vielleicht nicht diese Möglichkeit haben, mit den Menschen zu sprechen oder sich nicht trauen, mit solchen Menschen zu sprechen. Ich wollte dieses Wissen zugänglich machen. Und da kam mir eigentlich diese Idee mit dem Buch. Und dann ist aus dieser Idee, so habe ich mir erst mal gedacht, ach komm, schreibe ich mal ein Buch. Also ich habe das nie, nie, ich hatte immer schon im Kopf, ach, wie cool, wenn man mal ein Buch schreibt. Aber dass das die Idee wäre, das hätte ich in dem Moment vielleicht auch nicht gedacht. Aber ich habe dann angefangen, so mit meiner Familie drüber zu sprechen und die fand das auch eine schöne Idee und dann habe ich das so auch meiner Freundin gesagt. Und ich meinte auch, ach, das ist total cool, weil ich hab da sowieso erzählt, was die mir geraten haben. Und dann hab ich gesagt, ah, eigentlich muss man wirklich ein Buch draus machen. Naja, und lange Rede, kurzer Sinn, dann hat das alles so Fahrt aufgenommen. Ich hab dann so langsam versucht, Leute dafür zu gewinnen, da mitzumachen. Weil das war natürlich die Prämisse für das Buch. Ich brauchte ja Leute, die mir Ratschläge geben. Sonst konnte ich das Buch ja vergessen. Und das hat dann tatsächlich gut geklappt, naja, und jetzt sind es 80 Menschen am Ende geworden.
Helen
Mega. Also ich finde es auch eine mega coole Geschichte. Da fällt mir eine Frage zu einem, also es war jetzt wahrscheinlich nicht möglich, weil du die für die Masterarbeit angefragt hattest, die Vorständin, also deren Ratschläge, weil die auch wahrscheinlich off-record irgendwie waren, dafür zu verwenden. Du musstest neue Menschen quasi finden.
Marie-Luise Kissler
Genau, also nicht unbedingt neue Menschen dafür finden, aber ich habe die Fragen anders gestellt. Weil während meiner Masterarbeit habe ich tatsächlich einfach nur so, ja wie du sagst, auf Record einfach gefragt, jetzt mal alles beiseite, was würden sie mir raten? Und das war wirklich gar nicht mit der Intention, ich mache da ein Buch draus, sondern es war wirklich reines ehrliches Interesse und reine ehrliche Antworten von deren Seite aus. Als ich dann gefragt habe wegen des Buches, da ging es dann eher darum, ich hatte einen Fragenkatalog, da konnten die sich Fragen aussuchen und selber entscheiden, wie sie die beantworten und ein schriftliches Wort ist immer noch was anderes als ein besprochenes Wort. Und gerade bei Leuten, die auch ein bisschen weiter oben sind. Ich habe auch ein paar Vorständinnen in dem Buch drin oder ein paar andere hohe Leute in der Gesellschaft, die vielleicht auch eine PR-Abteilung oder so dahinter haben. Da muss man immer ein bisschen gucken, auch was gibt man tatsächlich preis. Das war, als ich die selber gefragt habe, natürlich noch ein bisschen was anderes. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, auch am Ende, es waren so viele ehrliche Antworten. Ich war teilweise überrascht, wie ehrlich diese Leute geantwortet haben. Das hätte ich nicht erwartet. Und das finde ich so schön, wenn ich diesen Buch nicht sehe. Aber ich grinse schon, weil ich wirklich so überrascht und so positiv beeindruckt war von diesen Menschen, die offen, die damit umgegangen sind und wirklich auch Ratschläge verteilt haben und nicht einfach nur das gesagt haben, sondern auch die Geschichten dahinter erzählt haben.
Helen
Das ist cool. Das macht mir richtig Lust aufs Buch. Was mir auch noch von unserem Gespräch, als wir das erste Mal über das Buch gesprochen haben, einfällt, war, dass du, also weil ich kriege das auch oft zu hören, weil ich fühle ja auch so, mach zum Beispiel diese Livestreams mit AutorInnen oder hatte jetzt auch schon ein paar AutorInnen neben dir im Podcast und ich kriege oft dann die Frage, ja, also wie machst du das? Wie bekommst du im Grunde diese Leute dazu? Und ich glaube, wenn ich mich recht erinnere, war es bei dir ähnlich, aber was ich immer sage, ist so, naja, ehrlich gesagt, ich frag halt. Ich krieg auch oft ein Nein, aber irgendwie auch erstaunlich häufig ein Ja. Und ich glaube, mein erster Impuls ist bei dem Projekt, auch mit der Masterarbeit, aber auch mit dem Buch, so ein bisschen, dass ich denke, krass, also wie machst du das? Oder wie bist du da vorgegangen, wie hast du dich das getraut? Aber ich glaube, es war ähnlich, dass du eben hauptsächlich gefragt hast.
Marie-Luise Kissler
Absolut. Ich fand das auch sehr schwierig, den inneren Schweinehund zu überwinden und wirklich einfach mal zu fragen. Das sagt man immer so, aber so einfach ist es nicht.
Helen
Ja.
Marie-Luise Kissler
Ich glaube, das ist wirklich einfach ein Überwinden der eigenen Angst, abgelehnt zu werden, weil was Schlimmeres kann ja eigentlich auch nicht passieren. Also wenn jemand mich interviewt werden möchte, sagt er vielleicht, nee danke. Ja und also dieses nein danke, das ist ja, das kann man verkraften. Oder im Zweifel antworten die gar nicht. Es gab auch Leute, die haben mir nie geantwortet, es gab auch Leute, die haben irgendwie gesagt, nee danke, aber beim nächsten Mal bin ich gerne dabei, also so viele Arten nein zu sagen und eine Ablehnung zu erhalten, mit der kann ich dann auch leben manchmal.
