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Wir wollten beide ein Buch schreiben

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Podcast · Folge 66

Wir wollten beide ein Buch schreiben

Mareike Mgwelo schickte Helen eine Anzeige: Werde Autorin. Sie nahmen sich beide vor mitzumachen – am Ende hat nur eine abgegeben

11. April 2024 · 48 Minuten · Ganze Folge hören ↓

Stand heute

Diese Folge ist vom April 2024. Mareikes Buch war ein knappes halbes Jahr zuvor erschienen, die Interviewreihe dazu steckte noch in der Planung. Der Wettbewerb, über den das Buch entstanden ist, hieß damals Young Storyteller Award und läuft inzwischen als Thalia Storyteller Award – ohne Altersbegrenzung.

Das Einstiegsritual führt uns diesmal zu einem Sundowner in Südafrika: Hunter’s Gold, Hunter’s Dry oder Savanna, alles südafrikanische Cider. Mareike ist Hunter’s-Gold-Fan – Helen entscheidet sich nach kurzer Beratung für dasselbe.

Mareike Mgwelo

Autorin und Gründungsberaterin

Mareike hat den Bereich für Female Founders bei der Gründerplattform aufgebaut – so haben sich die beiden kennengelernt, als Helen sich dort meldete. Inzwischen arbeitet sie bei einer Bank in Bremen. Seit 2011 kommt sie immer wieder nach Südafrika zurück, wo ihr Mann lebt. Im Dezember 2023 ist ihr erstes Buch erschienen.

Eine Anzeige am Bahnhof

Mareike stand am Bahnhof, kurz bevor sie ihren neuen Job in Bremen anfing, als ihr auf Instagram eine Werbung von story.one ausgespielt wurde: Werde Autorin. Sie dachte sofort an Helen – und schickte ihr den Link bei LinkedIn.

Helens erste Reaktion war eindeutig.

Sobald da irgendwo stand, man solle Autorin werden, dachte ich: Bin ich nicht, will ich auch gar nicht werden.Helen

Geantwortet hat sie nicht sofort. Und in der Zeit dazwischen kippte es: Warte mal, sie hatte doch schon mal überlegt, ob sie nicht schreiben will. Es klang nach einer coolen Gelegenheit. Irgendwann einigten sich die beiden darauf, es zusammen zu machen.

Warum Mareike jemanden dabeihaben wollte

Gemeldet hatte sie sich nicht nur, um zu fragen, ob Helen Lust hat. Sie brauchte selbst Sparring – weil sie wusste: Sonst nimmt sie sich die Zeit vielleicht nicht, obwohl die Möglichkeit da ist. Das Thema hatte sie seit Jahren im Kopf; ein Dreivierteljahr zuvor hatte sie schon ihre Mentorinnen angeschrieben, ob jemand mit ihr ein Buch über Frauen in den STEAM-Berufen schreiben will. Da hatte sich nichts ergeben.

Diesmal passte das Timing: Sie pendelte damals jeden Tag drei Stunden im Zug, hatte für den Sommer noch einen längeren Urlaub geplant – und die Deadline fiel auf ihren dreißigsten Geburtstag.

Da dachte ich: Vielleicht ist das ein Zeichen. Mach das, Mareike. Nimm dir die Zeit.Mareike

Wer was gemacht hat

Die Arbeitsteilung der beiden lässt sich in einem Satz zusammenfassen, den sie im Gespräch selbst finden: Helen hat gesagt, was sie machen, Mareike hat gesagt, wann. Helen legte eine Struktur an, grobe Kapitel, einen Plan für beide. Mareike, nach eigener Beschreibung ein Last-Minute-Mensch, baute den Zeitplan drumherum.

Und dann legte sie los, während Helen noch überlegte, wie sie es angehen soll und was alles hineinsoll. Am Ende hat Helen nicht eingereicht: Es ging ihr gerade zu nah, und sie wollte den Sommer genießen.

Wenn der Drang da ist, etwas wirklich fertigzustellen, hat man noch mal eine ganz andere intrinsische Motivation. Bei dir waren die Prioritäten eben andere, und das ist vollkommen legitim.Mareike

Das Buch, das nie fertig wurde – und das, was daraus entstand

Die Grundlage lag schon lange in der Schublade. 2014 war Mareike über den DAAD drei Monate in Südafrika und führte dort für ein Projekt Interviews mit rund fünfzehn Sozialunternehmerinnen. Geplant war, ihre Profile in einem Buch zu veröffentlichen. Das wurde nie fertig.

Das hat sie eine ganze Weile mit sich herumgeschleppt: dass sie den Frauen nichts überreichen konnte, obwohl genau das der Kontext war, in dem sie sie kontaktiert hatte.

Für das neue Buch wollte sie darauf zurückgreifen – und stieß auf das eigentliche Problem: Die Interviews lagen fast zehn Jahre zurück. Zu einigen wenigen Frauen hatte sie noch Kontakt, zu den meisten nicht mehr. Sie suchte sie bei LinkedIn, fragte ihre damalige Kollegin, ob sie das Material überhaupt verwenden darf – und bekam nicht so schnell eine Antwort, wie sie gehofft hatte. Also änderte sie das Konzept.

Herausgekommen ist ein Buch, das autobiografischer geworden ist, als sie geplant hatte: über die Erfahrungen von Unternehmerinnen, über unternehmerische Energie, über ihre eigene Verbindung zu Südafrika. Ihr Mann hat ein Gastkapitel beigesteuert, What Makes South Africa Special to Us. Bei story.one sind die Bücher auf maximal siebzehn Kapitel begrenzt, ein Kapitel etwa drei Seiten. Ihres hat fünfzehn Kapitel und endet auf Seite 65.

Was sie damit will

Der rote Faden ist schnell erzählt und zieht sich durch die ganze Folge.

