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Monatsbuch 09/22

Die Wut, die bleibt

von Mareike Fallwickl

Mareike Fallwickls neuer Roman über die Last, die auf den ­Frauen ­abgeladen wird, und das Aufbegehren: ­radikal, wachrüttelnd, empowernd.

So haben die Mädels das Buch bewertet:

mit 159 Mädels gelesen
Lieblingsfigur: Sarah


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Antworten von Mareike Fallwickl auf unsere Fragen

Wie hast zum Trauerprozess von Angehörigen nach einem Suizid recherchiert?

Eine meiner besten Freundinnen arbeitet seit vielen Jahren in der Suizidprävention und Traumabewältigung, mit ihr habe ich viel gesprochen. Klar hab ich mir auch dichterische Freiheiten genommen, dass etwa eine Betreuung der Angehörigen stattfindet, wird nicht erzählt, weil es für die Handlung an sich irrelevant gewesen wäre. Diese Dinge (wie auch beispielsweise eine Triggerwarnung) sind aber nicht allein meine Entscheidung, da spricht ja auch der Verlag bzw. das Lektorat mit — meine erste Fassung war in der Hinsicht ein wenig anders. Letzten Endes ist es ja ein literarisches Gedankenspiel, keine Nacherzählung realer Fakten.

Warum hast du dich für diese stark ausgeprägte Gewalt entschieden? Was war das Ziel dahinter?

Lolas Part erzählt, wie Frauen den öffentlichen Raum erleben. Franziska Schutzbach beschreibt sehr gut, warum der öffentliche Raum für uns anders gestaltet ist, wieso permanent Energie von uns abgezogen wird und wie das zur Erschöpfung der Frauen führt. Weil mein Roman aber ein fiktives Werk ist, das ja eine gewisse Spannung und Sogwirkung haben soll, zeige ich nicht das, was wir gewöhnt sind: dass die Gewalt von den Männern in Richtung Frauen geht. Das ist für uns normal, so sind wir sozialisiert. Das Buch aber dreht das um, erzählt aus der anderen Richtung, und das löst ein tiefes Unbehagen aus. Das ist das Patriarchat, es lässt herzlich grüßen! Wir haben nicht gelernt, dass Frauen wütend sind und sein dürfen, wir haben keinen Rahmen für weibliche Gewalt, Frauen sollen sanft sein und lieb, außerdem, bitte, wo führt das denn hin, wenn die plötzlich zurückschlagen? Wie weit darf Wut gehen? Muss Wut zwangsweise destruktiv sein? Diese Fragen stellt das Buch, und daran darf man sich abarbeiten. Warum man das nur schwer aushalten kann. Warum aber viele Lesende sagen „naja, wenn es vier Jungs wären, wär’s okay, Jungs sind halt so, die prügeln sich schon mal im Park, hey, Testosteron …“ Ich bin aber positiv überrascht, dass so viele, fast alle, Leser:innen sehr genau verstanden haben, was ich aufzeigen wollte, und dass es vor allem in der Presse viel Wohlwollen für diesen Erzählkniff und das kleine Augenzwinkern dahinter gab.Eines der wichtigsten Themen des Buches ist also dieser Zufall, der auch mit unserer Herkunft eng verknüpft ist und uns alle von Beginn lenkt – wo man geboren wird, in welche Familie etc. Ich wollte das also literarisch simulieren, den Zufall in die Hände der Leser und Leserinnen geben, und das ging eben nur, indem ich die Fäden aus der Hand gab und die Entscheidungen anderen überließ.
Und zum zweiten war dies inhaltlich auch ein erzählender Weg, von meiner Großmutter Abschied zu nehmen. Sie mitzunehmen in eine Geschichte, in der sie selbst zuletzt auch viel unterwegs war, in den Resten ihrer Erinnerung an ihren Mann und an das Dorf, in dem sie als Paar zusammenkamen (so glaubte ich es, die wahre Geschichte ist dann doch etwas sachlicher und banaler).

Beim Livestream zu 'Dunkelgrün fast schwarz' vom 26.11.2020 hast du uns 'Alles Stehende verdampft' von Darragh McKeon empfohlen. Welches Buch würdest du uns dieses Mal empfehlen?

Diesmal Sachbücher zum Thema: Die Erschöpfung der Frauen von Franziska Schutzbach, Wir sind doch alle längst gleichberechtigt von Alexandra Zykunov, Wut und böse von Ciani-Sophie Hoeder, Das Unwohlsein der modernen Mutter von Mareice Kaiser, Riot don’t diet von Elisabeth Lechner, Frauenliteratur von Nicole Seifert.

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