Helen
Naja und die positiven Erfahrungen werden es wahrscheinlich überwiegen, dass du eben schöne Gespräche ja vielleicht auch hattest.
Marie-Luise Kissler
Total, also auch die Ablehnungen sind nicht, die Absagen sind auch nicht schlimm. Auch die können sehr nett sein und sehr freundlich und sehr ermutigend. Es gab auch viele, die haben dann abgesagt, weil die einfach zeitlich keine Kapazität hatten. Kann ich auch total verstehen. Das sind ja auch teilweise Leute, die haben viel zu tun. Oder die haben schon ein ähnliches Projekt gemacht und da schon mitgeholfen. Man kann ja nicht auf jeder Hochzeit tanzen, da habe ich total das Verständnis für. Ja. Und haben dann trotzdem viel Erfolg und gesagt, ey, coole Idee, aber leider geht es nicht. Auch das fand ich motivierend. Und wie wie du auch sagst, die Leute, die dann mitmachen, die haben sich so gefreut, Teil davon zu sein oder zu werden.
Helen
Das ist echt cool.
Marie-Luise Kissler
Und bis heute kriege ich da teilweise auch Nachrichten von den Leuten, die mitgemacht haben, die sagen, ey danke, dass ich mitmachen durfte. Und ich kann das immer nur zurückgeben und sagen, danke, dass du Teil davon geworden bist.
Helen
Ja.
Marie-Luise Kissler
Weil ohne die wäre das natürlich nix gewesen, oder?
Helen
Ich finde es auch so schön, weil es ist wirklich ja dann auch so ein Gemeinschaftsprojekt. Du musstest dich ja um alles so kümmern, aber es sind einfach viele Geschichten vereint zwischen zwei Buchdeckeln und ohne diese Geschichten wäre es ja auch nicht möglich gewesen. Das finde ich voll schön, richtig toll. Du hast halt auch Menschen so zusammengebracht. Ich finde das eine richtig coole Sache. Das nächste ist aber ja dann noch, also einerseits würde mich noch interessieren wie lange hat es denn so gedauert also so wie viel Zeit brauchen wir für 80 Interviews?
Marie-Luise Kissler
Schwierig in eine Zahl zu packen also ich sage immer der ganze Prozess von Ideenfindung bis hin zu Manuskriptabgabe und publizieren hat so zwei Jahre gedauert. Ist jetzt aber auch sehr individuell also es heißt jetzt nicht dass jedes Buch zwei Jahre dauert, es Das kommt immer ein bisschen aufs Buch und aufs Konzept an. Ich hab halt nebenbei Vollzeit gearbeitet. Ich glaube … das ist noch mal eine andere Geschichte, wenn man vielleicht, ähm, weiß ich nicht … Andere Verpflichtungen sind ja dann auch noch mal, da kommen auch noch mal dazu. Also, ich … es ist sehr, sehr schwierig zu sagen, wie viel Zeit ein Buch in Anspruch nimmt. Ist vielleicht auch wieder so eine Charakterfrage, was brauchst du persönlich, um ein Buch zu schreiben konzentriert zu arbeiten. Ich bin so ein Bibliotheksgänger, ich habe auch meine Hausarbeiten oder so immer in der Bibliothek geschrieben. Ich kann das nicht zu Hause machen. Ich brauche irgendwie Musik auf den Ohren. Ich brauche, ich habe so eine Playlist auch gehabt, wo ich wusste, wenn das kommt, wenn das Lied läuft, dann arbeite ich am Buch. Es ist immer witzig, wenn ich das jetzt heute im Radio höre. Jetzt muss ich noch ein Buch schreiben. Kriegt man wieder Lust. Aber ich glaube, jeder muss sich so sein Umfeld schaffen, um produktiv zu sein und vor allem um kreativ zu sein. Ich finde, ein Buch schreiben oder kann auch eine Doktorarbeit sein oder irgendwie, weiß ich nicht, eine Hausarbeit oder irgendwas anderes. Man braucht ein Umfeld, das dir ermöglicht, dich zu konzentrieren und kreativ zu denken, ins Schreiben zu kommen, weil ich finde dieses ins Schreiben kommen sehr, sehr schwierig. Also das unterschätzt man, glaube ich, auch. Und ich glaube daran steht und fällt auch so ein bisschen, wann kannst du dir die Zeit nehmen, so was zu schreiben? Was hast du vielleicht selber auch für eine Agenda? Wann willst du das fertig haben und wann nicht? Ist dir vielleicht am Ende egal, ob das Buch jetzt nur zu 80 Prozent passt und die Grammatik so lala ist, weil du hast ja noch ein Lektorat, oder bist du so ein Perfektionist wie ich und denkst, nein, jeder Satz muss sitzen und dann dauert das halt vielleicht auch.
Helen
Da soll niemand mehr ein Fehler finden.
Marie-Luise Kissler
Ja, genau. Und du findest trotzdem immer noch Fehler. Also immer ist irgendwas. Und ich glaube, das ist so ein bisschen, man muss ein bisschen gegen sich selbst manchmal auch gegen das Perfektionistische ankämpfen und einfach auch mal sagen, gut, jetzt ist es auch mal gut, jetzt gebe ich das mal ab. Wenn man mit einem Verlag schreibt, hat man ja auch manchmal noch die Zeitvorgaben, also dann kann es schon sein, dass du so eine Deadline hast, okay, bis Ende Juni sollte das Skript fertig sein, sonst kannst du das nicht mehr, also sonst kommt das dieses Jahr nicht mehr raus, wo das ist. Also die haben ihre Vorgaben, wann sie was abgeben müssen. Das gibt es da schon, zumindest gab es das bei mir, aber so grundsätzlich würde ich sagen, da hat jeder seine eigene Timeline, wie man so schön sagt, und sein eigenes Tempo und das finde auch richtig und wichtig.