Eine meiner Missionen ist wirklich, dass mehr Geld in die Hände von Frauen kommt. Ich glaube, wir können damit richtig gute Sachen machen.Mareike

Deshalb die STEAM-Berufe – Science, Tech, Engineering, Arts, Maths –, in denen sich gutes Geld verdienen lässt. Deshalb Entrepreneurship Education. Und deshalb ein Buch, das mit einem Call to Action endet: Wenn du etwas siehst, das dich interessiert oder inspiriert, teile es mit anderen. Genau der Satz, den Helen am meisten mochte – und genau das, was zu dieser Folge geführt hat.

»Mach doch trotzdem«

Die Geschichte, an der sich Mareikes Haltung am besten zeigt, spielt in Lesotho. Zwischen Bachelor und Master war sie dort ein Jahr im Freiwilligendienst über kulturweit und arbeitete in einem Büro, an dem draußen Program Manager Education stand. Die Rolle nahm sie ernster, als ihr Job es verlangt hätte: Wer mit einem Anliegen hereinkam, sollte Hilfe bekommen.

Eine Frau hatte sich ein Stipendienprogramm im Ausland herausgesucht und brauchte dafür eine Unterschrift der UNESCO-Nationalkommission. Die Vorgesetzte winkte sinngemäß ab: Das sei doch für Berufserfahrene, die Chancen seien gering. Mareike drängte sie trotzdem zu unterschreiben, bastelte sich für die E-Mail eine Signatur mit UNESCO, die sie vorher gar nicht hatte, damit es möglichst offiziell aussieht – und schickte es los.

Die Frau war am Ende ein halbes Jahr in Polen und hat, glaubt Mareike, sogar verlängert.

Warum Südafrika

Angefangen hat es mit Fotos. Der Bruder ihrer Oma war vor Jahrzehnten ausgewandert; 2011, in Mareikes Abiturjahr, flogen Eltern, Oma und Tante ihn besuchen und brachten Bilder und Erzählungen von drei Wochen mit. Mitgekommen war sie nicht – also suchte sie einen eigenen Weg. Beim International Office fragte sie nach Partnerschaften mit südafrikanischen Universitäten, bewarb sich, bekam ein Stipendium und studierte ein halbes Jahr an der Nelson Mandela University in Port Elizabeth, das heute Gqeberha heißt.

2014 kam sie über das Interviewprojekt zurück und recherchierte parallel für ihre Bachelorarbeit über nachhaltige Hausbauprojekte in den Townships. Kurz vor dem Rückflug lernte sie ihren Mann kennen. Seitdem kehrt sie immer wieder an denselben Ort zurück.

Ihr Buchtipp für Südafrika-Reisende ist kein Titel, sondern ein Ort: Buchhandlungen ansteuern, die keine Franchise-Konzepte sind. Davon gebe es sehr viele – man merke dem Land an, dass es gerne liest.

Eine Idee, die im Gespräch entsteht

Zwei Dinge nehmen die beiden mit. Erstens den Bücherautomaten: Mareike hatte im Studium einen Businessplan für einen Automaten geschrieben, in dem kleine Hersteller ihre Produkte am Campus testen können – zwei Jahre später stand er dort tatsächlich. Helen fragt, ob man das nicht für Bücher auspacken könnte.

Zweitens eine Reihe über Buchhandlungen im Ausland, geschrieben von Leser*innen, die dort leben oder zu Hause sind. Mareike bietet sich für Südafrika direkt an.

Was als Nächstes kommt

Mareike arbeitet an einer Interviewreihe zum Buch, die genauso heißen soll wie das Buch selbst. Das erste Interview hat sie in Südafrika geführt, mit einer Gründerin, die dort eine kleine Kinderbuchhandlung eröffnet hat; mit ihr ist auch eine Lesung geplant. Der größere Traum ist eine Lesereise durch mehrere afrikanische Länder, in Partnerschaft mit Inkubatoren, Acceleratoren oder Universitäten – dafür fehlt bisher das Geld.

Und ihr Rat an alle, die selbst veröffentlichen wollen: nachschauen, ob es gerade einen Wettbewerb gibt.

Gelegenheiten sind da, um genutzt zu werden. Also einfach mal machen.Mareike

Wenn du ein Vorhaben mit dir herumträgst, das du immer wieder verschiebst – hör rein.

Die ganze Folge hören

Das Buch aus dieser Folge

Mareikes erstes Buch, entstanden für den Wettbewerb, um den es in der Folge geht.

Buchcover »The love we share for entrepreneurship« von Mareike Mgwelo

The love we share for entrepreneurship

Mareike Mgwelo · story.one · auf Englisch

Fünfzehn kurze Kapitel über unternehmerische Energie, über Frauen, die in Südafrika Sozialunternehmen aufgebaut haben, und über Mareikes eigene Verbindung zu dem Land. Mit einem Gastkapitel ihres Mannes.

Bei Thalia ansehen

Der mit »Bei Thalia ansehen« gekennzeichnete Link ist ein Affiliate-Link. Kaufst du darüber, bekommen wir eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts. Mareike hat außerdem noch eigene Exemplare, die sie in der Region Bremen und Oldenburg persönlich verkauft; wer dort wohnt, kann sie über LinkedIn ansprechen.

Häufige Fragen

Wie funktioniert so ein Schreibwettbewerb?

Man schreibt in der Software des Anbieters und reicht bis zu einem festen Stichtag ein. Wird das Buch angenommen, bekommt man es gedruckt mit ISBN zugeschickt und kann es selbst vermarkten. Der Umfang ist begrenzt: Bei story.one sind es maximal siebzehn Kapitel von je etwa drei Seiten.

Wie lange hat Mareike für das Buch gebraucht?

Von der Entscheidung bis zur Abgabe war es weniger als ein halbes Jahr. Geschrieben hat sie vor allem im Zug – sie pendelte damals täglich drei Stunden – und im Urlaub kurz vor der Deadline. Die Einleitung entstand an einem Stück auf einer Zugfahrt.

Wofür steht STEAM?

Science, Tech, Engineering, Arts und Maths. Das A für Arts ist die Erweiterung des bekannteren STEM. Gemeint sind technische und naturwissenschaftliche Berufswege – Felder, in denen sich nach Mareikes Einschätzung gutes Geld verdienen lässt.