Helen
Ja voll. Aber das, das sprichst du schon wichtigen Punkte an, weil ohne Verlag ist ja zumindest ein bisschen schwieriger es dann zu vermarkten. Hast du irgendwie ein Konzeptpapier geschrieben und das an einen Verlag geschickt oder verschiedene Verlage geschickt? Wie, wie kommt man an einen Verlag? Wie macht man das, Marie?
Marie-Luise Kissler
Das ist eine der Fragen, die ich bestimmt jede Woche gestellt habe.
Helen
Das glaube ich. Ab jetzt kannst du denen immer die Folge schicken.
Marie-Luise Kissler
Genau, schicke ich nur noch den Link.
Helen
Na, wie macht man das?
Marie-Luise Kissler
Also ich glaube, was man können muss, ist viel ergoogeln. Man sollte sich auf viel Recherche einstellen. Und das ist, glaube ich, so auch der erste Tipp, den ich geben würde. Wenn man ein Buch schreiben möchte, erstmal informieren, was gibt es für Verlage? Wie funktioniert so eine Verlagswelt? Was gibt es da für Verlagshäuser? Es gibt, glaube ich, auch Register, wo alle Verlage irgendwie aufgelistet sind. Also es gibt ganz, ganz viele Verlage. Es gibt nicht nur die großen, die man so kennt, sondern es gibt auch kleinere Verlage, die aber trotzdem genauso gut sind, da haben wir vielleicht teilweise unterschiedliche Strategien, unterschiedliche Fokus-Themen, die die veröffentlichen, aber da, ich glaube, das wäre so der erste Schritt, dass man sich erstmal damit auseinandersetzt, was habe ich denn für ein Buch im Kopf und welcher Verlag würde dafür in Frage kommen. Auf der anderen Seite, wenn man nichts findet, was einem zusagt, kann man auch selbst publizieren. Das geht auch, das habe ich jetzt nicht gemacht, deswegen bin ich da jetzt vielleicht nicht der beste Ansprechpartner, um genauere Informationen zu geben. Aber es geht auch, selbst ein Buch zu publizieren, zum Beispiel bei Amazon. Das ist dann natürlich ein bisschen was anderes, da kann man dann selber, hat man glaube ich auch mehr Freiheiten, würde ich jetzt vielleicht sagen, was dann auch die Ausgestaltung angeht. Man kann sich auch selber ein Lektorat irgendwie in Auftrag geben und jemandem ein Lektorat beauftragen. Wenn du das mit einem Verlag machst, dann ist das Lektorat häufig drin, im Preis quasi, inklusive. Und ja, das sind so die Unterschiede eigentlich, ein bisschen vom Selbstpublizieren und Verlag. Aber der erste Schritt wäre, glaube ich, erstmal in Erfahrung bringen, Was gibt es da auf dem Markt? Was sind potenzielle Verlage, die oder Verlagshäuser, die interessant für mich wären? Und wenn nicht, wie würde das aussehen, wenn ich selber publiziere? Weil ich finde nur, wenn man keine Zusage von einem Verlag hat, heißt das nicht, dass du dein Buch nicht publizieren kannst. Du kannst es trotzdem publizieren. Es ist dann nur halt im Eigenverlag vielleicht. Also es gibt Mittel und Wege Bücher zu publizieren. Wenn man wirklich eins publizieren möchte, geht das.
Helen
Das ist schon ein guter Message.
Marie-Luise Kissler
Wenn man jetzt einen Verlag haben möchte, dann ist es halt unterschiedlich. Also die Verlagshäuser haben verschiedene Fokusthemen, die die haben möchten. Die haben auch vielleicht verschiedene Reichweiten, verschiedene Herangehensweisen, neue Autoren zu suchen und auch Themen zu suchen. Bei mir war das so, das ist zumindest, habe ich so die Erfahrung gemacht, bei vielen großen Verlagshäusern, wo ich mich jetzt beworben hatte, sag ich mal, mit meinem Buch. Also es ist wirklich wie so eine Bewerbung, die du nachfällig machst, dass du ein Exposé schreibst. Das hat, weiß ich nicht, da schreibst du wirklich wie in so einer Bewerbung rein, warum möchtest du zu diesem Verlag? Was ist dein Buchkonzept? Wer bist du? Was hast du vielleicht auch für eine Reichweite? Also wenn du jetzt, weiß ich nicht, bei Social Media eine Million Follower hast, dann ist das sicherlich sehr interessant für den Verlag, weil die natürlich auch daran interessiert sind, Bücher zu verkaufen. Ist aber kein Ausschlusskriterium, wenn du keine Reichweite hast. Ich hatte ja auch keine Reichweite in dem Sinne. Also zumindest nicht in diesem Größenmaß.
Helen
Noch nicht.
Marie-Luise Kissler
Genau, noch nicht. Und da schreibt man dann aber auch tatsächlich bequem bei so einer Bewerbung, was ist mein USP, Was macht mich aus? Was macht mein Buch aus? Warum ist das das Buch, was ihr verlegen solltet? Wie ist so der Wettbewerb? Was gibt es schon in dem Format für Bücher? Und ich muss sagen, das war schon anstrengend, das nochmal zu schreiben. Ich kannte das halt vom Studium, dass man so Wettbewerbsanalyse und sowas. Also ich wusste schon, worauf ich gucken muss. Und dann so Stärken, Schwächen. So, das kannte ich schon. Hat mir nochmal geholfen, auch so ein bisschen herauszufiltern, Was will ich denn eigentlich da schreiben, worum geht es überhaupt, mit wie möchtest du auch branden in diesem Bild so ein bisschen oder mein Buch? Und genau, dann verfasst du da erstmal so ein Exposé und das sind so sechs Seiten oder sowas und dann hast du eine Leseprobe, die du am Ende noch dran packst. Also das ist auch eine Frage, die häufig kommt, wie viel muss vom Buch schon fertig sein, ist unterschiedlich. Auch dieses Exposé ist unterschiedlich. Das schreiben die Verlage selber auf ihren Internetseiten, was die da erwarten. Und was die haben wollen von einem neuen Autor oder von einem neuen Buch und da wo ich mich beworben hatte sage ich mal war es immer so dass du ein Exposé brauchtest mit eben diesen Punkten das heißt du hast da einfach erstmal schon so fünf Seiten Prosa geschrieben und dann noch mal eine Leseprobe von weiß ich nicht zehn Seiten angehangen. Ich habe aber auch für ein Sachbuch gemacht wenn man jetzt ein Kinderbuch oder so was macht dann kann ich weiß ich nicht, dann sieht es sicherlich anders aus, da brauchst du ja nicht so viel Probe an. Ja. Aber genau so kann es halt aussehen, dass du dich erst mal damit quasi bewirbst bei den Verlagen und wenn du Glück hast, hast du was zurück. Wenn du nichts zurückhörst, ist auch nicht so schlimm, auch da wieder Fragen kostet nichts. Du fragst quasi den Verlag, hey, hab dir Interesse daran. Wenn die kein Interesse haben, ist auch nicht so schlimm. Dann gibt es im Zweifel immer noch den Self Publishing Prozess.
Helen
Ja, wie schnell ging das bei dir? Also hattest du relativ zügig eine Zusage von eben einem Verlag oder musstest du da schon dich ein bisschen gedulden?
Marie-Luise Kissler
Da braucht man Geduld. Also ich weiß noch ganz genau, ich war damals bei meinen Eltern zu Hause im Wohnzimmer, weil die haben den Drucker und ich hab noch keinen Drucker hier zu Hause. Und im Noch immer noch nicht, in drei Jahren später immer noch kein Drucker zu Hause. Und da hab ich dann alles ausgedruckt und schön in so einen Umschlag gepackt, weil digital wollten die das auch nicht, sondern das musste ich ausdrücken. Und dann hatte ich da irgendwie 20 mal das gleiche ausgedruckt, schön auf dem Küchentisch drauf und dann haben wir noch so ein Foto gemacht, wo ich so den Daumen hoch halte.
Helen
So verrückt.
Marie-Luise Kissler
Und dann habe ich mich so gefreut, als ich das dann halt bei der Post abgegeben habe. Und dann hatte ich so hohe Hoffnungen. Man denkt ja dann auch, jetzt warte ich eine Woche und dann höre ich zurück. Und ich glaube, das war schon so, ja, bis zu drei Monate, sagt man, glaube ich, kann man warten. Und dann ebbt ein bisschen diese Freude ab. Man muss wirklich geduldig sein. Und man, also ich habe mir da, glaube ich, dann auch schon wieder ganz viele Sachen durchgelesen und so was ist jetzt wenn sich keiner meldet und so aber ganz ehrlich dann muss man halt noch mal versuchen vielleicht war auch einfach wie bei einer Bewerbung beim Unternehmen so habe ich das ein bisschen gesehen wenn sich halt keiner meldet dann habe ich vielleicht einfach gerade hat vielleicht gerade der falsche Sachbearbeiter mein Buch gelesen ja also ich stelle mir das gerade so vor wenn dann jemand meine Bewerbung liest der überhaupt nichts mit junge Frauen und Beruf und so am Hut hat der denkt sie auch, oder die denkt sie auch, okay, brauchen wir nicht. Also da muss man vielleicht auch so ein bisschen Glück haben, wer gerade das Ding in den Händen hält und wer da drin Potenzial sieht. Genau, deswegen darf man sich davon, glaube ich, nicht entmutigen lassen, sondern einfach weiter bewerben und im Zweifel sich wirklich einfach nach Self-Publishing nochmal umgucken. Oder nach kleineren Verlagen und da mal gucken, wie das so ist, was die anbieten. Gerade kleine Verlage werden ja, glaube ich, auch häufiger immer mal wieder gegründet. Die sind eigentlich immer auf der Suche nach Inhalt und nach guten Autoren und guten Geschichten.
Helen
Ja, find’s mega cool. Also auch einfach super inspirierend, weil ich finde es irgendwie so cool, dass du gehst da so pragmatisch dran. Also so klingt es zumindest.
Marie-Luise Kissler
Vielleicht ist das so meine Eigenart.
Helen
Aber irgendwie ist das so, also weiß ich nicht, das finde ich auch total ermutigend, weil ich glaube, ich neige vielleicht einfach manchmal auch dazu, zu sehr mit mir so selbst zu verknüpfen. Aber wenn man es einfach wie so ein Projekt eben betrachtet, so ich probiere es jetzt einfach. Ja, ich glaube, man wird auf jeden Fall glücklicher in diesem Prozess und warum nicht? Also ich meine, das kann ja funktionieren und ja, also irgendwie habe ich jetzt Lust, das auch mal auszuprobieren, aber ich habe gerade keine konkrete Idee.