Was ist die Gründerplattform?

Eine Plattform, die bei der Gründung eines Unternehmens begleitet – von der Idee bis zu der Frage, welche Rechtsform passt. Mareike hat dort den Bereich für Female Founders aufgebaut und war Ansprechpartnerin für Menschen, die eine Mentorin gesucht haben. So haben sich die beiden kennengelernt.

Gibt es Buchempfehlungen aus Südafrika?

Mareike nennt keinen einzelnen Titel – sie liest selbst vor allem Fachbücher und Biografien. Ihr Tipp ist ein anderer: vor Ort in Buchhandlungen gehen, die keine Franchise-Konzepte sind. Davon gebe es in Südafrika sehr viele.

Mehr zu Mareike

Die ganze Folge zum Nachlesen

Automatisch erstellt und nur grob korrigiert – es kann Fehler enthalten, auch bei der Zuordnung, wer gerade spricht. Maßgeblich ist die Aufnahme.

Helen
Herzlich willkommen, Mareike. Ich freue mich sehr, heute mit dir über dein Buch zu sprechen, über den Schreibprozess, darüber, wie das alles zustande gekommen ist – und auch ein bisschen darüber, was das mit uns zu tun hat. Aber bevor wir damit starten, habe ich zwei Fragen an dich: Wo sind wir gerade, und welches Getränk hast du uns mitgebracht?

Mareike
Wir sind bei einem Sundowner in Südafrika, beim Sonnenuntergang. Du darfst dir aussuchen, ob du lieber Hunter's Gold, Hunter's Dry oder Savanna magst – da gibt es immer verschiedene Parteien. Ich bin Hunter's-Gold-Fan.

Helen
Das klingt richtig gut. Du musst mir gleich noch genauer erklären, was das ist – aber erst mal stoßen wir an.

Mareike
Ja, cheers.

Helen
Ich weiß nämlich überhaupt nicht, was da drin ist und was die Unterschiede sind. Wozwischen kann ich da wählen?

Mareike
Das sind alles Cider, nur eben verschiedene Marken – so wie du hier zwischen Fritz-Kola und Coca-Cola entscheidest. Sie haben alle eine etwas andere Note.

Helen
Kommt das auch aus Südafrika?

Mareike
Da fragst du mich was. Es wird jedenfalls immer so beworben, als käme es von dort. Kaufen kann man es auch in Deutschland, in bestimmten Läden – aber ich habe es hier erst ein, zwei Mal gesehen.

Helen
Cider klingt gut, das mag ich gerne. Die Stimmung sitzt schon mal. Ich habe selbst noch mal überlegt, wie das alles zustande gekommen ist. Du hattest mir geschrieben, ich glaube bei LinkedIn, und einen Link mit mir geteilt – du hattest etwas entdeckt und gedacht, das könnte etwas für mich sein. Vielleicht hast du es besser in Erinnerung. Ich habe das Gefühl, da fängt es an.

Mareike
Ich stand am Bahnhof – da hast du richtig in Erinnerung. Das war kurz bevor ich meinen Job in Bremen bei der Bank angefangen habe, ich bin gerade mit dem Zug zurückgefahren. Über Instagram wurde mir eine Werbung von story.one ausgespielt, und da stand: Werde Autorin. Da habe ich an dich gedacht und an Mädels, die lesen. Kennengelernt hatten wir uns ja ursprünglich über die Gründerplattform. Ich hatte dort den Bereich für Female Founders aufgebaut und saß hinter dem Laptop, wenn sich Menschen meldeten, die gerne eine Mentorin hätten. Inzwischen nennen sie es, glaube ich, Lotsinnen, weil wir ja durch die Plattform lenken. Die Gründerplattform hilft dabei, ein Unternehmen zu gründen – von der Idee und der Inspiration bis zu der Frage, welche Rechtsform zu einem passt. Du hattest dich bei uns gemeldet, wir haben ein paar Mal hin und her geschrieben, und dann habe ich den Job gewechselt.

Helen
Und ich habe dich schmerzlich vermisst.

Mareike
Ich fand es auch schade, die Gespräche abbrechen zu müssen. Eine Kollegin hat das natürlich toll weitergemacht – aber wenn man erst mal persönlich mit den Leuten schreibt, mit dem eigenen Namen darunter, ist das eben anders. Ich hatte trotzdem im Kopf, was du machst; das ist bei allen so, mit denen ich über Gründungsberatung oder Mentoring in Kontakt bin. Und dann habe ich dir das geschickt. Was war eigentlich deine Antwort, weißt du es noch?

Helen
Ich bin nicht mehr sicher, was ich geantwortet habe. Aber ich weiß noch, dass meine erste Reaktion war: Das ist nichts für mich. Sobald da irgendwo stand, man solle Autorin werden, dachte ich: Bin ich nicht, will ich auch gar nicht werden. Geantwortet habe ich nicht sofort – ich bin sowieso schlecht darin, sofort zu antworten. Und dann habe ich es sacken lassen und gedacht: Warte mal, ich hatte doch schon mal überlegt, ob ich nicht mal schreiben will. Es klang nach einer coolen Gelegenheit. Gekannt hatte ich das vorher nicht. Und irgendwann haben wir uns darauf geeinigt, es zusammen zu machen.