Marie-Luise Kissler
Ich glaube, bei mir war das auch, es muss halt irgendwie die Idee da sein, die dich antreibt weiterzumachen. Ich habe auch schon von Leuten oder mit Leuten mich unterhalten, die haben schon ein fertiges Buch irgendwie in den Händen und sagen, die finden keinen Verlag. Ich glaube, dass da vielleicht auch oft der Mut fehlt oder auch die Zeit fehlt, Die Kapazität fehlt wirklich, diese Verlage einfach kontinuierlich zu befeuern. Also, wie du sagst, ich sehe das sehr pragmatisch, eigentlich wie bei so einer Bewerbung. Wenn du 20 Absagen bekommst, ja gut, dann sind es halt 20 Absagen. Aber vielleicht der 21. Denkst du es vielleicht? Also, ich bin dann vielleicht auch einfach sehr optimistisch. Ja, ich denke mir immer, es ist doch super schade, wenn du dir so viel Arbeit machst und so eine gute Sache in den Händen hält und so einen Mehrwert schaffen willst, für die Gesellschaft irgendwo, weil ich finde, das ist immer noch ein Kulturgut, was du dann fabrizierst, so ein Buch, egal welches Thema. Das ist total schade, wenn das dann daran scheitert. Also im Zweifel dann selber in die Hand nehmen.
Helen
Ja, natürlich.
Marie-Luise Kissler
Ich bin davon überzeugt, irgendeinen Menschen wirst du ja damit begeistern können. Und ich glaube, heutzutage gerade auch Social Media und so, das gibt uns so viele Möglichkeiten. Also da darf man einfach nicht aufgeben, glaube ich.
Helen
Ja, voll gut. Du hattest ja auch eben davon gesprochen, dass du so diesen, ja im Grunde so einen kreativen Raum brauchst oder so für dich im Kopf, so ist klar, jetzt ist Kreativzeit. Das fand ich irgendwie total spannend, weil ich glaube, da habe ich einfach nicht im ersten Moment so dran gedacht, du hast ja ein Sachbuch geschrieben und irgendwie habe ich dann einfach Kreativität, glaube ich, ausgedacht, braucht man nicht kreativ sein. Klar, ich meine, es ist immer noch ein Buch und wo du was schreibst. Aber ich finde es total spannend, wie du das so beschrieben hast. Und auch da hattest du irgendwie sehr klare Abläufe, wie du das angegangen bist. Also ich habe das Gefühl, du könntest auch vielleicht so Coachings anbieten, wo du einfach ein bisschen erklärst, so okay, wie würde Marie-Luise Kissler das jetzt angehen?
Marie-Luise Kissler
Ja, also ich versuchte immer sehr offen, so mit umzugehen, weil ich glaube auch jeder ist da anders jeder lernt auch anders vielleicht habe ich das auch einfach während meiner studienzeit sehr gut beobachten können in meinem freundeskreis in meiner wg wie die leute so lernen und sich halt die räume schaffen um ja produktiv zu sein sag ich mir ja und da ist ja jeder anders manche sind früh morgens total gut manche sind abends total gut. Manche brauchen Technomusik irgendwie. Ich brauche immer sehr, sehr sanfte Musik irgendwie. Also meine Go-To-Playlist war immer Ed Sheeran. Ich hab einfach immer eine Ed Sheeran-Playlist angemacht und immer wenn ich den jetzt heute höre, dann schiebt es sofort wieder irgendwie hoch. Aber ich finde da muss man einfach sich selbst auch so ein bisschen kennenlernen und nicht alles funktioniert. Also wenn du jetzt eine Ed Sheeran-Playlist anmachst, glaube ich nicht, dass du auf einmal das Bedürfnis verspürst, ein Buch zu schreiben.
Helen
Ich muss schreiben.
Marie-Luise Kissler
Genau. Und jeder hat da, glaube ich, so seine eigenen Tricks. Auch vielleicht, weiß ich nicht, vielleicht ist man an einem bestimmten Platz, vielleicht ist man an einem bestimmten Ort, weiß ich nicht, im Büro oder so oder im Café. Das ist, glaube ich, ganz, ganz unterschiedlich. Vielleicht funktioniert man auch gut, wenn man mit Freunden irgendwie zusammensitzt oder so, dass man jemanden irgendwie dabei hat und dann mal sagen kann, ey, kannst du das mal kurz durchlesen? Also ich glaube auch so Vertrauenspersonen sind sehr, sehr wichtig bei diesen Prozessen. Auch wenn die keine Ahnung vom Bücherschreiben haben. Aber ich glaube, es ist immer wichtig, jemand zu haben, der dich ermutigt weiterzumachen und zu sagen, ey, das vielleicht auch mal ehrliche Kritik, ne? So, ey, ich hab mir das jetzt durchgelesen, Das verstehe ich nicht so ganz. Was meinst du damit? Ich glaube, das ist sehr, sehr hilfreich, wenn man so Buchprozesse hat, dass man nicht alleine ist. Weil alleine sein macht es immer schwerer, in allen Lebenslagen, würde ich sagen. Wenn wir uns das jetzt aufs Buch beziehen, ist allein sein an der einen Seite schön, weil man mit sich selbst beschäftigt und das schreiben kann, was man selber will. Auf der anderen Seite gab es ein bisschen Feedback und vor allem Support. Super wichtig beim Buchschreiben. Dieses bisschen vielleicht auch in den Hintern treten nicht aufzugeben. Ich glaube, zumindest bin ich so ein Typ, ich brauche dazu auch mal so einen kleinen Tritt in den Hintern. Oder eine Familie, glaube ich, ganz gut. Und die hat mich dann auch viel ermutigt, da weiterzumachen und dabei zu bleiben. Und weil klar hat man auch irgendwann so vielleicht Phasen, wo man denkt, ich schmeiß hier gleich alles hin und warum hab ich mir das angetan? Warum habe ich diese 80 Menschen gefragt? Warum habe ich 80 Menschen gefragt? 50 hätten es auch getan. Fünf hätten es auch getan. Aber nein, nein, es muss ja schon 80 sein. Aber solche Phasen gibt es natürlich. Und da ist es glaube ich super wichtig, dass man Leute hat, die einen auch weiterhin ermutigen und sagen nein du schaffst das also vielleicht bin ich auch so groß geworden ja dass man so sich so gegenseitig supportet aber ich vermute wenn ich das nicht gehabt hätte wäre ich schon eher dazu geneigt gewesen hier und da auch mal abzubrechen
Helen
Was glaube ich sofort ich weiß ich aber irgendwie auch spannend finde was du jetzt meintest so ein bisschen rauszufinden wie tickig, was liegt mir vielleicht. Irgendwie denke ich da auch so, du musst dich vielleicht ein bisschen davon lösen, was du denkst, wie eine schreibende Person aussieht. Dass du das irgendwie ganz romantisch in so einem einsamen Haus irgendwie mit Blick ins Grüne oder so machst. So einfach mal ein bisschen herum experimentierst, was für dich gut funktioniert. Also ich zum Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit Ed Sheeran im Ohr nicht gut funktionieren würde, weil ich glaube, ich könnte gar nicht gut gebrauchen, wenn ich da Text höre. Also ich glaube für mich würden Melodien vollkommen dann ausreichen und wahrscheinlich eher stille. Also ich wäre auf jeden Fall mal bereit, mich auf das Experiment einzulassen. Ich finde das irgendwie immer wieder spannend, weil hier höre ich ja von vielen verschiedenen Versionen, wie Menschen schreiben und ich frage mich immer, wie funktioniert das so? Ich habe hier das Buch quasi so digital vor mir und ich meine bei der Gelegenheit kann ich vielleicht auch mal kurz einen Klappentext vorlesen gleich, aber ich wollte immer fragen, weil auf dem Cover bist du ja selbst und häufig, also wir haben ja hier häufiger eher mit so RomanautorInnen zu tun und da ist ganz häufig Thema, dass die eigentlich sehr wenig Einfluss aufs Cover haben, vielleicht mal mit entscheiden dürfen oder irgendwie eine Meinung zum Cover abgeben dürfen. Aber wie war das? Hier ist das vielleicht bei Sachbüchern auch anders. War das ein extra Fotoshooting oder hattest du das Bild schon oder wie ist das abgelaufen?
Marie-Luise Kissler
Die Geschichte hinter dem Foto ist eigentlich ganz lustig, weil ich war hier in meiner Heimatstadt im Einkaufscenter und da habe ich dann bei so einem Fotografen, die hatten so eine Aktion, habe ich dann so eine Wand gedreht und dann habe ich ein Fotoshooting gewonnen.
Helen
Wie praktisch.
Marie-Luise Kissler
Da war ich schon im Schreibprozess und dann habe ich mir gedacht, ich probiere das mal so aus, wenn ich ein Buch wirklich rausbringe, dass ich so ein Foto habe, dass ich vielleicht auch das Kamera packen könnte.
Helen
Das ist ja cool.
Marie-Luise Kissler
Und dann habe ich das tatsächlich dafür genutzt und habe dann dem Fotografen da gesagt, in dem Studio, ja, ich schreibe hier ein Buch und ich hätte gern irgendwie so was, was man auch vielleicht aufs Cover packen könnte. Und ja, dann nahm das so seinen Lauf. Also ich habe es nicht extra dafür gemacht. Es war eher so ein glücklicher Zufall, dass ich dieses Shooting gewonnen hatte bei so einem Glücksspiel. Und ja, das ist dann tatsächlich auch geworden und da bin ich auch sehr dankbar, das war eine supernette Fotografin, die da auch wirklich alles mit mir ausprobiert hat und ja, das hat auch Spaß gemacht, ich hoffe, das sieht man dann auch auf dem Cover. Und ich habe mich dazu entschieden, selber auf dem Cover zu sein, weil es ja auch so ein bisschen um Sichtbarkeit geht bei diesem ganzen Buch. Es geht darum, Lebenswege sichtbar zu machen und ich hätte, glaube ich, nichts Unpassender gefunden als irgendwas Gesichtsloses auf diesem Cover zu haben. Also mir war klar, entweder ich packe irgendwie diese 80 Leute aufs Cover, im Zweifel. Das war halt, glaube ich, pixelmäßig nicht möglich. Das hätte auch komisch ausgesehen. Oder ich pack mich halt selbst auf, weil es geht ja auch so ein bisschen um meine Sichtbarkeit. Also ich hab ja auch die ganze Arbeit damit gehabt. Und dann finde ich das auch okay, wenn ich auf dem Cover lande. Muss ich ganz ehrlich sagen, das ist auch in Ordnung. Keine falsche Bescheidenheit.
Helen
Ja, absolut.
Marie-Luise Kissler
Das war jetzt nicht extra dafür gemacht. Der Springer Verlag fand es auch gut, dem hat das Cover auch gefallen. Die haben erstmal ein bisschen geschluckt, weil für so Sachbücher ist das vielleicht nicht so gang und gäbe, dass solche Cover genutzt werden. Die waren aber doch dann, glaube ich, recht schnell davon überzeugt, weil, wie du auch vielleicht schon so merkst, ich habe auch irgendwo so eine Agenda, ja, ich habe schon so eine Vorschau aussehen kann, und da muss man mich erstmal davon überzeugen, dass das andere besser wäre.
Helen
Das finde ich richtig gut.
Marie-Luise Kissler
Und deswegen bin ich, sage ich mal, mit einer Idee reingegangen, und dann habe ich mir noch ganz viele andere Optionen geben lassen, Und am Ende habe ich eigentlich alle davon überzeugt, dass das doch die beste Lösung ist.
Helen
Voll gut.
Marie-Luise Kissler
Dann haben wir das genommen.
Helen
Ja, richtig cool. Super inspiriert.