Mareike
Wir haben dann angefangen, einen Zeitplan zu schmieden, weil bis zur Deadline nicht mehr viel Zeit blieb. Gemeldet hatte ich mich bei dir vor allem, um zu fragen, ob das für dich spannend ist – aber auch, weil ich selbst Bedarf an Sparring hatte. Ich wollte es zu zweit machen, weil ich wusste: Sonst nehme ich mir die Zeit womöglich nicht, obwohl die Möglichkeit da ist. Das Thema hatte ich schon lange im Kopf, auch wenn das Buch am Ende ein bisschen anders geworden ist, als ich dachte. Das Timing war gut: Ich musste damals jeden Tag pendeln und saß drei Stunden am Tag im Zug, und für den Sommer hatte ich einen längeren Urlaub geplant, kurz vor der Abgabe – also war für den Endspurt, den ich immer brauche, noch Puffer da. Und die Deadline fiel auf meinen dreißigsten Geburtstag. Da dachte ich: Vielleicht ist das ein Zeichen. Dazu kam die Sorge, dass ich es sonst vielleicht nie mache. Ungefähr ein Dreivierteljahr vorher hatte ich schon meine Mentorinnen angeschrieben, die mich über die Jahre begleitet haben und wussten, dass ich diesen Wunsch habe: Hat jemand Lust, das mit mir zu machen? Ein Buch über Frauen in den STEAM-Berufen. Da hatte sich nichts ergeben. Deswegen dachte ich: Okay, das ist jetzt wohl das Zeichen. Mach das, Mareike. Nimm dir die Zeit.

Helen
Du musst gerade noch mal erklären, wofür STEAM steht.

Mareike
Ich hatte gehofft, dass ich das jetzt nicht auseinandernehmen muss. Also: S steht für Science, T für Tech, E müsste Engineering sein, das A ist Arts und M steht für Maths. Das sind alles eher technische und naturwissenschaftliche Berufswege, in denen Frauen gutes Geld verdienen können. Und eine meiner Missionen ist wirklich, dass mehr Geld in die Hände von Frauen kommt – ich glaube, wir können damit richtig gute Sachen machen. Deswegen wollte ich darüber schreiben. Dazu kam, dass ich 2014 über den DAAD drei Monate in Südafrika war und dort für ein Projekt Interviews mit Sozialunternehmerinnen geführt habe. Insgesamt waren es, glaube ich, fünfzehn Frauen – nicht alle aus Südafrika, aber alle mit Projekten dort. Das fand ich super inspirierend. Wir wollten Profile dieser Frauen in einem Buchformat veröffentlichen, aber das ist nie fertig geworden. Das habe ich eine ganze Weile mit mir herumgeschleppt: dass ich den Frauen nichts überreichen konnte. Das war ja der Kontext, in dem wir sie überhaupt kontaktiert hatten. Und dann liegen diese spannenden Gespräche einfach in der Schublade.

Helen
Wenn die Gespräche abgedruckt worden wären, wäre es ja auch deutlich umfangreicher geworden.

Mareike
Die Bücher bei story.one sind ja alle begrenzt, das sind keine hundert Seiten. Wir konnten maximal siebzehn Kapitel schreiben, so stand es jedenfalls in unserer Übersicht. Bei mir sind es am Ende fünfzehn geworden.

Helen
Und ein Kapitel sind ungefähr drei Seiten?

Mareike
Ungefähr drei Seiten, genau. Mein letztes Kapitel endet auf Seite 65, insgesamt sind es also knapp siebzig Seiten geworden.

Helen
Du hattest diese Interviews, wusstest also, worüber du schreiben willst. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass die Zeichenbegrenzung nicht leicht war und die Deadline auch nicht. Vielleicht gab es noch andere Hürden. Bei mir ist es ja schlicht daran gescheitert, dass ich gar nicht richtig angefangen habe. Wie war das bei dir, als du entschieden hattest, du machst das jetzt?

Mareike
Hänger hatte ich natürlich auch, wo ich das Gefühl hatte, es geht nicht voran. Der Anfang fiel mir aber gar nicht so schwer – ich hatte dir damals geschrieben: Ich habe gerade im Zug einfach mal die ganze Einleitung geschrieben, wo es hingehen soll, und bin total stolz auf mich, dass es so schnell ging. Da musste einfach raus, was schon länger schlummerte. Die eigentliche Herausforderung war das Konzept. Diese Interviews lagen ja knapp zehn Jahre zurück, von 2014. Bei den Frauen hat sich seitdem bestimmt eine Menge verändert, vielleicht sind sie gar nicht mehr in denselben Rollen. Zu einigen wenigen habe ich bis heute Kontakt, aber zu den meisten hatte ich keinen direkten Draht mehr. Ich habe angefangen, sie bei LinkedIn zu suchen, und meine damalige Kollegin gefragt, ob ich das Material überhaupt verwenden darf – das lief ja alles über den DAAD, die Universität Lüneburg und die Universität Oldenburg. Die Antwort kam nicht so schnell, wie ich gehofft hatte. Also musste ich mein Konzept ändern und überlegen: Wo kann ich starten, ohne ganz viel nachdenken zu müssen? Der Titel war mir früh eingefallen – die Liebe, die wir für das Unternehmertum teilen, auf Englisch: The love we share for entrepreneurship. Ich wollte über die Erfahrungen von Unternehmerinnen schreiben, über die Herausforderungen und darüber, was dabei helfen kann. Ich wollte darüber schreiben, wie man seine unternehmerische Energie für etwas nutzen kann, das mehr Wert für die Gesellschaft schafft. Und ich wollte meine Verbindung zu Südafrika hineinbringen. Am Ende hat mein Mann sogar ein Gastkapitel mitgeschrieben: What Makes South Africa Special to Us. Es ist dadurch auch autobiografischer geworden, weil viele persönliche Geschichten darin gelandet sind. Vom Aufbau her wollte ich es so anlegen, wie ich es Gründerinnen und Gründern auch rate: am Anfang etwas, das inspiriert und motiviert, dann viele Geschichten und Erfahrungswerte, die dich ermutigen, dem zu folgen, was du machen möchtest – und am Ende ein Call to Action. Eine meiner Visionen habe ich schon genannt: dass mehr Geld in die Hände von Frauen kommt. Aber auch der Zugang zu Ressourcen, zu Informationen, zu den Möglichkeiten, die das Internet bietet. Entrepreneurship Education, unternehmerische Bildung – das sind Themen, die mich schon immer begeistert haben, und das ist alles in dieses Buch eingeflossen. Deshalb ist es, glaube ich, für alle spannend, die sich vorstellen können zu gründen oder es schon tun und an der einen oder anderen Stelle hängen: um sich daran zu erinnern, warum sie es machen. Ein sehr motivierendes Buch, einfach dranzubleiben.