Marie-Luise Kissler
Es gab sehr, sehr viele Optionen. Die waren auch alle super. Aber mir war es irgendwie wichtig, dass Gesicht gezeigt wird.
Helen
Ja, das finde ich gut.
Marie-Luise Kissler
Also auch ich habe ja einen Lebensweg, der vielleicht anders ist als von anderen, der vielleicht auch gleich ist wie von anderen. Also jeder ist da ja so ein bisschen auch individuell. Und das fand ich dann schon wichtig, dass es auch einladend wirkt.
Helen
Ja, finde ich tut es auf jeden Fall. Bist ja auch sehr sympathisch.
Marie-Luise Kissler
Das stimmt.
Helen
Aber vielleicht lese ich dann mal kurz den Klappentext vor. Dann wissen alle, dass sie das jetzt brauchen in ihrem Leben. [Helen liest den Klappentext von »80 Menschen – 80 Storys« vor – er steht hier nicht im Wortlaut.] Finde ich mega spannend. Ich bin ja auch voll so im Sachbuch-Game, muss ich tatsächlich sagen. Allerdings, und das habe ich mich zwischendurch gefragt, ich höre viele Sachbücher irgendwie als Hörbuch. Das finde ich für mich immer voll praktisch. Und da frage ich mich, ist das auch noch in Planung? Ist das auch Was, was, was du, also könntest du das jetzt auch losgelöst vom Verlag eigentlich noch selbst umsetzen oder brauchst du da quasi die Zusage vom Verlag?
Marie-Luise Kissler
Sehr gute Frage.
Helen
Muss ich selber recherchieren?
Marie-Luise Kissler
Hab ich, nee, hab ich schon recherchiert. Ja, ich kann es als Hörbuch aufnehmen. Bei meinem Verlag ist es so, dass ich das selber auf eine Faust aufnehmen kann und die publizieren das dann unter dem Springer Verlag. Das ist jetzt nicht einfach bei Spotify hochladen oder so. Weil die Rechte halt beim Springer Verlag liegen. Das geht da nicht. Aber ich kann das auch als Hörbuch anbieten, ja, hab ich auch vor. Ich muss nur die Zeit noch finden, das Audio aufzunehmen.
Helen
Ach mega, aber ich mein, daran soll es nicht scheitern, es ist einfach ein neues Projekt.
Marie-Luise Kissler
Das ist wieder ein neues Projekt, ganz genau. Wo ich mir wieder diesen kreativen Raum suchen muss.
Helen
Ja, aber ja, ich kann es total verstehen und ich höre sowas auch total gern.
Marie-Luise Kissler
Und habe ich auch schon öfter mal gehört oder die Anfrage bekommen und ich finde das auch total legitim. Und ja, ich würde das auch gerne als Hörbuch, also ich würde das gerne anbieten, aber ich kann jetzt keine Versprechung machen. Nachher schaue ich es irgendwie nicht, aber grundsätzlich.
Helen
Da sind wir beim Thema sofort. Frag jetzt einfach jeden Monat.
Marie-Luise Kissler
Ja, genau.
Helen
Wie laufen die Aufnahmen?
Marie-Luise Kissler
Genau, also als Hörbuch, das wäre schon schön, wenn es das auch gäbe. Ich bin da aber tatsächlich selbst für verantwortlich, das zu machen.
Helen
Okay, aber irgendwie auch cool, einerseits die Freiheit zu haben, aber andererseits wahrscheinlich wäre so ein bisschen Support auch nicht so schlecht, weil so eine Produktion ja vielleicht auch ein bisschen was kostet. Mindestens mal deine Arbeitszeit.
Marie-Luise Kissler
Ja, ich wollte gerade sagen, es kostet ja im Zweifel vielleicht erst mal nichts, weil ich nur die Audiodateien liefern muss. Die kann ich im Zweifel einfach mit dem Handy aufnehmen. Aber es kostet halt Zeit. Also ich finde generell ein Buch zu schreiben kostet kein Geld. Du hast heutzutage eigentlich alles, was du brauchst, auf dem Laptop oder so. Du kannst es auch mit dem Handy, mit Notizen. Also du kannst ja auch Zettel und Stift oldschoolmäßig machen. Es kostet aber Kraft und Zeit und Konzentration, Kreativität, also alles, was dir irgendwie kein Geld bringt vielleicht, ja, aber was dir wirklich Kraft kostet.
Helen
Ja, und dann machst du es halt auch ein bisschen vielleicht in der Hoffnung, dass es sich auszahlt. Und klar, ich denke, was einen auch antreibt, ist eben wie bei dir diese Vision oder diese Leitfrage. Du willst diese Leitfrage beantworten und deine Vision ist im Grunde, das anderen zur Verfügung zu stellen. Aber es gibt wahrscheinlich zwischendurch schon Momente, wo du denkst, ja, ich kann jetzt einfach nicht mehr.
Marie-Luise Kissler
Ich glaube, das ist auch so. Wir hatten uns schon mal so ein bisschen über die Finanzen auch unterhalten. Also was kriegt man dann auch so ein bisschen am Ende raus? Ich glaube, das ist ein bisschen die falsche Frage, um einzusteigen in was möchte ich denn mit einem Buch erreichen. Also kann schon sein, dass jemand sagt, okay, er möchte wirklich oder sie möchte Autor, Autorin werden. Ja, dann muss man sich glaube ich aber auch so ein bisschen im Klaren sein, wie schaffe ich das denn? Ich glaube dann ist es richtig wichtig, sich mal mit so Verlagshäusern und so auseinanderzusetzen und da auch wirklich eine Agenda zu haben, weil dann wird es ja zur Lebensgrundlage im Zweifel. Dann geht es ja darum, okay, kann ich irgendwie später meine Rechnung zahlen? Habe ich eine vernünftige Einkommensquelle? Kann ich damit planen? Zumindest würde ich mir das so denken. Für mich war jetzt eher so die Agenda, ein Buch zu schreiben, ich möchte Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Ich möchte irgendwie ein relevantes Thema hochbringen. Ich möchte ein relevantes Thema bearbeiten. Ich möchte selber mehr dazu lernen und habe eigentlich dann das dazu genutzt, so halt neben der Vollzeitarbeit das noch irgendwie in meiner Freizeit zu verinnerlichen und da halt einen Mehrwert zu schaffen. Und das Finanzielle war für mich nie ein Vordergrund.