Helen
Dein Call to Action ist mir gerade wieder eingefallen, den mochte ich so gerne. Du schreibst im Grunde: Wenn du etwas siehst, das dich interessiert oder inspiriert, dann teile es mit anderen. Es kann alles sein – ein Buch, ein Artikel, ein Video. Das von Emma Watson hattest du sogar als QR-Code mit hineingenommen. Das fand ich total klasse.

Mareike
Weil du nie weißt, was es bei Menschen auslöst und was es öffnen kann. Vielleicht ist es nur ein kleiner Gedanke – bei dir war es ja auch so, dass ich dachte: Ich mache jetzt bei dem Wettbewerb mit, komm, Helen, schreib doch mit. Es gibt ganz viele Momente in meinem Leben, in denen ich dachte, das, was ich mache, hat vielleicht einen kleinen Impact, und am Ende war er bei den Menschen viel größer. Zum Beispiel, als ich zwischen Bachelor und Master ein Jahr in Lesotho war, für einen Freiwilligendienst über kulturweit. Ich habe dort in einem Büro gearbeitet, an dem draußen Program Manager Education stand. Diese Rolle habe ich, glaube ich, ziemlich eingenommen, obwohl das gar nicht mein Job war – ich dachte einfach: Wenn Leute ins Büro kommen und etwas von mir wollen, versuche ich, ihnen weiterzuhelfen. Darunter waren auch Frauen, die sich ein Stipendienprogramm im Ausland herausgesucht hatten und dafür eine Unterschrift von der UNESCO-Nationalkommission brauchten. Als ich damit ins Büro meiner Vorgesetzten ging, hieß es sinngemäß: Das ist doch für Berufserfahrene, ich glaube nicht, dass sie das bekommt. So direkt hat sie es nicht gesagt, aber dass die Chancen wohl gering seien. Da dachte ich: Mach doch trotzdem – wenn man es nicht probiert, kann man es nicht wissen. Also habe ich sie ein bisschen gedrängt zu unterschreiben, habe mir für meine E-Mail eine Signatur gebastelt, die ich vorher gar nicht hatte, mit UNESCO, damit es möglichst offiziell aussieht, und es abgeschickt. Am Ende war sie ein halbes Jahr in Polen, ich glaube, sie hat sogar verlängert. Das sind wahre Geschichten von Menschen, die einen Schritt gegangen sind und um Hilfe gebeten haben – und du hast ein bisschen Anteil daran, dass sie diese Erfahrung machen konnten. Ich finde es total wertvoll, wenn man solche Möglichkeiten schafft.

Helen
Genau das finde ich so inspirierend: Du bist einfach eine Macherin. Ich fand es total witzig, als wir gemeinsam den Plan überlegt haben. Du hattest gesagt, wir sollten uns grobe Kapitel überlegen – und dann das, was du eben meintest, mit der Einleitung. Ich war so: Wow. Als hättest du schon mal ein Buch geschrieben – eine klare Roadmap für uns beide. Und du hast einfach losgelegt, während ich ewig überlegt habe: Wie mache ich das jetzt, und was soll da alles rein? Bei mir ist es dann noch an etwas anderem gescheitert; ich hatte dir ja gesagt, dass es mir gerade zu nah geht und ich den Sommer auch genießen will. Aber ich fand es so inspirierend, dass du einfach machst. Das zeigt sich auch in den Geschichten, die du erzählst, und im Buch. Da würde ich mir manchmal gerne eine Scheibe abschneiden.

Mareike
Ich hatte es mir so fest vorgenommen, dass mich nichts davon hätte abbringen können. Zeitlich war es am Ende trotzdem ziemlich eng.

Helen
Die Struktur hast du übrigens gemacht – oder war es der Zeitplan? Ich glaube, den Zeitplan hattest du aufgeschrieben.

Mareike
Kann sein, ich habe dann noch ein paar Sachen ergänzt. Aber du hast gesagt, was wir machen – und ich habe gesagt, wann wir es machen.

Helen
Ja, genau.

Mareike
Ich bin ja mit dem Anliegen zu dir gekommen. Und ich weiß, dass ich ein Last-Minute-Mensch bin – ich kriege Sachen punktgenau zur Deadline fertig.

Helen
Ich glaube, es war wichtig, jemanden zu haben, der am Anfang ein Auge darauf hat. Deswegen war ich sehr dankbar, dass du zugesagt hast, obwohl du dir gar nicht sicher warst – und dass wir uns austauschen konnten.

Mareike
Ich wollte das einfach machen. Wenn der Drang da ist, etwas wirklich fertigzustellen, hat man noch mal eine ganz andere intrinsische Motivation. Bei dir waren die Prioritäten eben andere, und das ist vollkommen legitim – zu sagen, das ist gerade nicht dran. Ich bin ein sehr intuitiver Mensch. Meistens folge ich den Gedankengängen, bei denen ich noch keine Ahnung habe, wofür das gerade gut ist, aber glaube: Das sollte ich jetzt tun. Und dann mache ich es, weil ich weiß, dass meine Intuition meistens richtig liegt.

Helen
Das finde ich total bewundernswert. Zwei Fragen sollten wir noch klären – die Antworten stehen zwar beide im Buch, aber ich finde sie spannend. Erstens: Was begeistert dich so am Unternehmertum? Das fand ich schon am Anfang spannend, als wir uns kennengelernt haben: Du warst komplett überzeugt, während ich noch nicht wusste, ob ich dafür überhaupt geeignet bin. Du brennst ja wirklich für das Thema. Woher kommt das? Und zweitens: warum Südafrika?

Mareike
Unternehmerische Energie hatte ich, glaube ich, schon ziemlich früh. Das ist auch eines meiner Lieblingskapitel, in dem ich darüber schreibe, wo das herkommt. Ich habe zwei jüngere Brüder, und wir haben viel mit Lego gespielt. Aber ich war immer diejenige, die sich den kleinen Kassettenrekorder genommen, sich etwas überlegt und hineingesprochen hat – jemand, der gerne mit Menschen redet, das aufnimmt oder Sachen organisiert. Wir haben als Geschwister mal einen Zirkus in unserer Nachbarschaft organisiert und alle Nachbarn eingeladen. Unsere Eltern hatten uns einfach in den Ferien zu so einem Programm angemeldet, da haben wir Diabolo gelernt und diese Teller.

Helen
Das habe ich auch gemacht.

Mareike
Diese Teller, die man drehen kann – davon waren wir total begeistert. Bei diesem Zirkus-Ferienprogramm hatte ich auch die Möglichkeit, ein Einrad auszuprobieren. Danach habe ich meine Eltern überzeugt, dass ich unbedingt eines brauche, weil es so viel Spaß gemacht hat. Ich habe so viel geübt, bis ich es konnte – und war richtig gut darin.

Helen
Ich würde jetzt total gerne noch mal Einrad fahren.

Mareike
Ich kann das bestimmt auch noch. Am längsten habe ich damals gebraucht, um ohne Halt aufzusteigen.

Helen
Genau da bin ich unsicher, ob ich das noch hinbekäme. Aber wenn man einmal draufsitzt, kriegt man das wieder hin, oder? Man müsste sich nur ein größeres nehmen.

Mareike
Es war einfach faszinierend, und dann habe ich damit auch Sachen gemacht: Ich bin damit zur Schule gefahren, das war ziemlich weit weg. Aber ich hatte mir vorgenommen, einmal mit dem Einrad zur Schule zu fahren. Vielleicht war es auch ein bisschen fürs Ego – ich kann das. An der Universität hatte ich dann zum ersten Mal mit Entrepreneurship zu tun. Der erste Businessplan, den ich geschrieben habe, war, glaube ich, über ein Buch über die hundert besten Orte, zusammen mit Kommilitonen. Danach kam noch etwas anderes: Wie können wir coole Produkte, die von Menschen hergestellt werden, die noch keinen eigenen Shop haben, auf dem Campus validieren – also testen, ob Leute bereit sind, einen bestimmten Preis dafür zu zahlen? Die Idee kam, glaube ich, von meiner Dozentin: Lasst uns schauen, ob wir so etwas wie einen Getränkeautomaten hinbekommen, aber mit Fächern, in denen die Produkte ausliegen. Wenn du zum Beispiel deinen Beutel hast und wissen willst, ob Leute ihn kaufen. Dafür haben wir den Businessplan geschrieben: ob man das umsetzen kann, welche Partner sinnvoll wären, welches Konzept dahintersteht, wie man es vermarktet. Und ungefähr zwei Jahre später stand das tatsächlich auf dem Campus.

Helen
Können wir das nicht noch mal auspacken, und zwar für Bücher? Ein Bücherautomat.

Mareike
Wie ein Automat?

Helen
So etwas habe ich schon mal gesehen, ich glaube bei Pinterest. Es gibt ja diese Regale mit Büchern, aus denen man sich einfach etwas nehmen kann – im echten Leben habe ich das noch nicht gesehen, nur über Social Media. Und dann war das ein Bücherautomat, und ich dachte: Wie cool ist das denn, das will ich auch. Ich habe das Gefühl, das könnten wir probieren.

Mareike
Die Automatenidee war tatsächlich richtig cool, davon war ich begeistert. Es war aber nicht das erste Projekt, das ich selbst gemacht habe – davor war da ein Kalender. Den habe ich mit Photoshop erstellt, das Programm und das Design habe ich mir selbst beigebracht. Ich fotografiere ja auch gerne, und die Bilder hatte ich mitgebracht.

Helen
Jetzt kommen wir zum zweiten Teil: Südafrika. Woher kommt das?

Mareike
Ursprünglich gibt es eine Familienverbindung. Der Bruder meiner Oma ist vor vielen Jahren ausgewandert, bestimmt vierzig Jahre ist das her; er lebt inzwischen nicht mehr. Meine Eltern, meine Oma und meine Tante sind ihn und seine Frau besuchen geflogen, das war 2011, in dem Jahr habe ich Abitur gemacht. Sie haben ganz viele Fotos mitgebracht, und ich war sofort angefixt von diesem Land, von den Farben und Kulturen – ich tauche ohnehin gerne in Kulturen ein, die mir nicht so nah sind und über die ich mehr lernen möchte. Südafrika hat mich schon über die Fotos und Erzählungen begeistert, sie waren ja drei Wochen unterwegs. Und dann habe ich gedacht: Wie komme ich jetzt selbst dorthin? Mitgekommen war ich ja nicht, also musste ich einen Weg finden. Ich habe beim International Office nachgefragt, ob es eine Partnerschaft mit einer südafrikanischen Universität gibt – es gab zwei, eine im Landesinneren und eine am Wasser. Ich habe mich beworben und ein Stipendium bekommen, um ein halbes Jahr dort zu verbringen. Das war richtig toll. Ich war in Port Elizabeth, heute heißt die Stadt Gqeberha, und habe ein halbes Jahr an der Nelson Mandela University studiert. 2014 bin ich über dieses Projekt mit den Sozialunternehmerinnen wieder hin, über den DAAD, für drei Monate – und habe gleichzeitig für meine Bachelorarbeit recherchiert, qualitative Interviews. Darin ging es um nachhaltige Hausbauprojekte in den Townships. Zwei Rechercheprojekte parallel in diesen drei Monaten also. Und kurz bevor ich zurückgeflogen bin, habe ich meinen Mann kennengelernt. Da führte dann natürlich kein Weg mehr daran vorbei, wieder hinzufahren.

Helen
Das ist dann ja auch schon richtig lange her. Was hast du gesagt – 2004?

Mareike
2014.

Helen
Wow.

Mareike
Bald zehn Jahre.