Helen
Ja, weil, also auch, ich weiß nicht, wenn man sich da mal so einliest, der geringere Anteil landet ja tatsächlich bei AutorInnen. Es ist vielleicht auch gar nicht so ganz sinnvoll, das als einzigen Beweggrund zu nutzen. Ich glaube, da wird man auch nicht glücklich.
Marie-Luise Kissler
Genau, ich glaube aber auch nicht, dass das viele machen. Also jetzt für die Leute, die auch zuhören, ich glaube, das sind schon eher Buchenthusiasten, die gerne lesen und die auch Mehrwert darin sehen, auch einen kulturellen Mehrwert vielleicht, einfach in der Vielfalt, die man an Schreibstücken hat. Und ich glaube auch Leute, die ein Buch schreiben. Also die wenigsten haben, glaube ich, monetäre Gründe dahinter. Will ich aber bei einigen auch nicht ausschließen.
Helen
Was mich noch interessieren würde, liest du selber so Bewertungen oder, ich meine, gut, wahrscheinlich kriegst du auch einfach vieles so ungefiltert direkt geschickt. Ist das unangenehm oder denkst du dir auch, nee, das hilft mir, um das vielleicht beim nächsten Mal anders zu machen oder so? Wie fühlt sich das an, wenn man so Feedback bekommt?
Marie-Luise Kissler
Erstmal finde ich Feedback immer schön, weil egal welches, weil es mir zeigt, dass jemand das Buch gelesen hat. Dann denke ich mir, okay, dann habe ich so lange daran gearbeitet und es liest jemand. Also Feedback finde ich erstmal nicht negativ, sondern eher schön, dass sich jemand damit beschäftigt, mit der Thematik vielleicht auch. Ich lese mir das schon durch, also wenn irgendwo was geschrieben steht oder mir jemand auch verbal Feedback gibt, bin ich da immer sehr offen. Ich glaube, ich bin auch ein Mensch, der Kritik auch sehr gut annehmen kann und dann reflektiert. Zumindest möchte ich da so sein. Da probiere ich mich drum. Und ich finde, wenn jetzt irgendwer sagt, okay, das habe ich nicht so ganz verstanden oder so, nehme ich das auch an und der fragt das auch. Also auch ich bin ja nicht fehlerfrei und hab das Buch auch geschrieben, da weiß ich nicht, so zwei, drei Sachen jetzt aus heutiger Brille. Jetzt bin ich irgendwie noch ein paar Jahre älter, hätte ich dann vielleicht auch mal wieder anders geschrieben. Also heißt es nicht, dass ich dahinter nicht mehr stehe, ich stehe da komplett hinter. Aber es gibt ja immer Sachen, wo man sagt, okay, das könnte man vielleicht noch mal überdenken oder noch mal in einem anderen Zusammenhang sehen. Also wenn jetzt irgendwas, es kam jetzt eigentlich noch nichts großartiges, aber wenn jetzt was kommen würde, dann wäre ich total offen für das Feedback, was jetzt kommt, ist eigentlich schon häufig auch positiv, was mich natürlich super freut. Am meisten freut es mich, wenn Leute kommen und sagen, sie haben das Buch gelesen und fanden die und die Stelle total toll. Weil das ist so für mich so ein Highlight, wo ich sage, da kriegt man so richtig Rückmeldung von, das hat mir was gebracht, oder dieser Mensch hat mich inspiriert von diesen 80 Leuten, oder dieser Satz war total cool. Da sind, finde ich, so Feedbacks, wo ich sage, da weiß ich, dass ich das erreicht habe, was ich erreichen wollte.
Helen
Cool, voll schön. Also jetzt alle das Buch kaufen. Vielleicht auch aufs Hörbuch warten, aber ich würde eher sagen, lest das einfach jetzt vorher schon mal, dann kann man immer noch mal das Hörbuch hören und dann Feedback schicken.
Marie-Luise Kissler
Gerne.
Helen
Ich fand das richtig, richtig cool. Danke, Marie, dass du auch so offen warst und uns so ein bisschen einen Einblick gegeben hast, wie das so abläuft, wenn man eine Idee für ein Buch hat und das gerne veröffentlichen würde. Ich glaube, da haben wir jetzt jede Menge Tipps und Tricks, wie wir vorgehen können. Und ja, ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Erfolg weiterhin damit. Ich muss jetzt anfangen zu lesen unbedingt. Ich habe richtig Lust auf das Buch. Ich liebe einfach so Geschichten. Und dann sage ich dir auf jeden Fall auch Bescheid, was meine Lieblingsstelle war.
Marie-Luise Kissler
Super, freue ich mich. Ja, vielen lieben Dank, dass ich hier sein durfte. Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und ja, an alle, die zuhören, aufgehen, auf und Buch schreiben.
Helen
Ja, loslegen, bin ich gut.
Marie-Luise Kissler
Genau, loslegen.
Helen
Einfach machen.
Marie-Luise Kissler
Einfach fragen.
Helen
Einfach fragen, genau.
Marie-Luise Kissler
Danke dir.
Helen
Gerne.