Helen
Ich war tatsächlich noch nie in Südafrika. Reizen würde es mich auf jeden Fall – auch, weil wir in einem VHS-Kurs, den ich bis vor Kurzem hatte, englische Bücher gelesen haben. Eine der Teilnehmerinnen war beruflich viel international unterwegs, vor allem in Afrika. Als sie in Südafrika war, hat sie uns jede Menge Buchtipps mitgebracht: Sie ist in eine Buchhandlung gegangen und hat gefragt, welche Empfehlungen sie haben, die man aus Deutschland vielleicht nicht kennt – Menschen, die dort lokal schreiben. Und dann hatte sie eine lange Liste für uns dabei. So etwas liebe ich: sich ein Land anzulesen. Dadurch hatte ich Südafrika noch mal mehr auf dem Schirm. Gefühlt sind ja alle immer in Südafrika, nur ich habe es noch nicht hingeschafft. Deshalb die Frage: Hättest du Buchempfehlungen aus Südafrika? Liest du auch etwas aus dem Land, das wir hier nicht kennen? Damit überfalle ich dich jetzt ein bisschen.

Mareike
Alles gut, es ist ja ein Podcast von Mädels, die lesen. – da werden auch Fragen zu Büchern gestellt. Ich bin tatsächlich gerne in Buchhandlungen, auch in Südafrika, merke aber, dass ich eher Fachbücher lese, und das sind dann oft internationale Titel. Was ich außerdem sehr mag, sind Biografien, weil ich die Menschen und ihre Geschichten liebe. Aber mir fällt gerade kein Titel ein, von dem ich sagen würde: Den muss man unbedingt gelesen haben. Was ich aber empfehlen kann: Wenn man dort ist, in Buchhandlungen zu gehen, die keine Franchise-Konzepte sind – da findet man genau das. Und es gibt sehr viele Buchläden in Südafrika; man merkt auf jeden Fall, dass das Land gerne liest. Und da, wo ich meine zweite Heimat gefunden habe – ich kehre immer wieder an denselben Ort zurück, weil mein Mann dort lebt –, gibt es echt tolle kleine Buchhandlungen. Falls du mal vorbeikommst, meld dich einfach, dann sage ich dir, wo du sie findest.

Helen
Ich finde die Vorstellung so toll, dass man reisend Buchhandlungen international entdeckt. Ich frage mich nur, wie man solche Tipps gut sammeln könnte. Stell dir vor, du reist nach Südafrika und hast eine Liste mit schönen Buchhandlungen dabei.

Mareike
Du kannst mir einfach diesen Auftrag geben: Du willst im Blog von Mädels, die lesen. so etwas machen und eine Reihe daraus bauen. Wer weiß, vielleicht haben auch andere aus deiner Community Lust – für das Land, in dem sie gerade leben oder zu Hause sind.

Helen
Das ist eine gute Idee. Für Ideen bist du wirklich gut.

Mareike
Und dann kannst du das teilweise die schreiben lassen, die dort wirklich Erfahrung haben. Mich kannst du gerne losschicken, wenn ich das nächste Mal da bin – wahrscheinlich erst im Februar, weil ich ja gerade erst zurück bin. Ich habe auf jeden Fall Lust, noch mal mehr in die Szene einzutauchen, gerade weil ich jetzt selbst Autorin bin. Die ersten Buchhandlungen habe ich schon abgeklappert, um zu fragen, ob ich dort eine Lesung machen kann. Aber wenn es darum geht zu schauen, welche anderen Autorinnen und Autoren es dort gibt – sehr gerne.

Helen
Das muss ich mir merken. Wir haben seit Kurzem eine Art Blog auf der Website, das würde sich anbieten – und da müssen jetzt ohnehin Inhalte rein.

Mareike
Ja, sehr gut.

Helen
Hast du schon Lesungen gegeben, oder hast du Termine? Kann man dich irgendwo erleben?

Mareike
Eine ist auf jeden Fall in Planung, der Termin steht nur noch nicht. Wir machen das definitiv im Frühjahr, wenn ich zurück bin. Kurz vor meinem Rückflug habe ich nämlich eine Gründerin gesprochen, die eine kleine Buchhandlung für Kinderbücher aufgemacht hat. Mit ihr habe ich ein Interview geführt – das ist etwas, woran ich gerade arbeite: eine Interviewreihe zu dem Buch. Als Basis, weil ich mich daran erinnert habe, wie schön es war, diese vielen Interviews zu führen und die Geschichten zu hören. Das erste habe ich jetzt in Südafrika geführt, mein Mann schneidet die Inhalte gerade zusammen. Noch nicht ganz spruchreif, aber in Planung. Und mit ihr möchte ich auch eine Lesung auf die Beine stellen, die wird dann allerdings in Südafrika sein. Was ich außerdem sehr gerne machen würde, wäre eine Lesereise: in verschiedene afrikanische Länder fliegen, in Partnerschaft mit Inkubatoren, Acceleratoren oder Universitäten, die einen Entrepreneurship-Fokus haben oder ihren Studierenden diesen unternehmerischen Spirit mitgeben wollen. Dafür fehlt mir momentan noch das Geld, aber ich finde es einen tollen Plan. Und diese Woche hatte ich über die Arbeit unseren Female Founders Coffee Club – den machen wir einmal im Monat, da kommen etwa zwanzig Frauen morgens zu Kaffee und Croissants zusammen. Da habe ich auch ein paar Zeilen vorgelesen.

Helen
Oh, aufregend.

Mareike
Das war ganz schön. Die Anregung kam von einer Gründerin, die auf meinen LinkedIn-Post geantwortet hatte: Wir wollen auch etwas davon hören, lies doch mal vor. Da dachte ich: Okay, dann mache ich das mal.

Helen
Das finde ich richtig toll. Und das Buch ist auch wunderschön – das kann man in einem reinen Audio-Podcast schlecht zeigen, aber es hat ein wirklich schönes Cover, und ich bin eine Cover-Käuferin. Sag doch noch mal kurz, wie es heißt, wo man es bekommt und wo man sich generell mit dir verbinden kann.

Mareike
Das Buch heißt The love we share for entrepreneurship und ist in Zusammenarbeit mit story.one entstanden. Die haben eine Partnerschaft mit Thalia, deswegen liegt es gerade – aber nur noch für ein paar Wochen, wenn diese Aufnahme online geht vielleicht schon nicht mehr – in Hamburg bei Thalia im Regal. Ansonsten kann man es überall bestellen, wo es Books on Demand gibt: Thalia, Hugendubel oder Amazon.

Helen
Oder genialokal.

Mareike
Ich hoffe, die haben es auch.

Helen
Da habe ich es bestellt.

Mareike
Es gibt das Buch also auf den verschiedensten Plattformen. Und ich habe auch noch ein paar Exemplare, die ich persönlich verkaufe – allerdings nur in der Region Bremen und Oldenburg. Falls dort jemand mitliest und das Buch mal sehen oder kaufen möchte: einfach melden, am besten über LinkedIn. Da findet man mich unter meinem Namen, Mareike Mgwelo.

Helen
Den musst du inzwischen bestimmt überall buchstabieren.

Mareike
Ich habe mir das ja ausgesucht – einen etwas anderen Namen, den ich aus Afrika mitgebracht habe.

Helen
Ich muss auch überall buchstabieren.

Mareike
Ich fange an zu buchstabieren, und dann kommt: Was? So hört sich das doch gar nicht an. Ist das richtig?

Helen
Wenn ich irgendwo im Wartezimmer sitze und ein Name aufgerufen wird, schaue ich immer, ob jemand reagiert. Und wenn niemand reagiert, gehe ich davon aus, dass sie mich gemeint haben und es nur merkwürdig ausgesprochen wurde. Meistens merke ich das sofort.

Mareike
Man gewöhnt sich an alles – übrigens auch daran, Autorin zu sein. Das geht jetzt an die Zuhörerinnen und Zuhörer: Wenn ihr selbst mal veröffentlichen wollt, schaut doch einfach, ob es gerade einen Wettbewerb gibt. So habe ich es mir leicht gemacht: in dieser Software geschrieben, bis zu einem bestimmten Tag eingereicht – und dann bekommt man das Buch mit ISBN zugeschickt und kann es selbst vermarkten.

Helen
Das ist schon toll.

Mareike
Ich finde das eine richtig tolle Gelegenheit.

Helen
Und es gibt das bestimmt dieses Jahr auch wieder.

Mareike
Ja, gibt es. Die Deadline ist jetzt ganz bald, aber danach bestimmt wieder. Gelegenheiten sind da, um genutzt zu werden – also einfach mal machen.

Helen
Einfach mal machen – Mareikes Motto. Du hattest vorhin auch erzählt, dass du überlegst, das Buchprojekt weiterzuentwickeln und an einer Podcast-Reihe zu arbeiten. Das ist wahrscheinlich noch nicht so spruchreif, dass man etwas verlinken könnte.

Mareike
Verlinken kann man es noch nicht, aber wir arbeiten daran. Es wird genauso heißen wie das Buch. Ich suche gerade erst mal Frauen und Männer, die einen unternehmerischen Spirit haben, selbst gegründet haben und vielleicht Lust auf ein Interview hätten. Der Aufruf wäre also: Meldet euch, wenn ihr Interesse habt – gerne auch, wenn ihr eine Verbindung nach Afrika habt, das ist die Ecke, in die ich denke. Ich möchte möglichst diverse Geschichten erzählen, die motivieren, der eigenen unternehmerischen Energie zu folgen. Und weil mir Interviewreihen so viel Spaß machen, ist das eines meiner Herzensprojekte. Ich glaube auch, dass es nicht mein letztes Buch gewesen sein wird.

Helen
Du hast jetzt Lust bekommen. Auch dafür ist das eine tolle Einstiegsmöglichkeit – es nimmt ein bisschen den Schrecken, wenn man es schon einmal gemacht hat. Und du hättest ja noch ein paar Jahre, um jedes Jahr mitzumachen. Ich glaube, es geht bis 34, oder?

Mareike
Nicht mal das. Sie haben die Altersbegrenzung aufgehoben, seit sie eine richtige Kooperation mit Thalia gemacht haben – als Thalia Storyteller Award. Da gibt es keine Altersgrenze mehr.

Helen
Also mitmachen, Chancen nutzen. Ich fand das total spannend. Und bevor die Sonne komplett untergeht, trinken wir unseren Hunter's Gold aus.

Mareike
Du hast dich also für den Hunter's Gold entschieden. Sehr gute Wahl.

Helen
Ich hatte auch einfach wieder vergessen, wie die Alternativen hießen.

Mareike
Ich schicke dir noch mal das Bild, das ist so schön. Ich war auch mal in Namibia, auf Safari – das war wirklich krass. Am Ende war auf einer Düne im Sand ein kleines Buffet mit Sundowner aufgebaut. Das war eine coole Erfahrung. Alle, die das noch nicht gemacht haben, können sich das mal auf die Bucketlist schreiben.

Helen
Ich versetze mich gerade in die Situation. Gedanklich bin ich längst da.

Mareike
Genau, bevor die Sonne untergeht. Und wir verabschieden uns an dieser Stelle von euch.

Helen
Ich danke dir sehr für deine Offenheit. Ich fand es total spannend, das noch mal mit dir Revue passieren zu lassen – und ich liebe dieses Gefühl, hinter die Kulissen zu blicken. Danke, dass du uns mitgenommen hast.

Mareike
Sehr gerne. Danke, dass wir das heute gemacht haben, Helen. Ich habe mich total gefreut, dass wir uns kennengelernt haben und in Kontakt geblieben sind. Es war schön, heute mit dir zu sprechen, und ich bin gespannt, was noch kommt.

Helen
Ich bin auch gespannt, was du noch alles in petto hast.

Mareike
Und ich bei dir.

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